Skip to main content

Full text of "Deutschland Jahrg 2.1911/12"

See other formats










































































































































































































































w?».« 

















1 ■ . • ' C’ 



'V , . 

• ; r US/ 

1 ho y.j ,^'■.' 

> ' 1 A^.\ 

1 1 ' 

JI ’ ■ 

V./ A 

■ ro V./'... !’ ' r; . 

A / / ■ 

> » -ii- 




= js ■ Oisnii rat die deutschen üerkehrs-lnteressen m m 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher üetkehts-öetelne 





?Vb. 

























Die D-Zugverbindungen zwischen Cöln u. Frankfurt a.M. 

Nach dem Fahrplan vom I.Mai 1911. 

(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahn-Direktion Cöln.) 





Cöln—Frankfurt (linksrl 


Klasse l Hl Hl 2 1 2 1 2 1 3 1 Hl 3 


Fraiiktiirt—Cöln (linksrheinisch) 


Klasse z';,; l H 1 Hl 2 1 2 1 2 1 3 1 3| 


Cöln Hbf. 

Bonn 

Godesberg 

Remagen 

Andernach 

Coblenz 

Boppard 

Bingerbrück 

Bingen 

Mainz 

Frankfurt a.M, 


ab 


1 ^ 


H 2 H 


,1 oi 
557 


1007 


1105 

1125 | 

1207 

1212] 

1238 

133| 


1005 1120 
1050,1153 


1143 


*136 

211 


1248 

I 

146 

151 

217 

306 ] 


1213i 
1247 


142 

I 

24Ö 

250 

•316| 

410 


7 n 

7 ^ 

743 

I 

h’3i 

I 

928 

93 i 

1000 


82!^ 1034 
830 liosj 


900 

923 

9 M 

I 

1040 

I 

1116 


1043,1911 


1905 

I 

107 

112 

138 

220 


1158 

1231 


128 


245 

■; 2 (; 


Frankliirt a. 

Mainz 

Bingen 

Bingerbrück 

Boppard 

Coblenz 

Andernach 

Remagen 

Godesberg 

Bonn 

Cöln Hbf. 


ab l<j0 
„ 141 


000 


H 03 
an 435 


115 830 

2^ 920 
Hu 940 
317 loooj 
I 1038 
414 1 106 

1125 
1147 
1203 
f.OO 1215 
541 1950 


tl51 

246 

313 

340 

I 

438 


532 

605 


056 

*328 


537 


6 ^' 

703| 


266 

402 

429 

434 

I I 

544I 


638 

710 


610 840 
7n2 9^ 
733 1( 112 

730 10^ 
811 I 

843 11 ^ 

907 
9 ^ 

943 
9^ 1210 
1030 1 251 


Bis Mainz Eil- 
ziig 1 H Kl. 
Mainz Kastei 
ab Mainz Eil- 
zug 1 3 Kl. 


Cöln—Frankfurt 

(rechtsrheinisch) 

Klasse 1 Hl 2 1 Hl 

2 

1 2 

Frankfurt—Cöln 

(rechtsrheinisch) 

Klasse 1 2 1 2 1 

3 1 2 

Cöln-I^eiitx 

(ül)er 

Klasse l H 

—Frankfurt 

Gießen') 

!v lasse 

1 H 

Cöln Hhf. 

ab 

150 

1005 _ 


1127 

329 

Frankfurt a.M. ab 

1928 

918 

944 

256 

Cöln-Deutz 

ab 8*8 

Frankfurt a.M. ab 

457 

Cöln-Deutz 

! 


a 

S I 1015 



1 

Mainz, Kastei 


100 

257 

3 I 6 

328 

Troisdorf 


Friedberg „ 

1 

Troisdorf 



a> 

3 





852 

Wiesbaden 


118 

3 I 6 

H 38 

356 

Siegburg 

848 

Bad Nauheim „ 

536 

Beuel 

» 

<U 0 

0 

XiU 1 




403 

Rüdesheiin 


J 52 

346 

410 

427 

Betzdorf 

„ 1 954 

Gießen „ : 

609 

Königs win ter 

n 

-.3 

c 

® fl 1052 



1 

Niederlahnstein 


247 

441 

5 O 6 

1 

Dillenburg 


Wetzlar „ 

6 ^ 

Honnef 



0 

QQ 

fl 

OQ 





Ehrenbreitstein 

” 1 

9 L 6 





N 

Wetzlar 

„ In«» 

Dillenburg „ 

657 

Neuwied 






lvS 8 

I 448 

Neuwied 


313 






Gießen 

„ . 11 »* 

Betzdorf „ 

7 ^ 

Ehrenbreitsteiu 




1 




505 

Königswinter 


H 51 



( 

0 » 

l-i 0 

® u 

Bad Nauheim 

„ 1 12 ®‘ 

Siegburg „ 


Niederlahnstein 




11521 


104 

517 

Beuel 


401 





-fl 1 
» 1 

Friedberg 

n X 20 S 

Troisdorf „ ' 

8 ^ 

Rüdesheiin 




1216 IL 

*38 



613 

Troisdorf 


1 




21 

c 

c 

Frankfurt a.M. 

an ! i 1241 

Cöln-Deutz au 

917 

Wiesbaden 

an 

602 

[18 110 

029 

6 ^ 

Cöln-Deutz 


1 



641 

© 

CQ 


i 



Mainz, Kastei 


581 

1361 136 

244 

709 

Cöln Hbf. 

an 

430 

60 « 

- 

- 

1 ^^ 2 ^ 





Frankfurta M. 

' 


211 211 

H 1 > 

7 ;^ 














IC^zwischen Cöln (bezw. Cöln-Deutz) und Frankfurt — einschl. 

■—Schnellzug-Zuschlag — mit Gültigkeit über alle drei Wege: 


Lux.-Ziig 
22.30 Mk. 


I. Kl. 
17.20 Mk. 


11 . Kl. 

10.40 Mk. 


III. Kl. 
6.90 Mk. 












Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln 


• • 

X Bezug^spreis pro Jahr 6 M., viertel- X 

♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦ 

♦ 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦ 
X eines jeden Monats (im Juni, Juli X 

♦ und August monatlich zweimal) ♦ 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 


♦ ♦ 

X Anzeigenpreis 40 Pfennig die } 

♦ viergespaltene Kolonelzeile t 

♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦ 
X Breite. — Bei Wiederholungen X 

♦ entsprechende Ermälzigung ♦ 
•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦«♦♦♦« 


Nr. 1 


Düsseldorf « April 1911 


II. Jahrg. 


Worms, die Nibelungen- und Lutherstadtl 

Von Bernhard Peters. 


Ein stat lit an dem Rine, 

Die ist so wünnesam 
Und ist geheizen Wormez, 

Sie weiz noch maneg man. 

Also klingt's im Nibelungenliede. Wißt ihr noch, wie 
ihr als Jüngling euch am Klang dieses Heldengedichts be¬ 
rauschtet? Als ihr laset vom Reiche Günthers und seiner 
gewaltigen Helden, von der schönen Kriemhild, dem 
Recken Siegfried und dem grimmigen Hagen Tronje? 

Uns ist in alten maeren Von freude und hochgeziten, 
Wunders viel geseit, von weinen und klagen. 

Von beiden lobebaeren. Von küener recken striten [sagen. 

von grozer arebeit, muget ihr nu wunder hoeren 

So beginnt das 
Lied, und seine 
1. Strophe deutet 
euch den Inhalt 
der Geschichte 
Worms, die vom 
Glanz bedeut¬ 
samer Reichs¬ 
tage und kaiser¬ 
licher Heerlager 
erfüllt ist, von 
endlosem Bürger¬ 
streit und der 
Trübsal schwerer 
Heimsuchungen. 

Wer nachWorms 
reisen will, muß 
noch einmal das 
gewaltigste Hel¬ 
dengedicht unse¬ 
res Volkes lesen, 
und aufs neue 
wird ihn die ro¬ 
mantische Sehnsucht seiner Jünglingsjahre ergreifen, 
und mit Andacht wird er die Stätte betreten, da 
fünf Jahrtausende und unzählige Völker ihre Spuren 
zurückgelassen haben. 

•) Sämtliche Photographien stammen aus dem Verlage des Hofphoto¬ 
graphen Christian Herbst, Worms. 


Doch, da rollt der Zug schon in den Bahnhof ein. 
Ihr betrachtet ihn von der Siegfriedstraße aus, und er 
gefällt euch. Ja, so mußte er wohl aussehen, der Bahn¬ 
hof der Nibelungenstadt, von der euch der Führer er¬ 
zählt, daß alle ihre Bauten einen einheitlichen Charakter, 
einen eigenen Stil hätten, nämlich den romanischen 
Nibelungenstil. Drinnen und draußen trägt die Bahnhofs¬ 
halle reichen Bildhauerschmuck, Darstellungen, die auf 
die Geschichte der Stadt und ihre Sagen hinweisen. 

Und nun wandelt ihr durch lindengeschmückte 
Straßen ins Innere der Stadt, in das alte Worms hinein. 

Fragt mich nicht, welches Entstehungsjahr der 
Historiker der Stadt zuspricht. Keiner weiß es; denn 

lange vor Auf¬ 
treten der Kelten 
ist hier schon 
eine Ansiedlung 
gewesen. So ihr 
aber jetzt mit mir 
in das Paulus- 
Museum ein¬ 
tretet, wird euch 
dessen wissen¬ 
schaftlicher Ver¬ 
weser Herr Prof. 
Dr. Weckerling 
Bescheid geben, 
daß der Wonne¬ 
gau, dessen Mit¬ 
telpunkt Worms 
bildet, schon seit 
dem dritten Jahr¬ 
tausend v.Ch. be¬ 
wohnt gewesen 
sein muß. Fand 
man doch hier 
eine große Zahl von Gräbern, über die kein Zweifel 
herrscht, daß sie der jüngeren Steinzeit angehören. 
Und neben den neolithischen Funden betrachtet die 
Zeugen der La Tenezeit, denen sich die römische Ab¬ 
teilung, die fränkischen Funde aus dem 5. bis 8. Jahr¬ 
hundert unserer Zeitrechnung und schließlich die 













































2 DEUTSCHLAND Nr. 1 




stummen Zeugen des Mittelalters anreihen. Bei so ehr¬ 
würdigem Alter der Stadt darf es euch nicht wundern, daß 
Worms ein unvergleichlich reichhaltiges und wertvolles 
Museum besitzt. Es befindet sich in der romanischen 
Pauluskirche, die Bischof Burkard im Jahre 1016 an 
Stelle der alten 
Gaugrafen - Burg 
errichtete, nach¬ 
dem der weltliche 
Beherrscher der 
Stadt in blutigen 
Schlachten den 
Mannen des Bi¬ 
schofs erlegen 
war.—Fragt mich 
nicht nach den 
Völkern, welche 
vorübergehend 
hier eine Heimat 
fanden. Von den 
Kelten wißt ihr, 
ja, daß dieselben 
als Vorläufer der 
Germanen an 
den Rhein vor¬ 
drangen und hier 
jahrhundertelang 
den Wonnegau 


Worms: Raschilor 


die Vandalen aus teutonischem Urwald hervor und 
schmetterten die römischen Kastelle nieder. Das war im 
Jahre 406. Und 7 Jahre später kamen die germanischen 
Burgunder als Sieger ins Land gezogen, und sie grün¬ 
deten ein Reich, von dem die Sage Wunderdinge meldet. 

Laßt euch berich¬ 
ten vom Nibe- 
lun gen-Liede 
über die Pracht 
der fürstlichen 
Hofhaltung, über 
den Schmuck 
minniglicher 
Frauen und über 
dieHoheitstolzer 
Recken. — Lest 
im Rosengar¬ 
ten-Liede von 
Kriemhilde und 
Dietrich v. Bern, 
wie neben ed¬ 
ler Männlichkeit 
jungfräuliche Tu¬ 
gend und neben 
kraftvollem Waf¬ 
fenspiel die hold¬ 
seligste Poesie 
^gedieh. — Ver¬ 


bevölkerten. Kein Sagenbuch berichtet von dem Volke, 
das ihrem stählernen Schwerte, dem Kelt, erlag, und 
nichts wissen wir von den weiteren Geschicken des 
keltischen Eroberervolkes am Rhein. Als Julius Cäsar 
mit seinen Legionen an den Rhein kam, traf er hier auf 
den germanischen Volksstamm der Vangionen, die ihrer 
Stadt den kel¬ 
tischen Namen 
Borbetomagus 
gelassen hatten. 

Wie daraus all¬ 
mählich Borbet 
und schließlich 
Worms wurde, 
das vermag euch 
der Stadtarchivar 
von Worms ganz 
genau nachzu- 
weisen. 

Vierhundert 
Jahre herrschte 
das stolze Rom 
über Civitas van- 
gionum, errich¬ 
tete hier seine 
feine, reiche Kul¬ 
tur und hinter- 
ließWerke,deren 


Worms: Synagoge (die älteste Deutschlands) 


gesset auch das Lied vom hörnernen Siegfried 
nicht, das euch vom Drachentöter und seiner Hochzeit 
zu Worms berichtet. Das Waltharilied erzählt von 
einer dramatischen Episode aus jener Zeit, und der 
Sang von Biterolf und Dietleib berichtet von 
heftigem Streiten vor den Mauern der Burgunderstadt. 

Das sind die fünf 
großen Helden¬ 
lieder des deut¬ 
schen Volkes. 
Sang und Sage 
umklingen wie 
keine andere das 
alte Worms, die 
Stadt großerVer- 
gangenheit. 

Nur 23 Jahre 
bestand der Bur¬ 
gunder Herrlich¬ 
keit zu Worms. 
— Todestraurig 
klingt die Weise, 
die der ritter¬ 
liche Spielmann 
Volker in der 
mörderischen 
Nacht in Etzels 
Burg anstimmte. 


Schönheit ihr im Paulusmuseum bewundert. Und ihr 
besichtigt innerhalb der Stadt die Reste der römischen 
Stadtmauer, die in 1500 Jahren an ihrem ursprünglichen 
Platze ausgeharrt haben. Vier Jahrhunderte lang war 
Worms eine vollkommen römische Stadt, — denkt dar¬ 
über nach! Und danach drangen von jenseits des Rheins 


— die Weise vom Untergang eines tapferen Volkes, 
dem die Treue über alles ging und das dem Eidschwur 
bis in den Tod folgte. Mordend, brennend und raubend 
kamen die Hunnen über den Rhein gezogen, ließen den 
Wonnegau als blutigen Totenacker zurück, tränkten den 
Boden mit dem Lebenssaft des kleinen germanischen 































Nr. 1 DEUTSCHLAND 3 


Volksstammes. Den hunnischen Horden aber folgten 
nuf dem Fuße alemannische Scharen, die, kaum daß 
sie ihre Zelte aufgeschlagen hatten, wieder verdrängt 
wurden von den Franken. Und Franken sitzen im 
Wonnegau bis auf den heutigen Tag. 

Wo waren wir doch stehen geblieben? Ja, richtig, 
— beim Paulusmuseum 1 Unser Führer leitet uns nun 
durch die Hagenstraße ins Stadtinnere zurück. Und wie 
wir durch den engen Straßenschlauch dahinschreiten, 
genießen wir einen reizvollen Anblick: hier bei dieser 
Wendung der Straße strecken sich plötzlich alle vier 
Türme des Domes vor uns mächtig empor. Gleich einer 
stolzen Burg im Lande der Romantik steht das gewaltige 
Gotteshaus vor uns. Und wie wir den Windungen der 
Straße folgen, ändert sich das Bild: bald genießen wir 


Hier vor uns wurde zur Zeit des fränkischen Königs 
Dagobert (622—638) eine Basilika St. Petri errichtet, 
an deren Stelle der große Wormser Bischof Burkard I. 
im Jahre 1000 den Dom zu bauen begann. Und die 
deutschen Baukünstler wandern nach Worms, um dieses 
gewaltige Zeugnis germanischer Baukunst romanischen 
Stils zu bewundern, der im letzten Jahrzehnt nicht frei 
vom Gerüst wurde. Während der großen Katastrophe 
von 168Q verbrannten das Dach und alles Brennbare 
im Dom, und in den folgenden Jahrhunderten hat die 
Verständnislosigkeit der Bürger mehr noch verwüstet 
als der Vandalismus der Franzosen; erst in neuerer Zeit 
hat an dem schönen Bauwerk ein liebevolles Erneuerungs¬ 
werk eingesetzt. Unter Oberbaurat Professor Hofmann 
wurde der ganze Westchor abgetragen, neu fundamentiert 



den Anblick des Westchores, bald tritt der Ostchor 
schärfer hervor, bis schließlich die ganze Straßenbreite 
zugedeckt wird von dem vorderen Ostturm, der mit 
seiner riesigen Masse unheimlich wuchtig und finster 
auf uns niederdrückt. Der Wormser unterläßt es nie, 
den Fremden auf diesen imposanten Anblick auf¬ 
merksam zu machen. 

Wir stehen auf dem Marktplatze, und wieder wird 
die Geschichte vor uns lebendig. 

Ueber dem niedlichen Renaissancehäuschen erhebt 
sich der Dom zu schwindelnder Höhe. Wo neben ihm 
Schloß und Garten des Freiherrn von Heyl zu Herrns¬ 
heim liegen, da stand einst der große Bischofspalast, 
in dessen Prunksaal sich die ergreifendste Szene des 
weltgeschichtlichen Dramas der Reformation abspielte: 
Luthers Rechtfertigung vor Kaiser und Reichsfürsten. 


und dann genau in der alten Gestalt, mit denselben Bau¬ 
steinen, die man vorher sorgfältig beziffert hatte, wieder 
aufgebaut. Ein Werk, das die gesamte Künstlerschaft mit 
der gespanntesten Anteilnahme verfolgte. Inzwischen 
hat auch die Vierungskuppel eine getreue Wiederher¬ 
stellung erfahren, und in nächster Zeit wird man die 
Risse in den Osttürmen beseitigen. Im Innern aber hat 
man tiefer und tiefer gegraben. Ein Jahrhundert nach 
dem andern legte man bloß und grub das ganze 
römische Zeitalter förmlich wieder aus. Dabei stieß 
man auf Gräber, von deren Vorhandensein man keine 
Ahnung hatte. 29 Bischofsgräber wurden freigelegt, 
und endlich auch wurde die uralte Frage nach der 
Gruft der Ahnen des salischen Kaiserhauses 
beantwortet. Mit unzweifelhafter Gewißheit wurden die 
Grabstätten von sechs Angehörigen Kaiser Konrads II. 

































4 DEUTSCHLAND Nr. 1 




im Dom festgestellt: des Herzogs Konrad des Roten 
von Lothringen, gestorben 955, der Herzogin Judith 
von Kärnthen, gestorben um 1000, des Grafen 
Heinrich, gestorben vor 1000 (Vater Konrads II.), 


Lulherbaum in Pfiffligheim bei Worms (gepflanzt 1521) 


des Herzogs Konrad von Kärnthen, gestorben 
1011, der Herzogin Mathilde und Judith, der 
Schwester des Kaisers. Die edlen Sprossen der Salier, 
die hier den ewigen Schlummer schlafen, sind nun in 


kannter mittelalterlicher Meister, die jeder Fremde mit 
reichem Gewinn betrachtet. 

Wir wenden uns vom Dom ab und blicken hinter 
uns. Und herüber grüßt das bescheidene alte Rathaus 

mit wehmütigem Blick, 
als wollte es sagen: 
„Einst war ich ein 
Prunkstück, das seines¬ 
gleichen in deutschen 
Landen nicht hatte, 
und was davon übrig 
geblieben, das siehst 
du in mir." Soll ich 
erzählen von der alten 
Wormser Herrlichkeit? 
Erzählen von der Pfalz 
der merowingischen 
Könige zu Worms? 
Von Karl dem Großen, 
der hier seine Ver¬ 
mählung mit Fastrada 
feierte? Soll ich berich¬ 
ten von den glänzen¬ 
den Reichs-Versamm¬ 
lungen im achten Jahr¬ 
hundert? — Von dem 
nie ruhenden Kampfe 
zwischen dem Bürger¬ 
tum und dem mäch- 
erst der kluge, sanfte 


tigen Hofe des Bischofs, den 

Burkard zeitweilig beilegte? Der Erbauer des Domes 
war ein milder Regent und ein großer Organisator. 
Mauern und Gräben zog er um die Stadt, Gesetz und 

Ordnung stellte er im 
Innern her, und er 
baute außer dem Dom 
die Paulus-, Andreas-, 
und die Magnuskirche. 
Als er 1025 starb, da 
war Worms eine reiche 
und blühende Stadt, 
von deren äußerlicher 
Pracht alle Chronisten 
gar überschwänglich 
berichten. In der Folge 
wechselten ihre Ge¬ 
schicke gar häufig, aber 
sie war und blieb die 
wichtigste Reichsstadt, 
der stärkste Stützpunkt 
des Kaisertums. Hier 
hielt Kaiser Heinrich III. 
1048 seinen wichtigen 
Reichstag ab, auf dem 
der Bischof vonToul zum 
Papst gewählt wurde. 
Und mit dem neuen 
Papste zog von hier mit 

einer würdigeren Gruft im Ostchor aufs neue beigesetzt gen Rom der Mönch Hildebrand, der als Gregor VII. 
worden. Ueber die Kunstschätze des Domes weiß uns später die Welt beherrschte. Hier erfolgte die feier- 
der Führer viel zu sagen; namentlich sind es die herr- liehe Schwertumgürtung Heinrichs IV., und als der 
liehen Skulpturen in der Nikolauskapelle, Werke unbe- Wormser Bischof 1073 zur Empörung gegen den 


Worms: Weinlese an der Liebfrauenkirche 









Nr. 1 DEUTSCHLAND 5 


Kaiser aufforderte, da zogen die Bürger dem kranken 
Herrscher entgegen, vertrieben die Dienstmannen des 
Bischofs und schützten den Kaiser, bis dieser ein Heer 
gegen seine Widersacher aufbringen konnte. Und der 
dankbare Kaiser beschenkte die Wormser reich mit 
Privilegien; mehr darüber erzählt euch der Führer, der 
euch den schönen Rathaussaal zeigt, wo ein Kolossal¬ 
gemälde von Prell die Verleihung der Privilegien an die 
Bürger veranschaulicht. Das reichsstädtische Archiv 
aber, das sich im Bürgerhof hinter dem Rathause be¬ 
findet, legt euch diese und manche andere Urkunden 
im Original vor. Wie aber in der Folge hier sich die 
deutschen Fürsten zusammenfanden, um über des Reichs 
Wohl zu beraten, das schlagt in der deutschen Geschichte 
nach, mit der Worms aufs innigste verknüpft ist. 

Und weiter erzählt uns das kleine Rathaus von jener 
furchtbaren Heimsuchung, die der alten Herrlichkeit zu 


Häuser wurde die ganze Stadt ein Raub der Flammen. 
Dort, wo heute auf dem Markte die im Barockstil er¬ 
baute evangelische Dreifaltigkeitskirche steht, erhob sich 
das alte schöne Stadthaus, in das als erstes die Brand¬ 
fackel geschleudert wurde. Nur ein Trümmerfeld kenn¬ 
zeichnete die Stelle, wo die alte freie Reichsstadt ge¬ 
standen hatte. Ihre Bewohner waren, heimatlos geworden, 
dem Elend überliefert und in alle Winde zerstreut. 
Wenige blieben zurück und fristeten in den Kellern ein 
kärgliches Leben. Die Mitglieder des Rates aber waren 
nach Frankfurt geflohen, wo sie sich feierlich gelobten, 
mit allen Kräften den Wiederaufbau ihrer Vaterstadt in 
die Wege zu leiten. Nach dem Friedensschluß im 
Jahre 1697 kehrten sie nach Worms zurück, und sie, 
die so viel Drangsal erlitten hatten, gingen sogleich 
daran, eine Kirche zu bauen, um das Strafgericht des 
Höchsten zu versöhnen. In 16 schlimmen Jahren 



Worms ein Ende machte. Vor dem Jahre 1689 durfte 
man den Marktplatz wohl eine Sehenswürdigkeit nennen. 
Da stand vor uns ein Prachtbau, die Münze genannt, 
ein Stadthaus, dessen überwältigende Schönheit uns 
in überkommenen Abbildungen entgegentritt. Es ist 
mit all den anderen Prachtbauten zugrunde gegangen. 
Jeder Deutsche weiß es: im pfälzischen Erbfolgekrieg 
war es, daß der französische „Sonnenkönig" den Befehl 
gab, einige hundert deutsche Städte den Flammen 
zu übergeben. Damals wurde das herrliche Heidelberger 
Schloß zertrümmert, wurde neben Speier auch Worms 
den Flammen überliefert. Es war eine fürchterliche Zeit! 
Am 31. Mai 1689, dem Pfingstdienstag, wurde die Stadt 
an allen vier Ecken in Brand gesetzt, nachdem man die 
Bewohner neun Tage vorher auf die ruchlose Tat vor¬ 
bereitet hatte. Mit Ausnahme einiger Häuser in der 
Judengasse, der Mauern der Kirchen und einiger weniger 


entstand die Dreifaltigkeitskirche, die als Schmerzens¬ 
kind den Wormsern besonders lieb und teuer ist. Das 
ganze 18. Jahrhundert hindurch blieb Worms, das 
einstmals 30000 Einwohner gezählt hatte, eine kleine, 
stark verschuldete Stadt von 6000 Einwohnern. Wieder 
hatte sie große Drangsal zu erleiden, als sie 1797 in fran¬ 
zösischen Besitz kam und bis 1814 eine vollständig 
französische Verfassung erhielt. Mit den Befreiungs¬ 
kriegen schlug auch ihr die Freiheitsstunde; 1816 kam 
sie an das Großherzogtum Hessen, und im Zeitalter 
des Verkehrs ward sie zu einer blühenden, modernen 
Stadt. Die sauberste, blumenreichste Stadt am Rhein, 
so hört sie sich von dem Fremden gern nennen, und in 
der Tat, wer durch ihre schmucken, lindengeschmückten 
Straßen wandelt, wer ihre überaus zahlreichen Zierplätze 
besichtigt, ihre ausgedehnten Parkanlagen durchschreitet, 
der zollt ihren Bewohnern Bewunderung, die mit zähem 




























6 DEUTSCHLAND Nr. 1 


Widerstande einem traurigen Geschick trotzten und mit 
rastlosem Eifer das Dichterwort wahr machten: 

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, 

Und neues Leben blüht auf den Ruinen. 

Alt-Worms und Neu-Worms vertragen sich vor¬ 
trefflich mit einander. Die elektrische Straßenbahn führt 
uns vorbei an den alten Stadtgräben, die zu schattigen 
Anlagen umgewandelt worden sind; vorüber an Geschäfts¬ 
häusern, die tageshell in elektrischen Lichtfluten er¬ 
strahlen; vorbei an der mittelalterlichen Stadtmauer 
mit ihren trutzigen Türmen und drohenden Wehrgängen. 
Lustig umspinnt der Efeu das alte Gemäuer, das um¬ 
geben ist von lieblichen Gartenplätzen. Alt-Worms mit 
seinen engen Gäßchen und gemütlichen Weinschenken 
ist des Zaubers voll, der jede historische Stätte umgibt, 
und wenn wir vom Dämmerschoppen heimwärtsschreitend 
durch einen der alten Torbogen treten, dann ist's uns, 
als hörten wir das Klirren der Ketten beim Niederlassen 
derBrücke und als trete aus dem Dunkel ein Geharnischter, 
uns nach dem Losungswort zu fragen. „Hie gut Worms 
allewege I" rufen wir, und mit andächtigem Erschauern 
grüßen wir sie, die alten Mauern und Türme. Ja, Alt- 
Worms und Neu-Worms vertragen sich gut. Um die 
Liebfrauenkirche sprießt noch immer ein Wein, dessen 
Name Liebfraumilch ist, und wer ihn kostet, der 
preist ihn nicht als die geringste der köstlichen Gaben 
des Wonnegaues. Und vor einem stattlichen Industrie¬ 
gebiet schäumt der Rhein vorüber, hastig wie vor 
Jahrtausenden. Reichtum, den Segen der Arbeit, ver¬ 
mittelt der stolze Strom, und das neue Worms hat im 
Zeitalter des Verkehrs Anteil daran. Wohl lohnt es 




Worms: Freiherr von Heylscher Garten mit Heyls Hof 

sich, einen Blick aui die stattlichen Hafenanlagen zu 
werfen; da herrscht ein gar emsiges Getriebe, und 
mächtige Kranen sind rastlos mit der Entladung der 
Schiffe beschäftigt. Und über Worms braust der große 
Reiseverkehr von England und Norddeutschland nach 
dem Süden, — wahrlich, Worms hat alle Ursache, der 
neuzeitlichen Entwickelung des Verkehrs zu danken — 
den nach der alten Nibelungen- und Lutherstadt zu 
leiten sich der Verkehrs-Verein (Auskunftstelle: Hof¬ 
photograph Christian Herbst) eifrig angelegen sein läßt. 

Die Lutherstadtl 

Viele Tausende strömen jährlich aus allen Erdteilen 
lierbei, um in Worms das gewaltigste Denkmal der 
Reformation zu besichtigen. Ein paar Schritte vom 
Bahnhof führen uns nach dem Lutherplatz, einer der 
schönsten gärtnerischen Anlagen am Rhein. Da erhebt 
sich vor uns das Denkmal, eine in Erz gegossene Ver¬ 
körperung des Liedes: „Ein' feste Burg ist unser Gott", 
errichtet aus Spenden der ganzen evangelischen Christen¬ 
heit und feierlich enthüllt am 25. Juni 1868 im Beisein 
des Königs Wilhelm von Preußen, des Kronprinzen, 
nachmaligen Kaisers Friedrich, zahlreicher anderer evan¬ 
gelischer Fürsten und unter Beteiligung zahlreicher 
Geistlichen, Abordnungen aller Länder und einer nach 
Hunderttausenden zählenden Menschenmenge. 

Die alte Reichsstadt, die in der Treue für Kaiser 
und Reich allezeit vorangestanden hatte, die in der 
Stunde der Not von Kaiser und Reich im Stich gelassen 
war und die Jahrhunderte hindurch ein armseliges 
Dasein gefristet hatte, sie hatte wieder einmal einen 
großen Tag, und es war ihr eine stille Genugtuung, 


Worms: Dom (Innenansicht) 






























Nr. 1 DEUTSCHLAND 7 


daß diese gewaltigeFestversammlung ihre Vergangenheit 
mit feurigen Worten ehrte. Das Denkmal selbst ist 
den. meisten Deutschen zum wenigsten aus Abbildungen 
bekannt. Rietschel, Donndorf, Schilling und Kietz sind 
die Schöpfer des großartigen Werkes. Aus der Mitte 
erhebt sich auf hohem Postament die Kolossalstatue 
Luthers, zu seinen Füßen sitzen die Vorkämpfer des 
Reformationsgedankens, Petrus Waldus, Wiclef, Johann 
Huß und Savonarola. Auf der Umfassung erheben 
sich die Standbilder des Kurfürsten Friedrich des 
Weisen, des Landgrafen Philipp von Hessen, Melanch- 
thons und Reuchlins; ferner drei allegorische Figuren: 
die protestierende Speier, die trauernde Magdeburg 
und die bekennende Augsburg. Auf der Innenseite 
der 24 Zinnen sind die Wappen von 24 Städten ange¬ 
bracht. Das Hauptpostament enthält auf seinem Würfel 
bildliche Darstellungen aus der Reformationszeit. Der 
Gesamteindruck des Denkmals ist von überwältigen¬ 
der Wirkung, der sich 
die fremden Beschauer 
nicht zu entziehen ver¬ 
mögen. Rings auf den 
Bänken sitzen sie, in 
stiller Betrachtung ver¬ 
sunken, und sie alle 
nehmen von dieser 
Stätte eine reiche, 
schier unvergängliche 
Erinnerung mit. 

Neu-Wormsl 
Dicht am Luther¬ 
platze erhebt sich das 
von Bluntschli erbaute 
Schloß des Freiherrn 
von Heyl zu Herrns¬ 
heim, des Vertreters 
unseres Wahl-Kreises 
im Reichstage seit mehr 
als 30 Jahren, des Chefs 
der Lederfabrik Cornel. 

Heyl, die sich in zäher, 
rastloser Arbeit Weltruf 
erworben und mit dazu 
beigetragen hat, das 
verarmte Worms reich und schön zu machen. Der 
große Betrieb gibt 6000 Arbeitern lohnende Beschäfti¬ 
gung. Das kommt dem ganzen Erwerbsleben der Stadt 
zugute. Noch ein anderer Großbetrieb der Wormser 
Lederindustrie, der der Firma Doerr & Reinhart, sei hier 
genannt. Diese Spezialindustrie von Worms wurde zu 
einer Quelle des Wohlstandes nicht allein für die Stadt, 
sondern auch für die umliegenden Ortschaften. Als 
weitere Großbetriebe sind zu erwähnen die Kunstwoll- 
und Tuchfabriken, Hobel- und Sägewerk, Tonwerk, 
Farbwerke, drei Großbrauereien, Schiefertafelfabriken, 
chemische Fabriken, Maschinenfabriken und Eisen¬ 
gießereien, ein bedeutendes Wassergasschweißwerk u. a. 
In großer Blüte steht rings auf den Dörfern eine 
ausgedehnte Möbelfabrikation, und als einer der be¬ 
deutendsten Umschlagsplätze für Getreide besitzt Worms 
drei großartige Kunstmühlen am Strom, die dauernd 
stark beschäftigt sind. Zu allen Zeiten aber spielte der. 


Weinhandel in Worms eine große Rolle, und der Ruhm 
der Wormser Spezialmarke „Liebfraumilch" ist in allen 
Erdteilen verbreitet. 

Das Wort, das die freiherrliche Familie Heyl zu 
Herrnsheim im Wappen führt: „Laboremus", erwies 
sich auch für die alte Nibelungenstadt als ein Zauber¬ 
wort; die Aermste am Rhein machte es zu einer der 
Reichsten, die Schmutzigste zu einer der Modernsten, 
Anmutigsten und Hellsten. Vor dreißig Jahren war von 
dem westlichen Stadtteil, dem heutigen vornehmen 
Viertel und seinen Prunkbauten und lieblichen Villen, 
noch nicht die Spur zu sehen. Damals hatten wir 
noch keinen Handelshafen und keine Gas-, Wasser- 
und Elektrizitätswerke, und übelduftende Fluten wälzte 
der sog. Gießen mitten durch die Stadt in den Rhein. 
Dreißig Jahre! In dieser Zeit haben die wackeren Bürger 
ungeheure Anstrengungen gemacht, ihre Stadt von 
Grund aus umzuwandeln, sie gesünder und freundlicher 


zu gestalten. Ungeheure Kosten hat es verursacht, 
das Rheinviertel vor den jahrhundertelang gewohnten 
Ueberschwemmungen zu schützen, es so trocken zu 
legen, daß man es wagen konnte, industrielle Betriebe 
am Rhein anzusiedeln, Straßen und Wohnhäuser dort 
zu bauen, das schöne Gymnasium dort zu errichten. 
In den Jahren 1889 und 1890 wurde mit der Zu¬ 
schüttung des Gießens, mit der Errichtung eines Hoch¬ 
wasser-Schutzdamms, des Handelshafens und des Flach¬ 
hafens begonnen, und nacheinander entstanden das 
städtische Gaswerk, das Elektrizitätswerk, ein kost¬ 
spieliges Wasserwerk im Bürstädter Wald und die 
elektrische Straßenbahn; an Schulen die Karmeliter-, 
Oberreal-, Gewerbe-, Neusalz-, Nibelungen-, Westend¬ 
schule, das Gymnasium und die Eleonorenschule, Bauten, 
die in solcher Schönheit und Größe manche Großstadt 
nicht besitzt. Mit besonderem Stolze führt der Wormser 
den Fremden vor das städtische Spiel- und Festhaus, 

















8 DEUTSCHLAND Nr. 1 



ein romanischer 
Pracht-Bau, der 
188Q mit Herrigs 
Volksstück:,Drei 
Jahrhunderte 
am Rhein" ein¬ 
geweiht wurde. 

— Kurz darauf 
kam auch Kaiser 
Wilhelm II. nach 
Worms, um einer 
Aufführung die¬ 
ses Stückes bei¬ 
zuwohnen. Der 
Bau ist ein eigen¬ 
artiges, vielge¬ 
staltiges Werk 
von höchst male¬ 
rischer Wirkung, 
zu dessen Innen¬ 
gestaltung das Worms : Städtisches 

Bayreuther Festspielhaus als Vorbild diente. Auf dieser 
städtischen Bühne kommt wöchentlich einmal je eine 
Oper und ein Schauspiel zur Darstellung. Hier seien 
noch folgende Daten angegeben, die den Aufschwung 
unserer Stadt in den letzten Jahrzehnten deutlich 
machen: 1889 wurde das große städtische Kranken¬ 
haus errichtet, 1890 der malerische Wasserturm gebaut; 
1895 erfolgte die Einweihung des schönen Denkmals 
auf dem Ludwigsplatze, dem großherzoglichen Führer 


Verkehr überge¬ 
ben. Im Jahre 
1904 erhielt die 
Stadt abermals 
ein schmuckes 
Gebäude, den 
Haupt - Bahnhof, 
im selben Jahre 
wurde auf dem 
alt - ehrwürdigen 
Lindenplatz das 
Küchlerdenkmal 
(eine Ehrung des 
früheren Ober¬ 
bürgermeisters 
und spätem hes¬ 
sischen Finanz¬ 
ministers Küch- 
1er) eingeweiht. 
Die Bürger haben 
Spiel- und Festhaus Dreißig Jahre! 

eine Riesenarbeit in dieser Zeit geleistet, und es gibt 
kaum eine andere Stadt, die eine ähnliche, bewußte Um¬ 
gestaltung, zur Freude seiner Einwohner, aus uneigen¬ 
nützigster Liebe zur Vaterstadt, vorgenommen hat. Wo 
nur ein freies Plätzchen ist, da seht ihr die herr¬ 
lichsten Blumenbeete, und durch schöne Anlagen könnt 
ihr die Stadt ihrer ganzen Ausdehnung nach durch¬ 
wandern. Da führt euch der Weg denn auch in 
unsern herrlichen städtischen Park, das sog. Wäldchen, 



Worms: Pauluskirche (jetzt Museum) 


der hessischen Division im Kriege mit Frankreich 
gewidmet. 1900"wurde unsere Rheinbrücke, die Ernst- 
Ludwigs-Brücke, der Stolz und die Zierde unserer Stadt, 
feierlich eingeweiht, und im folgenden Jahre wurde 
die mächtige Eisenbahnbrücke über den Rhein dem 


wo das Hagendenkmal euch an das Nibelungenlied 
erinnert und der Duft von abertausend Rosen euch an 
Kriemhildens Rosengarten gemahnt. Wie schön ist es 
da, wie wonnig und traut! Und die Bürger rasten nicht; 
hundert Morgen am Rhein haben sie für eine Wald- 







































Nr. 1 DEUTSCHLAND 9 


anlage bestimmt, und schon strecken Tausende winziger 
Fichten dort neugierig ihre Kronen ins Freie. Frohe 
Zukunftshoffnungen erfüllen bei ihrem Anblick den 
Spaziergänger. 

Neu-Wormsl 

Wieder stehen wir auf dem Marktplatze, wo die 
große, reichbewegte Vergangenheit der Stadt so ein¬ 
dringlich zu uns redete. Noch stehen sie da vor uns, 
die ehrwürdigen Zeugen einer ruhmreichen Geschichte, 
und doch redet nun auch hier die neue Zeit gar laut 
und vernehmlich zu uns. Wo einst das herrliche alte 
Stadthaus, die Münze, gestanden hat, da erhebt sich 
seit vorigem Jahre ein stolzer, burgartiger Bau, das so¬ 
genannte Cornelianum, mit reichem Bildhauerschmuck, 


Episoden aus dem Nibelungenliede darstellend. Das ist 
das neue Repräsentationsgebäude der Stadt Worms, 
das deren Ehrenbürger Freiherr von Heyl zu Herrnsheim 
den Bürgern geschenkt hat als eine Erinnerung an Zeiten 
kraftvollen Bürgertums und edelsten Gemeinsinns. Und 
rings ragen stattliche Geschäftshäuser und Bierpaläste 
empor, und auf asphaltbedeckter Straße, unterhalb der 
noch heute die alte Römerstraße liegt, eilt der Strom 
der Menschen geschäftig an den modernsten Schau¬ 
fenstern vorüber. „Laboremus", das ist das Wort, das 
sie alle beherrscht, das große Wort der neuen Zeit, und 
Verkehr heißt die Großmacht, die die alte Nibelungen- 
und Lutherstadt im Kranze deutscher Städte zu dem ihr 
gebührenden Ansehen verhelfen hat! 



Oppenheim am Rhein. 

Von Wernher. 


Dem Reisenden, der mit der Eisenbahn oder zu 
Schiff von Worms nach Mainz fährt, muß das ungefähr 
in der Mitte zwischen diesen 
beiden Städten gelegene Op¬ 
penheim auffallen. 

Hoch oben auf des Berges 
Halde, mitten im grünen Reb- 
gelände, grüßen ihn die Trüm¬ 
mer der alten Reichs-Feste 
Landskron, und rund um diese 
am Bergeshange liegt, ter¬ 
rassenförmig aufgebaut, die 
kleinste der fünf Kreisstädte 
der Provinz Rheinhessen: Op¬ 
penheim. Noch stehen große 
Teile der trotzigen Mauer, die 
früher die freie Reichsstadt 
ganz umschloß, und mancher 
geborstene Turm bezeugt uns, 
wie mächtig die Wehr war, 

die im Mittelalter der 
Bevölkerung der ganzen 
Gegend Schutz bot vor 
Kriegsnot und Räuber¬ 
volk. — Die Geschichte 
der Stadt ist alt. Wir 
wissen zwar, daß es nicht 
die Kastelle bauenden 
Römer waren, die den 
Grundstein zu diesem 
Platze legten. Wir können 
aber annehmen, daß, als 
gegen Ende des vierten 
Jahrhunderts die Herr¬ 
schaft der Römer in 
diesen Gegenden endete 
und germanische Völ¬ 
kerschaften in großen 
Scharen über den Rhein 
Oppenheim: Vierungsturm zogen, wohl auch die 


Stelle, auf der das heutige Oppenheim steht, besiedelt 
wurde. — Dem Fremden, der heute Oppenheim besucht, 

gefällt vor allem die schöne 
Lage der Stadt, dann die 
entzückende Aussicht, die 
er von den die Ruinen der 
Burg Landskrone umziehen¬ 
den Anlagen genießt, die 
Schönheit seiner Kirche und 
die Güte seines Weines. Weit 
dehnt sich vor dem Beschauer, 
der durch die öden Fenster¬ 
höhlen der alten Burgfeste 
hinausblickt, die Ebene des 
Rheines. Vor ihm liegt das 
alte Trebur, dann Leeheim mit 
dem Orte, wo der Schweden¬ 
könig Gustav Adolf am 6. De¬ 
zember 1631 den Uebergang 
über den Rhein erzwang; 
dann im weiteren Kreise Frankfurt, Darmstadt und 
Worms. Das ganze Bild aber ist umrahmt von den 
blauen Bergen des Taunus mit dem Feldberge und dem 
Odenwalde mit dem Malchen. — In allernächster 
Nähe erhebt sich vor ihm das hehre Bauwerk der 
St. Katharinenkirche. Der Grundstein zu dieser Kirche 
wurde im Beisein Richard von Cornwallis im Jahre 1262 
gelegt. Fast zwei Jahrhunderte bauten an diesem 
Dome, der erst 143Q vollendet wurde. Den, der die 
Kirche besucht, werden die schönen Formen des Baues, 
die Pracht der Fenster und die Schönheit der alten 
Grabdenkmäler befriedigen. Neben der Kirche steht 
die Michaels-Kapelle, unter ihr ist auch das berühmte 
Oppenheimer Beinhaus. 

Wer aber dann Einkehr hält in einer der Schenken 
im Städtchen, wer, nachdem er sich satt an den Schön¬ 
heiten der Natur und Kunst gesehen, sich nun auch 
satt trinkt an dem Golde, das die Berge um die Stadt 
gereift haben, der wird zufrieden von diesem Platze 
scheiden und ihm allezeit ein gutes Andenken bewahren. 



Oppenheim: Ruine Landskrone 

















10 DEUTSCHLAND Nr. 1 



Oppenheim (Südseite) 


SpeieF;, die alte Kaiserstadt 

Von F. Otto, Speier. 


Weit weniger, als sie es verdient, ist die uralte 
Kaiserstadt Speier am Rhein vom großen Fremdenstrom 
besucht und bekannt geworden. Es finden sich in ihr 
eine Anzahl Sehenswürdigkeiten vereinigt, wie wohl in 
wenigen Städten ähnlicher Größe. 

Da ist vor allem der erhabene, weitberühmte Dom, 
ein fast QOOjähriger romanischer Prachtbau, dem nicht 
viele in deutschen Landen gleichkommen. Nächst dem 
Kölner Dom ist er das geräumigste unter den deutschen 
Gotteshäusern. Sein Inneres wirkt besonders durch 
die in vielen ro¬ 
manischen Domen 
nicht anzutreffen- 
den Wandgemäl¬ 
de. Hier sind sie 
von der Hand des 
berühmten Meisters 
Schraudolph,dersie 
im AuftragKönig 
Ludwig I. von 
Bayern ausführte. 

— Von sonstigen 
Sehenswürdigkeiten 
im Innern des Doms 
erwähnen wir nur 
noch die erst neuer¬ 
dings unter großem 
Kostenaufwand er¬ 
baute Gruft von 
acht deutschen 
Kaisern und zwei 
Kaiserinnen, sowie die herrlichen StandbilderRudolfs 
von Habsburg und Adolfs von Nassau. 

Aus der nächsten Umgebung des Domes ist be¬ 
sonders der sogenannte Oelberg, ein mittelalterliches 
Kunstwerk, hervorzuheben, das die Gefangennahme Jesu 
darstellt und dessen zahlreiche Figuren neu hergestellt 
wurden. Das Ganze befindet sich in den Domanlagen, 
einem Park, wie er sonst in kleineren Städten kaum 
anzutreffen ist. 

Als würdiges Gegenstück zum romanischen Dom ist 
die gotische, 1904 unter zahlreicher Beteiligung von Ver¬ 


tretern deutscher Fürstenhäuser geweihte Gedächtnis¬ 
kirche zu nennen. Sie soll die Erinnerung an die 
1529 zu Speier erfolgte weltgeschichtliche 
Protestation, von der die Protestanten auch ihren 
Namen haben, wachrufen. Im Innern dieser Kirche 
befinden sich die vom deutschen Kaiserpaar 
gestifteten Chorfenster. Die übrige prächtige Aus¬ 
stattung geschah auf Kosten von Fürstlichkeiten sowie 
der gesamten evangelischen Welt. Besonders heben 
wir noch das in der Vorhalle stehende Kolossal¬ 
standbild Luther 
hervor. 

Da Speier 1689 
wie so viele pfäl¬ 
zische Städte das 
Unglück hatte, von 
den Franzosen ein¬ 
geäschert zu wer¬ 
den, sind natur¬ 
gemäß nur wenige 
Reste alterHerrlich- 
keit erhalten. Doch 
sind es immerhin: 
der sog. Retscher, 
der die Reste einer 
früheren Kaiser¬ 
pfalz bildet; das 
romanische Juden¬ 
bad aus dem 13. 
Jahrhundert, eines 
der wenigen in 
Deutschland; das Altpörtel, ein uralter gotischer Tor¬ 
turm, einer der höchsten in deutschen Landen, von 
schöner Bauart; ferner das mittelalterliche „Heiden¬ 
türmchen''; endlich die „Domschüssel", aus der früher 
beim Einzug der Bischöfe Wein getrunken wurde. 

Ein Prachtbau aus neuester Zeit ist das histo¬ 
rische Museum der Pfalz, ein Meisterstück des 
Müncheners Gabriel von Seidl. Es ist das dritt¬ 
größte Bayerns und enthält besonders eine römische 
Sammlung von so großem Wert, wie sie nur in 
wenigen Museen anzutreffen ist. Neu angegliedert 



Speier vom Allportei 




















Nr. I DEUTSCHLAND U 


wurdedasoriginelle Weinmuseum,das erste Deutsch¬ 
lands. — Als Sitz der Kgl. Regierung der Pfalz, eines 
Bischofs und eines Oberpostamts hat Speier 
eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Es verdient 


reichlich, mehr als dies bisher geschah, besucht und 
gewürdigt zu werden, besonders, da es als Haltepunkt 
des Berlin—Baseler Schnellzuges leicht zu erreichen ist. 
Mögen vorstehende Worte auch etwas hierzu beitragen! 


Ludwigshafen am Rhein. 


Ludwigshafen, „die jüngste Stadt am Rheine", wurde 
an der Stelle erbaut, an der sich drei Jahrhunderte 
hindurch ein Vorwerk der Stadt Mannheim, die so¬ 
genannte „Rheinschanze", befand. Im Jahre 1840 noch 
90 Seelen zählend, wurde Ludwigshafen 1853 selb¬ 
ständige politische Gemeinde, 1859 Stadt und ist heute 
mit nahezu 85 000 Einwohnern die größte Stadt der 
Pfalz, die fünftgrößte Bayerns und eine der bedeutendsten 
Industrie- und Handelsstädte im Königreich Bayern. 

Die Stadt verdankt ihre überaus rasche Entwicklung 
in erster Linie der äußerst günstigen Lage unmittelbar 
am Rhein, und zwar an der Stelle, bis zu welcher die 
Großschiffahrt während des ganzen Jahres möglich ist. 
Die Güter, welche auf dem 
billigen Wasserweg aus 
allen Weltteilen hierher 
gelangen, werden durch 
die Eisenbahn nach Süd¬ 
deutschland, Oesterreich 
und der Schweiz weiter¬ 
befördert. Wegen dieser 
besonders günstigen Ver¬ 
hältnisse ist der Um¬ 
schlagverkehr der Güter 
gerade in Ludwigshafen 
sehr bedeutend und in 
stetigem Wachsen begrif¬ 
fen. Zu der vorteilhaften 
Lage an der größten 
deutschen Wasserstraße 
kommt die Eigenschaft der Stadt als eines hervor- 
X agenden nationalen und internationalen Verkehrsknoten¬ 
punktes. An direkten Zugverbindungen sind zu nennen: 
Paris—Metz—München u. 

Dresden, Basel—Frankfurt 
—Berlin,Basel—Hamburg, 

Lloyd-Expreß und Riviera- 
Expreß. 

Außerdem ist Ludwigs¬ 
hafen a. Rh. durch ein 
ausgedehntes Netz von 
Lokal-Bahnen mit den 
meisten größeren Orten 
der Umgegend verbunden. 

— Von Ludwigshafen aus 
können bequem und billig 
die prächtigsten Ausflüge 
nach dem schönenPfälzer- 
wald, den weltbekannten 
Wein-Orten der Vorder¬ 
pfalz (Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt a. H.) und 
den geschichtlich berühmten Städten Speyer und Worms, 
nach dem herrlichen Heidelberg, dem Odenwald und der 


Bergstraße, sowie nach dem Schwarzwald gemacht werden. 
Eine elektr. Straßenbahn, die über die 270 Meter lange 
Rheinbrücke mit prächtigem Blick — besonders in den 
Nachtstunden — auf den Strom und dessen Umgebung 
führt, verbindet Ludwigshafen mit Mannheim und die 
einzelnen Stadtteile untereinander. Die Lokaldampf- 
schiffahrts-Gesellschaft, die den Ueberfahrtsverkehr 

zwischen Ludwigshafen und Mannheim besorgt, veran¬ 
staltet in den besseren Jahreszeiten an jedem Sonntag 
Hafenrundfahrten und Rheinfahrten. 

Gleichen Schritt mit der ungeahnt raschen äußeren 
Entwicklung von Ludwigshafen haben aber auch die 
staatlichen und städtischen Einrichtungen gehalten. 

Die ausgedehnten Hafen¬ 
anlagen, der Luitpold- und 
Winterhafen, mit ihren 
großen Lagerhallen und 
den elektrisch betriebenen 
Kranen gehören auch mit 
den Mannheimer Hafen¬ 
anlagen zu den modern¬ 
sten und größten der Bin¬ 
nenhäfen Deutschlands. 

Ein neuerHafen an der 
Kaiserwörth südlich der 
Stadt mit etwa 4 km nutz¬ 
barer Fläche am Wasser 
wird z. Zt. mit einem 
Kostenaufwand von acht 
Millionen Mark erbaut und 
bietet äußerst günstige Ansiedelungsgelegenheit für 
Umschlagverkehr und Industrie, ebenso im Nordwesten 
der Stadt ein an der Hauptbahnlinie Ludwigshafen— 

Mainz gelegenes fertiges 
Industrie - Gelände von 
120000 Quadrat-Meter 
Fläche. Außerdem ist das 
ganze linke Rheinufer auf 
eine Länge von 8000 
Metern mit Einrichtungen 
für den Güterumschlag 
und Eisenbahn-Anschluß 
versehen. — Das Bank¬ 
wesen erfreut sich der 
schönsten Blüte; ihm 
dienen die Reichsbank, 
die Kgl. Filialbank, die 
Pfälzische Bank, die Pfäl¬ 
zische Hypotheken-Bank 
und die Bayerische Noten¬ 
bank. — In dem Städtischen Elektrizitätswerk und dem 
Schlachthaus besitzt Ludwigshafen Anlagen, welche, mit 
allen Errungenschaften der Neuzeit ausgerüstet, als 



Ludwigshafen: Partie am oberen Rheinufer 



Ludwigshafen: Rheinbrücke 













12 DEUTSCHLAND Nr. 1 


Musteranstalten gelten. Das Städtische Krankenhaus 
und die Schanzschulhäuser im Pavillonsystem können 
sich den vorzüglichsten Anlagen auf diesem Gebiete 
an die Seite stellen. 

In dem Königl. Hum. 

Gymnasium, der Königl. 

Oberrealschule und der 
Höheren Mädchenschule 
hat die Stadt gut einge¬ 
richtete Mittelschulen. — 

In hygienischer Hinsicht 
ist auf die vorzüglichen 
Rheinbäder sowie das 
Städtische Brausebad auf¬ 
merksam zu machen, die, 
verbunden mit den sons¬ 
tigen Anlagen der Stadt, 
als Wasserleitung und Ka¬ 
nalisation, elektr.Licht und 
Gasbeleuchtung, Ludwigs¬ 
hafen nach der neuesten 
statistischen Erhebungdes 
Reiches zu einer der gesündesten Städte gemacht haben. 

Unter den Sehenswürdigkeiten seien besonders er¬ 
wähnt: das Leben undTreiben am Rhein und auf dem Rhein 
und in den Häfen, sodann der schöne, waldartig gehaltene 
Stadtpark, 2 Kilometer lang, 300 bis 400 Meter breit, 
in welchem alljährlich am ersten Sonntag im Juli das 
unter dem Namen „Parkfest" weithin bekannte, von 
Tausenden besuchte Volksfest gefeiert wird. Außer den 
vier zum Teil ganz neuen Kirchen der Stadtteile Friesen¬ 
heim und Mundenheim sind zu nennen die St. Ludwigs¬ 
kirche im Basiliken-Stil, 
welche im Innern präch¬ 
tige, von Ludwig I. ge¬ 
stiftete Marmorsäulen ent¬ 
hält, die von Voit entwor¬ 
fene erste protestantische 
Kirche im gotischen Stil 
mit einem ganz bedeuten¬ 
den Orgelwerk, im nörd¬ 
lichen Stadtteil die Drei¬ 
faltigkeitskirche, eine go¬ 
tische interessante Hallen¬ 
kirche, die zweite protes¬ 
tantische Kirche mitPfarr- 
haus,in frühgotischem Stil 
von Geh. Regierungsrat 
Professor Otzen in Berlin 
erbaut. Sehenswert sind 
ferner das Eisenbahn¬ 
direktionsgebäude mit einem prächtigen, durch Malereien 
geschmückten Saale, das Postamtsgebäude, die Gebäude 
der Pfälzischen Bank, der Reichsbank, der Filialbank und 
der Pfälzischen Hypothekenbank, der Höheren Mädchen¬ 
schule und der Oberrealschule, des Rathauses mit schönem 
Sitzungssaal (Ludwigstraße 67 und 69), sowie die neu¬ 
erbaute Walzmühle mit einer interessanten Fassade und 
mustergültiger innerer Einrichtung. In der Höheren 
Mädchenschule am Bismarckplatz ist eine reichhaltige 
stadtgeschichtliche Sammlung untergebracht; Sonntags 
von 11—12 Uhr unentgeltlich geöffnet. — Die Stadt 


Ludwigshafen ist heute der Sitz eines Kgl. Bezirksamtes 
und Rentamts, eines Amts- und Registergerichls, einer 
detachierten Kammer für Handelssachen, der Linien¬ 
kommandantur eines Be¬ 
zirks-Kommandos, eines 
Hauptzollamts, Postamts, 
Postscheck-Amts, einer 
Eisenbahn-Direktion, der 
Handelskammer für die 
Pfalz, einer Filiale der 
Königl. Bank und der 
Bayerischen Notenbank, 
der Bayerischen Hypo¬ 
theken- und Wechselbank 
und einer Reichsbank¬ 
stelle. — Ferner befindet 
sich in Ludwigshafen der 
Sitz der General-Direktion 
der Pfälzischen Bank, der 
Direktion der Pfälzischen 
Hypotheken - Bank und 
der Deutschen Lebens¬ 
versicherungs-Gesellschaft „Atlas", sowie eine Ab¬ 
teilung der Pfälzischen Handwerkskammer. 

In dem Jubiläumsplatz mit dem schönen Jubiläums¬ 
brunnen, dem von prächtigen Platanen umrahmten 
Ludwigsplatz mit dem Schillerdenkmal und dem origi¬ 
nellen Monumentalbrunnen, dem mit hübschen Blumen¬ 
pflanzen geschmückten „Oberen Rheinufer", dem mit 
gärtnerischen Anlagen versehenen Bismarck-, Wittels¬ 
bach-, Schützen-, Kurfürsten- und Richard-Wagner-Platz 
und der Schwanthalerallee besitzt Ludwigshafen eine 

Reihe von geschmackvol¬ 
len und dem Stadtbild zur 
Zierde gereichenden An¬ 
lagen. — Im Nordwesten 
der Stadt dehnt sich der 
Riedsaum-Park in einer 
Länge von 1200 m und 
einer Breite von 70 m aus. 
— Seine große Bedeu¬ 
tung in wirtschaftlicher Be¬ 
ziehung hat Ludwigshafen 
durch seine Handels¬ 
und industriellen Unter¬ 
nehmungen erworben. — 
Insbesondere stark ist die 
chemische Industrie am 
Platze vertreten, an der 
Spitze die Badische Anilin- 
und Sodafabrik, welche 
nahezu 800 Beamte und über 8000 Arbeiter beschäftig! 
und in ihrer Ausdehnung (869 000 Quadratmeter) einen 
Stadtteil für sich bildet; unmittelbar bei der Fabrik be¬ 
findet sich eine Villen-Kolonie für ihre Beamten mit 
einem sehr sehenswerten Gesellschaftshause und ein 
Block von über 150 Arbeiterwohnhäusern in Gärten 
stehend; die hervorragenden Wohlfahrtseinrichtungen für 
die Beamten und Arbeiter haben das Etablissement auch 
auf diesem Gebiete weithin rühmlich bekannt gemacht. 

Ferner zählen zur chemischen Industrie am Platze 
die Fabriken von Gebr. Giulini, Dr. Raschig, Knoll & Co., 


Ludwigshafen 



Luitpoldhafen 





















Nr. 1 DEUTSCHLAND 13 


Henckiser, Silbermann, Michel & Co.; weiterhin sind an 
großen Betrieben zu nennen die weltbekannte Maschinen¬ 
fabrik Gebr. Sulzer, die Maschinenfabriken von Hessen¬ 
müller, Roth und Geiger, das Eisenwerk Schäfer, die 
Elektrizitätsgesellschaft Columbus, die Kesselfabrik von 
Breitling, die Waagenfabrik Schotthöfer, das Tietbohr- 
unternehmen Brechtei, ferner die neu aufgebaute Walz¬ 
mühle, dicht am Rhein gelegen, die größte Kunstmühle 
des europäischen Kontinents, die Korksteinfabrik von 
Grünzweig und Hartmann, die Webereien von Kuhn & 
Adler und Gebr. Mann, die Holzbearbeitungsfabrik von 
Heinrich Fasig & Sohn, die Luxschen Industriewerke, 
zwei Preßhefefabriken, die Eisen en gros Firma Gebr. 
Röchling, das Kohlensyndikat, die Kaffeegroßfirma 
J. Wolff & Co., die Getreidegroßfirma Weingart & 
Kaufmann, die Musikwerke en gros Spiegel & Sohn, 
die Installationsfirma Harry Held usw. Am Platze be¬ 


finden sich auch zwei große Brauereien: Aktienbrauerei 
und Bürgerbräu. 

Im Süden der Stadt ist in den letzten Jahren in der 
Nähe des Stadtparkes und des Rheines ein ruhiges und 
vornehmes Wohnviertel — das Wittelsbachviertel — 
entstanden, das durch entsprechende Bau- und Polizei¬ 
vorschriften für Industrie- und lästige Anlagen gesperrt 
ist; dieses Stadtviertel weist auch bereits zwei Villen- 
Kolonien in Gärten gelegen auf. 

Wer die Schwesterstadt Mannheim aufsucht, wer 
den Rhein entlang fährt, den Pfälzer Wald, den Oden¬ 
wald, die Bergstraße oder den Schwarzwald besucht, 
möge nicht versäumen, auch die „jüngste Stadt am 
Rhein" aufzusuchen, um sich davon überzeugen zu 
können, was gesunder Bürgersinn und energische Tat¬ 
kraft in knapp mehr als einem halben Jahrhundert zu 
leisten imstande waren. 


Und Mannheim? 


Von Prof. Dr. Sigmund Schott. 



Drei Städte Südwestdeutschlands mußte laut Hermann 
und Dorothea der Gebildete nach Goethes Meinung ge¬ 
sehen haben: Frankfurt, Straßburg und Mannheim, das 
leicht und heiter ge¬ 
baute. Und Mann¬ 
heim? wird mancher 
erstaunt fragen, der 
sich des Dichterwortes 
nicht genau mehr ent¬ 
sinnt, denn — wozu 
offenkundiges Leugnen 
— Goethes Ansicht ist 
nicht durchgedrungen. 

Im Gegenteil I eine weit¬ 
verbreitete Anschauung 
zählt die ehemalige kur- 
pfälzische Residenz zu 
den drei Hauptstädten 
Süd - Westdeutschlands, 
die man nicht gesehen 
zu haben braucht, weil 
sie nach geheiligter 
Tradition dem Fremden 
nichts zu bieten haben. 

Lassen wiFs dahin¬ 
gestellt, ob diese un¬ 
liebenswürdige Tradi¬ 
tion, soweit sie Mann¬ 
heim betrifft, früher 
einmal begründet war, 
gegen ihren gedanken¬ 
losen Fortbestand aber 
erheben wir mit aller Ent¬ 
schiedenheit Einspruch. 

Wir verlangen Wieder¬ 
aufnahme desVerfahrens 
und ein neues Urteil auf Grund Augenscheins. Freilich 
ist kein Wahrspruch eines Gerichts so schwer umzu¬ 
stoßen, wie die summarische Aburteilung einer Stadt 


durch die öffentliche Meinung. Unsere Zeit liebt die 
Kürze, das Schlagwort. Heil den Städten, deren Name 
eine geläufige Vorstellung wachruft: Kölner Dom, 

Heidelberger Schloß — 
derartige Vorstellungen 
sind auch ohne weiteres 
kursfähig. — Dreimal 
Heil den ganz seltenen 
Städten," deren Name 
selbst ein Programm, 
einen Brennpunkt an¬ 
genehmer Gedanken be¬ 
deutet! Aber wehe den 
andern, denen Gedan¬ 
kenlosigkeit oder böser 
Wille einmal eine falsche 
Etikette aufgeklebt hat; 
kaum einer unter — 
sagen wir hunderten? 
sagen wir zehntausen¬ 
den? wird sich ent¬ 
schließen, dieselben un¬ 
befangen zu prüfen und 
dem eigenen Geschmack 
mehr zu vertrauen als 
der irrigen Bezeichnung. 

Mildernde Umstän¬ 
de sind dem Fremden 
allerdings zuzubilligen. 
Nicht Mannheim allein 
sucht sich ja durchzu¬ 
setzen, sondern mit ihm 
so viele andere Städte 
und Städtlein, die erst¬ 
mals oder aufs neue 
bekannt werden wollen^ 
So ist's dehn ein einfaches Rechenexempel: der 

Dividend, die Zahl der Reisenden, hat gewaltig zu¬ 

genommen, aber noch mehr der Divisor, die Orte, die 


Mannheim: Rathaus (erbaut in der Kurfürstenzeit) 










14 DEUTSCHLAND Nr. T 


besucht werden wollen, und darum kann man es dem 
Fremden nicht allzu sehr verargen, wenn er sich ängstlich 
an das herkömmliche Urteil oder Vorurteil klammert, 
um seinen Weg durch das Gewühl zu finden. Vom 
Standpunkt ihrer Bürger aus sind gewiß all diese Orte 
bedeutend, angenehm und der Beachtung in hohem Grade 
würdig. Aber dem Bürger macht ein starker Gefühls- 
Zusatz Dinge lieb und wert, die dem Fremden gleich¬ 
gültig, wo nicht gar unverständlich bleiben. Frosch¬ 
perspektive und Vogelschau haben eben beide ihren 
guten Sinn; wer aber aus der Vogelschau betrachtet 
sein will, muß Besonderes zu bieten haben. Wie steht's 
damit in Mannheim? Gehört die Stadt zu den schellen¬ 
lauten Toren, wenn sie sich nicht mit der Schätzung 
ihrer eigenen Bürger zufrieden gibt, wenn sie auch den 
Fremden ihr „Kommt und schauet!"" zuruft? 

Verlangt man von einer Stadt, daß sie etwas 
schlechthin Einzigartiges oder doch etwas Typisches 


in stärkster Zuspitzung bieten müsse, um Beachtung zu 
erzwingen, so ist das Seil gewiß hoch gespannt. Als 
erster tritt der Statistiker vor. Er rühmt die wahrhaft 
amerikanische Volkszunahme Mannheims, seine gewal¬ 
tige industrielle Entwicklung, beziffert die überragende 
finanzielle und verkehrspolitische Bedeutung Mannheims 
für das engere Vaterland Baden — aber die Probe be¬ 
steht er nicht. Große Menschenmassen sind auch in 
anderen Städten zusammengeströmt, rastloses wirtschaft¬ 
liches Leben pulsiert auch in ihnen. Solche erfreulichen 
statistischen Eigenschaften würden keine Sonderstellung 
Mannheims begründen, böte nicht dessen Wirtschafts¬ 
getriebe eine im Binnenland ganz einzigartige Erschei¬ 
nungsform — die Mannheimer Hafenanlagen. Kein 
deutscher Binnenhafen und unter den Seehäfen auch 
nur ein einziger, Hamburg, weist einen so großen und 
gleichzeitig so reich gegliederten Verkehr auf, wie der 
Mannheimer. Es ist seltsam genug, daß die Mann¬ 
heimer selbst sich erst spät des Besitzes eines so einzig¬ 


artigen Schaustücks bewußt wurden. Seit ein paar 
Jahren erst erschließen regelmäßige Motorbpotfahrten 
diese Wunderwelt völlig sinnverwirrenden Getriebes, in 
Bild und Laut ein prachtvoll bewegtes Durcheinander, 
hervorgezaubert aber aus scharfsinniger wirtschaftlicher 
und technischer Berechnung. Es ist das hohe Lied von 
Kampf und Arbeit, das uns aus dem Kettenrasseln der 
Kranen, dem Zischen der Sägen, dem Stampfen der 
Pressen dort entgegenbraust, wo noch vor wenigen 
Jahrzehnten die Unke klagte und der Star sein 
Liedchen pfiff. Neckar und Rhein, verwöhnte Lieblinge 
von Sage und Sang, einen sich an dieser Stelle; doch 
hier müssen sie fronen und arbeiten, denn die Erzeug¬ 
nisse aus aller Herren Länder lasten ihnen auf ge¬ 
duldigem Rücken. 

Du siehst, lieber Leser, seit jenen Tagen, da Mann¬ 
heim in den Geruch der Langeweile kam, haben sich 
die Dinge gewaltig geändert. Aber nicht etwa nur dort 
am Wasser, wohin du mich begleitet 
hast. Was draußen im Hafen, was 
rundum in den großen industriellen 
Werken und drinnen in Bank und 
Kontor verdient worden ist, hat einen 
höchst wohlgefälligen architektonischen 
Ausdruck in den stolzen Geschäfts¬ 
häusern, vor allem aber in dem vor¬ 
nehmen Villenviertel der Stadt ge¬ 
funden, das eine vorsorgliche Verwal¬ 
tung erschloß, um reichgewordene Mit¬ 
bürger an Mannheim zu ketten. Im 
Wetteifer mit ihren vermögenden Ein¬ 
wohnern hat dort die Stadt als Bau¬ 
herrin sich hervorgetan: Bruno Schmitz 
hat ihr da den Rosengarten, die präch¬ 
tigste Festhalle Deutschlands, hinge¬ 
stellt, dazu einen prunkvollen Monu¬ 
mentalplatz geschaffen, wie er kaum 
zum zweitenmal in einer deutschen 
Stadt zu finden sein dürfte. Und wie 
die Tonkunst im Rosengarten, so hat 
die Malerei in der von Billing erbauten 
Kunsthalle ein stolzes Heim gefunden, 
dem eine zielsichere Leitung, unterstützt 
von großzügiger bürgerlicher Freigebigkeit, schon heute 
einen geachteten Platz unter den deutschen Gemälde¬ 
sammlungen zu verschaffen gewußt hat. 

Wenn anderen Städten ihre Eigenart als Geschenk 
der gütigen Natur oder als heiliges Vermächtnis einer 
kunstverständigen Vergangenheit zugefallen ist, so hat 
Mannheim die seinige aus eigener Kraft der jüngeren 
Geschlechter erworben. Ein traditionsloser Empor¬ 
kömmling ist es gleichwohl nicht, denn noch vor 
anderthalb Jahrhunderten war es die prunkvolle Residenz 
der pfälzischen Kurfürsten, ein landauf landab ge¬ 
priesenes Dorado der Künste und Wissenschaften. 
Noch gemahnen uns auf Schritt und Tritt klassische 
Zeugen an jene erste Glanzzeit, kirchliche und Profan¬ 
bauten, in denen sich ein selbstbewußtes, lebensfrohes 
und kunstsinniges Herrschertum auslebte. Von den 
herrlichen Kunstschätzen ist freilich das meiste, was 
nicht niet- und nagelfest war, mit dem Kurfürsten nach 
München gewandert, auch der letzte Akkord des einst 



Mannheim: Großherzogi. Hol- und Nationalthealer, 
Schillerplatz und Jesuitenkirche 







Mannheim: Friedrichsplatz mit dem städtischen Fest- und Konzerthaus „Roseng-arten'" 



Mannheim: Partie aus den Hafenanlagen (nach einem Gemälde von Philipp Klein) 





















16 DEUTSCHLAND Nr.l 


in ganz Europa berühmten Mannheimer Orchesters ist 
längst verklungen, gleichwohl weht ein leiser Duft der 
künstlerischen Atmosphäre jener Tage noch zu uns 
herüber. Der Dichter, der 
Musiker, der im Theater 
sich unser bemächtigen 
will, erscheint noch heute 
an der geweihten Stätte, 
von der aus Schiller zum 
erstenmal zum deutschen 
Volke sprach, und schwere 
Opfer ließ und läßt es sich 
der Mannheimer kosten, 

Ruhm und Ansehen seiner 
Bühne zu mehren. Von 
manchem künstlerischen 
Wagnis, von oft genialer 
Vorahnung kommender 
Größe legt unsere Theater¬ 
geschichte Zeugnis ab; so 
blieb das Mannheimer Hof- 
Theater ein inhaltreicher 
Begriff für den Kunstfreund 
auch dann noch, als man 
im übrigen herzlich wenig von der Stadt mehr wußte. 

Heute ist der Eiswall im Schmelzen, den Vorurteil, 
Lässigkeit und Uebelwollen zwischen Mannheim und 
die wißbegierige Welt geschoben haben. Die Stadt hat 


an sich gearbeitet, wie kaum eine zweite, um zu einem 
kraftvollen, blühenden Gemeinwesen zu werden, darinnen 
Erwerb und Genuß materieller wie geistiger Güter 

sich glücklich vermählen. 
Ganz sachte mußte die 
Kunde von solcher An¬ 
strengung auch nach außen 
dringen; kein Zweifel: 
Mannheim steht aut 
dem Punkt, entdeckt 
zu werden. Den wirt¬ 
schaftlichen Studiengesell¬ 
schaften, in deren Pro¬ 
gramm der Besuch Mann¬ 
heims schon beinahe eine 
stehende Nummer bildet, 
folgt der eine und andere 
Kunstkenner, der Freund 
moderner großstädtischer 
Entwicklung, und siehe dal 
— vorsichtig, voll zag¬ 
hafter Neugier wagt sich 
auch der Fremde schlecht¬ 
hin herbei. Lassen wir ihn 
gewähren! Kam er nur zu schauen, so wird er nicht 
unbefriedigt wieder von dannen ziehen, kam er aber, 
um schauend zu denken, so wird ihm der Besuch der 
Stadt ein Erlebnis bedeuten. 



Mannheim: Erschießung Kaiser Maximilians 
(Original von Ed. Manet befindet sich in der Kunsthalle) 


Die Städtische Kunsthalle in ?lannheim 


Etwa vor einem Jahre wurde in Mannheim die Kunsthalle 
wieder eröffnet, und dieses Ereignis erhielt damals seine 
besondere Weihe durch eine aus dem Kunsthandel zusammen¬ 
gezogene Ausstellung von Meisterwerken der Malerei des 
19. Jahrhunderts, die viel Beachtung fand. Am H. März ist 
nun ein neuer Zweig des Mannheimer Museumsbetriebes dem 
Publikum übergeben worden, das kunstwissenschaftliche 
Institut und graphische 
Kabinett. Das kunstwissen¬ 
schaftliche Institut ist gedacht 
als eine Informationsgelegen¬ 
heit in kunstwissenschaft¬ 
lichen Dingen für jedermann, 
eine wissenschaftliche Ergän¬ 
zung der auf Konzentration 
und ästhetische Intensität, 
nicht auf Fülle ausgehenden 
städtischen Sammlung. Was 
an Kunst-Dingen in Nähe 
und Ferne existiert, wie die 
Kunst jeweils begriffen, ge¬ 
wertet und ästhetisch gedeutet 
wurde, das soll man in der 
neuen Einrichtung aus einem 
reichen, stets auszubauenden 
Schatz von Reproduktionen 
und Büchern erfahren können. 

Die Entwicklung des zeitgenössichen Kunsturteils spiegeln 
etwa siebzig frei aufgelegte Zeitschriften wider. 

Gleichzeitig hat die Direktion der Kunsthalle eine 
„Meisterausstellung" veranstaltet, die aber diesmal nicht 
eine Uebersicht der Malerei bringt, sondern, dem Anlaß ent¬ 
sprechend, ein Bild der (von Goya an gerechneten) Graphik 


des 19. Jahrhunderts. Und wieder hat der Grundsatz 
strenge Anwendung gefunden, nur Erlesenes in übersichtlicher 
und geschmackvoller Anordnung darzubieten und auf diese 
Weise die Wirkung der Meisterwerke durch Beschränkung 
der Zahl und Gleichmäßigkeit der Qualität besonders zur 
Geltung zu bringen. Es gelangen zur Ausstellung Zeichnungen 
deutscher Meister, wie Menzel, Liebermann, Corinth^ 

T h o m a , H o f m a n n u. a., 
Werke der größten Radierer, 
z. B. Klinger, Greiner, 
Geyger, Stauffer, Leibi, 
Boehle, Kalckreuth, Orlik 
und endlich Steindrucke und 
Farbenholzschnitte in reicher 
Mannigfaltigkeit. Die fran¬ 
zösische Abteilung enthält 
ebenfalls Werke der meist ge¬ 
nannten Meister bis in die 
neueste Zeit, so u. a. von 
Delacroix, Daumier, Gavami^ 
Manet, Millet, Forain, Tou¬ 
louse-Lautrec, Maurice Denis, 
Cezanne, Renoir, Meunier. In 
einer glänzenden englischen 
Abteilung findet sich alles, 
was als Radierer Rang und 
Namen hat (Strang, Legros, 
Laughlan, Pennell usw.) um die beiden hervorragendsten 
Griffelkünsller dieses Kreises, Whistler und Muirhead Bone 
gruppiert, die beide vorzüglich vertreten sind. Daneben in 
einem weiteren Saal einige Meister anderer Nationen, z. B. 
die Nordländer Munch, Zorn und Larsson. — Die Veranstaltung* 
umfaßt eine Flucht großer Säle, deren Benutzungsmöglichkeit 



Mannheim: Städtische Kunsthalle 




































.1 


im 

en 

ter 

lie 

ji- 


len 

el; 

iUl 

:h 

irt* 

eil- 

‘ro- 

nn* 

:ine 

iet, 

lere 

und 

:her 

da! 

lag- 

sich 

cht* 

ihn 

licht 

her, 

der 


Nr. 1 


m DEUTSCHLAND 17 


noch durch g-roße Doppelpunkte gfesteigert wurde. Das 
Ganze ist durch klare und rhythmische Anordnung dem Auge 
angenehm gemacht. 

Diese zweite große Meisterausstellung der Mannheimer 
Kunsthalle ist mit Ausnahme des Montag und Donnerstag 
täglich von 10 bis 1 Uhr und 3 bis 5 Uhr unentgeltlich 
zugänglich und wird voraussichtlich bis Mitte Mai geöffnet 


bleiben. An Donnerstagen wird ein Eintrittsgeld erhoben. 
Sämtliche ausgestellten Blätter sind verkäuflich. Die Ver¬ 
anstaltung ist nicht darauf angelegt, eine lokale Angelegen¬ 
heit der Mannheimer zu bleiben; sie macht den Anspruch, 
in ihrer klaren Eigenart und programmatischen Bedeutung 
im rheinischen und südwestdeutschen Kreise ihresgleichen 
noch nicht gehabt zu haben. Dr. F. W. 


^ Heidelberg. 

Von Gustav W. Eberl ein. 


Als sein himmelstürmender Geist noch nicht umnachtet 
war, da sang der größten einer, Hölderlin: 

Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust 
Mutter nennen und dir schenken ein kunstlos Lied, 
Du, der Vaterlandsstädte 
Ländlich schönste, so viel ich sah. 

Und bis heute hat keine Rivalin Heidelberg den Rang 
abgelaufen. Und bis heute hat noch keiner ihrer zahllosen 
Sänger in seinem Preisliede sich in unmögliche Höhen 
verstiegen. Wer mag je enttäuscht von ihr gegangen sein? 
Das Will viel heißen in einer Zeit, wo jede geringste 
Sehenswürdigkeit dreimal gebucht wird und drei Sterne 
im Führer ihre Betrachtung befehlen. Kein Wunder, daß 
mancher, so hoch in den Himmel erhoben, danach aus den 
Wolken gefallen ist. Heidelbergs Schild ist rein. Fleckenlos. 


Die Feine, wie sie jetzt so friedlich und still am Aus¬ 
gangstore des Neckartales liegt, wurde aus Schmerzen ge¬ 
boren. Zu zweien- und dreienmalen geschändet, geplündert 
und verbrannt, von den Leiden, die sein Haupt, das Schloß, 
erdulden mußte, auch am ganzen Leibe durchrüttelt, hob 
es sich wohl immer wieder aus Schutt und Asche, aber nicht 
dem Phönix gleich. Man kann es den Einwohnern nicht 
verdenken, daß sie nach jeder neuen Verwüstung ihre 
Häuser weniger hübsch aufbauten und gar, durch Melacs 
Horden gezwungen, selbst Feuer darein zu Werfen, mürbe 
geworden, sich nur auf das notwendigste beschränkten. 
So haben die jetzt noch stehenden Häuser in der Regel 
ein Alter von höchstens zweihundert Jahren, nur eine Aus¬ 
nahme, die der Vernichtungswut der Mordgesellen ent¬ 
gangen war, der R itter, zeugt von verschwundener Pracht. 



















r 

\ 


1 


18 DEUTSCHLAND 


Nr.l 


Die Stadt, die auf so vielen Blättern der Geschichte 
verzeichnet ist, die altpfälzische Residenz und das Idyll 
der „Liselotte“, die Stadt an Ehren reich, ist durch ihre 
natürliche Lage vielen gegenüber im Vorzug. Von den 
Bergen des Odenwaldes förmlich in die Länge gequetscht, 
an den Neckar gezwängt, kann sie sich innerhalb des Tales 
nicht bewegen, wird sie noch lange dem Liebhaber ihr 
„Alt-Heidelberg“ zeigen; andrerseits reicht sie außerhalb 


eingefügt, wie die Lande kein zweites aufzuweisen haben: 

Schwer in das Tal hing die gigantische 
Schicksalskundige Burg, nieder bis auf den Grund 
Von den Wettern gerissen; 

Doch die ewige Sonne goß 
Ihr verjüngendes Licht über das alternde 
Riesenbild, und umher grünte lebendiger 
Efeu; freundliche Wälder 
Rauschten über die Burg herab. 



des Gebirges dem Fortschritt, der Industrie in idealer 
Weise die Hand. Dort, von der natürlichen Wasserstraße 
abzweigend, beginnt die berühmte „Bergstraße“, da liegt 
wie ein bunter Teppich ihr zu Füßen die fruchtbare Rhein¬ 
ebene, in deren Hauptstrom sich der Neckar bei Mannheim, 
der nur 20 Minuten entfernten Großstadt, ergießt. Karls¬ 
ruhe, die nahe Residenz, ist ein Punkt der direkten 
Eisenbahnstrecke in die Schweiz und so Heidelberg 
ein Vortor zum Schwarzwald, den man 
ebenso wie Würzburg, Straßburg, Stuttgart 
und die Rheinpfalz in 2 und 3 Stunden er¬ 
reicht. Wo alles liebt, kann der Himmel 
allein natürlich nicht hassen, und er be¬ 
scherte Heidelberg ein Klima, das man mit 
Recht als italienisch bezeichnet hat. Daß 
es nicht weniger regnet wie anderswo, ist 
freilich Wahr, aber nicht weniger häufig lacht 
ein herrlichblauer Himmel, der Mandeln und 
Pfirsiche, Wein und echte Kastanien zu 
blühendem Leben ruft. In Wochen ist es 
fertig gewoben, das „schimmernde Braut- 
gewand“, hundert Schritte bereits vom 
Bahnhof kommt dem Fremdling die Ewig- 
Junge entgegen und bietet ihm den Will¬ 
komm. Wie sie das macht und Was sie 
ihm sonst alles zeigt, das soll hier nicht er¬ 
zählt werden. Nimm irgend ein Schriftchen 
der Stadt zur Hand, Fremdling, und tu wie 
dir darin geheißen! Du tust wohl daran. 

Wer den Zauber Heidelbergs empfunden — und wer 
könnte sich ihm entziehen — den berührt es wie selbst¬ 
verständlich, daß hier die Wiege der Romantik gestanden, 
nur hier gestanden haben kann. Ist doch der unnennbar 
lieblichen Kette von Berg und Tal und Strom ein Kleinod 


Geht noch heute keines vorüber, ohne daß 
die Brust lauter und stolzer ihm schlüge, 
wie mußte dieses Schloß, halb Märchen und 
halb Tod, in jener gefühlswarmen Zeit auf 
Dichterherzen wirken! Arnim und Brentano 

» 

Matthisson und dann Goethe, allen hat es 
gesprochen in seiner wundersamen Sprache. 
Zurzeit ist das „Heidelberger Schloß“ ein 
Ding, das jeder zum mindesten vom Hören¬ 
sagen kennt, das Abe tausende gesehen, 
das Ziel aller Rheinreisenden und — Hoch¬ 
zeitspaare. Vieles bringt es und bringt 
so jedem etwas. Staunend stehen die 
mehr historisch Empfindenden vor dem 
gesprengten kolossalen Turm, den Be¬ 
wunderern der Renaissance lacht das Herz 
im Leibe beim Anblick des Ottheinrichbaues 
und des („restaurierten“, darum viel kriti¬ 
sierten) Friedrichsbaues, ohne Ausnahme 
tut jedes einen Blick von der Terrasse, wo Scheffel in Erz 
gegossen steht, und von dem weltberühmten Altan, während 
materieller Gesinnten das Große Faß am interessantesten 
dünkt. Fürwahr, man kann Tage herumschweifen in den 
morgenroten Mauern, ihre Oeden — und das ist kein 
Paradoxon — bergen Füllen. Sind wie japanischeSchachteln, 
die niemals leer werden, aus denen man immer ein neues 
greift. Und gehst du dann den Friesenberg hinunter und 


über die alte vielbogige Brücke, ein Wahrzeichen Heidel¬ 
bergs, und gar hinauf zum Philosophenweg, genießt du 
von dort oben den „schönsten Blick“, Wie ein Vielgereister 
sagt, „den man von der Erde tun kann“, dir ist, du mußt 
von jener Schönheit singen und sagen bis an dein Ende, 



Bensheim a. d. Bergfstraße: Gesamtansicht 




Nr. 1 DEUTSCHLAND 19 


Freilich, die Neuzeit ist nicht friedenlassend an dieser 
Städteoase vorbeigegangen, sie forderte viel Tribut, und 
viel hat man ihr entrichtet. Gegenwärtig ist es wie ein 



Heppenheim a. d. Bergstraße: Gesamtansicht 


Ringen zwischen der gemütlichen kleinen Musenstadt und 
der Wachsenden Fremdenstadt. Erstere bleibt sich nach 
Möglichkeit getreu,und wenn die zahlreichen Korporationen 
ihre Feste feiern mit echt studentischem Pomp, Wagen¬ 
auffahrten und Fackelzügen, beweist nichts die „ver¬ 
schwundene alte Burschenherrlichkeit“; auf dem anderen 
Blatte aber stehen die Forderungen des neuen Jahr¬ 
hunderts. Und da ist es wirklich bewundernswert zu 
sehen, was die verhältnismäßig kleine Stadt (56000 
Einwohner) in kurzer Zeit hervorgebracht hat und 
nun ihren Besuchern zu bieten vermag. Bis zum 
höchsten Gipfel des fast 600 Meter hohen Königs¬ 
stuhles führen die Bergbahnen; die Straßenbahnen, die 
die ganze Stadt durchlaufen, verbinden die entferntesten 
Vororte, wie Schlierbach, Handschuhsheim, Rohrbach 
und selbst das 2 Gehstunden entfernte Wiesloch. 
Ein neuer Bahnhof, zu dem ein 2'/^ Kilometer langer 
Tunnel durch das Gebirge geschlagen wurde, befindet 
sich in Bau. Auf Theater, Konzerte und eine Unsumme 
von Vorträgen, durch die Universität angezogen, braucht 
der Fremde selbstverständlich nicht zu verzichten^ 
im Sommer erwarten ihn die weltbekannten Schlo߬ 
beleuchtungen; dann Regatten und sportliche Veran¬ 
staltungen aller Art. Die Wintersaison steht an den 
üblichen Vergnügen den Großstädten wenig nach, dem 
Winter-, insbesondere dem Rodelsport kann in nicht 
übertreffender Weise gehuldigt werden. 

Es ist natürlich, daß in einer dermaßen vielseitigen 
Stadt, die allen Interessen entgegenkommt, die Bau¬ 
tätigkeit eine rege ist; die rechte Neckarseite ist eine 
einzige Kette von Villen, und bis hoch auf die Berge 
sind auf beiden Seiten die Landhäuser geklettert. 
Ihrer zahlreiche, ganze Kolonien, findet man am Wolfs¬ 
brunnenweg, in Rohrbach und Neuenheim, wo haupt¬ 
sächlich die vornehme Gesellschaft ihre Wohnsitze 
aufgeschlagen hat. 

In diesem Frühjahr hat sich unter dem Vorsitz S. H. 
des Prinzen Wilhelm von Sachsen-Weimar, Herzog zu 
Sachsen, ein „Verein zur Förderung des Fremden¬ 
verkehrs für Heidelberg und Umgegend“ ge¬ 
bildet, dem sofort eine große Anzahl von Mitgliedern 
beigetreten sind. Auf Grund sehr namhafter Beträge, 
die schon bis jetzt gezeichnet worden sind, konnte 
sich der Verein vorerst ein Sommerprogramm aus¬ 


arbeiten, in das schon ein Blick genügt, um zu erkennen, 
daß es tatsächlich großzügig aufgefaßt ist*). Eigentlich 
mag es befremdlich erscheinen, daß Heidelberg bisher eines 
uns heutzutage so notwendig erscheinenden Ver¬ 
eines ermangelte, erklärlich wird dieser verzeihliche 
Konservativismus einesteils aus einer gewissen zarten 
Scheu, die es so manchen profan erscheinen lassen 
mochte, die wundersamen Heimlichkeiten Heidel¬ 
berger Schönheit auszurufen, zum andern aus 
dem stolzen Bewußtsein, daß die vielgefeierte 
Scheffelstadt, der am Neckar und am Rheine keine 
gleichkommt, es nicht nötig habe, um Freundschaft 
zu Werben. 

Nun ist man auch den Neuerern gerecht ge¬ 
worden, und soweit man bis jetzt überschauen kann, 
besteht begründete Hoffnung, daß sich die Stadt zu 
einem ansehnlichen zeitgemäßen Fremdenplatz auf¬ 
schwingen wird, ohne daß an seinem Zauber Ein¬ 
buße erleidet das traute Alt-Heidelberg. 

*) Prospekte und Führer sind kostenlos durch das städtische Ver¬ 
kehrsbureau oder durch den genannten Verein zu beziehen. 



Weinheim a. d. Berg-straße: Roter Turm 





















20 DEUTSCHLAND Nr. 1 


Die Bergstraße. 

Von Dr. Max Koppe, Seeheim (Hessen). 


„Im Odenwald zieht durch den Tann 
„Der Ruf von Lenzschalmeien, 

„Und wer allein im Wintersbann, 

„Geht fröhlich nun zu Zweien. 

„Das ist ein Jauchzen weit und breit, 

„Die Sonnenfunken sprühen. 

„Juchhei, du neue, schöne Zeit, 

„Du Glanz und junges Blühen I" 

(K. Schäfer.) 

„Juchhei, du neue, schöne Zeit, du Glanz und 
junges Blühen!" Fürwahr, wer möchte da im dumpfen 
Zimmer sitzen, wo Frau 
Sonne so lockend zum 
Fenster hereingrüßt, wo 
der Lenz an die Schei¬ 
ben pocht, wo die Vögel 
singen und jubilieren: 

„Der Frühling ist ge- 

[kommen 
„Mit Rosen an der Brust. 

„Frisch aufi Den Stob 
[genommen 
„In heller Wanderlust I" 

Fahret wohl für heut, 

Folianten ihr und Ak¬ 
ten! Heut seht ihr uns 
nimmer! Heut wollen 
auch wir hinaus, den 
Lenz zu grüßen dort, 
wo er am wonniglichsten 
uns winkt, an den herr¬ 
lichsten Gefilden des 
Hessenlandes,gen Baden 
zu, an der Bergstraße! 

Bergstraße?! Ein selt¬ 
samer Name, der sofort 
eine bestimmte Vor¬ 
stellung erweckt. Von 
Bergen und einer Straße 
redet er uns, von den 
dichtbewaldeten Bergen, 
die sanft gewellt, hie und 
da aber jäh ansteigend, 
sich zu unserer Linken 
hinziehen, wenn wir die 
uralte Handels- und Ver¬ 
kehrsstraße entlang wan¬ 
dern, die uns von der 
freundlichen, emporblühenden Hauptstadt Hessens, der 
Residenz Darmstadt, hinführt nach „Alt-Heidelberg", 
der vielbesungenen Musenstadt, und ins schöne Neckar¬ 
tal. Zu unserer Rechten geben uns fruchtbare Ebenen 
das Geleite, aus denen das Silberband des Rheines 
aufblitzt, jenseits dessen in bläulichem Duft ver¬ 
schwindend die Höhen des Taunus, der Haardt und 
der wuchtig breite Rücken des Donnersbergs den 
Horizont begrenzen. Mögen wir nun auf der Höhe 
selber dahinwandern oder an ihrem Hange der Straße 
folgen: Was sich uns auf unserem Wege darbietet, 
immer ist es etwas für Auge und Herz gleich Schönes ; 


immer neue, fesselnde Bilder und Szenerien folgen ein¬ 
ander, und nie wird des Schreitenden Fuß müde, des 
Schauenden Auge satt der vielen Herrlichkeiten, welche 
die Bergstraße — so heißt der Höhenzug, der den 
Odenwald gegen die Rheinebene hin abschließt — aller¬ 
orten dem beut, der seine Schritte zu ihr lenkt. Droben 
auf den Höhen, die aus der Ebene bis zu über 500 
Metern aufsteigen, dichter Buchenwald, hoher Tannen 
Dunkel; zwischen ihnen und sie überragend oder in 
Waldesnacht verborgen efeuumrankte, trutzige Burg¬ 
ruinen und Mauerreste, 
stumme Zeugen vergan¬ 
gener Zeit und Macht. 
Von den Rittern, die hier 
einst gehaust, raunt uns 
Frau Sage geheimnis¬ 
volle Märchen zu. Ein¬ 
gemauert in die Außen¬ 
wand bescheidener Dorf- 
Kirchlein, geben uns 
Grabsteine mit vonWind 
und Wetter verwasche¬ 
nen, verwitterten Runen 
ihre Züge, ihre Namen 
wieder, und die dräuen¬ 
den Vesten, die massigen 
Mauern und Wälle, sie 
melden uns, welche ge¬ 
waltige Herren hier auf 
den Höhen der Berg¬ 
straße einst gelebt und 
geliebt, geraubt und ge¬ 
kämpft, gestorben und 
verdorben. Burg Fran¬ 
kenstein und Ruine Tan¬ 
nenberg bei Seeheim 
und Jugenheim, Ruine 
Jossa, Auerbachs male¬ 
risches Schloß, das Ais¬ 
bacher Schloß, einst Burg 
Bickenbach geheißen,die 
hinterBensheim liegende 
Ruine zu Lindenfels, die 
Starkenburg bei Heppen¬ 
heim, Burg Windeck bei 
Weinheim, — das sind 
nur einige Namen. Aber sie genügen, um von dem 
Reichtum an Resten alter Ritterherrlichkeit Kunde zu 
geben, dessen sich die Bergstraße rühmen darf. Von 
den Zinnen dieser Burgen, nicht minder von den 
Türmen, welche Landesherren oder verkehrsfreundliche 
Vereine droben auf den Höhen errichteten, beispiels¬ 
weise vom Elisabethenturm bei Seeheim (423 Meter) 
oder vom Melibokus (517 Meter) bei Zwingenberg, welch 
wundersame Schau! Hoch über dem wogenden Wälder¬ 
meere stehend, lassen wir die Blicke wonnetrunken 
schweifen und grüßen Odenwald und Spessart, Vogels¬ 
berg und Taunus, Rhein und Neckar und all die Orte 



Weinheim a. d. Bergstraße: Ansicht aus dem Gerberviertel 


















Nr.l 


I«I DEUTSCHLAND (01 


Wl 21 


groß und klein zu unsern Füßen und in der Ferne drüben 
Worms, die Nibelungen- und Lutherstadt, Speier, die alte 
Kaiserstadt. Hier droben, vom Lenzeshauch umfächelt, 
geht uns das Herz auf, und schwer nur reißen wir uns 
los von so viel Schönheit, um hinabzusteigen wiederum 
ins Tal, wo neue Wonne unser harrt. 

Neue Wonne — ich weiß mir kein ander Wort. 
Sag' an, Leser! Warst du zur Frühlingszeit einmal bei 
uns, an der Bergstraße? 

Hast du der Jahreszeiten 
Wechsel einmal hier er¬ 
lebt, mitgelebt? Du Armer! 
nicht drinnen in der gros¬ 
sen Stadt, hier draußen 
nur bei uns lernst du er¬ 
kennen, fühlen, was Früh¬ 
ling heißt, lernst du er¬ 
messen, welche Fülle des 
Schönen dies eine Wort 
in sich birgt! Der Winter 
ist vergangen. Stürme 
brausen über das Land 
und jagen den Schnee 
von den Höhen hinunter 
in den Rhein. Mächtig 
rauschen wieder Bache 
des Waldes. Kaum ist 
die weiße Hülle dahin, da regt es sich auf allen Fluren. 
Pflänzchen auf Pflänzchen schaut heraus, erst schüchtern, 
zaghaft, dann aber sproßt und grünt es allerorten, ln 
den Gärten, auf den Feldern, in den Wäldern, alles ein 
Blühen und Duften. Das Schönste von allem aber und 
den bleibendsten Eindruck in eines jeden Seele hinter¬ 
lassend ist doc' ;!?.s zarte Gewand, aus weiß und rosa 
gewebt, welches unsere Bergeshänge zur Lenzeszeit an¬ 


legen. Mandel, Pfirsich, Aprikose, Kirsche, Birne, Zwetsche, 
Mirabelle, Reineclaude, Apfelbaum — wer im Frühling 
eure Pracht erblickt, er wähnt ein einzig wogend Meer 
von Blüten zu sehen. Und indes das Auge schwelgt, 
malt die stets rege Phantasie sich aus, wieviel des köst¬ 
lichsten Obstes hier heranreift. Und hinter der Phantasie 
bleibt die Wirklichkeit nicht zurück. Dem so überaus 
milden Klima der Bergstraße verdankt das genußfrohe 

Frankfurt, Stuttgart und 
manch andere Stadt das 
erste Frühobst, die ersten 
Spargeln, die labende 
Erdbeere, verdankt der 
Freund eines guten 
Tropfens den so trefflich 
mundenden ,Bergsträßer'. 

Wärmer und wärmer 
wird es. Der Sommer ist 
da. Wie wohlig ruht 
sich's da in unsrer Wäl¬ 
der Kühle, wo der Wald¬ 
meister duftet und des 
Enzians blaue Blume 
blüht, wo des Baches 
Murmeln uns in stille 
Träume lullt und der 
Waldvogel süße Weisen 
singt! Warme Tage, kühle Nächte, die wir den herr¬ 
lichen Tälern danken, welche fast von allen Orten der 
Bergstraße schluchtartig hineinführen in die Waldes¬ 
nacht, hinan zur Bergeshöh' — dies das Kennzeichen 
unserer Gegend zur Sommerszeit. Dann kommt der 
Herbst. Rot färbt sich das Laub und gelb, und Farben¬ 
töne zeigt der Wald, wie sie berückender in ihrer Zu¬ 
sammenstellung, phantastischer kein Maler uns vor 



Zwingenberg a. d. Bergstraße: Gesamtansicht 



Auerbach a. d. Bergstraße: Gesamtansicht 























22 


I«l DEUTSCHLAND Nr. 1 


Augen zaubern könnte. Die Herbstzeitlose, Gift bergend 
in ihrem blassen Kelche, prangt auf den Auen, die 
letzte Rose in den Gärten. Von den Feldern wird 
allerlei Herbstgabe hereingefahren, von unsern saftigen 
Wiesen Heu auf Heu. 

Und naht der Winter, der hier sehr milde nur 
regiert, dann schläft wohl die Natur, nicht aber das 


sie dem durch moderne Kultur Verwöhnten alles bietet 
was er nicht missen möchte zur Behaglichkeit des Da¬ 
seins in puncto Häuslichkeit (Beleuchtung, Wasserver¬ 
sorgung, Kanalisation, Lebensmittel usw.). Schul- und 
sonstigem Bildungswesen, Unterhaltung (Konzerte, 
Theater), Eisenbahnverbindungen u. a. m. Gleiche Für¬ 
sorge und gleiches Vorwärtsstreben bekunden auch die 







Jugenheim a. d. Bergstraße: Gesamtansicht 






sonstige Leben an der Bergstraße. Ihre Reize im weißen 
Winterkleid, sie locken nicht vergebens. Tal und Höhe, 
Wald und Au, sie sind belebt von fröhlichen Menschen¬ 
kindern, die sich freuen wollen der Bergstraße auch zur 
Winterszeit. 

So unsere Landschaft. Und die Orte an ihr? Weißt 
du von denen nichts zu plaudern? fragt ihr ungeduldig. 
Ist von ihnen nichts, gar nichts 
zu erzählen? Doch, lieber Leser! 

Von diesen will ich jetzt auch 
reden — last not least! — Wie 
Edelsteine dem güldenen Reif, in 
den sie eingefügt sind, erst die 
rechte Zier, den vollen Glanz ver¬ 
leihen, so gereichen den Höhen 
der Bergstraße zum allerschönsten 
Schmucke unsere Städtchen und 
Dörflein, deren helle Häuser mit 
ihren roten und grauen Dächern 
einen frischen, lebhaften Ton in 
das Landschafts-Bild bringen. — 

Fürstensitze auf den Höhen und 
im Tal — wir nennen nur die Groß- 
herzoglichen Hoflager in Seeheim 
und in Auerbach, das Prinzlich 
Battenbergsche Schloß Heiligen¬ 
berg bei Jugenheim, das Fürstlich 
Erbachsche Schloß Schönberg bei 
Bensheim — schloßartige Besitzun¬ 
gen adliger Geschlechter und an¬ 
gesehener Patrizier, prächtige Villen wohlhabender 
Pensionäre und sonstiger Privatleute, sie alle legen 
Zeugnis davon ab, welche Anziehung das milde Klima, 
die herrliche Lage der Bergstraße von jeher ausgeübt hat, 
und daß für Ruhe- und Erholungsbedürftige die Bergstraße 
wie kaum eine andere Gegend wie geschaffen ist, zumal 


Gaststätten an unserer Bergstraße. Auch sie sind red¬ 
lich bemüht, allen Anforderungen gerecht zu werden 
und den Besucher von einmal sich zum Freund für 
immer zu gewinnen. 

Ich könnte schließen. Ich möchte es aber nicht 
tun, ohne vorher noch diejenigen, die zu uns kommen, 
die Natur zu bewundern, und dabei unsere Städte und 
Dörfer durchstreifen, hinzuweisen 
auf die zahlreichen geschichtlichen 
Erinnerungen, die sich an die vielen 
wohlerhaltenen mittelalterlichen Ge¬ 
bäude und Mauern in diesen Orten 
knüpfen und die uns in beredter 
Sprache gemahnen an die wilden 
Kriegsstürme, die über unser Land 
dahingebraust, und an unserer Väter 
Art und Tun. Zu den schmucken 
neuzeitlichen Bauten staatlicher, 
städtischer und kirchlicher Behörden 
geben sie alle, gemeinsam mit den 
Burgen auf den Höhen, ein Gegen¬ 
stück ab, wie es fesselnder und 
packender kaum anderorts sich 
findet. Es sei in dieser Beziehung 
hier nur kurz hingewiesen auf See¬ 
heim (Pfarrhaus 1582,Rathaus 159Q), 
Zwingenberg (alte Mauern, Tore, 
Kirche aus dem 14. Jahrhundert), 
auf die alten Adelshöfe in Bensheim 
(Rodensteiner, Wambolder und Dal- 
berger Hof) und das „Rinnentor" dort, auf Heppenheims 
Marktplatz (Rathaus, Apotheke, Kellerei aus dem 16. Jahr¬ 
hundert, Amtshof usw.), Weinheims Türme (Roter Turm, 
Hexenturm, Blauer Hut) und alte Häuser und auf die 
Gebäude bei der Lindenfelser Burg. Wer zu sehen weiß, 
wird eine Fülle von derartigen Zeugen alter Zeit auch 



Dürkheim : Blick aut Hartenburg 
















Nr. 1 DEUTSCHLAND 23 


bei uns zu finden wissen, auch in den Orten, die hier nicht 
genannt sind. Kommet selber und schauet! Wollt ihr aber 
zuvor euch unterrichten von dem, was die Bergstraße euch 
beut, — dem Wanderer, dem Kurgast, dem dauernden 


Ansiedler — der „Verkehrs-Ausschuß der Bergstraße", 
Sitz Auerbach (Hessen), gibt euch von allem Kunde. 

Und nun: Frischauf! und: Herzlich willkommen an 
der Bergstraße! 


Die Pfalz — das deutsche Italien. 

Von Paul Kretzschmar, Neustadt a. d. Hdt. 


Die Pfalz hat den Vorzug, zu den klimatisch am meisten 
begünstigten Gegenden Deutschlands zu gehören. Der 
Reisende, der von Norddeutschland über Straßburg—Basel 
nach Italien fährt und in der Pfalz ein paar Stunden Aufenthalt 
nimmt, hat in diesem frohen Ländchen schon eine Vorahnung 
des Südens, und wenn er wieder zurückkehrt, so weckt die 
Pfalz in ihm liebliche Erinnerungen an Florentiner und Turiner 
Eindrücke. Dort wie hier weitausgedehnte Edelkastanien¬ 
waldungen, hier wie dort ein fast die ganze schöne Jahres¬ 
zeit hindurch lachender blauer Himmel. Wenn im zeitigen Früh¬ 
jahr, wo der Berg¬ 
wald noch schläft 
und nur die Schnee¬ 
glöckchen aus dem 
noch frostignassen 
Moose lugen, an 
den Abhängen des 
Haardtgebirges das 
schneeige Weiß der 
Mandelblüte weit 
ins Land leuchtet 
und ein wenig später 
die Blüte der Früh¬ 
aprikose vereint mit 
den Mandeln ein 
weiß-rosa Blüten- 
band über Berg- 
hänge und durch 
Täler, um schmucke 
Winzer - Häuschen 
und würdige Patri¬ 
zier-Häuser zieht, 
dann zeigt die Pfalz 
V orfrühlings-Bilder 
wie kein anderes 
deutsches Land, ln 
solch großer Zahl 
stehen Mandelbäume weder an der Bergstraße noch im 
Nahetal. Noch ein paar Wochen später kommt der Frühling 
ganz ins Land. Dann leuchtet das Kirschblütenmeer von 
Freinsheim, Weisenheim und der Nachbarorte wie ein wei߬ 
schäumendes Meer aus dem grünen Land der oberrheinischen 
Tiefebene. Baumblütenbilder von unvergeßlicher Anmut 
huschen vorüber, wenn der Reisende ein wenig später mit 
dem Köln —Baseler D-Zug durch das apfelreiche Alsenztal 
fährt, und entwickeln sich in feierlicher Schönheit dem, der 
um diese Zeit das Zwetschenland der Pfalz, das liebliche 
Lautertal, oder die in grüne Waldberge eingebettete Ram- 
berger Blüte oder das gesegnete Zweibrücker Land durch¬ 
wandert oder durchfährt. Das ist der Frühling in der Pfalz, 
der schöne sonnige Frühling des Oberrheins, der hier am 
Haardtgebirge sein duftigstes Gewand trögt. 

Im Sommer entwickelt sich hier eine Vegetation von 
mächtiger Fülle. Auf kaum übersehbaren Flächen grünt die 
Rebe, und in den Feldern wachsen die Früchte in einer 
Ueppigkeit, die oft staunen läßt. Aber erst der Herbst bringt 
alles das hervor, was die Pfalz wieder zum Italien Deutsch¬ 
lands macht. Das ist die schöne Zeit der Mandelernte. Viel 
Hunderte von Zentnern dieser in halbreifem Zustand ab¬ 


geschlagenen Früchte wandern dann in die großen Konserven¬ 
fabriken, um dort zu hochgeschätzten Delikatessen verarbeitet zu 
werden, die auch in England und Belgien teuer bezahlt werden. 
Die Obsternte in der Pfalz ist überhaupt von einer kaum über¬ 
trefflichen Reichhaltigkeit. Pfirsiche und Aprikosen in 
kaum faßbaren Mengen und im Weinbaugebiet von einer Qua¬ 
lität, die nicht zu übertreffen ist. In Mirabellen wetteifert 
die Vorderpfalz mit dem Metzer Land und in türkischen Kirschen 
und feinen Spielarten des Edelobstes ist sie unerschöpflich. 
Die Reineclaude gedeiht hier zu einer Süßigkeit, die 

schon nicht mehr 
aus dieser Welt zu 
stammen scheint. 
Dabei wird diese 
köstliche Pflaumen- 
Frucht auf den 
Märkten zu Neu¬ 
stadt, Landau, zu 
Deidesheim usw. zu 
Preisen verkauft, die 
in manchen minder¬ 
begnadeten Land¬ 
strichen für halb¬ 
saure, arme Aepfel 
und holzige Birnen 
gezahlt werden. 
Wenn Abertausende 
von Trauben in der 
italienisch heißen 
Hochsommersonne 
braten, schmoren, 
dann reift in der 
Gegend von Deides¬ 
heim auch eine 
Frucht, welche in 
Deutschland nur in 
diesem Stückchen 
Land bis zur Fruchtbarkeit gedeihen kann: die Feige. Ihre 
sehnigen, ein wenig spärlich belaubten Zweige ranken sich hier 
um sonnbeschienene Hausfassaden und Giebel und füllen die 
strotzigenFrüchte allgemach mit südlichem Lebenssäfte, bis sie 
ganz reif sind und zu exklusivem Genüsse taugen. Wenn aber 
der Herbst die Farben der Landschaft silbergrau, goldbraun und 
rotviolett übertüncht, wenn sich das frohe Vinzervolk zu froher 
Weinlese rüstet, dann ist auch der Haardtwald voll Leben und 
Fröhlichkeit. Aus Dutzenden von Dörfern und Städten zieht 
alt und jung hinauf in die blauen Berge, um die Edel¬ 
kastanien zu ernten. Hunderte, Tausende Säcke voll 
dieser stachligen Waldfrüchte gehen dann zu Tale, um nach 
ihrer Entschalung entweder versandt oder für die heimischen 
Kochlöpfe als wohlangesehenes Wintergemüse auf bewahrt 
zu werden. 

Dies Bild der Pfalz würde nicht vollständig sein, wenn 
auch nicht erzählt würde, daß es im Haardtgebiet Gärten von 
tropischer Pracht und Fülle gibt. Da ist vor allem der Kur¬ 
park des anmutigen Badeortes Gleisweiler, der italienische 
Vegetation aufweist und in Deutschland seinesgleichen nicht 
hat. Seine Palmenbestönde sind überaus stattlich, und auch 
die Orange kommt hier zur Vollreife. Andere tropisch-üppige 



Bad Gleisweiler (Partie im Kurgarten) 




24 DEUTSCHLAND ©eeee^^eee^eeeeeeeeeeee® Nr. i 



Gärten haben Wachenheim, Deidesheim, Bad Dürkheim und 
andere Rebenorte aufzuweisen, und auch im Pfälzerwald 


Mandelblüte an der Haardt 

erinnern gar manche Pflanzen und gar mancher Baum 
daran, daß hier klimatische Verhältnisse besonderer Art sind. 


Es ist nach diesem wohl verständlich, daß auch die Tier¬ 
welt einen leicht südlichen Einschlag aufweist. Manche Vogel¬ 
arten, die anderswo als Zugvögel gelten, 
bleiben hier das ganze Jahr. In der Um¬ 
gebung von Deidesheim bevölkern sogar kleine 
P a p a g e i e n arten die Obstgärten, Alleen und 
Wäldchen, und in den heißesten Weinbergen 
schlängelt sich eine Rieseneidechse, die den 
Neuling leicht in gelinden Schrecken versetzt. 
Und so ließe sich noch mancherlei darüber 
sagen, noch über manche Züge der Pfälzer 
Landschaft plaudern, die an südlichere Breiten 
gemahnen. Auch daß viele Orte jahraus, jahrein 
vor großen Temperaturschwankungen bewahrt 
bleiben, gehört hierher. Von den ersten Früh¬ 
lingsblütenknospen bis zum letzten Blütensterben 
des Spätherbstes lacht der rheinische Himmel 
hier allermeist in sonnigem Blau auf die Gefilde 
herab, und selbst die Winter bringen meist kein 
hartes Wetter. Erst in den letzten bei aller 
Welt gefürchteten Kometenjahren hat auch 
das Pfälzer Klima gestreikt, und in diesem 
Frühjahr hat Anfang April eine wochenlange 
Kältewelle die vollentwickelte Mandelblüte 
stark geschädigt. Aber das sind gottlob Aus¬ 
nahmen, wie sie die Pfälzer Chronik nur 
höchstselten verzeichnet und wie sie in Zu¬ 
kunft wohl sobald nicht wieder das lichte Frühlingsbild 
der Pfalz stören werden. 


Prinz-Regent Luitpold von Bayern. 

Von Ant. Roitzsch, München. 


Der 12. März 1911 ist für jeden Bayer ein Tag freu¬ 
diger Erinnerung. Ueberall, soweit die bayerische Zunge 
klingt, und selbst draußen in der Ferne, wo Landsleute 
in alter Bayerntreue sich zusammenfanden, wurde der 
neunzigste Geburtstag des Prinzen Luitpold, des König¬ 
reichs Bayern Verwesers, mit einer herzlichen Anteil¬ 
nahme und einer Begeisterung gefeiert, die den greisen 
Fürsten als Unterpfand der schwererrungenen Liebe und 
Verehrung seines Bayernvolkes sicherlich mehr be¬ 
glückten, als aller höfische Prunk und fürstliche Ehrungen. 
Denn Prinz Luitpold ist von schlichter Art; und als er 
an dem verhängnisvollen Pfingsttag des Jahres 1886 
schweren Herzens das Zepter ergriff, das den Händen 
des unglücklichen und heute noch unvergessenen 
Ludwig 11. entglitt, dessen hochfliegender Königstraum 
in den Fluten des Starnberger Sees ein furchtbares Ende 
fand, während sein Neffe Otto, der Erbe des Königtums, 
in geistiger Umnachtung seine Tage in dem einsamen 
Königsschlosse Fürstenried vertraueit, da wußte der 
Fünfundsechzigjährige, daß er an der Schwelle des 
Greisenalters eine Aufgabe übernahm, die die Kräfte 
manches Jüngeren in unfruchtbarem Kampfe zerrieben 
hätte. Denn schwer ist die Liebe des Bayernvolkes zu 
erringen, und diese Liebe gehörte dem unglücklichen 
Ludwig, mochte er auch durch seine romantischen Ideen 
dem Lande drückende Lasten aufgebürdet haben. Prinz 
Luitpold wußte, welch dornenvolle Aufgabe er über¬ 
nommen, als er in jenen stürmischen Tagen die am 
Boden schleifenden Zügel aufgriff, aber nicht, um sich 
die Krone aufs Haupt zu setzen, sondern um sie als 
getreuer Verwalter für seinen regierungsunfähigen Neffen 


zu verwahren. In einem Alter, wo andre Sterbliche 
daran denken, von des Lebens Last und Mühen aus¬ 
zurasten, begann an ihn, der nie daran gedacht hatte, 
je zur Regierung berufen zu werden, das Leben die 
höchsten Anforderungen zu stellen. Und er ist ihnen 
gerecht geworden, wie selten einer. Er hat das Land 
durch bewegte Zeiten hindurch zu Wohlstand und Blüte 
geführt. Die bayerische Armee, der er als begeisterter 
Artillerist von Jugend an seine unausgesetzte Sorge 
widmete, darf getrost den Vergleich mit den besten 
Truppen der Welt aushalten, und Kunst und Wissen¬ 
schaft, in deren Pflege die Wittelsbacher von keinem 
Fürsten der Welt je übertroffen wurden, entfalteten sich 
unter Prinz Luitpolds schirmender Fürsorge zu einem 
Hochstand, der Münchens Ruf als erste Kunststadt allen 
Anstrengungen andrer Städte zum Trotz sieghaft gewahrt 
hat. Nahezu täglich während seines Aufenthaltes in 
seiner Residenzstadt stattet jetzt noch der Neunzigjährige 
bald dem bald jenem Künstler einen Besuch im Atelier 
ab. So widerstrebend er, obwohl der nächste dazu 
Berufene, die Regentschaft übernommen hatte, mit so 
eisernem Pflichtgefühl, das sich oft zur Selbstverleug¬ 
nung steigerte, und unerbittlicher Strenge gegen sich 
selbst stellte er sich vom ersten Tage seiner Regent¬ 
schaft an schlicht aber fest auf den unverrückbaren 
Boden der Pflichten schaffenden und Taten heischenden 
Gegenwart. Durchdrungen von dem Gefühl der Un¬ 
antastbarkeit des königlichen Amtes, betätigte er in 
Worten und Werken die größte Achtung vor dem Gesetz 
und der Verfassung. So erkämpfte er sich Schritt für 
Schritt die Liebe seines Volkes, und seine unwandelbare 





























26 DEUTSCHLAND Nr.l 


Bundestreue sicherte ihm die Verehrung des ganzen 
deutschen Volkes. Mit willigen, rüstigen Kräften half 
er an dem Ausbau des jungen Reiches mitschaffen, das 
er selbst auf Frankreichs blutgetränkten Schlachtfeldern 
mit errichten half. Sich selbst vieles versagend, hat er 
stets eine offene Hand für alle Bedürftigen und Un¬ 
glücklichen, und eine Menge reicher Stiftungen werden 
noch in späteren Geschlechtern das Andenken an Prinz 
Luitpold den Gütigen wach erhalten. 


pflichten in der Residenz zu entziehen. In der kleid¬ 
samen Tracht seiner Oberlandler, der „kurzen Wichs", 
verbringt er dann nach den Anstrengungen der Jagd 
die Abendstunden bei Bier und der nicht ausgehenden 
Zigarre, bei Zitherspiel und Sang in ernster und heiterer 
Unterhaltung. So lebt Prinz Luitpold inmitten seiner Ge¬ 
treuen wie die alten Stammesherzöge, von denen uns die 
Lieder melden. Sein mildes, gütigesWesen hat die Herzen 
des Volkes bezwungen, dem auch er in selbstloser Liebe 




Seine einzige Erholung ist das edle Waidwerk, dem 
er bereits von früher Jugend an oblag. Bei der Saujagd 
in den Eichen- und Buchenwäldern des Spessart, beim 
Riegeln auf den Hochgeweihten in den Revieren von 
Oberstdorf und Hindelang, bei der strapaziösen Hoch- 
gebirgsjagd in den Leibgehegen von Berchtesgaden und 
der Ramsau, von Hohenschwangau und Linderhof, am 
Schachen und in der Vorderriß stählt der Regent all¬ 
jährlich vom Juli bis November seine eiserne Gesund¬ 
heit, ohne sich dabei zwischendurch den Repräsentations¬ 


zugetan ist. Liebe um Liebe und Treue um Treuei 
Das zeigte sich so recht in den Jubeltagen. Wo 
lichtblau der Himmel, mit weißen Wölkchen überzogen, 
sich über den weiß-blauen Grenzpfählen wölbt, da 
schlugen die Herzen höher dem rüstigen Greis ent¬ 
gegen. Alt und jung wetteiferten, ihm ihre Liebe und 
treue Anhänglichkeit zu bezeigen. Vom Watzmann 
bis zum Nebelhorn und den wilddrohenden Höfats, von 
den Bergen des Bayerischen Waldes flammten nächtens 
die Fanale von Berg zu Berg grüßend ins weite Land 















Nr.l DEUTSCHLAND 27 


hinein; Glockenton und Orgelklang brauste von allen 
Kirchen — Jubel und Feststimmung überall. Am meisten 
aber in der Haupt- und Residenzstadt München. Haus 
für Haus flatterten die weiß-blauen Banner, geschwellt 
vom frischen Bergwind, und schauten verwundert auf 
den dichten grünen Schmuck der Straßen, die sich in 
einen Wald verwandelt hatten. Am Abend aber glühten 
die Häuser in festlicher Beleuchtung. 

In der gewohnten Rüstigkeit wurde der Regent spie¬ 
lend der außerordentlichen Strapazen Herr, die die 
Festtage mit sich brachten, und fand dabei noch Zeit, 
seine täglichen Ausfahrten auf die ganze innere Stadt 
auszudehnen, um dankbar sich an dem Schmuck zu er¬ 


freuen, den die Straßen und Häuser ihm zu Ehren trugen. 
Er wohnte auch nach dem Besuch des feierlichen Hoch¬ 
amts mit Tedeum der Enthüllung des Denkmals seines 
Ahnherrn Otto von Wittelsbach bei, das vor dem Armee¬ 
museum errichtet und an dem Festtage geweiht wurde. 
Abordnungen aller bayerischen Truppenteile, Gäste von 
nah und fern, und vor allem seine lieben Münchner, die 
an diesen Tagen sich durch nichts zurückhalten ließen, 
hatten wieder Gelegenheit, sich von der bewunderns¬ 
werten Frische und Rüstigkeit des Regenten zu über¬ 
zeugen, um daheim und in den fernsten Landesteilen 
verkünden zu können: „Unser geliebter Prinz-Regent ist 
frisch und munter, wie der Jüngsten einer!"' 


^,Quo vadis?" im Düsseldorfer Stadttheater. 

Von A. Wittelshöfer. 


Auf der Liste der Düsseldorfer Sehenswürdigkeiten 
steht sie, die Oper: „Quo vadis?", so wie der Hafen, 
die Königsallee, jetzt der neue Zeppelin, und wie all 
die anderen schönen Dinge heißen. — Ist „Quo vadis?" 
im Spielplane des Düsseldorfer Stadttheaters verzeichnet, 
so bringen die Züge aus Rheinland und Westfalen Theater¬ 
besucher, die diese Oper in der überaus glanzvollen Auf¬ 
führung der Düsseldorfer städtischen Bühne sehen wollen. 

Es ist ein eigen 
Ding um diese Oper, 
die der geschickte 
Franzose Henry 
C a i n nach dem 
berühmten Romane 
des HenrykSien- 
kiewicz geformt 
undjzujder dennicht 
minder gewandte 
französische Kom¬ 
ponist JeanNou- 
gues die Musik 
geschrieben hat. 

Die zünftige 
Kritik reiht diese 
Oper nicht unter die 
künstlerisch sehr 
hoch zu bewerten¬ 
den Werke ein, aber 
sie anerkennt: Ein 
außerordentlich wir¬ 
kungsvolles Text¬ 
buch, eineMusik von 
geradezu genialem 
Instinkt für theatra¬ 
lische Aufgaben, 
alles in allem, eine 
Oper, die man ge¬ 
sehen und gehört 
haben muß. 

Allerdings kann 
„Quo vadis?" diese 

große Wirkung nur ausüben, wenn der Oper im Szeni¬ 
schen wie im Aufbau der grandiosen Massenszenen 
das gegeben wird, was die Theatralik dieses Werkes 


erfordert. Und all das gibt die Aufführung des Düssel¬ 
dorfer Stadttheaters und bewirkt, daß „Quo vadis?" unter 
den Sehenswürdigkeiten der Stadt genannt werden muß. 

Direktor Zimmermann, der seit acht Jahren 
die städtischen Bühnen in Düsseldorf und Duisburg 
leitet, hat mit sicherem Blick erkannt, worauf es bei 
„Quo vadis?" ankommt. Er hat unbeirrt von aller¬ 
hand ängstlichen Einwänden für einen großartigen 

szenischen Rahmen 
gesorgt, der im Ver¬ 
ein mit dem riesigen 
und prachtvollen 
kostümlichen Fun¬ 
dus des Düssei - 
dorfer Stadttheaters 
Bilder von berük- 
kender Pracht ergab. 
So die „Terrassen 
des Palatin" mit dem 
packenden Schau¬ 
stück des brennen¬ 
den Rom, die 
Zusammenkunft der 
Christen „am Ufer 
des Tiber", der 
Garten des „arbiter 
elegantiarum" Pe- 
tronius und vor 
allem die kolossale 
Abmessungen zei¬ 
gende „Arena". 
Dieses Bild brachte 
nahezu 250 Perso¬ 
nen auf die Bühne. 
Daß die solistischen 
Darbietungen (wir 
nennen nur Petro- 
nius: Waschow, Vi- 
nicius: Barre, Nero: 
Bischoff,Lygia: Liss- 
ner,Petrus: Bohnen), 
wie man so schön sagt: „erstklassig" waren, braucht 
bei dem Rufe, dessen sich die Düsseldorfer Oper erfreut, 
kaum erwähnt zu werden. 















28 


DEUTSCHLAND Nr.l 


Robert Leffler, der verdienstvolle Oberregisseur 
der Oper, hat die Inszenierung meisterhaft besorgt. 
Besondere Anerkennung verdient diese Leistung, wenn 
wir bedenken, daß „Quo vadis?" inmitten eines ständig 
wechselnden Spielplanes in Oper und Schauspiel 
herausgebracht werden mußte. Kapellmeister Alfred 
Fröhlich, der in den ersten Reihen der deutschen 
Operndirigenten steht, gab dem musikalischen Teil 
Farbe, Temperament und Leben. 

Die prachtvollen Dekorationen hat der Düsseldorfer 
Theatermaler Georg Hacker in trefflicher Weise ge¬ 
malt, für die überaus schwierige technische Einrichtung 


zeichnet der städtische Maschinerie-Inspektor Aug. 
Breimann, ein sehr tüchtiger „Rosenberg"-Schüler. 

Zum Schlüsse darf wohl gesagt werden, daß das 
Düsseldorfer Stadttheater nicht etwa nur in „Sensation" 
macht. In der achtmonatlichen Spielzeit brachte Direktor 
Zimmermann eine Fülle künstlerisch wertvoller Novitäten 
und Einstudierungen in Oper und Schauspiel. — Den 
Beschluß der Spielzeit bildet die Aufführung des ge¬ 
waltigen welthistorischen Schauspieles „Kaiser und 
Galiläer" von Henrik Ibsen in der vom Dichter autori¬ 
sierten Bearbeitung des bekannten Literarhistorikers 
Roman Wörner. 


Die Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr. 

Von Josef Buchhorn, Berlin. 


I. 

Wer die Wahrheit des Goetheschen Wortes (aus 
„Wilhelm Meisters Lehrjahren"): „die beste Bildung findet 
ein gescheiter Mensch auf Reisen" noch nicht an 
sich selber erprobt haben sollte, dem wird sie offenbar, 
wenn er sich in die mannigfaltigen Wunder der 
„Internationalen Ausstellung für Reise- und 
Fremdenverkehr" vertieft, die am 1. April in den 
Ausstellungshallen am Zoologischen Garten 
in Berlin eröffnet worden ist. Leider war der Pro¬ 
tektor dieser einzigartigen Schau, der Herzog Adolf 
Friedrich zu Mecklenburg, durch seine inner¬ 
afrikanische Expedition abgehalten, dem Auftakt dieser 
Festouvertüre beizuwohnen. Für ihn dankte Baron 
von Kuhlmann allen Ausstellern für das glückliche 
Zustandekommen dieser, in ihrer Art bisher ersten Aus¬ 
stellung, dankte vornehmlich dem Geheimen Kommer¬ 
zienrat Emil Jacob, dem Präsidenten der Zentralstelle 
für die Interessen des Berliner Fremdenverkehrs, für 
seine tatkräftige Mitwirkung an dem Gelingen dieses 
völkerverbindenden Werkes. Und wahrlich, wenn je 
ein Dank berechtigt war, dann ist er es hier gewesen, 
wo in fast lückenloser Vollständigkeit, 

„in Form einer Ausstellung in methodischer An¬ 
ordnung ein Bild aller derjenigen Verkehrseinrich¬ 
tungen und -Veranstaltungen nebst der gesamten 
Tätigkeit der Industrie auf dem Gebiete gegeben 
worden ist, die der Ausrüstung, der Beförderung 
und der Unterkunft des Reisenden dienen, zugleich 
aber auch die Vorzüge und Sehenswürdigkeiten der 
für den Verkehr in Frage kommenden Reiseziele 
Deutschlands wie des gesamten Auslandes zur An¬ 
schauung gebracht worden sind". 

„Mit einem", führte Geheimrat Jacob im Verlauf 
seiner gehaltvollen Eröffnungsansprache u. a. aus, „soll 
alles systematische Reisen beginnen: mit der Kennt¬ 
nis des eigenen Vaterlandes und mit der dadurch 
neu verstärkten Liebe zum heimatlichen Boden, in dem 
wir wurzeln." 

Beginnen auch wir darum mit den Städten und 
Landschaften, die das Deutsche Reich im Norden und 

Süden und Westen und Osten umschließt. 

* * 

* 

Im Westen und Osten! — Schade, daß gerade 
jener Teil unserer engeren Heimat, für dessen um¬ 


fassenderes Bekanntwerden eine energische Propaganda 
not täte, der Osten, auf dieser Schau verhältnismäßig 
schlecht abschneidet. Zwar die Bezirke des Riesen- 
und Isergebirges sind glänzend vertreten, und dank 
einem bewußten Hand-in-Hand-Arbeiten aller für die 
Hebung des dortigen Fremdenverkehrs beteiligten Fak¬ 
toren ist für Schlesien ein überwältigendes Dokument 
seiner landschaftlichen Werbekraft niedergelegt worden. 
Aber Posen, West- und Ostpreußen schneiden nicht gut 
ab. In der Ausstellung des Bundes Deutscher 
Verkehrs-Vereine finden sich allerdings Broschüren, 
Tafeln, geschichtliche und kulturhistorische Werke, die 
Danzig und der Verkehrs-Verband für Ost- und West¬ 
preußen auslegen — aber wer die Schlesier, die Braun¬ 
schweiger, die Elsaß-Lothringer, die Schwaben, die 
Sachsen usw. usw. in ihren Bezirken aufsucht, der wird 
es mit einem ehrlichen Bedauern gewahr werden, daß 
solche Prunkstücke wie das Riesengebirgspanorama, die 
Dioramen der Braunschweiger, Sachsen usw. für den 
Osten fehlen. Und wie leicht hätte sich ein Blick auf 
Danzig vom Hagelsberg, ein Blick vom schiffebevölkerten 
Hafen auf das alte Krahntor und manch anderer mehr 
durch Künstlerhand in einem Diorama festhalten lassen; 
wie leicht hätte hier die eigenartige Schönheit der sam- 
ländischen Küste für sich werben, der geheimnisvolle 
Zauber masurischer Seenweiten in seinen Bann locken 
können! Wie leicht! Die Bücher und Broschüren 
durchblättert wohl der eine oder der andere Besucher, 
aber sie halten ihn nicht fest, wie es die Dioramen 
der Badenser und die luftig-hellen, bildverzierten 
Hallen der Elsaß - Lothringer tun. Aus dieser ersten 
Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremden¬ 
verkehr ist vielerlei zu lernen, sind reiche Anregungen 
zu schöpfen — für kommende Tage. Die eine von den 
vielen werden jene Verkehrs-Vereine und Verkehrs- 
Verbände vor allem mit nach Hause nehmen, die ihrer 
Pflicht zu genügen glaubten, wenn sie überhaupt da 
waren —: nur ein alle Hindernisse lokaler Natur über¬ 
windender Opfermut ist imstande, in einen erfolgreichen 
Wettbewerb mit jenen Verbänden und Vereinen ein¬ 
zutreten, denen von vornherein schon reichere Mittel 
zu Gebote stehen. Keine Mühen und keine Kosten 
dürfen gescheut, Magistrate und Behörden müssen auf¬ 
gerüttelt und interessiert werden. Die Vereine und 
Bezirke, die am besten abschneiden, haben auch die 





Nr.l DEUTSCHLAND 29 


größten Kosten und die schwersten Mühen aufgewandt — 
ein Blick in den Braunschweiger Pavillon lehrt 
das — ein Blick in die farbenbunten Tropfsteinhöhlen, 
ein Blick auf die charakteristischen Städtebilder, auf 
den Altstadtmarkt in Braunschweig, da massiv und ver¬ 
gangenheitstolz das Rathaus aus dem Boden wächst 
und in den Marktbuden und vor ihnen die Händler 
und die Käufer hantieren; ein Blick in die winterliche 
Dämmerung, die die Hütten und Häuser Braunlages 
umhüllt; ein Blick auf das sommerlich-beglänzte Wolfen¬ 
büttel, das villenstolze Harzburg usw. iisw. Aussteller: 
das herzoglich-braunschweig-lüneburgische Staatsmini¬ 
sterium, in dessen Etikette auch all jene einzelnen 
Ortsvereine einbegriffen sind, die lediglich von dem 
Wunsche beseelt waren, die Schönheiten ihrer Gaue 
zu einem einzigen Gesamteindruck zu verdichten, ohne 


der Schaufrohen? Vor den sonnenumglitzerten oder 
dämmerumflossenen Dioramen, vor den Städteüber¬ 
sichten, den Fels- und Flußpartien, den Bergrücken 
und den Talschlünden. Liegt es da nicht nahe, bei¬ 
zeiten, bevor diese Kostbarkeiten wieder nach allen 
Windrichtungen entführt worden sind, daran zu denken, 
jene Dioramen in einer Zentralstelle zu vereinigen? 
Ein Städte- und Landschaftsmuseum zu errichten, dessen 
eisernen Bestand die hier ausgestellten Dioramen bilden? 
Die nach und nach aus allen Gauen unseres Vaterlandes 
ergänzt und vervollständigt und die später einmal — 
das „Wie?" steht augenblicklich noch nicht zur De¬ 
batte — auf die Reise ins Ausland entsandt werden, 
als Wanderausstellung, die dann sicherlich mehr als alle 
Prospekte und Plakate für die verschiedenartige Schön¬ 
heit der deutschen Bezirke wirken und werben dürfte? 



„QüO vadis Der Garten des Petronius (Entwoi len und ousgcführt von Georg’ Hacker, DüsseldorO 


sich in kleinen Sondererfolgen zu bekriegen und zu 
schlagen —: die Spitze ihres Landes zeichnet für sie alle; 
gewinnt das Land, so gewinnen sie nachher im ein¬ 
zelnen noch genug, um ihrer Anstrengungen und 
Arbeiten froh zu werden. Was hätten Ost- und West¬ 
preußen bei einem planmäßigen Zusammenwirken ihrer 
Magistrate, Vereine und Behörden nicht alles erreichen 
können mit ihren alten Ordensschlössern und Ordens¬ 
burgen, ihren von der Geschichte und Sage umklun- 
genen Städten, ihren stillen Heiden und fruchtbaren 
Werdern? 

Noch eine andere Anregung nimmt der Besucher, 
der aufmerksamen Sinnes wie die braunschweigische, 
so die badische, württembergische usw. usw. Abteilung 
durchstreift, mit nach Hause. Wo staut sich die Menge 


Das sind so ein paar Ueberlegungen, die ein erster 
Gang durch die Reiseausstellung erweckt. Nach den 

Ueberlegungen noch einige Eindrücke. 

* * * 

* 

Von Braunschweigs aparter Schau war schon 
die Rede; sie ist, wenn nicht die eindrucksvollste, so 
doch der eindrucksvollsten eine. Zu diesem Ergebnis 
tragen neben den malerisch reizvollen Dioramen auch 
jene Häusermodelle bei, die der Harzburger Architekt 
Klinke entworfen und deren einzelne Räume er mit 
niedlichen Puppenmöbeln geschmackvoll belebt hat. 
Ein Sommerhaus in niedersächsischem Stil, das leicht 
zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen ist, kostet 
1500 Mk., eine Harzvilla mit allen Finessen einer in¬ 
timen Wohnungskunst 15000 Mk., wozu dann natürlich 















30 DEUTSCHLAND 


Nr.l 


noch der Preis für den Grund und Boden käme. Aber 
nicht nur die Bedürfnisse des Tages hat die braun¬ 
schweigische Schau berücksichtigt, sie ist auch der 
Vergangenheit der Herzogtümer nachgegangen und hat 
u. a. einem jener Großen, der die klassische Zeit im 
alten Deutschen Reiche mit heraufgeführt hat, Gotthold 
Ephraim Lessing, hier eine Stätte eingeräumt, die 
Bildnisse und Handschriften des Wolfenbütteier 
herzoglichen Bibliothekars in einem bunten 
Durcheinander vereinigt. 

Wer eine Streife durch das Braunschweiger Land 
unternimmt, wird gerne auch der herben Schönheit 
S chi e r k e s und der lieblicheren des 11 s e t a 1 s teilhaftig 
werden wollen. Aus duftenden Tannen heraus grüßen 
den Wandersmann die sonnenumspielten Felsen, die 
blumenbelupften Täler — grüßt von steiler Höhe die 
Bothoburg hernieder, locken die altertümlichen Bauten 
Wernigerodes. Von ViS —V 26 schreien die Hirsche, 
verkündet eine Tafel dem staunenden Besucher. Und 
wenn sie auch nicht schreien sollten, dieser lapidare 
Satz inmitten der duftenden Tannen verstärkt die Echt¬ 
heit des Lokalkolorits, das Braunschweig auch in den 
Erzeugnissen seines Bodens und seiner Bewohner be¬ 
wußt und — glücklich zum Ausdruck bringt. 

♦ * 

* 

Ein anderer Gau hätte ebenfalls mit einem Großen 
aus dem Bereiche der Literatur paradieren können: 
Württemberg. Aber es hat kein Diorama von Mar¬ 
burg a. N., der Geburtsstadt Friedrich von Schillers, 
entwerfen lassen, obwohl es da eine seiner charakte¬ 
ristischsten Städte hätte aufmarschieren lassen können. 
Statt dessen erlaubt uns das Schwabenland einen Blick 
auf Stuttgart zu tun. Von den Höhen der Gänsheide 
herab schaut man in das Gewirr der Gassen und Gäß- 
chen, aus denen die wuchtigen Quadern des alten 
Schlosses herausragen, über die der schlanke Rathaus¬ 
turm in die Wolken wächst und in die aus der Ferne 
die Hügel und Höhen der Alb hineingrüßen. Wie ein 
Märchen, ein Traum mutet jenes Landschaftsbild an, 
aus dessen Tälern sich die Felsschroffen emporrecken, 
die als Krone und weithin leuchtendes Juwel die schönste, 
bekannteste und am meisten besungene Burg Württem¬ 
bergs tragen: den Lichtenstein. Und die ganze 
Dichtung eines Wilhelm Hauff wird wieder lebendig vor 
dem Beschauer erstehen, wenn er über das Tal der 
Echaz gen Pfullingen und Reutlingen hinüberschaut, 
wenn er — an der Hand der vielen, schier allzuvielen 
Bilder, die an den Wänden die Wunder Württembergs 
deuten — die trutzigen Burgenreste des Hohen-Neuffen 
betrachtet, die die einen in die Zeiten Theodorichs des 
Großen weisen, wenn seine Liebe all die bautenbunten 
Städte umfaßt, die Ulm, Gmünd, Blaubeuren, Urach, 
Tübingen („Burschen heraus Rottenburg, Göp¬ 

pingen, Heilbronn et tutti quantil — die Städte, denen 
das Herz der Württemberger gehört und die Sehnsucht 

wanderfroher Scholaren gilt. 

* * 

♦ 

Die Sehnsucht der wanderfrohen Scholaren wecken, 
wie die schwäbischen Aussteller, die übrigens ihr hei¬ 
misches Gewächs, den Schnaither und Heilbronner Wein, 
von niedlich-netten Heben rin edfarbenfrohen Landes¬ 
tracht kredenzen lassen, auch die Schlesier, die Elsaß- 


Lothringer u. a. m. — Die Schlesier, um mit ihnen 
zunächst fortzufahren, haben den Zauber ihrer Bergwelt 
in einem etwa 20 Meter langen Panorama vor uns aus¬ 
gebreitet. „Ich wollt', mir wüchsen Flügel!" Ist nicht 
irgendwo die Melodie angeklungen worden? Jauchzt 
sie nicht aus den Tälern des Riesen- und Isergebirges 
heraus? Lockt sie nicht von den Höhen des Kynast 
hinunter? Da Schreiberhau und Petersdorf; dort das 
Bismarckdenkmal bei Hirschberg; der Greifenstein hier, 
und fern, vor den Hängen des Schneebergs, die alte 
Feste Glatz. Die entzückten, überraschten, verwirrten 
Blicke wissen kaum noch woher und wohin. Eine Ent¬ 
deckung jagt die andere. Krummhübel da — und ein 
Wintertag, frostig und sonnenklar, steigt aus dem Dunkel 
der Erinnerung empor. Hei! sauste der Rodelschlitten 
zu Tal, spritzte der Schnee und blies der Wind! — 
Wurden die Augen weit und die Wangen rot — O du 
Schlesierland! Mit deiner heimeligen Schönheit! — 
Salzbrunn dort. Wie sein neues Kurhaus im Sonnen¬ 
glast glänzt! Horch! Wiegende Walzerweisen verhallen 
in dem Tag, und mit den Tönen ziehen Sorgen und 
Kümmernisse in die Weiten. 

Wie die Schönheiten seiner Landschaft stellt 
Schlesien auch die Erzeugnisse seines Bodens und 
seiner Industrie aus. Da sieht man in einem bunten 
Wechsel kunstvolle Holzschnitzereien und aparte 
Spitzen, seltene Mineralien und feingeschliffene Glas¬ 
waren, sieht man Brunnenproben und Albums, durch 
die die verschiedenen Bäder, die Flinsberg, Warmbrunn 
Kudowa, Salzbrunn, Reinerz usw. für ihre speziellen 
Bezirke werben. 

♦ * 

* 

Elsaß-Lothringen wirbt und wirkt in der Haupt¬ 
sache durch eine Fülle erlesener Malereien. Da ist 
„die wunderschöne Stadt" — Straßburg, um die die 
Sehnsucht der Deutschen klagte, seit welscher Uebermut 
sie einem ohnmächtigen Geschlechte entrissen hatte — 
Straßburg und sein Münster, dessen Kapitäle im tiefen 
Gold der Abendsonne aufleuchten und aufflammen; da 
ist das Wormsatal, das aus der Enge der Gassen in 
die zerklüfteten Hänge und steilen Gründe der Vogesen 
hineinführt; da dräuen die massigen Quadern der Hoh- 
königsburg, und dort entzückt ein sich bis zum Horizonte 
verlierender Blick in die Weite der Rheinebene — Die 
lothringische Abteilung steht der elsässischen nicht 
nach. Das Häuserpotpourri von Metz, aus dem sich 
die breite Kathedrale heraushebt, fesselt zunächst den 
Blick des Beschauers — hier ist Gegenwart. Zwei, drei 
Schritte weiter — imponiert die Vergangenheit, impo¬ 
niert die geradezu verblüffende Kühnheit und die geniale 
Selbstverständlichkeit, mit der die alten Römer zu bauen 
wußten : bewundernd hält man vor den Resten der 
römischen Wasserleitung bei Jouy-aux-Arches, die ehe¬ 
mals die Mosel überbrückte. Aber während man noch 
dem Rätsel römischer Kolonisationserfolge nachsinnt, 
packt einen schon ein anderer Eindruck — Gravelotte! 
Jüngste Vergangenheit — Vätertage, Siegeszauber, 
Schlachtenopfer, Heldenzeiten — „Fest steht und treu 
die Wacht am Rhein!" Diesen bunten Wechsel von 
Bildern aller Art der elsässischen und lothringischen 
Landschaft ergänzen Prospekte und Städteführer, ergänzen 
Sammlungen von Volkstrachten, Straßburger Fayencen 



Nr.l DEUTSCHLAND 31 


aus dem 17. und 18. Jahrhundert, Abbildungen des 
Isenheimer Altars von Matthias Grünewald aus dem 
Schongauer Museum, ergänzen Proben Sufflenheimer 
Keramik, Nachbildungen von alten Urkunden, Siegel¬ 
abdrücken usw. usw. 

* * 

* 

Bescheidener tritt Baden auf. Aber, wenn es auch 
nicht die Vielzahl charakteristischer Städte- und Land¬ 
schaftsansichten — Heidelberg und Mannheim, Freiburg 
und Karlsruhe usw. — ausgestellt hätte, für seine 
fesselnde Eigenart würden allein jene beiden Dioramen 
sprechen, die das sonnendurchtränkte Baden-Baden 
und den größten unter den deutschen Wasserfällen, den 

Triberger, weisen. 

♦ * 

* 

Umfangreicher ist die sächsische Abteilung. 
Leipzig zeigt uns seine neue Bahnhofanlage, zeigt uns 
das aus den Erinnerungen an eine große Zeit geborene 
Völkerschlacht-Denkmal. Meißen ist durch ein Gips¬ 
modell der Stadt vertreten, aus der imponierend, be¬ 
herrschend und sammelnd zugleich die stolze Albrechts- 
burg herausragt. In die erlesenen Reize der Lausitz 
weist ein Blick vom Pferdeberg nach Oybin. Das 
Erzgebirge enthüllt uns die Eigenart seiner Bauweise 
und die Mannigfaltigkeit seiner Industrien. Damen 
namentlich werden gerne und eingehend die Annaberger 
Klöppelarbeiten besichtigen. Die Sächsische Schweiz 
läßt in einem farbig-bewegten Diorama die landschaft- 
ichen Genüsse erraten, die uns ein Elbbummel zwischen 
dem Königstein und dem Lilienstein offenbaren wird, 
und ein Blick auf Dresden vom Japanischen Palais 


aus wiederholt eine der bekanntesten Ansichten dieser 
italienisch-deutschen Stadt, ohne die stillen Wünsche zu 
befriedigen, die den Wundern allen, die dort gesammelt 
sind, an Ort und Stelle nachspüren möchten .. . Stilvolle 
Metallarbeiten bezeugen den hohen Stand des Dresdener 
Kunstgewerbes; eine kleine, aber schlagerreiche Sammlung 
von Vasen und Figuren erinnert uns im Vorbeigehen 
an die wechselvolle Geschichte der Meißener Porzellan¬ 
manufaktur . . . Wohin sich auch immer die Blicke 
verlieren, des Wunderns ist kein Ende — des Wunderns 
über den Reichtum von Ausstellungsobjekten, die hier 
aus aller Herren Länder zusammengetragen sind, und 
des Wunderns über die schier unermeßliche Arbeitskraft, 
die diesen Reichtum aus bisher verborgenen Schächten 

an das Tageslicht gefördert hat. 

* * 

* 

Diesen ersten Rundgang mögen nun noch in Kürze 
die Uebersichten der Ausstellungs-Komitees für die 
Insel Rügen, die thüringischen Lande und Hamburg 
beschließen. 

„Ein Sommer auf Rügen, Deutschlands schönster 
InseP'. Also lautet die Ueberschrift des Panoramas, 
das die Estrade des Hauptsaales der Ausstellungshallen 
ziert. Wie aus dem blauen Meere herausgewachsen, 
stehen die weißen Kreidefelsen da, in ihrer Mitte der 
Königsstuhl, der die schnellen Wolken zu suchen scheint. 
Weiches Grün umkleidet die Starre der Schroffen, und 
ein sommerliches Duften schlägt dem Beschauer aus 
den alten Buchen- und Eichenhainen entgegen. Gegen 
die weißen Felsblöcke wirft das Meer seine Wellen, 
über die die straffen Segel gleiten. Wer je „zur schönen 



Düsseldorfer Stadttheater: „Quo vadis?" Petrus und die Christen 
































32 DEUTSCHLAND 


Nr.l 


Sommerszeit'^ auf Rügen Ferienerholung nach hartem 
Tagesfron gesucht hat, der wird heimatlich berührt von 
der Echtheit dieses künstlerisch-vollendeten Panoramas, 
vor dem die einzelnen Bäder ihre spezielle Visitenkarte 
abgeben. Linkerhand vervollständigt die Naturtreue 
dieser erlesenen Schau eine Mönchguter Fischerhütte 
(ausgestellt vom Rügenschen Ostseebäder-Verband) 
mit einem Mönchguter Ehepaar. Das Mobiliar: Tisch, 
Stühle, die Schlalbank, die Schenk — ist echt, echt wie 
die Garnwinde, die Haspel und der Webstuhl. Dieser 
Hütte gegenüber lockt ein in Kieferngebüsch gebettetes 
Hünengrab (von Sellin) den Wanderer zu andächtiger 
Schau. Deutsche Vorzeit wird lebendig, wird lebendig auch, 
wenn er vor den Steinwaffen und Steingeräten steht. 
In die Gegenwart wieder ruft die Sammlung von Schiffs¬ 
modellen, von niedlichen Fischerhäusern, die Sammlung 
von Volkstrachten, ruft das nach Teer duftende Fisch¬ 
netz, das vor der Mönchguter Hütte ausgebreitet ist. 
Und wenn sich erst die beiden Leutchen in ihr von 
der „Bank" erheben und auf diese und jene Frage 
bereitwillige Auskunft geben und ihr heimischer Dialekt 
anklingt, dann glaubt man allen Ernstes im Sommer auf 
Rügen, „auf Deutschlands schönster Insel" zu sein. „Ach 
du klarblauer Himmel, und wie schön bist du heut, 

möchf ans Herz gleich dich drücken vor Jubel und Freud'." 

* * 

* 

„Man ziehe nach Weimar!" lautet kurz und 
kategorisch die Aufforderung auf dem von Professor 
Hans W. Schmidt entworfenen Gemälde der Stadt der 
Schiller und Goethe. Und wer's so daliegen sieht, in 
dem taufrischen Grün seiner Höhen und Hänge, und 
wer sich der wundersamen Stille und residenzlichen 
Vornehmheit jener klassischen Dichterstätte erinnert, 
seiner historischen und literarhistorischen Reminiszenzen, 
seiner verschwiegen-lauschigen Parks, seiner reizvollen 
Winkel an der Ilm, der möchte sich gleich auf- und 
davonmachen, einzig den Klang der Marschparole als 
Wegweiser im Herzen: „Man ziehe nach Weimar!" 
Thüringens Märchenwelt wird auf dieser Reise¬ 


ausstellung in all ihrer Wunder- und Wonnepracht ge¬ 
deutet. Da ist kein Fleckchen, das nicht seine verborgene 
Schöne offenbar werden ließe. Saaleauf und Saaleab 
locken die Weiler und Winkel. Da lacht Jena, die 
lied- und schwertdurchklungene Musenstadt, dem alten 
Burschen und dem jungen Fuchsen verheißungsvoll 
entgegen. „Es war einmal", resigniert der eine, und: 
„Noch ist die blühende, goldene Zeit", jauchzt der 
andere zukunftstrunken zu dem „Berg, mit dem rötlich 
strahlenden Gipfel", zu dem Fuchsenturm und in die 
Bierdörfer, die Jenas Bannmeile umkränzen. Eisenach — 
zeuch die Schuhe aus, denn der Boden, den du betrittst 
ist heilig Land: die Wartburg dräut aus dem Grün 
der Wälder in das Tal, und in das ritterliche Geklirr der 
Waffen klingen die einspinnenden Weisen der Minne¬ 
sänger. Hier das Kyffhäuserdenkmal — da die mächtige 
Anlage der Talsperre von Tambach, und dort endlich 
die trutzige Feste Coburg. Eine Kette von erlesenen 
Perlen ist die Folge der Bilder, die die Ausstellung des 

Thüringer Landes aufweist. 

* * 

* 

Hamburg will in dieser Schau weniger durch die 
Größe seiner Handelsmacht imponieren, als vielmehr die 
freundliche, heitere, gefällige Wohnstadt dokumentieren. 
Seine Baudeputation bringt eine Unmenge von Zeich¬ 
nungen und Plänen und Bildern zur Ausstellung. Da 
begegnet uns u. a. das lieblich-idyllische Alsterbild mit 
der Lombardsbrücke; da halten wir, ehrfürchtiger An¬ 
dacht voll, vor dem gewaltigen Denkmal des eisenfesten 
Reichsschöpfers und danken Hugo Lederer wieder und 
wieder aus ganzem Herzen, daß er uns den Bismarck, 
wie ihn die Geschichte bewahrt, für alle Zeilen auch 
im Stein festgehalten hat; da wandern wir durch Hagen- 
becks vorsintflutliche Tierschau bei Stellingen. Weiß 
Gott! wenn irgendwo, so möchte man sich auf dieser 
„Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremden¬ 
verkehr" an den Augenblick klammern und ihn mit dem 
Worte des „Faust" an sich fesseln: „Verweile doch, du 
bist so schön!" (Fortsetzung folgt.) 


87. Niederrheinisches Musikfest. 

Von K. Anton Stehle, Köln. 


Was brauchen wir noch Musikfeste! Man ist dem 
auf eine gewisse Uebersättigung in der öffentlichen 
Musikpflege zurückzuführenden Ausruf in den letzten 
Jahren oft begegnet. Soll man ihn ernst nehmen oder 
seine Grundlosigkeit durch die Geschichte der Musik¬ 
feste und gewisse Begleiterscheinungen, die bis zum 
heutigen Tage mit unverminderter Ueberzeugungskraft 
fortwirken, erweisen? Musikfeste sind Volksfeste — 
heute wie ehedem, wenn auch die Richtungslinie zu 
ihrem Ziele sich im Wandel der Zeiten etwas ver¬ 
schoben hat. 

Für die Kunst ist die Stellung, die das Volk zu ihr 
einnimmt, nicht gleichgültig. Mögen ihre Formen und 
Gestaltungen wechseln, mag eine mehr idealistische 
oder realistische Richtung vorherrschen, wenn echte 
Art ihr eigen ist, so wird sie uns stets aus der Last 
des Alltags und der Not des Lebens in jene Höhen 
führen, wo die Freiheit des Geistes herrscht. Wie 


Beethoven sagt: „Wer meine Musik versteht, der muß 
frei werden von all dem Elend, das die anderen 
schleppen". Von dem Gedanken dieser sozial-künst¬ 
lerischen Mission der Musik waren auch die Männer 
erfüllt, die am Ende des zweiten Jahrzehntes des vorigen 
Jahrhunderts die Niederrheinischen Musikfeste 
begründet haben. 

Das Aufkommen der Musikfeste in Deutschland 
darf unzweifelhaft als eine Nachwirkung des nationalen 
Aufschwunges der Freiheitskriege betrachtet werden. 
Unter dem Drucke der politischen Verhältnisse zu An¬ 
fang des vorigen Jahrhunderts suchte der einzelne im 
Anschluß an Gleichgesinnte eine Stütze gegen äußert 
Haltlosigkeit. Vereine und Bünde entstanden, besonders 
führte die bindende Macht der Kunst Gesinnungsr 
genossen zusammen. Das zu berechtigtem Selbstgefühle 
gelangte Bürgertum vollendete das Werk des Zusammen^ 
Schlusses und suchte seine neu errungene soziale Stellung 



Nr.I DEUTSCHLAND 


33 





auch auf dem Gebiete der Kunst geltend zu machen. 
Im Jahre 1810 fand das erste deutsche Musikfest zu 
Frankenhausen i. Thür, auf 
Veranlassung des dortigen 
Kantors Bischoff statt. Es 
folgten die Elb-Musikfeste 
und diejenigen der Hansa¬ 
städte Lübeck (1817), Ham¬ 
burg (1818) und Bremen 
(1819). Ueberall regte sich 
die deutsche Sangeslust, sie 
führte auch zur Gründung 
gemischter Chor-Vereine, 
die nirgends zu solcher 
Blüte gelangten, wie in den 
sangesfrohen Gauen des 
Rheines. — Die Nieder¬ 
rheinischen Musikfeste, 
deren erstes in das Jahr 
1818 fällt, überragten bald 
alle andern an Bedeutung 
und sind bis auf den 
heutigen Tag eine stehende 
Einrichtung geblieben. In 
mögj’lichst vollendeten Auf¬ 
führungen förderten sie 
ungehobene musikalische 
Schätze der klassischen 
Periode zutage und waren 
zu gleicher Zeit ein treues 
Spiegelbild des zeitgenössi¬ 
schen Kunstschaffens auf 
musikalischem Gebiete. Die 
klangvollsten Komponisten- 
und Dirigentennamen sind 
in die Chronik der Nieder- 


Buths, Steinbach und Schwickerath. Aachen, Düssel¬ 
dorf und Köln sind die in jährlichem Turnus wechseln¬ 
den Städte der Nieder¬ 
rheinischen Musikfeste. 

Das diesjährige Musik¬ 
fest — es ist das 87. in 
der Gesamtreihe der Nieder¬ 
rheinischen — findet zu 
Pfingsten an drei aufein¬ 
ander folgenden Tagen in 
Düsseldorf unter Leitung 
des städt. Musik-Direktors 
Professor Karl Panzner, 
der zum ersten Male als 
Festdirigent eines „Nieder¬ 
rheinischen" erscheint, statt. 
Sein Name bürgt für eine 
glänzende Durchführung des 
Programms. Als nach dem 
Ausscheiden des um den 
Städtischen Musikverein und 
die Leitung so manchen 
Niederrheinischen Musik¬ 
festes hochverdienten Prof. 
Julius Buths aus dem Amte 
des städt. Musik-Direktors 
vor 3 Jahren die Wahl eines 
Nachfolgers auf Panzner fiel, 
durfte sich die Stadt Düssel¬ 
dorf beglückwünschen. Ein 
Dirigent von Ruf, gefeiert 
und gesucht in allen musika¬ 
lischen Hauptstädten, war 
ihr als reife Frucht zuge¬ 
fallen. Seine Kapellmeister¬ 
sporen hat sich Panzner an 


Professor Karl Panzner, Düsseldorf 

rheinischen Musikfeste eingeschrieben: Mendelssohn, den Theatern von Sondershausen, Elberfeld, Bremen 
Rob. Schumann, Ferdinand Ries, Konradin Kreutzer, und Leipzig geholt. Von Leipzig, wo er von 1893 bis 
Heinrich Dorn, L. Spontini, Ferd. Hiller, Brahms, Wüllner, 1899 als erster Kapellmeister wirkte, ging er als Nach¬ 
folger Georg Schumanns an die 
Philharmonie nach Bremen und 
war gleichzeitig Leiter des Ber- 
linerMozartorchesters, als solcher 
eine der ersten Dirigentenkapa¬ 
zitäten der Reichshauptstadt und 
besonders geschätzt als Interpret 
moderner, vor allem slawischer 
Musik. Seine Erfolge als Chor- 
Dirigent bezeugen die ruhm¬ 
reichen Gastreisen, die er mit 
dem Bremer Lehrer Gesangverein 
als dessen Leiter unternahm. 

Als Orchesterleiter und als 
Chordirigent wird das Musikfest¬ 
publikum Professor Panzner in 
der Ausführung eines Programmes 
kennen lernen, das einen ge¬ 
wählten und zugleich neuen Ge¬ 
schmack schon darin bekundet, 
daßHändelsMessiases eröffnet, 

Beethovens Neunte Sinfonie 
es beschließt. Mit dem seit- 


Frl. Gertrud Förstel 


Frl. Marie Philippi 





34 DEUTSCHLAND Nr. I 



die Messias- 

Aufführung und die Soli der ''^Neunten" steht ein 
erlesenes Solistenquartettjzur Verfügung. Fräulein 
Gertrud Forstel, ein neuerdings auch in den 
deutschen Konzertsälen sehr bekannt gewordener Name, 
zählt zu den schönsten Stimmen der Wiener Hofoper; 
ihre gepflegte Gesangskunst, ebenso bestechend in 
der Koloratur wie beseelt in der Kantilene, macht 
sie zu einer bevorzugten Mozartsängerin. Fräulein 
Marie Philippi aus Basel gehört mit ihrer wunder¬ 
vollen Altstimme, die wie] Orgelton anschlägt und im 
Vortrage kostbarste Gaben eines angeborenen Musik¬ 


Zwei Instru¬ 
mental-Solisten vervollständigendes Solistenensemble des 
Musikfestes: Frederik Lamond (Berlin) und Eugen 
Ysaye (Brüssel); ersterer der Beethoven - Spieler von 
gefestigtem Rufe, dessen Größe im Erfassen von Beet¬ 
hovens titanischer Kraft liegt, letzterer der Geiger, der 
mit seinem Temperament, der Eleganz seines Spieles 
und einer virtuosen Ueberlegenheit seiner freien und 
kühnen Auffassung sich unbeengten Spielraum schafft. 

Wohlvorbereitet empfängt Düsseldorf seine Gäste 
zum Pfingst-Musikfeste — möge der alte Musikfestgeist 
sein Geleitstern zum Erfolge sein! 


herigen sog. Künstlerprogramm des dritten Musikfesttages, 
das mehr den Künstlern als der Kunst diente, ist so wohl 
endgültig gebrochen. Dazwischen ist Bestes vom bewährten 
Alten, Klassisches, Romantisches und auch Modernstes 
aufgespart, sogar das Neueste vom Neuen: Max Regers 
vielbewunderter und vielgescholtener 100. Psalm für Chor 
und Orchester. Bach (Brandenburger Konzert Nr. 3), 
Mozart (Violinkonzert), Brahms (Rhapsodie für Alt¬ 
solo und Männerchor, sowie Zigeunerlieder), Schubert 
(Wanderer- 
Fantasie) und 
Schumann 
(C-dur-Fanta- 
sie für Klavier) 
sind Namen, 
aus denen 
jedes Musik¬ 
fest Glanz und 
Nutzen zieht, 
und was nun 
Rieh. Strauß 
anlangt, so ist 
das Helden- 

Leben unter 
seinen sinfoni¬ 
schen Dichtun¬ 
gen wohl die¬ 
jenige, welche 
am wenigsten 
einen Streit 
derMeinungen 
und Gefühle 
zuläßt. — Für 


empfindens ausstreut, heute zu den begehrtesten 
Lieblingen des Konzertpodiums. Ihr ist noch besonders 
die Führung in der Brahmsschen Rhapsodie anvertraut. 
Die Bekanntschaft mit Herrn Kammersänger Felix Senius 
aus Berlin erneuert man immer wieder gern. Unter den 
Tenoristen der bevorzugte Oratoriensänger, ist er für 
Bachs Passionen der Spezialist, für das heikle Quartett 
in Beethovens Neunter Sinfonie der sicherste Führer. 
In Herrn Paul Bender besitzt die Münchener Hof- 

Oper zur Zeit 
die meistbe- 
schäftigte und 
vielseiligstver- 
wendbareKraft 
welche sich 
auch nach 
außen Geltung 
zu verschaffen 
verstanden 
hat. Bei seinen 
Gast - Spielen, 
welche ihn in 
den deutschen 
Kunst-Städten 
rasch bekannt 
und beliebt ge¬ 
macht haben, 
ist Herr Bender 
auf der Bühne 
stets ebenso 
willkommen 
wie im Kon¬ 
zert-Saale. — 




Solisten des Niederrheinischen Musikfestes in Düsseldori 
1) Lamond 2) Senius 3) Bender 4) Ysaye 


Die Königlich Sächsische Staatseisenbahn-Verwaltung auf der Berliner 
Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr. 


Auf der Berliner Verkehrs-Ausstellung, die am 
1. April d. j. eröffnet wurde, ist das Königreich Sachsen 
mit einer einheitlichen Landesausstellung beteiligt, die 
einen besonderen Anziehungspunkt der Gesamtausstellung 
bildet. Neben den sehenswerten und vielseitigen Vor¬ 
führungen der großen und kleinen Städte, der Fremden¬ 
verkehrs- und Gebirgs-Vereine, des Königl. Bades Elster 
und der Königl. Porzellanmanufaktur Meißen zieht auch die 
Ausstellung der Königlich Sächsischen Staatseisenbahn- 
Verwaltung durch die Größe und Besonderheit des ge¬ 
zeigten Gegenstandes die Blicke auf sich. Der von der 
genannten Verwaltung ausgestellte Wintersportwagen 
mit seinen praktischen und modernen Einrichtungen und 


seinem reizvollen Bilderschmuck ist jedenfalls besonders 
geeignet, auf die günstigen Wintersportverhältnisse und 
den lebhaften Sportbetrieb in Sachsen aufmerksam zu 
machen. Seitdem den Wintersporttreibenden entgegen¬ 
kommenderweise gestattet worden ist, Schneeschuhe 
und Rodelschlitten in die Personenwagen mitzunehmen, 
hat sich das Bedürfnis gezeigt, an den Wagen der Schmal¬ 
spurbahnen, die zu den hauptsächlichsten sächsischen 
Wintersportplätzen führen, besondere Vorrichtungen zur 
Unterbringung der Sportgeräte anzubringen, da die Schmal¬ 
spurwagen naturgemäß einen weit geringeren Innenraum 
aufweisen als die Wagen der Vollspurbahnen. Diese 
Einrichtungen, die vor einigen Wintern zuerst auf der 
















Nr.l 


löi DEUTSCHLAND 35 



Wintersport wagen der Kgl. Sächs. Staatseisenbahnen lür die Zufahrtlinien zu den sächsischen Winter¬ 
sportplätzen (an den Längsseiten des Wagens befinden sich Behälter zur Unterbringung der Sportgeräte) 


Linie Mügeln — Geising — Altenberg versuchsweise ein¬ 
geführt worden sind, haben sich bewährt und sind neuer¬ 
dings auch auf andere sächsische Linien übertragen worden. 
Der in Berlin ausgestellte Schmalspurwagen neuester 
Bauart ist von der Waggon- und Maschinenfabrik A.-G. 
vorm. Busch in Bautzen hergestellt. Er hat 41 Sitz- und 
6 Stehplätze, wiegt ungefähr 10 Tonnen und hat etwa 
12000 Mk. gekostet. Er ist mit zahlreichen Sportgeräten 
ausgestattet, um deren Unterbringung zu veranschaulichen. 
Besonderen Beifall findet aber sein künstlerischer Innen¬ 
schmuck, da seine Wände 18 große landschaftliche und 
figürliche Wintersportbilder in Kohledruck unter Glas 


und Rahmen tragen. Aus den Anschriften unter den 
Bildern ersieht der Beschauer, an welchem Orte des 
Erzgebirges, des Lausitzer Gebirges, der Sächsischen 
Schweiz oder des Vogtlandes er die dargestellten Winter¬ 
freuden genießen kann, während eine in unmittelbarer 
Nähe des Wagens aufgehängte Landkarte die haupt¬ 
sächlichsten sächsischen Wintersportplätze und die dahin 
führenden Eisenbahnlinien zeigt. Außerdem führt die 
Sächsische Staatseisenbahn-Verwaltung an den Wänden 
ihres Ausstellungsraumes noch eine größere Anzahl be¬ 
merkenswerter Brückenbauten und neuerer geschmack¬ 
voller Stationsgebäude bildlich vor. 



Wintersportwagen, Innenansicht (II. Klasse) 


Wintersportwagen, Innenansicht (III. Klasse) 

















































36 




Die Vorliebe des Deutschen für alles Ausländische. 


-o— -- 

Der Berliner Vertreter der „Kölnischen Zeitung“ macht in 
einer Plauderei über den Hosenrock sehr bemerkenswerte Aus¬ 
führungen, indem er schreibt: 

„Ein Zeichen für den unausrottbaren Snobismus sehr weiter 
Kreise ist es schon, dass eine schneiderlicbe Laune so gewaltiges 
Aufsehen erwecken konnte, dass auf den paar Probiermamsells, 
neudeutsch: Mannequins, die über den Rasen von Auteuil den 
Hosenrock spazieren trugen, gewissermassen die Augen der 
ganzen zivilisierten Welt ruhten. Warum sollen die deutschen 
Frauen ihre Beine in ein Futteral stecken, das so recht niemand 
gefällt, nur weil einzelne Modespekulanten in Paris es als 
neueste Errungenschaft anzupreisen geruhen ? — besonders, 
wo das Gewand für die gewandter und koketter schreitende 
Französin vorteilhafter ist als für die Durchschnittsdeutsche? 
Es wird leider noch viel Wasser die Spree hinunterlaufen, ehe 
unsere Damenwelt die französischen Mode-Ukase mit kühler 
Kritik zu betrachten vermag. Der Name des Kleiderkünstlers 
Poiret, der sich durch sehr geschickte, unermüdliche Reklame 
im Ausland einen grösseren Ruhm erworben hat, als das vor¬ 
nehme Paris ihm zubilligt, wird von deutschen Mondänen und 
Demimondänen nur mit entzücktem Augenaufschlag aus¬ 
gesprochen; für manche minder begüterte Frau ist irdische 
Glückseligkeit und ein Poiret-Kleid ungefähr dasselbe. Die 
wichtigsten Merkmale des Poiret-Kleides aber, die hohe 
empireartige Taille, der die Einbuchtung über den Hüften 
nicht betonende Linienfluss sind einem guten, alten Bekannten 
abgelauscht, der seinerzeit viel Spott hat erdulden müssen, dem 
deutschen Reformkleid. Das ^^Reformkleid war oft sehr 
plump und hässlich, manchmal hatte man den Eindruck, als 
suchten die Trägerinnen durch Nachahmung formloser Säcke 
starken Geist zu beweisen. Jetzt kehrt das Kleid bewundert 
und angestaunt in seine Heimat zurück, wie ein ehemals schwer¬ 
fälliges, von lintenklecksendem Doktrinarismus angekränkeltes 
junges Mädchen, das in einem Pariser Pensionat elegante 
Lebensart und graziöse Heiterkeit gelernt hat. Warum haben 
nicht deutsche Schneider das Reformkleid zurHöhe 
der feinsten Salons führen können, warum müssen 
die oft recht originellen, künstlerisch gedachten deutschen 
„Eigenkleider“ — so lautet die etwas preziöse Bezeichnung — 
noch immer weit hinter den französischen Erzeugnissen zurück¬ 
stehen? Zunächst spricht da die Begabung des Franzosen mit, 
von auswärts geborgte Gedanken in einer sehr geschmack¬ 
vollen Form auszudrücken, so dass sie wie neu erscheinen 
Zweitens kommt, sehr zum Nachteil der deutschen Industrie 
der Geldpunkt in Betracht. Eine Dame von Welt, die ein 
Poiret-Kleid kaufen will, ist darauf vorbereitet und willens» 
einen tiefen Griff ins Portemonnaie zu tun. Ueberwindet sie 
aber ihr Misstrauen gegen einheimische Schneiderinnen und 
bestellt bei ihnen ein Kleid, so ist sie gewöhnlich aufs Sparen 
bedacht, hält ihren Auftrag für eine Gnade, die durch grösst- 
mögliche Billigkeit erkauft werden muss. Als Stoffe und 
Zutaten werden nicht, wie für französische Toiletten, die besten 
und gediegensten gewählt, und wenn dann die Schneiderin aus 
dem minderwertigen Material alles gemacht hat, was sich 
daraus machen lässt, so heisst es: „Na, das Kleid ist ja ganz 
niedlich, der Einfall sogar bemerkenswert glücklich, aber sonst 
kann es doch gegen die Eleganz der Pariser Toiletten nicht 


-C- 

aufkommen 1“ Es wäre sehr zu wünschen, dass von dem 
Gold Strom, der in französische Taschen fliesst, ein Teil in 
deutsche Taschen abgelenkt würde, dass unsere Frauen 
durch zahlreichere Bestellungen namentlich auch kostbarer 
Kleider die deutsche Industrie nachdrücklicher unter¬ 
stützen, annoch schüchterne Keime zur vollen Blüte entwickeln. 
Aber je vernünftiger ein Wunsch ist, um so weniger hat er 
Aussicht, die Zustimmung der wandelbaren und doch in vielen 
Dingen so eigensinnigen Göttin Mode zu finden.“ 

Was hier über die Bevorzugung des Auslandes in 
Modesachen ausgeführt ist, Hesse sich buchstäblich auch auf 
andere Gebiete übertragen, nicht zuletzt hinsichtlich der Aus¬ 
wahl der Erholungs- und Vergnügungsreisen, die so manchen 
Deutschen ins Ausland führen, der sein eigenes Vaterland nicht 
kennt. Es wäre töricht, wenn unsere Bestrebungen den Reise- 
und Wandertrieb des Deutschen innerhalb derschwarz-weiss-roten 
Grenzen bannen wollten. Im Gegenteil, wer über die nötige 
Zeit und das erforderliche Geld verfüg^ soll sich die schöne 
weite Welt recht gründlich ansehen. Leider reist aber so 
mancher ins Ausland, nur weil ihm die Mode es vor¬ 
schreibt, weil er für die Schönheiten des Auslandes 
empfänglicher ist als für dasGuteundSchöneim 
eigenen Vaterlande, vielleicht auch, weil er glaubt, im 
Ausland mehr für sein Geld zu erhalten als in der Heimat. 
So wandern leider Millionen deutschen Geldes 
ohne zwingenden Grund ins Ausland; denn dass die 
deutschen Lande eine schier unermessliche Fülle von Natur¬ 
schönheiten bergen, sowohl in ihren romantischen Gebieten, 
als auch in den abseits gelegenen trauten Orten, dass z. B, 
der deutsche Wald die herrlichsten Motive aufweist, wie 
sie schöner im Ausland nicht zu finden sind, zeigt ein Blick 
auf die Illustrationen der Zeitschrift „Deutschland“. Dass 
unsere zahlreichen deutschen Kur- und Badeorte in ihren 
balneologischen und hygienischen Einrichtungen mit der Zeit 
fortgeschritten sind und selbst im Auslande einen guten Ruf 
geniessen, dass endlich auch das deutsche Hotelgewerbe, 
namentlich in den Grossstädten, auf beachtenswerter Höhe steht, 
dürfte nicht bestritten werden können. Allerdings darf nicht 
verschwiegen werden, dass vielleicht in manchen Gebieten die 
Gasthöfe mittleren Charakters in ihren Preisen gleichen Schritt 
halten wollen mit denjenigen ersten Ranges, nicht aber mit 
den Leistungen dieser Hotels. Dieser Umstand mag dazu bei¬ 
getragen haben, dass in Verbindung mit der leidigen Auslands¬ 
sucht der Deutschen der Fremdenverkehr sich einzelnen, an sich 
landschaftlich schönen Gebieten abgewendet und dem Ausland 
mehr zugewendet hat. Hier dürfte den Verkehrs-Vereinen und 
Berufsorganisationen des Hotelgewerbes eine dankbare Aufgabe 
zufallen, nicht allein durch erhöhte Propag-anda, sondern be¬ 
sonders auch durch Beseitigung etwaiger Missstände 
und Herstellung des richtigen Verhältnisses 
zwischen den Hotelpreisen und den Leistungen 
den Fremdenverkehr wieder heranzuziehen. Gute Hotelverhält¬ 
nisse, angemessene aber nicht zu hohe Pensionspreise können 
den Fremdenverkehr wesentlich beeinflussen und dadurch nicht 
nur einen grossen Teil des Nationalvermögens fcsthalten, sondern 
durch Heranziehung fremden Geldes aus dem Auslande 
eine überaus wichtige volkswirtschaftliche Frage lösen. 


ANZEIGEN 


der Slädle-, Kur- u, Bäderverwallungen, der 
Verkehrspropaganda u. Holelinduslrie sind 
in der Zeilschrilt „Deutschland“ von besiem 


ERFOLG 






WIRTSCHAFTLICHER TEIL 



Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 

Qeschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof. 

Der Mitgliederbestand des Bundes hat wiederum einen 
Zuwachs zu verzeichnen. Es wurden aufgenommen: 

‘„Schlesischer Verkehrs-Verband, £. V.“, Geschäftsstelle in 
Breslau, Gartenstrasse 91. 

„Verkehrsamt der Städt.Kurverwaltung“, Wernigerode (Harz). 

„Verkehrs-Verein Obernigk b. Breslau“. 

W. Girardet, Bucbdruckerei und Verlag, Essen (Ruhr). 

Herr Franz Kühn, Direktor für Deutschland der Europ. 
Reisegepäck-Versichenings-Gesellschaft, Berlin“. 

Herr Robert Hoffmann, Zehlendorf b. Berlin. 

Tätigkeit des geschäftsführenden Ausschusses. 

Als wichtigstes Ereignis seit der letzten Berichterstattung 
ist die Eröffnung der Internationalen Ausstellung für 
Reise- und Fremdenverkehr in Berlin zu bezeichnen. 
Die Geschäftsführung des Bundes war durch mehrere Mitglieder 
bei der Eröffnungsfeier und bei dem Festmahl, das die Aus¬ 
stellungsleitung gab, vertreten. Auch von einigen ausstellenden 
Bundesmitgliedem waren Vertreter anwesend. 

Bei der Eröffnungsrede wurde seitens der Ausstellungs¬ 
leitung auf die Ausstellung des Bundes, der Verkehrsverbände 
und der Bundesstaaten besonders hingewiesen und der Dank 
für die rege Beteiligung ausgesprochen. Als der Vertreter des 
Kgl. Preussischen Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten 
sprach Herr Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Dr. von 
der Leyen, vertragender Rat im Ministerium. 

Während des Diners dankte der erste Vorsitzende des Bundes, 
Herr Fabrikbesitzer Friedr. Gontard, namens der Aussteller, 
indem er folgendes ausführte: 

„Im Namen sämtlicher Aussteller glaube ich zu sprechen, wenn 
ich für die freundliche BegrUssung herzlichst danke und der 
Ausstellung, mit welcher deren Leitung bisher schon einen so 
schönen Erfolg erzielt hat, ein weiteres Gelingen wünsche. 
Ich unterziehe mich dieser Aufgabe um so lieber, als der Zweck 
dieser Ausstellung und der des von mir vertretenen Bundes 
in vieler Hinsicht der gleiche ist. Auch der Bund Deutscher 


Verkehrs-Vereine, der mehrere Tausend Einzelmitglieder reprä¬ 
sentiert und der dank der Unterstützung hoher Regierungen 
nicht nur in eigener Abteilung, sondern auch in verschiedenen 
Landes- und Städteausstellungen hier vertreten ist, wünscht 
den Verkehr zu vervollkommnen und Fremde gastlich nach 
Deutschland zu ziehen. Waren seine Ziele früher mehr 
materielle, so treten jetzt die idealen Gesichtspunkte mehr und 
mehr in den Vordergrund. Denn auch auf dem Gebiete des 
Fremdenverkehrs gilt der Wahlspruch: „suum cuique“. Ob 
unbemittelt, ob reich, es gilt jedem den Anteil am Verkehr 
und am Reisen zu erhalten und zu vermitteln, der für ihn 
geeignet ist und der ihm nützen und erfreuen kann. Hieraus 
ergibt sich für die Gesamtheit die Notwendigkeit einer Anleitung 
zur Selbsterziehung des einzelnen, wie das auch diese Aus¬ 
stellung anstrebt. Neben einem Ansammeln von Kenntnissen 
ist die Bildung, die es in erster Linie zu vermitteln gilt, die 
Erlernung der Behauptung der eigenen Freiheit und der 
Schonung der Freiheit der anderen, um mit dem Dichter zu 
reden. Denn kaum herrscht auf einem anderen Gebiete ein 
derartiger Widerstreit der Interessen, wie gerade auf dem 
des Verkehrs. Und „frei will ich sein“ ist der erste Gedanke, 
ebenso des Familienvaters, der „den Jungen im Arm und die 
Hand am — Geldbeutel leider“ — in die Ferien zieht, wie der 
jedes anderen Reisenden. In einem Briefe an Körner sagt 
Schiller bei der Besprechung der Schönheit des Umganges: 
„Das erste Gesetz ist: Schone fremde Freiheit, das zweite: 
Zeige selbst Freiheit“. Diese Gesetze sollten auch im heutigen 
gesteigerten Verkehr als die ersten gelten, und auf die Dauer 
entsprechen sie auch dem Vor.>*>'aff des einzelnen. Der Wirt, 
der das Empfinden seiner Gäste sowohl in bezug auf Behag¬ 
lichkeit wie auf Preise nicht zu schonen versteht, wird sich 
auf die Dauer ebenso schädigen, wie der, welcher seine eigene 
Freiheit nicht gegenüber vorlauten Gästen behaupten kann, 
die andere gebildete Gäste verdrängen. Und wenn Schiller 
zur Illustration des erwähnten Ausspruches das Bild eines 
Tanzes anwendet, in dem die Tänzer ein harmonisches Ganze 
bilden, ohne sich zu stossen, so könnte man auch am heutigen 
Verkehr das Bild eines Tanzes gebrauchen, der nur dann 
erfrischend wirkt, wenn jeder Rücksicht zeigt. Wie widerwärtig 
ist das Bild, wenn auf den Bahnhöfen der Kampf ums Dasein 


Ende April erscheint 


Pie Sonder-ßummer der ^ "^eitschriß „peufschland“ 

in englischer Sprache zur 

Propaganda in /Imerii^a 

Doppel'-N'ummer in einem Umfange von 172 Seiten. 

Die zahlreichen künstlerischen Illustrationen (darunter Porträts hervorragender Persön- 
lichkeiten, Städte- und Landschaftshilder, Reproduktionen von Kunstwerken etc.) machen 
die Nummer auch für denjenigen interessant, der die englische Sprache nicht beherrscht. 

JPreis dieser Sonder-Nummer 1 Mark, für den Versand nach auswärts zuzüglich 30 Pfg. Porto. 
Vorherige Einsendung des Betrages oder Bestellung mittels Zahlkarte auf unser Postscheck - Konto 

10430 in Köln erwünscht. 

Für die Abonnenten der Zeitschrift „Deutschland^^ 

ermässigter preis von 50 pfg. 

- (zuzüglich 30 Pfg. Porto.) - 

Bei Bezug mehrerer Exemplare Versand als Postpaket. Auch zu beziehen durch die Buchhandlungen^ 

Verlag der illustrierten Zeitschrift „Deutschland*^ 

Düsseldorf — JPostfach 444. 








38 B B0G0QQGC3QQ090Q0039 Q QQ0a e QQQ ei DEUTSCHLAND 18 0 0 0 0 8 0600 0 80000 066660080^ Nr.1 


Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 


Durch den Tod zweier der treuesten Stützen des Bundes¬ 
vorstandes sind wir in tiefe Trauer versetzt worden. 

Am 19 . März starb unerwartet am Herzschlag Herr 

Hofbuchhändler 

Adolph Kiepert m Hannover 

— seit Gründung des Bundes unser hochverdientes Vorstands¬ 
mitglied — kurz naclidein er noch einen Brief au die Bundes¬ 
leitung geschrieben hatte. 

Bald dauach, am 31 . März, entriss uns der Tod uiisern 
getreuen Schatzmeister Herrn 

Buchdruckereibesitzer 

Gurt Mühlberg in Leipzig 

der ebenfalls sein Amt seit Beginn treu und gewissenhaft 
verwaltet hat. 

Beiden um den Bund hochverdienten Herren werden 
wir ein treues Andenken bewahren und rufen Ihnen ein 
herzliches „Habet Dank I“ zu 

Leipzig, den 4 . April 1911 . 

Der geschäftsführende Ausschuss 
des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 

i. A.: Otto Wi n k 1 e r, Ehren -Vorsitzender. 


und bei der Hotelzimmerbestellung das Gesetz von Angebot 
und Nachfrage in seinen äussersten Konsequenzen ausschlag¬ 
gebend wird. Wie trostlos ist es, wenn der Erholungsuchende 
sich fortwährend unter Aufsicht sehen muss und wenn er auf 
Schritt und Tritt Verb||^n begegnet. Möge unsere schöne 
Ausstellung dazu beitragen, unser Volk auf dem Gebiete des 
Verkehrs zu wirklicher Freiheit zu erziehen, einerlei ob es sich 
um Nehmende oder Gebende handelt. Möchten alle Aussteller 
und Besucher an der Ausstellung rechte Freude haben.*' 

Die in Berlin anwesenden Mitglieder des Bundes sprachen 
sich sehr befriedigend Uber die Ausstellung des Bundes, der 
Verkehrs-Verbände und der Bundesstaaten aus. Die Ausstellung 
des Bundes erweist sich als günstig gelegen. An der von uns 
errichteten Auskunftsstelle zieht die Hauptmasse der Ausstellungs¬ 
besucher vorüber. Gleich am Eröffnungstage wurde die Aus¬ 
kunftstelle lebhaft in Anspruch genommen. 

Der geschäftstührende Ausschuss veranstaltete unter den 
Bundesmitgliedern derjenigen Orte, von welchen aus im ver¬ 
gangenen Jahre FeriensonderzUge abgefertigt wurden, 
eine Rundfrage über die Stärke der Frequenz dieser Züge, um 
eine geeignete Grundlage für den weiteren Ausbau derselben 
zu schaffen. 

Die Auskunftstellen im Auslande wurden um 
einen Bericht über ihre Tätigkeit ersucht. Es wurden hierbei 
folgende Fragen von uns unterbreitet: 

1. Halten Sie das Ihnen von uns übersandte Drucksachen¬ 
material im allgemeinen für dortige Propagandazwecke für geeignet? 

2. Werden dort sowohl deutsche wie englische und fran¬ 
zösische Prospekte verlangt und verteilt, oder nur die einen 
oder die anderen? 

3. Ueber welche deutschen Gegenden wurde besonders 
Auskunft verlangt? 

4. Schätzt das Publikum mehr die grösseren, ausführlicheren 
Werke, oder die kurzgefassten Prospekte? 

5. Werden Schriften verlangt, welche ganz Deutschland 
im allgemeinen behandeln? 

6. Wie oft würden Sie nach den bisherigen Erfahrun ren, 
eine Drucksachensendung von 5 Kilogramm benötigen ? 

7. Würden Sie geneigt sein, Plakate der deutschen Verkehrs- 
Vereine in Ihrer Geschäftsstelle auszuhängen? 

8. Liegen bei Ihnen Aeusserungen des Publikums Uber den 
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine oder Uber deutsche Verkehrs- 
verhältnisse vor? 

Die bisher eingelaufenen Berichte lauten zum giÖs.sten 
Teile recht günstig. Nach Eingang aller Antworten der 
Auskunftstellen wird das Material verarbeitet und den Bundes¬ 
mitgliedern von uns zur Kenntnis gegeben. 

Unsere Anregung beim Deutschen Städtetag, die Einführung 
eines einheitlichen Formulars für die Fremden-An- und Ab¬ 
meldung bei den Stadtverwaltungen zum Zwecke der Erreichung 
einer deutschen Fremdenverkehrsstatistik zu 
worten, wurde leider ablehnend beschieden. Der geschhfts- 
fUhrende Ausschuss beschloss, die Angelegenheit damit jedoch 


nicht ruhen zu lassen und hat unterdessen zunächst beim Inter¬ 
nationalen Hotelbesitzerverein wegen dessen Stellungnahme zu 
dem von uns in Aussicht genommenen Formular angefragt. 

Der Deutsche Gastwirts-Verband beabsichtigt fUr 
die Hoteldiener, Dienstleute und Gepäckträger auf den Bahn¬ 
höfen geeignete, auch für das reisende Publikum angenehme und 
praktische Räume, bei den zuständigen Eisenbahnverwaltungen 
anzuregen. Er erbat hierzu die Mithilfe des Bundes. Da die 
Dienstleistungen der bezeichneten Hotelbediensteten der Er¬ 
leichterung des Fremdenverkehrs und der Bequemlichkeit des 
reisenden Publikums dienen, bat der geschäftsfOhrende Aus¬ 
schuss die Bundesmitglieder, sich über die Verhältnisse auf ihren 
Bahnhöfen zu unterrichten und dem deutschen Gastwirtsverband 
etwaige Uebelstände in dieser Beziehung mitzuteilen. 

Die „Deutsche Motorfahrer-Vereinigung“ in München ver¬ 
anstaltete eine Protestversammlung gegen die Erhebung der 
Pflasterzölle in einer Reihe bayerischer Gemeinden. Der Bund, 
welcher überdies eine Eingabe an das bayerische Ministerium 
des Innern eingereicht hat, im Sinne der Aufhebung bezeichneter 
Zölle, war bei dieser Versammlung offiziell vertreten. Die Ver¬ 
sammlung hatte zum Ergebnis, dass zunächst eine Denkschrift 
ausgearbeitet werden soll, welche den Königl. Bayer. Staats- 
mipistern und den an der Frage interessierten Gemeinden unter¬ 
breitet werden wird. 

Unsere Eingabe an den preussischen Herrn Kultusminister 
wegen des früheren Beginns der Berliner Sommer¬ 
ferien im Interesse einer glatten Abwickelung des Verkehrs 
wurde abschlägig beschieden. Die Angelegenheit wird jedoch 
weiter verfolgt werden. 

Der Antrag bei dem preussischen Herrn Minister der 

öffentlichen Arbeiten, betr. Einrichtung von Sonder¬ 
zügen von den Grenzen nach dem Innern des 

Reiches, wurde abgelehnt, da die Einrichtung solcher Züge 
wegen unzureichenden Zuspruches unwirtschaftlich sein würde. 

Der geschäftsführende Ausschuss beabsichtig^ darauf hinzu¬ 
weisen, dass die Reisebureaus zur Füllung bezeichneter Züge mit 
ausländischem Publikum heranzuziehen seien. (Vergl. den 

Artikel in Nr. 15 der „Deutschland“, S. 37.) 

Dagegen wurde uns zugesagt, unserem Wunsche ent¬ 

sprechend, eine Gesamtübersicht über die alljährlich in 
Deutschland verkehrenden Feriensonderzüge herauszugeben und 
uns einige Abdriicke zuzustellen. 

Wegen unseres Wunsches nach früherer Bekannt¬ 
gabe der Abfahrtstermine der Sonderzüge wurde uns 
mitgeteilt, dass die Beförderungstage und -Zeiten derselben erst 
vereinbart werden können, wenn der zum i. Mai einzuführende 
Sommerfahrplan festliegt. Aus diesem Grunde seien die Sonder¬ 
züge nach Siiddeutschland bisher erst Anfang Mai festgesetzt 
und spätestens am 20. Mai veröffentlicht worden. 

Die preussische Eisenbahnverwaltung beabsichtigt, sich auf 
unserer Anregung hin mit den beteiligten Verwaltungen in Ver¬ 
bindung zu setzen, um eine etwas frühere Festsetzung 
und Bekanntgabe der Sonderzüge zu erreichen. 

Der von uns vorgetrageno Wunsch, einen späteren 
Schluss des Fahrkartenverkaufs für die Feriensonder¬ 
züge in Berlin herbeizufiihren, wurde dahin beantwortet, dass 
im Einvernehmen mit den beteiligten Verwaltungen die Möglich¬ 
keit der Durchführung dieser Anregung geprüft werden soll. 


Wir laden hiermit die verehrlichen Bundesmitglieder zu der 
am 7., 8. und 9. Juni dieses Jahres in WormS stattündenden 

Jahres-Hauptversammlung 

ergebenst ein. Auf der Tagesordnung steht vorläufig (Aende- 
luiigen Vorbehalten): Geschäftsbericht, Kassenbericht, Propa¬ 
ganda im Auslande, allgemeine Reglung der Schulferien, die 
Schnakenplage. 

An Ausfliigen sind geplant: Dampferfahrt nach Oppenheim 

und F.ihrt nach Speier oder Strassburg i. Eis. 

Das geschichtlich und landschaftlich bevorzugte Worms 

und die zur Beratung stehenden interessanten Fragen lassen 

eine zahlreiche Beteiligung der verehrlichen Bundesmitglieder 

voraussehen. __ . . ^ „ 

Hochachtungsvoll 

Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 


D'm* geschäftsführende Ausschuss. 
Friedr Gontard, Dr. Seyfert, 

Vorsitzender. Geschäftsführer. 





39 


i bQOQCKiQQQQOOQOCagO XrOCK^^ DEUTSCHLAND 


' Auskunftstellen des Bundes im Auslande 

bsfitaden sich bis jetzt in: 

L Amsterdam, bei Lisson & Zoon, Singel 155. 

а. Aussig, bei dem Oeffentlichen Fremden-Verkehrsbureau, 
Stadthaus. 

3« Budapest, bei dem Fahrkarten- und Reisebureau der 
Fremdenverkehrs- und Reiseunternehmungs-Aktien-Gesell- 
K Schaft, Erzsebet Körnt Nr. iz. 

4. Franzensbad, bei dem Auskunftbureau des Landes¬ 
verbandes für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Isabellen¬ 
promenade. 

5. Göteborg, bei dem Nordisk Resebureau, Palace-Hotel. 

б. Helsingfors, bei Alex F. Lindberg, Agentur des Nord¬ 
deutschen Lloyd. 

7. Karlsbad, bei dem Auskunftsbureau des Landesverbandes 
für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, MUhlbrunnstrasse. 

8 . Kiew, bei A. Schlesinger, Agentur des Norddeutschen Lloyd. 

9. Konstantinopel, bei M. Mewes,Generalagent des Nord¬ 
deutschen Lloyd. 

10« London, bei der Great Eastem Railway, West-£nd Office, 
Regent Street zza. 

n. Lüttich, bei Fran9ois Brimbois, Passage Lemonnier 18. 

xz. Mailand, bei Gio. Corr. Meiss, Galleria Vittori Emanuele. 

23. Malmö, bei dem Nordisk Resebureau, 2 Oestra Hamngaten. 

14. Marienbad, bei dem Auskunftsbureau des Landesver¬ 
bandes für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Stephan- 
strasse Haus „Goldener Falke“. 

15. Moskau, bei E. Garbell, Agentur des Norddeutschen Lloyd. 

x6. Nagyvärad (Grosswardein), bei dem Fahrkarten- und 

Reisebureau, Filiale der Budapester Gesellschaft. 

xj. Odessa, bei Mac. Nabb, Roug^er & Co., Agentur des Nord¬ 
deutschen Lloyd. 

x8. St. Petersburg, bei P. Bornholdt & Co., Agentur des 
Norddeutschen Lloyd. 

xg. Prag, bei dem Auskunftbureau des Landesverbandes für 
Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Graben, Deutsches Haus. 

zo. Reichenberg, bei dem Reisebureau des Landesverbandes 
für Fremdenverkehr in Deutschböümen, Schückerstrasse 3, 
Reisebureau „Anker“. 

zx. Riga, bei W. Goltz & Co., Ecke Kl. Sand- und Kl. Schmiedestr. 

zz. Stockholm, bei dem Nordisk Resebureau, Operahuset. 

23. TätrafUred (Schmeks), bei dem Fahrkarten- und Reise¬ 
bureau, Filiale der Budapester Gesellschaft 

24. Temesvär (Josefstadt), bei dem Fahrkarten- und Reise¬ 
bureau, Stadthausgasse z, Filiale der Budapester Gesellschaft. 

25. Teplitz, bei dem Reisebureau des Landesverbandes fUr 
Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Königstrasse. 

z6. Tiflis, bei Drachenfels Kutzschenbach, Agentur des Nord¬ 
deutschen Lloyd. 

”27. Tokio, bei der Deutschen Gesellschaft für Natur- und 
Völkerkunde Ostasiens, Imagawa-kochi, Itchome. 

z8. Yokohama, bei der Redaktion der „Deutschen Japan- 
JJJpost“, Yamashita-cho 60. 

zg. Zägräb (Agram), bei dem Fahrkarten- und Reisebureau, 
Ulica Marije Valerije 6, Filiale der Budapester Gesellschaft. 
(Das Bundesorgan, die Verkehrs-Zeitschrift 

„Deutschland“, liegt in sämtlichen Auskunftsstellen des 

Bundes auf). 


ThüringerVerband zur Hebungdes Fremdenverkehrs. 

Die von dem Thüringer Städtetag gewählte Kommission, 
in der zehn grössere Städte Thüringens vertreten waren, hat am 
5. März unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Liebetrau 
die Gründung eines Thüringer Verkehrs-Verbandes beschlossen 
und als Sitz des Verbandes Gotha gewählt. Der Verband 
bezweckt die Förderung aller auf Verstärkung des Besuches der 
Thüringer Lande hinzielenden Massnahmen durch planmässige 
Veröffentlichung von Thüringer Gesamtprospekten, Ausgestaltung 
der bestehenden Reisebücher, Inserate, Errichtung einer Haupt¬ 
auskunftstelle in Gotha sowie andere einheitliche Verkehrs- 
Propaganda. Damit ist der korporative Zusammenschluss aller 
Kurorte und Fremden Verkehrs-Vereine ermöglicht. 

Verkehrs-Verein Plauen. 

Die Jahres-Hauptversammlung leg^e davon Zeugnis ab, dass 
auch im vergangenen fünften Geschäftsjahre fleissig gearbeitet 
worden ist, um die gemeinnützigen Bestrebungen des Vereins 
zu fördern. Prof. Dr. Zemmrich, der Vorsitzende, stellte mit 
Genugtuung fest, dass die Stadt durch einen in den Haushalts¬ 
plan eingestellten Jahresbeitrag von 500 Mk. dem Verkehrs- 
Verein dankenswerte Unterstützung zuteil werden lässt, und 
dass man mit Befriedigung auf den Jahresabschluss zurück- 
blicken kann. Ueber die Tätigkeit des Vorstandes im ver¬ 
flossenen Jahre und die Hauptaufgaben, die ihn beschäftigten, 
erstattete der Schriftführer, Red. Dannhauer, Bericht, wobei 
besonders des zu Anfang Mai hier abgehaltenen sächsischen 
Verkehrstages gedacht wurde. Der zweite Vorsitzende, Buch¬ 
druckereibesitzer J e e n e 1, teilte mit, dass die Hauptgeschäfts¬ 
stelle des Verkehrs-Vereins mehr als 1200 Auskünfte in Verkehrs- 
Angelegenheiten gegeben hat. Der Kassenbericht des Schatz¬ 
meisters, Bankdirektor S ch i m e k, verzeichnete Einnahmen in 
Höhe von 2380.34 Mk., denen Ausgaben von 771.28 Mk. gegen- 
Uberstehen. Der Kassenbestand betrug am 31. Januar 2231.26 Mk. 
Für das neue Geschäftsjahr wurde der Haushaltsplan mit 
2900 Mk. festgesetzt, darunter befinden sich 500 Mk, für den 
Wettbewerb im Blumenschmuck, der auch dieses Jahr wieder 
veranstaltet werden soll. Die Hauptausgabe wird der „Führer 
durch Plauen“ erfordern. Der Führer soll noch etwas erweitert 
werden und ausser dem Stadtplan auch eine Karte der Um¬ 
gebung von Plauen enthalten. 

Der Schlesische Verkehrs-Verband, 

der durch seine Auskunftsstelle für den Wintersport bereits 
eine rege Tätigkeit entfaltet hat, beschloss, um den weitesten 
Kreisen eine Unterstützung seiner Bestrebungen zu ermöglichen, 
den anfangs auf 50 Mk. festgesetzten Mindestbeitrag auf wenig¬ 
stens 25 Mk. für korporative und wenigstens 10 Mk. für Einzel¬ 
mitglieder zu ermässigen. Schon jetzt ist der Verband in der 
Lage, seinen Mitgliedern eine Reihe von Vorteilen zu gewähren. 
Abgesehen von der Breslauer Auskunftsstelle ist eine solche 
beim „Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau“ in Berlin, 
Unter den Linden 14, errichtet worden, wo den Verbands- 


Aus den Bundes-Vereinen. 

Leipziger Verkehrs-Verein. 

ln der Ende März im Burgkeller abgehaltenen Beratung des 
Gesamtvorstandes des Leipziger Verkehrs-Vereins wurden zwei 
für Leipzig wichtige Beschlüsse gefasst. Bekanntlich sollte in 
diesem Jahre ein Blumenkorso veranstaltet werden. Da jedoch 
die beteiligten Kreise in diesem Jahre schon durch verschiedene 
sportliche Veranstaltungen in Anspruch genommen sind, wurde 
die Abhaltung des Korsos auf das nächste Jahr verschoben. 
Er soll dann im Anschluss an den „Concours hippique“ ver¬ 
anstaltet werden. Ferner soll, einer Anregung des Vorsitzenden 
Herrn Winkler folgend, der Verkehrs-Verein sich mit den zu¬ 
ständigen Generaldirektionen der Staatseisenbahnen in Ver¬ 
bindung setzen, um die Einstellung einiger Extrazüge zu den 
Ausstellungen in Berlin und Dresden zu erwirken. Weiter 
wurden einige Beschwerden und Wünsche beim Vorstande 
axigebracht. .So wandten sich die Herren Hirschfeld und Rechts¬ 
anwalt Lebrecht gegen einige Leipziger Hotelbesitzer, die die 
Messfremden, trotz UeberfüUung der Hotels, nicht an den Ver¬ 
kehrs-Verein zur Wohnungsvermittelung gewiesen hatten. Es 
ist infolgedessen -vorgekommen, dass Leipziger Messfremde 
Wohnung in Halle genommen haben. Zunächst soll deshalb 
^ne Beschwerdeschrift an den Hotelbesitzerverband gerichtet 
werden. 


>f usschneiden! 






40 ^ B 0 Q QQQQQ 0Q08a8990QQQQ90003 0ei DEUTSCHLAND 166 6 6 666006000000000000000 811 Nf:'t 


xnitgliedern Gelegenheit geboten ist, durch Vermittlung des 
Verbandes unentgeltlich Drucksachen wie Prospekte und Führer 
auszulegen und an Interessenten verabfolgen zu lassen. Da 
ein grosser Teil der Besucher Schlesiens aus dem Osten kommt, 
sind auch hier bereits Schritte getan und die Einrichtung von 
Auskunftsstellen des „Schlesischen Verkehrs-Verbandes** in 
Warschau, Krakau, Lodz usw. steht nahe bevor. Ferner ist der 
Verband dem Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine, Sitz Leipzig, 
beigetreten, durch dessen Drucksachen-Vermittlungsstelle nun¬ 
mehr auch eine umfangreiche Propaganda für Schlesien in allen 
deutschen Städten und einer grossen Anzahl ausländischer 
Auskunftsstellen des Bundes gewährleistet ist. Es wird nun¬ 
mehr Sache der einzelnen Mitglieder sein, sich diese wertvollen 
Hilfsmittel für eine wirkungsvolle Propaganda für ihr Interessen¬ 
gebiet durch Fühlungnahme mit der Breslauer Geschäftsstelle 
des Verbandes zunutze zu machen. — In der Mitglieder¬ 
versammlung wurde weiter beschlossen, bei der Vorbereitung 
von Eingaben der Mitglieder betr. Verkehrswünsche von allge¬ 
meinem Interesse den „Schlesischen Verkehrs-Verband** zu den 
Beratungen und zur Unterschrift hinzuzuziehen. Auch bei den 
seit einiger Zeit regelmässig stattfindenden Konferenzen der 
Königlichen Eisenbahn-Direktionen mit Vertretern des ,»Schle¬ 
sischen Bädertages** wird der „Schlesische Verkehrs-Verband“ 
in Zukunft hinzugezogen werden. Schliesslich sind Vorbe¬ 
reitungen für die Herausgabe eines „Schlesischen Verkehrs¬ 
buches** getroffen worden. 

Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs Augsburg. 

Die Stadt Augsburg wird am 20. und 21. Mai die Feier 
ihres Eintrittes in die Reihe der deutschen Grossstädte durch 
grössere Veranstaltungen im Rahmen sog. Verkehrslage 
begehen. Hervorragende Veranstaltungen und weitgehendste 
Preisermässigungen in den verschiedensten Etablissements, un¬ 
entgeltliche Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten und allge¬ 
meiner Schaufensterwettbewerb unter Beiziehung von Künstlern 
werden nicht verfehlen, wirkliche Verkehrstage erstehen zu lassen. 

Der Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs 
in Göttingen 

hielt seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Jahresbericht 
wurde erstattet und der Abschluss der Rechnung für 1910 vor¬ 
gelegt; die Zahl der Mitglieder beträgt 361. Oberstleutnant 
Lehmann kam auf den vom Verein zum ersten Male heraus¬ 
gegebenen Plan Uber die theatralischen und musikalischen Ver¬ 
anstaltungen in der Stadt Göttingen zu sprechen. 

Der Pfälzische Verkehrs-Verband 

hat in seiner letzten Ausschusssitzung vom 18. März einige neue 
wichtige Unternehmungen für die weitere Entwickelung des 
Verkehrswesens in der Pfalz in Angriff genommen. Eingangs 
der Verhandlungen konnte der Vorsitzende wiederum eine 
Anzahl Mitgliederzugänge feststellen. So haben sich neuerdings 
die Stadt Zweibrücken, Gemeinde Kerzenheim, Vorschussverein 


Hier ahtrennen! 


Bestellsohein. 


Unterzeichneter bestellt hiermit Exemplare 
der grossen Sonder ^Nummer der Zeitschrift 
ffDeiitschland*^ in englischer Sprache zum 
Preise von 1 Mark zuzüglich Porto^) 

Betrag folgt anbei. 

Nichtzutreffendes durchstreichen. 


Name: 


Wohnort u. Strasse: 


Kirchheimbolanden, sowie eine Anzahl Einzelmitglieder ange¬ 
meldet. Der Verkehrs-Verband zählt nunmehr 4z Korporationen 
als Mitglieder. Aus dem Referat Über den Pfälzischen Fremden¬ 
verkehrsrat konnte entnommen werden, dass nun auch seitens 
der bayerischen Regierung grössere Summen für die 
Pfalz zu Reklamezwecken bereitgestellt werden. Es wurden 
von der Versammlung zweckentsprechende Vorschläge Über die 
notwendigsten Arbeiten auf diesem Gebiete eingereicht Da eine 
Beteiligung am südwestdeutschen Zuverlässigkeitsflug in Frank¬ 
furt a. M. der Pfalz nur Kosten und wenig Vorteile gebracht 
hätte, beschloss die Versammlung, ein eigenes Schaufliegen im 
Laufe des Sommers der pfälzischen Bevölkerung zu bieten und 
einige Herren mit den Vorarbeiten — Platzfrage, Eintrittsgelder, 
Gewinnung der Flieger — zu betrauen. Ein wichtiger Punkt, 
der grundlegend für die Beliebtheit der Pfalz als Aufenthalts¬ 
und Aufiugsgebiet wird, dürfte die Anregung zur Abhaltung von 
gastwirtschaftlichen Fachkursen sein. Die Versammlung be¬ 
schloss, mit dem pfälzischen Gastwirteverband in dieser Richtung 
vorzugehen und die Fachkurse so bald wie möglich einzurichten. 
Unter Wünsche und Anträge wurde darauf hingewiesen, dass 
auf dem Gebiete der Andenken-Artikel die Pfalz gegenüber 
anderen Fremdenverkehrsgebieten, z. B. Schwarzwald, Odenwald, 
noch sehr zurück sei; es fehlen vor allem originelle Gegenstände, 
die irgend etwas Typisches der Pfalz darstellen oder verwenden; 
die einschlägige Industrie soll dadurch auf diesem Gebiete an¬ 
geregt und gekräftigi werden, dass mit der nächsten Mitglieder¬ 
versammlung im Herbste dieses Jahres eine Ausstellung 
von pfälzischen Andenken-Artikeln verbunden wird. 

Tätigkeitsbericht des Fremden-Verkehrsvereins 
für Strassburg und die Vogesen für 1910. 

Dem eingehenden Bericht entnehmen wir nur die wichtigsten 
Punkte. Auf Antrag der Verkehrskommission wurden dem 
Verein wieder 2000 Mk. vom Gemeinderat bewillig^. Von der 
Generaldirektion der Reichseisenbahnen erhielt der Verein aoo Mk. 
für die Ausstellung in Brüssel. Vom Kaiserlichen Statthalter 
wurden 3000 Mk. für Herstellung eines Reklameplakates über¬ 
wiesen. Das Vereinsbureau war durch Erteilung von Auskünften 
ausserordentlich stark in Anspruch genommen. Behufs Besor¬ 
gung von Wohnungen, Aufstellung von Programmen, sowie 
Hergabe von Gratisführern von Strassburg und für das Vogesen¬ 
gebiet war der Verein bei acht nach Strassburg gekommenen 
Gesellschaften tätig Der Verein beteiligte sich am Verkehrs¬ 
bureau des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine auf der Welt¬ 
ausstellung in Brüssel. Gemeinsam mit anderen Vereinen des 
Elsass-Lothringischen Verbandes wurde eine Zeitung^reklame 
für Strassburg und die Vogesen ins Leben gerufen. Der Bericht 
enthält ferner einen kleinen Aufsatz von Dr. Eichelmann, 
Direktor des Statistisc hen Amtes der StadtStrass- 
burg, über den Fremdenverkehr in Strassburg igio. Am 
Schlüsse des Aufsatzes drückt der Verfasser sein Bedauern 
darüber aus, dass nicht ermittelt werden könne, wieviel 
Nächte die einzelnen Fremden dort zugebracht haben. Es 
heisst dort wörtlich: „So wichtig die Kenntnis dieser Zahl für 
die Statistik und besonders für die am Fremdenverkehr 
interessierten Kreise wäre» so hoch müsste doch das von den 
Hotelbesitzern für eine solche Feststellung zu bringende Opfer 
eingeschätzt werden. Diesem Ziele wäre man dadurch bereits 
einen grossen Schritt entgegengekommen, wenn sämtliche Hotels 
ein monatliches Verzeichnis darüber führten, wie viele Fremden¬ 
betten täglich besetzt waren; damit Hesse sich schon eine 
wertvolle Ergänzung unserer Statistik zusammenstellen,** 

Badischer Landesverband zur Hebung des 
Fremdenverkehrs. 

Im März fand in Lahr eine Ausschusssitzung statt. An der 
Spitze der Tagesordnung stand die Frage der Beteiligung des 
Verbandes an der Berliner Internationalen Ausstellung für Reise- 
und Fremdenverkehr. Das Programm hierzu fand einhelligen 
Beifall. Die Herausgabe eines Verkehrsbuches für Baden wird 
von Bürgermeister de Pellegrini, Triberg, besorgt werden. Der 
Reklamctätigkeit des Verbandes galten eine Reihe wertvoller 
Vorschläge, u. a. betr. der Herausgabe von illustrierten Fahrplan¬ 
heften über badische Eisenbahnstrecken, Aufgabe von Sammel¬ 
anzeigen in hervorragenden Blättern des In- und Auslandes 
(auch in der Bundeszeitschrift „Deutschland**) usw. Die Ver¬ 
sammlung gab ihrer Genugtuung darüber Ausdruck, dass der 
Landesverband der badischen Verkehrs-Vereine nun auch im 
Eisenbahnrat eine Vertretung findet. 

Fremdenverkehrs-Verein Karlsruhe. 

Am 22. März hielt der Fremdenverkehrs - Verein seine 
ordentliche Mitgliederversammlung im Sitzungssaal des Stadt¬ 
rats ab. Sie war leider wiederum nicht zahlreich besucht, bot 
aber ein getreues Bild der emsigen und vielseitigen Arbeit des 










11 DEUTSCHLAND 4i 


Nr. l i 


seiner Bestrebungen, Badens schöne, an Schätzen der 
:r^^Nf!äD^»\der Kunst und Wissenschaft reichen Residenz mit ihrem 
-.meihr auf blühenden Handel und Gewerbe in das ge> 
Licht zu rücken, den Zuzug Fremder nach Kräften 
.V-T^rjürdem und den Einheimischen nach Möglichkeit Annehm- 
’SvJIci&eiten, Anregungen und Unterhaltungen zu bieten. Stadtrat 
• ’.'lECBlBch eröffnete die Versammlung mit Dank an die Erschienenen. 
. ihr gedachte dabei mit ehrenden Worten der vielen Verdienste 
'"'.dös lin vorigen Jahr wegen Ueberhäufung mit sonstigen Arbeiten 
Amt d^ Vereinsvorsitzenden zurUckgetretenen Stadtrats 
~ O^tertag. Der Schrift- und Geschäftsführer, Obersladtsekretär 
Lädier, erstattete darauf mündlich den Jahresbericht für das 
■ Jahr X9XO, das gleich seinen Vorgängern arbeits- und erfolgreich 
-- .gewesen ist. Der Mitgliederstand betrug Ende 1909 488 Mit- 
’-g^Ueder, Ende xgio 492. Mit Bedauern musste konstatiert werden, 
diiss cUe Mehrzahl der Vereinsmitglieder sich aus solchen 
'Personen zusammensetzt, die kein unmittelbares Int eresse 
■- an der Hebung des Fremdenverkehrs haben, während 
gerade diejenigen Kreise der Einwohnerschaft, denen die un¬ 
eigennützige Arbeit des Vereins zugute kommt, die Kaufleute 
und Gewerbetreibenden, sowie Wirte, Metzger, Bäcker usw. 
verhältnismässig wenig Mitglieder stellen. Warmen Dank sprach 
Redner im Namen des Ausschusses der Stadtverwaltung aus, 
die dem Verein durch einen jährlichen Beitrag von 3000 Mk., 
Stellung des Lokals für die öffentliche Auskunftstelle im Rat¬ 
haus, des Auskunftsbeamten daselbst und durch Ueberlassung 
von Fremdenführern und sonstigem geeignetem Reklamematerial 
auis wirksamste unterstützt. Die Zahl der in Karlsruhe in den 
Hotels und Gasthöfen übernachteten Fremden ist nach den 
polizeilichen Ermittelungen von 116 582 im Jahre 1904 auf 211290 
im Jahre xgxo gestiegen, was eine Steigerung des Fremden¬ 
verkehrs in 7 Jahren um 181®/^ bedeutet. Dabei sind nicht mit¬ 
gezählt die vielen Passanten, die alljährlich Karlsruhe aufsuchen. 
In eingehender Weise berichtete Redner weiter Uber die Propa¬ 
gandamittel. Auf der Weltausstellung in Brüssel ist das 
Interesse der Besucher in geeigneter Weise auf die badische 
-Residenz hingelenkt worden, und ähnlich soll es auch auf der 
bevorstehenden Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in 
Berlin geschehen. Mit dem Bund Deutscher Verkehrs-Vereine 
und mit dem Badischen Landesverband zur Hebung des 
Fremdenverkehrs hat der Verein in verschiedenen Fragen in 
lebhaftem Verkehr gestanden. Nicht ohne Erfolg hat sich der 
Verein auch bemüht, Kongresse, Ausstellungen und Versamm¬ 
lungen nach Karlsruhe zu ziehen und den Ruf der Stadt als 
den einer gastlichen Feststadt zu erhalten und zu mehren. 
Etwa 40 derartige Veranstaltungen wurden hier abgchalten, 
darunter verschiedene Tagungen hervorragender Vereinigungen 
von Künstlern und Gelehrten. Für das laufende Jahr steht 
eine besonders bedeutende Versammlung in Karlsruhe in Aus¬ 
sicht, die ihr etwa 2000 bis 3000 Männer der Wissenschaft zu- 
fÜhren wird: die Jahresversammlung der Gesellschaft deutscher 
. Naturforscher und Aerzte im September. Ganz ausser- 
gewöbnliches Interesse werden die im Mai ds. Js. in der ober¬ 
rheinischen Tiefebene geplanten Schau- und Wettflüge der dem 
sttdwestdeutschen Kartell angehörenden Luftschiffahrts-Vereine 
erregen, die sich zum Teil auch in Karlsruhe abspielen. Der 
Stadtrat hat bekanntlich beschlossen, das Unternehmen durch 
einen Beitrag von 10 000 Mk. zu fördern. Bankier Hecht und 
Kaufmann Renk haben die Jahresrechnung für 1910 einer Prüfung 
unterzogen. Sie fanden sie in bester Ordnung und sprechen dem 
RechnungsfÜhrer, Oberstadtrechnungsrat Weiler, Anerkennung 
für seine sorgfältige Arbeit aus. Der Ausschuss schloss sich 
diesem Dank an. Sodann wurde der vom Geschäftsführer auf¬ 
gestellte Voranschlagsentwurf für 1911 genehmigt. Endlich wurden 
an Stelle dreier ausgeschiedener Ausschussmitglieder in den 
Ausschuss gewählt: Hotelier Wilhelm Friedrich (Hotel Grosse), 
Chefredakteur Walter Günther und Stadtrat Wilhelm Kolb. 

Der Kölner Verkehrs-Verein 

hielt am 2g. März seine Hauptversammlung unter dem Vorsitz 
des Kgl. Baurats Schellen ab. Zunächst wurde der vom 
Geschäftsführer wiederum in übersichtlicher Form zusammen¬ 
gestellte Jahresbericht besprochen. Das Arbeitsprogramm 
für das Jahr xgu sieht eine Reihe neuer Aufgaben vor. 
Gelegentlich des Kaiserbesuches am 22. Mai beabsichtigt 
der Verein ein Schiff für die Festfahrt auf dem Rhein 
SU mieten und es seinen Mitgliedern zur Verfügung zu stellen. 
Auch soll aus Anlass des Kaiserbesuches eine Sondernummer 
über Köln der Zeitschrift „Deutschland“ herausgegeben 
werden, wozu das Material schon vorliegt. Für den Monat 
Juni ist ein Blumenkorso geplant. Als Tag für den Korso 
ist der x8. Juzii in Aussicht genommen, an dem ein Rosen- 
Kindertag in ähnlicher Weise wie im vorigen Jahre der 
_ Matgueritentag, veranstaltet werden soll. Für Dezember ist eine 
P hotographische Ausstellung für Amateure vorgesehen. 


In dieser Ausstellung sollen vornehmlich Aufnahmen von Köln 
gezeigt werden. Bei den Wahlen zum Beirat wurden die 
ausscheidenden Mitglieder vom Grafen, Mönnig, Metz, Neven 
Du Mont, Niessen, Noll, v. Stein und Wunderlich wiedergewählt. 
Zugewählt wurden die Mitglieder Beigeordneter Dr. Best, Stadt¬ 
baurat Heimann, Dr. Oster und Jak. van Norden. Zu der 
Auslandsreklame, die in diesem Jahre stärker als früher 
betrieben werden soll, wünschte ein Mitglied die Berück¬ 
sichtigung des New York Herald und des Figaro. Dies wären 
die wichtigsten für den Fremdenverkehr in Frage kommenden 
Blätter. Namentlich in Paris, als dem Zentrum des Fremden¬ 
verkehrs, sei eine Reklame nötig. Der Vorsitzende betonte 
diesem Wunsche gegenüber, dass die Auslandsreklame enorme 
Kosten verursache; für eine einigermassen würdige Reklame 
in den auswärtigen Zeitungen seien 104000 Mk. erforderlich. 
Die Stadtverwaltung, die heute entgegen ihrer früheren 
Anschauung auf dem Standpunkte stehe, dass eine solche 
Zeitungsreklame notwendig und zweckdienlich sei, habe ein 
freundliches Entgegenkommen gezeigt und dem Verein für den 
genannten Zweck 10000 Mk. zur Verfügung gestellt. Der Vor¬ 
sitzende sprach dem Geschäftsführer Liebenstund den Dank 
des Vereins für seine Tätigkeit aus, besonders dankte er ihm 
dafür, dass er sich den Arbeiten zur Einrichtung der Droschken- 


Mit der vorliegenden Nummer beginnt 
der 

zweite Jahrgang der 
Bundeszeitschrift,,Deutschland“ 

Die Freunde unserer Zeitschrift, ins¬ 
besondere die Mitglieder des Bundes 
Deutscher Verkehrs-Vereine und die 
Landesverbände bitten wir, uns bei 
der Verbreitung der „Deutschland“, 
die heute schon in weiten Kreisen 
Beachtung und Anerkennung findet, 
freundlichst unterstützen zu wollen. 

Redaktion und Verlag. 


anrufzentrale mit so grosser Liebe gewidmet. Der Schriftführer 
Dr. Max Heimann zollte dem Vorsitzenden Dank für dessen tat¬ 
kräftige Arbeit im Dienste des Vereins. Der Hauptversammlung 
folgte ein Vortrag des Regierungsbaumeisters Senz über Firmen¬ 
schilder, über den wir an anderer Stelle berichten. 

Der Internationale Hotelbesitzer-Verein in Köln 

hat dem Bundesrat eine Eingabe unterbreitet, in der im Interesse 
des deutschen Hotelgewerbes zu dem Entwurf eines Versiche¬ 
rungsgesetzes für Angestellte Stellung genommen wird. 
In der Eingabe heisst es u. a.: „Gemäss der bei den Arbeit¬ 
gebern des deutschen Hotelgewerbes bestehenden Auffassung 
über die Notwendigkeit einer Uber die schon bestehende reichs¬ 
gesetzliche Invalidenversicherung hinausgehenden, aber mass- 
vollen Fürsorge füt die Angestellten im Falle des Alters und 
der Invalidität hat der Internationale Hotelbesitzer-Verein schon 
im Jahre 1907 grundsätzlich einer weitergehenden Versicherung 
der Angestellten bis zu einer Gehaltsgrenze von 5000 Mk. zu¬ 
gestimmt. Jedoch steht das deutsche Hotelgewerbe auf dem 
Standpunkt, dass eine bessere und gerechte Fürsorge in diesem 
Sinne für alle Angestellten nur durch den Ausbau der 
bestehenden Invalidenversicherung erreicht werden 
kann. Eine Sonderversicherung einzelner Angestelltengruppen, 
oder eine Bevorzugung der Angestellten vor dem anderen 
Personal würde den im Hotelgewerbe bestehenden besonders 
gearteten Arbeitsverhältnissen in keiner Weise gerecht. Eine 
Scheidung des im Hotelgewerbe tätigen Personals in höhere 




42 DEUTSCHLAND 


Nr.l 


und niedere Angestellte oder in Angestellte und gewerbliche 
Arbeiter würde mit sehr grossen Schwierigkeiten verbunden 
sein und lässt sich einwandfrei Überhaupt nicht durchführen. 
Nach dem vorliegenden Entwürfe kommt für das Hotelgewerbe 
als versicherungspflichtig namentlich das eigentlich kauf¬ 
männische Personal in Betracht. Bezüglich des f ach - 
technischen Personals besteht keine Versicherungsptlicht 
für den grösseren Teil der Angestellten, für einen Teil ist sie 
zweifelhaft. In sehr grossen Betrieben ist zwar die Arbeits¬ 
teilung so weit durchgeührt, dass die kaufmännischen Arbeiten 
(Buchführung, Kasse, Korrespondenz) durch besondere Ange¬ 
stellte, die sich als Handlungsgehilfen charakterisieren, aus- 
geführi werden. In den weitaus meisten Unternehmen aber 
werden diese Arbeiten zum Teil auch von dem gewerblichen 
Personal erledigt. Es findet auch ein häufiger Uebergang von 
der gewerblichen z\iv kaufmännischen Tätigkeit statt und um¬ 
gekehrt. Dem gewisse Aufsichtsbefugnisse ausübenden Betriebs¬ 
personal, wozu in erster Linie die Oberkellner und Portiers zu 
rechnen sind, liegt in grossen Betrieben eine Tätigkeit ob, die 
diese Personen als Angestellte in gehobener oder höherer 
Stellung erscheinen lässt. Es lässt sich aber weder aus dem 
vorliegenden Gesetzentwürfe noch aus der Begründung erkennen, 
wie es mit der Versicherungspflicht gerade dieser Personen- 
gruppen, die auf der Grenze stehen zwischen den gewerblichen 
Gehilfen und den sogenannten höheren Angestellten, deien 
Stellung aber auch je nach der Grösse des Betriebes, in dein 
sie tätig sind, sehr verschieden ist, gehalten werden soll. Jeden¬ 
falls ist mit allem Nachdruck daraut binzuweisen, dass diese 
Personengruppen zweifellos den als Handlungsgehilfen in 
einem Grossbetriebe tätigen kaufmännischen Angestellten sozial 
vollkommen gleichstchen. Es würde eine d* rch richts zu recht¬ 
fertigende Zurücksetzung des fachtechnischen Peisonals be¬ 
deuten, wenn man ihm nicht die gleiche Invaliden-, Alle».'- und 
Hinterbliebenenversicherung gewähren wollte als jenen. Aus 
dem vorliegenden Entwürfe ergibt sich die alle sozialen Ver¬ 
hältnisse geradezu auf den Kopf stellende Möglichkeit, dass der 
in einem grossen Hotelbetriebe angestellte Schreiber oder die 
Schreibmaschinistin als „Angestellte“ einer weitgehenden be¬ 
sonderen Versicherung teilhaftig werden, während das tech¬ 
nische Personal, wie z. B. der Oberkellner, der Küchenchef, der 
Portier, sich mit der reichsgesetzlichen Invalidenversicherung 
begnügen müsste. Die beruflich bc-onders angestrengten 
Personengruppen würden also nach der Einführung der Anue- 
stelltenversicherung, wie .sie der Entwurf vorschlägi, nur der 
schon bestehenden Versicheiung unterliegen, während andere, 
im gleichen Betriebe tätige Personen, die jenen sowohl nach 
dem Einkommen als auch nach der beruflichen Vei aniworliing 
und vielfach auch nach der ganzen sozialen Stellung durchaus 
untergeordnet sind, einer doppelten Versicheiung unterliegen 
sollen, durch deren eine sie in völliger Umdrehung der wirk¬ 
lichen Verhältnisse als eine sozial höherstehende Klasse 
erscheinen sollen. Wir können nicht entschieden genug 
betonen, dass die grundlegenden Voraussetzungen, aus denen 
heraus der Gesetzentwurf zu einer Sonderversicherung der an¬ 
geblich vorhandenen Klasse der Angestellten kommt, für das 
Hotelgewerbe ganz und gar unzutreffend sind.“ Di'- Eingabe 
macht alsdann für den Fall, dass die Grundlagen tles voi - 
liegenden Entwurfes trotz der geäusserten Bedenken ange¬ 
nommen werden, eine Anzahl Abänderungsvorschläge zu ein¬ 
zelnen Bestimmungen. 

Oer Verkehrs-Verein für den Stadt- und 
Landkreis Essen 

hat am 27. März im Städtischen Saalbau seine ordentliche 
Generalversammlung abgehalten. Aus dem Geschäftsbericht ist 
zu entnehmen, dass das Geschäftsjahr igio dem Verein nicht 
so sehr in die Augen fallende Ergebnisse in seinen mannig¬ 
faltigen grossen Plänen als vielmehr einen kräftigen Ausbau 
seiner inneren Organisation und seiner bisherigen Einrichtungen 
gebracht hat. Zum Teil wurden nämlich grosse Pläne, wie 
beispielsweise die Veranstaltung einer Gartenbau-Ausstellung 
der Provinzen Rheinland und Westfalen, durch Umstände ver¬ 
eitelt, die sich seinen Einflüssen entzogen, zum Teil sind sie, 
wie z. B. der Tiergarten, noch im Stadium der Vorbereitung. 
An einer Reihe anderer Veranstaltungen, wie Schaufenster¬ 
wettbewerb, Ausscheidungsfahrt für das Gordon-Bennett-Rennen 
der Lüfte, Wettbewerb in Vorgärten-, Balkon- und Fenster- 
schmuck, hat sich der Verein mit gutem Erfolg beteiligt. Die 
Mitgliederzahl beträgt 388 Personen mit einer Jahresbeitrags¬ 
summe von rund 17000 Mk. Die Jahresrechnung für 1910 
schliesst ab in Einnahmen mit 36 439.98 Mk., in Ausgaben mit 
19 893*65 Mk., so dass ein Bestand von 16 546.33 Mk. bleibt. Der 
Jahresvoranschlag für 1911 schliesst in Einnahme und Ausgabe 
mit 40876.33 Mk. Aus dem Arbeitsprogramm für 1911 ist besonders 
hervorzuheben: die Beschickung der Internationalen Ausstellung 


für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin und der Internationalen 
Ausstellung für Hygiene in Dresden mit eigens hierfür an¬ 
gefertigtem Bildermaterial der Stadt Essen; ferner die Heraus¬ 
gabe einer besonders vornehm ausgestatteten illustrierten Bro¬ 
schüre „Essen als Wohusladt“ und einer durch Illustrationen 
verbesserten Neuauflage des im vorigen Jahre mit so grossem 
Beifall aufgenommen'..-n ,,Verzeichnis billiger Sommerfrischen**. 
Ausserdem werden durch die Reisoabteilung des Verkehrs- 
Vereins in diesem J ihre billige Ferien-Sonder- und Studien¬ 
fahrten an die dcut.:>c!ie Küste und ins Ausland veranstaltet 
werden. Im Anschluss ao die Generalversammlung hielt Herr 
Schriftsteller Max Eck-rroH. Stuttgart, einen Lichtbildervortrag 
Uber die Krage der Schaffung von Naturschutzparken. 

Der Verkehrs-Verein Oberhausen 

hielt kürz’ich cir.e Hauptversammlung ab. Herr Kaufmann 
Philipp Heymann erj.t \tlete den Jahresbericht. Danach ist eine 
rege Täiigkeit eruLiltei. worden. In der Frage der Abhaltung 
eine* blurnentoges und des Schaufenster-Wettbewerbes sind 
erfolgreiche S..h:iite geschtli«. n. Wegen des Bahnhofsumbaues 
ist der Verein am 6. l-'etiruav bei der Eisenbahndirektion in Essen 
vorstellig gvvorde:-, die sich den Wünschen gegenüber willig 
gezei*;! h u. .,80v> Mk. standen dem Vorstande zur Verfügung. 
Die Einnahmcii bclicleii sica einschliesslich eines Betrages von 
40 Mi., vc-t! Delaillislenverband auf 2J18.55 Mk., dazu kamen 
iioc’i 1000 .’/.k. ilti der Vorsl-indsw. hl wurden gewählt die 
Herren: Kaufmann Heymann (i. Vorsitze.'.der), Dr. Weltmann 
(2. Vorsitze uL-r), Wasscrwerksdirekior Breuer, KedakteurBucharlz, 
Seifenlabnk.'nl IJargsmlirior, Bi ennert-ibesitzer Feldmann, Redak¬ 
teur Güttling, Bergi i>pe’tor Dr. Ilage-iinn, Rechtsanwalt Dr. 
Heckir.g, Bcigm.ina ILruiann Schumacher und BetriebsfUhrer 
Exnst W’eber (Vorstan.l.'milglicder). 

Verband der VorlvChrs-Vereine Westfalens und 
an^ronzjnder Gobiotd. 

D. j dritte o ! d c M 111h e ii i u p t v e r a m m 1 u n g findet 
am :»im>lag, dci , M u d. J >.. n ichmittags 4 Uhr, im Speise- 
sa.il der ersten iCta..c <1 s ii')*..!-, ,.L 1 n J e n h o f* zu Dort- 
m 11 n d , B^ücl;slT:l^ ^.- -y. si -.IL 

Verkehrs-Verj'ii Doi Imund. 

In der ge i.ig'.n '/-)i>ta.: ‘.".•.Uif.ing kf.inie bekannt gegeben 
werden, liass -. c: sch'-cder.c \] ieiU*.'. ncs Vereins von Erfolg 
begleitet waren. i.)ii‘ I-lgi. ahn.lnektion Essen will 

eine gin.sSr.-.e Mu i . d i!r. • ii’- t nach Me.igede - Rauxel 

.uir vo.. S-h. :iu-rii, .l.e >. dieser Gegend die Schulen 

Donniunil'. ho.u-i-:., v )!n 1. M.d .in ei'.legc’G hierdurch wird 
cm Wunsch v-*-l .• 1 * mwo'.üiei n.mntor Gegend erfüllt, die 
mit licsc» Ihlle, \ev:! *;ic d. r I’nii.^ercei wallung in Mengede ab- 
gcschl.ig.rn war. h an den Verei.i und Vcrb.ind Westfälischer 
Verkehrs-Vereie.e um Untere l-.iz’Jr.g gewandt hatten. Es ist 
tcriK ** erreicl;;, dass lio letzte Abend zerbin Jung nach Unna 
durct» den Ti i;::>wagv' -.v »rk. h.- .lacii S.)t:'l weitergeführt wird, 
was tiii The -ier iind Ktinzciibesischer von Soest eine sehr 
v/icliln;*‘ raiiingcnsc'iatl bedeutet. Der Vorstand ist weiter 
(iauert'd muht, seine üi'.sciiäftsstche immer mehr praktischer 
ausz.'ige.->i.iit'‘ii. Wtnn d.is augenldickliche Bureau auch sehr 
günstig liegt. 30 war man durch d.i- räumliche Beschränkung 
Svdir hehinde.i. l'ls >viid d.ilv'r noch ein grösseres Bureau im 
OsiMu.gel di-.i ll.uiptbahnhidegegen..ber der Femlinbastion 
angemietet. Im li «iiplbah.dini selbst i.»t für den Verein eine 
grosse R<‘klamet.it>l angebraci'.l. Die Internationale Ausstellung 
für Rei*c- und l'hcmJcnverkeh:. in der Westfalen, wie in 
einem anderen Artikel ausgemlut wird, .sich in umfangreicher 
Weise beteiligt h.\t. ist seU dem i. Apni eröffnet und erfreut 
sich, wie g'-meUl.g -vn-iivI, eim s sta« <en Zuspruchs. Um den 
Besuch /ii eileichtern, pl.int dci Vt'i.-.iand in Verbindung mit 
dem des Eus.mor Vrrcii.s im M li einen Sonderzug dahin zu 
bcanti agc*n. 

J.'ihros-Boricht dos Vorkehrs-Vereins Braunschweig 
für diis Jahr 1910. 

Der Bericht cnlhäll als Ki.ileitung ein überaus interessantes 
Vorwort übei du- Bedeulun:. des Kiemdcnverkehrs und Ubei die 
Aufgaben der Verkv. liis - Veii ine. Verkehrs-Verbände und des 
Blindes Deutscher Verkehi s-Vereine. Soilanii wird ein kurzer Rück¬ 
blick auf die Taguntc des Bundes in Braunschweig gegeben. Es 
findet sich ferner ein Bericht über die umfangreichen Arbeiten 
für die Bcleili.gung an der Inleniationalen Ausstellung für Reise- 
und Fremdenverkehr. Der Verkehrs-Veiein veranstaltete eine 
Festlichkeit, deren Reinertrag in seine Kasse floss. Eine 
schwere Sorge bereiten den doiligen Verkchrsinteressenten die 
unzulänp,liehen Anlagen des Braunschweiger Hauptbahnhofs, 
dessen Umbau immer noch nicht in Angriff genommen worden ist. 
Die Stadtverwaltung gewählte wiederum einen Zuschuss von 







*1500 Mk. Eine Kommission fiir einen Schaufenster > Wett- 
bftw ctb , der Ende September oder Anfang Oktober dieses Jahres 
stättfinden soll, wurde eingesetzt. Verschiedene Eisenbahn- 
wBinche des Vereins wurden erfüllt. Auf seinen Antrag ge¬ 
langen die Sonntagsbillette nach Gifhorn jetzt auch von 
der Station Gfiesmarode zur Ausgabe. Auf dem Gebiete der 
Propaganda war der Verein ebenfalls überaus rege tätig. 

b^m Verkehrsverbande für Westpreussen, 

dessen Gründung am 6. November v. Js. beschlossen wurde, 
haben sich, wie die Danziger Verkehrszentrale mitteilt, bisher 
aa Iffitglieder angeschlossen, und zwar: i. die Magistrate 
von Danzig, Deutsch-Eylau, Graudenz, Marienwerder, Mewe 
Preussisch-Stargard und Zoppot; 2. die Kreisausschüsse von 
Schwetsund Stuhm; 3. die Verkehrs-Vereine von Danzig, Elbing, 
Graudenz, Kielau, Putzig, Schweiz und Thorn; 4. die Haus¬ 
und Grundbesitzervereine von Marienburg und Riesenburg; 
5. der Verband der west- und ostpreussischen Haus- und Grund- 
besitzervereine, Sitz Marienburg; 6. der Westpreussische Auto¬ 
mobilklub, die Seebad-Aktien-Gesellschaft Kahlberg, die Strassen- 
bahngeseUschaft m. b. H. in Elbing. Die umfangreichen Arbeiten 
zur Einführung der Personenschiffahrt auf der Weichsel haben 
zu einem Erfolge geführt. Die Danziger Dampfschiff- und 
Seebad-Aktien-Gesellschaft „Weichsel“ wird im Laufe des 
Sommers Touristenfahrten von Dirschau bis Thorn und um¬ 
gekehrt mit dem für diesen Zweck hergerichteten Dampfer 
„Merkuxf* unternehmen. Von Danzig aus wird die neue Linie 


Verband der Ostseebäder. 

Im Anschluss an die Tagung des Allgemeinen deutschen 
Bäderverbandes, die anlässlich der internationalen Hygiene¬ 
ausstellung dieses Jahr in Dresden stattündet, werden dort auch 
der Verband der Ostseebäder und der Verband der Nordsee¬ 
bäder tagen. 

Erster Jahresbericht des Rügenschen Ostseebäder- 
Verbandes für das Geschäftsj'ahr 1909/10. 

Der Rügensche Ostseebäder-Verband wurde am 27. No¬ 
vember 1909 gegründet und hat sofort eine eifrige Tätigkeit 
entfaltet. Eine Abordnung hatte beim preussischen Herrn Minister 
der öffentlichen Arbeiten eine Audienz in Sachen des Aus¬ 
baues der Kleinbahn Putbus-Göhren in eine Vollbahn. Für die 
Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in 
Berlin wurde eine Sonderkommission gebildet. Der Verband 
gehört dem Verband Deutscher Ostseebäder, dem Bund Deutscher 
Verkehrs-Vereine und dem Verkehrs-Verband an der Stettiner 
Bahn an. Zur Propaganda für die Rügenbäder wurde die 
Plakat-, Lichtbilder- und Zeitungsreklame herangezogen. Bei 
der Handelskammer in Stralsund wurde seitens des Verbandes 
angeregt, zum Besuch der Rügenbäder Sonntagsfahrkarten, 
durchgehende Billette und Sonderzüge zu schaffen, 
sowie für gute Eisenbahnverbindungen einzutreten. Zum Schluss 
weist der Bericht auf die Wichtigkeit der Besucher und der 
Berufsstatistik des Fremdenpublikums hin. 


zu Gesellschaftsreisen zur Posener Ausstellung benutzt 

werden. 

Stettiner Verkehrs-Verein. 

Die Hauptversammlung des Stettiner Verkehrs-Vereins fand 
im Jahre 1910 am 14. Februar statt. Nach Erstattung des Jahres¬ 
und Kassenberichts wurden die erforderlichen Neuwahlen vor- 


Der Verkehrs-Verein Zürich besteht jetzt 25 Jahre 
Als erster schweizerischer Verkehrs - Verein im Jahre 1885 
gegründet, hat er alsbald zahlreiche Nachahmer in der engeren 
Heimat und auch in Deutschland gefunden. In einer Broschüre 
gibt der Verein Kunde von seiner bisherigen Tätigkeit. * 


genommen. Der Verkehr im Bureau hat sich im Jahre 1910 
gegen die Voxjahre bedeutend gehoben. Es ist dies wohl in 
erster Linie auf die Verlegping der Geschäftsräume in den Mittel¬ 
punkt der Stadt zurückzuführen. Namentlich in der Reisezeit 
war die Inanspruchnahme des Bureaus so stark, dass die Ein¬ 
stellung einer dritten Arbeitskraft sich als nötig erwies. Der 
rährer durch Stettin und Umgebung wurde in 10 000 Exemplaren 
gedruckt und verbreitet. Reisende und Neuzuziehende erhielten 
ihn kostenlos, ebenso die hiesigen Hotels. Eine bedeutende 
Anzahl wurde zu Reklamezwecken verwandt und an deutschen 
und ausländischen Fremdenverkehrsplätzen, namentlich auch 
auf der Weltausstellung in Brüssel, kostenlos verteilt Der 
Führer durch die Winterveranstaltungen wurde in derselben 
Weise wie-im Vorjahre zusammengestellt und in 2000 Exem¬ 
plaren verausgabt. Zum erstenmale erschien der Sportführer, 
welcher ein Verzeichnis der in Stettin stattfindenden sportlichen 
Veranstaltungen, nach verschiedenen Sportarten eingeteilt, ent¬ 
hielt. Ein Verzeichnis der Stettiner Passagierschiffslinien, 
welches bisher noch nicht existierte, machte den Sportführer 
zu einem nützlichen Handbuch für jedermann. Der Industrie¬ 
plan, dessen ^Herausgabe bereits im vorigen Jahre vorbereitet 
wurde, ist im Mai 1910 in 20000 Exemplaren gedruckt worden. 
Vielen hiesigen kauf^männischen und industriellen Firmen wurde 
er zugesandt mit der Bitte, den Plan als Briefbeilage zu ver¬ 
breiten und eine beliebige Anzahl im Bureau des Verkehrs- 
Vereins zu diesem Zweck kostenlos in Empfang zu nehmen. 
Das Interesse für den Plan war so gross, dass die Auflage in 
kurzer Zeit vergriffen war. Der dritte Balkonwettbewerb, welchen 
der Verkehrs-Verein veranstaltete, fand im August 1910 statt. 
Vorbereitet wurde der Wettbewerb durch mehrere fachmännische 
Zeitungsartikel. Die Beteiligung hielt sich auf derselben Höhe 
wie im vorigen Jahre, Der Wohnungsnachweis wurde in alter 
Weise weitergeführt. Der Schaufensterwettbewerb erfolgte in 
der Woche vom 24.-29. Oktober und wurde durch einen Licht¬ 
bildervortrag des Herrn Oberlehrer Höfert über „Die Kunst im 
Schaufenster“ eingeleitet. Ein dauernder Erfolg des Wettbewerbs 
ist jetzt schon sichtbar: Eine grosse Anzahl von Schaufenstern 
wird das ganze Jahr hindurch in gleich geschmackvoller Weise 
dekoriert wie für den Wettbewerb. Gemeinsam mit der Dürer- 
Gesellschaft wurde ferner ein Wettbewerb für Reiseandenken 
ausgeschrieben. Zum Ablieferungstermin am i. September gingen 
39 Entwürfe ein. Bei der Eigenart des Wettbewerbs und der 
Schwierigkeit, mit wenig Mitteln Geeignetes zu schaffen, an der 
unsere Andenkenindustrie immer gelitten hat, war von einem 
ersten Versuche wohl nichts ganz Hervorragendes zu erwarten. 
Wenn der Gedanke in Stettin mehr Wurzel gefasst hat, ist zu 
hoffen, dass bei der beabsichtigten Wiederholung einer solchen 
Konkurrenz greifbare Erfolge zutage treten werden. Seit dem 
z. Januar 19x0 wird städtischerseits eine Statistik des hiesigen 
Fremdenverkehrs geführt, die das erfreuliche Resultat erwies, 
dass im Jahre 1910 76 536' Fremde in Stettin geweilt haben. 
Qeredinet sind hierbei nur die in Hotels abgestiegenen Fremden. 


München und der Fremdenverkehr. München ist 
heute zweifellos eine erstklassige Fremdenstadt, mit allen 
Vorzügen und Nachteilen eines starken Fremdenverkehrs. 
Vor allem ist das Leben für die Einheimischen dadurch 
wesentlich verteuert worden, so dass München nicht mehr, 
wie einst, zu den billigsten, sondern den teuersten Städten des 
europäischen Kontinents gerechnet werden muss. Aber auch 
die Fremden selbst wissen allerlei Unerbauliches zu erzählen, 
so dass einmal in einem auswärtigen Blatte vor München förm¬ 
lich gewarnt worden ist. Es handelt sich dabei um die Aus¬ 
beutung der Fremden durch gewisse Hotels und Premden- 
pensionen, so dass der Münchener Magistrat kürzlich eine orts¬ 
polizeiliche Vorschrift erlassen hat, um die Fremden gegen solche 
Ausbeutungen zu schützen. Fremdenpensionen sollen künftig 
der Konzessionspflicht unterstellt, die Zimmerpreise angemeldet 
und in den Zimmern angeschlagen werden. Wer dem zuwider¬ 
handelt, soll gerichtlich belangt und öffentlich namhaft gemacht 
werden. Im bayrischen Hochland sind übrigens gleich strenge 
Massnahmen geplant. Von der Presse wird natürlich dieses 
Vorgehen gegen Ausbeutung energisch unterstützt. 

Zur Hebung des Fremdenverkehrs. Die vom 
Thüringer Städtetag gewählte Kommission zur Gründung eines 
Thüringer Verbandes zur Hebung des Fremdenverkehrs trat 
kürzlich unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Liebetrau, 
Gotha, zusammen. Es wurde die Gründung des Verbandes end¬ 
gültig beschlossen und als Sitz des Verbandes Gotha gewählt. 

Radfahrerwege in der Pfalz. Zur Hebung des 
Fremdenverkehrs in der Pfalz ist, nach einer Meldung der 
„Pfälz. Presse“, neuerdings ein weiterer Schritt unternommen 
worden. Den Bemühungen des Pfälzischen Verschönerungs- 
Vereins ist es, mit veranlasst durch den Wunsch des Haupt¬ 
konsulats Rheinpfalz-Südhessen der Allgemeinen Radfahrer- 
Union D. T. C., gelungen, durch Vermittlung des Regierungs¬ 
direktors Dr. Wappes in Speyer zu veranlassen, dass in aller 
Kürze der Radfahrweg von Johanniskreuz nach Kaltenbach 
fertiggestellt wird und dass ferner die Landstrasse nach Kaisers¬ 
lautern gewalzt und die Fussbank stärker befestigt wird. Ausser¬ 
dem wird eine für die Radfahrer sehr unangenehme Steigung, 
die rote Hohl bei Kaiserslautern verschwinden, um durch einen 
eigens angelegten Radfahrweg ersetzt zu werden. Diese Ver¬ 
besserung der Wege ist ein weiteres Glied in der Kette der 
dankenswerten Bemühungen des Regierungsdirektors Dr. Wappes, 
die Pfalz dem Fremdenverkehr immer mehr zu erschliessen, 
und es steht zu erwarten, dass für die Folge die Mi^lieder 
grösserer Radfahrverbände auf den Wanderfahrten auch die ab¬ 
gelegeneren Gebirgsteile der Pfalz mehr berücksichtigen werden. 

Die Fremdenverkehrszentrale gegen die Lust¬ 
barkeitssteuer. Die Zentralstelle für die Interessen des 
Berliner Fremdenverkehrs hielt kürzlich im Saale des Vereins 
Berliner Kaufleute und Industrieller unter dem Vorsitz des 




44 


DEUTSCHLAND 




Nr. 1 


Geheimrats Emil Jacob eine Plenarsitzung ab, in der zunächst 
zahlreiche geschäftliche Mitteilungen gemacht wurden. Von 
wei^ehendem Interesse war eine an die Zentralstelle gerichtete 
Anregung, bei der zuständigen Verwaltung zu beantragen, dass 
bei den im Fremden viertel liegenden Postämtern sprachen¬ 
kundige Beamte angestellt werden. Die Zentralstelle beschloss, 
dieser Anregung Folge zu geben. Den wichtigsten Punkt der 
Tagesordnung bildete die Stellungnahme der Zentrale gegen 
die Beschlüsse des Stadtverordnetenausschusses in Sachen der 
Dustbarkeitssteuer. Der Vorsitzende wandte sich in eingehenden 
Ausführungen gegen die Vorlage, deren Einführung er als 
eminent schädlich für die Entwicklung des Fremdenverkehrs 
bezeichnete. Man rede stets davon, dass die Steuer hauptsäch¬ 
lich die Fremden treffen werde und dass die Theaterdirektoren, 
die Gastwirte und die anderen Veranstalter von Lustbarkeiten 
die Steuer abwälzen würden. Das sei durchaus unzutreffend. 
Ein sehr grosser Prozentsatz von Fremden komme doch gar 
nicht zum Vergnügen, sondern aus geschäftlichen Gründen nach 
Berlin; überdies hätten diese Fremden zu ihrem grössten Teile 
mit einem beschränkten Etat zu rechnen, so dass sie keines¬ 
wegs ohne weiteres den Steueraufschlag tragen, sondern viel¬ 
mehr die billigeren Plätze als bisher nehmen würden. Der 
Redner empfiehlt schliesslich eine Resolution zur Annahme, 
die auf das nachdrücklichste gegen die von dem Stadtver- 
ordnetenausBChuss gefassten Beschlüsse protestiert. 

Die Fremdenstadt Dresden. In einer Vorstands¬ 
sitzung des Vereins zur Förderung Dresdens und des Fremden¬ 
verkehrs teilte der Vorsitzende Herr Rudolf Sendig mit, dass 
die Vereinigung der Dresdner Mitglieder des Internationalen 
Hotelbesitzer-Vereins beschlossen habe, während der Inter¬ 
nationalen Hygiene-Ausstellung nicht durch eine besondere Er¬ 
höhung der Preise den Ruf Dresdens als Fremdenstadt zu 
schädigen, sondern durch gute Bedienung dahin zu wirken, dass 
dieser Ruf gewahrt bleibe, (Anderen Ausstellungsstädten zur 
Nachahmung empfohlen! Die Red.) 


Eisenbahnwesen. 

Der neue Sommerfahrplan. Die soeben heraus¬ 
gekommenen amtlichen Entwürfe für den Sommerfahrplan 1911 
weisen eine Fülle von Verbesserungen und Neuerungen auf, 
wie das seit Jahren nicht der Fall gewesen ist. Wie die „Frankf. 
Ztg.“ mitteilt, steht an der Spitze die Schaffung der beschleu¬ 
nigten Schnellzüge Wiesbaden — Frankfurt - Berlin und um¬ 
gekehrt: Wiesbaden ab 7.30 Uhr vormittags. Kastei 7.40 Uhr, 
Frankfurt ab 8.20 Uhr, Bebra 10.50 Uhr, Berlin an 3 34 Uhr 
nachmittags. Für den Gegenzug 130 ist die Fahrzeit wie folgt 
festgesetzt: Berlin ab 1.45 Uhr nachmittags, Bebra 6.30 Uhr, 
Frankfurt 8.55 Uhr, Kastel-Mainz 9.34 Uhr, Wiesbaden 9.47 Uhr 
abends. Von Berliner Interessenten ist gewünscht worden, dass 
die Abfahrtzeit auf 2.15 Uhr festgesetzt werden solle, damit 
etwaige Börsenbesucher ihn noch benutzen könnten, die Ver¬ 
handlungen darüber schweben zurzeit noch. Beide Züge exi¬ 
stierten bisher als gewöhnliche D-Züge, verkehrten aber zwischen 
Wiesbaden und Frankfurt über Mainz-Hauptbahnhof, der Zeit¬ 
ersparnis wegen wurde die kürzere Taunusbahnstrecke gewählt. 
Zwischen Mannheim und Hamburg verkehren Über Frankfurt 
zwei neue beschleunigte Schnellzüge: Mannheim ab 9.58 Uhr 
abends, Frankfurt 11.24 Uhr, Hamburg an 8.20 Uhr vormittags, 
ferner Hamburg ab 9.05 Uhr abends, Frankfurt 5.42 Uhr vormittags, 
Mannheim 7.12 Uhr. Die Züge verkehren über Bebra und haben, 
ebenso wie die Berliner Züge nur erste und zweite Klasse. 
Zwischen Frankfurt und Leipzig werden zwei Eilzugspaare in 
D-Züge umgewandelt. Die D-Züge 97, Frankfurt ab 1.05 Uhr 
nachmittags, Leipzig an 8.08 Uhr abends und 98, Leipzig ab 
6.15 Uhr vormittags, Frankfurt an 1.24 Uhr nachmittags werden 
von bezw, nach Basel durchgeführt. Die ministerielle Genehmigung 
erhalten haben auch die beiden Bäderzüge zwischen Wiesbaden 
und Berlin über Homburg und Bad Nauheim. Schnellzug D 27 
verlässt Wiesbaden um 9.08 Uhr vormittags, Homburg 10.12 Uhr, 
Nauheim 10.55 Uhr, Berlin Potsdamer Bahnhof an 7.33 Uhr 
abends, ferner D 28 Berlin Potsdamer Bahnhof ab 8.15 Uhr 
vormittags, Nauheim 5.09 Uhr nachmittags, Homburg 5.54 Uhr, 
Wiesbaden 6.59 Uhr. Beide Züge haben in Nauheim guten 
Anschluss. Von Frankfurt geht D 27a um 9.59 Uhr vormittags 
ab und wird in Nauheim mit dem von Wiesbaden kommenden 
Zuge vereinigt, der Gegenzug von Berlin wird in Bad Nauheim 
geteilt, die eine Hälfte geht nach Wiesbaden, die andere als 
D 28a nach Frankfurt, wo er um 5.52 Uhr nachmittags eintrifft. 
Durch den Bäderzug geht zwischen Wiesbaden und Nauheim 
ein Eilzugspaar verloren, dafür verkehren die beiden zuschlags¬ 
pflichtigen Schnellzüge. Dem Zug Wiesbaden—Berlin D 127 
wird in Giessen ein direkter Wagen von Koblenz angehängt. 


der mit dem Schnellzug um 11.15 Uhr vormittags dort eintrifit. 
Damit sind die Wünsche der Lahnstädte nach besserer Ver¬ 
bindung mit Berlin erfüllt. Auch im Nahverkehr sind mancherlei 
Verbesserungen geschaffen. 

Billige Reisen Baden — Schweiz — Italien. Unter 
diesem Titel ist ein Prospekt erschienen, der eine Zusammen¬ 
stellung der im badisch-schweizerischen Verkehr bestehenden er- 
mässigten festen Rundreisekarten enthält. Diese Karten erfreuen 
sich durch die mannigfachen damit verbundenen Vorteile immer 
grösserer Beliebtheit. Vielen Italienreisenden werden die aus¬ 
führlichen Bestimmungen über die Fahrpreisermässigungen an¬ 
lässlich der italienischen Nationalfeier sehr erwünscht sein. 
Die ermässigten Fahrpreise von Chiasso nach Turin, Florenz 
und Rom sowie zwischen den für den Hauptverkehr in Italien 
in Betracht kommenden Stationen sind übersichtlich aufgeführt 
und die Höhe der Ermässigung durch ein Beispiel erläutert. 
Die Uebersendung dieses Prospektes nebst Broschüren Uber 
Uebergangsorte nach dem Süden und Frühjahrsstationen in 
Baden und dem badischen Schwarzwald erfolg^ auf Wunsch 
kostenlos durch die amtliche Auskunftsstelle der Grossherzogi. 
Badischen Staatseisenbahnen im Internationalen Öffentlichen 
Verkehrsbureau in Berlin, Unter den Linden 14. 

Vom grössten Bahnhof der Welt. 

Der Bau der Anlagen zum Zentralbahnhof in Leipzig ist 
jetzt so weit fortgeschritten, dass die Umrisse des gewaltigen 
Werkes, der Gebäude und Hallen, der umliegenden Strassen 
und Plätze deutlich erkennbar sind. Früher verzögerte die 
Schwierigkeit der Fundamentierung im verschlämmten Parten¬ 
tale sowie die Beseitigung uralter Bollwerke das Tempo. Das 
riesige Gebäude kann leider in dem für Leipzig bedeutungs¬ 
vollen Jahre 1913 (Völkerschlacht) nur zur Hälfte fertig sein. 
Gegenwärtig ist der linke Flügelbau in der Aussenarchitektur 
ziemlich vollendet. Das Lineament ist schlicht und ruhig. 
Schwere Lastzüge schleppen gewaltige Sandsteinquader von 
merkwürdig dunkler Farbe herbei. Diese Steine dienen rüstigen 
Arbeitern zur Auftürmung des imposanten Mittelbaus, der ein 
kuppelähnliches Dach empfängt. Die Fassade des Mitteltraktes 
ist in einer eleganten Bogenlinie nach dem Vorplatze aus¬ 
geschweift. Die Formensprache hat etwas Kühn-Emporstrebendes, 
ein Eindruck, der durch die schlanken, sämtliche Geschosse 
durchmessenden Pfeiler verstärkt wird. Eine technische Meister¬ 
leistung von seltener Grossartigkeit ist die ganz in Eisenbeton 
auszufUhrende Querhalle, von der die sechs aus Eisen kon¬ 
struierten Bahnsteig-Längshallen ausgehen. Zurzeit erregen die 
kolossalen Gerüste der Querhalle allgemeines Staunen. Von 
der Menge des dazu verwendeten Holzes kann man sich einen 
Begriff machen, wenn man vernimmt, dass die Linie der anein¬ 
ander gereihten Balken und Bretter, sowie der zahlreichen 
Stempelhölzer der Strecke Leipzig— Paris entsprechen würde. 
Die Querhalle überragt in monumentaler Majestät die vor¬ 
gelagerten Bahnhofsgebäude. Sie wird nach ihrer Vollendung 
mit ihren breitgespannten Gewölben an einen prangenden Dom 
erinnern. Von den sechs Längshallen, die auf riesigen Zement¬ 
sockeln ruhen, ist die zweite mittels eines fahrbaren Montier¬ 
gerüstes bereits in der Eisengliederung fertig, Eisenbahnzüge 
besorgen die bedeutende Zufuhr des zur Niveauerhöhung 
nötigen Erdmaterials. Besonders interessant ist der Einblick 
in die ausgedehnten Kelleranlagen, deren massive Decken gegen¬ 
wärtig noch von einem Walde von Stempelhölzern gestützt 
werden. Der Ausführungsplan brachte es mit sich, dass zuerst 
nur drei Eisenbetonbogen für die Längshallen errichtet werden 
konnten. Daher mussten die Ingenieure ein interimistisches 
Widerlager schaffen, von dem aus zahlreiche Eisenschienen 
dem Drucke der Riesenlast sich entgegenstemmen. Den künst¬ 
lichen Felsblock, bei späterer Erbauung der zweiten Bahnhofs¬ 
hälfte wieder zu beseitigen, das wird mit grossen Anstrengungen 
verbunden sein. Die Innenarchitektur des Bahnhofs soll in 
keiner Weise prunkvoll, aber im höchsten Sinne zweckent¬ 
sprechend nach Entwürfen moderner Raumkünstler ausgeführt 
werden. In den Mittelbau kommt ein von Lichtströmen durch¬ 
fluteter Speisesaal. Die Farbendekoration wird licht und heiter 
angelegt. Spezielle Sorgfalt verwenden die Architekten auf die 
Toiletten und Baderäume, die vorbildlich wirken sollen. Die 
seitens der Stadtverwaltung vorbereitete Umgestaltung der 
Promenaden-Anlagen, die den Bahnhofs-Vorplatz umgrenzen» 
erforderte leider die Opferung vieler älterer Bäume, namentlicli 
an der Verbreiterung der Goethestrasse und an der Stelle des 
einstweilen entfernten Harkortdenkmals. Die in Aussicht ge¬ 
nommene gärtnerische Neuausschmückung dieses Terrains soll 
die ankommenden Reisenden aufs angenehmste Überraschen, 
Sie soll den freundlich-anmutigen Charakter des weltberühmten 
Emporiums, den Schönheitssinn der Kunst- und Gelehrtenstadt 
zum würdigen Ausdruck bringen. 












m DEUTSCHLAND 




Wichtige Fahrplan-Aenderungen. 

(Mitgeteilt von der Königliohen Eisenbahn dir ektion Altona.) 


J \ ' 1. Die Yerbindnngen zwischen Altona-Hamburg und 

.. -Berl in werden vom 1. Mai d. Js. an durch zwei besonders 
' V Mhnellfahr D-Züge mit 1. und 2. Wagenklasse, die ohne 
. :Halt zwischen Hamburg und Berlin befördert werden sollen, 
• verbessert werden. Die Züge werden fahren: 

/ ■/. D 19 Altona.ab 6W> 

. Hamburg (Hauptbahnhof) . . . . „ Gio 

Berlin L.an 9« 


' D 20 Berlin L.ab 8^ 

Hamburg.an 12oo 

Altona.1218 

Der Zug D 19 nimmt in Altona-Hamburg Anschlüsse auf von 
Personenzügen aus Cuxhaven, Tondern und Kiel, sowie von 
dem ‘Eilzug 69 von Lübeck, ln Berlin erreicht er alle Züge 
nach Schlesien und dem Osten Deutschlands, an die jetzt 
der 17i Stunden vorher abfahrende Schnellzug D 7 Anschluß 
gew&hrt. 

Der Zug D 20 schließt in Berlin an die Züge D 2 von 
Künaberg und D56 von Posen. 

Beide Züge — D 19 und D 20 — sollen mit Speisewagen 
ausgerüstet werden. 

2. Der Zug D 7, Hamburg ab 488, wird vom 1. Juli bis 
16. September getrennt von dem Kieler Zugteil nach Berlin 
durohgeführt werden und in Berlin 887 ein treffen. 

3. Die Nachtverbindungen zwischen Hamburg 
und Leipzig werden von den Berliner Personenzügen 205 
und 206 losgelöst und durch besondere Schnellzüge 1.—3. Klasse 
über Uelzen vermittelt werden: 

D 181 Altona.ab 1136 

Hamburg.„ 12oo 

Magdeburg.an 3^ 

Leipzig.„ 560 

D 182 Leipzig.ab 1006 Im Plane des 

Stend^.an Uo / ^ 

Hamburg.„ gü ^ "“"**“ “** 

Altona.„ 561 


Die bisher über Wittenberge in den Zügen 205 und 206 
beförderten Schlaf- und Kurswagen zwischen Hamburg und 
Leipzig gehen auf die Züge D 181 und D 182 über. Der 
Zug D181 wird in Leipzig voraussichtlich Anschluß nach 
Dresden finden mit Ankunft gegen Uhr früh. Der Zug 
'D 182 fährt von Stendal bis Hamburg langsam ohne Halt 
auf den kleinen Stationen, damit er nicht zu noch früherer 
Morgenstunde in Hamburg eintrifft. Eine spätere Abfahrt 
des Zuges von Leipzig ist nicht angängig, weil der Zug 
D 162 wichtige Anschlüsse von Sachsen nach Mitteldeutsch¬ 
land vermittelt, die bei späterer Ablassung des Zuges nicht 
aufrecht zu erhalten wären. 

4. Die Verbindungen zwischen Altona-Hamburg und 
Süddeutschland werden durch zwei besonders schnell- 
Uizende, nur auf wenigen Stationen haltende Schnellzüge 
verbessert werden. 

Die neuen Züge werden die 1. und 2. Wagenklasse 
führen und mit Schlafwagen versehen werden. Sie werden 

&hren: 


Altona . 

... ab 

811 


Hamburg . 

. . . ,, 

8 ®® — 

906 

Lehrte . 

. . . ,, 

1118 — 

11*0 

Hannover . 


11»6 — 

1160 

Göttingen . 

. . . „ 

IW — 

112 

Bebra . 

. . ,, 

300 — 

306 

Elm. 


4*6 — 

4*9 

Offenbach. 


5*8 — 

5^ 

Frankfurt a. M. . . . 

. . . „ 

61* — 

5®2 

Mannheim . 

... an 

708 


Mannheim . 

... ab 

9®8 


Frankfurt a. M. . . . 

■ • * )) 

1110 — 

11*4 

Offenbaoh . 

,, 

1138 — 

1189 

Elm . 

• • • 11 

1268 — 

104 

Bebra . 

. . ,, 

2*6 — 

2*1 

Göttingen . 

. . . „ 

3®® — 

400 

Hannover . 

. . . „ 

51* — 

5®* 

Lehrte. 

. . . „ 

6®« — 

61* 

Hamburg . 

. . . „ 

8 ** — 

8*8 

Altona . 

. . . an 

8^1 



Hamburg.ab 7io 

Lübeck.„ 810 

Rostock.„ 1018 

Stralsund.an 11^ 


b Mannheim schließen sich die Züge an nach Karlsruhe— 
Stuttgart — Priedrichshafen und Straßburg. 
in mm erhalten die Züge Anschluß von und nach München. 


5. Eine weitere Verbesserung der Verbindungen von 
Süddeutschland nach Hamburg-Altona wird erreicht durch 
Herstellung eines Anschlusses in Frankfurt a. M. von dem 
Zuge D 11, der von Basel um 7®* abfahren und in Frank¬ 
furt a. M. 1288 eintreffen soll, an den Zug D 73, der von 
Frankfurt a. M. 7 Minuten später, also 12^7^ abgelassen werden 
wird. Es wird hierdurch eine neue Verbindung von der 
Schweiz und Oberitalien hergestellt werden mit Abfahrt von 
Mailand etwa 8f6 und von Luzern etwa 606. 

6. Die Verbindungen von London nach Hamburg 
werden dadurch erheblich verbessert werden, daß die jetzt 
durch den Zug D 93, Hamburg an 6^, hergestellte Verbindung 
vom 1. Mai d. Js. an durch den Zug D 97, der in Hamburg 2®i 
(19 Minuten später als jetzt) eintreffen soll, vermittelt werden 
wird. Der Zug D 97 wird in Münster über Vlissingen und 
in Osnabrück über Hoek van Holland Anschlüsse von London 
aufnehmen. Zu diesem Zwecke soll der jetzt an Zug D 93 
in Haltern anschließende Zug von Vlissingen früher gelegt, 
beschleunigt und bis Münster durohgeführt werden, und auf 
der Strecke Hoek van Holland—Osnabrück wird ein neuer 
Schnellzug eingelegt werden, üeber beide Linien ist die 
Beförderung von Kurswagen nach Hamburg-Altona in Aussicht 
genommen. Der mit dem Zuge D 97 von Hoek van Holland 
eintreffende Kurswagen soll mit dem Zuge D 94, Hamburg 
ab 2^, nach Amsterdam über Osnabrück—Rheine zurück¬ 
laufen und in Amsterdam etwa IQoo eintreffen. 

7. Der Lloyd-Expreß Altona-Hamburg — Grenua 
und zurück, Hamburg ab 7ii und an 488, war bisher — namentlich 
in der Zeit vom 1. Mai bis 30. November — außerordentlich 
schwach besetzt. Er soll deshalb künftig nur vom 1. Dezember 
bis 30. April j. Js. verkehren und wie folgt fahren: 

Altona . . ab lo» Genua . . ab 1®® 

Hamburg „ Luzern . . „ 11*® 

Luzern . . an 7®® am nuchaten Hamburg . an 5*8 ^ am nächaten 

Genua . . „ 4i® / Tage Altona . . „ 6®® / Tage 

Die Züge werden wie bisher über Bremen—Cöln—Wies¬ 
baden—Ludwigshafen—Mühlhausen geleitet werden. 

Zwischen Ludwigshafen und Mühlhausen wird der 
Lloyd-Expreß mit dem von und nach Berlin fahrenden 
Riviera-Expreß vereinigt werden. Hamburg wird hierdurch 
eine neue Luxuszug verbin düng' mit der Riviera über Beifort, 
Lyon, Marseille, Nizza und Monte-Carlo nach Ventimiglia 
erhalten. In Nizza trifft der Riviera-Expreß 6l®, in Ventimiglia 
82® ein. Er wird abfahren von Ventimiglia 8^*, von Nizza 10®®. 

Voraussichtlich werden zwischen Altona-Hamburg und 
Ventimiglia durchgehende Wagen laufen. 

8. Zur Verbesserung der Verbindungen zwischen 
Hamburg und Stralsund zum Anschluß an die Nachtzüge 
von und nach Schweden-Norwegen, Saßnitz ab 3^2 und 
Saßnitz an If®'werden am 1. Mai d. Js. die folgenden zwei 
neuen Züge eingelegt: 


Stralsund.ab 6i» 

Rostock. »6^® 

Lübeck.w 9®8 

Hamburg.an 9®8 


Die Reisedauer von H a mh urg na oh Saßnitz wird hier¬ 
durch von 8 Stunden 24 Minuten auf 6 Stunden 36 Minuten 
und die Reisedauer von Saßnitz nach Hamburg von 10 Stunden 
38 Minuten auf 6 Stunden 10 Minuten abgekürzt. 

9. Die diesjährigen Feriensonderzüge von Hamburg 
werden voraussichtlich an folgenden Tagen befördert: 

nach Berlin am 3. Juni, 13. Juli, 15. August 
„ Wien am 13. Juli 

„ Frankfurt a. M,, Basel am 1. Juli, 12. Juli, 14. Aug. 
„ München am 1. Juli, 12. Juli, 14. August 
„ Stuttgart am 12. Juli 
„ Cöln am 12. Juli 
„ Erfurt am 13. und 14. Juli 
„ dem Harz am 13. und 14. Juli 
„ Flensburg, Hoyerschleuse am 13. Juli. 

10. Die Husum-Amrumer D a mp f schiff ah rt A.-G. 
hat ihre Fahrten auf der Strecke Husum—Wittdün a. Amrum 
eingestellt. Reisende nach Amrum, Wyk a. Föhr und Sylt 
können daher nicht mehr über diesen Weg fahren. 

Die Wyk er Dampfschiffsreederei in Wyk a. Föhr 
führt in diesem Sommer direkte Fahrten mit einem neuen 
Motorschiff zwischen Wyk a. Föhr und Hörnum a. Sylt aus. 
Alle direkten Eisenbahn-Fahrkarten nach Wyk a. Föhr und 
Westerland a. Sylt gelten auch auf dieser neuen Linie. 

















































46 g oQOG i QQqeQQQOQQGQQQaxMjeQ^ DEUTSCHLAND ia eeeeeeeGe g3 C)o c€3 eee eoe e eeecB Nr. i 


Eine neue Lösung. Der Lloyd-Express hat, weil er 
Frankfurt umgeht, dort berechtigte Unruhe hervorgerufen. Jetzt 
ist auf Veranlassung der Eisenbahndirektion Frankfurt eine 
Kombination mit dem Riviera-Express erfolgt, die den Frank- 
fürter Interessen einigermassen gerecht wird. Es wird dar¬ 
über geschrieben: Ebenso wie der Riviera-Express verkehrt 
fortan auch der Lloyd-Express nur noch in den Wintermonaten. 
Der Riviera-Express erhält direkte Wagen nach Genua, so dass 
man in Zukunft in Frankfurt sowie Überall, wo der Riviera- 
Express hält, direkt den Wagen nach Genua besteigen kann. 
Der Lloyd-Express verkehrt weiter über Wiesbaden und Mainz 
und wird in Ludwigshafen mit dem von F'rankfurt kommenden 
Riviera-Express vereinigt und gemeinsam bis Mülhausen i. E. 
durchgefUhrt. Dort teilen sich die Züge wieder, eine Hälfte 
fährt durch Frankreich nach Ventimiglia, die andere durch die 
Schweiz nach Genua. Westfalen und Rheinland erhalten auf 
diese Weise, ebenso wie Wiesbaden und Mainz, direkte Riviera- 
Verbindungen und Frankfurt direkte Verbindung mit Genua. 
In der umgekehrten Fahrrichtung vollzieht sich die Sache in 
gleicher Weise. Im Sommer wird fortan, um den Wünschen 
Badens gerecht zu werden, ein sogenannter Gotthard-Express 
täglich gefahren, der von Berlin über Frankfurt und Karlsruhe 
durch die Schweiz bis Mailand und zurück verkehrt. 

Neuer Anschluss an die Verbindung Vlissingen — 
London. Im Anschluss an den Tagesdienst der Route 
Vlissingen—Queenboro—London (Abfahrt Vlissingen 10.55 'vor¬ 
mittags, Ankunft London Victoria Station 7.33 nachmittags) ist 
seit kurzem ein direkter Schnellzug ab London Victoria Station 
für Reisende nach der Richtung Leamington, Birmingham und 
Wolverhampton eingelegt worden. Da im Anschluss an die 
Vlissinger Tagesdampfer direkte Korridorwagen erster und 
zweiter Klasse nach und von Berlin, Hannover, Hamburg, 
Bremen, Wien, Dresden, München, Nürnberg, Frankfurt a. M. 
und Köln sowie Schlafwagen zwischen Berlin—Hamburg — 
Dresden über Nürnberg —Vlissingen verkehren, ist durch die 
Einlegung des neuen Schnellzuges eine wertvolle Verbindung 
zwischen den meisten bedeutenderen Plätzen und Leamington, 
Birmingham und Wolverhampton über Vlissingen -Queenboro — 
London hergestellt. 


Schiffahrt. 

Dresden—Sächsische Schweiz. Mit dem 18. März 
haben die regelmässigen Passagier - Dampferfahrten auf der 
ganzen Elbstrecke Leitmeritz—Sächsische Schweiz —Dresden- 
Meissen—Mühlberg begonnen. Der Jahreszeit entsprechend, 
sieht der Fahrplan zunächst eine geringe Anzahl Fahrten vor; 
doch schon seit dem 16. April haben weitere Dampfer den 
Dienst versehen mit Rücksicht auf den Osterverkehr, der bekannt¬ 
lich in der Sächsischen Schweiz verhältnismässig rege ist. 
Am I. April wurde der Betrieb der elektrischen Strassenbahn 
von Schandau nach dem Lichtenhainer Wasserfall eröffnet. 
Da die Sächsische Schweiz im April besonders stark besucht 
wird, dürfte diese Mitteilung allgemein interessieren, um so 
mehr, als die meisten Touristen auf dem Wege von 
Schandau nach dem Kuhstall, Gr. Winterberg, Prebischtor usw. 
dieses Verkehrsmittel benutzen. Interessenten steht auf Wunsch 
für das gesamte Gebiet ein kostenloser Führer zur Verfügung, 
der durch die amtliche Auskunftstelle der Königl. Sächsischen 
Staatsbahnen im Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in 
Berlin, Unter den Linden 14, zu beziehen ist. 

Die bedeutenden englisch-deutschen Verkehrs¬ 
verbesserungen und dieHoek van Holland — Har- 
wich-Route. Der von der Hamburger Handelskammer sehn- 
lichst erwünschte Anschluss von London an Zug D 97 (Hamburg 
H.-B. an 2.28 nachm.) ist vom i. Mai d. Js. ab nunmehr 
vollendete Tatsache. Die Abfahrt von London (Liverpool 
Street Station) erfolgt wie bisher um 8.30 nachm. - eine für die¬ 
jenigen Reisenden, welche im Restaurationswagen zwischen 
London und Harwich am Table d'höte teilnehmen wollen, 
höchst bequeme Zeit - Hoek van Holland an 5.20 vorm. (Amster¬ 
damer Zeit), Hoek van Holland ab 5.37 vorm., Bremen an 1.08 
nachm, (anstatt 3.20 nachm.), Hamburg H.-B. an 2.47 nachm, 
(anstatt 5.04 nachm.). Die Neueinrichtung im Verkehr London- 
Hoek van Holland -Hamburg hat auch auf den Berliner Verkehr 
ausgedehnt werden können, indem die Ankunft in Hannover i./t5 
nachm, (anstatt 3.05 nachm.) und in Berlin Fr.-Str. 5.20 nachm, 
(anstatt 6.51 nachm.) erfolgt. Weiter ist der Einstellung von Kurs¬ 
wagen Hoek van Holland-Hamburg zugestimmt worden; be¬ 
kanntlich verkehren solche zwischen Hoek van Holland - Berlin 
seit vielen Jahren. Eine um zirka 2 Stunden geplante Verbesse¬ 
rung nach Leipzig und Dresden konnte wegen der dadurch 
bedingten Zugverschiebungen vorläufig nicht zur Ausführung 
kommen. Die abgekürzten Fahrzeiten nach Norddeutschland 


werden hauptsächlich auf der 260 Kilometer langen Strecke der 
Holländischen Eisenbahn zwischen Hoek van Holland—Salz¬ 
bergen erzielt, so dass es möglich ist, die den Reisenden ge¬ 
währte bequeme Nachtruhe unverkürzt zu belassen. Um dieses 
auch weiterhin ermöglichen zu können, haben die in Frage 
kommenden Verwaltungen einen Antrag bezüglich Früherlegung 
des jetzt um 5.35 vorm, von Hoek van Holland abgehenden 
Zuges nach Süddeutschland um 60—70 Minuten im Interesse 
des Publikums wenigstens für die kommende Sommerfahrplan¬ 
periode abgelehnt, da dieses das frühere Anbringen des An¬ 
schlussdampfers in Hoek van Holland und demgemäss eine 
entsprechende Verkürzung der Nachtruhe bedingen würde. Sollte 
es sich jedoch später heraussteilen, dass eine Beschleunigung 
des Hoek van Holland-Zuges nach Süddeutschland im Interesse 
des Publikums wünschenswert erscheint, so wird die An¬ 
gelegenheit genau zu prüfen sein. Ausser den direkten Kurs¬ 
wagen nach Hamburg und Berlin führt der norddeutsche Zug 
als Neueinrichtung direkte Wagen zwischen Hoek van Holland 
und Halle über Löhne Hildesheim—Hameln -Goslar—Halber¬ 
stadt, wodurch eine ausgezeichnete neue Verbindung mit dem 
Harz geschaffen wird. Was den süddeutschen Verkehr anbelangt, 
bleibt die Ankunft in Köln mit Zug D 164 unverändert; dagegen 
erfolgt die Ankunft in Frankfurt, über Mainz, um 3.09 nachm, (anstatt 
3.29 nachm.). Auch werden neue Kurswagen zwischen Hoek 
van Holland—Schwerte Über Düsseldorf—Elberfeld — Hagen und 
Hoek van Holland—Bad Nauheim über Mainz—Wiesbaden— 
Homburg v. d. H. eingestellt. Im übrigen wird erwähnt, dass 
die Aenderungen im englisch-deutschen Verkehr nur als Pro¬ 
visorium zu betrachten sind. 


Luftschiffahrt. 

Das Luftschiff „Ersatz Deutschland", 

das seit Mitte April in der städtischen Luftschiffhalle zu 
Düsseldorf stationiert ist, zeichnet sich vor allem durch 
die ganz erhebliche Verringerung des Konstruktionsgewichts 
aus, die nicht nur gestattet, mehr Benzin und Ballast 
mitzunehmen und dadurch dem Führer des Schiffes bei 
etwaigen unvorhergesehenen Witterungseinflüssen in der Fahrt¬ 
bestimmung eine freiere Hand zu geben, sondern die auch 
die Mitnahme von vier weiteren Passagieren ermöglicht 
und damit die Rentabilität des Verkehrsmittels erhöht. Dabei 
ist mit peinlicher Sicherheit darauf Bedacht genommen, dass 
die Stabilität des Luftschiffes, die Betriebssicherheit, durch die 
Verfeinerung der Konstruktionen nicht gefährdet ist. Als eine 
Lehre von Baden-Baden ist durch eine Über die ganze Gondel 
weg unten am Luftschiff angebrachte Aluminiumabdeckung 
einer Entzündung der Aussenhaut und der Gaszellen von der 
Gondel aus vorgebeugt worden. Der Stahlbandantrieb, der 
noch bei L Z VI vom vorderen Motor zu den Luftschrauben 
führte und der infolge geringerer Reibung eine grössere Kraft¬ 
entfaltung und ein ruhigeres Fahren ermöglichte, hat der 
betriebssicheren Kurbelübertragung weichen müssen. Die vorderen 
zweiflügeligen, hinten vierflügeligen grossen Luftschrauben sind 
anders gelagert worden. Monatelang sind in einer besonderen 
Abteilung der Luftschiffwerft die verschiedenen Propellerarten 
auf ihre Wirksamkeit und Haltbarkeit ausprobiert worden. Die 
Motorenstärke ist gleich 450 Pferdekräften. Vorn wirkt eine 
Maschine auf beide Schrauben, in der hinteren Gondel treibt 
je ein Daimlermotor die vierflügeligen Propeller. Die Aus¬ 
messungen sind: 146 m in der Länge, 14 m in der Breite. Die 
Gashüllen werden von 18 Zellen aufgenommen. Die Höhen¬ 
steuerung, die sich immer bewährt hat, ist dieselbe geblieben. 

Die Schäden, die das Luftschiff am 14. April beim Heraus¬ 
bringen aus der Halle erlitten hat, sind inzwischen beseitigt 
worden. Bis zum 15. Juli werden bei günstiger Witterung 
täglich Passagierfahrten von Düsseldorf aus unter¬ 
nommen. Anmeldungen für diese Fahrten sind an die Hamburg- 
Amerika-Linie in Düsseldorf zu richten. 

Ueberlandflug Berlin — Hamburg. Der erste grosse 
deutsche Ueberlandflug wurde am 28. März ausgeführt. Um 
6' o Uhr traf auf dem Wandsbecker Exerzierplatz bei Hamburg 
ein Farman-Zweidecker ein. Es befanden sich in ihm als 
Führer der Oberleutnant Erler von den Verkehrstruppen und 
als Passagier der Leutnant Mackenthut vom Infanterie-Regiment 
Nr. 144 in Metz. Die beiden Offiziere waren um « Uhr mittags 
auf dem Flugplatz Johannisthal aufgestiegen und, abgesehen 
von einer Zwischenlandung von xo Minuten Dauer in Ludwigs¬ 
lust, ununterbrochen in der Luft gewesen. Die Landung er¬ 
folgte glatt und ohne jade Hilfeleistung, da der Flug nicht 
angekündigt worden war. Die Luftlinie Berlin—Hamburg beträgt 
40 Kilometer. 



.^^#v^% B 9 0QOQQOQOQGOOOOOQ3Q 9999e DEUTSCHLAND 


47 


„Kathreiner-Preis“ München — Berlin. Der 
Iig' ^r^ren Jahre von der Firma Kathreiners Malzkaffee-Fabriken 
'/«DsiSesetste Preis von 50000 Mark für denjenigen deutschen 
' -.lüteger, der auf einem in Deutschland erbauten Flugzeug den 
'. Weg München—Berlin durch die Luft zurücklegt, ist soeben neu 
äniigeschirieben worden. Efie sportliche Leitung, zugleich auch 
. das Preisgericht, besteht aus dem Vorsitzenden Prinz Georg von 
'Bayern und den Mitgliedern Kommerzienrat Aust in Firma 
KathreinerB Malzkaffee - Fabriken, Graf Bopp von Oberstadt, 
Prlsident des Kgl. Bayerischen Automobil-Klubs, Graf Boos- 
- Waldeck, Intendanturrat Schädl, Mitglied der Kommission für 
‘Loftschiffahrt des Kgl. Bayerischen Automobil-Klubs, und Haupt- 
ma^ a. D. Bndres, Generalsekretär des Kgl. Bayerischen Auto¬ 
mobil-Klubs. Nach den vom KgL Bayerischen Automobil-Klub, 
Abt für Luftschiffahrt, München, Briennerstr. 5, zu beziehenden 
Bewerbungabedingungen, die vom Deutschen Luftschiffer-Ver- 
' band genehmigt wurden, muss der Weg München—Berlin inner¬ 
halb 36 Stunden zurückgelegt werden, wobei je eine Zwischen¬ 
landung in Nürnberg und Leipzig und eine dritte an einem vom 
.l^eger zu wählenden Ort gestattet ist Die Flüge müssen in 
der Zeit zwischen dem i. Mai und 30. November stattünden. 

Der Plug nach Amerika auf den Herbst ver¬ 
schoben. Brückers transatlantische Flugexpedition mit dem 
Luftschiff Suchard, die für April in Aussicht genommen war, 
ist bis zum Spätherbst verschoben worden, obwohl alle Vor¬ 
bereitungen im grossen und ganzen zum Abschluss gebracht 
waren. Das Ausprobieren der notwendig gewordenen Um¬ 
änderungen an den maschinellen Anlagen erfordert aber so 
viel Zeit, dass der Flug vor dem Auftreten der tropischen 
Stürme in Westindien nicht mehr stattfinden kann. Nach der 
Ausführung der Probeflüge in Kiel wird das Luftschiff für die 
Reise nach den Azoren bereitgestellt werden. 

Für den südwestdeutschen Ueberlandflug, der 
unter dem Protektorat des Prinzen Heinrich von Preussen in 
diesem Jahr veranstaltet werden soll, haben Karlsruhe und 
Mannheim je 10000 Mk. gestiftet. 


Verband rheinisch-westfälischer Theaterleiter. 

Auf Einladung des Direktors*des Düsseldorfer Stadttheaters 
Herrn Ludwig Zimmermann fand im Foyer des Düsseldorfer 
Stadttheaters eine Besprechung von Leitern der meisten Stadt¬ 
theater in Rheinland und Westfalen statt, die zur Gründung 
eines „Verbandes rheinisch - westfälischer Theaterleiter“ führte. 
Der Verband bezweckt im Anschluss an die Bestrebungen des 
Deutschen Bühnenvereins, dem die Mehrheit der Stadt- und 
Hoftheater Deutschlands, sowie einige Privattheater angehören, 
die gegenseitige Unterstützung in künstlerischen und wirtschaft¬ 
lichen Fragen und soll in regelmässigen Zusammenkünften Ge¬ 
legenheit zur Aussprache und gemeinsamen Massnahmen bieten. 
Der Verband hofft unter anderem durch gemeinschaftliche Ver¬ 
handlungen mit Gästen und Autoren bezw. deren Vertretern Vor- 
teUe für seine Mitglieder zu erzielen. Von weitschauenden, gross¬ 
zügigen Unternehmungen wird die Gründung einer Verbands- 
Chorschule ins Auge gefasst. Als erster Vorsitzender wurde 
Geheimrat Max Martersteig (Köln), als zweiter Vorsitzender und 
Stellvertreter Direktor Ludwig Zimmermann (Düsseldorf), als 
Schriftführer und Kassierer Direktor Karl Ludwig Schröder 
(Koblenz) gewählt. 

Wagner-Konzert in Mannheim. Samstag, den 6. Mai 
findet im Nibelungensaal des Rosengartens in Mannheim ein grosses 
Wagner-Konzert statt, das Siegfried Wagner per- 
sönlich dirigieren wird. Zur Ausführung gelangen Kom¬ 
positionen des Dirigenten und seines Vaters Richard Wagner. 
Das Mannheimer Hoftheaterorchester wird durch das Heidel¬ 
berger Stadtorchester auf etwa 100 Musiker verstärkt. Als 
Solisten wirken Frau Hafgren-Waag und Herr Vögel¬ 
st r o m mit. Das Konzert wird zweifellos weit über Mannheims 
Umgebung hinaus eine grosse Anziehungskraft auf das musik¬ 
liebende Publikum ausüben. Nähere Auskunft erteilt das Ver¬ 
kehrsbureau in Mannheim. 

Deutsches Sängerfest. Der Haupt-Ausschuss des 
Deutschen Sängerfestes hat beschlossen, das Fest vom 27. bis 
31. Juli 1912 in Nürnberg stattfinden zu lassen. 


Ein deutscher Ueberlandflug. Der looooo-Mark- 
Preis für den gescheiterten Flug Paris—Berlin wird jetzt dem 
Verein deutscher Flug^echniker zur Veranstaltung eines deutschen 
• Ueberlandfluges übergeben werden. Es soll ein Rundfiug deutscher 
Flieger auf deutschem Boden werden, der in Berlin beginnen 
und in Berlin enden wird. Bei der Festlegung der Strecke sollen 
vom Verein deutscher Flugtechniker diejenigen Städte berück¬ 
sichtigt werden, mit denen bereits Verhandlungen eingeleitet 
worden sind, darunter Aachen, Düsseldorf, Köln, Münster 
Dessau, Bremen, Hamburg, Magdeburg. 

Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

Das Programm des zweiten Leipziger Bachfestes, 
das vom 20. bis 22. Mai 1911 stattfindet, wird, eingerahmt von zwei 
Kantatenabenden, als Hauptwerk die Johannispassion verzeichnen. 
Das Fest wird, wie üblich, durch eine Festmotette des Thomaner¬ 
chors unter Leitung seines Kantors, Professor Dr. Gustav Schreck, 
eingeleitet, Sonntagvormittag wird in der Thomaskirche ein musi- 
lEillisch reich ausgestatteter Festgottesdienst abgehalten werden. 

II Die Kaiser-Vorstellungen in Wiesbaden, die 
am zo. und 13. Mai im dortigen Hoftheater stattfinden, bringen 
f ala Neueinstudierung „Die Stumme von Portici“ mit Fräulein 
Hempel als Elvira und Herrn Jadlowker, dem neuengagierten 
Tenor der Kgl. Oper, als Masaniello. Generalintendant Graf 
HQlsen-Häseler begibt sich in diesen Tagen nach Wiesbaden, 
um die Neuinszenierung persönlich zu leiten. 

T- Die Opernfestspiele in Köln. Die Kölner Festspiele 
Im Kölner Opemhause beg^innen am ix. Juni mit einer Tristan- 
'AuffÜhrung, die von Generalmusikdirektor Max Schillings 
geleitet werden soll. Es schliessen sich daran die beiden Auf¬ 
führungen des „Rosenkavaliers“, am 17. und 18. Juni, beide 
unter Leitung des Komponisten Dr. Richard Strauss, der 
bei dieser Gelegenheit seine Oper zum ersten Male selbst 
dirigiert. Am 2Z. Juni gehen unter 0 1 1 o Lohse die „Meister¬ 
singer“ in Szene; am 25. Juni findet das Gastspiel des Brüsseler 
'Tiieaters de la Monnaie statt, die „Carmen“-Aufführung 
in französischer Sprache, unter der musikalischen Leitung von 
Sylvani Dupuis. Dann folgt als letzte Vorstellung, am 29. Juni, 
V durch ein Wiener Operettenensemble dargestellt, die 
«•Fledermaus“! von Lohse dirigiert Die Regie ist Professor 
Kt Fuchs (München), Merle-Forest (Brüssel) und Direktor Reiner 
. Simons (WieJk) übertragen. 


Festspiele in Bayern. Seit einer Reibe von Jahren 
finden in Bayern regelmässig Aufführungen von Festspielen 
statt, die nur wenig bekannt sind, die aber mit Rücksicht auf 
ihre Eigenart allgemeines Interesse verdienen. Es sind dies 
vornehmlich Darstellungen geschichtlicher Begebenheiten, die 
von den Bewohnern der in Frage kommenden Orte auf histo¬ 
rischem Boden vorgeführt werden und die schon wegen ihrer 
ungemein malerischen Wirkung einen Besuch reichlich lohnen. 
Zudem sind diese Städte reich an hervorragenden baulichen 
Sehenswürdigkeiten. In diesem Jahre sind u. a. nachstehende 
Vorführungen dieser Art in Aussicht genommen: „Das Drachen¬ 
stichfest“ in Furth i. Wald am 13. August; „Der Meistertrunk“ in 
Rothenbur g o. T. am 5. Juni; „Die Kinderzeche“ in Dinke 1 s- 
bühl am 17. Juli; „Die Landshuter Hochzeit“ in Landshut am 
9. Juli; „Kunigunde, Freiin von Rieneck, das Schlüsselfräulein 
auf dem Schlosse zu Gemünden“ in Gemünden am 4. und 
5. Juni, 16. und 23. Juli, sowie am 13. und 20. August. Nähere 
Auskünfte und Programme, soweit solche bis jetzt fertig¬ 
gestellt sind, bereitwilligst kostenlos durch die Amtliche Aus¬ 
kunftstelle der KÖnigl. Bayerischen Staatseisenbahnen im Inter¬ 
nationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin, Unter den 
Linden 14. 

Vom Rheinischen Sängerbundesfest. Die am 
19. V. M. stattgehabte Delcgiertenversammlung des Rheinischen 
Sängerbundes, die von Vertretern von 85 rheinischen Gesang¬ 
vereinen besucht war, galt in der Hauptsache der Besprechung 
über das in den ersten Julitagen stattfindende erste Rheinische 
Sängerbundesfest, das nach einem Vortrag des Bundesschrift¬ 
führers Liebenstund einen Einnahme- und Ausgabeetat von 
75000 Mark vorsieht. Die Stadt hat durch Stadtverordneten¬ 
beschluss einen Betrag von 30 000 Mark gestiftet und sich weiter¬ 
hin bereit erklärt, einen Festplatz von 31000 qm und den grossen 
Gürzenichsaal kostenlos zur Verfügung zu stellen. Heute haben 
bereits 4000 Sänger ihre aktive Beteiligung zugesagt, so dass 
voraussichtlich der Rheinische Sängerbund in einer Chorstärke 
von etwa 7000 Sängern auftreten dürfte. Den orchestralen Teil 
hat das städtische Orchester übernommen; Generalmusikdirektor 
Steinbach wird einleitend selbst das Vorspiel aus den Meister¬ 
singern dirigieren. Mit dem Bau der Festhalle wird in der 
nächsten Zeit begonnen werden. Ein Vorschlag des Bundes¬ 
vorstandes, zu den Generalproben des Rheinischen Sängerbundes 
den Schulkindern unter Begleitung ihrer Lehrpersonen Eintritt 
zu verschaffen, fand den allseitigen Beifall der Delegiertenver¬ 
sammlung. Grossen Beifall löste eine Mitteilung des Bundes¬ 
vorstandsmitgliedes, des Herrn Justizrat Meyer (Bonn) aus, der 
eine Unterhaltung mit dem Protel^tor des Bundesfestes, des 
Ministers Freiherm v. Schorlemer-Lieser, über die Feier hatte 



48 DEUTSCHLAND is Dooooeooeeeeeeooooeeoee e» Nr. i 


und der auf die Einladung zur Teilnahme an dem Feste erwiderte,^ Linienschiff „Westfalen** für die Offiziersmesse stiften will, vor« 
dass er sich darauf freue, mit Rheinlands Sängern zusammen-^ läufig aber dem Verbände zu Ausstellungszwecken Obergab. 


zukommen; man dürfe bestimmt auf sein Erscheinen rechnen.V 
Herr v. Othegraven quittierte über das Vertrauen, das ihm von 1 ! 
der gesamten Sängerschar bei der erneuten Uebernahme des 
Präsidiums dargebracht wurde. Zwei Mitglieder des Beirats, die > 
Herren Justizrat Meyer (Bonn) und Lehmann (Krefeld), die durch 
das Los ausschieden, wurden wieder- und der verdiente Vize¬ 
präsident des Kölner Männer-Gesang-Vereins, Herr Wilfert, 
neugewählt 

Internationaler Armee - Gepäck - Wettmarsch. 
Der Dresdner Fussballklub 1893 veranstaltet anlässlich der Inter¬ 
nationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 am 7. Mai einen 
internationalen Armee - Gepäck - Wettmarsch. Interessenten er¬ 
halten Ausschreibungen durch die Geschäftsstelle des Inter¬ 
nationalen Armee - Gepäck - Wettmarsches, Dresden-A., Kiel- 
mannseggstrasse 4. 

Insel Rügen. Wie aus Binz mitgeteilt wird, finden 
im April in der Sassnitz-Binzer-Bucht wieder grössere mehr- 
wöchentliche Gefechtsübungen, auch Nachtmanöver, der deutschen 
Kriegsflotte statt. Von der gesamten Ostküste Rügens werden 
diese herrlichen Schauspiele gut beobachtet werden können. 
Voraussichtlich finden auch Unterseebootsübungen und Landungs¬ 
manöver statt. Schon seit Jahren werden unsere Rügenschen 
Gewässer mit Vorliebe zu Flottenübungen benutzt. 

Der vierte internationale Kongress für Touristik 
wird in diesem Jahre vom 12. bis 19. Mai unter dem Vorsitz des 
Ministers des Aeussern Bernardino Machado in Lissabon tagen. 
Zur Beratung stehen u. a. folgende Punkte: Verkehrs- und Trans¬ 
portmittel, Hotels, Verkehrs- und Propagandavereine, Wander¬ 
wesen und Erholungsaufenthalt, Publizistik. Die portugiesischen 
Eisenbahnen werden den Kongressteilnehmern Freikarten mit 
ax tägiger Gültigkeitsdauer, die ausländischen Eisenbahnen Preis- 
ermässigungen von 50 bis 75 v. H. gewähren. Zu Ehren der 
Teilnehmer werden die portugiesische Regierung und das Organi¬ 
sationskomitee Festlichkeiten veranstalten. 


Ausstellungen. 

Gewerbe-, Industrie- und Kunstausstellung in 
Krefeld. Die Vorarbeiten für die von der Handwerkskammer 
zu Düsseldorf Abteilung VI für den Niederrhein im Mai und 
Juni projektierte Gewerbe-, Industrie- und Kunstausstellung 
schreiten rüstig fort. Die Anmeldungen aus den interessierten 
Kreisen sind äusserst zahlreich erfolgt, so dass die Ausstellung 
bei ihrer Eröffnung am 24. Mai ein vollkommenes und präch¬ 
tiges Bild des modernen gewerblichen Lebens am linken Nieder¬ 
rhein bieten wird. Das Protektorat hat Staatsminister Freiherr 
von Rheinbaben, Oberpräsident der Rheinprovinz, und den Ehren¬ 
vorsitz Regierungspräsident Geh. Oberregierungsrat Dr. Kruse 
zu Düsseldorf übernommen. Das Ausstellungsgelände liegt an 
der östlichen Seite der Stadt am Sprödental und ist mit der 
Strassenbahn über die Uerdingerstrasse (Strecke Krefeld-Uer¬ 
dingen und Krefeld-Tiergarten, sowie Krefeld-Hafen) leicht zu 
erreichen. Der ganze eingefriedigte Platz umfasst etwa xoo 000 
Quadratmeter. Täglich sollen grosse Doppelkonzerte und gross¬ 
artige Beleuchtungen stattfinden. Der Vergnügungspark umfasst 
allein 28 000 Quadratmeter. Hervorragende Schausteller sind 
dafür verpflichtet und Aufstiege sowie Passagierfahrten des 
Luftschiffes „Ruthenberg“ sind in Aussicht genommen. 

Deutsche Kunstwerke für Chile. Für die staatlichen 
Museen von Chile hat die dortige Ankaufskommission auf der 
Internationalen Kunstausstellung in Santiago de Chile drei 
deutsche Bilder erworben. Es ist ein Bild von Prof. Hans 
Looschen in Berlin, ein Picknick von Prof. Dr. Ludwig Dett- 
mann in Königsberg, eine Madonna von Prof. Walter Firle in 
München. Die drei Werke sind für das neuerbaute staatliche 
Museum in Santiago bestimmt. 

Auf der internationalen Ausstellung für 
Reise- und Fremdenverkehr in Berlin hat Westfalen 
eine 24 Quadratmeter grosse Wandfläche und eine 9 Quadrat¬ 
meter grosse Tischfläche belegt. Die Vorarbeiten und die 
Ausführung lag in den Händen des geschäftsführenden 
Vorstandes des Verbandes in Dortmund. In der Mitte 
der Ausstellungswand befindet sich das durch Ausstellung 
schon bekannte Bild des Herrn Theodor Heunschild, welches 
in entgegenkommender Weise dem Verbände zu Aus¬ 
stellungszwecken überlassen wurde, darstellend einen Vorgang 
bei der Stahlgewinnung im Stahlwerk Hösch. Unter diesem 
Bilde sieht man ein dreiteiliges Gemälde: die Hauptsehens¬ 
würdigkeiten von Münster, das der Magistrat in Münster dem 


Als Seitenstücke zu diesen beiden Gemälden hat der Verband 
zwei 3 Meter lange und 1,70 Meter hohe Gemälde aus schönen 
Gegenden Westfalens herstellen lassen, und zwar eine Schnee¬ 
landschaft, in dessen Mittelpunkt Arnsberg liegt, und eine 
Sommerlandschaft, darstellend den Blick von Grundschöttel auf 
das Hohensyburg-Denkmal, also eine typische Westfalen¬ 
landschaft. Als Fries gedacht, ist dann die untere Fläche in 
der Verlängerung des Münsterschen Bildes an beiden Seiten in 
I Meter Höhe unter die Mitglieder des Verbandes der Verkehrs- 
Vereine Westfalens und angrenzender Gebiete abvermietet, um 
das Interesse des einzelnen an der Gesamtausstellung zu 
steigern und die nicht unerheblichen Kosten an Platzgeld, Ver¬ 
sicherungen usw. aufzubringen. Diese Summen hätten aber 
nicht ausgereicht, die Ausstellung in der beschriebenen Weise 
zu vollenden, wenn nicht der Landeshauptmann von Westfalen 
in Anbetracht des guten Zweckes der Ausstellung 1000 Mk. dem 
Vorstande des Verbandes zur Verfügung gestellt hätte. Das 
Ausland hat sich in hervorragender Weise an der Ausstellung 
beteiligt, doch kann hierneben auch die Ausstellung der deutschen 
Verkehrs-Vereine bestehen. Ihr Zweck ist ja, hauptsächlich auf 
die Vorzüge und Sehenswürdigkeiten aller für den Verkehr 
in Frage kommenden Reiseziele Deutschlands aufmerksam zu 
machen. Es kann nur jedem, der in Berlin geschäftlich zu tun 
hat in der Zeit vom i. April bis 20. Juni, angeraten werden, 
genannte Ausstellung in den Ausstellungshallen des Zoologischen 
Gartens in der Hardenbergstrasse zu besichtigen, vor allem die 
Westfalen, die durch genannte Verbandsausstellung die schönsten 
Punkte ihrer Provinz dort wiederfinden werden. 


Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911. 

Seuchenbekämpfung u n d H y gi e n e-A u s s tellung. 
In unseren Tagen, wo im fernen Ostasien die Pest wütet, wird 
in weiten Kreisen die Frage diskutiert, ob wohl die Gefahr 
der Einschleppung der fürchterlichen Seuche besteht. Die Frage 
hat zweifellos ihre Berechtigung. Bei der Lebhaftigkeit des 
Verkehrs, der sich dank der Vollkommenheit seiner Mittel Über 
die ganze bewohnte Erde erstreckt und weder Hindernisse noch 
Entfernungen kennt, ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung 
solcher ansteckenden Volkskrankheiten sicherlich nicht gering. 
Glücklicherweise ist aber die Wissenschaft in den letzten Jahren 
so weit fortgeschritten, dass wenigstens in Kulturstaaten die 
Menschen nichts zu fürchten haben. Vereinzelte Fälle freilich 
werden gelegentlich auch dort einmal Vorkommen. Aus solchen 
sporadischen Erkrankungen können sich indessen keine Epidemien 
entwickeln, dafür sorgen die Massnahmen der fast bei allen Kultur- 
nationen bewundernswert entwickelten staatlichen Seuchen¬ 
bekämpfung. Die Sicherheit, die sie bieten, ist um so g^rösser, 
je tiefer die Wissenschaft in das Wesen der Krankheiten und 
ihrer Verbreitungsart eindringt, sodann aber auch, je mehr Ver¬ 
ständnis die Bevölkerung eines Landes der behördlichen Für¬ 
sorge entgegenbringt. Es gehört freilich ein ziemlich hoher 
Grad von allgemeiner Volksbildung dazu, wenn die Maas¬ 
nahmen der Seuchenbekämpfung sinngemäss zur Durchführung 
kommen sollen; bringen sie doch für den einzelnen wie fUr 
die Gesamtheit oft grosse Unzuträglichkeiten. Es kann deshalb 
auf diesem Gebiet nicht genug Aufklärung verbreitet werden. 
Die Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 will sich 
nun dieser wichtigen und auch dankbaren Aufgabe unterziehen. 
Das soll nicht in Form trockener Belehrung, sondern an der 
Hand eines eindrucksvollen Anschauungsmaterials geschehen, 
wie es die Welt in dieser Vollständigkeit und Vielseitigkeit 
noch nicht gesehen hat. 

Turnen auf der Internationa len Hygiene-Au«- 
Stellung. Das Turnen nimmt in dem Programm der Leibes¬ 
übungen auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden igii 
einen bedeutenden Platz ein. Die Ausstellungsleitung hat keine 
Kosten und Mühe gescheut, um den Wünschen der Turner¬ 
schaft gerecht zu werden. Es wird durch die bekannte Firma 
Christoph & Unmak in Niesky eine Musterturnhalle mit voll¬ 
ständig gebrauchsfähiger Einrichtung hergestellt werden. Dazu 
kommt noch ein besonderer Geräteraum, der als eine vorteil¬ 
hafte Ergänzung der Sonderausstellung der Turnerschaft an¬ 
gesehen werden kann. Ferner wird ein idealer Tumhof in der 
Grösse von 50 auf 25 Meter angelegt Auf dem Tumprogramm 
stehen folgende Veranstaltungen: Am ii. Juni Frauenturnen 
vom Gau 21, am 18. Juni Wetturnen sächsischer Vorturner, am 
24. September Frauenmassenturnen und am i. Oktober: Wett¬ 
turnen der deutschen Turnerschaft. Das Vereinsturnen, daa 
am gleichen Tage stattfindet, ist eine Neuerung, von der man 
sich viel verspricht, da nach Möglichkeit die besten Tumef aus 
allen Vereinen herangezogen werden sollen. 





DEUTSCHLAND 


' versicht&t auf eine Weltausstellung. 

Handelskamtner sprach sich in einem an den 
•j gerichteten Schreiben entschieden gegen den 

j;*]PHnDi^^ Jahre igao in Paris eine Weltausstellung zu ver- 


und auch im Programm der sportlichen Veranstaltungen durch 
Vorführung von Lagerspielen vertreten ist, eine Aufforderung 
zu einem regen Schriftwechsel zwischen den „Wandervögeln“ 
und ihren britischen Kollegen, den .Scouts, zugehen lassen. 



-^anil^en. ln dem Schreiben wird insbesondere erklärt, dass 
. lieh seit'zgoo eine einschneidende Aenderung in den Arbeite- 
iiiAHilltaissen vollzogen habe, und dass die Unternehmer infolge 
'der Syndikats- und Streikbeweg^^ng sich schwer zu einer 


Dieser gegenseitige Austausch von Gedanken und Erfahrungen 
soll an dem Tage des Schutzpatrons der Scouts, am St. Georgs¬ 
tag (23. April), mit einem ausgedehnten Postkartenwechsel seinen 
Anfang nehmen, wozu General Baden-Powell, der Leiter der 


■ .Trilt verpflichteten, ja sogar sich nicht mehr für die vollständige englischen Vereinigung, bereits Karten in fremden Sprachen hat 
. Dorbhfttlürung der übernommenen Arbeit verbürgen können. Da drucken lassen. Durch einen solchen Briefwechsel wird ein wert- 

'. 'Äe Stadt überdies eine Reihe unerlässlicher grosser Arbeiten volles Bindeglied zwischen deutschen Jungens und britischen 


yorhabe^ würde man die ohnehin schon so grossen Schwierig- 
'keilen noch vermehren, wenn durch Veranstaltung einer Weltaus- 
Udlnng ein Teil der Arbeitskräfte in Anspruch genommen würde. 
—Auch der Pariser Gemeinderat hat einen Beschlussantrag an¬ 
genommen, in dem die Regierung aufgefordert wird, sich mit 
.dem Plan einer im Jahre 1920 abzuhaltenden Weltausstellung 
iddit weiter zu befassen, dafür aber Massnahmen zu treffen, 


Scouts der ganzen Welt geschaffen. Der „Verband deutscher 
Wandervögel“, der in Leipzig gegründet worden ist, umfasst 
die beiden grossen Bünde „Alt-Wandervogel“ und „Deutscher 
Bund für Jugendwanderungen“. 

Bäder und Sommerfrischen. 


V ^ , . um eine Reihe internationaler Sonderausstellungen veranstalten 

- an können. 

Deutschland und das Ausland. 


Bad Pyrmont. Die Kurgäste Pyrmonts werden in 
diesem Jahre das Fürstliche Kurhaus in recht veränderter 
Gestalt vorfinden. Der frühere Säulenhof zwischen Kurhaus 
und Kurhotel ist nunmehr vollständig überdacht worden, so 
dass hier schöne Räume für die Restauration gewonnen worden 



Bereisung Europas durch amerikanische Kauf leute. 

- Die Abfahrt zur ersten gemeinschaftlichen Bereisung Europas 
für die Dauer von siebzig Tagen durch Vertreter amerikanischer 
Handelsinteressen wird am la. Juni d. J. in Boston erfolgen. 
Die Veranstalterin dieser Expedition ist die Handelskammer von 
Boston. Ihre Teilnehmer bilden zum grossen Teile Industrielle, 
Kaofleute und Bankiers aus den Neu-Englandstaaten, aber auch 
Vertreter der städtischen Verwaltung und der Handelskammern 
von New York, Philadelphia, Baltimore, Cleveland, Detroit, 
Pittsburg und St. Paul befinden sich auf der Teilnehmerliste. 
Bbenso werden sich einige Vertreter der Bundesregierung so¬ 
wie solche einzelner Staaten der Reisegesellschaft anschliessen. 

‘ Die Teilnehmer benutzen in Europa ausschliesslich Sonderzüge. 
Der Zweck des Unternehmens ist ein doppelter. Zunächst 
soll dieser repräsentativen Versammlung der amerikanischen 
Hsndelswelt Gelegenheit gegeben werden, die Fortschritte der 
bedeutendsten europäischen Städte aus eigener Anschauung 
keimen zu lernen und durch den persönlichen Austausch von 
Brfkhrungen bessere Beziehungen mit Europa anzubahnen. 
Weiter soll den europäischen Regierungen und den Handels- 
ksmmem Europas persönlich die Einladung der Stadt Boston 
zur Teilnahme an dem für das Jahr 1912 festgesetzten inter¬ 
nationalen Kongresse der Handelskammern über¬ 
mittelt werden. Der letzte Kongress dieser Art hat 1910 in London 
Ststtgefunden, woselbst Boston als der Vorort für 1912 gewählt 
wurde. Europa sowohl als die orientalischen Länder haben 
während der letzten Jahre wiederholt grössere Delegationen ihrer 
führenden Handelsleute nach Amerika geschickt. Die bevor¬ 
stehende Reise ist aber die erste ihrer Art, die amerikanische 

.Korporationen nach Europa bringt. Die Delegierten werden 
England, Frankreich, Deutschland, Belgien, die Schweiz und 
Oesterreich-Ungarn besuchen. Dem Besuche Deutschlands 
wird besondere Wichtigkeit beigelegt, wie aus der folgenden 
Aufenthaltsroute zu ersehen ist: 5. und 6. Juli Düsseldorf, 7. Köln, 
8. und 9. Frankfurt a. M., 10.—12. Hamburg, 13.—18. Berlin, 

19.—ax. Dresden und die Sächsische Schweiz, 22. Nürnberg, 
88. Rothenburg, 29.—31. München. Es entfallen daher von dem 


gesamten Aufenthalte auf dem europäischen Festlande, der 
85 Tage betragen soll, auf Deutschland allein 22 Tage. 


sind. Es zieht sich jetzt eine breite Veranda den ganzen Bau 
entlang bis zum Kurhotel und vertieft sich hier zu einem schönen 
Lichthof. Auf dieser Seite soll in der kommenden Saison 
ein vornehmes Weinrestaurant seinen Platz finden. Auch der 
Garten gegenüber dieser Terrasse hat sich verändert. Die Aus¬ 
sicht geht jetzt bis hinunter zur Schlossstrasse frei Uber eine 
schöne Wiese. — Der Heilapparat Pyrmonts hat sich im Laufe 
dieses Winters in vorteilhafter Weise erweitert und vervoll¬ 
ständigt. In der alten Kapelle hinter dem Kurhause ist be¬ 
kanntlich vor zwei Jahren ein Inhalatorium eingerichtet worden, 
das sehr guten Zuspruch hatte. Um dieser Frequenz besser 
gerecht werden zu können, namentlich zur Erzielung einer 
guten Ventilation, hat sich die Fürstliche Brunnendirektion ent¬ 
schlossen, den Raum durch einen Anbau zu erweitern, so dass 
nunmehr hier zwei Inhalationssälc vorhanden sind. Ebenso ist 
jetzt auch die Einrichtung des grossen Saales im oberen Bade¬ 
hause mit einem neuen pneumatischen Apparat vervollständigt 
worden, einer komplizierten Maschine, um Einatmen verdich¬ 
teter Luft und Ausatmen in verdünnte Luft zu bewerkstelligen. 

Heidelberg. Die diesjährige Saison verspricht recht gut 
zu werden. Einmal sind bereits zahlreiche Kongresse bekannt, 
die ihre Tagung entweder in Heidelberg selbst abhalten, oder 
aus einer Nachbarstadt zu uns zu Besuch herüberkommen. 
Dann aber sind bis jetzt nicht weniger als sechs Schloss¬ 
beleuchtungen feststehend, und zwar 13. Mai (Deutscher Handels¬ 
tag), 25. Mai (Kohlenhändler), 10. oder ii. Juni (Deutsche Lands¬ 
mannschaften, 30. Juli (Lenoensia), 29. September (Naturforscher¬ 
tag) und 25. Oktober (Lisztfest). Da die zweite Schlossbeleuchtung 
gerade auf Himmelfahrt fällt, so werden an diesem Tage vier 
Extrazüge fahren, und zwar von Frankfurt a. M., Wies¬ 
baden, Heilbronn und Stuttgart-Pforzheim, die alle ihre Teil¬ 
nehmer am selben Abend wieder zurückbringen. 

Wiesbaden. In der Sitzung der Kurdeputation am 
28. März wurde der vom Bürgermeister Glässing gemachte 
Vorschlag auf Reform der Kurtaxe einstimmig ange¬ 
nommen. Der Vorschlag hält an der obligatorischen Kur¬ 
taxe fest, stellt aber die Wahl des Kurfaktors (ob Kochbrunnen 
oder Kurhaus) ganz in das Belieben des Kurgastes, um den 
verschiedenen Bedürfnissen des Fremden-Publikums gerecht 


Deutsch-amerikanische Austausch-Professuren. 
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist mit der preussischen 
Staatsregierung wegen des Austausches von technischen 
Professuren in Verbindung getreten. Fürs erste ist eine 
Austauschprofessur für Verkehrsverhältnisse vorgesehen. 
Im Winter Z9n wird an der Technischen Hochschule zu Char¬ 
lottenburg als erster amerikanischer Austausch-Lehrer Professor 
Pheraon Logan über amerikanische Eisenbahnen lesen. Logan 
war Mitglied der technischen Studienfahrt nach Deutschland 
im Jahre 1909 und hat als solches bereits Fühlung mit indu- 
atiieUen Kreisen genommen; Von deutscher Seite ist bisher 
noch keine feste Zusage ergangen, doch wird in eingeweihten 
Kxeiaen der Name des Professors Ernst Meyer genannt, der 
aerotechnische Vorlesungen an einer amerikanischen 
Universität halten soll. — Der Professor der Pathologie an der 
Havard-Universität, Theobald Smith, wurde zum Austausch- 
ProÜBSaor an der Berliner Universität ernaxmt. 

Deutsche und englische Wandervögel. Der be- 
kasmto englische General Baden-Powell hat dem „Verband 
dsutacher Wandervögel“ der für die Internationale Hygiene- 
- .AOMtMlong Dresden X9n eine Sonderausstellung angemeldet hat 


zu werden. Die Kochbrunnensätze betragen die Hälfte der 
Kurhaussätze und berechnen sich für zehn Tage auf 4 Mk., 
für sechs Wochen auf 12 Mk., für drei Monate auf 20 Mk. Mit 
dieser Preisdifferenzierung soll der Ueberfüllung des Kurhauses 
vorgebeugt und anderseits den Fremden die Wahl einer nie¬ 
drigen Taxe ermöglicht werden. Die Hoteliers werden die 
Taxe erheben; es wird dadurch der Belästigung der Fremden 
durch die städtische Behörde vorgebeug^. Dem Passanten¬ 
verkehr wird Rechnung getragen durch Verlängerung der 
kurtaxfreien Zeit auf fünf Tage (statt vier, wie bisher), ferner 
werden den Fremden nach schweizerischem Muster sogenannte 
Kurhefte gegeben, in denen sie wesentliche Preisermässigung 
auf die Benutzung von Privatinstituten (Theater, Rennen, Golf¬ 
platz, Lawn-Tennis, Rheindampfschiffahrt usw.) erhalten sollen. 
Besonders wertvoll für die Fremden ist, dass sie zu jeder 
erstmalig gelösten Karte beliebig viele Zehn-Tageskarten lösen 
und dabei den Kurfaktor wechseln können, d. h. [einmal auf 
zehn Tage Kochbrunnen und dann wieder zehn Tage Kurhaus 
abonnieren können. Auch ist Familien gestattet, dass sich das 
Familienoberhaupt die niedrige Kochbrunnentaxe als Haupt¬ 
karte wählt und als Beikarte für die Familienmitglieder die 
Kurhauskarte zum ermäasigten Preise. 





50 


DEUTSCHLAND 


Nr.l 


Verschiedenes. 

(DerfKronprinz über seine Reisestudien. 

Der bekannte Forschungsreisende Dr. Oskar Bongard ver¬ 
öffentlicht jetzt im „Leipziger Tageblatt“ persönliche Aeusse- 
rungen des Kronprinzen über seine Studien. Der Kronprinz sagte: 
„Man hat es mir verübelt, dass ich nicht Tag für Tag von Tempel 
zu Tempel, von einem Museum in das andere gelaufen bin, und 
hat es so darzustellen versucht, als hätte ich nur für Jagd, Golf¬ 
spiel und Polo Sinn gezeigt. Das ist unwahr! Sie, Dr. Bongard, 
kennen Sir Harold Stuart, der mir beigegeben war; es ist einer 
der höchsten Beamten des Landes mit dreissigjähriger indischer 
Erfahrung. Er war Tag für Tag, von meiner Ankunft in Indien 
bis zur Abreise um mich, und die Unterhaltung mit ihm war 
eine nie versiegende Quelle der Belehrung, gleichgültig, ob wir 
in der Eisenbahn zusammen sassen oder zur Jagd fuhren. Ich 
habe Ihnen schon Sir John Hewett und Sir Roos Keppel genannt; 
ähnlich war es mit dem höchsten Richter Indiens, Lord Jenkins, 
ferner Sir Bayley, dem Residenten in Haiderabad, und den anderen 
hohen Beamten und Offizieren, mit denen ich in Berührung kam. 
Sie können sich doch denken, dass die Engländer mir gerade 
ihre bedeutendsten Männer, die sie in Indien haben, zufUhren. 
Von der Unterhaltung mit diesen hatte ich in einer halben Stunde 
mehr Gewinn, als der tagelange Verkehr mit Durchschnittsmenschen 
bringen kann. Informierte mich der Umgang mit diesen be¬ 
deutenden Männern über die wichtigen Fragen, die Indien be¬ 
treffen und die Wirtschaftspolitik der Völker beeinflussen, so 
lernte ich beim Sport, dem ich mich gern hingebe, einen Teil 
des englischen Volkslebens kennen. Bei den Spielen waren 
Kaufleute, junge Beamte, Offiziere, kurz alles vertreten, was an 
Engländern in Indien lebt. Es waren prächtige Menschen in 
ihrer ungezwungenen, männlichen Art, die nicht ein einziges 
Mal taktlos wurden. Durch die Unterhaltung mit ihnen habe 
ich Einblicke in das englische Leben gewonnen, die mir wertvoll 
sind, und die der Erbe eines Kaiserthrones sonst nicht so leicht 
erhält. Nicht minder wertvoll war es für mich, unsere deutschen 
Kaufleute und ihr Wirken kennen zu lernen. Es hat mich mit 
Stolz erfüllt, zu sehen und auch von englischer Seite unparteiisch 
zu hören, welch geachtete und bedeutende Stellung sie einnehmen.“ 

Dankschreiben des Kronprinzenpaares an den 
Norddeutschen Lloyd. Aus Anlass der verschiedenen 
Reisen, die der Kronprinz und die Kronprinzessin im Laufe der 
letzten Monate mit den Dampfern „Prinz Ludwig“, „Lützow“ 
und „Prinzregent Luitpold“ des Norddeutschen Lloyd unter¬ 
nommen haben, haben die hohen Herrschaften der Direktion 
des Norddeutschen Lloyd in einem besonderen Dankschreiben 
ihrer Anerkennung für die getroffenen Vorkehrungen sowie für 
die Verpflegung und die Bedienung an Bord dieser Dampfer 
Ausdruck gegeben. 

Eine Fahrt deutscher Arbeiter nach England. 

Die Leser der Zeitschrift „Deutschland“ werden sich aus dem 
vorigen Jahre des Besuches der Mitglieder der englischen Adult- 
Schools erinnern, über dessen Verlauf in Düsseldorf und Frankfurt 
a. M. in Nr. 7 berichtet wurde. Die Engländer hatten damals ihren 
Gastgebern eine Einladung zu einem Gegenbesuche in Aussicht ge¬ 
stellt. Diese Einladung ist vor einiger Zeit an die Leitungen der 
Düsseldorfer evangelischen Arbeitervereine und der Deutschen 
Gewerkvereine ergangen, die im vorigen Jahre für die Unterbringung 
der englischen Gäste Sorge getragen hatten. 50 Mitglieder dieser 
Arbeiterorganisation rüsten sich, um im Juli englische Gast¬ 
freundschaft zu gemessen. Besonders mit Rücksicht auf die 
kürzlich gehaltene Rede des englischen Staatssekretärs des 
Aeussem, Sir Ed. Grey, wird die Friedensfahrt der Düsseldorfer 
und Frankfurter Arbeiter in diesem Sommer von Bedeutung sein. 
Das Programm sieht folgendes vor: Am Samstag, den 8. Juli, 
morgens Ankunft in London, wo die Gäste von den Adult- 
Schools-Mitgliedern des Unterhauses in dessen Räumen begrüast 
werden. Nachmittags führt der Zug die Gäste nach Birmingham, 
der Stadt Joe Chamberlains. Der Sonntag und Montag und der 
Dienstagmorgen sind der Besichtigung Birminghams, seiner 
sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Einrichtungen und dem 
Besuche Stratfords on Avon, dem Geburtsorte Shakespeares, und 
der Gartenstadt Bonruvilles, einer Schöpfung des englischen 
Volks- und Menschenfreundes Cadbury, gewidmet. Am Dienstag¬ 
nachmittag führt sie der Zug nach Manchester, wo Massen¬ 
versammlungen, Empfänge durch den Lordmayor, in indu¬ 
striellen Werken, Besuche sozialer Einrichtungen usw. vor¬ 
gesehen sind. Der Aufenthalt in Manchester dauert bis Donners¬ 
tagmorgen, an dem die Weiterfahrt nach Leeds, dem Hauptsitze 
der englischen Wollindustrie, stattflndet. Am Freitagmorgen 
erfolgt die Weiterfahrt nach York, einer kleinen, alten Stadt, die 
aber sehenswerte historische Denkmäler aufweist. Gegen Abend 


erreichen die Gäste Leicester, wo eine starke Adult-School- 
Bewegung ist. Die BegrUssung erfolgt in einer grossen Volks¬ 
versammlung. Dann geht es nach London. Nach einer Be¬ 
sichtigung der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt findet am 
Sonntagnachmittag eine Abschiedsversammlung statt, zu der 
eine Reihe führender englischer Parlamentarier ihr Erscheinen 
jetzt schon zugesagt haben. Die Reise wird insofern von Be¬ 
deutung für die deutschen Arbeiter sein, als sie in allen 
Städten, die sie berühren, Gäste in englischen Arbeiter- und 
Bürgerfamilien sind, und so in der Lage sind, Vergleiche 
zwischen ihren Wohnungen und ihrer Lebensweise und der 
ihrer englischen Gastgeber anzustellen. 

Neue Rheinbrücke bei Honnef. Die endgültige 
Genehmigung zum Bau einer Rheinbrücke von Honnef nach der 
Insel Grafenwerth ist am 2. April eingegangen. Mit den Arbeiten, 
die der Firma Helff & Heinemann in Köln übertragen worden 
sind, ist nunmehr begonnen worden. Die Kosten sind auf 
280000 Mk. veranschlag^. 

Die Schüler- und Studentenherbergen am Rhein 
im Jahre 1910. 

ln keinem Gebiete Deutschlands hat die Herbergseinrichtung 
einen solchen Aufschwung genommen als am Rhein. Die Zahl 
der Besuche stieg von 3740 auf 6510 und hat sich also fast 
verdoppelt. Ueber den Gesamtverkehr liegen folgende Zahlen vor; 


Herberge 

(iesamt- 

.\iisl)eutsi'liland 

.\us Oesterreich 

1 Hoch- 

, beMich 

auss. Iiheinland 

und Luxemburg 

Schüler 

Andernach 


l.')! 

29 i 

97 

Bingen 

V2'2\ 

:.si 

\ 

173 

Bacharach 

:^\K] 

iM«; 

20 1 

64 

Braubach 

:\\2 

1<>T 


62 

St. Goarshausen 

i;.o 

Tlb 

ö 

16 

Godesberg 

.VdÖ 

:\:)2 

12 

63 

Grenzhausen 

IM 

.71 ; 

*> 

4 

Honnef 

<)4<) 

:iT() 

19 

57 

Camp 

1U2 


6 

i 8 

Linz 

rd) 

:v2 

4 

8 

Lorch 

;isi 

ITIi 

( 

1 34 

Oberwesel 


174 

IS 


Rengsdorf 

VV2 



1 7 

Sayn 

17-1 

ll.S 

8 

11 

Schlangenbad 

.')()•_> 

•JSl) 

17 

i 60 

Sinzig 

:»iT 

i:)i 

12 

44 


i;:.io 


224 

i 737 

Im Vt»rjahre bc- 
Irugoii die Hesiiclie 

öT-tH 


49 

1 522 


Welche Summe von Lebensfreude, Jugendlust und Wander¬ 
glück spricht aus diesen Zahlen! Sie beweisen aber auch die 
Beliebtheit des Rheines, seine Anziehungskraft auf die deutsche 
Jugend. Aus allen Gebieten unseres deutschen Vaterlandes, aus 
Luxemburg und Oesterreich strömt sie herbei, um des Rheines 
Herrlichkeit zu schauen und zu bewundern. Die 6510 Besucher, 
namentlich die 3589 aus den ausserrheinischen Landen und die 
224 Oesterreicher und Luxemburger, die wohl meist den Rhein 
zum erstenmal sahen, sind nach ihrer Rückkehr ebenso viele 
Lobredner und Verherrlicher des schönsten aller deutschen Ströme 
und seines hervorragendsten Gebietes. Begeistert erzählen sie 
von ihren Wanderungen auf den Rheinhöhenwegen, von den 
wundersamen Fahrten auf den Rheindampfern, von den rheini¬ 
schen Burgen, dem rheinischen Wein und den gemütlichen 
Rheinländern, und bilden so eine Reklame, wie sie wirkungs¬ 
voller und idealer nicht erdacht werden kann. Von den 54000 
Besuchern der 394 Herbergen Deutschlands und Oesterreichs 
zog es 6510, also 12 Prozent, zu dem kleinen Gebiete zwischen 
Bonn und Mainz, seine Herbergen waren in den Ferien Tag 
für Tag überfüllt, eine davon, Bingen, ist mit 1221 Besuchen 
sogar die besuchteste von allen Herbergen Deutschlands und 
Oesterreichs geworden, und mehrere andere stehen nicht weit 
zurück. Angesichts des starken Besuches ist die Vermehrung 
der rheinischen Herbergen eine unabweisbare Notwendigkeit, 
da die vorhandenen Herbergen den Andrang nicht bewältigen 
können. Ebenso dringend notwendig ist eine Beteiligung aller 
Rheinorte, aller Vereine zur Hebung des Verkehrs und aller 
opferfreudigen Bewunderer des Rheines an der Herbeischaffung 
der Mittel, die der Rheinische Verkehrs-Verein und die lokalen 
Vereine, die die Herbergen gegründet und die Rheinhöhenwege 
geschaffen haben, allein nicht aufbringen können. Das für die 
Höhenwanderungen am Rhein und die Dampferfahrten eigens 
verfasste Rheinwanderbuch von Hans Hoitz ist inzwischen in 
zweiter, verbesserter Auflage erschienen. 


pJr.i DEUTSCH LAND s^ee©ee0e0^^90©^^i^ee0ee^ m 


Einblicke in dieMij^ri*ielUn Ef- 
gebnf«i£ O berat« m e rjf411 sftif; P äsölö&s« 

IfewjUirt die »öffbci"! eracbieneac Abrtchhuß^ für die vcr^öS&etie 
Spielxek. Die ^samudnnahraeii beliefen auf 17^4 7^^ Mk., die 
AiiBgÄbeo einsj^i^ikh der Honorare äö dk Mitspklefideß aaf . 
1 54a 43b Mk.^ ac» dftflWj Bieh ein Utsberecbtis® iftin s6a 30« Mk* ergibt, 
Von dkOTfm OebiifachtiBs sifid bereiis tae jjäijMV. fßr deö Sdilacht- 
batianetibaUt ifbr deü Ldehenh.a^Bneühan und die Ammerkorrektioii 
aas^cg^b^ wörd^p Der Hieal soil wie fol^ Verwendung fiadeti : 
ftir Hre^kbe 4^000 Mit,^ für Zwecke der Erziehung 

und HUdt^n^ 1(5^00 Mk*, < 11 r WobU^tigWeits-rweeke 35500 Mk. 
Darunter' befinden sieb i5?>po Mk> für eiüe zweite ambulante 
KrankenBubwesferf Mk, fUr die katboli^cbe- Pfarrkrr^he in 
I^Kdibau^u bei Augsburg und 500 Mk, für eine Ged^Vtaftel 
atif daa l^bdtsP, Otto mar Weka in der Gemeinde Je^aeWabgf-': 
l^r dk weiteren 'Waa^crkilüng, sind ^üi&öo Mkr 

*rur F<».rb$irtcung und Vtergrdsserüng der Ksriahäatibß 
d^f Fonds zur F&rdtruogVä^^ 
UnteraiHtiun^ dar InduMrie iaooa Mk^, der Fijndfe zur He^bung 
där I-andwirtsob^h nur töooü Mk, erhalten söll, ßa.für 
i^w nweb ^000 Mkt aur Fcfdetung: der gern eindlicheb liinSen-: 
knltur uA 4 4160Ö Mk tür Obstbau und Bienenzuclit eiqgesieUt. 
Dem Versqhöuerüicig«- und Fremden verkehrt-Verein sind 35000 Mk. 
aUgedaeÜrft/ Eine gan; 5 e Aaaabl von V er einen erhielt kleinere 
Beiträge^ ad de? yeteranenverein 500, der triederkranz 5PO1 der 
TUfDV^Jrein i^Oo, die Frei willigt Feuerwehr laoo^ der Itatbolische 
Oaaentnt^erl^m aod^ die Volksbibliotbck 1000 und die Penaions^ 
aiiatalt Detitacbaf Jouiinajästeb und Schriftsteiler 500 Mk. Grosse 
B^trägia Üteaaen in^ den gerafindlieben FciOslonaforida, sibd 
bfcstsiDOat für die Ajmeerkori^ektiön, je 30000 Mk^ :.^r 

Efii*itu*|r dB? Gem^ßdegebäude und fils Hilfafoqds^ für : 

wl^idacbe 35 oo n Mk. für W il d b sch vor ba 11 u n gertj- ^ AnV 

TatBacite^. ■ dass dte I^icbttferhältnissc':--sui;\.'de^ 
Pa«;« 6 »tt 6 bÜbtie mitdöier zü wBuseben übrig lassen, tsfnd 50^ 
lEbr Äth pjbjekt beslimTot, uqi «inc bessere t-i^rbtwirkung' jtm ■ 
PjUiaiqnathfcater au erretteor Einige 3500 Mk. verbleiben noch 
als Reserve.. Die Oberamniergauer könneri mit ibren üeber* 

1 aohllfaftu* die ihuep verschied entliehe Prozent Steuern erspareni 
aufneden stto. 

AtiaaiohtSttirm auf dem Aunaberg bei Neurade« 
Si«er der achbnsteo 10 üristi scheu Punkte der dem Gl au et 
Gohirge votgelÄgtrtoo Höhenzüge, ist der Annaberg bei Neuro de, 
Dit Ortagrupj^c t^eqtbd« de» Olauer wird auf 

dem AtloAbttge *in«n Auasiebtsturm «Jrticibt^^n; Es tiiqd bterjüf 
füiif EniwütfÄ ausg^ea rhftitei; wor d e n. De r: T« rrÄtn^rwdrb ist 
bereits erfolgt Die K osicö f tir : d ;$ b Biu d^v ety ä 15 M etef 
hohen Tßfrata m VeJfauöchbgt,. tm 

t^aUfa tS^is; äbmrs ^dSi d hj Gayddstethlegujiiy ib dem slaU> 
findenyud'/d|is'V^oliettduhg; d*a:Bftyj[-ahre • 

ElSh sleu tach-am erik anik ches Nation al-DcnkmaL 
Ein d eutech^amenkab lach e^NaäabaF Denkmal sollin Germ an tu wn, 
einer Vorstadt von Philadelphia, da:^ i6£3 von Metmvynhen aus 
iCrefeld gegründet worden ist, errichtet werden. Zu dksem 
Zwecke ist Wettbewerb aur ErlaDgußg von Entwürfen in Au-^ 
si^t. genommen. Die HejsteUungeetitnme desi Beakmala wird auf 
5öObö Dojlaia gOHchäm, Hiervon bewilligte die Landcaregierung 
>5000 Dollar»* Die andere wird durtiti Sammlungen 

auf^bracht. 


Biicherschau. 

■ Mitteilungen.- .df^'«'.■.. Hheini^.chc^b; .ys-remfi. •f-Jür 
Den ktnalpflegCi 5? Preis 3 Mk.. (GÄschiff».- 

stelle Cob Ic £1 a), Ein K; d I n k r H t Übergib t dkr ^ ■ w d i g+ 
V e r e i n K ö 1 n d er Dkffehtiichktit.. Dem , v^n Baurat ■ F*. & 
Kfiniann, der aich um die HfbaÜBgabe des interessanten Heftes 
sehr verdient gejnauht hati verfassten Botvebt eumfshmen wir 
folgtndea; Bei seiner Gründung (19b?) waltete in und Äweck 
neben der Teilnahme an den grossen Auf gaben i d^ren ibösung dem 
Hauptverciu für den gaqieo Bereich der Rheioprovtnz zufäJlt, die 
Absicht öbv Jfür die Er/örschufig und Erhaltung der geschichtlich^» 
künst- und k^l'^^T'gescblchtiieheo Denkmäler der Stadt Köln 
besonderc öriliche 'Taüjgk'öit zu ehtiaicen, die Beac.btung und Wen- 
achätsung des khfrtbai'i&h l^fbds uh^ciier Vöf^^h^h äU 

erregen. Solche Wirksamkeit düfftft Xnhält dieso» 
der ,Mitthüit£ige ti** zum Ausdtuck brihg^n, Ve rhrmint] er sieb 
doch übejf alle KuUurperiodetn der, Qoiyniä. die römischd, 
mittelalterUchtt ühd heUzcitlichc, wilf:|ö und Bild , aut 

ih re f ftai 2 v-reitau spndiährigTC »vöchja^ydhäi ■, Vangeh fayif, die 
h ö h4j Bed cUt URg ei ti e t Anza hl v qrt B : yb d tCü n sltHork&n deh 
Blick lenken^ daniit im Zhfismimenhiatjg f^chtliehe Gnitidlagehr 
V^fo-scungawesto^ HmvdciW hnü V^rkebrsvörh^ftniaae s^chüdern- 
Der Kunst itn Öott«aöau><^ jm Bütgerhuuso i^t gleiche 
jrUtksiohtiS^hg rut^ii ifjswrcjtiäfim;; Ahbanäl^ ühd Bildschtnuck 
bieten bei dem uhe^schöpflicheti Denfc* 

mal schätze der Stiidr und K^hde voh so manchem, dessen 

Vertust wir .zu beklageq yoo vielem, da* iaiich istuf unsctrit: 

;^^ag:e giückjith hinüberg creitet h^t, afiich Vött iifnigem.* da» 

eiaer neijert, durch- di^ weilgehendty Fatderunj^ri. des yerkehra 
und der öfftiith^heh Gesundheji^pdagc Plflh- 

: ge&taitung des Ört^ü eebon zürn Opfer f^ahen musste, oder Tm 
Bälde das gleiche Geettbi^^k au ef^tfaneri hab 

F h b T e r dri r ch d a » B e t g i ^ ch e X*-^.n d, 7 Büg. in 
k-JTtdh Utiischla|[ mit 3 Htjhs^uschichtsin-Kitrieti in Siftbi&ßfarbeti- 
d ruck ,■■■. -V ofii'. V fr? baß d®. ■ B ergi.scb/er yorkehba ' heraus^- 

gcgkbefi, tvt im Verläge dser Buchdtück&rei hüd Verhugshshdluhg 
A. M a r t i 0 :i ^ 5 : G t Ü t t e f i ^ a f E t h # f f * 1 d ao^heh er^hit n etl.: 
■ ^ Der V'r:rhantl Bet^Ssche^ V^^rkehfs^yertihe heachlOFas icf 
KBAiptveräammluhg am sS. JutU 1:307 die Schafffinig «öfters Woge- 
ijber Aas, gaiiae Gehiei de^ Bergisclien Irandfe® 
und betraute mit der Ausf Uhr ubg dieae* Planes eine ft AusachüSB- 
Nach jahrelangen mühevoUen Vorarbeiten dieses Ahsschiiaaea 
und insbesohdete seines verdieostvollen VoTsitzenddh Herrn 
Direktor Gun ekel ist die Sache nun so weit gediehen, dass 
im Frühjahr und Sommer d. J. die Wegemarkierung durch- 
yeiührt wird. Es haud&h sich dabei um 33 HaupIwahdcrstiockÄn 
und eine grosse Zahl Von Hchenatrecken und Ortsstracken, In.»- 
: gesamt 131 Wand erstrecken. Zur Verbreitung det Kenhfnja 
Erscheint nub dör oben genannte Führer, 
■ 4.ßt- au-rbaut:'. Daa'sorgfältig durch’ 

. ■gt'dj:b^"tet*- Weri£C-hkh cntftpifblit dera selt'San.geß |ahreji beatbh*ii- 
dc^3 3 E?edÜTfAb hach einem wtfkUcb bcauchbareti Führer, der daa 
gesabde Land* ein»cbli^^fGsllch des Oberbergischenv 

tirhfOfSäXf Zwei vpr^llghcho, in Sieben£flirbendTüc.k hergestellte 
floh eü ^ f f * n n d denV Führ er b eigege b en. DeirVer- 

kaufspreift für den Führer und die beiden Karten in Papphlllae 
beträgt Mk. 1,50. 


liKM III t i 111 } 1 i t (II i M 11 JIM 11111111 n 11 i 11111 MIII 111 M 11111 n I > 111 i 1 1 1 iiitt 




ini Wildparke der m 

OfDcheni^urs »ei R9nHier b. im. | 

Höhser komplett ein^efiijbtet ^ TefepHoü Lickt ^ 

^ vom iS. April bis 15. Oktober f J- M 

mit lind cihfie Pension zu verfiiieter). ^ 

Näheres darch die OTrektiofL ^ 


i.m^^ iii 11111 ii riirtii 111111111 it iiniui 

















52 0BUTSCHLAND gsei^aaQBee Doeeee t aeBeeeeeee ga Nr.T 


V©rkebrB - Ve r e i ö. M si ft n b < i m- M tu ixroe^ %i 

d5c 2weite Anfla^* eitjes A n ^ i e d c 1 ü n g ^ f ü b f; ^ r fiii; 4ia 
Rh ei ß-Neckarstadt. Düc Schrift, die lißttT Mrtwirkung; dfejrSt^dl' 
verw^altuog' veröffentlicht vj?irdi verfölgt den -^weck, in küt* 
iUsartimenfasseEdcT DiraleJltin^f «meTi aitgerntenen Uebeilblii^k i 
Eber die wichtigMert Verhältiiisse ari ^ebeis, die f^r itsitse A 0 ^ 
s i c de 1 u □ i n Msoöh&iir^ ab Setr^iclit k^nirnen. I>i<5 Bro> 
sebfltfir wild 'cingcl^im thtt. AiEgerrifrinso Angap^ti^ an die sjeh 
dLiÄ; ; : öbftv d ie ' Verkfeb.tsvefbä*Jth:i»seT 

^^B-Vtödhidtae vtrh Bis, . S^ih aten/ :&.DJbStig't Bild U n , ■• 

KuflatpEege und Uhctwr-haltud^, Pr eis Verhältnis&a titiuJ die Srcuelb. 
^15: dcjT^r Abach 0 ilt ist d w 2 n d u s %r 1 1 ^ ö ^ i e ä e J n ti g 

gewid^cei, uhd elo Ptäticbeh yerjanscbauHcbt dar Vifcjfij4*i!ö.rei 
IndtJfitwegelätidls, Mit ö^m SchrihehÄu aiad d^e vürbifdUchf^n 
t'^rp|jftgajidadtö<fkkii^he^ 3 t des VptkehrH^-Verems wieder nm ein 
wef^fvöliie^ ■;St 5 <ik befeicbeH.' 

^,bi* PlöBtik“, illüstriene ZcilaMthTiti £Uc die 
BildiiÄUeiei höd BEdner&i vad ihre äu ^rehitekidr 

lißd KbßÄt^^etbe. Herauagageben Aleinabiier ileihiVeyer, 

Bildhauer s^nd Ktina^chrif !ttin Hef i 
mit 9 IC ü nBtdirück ta lein ü t\d eingin BhgeEl 'l'ei i. Prei^ viertel^ 
3 ^h rti ch 3 Mark. E m 2ei n es H eit h >ö Mk. Vü rta jg. 

D, Wi Callwey, Mlinchefl. Das 3. Beft dej 
sich auEftihrlich und eiagehersd mit 4 ?rtv WetfibewWi^^j^ 
des Bismarck - National - DfiDkmalg rim Bhcln- em?ir vbn 
Dt. Tim Klein aüa gelehrten gtüridsilÄltchcn S>Hi*ächtybg 
2U dem Gedaaken eines Natinnal-D^hitdiüls get^Dmmfcn 

und dßs Problem in dem ZusaSUjCntnEsasu^ o>it. dtfc hemi^tra 
Kuiitir 4 trÖrtert, wobei inietessarne SrrelJiidbier adf di^:^ ylfi-- 
Äpiltige dßd iti die verschiedeti^^^n iüt^%»ä! 5 ug;ebiefe 
unendlicil dti ferti ia;i erle g eis ti ere f .^e bi 11 i aÜ*r l ;. Ifi r 

ArtVkfd , dsfi hseti achtet vVeltbewerbS^^r^ebh^ 

Vöm rftm k^hstlefjsehen Standpu^J^t Pud dtt vtrr- 

»chiedenen Arbeiten auf dem Gef^iete der ArchU^dklur Und 
PlAstikf wie Sie der Wettbewerb x^itigte. cifier krlti^c^heW Sjeiduhgr 

Bad iT a r k b u 5 g-, G e b 1 r g i^Vvi f.i k u y <1 ft und S ü i b s d . 
Ucdef- diesem Titel-, Isi .-.-yoni'•tod>5i(tdnmbt5^';irfat ' dir^ 
dieajäbtigc Fuhrier hÄran^sijegehen ^ Mth wie All- 

j5ih r li dl wi «■ddt: du reit Jaftry erriig hö byphie A usvi at 11 n iüs ß W:a- 

K^richri et.; ',Bi^iiöäjde'ca cJti wftkea ,d'ü>, KupltirstieijjAtt ; 

f5! eh al tenep ■• xß IVit'eieiie-ti- .Büd c f kic 's ijpib’Fs'. . itr^ ' .■ V er «in ' tpii . ; ditm: :- 
umfÄsaende.ri T ^ ist lei p en ptiaehaUikhen B5gr' ff von d em l leb^ 
lichi^Ti Badtort, der in Öei^iisch tmt di^r be?ben 

Schhnheit des Harjs is a al la Wa bra<3ch de» V erb ehpien K ut ' 
Oftes' Und aeflg.ejijSssen Satbades in sich vbröinv.. Eliie Wefi- 
vpllt Erg Sh tu hg dtr» hübschith FUbrcfs bildiiSi das smiUch* 
WabDöngavtraeiChnia;. C .4 gibt Aüsktmit ÜbPr sänitbchc Preise 
für Vot“r hhd Nächsiiiisiun, an dai^e ieder »ich si;;hoTj 

daheim ein Bild macben katiöH wi$ hoch die; eines 

Kurflufenthaltsi in Harj^burg ^ind ^ Würden äü- 

eammen mit einem StidipUn auf Wurvaeb .vcim H er if#iglichen 
Ba d ek o mmissari^it in Bad Ite r b Ufg ^ b wi* db? ch die Oe af (?hk (U 
stelle der ZeitscAtlf? ,.t>ent 5 chJa^.d*^ 

„Danzig a i s K o n g r & y.^Ä; t u >| ■ ; stiiit ^ Hi If s b u c h Hlr V c r- 

an stalter v on Kong tu , hö l die : B s b s,%er V erk eh f ti ^ent r^l e 
soeben herauetgegebüii, Die HtrAUsgetjeciii unteruimim äuhi ersteh 
Male den V^eänehr die mehr>bbogmi EKah^ die bei Ver- 
anetaitnng 4«^ ^ahTrenihc-ii Dunciget Kbiigrye&e geaüinrntdt worden 
SJtjd, zu eintm :Katgeber für spdtet^ VeranÄtsütungen ln DAussig 
zu yer&?beit^, Diie Brc>sj?bi 5 jty gibt ein eti ^örgfBlÜgtm UHwbHck 
llber die VörUfbeiten und Ub?r w ^^9 b*?i DufghfÜhrnnK, dfes 

Kd ngresis es be s ond e rs » n 'b i en i D en VcrATJUtal tcr 0 wir d 
G* auch b^spnders örwünseht sein, duas übcrajt jggti^tut- Kd^t^h- 
an ^Chläg^t bei gefügt worden sind. Im cinzelocu yy'ird sÜrtHcb^t 
eine &;»rst£|Üup4 der ersten Vorbereitungen gcgpbtü/. Die 

stftiiUfig d*r Zeit, das Brsiegen der Siilc. die BjlLliing d«k 
aUÄSCrhueäea, Unterbringung deriTeiiochmer, di« OrgAfuftunop dys 


Qtäbrdi 

finb aue, bie eine jariii. irei|tc rofi^^S* iu^cn^iritdics 
wnh fl in iBflfjdit i?lfn45omiiiCFtP reifen iiitb iiüMf- 
«nreinigirflif* ttttben,biiffflr gebrauten ft* nnr bk alt?in 

Stcckeiipfwd • CUlenmllcl)»S«if« 

r.Berömaflft^Co., Il4d^^t!ll. ä |u iirtrHi. 


tib - ■. Uii:4. ’' :^.b P^ogrAmios weriflto 

eUtgftjtiisiHd folgt ÖUTfybfÜhrötsg dea wüi^eh^ 

sibwik Erholung*: un4 %i«rbhituagaprograii^ 
fi« ben iSr uiijd Ttö^ten^ 


'.fe.eblusiy'-''de^s yedukiibrij^le-n Tciljes, 




liM fUt jfitt Tkü i;4'Ctift.f. Örfbij.öi!^ek»r 

:. fnr dssitj -WlflTäLcJanftlij h«Q. und Tyil-.d»r .'Baabes- 

. 0r, ?i *jy f (learbÄneFAfirf^r das ö-fii^da* lS^^i^,fcgcb^r■■^«keto- 

■■FTH^.^b^:# iii 't'^äjpsiJfi fflp d&o Afiirt^sJtusb ^ 'Bir.ri ö.ö ii Q> b '^D ■ DttsseJifdrl'.- 
iJ.'fk- tiiwi ^' 1 ^-tl ftj? 'dei:- b Ü :¥ s a l. stfr r f J? t V ifl T1 * lg i * s m: i-*l t A.-'ö ' tü ..Ue.#* aMorf* 


H {ifi rsiaix« 

d^r .T>id;;m'^.i&ten .;M0nft^^beu•■Ä^ 

dicht 61 n m al, w c,h n □ a flh4 f i£inrr<^r Wftt t i« d em Ätavbtkijetßh 
aogt^n au ii iN Ji ii aJ ^on, fEr ttUi) S! hieb yb 1 i ei^, ü ti d w*l<ife 
Sebsd^iif Krknkbyir, uh>J T+?rseMgo TCfdesfivBf 

0nt6tftliPH , rv^jnii es u.üaehuri an Ji^ü mibbT»li*cb^ii Stoffen 

.■;•: ■ :'^_;V;^ '; .V :v 

S^iiitätürat Br. Ulf ftrtf ^ ssinem Önch^ ^ 
^doder, d^r >Tlöd>y0 aoit alt u tsfdfin iviUi moß ernetltfdi 

s^pi'ny ,trfTflX}b-fn;.n- pTg-itity, Lunge, .Lftbyr,.- NiybßB,- 
. JVlflSP, .Dam!.- fkJitd-- il.iU üt-c;;-.jn 'ftottei Punktion m 

■ erhäfiyh/ üft^i'. 4 vi- 5 s 4 , ?:iL-d.s.h >^Öhri$kbtgy^bn.ö; gnnii unyrlö.fillck^..—. 

■ M-4:nit*^t^r'^% luHb NÄhraftU fAr 

’ ' ÖnAswlb^ Geeunden oud' 

Kmifceit >^ilbr^Ali in (bm Spyiaair TinKeut^ftmi 

vQi'hÄfnb.'n ififv'^ -r ]Gr< IHtöyor srigt^ auf dw pc-ntfiehen Attrctee. 

. bV'^rvi^ib.tirg ! ^SVtui üböf lüüOOSäiiglijjge and ^^;i^ld^^ 

. g 1’^ hün I älin b b' zi t n ttyti£?r nti de, un d nöeh vlöl jgybÖer 

ist iL(^ ?^nni durr^li iivftrfbbt*jt >Usi Art vor- 

dbifrT'fj'd-jVy'vrrfarMßii:^* — :J&r- Walter aehr^lbf.: ^ar -iri 5 
. in hrgrLfli^liAVlb> Fnf ot n , P*A \, Obät oisW. vödiAn^oüii 

ibt ivtrtü :bl^ jöisitv für dSstbffv^ ecb&el verwendet tiftd 

: was bl t i i flVi: \vü röen ,* l'i'tT^j&er A nki Ab t h uUÜ^e 4 ncJb ieh früher, 
i Jin rv^fi?fiö äby ir, mit dijn aiiorgiinisrebi^ 

Ä 0 e A m n 1 i^t i gu a< 4 st e n b n ^rx i^ 4 t ti rd« a v braAblext t^\ tii 

nnf audtiTr’ pydiMi^kybt ä^b iLyü die inltierÄliflCJien KffUröfttee 

1 lü^r^biÄb h^ W9 11 ^r Dtx Wa|wf ^Ich hafee 

imchg&W'iA»bhv -iJ' k Ö ■■■• <) -s r...-^^; M; b r A11 i t ift- a n je; e 1 . -f .ft t 4 ih- k 1 be ty 
mbi3ät«n Si (jrnim m&.n svltfJtdi&n KdTp 11 yler- 
^Ui t w t\ r (i i eb ^ e m a uh t tv ^ r tl e n k ah.n.‘' 

1 » Elö anrj 1 'r 0 h euLgu N ii itr\v^ie 0 j? ln 0 rblnerja.1 ämiö kt, '«rorde 
aacli ft Ah Ott ha Dphitsübtiti nyitiiNfagu Ktir gphrabltL 

Professor TIr, P«.l&bö^nder ib ütntJi* feieW« 

Ka 11 Tit 0 d Utgt k.e j n u ti ( Zww ful, a a ö y i Kxüiikh e^iieh nnter 

anilurjAn auf fllo ?:u üerioge Zuf'uitr %ati ritihr^^sr^eli^ Wikr- 
inftt^lu Unri zii rnieli Uu.hü Tjlvi u Lßcahr^tüg nuriUkaalÜhr^ö Bittd.** 
Er \y t\ t i ew k ui uhageMütui hylt sKtAt. m v )i h t üTküf AUgfetimerk 

•.;2ij-JtmkejA,. ^- ■■■.. 

Ehr Avtiuhtia f^f df'fr WLpbsüiiijvbgn KOrper leicht 

rtfiiii m \ I io vbtor i st. uiv* l f j t*s s m tl iioit: utul Wob Ibefi d d 0 a fördert, Y6iir * 
yerhlet dttii' BU^'i^ohe S^atorlüiä ih 




für Nervöse and Etholundsliedfliftlie; 


ÄtIÄX-L ^el 1 LlDg 

Dr- isia4- Staehty, 


Ilan i^anxe Jahr s^etflFnet. 


Kaufmknii. Leitühej: 

Dlfektor Biiti]|< 























DEUTSCHLAIID 


Hr.Z 


@ m omn für die deutschen «etkehrs-lntetessen @ b 
A mtliche leltschHft des Bundes Deutscher ilerRehrs-fletelne —= 


d 



Köln: Rathaus-Vorhalle 

5;nnapr.Nntnmpr — He.rausöeöeben unter Mit\Virkung des Kölner Verkehrs Vereins.^ 


/jy 























Schnellzug-Verbindungen zwischen Cöln und London 

8onimei'-Falii‘plau 1011. 

(Zusammengestellt von der Königlichen Eisenbahn-Direktion Cöln.) 


londoi 




Hoek van Holland 


\aueorTboroti^ Roltcrclam^^.,.,^ 

FoikeskuM_~~ _ 

- -^VliJsinqen J 

\ OsfShde J 

Krefeld 


Cleve 

r^Twesel 


►Düsseldorf 


Brüss^ 


Aachen 


Cöln'’ 


I. lieber lloek vaii llolinnil—llarwieli. 

COln.ab 7l2 LiOnilon (Liverp. St.) .ab 8 ^ 

Crefeld . 813 Hoek van Holland.„ oj^o 

Cleve.„ Rotterdam B.. 

Rotterdam D. P.„ 10 ^ Cleve.. 9^9 

Hoek van Holland.. ll££' Crefeld .an 10^7 

Ijondon (Liverp. St.) .an S®« Cöln. an 

Calirprei^üe (einschl. Schnell/.ug-Zuschlag): 

a) einfache Fahrt: I. Klasse 54.40 Mk., II. Klasse 30.80 Mk. b) Hin- und Rückfahrt: I. Klasse 88.50 Mk., II. Klasse 60.80 Mk. 

II. Heber Vlisj^iiißeii—IJiieenboroiißli bezw. Folkestone. 


ab 8 ^ 

099 
909 
an 1007 
an 1113 


Cöln.ab 

Düsseldorf.„ 

Vlissingen.„ 

Queen borough.„ 

Folkestone.. 

Liondon, St. Pauls.an 

„ Holborn. 

,, Victoria.an 


liOndoii^ Victoria.al 

Holborn . 

„ St. Pauls. . , 

Queenborougb., 

Folkestone. . 

Vlissingen. 

Düsseldorf.ai 

Cöln.an 


Fahrpreise wie zu I. 

III. lieber OsteiKle—Dover. 


Cöln . . . 

Aachen . . . 

Brüssel Nord 
Ostende . . 


ab 

4411 . 

897 

C3 

0/ 

(;i3 

1)10 

Hondon, Charing Cross 

ab 

900 


900 


2*0 

900 


5661 = 5? 

9*3 


727 

K)32 

Dover. 


1100 


1100 


430 

11"0 


896|il^ 

1137 

* 

1 

! 

Ostende ... . . 

. an 

250 

1 

050 


745 

2^ 


1047) - 

33“) 

_o 

1( 5« 

330 

Brüssel Nord .... 

. ab 

522 


6^ 

c 

1124 

545 

an 

230 

7.30 


1 

7^ 

Aachen. 

. an 

, 937 1 

^ - 

1043 1 


4^ 

1004 

an 

i 610 

1 

1000 


5^ 

! 1000 

Cöln. 

. an 

jl040| 

s 

1152) 

0 “ 

540 

lU* 





^ I 






Fahrpreise (einschl. Schnellzug-Zuschlag): 

a) einfache Fahrt: I. Klasse 66.05 Mk., II. Klasse 38.75 Mk.; b) Hin- und Rückfahrt: I. Klasse 100.40 Mk., II. Klasse 69.60 Mk. 

Für die Luxuszüge ist ein besonderer Zuschlag zu zahlen. 

IV. Heber Calai^—Dover nnd Boiilogne—Folkestone. 


Cöln . . 

Aachen . . 

Brüssel-Nord 


919 613 

j 103 S 7*1 

214 1003 

(Midi) (Midi) 


613 I 1200 
7*7 j 1 ^ 
003 Ö 30 


Dover.an 245 | 445 | 3oo j 2*15 

Boulogne .... ab | 7i9 j | 

Folkestone ... an | 84o | | | 

liOiidon St. Pauls „ 712 1 

„ Holborn . „ 7i5 

„ Victoria . „ ' 711' | 

„ CharingCross an 1 549 | _ 10451 5 ^ 510 

Fahrpreise (einschl. Schnellzug-Zuschlag): 
a) einfache Fahrt: I. Klasse 116.16 Mk., II. Klasse 76.85 Mk. b) Hin- u. Rückfahrt: I. Klasse ‘ 

Für Luxuszüge ist ein besonderer Zuschlag zu zahlen. 


liOndon 

Charing Cross 
Folkestone . . . 

Boulogne . . . . 

Dover. 

Calais. 

Brüssel-Nord . . . 

Aachen. 

Cöln. 


ab 

900 

900 

900 

220 


1 



410 

an 




525 

ab 

1105 

1105 

1105 


5? 

» 1259 

1254 

1264 . 



l( 

500 

638 )=.. 

1124 

an 

931 

948 

1043^1 

415 

an 

ipoiü 

1101 

116 >!h« 

540 




ö 

1 


545 


'.60 Mk., II. Klasse 145.10 Mk. 






















































Köln; Denkmal Kaiser Wilhelm II. (Hohenzollernbrücke) 


\T SONDER-NUMMER DER ILLUStR. 
ZEITSCHRIFT„DEUTSCHEAND" 

HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG DES KÖLNER VERKEHRS-VEREINS 





































56 DEUTSCHLAND Nr. 2 



Köln: Feste Rheinbrücke (abgebrochen) 


Elberfeld, Niederlahnstein und Gießen von der rechten 
auf die linke Rheinseite und zurück ergießt, geordnet 
in den Hauptbahnhof ein- und ausführen zu können. 
Während ferner auf der alten Straßenbrücke der gesamte 
Verkehr — Straßenbahn, Fuhrwerke und Passanten — 
sich auf einer nur 8,4 Meter breiten Bahn mühsam 
durch die Gitterträger zwängen mußte, hat die neue 
Brücke eine Fahrbahnbreite von 10,4 Meter erhalten 
und bietet Raum für zwei Straßenbahngleise und je ein 
Fuhrwerk an der Seite. Außerdem ist stromauf ein 
3 Meter, stromab ein 2,5 Meter breiter Fußsteg aus¬ 
gekragt, so daß die Nutzbreite der Brücke sich nahezu 
verdoppelt hat. 

Die Pfeiler- und Widerlager, die diese drei Ueber- 
bauten tragen, sind nicht weniger als 60 Meter lang. 
65000 Kubikmeter Mauerwerk und 17 000 Tonnen = 
17 Millionen Kilogramm Eisen sind verbaut und 13,3 
Millionen Mark dafür verausgabt worden. Ein so weit 
über die Durchschnittsmaße hinausragendes Werk ver¬ 
langte auch in der künstlerischen Ausgestaltung eine 
monumentale Prägung. 

Daß Franz Schwächten diese Forderung erfüllt 
hat, unterliegt keinem Zweifel, ebenso, daß er, in 
wohlerwogener Beschränkung, es verstanden hat, Maß 
zu halten, damit das geschichtlich gewordene, har¬ 


monische Bild nicht gestört und Baudenkmäler wie der 
Dom und der Turm von Groß St. Martin nicht erdrückt 
wurden von einem Werk, dem nicht, wie jenen, die 
Patina des Alters allein einen unerreichten Glanz 
verliehen hat. 

So fügen sich denn die Portale mit ihren reizvoll 
ausgebildeten Türmen in Verbindung mit der klaren 
und durchsichtigen Linienführung des Eisenwerks zwang¬ 
los in den gegebenen Rahmen ein und haben überdies 
das Stadtbild um einen Schmuck von bedeutender künst¬ 
lerischer Wirkung bereichert. 

Den beiden Hohenzollernstandbildern, die die alte 
Brücke zierten, und die auf der Deutzer Seite vereint 
wieder erstanden sind, sind zwei neue hinzugefügt 
worden, die den Aufgang zur Brücke an der linken 
Rheinseite beherrschen. Stromauf erhebt sich auf fünf 
Meter hohem, mit rauhen Kalksteinbossen bekleidetem 
Sockel das Standbild Kaiser Wilhelms 11., dem Dome 
zu reitend, ihm gegenüber das des Kaisers Friedrich 111., 
beide von Tuaillons Meisterhand geschaffen. 

Der ingenieurbautechnische Teil des Entwurfs für 
die Brücke, umfassend das Eisenwerk, die Pfeiler, 
Widerlager, Gewölbe und Rampen, ist von der König¬ 
lichen Eisenbahndirektion zu Köln aufgestellt worden, 
der auch die gesamte Bauleitung einschließlich der 



Köln: Blick vom Ruthausturm 
















2 


Nr. 2 DEUTSCHLAND 57 


er 

kt 

ie 

DZ 

)11 

?n 

g- 

5S 

;t- 



KÖln: Hohenzollernbrücke 


Architektur oblag (Dezernent der Verfasser, Hilfsarbeiter: 
anfänglich der inzwischen verstorbene Regierungs¬ 
baumeister Dircksen, später die Regierungsbaumeister 
Schimpff, Goldschmidt und Christfreund). — An der 
Bauausführung waren beteiligt: 

Aktiengesellschaft Grün &. Bilfinger in Mannheim 
(Erd-, Gründungs- und Maurerarbeiten bis zur Fahrbahn¬ 
höhe); Firma Fritz Pilgram zu Mülheim am Rhein 
(architektonische Aufbauten), Aktiengesellschaften Gute¬ 


hoffnungshütte in Sterkrade; Maschinenbauanstalt Nürn¬ 
berg, Werk Gustavsburg; Union, Dortmund; ferner die 
Firma August Klönne, Dortmund; Aktiengesellschaften 
Hein, Lehmann & Co., Düsseldorf, und Brückenbau 
Flender, Benrath (das gesamte Eisenwerk einschließlich 
Abbruchs der alten Träger). 

Der figürliche und bildnerische Schmuck — mit 
Ausnahme der Reiterstandbilder — ist von Professor 
Riegelmann, Berlin, erdacht und modelliert worden. 


te 

Dt 

n 

nf 

m 

le 

I., 

jr 

r. 


Köln in der Römerzeit 


VoD cand. phil. 

Mit dem scharfen Blick des Strategen hat Marcus 
Vipsanius Agrippa, der bedeutendste Feldherr des aus 
den Wirrsalen der morschen Republik erwachsenden 
römischen Kaiserreiches, die Stelle, auf der sich heute die 
stolze Metropole des Rheinlandes erhebt, zur Gründung 
einer Niederlassung ausersehen. Noch jetzt durch die 
Niveauunterschiede kenntlich, erhebt sich im Herzen der 
modernen Stadt am Rhein ein kleines, die ganze Umgebung 
beherrschendes Hochplateau, das im Osten durch Heu¬ 
markt, Alten Markt und Frankenplatz, im Norden durch 
Trankgasse, Komödien- und Zeughausstraße, im Westen 


J. Klinkenberg. 

durch St. Apern- und Apostelnstraße sowie Mauritius¬ 
steinweg, im Süden durch Rotgerber-, Blau- und Mühlen¬ 
bach begrenzt wird. Hier lag das befestigte Lager 
zweier Legionen und dabei die Hauptstadt des den 
Römern engbefreundeten deutschen Stammes der Ubier, 
die im Jahre 38 v. Chr. durch Agrippa vom rechten 
auf das linke Rheinufer verpflanzt worden waren. Die 
junge Niederlassung entwickelte sich rasch. Schon im 
Jahre 50 n. Chr. wurde sie auf Betreiben der Kaiserin 
Agrippina, die hier geboren war, zur römischen Kolonie 
erhoben, nachdem einige Zeit vorher die Truppen nach 



Köln: Südbrücke 

























58 DEUTSCHLAND Nr. 2 




Bonn und Neuß verlegt worden waren. So ist Köln das 
älteste städtische Gemeinwesen des Deutschen Reiches. 

An die Stelle der ursprünglichen Erdwälle trat ein 
starker Ring von Mauern und Türmen, durchbrochen von 
einer Anzahl präch¬ 
tiger Tore. Noch 
heute steht an der 
nach ihm benannten 
Straße der nord¬ 
westliche Eckturm 
der Befestigung, der 
sogen. Römerturm. 

Kleinere Turmreste 
befinden sich an 
der Nordseite des 
Domes, die Mauer 
tritt noch auf der 
Burgmauer und in 
der Clemensstraße 
zutage. 

Für kurze Zeit 
wurde das Auf¬ 
blühen der Stadt 
durch den großen 
Germanenaufstand 
des Jahres 70 unter¬ 


verkehrs. Kaufleute und Gewerbetreibende aus dem 
hochkultivierten Süden, besonders aus Italien, siedelten 
sich an, und die Zahl der Bewohner stieg bis zu 30000. 
In hervorragendem Maße blühte seit dem Ende des ersten 

Jahrhunderts dieFa- 
brikation von Terra¬ 
kotten, zu der in der 
zweiten Hälfte des 
folgenden Jahrhun¬ 
derts eine großartig 
entwickelte Glas-In¬ 
dustrie trat. Das 
städtische Wallraf- 
Richartz- Museum 
besitzt eine glänzen¬ 
de Sammlung dieser 
Erzeugnisse uralten 
kölnischenGewerbe- 
fleißes. Man staunt 
über den außeror¬ 
dentlichen Formen¬ 
reichtum und die 
feine Technik, die 
selbst heute in man¬ 
chen Beziehungen 
nicht erreicht wird. 


brochen, dann aber steigerte sich in der folgenden langen 
Friedenszeit der Wohlstand der Bevölkerung mehr und 
mehr. Als Sitz des Statthalters der römischen Provinz 
Niedergermanien war die Colonia Claudia Ara Agrippi- 
nensis — so lau¬ 


Köln: Römergrab zu Weiden 

Vor den Stadttoren erhoben sich zu beiden Seiten der 
Straßen prächtige Grabdenkmäler (Reste im Museum), 
ein beredtes Zeugnis für den Wohlstand der Bevölkerung. 
Das bedeutendste ist die Grabkammer in dem an der 

alten Römerstraße 


tete der Name 
Kölns — der poli¬ 
tische Mittelpunkt 
des ganzen Ge¬ 
bietes am Nieder¬ 
rhein. Schnell 
faßte hier die 
römische Kultur 
festen Boden. — 

Glänzende Gebäu¬ 
de und Denkmäler, 
deren Reste noch 
immer gelegent¬ 
lich ans Tageslicht 
kommen,schmück¬ 
ten die sorgfältig 
angelegten Stras¬ 
sen. Selbst ein 
reiches Entwässe¬ 
rungs-System 
(Ueberrest: der 

sog. Römergang, 

Ecke Unter- Gold¬ 
schmied und Kl. 

Budengässe) und 
eine Wasserleitung, deren Wasser mittels eines 77 km 
langen Kanals aus dem Quellgebiet der Urft herbei¬ 
geleitet wurde, war vorhanden, Einrichtungen, die uns 
Modernen erst die letzten Jahrzehnte wiedergebracht 
haben. Die großen Heerstraßen nach Mainz, Trier und 
Xanten rückten die Stadt in das Getriebe des Welt¬ 


Köln: Römische Kleingeräte 


nach Jülich, der 
jetzigen Aachener¬ 
straße, gelegenen 
Dorfe Weiden, Q 
Kilometer vor der 
Stadt. Sie stammt 
aus der zweiten 
Hälfte des dritten 
Jahrhunderts. Da¬ 
mals war Köln 
wenigstens zeit¬ 
weilig Hauptstadt 
des gallischen Kai¬ 
serreiches,das sich 
vom römischen 
Reiche losgelöst 
hatte. Die Glanz¬ 
zeit derRömerherr- 
schaft am Rhein 
war nun vorüber. 
Immer ungestü¬ 
mer pochten die 
Barbaren an die 
Tore des Reiches. 
Kaiser Konstantin 
der Große baute um das Jahr 310 als Schutzwehr die 
kleine, aber sehr starke Feste Deutz und verband sie 
durch eine stehende Brücke, die 100 Meter unterhalb 
der heutigen Schiffbrücke den Rhein überschritt, mit 
der Stadt, ein Werk, das die Bewunderung der Zeit¬ 
genossen erregte. Doch trotz der größten Anstrengungen 












Nr. 2 DEUTSCHLAND 5Q 


ließ sich der Strom der über den Rhein drängenden 
Germanen auf die Dauer nicht aufhalten. Im Jahre 355 
fiel Köln nach langer Belagerung in die Hände der 
Franken und wurde fast völlig zerstört. Zwar gelang es 


noch einmal, die Stadt zurückzuerobern und wieder 
aufzubauen. Köln besitzt noch eine römische Inschrift 
aus den Jahren 392—394. Sie ist das letzte Dokument 
römischer Herrschaft in Köln. 


Köln im Mittelalter. 

Von F. C. Heimann, Kgl. Baurat. 


Das römische Köln, mit seinen fest gefügten Mauern 
und Toren, den breitgelagerten Massen seiner Tempel 
und Paläste, auf einem Hügel trotzig aufgebaut, vermögen 
wir uns nur nach den Ergebnissen der Forschungen 
und Funde vor unserem Geiste erstehen zu lassen. 
Vom mittelalterlichen Köln aber besitzen wir in dem 
xylographischen Meisterwerk des Antonius Woensam 
von Worms (1531) ein getreues Bild, das uns die Flu߬ 
ansicht der Stadt in ihrer monumentalen Größe und 
Pracht vor Augen führt. Der alten Römerstadt hatten 
sich allerseits bevölkerte Vorstädte und Klostergelände 
auf weite Strecken hin angegliedert, die seit Beginn 
des 13. Jahrhunderts der gewaltige halbkreisförmige. 


mit Torburgen und Türmen bewehrte Mauerring um¬ 
schloß, die größte Stadtbefestigung jener Zeit, die erst 
vor drei Jahrzehnten der Zerstörung anheimfiel. 

Was hat nun der alten Colonia den Ruf der Stadt 
„boven allen steden schoin" verschafft und ihr so 
lange behalten? Es ist vornehmlich die Kunst, die in 
allen Zweigen hier Stätte und Pflege fand, in ihren 
Schöpfungen ein kostbares Besitztum dem lebenden 
Geschlechte hinterlassen hat. Seit den Tagen des großen 
Karl waren fast ein halbes Jahrtausend hindurch die 
Inhaber des erzbischöflichen Stuhles auch Träger der 
weltlichen Herrschaft, und unter so bedeutenden Männern 
wie Hildebold, Bruno, Heribert, Anno, Reinald von Dassel, 



Köln: Dom, Südseile 






























nrig 


pr^ 


ü^jCi 


Köln: Albinusschrein Sl. Maria, in der Schnurgasse 


Köln : Dombild von Stephan Lochner 



































































Nr. 2 DEUTSCHLAND 61 



Engelbert, Konrad von Hochstaden, entfaltete sich reges 
kirchliches Leben, erstand eine Reihe von Gotteshäusern, 
die Marksteine in der Geschichte der mittelalterlichen 
Baukunst darstellen. Vor allem sind es die Kirchen 
romanischen Stiles, welche die Bewunderung erregen: 
St. Maria im Kapitol, St. Aposteln und St. Martin. Klee¬ 
blattförmiger Grundriß der Choranlage mit drei Konchen 
ist allen gemein, verschieden der Aufbau gelöst. Die 
erstgenannte Kirche, auch in ihren Grundfesten nach 
jüngster For¬ 
schung durch¬ 
aus ein Werk 
des 11. Jahrhun¬ 
derts, zeichnet 
sich durch Weit¬ 
räumigkeit des 
Innern mit all¬ 
seitigen Um- 
gängenaus,wäh- 
rend das Aeus- 
sere einfach, fast 
schmucklos ist. 

Wie ganz anders 
tritt uns die 
Apostelnkirche 
entgegen I Den 
größten, schön¬ 
sten Platz der 
Stadt beherrscht 
sie mit Türmen 
und Vierungs- 
Kuppel. Die 
Konchenwände 
sind durch Ar¬ 
kaden gegliedert 
und unter den 
Dächern zieht 
sich die Zwerg¬ 
galerie hin, jenes 
bauliche Motiv, 
das neben kon- 
struktiverBedeu- 
tungdie Ansicht 
in Wechsel von 
Licht und Schat¬ 
ten wesentlich 
beeinflußt. Wird 
hier schon im 
Innern und Aeus* 
sern die Vierung 
durch mäßig 
hohen Aufbau Köln: St. 

betont, so findet dieses Bestreben gesteigerten Aus¬ 
druck in dem hochragenden Mittelturm von St. Martin 
mit seinen vier angefügten Ecktürmchen, der, aus der 
zierlich ausgebildeten Choranlage emporsteigend, die 
wirkungsvollste bauliche Erscheinung inmitten des Flu߬ 
panoramas ist. St. Gereon schließlich zeigt sich in der 
Vereinigung einer Reihe von Bauten aus verschiedenen 
Zeiten, zehneckigem Kuppelbau, Langchor mit Krypta 
und Turmpaar, bei eigenartigster Grundform, im Innern 
und Aeußem als ein wechselvolles, charakteristisches 


Meisterwerk, das seinesgleichen nicht hat. — Aber in 
den Tagen, wo man diesen Kuppelbau vollendete, in 
dem die romanische Architektur zum Gipfelpunkt gelangt 
war, hatte die Gotik bereits ihren Einzug in Köln 
gehalten, entwarf Meister Gerhard schon den Plan zum 
größten, einheitlichsten Werke dieses Stiles auf deutschem 
Boden, zum Dome. Gewiß ist nicht zu verkennen, 
daß Grundriß und Konstruktion ihr Vorbild in den 
Kathedralen von Chartres, Amiens und Beauvais haben 

aber die ganze 
Formensprache 
des Kölner Do¬ 
mes ist des' fran- 
zösischen Ein¬ 
flusses bar, eine 
völlig deutsche. 
Der 1248 be¬ 
gonnene Bau ge¬ 
dieh nur bis zur 
Vollendung des 
Chors(1322)und 
Errichtung des 
südlichen Tur¬ 
mes auf Höhe 
desMittelschiffs. 

Unserer Zeit 
blieb es vorbe- 
halten,denTorso 
der Kirche zum 
Ganzen zu ge¬ 
stalten, die Spit¬ 
zen der Türme, 
deren Original¬ 
aufriß uns glück¬ 
licherweiseüber¬ 
kommen ist, 
1880 mit den 
Kreuzblumen zu 
krönen. 

Neben diesen 
größten Leistun¬ 
gen auf dem Ge¬ 
biete des Kir¬ 
chenbaues hat 
der romanische 
wie der gotische 
Stil noch eine 
Reihe bemer¬ 
kenswerter Got¬ 
teshäuser ge¬ 
schaffen: St.Cä- 
'Martin cilia, St. Ursula, 

St. Andreas, St. Georg, St. Severin, St. Maria in Lys- 
kirchen. St. Pantaleon, St. Kunibert, die Sakristei von 
St. Gereon und die Minoritenkirche. Noch spätere Werke 
besitzen lediglich den Wert origineller Lösungen schwie¬ 
riger, konstruktiver Aufgaben; nur ein einziger Bau 
reicht in der imposanten Innenwirkung an die großen 
Schöpfungen des Mittelalters: die Jesuitenkirche. 

Gegenüber der kirchlichen Baukunst tritt die bürger¬ 
liche bedeutend zurück. Nur die Häuser der Reichen und 
der edlen Geschlechter trugen einen architektonischen 




















Nr. 2 DEUTSCHLAND 63 


des Dombildes, gehören der Kunstgeschichte an und hunderts, Albertus Magnus, der „Doctor universalis", 
verkünden den Ruhm der Kölner Malerschule. Solcher war hier Lehrer, kein Geringerer als St. Thomas von 
gebührt auch den Meistern der Kleinkunst, insbesondere Aquin, der „Fürst der Gottesgelehrten", sein Schüler. 



Köln: Stadtansicht (T53T) 



den Goldschmieden, Emailleuren und ihrer Werkstätte 
bei der alten Abtei St. Pantaleon. Der Dreikönigen- 
Schrein im Dom, die Reliquienkästen in St. Maria in der 
Schnurgasse,St.Ursula und 
St. Andreas, in Siegburg, 

Deutz und Xanten sind Zeu¬ 
gen inhaltreicher, schön¬ 
heitsvollen Entwurfes,tech- 
nischer Vollendung. 

Gleichen Schritt hielt die 
Plastik in der gotischen 
Periode. Die Standbilder 
der Apostel im Chore des 
Domes und der Schmuck 
seiner Hochaltarmensa, 
die Hochgräber der Erz¬ 
bischöfe in den Kapellen 
und die Figurenreihe in 
der Peterspforte des Süd¬ 
turmes, die Gruppe des 
Dreikönigenpförtchens, die 
neun Helden im Hansa¬ 
saal, die Verkündigung in 
St. Kunibert sowie eine 
große Anzahl trefflicher 
Einzelleistungen in der 
Sammlung Schnütgen ver¬ 
anschaulichen den Werde¬ 
gang der Bildkunst bis zum 
Ausgang des Mittelalters. 

Bis dahin herrschte in 
der Stadt nicht nur ein 
reges Kunstleben, sondern 
auch die Wissenschaft er¬ 
freute sich besonderer Förderung. Neben Paris war das 
Kölner Dominikanerkloster die bedeutendste Pflegstätte 
der Theologie. Der größte Gelehrte des 13. Jahr- 


Zahlreiche berühmte Juristen gingen aus der 1388 
gegründeten Universität hervor, und die Buchdrucker¬ 
kunst gelangte schon in den Tagen Gutenbergs 

hier zu schneller Blüte. 

Die kommunale Entwick¬ 
lung der Stadt vollzog 
sich in langen, bitteren 
Kämpfen gegen den Erz¬ 
bischof, in Zwistigkeiten 
zwischen Bürgern und 
Patriziern mit öfterem 
Wechsel des Geschicks. 
Die Schlacht bei Wor¬ 
ringen (1288) machte der 
Bischofsgewalt, der Ver¬ 
bundbrief (1396) der Herr¬ 
schaft der Geschlechter 
ein Ende; eine demo¬ 
kratische Verfassung griff 
Platz, die mit geringen 
Abänderungen für die 
Stadt bis zum Verlust 
ihrer Reichsherrlichkeit in 
Geltung blieb. 

Die wirtschaftliche Stel¬ 
lung Kölns in Handel und 
Gewerbe hob sich zu 
einer der einflußreichsten 
im Laufe des 14. Jahr¬ 
hunderts, nicht nur in den 
benachbarten flandrischen 
Gebieten und England, 
sondern auch weithin 
nach den Ländern des 
Südens. Als Mitglied der Hansa war die Stadt ein 
wichtiger Faktor in der neuen nordwestlichen Handels¬ 
verbindung. 


Köln: St. Maria Himmelfahrt (Inneres) 





























•••••••••••••••••• 





Köln : St. Gereon (Inneres) 



r 

■ > ^4 ■ 

i* -N-rrrr; 

z 

pt 

in 'J 

r n J 


ijgj 







































Nr. 2 DEUTSCHLAND 65 


Woensams Bild zeigt uns das alte Köln in seinem 
stolzen Aufbau, aber auch das bewegte Leben der 
Schiffe auf dem Rhein, dem großen Handelsweg von 
den Alpen zum Weltmeer. — Geistliche und weltliche 


Macht, Künstler, Kaufmann und Bürger haben im Mittel- 
alter gleicherweise zum Ruhm der Stadt beigetragen. 
Unter ihrem Bilde kündet ihn der Spruch: 

O felix Agrippina nobilis Romanorum Colonial 


Köln in der Neuzeit. 

Von C. Rehorst, Beigeordneter der Stadt Köln. 


Mag auch für den, der zum ersten Male die Straßen und 
Gassen des Herzens von Köln in Bewunderung der herrlichen 
Schöpfungen des Mittelalters und der Renaissance durch¬ 
wandelt, der erste Eindruck der sein, daß die alte Colonia 
Agrippinensis sehr viel ihrer Schönheit längstvergangenen 
Tagen verdankt, so wird es doch dem, der mit offenem Auge 
zu schauen versteht, nicht lange verborgen bleiben, daß sie 
eine durchaus moderne Stadt geworden ist. Er wird bald 
bewundernd erkennen, daß sie es wie wenige Städte im Reiche 
verstanden hat, unter Erhaltung des altertümlichen Gepräges 
und der Reize mittelalterlicher Städte sich den Forderungen 
der Neuzeit anzupassen, sich in modernem Geiste weiter zu 
entwickeln, frisches Leben durch ihre Adern pulsieren zu 
lassen. Hat es auch hier eine Zeit gegeben — wie leider 
überall im deutschen Vaterlande — wo man in einer Anwand¬ 
lung von Selbstüberhebung leichten Herzens die Schöpfungen 
der bürgerlichen Baukunst früherer Tage preisgab, weil man 
glaubte, bessere Werke an ihre Stelle setzen zu können oder 
irgendwelche Verkehrsanforderungen durch Begradigung und 
Erbreiterung der Straßen erfüllen zu müssen, so hat man in 



Köln: Am Bollwerk 



Köln: Ecke Buttermarkt-Lintgasse 

Köln doch bald eingesehen, welche Kulturwerte man damit 
vernichtete und wie leicht man den Forderungen des Verkehrs 
unter Schonung der Schönheit des Stadtbildes gerecht werden 
kann. Darum gibt es im Innern der Stadt noch heute so 
manche Perle früherer Baukunst, und darum finden wir dort 
noch stimmungsvolle Plätze und geschwungene, malerische 
Straßen, trotzdem durch sie großstädtischer Verkehr flutet. 

Ein Blick auf den Stadtplan von Köln läßt, wie die Jahres¬ 
ringe das Alter des Baumes, die städtebauliche Entwicklung 
der Stadt durch den Lauf der Jahrhunderte klar erkennen. 
Noch bilden die in gerader Linie geführten Straßen des römischen 
Castrum von Nord nach Süd und von Ost nach West die 
beiden Hauptgeschäftsstraßen der Innenstadt; das regelmäßig 
gestaltete Straßennetz in ihrer näheren Umgebung läßt gleich¬ 
falls unschwer den römischen Ursprung erkennen. Das 
römische Köln, das nach Westen hin bis an die Westseite 
des heutigen Neumarkts reichte, ging in östlicher Richtung 
nicht bis an den Rhein, sondern nur bis zur Höhe der heutigen 
Martinstraße, an der der Gürzenich liegt. In südlicher Rich¬ 
tung war es begrenzt durch den Straßenzug Blaubach-Filzer,- 






































66 DEUTSCHLAND Nr. 2 


graben und nördlich durch die Straße, die heute den Namen 
„Burgmauer^' trägt. Die erste Stadterweiterung um 940 n. 
Ch. dehnte das Stadtgebiet bis zum Rheine aus, und um 
n06 fügte man größere Gebiete im Norden und Süden 
wie auch im Westen hinzu, die durch Umschließung durch 
einen Wall mit der römischen Siedelung, die ihrerseits durch 
eine starke Mauer mit Türmen und Toren umgeben war, zu 
einer Stadtanlage von sehr beträchtlicher Größe zusammen¬ 
gefaßt wurden. Diese mittelalterlichen Stadtteile unterscheiden 
sich noch heute im Stadtplan ganz deutlich von den Anlagen 
römischen Ursprungs durch die Unregelmäßigkeit ihrer Straßen 
und Plätze. 

Um die Wende des 13. Jahrhunderts vollzog sich dann 
schon eine weitere gewaltige Stadterweiterung, indem in 
fast halbkreisförmiger 
Linie um den Kern 
der römischen Anlage 
eine neue, starke Be¬ 
festigungsmauer mit 
Wallgraben und stark¬ 
befestigten Toren er¬ 
richtet wurde, die 
dann volle 700 Jahre 
der Stadt Schutz und 
Schirm gewährte, aber 
auch ihre Entwicklung 
einengte. 

Lange Jahrhun¬ 
derte war das Stadt¬ 
gebiet innerhalb die¬ 
ser Ringmauer an 
vielen Stellen nicht 
dicht bebaut, sondern 
noch mit großen 
Gärten und Wein¬ 
bergen durchsetzt. 

Gegen Ende des 19. 

Jahrhunderts aber, 
nachdem sich auch 
noch um die mittel¬ 
alterliche Befestigung 
konzentrisch ein mo¬ 
derner Festungsgürtel 
gelegt hatte und un¬ 
mittelbar vor deren 
Toren sich neue Ge¬ 
meinwesen, die Vor¬ 
orte Bayenthal, Sülz, 

Lindenthal, Ehrenfeld 
und Nippes kräftig, 
aber ziemlich plan¬ 
los entwickelt hatten, 
wurde der immer mehr 
auf blühenden Colonia 
ihr Raum zu eng, und unter Aufwendung gewaltiger Geldmittel 
erwarb sie von dem Reichsmilitärfiskus das Gelände der 
mittelalterlichen Befestigungsanlagen. 

Nun fiel die alte Mauer, die Gräben wurden zugeschüttet, 
viele der alten Tore sanken in Trümmer, und nach einem ein¬ 
heitlichen, großzügigen Plane erstand im Laufe von wenigen 
Jahren Kölns vielbewunderte Neustadt. „Licht, Luft und grüne 
Bäumcher"" waren es, die nach einem kölnischen Scherzwort 
dem mittelalterlichen Köln gefehlt hatten, und diese zu schaffen, 
strebte in erster Linie der neue Bebauungsplan an. Dann aber 
sehnte man sich in der alten Stadt mit ihren krummen und 
winkeligen Gassen nach möglichst geraden und breiten Straßen, 
wie man sie wenige Jahre zuvor durch die energische Hand 
Baron Haußmanns in Paris hatte entstehen sehen. Unter diesen 


Gesichtspunkten wird der Stadterweiterungsplan von 1881, der 
uns mit seinen vielen Diagonalstraßen von z. T. übertriebener 
Breite und mit den daraus entstandenen Sternplätzen, die keine 
schönen Städtebilder entstehen ließen, verständlich. Be¬ 
wundernswert werden immer bleiben und werden stets wie 
heute das Entzücken derjenigen bilden, die aus dem Innern 
der Stadt nach den neuen Stadtgebieten kommen, die großen 
Ringstraßen mit ihrem schönen Baumschmuck und ihren zahl»* 
reichen gärtnerischen Anlagen. Besonders schöne Bilder sind 
an ihnen da entstanden, wo man noch Teile der alten Stadt»* 
Befestigung mit den alten Wallalleen erhalten hat, wie am 
Sachsenring und Hansaplatz, oder wo man als steinerne 
Dokumente der Stadtentwicklung die alten malerischen 
Stadttore, wie die Severinstorburg, das Hahnentor und die 

Eigelsteintorburg, vor 
dem Untergang ge¬ 
rettet hat. 

Mit dieser Stadt¬ 
erweiterung von 1881 
wuchs das Stadtge¬ 
biet, das zu römischer 
Zeit annähernd 100 
Hektar und seit der 
Errichtung der Stadt¬ 
mauer von 1180 363 
Hektar betragen hatte, 
um 510 Hektar auf 
878 Hektar. 

Die Erkenntnis aber, 
daß die Weiterent¬ 
wicklung der rings¬ 
um der Stadt vor¬ 
gelagerten selbstän¬ 
digen Vororte einer 
einheitlichen gro߬ 
städtischen Gestal¬ 
tung Kölns mancherlei 
Erschwernis bereite, 
führte 1888 zur Ein¬ 
verleibung der oben¬ 
genannten linksrheini¬ 
schen Vorstädte und 
der rechtsrheinischen 
Gemeinden Deutz und 
Poll in das Kölner 
Stadtgebiet, das damit 
auf die bedeutende 
Fläche von 11182 
Hektar anwuchs. Wie 
gewaltig diese Aus¬ 
dehnung ist,kann man 
durch einen Vergleich 
mit dem Areal der 
Stadt Berlin ermessen, 
welches nur rund 6000 Hektar beträgt. Sie hat damit aber 
noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, denn die 1910 erfolgte 
Eingemeindung der rechtsrheinischen Vororte Kalk und Vingst 
brachten einen weiteren Zuwachs von 651 Hektar, und augen¬ 
blicklich schweben Verhandlungen über die Vereinigung der 
Stadt Mülheim a. Rh. mit Köln, durch die das rechtsrheinische 
Stadtgebiet erst seine völlige, eine großzügige städtebauliche 
Gestaltung und gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung ermög¬ 
lichende Abrundung erfahren würde. — Hand in Hand mit dieser 
steten Zunahme an Fläche ging auch das Wachstum der Ein¬ 
wohnerzahl: bctrugl798 die Seelenzahl von Köln noch 38844, 
so zählen wir 1880 schon 144 722 Einwohner, 1890 stieg ihre 
Zahl auf 281681 und 1908 auf 463 699. 1911 hat die Be¬ 

völkerung bereits die Zahl von 518000 Seelen überschritten. 



Köln: Kaiser-Wilhelm-Denkmal 








Nr. 2 DEUTSCHLAND 67 


Gerade in die¬ 
sen Tagen vollzieht 
sich ein für die 
städtebaulicheEnt- 
wicklung von Köln 
bedeutsames Er¬ 
eignis : Nachdem 
die neuen, auch die 
äußeren links- und 
rechtsrheinischen 
Vororte umschl ies- 
senden Festungs¬ 
anlagen vollendet 
sind, gehen die im 
Jahre 1907 für 
25 Millionen Mark 
von dem Reichs¬ 
militärfiskus er¬ 
worbenen inneren 
Festungswerke in 
den Besitz der 
Stadtgemeinde 
überund der bisher 
von der Bebauung 
ausgeschlossene 
Rayongürtel, der 
die Vororte von der 
alten Stadt trennte, wird dieser freigegeben. Schon ist ein in 
hygienischer und künstlerischer Hinsicht den modernen An¬ 
schauungen entsprechender Bebauungsplan aufgestellt, schon 
sind Hacke und Spaten in Tätigkeit, die einengenden Wälle 
und Gräben einzuebnen, und bald wird sich in diesem großen 
Gebiet eine gewaltige Bautätigkeit entfalten. Eine zweite Kölner 
Neustadt wird entstehen, die sich würdig an die Stadterweiterung 


von 1881 anreihen 
und hoffentlich 
auch Zeugnis da¬ 
für ablegen wird, 
daß die deutsche 
bürgerliche Bau¬ 
kunst seit jener 
Zeit Fortschritte 
gemacht hat. 

Eine so schnelle 
und starke Ent¬ 
wicklung, nament¬ 
lich in einer Zeit, 
da die sich über¬ 
bietenden Fort¬ 
schritte der Tech¬ 
nik auf so vielen 
Gebieten bedeut¬ 
same Umwälzun¬ 
gen hervorriefen, 
stellte der Stadt¬ 
verwaltung immer 
neue Aufgaben. 
Volksgesundheit 
und Erziehung, 
Verkehrswesen, 
Handel und Indu¬ 
strie, soziale Forderungen verschiedenster Art, Kunst und 
Wissenschaft — sie alle haben in einer modernen Großstadt 
ihre wohlerworbenen Rechte und bestehen auf deren Erfüllung. 

In erster Linie war es die Förderung der Volksgesund¬ 
heit, der man in Köln stete Sorge widmete, und sie wurde 
von dem Erfolge gekrönt, daß man heute ohne Ueberhebung 
unsere Stadt als eine der gesundesten Deutschlands preisen 




Köln: Dreikönigenpforte und Sangsmeisterhäuschen 




Köln: Rheinauhafen 












68 DEUTSCHLAND Nr. 2 



Köln: Flora 


technisch überhaupt möglich war. Die 
Hauptverkehrsstraßen und die engen 
Straßen der Altstadt erhielten Asphalt¬ 
belag, die übrigen städtischen Straßen 
bestes Steinpflaster, und nur in den 
Außenbezirken blieb die Makadamstraße 
in Anwendung, der man neuerdings durch 
Behandlung mit Teer und anderen staub¬ 
bindenden Mitteln viel von ihren Schatten¬ 
seiten genommen hat. Soweit es ihre 
Breite irgend zuläßt, sind die Straßen 
mit Baumpflanzungen versehen, die hier 
unter günstigem Klima und sachver¬ 
ständiger Behandlung so gut gedeihen, 
wie kaum in einer anderen Stadt Deutsch¬ 
lands. Ende des Jahres 1910 hatte Köln 
nicht weniger wie 191 ÖIO Meter baum¬ 
bepflanzte Straßen aufzuweisen. 

Kölns Straßen sind im ln- und Aus¬ 
lande ihrer guten Ausführung und Instand¬ 
haltung wegen ebenso berühmt, wie 


darf. Von Epidemien ist sie seit langem 
verschont geblieben, die prozentuale 
Sterblichkeitszifler ist eine überaus ge¬ 
ringe. Die Zeit der Besserung der Ge¬ 
sundheitsverhältnisse fällt fast zusammen 
mit derjenigen der Stadterweiterung der 
achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. 
Leicht erklärlich, denn diese konnte sich 
die jüngsten Errungenschaften der Hy¬ 
giene und Technik zu eigen machen und 
ihre vorbildlichen Leistungen kamen auch 
bald der Altstadt zugute. So war es 
zunächst der Straßenbau, der erhebliche 
Fortschritte machte. Man hatte den Wert 
gut angelegter und mit einer dichten 
Decke versehener Straßen für die Rein¬ 
haltung des Untergrundes und die Rein¬ 
lichkeit der Stadt überhaupt erkannt und 
führte sie deshalb unter Aufwendung 
beträchtlicher Mittel so gut aus, wie es 




Köln: Früheres Markttreiben auf dem „Alten Markt" 


wegen ihrer großen Reinlichkeit. Diese 
ist der ausgezeichnet organisierten und 
betriebenen Straßenreinigung zu danken, 
die durch den städtischen Fuhrpark be¬ 
wirkt wird. Die jährlichen Aufwendungen 
hierfür betragen etwa 1 '/^ Millionen Mark. 
Auch die tägliche Abfuhr des Hausmülls 
erfolgt durch den städtischen Fuhrpark, 
dessen Etat hierdurch mit rd. 1 Million 
Mark belastet wird. 

Die Stadterweiterung von 1881 gab 
auch den Anlaß zur Ausführung einer 
einheitlichen Kanalisation, die sich nun¬ 
mehr über das ganze bebaute und dem¬ 
nächst zur Bebauung kommende links¬ 
rheinische Stadtgebiet erstreckt. Nach 
dem System der Schwamm-Kanalisation 
führt sie die Niederschlags-, Brauch- und 
Fabrikwässer sowie die Fäkalien dem 
Rheine zu, nachdem diese zuvor in einer 
im Norden der Stadt angeordnelen Klär¬ 
anlage einer mechanischen Reinigung 
unterzogen worden sind. Sämtliche 
Wohngebäude müssen nach polizeilicher 
Vorschrift an die Kanalisation ange- 








^ Nr. 2 

ch war. Die 
die engen 
ten Asphalt- 
:hen Straßen 
nur in den 

Jeadamstraße 
Jrding^s durch 
ideren staub- 
ren Schatten¬ 
weit es ihre 
die Straßen 
len, die hier 
nd sachver- 
ut g^edeihen, 
adt Deutsch- 
0 hatte Köln 
vieler baura¬ 
sen. 

[n- und Aus- 
und Instand- 
jrühmt, we 



eit. Diese 
erten und 
5U danken, 
irpark be- 
-endun^^^ 
nen 

iausinöii^ 
puhrpöf^' 
t 0lion 

[631 

ng 

lieh 

ind de«’- 
ie 

Mach 

alisa"'”; 

ach''®'* 

en 

. in eiP«' 
en Kl“'- 

50äici“ 

ang«- 



Nr. 2 DEUTSCHLAND 69 


schlossen werden. — Die Fürsorg-e für 
die Beschaffung reichlichen und gesunden 
Trinkwassers liegt schon weiter zurück, in 
neuerer Zeit aber hat man die Anlagen für 
dieWasserversorgung der Stadt in gerade¬ 
zu mustergültiger Weise ausgebaut und 
damit einem der wesentlichsten Faktoren 
der Volksgesundheit Rechnung getragen. 
Nachdem zu römischer Zeit eine technisch 
höchst vollendete Quellwasserleitung von 
den Höhen der Eifel her die Stadt mit aus¬ 
gezeichnetem Trinkwasser versorgt hatte, 
begnügte man sich nach deren Verfall 
viele Jahrhunderte hindurch mit der 
Wasserentnahme aus über die ganze Stadt 
verteilten Brunnen, deren Beschaffenheit 
durch die mangels einer Kanalisation 
stetig zunehmende Verseuchung des 
Bodens in hygienischer Beziehung immer 
bedenklicher wurde. Erst 1872 erhielt 
Köln wieder eine zentrale Wasserver- 


Köln: Flora 



Köln: Kinderspielplatz (Deutscher Ring) 


technischer Vollkommenheit und 
Leistungsfähigkeit. 

Für das Wohnungswesen der 
Stadt Köln bedeutet die Stadt¬ 
erweiterung der achtziger Jahre des 
vorigen Jahrhunderts einen ent¬ 
scheidenden Wendepunkt. Nicht 
allein, daß das bisher aus der Enge 
der Festungsstadt geborene, für Köln 
typische, schmale eingebaute Drei¬ 
fensterhaus in den neuen, eine 
weiträumige Bebauung gestattenden 
Stadtgebieten nur verschwindend 
geringe Nachfolge fand, regelten der 
Bebauungsplan und eine neue Bau¬ 
ordnung den Wohnungsbau nach 
neuen Gesichtspunkten. Köln war 
eine der ersten Städte, welche die 
sogenannte Zonen- oder Staffelbau¬ 
ordnung einführten, nach der von der 


sorgung durch das in unmittelbarer 
Nähe des Rheins errichtete Wasser¬ 
werk an der Alteburg. In den Jahren 
der Stadterweiterung erbaute man dann 
innerhalb der Neustadt das Wasserwerk 
Severin, und da dessen Leistungsfähigkeit 
bei der zunehmenden Bevölkerung nicht 
ausreichte, um 1900 außerhalb der Stadt- 
grenzen das große Wasserwerk Hoch¬ 
kirchen, das mittels 90 Rohrbrunnen 
aus einem mächtigen Grundwasserstrom 
ein ganz vortreffliches, in chemischer 
und bakteriologischer Beziehung durch¬ 
aus einwandfreies Trinkwasser empor¬ 
hebt. Nach den bisherigen Erfahrungen 
kann die Leistungsfähigkeit dieses Werkes 
auf 200000 Kubikmeter im Tage ge¬ 
steigert werden, so daß es den Wasser¬ 
bedarf für 1 Million Einwohner zu decken 
vermag. 

Eine gleich glänzende Entwicklung 
haben auch die städtischen Werke für 
die zentrale Lichtversorgung genommen. 
Die Gasanstalt und die Elektrizitäts¬ 
werke sind Musterbetriebe von höchster 








Köln: Markthalle 
























































70 DEUTSCHLAND Nr. 2 



Innenstadt nach außen abnehmend nur ein bestimmter Prozent¬ 
satz des Baugrundstücks bebaut werden darf. Betrug dieser 
in der Römerstadt 757of iri der übrigen Altstadt 65®/o, so 
staffelte man ihn unter gleichzeitiger Beschränkung der 
Geschoßzahl in der geschlossenen Bauweise der Außenbezirke 
auf 507o ab und gestattete in den für die offene Bauweise 
bestimmten Gebieten nur 407o bebaute Fläche. Weite Be¬ 
zirke hat man dieser 
Bauklasse zugeteilt, ^ 
so daß sich an ver¬ 
schiedenen Punkten 
der Stadt schöne, in¬ 
mitten grüner Gärten 
gelegene Villen- 
Kolonien angesiedelt 
haben. Die prächtigen, 
zum Teil architekto¬ 
nisch wertvollen Land¬ 
häuser an den herr¬ 
lichen Alleen des 
Oberländer- und des 
Niederländer - Ufers 
sind eine Zierde des 
Stadtbildes vom Rhein 
her, die entzückende 
Kolonie Marienburg 
und die den Stadtwald 
umziehenden Villen¬ 
straßen in Lindenthal 
bieten Wohngelegenheiten von großer Schönheit. Eine große 
Förderung erfährt das Wohnungswesen in Köln durch eine weit¬ 
ausschauende städtische Bodenpolitik. Die Stadt selbst besitzt 
innerhalb ihres Weichbildes etwa 3000 Hektar und außerhalb 
dessen über 2000 Hektar Land und vermehrt ihren Grund¬ 
besitz ständig. Sie gibt Bauland unter Bedingungen ab, die 
auf eine in hygienischer, wirtschaftlicher und ästhetischer 


Beziehung befriedigende Bauweise hinzielen, und wirkt so in 
hohem Maße vorbildlich. 

So hat sich die Stadt in neuerer Zeit auch die Erschließung 
von Bauland inmitten der Altstadt angelegen sein lassen und hat 
damit nicht nur neue Verkehrsadern geöffnet und alte schlechte 
Quartiere saniert, sondern auch den Bau moderner, künstlerisch 
hoch bedeutsamer Geschäftshäuser gefördert. Gerade in diesem 

Jahre herrscht auf 
diesem Gebiete eine 
außerordentlich rege 
Bautätigkeit. Daß ein 
so weiträumiges, freies 
und gesundes Wohnen 
möglich ist, verdankt 
Köln aber auch der 
ausgezeichneten Ent¬ 
wicklung seiner Ver¬ 
kehrsverhältnisse, ins¬ 
besondere der städt. 
Straßenbahnen. Ihr 
dichtes Netz erstreckt 
sich nicht nur über 
die Altstadt, sondern 
bis weit hinaus in 
die Außenbezirke, so 
daß dort billiges Bau¬ 
gelände erschlossen 
werden kann. Die 
städt. Vorortbahnen 
auf der rechten Rheinseite nach Bergisch-Gladbach, dem Königs¬ 
forst und Brück vermitteln dem Großstadtmenschen nicht nur 
den Verkehr nach den herrlichen Waldungen des bergischen 
Landes, sondern sie haben an ihren Endpunkten schon nach 
englischen Vorbildern Gartenstadtsiedelungen entstehen lassen. 
Die elektrisch betriebene Rheinuferbahn mit ihren bequemen, 
vornehm ausgestatteten Aussichtswagen bringt uns die schöne 


Köln: Opernhaus 



O j 



1 

o , 


1 

o 

1 


1 

1 




Köln: Denkmal Friedrich Wilhelm III. 


Köln: Kaiserin-Augusta-Denkmal 












































2 




Köln: Hohenzollernbrücke (Westportal) 























































72 DEUTSCHLAND Nr. 2 



Universitätsstadt Bonn nahe und erleichtert uns die Ausflüge 
nach dem herrlichen, sagenumwobenen Siebengebirge. 

Als Knotenpunkt zahlreicher Eisenbahnlinien nimmt Köln 
namentlich für den internationalen Verkehr unter den Städten 
des westlichen Deutschland unbestritten die erste Stelle ein. 
Hier nehmen ihren Ausgang oder kreuzen sich die Haupt¬ 
linien nach Frankreich, Belgien und Holland; über Köln geht 
vor allem auch der große Durchgangsverkehr nach England. 
Die enorme Steige¬ 
rung des Reise- und 
Güterverkehrs hat in 
den letzten Jahren eine 
weitgehende Umge¬ 
staltung der rechts- 
und linksrheinischen 
Bahn - Anlagen not¬ 
wendig gemacht, die 
auch den Bau zweier 
neuer fester Brücken 
über den Rhein im 
Gefolge hatte. Viele 
Millionen sind hier 
im Interesse des Ver¬ 
kehrs, zur Förderung 
von Handel und Wan¬ 
del von Staat und 
Stadt aufgewendet 
worden. Die Süd¬ 
brücke soll neben 
dem Fußgänger-Ver¬ 
kehr zunächst nur 
dem Eisenbahngüter¬ 
verkehr dienen, die 
Hohenzollern - Brücke 
aber, die mit ihren ge¬ 
waltigen Eisenbögen 
und mächtigen Portal¬ 
bauten eine ganz neue 
Note in das Kölner 
Stadtbild gebracht 
hat, soll auf ihren vier 
Gleispaaren den ge¬ 
samten Bahnverkehr 
über den Rhein auf¬ 
nehmen. Außerdem 
trägt sie die Geleise 
der städt. Straßen- 
und Vorortbahnen, 
und ein gewaltiger 
Wagen- und Fu߬ 
gängerverkehr flutet 
über sie vom einen 
Ufer zum andern. 

Sie wird bald eine 
würdigeNachbarin be¬ 
kommen, denn schon 
rüstet sich die Stadt 
Köln, die berühmte 
Deutzer Schiffbrücke 
durch eine eiserne 
Brücke zu ersetzen. Ein von ihr ausgeschriebener Wett¬ 
bewerb hat in den letzten Monaten die deutschen Ingenieure 
und Architekten vor die schwierige aber interessante Aufgabe 
gestellt, für diesen gewaltigen Bau eine Form zu finden, die 
mit der höchsten Zweckmäßigkeit die größte Schönheit ver¬ 
bindet. Die ästhetische Seite dieses Brückenbaues ist um 
deswillen von so großer Bedeutung, weil er eingefügt werden 
muß in ein Städtebild, das seinesgleichen in Deutschland 


nicht mehr hat. Ungern wird das für malerische Schönheit 
offene Auge die alte Schiffbrücke aus dem Kölner Rhein¬ 
panorama schwinden sehen — gibt doch ihre breit über das 
Wasser gelagerte Masse einen wirkungvollen Vordergrund 
für die hochaufstrebenden Giebelhäuser und Türme am Ufer, ins¬ 
besondere für den trotzigen St. Martin und den gewaltigen Dom. 

Aber sie muß weichen — weichen wie so manches Schöne 
dem unerbittlichen Verkehr. Sie ist ein Hindernis geworden 

in dem bedeutsamsten 
Verkehrswege, der 
Köln durchzieht, dem 
Rheinstrom. Der Um¬ 
stand, daß für jedes 
zu Berg und zu Tal 
fahrende Schiff erst 
durch Ausfahrt meh¬ 
rerer Brückenjoche 
eine Durchfahrtsöff¬ 
nung geschaffen wer¬ 
den muß, stört nicht 
nur den Verkehr von 
Ufer zu Ufer auf das 
empfindlichste, son¬ 
dern er hat insbeson¬ 
dere große Nachteile 
für die Schiffahrt im 
Gefolge. Der Schiffs¬ 
verkehr aber hat auf 
dem Rheine einen Um¬ 
fang angenommen,wie 
ihn wenige Ströme 
der Erde aufzuweisen 
haben. Und besonders 
ist es Köln, das für 
diesen Verkehr ein 
Hauptziel- und Stütz¬ 
punkt geworden ist. 
Köln ist nicht nur der 
Sitz der bedeutendsten 
rheinischen Schiff¬ 
fahrts-Gesellschaften, 
sondern seit mehr als 
zwanzig Jahren ist es 
Heimatshafen für den 
direkten Rhein-See- 
Verkehr. Die Rhein- 
und Seeschiffahrts- 
Gesellschaft unterhält 
seit jener Zeit regel¬ 
mäßige direkte Linien 
nach London, nach 
den deutschen Nord- 
und Ostseehäfen, ja 
selbst nach den Ufern 
der Newa. Ueber 
25 Millionen Mark 
hat die Stadt Köln 
aus eigenen Mitteln in 
den letzten Dezennien 
zum Ausbau ihrer 
Hafen- und Werftanlagen aufgewendet und damit Handel 
und Industrie große Dienste geleistet. Erst 1907 wurde der 
rechtsrheinische Industriehafen vollendet und schon heute 
ist das ihm anliegende Industriegelände dicht besiedelt. Ge¬ 
waltige Mühlenwerke mit ihren hochragenden Silos säumen 
das Ufer, Fabrikanlagen verschiedener Art haben weitaus¬ 
gedehnte Bauten an ihm errichtet. Auf der linken Rheinseite 
erhebt sich seit einem Jahre das von der Stadlgemeinde 


Köln: Kolping-Denkmal 




r. 2 


Nr. 2 


äl DEUTSCHLAND 73 


heit 

ein- 

das 

und 

ins- 

Dm. 

One 

ien 

ten 

der 

em 

m- 

ies 

Fal 

rst 

‘h- 

he 

ff- 

T- 

ht 

Dn 

as 

n- 

n- 

le 

m 

5 - 

jf 

L“ 

e 

e 

D 

S 

r 

I 




erbaute gewaltige Lagerhaus der Mannheimer Lagerhaus¬ 
gesellschaft, an dessen Wasserseite zahlreiche Krane und 
Elevatoren unablässig tätig sind, Schiffsgut aller Art zu bergen 
und zu verladen. Diese neueren Industriebauten am Rheine 


förderungsanstalt genannt sei. In unmittelbarer Nähe des 
Hohenstaufenbades, am Hohenstaufenring, wurde im Vorjahre 
das nach seiner Zweckbestimmung und in seiner baulichen 
Gestaltung gleich interessante soziale Gebäude der Stadt 
Köln errichtet. Eines der größten öffentlichen Gebäude 
neuester Zeit ist die Handelshochschule am Oberländer-Ufer, 
deren an barocke Motive erinnernde Baugruppe manche schöne 
Architekturbilder bietet. Besonders bemerkenswert sind auch 
die Bauten der Krankenanstalt Lindenburg, die vor 2 Jahren 
mit einem Kostenaufwand von über 5 Millionen Mark errichtet 
wurde, ln Ehreneid geht der Bau einer großen Volksbade¬ 
anstalt seiner Vollendung entgegen und inmitten der Alt¬ 
stadt erhebt sich der Neubau eines großen städtischen 
Verwaltungsgebäudes. 

Auch eine größere Zahl von Staatsbauten hat Köln 
in seinen Mauern, die zu den bemerkenswerten Werken der 
Baukunst unserer Tage zu zählen sind. Es seien nur das 
1883 bis 1893 erbaute Oberlandesgerichtsgebäude am Appell¬ 
hofsplatz und das im romanischen Stil gehaltene Polizei¬ 
präsidium erwähnt, dessen hochragender Eckturm für das 
Straßenbild der Schildergasse einen wirkungsvollen Abschluß 
bildet. Ihrer Vollendung nähern sich der breit am Ufer des 
Rheines gelagerte Neubau der Königlichen Eisenbahndirektion 
und der gewaltige Monumentalbau des neuen Justizgebäudes 
am Reichensperger Platz. Beide Bauwerke zeigen eine vor¬ 
nehme Barockarchitektur und werden der Stadt Köln zur Zierde 
gereichen. Auch das neue Gebäude der Oberzolldirektion 
an der Riehlerstraße verdient Erwähnung, weil es sich trotz 
seiner Größe durch eine geschickte Gliederung der Bau¬ 
massen dem Villencharakter seiner Umgebung gut anpaßt. 


Köln: Hauptbahnhof 

zeigen eine besondere Eigenart. Sie werden vielleicht sogar 
in der Bau- und Kulturgeschichte der Stadt einmal eine Rolle 
spielen. Sind sie doch ein Zeugnis dafür, wie sehr der Kölner 
Bürger die Schönheit seiner Stadt schätzt und wie es unsere 
Zeit verstanden hat, solchen Nutz- und Zweckbauten Form 
und Gestalt zu verleihen, daß sie dieser Schönheit nicht ge¬ 
fährlich werden. Derartige Bauten, die man noch vor wenigen 
Jahren als Stiefkinder der Baukunst behandelte, werden heute 
unter Verzicht auf alle Schmuck- und Ziermittel aus 
dem Zwecke heraus so gestaltet, daß sie dem Stadt¬ 
bilde zur Zierde gereichen. 

Daß der künstlerischen Gestaltung der öffent¬ 
lichen Bauten in Köln seit langem eine besondere 
Aufmerksamkeit und Sorgfalt geschenkt wird, bedarf 
nach dem eben Gesagten kaum der Erwähnung. 

Wenn auch die künstlerischen Ausdrucksmittel im 
letzten Menschenalter eine bedeutende Wandlung 
durchgemacht haben und darum manches Werk der 
Baukunst jüngstvergangener Zeit heute nicht mehr 
ganz unserem Geschmacke entspricht, so zeigt doch 
eine große Zahl von ihnen das Bestreben der 
Architekten, der künstlerischen Vergangenheit der 
Stadt gerecht zu werden. Dieses spricht namentlich 
aus einer ganzen Reihe von kirchlichen Bauten, die 
zumeist in mittelalterlichem Stil gestaltet sind. Von 
profanen Bauten weisen namentlich die Banken manch 
gutes Werk auf und die dem öffentlichen Unterricht 
gewidmeten Bauten spiegeln am deutlichsten die 
baugeschichtliche Entwicklung Kölns in der Neuzeit 
wider. Die reiche Front der Handelsschule am Hansa¬ 
ring ist in gotischen Formen gehalten, die prächtigen 
Gymnasien in Ehrenfeld und Nippes lehnen sich noch 
an die Spätrenaissance an, während namentlich die 
neueren Volksschulbauten das Bestreben zeigen, sich 
rein sachlicher Ausdrucksmittel zu bedienen und sich 
von überlieferten Stilelementen freizumachen. Die 
Schulen am Manderscheider Platz, an der Genter- 
und an der Simonstraße dürfen als mustergültige 
moderne Schulhäuser bezeichnet werden. An den 
Ringstraßen stehen eine ganze Zahl prächtiger Monu¬ 
mentalbauten, von denen nur das in seiner Grup¬ 
pierung höchst interessante Opernhaus, das Kunst¬ 
gewerbe-Museum mit seinem neuen Erweiterungs¬ 
bau für die berühmte Sammlung Schnütgen, das 
Rautenstrauch-Joest-Museum und ihm gegenüber 
die Maschinenbauschule und der Bau der Gewerbe- 


Köln : Polizei-Präsidium 









74 DEUTSCHLAND Nr. 2 





Einen ganz besonderen Reiz der 
Stadt Köln bieten seine zahlreichen 
öffentlichen Anlagen und Parks. Nicht 
so sehr ihrer Größe wegen, als wegen 
ihrer glücklichen Verteilung über das 
ganze Stadtgebiet, ihrer künstlerischen 
Gestaltung und ihrer mustergültigen 
Unterhaltung und Pflege. Sie sind um 
so mehr zu bewundern, als sie zum 
großen Teile erst Schöpfungen neuerer 
Zeit sind. Solange die Stadt noch 
eingeengt war durch die mittelalter¬ 
lichen Befestigungswerke, da waren 
es der Grünflächen noch wenige im 
inneren Stadtgebiet. Außer in den 
schönen Baumalleen der Umwallung 
konnte der Bürger nur in dem Stadt¬ 
garten, einem Park mit schönem altem 
Baumbestand, Erholung finden, wenn 
er nicht hinaus vor die Tore wandeln 
wollte zu der 1862 nach den Plänen 
Lennes angelegten „Flora", deren herr¬ 
liche Gartenanlagen noch heute viel 
Bewunderung finden. Diese für viele 
Anlagen ähnlicher Art vorbildlich 
gewesene Parkanlage wird in aller¬ 
nächster Zeit eine wertvolle Erweite¬ 
rung erfahren durch Angliederung eines 
Botanischen Gartens, der in erster Linie 
der naturwissenschaftlichen Belehrung 
der Schuljugend gewidmet sein soll. 

Auch ein Besuch des der Flora 
benachbarten Zoologischen Gartens, 
der wegen seiner schönen Gesamt¬ 
anlage und seines überaus wertvollen 
Tierbestandes zu den bedeutendsten 
Zoologischen Gärten des Kontinents 
zählt, war in damaliger Zeit schon ein großer Ausflug. Erst 
die Stadterweiterung von 1881 gab die Möglichkeit, neue Parks 
und öffentliche Plätze mit Schmuckanlagen zu schaffen. So 


Köln: Bismarck-Denkmal 


entstand 1887 auf dem ehemaligen 
Festungsgelände der 15 Hektar große 
Volksgarten, dessen herrlichem Baum¬ 
bestand heute niemand mehr seine 
Jugend ansieht. Auch der 100 Hektar 
große Stadtwald, der erst in den Jahren 
1895 bis 1898 auf das energische 
Betreiben des damaligen Oberbürger¬ 
meisters Becker angelegt wurde, hat 
sich so wundervoll entwickelt, daß 
man in ihm kaum mehr eine Neu¬ 
anlage vermutet. Er bietet köstliche 
schattige Spaziergänge mit abwechs¬ 
lungsreichen Ausblicken auf große 
grüne Wiesenflächen, auf denen sich, 
wie in englischen Parks, die Jugend 
in Spiel und Sport tummelt. Ein aus¬ 
gedehnter Wildpark gibt dem Gro߬ 
stadtkind Gelegenheit, auch einmal 
die Tiere des Waldes beobachten zu 
können, und auf den mustergültig an¬ 
gelegten Tennisplätzen herrscht an 
schönen Tagen immer ein reges 
Treiben. Zwei Restaurationen sorgen 
für das leibliche Wohl, von denen die 
eine an einem großen Teich inmitten 
der alten Bäume eines dem Stadt¬ 
walde einverleibten alten Gutsparks 
gelegen ist. 

In der Villenkolonie Marienburg 
bildet der zwar kleine aber sehr stim¬ 
mungsvolle Südpark ein beliebtes Ziel 
derjenigen, die sich auf den schönen 
Rheinalleen des Oberländer-Ufers er¬ 
gehen, und im Westen der Stadt 
ist der Klettenbergpark mit seiner 
architektonisch überaus reizvollen 
Schenke eine besondere Sehenswürdigkeit. Erweckt doch diese 
erst vor wenigen Jahren in einer ausgesandeten Kiesgrube 
mit außerordentlichem Geschick und künstlerischem Fein¬ 


gefühl geschaffene 
Anlage den Ein¬ 
druck eines roman¬ 
tischen Naturparks, 
in dem sich die 
Jugend über die 
heimische Flora und 
die geologischeFor- 
mation der rheini¬ 
schen Berge unter¬ 
richten kann. Nur 
der architektonisch 
gestaltete Rosen¬ 
garten mit seinen 
Laubengängen und 
Bäumen läßt die 
Hand des bildenden 
Gartenkünstlers er¬ 
kennen. — Zwei 
neue große Park¬ 
anlagen sind in Aus¬ 
führung begriffen: 
im Süden der Park 
in der Raderthaler 
Mulde, im Nord¬ 
westen derHerkules- 
park. BeideAnlagen 
sind in Anlehnung 


Köln; Römischer Steinsessel 
(Grab zu Weiden)-- 


Köln: Bayenturm 






















.2 


Nr. 2 DEUTSCHLAND 75 


en 

ße 

Ti¬ 


ne 

ar 

m 

le 

r- 

it 

ß 

e 

e 

1 







an die in den bekannten Schloßgärten der Barockzeit ge« 
gebenen Vorbilder architektonisch-regelmäßig gestaltet und 
werden durch einen reizvollen Wechsel schattiger Alleen, 
farbiger Blumenbeete, mit Bildwerken umstellter Wasserbecken 
und großer Spielwiesen über« 
aus interessante Schöpfungen 
moderner Gartenkunst wer¬ 
den. Auf der rechten Rhein¬ 
seite hat die Stadt in dem mit 
herrlichen Buchen und alten 
Eichen bestandenen Grem« 
berger Wäldchen einen wert¬ 
vollen Besitz, in welchem 
namentlich die Bevölkerung 
der industriereichen Stadt¬ 
bezirke Kalk und Vingst 
Erholung findet. 

Wenn sie auch eigentlich 
nicht zu den Parkanlagen zu 
zählen ist, so darf doch die 
54 Hektar große Rennbahn in 
der Nähe des Vororts Niehl 
nicht unerwähnt bleiben, ein¬ 
mal weil sie landschaftlich 
von hohem Reiz ist, und 
dann, weil doch auf ihr auch 
viele Freunde des Sports vom 
grünen Rasen Erholung fin¬ 
den. Viele Tausende pilgern 
hinaus zu den berühmten 
Pferde - Rennen des Kölner 
Renn-Vereins, die vornehme 
Welt trifft sich bei dem all¬ 


dem Lortzing-Platz in Lindenthal, bei der St. Annakirche in 
Ehrenfeld, gehören mit zu dem Schönsten, was die neuere 
deutsche Gartenkunst geschaffen hat. — Solche Platz¬ 
gestaltungen geben auch eine künstlerisch befriedigende 

Umgebung für Denkmäler, 
Brunnenanlagen und plasti¬ 
sche Bildwerke, deren Köln 
eine ganze Anzahl an seinen 
Straßen und Plätzen auf¬ 
weist. Weit bekannt ist ja 
das treffliche Denkmal König 
Friedrich Wilhelms IV. auf 
dem Heumarkt, eine Schöp¬ 
fung der berühmten Meister 
Bläser, Tondeur, Drake und 
Calandrelli; die Denkmäler 
Kaiser Wilhelms I. und der 
Kaiserin Augusta zieren den 
Kaiser - Wilhelm - Ring, die 
markige Gestalt Kaiser Fried¬ 
richs ni. erhebt sich, von Pet. 
Breuer gebildet, am Rhein¬ 
ufer an der Einmündung 
des Deutschen Rings. Die 
Meisterhand Schapers schuf 
die Standbilder Bismarcks 
und Moltkes, und vor dem 
Wallraf - Richartz - Museum 
stehen die trefflichen Stand¬ 
bilder der Stifter dieser Kunst¬ 
stätte. Das Denkmal des 
Gesellenvaters Kolping an 
der Minoritenkirche ist ein 


Köln: Stadtwald 

jährlich mehrmals stattfindenden Concours hippique, die ausgezeichnetes Werk des Kölner Bildhauers Schreiner, 

Freunde der edlen Pferdezucht kommen von weither zu und in diesen Tagen fällt die Hülle von den Reiterstand- 

der von der Landwirtschaftskammer der Rheinprovinz ver- bildern Kaiser Friedrichs III. und Kaiser Wilhelms II., als den 

anstalteten Pferdeschau. Dem Kölner Golfklub bietet die bedeutsamsten Schmuckstücken der neuen Hohenzollern- 

Rennbahn ein ausgezeichnetes Spielfeld, und auch dem Fuß- brücke. Mit diesen beiden Denkmälern dürfte Köln zwei der 


ballsport wird auf ihr 
gehuldigt. — Beson¬ 
dere Aufmerksamkeit 
verdienen auch noch 
die gärtnerischen An¬ 
lagen auf den öffent¬ 
lichen Plätzen der 
Stadt, weil sie sich 
vor denjenigen vieler 
anderer Städte da¬ 
durch auszeichnen, 
daß sie ihrer Um¬ 
gebung trefflich an¬ 
gepaßt sind. Sie 
sind architektonisch 
empfunden und halten 
sich frei von all jenen 
billigen und mißver¬ 
standenen Schmuck- 
mitteln einer kaum 
und noch nicht überall 
vergangenen Periode 
der Garten - Kunst. 
Vergeblich sucht man 
hierromantischeFels- 
partien aus Grotten- 


Köln: Partie aus dem Gremberger Wäldchen 


besten Schöpfungen 
moderner Plastik sein 
eigen nennen. 

Ein großes Bild¬ 
werk von Nikolaus 
Friedrich, die kraft¬ 
volle Gestalt eines 
Tauziehers, hat kürz¬ 
lich am Hafen Auf¬ 
stellung gefunden, 
und mehrere Brunnen 
zieren die Plätze der 
Altstadt. Am Ober¬ 
länder-Ufer leuchten 
alljährlich in der 
Nacht zum T. April 
die Flammen von dem 
gewaltigen Turm, der 
dem Gedächtnis des 
eisernen Kanzlers ge¬ 
weiht ist. 

Groß und herr¬ 
lich hat sich seit den 
Tagen, da er als treuer 
Diener seines Herrn 
das deutsche Schwert 


steinen und bretzelförmig geschwungene Wege — in An- geschärft und des alten Reiches Herrlichkeit neu aufgerichtet 

passung an die umgebende Architektur begrenzen regelmäßig hat, das alte heilige Köln entwickelt. Im Schutze des von 

gestaltete Beete in farbiger Blumenpracht die ruhigen Rasen- starker Hand beschirmten Friedens hat es seine Kräfte geregt 

flächen. Anlagen wie diejenigen am Deutschen Ring, auf und mit rastlosem Fleiße daran gearbeitet, den Forderungen 










DEUTSCHLAND Nr. 2 


der neuen Zeit gerecht zu werden. — Nach dem Ergebnis 
der letzten Volkszählung ist Köln die zweitgrößte Stadt im 
Königreich Preußen geworden, Handel und Industrie blühen 
und gedeihen, Kunst und Wissenschaft haben hier sicheren 
Hort, gesunde und schöne Wohnbauten machen den 
dauernden Aufenthalt hier begehrenswert. Mögen auch in 
seiner engeren und weiteren Umgebung kleine und große 
Städte gewaltige Anstrengungen machen, Köln auf diesem 
oder jenem Gebiete zu überflügeln — die alte Colonia ist 
sich der Bedeutung ihrer alten Kultur bewußt und rastlos 
arbeitet sie, damit ihr der Ruhmestitel früherer Jahrhunderte 
erhalten bleibe: 

boven allen Steden schoin. 


Köln als Lehrstadt. 

Von Dr. Maubach. 

Das Bildungs- und Unterrichtswesen der Stadt Köln 
hat in den letzten Jahrzehnten dank der opferfreudigen 
Zusammenarbeit staatlicher, städtischer und privater 
Kräfte einen so glänzenden Aufschwung erlebt, daß die 
alte Colonia heute wie in früheren Zeiten auch auf 
geistigem Gebiet eine führende Rolle spielt. Muster¬ 
gültiges hat die städtische Verwaltung auf dem Gebiete 
des Volksschulwesens geschaffen. Es sind 106 Schul¬ 
systeme mit 1380 Lehrkräften vorhanden; 6Q282 Kinder 
besuchten in diesem Jahre die verschiedenen Volks¬ 
schulen, die besonders in letzter Zeit sowohl in schul¬ 
technischer wie in ästhetischer Hinsicht allen modernen 
Anforderungen Rechnung tragen. Besonders erwähnens¬ 
wert sind die Schulen an der Nußbaumstraße, Recht¬ 
schule, Ossendorfer- und Barthelstraße. Die Bewilligung 
von 6926600 Mk. für das Volksschulwesen im Etats¬ 
jahre 1910/11 läßt erkennen, daß der Bürgerschaft 
hierfür kein Opfer zu groß ist. Ganz kurz sei erwähnt, 
daß durch zwei Hilfsschulen für Schwachbegabte, durch 



Sonderkurse für Stotterer, durch 23 Haushaltungsschulen 
für Mädchen, durch Asyle, Kinderhorte, Ferienkolonien 
und Milchstationen aufs beste für alle Bedürfnisse der 
Großstadtjugend gesorgt ist. — Der hohen Bedeutung 
des Mittelschulwesens ist Köln durch Einrichtung von je 


Köln: Volkslesehalle 



Köln-Ehrenfeld: Schiller-Gymnasium 




















































Nr. 2 DEUTSCHLAND 77 


zwei mittleren Knaben- und Mädchenschulen sowie 
einer Knabenmittelschule gerecht geworden; alle 
haben einen sehr starken Besuch aufzuweisen. 

Die höheren Schulen zerfallen in königliche 
und städtische Anstalten. Jene sind ältere 
uruhaurf^eii,*idier:e meist Schöpfungen der Neu¬ 
zeit; alle aber sind hervorragende Pflegestätten 
der Wissenschaft, die teilweise schon eine große 
Reihe berühmter Lehrer und Schüler in den 
Spalten ihrer Geschichte anführen können. Alle 
diese Lehranstalten, ganz besonders das Gym¬ 
nasium in der Kreuzgasse, das Schillergymnasium 
und das Realgymnasium in Nippes, genügen 
sowohl in schultechnischer wie in ihrer äußeren 
Ausgestaltung den verwöhntesten Ansprüchen und 
gelten als Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zurzeit 
bestehen in Köln 7 Gymnasien, 5 Realgymnasien, 

2 Realanstalten und eine Handelsrealschule, die 
zusammen von 7554 Knaben besucht werden. 

Köln: Volksschule 




in der Königl. Baugewerk- und Bau¬ 
handwerkerschule; desgleichen der 
Kunstgewerbetreibende und Hand¬ 
werker in der städtischen Kunst¬ 
gewerbe und Handwerkerschule. Die 
Gewerbeförderungs-Anstalt für die 
Rheinprovinz will durch ihre ver¬ 
schiedenen Einrichtungen Handwerk 
und Kleingewerbe in seiner Entwick¬ 
lung und Leistungsfähigkeit heben. 
Daß in einer Handelsstadt wie Köln 
auch das kaufmännische Unterrichts¬ 
und Bildungswesen blüht, bedarf 
keines Beweises. Die Handelsklasse 
an der Handelsrealschule, die städt. 
und privaten kaufmännischen Fort¬ 
bildungsschulen leisten ganz Hervor¬ 
ragendes. Eine besonders glänzende 
Entwicklung hat auf diesem Gebiet 
auch die Kölner Handels-Hochschule 


Köln: Handelsrealschule 

Für die 6335 Mädchen, welche höhere Schulen 
besuchen, ist durch zwei städtische höhere 
Mädchenschulen, ein Lyzeum, zwei Studien¬ 
anstalten und eine größere Zahl trefflicher, staat¬ 
lich anerkannter und aus städtischen Mitteln 
unterstützter Privatanstalten gesorgt. Die Auf¬ 
wendungen der Stadt für ihre höhere Schulen 
betragen in diesem Jahre 1198442 Mk. 

Köln hat auch eine große Anzahl von Unter¬ 
richtsinstituten, die auf bestimmte Berufe vor¬ 
bereiten. Es ist hier fast allen Bedürfnissen 
Rechnung getragen. Präparandenschule undVolks- 
schullehrerinnen-Seminar sorgen für den Nach¬ 
wuchs tüchtiger Lehrkräfte. Die Königl. Höhere 
Maschinenbauschule und die Maschinenbauschule 
mit ihren mustergültigen Lehrmitteln erziehen der 
Industrie gut vorbereitete höhere und mittlere 
Beamte. Diejenigen, die sich im Baugewerbe aus¬ 
bilden wollen, finden hierzu die beste Gelegenheit 



Köln: Kaiserin-Augusta-Schule 






















78 DEUTSCHLAND Nr. 2 


erfahren, die den jungen Kaufmann für die große Welt 
schulen und seinen Blick erweitern will. Die tüchtigen 
Lehrkräfte, die an der Hochschule tätig sind, und ihre 
glänzende Ausstattung bewirken, daß von Jahr zu Jahr die 
Zahl der Studierenden aus Deutschland und dem Aus¬ 
lande wächst, die sich der bildungsfreundlichen und mit 
geistigen Gütern so reich bedachten Stadt am schönen 
Rheirstrom zuwenden. Auch andere Zweige des Hoch¬ 
schulwesens haben in Köln gastliche Aufnahme gefunden. 
An der Akademie für praktische Medizin haben sowohl 
die Kandidaten der Medizin als auch praktische Aerzte 
Gelegenheit, unter Führung hervorragender Männer der 
Wissenschaft ihre Kenntnisse zu vertiefen. Die Ver¬ 
einigung für rechts- und staatswissenschaftliche Kurse 
bietet zweimal im Jahre Juristen und anderen inter¬ 
essierten Berufen Gelegenheit, bedeutende Gelehrte 
deutscher Hochschulen und ihre neuesten Forschungen 
kennen zu lernen. Hierzu geben nun noch zahlreiche 
Vereine mit literarischen, künstlerischen oder wissen¬ 
schaftlichen Zielen dem Gebildeten reiche Anregung. 


Er kann ferner seine wissenschaftlichen Neigungen in 
einer reichhaltigen städtischen Bibliothek oder in dem mit 
wertvollem Quellenmaterial ausgestatteten Archiv in jeder 
Weise befriedigen. In den Kölner Museen besitzt die 
Stadt Einrichtungen von hohem erzieherischen und bil¬ 
denden Wert, wie nur wenige Städt^DtftitS^iTärfd^^ sie 
ihr eigen nennen können. Das Prähistorische Museum 
mit seinen wertvollen Funden, das Historische Museum, 
das vornehmlich Kölns großer Vergangenheit dient, 
das Museum für Naturkunde und seine unübertrefflichen 
Tiersammlungen und -gruppen, das Museum für Handel 
und Gewerbe, das Rautenstrauch-Joest-Museum für 
Völkerkunde seien hier erwähnt. Aus dieser knappen 
Uebersicht geht schon hervor, daß Köln einen hervor¬ 
ragenden Mittelpunkt des geistigen Lebens der Rhein¬ 
provinz bildet, und die Bürger Kölns konnten dem 
Andenken des großen Kölner Gelehrten Albertus 
Magnus nicht besser dienen, als indem sie ihr Bil- 
dungs- und Unterrichtswesen zur wahren Mustergültig¬ 
keit entwickelten. 


Köln im Handwerk und Kunstgewerbe. 

Von Max Creutz. 


Von jeher war am Rhein und besonders in Köln eine 
starke Veranlagung für handwerkliche Tüchtigkeit und 
originelle Leistungen lebendig. Eine freudige Lebens¬ 
auffassung gab zu reicher Ausgestaltung der Umgebung 


und zu vielseitigem Schaffen auf allen Gebieten künst¬ 
lerischer Betätigung Veranlassung. Im Dienste der Kirche 
entstanden Werke, die in mancher Hinsicht kein anderes 
Land, wenigstens nicht in der langen Tradition von Jahr- 


























Nr. 2 DEUTSCHLAND 79 


Nr. 2 

ren in 
!m mit 
‘jeder 
zt die 
d bil- 
sie 
fseum 
seum, 
dient, 
ichen 
andel 
I für 
ppen 
rvor- 
‘lein- 
dem 
3rtus 
Bil- 
iltig- 


nst- 

che 

ires 


'i 

I 



hunderten, aufzuweisen hat. Und noch heute ist eine 
Anzahl von Kräften tätig, die man an anderen Orten in 
ähnlicher Geschicklichkeit schwerlich finden wird, weil 
die guten alten Traditionen mit einer gewissen Ursprüng¬ 
lichkeit noch heute be¬ 
stehen. — Die Gold¬ 
schmiedekunst bildete 
von jeher den Ruhmes¬ 
titel kölnischen Kunst¬ 
fleißes. Von der Email¬ 
kunst derKlostermönche, 
die für die großen Reli¬ 
quienschreine Bausteine 
lieferte, dem gotischen 
Kirchengerät, den Prunk¬ 
arbeiten der Zünfte, 
den Silberarbeiten der 
Barockzeit bis in unsere 
Tage ist eine hervor¬ 
ragende künstlerische 
Uebung lebendig. Auch 
auf den andern Gebieten 
des Kunsthandwerks, der 
Möbelkunst, der Glas¬ 
malerei, der Borten- 
Weberei, der Keramik 
sind originelle, zum Teil 
typische Formen ge¬ 
schaffenworden. Rheini¬ 
sche Truhen und Stollen¬ 
schränke mit reicher 
ornamentaler Verzierung 
gehören wohl zu den 
originellsten Leistungen 
der Tischlerkunst. Inder 
Glasmalerei bestanden in Köln Werkstätten, deren 
Fähigkeit in der Behandlung des lichten Glases man 
noch heute in Museen und Kirchen durch Jahrhunderte 
verfolgen kann. In der berühmten Kölner Bortenweberei 
ist dann weiterhin ein starker Sinn für Koloristik und 
malerischen Glanz lebendig. Das kölnische Steinzeug der 
Renaissance lieferte nach den Funden in der Komödien- 
und Maximinenstraße Formen von einer Originalität und 
einem Reichtum der dekorativen Einzelheiten, daß auch 
die übrigen rheinischen Töpferwerkstätten nur dem Er¬ 


findungsgeiste der Kölner Werkstätten Entstehung und 
Weiterentwicklung dieses eigentlich nationalen Kunst¬ 
zweiges verdanken. Wie noch heute, so war seit dem 
Mittelalter Köln der Herstellungsort für eine charakte¬ 


ristische Art der Gläser, die im sogenannten „Römer" 
eine beliebte und weitverbreitete Form erlebten. 

Der reiche Einfluß von denNiederlanden her steigerte 
in wechselseitiger Anregung die Produktion, deren Ver¬ 
mittlung die alte Lebensader Kölns, der Rhein, auf¬ 
nahm und von dannen trug. 

Zur Veranschaulichung dieser vielseitigen Gebiete 
geben die Sammlungen des Kunstgewerbe-Museums 
und neuerdings auch der Sammlung Schnütgen reiches 
Material und vielseitige Anregung. 


Kölnisches ZimDner im Kunstgewerbe-Museum 


Köln in der Fürsorge. 

Von Dr. Krautwig, Beigeordneter. 


Von jeher hat die Stadt Köln die Fürsorge für Arme und 
Kranke als eine ihrer vornehmsten Aufgaben angesehen. Die 
Aufwendungen für die Armenpflege belasten ihr Budget 
mit rund 3Millionen Mark. Köln hat viele Waisenhäuser, 
das städtische Waisenhaus, mehrere katholische Asyle, das 
evangelische Waisenhaus, das israelitische Kinderheim und 
die israelitische Waisenstiftung, die alle den armen Waisen 
das allzufrüh verlorene Elternhaus ersetzen sollen. 

Für Altersschwache und Arbeitsunfähige be¬ 
stehen das Hospital De Noel, das Invalidenhaus, das Pflege¬ 
haus in Vingst, sowie eine Reihe Konvente und schließlich 
das „Jacob Pallenbergs A r b e i t e r h e i m" zu Merheim, 
eine Stiftung des am 25. März 1900 verstorbenen Möbel¬ 
fabrikanten Jacob Pallenberg für bedürftige, alte, arbeits¬ 


unfähige Handwerker. Wie das Bild (Seite öl) zeigt, ist man 
bei dem Bau von dem vielfach üblichen Kasernenbaustil ab¬ 
gewichen. Man hat durch den Bau einzelner Häuser um einen 
mit gärtnerischen Anlagen versehenen Platz eine kleine 
hübsche Dorfanlage geschaffen. Besondere Erwähnung ver¬ 
dient die Stiftung der Gebrüder Joseph und Heinrich Coblenz 
in Höhe von über 2 Millionen Mark zur Errichtung und Unter¬ 
haltung eines Asyls für altersschwache Personen in Deutz 
und die Stiftung des verstorbenen Kölner Arztes Dr. Dor¬ 
magen mit einem Vermögen von rund 2 Millionen Mark, aus 
deren Erträgnissen zurzeit bei Merheim ein neuzeitliches 
Krüppelheim errichtet wird. 

Die modernen Bestrebungen, sozialhygienische 
Arbeit zum Besten unserer Volkswohlfahrt zu treiben. 
















80 DEUTSCHLAND Nr. 2 




haben schon seit vielen Jahren Eingang in unsere Stadt 
gefunden. In der Säuglingsfürsorge werden unter Mit¬ 
hilfe von zwölf Fürsorgeärzten und von sieben amtlichen 
Waisenpflegerinnen und zahlreichen ehrenamtlich tätigen 
Damen die Mütter des Volkes beraten und wenn nötig durch 
Stillbeihilfen unterstützt. Eine städtische Säuglingsmilch¬ 
anstalt im Schlachthof produziert in großem Maßstabe ein¬ 
wandfreie künstliche Nahrung für 
Kinder, die aus nicht vermeidlichen 
Gründen der Mutterbrust entbehren 
müssen. Zur Bekämpfung der 
Lungentuberkulose ist eine 
städtische Fürsorge eingerichtet, 
die mit Hilfe der behandelnden 
Aerzte und von sechs hauptamtlich 
tätigen Fürsorge-Schwestern eine 
reiche Tätigkeit entfaltet. Besondere 
Aufmerksamkeit widmet sie mit 
ihrem Etat von fast 100000 Mk. 
jährlich der Wohnungsfürsorge und 
der Entsendung von schwächlichen 
Kindern in Landkuren. 

Zahlreiche gute, zum Teil hervor¬ 
ragende Hospitäler dienen der 
Krankenpflege. Neben 15 Privat- 
krankenhäusem, die sich fast aus¬ 
schließlich in Händen religiöser 
Vereine und Genossenschaften be¬ 
finden, besitzt und unterhält die 
Stadt Köln selbst mit bedeutenden 
Kosten die drei großen Kranken¬ 
häuser: Bürgerhospital, Augusta- 
hospital und Krankenanstalt Linden¬ 
burg, die mit den modernsten Einrichtungen und allen Er¬ 
rungenschaften der heutigen Wissenschaft ausgestattet sind 
und von hervorragenden Aerzten geleitet werden. Die Linden¬ 
burg, die neueste Anstalt, zwischen Sülz und Lindenthal ge¬ 
legen, ist in den Jahren 1905 bis 1908 mit einem Kosten¬ 
aufwand von über 6 Millionen Mark im Pavillonstil erbaut 
und enthält 1200 Krankenbetten. Außer diesen Anstalten 
besitzt die Stadt noch die 


Kölnisches Zimmer im Kunstgewerbe-Museum 


und Kranken wird die Stadt Köln in dankenswerterweise durch 
den rühmlichst bekannten Opfersinn ihrerBürger unter¬ 
stützt. Eine ganze Anzahl gemeinnütziger und wohltätiger 
Vereine entwickeln auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und 
Nächstenliebe eine ungemein segensreiche Tätigkeit. Sie alle 
aufzuführen, läßt der verfügbare Raum nicht zu. Hervorzuheben 
wäre besonders der 1899 gegründete Heilstättenverein, der es 

sich zum Ziel gesetzt hat, durch 
Errichtung von Volksheilstätten die 
schlimmste aller Volkskrankheiten, 
die Tuberkulose, planmäßig und 
wirksam zu bekämpfen. Die stadt¬ 
kölnische Auguste-Viktoria- 
Stiftung, die dem Heilstätten¬ 
verein ihre Entstehung verdankt, 
konnte schon am 13. November 1902 
dem Betrieb mit rund 150 Kranken¬ 
betten übergeben werden. Die An¬ 
stalt liegt oberhalb Rosbach an den 
Hängen der Sieg, 123 Meter über 
dieser, 250 Meter über dem Meere, 
inmitten eines großen Laub- und 
Nadelwaldes, gegen Nord- und 
Ostwinde gut geschützt, in reiner 
Südlage. Weiter ist das vom 
Vaterländischen Frauenverein er¬ 
richtete Kölner Genesungs¬ 
heim „Wilhelm - Auguste- 
Victoria - Stiftung" auf dem 
Sommerberg bei Hoffnungstal her¬ 
vorzuheben. An sozialen Ein- 
richtungen der Stadt Köln sind 
noch besonders zu nennen: die 
Allgemeine Arbeitsnachweis-Anstalt, der Wohnungsnachweis, 
die Versicherungskasse gegen Arbeitslosigkeit im Winter, die 
alle seit einem Jahre in dem neuen, besonders sehenswerten 
sozialpolitischen Gebäude an der Badstraße ein praktisches 
und schönes Heim gefunden haben. 

Von modernen Bädern besitzt die Stadt bereits seit 
dem Jahre 1885 das Hohenstaufenbad am Hohenstaufenring 

mit je einem Schwimmbassin 


Augenheil-Anstalt (Stiftung 
Bunge), das Freiherr Abraham 
V. Oppenheimsche Kinder¬ 
hospital (Stiftung der Frei¬ 
frau A. V. Oppenheim) und 
das Hospital Deutz. Die Pro¬ 
vinz besitzt eine großzügig 
angelegte Hebammen- 
Lehranstal t in Sülz. Zur 
Beförderung von Kranken und 
Verletzten stehen sieben 
Krankenwagen, teils 
Pferde-, teils Kraftwagen, Tag 
und Nacht dienstbereit zur 
Verfügung. Das Kranken¬ 
transportwesen ist der Feuer¬ 
wehr angegliedert. Eng ver¬ 
bunden mit den Kranken- Köln: Schnütgen-Museum 

anstalten ist die Akademie für praktische Medizin, Agnes - Kirche 
die in den sechs Jahren ihres Bestehens eine reiche Tätig¬ 
keit auf dem Gebiete ärztlicher Fortbildung entfaltet und 
sich einen geachteten Namen in der wissenschaftlichen Welt 
errungen hat. — In ihren Fürsorgebestrebungen für die Armen 


die 


für Herren und Damen, 62 
Wannen - Bädern mit einer 
Abteilung für elektrische 
Licht- und Wasserbehand¬ 
lung, Dampf- und römischen 
Bädern, Fangobehandlung, 
sowie einer großen Schwitz- 
bade-Anlage mit Massage- 
Behandlung; ferner die Bade- 
Anstalten in der Fleisch- 
mengergasse und in der 
Achter-Straße. Ein neues, 
großes, prächtiges Bad wird 
im Laufe dieses Jahres in 
Ehrenfeld fertiggestellt wer¬ 
den. Für weitere Bäder in 
Deutz-Kalk und im Norden 
Kölns in der Nähe der 
Vorarbeiten zurzeit eifrig ge- 


werden 

gefördert. Im Sommer bieten außerdem nicht weniger als 
acht vortrefflich ausgestattete Rheinbadeanstalten Gelegen¬ 
heit zum Schwimmen und Baden im Rhein. Die Anlage 
eines großen Strandbades liegt in der Absicht der Stadt Köln. 









Köln-Merheim: Pallenberg-Heim 

































82 m 


Ü51 DEUTSCHLAND Nr. 2 


Köln als Handelsstadt. 


Das wechselvolle Bild, das die politische und wirtschaft¬ 
liche Entwicklung“ der Stadt Köln in ihrer reichen, fast zwei¬ 
tausend] ährig-en Verg^ang-enheit aufweist, spieg“elt sich deutlich 
wider im g-eschichtlichen Werdeg-ang-e des Kölner Handels. 
Schon in früher Zeit war die Stadt infolg“e der Gunst ihrer 
geographischen Lage an der alten Heer- und Handelsstraße 
des Rheines, im Endpunkte der Rhein-Seeschiffahrt und im 
Knotenpunkte wichtiger, durch die niederrheinische Tiefebene 
hindurchführender Landstraßen zu einem hervorragenden 
Handelsplatz geworden und bis zum Ende des Mittelalters, 
unter der Förderung durch mancherlei Privilegien, wie das 
Stapel- und Ilmschlagsrecht, zu immer höherer Bedeutung 
emporgewachsen. Nach der Zahl ihrer Einwohner, der Größe 
ihres Handels und der Macht ihres Gemeinwesens zählte sie 
zu den wichtigsten Plätzen Europas, in der Rheinschiffahrt 
nahm sie eine beherrschende Stellung ein und bildete im 
deutschen Hansabunde eines seiner maßgebendsten Glieder. 
Mit dem Ausgange des 15. Jahrhunderts begannen 
der Handel und die Schiffahrt Kölns und mit ihnen 
auch sein Reichtum und seine Macht, zunächst 
langsam, aber in der Folgezeit immer schneller 
zurückzugehen. Es sank nach und nach zum Range 
einer mittleren Provinzialstadt herab, sein 
Handel und seine Schiffahrt verloren trotz 
der künstlichen Stützung durch Stapel- und 
Umschlagsrechte ihre vormalige Bedeutung 
immer mehr, die Rhein-Seeschiffahrt Kölns 
hörte sogar ganz auf; nach jahrhundertelang 
sich hinschleppendem Rückgänge stand es 
seiner Größe nach nur noch im Range einer 
deutschen Mittelstadt. Erst im Verlaufe 
des 19. Jahrhunderts sind für Köln und 
seinen Handel wieder günstigere Verhält¬ 
nisse eingetreten. An dem allgemeinen Auf¬ 
schwünge des ganzen deutschen 
Wirtschaftslebens, der infolge 
der großen technischen Fort¬ 
schritte und andern Errungen¬ 
schaften der neuesten Zeit 
erreicht worden ist, hat es 
regsten Anteil genommen und 
hat sich besonders in den letzten 
Jahrzehnten wieder mächtig 
entfaltet. Mit rd. 518000 Ein¬ 
wohnern ist es heute die zweit¬ 
größte Stadt Preußens, besitzt 
eine vielseitige, leistungsfähige 
Industrie und hat sich als Han¬ 
dels- und Verkehrsstadt wieder 
zum bedeutendsten Platze im 
Westen der Monarchie empor¬ 
geschwungen. 

Die treibenden Kräfte dieser 
neuen Wirtschafts- und Han¬ 
delsgröße Kölns tragen nicht 
den gleichen Charakter wie die 
seiner mittelalterlichen Blüte. 

Die Vorteile der günstigen 
geographischen Lage, die der alten Hansastadt eine über¬ 
ragende Stellung gegenüber anderen deutschen Städten ver¬ 
liehen, haben heute an Bedeutung viel verloren, und die 
Förderung des Handels durch Zwangsmittel nach Art der 
alten Stapel- und Umschlagsrechte ist unmöglich geworden. 
Mit der Durchführung der Verkehrsfreiheit, mit den tech¬ 


nischen Fortschritten im modernen Verkehrswesen, mit den 
Eisenbahnen, Dampfschiffen usw., mit dem Emporwachsen 
unserer Großindustrien haben sich die Grundlagen der Handels¬ 
tätigkeit und ihres Gedeihens durchaus verändert. Die Rührig¬ 
keit und Tüchtigkeit der Bevölkerung, die lebendige Teil¬ 
nahme an allen technischen und wirtschaftlichen Fortschritten, 
besonders die Schaffung guter Verkehrsverhältnisse sowie 
sonstiger Hilfsmittel und Einrichtungen des Handels, die 
Führung der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung 
durch eine weitblickende, zielbewußte Verwaltung und ähn¬ 
liche Faktoren sind es in der Hauptsache, auf denen die Handels¬ 
blüte moderner Gemeinwesen beruht. Daß es in Köln während 
der letzten Jahrzehnte an diesen Vorbedingungen nicht gefehlt 
hat, kommt in den folgenden Angaben über 
die Entwicklung und den heutigen Umfang 
des Kölner Handelsverkehrs und seiner Hilfs¬ 
mittel deutlich zum Ausdruck. 

Den im T9. Jahrhundert 
von den Uferstaaten durch¬ 
geführten Verbesserungen der 
Fahrstraße des Rheins und dem 
allgemeinen Aufschwünge der 
gesamten Rheinschiffahrt fol¬ 
gend, hat Köln seine Hafen- 
undWerftanlagen in gro߬ 
zügiger Weise den modernen 
Verkehrs - Ansprüchen ent¬ 

sprechend ausgestaltet. In der 
Zeit von 1892 bis 1898 erbaute 
die Stadt einen neuen Hafen 
auf der linken Rheinseite, der 
nebst den gleichzeitig aus¬ 
geführten Werftbauten usw. 
über 20 Millionen Mark kostete 
und mit den modernsten tech¬ 
nischen Einrichtungen, Eisen¬ 
bahn-Anschlüssen, leistungs¬ 
fähigen Kranen, Lagerhallen 
und sonstigen Betriebsanlagen 
ausreichend versehen ist. Da 
für Köln der Schwerpunkt 
seiner Wirtschafts-Interessen 
wie von jeher mehr im Handel 
und weniger in der Industrie 
liegt als anderwärts, ist dieser 
Hafen fast ein reiner Handels¬ 
hafen mit überwiegendem 
Verkehr in Stückgütern (Kauf¬ 
mannsgütern). Zu seiner Er¬ 
gänzung hat die Stadt in den 
Jahren 1904 bis 1907 noch 
einen besonderen Industrie¬ 
hafen in Köln-Deutz ausgebaut, 
dessen Nachbargelände zur 
Ansiedelung großgewerblicher 
Unternehmungen dienen soll 
und mit unmittelbarem An¬ 
schluß an Eisenbahn und 
Wasserstraße versehen ist, und in dem sich bereits eine 
Reihe wichtiger Werke niedergelassen haben. Um dem 
Mangel von Lagerräumen für Güter des freien Verkehrs 
abzuhelfen, wurde auf der linken Rheinseite, am Agrippina- 
Ufer, ein Lagerhaus von großen Dimensionen errichtet, 
das an die Rhein- und Seeschiffahrts - Gesellschaft und 



Köln: Tempelhaus (Handelskammer) 











I Nr. 2 


Nr. 2 DEUTSCHLAND Ö3 


nit den 
wachsen 
andels- 
^ühriff- 
e Teil- 
finden, 
sowie 
Is, die 
cklimg 
I ähn- 
ndels- 
ihrend 
gefehlt 
1 über 
nfang 
Hilfs- 
IrucL 
ndert 
ua-ch- 
:\ der 
dem 
‘ der 
/bJ- 
fen- 
ro߬ 
men 
ent- 
der 
Ute 
fen 
der 
js- 

iW. 

de 

h- 

n- 

S" 

n 

n 

9 

t 




an die Mannheimer Lager¬ 
haus - Gesellschaft vermietet 
worden ist. 

Dank dem großartigen 
Ausbau seiner Hafenverhält¬ 
nisse hat sich die S ch i f f a h r t 
Kölns seit denl880er Jahren 
aus ihrer vorherigen stag¬ 
nierenden Gestaltung wieder 
zu einem glänzenden Auf¬ 
schwung erhoben. Wie die 
nachstehenden Ziffern zeigen, 
ist der Schiffahrtsverkehr in 
den Kölner Hafen - Anlagen 
während der letzten Jahr¬ 
zehnte auf ein Mehrfaches 
seines früheren Umfanges ge¬ 
stiegen; namentlich gilt die 
Zunahme auch für den seit 
dem Jahre 1885 wieder auf- 


Köln: Eingangshalle der Handelshochschule 


genommenen und rasch entwickelten Rhein - Seeverkehr. 


Gesamter Hafenverkehr 

Rhein 

-Seever 

kehr 

Jahr 

Zufuhr 

Abfuhr 

Gesamt¬ 

verkehr 

Zufuhr 

Abfuhr 

Gesamt¬ 

verkehr 



in Tonnen 


in 

t Tonnen 


1880 

146 892 

67 475 

214 367 

— 

— 

— 

1885 

203 569 

114 366 

317 935 

2 681 

6 472 

9 153 

1890 

360113 

163 491 

523 604 

14 449 

17 543 

31992 

1895 

486 676 

187 946 

624 622 

36 960 

27 097 

64 057 

1900 

607 692 

266 800 

874 492 

54 869 

41 110 

95 979 

1905 

844 645 

250 338 

1 094 983 

76 289 

48 896 

125 185 

1909 

848 456 

289 339 

1 138 339 

75 450,5 

47 113,5 

122 564 


Eine Reihe bedeutender Schiffahrts-Gesellschaften 
haben in Köln ihren Sitz, darunter besonders die Köln- 
Düsseldorfer Gesellschaft, die Niederländische Dampfschiffs¬ 
reederei, die Preußisch-Rheinische Dampfschiffahrts-Gesell¬ 
schaft, die Rhein- und Seeschiffahrts - Gesellschaft, die 
Köln - Mülheimer Dampfschiffahrts - Aktiengesellschaft u. a. 


So bedeutend der Rhein¬ 
verkehr für den Handel Kölns 
auch ist, so steht er doch in 
seinen Umsätzen noch weit 
hinter dem Eisenbahn- 
Güterverkehr zurück, 
der in rascher Zunahme einen 
Umsatz von weit mehr als 
6 Millionen Tonnen pro Jahr 
erreicht hat. Schon in der 
ersten Epoche des deutschen 
Eisenbahnwesens war Köln 
als wichtiger Mittelpunkt der 
neuen, überlegenen Verkehrs¬ 
straßen sehr hervorgetreten. 
Von ihm ging der Ausbau des 
westdeutschen Eisenbahn - 
netzes vornehmlich aus. In 
Köln hatte die schon 1837 ge¬ 
gründete „Rheinische Eisen¬ 
bahn-Gesellschaft" ihren Sitz, die 1843 die Linie von 
Köln nach der belgischen Grenze zur Herstellung der 
bedeutsamen Verbindung Köln — Antwerpen vollendete und 
später noch eine Reihe weiterer Bahnlinien im Rheinlande 
von anderen Gesellschaften übernahm oder selbst aus¬ 
baute, so die Strecken Köln — Bonn — Coblenz, Köln — 
Krefeld, Köln — Trier usw. Die „Köln-Mindener Eisenbahn- 
Gesellschaft" und die „Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesell¬ 
schaft", die sich im Jahre 1843 bildeten, hatten ihren Sitz 
gleichfalls in Köln, das durch die verschiedenen Linien 
allmählich zum wichtigsten Eisenbahn - Knotenpunkte des 
preußischen Westens wurde. Auch gegenwärtig wahrt es 
noch diese Stellung. Zwei mächtige Eisenbahnbrücken, die 
gleichzeitig sonstigem Verkehr dienen, überspannen heute bei 
Köln den Rheinstrom : die vor kurzem fertiggestellte Hohen- 
zollernbrücke, die an Stelle der alten Rheinbrücke in doppelter 

Breite neu errichtet worden 
ist, und die im vorigen Jahre 
vollendete Südbrücke. Eine 
dritte feste Rhein-Brücke 
für Fuhrwerks- und Fu߬ 
gängerverkehr wird in den 
nächsten Jahren nahe an 
der Stelle der jetzigen 
Schiffbrücke erstehen. Die 
gewaltige Steigerung des 
Kölner Eisenbahnverkehrs 
geht deutlich daraus hervor, 
daß im Jahre 1909/10 der 
gesamte Güter - Empfang 
und -Versand auf allen 
Bahnhöfen des Stadt- 
Bezirkes 6,3 Mill. Tonnen 
betrug und daß außer¬ 
dem auf diesen Stationen 
156 355 Stück Großvieh 
sowie 339518 Stück Klein¬ 
vieh (in Empfang und 
Versand) zur Beförderung 
kamen, während sich die 
entsprechenden Zahlen des 
Jahres 1893/94 erst auf 2,6 
Millionen Tonnen, 71 (X)l 
Stück Großvieh und 165111 
Stück Kleinvieh belaufen 
hatten. In ähnlicher Weise 
ist der Personenverkehr 
auf den Vollbahnen ge- 


Köln: Ausfahrt eines Teiles der alten Brücke auf Pontons 













84 ^Beäs^ees^öoeses^^^^^es® DEUTSCHiAND Nr-2 


Silagen Tm^} ÄO^:h 4er y^r.ffeöh^ öuT den A^Ofi Kdlri ßifj5^el^i?ndeTt 
Kl^iftbah^ea^ stadus<;:hic?b und Sträßtä^n^^ 

Stadt höt steh facde ulen dl erhdhtv Fast noch mehr 
tritt ;%Ä: uß ^mtd eni JAn^'a?di$en d?H nor Hand eis in 
der r^5sch«äa Steigenjrng Post- \i nd T e 1 e ^ r n p h fs n- 
y ö r fe ^ H Ys i n P i^ch i? 1 rtüngr i Iiri Jähte 10Ö9 iv u rden be| 
Sörrxiite|r&h ; nsialten b^lns 105^^ -Milhpru^n. 0rvc]Vf 

4 ttti1!iön £? p Pakete fr i^- ert öit^abe) :äc»vie ^41 5'3^ Te(e^; 

igrd hitnje dnieu geg frn 3 2^0 M di i o den ^ ne fe i: 1 Milliönfrii- 
Pakete und >76191 XclegTramme im Jahiia lÖ9y kamen 
b(5i denÄJöiben, Ariataltfrri ,an im Jahre QQ,7: A^*hioh^h 

Briefe^ yjiUfonfrn Pakei e lohne : Wertöng'abe)j 934 739 
r<£te^atnme, dagegen im Jahre lüQI 30,5. MiUiön^it 
Bridfö r, Miniön^:n: Pok^ie:^ . 444 497 Eine 

gnm hery^rfagendfr Stfrihjing- ätif im^ Gebifrle 

der tn p dfri f l an: S e e k r\ b fr 1 i e 1. fr g r a p Th v e iifi, d er Neu zei t e r-- 
tiingen. Die jsörfrrljchen in Privtttbfr:^t^ befiiisdljcKfrn KfrbeK 
gwse! I &di aA an u i:5Jt:b \ unds, d e r^an llnie rsefrk & h elnfri £ thäs der 

^riamlichfrn: tihifrn fest Ütn dsjs Sa^^hisfatihfr hÄcisV: 

Ihrfriv HßupfHf^^ Es £imd , difr I^e^t^ch-AlWn^^^ 

XelfrjiTffphen ‘'GeÄcdlsfrti nth die TtGttitiel’i-Ni^derhindisrKe T^el e" 
j^'^phen^Ge^ifrll^cbaft, die DGiJi?>ch*:^Sndr.. 

frri kiinl^^hfr T 1 rß ph e n-;'GöÄel i hfr.f t 
u E^d die ^ 'O^tfrurc p äi s che Tei egra p i\en-^ 

Gfrseilsdl-ihfh;' ■■ .^ . ■, ' . 

• : N«beir dfr m Waehatü rn und den 
gega^^würdgi^ Um^flU dfr?s Kdlnfrr 

dfri d fei $ d IjS- g'e na m ^ l en Z äld frn kenn« 
jeidKnen^ ist die' grtvö'd^ MöAhrgfh^ 
iind= Y frit ;d frr dtitdh hin. : 

.gie?iet2tfrn. Woran -IWrvdr^tttllei^ön;;., ■•■'Ffrist.''.' 
aUfr Zwßjgfr des Hnn4e4si'frrkfrhr'S-'.fsjti;d>’^^^^ 
durtli ntfodmAfr Fifmef» vfrnreU>fv/»iCf^dh.l' “ 
in dfrm hfrdfrutendfrn Großh.an da t dtt^r 

5 t;E?4,G ’ vd ity h: :i P: ^tfr t; ^e o ii f 

.05? trei da, W ehi;Vi e h n n tl 
son?;t%d. öder GehnBrnittpii 

ferner «.nfMahufekturwnrenT Mod p wären > 

Höt^v .öFiderer 

©mrfr-E-kA ab auch im Demil- 

}i fr ti d fr (, d bes ö hdar^;.v [ äfe gl »n z en d 
öU^gest qX feie, Kinier den Ofr>5ch&ften 
keiner ohdereii dautsetten Gföfj^tGdi i\i^ 

T uuksiehfrhde Laden p ofwelntx Einfr A hf* 
z ähl U f P ^ ^ 9ptAi'h t vo 1 Geisfr h nftsh ä u k er 

m it za hl dh dd t örfe n, Y^4 ^ d 

jfr JungSFt^L^U 
so dns StoUwerekhöUEj; ::d;^s: G^reo^ dos Dielhi^ufe usw. 

W.jfr IndusVerkehr^ fiah^fr .«vidi das 
B fr n k w e 5f e n utVd däS.; Y dt ;* eher h n g xv c h in Kain 
eine größt? BfrdeA; frrdie w«it üher das frigene 
Gebiet der Sfedt hinausreidü; Sie hnbäti bestmdnrs im 



Kölfti Xfru^fehfrt .Pm. Höfen 


Gehfeifr der theihiÄch^ye^tfelistheii Großindustrie ein aUs^ 
gfrdfrhntes Wirk-iüngisffrldfv : Die gftiUte ^ Banken ist der 
A. SchsöfiliaUisfrnVchfr- bfenkverein 145 MüHonen 

M a rk A k ti frfi ka pi teJ. die ftVn fe S teile iihlpj ollen 4 eut 517^00 
Größbünken einnimmt^: neu^rdings aber den SehWerj^unkt 
^hinr peitlg^Leit: n^ehr Bejiin >ve:ri^t hat. Neben ihm 

bfr ehc^i Wiv b % fr. Z wfr tgnS^Kfeii ■; meb re re r mit ih refe' 

SJöfembetrifrbfr oi^frfbäifc^ KoIhTS iahs^sidger Kreditbanketit 
der B^rgisch^Mürkb^;n; Bmikf rfftr beinisuh^Wes tIo 1 isehen 
■Dke■o^^;£0^öö^Jell-4^frhh^iv■'^ Borfeer-..Bankvereins usVf,, ferner 

AfeVytg •• gp->£^ Ziih ]' wn .Prlvs Lb 0 nk en, die eine 
Ah^^h h I <d ter, sehr; hfrdi^ n ie^vri d er 0 esfrhü fte zu s feb zäli 1 en, wie 
d le Bah khfr usjer Üiir.ithruoAP ^ C *> r; A- LfrVV t L eo p* S friigm tmn 
SbL Opptsnln^im jujo- Ä ,Cö,, J TL Ste^uv etsw,, ei\dliöh groSe 
HypQtbekonbaiiMftc dfe febe,«»i:söhrWesifölbdfe Bpdfrnkfedit^ 
bfrnicj.-4fe Weiitdi^its^lfe B>>4enk hsw; Die Ofrutsebe 

Rel+^febfrnk ?h efriv Houptstelle. deren Ge^häfte 

iro Jahr^ lÖlO von 0,6 Milliarden Mark ot- . 

r&ichlfrn (ein^^chifeißteh dfrr Umsätze der zügebprigen Neben"- 
s fe [ I en) im d htn: Lih t^t' de r Ptd ?b s bo-n käh 51011 ep 

von Hamlmrg; und^ n. M. zurüt-kstnnden, Ünier 

den Versicberungsonstolteh Kölns sind 
. die wichdie Köfeisnlifr Feuer" 

■ ■ ■ .!-■■ x^mfehmmgrs" GeselWiWf. ■^'Culpnio 
dfe Kohvbf^tm :LeLeM\vrsfehenjngs;fr 
Ö^?Äul b.t;bfril Cdti fvOpii ä ^ d i ct A&Tippina^ 
Se?e."t FinJS- und Lnndf röh^-f?orT h Vi>r^ 
xic^KeningHS:^ GeseltscheifL dfe Kfrlni^^bfr 
ifege fe etfiifeterx* ng:!^> Aktie ngesell sch aft^ 
d i n K'blü bthfr Hdfel 1 V e rs i ch e r ung^ " 
fr]I'sLboft:; phd" viele 0 ntlere, 

TCt^h/feX. der Sifz einer 

B ö rsc> dip \ Linie für den 

iilfeitijnvvrteBr r; rvs ment lieh auch jn 
Versfeherttn^^Ji'W^i'rleh ;-^ und . für dfrn;' 
Gt^tre>d^^i;ö t;vifrL'.v''ön- ;^ ist. ^ ^ 

Ü'ü V. g' ii^upek dfr w I ri ^■’ h af111 chö; ■ A ufe. ■ 
schwim^v: pfnwtl buhen Ko in ist mit 

dfrr ’biähenh'frA HnifiricVlung noch feng^ 
.niclit. /Nathrkiii' Tlfe 

jscb w e re Lö si v 0 p dot 5 fo dit gfrn pmm cn 
wpfiien ist,, diö ^fe mit ihram frin^ 
fingendefv Ffr.sjl ungsgvirifrt donnfr ; t 
h fed \ I rcK im: feJfr rfrs^ e'' d et ; g e sshit en 
IfrticiesvortfrxdigUTig b.iU irngfrh: rbn^sen, 
wsfrd'PtV. .hid<[-siTfe> Hühdfrl vmd Vet» 
kfrhr ^ daher hutL noch 

-efitfhlkijrv ■ kihinfr'fe'■hfe :' Jih'.' . MebschenalteL 

DVn ; t k Uä ge*V dyt ou ß s rord^^fV11 ich^a F p rd e r u n g, d>0 dar 

Stodt d.h s:i:b di fr . ^ , tfer w S1 fe vnt d K aypn- 

ivm^tlii'iiük^jtnge'n frnviesern ■^^rd^h we^don sihb in votiem 
M n e erst' Ih- ■ d frh i>/ichs'tfrTi Jabjrfr ti -gei 1 fe ijd vüae her>i . 


Köln als Industriestadt 

\^pn Rr HgiTfr t fh ü n n ^ wisserisfrbhBbther Ässisteni j llhrid^;tskfrmrnöfr; 


tfer FrejmLde, dfrr dfe Slrhlji^n di^^r rlndhi^tben Mubropofe 
dufch^yg^neferir Bhdfrt im verHohKiisit^hßig Aui* 

wfrbTgfe>: -'Gnlidudfr^ jmü'- Anlogfrn. die.' • aö-jT;;:' dln Mrk^erfr Äns^. 

birfriiuhg dfrf Iftdtfeitfe „:hi Kofel: ^cb LffrIJep si^= n kobhfea- 

muß, weh h er difr Kc.dc:ln utfg K Hl n^r äfe Indu^ tr ifrsfetl i frfk «:rmfrä 
inritl; ne $chrin<? in d in V' ororfe Kol k> Threnfeidi .Nippe» 
t ipe k. und E 0 yen (b hl fetikhh Und lUi 410* Frl 0 n gting fri nes 
rmSigb-friUl .vt>B’?flindige[\ Bildes frijn |r«U*strfeifetv Leben 

der Sfe+dt daran, mich dfe 

wfetüichtiJiiMi mH Köln in eug^ter Ve^btp^U«Tig,stfebcn.dt 5 i\ Bfedfe 
. MülliJeim .öm ■ .Rheinj', und ''BrüjfdLvdiffe •:'Ojf,fecfehften.. tlfr»’ Vor-;'. 


ge bi rges und dfe Bürgt^rmfrfe fe r R o dfr nkhyfefr n lä ;ufbfr h. 
fe fr I tvÄelAfrn cl j useE Vhrojje^ nsmfr n ülc h m Kö tk :'hfed Sfer nn^ 
feld^ tUinn auch m ■ S:todc : dfrs 

Besuch ers n uf aTfe M^^^^krn öle ei per u in fengr^f< fey hj. hfed.' 
^mtvi^iekfrltert gewe.Tfelu^^hefi Tötigktht.. : - . 

fn dfrt: clren Hnnsastadi KBln^ m dfrT auHi iri 

dfe krmtmhrzifrlfe Bfrtitigvmg ihrfrr Hiovfrö.hrifrr tlen AuÄ^ohfeg : 

gibt, spiel (u die buiusirfe hbvJrtrcb 'frfeft 

gi&f>fclnfrtfr- toi Je; Erst gegen. 10 JahriKinderts, olS: 

:!^iph Kdl n pbh Iv S ii ngeThhi Sii) feiiahd 4 h der. Bnt wi c keJuhg ni H 
n^ruer Kraft Führung dcs; iv^hfehtsAen Wirfethüftsleben^ . 








Nr. 2 DEUTSCHLAND 85 


Nr. 2 

in aus¬ 
ist der 
illionen 
itschen 
'rpunh 
n ihm 
ihrem 
anhen, 
ischen 
ferner 
5 eine 
i\, wie 
mann, 
^roße 
redit- 
tsche 
häfte 
c er- 
jben- 
alten 
Inter 
sind 
juer- 
nia; 
igs- 
)ina, 
/er¬ 
lebe 
aft, 

TS- 

ler 

en 

in 

jn 

f- 

it 

e 

e 

t 



Köln: Max Liebermann, Selbstbildnis 
(Wallraf-Richartz-Museum) 


Daneben existieren in unserer Stadt viele industrielle 
Firmen, die ihre Fabrikationsstätten in anderen Gegen¬ 
den der Rheinprovinz oder über die Grenzen des 
Rheinlandes hinaus liegen und Köln lediglich zum 
Mittelpunkt ihrer geschäftlichen Aktionen gemacht 
haben. Hierzu zählen hervorragende Betriebe der 
Pulver- und Sprengstoffindustrie, der Stein-, Schiefer¬ 
und Zementindustrie und andere. Einige der heute in 
und bei Köln ansässigen Industrien verdanken ihre 
Entstehung den Schätzen, die der Boden der Kölner 
Bucht in sich birgt. Dies gilt ganz besonders von 
der im Laufe der letzten Jahrzehnte gewaltig ange¬ 
wachsenen Braunkohlenindustrie. 

Eine ganze Reihe industrieller Unternehmungen 
Kölns hat die Form von Aktiengesellschaften ange¬ 
nommen — im Stadt- und Landkreis Köln rund 60 — 
und arbeitet mit einem ganz erheblichen Kapital. Bei 
mehreren von ihnen, z. B. bei der Gasmotorenfabrik 
Deutz, der Maschinenbauanstalt „Humboldt", den Ver¬ 
einigten Stahlwerken van der Zypen und Wissener 
Eisenhütten, der Rheinischen Aktiengesellschaft für 
Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation, dem Braun¬ 
kohlen- und Brikettwerk Roddergrube, den Vereinigten 
Köln-Rottweiler Pulverfabriken, der Schokoladefabrik 
von Gebr. Stollwerck, beläuft sich das Aktienkapital 
auf je über 10 Millionen Mark; viele andere Kollektiv- 
Unternehmungen bleiben nicht weit hinter dieser Summe 
zurück. Aber auch die in Privatbesitz befindlichen 
Betriebe sind durchweg gut fundiert; es gibt eine ganze 
Anzahl derartiger Werke, die an Kapitalkraft und Be¬ 
deutung größeren Aktiengesellschaften gegenüber kaum 
nachstehen. Auf die gesunde Grundlage der Kölner 
industriellen Unternehmungen dürfte auch die Tatsache 
zurückzuführen sein, daß selbst schwerere Wirtschafts¬ 


widmete, als es sich zum Knotenpunkte des west¬ 
deutschen Eisenbahnwesens ausgestaltete und seinen 
Rhein, der nach der Beseitigung der auf ihm lastenden 
Verkehrsbeschränkungen verschiedener Art zu einer 
modernen Wasserstraße ausgebaut worden war, in 
weitestgehendem Maße ausnutzen konnte, machte 
sich eine stärkere Niederlassung industrieller Unter¬ 
nehmungen in Köln bemerkbar. Zu den schon früher 
in der Stadt vertretenen Gewerben, vornehmlich der 
Herstellung von kölnischem Wasser, von Tonwaren, 
der Tabakfabrikation, der Gerberei und mehreren 
Zweigen der Textilindustrie trat in den dreißiger 
Jahren die Zuckerindustrie hinzu. Im Laufe der 
folgenden Jahrzehnte schlossen sich die chemische 
Industrie und die Farbenindustrie (namentlich Blei¬ 
farben), weiterhin die Industrie der Seifen, Parfüms und 
Fette, die Ziegeleiindustrie, die Holzindustrie (Säge¬ 
werke), die polygraphischen Gewerbe, die Nahrungs¬ 
und Genußmittelindustrie (Bierbrauereien, Spirituosen¬ 
industrie, Getreidemühlen, Schokolade- und Zucker¬ 
warenfabrikation, Margarinefabrikation usw.), die Glas-, 
Gummiwaren- und Papier- (auch Tapeten-) Industrie 
und namentlich die Metall- und Maschinenindustrie an. 
Diese letztere marschiert seit etwa vier Jahrzehnten 
dem Umfange und der Bedeutung nach an der Spitze 
der Kölner Industriezweige; sie befaßt sich in der 
Hauptsache mit der Weiterverarbeitung von Eisen und 
Stahl zu Maschinen und anderen Gebrauchsgegen¬ 
ständen für die Großindustrie, das Kleingewerbe und 
die Landwirtschaft. Auch jüngere Industriezweige, 
so die Elektrizitätsindustrie, die Automobilherstellung 
und in allemeuester Zeit selbst der Bau von Luft¬ 
ballons und die Flugzeugtechnik sind in Köln vertreten. 



Köln: Bildnis Jacob Pallenbergs, von W. Leibi 

(Wallrat-Richartz-Museum) 












86 DEUTSCHLAND Nr. 2 


krisen an der Kölner Industrie vorbeigegangen sind, ohne größere 
Opfer zu fordern. Man findet Erzeugnisse der Kölner Industrie 
in der ganzen Welt; nach allen Erdteilen und nach fast allen 
Ländern werden Fabrikate hiesiger Werke versandt. Mehrere 
Firmen haben im Ausland Zweigniederlassungen errichtet. In 
nicht wenigen Artikeln ist die Kölner Industrie tonangebend. 

Wenn auch die Vielseitigkeit der Kölner Industrie dem 
Gedanken des Zusammenschlusses zu Interessengemeinschaften, 
Syndikaten und ideal wirtschaftlichen Verbänden nicht gerade 
förderlich ist, so ist doch zu konstatieren, daß sich unter 
den innerhalb und in der Nachbarschaft der Stadt vorhandenen 
Firmen gleicher und verwandter Branchen im Laufe der Zeit 
eine Annäherung vollzogen hat, die zur Bildung mehrerer 


Verbände geführt hat. Es haben heute in Köln etwa zwanzig 
Preiskonventionen bezw. Syndikate ihren Sitz; daneben bestehen 
mehr als dreißig Vereinigungen von Fabrikanten, die lediglich 
die Wahrung der allgemeinen Interessen ihres Geschäftszweiges 
bezwecken, zum Teil auch als Arbeitgeberverbände in die Er¬ 
scheinung treten. Die Mehrzahl der größeren Kölner Fabriken 
ist in dem im Jahre 1881 begründeten Verein der Industriellen 
des Regierungsbezirks Köln zusammengeschlossen. 

Nach allem steht fest, daß Köln auch als Industriestadt eine 
große Bedeutung hat. Es ist dies um so mehr anzuerkennen, 
als der enge Gürtel, der die Stadt aus militärischen Gründen 
jahrzehntelang umschlungen hielt, der Ausbreitung und dem 
Aufschwung der Industrie manches Hindernis in den Weg stellte. 


Köln als Kunststadt 



a) Das Wallraf-Richartz-Museum 

Von Direktor Dr. Hagelstange. 


Das Wallraf-Richartz-Museum verdankt den Grundstock 
seiner reichen und in gewisser Hinsicht einzig dastehenden 
Sammlungen der Hochherzigkeit seines Begründers Ferdinand 
Franz Wallraf, der seiner glühenden Liebe zur Vaterstadt und 
seiner vorbildlichen Uneigennützigkeit in dieser Stiftung ein 
wahrhaft imposantes Ehrenmal errichtet 
hat. Wallraf muß im Verein mit den 
beiden Boisseree als ein wahrer Retter 
der Kunst gepriesen werden, denn er 
hat in Gemeinschaft mit ihnen in den 
angstvollen Jahren der napoleonischen 
Bedrängnis und dem Durcheinander der 
Säkularisation Schätze von enormen 
Werte vor Vernichtung, Verschleppung 
und Verschleuderung bewahrt. Aber 
während bei den Gebrüdern Boisseree 
später die kaufmännischen Instinkte die 
Oberhand gewannen — sie veräußerten 
ihre aus den Kölner Kirchen und Klöstern 
geretteten Kunstschätze zum Preise von 
240000 Talern an König Ludwig I. von 
Bayern — gab Wallraf in seinem Testa¬ 
mente ein Beispiel hochherzigen Gemein¬ 
sinnes, das — und hierin liegt die nicht 
unwichtigste Bedeutung der Tat — im 
Verlaufe des vergangenen Jahrhunderts 
so manchem reichen Kölner Bürger Vor¬ 
bild und Ansporn geworden ist. 

Auch das selbst in seiner Romantiker- 
Gotik noch sehr imposante Gebäude, 
dessen hervorragend günstige Lage 
inmitten des größten Verkehrszentrums 
einen jährlichen Durchschnittsbesuch von 
wenigstens 200000 Personen gewähr¬ 
leistet, verdankt die Stadt Köln dem Edel¬ 
sinn eines kunstfrohen Bürgers, des Kauf¬ 
manns Johann Heinrich Richartz, der sich 
seiner lokalpatriotischen Tat allerdings 
nicht allzulange freuen durfte, denn er 
starb im gleichen Jahre (1861), in dem 
das Museum eröffnet wurde. 

Die Sammlungen setzen sich in der 
Hauptsache aus zwei ziemlich hete¬ 
rogenen Elementen zusammen: römische 
Altertümer und Gemälde; eine etwas 
unsystematische Vereinigung, die den 
Stempel des gemeinsamen Ursprungs 
aus dem Besitze ein und desselben 
Privatsammlers noch allzu deutlich an 


der Stirn trägt. Neben diesen beiden Hauptkategorien tritt 
die Abteilung der Gipsabgüsse und leider auch die der 
mittelalterlichen Originalskulpturen an Bedeutung zurück. 
Doch füllt das vor einem halben Jahre eröffnete Schnütgen- 
Museum gerade diese Lücke in glücklicher Weise aus. 


Köln: Maria in der Rosenlaube, von Stephan Lochner 
(Wollraf-Richartz-Museum) 







Nr. 2 DEUTSCHLAND 87 



Da über die römischen Altertümer an einer anderen 
Stelle dieses Heftes gesprochen wird, können wir uns hier 
begnügen, von dem eigentlichen Kern des Wallraf-Richartz- 
Museums, der Gemäldegalerie, zu plaudern. Wer sie auch 
nur einmal flüchtig durchwandert hat, denkt an sie zurück, 
wie an etwas Herzerquickendes, das in der Erinnerung bleibt, 
wie das Gedenken froher Kindheitstage. Säle wie die der 
altkölnischen Schule mit ihrer erdenfernen Seligkeit, ihrer 
zauberhaften Sonntagsstimmung und ihrem beglückenden 
Farbenjubel wirken auf sinnenfrohe Menschen wie ein 
Weihnachtsabend voll Kinderjauchzen und Glockenklang. Die 
Galerie hat Stimmung; und wenn namentlich an Sonn- und 
Feiertagen aus der angrenzenden Minoritenkirche rauschende 
Fluten der Orgelmusik herüberbranden, wenn schleppende 
Choräle feierlich erklingen und rhythmisch die Glocken ein¬ 
fallen — in Köln läuten die Glocken beständig — dann ist's, 
als ob die Goldnimben brennender zu leuchten begännen, als ob 
die Prachtgewänder aller dieser Heiligen, die stumm uns von den 
Wänden grüßen, herrlicher zu strahlen schienen, und wir fühlen 
etwas vom Wehen jenes Geistes, der diese Wunderdinge schuf. 

Der Geist des Glaubens ist es und der Sinnenfreude, 
der hier in Bildern zu uns redet, deren einzelne, wie die 
Lochnersche Madonna und der Thomasaltar des Bartolomäus- 
Meisters, zu den glänzendsten Produkten der ganzen mittel- 


Köln: Heilige Familie, von P. P. Rubens 
(Wailraf-Richartz-Museum) 


alterlichen Kunst zu rechnen sind. In keiner Galerie der 
Welt wird man eine qualitativ gleichwertige Sammlung 
deutscher primitiver Bilder finden. Die alten Kölner stehen 
turmhoch über der gesamten übrigen deutschen Malerei des 

15. Jahrhunderts. Köln muß eine Art Paris in unserem 
heutigen Sinne gewesen sein. Hier herrschte Vornehmheit 
und Eleganz, hier wurde die Mode diktiert, hier gab man 
den Ton an in Kunstdingen. 

Man braucht ja nur einmal, wenn man die Säle der Alt¬ 
kölner durchschritten hat, in Raum V der Galerie nach dem 
Umschau zu halten, was zur gleichen Zeit in Schwaben, 
Franken und Sachsen geschaffen wurde: Wie wenig welt-^ 
männische Eleganz findet man da, wie verquält und verzwickt 
wie spießig und unfroh sieht das alles aus. Zu Beginn des 

16. Jahrhunderts werden ja dann allerdings die Rollen ver¬ 
tauscht. Oberdeutschland reißt die Führung an sich; der 
Name Dürer überstrahlt alles, und der oft recht freudlose 
Kölner Porträtfabrikant Bruyn bleibt hinter einem Holbein weit 
zurück. Leider besitzt das Museum vom ersten zu viel und vom 
letzten zu wenig — nämlich gar nichts; doch ist glücklicher¬ 
weise Dürers Kunst in einer charakteristischen Probe vertreten. 
Auch die niederländischen Anreger der kölnischen Kunst in der 
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, Roger van der Weyden und 
Dirk Bouts kann man nur in Schulbeispielen studieren, während 

die niederländischen Renaissancemeister 
wieder reichhaltiger am Platze sind. 

Die letzteren geben in ihrem modisch 
italienischen Aufputz ohne weiteres die 
Ueberleitung zum Land der nordischen 
Sehnsucht, Italien. Da unsere Galerie 
es sich zur Hauptaufgabe gestellt hat, 
die Geschichte der nordischen Malerei 
unter besonderer Betonung des lokalen 
Einschlags zu illustrieren, so wird es 
nicht wundemehmen, daß die italienische 
Kunst nur mit einem Saale, der charakte¬ 
ristische Stichproben der verschiedenen 
Schulen aufweist, vertreten ist. Bla߬ 
farbige Sienesen geben hier den Auftakt, 
ein paar leuchtende Florentiner reihen 
sich an, und dann kommt das stolze 
Venedig wenigstens mit ein paar Namen 
zweiter Garnitur: Tintoretto und Paris 
Bordone; der eine mit einem männlichen 
Bildnis von fahlroter koloristischer 
Gesamthaltung, der andere mit einer 
Bathseba, in der die heitere Klarheit 
und Formenschönheit der südlichen 
Renaissance einen vollen Triumph feiert. 
Ein paar effektvolle Seicentisten geben 
dann die Ueberleitung zu Murillos großer 
extatischer Vision, in der die form¬ 
verzehrenden Schatten wie ausgebrannte 
Gluten religiöser Siedehitze schwelen. 

Es ist nicht uninteressant, das 
Murillosche Bild mit einem verwandten 
Sujet im nächsten Saale zu vergleichen. 
Gemeint ist Rubens' Stigmatisation des 
hl. Franziskus. Thematisch ganz und 
gar nicht überzeugend, weil Rubens, 
dem saftstrotzenden Sinnenmenschen, 
der an dieser himmlisch schönen Erde 
hing wie kaum ein anderer, für die 
traumhafte Uebersinnlichkeit derartiger 
Vorgänge einfach das Organ fehlte. 
Seine, man möchte sagen schmetternde 
Kunst — sie ist in drei guten Werken 
vertreten — wirkt wie ein Bläserchor; 












ÖÖ DEUTSCHLAND Nr. 2 



und wenn man aus dem Oberlichtraum der vlämischen Meister 
in die Seitenlichtkabinette der holländischen Schule eintritt, 
so ist's, als habe man einen Musiksaal verlassen, um sich in 
ein Studierzimmer zurückzuziehen. 

Gedämpfte Harmonien, schweig-same Farben, nur auf ruhe« 
volle Tonwerte abgestimmt, beherrschen den Raum. Leider 
fehlen hier die Größten: Rembrandt und Hals. Doch haben 
wir gerade zu dieser Abteilung in unserer Stadt eine treff« 
liehe Ergänzung in der berühmtesten und bedeutendsten 
Privatgalerie, deren glücklicher Schöpfer und Besitzer Freiherr 
Albert von Oppenheim ist. 

Von der weichlich«ge« 
schmeidigen, aber äußerst 
geschmackvollen eng¬ 
lischen Porträtkunst des 
18. Jahrhunderts, dem 
Widerhall van Dyckscher 
Elegien, gibt ein Offizier¬ 
bildnis William Beechys 
die annähernd richtige 
Vorstellung; während die 
graziösen Tändeleien des 
französischen Rokoko nur 
auf dem Umwege über den 
Kölner „Pariser'" Anton 
de Peters genossen werden 
können. In dem steif¬ 
leinenen David kommt das 
Empire dann zu seinem 
Rechte, und das sehr be¬ 
liebte BegasscheFamilien- 
bild atmet die ganze 
ruhevolle Bescheidenheit 
biedermeierlicher Häus¬ 
lichkeit. 

Zu einer lückenlosen 
Darstellung der Ent¬ 
wicklungsgeschichte der 
modernen Landschafts¬ 
kunst fehlt vor allem 
noch eine Vertretung Con¬ 
stables. Auch die großen 
Meister der Schule von 
Fontainebleau fallen vor¬ 
läufig noch aus; denn 
das umfangreiche Jugend¬ 
werk Troyons hat noch 
nichts von der saftigen 
Tonschönheit und dem 
geheimnisvollen Waldes- 
wispern jener hochberühmten und leider noch höher bezahlten 
Landschafts-Intimitäten. Das genannte Bild mutet in seiner 
romantischen Pose an wie eine Düsseldorfer Arbeit, und es 
fällt zwischen den Lessing, Schirmer und Achenbach, in 
deren Kreise es hängt, kaum auf. Daß die Düsseldorfer 
Genrebilder, diese verhätschelten Lieblinge aller Großmütter, 
nicht fehlen, braucht kaum gesagt zu werden. Gott sei Dank 
fehlt aber auch der große Kölner Wilhelm Leibi nicht, dessen 


malerische Faust jenes Kinderspielzeug zertrümmerte. Leibis 
Pallenberg, der wie ein Leu aus seinem Rahmen schaut, ist 
— wie erfreulich, so was ex consensu omnium sagen zu 
dürfen — die hervorragendste Porträtleistung der ganzen 
deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts. 

Vom Impressionismus ist die Galerie bis vor kurzem un¬ 
berührt gewesen, und auch heute noch fehlen die großen 
französischen Lehrmeister der siebziger Jahre. Dafür muß 
vorläufig eine interessante kunstgeschichtliche Rarität in die 
Lücke springen: ein in Düsseldorf gemaltes Freilichtbild aus 

dem Jahre 1873 von 
dem nun bald sechzig¬ 
jährigen Emst te Peerdt, 
dessen schlichte, ehr¬ 
liche Kunst vielleicht 
noch länger bestehen wird 
als die der Düsseldorfer 
Geschichtsschreiber und 
Anekdotenerzähler, die 
lange genug mit mit¬ 
leidigem Achselzucken 
über ihn hinweggesehen 
haben. Wie dann der 
Impressionismus bei uns 
in Deutschland entschie¬ 
dener und konzessions¬ 
loser aufgetreten ist, zeigt 
Uhdes Gartenszene und 
vor allen Dingen Lieber¬ 
manns Judenstraße, die 
unter mehrfachen Vari¬ 
ationen dieses Themas 
obenan steht, jo vielleicht 
überhaupt als eines der 
besten Werke unseres 
geistvollsten Könners an¬ 
gesprochen zu werden 
verdient. 

Das Liebermannsche 
Bild ist namentlich noch 
deshalb von größtem 
Interesse, weil es, wenn 
auch noch mit den Mitteln 
des Impressionismus ge¬ 
malt, doch insofern schon 
über ihn hinausweist, als 
es viel von der bewußten 
farbigen Rhythmik und 
Gleichgewichts Verteilung 
vonGoghscher Ausdrucks¬ 
kunst in sich trägt. Der seltsame Holländer, dessen kurzes 
Künstlerleben auf der Messerschneide zwischen Genie und 
Irrsinn dahinraste, ist mit einem weich melancholischen, 
farbig prachtvoll aufgebauten Porträt vertreten, das auf 
malachitgrün, marineblau und lachsgelb gestellt ist. In diesem 
Bilde liegen Zukunftswerte, insofern als darin das Sehnen 
unserer jüngsten Generation vorweggenommen ist, die nach 
monumentaler Linien- und Farbenrhythmik brennend verlangt. 


Köln: Gürzenich 


b) ?lusikleben in Köln. 


Von Karl 


Köln führt mit berechtigtem Stolz den Ehrentitel: 
die Musikstadt am Rhein. Zu einer Zeit, wo man 
in vielen anderen großen Orten noch nicht daran dachte, 
Frau Musica Altäre zu errichten, der tönenden Kunst 
vornehme Pflegestätten zu begründen, stand hier das 
musikalische Leben schon in reicher Blüte. Das älteste 


Wolff. 

Konzertinstitut, soweit Aufführungen für gemischten 
Chor und Orchester in Betracht kommen, ist die Kon¬ 
zertgesellschaft, die Veranstalterin der berühmten 
Gürzenich - Konzerte und der Niederrheini- 
sehen Musikfeste in Köln, derjenigen Musik¬ 
aufführungen also, welchen bei ihrem Einfluß auf die 
















3 Nr. 2 


Nr. 2 DEUTSCHLAND 89 


*• Leibis 
laut, ist 
igen zu 
ganzen 


eem un¬ 
großen 
üir muß 
t in die 
)ild aus 
3 von 

lechzig-- 

Peerdt, 
, ehr- 
elleicht 
en wird 
ddorfer 
?r und 
, die 
t mit¬ 
zucken 
esehen 
in der 
ei uns 
tschie- 
»sions- 
zeigt 
B und 
ieber- 
j, die 
Vari- 
lemas 
leicht 

; der 
ieres 
; an- 
rden 

sehe 

lOch 

tem 

enn 

teln 

^e- 

lon 

a/s 

en 

S' 

d 

\r 

if 

n 

n 

h 

t. 


n 


rheinische Bevölkerung neben der künstlerischen auch 
eine kulturhistorische Bedeutung beigemessen 
werden darf. Vor der Konzertgesellschaft, die in den 
zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begründet 
wurde, gab es schon eine sogenannte Musikalische 
Akademie, die um 1743 ins Leben gerufen war, ferner 
die heute noch bestehende und 
florierende Musikalis che 
Gesellschaft, die im 
nächsten Jahre ihr hundertstes 
Stiftungsfest begehen kann. 

Der Dirigent der Konzert¬ 
gesellschaft war immer der 
jeweilige städtische Kapell¬ 
meister. Heute ist es General¬ 
musikdirektor Fritz Stein¬ 
bach, der in den Gürzenich- 
Konzerten die alte Tradition 
durch eine mustergültige 
Pflege der Klassiker und der 
im Boden der Klassizität 
wurzelnden Tondichter fort¬ 
führt, aber darüber keineswegs die neuzeitigere Richtung, 
die „Moderne" und selbst nicht die allermodemsten 
Komponisten, soweit sie wirklich aus rein künstlerischen 
Gründen Beachtung verdienen, als Dirigent von voll¬ 
endeter Anpassungsfähigkeit vernachlässigt. Er ist auch 
der Hauptleiter der Musikalischen Gesellschaft, die Köln 
jahraus jahrein mit zahlreichen erlesenen Künstlern und 
Solisten von auswärts bekannt macht, die sonst, da die 
Gürzenich-Konzerte nur eine geringe Anzahl Solisten 
und selbstredend nur solche von anerkannter Bedeutung 
zu beschäftigen vermögen, Köln vorenthalten blieben. 

Einen sehr wesentlichen Faktor im musikalischen 
Leben Kölns bildet natürlich die Oper. Sie erfreut sich 
seit vielen Jahren mit Recht eines glänzenden Rufes 
in ganz Deutschland 
und nimmt ihrem 
Ansehen gemäß 
eine Rangstufe ein, 
die sie aus der Reihe 
der großen Stadt¬ 
theater heraushebt 
und den Hof bühnen 
nahestellt. Ist der 
Ruf der Kölner Oper 
auch im wesent¬ 
lichen vor schon 
vielen Jahren durch 
erlesene Sanges- 
steme, darunter 
der unvergeßliche 
Emil Götze, be¬ 
gründet worden, so 
brauchen wir heute 
doch keineswegs 
vom alten Ruhme zu zehren, da unsere Oper nicht 
nur über einen Stab vortrefflicher Kräfte verfügt, 
sondern da sie in echt künstlerischer Weise heute 
vor allem ihr Heil in einem tadellos durchgebildeten 
Ensemble sucht und im Kapellmeister und Opern¬ 
direktor Otto Lohse einen musikalischen Leiter 


von hervorragendsten Eigenschaften besitzt. Der neun 
Monate währenden Spielzeit reihen sich, wenn nicht 
ein Musikfest stattfindet, was alle drei Jahre der Fall ist, 
Festspiele an, die unter Mitwirkung von Künstlern 
der angesehensten Hoftheater Deutschlands und 
Oesterreichs von dem Kölner Festspielverein 

unter Entfaltung großer male¬ 
rischer Schönheit veranstaltet 
und von hervorragendsten 
Regisseuren und Dirigenten 
geleitet werden. Es sind 
stets Mustervorstellungen im 
besten Sinne des Wortes. 

Das städt. Orchester, 
das hauptsächlich Verwen¬ 
dung in der Oper findet, und 
das, durch Lehrkräfte des 
Konservatoriums verstärkt, 
das Gürzenich-Konzert- und 
Musikfest-Orchester bildet, 
darf den erlesensten Künstler¬ 
gemeinschaften seiner Art 
beigezählt werden. Auch gehört das neue, nach den 
Plänen von Karl Moritz errichtete und im Jahre 1902 
in Benutzung genommene Opernhaus nicht nur zu 
den größten und glänzendsten Deutschlands, sondern 
auch zu den bühnentechnisch auf das vollkommenste 
eingerichteten. 

Das eben schon erwähnte Konservatorium der 
Musik steht natürlich unter den musikalischen Bildungs¬ 
anstalten Kölns obenan, aber es nimmt auch unter den 
Musik-Hochschulen Deutschlands eine der ersten Stellen 
ein, wie auch die Zahl seiner Zöglinge aus dem In- und 
Auslande und seine Lehrerfolge beweisen. Im Jahre 
1850 begründet und Ferdinand von Hiller unter¬ 
stellt, wurde es von Franz Wüllner zugleich auch mit 

glänzendem organi¬ 
satorischem Ge¬ 
schick weitergeführt 
und entwickelt und 
wird heute, unter der 
Direktion Fritz 
Steinbachs, von 
etwa 800 Schülern 
und Schülerinnen 
besucht, bei einem 
Lehrkörper von 69 
Herren und Damen. 
Wiederholten Um- 
und Erweiterungs¬ 
bautenmuß in Bälde 
die Errichtung eines 
neuen, wesentlich 
größeren Gebäudes 
auf ausgedehntem 
Terrain folgen. Be¬ 
deutende schaffende und nachschaffende Tonkünstler 
verdanken dem Kölner Konservatorium ihre Ausbildung. 
Auch Engelbert Humperdinck gehört zu ihnen. 

Lassen am liederfrohen Rhein gerne Männer ihre 
Stimmen in jauchzendem Chorus zusammen klingen, so 
gilt das in besonderem Maße von der Metropole des 



Köln; Rennbahn 



Köln: Rheindampfer 















90 DEUTSCHLAND Nr. 2 


Rheins, unter dessen zahlreichen, man möchte fast 
sagen zahllosen Männerchören weltlichen und kirch¬ 
lichen Charakters sich ja auch jener befindet, dem nun 
schon zum zweiten Male der von S. M. dem Kaiser 
gestiftete Wanderpreis zuteil geworden ist, der vom 
Königl. Musikdirektor Prof. 

Joseph Schwartz ge¬ 
leitete KölnerMänner- 
Gesang-Verein. Auch 
der aus Männern und 
Knaben gebildete Dom- 
chor muß genannt werden, 
da er seine Mission, den 
Gottesdienst in den er¬ 
habenen Räumen des herr- 
lichstenBauwerks gotischer 
Kunst zu verschönern, voll¬ 
auf erfüllt. Als gemischter 
Chor mag noch der 
Lehrer- und Lehrerinnen- 
Gesang-Verein erwähnt 
werden, und von Instru¬ 
mental-Vereinigungen die 
1888 begründete, nur 
aus Dilettanten bestehende 
Kölner Orchester-Gesell¬ 
schaft. Wie reich Köln 
als ausgedehnte Garnison¬ 
stadt an vortrefflichen Militär-Kapellen ist, das 
braucht wohl nicht gesagt zu werden. 

Selbst eine so knappe Skizze der Musikstadt Köln, 
wie die hier entworfene, wird man nicht beschließen 
dürfen, ohne auf das Musikhistorische Museum 
von Kommerzienrat Hey er hinzuweisen, das, seiner offi¬ 


ziellen Eröffnung entgegengehend, Schätze von Instru¬ 
menten, Autographen, musikalischen Manuskripten usw. 
birgt, die die Sammlung zu einer der wertvollsten in 
der ganzen Welt stempeln; umfaßt das Museum doch 
außer den im Laufe vieler Jahre von Herrn Heyer selbst 


Köln: Bootshaus 

zusammengebrachten wertvollen Objekten die hervor¬ 
ragende zweite Sammlung Paul de Wits in Leipzig 
(dessen erste den Hauptbestandteil der Königl. Samm¬ 
lung alter Musikinstrumente in Berlin bildet), ferner die 
überaus kostbaren Bestände des ehemaligen Musee 
Kraus in Florenz und die frühere Ibach-Sammlung. 



Köln als Fremdenstadt. 

Von Dr. Max Heimann. 


Mit derEisen- 
bahn oder dem 
Schiff gelangt 
der Köln Be¬ 
suchende direkt 
ins Herz der Alt¬ 
stadt ; der gro߬ 
artige Zentral- 
Bahnhof sowie 
die Landestelle 
der Köln-Düssel¬ 
dorfer und der 
Niederl. Dampf¬ 
schiffahrt - Ge¬ 
sellschaft liegen 
in der Nähe des 
Domes, der den 
Mittelpunkt des 
KölnerVerkehrs 
und Lebens bil¬ 
det. Rings um 
dieses gewaltige 
Wahr - Zeichen 



Köln: Zoologischer Garten 


deraltenColonia 
verteilen sich die 
bedeutendsten 
Hotels und Res¬ 
taurants auf die 
einzelnen Plätze 
und Straßen. Die 
Entwicklung der 
Neustadt hatte 
natürlich die 
Errichtung zahl¬ 
reicher Gast¬ 
häuser und Bou¬ 
levard - Restau¬ 
rants an den 
Ringen oder in 
deren unmittel¬ 
barer Nähe zur 
Folge, aber ge¬ 
rade in letzter 
Zeit sind wieder 
zahlreicheHotel- 
neubauten mit 













Nr. 2 DEUTSCHLAND 91 



erstklassigen Restaurants in der Umgebung des Domes 
entstanden. Ueberhaupt hat der steigende Verkehr in 
der Altstadt mancherlei befreienden Einfluß ausgeübt, 
und wenn man auch bestrebt ist, die alten, anheimelnden 
Winkel und Gäßchen mit ihrem eigenartigen Reiz 
nach Möglichkeit zu erhalten, so überrascht doch 
manches neue, großzügige Straßenbild den Besucher, der 
Köln seit etwa zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. 

Kaum eine andere 
Stadt vereinigt auf 
einem so relativ 
kleinen Raume eine 
derartige Anzahl von 
Geschäften aller¬ 
erster Klasse wie 
Köln in der bekann¬ 
ten, auf den Wall- 
rafsplatz mündenden 
Hohestraße. Auch 
der verwöhnteste 
Reisende staunt über 
die Fülle des Ge¬ 
botenen, die Eleganz 
undGediegenheit der 
Auslagen, die alles, 
vom kleinstenBedürf- 
nisgegenstand bis 
zum raffiniertesten 
Luxusartikel, um¬ 
fassen. 

Der Kölner Ver¬ 
kehrs-Verein ist an¬ 
dauernd bestrebt,den 
Fremden den Aufent¬ 
halt zu erleichtern 
und angenehm zu 
machen. Auf seine 
Veranlassung finden 
im Sommer täglich 
Zweimal Rundfahrten 
mit Viererzügen statt 
(Abfahrt am Dom), 
um den Reisenden 
in kurzer Zeit einen 
vorzüglichen Ueber- 
blick über die Stadt 
zu geben. Auf seiner 
Geschäftsstelle wird 
bereitwilligst kosten¬ 
lose Auskunft über 
öile den Verkehr und 
das Wohnung swesen 
harührend. en Fragen Schloß Brühl, 

Orteilt; hi&r findet auch der Vorverkauf von Billetten zu 
den städtischen Theatern und zahlreichen anderen 
heatem ^nd Vergnügungsetablissements statt; seine 

^oscbVenanrufzentrale (D. A. Z.) ermöglicht die tele¬ 
phonische Bestellung eines Fuhrwerks nach allen Stadt- 
foilen zu jeder Tages- und Nachtzeit. 

Es ist nicht möglich, auf diesem knappen Raum ein 


Bild 


von den Unterhaltungen und Vergnügungen zu 


&oben, die Köln seinen Besuchern bietet. Besonders 


hervorgehoben seien die im Frühjahr, Sommer und 
Spätherbst stattfindenden Pferderennen auf der im Jahre 
1898 eröffneten Merheimer Bahn, eines an technischer 
Vollkommenheit sowie Uebersichtlichkeit und Schönheit 
seinesgleichen suchenden Platzes. An den Tagen der 
Meetings ist die Rennbahn der Sammelpunkt der ele¬ 
ganten Welt, mit dem sich das lebhafte Treiben der großen 
Menge auf den billigeren Plätzen zu einem frischen Bilde 

vereinigt. Die be¬ 
deutendsten Flach¬ 
rennen des Westens 
der preußischen Mo¬ 
narchie werden hier 
im Großen Kölner 
Frühjahrs-Handicap, 
den Preisen vom 
Rhein und Donau- 
eschingen, dem 
Rheinischen Zucht¬ 
rennen, dem Preis 
des Winterfavoriten 
und Germaniapreis 
ausgefochten; aber 
auch der Sport zwi¬ 
schen den Flaggen 
kommt zur Geltung 
und findet sein best 
dotiertes Rennen in 
dem Kronprinzessin- 
Cecilie - Jagdrennen. 
Daneben locken zahl¬ 
reiche Rad-Rennen 
und häufige Tennis-, 
Fußball-, Golf- und 
Hockey - Matches 
Fremde und Ein - 
heimische. 

Rheinische Fröh¬ 
lichkeit und unge¬ 
zwungene Gastlich¬ 
keit beherrschen das 
gesellige Leben des 
Winters, das außer¬ 
ordentlich rege ist 
und gewöhnlich sei¬ 
nen Höhepunkt in 
dem altbekannten, 
von allen Kreisen 
gefeierten Kölner 
Karneval erreicht. 
Die Vergrößerung 
der Stadt und die fort- 
Treppenhaus schreitende Durch¬ 

setzung des einheimischen Elementes mit Fremden 
konnten nicht ohne Einfluß auf den Charakter dieses 
eigenartigen Volksfestes bleiben, auch galt es, manche 
im Laufe der Zeit entstandene Auswüchse zu über¬ 
winden; aber der Kölner Fasching hat sich, allen 
Gefahren zum Trotz, siegreich erhalten und bietet dem 
Beobachter des Volkslebens, dem Freunde des gesunden, 
harmlosen Humors und des unverfälschten Dialekts eine 
Fülle des Interessanten und Erheiternden. 














92 m 


DEUTSCHLAND Nr. 2 

Kölns Umgebung. 

Von Dr. Max Heimann. 


Zu beiden Seiten des Rheins eröffnet sich, gar 
nicht weit von den Toren der Stadt, ein an intimen 
Reizen reiches Aus¬ 
flugs-Gebiet, das 
durch eine Reihe 
von elektrischen oder 
Dampf-Kleinbahnen 
heute vollkommen 
erschlossen und be¬ 
quem zu erreichen ist. 

In westlicher und 
nordwestlicher Rich¬ 
tung von Köln liegt 
das anmutige Erfttal. 

Die Staatsbahn führt 
überLövenich (in der 
Nähe das Römergrab 
von Weiden mit wert¬ 
vollen Funden und 
die aus dem 11. Jahr¬ 
hundert stammende 
ehern. Abtei Brau¬ 
weiler) nach den von 
ausgedehnten Wal¬ 
dungen umschlosse¬ 
nen Orten Königs¬ 
dorf und Horrem. 

Südwestlich ist der 
Stadt das sog. Vor¬ 
gebirge vorgelagert 
(Staatsbahn bis Rois- 
dorf oder Vorge¬ 
birgsbahn ab Bar¬ 
barossaplatz), dessen 
Abhänge zur Zeit 
der Obstbaumblüte 
einen entzückenden 
Anblick gewähren. 

Weite Waldungen 
(Ville) leiten von hier 
hinüber in das Ge¬ 
biet der Eifel, deren 
ernste Schönheit und 
wunderbare Einsam¬ 
keit erst in jüngerer 
Zeit die wohlver¬ 
diente Beachtung ge¬ 
funden haben. 

Den Kunstfreund 
lockt es nach Brühl, 

Bensberg, Benrath 
und Zons (Staats¬ 
bahn); die drei erst¬ 
genannten Orte ber¬ 
gen inmitten gro߬ 
artiger Park-Anlagen Schlösser aus der Blütezeit 
des Rokoko, die schönsten Schöpfungen dieser Art 
im westlichen Deutschland; namentlich das reiche 


Treppenhaus im Brühler Schloß wird in jeder Kunst¬ 
geschichte genannt. Zons mit den zum großen Teil 

erhaltenen mittel¬ 
alterlichen Stadt- 
Befestigungen aus 
dem 14. Jahrhundert 
hat den Beinamen 
„das rheinische 
Rotenburg" vollauf 
verdient. Erwähnt 
sei auch die aus dem 
12. Jahrhundert stam¬ 
mende ehern. Prä- 
monstratenser-Abtei 
Knechtsteden b. Dor¬ 
magen. (Staatsbahn, 
1 V 4 Stunde Weg). 

Auf der rechten 
Rheinseite erstreckt 
sich stundenweit der 
Königsforst mit sei¬ 
nen uralten, herr¬ 
lichen Bäumen. Da¬ 
ran schließt sich 
die Umgebung Bens- 
bergs, das idyllische 
Hoffnungsthal, das 
liebliche Sülztal, die 
Täler der Dünn und 
des Eifgen und das 
ganze, an feinen 
Reizen überreiche 
Bergische Land, von 
dem der Altenberger 
Dom, die Müngstener 
Brücke, das Wupper¬ 
tal und Schloß Burg 
besonders zu er¬ 
wähnen sind. (Elektr. 
Bahnennach Königs¬ 
forst sowie Brück, 
ab Museum, Staats¬ 
bahn nach Bensberg, 
Berg.-Gladbach, Rös¬ 
rath usw.) 

Weitere Ausflüge 
bieten das Siegtal 
und vor allem das 
Siebengebirge (Dra¬ 
chenfels, Petersberg) 
und auf der linken 
Rheinseite Godes¬ 
berg, Rolandseck, 
Remagen, wo die 
alte „duftumhauchte 
Stromromantik" den vollen Zauber des Rheinlandes 
ausstrahlt und freudig den Besucher in ihre Banden 
und Fesseln schlägt. 



Ahkölnisches Steinzeug (Kunstgewerbe-Museum) 



Altkölnische Flügelgläser (Kunstgewerbe-Museum) 













Köln: Tor dem Westportal des Domes. 


OriHUe UiiMi!lli! ilis ilgn Mdin-Ms LII. 

Margarethenkloster 11. 

Kostenlose Auskunfterteilung über städtische Verhältnisse, Sehens¬ 
würdigkeiten in Köln, Reisewege zu Wasser und zu Land tisw. 
Ausgabestelle von Prospekten über Kurorte, Sommer-Aufenthalte, Städteführer. 

Der Vorstand: 

Baurat Carl Schellen, 1. Vorsitzender, Stadtverordneter Dr. jur. von Mallinckrodt, 2. Vorsitzender, 
Stadtverordneter Rechtsanwalt Hu<^o Münnig, 5. Vorsitzender, Dr. jur. Max Heunann, Schriftführer, Hofjuwelier 
C. Becker, stellv. Schriftführer, Konsul H. von Stein, Schatzmeister, Heinrich Maus, stellv. Schatzmeister, 
Heinrich Auer, F. X. Bachem, Beigeordneter Dr. Best, Fritz Bohle. Direktor C. Delfs, Justizrat Dr. vom Grafen, 
Stadtbaurat F. C. Heimann, Kgl. ßaurat Hermann Hertz, Otto Hoyer, Jakob Keller, Beigeordneter W. Laue, 
Ado’f Metz, Alfred Neven - DuMont, Konsul C. A. Niessen, Balduin Noll, Beigeordneter Carl Reliorst, 
Direktor E. Schaufuss, Direktor F. Preller, G. Wallenstein, Direktor Wunderlich, Dr. Oster, J. van Norden. 













































































94 DEUTSCHLAND Nr. 2 

Die Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr. 

Von Josef Buchhorn, Berlin. 


11 . 

„Denn ohne Wein kann ich schon leben. 
Doch niemals Deutschland ohne Rhein 

Darum — so mannigfacher Schönheiten voll die 
Uebersichten der Schlesier, Braunschweiger, Sachsen, 
Elsaß - Lothringer und wie sie alle heißen, auch sein 
mögen — Deutschland würde auf dieser Internatio¬ 
nalen Ausstellung für Reise- und Fremdenver¬ 
kehr nur zur Hälfte vertreten sein, wenn nicht auch 
die Bezirke jenes Stromes auf ihr gewiesen würden, an 
die sich seit Menschengedenken die Liebe der Germanen 
und die Sehnsucht aller übrigen Nationen geklammert 
hat, wenn nicht der Rhein seine Rhythmen durch diese 
Sinfonie von Landschaftsfolgen rollte. Der Rheinische 
Verkehrs-Verein*) hat eine Fülle von Gemälden, Aqua¬ 
rellen, Radierungen, Gouachen, Skizzen, Photographien, 
Plänen usw. zu einer aparten Schau vereinigt, in der 
der Rhein sowohl als auch seine Nebentäler ihre 
persönlichste Note spielen — zu einer Schau, die noch 
eine ganz andere Wirkung ausstrahlen würde, wenn sie 
nicht durch die Reklamekojen Berliner Geschäftsfirmen 
elend verbaut worden wäre. Zweifelsohne hat die Be¬ 
teiligung der Konfektionshäuser Herzog, Adam, Maassen; 

*) Vergleiche auch den Aufsatz im wirtschaftliclien Teil, Seite 110. 


der Stiller und Sarotti; der Ackermann und Pulwer usw., 
die Reisekoffer in allen Varietäten zeigen, ihre Berech- 
tigung, einmal vom pekuniären Standpunkt aus, um die 
(zweifellos enorme) Platzmiete herauszuholen, und zum 
anderen, weil zu einer derartigen Schau auch die Aus¬ 
rüstungsgegenstände für die Fahrten talein und berg¬ 
auf gehören — aber man durfte nicht vergessen, daß 
die Ausstellungen der einzelnen Verkehrs-Vereine die 
Hauptsache waren; daß in erster Linie die Inszene 
der verschiedenen Landschaften in Frage kam — und 
in zweiter erst eine wirksame Reklame für eine Reihe 
von Kaufleuten. So wird man in Zukunft, wenn wieder 
einmal eine Reiseausstellung ins Leben gerufen werden 
soll, derartige Konfektions-, Schuh-, Koffer-, Konfekt- 
und andere Kojen in irgend einem Saale vereinigen 
und sie als einen Appendix an die eigentliche Aus¬ 
stellung anschließen. Der Einwand, die Gesamtschau 
gewänne durch das jetzige Mixtum compositum, verliert 
seine Stichhaltigkeit, sobald der Nachweis erbracht 
ist, daß der ursprüngliche Zweck der Ausstellung, 
wenn nicht in Frage gestellt, so doch erheblich be¬ 
einträchtigt ist. 

Rügen — ja; das wirkt nach jeder Richtung, fällt 
überall in den Sälen und auf der Galerie aut — Rügen 










1 

Mh 

V. WaIIcI 

1 1 



ifcli 











Internationale Reise-Ausstellung Berlin: Auskunftstelle des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 

(Photograph: Zander & Labisch, Berlin) 























Nr. 2 DEUTSCHLAND 95 



Internationale Reise-Ausstellung* Berlin: Sammelausstellung des Rheinischen Verkehrs-Vereins 


ist nicht totzuschlagen. Die Ausstellung des Rheinischen 
Verkehrs-Vereins würde ohne Zweifel stärker wirken, 
wenn auch sie in die Ferne spähte; wenn, beispiels¬ 
weise, die wundersame Pinseldichtung von William 
Straube, die farbenfrohe und farbenschöne Loreley, 
ihren Zauber nicht hinter Herzogscher Leinewand ver¬ 
stecken müßte — denn sie bildet gewissermaßen den 
Mittelpunkt dieser Schau — ihr Leitmotiv, das all die 
anderen, die um seine Wucht gruppiert sind, machtvoll 
beherrscht. 

Rhein und Mosel weisen dem Wandersmann mit 
derselben eindringlichen Werbekraft ihre Reize. Rhein¬ 
stein dort und hier Burg Eltz. So viele Namen, so viele 
Schlager — das alte Andernach und das moderne 
Coblenz — das von unzählig vielen Kurgästen be¬ 
lebte Wiesbaden und das heimlich-stille, von dem 
Nationaldenkmal überragte Rüdesheim: sie alle para¬ 
dieren hier in einer berückenden Aufmachung — Worms, 
die Stadt der Nibelungensage und des mannesstarken 
Bekenntnismutes eines Martin Luther; Düsseldorf, 
die blütenumsponnene Malerstadt, die Stadt, deren 
Vergangenheit der perückenschwere Jan Wellern auf 
dem Burgplatz und deren Gegenwart die Tausende 
von qualmenden Schloten nach Oberbilk, Grafenberg, 
Eller und Benrath hin bezeugen — wer wollte sich 
angesichts der lockenden Bilderfülle, die die Eigenart 
dieser beiden Niederlassungen deutet, für die eine oder 
andere entscheiden! Verwirrend schier wirkt diese Aus¬ 


stellung; denn in ihrem bunten Auf und Ab von Strom-, 
Landschafts- und Städteaufnahmen läßt sie den Be¬ 
schauer kaum zur Besinnung kommen. Dort ein „Abend 
an der Mosel": drunten der Fluß; an seinen Ufern im 
Abenddämmer die Häuserenge des Fleckens; über ihm 
die Schalten der Bergketten, vor denen Wiesen und 
Weiden wellen. Auf der Höhe, von der aus diese Idylle 
festgehalten ist, wein- und liedfrohe Menschen — sorgen¬ 
ledig, heimatstolz . . . Hier ernste her gische 

Schlösser, Gimborn und Ba ddi nghagen, vor 
denen tiefe Wasser stehen und deren jahrhundertaltes 
Mauerwerk dichte Buchendächer wie eine Tarnkappe 
schützen und verbergen. . . 

Hammerkotten im Morsbachtal — Schloß Burg — die 
Müngstener Brücke — die Remscheider Talsperre: 

Land der Sehnsucht und der Sage, 

Land durch Arbeit groß und stark. 

Wie ich dich im Herzen trage: 
Bergerheimat, Land der Mark! 

Hier das sommerselige Panorama von Godesberg, 
— merk auf! Es nahen die Fahrenden von Bonn, und da 
klingt es auch schon über die Breite des Stromes zu 
den sieben Bergen hinüber: 

Keinen Tropfen im Becher mehr, 

Und der Beutel schlaff und leer — 

das Lied von der „Lindenwirtin, der feinen" . . . 



































































































































































































96 DEUTSCHLAND Nr. 2 


Konrad Sutter weist die charakteristische Silhouette 
des strombegrenzten Mainz, vor dem die schlanken 
Rheindampfer furchen. Erich Nikutowski belauscht die 
Märchenheimlichkeit der weltvergessenen Idylle Zons. 
So viele Namen, so viele Schlager. . . 

Die Eifel, — sie darf nicht fehlen, wenn von 
diesen Bezirken die Rede ist. Ihre herbe Schöne deutete 
der Stift eines Fritz von Wille und ihr Preislied sang 
die reife Kunst einer Klara Viebig. Die Eifel mit ihren 
windumspielten Höhen und ihren sonnverbrannten 
Tälern, ihren ginsterbestandenen Heiden und ihren ge¬ 
heimnisvollen Maaren. Zu ihr pilgere der Wanderer, der 
mit einer herberen Luft die Lungen füllen und in meilen¬ 
weiter Einsamkeit aus allem Hasten für eine Zeit lang 
herauskommen will. 

Wie warnt doch Karl Simrock? 

„An den Rhein, an den Rhein, 

Zieh' nicht an den Rhein" 

„Dich bezaubert der Laut, dich betört der Schein, 
Entzücken faßt dich und Graus. 

Nun singst du nur immer: am Rhein, am Rhein! 

Und kehrst nicht wieder nach Haus." 

Ungern nur und langsam wird auch der Besucher 
der Internationalen Reise- und Verkehrsausstellung sich 
aus dem einspinnenden Banne lösen, den diese bilder¬ 
und datenreiche Schau des Rheinischen Verkehrs-Vereins 
um ihn gelegt hat — ungern nur und langsam —, der 
Eindrücke waren zu viele und starke, der landschaftlichen 
Schönheiten zu mannigfache und faszinierende. 

Später tritt er noch einmal in die Gebiete dieses 
Stromes ein —: wenn Düsseldorf seine Reize aufs neue 
in kondensierter Form vorführt. Da kann er bereits 
Gesehenes auf seine Eindrucksrichtigkeit nachprüfen, 
kann er seine Kenntnis von den Gartenwundern dieser 
vielleicht schönsten Stadt am ganzen Rhein mühelos 

bereichern. ^ ^ 

* 

Eine Reihe von Städten, die keine Sonderaus¬ 
stellungen veranstalten wollten oder konnten, sind in 
jener Uebersicht vereinigt, für die der Bund Deutscher 
Verkehrs-Vereine verantwortlich zeichnet. Da sieht 
man u. a. neben dem Fuggerhaus, das das Augsburg 
der Renaissance bewahrt, die Bogen von Münster i. W., 
vor denen die Händler feilschen, neben Iserlohn, das 
den Eingang ins schluchtenreiche Sauerland bildet, die 
stumpfe Haube der Marienkirche, die das alte Danzig 
überragt; neben den Gelsenkirchen, Herne, Essen, 
Hagen usw., in denen der helle Klang der Hämmer 
die Arbeitsparole des Tages kündet, der dicke Qualm, 
der aus den hohen Kaminen entpufft, schier den Glanz 
verdunkelt, den die Sonne über die natürlichen und 
künstlich geschaffenen Anlagen dieser Städte ge¬ 
breitet hat, die weltfremde Stille der Masurischen 
Seen; sieht man neben Bamberg Flensburg, neben 
Breslau Wolfenbüttel die jeweiligen Besonderheiten 
anpreisen. Partien aus dem bayerischen Walde wechseln 
mit Szenen aus dem Stettiner Hafen. Hier die breite 
Front der Walhalla, dort die schlanke Statue des 
Cheruskerfürsten Armin. Dort das Mastengewirre 
des Hamburger Hafens und hier eine mittelalterliche 
Enklave in einer ganz und gar modernen Zeit: Rothen¬ 
burg ob der Tauber. An die Förde, die Ostsee, 


führt Flensburg, in den Birngrund, nach Mittelfranken, 
die ehemalige Reichsstadt Dinkelsbühl. . . 

Weist diese knappe Schau, die alles andere als er¬ 
schöpfend ist, die bald nach Ost- und bald nach West¬ 
deutschland führt, im Handumdrehen zwischen Nord- 
und Süddeutschland wechselt, nicht allein schon in 
überzeugender Art die außerordentliche Bedeu¬ 
tung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 
nach? Wahrlich — diese Ausstellung, der eine jederzeit 
hilfsbereite Auskunftei angeschlossen ist, sollte den¬ 
jenigen Städten und Landschaften zu denken geben, 
die bislang noch abseits stehen und der Ansicht sind, 
auf eigene Faust operieren und sich die Fremden 
„kapern" zu können. Unitis viribus! In diesem Worte 
allein liegt die Parole für die Werbekraft des deutschen 
Vaterlandes in die Fremde, in die Ferne. 

Herzlicher Dank gebührt dem Bunde Deutscher Ver¬ 
kehrs-Vereine, daß er bei dieser Gelegenheit gezeigt hat, 
wie „herrlich weit" wir es bis heute schon gebracht 
haben. Nun aber weiter an die Arbeit — auf daß auch 
die noch widerstrebenden Elemente gewonnen werden — 
denn nichts ist, nach Bismarck, geeigneter, „die Ver¬ 
schmelzung der widerstrebenden Elemente zu fördern, als 

gemeinsame Arbeit an gemeinsamen Aufgaben. 

♦ * 

* 

Hannover und Hildesheim müssen noch kurz 
genannt werden. Charakteristische Straßenzüge weisen 
beide. Da sieht man die Georgstraße mit dem Cafe 
Kröpke, den Marktkirchturm, die Ratsapotheke, die 
Kreuzkirche usw. von Hannover-Stadt und eine stim¬ 
mungsvolle Heidelandschaft von Hannover-Land — eine 
Unmenge von Plänen zu Gebäuden, Parks usw., Nach¬ 
bildungen niedersächsischer Metallgeräte u. v. a. m. Und 
da tut man eindruckschwere Blicke in die Dammstraße, 
den Pfaffenstieg und den hinteren Brühl von Hildes¬ 
heim; hält man vor dem Pfeilerhaus von 1623, dem 
Landsknechtshaus von 1554 und dem Knochenhauer¬ 
amtshaus von 1529 — hält und staunt und kann sich 
nicht satt sehen in diesem „Museum deutscher Holz¬ 
architektur". 

Alte Stadtpläne, die Glienicker Brücke, das Reiter¬ 
standbild des Königs Friedrich Wilhelm IV. und vor 
allem ein auf den ersten Blick bestrickendes Panorama 
weist Potsdam; alte Fregatten und segelgeblähte 
Karavellen verraten die Koje, da Lübeck in seine 
Bezirke zu locken versucht, in die alte Stadt mit ihren 
Erinnerungen an die Reformations- und die Hansazeit, 
und in ihre Umgebung, die fruchtbedeckte Felder und 
verlassene Moore, anmutige Seen und waldbestandene 
Höhen umschließt. 

* * 

* 

Eindrucksreich ist auch die Landesausstellung 
von Hessen, die von dem großherzoglichen Bad 
Nauheim und den hessischen Verkehrs-Vereinen ver¬ 
anstaltet worden ist. Das Bad Nauheim wird, neben 
einer Unzahl von Ansichten, Plänen, Photographien usw., 
durch eine anschauliche Miniaturanlage vertreten, die 
spielzeugartig die verschiedenen Badehäuser, Brunnen-, 
Wald- und Promenadenanlagen vorführt. Ganz famos 
ist u. a. auch der Diorainenzyklus, der ein gut Teil 
jenes gesegneten Landes, plastisch beinahe, vorführt, 
das die einzige Bergstraße mit Seeheim, Jugenheim, 



Nr. 2 DEUTSCHLAND 97 


Alsbach, Zwingenberg, Bensheim, Heppenheim usw. sein 
eigen nennt; das von einem Kranze von Städten 
geschmückt wird, deren Namen allein ihre Vergangen¬ 
heitswerte und ihre Gegenwartsbedeutung bekunden — 

den Bingen, Mainz, Darmstadt, Worms und Gießen. . . 

♦ * 

* 

„Deutsches Land, du wonnig LandH so sang einst 
der selige Johann Gottfried Pfund. „Deutsches Land, du 


wonnig LandH jauchzen auch wir, wenn wir wieder 
einmal all seine Schönheiten Revue passieren lassen, 
die in seinen Städten und Landschaften, auf seinen 
Bergen und in seinen Tälern, an seinen Küsten und im 
Herzen seiner Heiden der Entdecker harren, all seine 
Schönheiten, wie sie — in nuce wenigstens — diese 
Reiseausstellung zusammenfaßt. 

„Deutsches Land, du wonnig Landl" 

_ (Schluß folgt.) 


Deutsches Musikleben. 


Von Dr. Wa Iter Niemann, T'^ipzig-. 


Burney,der große englische Musikforscher des 18. Jahr¬ 
hunderts, war es wohl, der Böhmen das Konservatorium 
Europas nannte. Damals versorgte es in noch weit höherem 
Grade wie heute Europa mit Instrumentalisten vom ein¬ 
fachen Fiedler bis zum großen Virtuosen. Heute würde er 
jedenfalls Deutschland diesen musikalischen Ehrentitel 
geben. Deutschland ist gegenwärtig seit dem musikalischen 
Uebergewicht, das ihm die Wiener Klassiker Haydn, 
Mozart, Beethoven über die Welt gaben, das Musik- 
land geworden. Das Musikland als Studienland und 
Konservatorium der Welt, 
als Land höchstgesteigerter 
Organisation und Pflege der 
Musik, als Land instrumen¬ 
taler Musteraufführungen. — 

Der Ausländer, der etwas 
Tüchtiges im Schaffen und 
Ausüben der Tonkunst lernen 
will, geht nach Deutschland. 

Der Ausländer, der die großen 
Meister der Musik in Oper 
und Konzert in möglichst 
idealer Weise hören will, 
wendet sich ins Herz von 
Deutschland. — Das ist, mit 
ein paar Schlagworten gesagt, 
die Bedeutung des musika¬ 
lischen Deutschland von heute. 

Der musikalischen Er¬ 
ziehung und Ausbildung dienen 
heute noch, wie vor Gene¬ 
rationen, die großen deutschen 
Konservatorien und Hoch¬ 
schulen für Musik. Die 
Namen Leipzig (Kgl. Konser¬ 
vatorium seit 1843), Berlin 
(Hochschule mit dem Aka¬ 
demischen Institut für Kirchen¬ 
musik, gegr. 1822, und andere 
Institute), Stuttgart (seit 1856), Dresden (Kgl. Konser¬ 
vatorium seit 1856), Köln (seit 1850), München (Akademie 
seit 1867), Würzburg (Kgl. Musikschule seit 1801), Frank¬ 
furt a. M. (Dr. Hoch’sches seit 1878, Raff-Konservatorium 
seit 1883), Regensburg (die von Dr. Haberl 1874 zur Pflege 
katholischer Kirchenmusik auf cäcilianischer Grundlage in 
Deutschland begründete bedeutende Kirchenmusikschule) 
und so vieler anderer sind auch jedem Ausländer, der sich 
in der Jugend dem Dienste Polyhymnias weihte, teuer. Es 
ist hier nicht der Ort, über Vorzüge und Schäden dieses 
Großbetriebes im musikalischen Erziehungswesen, dessen 


schweren Nachteilen staatliche musikalische Fachlehrer- 
Examen fordernde Organisationen, wie der Musikpäda¬ 
gogische Verband, durch Konzentration und wissenschaft¬ 
liche Vertiefung der Studien entgegenzuarbeiten streben, 
sich zu verbreiten. Die nach dem Deutsch-Französischen 
Kriege — als das reiche Groß-Deutschland geboren war — 
rapid gesteigerte Entwickelung des deutschen Musik¬ 
lebens haben sie jedenfalls gleich glücklich wie unglücklich 
bestimmt. Durch sie nicht zuletzt ist Deutschland heute 
längst nicht mehr ein Land des Gesanges, sondern ein 

Land der Instrumentalmusik. 
Die Musik als dienende Kunst, 
als Hausmusik liegt unheilvoll 
danieder. — Dagegen drängt 
alles zur Oeffentlichkeit, zur 
Bühne, zum Konzertsaal in 
einem Ansturm, der Bedarf 
und Nachfrage, Berufen- und 
Unberiifensein in krasses Mi߬ 
verhältnis setzt. DasVolk leidet 
Mangel an einer Musik, die 
Besseres als Gassenhauer gibt, 
die es versteht. Die Organi¬ 
sation des modernen deutschen 
Musiklebens baut sich auf ge¬ 
schäftlicher Grundlage auf und 
zeigt sich tief beeinflußt vom 
Großkapitalismus und dem Ge¬ 
nossenschafts- und Verbands- 
Wesen — Erscheinungen, die 
für Groß-Deutschlands Wirt¬ 
schaftsleben typisch sind. Ein 
Glück nur, daß Wir von einer 
Zentralisation des Kunst- und 
Musiklebens, wie sie Frank¬ 
reich seit alters in Paris be¬ 
sitzt, trotz allen Ueberge- 
wichts von Berlin doch noch 
weit entfernt sind. 

Zum Studienland tritt das Land musterhafter instru¬ 
mentaler Aufführungen, eines höchstgesteigerten und 
glänzend organisierten Musiklebens, das alle gesunden 
wie kranken Zeichen intellektueller Hochkultur aufweist. 
Nicht Herz, nicht Gefühlsleben und Gemüt wie in den Zeiten 
der großen schöpferischen Kräfte, sondern Geist, höchst¬ 
entwickeltes artistisches Können bis zur fabelhaftesten 
Routine und Wissen sind Trumpf. Nehmen wir die 
großen Namen unter unseren schaffenden zeitgenössischen 
Musikern, die in Mode und Ruhm stehen, Richard Strauß, 
Gustav Mahler, Max Reger und ihr Werk vor: es Wurzelt 



Leipzig-: Thomaskirche 


























98 DEUTSCHLAND Nr. 2 




ganz in unserer Zeit, verrät ein immenses Können, aber es 
ist auch zum guten Teil „froidement calcule“. Deutschland 
als Land des Gesanges ist gewesen. Heute haben selbst 
die ersten deutschen Theater Not, Gluck, Mozart, Verdi, 
Rossini gesanglich annähernd befriedigend zu besetzen. 
Den Sänger des Bel Canto 
löste der Darsteller und 
Sprach-Gesangskünstler, das 
symphonisch behandelte Or¬ 
chester ab. Deutsche Wagner- 
Aufführungen an berufenen 
Stätten gehören zum Vollen¬ 
detsten, was sich denken läßt. 

Der deutsche Wagnersänger 
aber wird gesanglich zumeist 
an vor-wagnerischen Opern 
Schiffbruch leiden, in Deutsch¬ 
land nichtsdestoweniger ein 
großerSänger genannt Werden 
können. Nicht Schönheit und 
Kunst des Gesanges, sondern 
Stimmkapital und Stimmkraft 
sind im deutschen Musikleben, 
seitdem Richard Wagner, der 
Begründer unserer deutschen 
Opernvorherrschaft, und sein 
herrliches, aber dominierendes 
Orchester die gewaltigen deut¬ 
schen Bühnenhäuser beherr¬ 
schen, die Existenzfragen des 
Sängers geworden. Deutsche 
Orchester - Musiker dagegen 
sind bis über den heute 
völkerverbindenden Atlantik stark begehrt. — In diesem 
Sinne stehen die deutschen Hoftheater und die 
großen Stadttheater deutscher Großstädte noch auf 
alter Höhe. Arbeitsfreudigkeit, Fortschrittsgeist und 
Unternehmungslust wird man bei ihnen allen, am 


meisten Wohl bei den letzteren, suchen und finden. 
Ebenso Selbständigkeit des Repertoires und Unab¬ 
hängigkeit von dem Novitätenmarkt Berlins, der be¬ 
herrschenden und tonangebenden deutschen Theaterstadt. 
Dagegen ist es selbst großen Stadttheatern nicht möglich, 

ihre hervorragendsten Sänger 
und Sängerinnen vor den 
Lockungen der Titel und Or¬ 
den verheißenden Hoftheater 
und der amerikanischen Kon¬ 
trakte zu schützen. 

Bei der Freizügigkeit inter¬ 
nationalen modernen Kunst¬ 
treibens hat auch das deutsche 
Musikleben vollen Anteil an 
den bedeutendsten reisenden 
Quartett genossen schäften 
(Böhmen, Brüsseler, Peters¬ 
burger, Flonzaley, Sevcik, 
Ros6, Holländer, Pariser usw.) 
Doch auch einheimische Quar¬ 
tette, wie das Münchener, das 
Süddeutsche (Freiburg i. Br.), 
das Rebner- und Frankfurter 
(Frankfurt a.M.), Petri-, Wille- 
(Dresden), Halir (Joachim)-, 
Marteau - Becker-, Klingler- 
und WaldemarMeyer-Quartett 
(Berlin), u. a. lassen ihr oft aus¬ 
gezeichnetes Ensemble außer¬ 
halb ihres Wohnsitzes hören. 
Während wieder andere, wie 
das vortreffliche Leipziger 
Gewandhausquartett, satzungsgemäß nur ihrer Stadt dienen 
dürfen. Die öffentliche Trio - und Sonatenpflege steht 
dagegen beklagenswert zurück. Gleichwohl dienen ihr 
einige vortreffliche Trio-Genossenschaften, wie Marteau- 
Becker-Dohnänyi, das Dresdener, Frankfurter, Mei¬ 
ninger und Rheinische Trio, die 
Georg Schumann- und F. v. Bose- 
Trios, das hervorragende Rus¬ 
sische Trio (Preß-Maurina) u. a. 

Das deutsche Männer¬ 
chor wesen ist mit seiner ge¬ 
waltigen Institution des Deut¬ 
schen Sängerbundes (gegr. 
1862) mit rund 150000 Sängern 
vorbildlich für allen Männer¬ 
gesang deutscher Zunge in der 
Heimat und Fremde geworden. 
Seine Entwicklung, bei welcher 
von jeher das patriotische Element 
stark mitspielte, ist erstaun¬ 
lich und steht mit dem künst¬ 
lerischen Eigenwert des Männer¬ 
gesanges in keinem Verhältnis. 
Man Wird dies der dem Deutschen 
eingeborenen Vaterlands-Liebe, 
der Liebe zum Lied, in kleineren 
Orten aber wohl leider auch der 
Freude an Liedertafelei, am ge¬ 
selligen und gesellschaftlichen 


Leipzig: Königl. Konservatorium der Musik 






Leipzig: Bach-Denkmal 






















Nr/2 


DBUTSGHLÄND 99 


E.ntfe'iÄ?efcfe|^ d Frieden’ von Gsnibrrniis and Sacchns 
gatÄcbrabßü. Es, gibt in den gfilüer^ii Siädlefi zafilrefche 
Mäßnerchöre vqn aasgezeichneier Leist iingsiäbigkdi^ 
i)nstitut*otien-M?ie der Kötner: tmd Wiener Männer-GesangV 
der ßerimer ntid Lj&{p^iger Lehrergesaag^^erdri, 
die Bertmer Liedertafel ami :aa4et'e berühiHte Preistfllger 
def in F r ö n U f ii f t; 4. M. aijgeb^sUenef^ \\’ e t i s t r e i f e 
um d e n K s i s erp re i i haben den Rnbrn d eul iscli en 
Mäniiergesanges Buch auf fröhlkhet) Säiiger- 

fahrten ins Ausland and bber den O^ean getragen und 
ein Band des P g=1 ri^t äi ich ,ruu die: Deu t sch en i n 

der Fremde geschluaget^. . teistungsfuhige. 

Studeftteng^saVigvereine Seitenstbck 

■zü. -ßksnditiavi^tis Brüden-eri^Tf>'e.b^"/ü^ye". ITePdie Liebe zm 
Musik In der gecmamschea; skad^mifcck Jugend Wurzelt: 

Simi, V&rständ Liebe zur Musjk^ n 

Volke Wullen v o.l U s t li m \\ che SJ m ph o n ie - u n d 
Cbörkou^erte 
sowie Arbef r 
ter-Gesang- 
Verelfi e mit 
KuftSorten . ^if 
gänj?i Jbilligeä^;^ 

Eintrüt^preisen 
Wecken und 
.mehteu::. helfen t. 

Die deutsche 
MiHtärrnüsnt 
:steW ■VaU.'^LeF 
stuhgsW häkelt 
und örche^ter? 
dfeziplia ’aä', 
emer Stufe, die 
nur än/Ruaiand 
' eineglefchtiefc 
Miisikbegabung 
und 

■des'.Vöike^.' 

:f^it!jg\icLen;käUu: 

■ -.Oie ■ ä^ut-: 

inu%erui.feiL 
alter .fe Jn-; : 

^tellelttaalfsmüs .■ 
eben gewaltigen 



ihres kamrnermusikafeoheu^^fe siiL und bstrU- 

mentengetreue: AnfTidirüng^ alter Musik lu werben, die 
trot^ der zaueliinenden deutschen musikalischen ftenai$:* 
$mce -■ Seweguiig--■ .■ .-bej -den gt^ößiea.v'Kön^ert-; 
Ini^titutioneri infolge: des-n sehr geringen :Einflusses 
der Musikwis^n$chaEi und ihrer Faclipiesse auf die große 
mnsikaljsche OelfentUchkeÜ,, 4fe inüsfeiBc,he Praxis arg 
dsßbderliegen. ■ . ■ 

pie masikaUsc.ii:e Futhpre ^blv 

heutd w!e: dä$; vdeuts^fie M nicht Immer 

siu ä^bem Vor teil sfek Bef l än . Der Sibett und Westert, 
äbd m sciv^^ner Entwicklung. An gedfegenen; väfnehmen 
uhy reich haltigen Organen ftir Fnch- und Lalenkreis ist kein 
Mangel slfgemeincu schemt aber dfe äHere i?eit 

tNpezbllstiiicber und föchhchef Musikpre^^^ eine neue 2dt 
universeller RüivsF und LitefaturreVueu mit TnusikaliscJier 
Abteilung abzidösen. Erifwickluog yolUieht $lfh 

TTiit Natumob' 
wendigkeitDIe 
Ursaclie aber 
liegt weniger 
in. d*f sogar Im 
Sinne eines ge-; 
luhrd rollende 11 : 
Oegenteilesab 
;jij jeug fl enden 
Abkehr urt^fer 
Zeii vbri dem 
Spezialisten- . 

• bmi'als- b- dem- 
•schneibuNaciji-:' 
tichtendienit: 
und der zuneb- 
melden Bödeto" 
tufigde^kritfech 
oder auch 
däkibnell’mehr • 
Tutd uitbr Von 
feetbuteOdeTi 
F^cbieafyi^ :be- 

groöeh; 


AulspiWurfg geaofiiiTjen imd 
Orgahfsatjorruiid Pabl^ der lnternatlobabn Musik- 

Qeseüsdiaft ein ft!SteÄ Baad am die G leichst re benden andrer: 
■l^ationen gescbhmgi^, 'DkfZ^hi ri,r4jöptdcber ^t^pslkwfe^ 
sckaftlicher Protc-ssimeri bn deutschen mehfl 

sich stäiulig. Ghr^saiider der HSridelfofschef, Spifb^ 
Bachforsefier, RjeÄOTi-der upiverselfefe. deutscbe.;Mfe3k- 
gelehrte imd eminente Theoretiktr, Kreb^cbm^ir der 
Forscher di£r %niphOnb und SniteV der Oper, Lfedes, 
das sind die. grüßen Namen neuerer deaitschen iMuM^ 
wJssen$chäftv Eigne Sembare an den Universitäten, 
Ma^lkaiische Abt^tung ;un die Deutsche Mu.sik.siamn3luiig 
der Berliner Kgl Bblrnttieki dit^ Mus^ikbitß^k 

Peters (gegr. Von :Dr. Abrähamis^^i^^^^^ ititeiflattonai 

angelegte ZeitschrifL sorgen f.nr vml iiiehr a mir für d sir 
wissenschaEliche Aüsblttbmä des NnchWiblisesf Mun- 
-clienef Deutsehe VerfjmSgund für ßltf^ Musik-sucht iTincfhalb 


GürÄef'bh : z e j i u 0 g e n. 

dtiJt:1 1 1 m d eu ts ch cn M u s i k a! i en ver 1 a g; der :uti?er 

d^ tjngümdigen Zeiten fesseiloser 
.sk Warenhsu^^r ^chbuderong^Jlcptikur rem und 

hT’riis^hVegehs, die clie:detascföo^H^^ zwecks 

g^sclid Llicher Vorwe vt ung ihr er Auf t iih rungsrec f r te tu r 

Ortjänisatimi der Deut§yher Ton- 

setzcr nul der AoMäit- tut iuii?tkäi|S€hes AuffOhrtings^ 
zusammerrschlteßen: beti; ein sridfef Oe^Sicht ängehonimeh 
u nd ebePf al ts; ■ vfe { fach,' schwer ,.^u' ^ 4;^.mpfcn ■. Iia . haben:' 
Leipzig'und' 'VörSeffsch^ behauptet. . '. 

.: Da? .■^iüd.'-..eiWa,..b{Vcfe . die w'^^Jitigsten:. 

Gnindk/gen niivbfuen de^tsekep Musiklebens, Sein 
ß-rfmuj.aTU'kt liegt. •ib.'-xlim'-deii't.s.c.ii'Aö.'ijfo ' B et („m. 

bat der Misseaht^ftighwf tmd Hhfu's:checkigkell 
•Mus.nvtr^lfen's; nac daa ■ e.pH:Ghlcden'e.■■Uebefg^wicht ühpe 
-beati iktniGV ■ .,Cl^r'a.k t^r:.-. :;Oer' ^ ziin.ehm.e7ide gf sc h ü fiticl:].e 

















100 DEUTSCHLAND 


13 Nr. 2 


Charakter des deutschen Musiklebens verdichtet sich 
namentlich hier in einer immer sinnloser anwachsenden 
Konzertflut. Rührige Opernbühnen neben der exklusiven 
Hofbühne, hervorragende Konzertinstitutionen, wie die 
Philharmonie, Chorvereine, wie der Philharmonische Chor 
(Ochs), die Singakademie (G. Schumann), der Sternsche 
Gesangverein (Fried), haben ausgezeichnetes Renommee. 
Ist in München, dem Brennpunkt süddeutschen Musik¬ 
lebens, der entschiedenste Fortschrittsgeist zu Hause» 
ist die Bayernkapitale mit Dresden heute Deutschlands 
eigentliche Fest- und Ausstellungsstadt mit Musik, so hat 
sich Leipzigs, mit Berlin, der deutschen Musikstadt, 
frühere konservative Musiktradition unter dem Drucke 
der Verhältnisse langsam aber noch nicht endgültig ge¬ 
wandelt. Seine 22 Gewandhauskonzerte für die 
oberen Zehntausend unter Nikisch, einem Berlin und 
Hamburg (Philharmonische Konzerte) gleicherweise 
und mit Muck, Weingartner, Mottl, Schuch, Steinbach 
zu den großen Dirigenten deutscher Zunge gehörenden 
genialen Künstler, einer im allgemeinen vornehm-konser¬ 
vativen Tendenz huldigend, genießen mit Recht Welt¬ 
ruhm. Neben ihnen stehen Windersteins fortschritt¬ 
lichere und volkstümlichere Philharmonische Konzerte, 
Dr. Göhlers Musikalische Gesellschaft und eine Reihe 
hervorragender Chorvereinigungen (Riedel-, Bachverein, 
Ringakademie u. a ). Den Westen, musikfreudig und opfer¬ 
freudig in allem, was Musik heißt, dazu in glänzendster 
kultureller und musikalischer Entwicklung, überstrahlt 
Kölns Gürzenich (Steinbach), Während der Süden in 
Stuttgart (Schillings) und Karlsruhe wirkliche, fort¬ 
schrittsfreudige Kunststädte besitzt. Das sind nur ein paar 
Blitzlichter. Es gibt heute keine größere deutsche Stadt 
mehr, die sich nicht Polyhymnia mehr oder weniger ver¬ 
schrieben hätte. Dem deutschen Stammescharakter ent¬ 
sprechend, neigt der Norden am meisten zur allerorts 
herrschenden Instrumentalmusik, während die schönsten 
Stimmen in Chor und Solo im Süden und Westen, am 
Rhein zu Hause sind. 

DieWagnerianerund alle, die nach Höhenkunst verlangt» 
ersehen auch heute noch, sind sie unentwegt traditionell 
und orthodox gesinnt, im Bayreuth FrauCosimas, denken 
sie freier, im Münchener Prinzregenten-Theater 
das Ideal einer praktischen Wagnerpflege und -tradition ver¬ 
körpert. In einer Zeit, Wo des Sommers Festaufführungen 
die Grenzen zwischen den Musiksaisons immer mehr zu ver¬ 
wischen drohen, geben aber auch in Großstädten wie Köln, 
München (Mozart- und Wagner-Festspiele), Leipzig usw. 
besondere Opernfestspiele Gelegenheit, oft wahre 
Musteraufführungen Wagnerscher und andrer berühmter 
Bühnenwerke zu hören. Und zu solchen sehr begrüßens¬ 
werten Bestrebungen einer deutschen Theater-Dezentrali¬ 
sation gehören auch lokale Versuche stimmungsvoller, in¬ 
timer Bühnenaufführungen im alten Rahmen von Ort und 
Zeit: Natur- und Freilufttheater, Goethetheater in Lauch- 
stedt (Opera buffa und Singspiel der Goethezeit). 

Am meisten aber hat die allen inneren Bedürfnissen 
Hohn sprechende Zahl deutscher Musikfeste zur 
Verwischung der Saisongrenzen beigetragen. Da haben 
wir erst die alten Institutionen: die Tonkünstlerfeste des 
fortschrittlichen Allgemeinen Deutschen Musik-Vereins 


(gegr. 1861 von Liszt) mit Wanderndem Festort, die Nieder¬ 
rheinischen Musikfeste*) in Köln, Düsseldorf oder Aachen 
(seit 1817), die Schlesischen in Görlitz (seit 1876). Jüngeren 
Datums sind: die Elsaß-Lothringischen (Straßburg), die 
Schleswig - Holsteinischen (Kiel), die Ostpreußischen 
(Königsberg), die Bachfeste der Neuen Bachgesellschaft 
(mit Wanderndem Festort), die Kammermusikfeste im 
Westen (Bonn) und Süden (Darmstadt, Freiburg, Baden), 
die einzelnen bedeutenden älteren oder modernen Kompo¬ 
nisten gewidmeten, die musikalischen Veranstaltungen Salz¬ 
burgs (Mozart-Festspiele), der Münchener Ausstellungen, 
Erinnerungs-, Gedächtnis- und Propagandafeiern aller Art. 
Kommen nun noch Gluck und Händel dazu, so ist Wohl 
bald kein Meister mehr ohne deutsche Musikfeste, die 
Hauptstädte wie „Provinz*’ in gleich liebevoller Weise be¬ 
denken und sich bemühen, durch musikalische Wettstreite 
ganzer Nationen oder ihrer hervorragendsten Institutionen 
(Französische Musikfeste, Reisen des englischen Sheffield- 
Chores) die Brücken künstlerischen Verständnisses und 
Ausgleichs zu schlagen. 

Man kann sich dessen aufrichtig freuen in dem 
Sinne, daß der belebende und befruchtende Strom guter 
Musik nun auch in solche Orte dringt, deren Musik¬ 
freunde in früheren Jahrzehnten zur nächsten Haupt¬ 
stadt fahren mußten. Wenn sie etwas Besonderes hören 
wollten. Hand in Hand mit diesem zunehmenden Gro߬ 
kapitalismus und Merkantilismus in der Organisation des 
modernen deutschen Musiklebens ziehen, wie bei 
jedem glänzenden Bilde, tiefe Schatten einher. Die 
musikalische Zeitfrage nach einer glücklichen Zukunft 
deutschen Musiklebens ist längst nicht mehr auf den 
Fortschritt in der musikalischen Komposition, sondern 
auf den in der Organisation gestellt. Sie heißt vielmehr: 
Wie ist der drohenden Uebersättigung, Veräußerlichung 
und Verflachung unsres Musikempfindens zu steuern, wie 
die längst eingestürzte Brücke zwischen moderner Musik 
in Oper, Konzertsaal und Haus wieder aufzubauen, wie 
edle Musik ins Haus hineinzutragen, wie das in unsrer 
modernsten Komposition meist notleidende Gemüt und 
Herz zu sättigen? 

Gelingt uns auch das, dann können wir den glänzen¬ 
den, ja, gewaltigen Aufschwung des deutschen Musik¬ 
lebens der letzten Jahrzehnte ohne jene Bedenken preisen, 
die der ruhige Beobachter nun einmal nicht verschweigen 
darf. In schaffender wie ausübender Kunst brandet heute 
wie im Wirtschaftsleben und in der Industrie die Welle 
des Panslawismus lief ins Herz Deutschlands. Sie ver¬ 
stärkt den Schwall, die Wucht aller Aeußerungen jener 
eminenten natürlichen Musikbegabung, das rücksichtslose 
eigne „Sichdurchsetzen** wie es der slawischen Rasse 
eignet. Rechnen wir dazu das unaufhaltsame Eindringen 
des Merkantilismus, so haben wir die treibenden Kräfte 
und die drohenden Feinde unsres modernen deutschen 
Musiklebens aufgezeigt. 

Wir vertrauen der musikalischen Gesundheit und 
Kraft unsres Volkes. Denn immer noch ist Deutschland, 
namentlich für die angelsächsisch-amerikanischen und 
skandinavischen Nationen, nicht Empfängerin, sondern 
Geberin, noch immer heißt es in der Welt: 

Das Musikland! 


’•*') Das 87. N i 0 d e r r li 0 i ni s eil e Mnsikfnst, das in diesoin Jahro zu Pfingsten in Düsseldorf stattfindet, gewinnt 
erhöhtes Interesse, weil Profe.ssor J’anzner zum er.-ton Male dieses hodeuteude MusiUfest leitet. (^Vergleiche auch den hetrerfonden 
Artikel auf Seite 32 in Nr. 1 der „Deutschland“.) 










* 


I 

r 


,T\ 

5- 

ei 

ift 

len 

ir: 

ng 

^ie 

5ik 

vie 

'er 

nd 


IW‘ 

ik- 

en, 

»en 

Ute 

eile 

\’er- 

\ 

idrin?en 
1 llTält« 
eutsctie'i 

»leit und 
[itscliland. 
ct\en und 
sondern 


ipt ^ 


m ooooooooasai^^ DEUTSCHLAND m ecioc^scßooocijöcooc^^ tot 



WIRTSCHAFTLICHER TEIL 



Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 

Geschäftsstelle: Leipsig, Naschmarkt, Handelshof. 

Bericht über die kurze Gesamtvorstandssitzung 

am Sonnabend, dem ag. April igii, 4V4 Uhr nachmittags, 
in Berlin (Ausstellungshallen). 

Tagesordnung: 

Kurze Vorbesprechung der Mitgliederversammlung. 
Anwesend waren die Herren: Gontard (Leipzig), Professor 
Dr. Friedrich (Leipzig), Professor Dr. Roth (Leipzig), Direktor 
Schumacher (Düsseldorf), Schweninger (München), Zander 
(Danzig), Thelemann (Stettin), Mann (Berlin), Ehlers (Hamburg), 
Baumann (Eisenach), Artelt (Potsdam), Kommerzienrat Trumpier 
(Worms), Kretschmer (Breslau), Bigge (Coblenz), Bntress (Stutt¬ 
gart), Conström (Berlin, M. £. M. V. und Kartell europ. Motor¬ 
fahrer-Vereinigungen), Winkler (Leipzig), V.H. Mueller (Leipzig), 
Rechtsanwalt Lebrecht (Leipzig), Sattler (Braunschweig), Dr. 
Seyfert (Leipzig). 

Der erste Vorsitzende, Herr Gontard, begrUsste die Herren 
und ging sodann auf die vom geschäftsfUhrenden Ausschuss 
vorgeschlagenen Satzungsänderungen ein, die sich aus der in 
der Vorstandssitzung im November vorigen Jahres beschlossenen 
Eintragung des Bundes in das Vereinsregister ergeben. 

Hierauf berichtete Herr Stadtrat Artelt (Potsdam) über 
da# Programm der am nächsten Tage in Aussicht genommenen 
Besichtigung Potsdams. 

Herr Gontard gab sodann bekannt, dass der Verein zur 
Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs in Dresden, der 
Fremden-Verkehrs-Verein Cassel und der Verein für Fremden¬ 
verkehr Chemnitz, ferner der Zentralverband zur Wahrung der 
Reise-Interessen, Berlin, und der Verein zur Erwirkung von 
Sommerurlaub und Beschaffung geeigneten Landaufenthalts für 
kaufmännische und technische Angestellte, Mannheim, ihre Zu¬ 
wahl in den Gesamtvorstand beantragt haben. 

Herr Rechtsanwalt Lebrecht verbreitete sich des näheren 
Uber die in Aussicht genommenen Satzungsänderungen, wozu 
nichts erinnert wurde. 

Herr Direktor Schumacher erklärte, dass die Amerika- 
Nummer des Bundesorgans „Deutschland“ soeben er¬ 
schienen sei und bereits mehrere Tausend Exemplare nach 
Amerika versandt seien. Die umfangreiche Sonder-Nummer 
habe sofort nach Erscheinen ungewöhnlich grosse Beachtung 
und Anerkennung gefunden, namentlich auch bei den Behörden 
und im Amerika-Institut, das die Herausgabe der Nummer sehr 
gefördert habe. Die Amerika-Nummer erscheine ausser Abonne¬ 
ment. Den Bundesmitgliedern sei für den Bezug ein Vorzugs¬ 
preis von 50 Pfg. eingeräumt. 

Herr Gontard gab dem Wunsche Ausdruck, dass die 
Amerika-Nummer dem deutschen Fremdenverkehr den erhofften 
Erfolg bringen möge. 

♦ * 

* 

Bericht über die Ausserordentliche Mitglieder¬ 
versammlung 

am Sonnabend, dem ag. April igii, 5 Uhr nachmittags, 
in Berlin (Ausstellungshallen). 

Tagesordnung: 

I. Eintragung des Bundes in das Vereinsregister, sowie Er¬ 
höhung der Mitgliederzahl des Gesamtvorstandes und die 
damit verbundenen Satzungsänderungen. 

3. Was lehrt uns die Brüsseler Ausstellung? 

3. Berliner Ausstellung. 

4. Die Kosten der Fremdenpropaganda und weitere iinanzielle 
Ausgestaltung des Bundes. 

5. Anregungen (Führer-Automaten, Bildschmuck in den Eisen- 
bahuwagen, Sammelannoncen, Sammeleingaben, Jahrbuch 
usw. und Aussprachen). 

Anwesend waren die Herren: Gontard (Leipzig), R.-A. Leb¬ 
recht (Leipzig), Prof. Dr. Friedrich (Leipzig), V. H. Mueller 
(Leipzig), Schade (Heidelberg), Meyer (Leipzig), Frau Th. Esch- 
holz (Berlin), Rudolph (Gotha), Pfeiffer (Weimar), Saurbier 
(Weimar), Hoffman (Landshut), Dr. Löwe (Berlin), Kabisch 
(Leipzig), Gilbert (Schneeberg), Zoppa (Aachen), Möckel(Schnee- 
btrg), Schrumpf (Bremen), Klitzsch (Leipzig), VVinkler (Leipzig), 
Prof. Dr. Roth (Leipzig), Artelt (Potsdam), Lincke (Eisenach), 


Grebner (Berlin), Evers (Lübeck), Lehmann (Schweidnitz), 
Friederichs (Helgoland), Rietdorf (Eberswalde), Schweninger 
(München), Eidlitz (Berlin), Dr. Bräunlich (Stettin), Mann (Berlin), 
Ehlers (Hamburg), Proelss (Magdeburg), Seelmann (Binz), 
Thelemann (Stettin), Dr.Lüdtke (Stettin), Kratzsch(Braunschweig), 
Sattler (Braunschweig), Bürgermeister Ludwig (Glatz), Vieck 
(Rostock), Stoltzenburg (Schwerin), Zulehner (Cassel), Weber 
(Cassel), Zander (Danzig), Conström (Berlin, M. E. M. V. und 
Kartell München), Entress (Stuttgart), Bigge (Coblenz), Trumpier 
(Worms), Kretschmer (Breslau), Boeckling (Essen), Baumann 
(Eisenach), Hupfeid (Berlin), Braun (Leipzig), Stiegler (Chemnitz), 
Schumacher (Düsseldorf), Schmerwitz (Guben), Dr. Seyfert 
(Leipzig). 

Der erste Vorsitzende, Herr Gontard, eröffnete die Sitzung 
um 5 Uhr. Er begrüsste die zahlreich erschienenen Mitglieder 
und gedachte der beiden verstorbenen, hochverdienten Vorstands¬ 
mitglieder, Hof-Buchhändler Kiepert (Hannover) und Buch¬ 
druckereibesitzer Mühlberg (Leipzig). Die Anwesenden erhoben 
sich auf Ersuchen des Vorsitzenden zu Ehren der Verstorbenen. 

Sodann trat man in Punkt i der Tagesordnung ein (Ein¬ 
tragung des Bundes in das Vereinsregister, sowie 
Erhöhung der Mitgliederzahl des Gesamtvorstandes und die 
damit verbundenen Satzungsänderungen). 

Herr Rechtsanwalt Lebrecht berichtete, dass die Vorstands¬ 
sitzung im November vorigen Jahres beschlossen habe, den Bund 
ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Es machten sich infolge¬ 
dessen einige Satzungsänderungen notwendig. Der Referent 
ging hierauf auf die einzelnen erforderlichen Aenderungen ein 
Die Vorschläge wurden mit einer unwesentlichen Aenderung 
betreffs Einrückung der Einladung in das Bundesorgan „Deutsch¬ 
land“ einstimmig angenommen. Die beschlossenen Aenderungen 
sind die folgenden: 

§ I erhält am Schlüsse den Zusatz: ,,Er soll in das Vereins¬ 
register eingetragen werden“. 

In § 5 werden die Anfangsworte geändert in: „Der Gesamt¬ 
vorstand besteht aus“. 

Zu § 7 werden am Schlüsse die Worte hinzugefügt: „und 
vom Vorsitzenden zu unterzeichnen“. 

§ 8 Absatz 3 erhält folgenden Zusatz: „Er bildet den Vor¬ 
stand im Sinne des Gesetzes“. 

In § 8 Absatz 4 werden nach dem Worte „Bund“ die Worte 
eingefügt: „den geschäftsführenden Ausschuss oder den Gesamt¬ 
vorstand“. 

§ II Absatz 3 erhält folgenden Wortlaut: „Die Einberufung 
der Hauptversammlung erfolgt seitens des geschäftsführenden 
Ausschusses unter Angabe der Tagesordnung durch schriftliche 
oder mechanisch vervielfältigte Einladung. Diese soll auch in 
die Bundeszeitschrift „Deutschland“ eingerückt werden*}. 

§ 13 erhält am Schlüsse folgenden Zusatz: „und vom Vor- 
sit2enden zu unterzeichnen“. 

Auf Antrag des Referenten wurde einstimmig beschlossen: 
,,Der geschäftsiührende Ausschuss wird ermächtigt, etwaige vom 
Regislergericht geforderte Aenderungen vorzunehmen.“ Die Wahl 
des geschäftsführenden Ausschusses in seiner jetzigen Zusammen¬ 
setzung wurde bestätigt. Die Zuwahl eines stellvertretenden 
Schatzmeisters wurde Vorbehalten. 

Hierauf gab Herr Stadtrat A r t e 1 1 (Potsdam) der Mitglieder¬ 
versammlung das Programm des Potsdamer Besuches bekannt, 
worauf der Vorsitzende um zahlreiche Beteiligung an dem 
Ausfluge nach Potsdam bat. 

Zu Punkt 2 (Was lehrt uns die Brüsseler Aus¬ 
stellung?) berichtete Herr Direktor Schumacher über das 
deutsche Verkehrsbureau auf der Brüsseler Welt¬ 
ausstellung, das im Zusammenwirken des Bundes, der 
Bundeszeitschrift „Deutschland** und der Preussischen Staats¬ 
eisenbahnverwaltung zustande kam. Die gesamten Kosten 
betrugen 28000 Mark. Der Bund und die Bundeszeitschrift 
„Deutschland** brachten über 10 000 Mark auf. 

Der Bund allein hätte das Bureau infolge der hohen Kosten 
nicht errichten können. Aber auch die Preussische Eisenbahn¬ 
verwaltung würde nach Ansicht des Referenten das Bureau 
wahrscheinlich allein nicht errichtet haben, einmal ebenfalls 
infolge der hohen Kosten, als auch wegen des Mangels am 
nötigen Propagandamaterial, das die Verkehrs-Vereine in umfang¬ 
reichem Masse zur Verfügung stellen konnten. 

Der Redner schilderte dann die schwierigen Vorverhandlungen, 
die dank dem Entgegenkommen und lebhaften Interesse, das 


102 m^ e eü0ü00ü03d&3^^ DEUTSCHLAND a e e eeeeeeeeeeeeeeoeeeeeeoQ i Nr. 2 


dem Unternehmen vom Ministerium der öffentlichen 
Arbeiten, wie auch vom Deutschen Reichskommissar Geheim¬ 
rat Albert und dem Vorsitzenden des Deutschen Komitees in 
Brüssel Geheimrat R a v e n ö entgegengebracht wurde, zu einem 
glücklichen Ende geführt werden konnten. Um die Errichtung 
des Bureaus machte sich noch besonders verdient der Architekt 
der Margareta-Krupp-Stiftung in Essen, Herr Georg Metzen¬ 
dorf, der die Zeichnungen und Pläne des Pavillons zur 
Förderung unserer Bestrebungen unentgeltlich lieferte. Das 
Gebäude wurde errichtet durch die Baufirma Gabriel A. Gerster 
in Mainz, die Einrichtung des Bureaus erfolgte durch die Firma 
Gebrüder Schürmann in Essen. Beide Firmen konnten ihre 
Leistungen als Ausstellungsgegenstände anmelden und dadurch 
den Ausstellungspreis wesentlich ermässigen. — 

Das Zusammengehen der bereits erwähnten Gruppen 
(Preussische Eisenbahn-Verwaltung, Bund D. V.-V. und Verlag 
der Bundeszeitschrift „Deutschland**) bedeutete in seiner Organi¬ 
sation eine gänzlich neue Erscheinung auf dem Gebiete der 
Verkehrspolitik und Verkehrspropaganda, der ein voller Erfolg 
beschieden war in finanzieller und ideeller Hinsicht. Die im 
Bureau tätigen Beamten der Eisenbahnverwaltung und des 
Bundes arbeiteten gemeinsam im besten Einvernehmen, wie ja 
auch die geschäftlichen Verhandlungen mit der vom Ministerium 
hierzu beauftragten Königlichen Eisenbahn-Direktion 
Köln sich in der angenehmsten Weise ab wickelten. Diebahn¬ 
amtliche Auskunfterteilung über die Verkehrsfragen, die Auskünfte 
des Bundes über die deutschen Städte und Badeorte, Hotels etc. 
und der eingerichtete Leseraum mit 25 deutschen Tageszeitungen 
und Zeitschriften fanden bei den Behörden und bei den Aus¬ 
stellungsbesuchern ungeteilte Anerkennung. 

Der Referent wies darauf hin, dass die Auslage des Materials 
auf den Tischen im Bureau sich anfangs nicht bewährte, da es 
dort sehr durcheinander geworfen wurde und zum Teil in 
Unrechte Hände kam. Als man hierauf das Material nur am 
Schalter verabfolgte, ergab sich eine Ueberlastung der Beamten, 
so dass für mündliche Auskunft den Beamten zu wenig Zeit 
blieb. Es wurde daher später das Material unter Anstellung 
einer Autsichtskraft im Leseraume ausgelegt und an die be¬ 
treffenden Interessenten abgegeben. 

Die Zahl der täglichen Auskünfte schwankte zwischen 
51 und 174; das Bureau selbst wurde häufig von etwa 1000 Per¬ 
sonen täglich besucht. Durch die Auskunftstelle wurden ins¬ 
gesamt ca. 20000 Prospekte, Führer, Karten, Zeitschriften und 
sonstige Reklameschriften verteilt. 

Es habe sich also in Brüssel gezeigt, dass durch Einigkeit 
die deutschen Verkehrs-Vereine und -Verbände viel erreichen 
könnten, und dass der Bund Deutocher Verkehrs-Vereine gross¬ 
zügige Arbeiten leisten könne, wenn ihm die nötigen finanziellen 
Mittel zur Verfügung ständen. 

Zum Schlüsse machte der Referent darauf aufmerksam, dass 
der Bund und seine Mitglieder für die Auskunftstellen im 
Auslande, deren der Bund bereits 2g besitzt, vor allem fremd¬ 
sprachiges Propagandamaterial haben müssten. Ganz besonders 
hält der Redner die vom Bunde herausgegebenen, auch in 
fremden Sprachen vex vieltältigten Fragebogen für das wichtigste 
und geeignetste Propagandamaterial der Auskunftstellen im 
Auslande. 

f Der Vorsitzende dankte Herrn Direktor Schumacher und 
gedachte besonders dessen persönlichen Verdienstes für das 
Zustandekommen des Tlrüsseler Bureaus. 

Einstimmig wurde sodann beschlossen, zunächst Punkt 4 
(Die Kosten der Fremdenpropaganda und weitere 
finanzielle Ausgestaltung des Bundes) zu erledigen, 
wozu Herr Rechtsanwalt Leb recht referierte. 

Er wies auf die Auskunftstellen des Bundes hin und 
betrachtet ebenfalls, wie der vorhergehende Referent, die vom 
Bunde herausgegebenen Fragebogen als wichtiges Material für 
die Auskunfterteilung im Auslande. Die Auskunftstellen sowie die 
Vervielfältigung des Fragebogens erforderten erhebliche Kosten. 
Umfangreiches Drucksachenmaterial sei zur Propaganda im 
Auslande wenig geeignet, weil die Auskunftbeamten sich darin 
schwer zurechtfinden und die Auskunftstellen, da solches 
Material viel Raum beansprucht, dasselbe nicht oder nur gegen 
hohe Vergütung unterbringen könnten. 

Eihebliche Kosten verursache weiter die Ausstattung von 
Auslandbiiummern des Bundesorgans „Deutschland**. 

Ausländische Staaten besässen, wie der Redner hervorhob, 
vielfach offizielle Auskunftbureaus im Auslande, die losgelöst 
von einer Firma beständen. Deutschland besässe nur ein einziges 
offizielles Bureau, und zwar im Inlande, in Berlin im Internatio¬ 
nalen öffentlichen Verkehrsbureau. 

Referent wies auf die Notwendigkeit staatlicher Unter¬ 
stützungen unserer Propaganda im Auslande hin. 

Die Mitglieder des Bundes müssten aber, auch wenn dem 
Bunde vielleicht einmal für die Propaganda des deutschen 


Fremdenverkehrs im Auslande staatliche Mittel zur Verfügung 
stehen sollten, den Bund finanziell in steigendem Masse unterstützen. 

Er streifte sodann eine in späterer Zeit sich notwendiger¬ 
weise ergebende Neuorganisation des Bundes, der späterhin 
vielleicht ein Bund von Verbänden sein würde; heute hätten die 
Verkehrs-Verbände noch nicht alle Verkehrsinteressenten ihres 
Gebietes hinter sich. 

Die Versammlung bekundete dem Redner lebhaften Beifall, 
und der Vorsitzende dankte ihm für seine Ausführungen. 

;^Herr Grebner (Berlin) hob die erfolgreiche Tätigkeit [des 
Brüsseler deutschen Verkehrs - Bureaus hervor, sprach dem ge¬ 
schäftsführenden Ausschuss Dank für seine Massnahmen aus und 
bat die Anwesenden, sich zu Ehren des Ausschusses von den 
Sitzen zu erheben. Dies geschah. 

Herr Schulinspektor Sattler (Braunschweig) dankte im An¬ 
schluss hieran Herrn Direktor Schumacher für die wirkungsvolle, 
überaus prächtige Amerika-Nummer des Bundesorgans 
„Deutschland**, dessen Verlag und Redaktion hier eine hervor¬ 
ragende Leistung zuwege gebracht hätten. Die Fülle von 
Mühe und Arbeit, die in dieser Nummer zusammengetragen 
sei, würde hoffentlich reiche Früchte tragen. Herr Direktor 
Schumacher dankte für die Anerkennung. 

Herr Dr. Löwe (Berlin) wies darauf hin, dass es besonders 
auch gelte, das deutsche Publikum im Inlande zu halten. Nicht 
nur die Staaten, sondern auch die Städte und Gemeinden 
hätten grosses Interesse am deutschen F*remdenverkehr und 
sollten Mittel für Bundeszwecke bewilligen. 

Herr Rechtsanwalt Lebrecht erwiderte darauf, dass die Ge¬ 
meinden schon jetzt die Verkehrs-Vereine finanziell unterstützen. 
Die Tätigkeit der Gemeinden erstrecke sich besonders auf die 
Förderung lokaler Interessen. 

Sodann ergriff zu Punkt 3 (Berliner Ausstellung) der Vize¬ 
präsident der Internationalen Ausstellung für Reise- 
und Fremdenverkehr, Herr Baron von Kuhlmann, 
das Wort zu einem kurzen Hinweis auf die Entstehung der 
Ausstellung. Er wies darauf hin, dass die vom geographischen 
Standtpunkt aus wünschenswert gewesene Anordnung nicht 
möglich war, da derjenige Aussteller, der zeitig eine Platz¬ 
belegung anmeldete, sich den nach seiner Ansicht besten Platz 
aussuchte, während der später Anmeldende unter dem noch vor¬ 
handenen Platze den für seine Ausstellung geeignetsten Raum 
wählen musste. 

An die Ausführungen des Herrn Vizepräsidenten schloss 
sich eine Führung durch die Ausstellung an. 

Nach einer Pause von etwa '' ^ Stunden stand Punkt 5 
(Bildschmuck in den Eisenbahnwagen) zur Beratung. 

Herr Rechtsanwalt Lebrecht berichtete, dass mit der 
Preussischen Eisenbahnverwaltung mehrere Konferenzen wegen 
Anbringung von künstlerischem Bildschmuck in den Eisenbahn¬ 
wagen stattgefunden haben. Die Preussische Eisenbahnver¬ 
waltung sei bereit, in den D-Zug- und Eilzug-Wagen Bilder 
mit Landschafts- und Städtebildern anzubringen, wenn der 
Bund die bezeichneten Bilder zur Verfügung stelle. Es handele 
sich um ca. 34 000 Wagenabteile. In jedem Abteil sollten 
2 Bilder, zwischen Lehne und Gepäcknetz, angebracht werden. 
Die Eisenbahnverwaltung liefere Glas und Rahmen und bringe 
die Bilder an. 

Zunächst sei der Bund nur mit der Preussischen Eisen¬ 
bahnverwaltung in Verbindung getreten, die bereit sei, Bilder 
aus dem Gebiete der Preussisch-Hessischen Staatsbahnen zum 
Aushang zu bringen. Der Bund wolle jedoch auch an die übrigen 
deutschen Eisenbahnverwaltungen in der vorliegenden An¬ 
gelegenheit herantreten; zum Teil seien diese Verhandlungen 
schon eingeleitet. 

Die Grundlage, auf denen die Preussische Eisenbahnver¬ 
waltung mit dem Bunde weiter verhandeln wolle, sei, dass sich 
der Bund bereit erkläre, die Bilder zu liefern. Die Verkehrs- 
Vereine müssten sich daher nunmehr schlüssig machen, ob sie 
der Bundesleilung Bilder aus ihrem Gebiete unentgeltlich zur 
Aushängung in den Eisenbahnwagen zur Verfügung stellen 
wollen. Der Bund müsse die Auswahl der Bilder treffen. Die 
Privatrcklame müsse schlechterdings ausgeschlossen werden. Es 
sji ferner nötig, eine einheitliche Ausführung der Bilder zu er¬ 
reichen. Alle diese I'ragen seien jedoch erst später zu erörtern. 
Man müsse heute vor allem darüber beschliessen, ob die Ver¬ 
kehrs-Vereine die Bilder liefern wollen und der Bund mit der 
Regierung weiter verhandeln solle. 

Herr Direktor Schuinacher stimmte der Anregung zu und 
bemerkte, dass wohl alle Verkehrs-Vereine die Anregung der 
Staatscisenbahnen sehr begrüssen und zur Verbreitung der Bilder 
gerne beitragen würden. Im übrigen bedeute die Lieferung ge¬ 
eigneter, wirkungsvoller Bilder für die Vereine eine reine Geld¬ 
frage. Es sei deshalb wohl um Platze, wenn der Bund durch 
eine entsprechende Rundfrage festzustellen suche, wieviel Bilder 
jeder einzelne Verein (ev. in Verbindung mit der betr. Stadt- 



^’Wwdtang) SU stellen in der Lage seL Redner bezeichnete es 

friglidbi, ob für x Mark wirklich gute photographische Re- 
‘ prodnkdonen geliefert werden können. 

Herr Schade (Heidelberg) hält die Bildschmuckreklame für 
. sehr wirkungsvoll. Br bat, dass der Bund auch mit der 
^ Badischen" Eisenbahnverwaltung in Verbindung treten möge. 
Die Bilder sollten aber nicht nur jeweils in den Wagen der¬ 
jenigen Eisenbahnverwaltung angebracht werden, zu deren Ge¬ 
biet der betrefifende Ort oder die Landschaft gehört, sondern 
badische Landschaften sollten in den preussischen und anderen 
Wagen angebracht werden und umgekehrt. 

Eine ganze Reihe von weiteren Rednern wünschte ebenfalls 
die einheitliche Ausgestaltung der Angelegenheit in allen 
deutschen Eisenbahnen. 

Herr Entress (Stuttgart) bat den Bundesvorstand, dahin 
bei den Eisenbahnverwaltungen vorstellig zu werden, dass ein 
Austausch der Bilder innerhalb der Wagen der verschiedenen 
deutschen Eisenbahnverwaltungen stattündet. 

Herr Dr. Löwe (Berlin) hatte Bedenken gegen die finanzielle 
Belastung des Bundes, die aus der Anbringung von Bild¬ 
schmuck in den Eisenbahnwagen entstehen würde. Ferner be¬ 
fürchtete er, dass nicht genügend BUder geliefert werden können. 

Herr Schade (Heidelberg) machte darauf aufmerksam, dass 
der Bund finanziell nicht belastet werden dürfe. Die Kosten¬ 
tragung falle auf die örtlichen Vereine; der Bund habe genug 
Mühewaltung mit der Auswahl der Bilder. 

Herr Möckel (Schneeberg) war der Meinung, dass dem Bunde 
mehr Bilder von den Verkehrs-Vereinen zur Verfügung gestellt 
würden, als überhaupt gebraucht werden können. 

Im Schlussworte gab Herr Rechtsanwalt Lebrecht weitere Auf- 
Ulrung, vor allem darüber, dass die Bundesleitung an die übrigen 
bundesstaatlichen Eisenbahnverwaltungen herantreten wird. 

Es wurde hierauf einstimmig beschlossen, dass der Bund 
grundsätzlich sich der Eisenbahnverwaltung gegenüber zur 
Lieferung der Bilder bereit erklärt, dass die Bilder seitens der 
Verkehrs-Vereine bezw. auf deren Kosten zu liefern sind und 
die Bundesleitung mit allen weiteren Schritten in dieser An¬ 
gelegenheit betraut wird. 

Die Punkte: Führ er-Automaten, Sammelannoncen, Sammel¬ 
eingaben wurden bis zur Hauptversammlung in Worms vertagt. 
Der Beschluss der Flensburger Hauptversammlung, ein Jahr¬ 
buch herauszugeben, wurde mit Rücksicht auf die inzwischen 
erfolgte Begfründung der Bundeszeitschrift „Deutschland** ein¬ 
stimmig aufgehoben. 

Es wurden sodann noch einige Anregungen seitens der 
Herren Zoppa(Aachen) und Evers (Lübeck) gegeben, insbesondere 
der Bund müsse dahin wirken, dass das Reisen in Deutschland 
verbilligt werde, um die Deutschen im Inlande zu halten. Das 
Reisen z. B. in Belgien sei viel billiger als in Deutschland, 
weshalb die Deutschen, die nicht zu fern von den Grenzen 
wohnen, vielfach das Ausland aufsuchten. Auch der Gepäck¬ 
tarif sei in dieser Hinsicht in Berücksichtigung zu ziehen. 

Der Vorsitzende schloss die Sitzung um 8V2 Uhr mit dem 
Dank an die Versammlung für das zahlreiche Erscheinen. 

* 

Bericht über die Sitzung des Gesamtvorstandes 

am Sonntag, dem 30. April 1911, ii Uhr vormittags, 
in Berlin (Ausstellungshallen). 

Tagesordnung. 

I. Zuwahlen zum Vorstande. 

z. Hauptversammlung in Worms. 

3. Bund und Verbände. 

4. Anregungen aus der Mitgliederversammlung am ag. April. 

5. Verschiedenes (Fremdenstatistik, Zuschuss des Bunde3 
zur Hauptversammlung). 

Anwesend waren die Herren; Gontard (Leipzig), Professor 
Dr. Roth (Leipzig), V. H. Mueller (Leipzig), Friedrich (Leipzig), 
Thelemann (Stettin), Winkler (Leipzig), Eidlitz (Berlin), Schwe- 
ninger (München), Trumpier (Worms), Kretschmer (Breslau), 
Proelss (Magdeburg), Rudolph (Gotha), Bigge (Coblenz), Ehlers 
(Hamburg), Entress (Stuttgart), Mann (Berlin), Conström (Berlin), 
Behrens (Dresden), Sattler (Braunschweig), Baumann (Eisenach), 
Seelmann (Binz), Dr. Seyfert (Leipzig). 

Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung kurz nach ii Uhr 
vormittags. 

Bei Punkt x (Zuwahlen zum Vorstand) wurde der 
Verein zur Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs in 
Dresden, der Fremdenverkehrs-Verein Cassel und der Verein 
für Fremdenverkehr Chemnitz dem Gesamtvorstand zugewählt. 
Ferner wurde Herr Grebner (Berlin) dem Vorstande als persön¬ 
liches Mitglied zugewählti Der Vorstand erklärte sich im 
Pilnjdp bereit, den in der Gründung begriffenen Thüringer 


Verkehrs-Verband in den Gesamtvorstand aufzunehmen, worum 
der Vertreter der Thüringer Verkehrs-Kommission, Herr Rudolph 
(Gotha) bat. 

Von mehreren Seiten wurde das Bedenken geäussert, dass 
der Gesamtvorstand mit der Zeit ein zu grosser werden würde 
und dann seine Tätigkeit wenig fruchtbar sei. 

Es wurde hierauf beschlossen, neue Mitglieder in den 
Gesamtvorstand nicht mehr zu wählen, bis eine, frühestens xgxa, 
stattfindende Hauptversammlung eine andere Zusammensetzung 
des Vorstandes regelt. Von diesem Beschlüsse sollten die 
heute vorliegenden Anmeldungen zum Gesamtvorstande aus¬ 
genommen sein. 

Zu Punkt 2 (Hauptversammlung in Worms) gab 
Herr Kommerzienrat Trumpier (Worms) das Programm für 
die Bundestagung in Worms bekannt. Die öffentliche Haupt¬ 
versammlung wird voraussichtlich im „Cornelianum** statt¬ 
finden. Gegen i Uhr ist ein Frühstück und für etwa 3 Uhr 
das Festessen im „Festhaus** vorgesehen. Am Abend ist eine 
Theatervorstellung oder ein Gartenfest mit Illumination geplant. 
Die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder erklärte, ein Gartenfest 
vorzuziehen. 

Am folgenden Tage findet ein Dampferausflug nach Oppen¬ 
heim statt. Die Rückfahrt wird ebenfalls mit Dampfer vor¬ 
genommen werden, wobei eine Beleuchtung der Rheinbrücke 
am Abend vorgesehen ist. 

Am nächsten Tage soll ein Ausflug nach Speier unter¬ 
nommen werden. Statt nach Speier könnte auch ein Ausflug 
nach der Bergstrasse oder nach Strassburg stattfinden. Der 
Referent hielt den Ausflug nach Strassburg für ungeeignet, da 
hierdurch die Tagn^^iT sehr ausgedehnt würde. (Siehe auch 
ausführliches Programm, Seite 104.) 

Sodann regte Referent einen Zuschuss des Bundes zu den 
Kosten der Drucksachen der Bundestagnug in Worms an. Der 
Vorsitzende erklärte, dass der Bund gern bereit sei, einen 
Zuschuss zu leisten, wenn es der Bundeskasse möglich wäre. 

Herr Baumann (Eisenach) sprach gegen einen Zuschuss 
aus der Bundeskasse. Es wurde hierbei festgestellt, dass der 
Bund bei früheren Tagungen keinen Zuschuss gewährt hat. 

Herr Proelss (Magdeburg) und Herr Conström (Berlin) 
baten, am dritten Pfingstfeiertag Sitzungen nicht abzuhalten, 
damit man nicht gezwungen sei, den zweiten Feiertag zur Reise 
zu verwenden, und am Dienstag morgen noch Geschäfte er¬ 
ledigen könne. 

Herr Generalmajor Bigge erklärte sich dagegen, dass die 
Tagung erst am Mitttwoch abend beginne. 

Es wurde nunmehr beschlossen, die Tagung am Dienstag, 
dem 6. Juni, mit einem Empfangsabend, anfangend um 8 Uhr, 
beginnen zu lassen. Am Dienstag soll jedoch keine Sitzung 
stattfinden. 

Mittwoch, den 7. Juni, vormittags, wird vor Beginn der 
Öffentlichen Hauptversammlung eine kurze Vorstandssitzung 
anberaumt werden, sodann wird die öffentliche Hauptversamm¬ 
lung folgen 

Donnerstag, den 8. Juni, wird vormittags die geschlossene 
Mitgliederversammlung abgehalten und am Nachmittag der 
Ausflug nach Oppenheim stattfinden. 

Freitag, den g. Juni, erfolgt der Ausflug nach Speier oder 
der Bergstrasse, eventuell nach Straesburg. 

Alle weiteren Einzelheiten wurden dem Verkehrs-Verein 
Worms in Verbindung mit dem geschäftsfUhrenden Ausschuss 
überlassen. 

Bei Punkt 3 (Bund und Verbände) erwähnt der Vor¬ 
sitzende, dass man auf einer Sitzung der nordwestlichen 
Verkehrs-Verbände in Bielefeld die bewährten Bestrebungen 
der früheren Bundesleitung nicht genügend gewürdigt habe. 
Er wies darauf hin, dass der Bund in früheren Jahren finanziell 
noch schwächer gestellt gewesen sei als jetzt. 

Hierauf verbreitete sich Herr Schulinspektor Sattler über 
das Verhältnis des Bundes zu seinen korporativen Mitgliedern. 
Er ging zunächst auf die Aufgaben des Bundes ein, aus denen 
das Verhältnis zu seinen Mitgliedern hervorgeht. 

Wenn auch der folgerichtige Weg der sei, dass der Bund 
nur mit den Verbänden verhandele, diese mit den einzelnen 
Verkehrs-Vereinen, so sei innerhalb längerer Zeit jedoch dieser 
Weg infolge der bisherigen Entwicklung des Bundes nicht 
gangbar. Es sei auch die persönliche Fühlung der Vereine, 
mit der Bundesleitung sehr wünschenswert. 

Der Referent trat dafür ein, dass die Vereine sowohl 
Beiträge an die Verbände, wie auch an die Bundeskasse zu 
zahlen hätten. Die Verbände verfolgten die Interessen eines 
bestimmten Gebietes, die zum grossen Teil andere seien, als 
die Bestrebungen, die der Bund verfolge. Infolgedessen sei der 
betreffende Verband, dem ein Verein angehöre, und der Bund 
finanziell besonders zu unterstützen. 




104 l lKiQQQ0QQQQ(MQQ0Cl0000QQQ0QQQ <l DEUTSCHLAND liB CCeeOfit«frrraywf¥y v¥)nf)t)^ ^ Nr. 2 


Vereine und Verbände sollen in den Bundesversammlungen 
gleich stimmberechtigt sein. 

Unter den gegebenen schwachen finanziellen Verhältnissen 
habe die Bundesleitung auch früher eine überaus wirksame 
Tätigkeit entfaltet. 

Herr Gontard dankte dem Referenten für seine Ausführungen. 
Man schloss sich einstimmig denselben an und war der Ansicht, 
dass bei Beratungen innerhalb mehrerer Verbände, die den 
Bund betreffen, ein Vertreter des Bundes zugezogen werde. 

Herr Oberst a. D. Schweninger (München) hielt die Zeit 
noch lange nicbt für gekommen, wo der Bund nur aus Ver¬ 
bänden bestehen könne, da noch zuviel Unterströmungen be¬ 
ständen, die dahin gingen, dem Bunde direkt angehören zu wollen. 

Herr Kretschmer (Breslau) bat, die interessanten Aus¬ 
führungen des Herrn Sattler in der Zeitschrift „D eutsch 1 and“ 
zu veröffentlichen. Dies wurde beschlossen. 

Herr Rudolph (Gotha) Vertreter der Thüringer Verkehrs- 
Kommission, gab von dem geplanten Thüringer Verkehrs- 
Verband Kenntnis und stellte mehrere Anfragen, um deren 
schriftliche Beantwortung er bat. Ferner bat er um Zustellung 
der Protokolle der Berliner Tagung. Diesen Wünschen soll 
entsprochen werden. 

Unter Punkt 5 berichtete Herr Professor Dr. Friedrich 
(Leipzig) über die weiteren Schritte der Bundesleitung in bezug 
auf Erreichung einer einheitlichen deutschen Fremden-Ver- 
kehrsstatistik. Die Eingabe an den Deutschen Städtetag 
betreffend Empfehlung des von uns vorgeschlagenen Formulars 
bei den Stadtverwaltungen wurde abgelehnt. Auf eine Anfrage 
beim Internationalen Hotelbesitzerverein erklärte dieser, gegen 
die Einführung unseres Formulars und den Abmeldezwang 
keine Bedenken zu haben. Es seien nun weitere Schritte zu 
beraten. 

Herr Oberst a. D. Schweninger (München) gab in 
eingehender Weise die Bemühungen des Vereins zur Förderung 
des Fremdenverkehrs in München und im bayerischen Hoch»« 
lande in dieser Hinsicht bekannt. Der Münchener Verein hat 
erreicht, dass das bayerische Statistische Landesamt einen 
Fragebogen über Verkehrsstatistik ausgearbeitet hat. Er hält 
aber einen solchen Fragebogen nur dann für wertvoll, wenn 
er genügend ausgefüllt würde. Man müsse zunächst das 
Interesse für die Fremden-Verkehrsstatistik bei den in Frage 
kommenden Bevölkerungskreisen erwecken. 

Herr Entress (Stuttgart) bat, die Ausführungen des Herrn 
Oberst a. D. Schweninger ebenfalls zu veröffentlichen. Der 
geschäftsführende Ausschuss wird sich deshalb mit dem 
Referenten in Verbindung setzen. 

Zum Schlüsse berichtete Dr. Seyfert über die Anbahnung 
eines Gegenseitigkeits-Abkommens mit der englischen North 
Eastern Railway. Es soll hiernach die englische Eisen¬ 
bahn-Gesellschaft bei ihren sieben Auskunftstellen, die sich in 
London und in Nordost-England befinden, Auskunftstellen des 
Bundes übernehmen. Der Bund und seine Mitglieder dagegen 
sollen das Drucksachenmaterial der North Eastern Railway zur 
Verteilung in ihren Auskunftstellen bringen und bei Nach¬ 
fragen auf die Verbindung Rotterdam-Hull und die North 
Eastern Gesellschaft hinweisen. 

Herr Direktor Eidlitz sprach sich gegen eine Festlegung 
auf eine bestimmte Eisenbahn - Gesellschaft aus. Er schlug 
vor, lieber mit Cook und den grossen Schiffahrts-Gesellschaften 
wegen Verteilung unseres Drucksachenmaterials in Verbindung 
zu treten. Der Vorsitzende wies darauf hin, dass die Bundes¬ 
leitung leider bisher vergeblich mit Cook und den Schiffahrts- 
Gesellschaften hierüber verhandelt habe, und dass man daher 
auf das Abkommen mit der North Eastern Gesellschaft ein- 
gehen solle. 

Herr Direktor Eidlitz (Berlin) erklärte sich bereit, nochmals 
mit Cook und den grossen deutschen Schiffahrts-Gesellschaften 
wegen Gratis-Verteilung unseres Propagandamaterials in Ver¬ 
handlungen zu treten. 

Nachdem noch Herr Oberst a. D. Seelmann (Binz) warm 
für das Abkommen mit der North Eastern Gesellschaft ein¬ 
trat, wurde der geschäftsführende Ausschuss ermächtigt, mit der 
North Eastern Gesellschaft ein Abkommen zu treffen, jedoch 
ohne sich ausschliesslich auf diese Gesellschaft festzulegen. 

Schluss der Sitzung gegen 1V2 Uhr. 

Eine Anzahl Bundesmitglieder folgten der freundlichen 
Einladung des Verkehrs - Vereins Potsdam und fuhren am 
Sonntag vormittag nach Potsdam. Die Mitglieder des Gesamt¬ 
vorstandes nahmen nach Beendigung der Sitzung am Sonntag 
zunächst gemeinsam das Mittagessen im „Rheingold“ ein und 
fuhren nachmittags, kurz nach 3 Uhr, nach Potsdam, wo man 
im „Mühlenkaffee“ mit den am Vormittag nach Potsdam ab¬ 
gereisten Mitgliedern zusammentraf. 

Unter der liebenswürdigen Führung des Potsdamer Vereins 
wurden die prächtigen Anlagen von „Sanssouci“ besichtigt. 


Bundestagung in Worms. 

Wir geben den verehrlichen Bundesmitgliedem hiermit das 

Programm der Bundestagung in Worms. 

vom 6. bis 9. Juni 1911 

bekannt, und bitten um recht rege Beteiligung an der Tagung. 

Hochachtungsvoll 

Bund D e utscher Verkehr s-Vereine. 

Der geschäftsführende Ausschuss: 

Friedr. Gontard, Dr. Seyfert, 
Vorsitzender. Geschäftsführer. 

Dienstag, den 6. Juni, abends 8 Uhr: Empfangs¬ 
abend, gegeben vom Verkehrs-Verein Worms. 

Mittwoch, den 7. Juni, morgens 9 Uhr: Kurze 
Sitzung des Gesamtvorstandes. 

Tagesordnung: 

1. Jahresbericht, Kassenbericht, Haushaltsplan. 

2. Vorbesprechung der Hauptversammlung. 

3. Verschiedenes. 

Morgens loUhr: Oeffentliche Hauptversammlung (Damen 
ist der Zutritt gern gestattet). 

Tagesordnung: 

1. Begrüssung. 

2. Jahresbericht. 

3. Vortrag: Die Schnakenplage. 

4. Feriensonderzüge (Referent: Herr Dr. Kuckuck, Dortmund). 

5. Vortrag des Herrn Dr. Löwe (Berlin) über: Propaganda¬ 
mittel für die Zwecke der Vorkehrs-Vereine mit besonderer 
Rücksicht auf die Berliner Reise-Ausstellung. 

GegeniUhr ist ein Frühstück vorgesehen, das die Stadt 
Worms gibt. Nachmittags 5 Uhr: Festessen. Abends 
8 Uhr: Gartenfest. 

Donnerstag, den 8. Juni, morgens 9 Uhr; Ge¬ 
schlossene Mitgliederversammlung. 

Tagesordnung: 

1. Aussprache über den Jahresbericht. 

2. Rechnungsbericht und Bericht der Rechnungsprüfer 1910/11. 

3. Haushaltsplan und Wahl der Rechnungsprüfer 190/12. 

4. Propaganda im Auslande. 

5. Die Bedeutung der Regelung der Sommerferien für den 
Fremdenverkehr (Referent: Herr Professor Dr. Roth, 
Leipzig). 

6. Führerautomaten, Sammelannoncen und Sammeleingaben 
betreffend Fahrplanwünsche. 

7. Verschiedenes. 

MittagsiUhr3oMin.: Ausflug per Dampfer nach Oppen¬ 
heim (Mittagessen auf dem Dampfer). Abends 7 Uhr: Rück¬ 
fahrt per Dampfer nach Worms und Festbeleuchtung der Rhein¬ 
brücke. Gemütliches Beisammensein am Rhein. 

Es wird dafür Sorge getragen, dass während der geschäft¬ 
lichen Verhandlungen am 7. und 8. Juni die Damen die Stadt, 
ihre Sehenswürdigkeiten und ihre Umgebung unter sachkundiger 
Führung besichtigen können. 

Freitag, den 9. Juni, und eventuell auch Sonnabend, 
den 10. Juni, sind Ausflüge in Aussicht genommen. Näheres 
wird noch bekannt gegeben. 


Aus den Bundes - Vereinen. 

Der Fremdenverkehrs-Verein Cassel 

hielt seine Hauptversammlung am 3. März ab. Herr Kommissions¬ 
rat Schlemming gab den Jahresbericht über die Tätigkeit 
des Fremden Verkehrs-Vereins bekannt; er gedachte des Wechsels 
in der Geschäftsführung der Auskunftstelle des Vereins, die in 
das alte Steuerhäuschen am Bahnhofplatz verlegt werden soll, da 
die jetzige Auskunfthalle billigen Anforderungen des grösseren 
Verkehrs nicht mehr genügen könne. An den Intendanten der 
Kgl. Schauspiele, Herrn Grafen Bylandt-Rheydt, hatte sich der 
Verein mit der Bitte gewandt, in Cassel während der Anwesen¬ 
heit des Kaisers nach Muster von Wiesbaden Festspiele zu 
veranstalten; diese Festspiele würden eine ganz ungeheuer 
grosse Anziehungskraft auf die Fremden ausüben und Cassel 
mehr in den Mittelpunkt vornehmer Sommeraufenthaltsorte 
stellen. Leider habe Herr Graf Bylandt-Rheydt mitteilen müssen, 
dass sich vorderhand diese Festspiele in Cassel nicht ein¬ 
richten lassen; es sind mit Genehmigung des Kaisers einige 
besondere Vorstellungen als Thöätre parö während seiner 
Anwesenheit bestimmt worden. Dann wurde von Herrn 









Nr. 2 DEUTSCHLAND 105 


Schlemming bekannt gegeben, in welcher umfassenden und ge¬ 
wissenhaften Weise sich der Vorstand des Fremdenverkehrs- 
Vereins mit der Frage der Errichtung einer Stadthalle in 
verschiedenen Sitzungen beschäftigt habe; die Ansicht des 
Vorstandes geht dahin, dass die Stadt diese Halle bauen und 
auch ihren Betrieb überwachen müsse. Der Vorstand habe 
seine Arbeiten damit beschlossen, dass er mit einer Eingabe an 
die Stadtverordnetenversammlung herangetreten sei, die denn 
auch Anlass gewesen sei, dass die wichtige Stadthallenfrage 
wieder von neuem aufgerollt worden ist. Grossen Beifall haben 
die Promenadenkonzerte auf dem Kaiserplatze gefunden, und 
dankbar erkannte Redner die reichen Unterstützungen des 
Vereins durch Herrn Geheimrat Aschrott an, dessen Zu¬ 
wendungen es überhaupt möglich gemacht haben, dass Prome¬ 
nadenkonzerte im Westviertel der Stadt veranstaltet werden 
können, und zwar wöchentlich einmal. Dann lenkte Redner 
das Augenmerk auf die 25. (Jubiläums-) Wander-Ausstellung 
der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, die in den Tagen 
vom 22. bis 27. Juni in Cassel auf dem Forst abgehalten werden 
soll. Herr Kaufmann Pech mann erstattete den Kassenbericht, 
der 8820.78 Mk. Einnahmen und 5897.76 Mk. Ausgaben ver¬ 
zeichnet Bedauerlicherweise gehörten noch längst nicht alle 
Restaurateure und Gastwirte dem Verein an, obwohl nicht be¬ 
stritten werden könnte, dass die Vorteile für diese Kreise nicht 
unerhebliche seien. Dem Kassierer wurde Entlastung aus¬ 
gesprochen. Schliesslich erstattete Herr Verkehrsinspektor 
Weber einen Bericht über den Wohnungsnachweis für die 
Landwirtschaftliche Ausstellung, der bereits jetzt gut organisiert sei. 
Man rechne auf etwa 4000 Betten, die auch bereits in den Tagen 
des Sängerwettstreites zur Verfügung standen, so dass man 
wohl kaum irgendwie wegen der Aufnahme der Fremden in 
Schwierigkeiten kommen würde. 

Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs in Breslau. 

In einer kürzlich stattgefundenen Vorstandssitzung des 
Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs in Breslau (E. V.), 
wurde der engere Vorstand neugewählt, und zwar zum Vor¬ 
sitzenden Kunsthändler Artur Lichtenberg, stellvertretender 
Vorsitzender Rechtsanwalt Dr. Artur Flatau, Schriftführer Rechts¬ 
anwalt Dr. Ernst Decke, stellvertretender Schriftführer Stadt¬ 
verordneter K. W. Wolf, Schatzmeister Konsul Dr. Eduard von 
Eichborn. 

Württ.-Hohenz. Vereinigung für Fremdenverkehr. 

In der Sitzung des Landesausschusses der Württ.-Hohenz. 
Vereinigung für Fremdenverkehr am 6. April berichtete der 
Vorsitzende, Gemeinderat Adolf Stübler (Stuttgart), eingehend über 
seine Teilnahme an der Eröffnung der „Internationalen Aus¬ 
stellung für Reise- und Fremdenverkehr Berlin i. April bis 
20, Juni 1911“ und Uber die Ausstellung selbst. Er habe von 
der Veranstaltung einen vorzüglichen Eindruck bekommen. 
Die Schwäbische Landesausstellung habe einen sehr guten Platz 
und sei geeignet, die Aufmerksamkeit der Ausstellungsbesucher 
in besonderem Masse auf sich zu lenken, insbesondere durch 
die beiden prächtigen Dioramen „Blick auf Stuttgart“ und 
„Blick auf die Alb“ (mit dem Lichtenstein im Mittelpunkt), die 
die Beschauer besonders entzücken, und die Schwäbische Wein¬ 
stube und die Schwarzwälder Kaffeestube, in denen die Aus¬ 
stellungsbesucher um so lieber Einkehr halten, als dieselben 
sehr originell ausgestattet seien und die einzige Veranstaltung 
dieser Art in der Ausstellung bilden. Die Ausstellung finde 
offenbar allgemein grossen Anklang, was insbesondere aus den 
Berichten der Presse und unter anderem auch daraus hervor¬ 
gehe, dass bereits der Wunsch geäussert worden sei, die 
Gesamtausstellung in einer süddeutschen Gressstadt, ja sogar 
auch in Amerika zu wiederholen. Die Ausstellung werde 
zweifellos einen grossen Erfolg haben und auch dem Schwaben¬ 
lande viel Nutzen bringen. Der Bericht wurde mit lebhaftem 
Interesse entgegengenommen. Hierauf kam die Ausstattung der 
Eisenbahnwagen i., 2. und 3. Klasse mit farbenphotographischen 
Bildern zu Reklamezwecken zur Beratung. Die Kgl. General¬ 
direktion der Staatseisenbahnen, die diesen Plan schon länger 
ins Auge gefasst hat, hat sich wegen Beschaffung der Bilder, 
die sie auf ihre Kosten unter Glas und Rahmen anbringen 
würde, an die Vereinigung gewandt. Diese wird nun demnächst 
ein Rundschreiben an die in Betracht kommenden Gemeinden 
und Verkehrs-Vereine richten, in dem dieselben zur Beteiligung, 
d. h. zur Anschaffung der Bilder aufgefordert werden. Eine 
solche Einrichtung besteht bereits in England und in der 
Schweiz und ist zweifellos eine Reklame allerersten Ranges. 
Von den zum Aushang kommenden Bildern sollen ausserdem 
Albume hergestellt werden, die ebenfalls zu Reklamezwecken 
verwendet werden sollen. Wie im vorigen Jahre wurde auch 
für die kommende Reisesaison eine ausgedehnte Zeitungsreklame 
beschlossen. Bezüglich des für Anfang Mai d. Js. in Aussicht 


genommenen Sonderzugs zum Besuch der Internationalen Aus¬ 
stellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin konnte die 
Mitteilung gemacht werden, dass die Kgl. Generaldirektion der 
Staatseisenbahnen bereits mit den beteiligten Eisenbahnver¬ 
waltungen in Verbindung getreten sei, so dass die öffentliche 
Einladung zur Beteiligung bald erfolgen wird. 

Der Pfälzische Verkehrs-Verband 

hielt am 9. April eine Ausschusssitzung ab, die sich in 
der Hauptsache mit dem geplanten Schaufliegen in Hass¬ 
loch beschäftigte. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die 
die in Betracht kommenden Fragen noch eingehend zu prüfen 
hat. Erfreulicherweise hat sich ein Fachmann auf dem 
Gebiete, Herr Hauptmann Köhler (Speier) dem Verbände mit 
seinem bewährten Rate zur Verfügung gestellt. (Die Schwierig¬ 
keiten der Durchführung einer solchen Veranstaltung, sowohl 
auf technischem wie finanziellem Gebiete, sind jedoch grösser, 
als man anzunehmen pflegte [Absperrung, Beschaffung von 
Hallen für die Flugzeuge, Honorare, Reklamen usw.], so dass 
es bereits jetzt schon fraglich erscheint, ob das geplante Schau¬ 
fliegen in diesem Jahre zustande kommt.) Für die Zeitschrift 
„Deutschland“, Organ des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine, 
wurde eine grössere Reklame für die Pfalz aufgegeben. Es 
folgte dann ein Bericht über die Internationale Ausstellung für 
Reise- und Fremdenverkehr in Berlin, in der auch der Verkehrs¬ 
verband ausstellte. Weitere Gegenstände der Tagesordnung 
waren Reliefkarte für die Pfalz, Photographischer Wettbewerb, 
sowie Bilder von der Pfalz in Eisenbahnwagen. 

Bericht der städt. Kurverwaltung und des Kur- und 
Verkehrs-Vereins Triberg über die Jahre 1908/1909. 

Tätigkeit: Kurmusik. Der provisorische Dirigent 
wurde mit Wirkung vom i. Januar 1909 als Stadtkapellmeister 
angestellt. In beiden Jahren fanden vom 15. Mai bis 15. Sep¬ 
tember je 100 Kurkonzerte statt. — Sonstige Veranstal¬ 
tungen. Während der genannten Sommersaison ist der 
Wasserfall allabendlich elektrisch, an Sonn- und Feiertagen 
zudem bengalisch beleuchtet worden. An sonstigen Unter¬ 
haltungen wurden geboten: 1908: Italienische Nächte mit Feuer¬ 
werk an den Wasserfällen am 25. Juli, 8. und 22. August; 
Volkstrachtenfest 26. Juli; Extra - Konzert am Bergsee am 
15. August. 1909: Italienische Nächte mit Feuerwerk an den 
Wasserfällen am 4. Juli, i. und 22 August; Wohltätigkeitsfest 
im Kurpark unter Mitwirkung des Gesangvereins Triberg, in 
Verbindung mit einem Konzert einer Gramophon-Starkton¬ 
maschine, am 14. August, dessen Re-nertrag in Höhe von 211 Mk. 
83 Pfg. in den Kindersolbadfonds floss; Tanz-R6unions auf dem 
neuangelegten Tanzplatz im Kurpark ab 28. Juli jeden Mitt%voch 
Abend 9 Uhr nach dem Kurkonzert; gemeinsame Fusstouren 
in die Umgebung von Triberg, wöchentlich einmal. — Unter¬ 
haltung der Spazierwege, Anlagen, Pavillons etc. 
Mit einem Aufwand von über 3000 Mk. wurde im Kurpark ein 
neuer sportgerechter Tennisplatz errichtet, der von Ende August 


i 










1O6B QQQQ QQQQ( XX^099Q09 9 9Q Q 6QQ O Q9 (@I DEUTSCHLAND @B8 €^86 8 000€ )€)6 0 €)O68 0 806 0€) €) O €1I Nr. 2 


xgoS ab in Benutzung genommen worden ist. In unmittelbarer 
Nähe desselben konnte ein grösserer ebener Platz angelegt 
werden, der mit Bänken versehen und mit elektrischer Beleuch¬ 
tungsvorrichtung ausgestattet ist. Auf diesem, herrlich am Fusse 
des Wasserfalls gelegenen „Tanzplatz** Anden an schönen 
Sommerabenden die Tanz-Röunions statt. — Wegemarkierung: 
Die vorhandenen farbigen Markierungszeichen wurden, soweit 
erforderlich, erneuert. Verschiedene Wege erhielten neue Weg¬ 
weiser. — Fenster- und Balkonschmuck. Die lobens¬ 
werte Sitte, die Hausfassaden durch hübsche Blumen zu ver¬ 
schönern, fand eine immer grössere Verbreitung. Das Preis¬ 
gericht konnte zuerkennen 1908: 8 erste, lo zweite und 16 dritte 
Preise, ferner 85 öffentliche Anerkennungen; 1909: 10 erste, 45 
zweite Preise und 70 Anerkennungen. Als Preise gelangten 
aller Art Zimmerpflanzen zur Verteilung. — ReklamerSommer- 
reklame. Der Verkehrs-Verein beteiligte sich im Jahre 1909 an 
der erstmals vom Badischen Landesverband zur Hebung des 
Fremdenverkehrs eingerichteten Sammelanzeige, die einen 
guten Erfolg gezeitigt hat. Daneben wurden noch in einer 
grossen Reihe geeignet erscheinender Zeitungen und Blätter 
Inserate erlassen, darunter auch in der Zeitschrift „Deutsch- 
land**, die auch einen illustrierten Aufsatz Uber Triberg ver¬ 
öffentlicht hat. Ein reich illustrierter, 8x Seiten Oktav grosser 
Führer in reizendem farbigem Umschlag nach einem Entwurf 
des Kunstmalers C. Liebich-Gutach, mit zwei Kartenbeilagen, 
kam auf Kosten der Kurverwaltung in einer Auflage von 3000 
Exemplaren heraus. Winterreklame. Mit einem Aufwand 
von 655 Mk., zu dem einzelne Hoteliers 543 Mk. Beiträge leisteten, 
wurde 1908/09 in einer grösseren Anzahl von Zeitungen Und 
Zeitschriften Triberg als Winterkurort empfohlen. Frequenz. 
Die Zahl der übernachtenden Fremden betrug 1906: 11063, 1907: 
11449, 1908: 12358, 1909: 12915. Der Staatsangehörigkeit 
nach waren Kurgäste zu beherbergen: 


Staatsangehörigkeit 

1907 

0 / 

lo 

1908 

/o 

1909 

/o 

Deutschland. 

68,6 

72,8 

74,8 

Frankreich. 

G,5 

5,8 

5,5 

England. 

6.4 

4,8 

8,6 

Amerika. 

6,4 

4,0 

4.9 

Holland. 

4.8 

5,0 

4,6 

Belgien. 

2,6 

2,6 

2.0 

Schweiz. 

1,5 

1,9 

1,6 

Russland. 


1,6 

1,4 

Oesterreich. 

0,9 

0,7 

0,6 

Sonstiges Europa . . 

1,3 

0,9 

0,7 

Asien, Afrika, Australien 

0,7 

0,4 

0,8 

Sa. 

100,0 

100,0 

100,0 


Die Prozentzahlenverschiebung beruht in erster Reihe darauf, 
dass seit 1908 Ganzjahreszählungen stattflnden. Darin mag sicher¬ 
lich die auffallende Zunahme der Deutschen ihren Grund haben. 


1 


Der Verkehrs-Verein für Colmar 
und die Hochvogesen 

hielt seine Jahresversammlung ab. Aus dem Bericht des 
Schriftführers Hammerstein g^ing hervor, dass der Verein in 
mancher Hinsicht mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. 
Bemängelt wurde auch, dass der Verein keine staatliche Sub¬ 
vention erhalten habe, während der Strassburger Verkehrs- 
Verein 3000 Mk. erhielt. Der Colmarer Verkehrs-Verein halte 
sich vom Verband der Verkehrs-Vereine aus zwingenden Gründen 
fern und müsse dies so lange weiter tun, als er nicht in gleichem 
Masse berücksichtigt werde. Wie sehr die Tätigkeit des 
Vereins gestiegen ist, ergibt sich daraus, dass 19x0 allein 850 
schriftliche Auskünfte erteilt wurden. Von hier aus sei auch 
die Initiative zur Beteiligung an der Internationalen Reise- und 
Verkehrsausstellung in Berlin ausgegangen, dabei habe man 
Colmar nur nach erheblichen Anstrengungen zur Geltung kommen 
lassen. Der Verein hat seine Prospekte über die Hochvogesen 
an die Teilnehmer der Prinz-Heinrich-Fahrt, der Deutschen 
Lehrerversammlung und des Weinbaukongresses verteilt. Mit 
der Hotelier-Vereinigung wurde ein Abkommen auf gegenseitige 
Unterstützung getroffen. Der Kassenbericht des Vereins ist 
günstig. Herr Adrian Mayer (Strassburg) hielt dann einen Licht¬ 
bildervortrag über die Vogesen und zeigte, wie notwendig es 
sei, in den Vogesen mehr für Unterkunftsgelegenheit zu sorgen. 
Zum Schlüsse wurde eine Resolution angenommen, in der die 
Regierung gebeten wird, diesem Uebelstande ihr Augenmerk zu 
widmen und ihm abzuhelfen. 

Rheinischer Verkehrs-Verein. 

Sitzung des Vorstandes in Coblenz. 

Am 5. Mai fand in Coblenz eine Sitzung des engeren 
V orstandes des Rheinischen Verkehrs-Vereins statt. Aus dem 
im Entwurf vorgelegten Rechenschaftsbericht für 1910 ergab sich, 
dass ausser drei kleineren Gemeinden bedauerlicherweise auch 
die Stadtverwaltungen von Elberfeld und Barmen ihre Mitglied¬ 
schaft aufgegeben haben. Die Zahl der angeschlossenen Vereine 
ist dagegen um 15, die Zahl der Einzelmitglieder um 16 ge¬ 
stiegen. Erwähnenswert ist der Beitritt des Pfälzischen Verkehrs- 
Verbandes mit dem Sitz in Ludwigshafen. — Vom Rheinführer 
sind 1910 15000 Stück in deutscher, 5000 in englischer und jo 
3000 in französischer und holländischer Sprache neu gedruckt 
worden. Für das Jahr 1911 war eine gänzliche Umgestaltung des 
Rheinführers beschlossen worden, und zwar sollten zum Schmuck 
Reproduktionen von farbigen Lichtbildern gewählt werden. Die 
Absicht hat sich leider noch nicht ausführen lassen, da das 
Wetter im vergangenen Sommer für die farbigen Aufnahmen, 
die eine besonders starke Belichtung verlangen, nicht immer 
günstig genug war. Infolgedessen müssen noch vom alten Führer 
eine grössere Zahl in deutscher und in englischer Sprache ge¬ 
druckt werden. Der in Aussicht genommene in Farbendruck 
gehaltene Propaganda-Prospekt, der nur mit einer Auswahl von 
Bildern und kurzem, allgemeinem Text ausgestattet sein wird, 
konnte dagegen inzwischen schon herausgegeben werden, und 
zwar in einer Auflage von zunächst 25000 Stück. — Die 
publizistische Tätigkeit, die auf Veranlassung des Vereins ent¬ 
faltet wurde, hat im abgelaufenen Jahre einen besonders grossen 
Umfang erreicht. In ausführlicherer Weise gedenkt der Rechen¬ 
schaftsbericht der Bedeutung, die die Zeitschrift „Deutschland** 
für die Zwecke des Vereins gehabt hat. -- Die Benutzung der 
Schülerherbergen hat allmählich dermassen zugenommen, dass 
die Mittel knapp zu werden beginnen. Die Zahl der Besucher 
hat 1910 6500 betragen, das ist gegen 1909 etwa das Doppelte 
und gegen 1908 ungefähr das Dreifache. — Der dem Vorstande 
vorgelegte Arbeitsplan weist gegen sonst Besonderheiten nicht 
auf. — Der Voranschlag beziffert die Einnahmen auf rund 
24000 Mk. und dementsprechend die Ausgaben. — In betreff der 
teilweise abfälligen Urteile, die in einzelnen Blättern über die 
Veranstaltung des Rheinischen Verkehrs-Vereins in der Berliner 
Fremdenverkehrs-Ausstellung gefällt worden sind, bemerkte der 
Vorsitzende, dass die Kritiken Übertrieben seien und auch von 
irrigen Voraussetzungen ausgingen. Die rheinische Abteilung 
mit mancher anderen zu vergleichen, ginge nicht an, da der 
Rhein nur über beschränkte Mittel verfügt habe. Diese hätten 
durch Sammlungen aufgebracht werden müssen, während andere 
Aussteller, namentlich soweit es öffentlich-rechtliche Verbände 
gewesen seien, teUweise mit dem Fünffachen und mehr rechnen 
konnten. — Die diesjährige Hauptversammlung flndet in Mains 
am 9. und xo. Juli statt. 

Verkehrs-Verein Mülheim (Ruhr). 

Unter dem Vorsitze des Herrn Handelskammersyndikus 
Dr. Kleibel fand die Jahres-Generalversammlung des Mülheimer 
Verkehrs-Vereins statt. Der Vorsitzende erstattete den Jahres¬ 
bericht, dem folgendes entnommen sei; Der Verein hat sich in 














: 2 ' ■B 8Qa0G9Q9Q00Q0Q000Q93QQQQ ( B DEUTSCHLAND mcceo6eeeeeee6g)oeeeeeeeeoooci i io7 


5C-* 

*5 - - 

tiSiV 

#■— 

44 


Bdnem zweiten Geschäftsjahre günstig entwickelt. An Mitgliedern 
hal er im Berichtsjahre durch Tod, Wegzug und Austritt sieben 
verloreni dafür traten xg neue Mitglieder ein, so dass Ende igio 
ao4 hfitglieder mit einem Gesamt-Jahresbeitrag von rund 5200 Mk. 
SU verzeichnen waren. Zu den Mitgliedern gehört die Stadt¬ 
verwaltung mit einem Jahresbeitrag von 2000 Mk. Das mit der 
Geschäftsstelle Mülheim (Ruhr), Friedrichstrasse Nr. i, verbundene 
Verkehrabureau ist weiter ausgebaut und auch rege besucht 
worden. Die Zahl der dort ausliegenden Adressbücher ist ver¬ 
mehrt worden. Das Bureau vermittelt, wie bisher, ausführliche 
Prospekte imd Führer des Solbades Raffelberg in M^heim(Ruhr)- 
Speldorf, ferner Anmeldungen zu Gesellschaftsreisen nach Berlin, 
Paris, London, Oesterreich - Ungarn, zu fertigen Badereisen an 
'die Nordsee usw. Im vergangenen Jahre hat es in Gemeinschaft 
mit dem Verkehrs-Verein Essen auch den Besuch der Welt¬ 
ausstellung in Brüssel erleichtert. Es besorg^ den Vorverkauf 
und die telephonische Vorbestellung von Eintrittskarten zum 
Stadttheater in Essen und hat sich neuerdings auch in den Dienst 
der Veranstaltung von Opemaufführungen in Mülheim (Ruhr) 
gestellt. Das Verkehrsbureau wurde im Januar igio monatlich 
von rund 100 Personen besucht. Zum i. April igio wurde eine 
Zweigauskunftstelle am neuen Bahnhof Mülheim(Ruhr)-Epping- 
hofen in der Zigarrenhandlung von Joseph Koch errichtet. Der 
von der Firma Max Straesser, Mülheim (Ruhr), im Vorjahre • 
herausgegebene Stadtplan von Mülheim (Ruhr), für den der 
Verein einen kleinen Führer durch Mülheim (Ruhr) herstellte, 
hat sich gut eingeführt. Die Zahl der Wegweiser im gesamten 
Stadtgebiet ist im vergangenen Jahre bedeutend vermehrt worden. 
Die Reklameanzeige über Mülheim in auswärtigen Zeitungen, 
vor allem innerhalb des Industriebezirkes, ist auch im ver¬ 
gangenen Jahre wieder in ausgedehntem Masse erschienen. Sie 
hat, wie vielfache Anfragen von auswärts beweisen, ihren Zweck 
nicht verfehlt, ln Kürze wird ein aus dem im Vorjahre unter den 
deutschen Künstlern Rheinlands und Westfalens ausgeschriebenen 
Wettbewerbe für ein Plakat von Mülheim (Ruhr) hervorgegangenes 
preisgekröntes Reklamebild von Mülheim (Ruhr) in zahlreichen 
Vervielfältigungen hergestellt sein und in ganz Deutschland ver¬ 
breitet werden. Die Ausführung ist der Firma Julius Bagel 
übertragen worden. „Es ist zu hoffen“, so heisst es in dem 
Bericht, „dass das neue Reklamebild von Mülheim (Ruhr), das 
den vom Bismarckturm gekrönten Kahlenberg, vom Saarner 
Ufer der bootbelebten Ruhr aus gesehen, wiederg^bt, in diesem 
Sommer schon nicht nur in unserem engeren Industriebezirk, 
sondern in ganz Deutschland in anziehender Weise auf unsere, 
gerade auch landschaftlich in vielfach ungeahntem Masse bevor¬ 
zugte Heimatstadt hinweisen wird.“ 

Verkehrs-Verein Dortmund. 

Dem Vorstand lag zunächst die Wahl eines Vorsitzenden 
ob, da Herr Geheimrat Zix aus Gesundheitsrücksichten gezwungen 
war, den Vorsitz niederzulegen. Einstimmig wurde der zweite 
Vorsitzende, Herr Fabrikant W. Suhrmann, gewählt. Das neue 
Verkehrsbureau am Hauptbahnhof ist bis auf die Aufsetzung 
des Daches fertig. Es entstand somit die Frage, welche Mittel 
zur Einrichtung des neuen Bureaus vorhanden sind, zumal das 
bisherige Bureau am Markt 2 a vorläufig noch beibehalten 
werden soll. Die Geschäftsführerstelle soll ausgeschrieben 
werden, die Anschaffung der Einrichtung wird dem geschäfts- 
fOhrenden Vorstand überlassen. Nach dem neuen Sommer- 
fahrplan wird der früher 7.45 Uhr vormittags ab Essen 
rechtsrheinisch nach Frankfurt am Main fahrende D-Zug 170 
von Duisburg nicht mehr bergisch - märkisch nach Essen, 
■ondem über die Köln — Mindener Linie nach Dortmund 
geleitet. Ferner sind die D-Züge 13 und 14 (Hannover ab 6.48 
abends und Berlin ab 1.14 nachm.) antragsgemäss zwischen 
Berlin und Hannover um ig bezw. 11 Minuten beschleunigt. 
Der Antrag der Gemeindevorsteher von Bodelschwingh und 
■Westerfilde, sowie des Vorstandes der Gelsenkirchener Bergwerks- 
Aktiengesellschaft, die alte westfälische Eisenbahn Mengede- 
Bodelschwingh-Doitmund wiederum für den Personenverkehr 
'einzurichten, soll nunmehr, nachdem die Unterlagen gesammelt 
■ind, der Kgl. Eisenbahndirektion mündlich vorgetragen werden. 
Schliesslich war von Interessenten noch angeregt, dahin zu 
wirken, dass am Karfreitag Sonntagsfahrkarten zur 
Ausgabe gelangen, wie es bereits am Fronleichnamstage der 
FkU ist. Da dieser Antrag von prinzipieller Bedeutung ist, 
wird er zunächst an den Verband der Verkehrs-Vereine West- 
lUens zur weiteren Verfolgung abgegeben. 






Der Verkehrs-Verein Magdeburg 

_ hlult seine diesjährige Generalversammlung ab, die vom Stadtv. 
Heimster gleitet wurde. Zunächst brachte der Versammlungs- 
J Erläuterungen zu dem gedruckt vorliegenden Jahresbericht. 

snsgedehnte Besprechung knüpfte sich an den Bericht. 


Von allen Seiten wurde eine Verbesserung der elektrischen 
Strassenbahn-Verbindungen für notwendig erachtet. Herr Beyer¬ 
lein erstattete den finanziellen Bericht. In den fünf Jahren des 
Bestehens des Vereins sind nooo Mark für Propagandazwecke 
ausgegeben worden. Der Kassenführung wurde Entlastung erteilt. 
Nach Aufstellung des neuen Voranschlages wurde von den 
Herren Beyerlein und Stadtv. Streitlein über die noch bis 
15. Juli in der Halle des Berliner Zoologischen Gartens statt¬ 
findende internationale Ausstellung für Reise- und Fremden¬ 
verkehr gesprochen. 

Fremden-Verkehrsverein Bremen. 

Am 15. April fand im Museum unter dem Vorsitz von 
Direktor Heineken die ordentliche Sitzung statt. Aus dem 
Tätigkeitsbericht für das Jahr igio ist zu erwähnen, dass der 
Fremdenverkehr erfreulicherweise in stetem Wachsen begriffen 
ist; im verflossenen Jahre haben beinahe 148000 Fremde in 
Bremen übernachtet. Die Nachfrage nach dem Führer, Material 
und Stadtplänen war grösser als zuvor, es musste, um der 
Nachfrage gerecht zu werden, eine neue Auflage von 40000 
Handweisern über Bremen und 4000 grossen illustrierten 
Führern in deutscher Sprache beordert werden. Zugunsten 
des Vereins wurde von einem hiesigen Wirteverband wiederum 
ein wohlgelungenes Sommerfest im Garten, Theater und den 
Sälen des Tivoli veranstaltet, das einen Ueberschuss von beinahe 
1500 Mk. ergab, welcher Betrag dem Verein zur Verfügung ge¬ 
stellt wurde. — In der sich anschliessenden Vorstandssitzung 
wurde Direktor Heineken zum ersten Vorsitzenden, Bankdirektor 
Janssen zum zweiten Vorsitzenden und Richard Löwe zum 
Rechnungsführer gewählt. 

Der Fremden-Verkehrsverein für die 
Unterweserstädte 

hielt unter dem Vorsitze des Herrn Branddirektor a. D. Frei- 
täger in Beermanns Hotel zu Bremerhaven seine Hauptver¬ 
sammlung ab, in der zunächst der Jahresbericht bekanntgegeben 
wurde. Die Statuten gemäss ausscheidenden Bremerhavener 
Vorstandsmitglieder, und zwar die Herren Freitäger, v. Vangerow, 
Stier, Meiners und Ludolph wurden wiedergewählt. Für den 
von hier verzogenen Herrn Funck wurde Herr P. Blumberger 
neugewählt. Ebenfalls tritt Herr Lehrke (Geestemünde) neu in 
den Vorstand ein. — Auf Vorschlag eines Vorstandsmitgliedes 
wurde beschlossen, dass in Zukunft sämtliche Eingaben des 
Vereins an Behörden usw. der Unterschrift der Vorsitzenden 
des Bremerhavener, Geestemünder und Leher Vereins tragen 
sollen. Hierdurch wird wieder aufs neue die Gewähr geboten, 
dass der Fremden-Verkehrs-Verein völlig unparteiisch im Sinne 
der Interessen aller drei Unterweserstädte wirkt. — Dem Jahres¬ 
berichte entnehmen wir folgendes: Dank der Propaganda des 
Vereines, die dieser durch eine umfassende Reklame in deut¬ 
schen und amerikanischen Reisezeitschriften veranstaltete, waren 
die Unterweserstädte im verflossenen Jahre wiederum das Ziel 
vieler Touristen. Neben zahlreichen Einzelpersonen und kleineren 
Korporationen besuchten u. a. die militärberechtigte deutsche 
höhere Handelsschule in Bukarest, eine Vereinigung von Inge¬ 
nieuren aus der Schweiz, der Landesverband Württemberg des 
deutschen Flottenvereines sowie die Thüringer Lehrer im ver¬ 
flossenen Jahre die Unterweserstädte. Die letzteren drei Ver¬ 
einigungen haben sich auch bereits wieder für diesen Sommer 
angemeldet. Das Verkehrsbureau des Vereins wurde in steigendem 
Masse in Anspruch genommen. Die Geschäftsstelle stellte 
g5 grosse Reisen sowie 28 Rundreisen und kleinere Reisen 
zusammen. Den Mitgliedern kann in ihrem eigenen Interesse 
nur geraten werden, in vorkommenden Fällen die Hilfe unseres 
Bureaus in Anspruch zu nehmen. Im letzten Jahre wurden an 
hiesige Einwohner ca. 2800 fremde Führer verausgabt. Die 
meisten Führer entfielen auf die Nordseebäder sowie Rheinland 
und Harz. Von dem Führer für die Unterweserstädte wird 
eine neue verbesserte Auflage herausgegeben. 



Die Stadt Berlin und die Reiseschau. In einer 
Sitzung der Zentralstelle für die Interessen des Handelsverkehrs 
gab man dem Befremden darüber Ausdruck, dass die Stadt 
Berlin es nicht für nötig gehalten habe, sich in irgend einer 
Weise an der grossen Bereise- und Fremdenausstellung zu 
beteiligen. Sie habe nicht einmal einen Vertreter zur Eröff¬ 
nung gesandt. Auf die Einladung an den Oberbürgermeister, 
in das Ehrenkomitee einzutreten, sei eine Antwort ausgeblieben. 

In Ems tagte Mitte April die Generalversammlung des 
Lahntal-Verbandes. In derselben wurde der Etat iür das 
kommende Geschäftsjahr mit 1200 Mk. Einnahmen veranschlagt 
und beschlossen, eine neue Auflage des Lahntalführers heraus¬ 
zugeben. jFerner^wurde die Herausgabe einer Touristen-Karte 





h ■ 


1081 


DEUTSCHLAND is& seeeeee e eeeeeeeoeeeeeeeeg Nr. 2 


fttr das Lahntal, Fühlungnahme mit Westerwald- und Taunus¬ 
klub, sowie Förderung des Herbergwesens für Schüler angeregt. 
Der Verband zählt zurzeit ai korporative, 68 Einzel- und zwei 
unterstützende Mitglieder. 

Das Städtische Verkehrs-Bureau in Heidelberg, das 
bisher provisorisch in der Altstadt untergebracht war, bezieht Mitte 
Mai sein neues Heim unmittelbar am Bahnhofe an der Anlage 
(Leopoldstrasse). Es hat dort nicht nur eine vorteilhafte Lage, 
sondern auch behagliche und elegante Räume. Fremdenplätze, 
Bahnen, Dampfschiffahrtsgesellschaften, Reisebureaus usw., die 
von dieser Neuerung profitieren wollen, können ihre Prospekte 
gratis und franko einschicken, jedoch in nicht Übermässiger 
Anzahl. Auch sind künstlerisch ausgeführte, farbige Plakate 
erwünscht. 

In Essen starb am 6 . Mai der Syndikus des Verkehrs- 
Vereins für den Stadt- und Landkreis Essen, Herr 
Dr. Georg Lind, dessen rühriger Tätigkeit und Gewandtheit, 
verbunden mit persönlicher Liebenswürdigkeit der Verein seine 
grossen Erfolge verdankt. Dr. Lind hat es besonders verstanden, 
den Essener Verein auf eine solch günstige finanzielle Unter¬ 
lage zu stellen, wie sie nur wenige deutsche Verkehrs-Vereine 
aufweisen können. 

Zum Syndikus des Niedersä chsischen Ver¬ 
kehrs-Vereins in Hannover wurde der Leiter der Dort¬ 
munder städtischen Rechtberatungsstelle und Geschäftsführer 
des Dortmunder Verkehrs-Vereins und des Verbandes der west¬ 
fälischen Verkehrs - Vereine, Dr. Jur. Alexander K u ck u ck, 
gewählt. 

Eisenbahnwesen. 

Verkehrs-Nachrichten. ln dem Verkehr zwischen 
England und dem Festlande über Vlissingen sind vom i. Mai 
ab erhebliche Aendernngen eingetreten. Die Nachtdampfer der 


Zeeland*Gesellschaft werden sowohl in der Richtung nach wie 
auch von England nicht mehr den bisherigen englischen Lan¬ 
dungsplatz „Queenboro’“ anlaufen, sondern zwischen Vlissingen 
und Folkestone verkehren. (Die Tagesdampfer fahren nach wie 
vor noch zwischen Vlissingen und Queenboro’). Hierdurch 
wird in der Richtung von London nach dem Festlande eine 
ganz erhebliche Beschleunigung des Verkehrs herbeigeführt. 
Die Abfahrt von London Victoria-Station erfolgt 8.45 abends, 
Ankunft in Folkestone 10.30 abends, Abfahrt von Folkestone 


10.45 abends, Ankunft in 

Vlissingen 4.05 morgens. 

Die erheb- 

liehe Beschleunigung ist 

aus nachstehender 

Tabelle ersichtlich: 


frühere Ankunft 

Ankunft 

ab I. Mai 

Amsterdam . 

. 8.58 vorm. 

8.10 

vorm. 

Basel. 

. 7.49 nachm. 

5.45 

nachm. 

Berlin. 

6.51 

5.20 

if 

Düsseldorf. 

10.39 vorm. 

9.30 

vorm. 

Frankfurt a. M. . . . 

3.29 nachm. 

2.11 

nachm. 

Hamburg. 

5.04 „ 

2.47 

»» 

Kassel. 

6.39 „ 

3.30 

„ 

Koblenz. 

. 12.54 „ 

11.32 

vorm. 

Köln . 

11.19 vorm. 

9.56 


Krefeld. 

. 10.10 

8.58 

*» 

Mainz . 

2.59 nachm. 

1.53 

nachm. 

München. 

. 10.20 ., 

8.50 

f* 

Rotterdam . 

7.34 vorm. 

6.46 

vorm. 

Triest . 

. 11.15 „ 

8.50 

»» 

Wiesbaden . 

2.37 nachm. 

1.18 

nachm. 


Im Verkehr von dem Festlande nach England mit Nacht¬ 
dampfer haben die Abfahrtszeiten von den festländischen 
Stationen keine besonderen Aenderungen erfahren; dagegen 
landet der Dampfer in Folkestone bereits um 5.30 vorm, (an¬ 
statt wie früher G.IO vorm, in Queenboro). Der Anschlusszug 
nach London fährt von Folkestone um 6 Uhr vorm, ab 
nach den bisherigen Londoner Endstationen für den Vlissinger 


Schnellzug-Verbindungen zwischen Cöln und Amsterdam über Cleve und Emmerich. 

Sommerfahrplan 1011. 

(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahn-Direktion Cöln.) 


Cöln Hbf.. . ab 
Düsseldorf 

Oberhausen 
Wesel . 
Emmerich 
Neuß 

Crefeld . 

Cleve . 

Nymegen 
Amsterdam 0. au 


D.-Z. 

I-III 

6261 

603 | 

637 

7 io| 

7-16 


1013 


D.-Z.l 

l-III 

6121 

624 

73ö| 

807 

8^7 


1066 


MII 

7061 


D.-Z. 

I-tl 


I-IIl 


746| 

809 

9*3 

936| 

1122 


i 006 |l 010 | 
11043 
' * I 
113*1 
1204 | 

12471 

llQM 
, ** 
,1119 
106 


MII 

2*3 

I 


I 

I 

268 


** , 

148, 

4381 


306 

3*8 

441 

465 j 

660, 


MII 

2*7 

307 

344 

414 

461 


D.-Z. 

MI 

441 

518 

63 * 

619 

660 


D.-Z j 

MI I 
616 
663 

7 ^ 

767 

833 


702 863110351 


D.-Z. 

I-II 

717 


MII 
632! 

714I 

811! 

842 

920; 

763 

813 
912 

I I 

1147 1 054 


* Ab Oberhausen III. Klasse. 

** In Crefeld und Nymegen umsteigeii. 

• In Nymegen umsteigeu. 


Amsterdam C. ab ! 6i3 


Nymegen 

Cleve 
Crefeld . 
Neuß 
Emmerich 
Wesel . 

Oberhausen 
Düsseldorf 
Cöln Hbf.. 


jD.-z.;D-z.: 

MI ' I 11 I-lIl 
G46: 838| 

103*j 

1 |i 2 io 
2001 
036 


!D.-Z.j 
MII| 1-11 
901 936 


749 

909! 

1008, 


! 954 

" 1 1026 
'i I 1(>54| 
■1040 1 128 ! 
I|1115420ö| 


I 


3»o| 


1228 

100 

• 

137 

013 

0471 


107 

139 

0061 
241 
317 


D.-Z i 1) -Z. 

mii'mii^miiImii 


MII 

1033il218j 436j 5*0| 
108 | 


2471 

407 

4401 

I 


i 722 

911 

1036 

1100 


3361 

i 416 ! 


804 
888 

453: 909 
6*7' 944 i 

512 ' 608| 1020 ; 1133 


* In Nymegen und Crauonbiirg uinsteigen. 
** In Cleve umsteigeu. 

• In Oberhaiisen umsteigeu. 


746 


1106 

11 »» 

1283 

IO 6 

1 « 


Schnellzug-Verbindungen zwischen Cöln und Paris. 

ISommerfalirplan 1911. 

(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahn-Direktion CiUn.) 

Pari«—Cöln* 




€01ii 

—Paris 

• 





Cöln Hbf. . 

. ab 

MI 

766 

L.-Z. 

1 

807 

MII 

862 

I-Ill 

910 

MII 

31 * 


MI 

419 

S.-W. 

Mll 

1046 

— 

Düren . . 

* »» 

837 

848 

933 

931 

333 


600 

1134 

_ 

Aachen . . 

• M 

91 * 

923 

1016 

1032 

429 

- 

547 

1210 

— 

Lüttich . . 

• 

1016 

1016 

1132 

610 

_ 

635 

101 

_ 

Jeumont . 

Paris N. . 

Jeumoat 

. au 
. ab 
. an 

. ab 

1240 

102 

400 

1240 

102 

400 

, 0 

'S ® 

0 0 . 

213 

238 

680 

726 

756 

1165 

Ml 

741 

839 

865 

1130 

337 

432 

835 

!l 

MI 

1 416 

Paris N. . 

. an 

— 




— 

1046 

— 

— 

'(35 

i 


Paris N. . 
Erquelinues 
Paris N. . 
Erquelinues 


Lütticli 
Aachen 
Düren 
Cöln . 


ab 

an 

ab 

an 

ab 


Ml I 


1-111 
700 I 
- ;io68i 
760 I 


! Ml MI 


L 


1021 

1030 

1239 

31* 

343 

419 


810 
1106 
Mll 
I>.| 11*3 

- I ißo 

442 
519 
633 


146 

424 

441 

6 ^ 

9 M 

10 ^ 

1101 


L.-Z. 

1 


146 

4*4 

441 

713 

9^9 

1010 

1046 


MI 


6*0 

9 ^ 

1007 

1244 

4 ^ 

467 

540 


Mll 

840 

1247 

[ 


L.-Z. Luxuszug. 


S.-W. Schlafwagen, nur I. Klasse; Zuschlag 14 .— Mk. * ab 1. Juli. 

Pahrprelse COIn—Paria (einschließlich Schnellzugzuschlag.) 


Einfache Fahrt: 
Luxuszug 56.60 Mark 

L Klasse 46.10 „ 

II. „ 29.40 „ 

UI. „ 18.80 „ 


Hin- und Rückfahrt (20 Tage gültig): 
Luxuszug 96.80 Mark 

I. Klasse 69.80 „ 

II. „ 49.- 

III. „ 81.60 „ 






































[fc^*^;iB999 QQQQQQQQ e8a9989^^^^ DEUTSCHLAND 8 006 66 8 68 6 66688 6668666866^01109 

Fahrterleichterungen für die Feste und Ausstellungen in Italien im Jahre 1911. 

Zur Ermnerimg an die Auarafung des Königreichs Italien finden in der Zeit bis 31. Oktober 1911 besondere 
Feierlichkeiten und Ausstellungen in Korn, Turin und Florenz statt. Die Ausstellungen in Florenz dauern bis 31. Juli 1911, 
diejenigen in Itom und Turin bis 31. Oktober 1911. Zur Erleichterung des Besuches der Ausstellungen und Festlichkeiten 
durch deutsche Beisende haben die deutschen Bahnen es übernommen, auf einzelnen bedeutenderen Stationen folgende Aus¬ 
weise für den Bereich der italienischen Staatseisenbahnen auszugeben: 

a) Falirkarten für eine einfache Fahrt 
-zu besonders ermäßigtem Preise von der italienischen Grenzstation nach Born, Turin und Florenz, 

b) Answeiskarten (Tessere) 

sim Preise von 8.66 Mk. das Stück, die ein Anrecht auf verschiedene Vergünstigungen, z. B. auf Ermäßigungen der Ein- 
tantti^reise der Ausstellungen, Museen, Theater usw. geben, 

c) Heftchen (liibretti) 

zum Preise von 0.26 Mk. das Stück, in denen 8 Scheine enthalten sind, von denen jeder zur Lösung einer Fahrkarte für 
einfache Fahrt zu ermäßigtem Preise in Italien berechtigt. Hierbei besteht die Verpflichtung, den ersten Schein zur 
liösung einer Fahrkarte nach Born oder Turin oder Florenz zu benutzen, während die übrigen Scheine zu beliebigen 
Fahrten innerhalb Italiens Verwendung finden können. 

Aus nachstehender Uebersicht geht hervor, welche Fahrkarten für italienische Strecken zum Verkauf auf liegen. 


Von 

nach 

über 

Preise der Fahrkarten 
einfacher Fahrt 

I. 1 II. 1 III. 
Klasse 

Gültig¬ 

keits¬ 

dauer 

Tage 

Anzafil 

der 

Pahrt- 

unter- 

brech- 

ungen 

Ghiasso 

Rom T. 

Mailand — Parma — Sarzana—Livorno—Vada, oder Mai- 

Mk. 

Mk. 

Mk. 





land — Alessandria — Genua — Livorno—Vada, oder Mai- 








land — Bologna — Florenz — Chiusi, oder Mailand — 








Bologna — Falconava — Orte 

29.70 

19.35 

12.50 

10 

3 

r 

Turin P.N. 

Mailand 

12.— 

8.40 

6.45 

6 

1 

» 

Florenz S.M.N. 

Mailand — Bologna — Pistoia, oder Mailand — Bologna — 








Faenza 

20.80 

14.30 

9.25 

8 

2 

Luino 

Born T. 

Novara — Alessandria — Genua — Livorno —Vada 

30.26 

10.80 

12.80 

11 

3 

j» 

Turin 

Novara 

10.25 

7.20 

4.80 

6 

1 

II 

Florenz 

Gallarate — Mailand —Codogno — Piacenza — Bologna — 








Pistoia 

22.20 

15.16 

9.75 

8 

2 

Domodossola 

Born T. 

Arona—Mailand-Voghera —Genua—Pisa-Livorno—Vada 

31.85 

20.65 

13.30 

11 

3 

if 

Turin P. N. 

Arona — Borgomanero — Santbiä 

10.95 

7.70 

6.10 

5 

1 

11 

Florenz S.M.N. 

Arona - Mailand — Bologna— Pistoia, oder Arona-Mai¬ 








land—Bologna—Faenza 

23.40 

15.90 

10.26 

8 

2 


Verkehr mit Ankunft Herne Hill 7.85 vorm., St. Paulas 7.44 vorm., 
Holbom 7.47 vorm., Victoria 7.47 vorm. Diejenigen Reisenden, 
welche eine längere Nachtruhe vorziehen, können an Bord des 
Dampfers bleiben und mit einem späteren Zuge um 8 Uhr vorm, 
von Folkestone abfahren, und zwar nach London Cannon Street 
Station und Charing Cross Station, Ankunft daselbst gegen 
10.16 v'orm. In beiden Richtungen nach und von London rcsp. 
Folkestone läuft in den Anschlusszügen an die Nachtdampfer 
ein Pullmann - Speisewagen, in welchem ab London Diner 
und ab Folkestone Frühstück serviert wird. Für die Benutzung 
wird ausser den Preisen für Speisen und Getränke ein kleiner 
Zuschlag erhoben. Die bisher Uber Vlissingen-Queenboro' 
gültigen Fahrscheinhefte sind ohne weiteres auch gültig über 
die Route Vlissingen-Folkestone. Die Verbindungen von und 
nach England mit dem: Tagesdampfer Uber Vlissingen-Queen¬ 
boro' sind geblieben; die Abfahrtszeit von London Victoria- 
Station ist 10.00 vorm, anstatt wie bisher 9.45 vorm, und von 
Holbom Station 9.55 vorm. Eine neue direkte Verbindung 
zwischen dem Norden Englands und dem Festlande ist im 
Anschluss an den VUssinger Tagesdampfer sowohl wie auch 
an den Nachtdampfer hergestellt worden. Ein durchlaufender 
Wagon nach Birmingham via Victoria-Station fährt sowohl von 
Folkestone wie auch von Queenboro', ebenfalls in umgekehrter 
Richtung. 

Im Verkehr mit den ostfriesischen Inseln 
Norderney-Juist und Wangerooge treten, nach einer 
Bekanntmachung der Kgl. Eisenbahndirektion Münster, ifUr die 
diesjährige Reisezeit infolge Einrichtung neuer Dampferlinien 
saehrfache, schon länger gewünschte Erleichterungen ein. Gleich¬ 
zeitig erfolgt im direkten Verkehr eine Erhöhung der Fahrpreise. 
Man wird künftig von Berlin, Hamburg, Leipzig, Erfurt, Magde¬ 
burg,^Hannover usw.^80wie von den hintergelegenen Stationen 
aus nach und von Norderney auch über Wangerooge und von 
den westdeutschen Stationen nach und von Wangerooge auch 
Über Norderney fahren können. Im gesamten Verkehr mit Juist 
können ferner die Reisenden auch den neuen Seeweg über 
Bmden Aussenhafen benutzen. Gleichzeitig werden die Fahr¬ 
preise^ jedoch nur für den direkten Verkehr nach und von 
Juist, um je 0.75 Hk« in allen drei Klassen und nach und von 



Norderney um je i Mk. ebenfalls in allen Klassen erhöht. 
Diese Preisänderungen sind im Verkehr mit Juist auf eine Er¬ 
höhung der Inselbahngebühr und bei Norderney auf eine 
Erhöhung des erst kürzlich auf Betreiben der neuen Dampf- 
schiffsreederci Frisia herabgesetzten Fahrpreises für die Schiffs¬ 
strecke Norddeich —Norderney zurückzuführen. Im Ortsverkehr 
mit Norderney bleiben die bisherigen niedrigen Fahrpreise vor¬ 
läufig bestehen. Die Reedereien Norden und Frisia, die die 
Schiffsstrecke Norddeich—Norderney gemeinsam bedienen, 
halten sich zur Erhebung des höheren Fahrpreises im Fern¬ 
verkehr um deswillen für berechtigt, weil die Bereithaltung der 
Betriebsmittel zur Bedienung der wesentlichen, im Interesse des 
durchgehenden Verkehrs geschaffenen zahlreichen Dampfer- 
anschlüsse an alle direkten Züge ganz erhebliche, durch die 
bisherigen Preise nicht gedeckte Kosten verursacht. 

Luftschiffahrt. 

Prinz Heinrich als Flieger. Prinz Heinrich von 
Preussen unternahm auf dem Uebungsplatz in Darmstadt zwei 
längere Flüge auf der Euler-Flugmaschine, die der Prinz, 
obgleich er seit seiner Pilotenprüfung vor fünf Monaten nicht 
mehr geflogen war, mit grosser Sicherheit führte. Die Maschine, 
die der Prinz fuhr, ist von dem Einjahrig-Freiwilligen Reichardt 
bei seinem Fluge von Darmstadt nach Frankfurt a. M. zur Be¬ 
gleitung des Zeppelin-Luftschiffes benutzt worden. 

Für den Zuverlässigkeitsflug durch die ober¬ 
rheinische Tiefebene hat das Kriegsministerium einen 
Barzuschuss von 5000 Mk. geleistet und in Aussicht gestellt, die 
Maschine des Siegers unter Umständen für 25000 Mk. anzu¬ 
kaufen. Die für das Unternehmen erforderliche Geldsumme, 
die sich lediglich aus Barleistungen, nicht aus Bürgschafts¬ 
zeichnungen, zusammensetzt, ist vollkommen vorhanden. 

Automobilwesen. 

Der Meldeschluss für die Prinz-Heinrich-Fahrt 
igii, die bekanntlich vom Kaiserlichen Automobil-Klub und dem 
Royal Automobil Club gemeinsam veranstaltet wird und haupt- 



110 ■ BQQ0(KiQQQ0Q88a0QGQ8Q089Q308 ai DEUTSCHLAND 16666^96868 8000086 6 8 6 6 6 6 661 Nr. 2 


sächlich als gesellschaftliche Tourenfahrt gedacht ist, ergab in 
Deutschland ein durchaus befriedigendes Ergebnis, da mehr als 
die geforderten 50 Teilnehmer Meldungen abgegeben haben. 
Es muss nun zunächst der Meldeschluss in London abgewartet 
werden. Falls dort weniger als 50 Meldungen abgegeben werden 
sollten, müsste auch die Zahl der deutschen Teilnehmer ver* 
ringert werden. Die endg^Ultige Auswahl unter den Gemeldeten 
für die Teilnahme an der Fahrt wird noch erfolgen. 

Ueber das andauernde Defizit der deutschen Auto¬ 
mobilsteuer wird in der neuesten Nummer der ,.Zeitschrift 
des Mitteleuropäischen Motorwagen-Vereins“ berichtet; In dem 
am 31. März abgeschlossenen Fiskaljahre 1910 ii hat die Istein- 
nahme aus der deutschen Automobilsteuer, deren Erträgnis bei 
ihrer Einführung seitens der Reichshnanzbehörde auf Mill. 
Mark berechnet wurde, nur 2810000 Mark betragen. Während 
ihres fünfjährigen Bestehens brachte diese Steuer insgesamt 
9^/4 Mill. Mark ein, während behördlicherseits mit mindestens 
1772 Mill. Mark gerechnet worden war. 

Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

Die dritte „Breslauer Festwoche“ wird vom Verein 
zur Hebung des Fremdenverkehrs dieses Jahr in den 
Tagen vom 18. bis 25. Juni in Breslau veranstaltet. Sport und 
Spiel werden wieder im Vordergrund stehen. Die Ehrengaben 
werden in Breslau angefertigt, um den heimischen Kunstfleiss 
zu unterstützen. Zwei Festkonzerte und dramatische Veran¬ 
staltungen werden auf der Festwiese stattfinden. Geplant werden 
ferner eine naturwissenschaftliche und eine volkskundliche 
Ausstellung. 

Das 87. Niederrheinische Musik -Fest, dessen 
Programm in der vorliegenden Nummer veröffentlicht wird, findet 
in den Püngsttagen am 4., 5. und 6. Juni in Düsseldorf 
statt unter Leitung von Herrn Professor Karl P a n z n e r. Erste 
Solisten haben ihre Mitwirkung zugesagt. Namen wie Gertrud 
Förstel von der Wiener Hofoper, Maria Philippi aus Basel, 
Felix Senius aus Berlin und Paul Bender von der Münchener 
Hofoper bürgen für hervorragende Leistungen. Der Chor, durch 
auswärtige Kräfte (Aachen, Barmen u. a.) verstärkt, wird 600 
Sängerinnen und Sänger zählen, das Orchester 135 Mitwirkende 
aufweisen. Bestellungen auf Dauerkarten nimmt A. Mo des, 
Düsseldorf^ Alleestrasse 43, entgegen. Aus Anlass des Musik¬ 
festes wird auf Anregung des Düsseldorfer Verkehrs- 
Vereins ein Sonderzug von Holland nach der rheinischen 
Kunst- und Gartenstadt eingelegt. Dieser Sonderzug fährt 
von Amsterdam über Rotterdam, Utrecht, Arnheim, Emmerich, 
Düsseldorf und bietet wesentliche Fahrpreisermässigungen. 


Ausstellungen. 

Besuch der Reiseausstellung in Berlin durch den 
Minister der öffentlichen Arbeiten. 

Am Montag vormittag nahm der Minister der öffentlichen 
Arbeiten Exzellenz vonBreitenbachin Begleitung des Unter¬ 
staatssekretärs Stieger und des Ministerialdirektors Behrend 
eine eingehende Besichtigung der Internationalen Ausstellung 
für Reise- und Fremdenverkehr vor. Der Minister erschien 
bereits vor der üblichen Eröffnungszeit in der Ausstellung und 
dehnte seinen Besuch weit über die für diesen Zweck vor¬ 
gesehene Zeit aus. Er bezeichnete die Ausstellung als eine der 
hervorragendsten, die Berlin seit langer Zeit gesehen, und ver¬ 
weilte mit grossem Interesse bei den Ausstellungsobjekten, die 
mit seinem Ressort in irgendeinem Zusammenhänge stehen. 
Auch die Ausstellung des Bundes Deutscher Ver¬ 
kehrs-Vereine und die Abteilung des Rheinischen Verkehrs- 
Vereins wurden eingehend besichtigt. Hier Hess sich Exzellenz 
von Breitenbach durch den Ausstellungsdirektor, Herrn Schlieper, 
den Vorsteher der Bundes-Auskunftstelle, Herrn Hupfeid, vor¬ 
stellen. Der Minister äusserte sich mit anerkennenden Worten 
über die Bundes-Ausstellunir, wie auch über die auf liegende 
Bundeszeitschrift „Deutschland“, deren Amerika-Nummer 
besonderes Interesse fand. Zum Schluss kam der Minister auf 
die Tätigkeit des Deuts eben Verkehrs-Bureaus in 
Brüssel zu sprechen, dessen grosser Erfolg ihn sehr gefreut 
habe. — Sehr anerkennend äusserte sich Minister von Breitenbach 
auch über das Entgegenkommen des Präsidiums, den Schul¬ 
kindern Berlins die Reiseausstellung zu erleichterten Be¬ 
dingungen zugänglich zu machen. 


Die Rheinlande auf der Internationalen Aus¬ 
stellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin*). 

Als im Sommer 1910 die genauen Pläne für die vom i. April 
bis 20. Juni 1911 in Berlin in Aussicht genommene Internationale 
Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr veröffentlicht wurden, 
erkannten die rheinischen Verkehrsinteressenten alsbald, dass 
die Rheinlande bei dieser Gelegenheit nicht Zurückbleiben 
dürften. Stand es doch fest, dass andere Fremdenverkehrs¬ 
gebiete des In- und Auslandes die grössten Anstreng^ungen 
machen würden, um ihre Vorzüge zur Geltung zu bringen, und 
dass von ihnen staatliche Kräfte und Geldmittel in erheblichem 
Umfange zur Verwendung gelangen sollten. Eine gemeinsame 
Ausstellung der Rheinlande konnte allerdings nur aus privater 
Initiative hervorgehen, um so mehr galt es, alle Kräfte zusammen¬ 
zufassen, um etwas Würdiges zu schaffen. Der Rheinische 
Verkehrs - Verein, der die Verkehrsinteressen der gesamten 
Rheinlande vom Neckar bis zur holländischen Grenze vertritt, 
nahm die Ausführung des Planes in die Hand. In mehreren 
von ihm einberufenen Versammlungen zahlreicher Vertreter 
rheinischer Stadt-, Kur-, Gemeinde-, Kreisverwaltungen und 
Verkehrs-Vereine wurden die Grundzüge des Unternehmens fest¬ 
gelegt. Es herrschte volle Uebereinstimmung darüber, dass der 
Zweck der rheinischen Ausstellung nur dann erreicht werden 
könne, wenn sie nach künstlerischen Gesichtspunkten einheit¬ 
lich ausgestaltet würde. Sie dürfe sich nicht als eine blosse 
Sammlung von Führern, Prospekten, Plakaten oder Reklame¬ 
bildern in willkürlicher Auswahl und Anordnung darstellen, 
sondern sie müsse die landschaftlichen Schönheiten und sonstigen 
Vorzüge der Rheinlande im allgemeinen widerspiegeln und 
vor allem einen künstlerisch befriedigenden Gesamteindruck 
hervorrufen. Nur auf diese Weise könne die Aufmerksamkeit 
und Reiselust der Beschauer geweckt werden, und das werde 
auch dem einzelnen grösseren Vorteil bringen, als der doch 
wohl meist vergebliche Versuch, nur durch Anpreisung lokaler 
Vorzüge zu wirken. 

Für die Beschaffung der Geldmittel traten die rheinischen 
Intelessenten in dankenswertester Weise ein. Nicht nur die 
meisten Städte, Gemeinden, Landkreise und Verkehrs-Vereine 
zeichneten erhebliche Summen, sondern auch die Provinzial¬ 
verwaltungen der Rheinprovinz und von Nassau wie auch die Köln- 
Düsseldorfer Dampfschiffahrts-Gesellschaft, einzelne Privatbahnen 
und Privatpersonen steuerten nach Kräften bei. Die finanzielle 
Möglichkeit der Ausführung des Planes war dadurch gesichert. 

Unter Mitwirkung eines künstlerischen Beirats wurde die 
Errichtung einer Ausstellungshalle nach den Plänen des 
Architekten C. Reich in Coblenz beschlossen. Es musste hierbei 
darauf Rücksich’ genommen werden, dass der zur Verfügung 
stehende Platz nur 75 Quadratmeter Grundfläche umfasst, und 
dass er unter der das ganze Innere des Berliner Ausstellungs¬ 
gebäudes am Zoologischen Garten umziehenden Galerie gelegen 
ist. Dieser Raum hat nur eine sehr mangelhafte Tagesbeleuch¬ 
tung; es war daher notwendig, künstliche Beleuchtung durch 
elektrische Lampen einzuführen. Auch konnte die ganze Wand¬ 
fläche nicht ausgenutzt werden, weil auf feuerpolizeiliche An¬ 
ordnung hin in der Hauptwand zwei breite Ausgänge geschaffen 
werden mussten. Unter Berücksichtigung dieser unliebsamen 
aber unvermeidlichen Beschränkungen ist etwas durchaus 
Würdiges und künstlerisch Wirkungsvolles geschaffen worden. 
Die Ausstellung bildet eine vorne offene, dreischiffige Halle, 
deren Mittelschiff eine etwa 4 m hohe, kassettierte Decke auf¬ 
weist. Die Decke wird von sechs x Quadratmeter im Grundriss 
messenden Pfeilern getragen. Den wirkungsvollen Abschluss 
des Hauptschiffes bildet ein 3 m hohes Oelgemälde der Loreley 
(von W. Straube), auch die Vorderseite der beiden Eingangs¬ 
pfeiler sind mit zwei grossen Gemälden (von Heine), Buig 
Rheinstein und Schlofss Eltz darstellend, geschmückt. Diese drei 
Bilder sind eigens für die Ausstellung angefertigt worden. Ein 
breiter roter Teppich durchzieht die Haupthalle. An den Seiten¬ 
wänden sind zwei je 6 m lange Tische angebracht, auf denen 
das gesamte Propagandamaterial der Vereinsmitglieder (Führer, 
Prospekte, Karten usw.) ausliegt. Es wird von einer Beamtin, die 
auch Auskunft über rheinische Verkehrsverhältnisse gibt, beauf¬ 
sichtigt und verteilt bezw. gegen sehr mässige Gebühr verkauft. 

Für die Ausschmückung der - einschliesslich der Pfeiler — 
etwa 95 Quadratmeter umfassenden Wandtlächen wurden die 
Vereinsmitglieder eingeladen, Städte- und Landschaftsbilder von 
künstlerischem Wert und nicht zu grossem Umfange einzusenden. 
Es ging denn auch ein sehr zahlreiches Material ein, das, von 
dem künstlerischen Beirat des Unternehmens gesichtet und 
wirksam verteilt, an den Wänden aufgehängt wurde. Zu be¬ 
dauern ist nur, dass wenige grosse Städte, z. B. Köln und 


♦) Vcrgl. auch den Aufsatz von Jos. Buchhorn, Seite 91. und die 
Illustration auf Seite 9r>. 



gQ8 9 9999 Q(«MQOQC XB e 9(»QC» 6ii DEUTSCHLAND @Beee^ ^ 3 o o0O0GO ö 08eeee 8 eeee^ iii 


Nr. 2 

Fnmkliirt tu M., sich ganz femgehalten haben, und dass das 
rein LrandschafÜiche gegenüber den Architekturbildern et^as zu 
sehr aurücktritt Die Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrts-Gesell- 
sdiall sandte ein 3 m grosses Modell einer ihrer prächtigen 
Salondaxnpfer, das auf einem der Tische Platz fand. 

Alles in allem genommen ist der Eindruck der rheinischen 
Ausstellung ein g^ter und künstlerisch ansprechender; sie 
dürfte ihren Zweck durchaus erfüllen. Man tut ihr freilich 
Unrecht, wenn man sie mit den grossen Landesausstellungen 
Oesterreichs, der Schweiz, Schwedens, Norwegens, Eisass- 
Lothringens, Sachsens usw. in Parallele stellt. Denn diese sind 
von Staats wegen, mit staatlichen Beamten und Künstlern und 
mit Aufwendung grosser Staatsmittel errichtet. Die Ausstellung 
der Rheinlande ist lediglich ein privates, durch freiwillige Bei¬ 
träge geschaffenes Unternehmen, das aber von dem Gemeinsinn 
aUer Beteiligten ein rühmenswertes Zeugnis ableg^ und zur Ver¬ 
herrlichung ihrer schönen rheinischen Heim at wirkungsvoll beiträg^. 

Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911. 

Eröffnung der Internationalen Hygiene-Aus¬ 
stellung. Am 6. Mai fand in Gegenwart des Königs, der 
Ifitglieder des Königshauses, der Spitzen der Behörden, der 
Generalität, des diplomatischen Korps und etwa 3000 geladener 
Ehrengäste die feierliche Eröffnung der Internationalen Hygiene- 
Ausstellung Dresden igii statt. Um 11 Uhr erschien der König 
Friedrich August vor dem Portaleingang der Ausstellung und 
wurde von Geheimrat L i n g n e r und dem Präsidenten, Prof. 
Renk, in den grossen Festsaal der Ausstellung geleitet. Ge¬ 
heimrat Ling^er hielt darauf die Festrede, in der er in längeren 
Ausführungen einen geschichtlichen Rückblick Uber die Ent¬ 
stehung der Hygiene-Ausstellung gab und des weiteren die Be¬ 
deutung des gewaltigen, dem Wohle der Menschheit gewidmeten 
Unternehmens hervorhob. Nach einem vom Redner zum Schluss 
ausgebrachten Hoch auf den Monarchen erklärte Staatsminister 
Graf Vitztaum v. Eckstaedt die Ausstellung im Namen des 
Königs für eröffnet. Bei dem nunmehr folgenden Rundgang 
besichtigten der König und die übrigen Herrschaften mit leb¬ 
haftem Interesse die ausgestellten Gegenstände, über deren 
Vielseitigkeit hier und da Worte höchster Anerkennung laut 
wurden. Nach Beendigung des Rundganges begab sich der 
König in das Residenzschloss zurück, wo mittags anläss¬ 
lich der Eröffnung der Ausstellung eine Frühstückstafel statt¬ 
fand, zu der zahlreiche Einladungen ergangen waren. 

Verbesserte Frauenkleidung auf derHygiene- 
Ausstellung. Seit Jahren bestehen Vereine für Verbesserung 
der Frauenkleidimg in den Städten Berlin, Bonn, Bremen, 
Breslau, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld-Barmen, Essen, Flens¬ 
burg, Görlitz, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, 
Krefeld, Leipzig, München, Pforzheim, Sonderburg und Stutt¬ 
gart. Sie verfolgen den Zweck, das Publikum über die Schädlich¬ 
keit der Üblichen, fast durchweg gesundheitswidrigen Frauen¬ 
tracht aufzuklären und für eine verbesserte, auf hygienischer 
Grundlage aufgebaute Kleidung zu gewinnen. Durch unermüdliche 
praktische Arbeit ist es gelungen, die verbesserte Tracht von 
allen ihr anfangs anhaftenden Mängeln zu befreien und voll¬ 
wertigen Ersatz für die alte schädliche Kleidung zu schaffen, 
so dass es jetzt jeder Frau möglich ist, die ihr besonders zu¬ 
sagende gesundheitlich einwandfreie Kleidung zu tragen. Auf 
wie verschiedene Weise dies möglich ist, wird durch die 
Beteiligung des Deutschen Verbandes für Verbesserung der 
Frauenkleidung auf der Internationalen Hygiene - Ausstellung 
Dresden zgii gezeigt werden. Der Verband, der die einzelnen 
Vereine und Gauverbände Deutschlands umschliesst, wird 
hygienisch einwandfreie Unter- und Oberkleidung in den 
Gruppen Kleidung, Schulhygiene, Sport, Kranken- und Säuglings- 
füraorge, sowie Berufshygiene ausstellen und seinen Bestre¬ 
bungen ausserdem durch aufklärende Tafeln, Bildersammlungen 
und dergleichen mehr Ausdruck verleihen. Der Verband hofft 
durch diese Ausstellung die Beachtung und Unterstützung auch 
der Kreise zu gewinnen, die bisher diesem wichtigen Gebiete 
noch wenig Interesse entgegengebracht haben. 

Turiner Ausstellung. 

Als erste Abteilung der Internationalen Industrie-Ausstellung 
wurde am x. Mai die deutsche eröffnet. Bei dem Festmahl im 
Deutschen Hause, dem die italienischen Behörden und die Führer 
von Handel und Industrie sowie fast alle fremdländischen 
Generalkommissare und viele Vertreter der deutschen und der 
italienischen Presse beiwohnten, brachte der deutsche Bot¬ 
schafter V. Jagow das Hoch auf die Souveräne der beiden ver¬ 
bündeten Nationen aus. Der deutsche Generalkommissar 
Geheimrat Busley begrüsste die Gäste im Namen der Ständigen 
Ausstellungskommission für die deutsche Industrie, welche die 
dsutache Abteilung organisiert hat, und des Deutschen Komitees. 
Dttmuf sprachen im Namen der italienischen Ausstellungs¬ 


leitung Senator Frola und Vizepräsident Bianchi auf die deutsche 
Tatkraft und Pünktlichkeit, der auch diesmal das rechtzeitige Fertig¬ 
werden der deutschen Abteilung zu danken sei. Der französische 
Generalkommissar Derville sprach auf die „exactitude allemande^S 
die die Ausstellung zur Stunde fertiggestellt habe. Der Bürger¬ 
meister von Turin, Senator Rossi, brachte unter begeistertem 
Beifall einen Trinkspruch in deutscher Sprache auf die deutsche 
Arbeit und das deutsche Volk aus. Ferner sprach Geheimrat 
Ravene im Namen des verhinderten Präsidenten der Ständigen 
Ausstellungskommission für die deutsche Industrie, Geheimrats 
Goldberger, auf die deutschen Aussteller, für die Generaldirektor 
Dr. Berliner antwortete. Die ganze Feier machte den nach¬ 
haltigsten Eindruck. — Unerwartet besichtigte der König, der 
ursprünglich erst im Sommer die Ausstellung im einzelnen be¬ 
suchen wollte, am Eröffnungstage nachmittags mit der Königin 
und grossem Gefolge die deutsche Abteilung. 

Der Staatssekretär des Innern hat dem Präsidium 
der „Ständigen Ausstellungskommission für die deutsche In- 
dustrie‘* und dem Präsidium des von ihr gebildeten Deutschen 
Komitees für die Turiner Industrie- und Gewerbe- 
Ausstellung den Dank und Glückwunsch der Reichsverwaltung 
ausgesprochen. 

Deutschland und das Ausland. 

Die englisch - deutsche Freundschaftsgesell- 
schaft, zu der sich die verschiedenen englisch - deutschen 
Freundschaftskomitees zusammengeschlossen haben, hielt in 
London im Mansion House unter dem Vorsitz des Lord 
Mayors ihre erste Sitzung ab. Der Lord Mayor gab der Hoffnung 
Ausdruck, dass die gegenwärtige Versammlung einen neuen 
Schritt bedeute auf dem Wege zu engerer Freundschaft zwischen 
England und Deutschland. Herzog Argyll betonte, dass das 
Streben nach friedlichen Beziehungen zu einem Lande eine 
freundschaftliche Gesinnung gegenüber anderen Nationen nicht 
ausschliesse. Der Redner trat mit Wärme dafür ein, dass die 
alte Freundschaft mit Deutschland, die zu Zeiten der Väter 
und Grossväter bestanden habe, ungeschwächt erhalten bleibe. 
Sir Frank Lascelles gab zu, dass zwischen beiden Ländern noch 
immer ein beträchtliches Mass von Misstrauen bestehe, das zu 
einem guten Teil auf Missverständnissen beruhe. Er meinte, 
dass häufigerer Verkehr und ein besseres Kennenlernen das 
beste Mittel sei, um die Missverständnisse zu beseitigen. Lord 
Avebury führte aus, ein Krieg zwischen England und Deutsch¬ 
land würde für beide Teile, wenn nicht den Ruin, so doch auf 
alle Fälle ein grosses Unglück bedeuten. Mit alleiniger Aus¬ 
nahme Indiens sei Deutschland Englands bester Abnehmer, der 
Handelsverkehr zwischen beiden Ländern sei enorm, und 
wenn er durch die hohen deutschen Zölle etwas beein¬ 
trächtigt werde, mehr zum Schaden Deutschlands als Englands, 
so seien die deutschen Zollsätze schliesslich doch noch nicht 
halb so hoch als die der Vereinigten Staaten. Man behaupte, 
Deutschland begehre mehr Kolonien. Welche von den Kolonien 
Grossbritanniens könnte es aber annektieren? Etwa Kanada 
oder Australien, Südafrika oder Indien? Man verweise ferner 
auf das Streben Deutschlands nach Erweiterung seines Handels; 
aber ein Krieg mit England, wie er auch enden möchte, würde 
den deutschen Handel auf Jahre hinaus lahmlegen. England 
habe mit Deutschland die Rasse, die Religion und eine Fülle 
von Interessen gemeinsam, die beiden Länder seien aneinander 
geknüpft durch die Bande des Blutes, durch Jahrhunderte des 
Friedens und eine tausendjährige Freundschaft. Im gleichen 
Sinne sprachen sich die Lords Aberdeen, Brassey, der Bishop 
of Ripon und Sir George Reid aus. Von der Versammlung 
wurden Herzog Argyll zum Ehrenpräsidenten, Lord Avebury 
und Sir Frank Lascelles zu Präsidenten der Gesellschaft gewählt. 


Bäder und Sommerfrischen. 

Verband Deutscher Nordseebäder. Der Verband 
Deutscher Nordseebäder gibt soeben den Führer von igzi heraus. 
Als umfassender und objektiver Bericht, sowohl über die 
Heilkraft der Nordsee, wie über die Reise, die einzelnen Ver¬ 
kehrsanstalten und Bäder, empfiehlt er sich allen alten und 
neuen Freunden unserer herrlichen Nordsee. Er ist in den 
zahlreichen in- und ausländischen Auskunftstellen des Ver¬ 
bandes sowie direkt vom Vorsitzenden des Verbandes Deutscher 
Nordseebäder in Helgoland zum Preise von ao Pfennig zu haben. 

„Sylt, die Königin der Nordsee**. Ein Führer durch 
die Nordseebäder Westerland und Wenningstedt auf der Insel 
Sylt. Soeben ist dieses von der städtischen Badever¬ 
waltung in Westerland in farbenprächtiger geschmackvoller 
Ausstattung herausgegebene Büchlein erschienen, das in seiner 
Vollständigkeit und Uebersichtlichkeit sowie reicher Illustration 
einem jeden Besucher der herrlichen grössten deutschen Nord- 



112 IB Q Q QOQOQeQQQeOÖQeQ e QQQQQOQQd l DEUTSCHLAND BB O OOO0O0 C O O e0O OOOOg0Oe0QWl ) Nr. 2 


seeinsel ein wirklicher Führer und Ratgeber sein und g^ute 
Dienste leisten wird. Aber auch jedem anderen gibt die 
Broschüre ein interessantes Bild vom Badeleben an der Nord¬ 
see, und allen den vielen, die früher schon einmal diese 
nordische Perle besucht haben, wird es eine angenehme Er¬ 
innerung an schöne Tage sein. Der Führer wird kostenlos 
von der Badeverwaltung an Interessenten abgegeben. 

Nordseebad Borkum. Illustrierter Führer mit Orts¬ 
plan und Inselkarte. (Jahrgang 1911. Expedition durch W. 
Schwalbes Buchhandlung in Emden.) Alljährlich gibt die Bor- 
kumer Badedirektion diesen handlichen Führer, der kosten¬ 
los verabfolgt wird, neu heraus; der diesjährige ist soeben 
erschienen. Er enthält in gedrängter und übersichtlicher Form 
alles Wissenswerte über das Bad und die Insel, wie auch Rat¬ 
schläge für die Reise, und kann allen, die zum Zweck der 
Orientierung über eines unserer bedeutendsten Nordseebäder 
etwas näheres erfahren wollen, bestens empfohlen werden. Das 
reich illustrierte und elegant ausgestattete 72 Seiten starke Heft 
erhebt sich weit über die landläufigen Badeprospekte; unter 
anderm wird in dem sehr lesenswerten Kapitel „Seeluft und 
Seebad** die Bedeutung der Nordseebäder als klimatische Kur- 
und Badeorte auf wissenschaftlicher Basis eingehend be¬ 
gründet. Von den Neueinrichtungen für die Kiirzeit 1911 verdient 
besonders erwähnt zu werden die grossartige Wandelhalle und 
Promenade am Strand, deren mittlerer, wesentlichster Teil mit 
überdachter Halle, Erfrischungsraum, Musikpavillon und Kon2ert- 
platz und zwei mächtigen zum Strande hinabfUhrenden Frei¬ 
treppen zum Sommer fertiggestellt sein wird. Die gewaltige 
Anlage, deren Gesamtkosten auf über eine Viertelmillion sich 
beziffern werden, ist ein Bauwerk, das einzig in seiner Art da¬ 
steht und den bevorzugtesten Mittelpunkt des Badelebens in 
unmittelbarer Nähe des Meeres bilden wird. Im Vorwort wird 
darauf aufmerksam gemacht, dass der Anfang der Saison, 
speziell der Monat Juni, sich in hervorragendem Masse zu 
einem Aufenthalt an der Nordsee eignet; ähnliches gilt für die 
Herbstmonate. 

Bad Harzburg, Gebirgsluftkurort und Solbad. 
Unter diesem Titel ist vom Herzogi. Badekommissariat der 
diesjährige Führer herausgegeben worden, der sich, wie alljähr¬ 
lich, wieder durch hervorragend hübsche Ausstattung auszeichnet. 
Besonders künstlerisch wirken die in Kupferstichart gehaltenen 
zahlreichen Bilder; sie geben im Verein mit dem umfassenden 
Text einen anschaulichen Begriff von dem lieblichen Badeort, 
der in glücklichem Gemisch mit der herben Schönheit des Harzes 
alle Wahrzeichen des vornehmen Kurortes und zeitgemässen 
Solbades in sich vereint. Eine wertvolle Ergänzung des 
hübschen Führers bildet das amtliche Wohnungsverzeichnis; 
es gibt Auskunft über sämtliche Preise für Vor-, Haupt- und 
Nachsaison. Beide Bücher werden zusammen mit einem Stadt¬ 
plan an unsere Leser vom Badekommissariat in Bad Harzburg 
sowie von der Auskunftstelle der „Deutschland** verabfolgt. 

Bad Münster am Stein. Mit dem i. Mai hat die Kur¬ 
zeit begonnen. Ein bedeutend grösserer Zuzug von Fremden 
ist zu bemerken und wohl auf die überaus günstigen Heilerfolge 
durch natürliche Radiumbäder und Inhalationen der letzten 
Jahre zurückzuführen. Am i. Juni wird das neuerbaute Brunnen- 
und Badhaus im vollen Umfang in Betrieb genommen. 

Bad Pyrmont. Ein Zeichen von sehr gutem Einver¬ 
nehmen zwischen der Fürstl. Brunnendirektion und der hiesigen 
Einwohnerschaft ist das Zustandekommen des Wohnungs¬ 


nachweises, den der Pyrmonter Kurverein in diesem Jahr ein¬ 
richtet. Die Brunnendirektion hat ihm dazu ein schönes ge¬ 
räumiges Ladenlokal in bester Lage im Kurhaus neben dem 
Eingang zum Fürstl. Kurhotel bereitwilligst kostenlos zur Ver¬ 
fügung gestellt, so dass diese Vermittlung von den Kurgästen 
in grösster Bequemlichkeit benutzt werden kann. Da an der 
gleichen Stelle sich in Zukunft ein internationales Reise- und 
Verkehrsbureau der Hamburg-Amerika Linie befinden wird, in 
dem Reise-Auskünfte erteilt, Eisenbahnfahrkarten-Verkauf, Geld¬ 
wechsel, Gepäckbesorgung usw. betrieben werden, so hat unser 
Badeort für die kommende Saison eine recht schätzbare Ver¬ 
kehrsbequemlichkeit mehr erhalten. — Der musikalische Teil 
des Vergnügungsprogramms für die diesjährige Kurzeit ver¬ 
spricht besonders vielseitig zu werden. Wie schon früher be¬ 
kannt geworden ist, hat die Fürstliche Brunnendirektion als 
Kurorchester das Berliner Blüthnerorchester engagiert, und man 
darf somit eine recht einheitlich sich gebende Kunstleistung 
erwarten. Die Leitung des Orchesters wird auch in diesem 
Jahr von dem Kapellmeister Fritz Busch ausgeführt, der am 
7. Mai sein Amt antrilt. Vorgesehen sind in der Saison in 
jedem Monat je ein grosses Sinfoniekonzert. Diese Konzerte 
sind jeweils als Musikfeste gedacht; so ist für den Monat Juli ein 
Brahmsfest mit einer nachfolgenden Matinee, ein Bach-Reger- 
Fest für den Monat August vorgemerkt. Wie man hört, steht 
die Brunnendirektion auch mit Siegfried Wagner in Unterhand¬ 
lung, um ihn zur Leitung eines Richard-Wagner-Festes zu 
gewinnen. 

Die Saison 1910 in Badenweiler. Die Grossh. Bade¬ 
anstaltenkommission und die Kurkommission veröffentlichten 
dieser Tage den Jahresbericht für 1910. Ihm ist vor allem die 
erfreuliche Tatsache zu entnehmen, dass der aufstrebende Kur¬ 
ort auch in dem an teilweiser Ungunst der Witterung seinem 
Vorgänger nichts nachgebenden Sommer 1910 wieder eine be¬ 
deutsame Steigerung seiner Besuchsziffer aufzuweisen hat. 
Und wie sich diese Aufwärtsbewegung gestaltete, ist einer 
übersichtlichen Frequenzkurve am Schlüsse des. Berichts zu 
entnehmen, die dem Betrachter überdies zeigt, dass in den 
Jahren 1905 10, also in der Zeit, in welcher das Verwaltungs¬ 
wesen der allgemeinen Kurortsinteressen neue Formen erhielt, 
diese Aufwärtsbewegung eine fortlaufende und bedeutende war. 
So hatte Badenweiler denn im vergangenen Sommer nahezu 
8000 Gäste bei sich sehen können gegen 4000 im Jahre 1901. 
Hier sprechen die Zahlen eine bedeutende Sprache. Von den 
8000 Besuchern des Ortes waren Deutsche 5852, Russen 645, 
Schweizer 436, Franzosen 370, Amerikaner 189, Holländer 121, 
Engländer 121, Belgier 45, Luxemburger 15, Italiener 35, Oester- 
reicher 30, Schweden, Norweger und Dänen 28, Sonstige Europäer 
21, Afrikaner 13, Asiaten 9. Die Besucher sind also zu ein Viertel 
Ausländer und von diesen sind die Russen in der Mehrzahl. Auch 
in dieser Saison war nicht zu verkennen, dass gerade das Früh¬ 
jahr wieder gut ansetzte. Badenweiler hatte seinen Ruf als vortreff¬ 
liche Uebergangsstation zu wahren, ja zu vermehren gewusst. 

Die Sommerfrischen im Gebiete des Vereins für Mosel, 
Hochwald und Hunsrück sind übersichtlich in einem Ver¬ 
zeichnis zusammengestellt, das soeben im Verlag von J. Lintz 
(Trier) erschienen und durch alle Buchhandlungen für 30 Pfg. 
erhältlich ist. Die Angaben sind kurz und schematisch, gleich¬ 
wohl aber erschöpfend; bei den meisten Orten ist die Höhe 
angegeben. Das Heftchen belehrt uns darüber, dass man 
zwischen Mosel, Rhein, Nahe und Saar sehr billig leben kann. 
Einzelne Häuser geben schon zu 2.50 Mk. volle Pension. 


/ A 

BERUM HRMBÜRQ 

HOTEL ESPLAHADE 

Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 







m DEUTSCHLAND 


Verschiedenes. 


Der Kaiser und der Travellers Club. Der 
kÜrjdich nach den gleichnamigen Londoner und Pariser Vor¬ 
bildern gegründete Travellers Club, der in dem mehr und mehr 
aur kosmopolitischen Weltstadt sich entwickelnden Berlin einen 
internationalen Rendezvousplatz der fashionablen Kreise bilden 
will, hatte in seinem vornehmen Heim an der Moltkestrasse 
eine kleine Festlichkeit, in deren Verlauf folgendes Telegramm 
des Kaisers zur Verlesung gelangte: 

„Für das mir anlässlich der Eröffnungsfeier des Travellers 
Clubs gesandte Begrüssungstelegramm spreche ich den Mit¬ 
gliedern meinen kaiserlichen Dank aus. Möge der Club seine 
Zwecke in vollem Masse erfüllen. Wilhelm, I. R.“ 

Der Vizepräsident des Klubs, Graf v. Görtz, der mit dem 
Vorrstandsmitglied Herrn Schräder die Honneurs des Abends 
machte, brachte während des Festmahls in begeisterten Worten 
ein Hoch auf den Kaiser, den Schutzherrn des Friedens und 
der völkerverbindenden Freundschaft, aus. 

Der deutsche Botschafter Graf von Bernstorff 
wohnte als Ehrengast einem Festmahl der Union League bei, 
wo der Präsident Lawrence über die deutsch-amerikanischen 
Beziehungen sprach. Der Präsident der Columbia-Universität, 
Bntüer, hob den AnteU des Deutschen Reiches an der Förde¬ 
rung des internationalen Friedens hervor. Andere priesen die 
deutsche Kultur. Botschafter v. Bernstorff erklärte, die deutsch¬ 
amerikanischen Beziehungen seien vorzüglich. 

Internationaler Klub in Berlin. Eine Anzahl be¬ 
kannter Persönlichkeiten des Beamtentums, der Diplomatie, der 
Finanz, des Offizierkorps, der Schriftsteller- und Künstlerwelt 
hat sich zur Gründung eines Klubs vereinigt, der den Namen 
„Internationaler Klub** erhalten soll. Diese Vereinigung beab¬ 
sichtigt, den in Berlin sich auf haltenden Ausländern der höheren 
Gesellschaftskreise Gelegenheit zum Zusammentreffen mit ihren 
Berliner Bekannten zu bieten. 

Studenten- und Schüler-Herbergen in Ost- 
preussen. Den Bemühungen des Vereins zur Hebung des 
Fremdenverkehrs in Ostpreussen ist es gelungen, zu den bisher 


in der Provinz bestehenden fünf Studenten- und Schüler- 
Herbergen in Allenstein, Angerburg, Fisch hausen, 
Lötzen und Puppen noch acht weitere zu errichten, und 
zwar: in Arys, Friedland (Ostpr.), Gumbinnen, Lyck, 
Nidden, Pillau, Rossitten und Tilsit. Für das Jahr igxa 
haben noch verschiedene weitere ostpreussische Orte die Er¬ 
richtung derartiger Herbergen in Aussicht gestellt. Es ist daher 
zu hoffen, dass bald über die ganze Provinz ein enges Netz 
von Herbergen mit dem ungefähren Abstand von Tagesmärschen 
vorhanden sein und dann diese gemeinnützige Einrichtung ihren 
Zweck, die Wanderlust der deutschen Jugend zu heben, voll 
erfüllen wird. Sämtliche ostpreussischen Herbergen sind in 
den Pfingsl-, Sommer- und Herbstferien geöffnet. Aufnahme 
in den Herbergen, in denen freies Nachtlager und Frühstück 
geboten wird, wird ausnahmslos nur denjenigen Besuchern 
gewährt, welche mit einer von der Hauptleitung in Hohenelbe 
ausgefertigten Ausweiskarte versehen sind, die von der 
Direktion derjenigen Lehranstalt, welcher der Bewerber angehört, 
beantragt werden müssen. 

Bismarck - Nationaldenkmal. Im Parkhotel zu 
Düsseldorf fand unter dem Vorsitz des Geheimrats Kirdorff 
eine Sitzung der sämtlichen Vorstände der Sonderausschüsse 
zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals auf der Elisenhöhe bei 
Bingerbrück statt. Es wurde beschlossen, die Ausstellung der 
Entwürfe in Wiesbaden am i. Juni dieses Jahres zu 
eröffnen. Im Laufe des Juni soll dann dorthin eine Sitzung 
der Sonderausschüsse einberufen werden, um über die weitere 
Verwendung der Denkmalspläne Beschluss zu fassen. Inzwischen 
nahmen die Sammlungen einen erfreulichen Fortgang. Sie 
sollen durch Bildung weiterer Landes- und Ortsausschüsse 
nachdrückliche Förderung erfahren. 

Eine Zahnradbahn auf den Feldberg. Der Stadtrat 
von Freiburg i. Br. beschloss den Bau einer für den deutschen 
Wintersport bedeutsamen elektrischen Zahnradbahn auf den 
Schauinsland, die später bis zum Feldberggipfel führen soll, 
mit einem Kostenaufwand von etwa anderthalb Millionen Mark. 

Amerikas Reiseverkehr zur englischen Krönungs¬ 
feier. Man schätzt die Zahl der Amerikaner, die zu den eng¬ 
lischen Krönungsfeierlichkeiten nach London gehen werden, auf 


oisdopfep 


Eine der ältesten Mineralquellen Deutschlands. 
Versand seit Anfang des vorigen Jahrhunderts. 
Stets gleichmässiges, an Wohlgeschmack und 
Bekömmlichkeit unübertroffenes Tafelwasser. 

Königl. Preuss. Staatsmedaille. 

Roisdorfer Brunnen-Verwaltung W.Custer, Roisdorf 

(Rhid.) 






DEUTSCHLAND 2 


SSi&tlicbei PHUt d&r direktem X^mitTi - ^ind bÄrt^^^ 


tJnterriehtsÄUBsteilQTi^H ,di^ «1 Be^rliri Wird 

Urrd ^it nach dcn^ Axtih9f»riic^^ die 

Belichtung der FacWeutie der ganzen Welt gefjJJhd«! t^iid 
it\ d®^ Kommissar des preuseischen fCültusitiJtiUferiijiiiäj. Öbef- 
iehret Dr, Mosch, einen Uebevollen ChrdnssWtfvu ■ Die Orgaüi- 
sfttiön niid. die Geschichte der Auasbtilurig bis Jütti der 

Eröffnung' von Djv L., SeYtyi, die gTOfiae RÄiiudnirt^hteiluiig 
v<*il RöfeilF^ Brieuer beschriehert wötden. ^um Stahe der Mit-^ 
arWtnei ^ch^Tten iferuer u, >, Hed^1^eür\ ’^ertbeiihet in 
Brüs.s^i, Rföh Dr, Becker in Frankfurt, Rudnif Etiwiptner ih 
Werke eiri s^iir beachtetiswertet Aufßiiüi 
irtin Geiietofafl ProL pr.Pautl Cie men in Bonn übet die Sn der 
Pi'Uta^en AhteÜ^ng «usgeslellten GemsÜdeff SkÜfpturen 12.11 d 
ICittiätwerke hejgefdgi;, Per Prutik -umd dii^ AvjHatatni.hg 
des Werkes erfolgte ^ pjlVthhl;- 9 iähiu- 

tiierg in: Per ymscKla^' 4^ -VsöD dtnr bti^tnhlen 

Pijakattnader koMwein in München. Rir dit DeiätSÄbe Abtcilttng 
dei" Bftlsseie r Anastell mg c niWör.J c^h^i PUtah.. vÖa!( 9 ) Wer It wird 
■ hit'hi . rt’d t'-' ■ 3 * 11 en ■,A nssterUe^h"' ihi . :Ö (Üasd ’'■ ä w>je' .’■ wüikföf'.^r- 
innerungsgatc- äss' döS--grosse 'yhtciii.ri^meh'' 

^uin Besteh de 4 ^ d!^tscheä Ausi^irtde 

rciitfewifkt Mben, ^qndetn ts mtä auch ailcfi , difr kich 
tiwt dem AnÄSteilühgsWescn bcÄchÄftigen, als *ihft ergtiftbige 
Fnhdgrtihc s^ich' ■ erweist^.'■ ' ■ 

^,ÄhJs ReischeTichten von Arbeitefh hadift^her 
Bett lehr ü her die Weji^uasteil un g in Brüse al 
hatderyöisUttd dÄr Girosshefköglic,h Badischeia Fabfiit-lnftpektion, 
ObertegierufjgtiFÄt Pr^, ■ Binmann, kürzlich unfec Titel 

Deutsch«! Arbeiter"* einst mtöressahte ^dkahlmetiiitiiliih^ Vcr- 
■■'dferththt- i Verfiaf:.-.-J^fiedirich ■,. Gütech*-, Rdtisrüfee),.’'.;)^« ■t^. th^r- 
f 4 ch«r: HiMteht . ■ auch weiterer VÄTdienh 

Uriief'Steiner peithrig;; i^^ 5 iyf£:■hW^i: auf .:Aöt«gdti^,.4tiä’ jstim' Teil 
aus: M Htelh BWdisc hth Minb u me d e» Tnn ;^i teils 

vdü Arb eher-Verümfi^nt' trilk- von 'dpnL 

^bj 4 ter ellci; Bertli^ (dafuiib^r Über 
die Hillte ürganiwiertei im Oktober v, je- die Aussteiiüng, und 
MaTnilichc RetscieiJnehnifir haben libef ihre Brüsecler Eindrücke 
^chrihtich Bericht; erstauet Din AuficichnUngen der »nf der 
WeUaüs^teJJungsfalut gewonnfinan Eih drücke las^oti,. wie die 
v^St^dige. Aussiellücigskommission für die deutsche liiduatrie'^ 


belegt. Auf 4*0 DÄmpfefii .^MaTiietaoia*' 

Anfang Juni ahf^hffen, sind goo Plätze erster KajüT« -ürEd eooo 
zweiter Kajüte besteUt, Peagtic^cheTi «md alle Plätze 
,^driaÜc"^, welcher am rf» J uni den , h gz n Haf-sri veriäz^i. 

beeteilt. Die Dampfer der Ham barg-Amerika und daa 

Hor^^Üt^chen Lloyd Wierden übw: roonn P 4 eS 4 gifrre näch 
EngUhd beicrdern, im gnuzeß 'Wind bi s ;etjd zj odo KaiÜiplätie 
emter und iS 00 0 z: im vo i ä da Verm !ct1s t Vlcte 
Atneiikaner» die auf 44h di/ekhin LIhi 4 n keiheri Platte iah 
werden 4*0 Umweg ,Lissabon und die iteUcniädÜenT^äfe^! 

machen. Der Dbektot eihnf Oeoellichäft versichert^v wenn 
er auch noch filnf pömp.fer könntet 4 Alle 

bife auf den letzten pi^it bctiei^i Würden- 

■B i e Ü 4 r V er a i t ä t i ft C h ir c a g 0 tüßdigt die Ein! e au xig 
von yefhkhdiüngeti mit 'mehrere« wisseüscÜÄftijchen Insthutcrn 
in Berlin »um Kwecke, dhr H-erbtiifUhruug ©hgsUr Be« 

Ziehungen durch Austauac.h vors iVotessofeh an;' 


Büchei’schau. 

f B % d e r ^ L i t e r a tn-r Äiehe aUtfh untef der Rubrik 


Bäder und 

■■■ •■■' : ■' ^ommerff i^uhehh . ■: 

i>e.uii>qh 1 ahd in SrÜseel igrrö. iite Deutsche Ab¬ 
teilung; der Brüs^teT Weltäüiifitelluüg. Auf Gfund des vom 
Rcüshftki^immiwsaf uud vhm Pr^ideuten .Deutschen Komitees 
% U# Verfügung M ateHal^ so wie^ init: U a ter>i i iS 12 ti ng 

zahlreicliei* Mitarbeiter herausgegeben Von Gottfried SltvflC^efsii; 
Leiter des literariachch Bureuus defe ReichjitpiutnissärSi Rüht 
tgio, Verlag von D u M 0 nt-Gchau barg in iCÖJn^ Przifi 
»5 Mafk^ Das^ Werk enthält auf ,430 Seiteir die Geschichte^ 
Orgauisätiou Und die Beschreibung jder Deutschen Abteituufj. 
In den Texi srii d ca. 255 IH □ slrat lod e n ei h ch üu d daic 

Euch enthält ausserdem 36 ganzseiiige Tafel ei;, die in dCm uieüeu 
Tfef druck verfahren dur Photogfävur A,-Giiu Siegbürg her^e> 
stellt sind. Bei dem üuifaugteicheu vy^irk^ haben tuit d'Sm 
Her ÄUiageber eine ksih* ;^iSchvj&r 5 iaiidiger.M^ 
gew irkt. So hat dae sarute..Muschinieuw«?^h 4 &r diie rmgeu imt 

der Dectfechen Abteilung Frttsch^ beschrkheh- pie grotae 


vartikHHy u: JU i t er 21 e i t, \v » tu au 

-iilöL: ti bv^t lijaitUn 
■ ■■■■' rTiftttuh: «üfcv.>ih ] 0 iötö^r 4 ‘- 

,;:, süiulli^e^ 

: Vj> ij/A^^iui.Lc^r ö^iu, T}if? su 11 , 11 t.nr k u fgf? r 
.; j^^wilhH+h 

■ ■-; ''Ufttjir■■■■■ 

itu, drttn lyirliaht.et; hiHj 
■; -. all! 0 V Ul?.;., für. 'd u?!j llult . y.ff ti ■ .i io i’hi^r- 

Vhcb D iacImr V*>Uknmui önheit: 
tmd i'l^u Aaluuiiiütefeferuvi^ 

; ^ Hü h aft n h a n t, i u :■ J nät«'': 


Aul jft und Sied oöioij dst^^ Fuhri k 
>1 ^ r. V^arjtn tn \ rrft n ehe tü, P hr " 

yöfcor iOT> Arhöi 

HözV l^ A p \ i ie 4 ü r c 11 ji? d jP'hütu- 
üuud lufig 4pr VV r>r Sgi ii (t Ipryjie^tu. 

Der rel^H Hiuip 

Np. 6S4 aiif Wunaeh koateBS&s* 
























Nr. 2 g ioooQQQQ9a9Q i MgQQQOQia a9Q9äs DEUTSCHLAND m&ia&&&&Be&&ee0eee&eß&ß&^e0em ns 


mitteilt, auf jeder Sdüla erkenbeß, olit welchem Eraat uuti EKer 
äie Arbeiter den Zwntk ihrer rdnftägigen ^ei*e ^fe^ödelteu, 
rühniea afft die Bedcütuug der deufrseheTj Indü6tn>t wie 
BrÜaael Äiatage trsst* efltewpeii aber auch die der Wettbewerbeti- 
den LJuder an, verartjichnen fhll Befnedi||^ng die BÖdüjig:^- 
. ^iäiarichtUQ^eD Deutaclilhudfl und des Auslands^, «iudretehv;.rhif 
Inlerease die Arbeicerhäuter der vei^chiede^eA Nationen 
und die helgisphe Heiniarbftit^Ausstellung^, machen aber ^cb 
Über die ^uetindft im ArUeitervipnel Brüssels jhrem Herren JLuft 
Uftbemil aua diesen bftmerifcnswer(en Kultur-Dc!cUmenten 

dfts 1^4 4et ÄrlrfcTt und vofriehmlich deutscher Arbeit 

hftrauft» Ösäieben fehlt aufth nicht emsien Mahnungen 

im latftreftae des snjöÄiÄö f'riedftna. .»^Von splchtn Aus^stellnügeQ 
jEi^rt ^ schreibt «in Echfiftaetiftf:—^ ^^niebt nur innerlich 

relchftr jrtiyÜak, auch cniiurchaä achrnbe Urteil über das Wirt- 
eehaltslftben end dift Bc^ehungeu; ;swificbftn Aribdit^cher lind 
HArbeÜftr k>(>nri'^ie'r«n ist /.-uusefe IPÜiehJ!*'^ '— ab iitast 

dCb cId Bpinnier höwiö 4- t&oJt liiichl nur daa Er* 

fttngme jfeBtsrtibalJjftn, eoaderrf* öatch grgswerer Vpllkommenheit 
auf ii^VftA^felehsa »ü. fttrebeU^ Arbwtgeber und müsaen 

Hand; ih Haad un^t Vaterland einer aicheren 

und g:4lLn;«end^ ^^ultunttehtge^engehiL*^ .^^Wir deutschen Arbeiter'^ 
—r eagt ein Steindnickcr ■— |,babftn alle Veranlassung^ auf die 
Würdigiung uiaeere^r Arhett durch fremde Nationen ^u 

eem, E« gilt jetzt -wieder, an die Arbeit tU gehen, um durch. 
Wftifftrft Steigerung der (Lpcistungsfahigkeit der heimatlichen 
Industrie bleibenden Er^lg kn fticherm''^ 

tJer Verkehra-Verband für Öjit- und Wesv- 
preni&iiefn macht mi% der Herausgabe einea Ideinen Ftihrera 
„Ost^ und Westpreüssen^' Öen Versuch, die VDruTteiie, die 
noch immer gegen unseru Osten in den WeiEesten Kreis eri 
DeütacMands vorherriCbftnT «n zerstreuen, und die Provinzen 
Olt" tmd Westpreussm, die eine Eiille an lau daühaftUeben 
Schdnhftiilen und kiülmrhistorischen Stätten aufweisem mehr 
und mehr dAtn ^oviristenverkehr ^u ftriChlii^ecti. In Wort 
and Bil 4 wird der Nachweise yeriEfUohl, da^ die ostdeutsche 
Hilm^ dem Naturfreittödu und V^rgh^^ungsr^sftndcn, dem 
Altertutnifbrach tst und d am kun sthr^uh de r gleich V iel es und 
Achbneft j:ü bietftn yern:^g; hi ^ iwei 

grqsBen Teilen angeordoet. Im sind ln 


grofij^fen Zügen di« geoingiscitftn Vdrhältmtsee der beiden 
Fföviüzen geechiliicrt* Unter dem Unterltunlt und 

Verpflegung ölhd, auch die in Ost^ und Wein- 
ge fichtftten Studenten v nnd SJchÜlftrherb erfen aufgcjtfhh* Eine 
ung der «harakteristischeh Laddsebafte n der bilden 
Pfövihzen gibt dem reliepdeh PubSikuth , eiben ÜbctfaUck Übof 
die HaupfsehftDswürdigkeUftn Ö« Osten®, Einige ptilcti^ch^- 
Winke ihr die die klimatischen VerhJüthisse uti4 die 

H eis ft wegftp s n wt e - eip LÜftf a lUi verceichiüs, das In ler es sentep die 
Möglichkeit gtbtr ü^r d*B e^he bder^ andere Oftbiftt, oder 
Über hiaiorische Momente näheres niichÄUschlagem beachliessen 
den allgemeinen Teil, Im sw eiten TeO sind in zwei Unter- 
Abteilungen Ostpreussftp Dud Weatpreuaien behaudelh Das 
Buch ist tnit reichem ünd gutem Bildschmuck auigeafatfei. An 
der Hend eines ain^'üHHichen lpbaU^yerjeieh^iftftfts und alphS" 
betiseken Ör^veraeichnfsaes wkd^^ der EEeisend« ieiefat 

oneblierea kgnnen .und in- dem kleiacn Führer einen lu verläsilgen 
Begte j ler luj d Ratgeber ?fiudeu> Dse T^btwg a tif dem Titftl- 
blatfi 4 ä« W id^, deubteheh Omtens, 

tUÄj^ detn Rei 4<ir diesem Bü<Jb aut Hand jilthml, ahnen 

; TveVOl?ft unehdUe bc Eüü e wertvofler St;feätie m ihn£g,fj&j|;hiter 
Ari die nörddeutsche Heanuat ihm bietet, die auch kürzlich in 
der Arnertka-Nummbr Öftt ^ZevlechTii^^ ,,0 0 u l s ch 1 a n d‘^ durch 
einen illüslrietteb AyfiaU V’bp jos, Buchhorn eingeheod ge- 
■würdig^ Wurde- 

Oas obere Samt et al und dftT li^rmhksnwald toh 
U ehrei Karl RÜhfZiegehrüqk, 4 . yetmehrte Auflage des Wmnder- 
hüciis des Frankenwald-Vereins. (Bruck und Verlag von Hein- 
nch Jentzsch, ZiegehrÜckli Die neue Aüflagt dieses Führers 
duith das obere Saaietat und den Tomandsclieti EfaukenwaJd: 
ist mit zahl reichen RI dstra Honen und einer HÄhehsettiehtenkjarte 
des erwähnten Gebietes versehen. 

Das neue V o r I e m un g a v e r j e 1 c h tj i a 4 e t B m h d elm * 
« chn 1 e Be t .-}i n , dam Soeben erschienen i&t (Berlini Verlag, 
von Georg Reimer^ wewt cehen deu regelmässig wiederkeb^eöden 
Vüdestmgep für dau.bevöret^henöe äommeraeineater eihe Reihe 
neuer Vorlesupgeu eu-i, iat bei den ,,HandelmWisiienec]tiafien‘* 
ei ö fe V ö rl esun g über deii neuieitliehep Zahl Uhgsv erkehA «inft 
aplqhe Über den ; Kr^dU uti4 selbe Organ£sÄtioP:(ünlfet (bciäiiEch- 



Fernrult 


KÖLN 42 Breite Straße 42 


Amt A Nb 874 ünd 4946 

Renommiertes Äüsstattungsmagazin für Köche, Haus und Garten 

Preiswerte komplette Köcheneinrichtungen q Ausstellung moderöer Musterköchen 

/" ^ Eisschränke mUObefhülifHtigu-ölaswändeH 

{^Consemtfhm Sämtlfche Elnmach^BedarfaaAikel 

Moderne Garten-Möbel 









Die sehenswerte AussteUung 

in’^metnen Sciiaafenstern Breite Straße 42—46 empfehle Ich geneigter Besichtigung. 

Ein Blick in meine Scbautenster-ABsIagen iaBt einen Einblick in die Reichhaitigkeit meines Lagers gewinnen. 


Ji 



























113 DEUTSCHLAND ggeeeeeeee oeeeeeeeoec^e e i^xi i: Vr. 2 


pdvaxSifOobihijKiibi^ B ujnd tu? ^ M^ 4^^ 

KaJleg '.iibiiSf 'T:C-ckp^k - des :0'jin.kr. aö^er^' 

Im ^Uf*wirtät:|uftUcbfca ^Iä t\tia tsu jirWahhp^n i 

Ruiaiiö'cit’ef' Ä.g:daTpölitii*.;.. Die.- Wirts cbaft^^^öerfa-pViipi w 

crg'iiJÄt diarVü rja^n i ., /Witts cibaftiiieT« 

VoJi A^rtVa BertkfcökBJtigiJng /ler' deutactieii 

Köifös.lcb ■ ■ lätdi ■ \d^tt ■3^;ißjgftböirÄocTifragÄ*^'.'tLEi- . -r^öiP<c?gr3jf^WC':dc^ 
dr^ P^ane ntid Tnrer KüstcQ*\ 

V i> n d e T M ^ ti d e i » b ochfi eh ixX k 1> e X p i i g;. Pa s 

; enthält (tiri«' grp^se AUä&wuhl Vfjß füt' 
d« h K^i^fmÄVtn jg Sgn ftt *£i Vf>/1 * IcAtdtm^n niach^ b 

B. J tiod sif>^w.elie 

Fidjei.irtjfwi*-a^t±iKchifi, GeM-i,'. '.«hii. Sßi^eD^sähv. 

Koiöi&ialwiftJieh^ft K<yJb]CM;flipd0aTi ^ A 

!ehf^^ .. .VötaieJsiismbgfliiiatbetbaak>. ' ,-,tiia4«tla-4. y, W'echiseU ''mtid. 

Sch^.ffi|1hrtBriei^ät-*' Rcch^'icbr^ "iAlFv Vet'^'tii'rtdrti'Ä 

d«? l&eito ävx SrtidiiimÄ 4.ui dhi Haadebhoc^^ 

V^:^ctiafts^fa6gtapV«4r UrhebtXr uhd V«rlÄgst«^cbf, 
Chembfthü; UEid: McehanMhtt mH E»kuTi»ion(?n, 

Baciiif ühruD^, pabrikbucbhaiEunji^, Jijjijadftbfet^bbal^thTi^ 
bahHftts^eht,: pos*« ti rtd TcJr ^^rkpbTiBt^a rifw «»eti ^ K ü fiat- 

g 3virerhÄf K oireiip ö iädj^n'sc. Hnd Ä^ttrAr b cHfpr, Vtiü ira änn i s che 

HO 4 pah Mi y>me bk; ere Ab «kuTin 

kftftfi matt voo dim Raytit, 

l. clp^fgi: f3tf* : ft/J^cj* jei3 er ^hit h ai ; 


W » Q 4 « ^, S p i e t U ti d 8 p o 1föt^» piiiktiscii*« Wftnd“ 
hoth fü r je de t * Kt ^*$ 0 ), Mit ^ bkn Ab bödun i£©a 1 i» 

Eherneo. giehuhdea M. 4*feO: iphalu I, I 0 Feld and 

WaMi Das Waft deTn ;-r..-: Bergttphrt '^rii'’ Die Jsgd -- Ati'g.’eiÄpOrt — 
L,eii;hiattvtetik- -- desf det Spmpg, der Warf ^ 

Spört- tiüd Fujsah*Ütppieh 

Hd itkey. G o If, i K n t*r*A» Sc hligbaiiipiet, Fa:U^|lht^iv ^^aro ^ 

^oniahiAnt Ttfuois L«ft- uttd Satatae^ribiid^r: — Reiieport^ Fahr- 
KadJabrs pfift Ldft^chilFahrt D, WjMiaS'T Ud-i Winter y 

BatdeHx Schwimhreh* Rudcfo. Seßfrlo 

achuhta.aff ,Schii^bfeh/.3cWißc:RfahrenT 'R^delHv ',^M^thOj Bob- 
sleigh» ■ tlL Hali e hti d .lia 3 , ^ adfet?» ’ ^ehwe r- 

atbletl^i •■ fi^hgeö^’;■ Fechteni ^Ttm-mar- 

Ifyib RaäHir^'. O aselJ^had^'ihp i eVe;'. SSi^g.c^ny ■ Biülardt ■.. ' Gasii^idheii- 
iithtA ; WfrkiiofiT der körperJichcri UebmigeB^ Traittittg^ Kleidung, 
Die Ftaü odid der Sport, Erste Hh/c h^ti OßglÜcksfiSyeiJV. V. Gö- 
aehtchUichea. - 


liä'rOodtifig 


OncGbeo. Römer, Dfedtahh*-; 
Sponverdinen. Lberatiirangabed/ : 

Schluss des redhictihöeh^it 


% kr +m: Ter An tw «jrtl fli f .^4 ifu Ti*il.; J <3 ft e t /äf c u si m s * & * r 

EfOa^v&tbjjrt; fyj fto, ntrtfrliAfiiU' uä4 a^ tl [sktiiii Ted ü# Äun«leii- 

Ht', ^ ■e 11 fi'V:tV faht^t-!&» &W&4 ft* bt ntstcii 0 r V «yk ehri- 

t:f!,Hic..iFi?v ini.- ■ (.g:,v ■ tnr' 'i A ßwVsibütft 1IV' h ,*■ a h. K sd 'r, b 1 a D Ü ftBötsi orh 

Wi A)!? ■■ A flir, 1> b se ^.1 ff * T * #.h • k * i X M0- i a,. D beseldetf,. 


*¥<»«■ ■** I xm liflch VV 3 h« (ir> d:*üii «8 Ubdet 

tHiö S dbv nitiH iiitlJDti (nuiJ, die ibAh ÄHgetn^biftAeii 

Wftitftftlljc >:h ' TupftteTf. bHSie^v 

\yüiHitt;?^s.**h drodi*r I ^Ar);;’ ih dw.Sthdt 
hU’dfl/?* i , Ü^r Äu^iigHrncb-AV 

t+r dnic /sbrVß Jü^hr jccr^iß 


KUi gsrtBf, r*i«itT Piw Op&icJit?iiJA.ut 

iiDStüfet AUitiiU^h khdmvn :^/dh>jL 1 1 i:^^;]b f'htHJi 

1 I¥imil 4 Urv)J 3 j 1/ ki*|;j; id/ Hhyh iil wt, ^rht \^ tt^>ir tK Ujichxit^tH 

SchnppbiA HtVhAftj 

w üf(i/ bhfrCiUHiPt 4,1 ü h^rfi^hV H.hApi, ■ t« h+j ^t] i t iHr1 ^ 

atJehtlgk^Ali^ ijjpfei'hAAiHdupvfi;^ diotHÄtt 

efetv fiDfifjt TfHt (JH'f 

d tr h i'fr;s uii fdi o H« ^ t idiJ vini 

•PHi^tftlii, KDäteU+Hi, Fluiiruti DiOAiUii tTi'iicii T4>irhf 

I tle VbJa ^ I i^r: Firm h 1^ e v g jn a n 11 A G h-; di H ft.il o h >> n ); D r a k 
)iftrg€«t 1^111» SUfihftftpItrd^LlUtiiullffti^Stlf• jukV/ 

DH* SiHifD ist VDi> i'üUi^ «HHtilhJr 
(md. flor -jSiiKAtj'. yQti liDre.:* Uf’^wJrkt wütHinlh' hod 

ti«SO*?tkil‘<lbri' A hstfj ÜH *ig ij l^r tiivr^iiixHi rlr^Ut Ui 111 i^r vs'bifeit pttk 
»Dinrt hsi (sihüf biiH'fn i Ith Ah vv i n Hg liiä li rJl.Mfditjgl ii y 3 HMkit:vp 

ADtW Mwr Erhaitsas eia«i rtfiit«ii| larUa and rtja«a Ttlala* 
Dib SlaekinpIerd^ldlifttUitiil^ii^Sait« ifet ig »Ich 
D FDg^ rtTH u tid. PiirJ-{ij[f;xiif k^'Vt. ^ k Mt i */gi Jti ? li A 


Vof’iÜjjHcheSi 

ö t3i i B ijRilhT 5 T« ö ^ s' 


SVaaU fthprKiinnle, 


mmh 


»HK Jatir 


Dr/mect Staöiil^^ 


Kaufmäiiiu Lsittihg 

Direktor BttttBV 


Bittfe mbine 16 2u heächtBrt! 


Eaf«fls1r. 2 


Efarenstr. Z 


V4'k'<^dHt«tiin)rWuflltni} 




■aftftlP j^tile (rdtt tarnen Kt «ättn fiittt ^tß 
to.B<ninanilftj86<^R*A«ft<ltl* )>«>>» biefexrj. rin jort., tein. 
©ffi^t vi>fiö. l«jjeHbk. ÄwSfftfn, wrifs?. femmriw. ^ant 

$ucfc|Riif(rly£iMiiiniic^ ■ Stift 

«. ^ortnfitettö'fnbfii|öati[ii'X^at^t- 5 ö|^fg. ftbtt. g.6u6. 


























m s Otsan fOr die deutschen Verkehrs-Interessen m s 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verhehn-Verelne 



t 




t1 F 


o 




Wald und See a. d. Ostsee 

(Stimmungsbild) 

Rufn. von Photograph E. Hamm, Berlin W. 

Die deutschen Ostsee-Bäder 

Herausgegeben unter Mitwirkung des Ostseebäder-Verbandes 


sn ‘=1111 1! 

r=i lö 
































































Die flAERIM-NUmER 

der Zeilschrffi„DeulschIand“ 

hat in den weileslen Kreisen Beachtung und freundliche 
Anerkennung gefunden. Die verschiedenen Aufsätze wirt¬ 
schaftlicher Arl, die umfangreichen Slädte- und Landscliafts- 
schilderungen und die zahlreichen Illuslralionen vereinigen 
sich zu einer Propagandanummer im wahren Sinne des 
VVorles, die der Heranziehung des amerikanischen und 
englischen Reiseverkehrs förderlich sein wird. 

Dass unsere Amerika-Nummer aber nicht nur bei den 
amerikanischen und englischen Tourislen . denen sie in 
Tausenden von Exemplaren zugänglich gemacht wurde, 
Inlcrcsse gefunden hat, sondern in gleichem iMasse bei vielen 
deutschen Lesern, beweisen uns die zahlreichen Bestellungen, 
die tagtäglich einlaufen, namentlich von Behörden, Schulen 
und höheren Lehranstalten, Stadt- und Kurverwaltungen, 
Verkehrs-Vereinen, Bibliotheken etc. Diese Tatsache zeigt 
in erfreulicher Weise das wachsende Interesse für die 
Bestrebungen unserer Zeitschrift zur Förderung der deutschen 
Verkehi's-Interessen, zur Fliege von Heimatkunde und 
Heimat liebe. 

Der Einzelpreis unserer 172 Seiten starken Sondernummer 
in englischer Sprache beträgt 1 Mark, zuzüglich 30 l^fg. Porto 
(innerhalb des Deutschen Reiches). Unsere Abonnenten und 
die Mitglieder des Bundes Deutscher Verkehrs-\'ereine können 
weitere Exemplare zu Piopagandazwecken zum Vorzugspreise 
von 50 ITg. beziehen. 

Verlag der Zeitschrift ,,Deutschland“ 

Organ für die deutschen V'erkehrsinteressen. 


DÜSSELDORF 







DEUTSCHLAND 

Organ för die deutschen Verkehrs-Interessen 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln 


♦ Bezugspreis proJahr6M.,viertel- t 

♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦ 

♦ 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦ 
t eines jeden Monats (im Juni, Juli { 

♦ und August monatlich zweimal) ♦ 
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 


♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 

4 ♦ 

I Anzeigenpreis 40 Pfennig die I 

♦ viergespaltene Kolonelzeile ♦ 

♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦ 
I Breite. — Bei Wiederholungen J 

♦ entsprechende Ermäfzigung ♦ 


Nr. 3 


Düsseldorf • Juni 1911 


II. Jahrg. 


Ostseebäder. 

Von Dr. v. Boltenstern, Berlin. 


„Wir aber brausen fort und immerzu, 

„Wir Meereswogen sonder Rast und Ruh." 

Rob. Pretz. 

Vergangen ist des langen, trüben Winters Not, Frühling 
ist wieder worden. Es grünt und blüht in der göttergleich 
ewig jungen Natur. Die Frühlingssonne lacht am blauen 
Himmelszelt und lockt mit wärmendem Strahl hinaus ins 
Weite. Ueberall erklingt ein neues und doch so bekanntes 
Lied von Gesundheit und Jugend. Auch wir rüsten uns, aus 
dem Getriebe der Stadt, aus dem ewigen Einerlei des Berufs 
hinauszuziehen, um Leib und Seele neue Kräfte durch Ver¬ 
weilen in der freien Natur zuzuführen, um die Schäden und 
Schlacken, welche der Winter mit seiner influenzareichen Zeit, 
mit all seinem bösen Kranksein und seinen Schmerzen zurück¬ 
gelassen, zu beseitigen und abzuwerfen ins Meer, das alles 
Uebel wegwäscht. Wohin? — Ein zweifelnder Blick, ob wir 
das rechte trafen! „An die zahme Ostsee, das große Wasch¬ 
becken? Vielleicht willst du nur die Ruhe, brauchst für deine 
Erholung nur die stille Abgeschiedenheit von der Welt, von 
deinem bisherigen Lebens- und Wirkungskreis, der vielleicht 
auch nur zu sehr deine Kräfte beansprucht, an deinem Marke 
zehrt? Denn von wirklichen Leiden befreit werden kann man 
doch nicht am Gestade der Ostsee ?" O, wie falsch ist doch 
dein Urteil I Du kennst es sicher nicht, das Baltische Meer 
mit seinem lieblichen, waldumrandeten Gestade, mit seinen 
mannigfachen Reizen und seinen segensreichen, unerme߬ 
lichen Heilschätzen. 

Gewiß, es ist noch nicht lange her, daß die Anschau¬ 
ungen über den Heilwert der Ostsee sich wieder gewandelt 
haben. Wieder? Ja, erinnere du dich einmal daran! Fand 
nicht das wohltätige Heilmittel des Seebades bei uns zuerst 
gerade an der Ostsee rechte Würdigung, als vor fast 
120 Jahren der Göttinger Professor G. Ch. Lichtenberg nach 
seiner Heimkehr aus dem englischen Seebade Margate, dem 
er „die gesundesten Tage seines Lebens verdankte", zur 
Errichtung von Seebädern in Deutschland anregte? Lichten¬ 
berg freilich wies auf die Nordsee hin, weil das große Schau¬ 
spiel von Ebbe und Flut der Ostseeküste mangele. Und doch 
wurde an der mecklenburgischen Ostseeküste auf den Rat 
des Rostocker Professors Samuel Gottlieb Vogel, des „Vaters 
des deutschen Seebades", zu Doberan die erste Öffentliche 
Seebadeanstalt 1793 errichtet. 

Vogel schätzte die Heilkräfte des Seebades sehr hoch 
ein. „Wir haben kein Mittel, wodurch in vollkommen gleicher 
Weise dieselben Absichten könnten erreicht und mithin das 


Seebad ganz ersetzt und entbehrlich gemacht werden. Es 
besitzt Eigenschaften, die ihm in vielen Krankheitsfällen 
einen Vorzug vor allen anderen Bädern geben und es über¬ 
haupt zu einem überaus schätzbaren und wirksamen Hilfs¬ 
mittel machen. Sehr viele Menschen, die so glücklich waren, 
sich desselben bedienen zu können, sind dadurch von den 
schlimmsten und hartnäckigsten Krankheiten, die allen 
anderen Mitteln widerstanden, geheilt worden, haben ihm ihr 
Leben und ihre Gesundheit zu danken." Mit Vogel be¬ 
trachteten die älteren Badeärzte das kalte Seebad, das 
vor dem verwandten Solbad den Vorzug der Bewegung, des 
Wellenschlages besitzt, als das Wesentliche beim Gebrauch 
einer Seebadekur. Das Seebad galt als eine besondere Art 
von Mineralwasser, das durch seinen Salzgehalt die Haut 
reizt und reinigt, nach Aufnahme von Salz in das Blut auf 
die inneren Organe wirkt und durch Salzgehalt, Temperatur 
und Wellenbewegung das Nervensystem beeinflußt. Die 
älteren Badeärzte waren von dem Heilwert der Ostsee durch¬ 
drungen. Ihrem Einfluß und unermüdlichen Wirken und 
Forschen ist es zu danken, daß dem ersten deutschen See¬ 
bade Heiligendamm andere, wie Travemünde, Swinemünde, 
Warnemünde, Misdroy, Colberg, Zoppot u. a. folgten, die noch 
heute ihres wohlverdienten und anerkannten Rufes sich er¬ 
freuen. Einen besonderen Aufschwung gewannen die Ostsee¬ 
bäder in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch 
das gesteigerte Reisebedürfnis, die größere Reiselust und 
die bessere Reisemöglichkeit. Ihre Zahl ist von Jahr zu Jahr 
gewachsen. In schneller Entwicklung sind aus weltverlorenen 
und weltvergessenen Fischer- oder Stranddörfern stattliche, 
überall wohlbekannte Badeorte geworden. Von der Memel bis 
zum Belt, von der samländischen Steilküste bis zu den tiefen 
Einschnitten der blauen Ostsee, den Föhrden an Schleswigs 
Küste dehnt sich ein glänzender Kranz von Bädern am 
herrlichen Sandstrand gelegen inmitten prächtiger Buchen¬ 
wälder, Fichten- oder Kieferngehege. Hier herrscht größte 
Eleganz modernen Badelebens, und selbst der Verwöhnteste 
findet sein Genüge. Dort reizt gerade der zwanglos gesellige 
Verkehr. Andere Orte wieder zeichnen sich vor ollem durch 
ihre köstliche Ruhe in der erhabenen Natur, durch ihren 
stillen ländlichen Charakter aus und bieten vorzüglich 
Kranken die endlich ersehnte Erholung. Groß ist die Zahl 
der Bäder an der Ostseeküste, groß aber auch sind ihre 
Unterschiede und reich ihre Auswahl, gehören doch dem 
Verband der deutschen Ostseebäder zurzeit 85 Seebäder am 
Ostseegestade an. 









118 DEUTSCHLAND Nr. 3 


Die Ostseebäder als Sommerfrischen. 

Allerdings, gerade als man um die Mitte des vorigen 
Jahrhunderts wissenschaftliche Untersuchungen anstellte, auf 
welchen Faktoren wohl die in der täglichen Erfahrung wohl- 
begründete heilsame Wirkung der Seebäder beruhen möge, 
da — welch eine Ironie des Schicksals I — verlor man den 
rechten Pfad. Man kam auf einen Irrweg, der erst in neuester 
Zeit wieder verlassen werden konnte, nachdem man zur rich¬ 
tigen Erkenntnis des wahren Sachverhalts durchgedrungen 
war. Schon Vogel schätzte, wie die Aerzte einst im Altertum, 
die reine belebende Seeluft, und auch andere Aerzte erkannten 
ihr einen Anteil an der heilsamen Wirkung einer Kur an 
der Ostsee wie überhaupt an der See zu, und die Quelle 
dafür suchte man u. a. in dem größeren Reichtum an Sauer¬ 
stoff, dem Mangel an Kohlensäure, im Salzgehalt, in der 
Feuchtigkeit und vor allem in der Reinheit der Seeluft, in 
ihrer Temperatur und Bewegung. Und später wurden gerade 
die physikalischen Eigenschaften der Seeluft in den Vorder¬ 
grund gestellt. Als wichtigster Faktor für die heilsame Wir¬ 
kung der Seeluft wurde ihre intensive Strömung betont, die nicht 
nur Ursache des stärkeren 
Wärmeverlustes des Körpers 
am Strande, sondern auch 
gleichzeitig die bedingende 
Ursache für einen gleich¬ 
mäßigen, raschen Wieder¬ 
ersatz der verlorenen Wärme 
ist. Während manche Schrift¬ 
steller vor Ueberschätzung 
der Seeluft warnen zu müssen 
glaubten, durch deren Genuß 
das heroische, für schwäch¬ 
liche Kranke Schaden brin¬ 
gende, für andere und gesunde 
Personen aber unschützbare 
Stärkungsmittel, das Seebad, 
nicht zu ersetzen sei, sprechen 
andere ihre Ueberzeugung 
dahin aus, daß die Seebade¬ 
orte in unseren Ländern 
hauptsächlich als eine be¬ 
sondere heilsame Form von 
Sommerfrischen nutzen. 

Die See-Badeorte dienten 
zweierlei Zwecken, einmal zur 
Abhärtungskur und zweitens 
als Sommerfrische. In erster 
Linie handele es sich besonders um den Wellenschlag, in letzter 
um die Luft- und Windfächelung. Und zum Zweck der Sommer¬ 
frische seien die sonst wegen geringen Salzgehaltes und mäßigen 
Wellenschlages oft hintangesetzten Ostseebäder sehr brauch¬ 
bar, weil sie meist mit hübschen Waldungen versehen und in der 
Nähe gastlicher Ortschaften gelegen seien. In den Ostseebädern 
seien die Heilkräfte, um deren Wirkung es sich handelt, so 
schwach vertreten, daß sie nur für die wenigen paßten, die mehr 
der Erfrischung als der Heilung bedürften. Derartige Anschau¬ 
ungen haben zum Schaden der Seebäder und vorzüglich der Osl- 
seebäder leider schnell und nachhaltig an Boden gewonnen und 
behalten, und doch erkannte man, daß jemand aus der Mitte 
oder dem Süden Deutschlands, der niemals Seeluft geatmet, 
sich schwerlich jemals einen richtigen Begriff von derselben 
machen können wird. Umsonst erhob sich die warnende 
Stimme eines mecklenburgischen Arztes: „Mag im Laufe der 
Jahrzehnte wegen der errungenen Erfolge der Anteil des See¬ 
bades überschätzt worden sein, und hat man schon in früheren 
Zeiten die Heilkraft der Seeluft gewiß nicht unterschätzt, so 
ist doch erst in neuerer Zeit, wenn man will, mit einer ge¬ 


wissen Einseitigkeit die Bedeutung der Seeluft für die Heilung 
konstitutioneller Krankheiten hervorgehoben.'' Selbst noch 
in neuester Zeit wird im allgemeinen über die Seebäder ge¬ 
urteilt, daß sie sich vorzugsweise als Sommerfrischen für die 
Stadtbewohner des mitteleuropäischen Festlandes und mehr 
als manche angepriesenen Land- und Gebirgsorte des Binnen¬ 
landes eignen, in welchen es oft vor Hitze, Trockenheit und 
Staub im Sommer nicht auszuhalten ist. Und insbesondere 
sollen die Ostseeböder bezüglich der Luftverhältnisse nur die 
Bedeutung von Sommerfrischen, vor denen des Binnenlandes 
den Vorzug haben wegen ihrer niedrigeren Sommerwärme, 
einer verhältnismäßig viel reineren, zeitweise sogar ganz reinen 
Luft, wegen der freieren Luftbewegung namentlich von der 
Seeseite her und dann wegen der meist anmutigen, Auge und 
Gemüt gleich wohltuend beeinflussenden Verbindung von 
Meer und bewaldetem Land und ihrer eigenartigen land¬ 
schaftlichen Schönheit. „Wer von einem Seebadeaufenthalt 
nur Sommerfrische und geistige Erholung wünscht, der wird 
in den freundlichen, meist anmutig gelegenen, mit landschaft¬ 
lichen Reizen ausgestatteten Bädern der Ostseeküste stets 
sich wohl und befriedigter fühlen." Doch das Urteil, auch 


wenn es von Aerzten der Neuzeit stammt, dar! nicht ma߬ 
gebend sein. Sie kennen die Ostsee nicht und schildern den 
Ostseestrand als minderwertig nur zugunsten der Nordsee. 
Und doch kommt auch den Oslseebädern in reichem Maße 
zu, was in der Regel nur für die Nordsee in Anspruch 
genommen wird. 

Die Ostseebäder als Heilbäder. 

Auch an der Ostsee darf man von einem Seebade¬ 
aufenthalt außer Sommerfrische und Erholung bestimmte 
Heilwirkungen vorzüglich der Seeluft auf den menschlichen 
Körper, insbesondere auf Ernährung, Blutbildung, Nerven, 
Knochenhaut, Schleimhäute, namentlich der Atemwege und 
Lungen, erwarten. 

Es kann keine Frage sein, die Ostsee besitzt die gleichen 
klimatischen Kräfte wie die Nordsee. In klimatischer Be¬ 
ziehung sind beide Meere gleichwertig. Höchstens könnten 
im Vergleich einzelner Orte sich nur gradielle Unterschiede 
ergeben. Falsch ist es, von der „schwachen" Ostsee im 
Gegensatz zur „starken" Nordsee zu reden, die reizbaren. 



Glücksburg 












Nr, 3 DEUTS CH LAND 1 19 


e^ihi^’hen Naturen der Tti^ldefi Ostsee, die reiEloser*^ To3rpiden 
^Kmdsäu^üch der Hs?fdsee ziisi>weLseni Güt ftiönciie 
bfeder; iÄ?ie die osEpr&üSi-scii#ri Bader des Sainländes, ^iad 
darnlc ihrer Küstenbthiiin^^ ihrer. an den >La«pttug:stratlen 

der Seewinde den hdldm N^rdseehädem «n Kraft überlegen* 
Anderseits aber gibt es wir^Kt^h rndde K\iifqrte> die doch ein 
gewisses Melä Tei?^n4i=-r:Kfi^fife. = 3)1 r eigen n^nien. Je noch 
mehr,, in ^aKlreit'h^iiJ.Ovt^^rt Ost<3(C-^gu>it(?de IM die 
dchkeit gegeben, des Klimös Jit nach der 

HtnpfinidlkhkeJt de^ PaHeh^w abzustctfcn, je nerh der R^eJ^- 
emprünglifihlkeit abüuanvl^^rFL- '^ö?raJe dhrirt he^i die bafdndere 
Bigentümikhkeit, die 

denIfedwert derOst^ _■ ■:• -^ . _ . __ 

seeeiiis^?ichneh Öst'^ 

Seebäder sind ehen 
Idimö tische KnrdTta 
und, wie wir *fon 

vornherein b^etonen ; 

wollen, ui^t nur für 
den SöihmWfv bdcli Tü r | 

Frilh ling:, He rbst u rtd | 

■ ti er; Sie ‘ Vd n ne n | ^ 

nicht nur mit den«u\ 

der Nordsee', söfidem - ^•, 

■ötiiih mit .ihren süd- 
ikheri 'Ge^chwis[.em 

in y pll e td M 0 6 e kon- ' ^ 1 

’kun-.leren. Gewi.S •■ V. 

nicht jedes Ostsee- ' 

had etgtiet 'Sich ?nni 

gtHch^u 2 weck in j 

Grüde, ■■ W i r | ‘ " ^ 

dnters^h^den drei 
Gruppen Ost- - 

Seebädern. itümci ■ ■ ■•;■ ' 'sHBHh^ 

wei'if^n kt^ lug^Kfh n a- ' '' '|HH^f^ EjHBHHBa 

jnktnrm aid'j denen 

gegenüber hur wenig 1 1 jp 9 BHIHS| |ffi 

Schutz durch Wate! 'alljH 

und Dünen jy(^^Wten ^ § ^|RHHBH 

ist Solch G Orte s ind ^ ^ ;v^' 

nur ßls’ Sommer -> S\V* 

äntn^ehph 1 











Nr.3 DEUTSCHLAND 121 


großer Wasserflächen bildet und wie Ozon geruchsver¬ 
bessernde und keimtötende Eigenschaften besitzt. So er¬ 
scheinen alle Behauptungen über das reichliche Vorkommen 
von Ozon in der Luft dieses oder jenes Kurortes zum 
mindestens als eine arge Uebertreibung. 

Die physikalische Beschaffenheit der Seeluft. 

Eine veränderte chemi¬ 
sche Zusammensetzung ver¬ 
leiht der Seeluft sicher nicht 
ihre durch die Erfahrung so 
vielfältig bestätigten gün¬ 
stigen Wirkungen. Lediglich 
physikalische Momente 
müssen das Eigenartige 
des Seeklimas ausmachen. 

Nicht positive Eigen¬ 
schaften, sondern negative 
treten in den Vordergrund, 
sind für die Behandlung 
von Kranken an der Ost¬ 
see die wichtigsten. In 
vorderster Reihe steht die 
Eigenschaft der Atmo¬ 
sphäre an der See, daß sie 
chemisch rein, fast frei 
von Staub und bei- 
gemengien Gasen ist, und 
zwar nicht nur von auf¬ 
gewirbeltem Straßenstaub, 
sondern auch von jenem 
unsichtbaren Luftstaube, 
der durch organische Zer- 
setzungs - Produkte entsteht und die Luft in den Städten 
verunreinigt. Die reine Luft wird in vollen Zügen ein¬ 
geatmet, die Atemzüge werden tiefer, ein reiches Maß von 
Sauerstoff, der Triebfeder des Stoffwechsels, wird in den 
Organismus eingeführt. Schon die Abwesenheit des Staubes, 
eines der schädlichsten 
Potenzen für Brustkranke, 
bildet ein wesentliches 
Heilungsmoment. Die große 
Wasserfläche und die von 
dorther das Ufer be¬ 
streichenden Winde wirken 
so erfrischend, daß jeder 
Binnenländer und vorzugs¬ 
weise jeder Großstädter 
am Ufer des Meeres die 
Wohltat empfindet, einmal 
wieder in absolut reiner 
Atmosphäre atmen zu 
können. Von dem Fehlen 
des Staubes kann man sich 
schon grob sinnlich über¬ 
zeugen, wenn man einen 
durch einen Spalt fallenden 
Sonnenstrahl betrachtet und 
den Mangel oder wenig¬ 
stens die geringe Anzahl 
von Sonnenstäubchen sieht. 

Zudem fällt es vorzüglich dem Binnenländer auf, daß sich in 
den am Strand gelegenen Wohnungen wenig oder gar kein 
Staub auf Möbeln und Kleidung sammelt. Durch bakterio¬ 
logische Untersuchungen ist festgestellt, daß der Keim¬ 
gehalt der Seeluft mit der Entfernung vom Festlande ab¬ 
nimmt und schließlich ganz schwindet. Aber nicht die Nähe 
eines Landes ist überhaupt von Bedeutung, sondern vielmehr 


die Entfernung des der herrschenden Windrichtung zunächst 
gelegenen Landes. Wind vom offenen Meere bedingt Keim- 
und Staubfreiheit der Luft. Am günstigsten müßten daher 
die Verhältnisse auf entlegenen Inseln sein, die allseitig 
oder wenigstens vorherrschend dem Seewind ausgesetzt sind. 
Indes haben seitens des preußischen meteorologischen Instituts 
im Hochsommer zu Misdroy und auf Helgoland zu den ver¬ 


schiedensten Tageszeiten, bei allen Windrichtungen am Strand, 
im Innern und an den Grenzen des Ortes, im Wald und 
jenseits der Waldgrenze vorgenommene Staubmessungen die 
überraschende Tatsache ergeben, daß der Staubgehalt 
der Luft am Strande von Misdroy genau so günstig war wie 


auf Helgoland. Nicht der Seewind allein sorgt für Staub¬ 
freiheit der Luft. Es kommt auch darauf an, wie das Hinter¬ 
land gestaltet ist. Die ausgedehnten Binnenseen, die an 
der Ostseeküste vielfach die Badeorte landseitig umschließen, 
die Haffbildung, wie sie sich in Preußen, vor der Oder¬ 
mündung, in einem Teil der mecklenburgischen Bäder u. a. 
findet, die reiche Gliederung, die überhaupt im allgemeinen 



Warnemünde 



Arendsee: Strandleben 





122 DEUTSCHLAND Nr.3 


die Ost$<feküste aKJszeichnet, jr^sbesoodere aber die Insel 
Rügen, mechen die Kurorte von ailen Seiten den Luft*- 
Strömungen ^ugüngl^ch, die Luft auch bei tündwind steubfre» 

Der Wald an der Ostsee. 

Aber nodi ein Mittel besitzen die M^luiah] der Ostsee- 
Bäder, um stGubfreie,. reine Luft «u gev^^Shrleisten: den Wold. 
In den vom Wald «rngurretkjn beivteht nicht nur ein 

Schutz gegen die Lnbdwinde, sondetn vor .alltjm stellt der 
Wald, wie das Br.KpKd von Misdroy i^eigt, ein wirksames 
Filter dar, durch welches die zirgrdtihrte Luft von Staub 
gereinigt wird. 

ln früheren Reiten hot man deit k|in)iiciscbfo Wert der 
Wälder m der Umgebung der Oi^t^ieebiider in der vollen Be¬ 
deutung mehr oder weniger Dorh schon nm die 

Mitte des vorigen Jtihrhunderfs wird wiederbpli nui den breiten 
Wttldgürtel fturrnerHa ni gemocht der die meisten Ost See¬ 
bäder umgibt o4«?f wemigsteos in ihrer Nähe oft bis tmmittelbar 
zum Meeros’jitrunde reJehti D<ir Waldreichlum der Ostsee- 
bader gibt nicht ölleüv einer» Inndsrhöftiicheo Reiz., wirkt nkht 
nur düfch r>eine Marchonstürnrnimg nul Grmiit 

und llere^ sr>ndBrii bietet den 
. Fötienmn selbst bei starkem Tem- 
peralurw'echsel auf der See und «ro 
Strönde. ein mildes. gleichmäßigeA 
Klima, und be?k«ndef.s niv regen, urt 
welchen die spröden Nord- und Ost^ 
winde dem empfindlichen Kiugast 
den Genuß der Seeluft verleiden, 
tritt unser Stnlz^ der dkhte Buchen.'- 
wald, als ein sicherer Vertmttkr ein. 

In wenigen Schritten i$r i?r erreichi, 
und wenn draußen ein harter Wind 
dos Wetter unangenehm, ja für 
manchen bedenklich möcht, flüchtet 
man in die schöne, milde Wüldluft, 
wo nichts ol.s trin geheimnisvolks 
fernes Rauschen an die See erinn^kn 
DerWold nimmt der Luft ihre Schürfe, 
dem Sturm seine Gewalt und schötzt: 
gegen die Sanne. Wtw <u? lasttjr 
wird. Wenn wirklich .Lundwind-e mebt 
keimfreie Luft zufuiweri .sö|ltc-ru sc? 
werden die Mikroorg^misnjeo in den 
mailenwfMtim Wuldetr» fcstgehntten 
und^ wo sie zu Bader! \^,nk»?n, -t— 

Vom Wnldbciden vernichtet. 2iun 

mindesten, af&o i*i»l die Luh rin ilen C)stseeküstcn hei Si'ewfnd 
und in wnldumsaumieu Orten öueh hei Landwind ühemus 
rein, verKöltnismößig frei von beleihen imd otihelebten sLbrnL 
liehen köffierhVhon Elementen, zeichnet sich durch Fteihui» 
von Staub und Armut an Keimen öus. 

Die Lultbevvegung at\ der Ostsee. 

Daß notürlich auf die Rainfgung der Luft die l.uH- 
beweg ung überKoupt amen Hinlluö äußert, ist verslurvdlieh. 
Aber sie wirkt auch auf das Huuptnerven.system und dudufch, 
daß dem Körper Wörme? entzogen wird. Luftstföruungen >iFHi 
atn Meere immer vorlumdrm, wenn >5te autf> untUntFr mir 
schwach urul für das (jufüld kouru wuhrnclWubar suvcL S^c* 
beruhen vornehmlich aul der verschVedenen BVwaxmrmg von 
Land und Wasser am Togo und bei Nächf Selbst wähmwl 
der Katme zwischen Morgen*- und Abendwind fchh es nur 
sehen an einetn |.uf(zv/gy der deix Körper selbst bei l>oher 
Sommertempxinintr vor der erschhdfc.nclen Einwirkung der 
Whrttie schützt Durch die (.uflslrdniungen tuluidiU der 
Körper öußerordcntüche Warmeve.rluste, dir der monschlicl«:^ 
Organismvis rasch durch gesteigerte WrbrennungsVöt'gfinge 


■'i' 


! 


I'; 


zu ersetzen vermag, ohnu daß ihm eine allzu große Arbeits- 
leistang zugümutet wird, Duclurch ah^r gerade unterscheidet 
skh die^Reluft spezifisch von ollen übrigen Arien kunsdicher 
oder nölütbcher WärmeenizieliungsmiUel. Dabei vermindert 
der hohe Peuchligkeiisgeliall der Seeluft den unserem Gelühl 
empfindlichen Warmeverlusr durch V^erdunsiung. Der ganze 
Vorgang der Wäweentziehuug wird gemildert. Zudt?m lösen 
die den Köi|j!er gl^ichgiäßig umspiiienden, mehr oder weniger 
starken LufisiWVmidigeit fedlexifi^ der f fautnerven eus, 

die «len Vt^rbreOmmg^prozeß ir» den Geweben mächtig 
a»«regen und dan Aüsghrirluingshestrehefi des Organismus 
beiöldenv* In drest-in schnellen Wiederersaiz Legt der Houpl- 
gruiui dafür, daß Aufmthalf a.tn Meeresgesf/ide, selbst 

bei windigem Wetter, situndenhing in sTUender Stellung euch 
von srhwucheren Indtvidaen ohne NachiäiL ohne Gefahr dar 
LrkaUung orirrtg«n wt*rd.en kann. 

V'on gfnßuf Wivbiigkeit sind sfiwohl vorherrschende 
W1 r* d f i i'h t ü fvg wne W i n d s t o r k e- 

Lrn au.sgesprochen reu\fs Sevklima findet sich rvitüffich 
nur dorr, \v»j der Wii^d b<H jedar RicbtM»<g vom Meere und 
nicht vom Lönde w*eht Das isti genomnten, nUr auf 

. felahxe.r'crv Ln^^do d Fall, die ztenv*^ 
Üvh weiLetwa 50 Kihimeier, von der 
Küste entfernt wia IlelgpUnd. 

Dot h muß man imben dt^.m Seewind 
den Küsten wind vom Landwinde 
tri/nnen. An der stark geglKdcrtet! 
Oslseeküsle lievrsrhl tmust Küsten- 
wind oder gemischiw Wtrvd mehr als 
reiner Seerwund, von dem der erstere 
w^öhl durch die nicht gleich geringe 
Keimzuhl und den nicht gleich hohen 
r-euchtigkeits-Gohölt untei^tchieden 
sein mug. hmnefhin muß auch der 
Küst^^^riwind uH kühlende^, feiichic, 
sUvubatme Luhströmung gehen, Da- 
Ml herrscht ein ifiglicher Wechsel 
Von. iand- .und Seewind, eine Hr- 
scheimnig, ifie; sich im ganzen Küsten- 
gcMut diü in von West nach 

Osi zvmehinendem Orndc l?e^merkbar 
macht, Athd vörzetgsweise gerade in 
den Soinmnr»"Mr>naieö bei gleich- 
mri ßigern Borom eior.^tcmd mit ruhigem 
HeilioY'ndamiu ) und trockenem Wetter tm Binnen« 

- -- - - - - — Imide. Sie ist mrhi idb^in durch 

Wind und Wellen bedingt, sondern 
durch die ungieiche Lrwäimung. Auf dem Festlonde HÖrd die 
Luft von der Sonne m<L«r erwärmt als über dem M»>ere. Die 
wfirtuere hdchlero lAifts» hii ht Steigt ln die Höbe, eine kühlere, 
sdivvernre strömt vom Meere nnrh. Dnnira !-.eUen seihst bei 
geringster i.uribcwegung nn der Ostsee in deji* Regel vorroittags 
küW^te^fr^'vincle enr» unil wucliscn bis zum üpiiteren Kachmittug 
oft zu grölkrer „Stfirkc on, während sie gegen Abend meis.! uh- 
finuen vmd dem über Nacht leiilvt wehenden LötuUvtnd Raum 
gehen. Dann nach lluiergnng dei Sonne kiihll ?s-ich die I.ult 
über tk^nn Lunde schneller ah und strömt der wunner gc- 
hiivht'öfJu Luf? vl>»;T <iem Mcfue 7u. So kommt es, daß gerade 
NVidircnd dnU Tog<’SstUiiih:Tn, ^ der Kurgast int Freien zu 
verbrirnjen plJfgi; die Seuwuide hei wu'hem fibenviegen. Diese 
Brsrludnuiig zeigi 'virh m um so isturkorenr Grude, je mehr 
dem Hiulerlond der kontinentni»’ Kliimicharakter eigentümlich 
ist, hm stfirkstch itv dem Östlichen G«yhietc- der Ostsee. 

Dabei spielen am b ilie Lage der Küste in einer nach 
Nouieti üpd NordwTsteo gewendeten Richtung und die Ab»- 
höngigkffit der WeUerlage von eiiKT i>aromutnschen De- 
prevsitMV eine RAilhc Der Zug der grölioren lad’lwirbel ini 
Sommer geht meist uus dem höheren Nordwesien nach dem 










Rostock in Mecklenburg- 












( 




124 DEUTSCHLAND Nr.3 


mittleren Skandinavien und dann mit verminderter Ge¬ 
schwindigkeit östlich oder südöstlich weiter. Diese Luft¬ 
wirbel beeinflussen in stärkerem Maße nicht nur das mittlere 
und östliche Ostseegebiet, verhältnismäßig lange auch bleibt 
dies auf der Rückseite der ^'irbel, starke nordwestliche 
Winde herrschen vor. 

Die echten Seebrisen, Luftströmungen, die nur durch die 
ungleiche Erwärmung von Land und Meer hervorgerufen 
werden, nur tagsüber herrschen und bei starken, aus irgend¬ 
einer Richtung wehenden Winden abgeschwächt oder völlig 
aufgehoben werden können, bringen im Sommer gerade an 
der Ostsee eine starke Erniedrigung der Temperatur, und 
vorzüglich an Tagen, an welchen andere stärkere Winde 
nicht herrschen und heiterer Himmel beobachtet wird, die 
also im Binnenlande oft durch unangenehme Hitzesteigerung 
ausgezeichnet sind, macht sich die wohltätige Wirkung der 
Seebrise am häufigsten geltend. 

Die Lufttemperatur an der Ostsee. 

Die Luftströmung wird in ihrer hautreizenden Wirkung 
wesentlich von der Lufttemperatur beeinflußt. Auf dem 
Lande ist die Temperaturerhöhung fast doppelt so groß wie 
auf der Wasseroberfläche, wenn gleich große Flächen Land 
und Wasser von gleichen Wärmemengen bestrahlt werden. 
Die Hälfte der Wärmestrahlen wird auf dem Meere zur 
Bildung von Wasserdampf verbraucht. Außerdem dringt die 
strahlende Wärme der Sonne infolge des besseren Wärme¬ 
leitungsvermögens des Salzwassers bis über 20 Meter tief in 
das Wasser und 
nur etwa T Meter 
tief in das Erdreich 
ein. Nimmt also die 
Wärme - Strahlung 
zu,so bleibt dieLuft- 
Temperatur über 
dem Wasser ge¬ 
ringer als auf dem 
Lande. Dagegen 
geht die Abkühlung 
langsamer vor sich, 
weil die sich ab¬ 
kühlenden Schich¬ 
ten derWasserober- 
fläche aus der Tiefe 
nach oben dringen, 
den wärmeren Platz 
machen. So werden 
durch das Meer 
nicht nur starke 
Schwankungen der 
Temperatur inner¬ 
halb eines Tages, 
zwischen Tag und 
Abend, sondern 
auch Wärmeunter¬ 
schiede zwischen 
den verschiedenen 
Jahreszeiten ausge¬ 
glichen. Das Meer erwärmt sich im Frühling langsamer, der 
Frühling verzögert sich, der Sommer ist kühler. Im Herbst 
aber hält das Meer die Wärme länger zurück, der Herbst 
dauert lange und ihm folgt ein milder Winter. Das Seeklima ist 
ein milderes, gleichmäßigeres als das Kontinentalklima, und 
ein solches ist für manche chronischen Katarrhe, namentlich 
der Atmungsorgane, Grundbedingung zur Heilung. 

Die niedere Temperatur im Sommer steht auch in engem 
Zusammenhänge mit der Bewölkung. Schon der Umstand, 
daß die Atmosphäre über dem Wasser häufiger getrübt ist 


als über dem Lande, trägt zur Milderung der Temperatur¬ 
gegensätze im Sommer und Winter bei. Die bei der großen 
Feuchtigkeit der Luft häufige Wolkenbildung verhindert eine 
allzu rasche Abkühlung, indem sie die Ausstrahlung der Wärme 
in die Luft verhütet. So wird einerseits der Feuchtigkeits¬ 
gehalt durch geringe Temperaturschwankungen gefördert und 
anderseits die Temperatur auf gleicher Höhe gehalten durch 
den großen Feuchtigkeitsgehalt. 

Zugunsten der Nordsee wird geltend gemacht, daß an 
ihr die Maximaltemperaturen weniger hoch sind. Und in der 
Tat ergeben sich für die Sommermonate an der Ostsee höhere 
mittlere Monatstemperaturen. Sie aber sind nicht auf größere 
Mittagshitze, sondern auf höhere Abendtemperaturen zurück¬ 
zuführen. Das aber ist eher ein schätzenswerter Vorteil der 
Ostsee. Denn hier kann der Aufenthalt im Freien, am Strande 
des Abends länger ausgedehnt werden. Der Kranke ins¬ 
besondere mit chronischem Katarrh vermag sich länger 
unbeschadet in der reinen, für seinen Zustand wohltätigen 
Seeluft aufzuhalten. 

Die Luftfeuchtigkeit an der Ostsee. 

Von großer Bedeutung ist der Feuchtigkeitsgehalt 
der Seeluft gegenüber der Landluft. Da durch ihr die 
Wärmeleitungsfähigkeit der Luft beeinflußt wird, bedingt er 
auch den Grad der Wasserverdunstung von der Körper¬ 
oberfläche und den Lungen. Die Luftfeuchtigkeit entstammt 
vornehmlich der steten Verdunstung von der großen, häufig 
bewegten Wasserfläche. Sie teilt der Seeluft einen besonderen 


Brunshaupten (Bülowweg) 

Grad von Feuchtigkeit mit, so daß sie selbst bei ruhigem^ 
unbewegtem Meere stets feucht, niemals trocken ist, und 
zumal in der wärmeren Jahreszeit mit Wasserdämpfen fast 
gesättigt ist. Feuchte Luft aber sagt dem mensch¬ 
lichen Organismus mehr zu als trockene. Die ab¬ 
solute Feuchtigkeit schwankt mit der höheren oder geringeren 
Temperatur, ist im Sommer beträchtlicher als im Winter. 
Sie erlährt eine Vermehrung unmittelbar am Strande durch 
die Beimischung zerstäubter Wasserteilchen bei starker Bran¬ 
dung und starkem Wind. Als weitere Quelle der Luftfeuchtigkeit 








Nr. 3 


11 DEUTSCHLAND 125 


kommen für die Ostsee noch die angrenzenden Wälder in 
Betracht; denn im Walde wird die Luftfeuchtigkeit um eine 
Anzahl Prozente erhöht und erreicht im Sommer einen recht 
erheblichen Wert. 

Die Lichtfülle am Ostseestrand. 

Als weiterer Vorzug der Seeluft gegenüber der Landluft 
ist die Lichtfülle am Strande zu nennen. Sie beruht auf 
der Staubfreiheit der Luft und der Reflexion der Lichtstrahlen 
von den oberen, vegetations« und schattenarmen Sandflächen 


heiter, geschwächt an Körperkraft und zerrüttet in ihrem 
Nervensystem, mürrisch, verdrossen, unlustig und unfähig 
zur Arbeit, mit Undank im Herzen gegen den Seeaufenthah 
im allgemeinen, gegen den von ihnen gewählten Kurort im 
besonderen in die Heimat zurück, weil sie in der Wahl des 
für sie geeigneten Ortes zu wenig Vorsicht übten, weil die 
Reizwirkungen des Klimas nicht der individuellen Empfindlich¬ 
keit gemäß abgestuft, nach der Reizempfänglichkeit abgeändert 
wurden, weil sie vielleicht aus Unkenntnis oder Unverstand, 
ohne Not und ohne ärztlichen Rat auf eigene Faust zu dem 







i 


m 

K 


Mt&ifSisSKmfsS^ 


des Strandes und der Düne. Außerdem erschwert die 
stärkere Luftbewegung an der Küste trotz der häufigen Wolken¬ 
bildung infolge des hohen Feuchtigkeitsgehaltes der Luft die 
Schaffung einer geschlossenen Wolkendecke, und es fehlen 
lichtverdunkelnde Baulichkeiten usw. 

Am menschlichen Körper gibt sich die Wirkung der 
starken Belichtung kund durch die rasch auftretende Färbung 
der Haut, die sich sogar bei besonders disponierten Individuen 
und bei besonders ausgiebiger Einwirkung bis zu mit 
Schwellungen einhergehenden ausgedehnten Rötungen, ja bis 
zu Verbrennungen steigern kann. Zudem übt sie einen 
erregenden Einfluß auf das Nervensystem aus, der vornehm¬ 
lich durch frohere Gemütsstimmung und erhöhte Lebenslust, 
durch größere Schaffensfreudigkeit und gesteigerte Energie 
sich äußert. Die lange Sonnenscheindauer bei frischer, nicht 
drückender Luft und die selbst bei bedecktem Himmel durch den 
Reflex verstärkte Tageshelle beeinflussen die verschiedensten 
Depressionszustände in wohltuender Weise. 

Erhöhtes Wohlbefinden, gesteigerte Arbeits- und Lebens¬ 
lust sind die Folgen der Einwirkung des Sonnenlichtes. 

So wohltuend auch die Lichtfülle zumeist empfunden 
wird, so kann doch zu starke, frei auf den Körper einwirkende 
Lichtfülle bei reizbaren Naturen mancherlei nachteilige Folgen, 
wie Kopfschmerzen, Schwindel und Ohnmächten, Herzklopfen, 
Appetitmangel, Schlaflosigkeit, kurz, dasselbe Krankheitsbild 
hervorrufen, wie durch zu starke vorübergehende oder dauernde 
Rückwirkung der anderen klimatischen Faktoren. Jahr für Jahr 
kehren Tausende und aber Tausende, anstatt lebensfroh und 


vielleicht heilsamen Mittel des Seeaufenthaltes das äußerst 
wirksame, zu eingreifende Seebad hinzugesellten. Mitunter wird 
ein zu langer Aufenthalt am Strande, zumal bei stürmischer 
Witterung, eine Segelpartie, ein ausgedehnter Spaziergang 
am Strande, als Ursache angeschuldigt. Entweder plötzlich 
oder in allmählicher Steigerung tritt die Störung des 
Wohlbefindens ein und hinzu gesellen sich mitunter allerle 
andere Beschwerden, wie Menstruationsstörungen, Lungen¬ 
blutungen, Hämorrhoidal - Beschwerden, Gewichtsabnahme 
Drüsenschwellungen, Asthmaanfälle u. a. m. 

Eine Ueberreizung führt oftmals das schier unglaubliche 
Verfahren herbei, insbesondere Kinder, die daheim ängstlich 
vor jedem Luftzug bewahrt werden, alsbald nach der Ankunft 
am Strande barfuß umherlaufen, fast den ganzen Tag mit 
möglichst geringer Bekleidung an und im Wasser spielen 
sich abwechselnd ausgiebig vom Wasser umspülen und be¬ 
netzen und wieder von Sonne und Wind trocknen zu lassen. 
Daß hierdurch bei dem ohnehin gesteigerten kindlichen Stoff¬ 
wechsel ein enormer Wärmeverlust gegeben ist, dessen Aus¬ 
gleichung nur schwierig und unvollkommen vonstatten geht, 
bedarf keiner Betonung. Die Folgen aber sind hochgradige 
Erregungszustände, Ohnmächten, Appetitmangel, Schlaffheit, 
dauernder Gewichtsverlust. Die Kinder kehren wohl im 
Gesicht und am Körper gebräunt, doch ohne wirkliche 
Erholung, überreizt vom Strande zurück. 

Derartige klimatische Ueberreizungen erfordern dringend 
Schutzmaßregeln, mögen sie nun durch übermäßige Ein¬ 
wirkung der Lichtfülle, der Sonnenbestrahlung oder anderer 










































126 DEUTSCHLAND Nr. 3 


Klimafaktoren, durch ihre Gesamtheit hervorgerufen werden. 
Hat man es einmal in der Hand, der Einwirkung des Sonnen¬ 
lichts dadurch sich zu entziehen, daß man den Aufenthalt am 
Strande bei klarem Wetter nur auf kurze Zeit beschränkt, so 
bieten gerade an der Ostseeküste gegen die starke Ein¬ 
wirkung der Sonne, gegen die übergroße Lichtfülle, gegen zu 
starke Einwirkung der Luftbewegung die vielfach unmittelbar 
bis zum Strande hervortretenden Waldungen einen wirksamen 
Schutz. Von manchem wird es als ein Nachteil der Ostsee¬ 
bäder hinsichtlich der Lichtfülle bezeichnet, daß das Ufer der 
Ostsee meist bewachsen ist und dicht an den Kurorten 
schöne Gärten und Parkanlagen, Buchen- und Kieferi\- 
waldungen besitzt. Doch ist das eher ein nicht hoch genug 
zu schätzender Vorteil. Sie beeinträchtigen weniger die Licht¬ 
einwirkung, als sie einen wirksamen Schutz vor zu starker 
Einwirkung des Lichts und anderer Klimafaktoren gewähren. 
Der Wald bildet „eine gewisse Spezifizität des Ostseeklimas". 


die Bewegung der Seeluft, Seelicht und Seewind. Die 
beruhigenden, schonenden Eigenschaften sind günstige 
klimatische Bedingungen für das Wohlbefinden. Die reizenden, 
belebenden stellen nicht unbeträchtliche Anforderungen an 
den menschlichen Körper. 

Das Seeklima wirkt in erster Linie durch die ausgiebige 
Luftbewegung auf die Haut. Ihr wird je nach der herr¬ 
schenden Windgeschwindigkeit Wärme entzogen. Der Anprall 
der Luftwelle treibt das Blut aus den feinsten Gefäßen der 
Haut in das Körperinnere zurück. Läßt der Luftstoß nach, 
so füllen sie sich wieder, und zwar in etwas stärkerem Grade 
als vorher. Luftwelle folgt auf Luftwelle. Blutleere und Blul- 
fülle der Haut wechseln andauernd. Das Endergebnis dieser 
ständigen Uebung der Hautgefäße ist ein größerer Blut¬ 
reichtum der Haut, jedem Kurgast wohlbekannt. Schon nach 
w'enigen Tagen pflegt die Haut an der See eine frischere 
Farbe zu zeigen. Auch für die Zukunft ist der größere Blut- 



□ □□□ 
□ □ 
□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □ 

□ □□□ 


Insel Rügen: Die Kreidefelsen von Stubbenkammer 


□ □□□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ □□□ 


Gerade in der Kombination von See- und Wald¬ 
luft ist ein hervorragender klimatischer Vorzug 
der Ostseebäder gelegen. In den zahlreichen Ostsee¬ 
bädern mit kräftigen Klimafaktoren gewährt der Schutz, den 
Dünen und Wald bieten, die Möglichkeit, die Reizwirkungen 
den Verhältnissen der Patienten anzupassen. 

Wirkungen des Seeklimas. 

Das Seeklima stellt den wesentlichsten Faktor in den 
Heilwirkungen des Seebades dar. Es verdankt seine außer¬ 
ordentliche und überlegene Wirkung beruhigenden und 
reizenden, schonenden und belebenden Eigenschaften. Zu den 
ersten gehören die Reinheit der Luft, die Gleichmäßigkeit der 
Temperatur, der hohe Feuchtigkeitsgehalt, Eigenschaften, 
durch welche die Seeluft vor der Land- und Gebirgsluft sich 
auszeichnet. Zu den zweiten rechnen wir die Lichtfülle und 


reichtum von Bedeutung. Die Haut wird besser ernährt, ihre 
Widerstandsfähigkeit gegen Temperatureinflüsse wird ge¬ 
steigert, sie wird abgehärtet. In gleicher Weise wirkt die 
Seeluft auf die Schleimhäute der Atmungsorgane ein. Das 
Gesamtresultat ist auch hier Abhärtung und Schutz 
vor Erkältung, die ein längerer Aufenthalt an der See 
gewähren. 

Das Seeklima vermag ebenso wie in noch höherem Maße 
das Seebad den Stoffwechsel des menschlichen Körpers 
anzuregen, die Verbrennungsprozesse zu steigern, und zwar 
weit über die Zeit hinaus, während welcher es direkt auf den 
Organismus einwirkte. Die Verlichtungen der Organe erfahren 
eine Aenderung, eine Anregung. Der Appetit wird gesteigert, 
die Verdauung wird angeregt. Die größere Nahrungsaufnahme 
bedingt bei längerem Aufenthalt an der See eine mehr oder 
weniger große Gewichtszunahme. Freilich machen sich hier 


Nr. 3 DEUTSCHLAND 127 




individuelle Verschiedenheiten bemerkbar. Bei dem einen tritt 
die Anregfung- des Stoffwechsels lebhafter zutage als bei einem 
anderen, bei dem einen hält sie längere, bei dem anderen 
kürzere Zeit vor. Manche Personen auch werden vom See¬ 
klima in dieser Hinsicht nicht 
beeinflußt. Ja, bei demselben 
Individuum kann die Disposition 
wechseln, bald reagiert es auf 
die klimatischen Reize mehr, 
bald weniger. 

Wenn auch der Seewind 
einen erheblichen Anteil an der 
Stoffwechsel-Anregung hat, so 
darf diese Wirkung nicht auf 
einen einzelnen Faktor, auf die 
Lichtfülle, die Luftbewegung oder 
die niedere Lufttemperatur be¬ 
zogen werden. Jeder für sich 
allein ist nur imstande, den 
Stoffumsatz während der Dauer 
seiner Einwirkung und vielleicht 
auch noch kurze Zeit nachher 
zu steigern. Eine dauernde 
Erhöhung des Stoff-Umsatzes 
kann aber nur durch ein passen¬ 
des Zusammenwirken der drei 
Faktoren erzielt werden. 

Seit langem schon hat die 
Erfahrung einen günstigen Ein¬ 
fluß des Seeklimas auf die 
Blutbildung festgestellt. In der Tat haben neuere Unter¬ 
suchungen mit Sicherheit erwiesen, daß dem Seeklima nach 
dieser Richtung eine Art spezifischer Wirkung innewohnt. 
Insbesondere schreibt man sie dem Sonnenlicht zu, dessen 
wärmespendende Kraft gegenüber der Wirkung der leuch- 


der Blut Zusammensetzung als lebhafte, elastische Naturen. 
— Der Hautreiz, den die bewegte Seeluft ausübt, pflanzt 
sich auf den Blutkreislauf fort. Durch die Wärmeentziehung, 
den Kältereiz werden zuerst die Gefäße der Haut verengt. 


das Blut aus der Haut getrieben. Später erweitern sie sich 
wieder, das Blut strömt wieder nach der Peripherie, der 
Puls wird kräftiger, die Herzarbeit energischer. Trotz dieser 
blutdrucksteigemden, die Herzarbeit erhöhenden Wirkung 
ließ — und dieser Befund ist in praktischer Beziehung äußerst 

wichtig und wertvoll — das 
Luftbad an der See weder bei 
Gesunden noch bei Kranken, 
die an Arterienverkalkung 
litten, von dieser Wirkung 
etwas erkennen. Bisher nahm 
man an, daß Arterienver¬ 
kalkung, wenn sie nicht den 
Aufenthalt an der See ganz 
verbietet, wenigstens größte 
Vorsicht erfordert. Das kann 
nach dieser tatsächlichen 
Erfahrung nicht mehr zu 
Recht bestehen. Es liegt 
kein Grund vor, auch 
an Arterienverkalkung 
Leidenden den Genuß 
und den Nutzen des See- 
klimas vo r z u e n t h a 11 e n 
und zu versagen. 

Die gemäßigte Tempera¬ 
tur, der hohe Feuchtigkeits¬ 
gehalt der Luft wirken auf die 
Atmung besonders wohl¬ 
tuend. Dazu regt die Rein¬ 
heit und Keimarmut der Luft 
die Atmung an. Der Mensch 
atmet schon bei Annäherung 
an die See kräftiger ein und 
aus. Die Brust weitet sich. Die Lunge wird kräftiger 
durchspült. Selbst Teile, die bei gewöhnlicher oberflächlicher 
Atmung nicht oder nur wenig in Tätigkeit treten, nehmen 
an der Atmung teil. Der Gasaustausch wird lebhafter, das 


Göhren auf Rügen 

tenden und chemisch wirkenden Strahlenbündel zurücktritt. 
Besonders interessant ist, daß das Temperament des Menschen 
eine Rolle zu spielen scheint. Körperlich und geistig trägere, 
stumpfe Kinder zeigten eine weniger energische Besserung 





























128 DEUTSCHLAND Nr.3 


Blut nimmt mehr Sauerstoff aus der Luft auf und gibt in 
vermehrtem Maße Kohlensäure ab. 

Die wichtig^ste Wirkung des Seeluftgenusses ist jeden¬ 
falls eine Erhöhung des gesamten Stoffwechsels. Sie beruht 


auf dem gesteigerten Verbrauch von Körpermaterial, auf der 
vermehrten Nahrungsaufnahme, die nicht nur den Verlust deckt, 
sondern darüber hinausgeht, und auf der beschleunigten Um¬ 
setzung der eingeführten Nährstoffe und beförderten Aus¬ 


scheidung des verbrauchten Materials. Da die Stoffwechsel¬ 
steigerung die gesamten Körperverrichtungen beeinflußt, übt 
sie eine gewaltige Wirkung auf die Hebung des Allgemein¬ 
befindens, auf die Beseitigung von Schwächezuständen ins¬ 
besondere des Nervensystems. Nicht zu leugnen allerdings 
ist, daß auch andere Faktoren mitspielen, die jedoch von 


dem Aufenthalt an der See untrennbar sind. Der Patient 
verläßt das gewohnte Milieu, häusliche und berufliche Sorgen 
nahen sich ihm weniger. Ruhe und veränderte Lebensweise 
machen sich geltend. Dazu aber kommen die Eindrücke 

der erhabenen Natur auf 
die Psyche bald durch ihre 
im hellsten Sonnenglanze 
strahlende lichte Schönheit, 
bald durch ihre von der Ge¬ 
walt des Sturmes entfesselte 
imposante Wildheit. Ja, das 
ewige, unendliche Meer ist 
eine Macht, ein Geheimnis. 
Immer neue überraschende 
Bilder entrollt die nie rastende 
See. Manchmal wohl mag 
es scheinen, als ob der 
See-Aufenthalt aufregend 
wirke. Doch bei richtiger 
Wahl des Ortes, bei zweck¬ 
mäßigem Verhalten des 
Patienten wirkt gerade das 
Unendliche, das Großartige 
der Natur, das Machtvolle 
der Wogen und ihrer Bran¬ 
dung, das herrliche Rau¬ 
schen des deutschen Waldes 
beruhigend und kräftigend 
auf den Geist, auf die 
vom Hasten und Jagen des 
täglichen Lebens abgearbeiteten, geschwächten Nerven. — 
Die Bedeutung und der Wert der Seeluft werden auch noch 
dadurch erhöht, daß niemand ihrem Einfluß sich entziehen 
kann. Er kommt im Gegensatz zu dem kurzdauernden Seebad 

immer zur Geltung, solange 
der Mensch im Freien, am 
Strande sich auf hält, und 
um so mehr, als weder außer¬ 
ordentliche Mittaghitze noch 
empfindliche Morgen- und 
Abendkühle die Aufenthalts¬ 
dauer im Freien beschränken. 
Zu heilsamen indes werden 
die an der See bestehenden 
Reize gestaltet dadurch, daß 
man sie nach Reizempfind¬ 
lichkeit und Reizempfäng¬ 
lichkeit abstuft und ab¬ 
ändert. Das aber ist an der 
Ostsee möglich, das be¬ 
deutet einen außerordent¬ 
lichen Vorzug der Ostsee. 
Der Schutz gegen die indivi¬ 
duell zu starken Wirkungen 
von Seelicht und Seewind, 
den die Wälder in hin¬ 
reichendem Maße bieten, er¬ 
möglicht die Heilkräfte indi¬ 
viduell so zu formen und 
einwirken zu lassen, daß 
Förderung ohne Schaden 
und gradweise Abstufbarkeit 
auch für die geschwächtesten Organismen gegeben sind. 

Der Winter an der Ostsee. 

Gerade diese Eigenschaft, die Möglichkeit der Abstufung 
und Abänderung der Heilfaktoren eignet die Ostscebädei 
vorzüglich zur Winterkur. Alteingewurzelt vorzüglich im 



Lubmin 



Heringsdorf 

















Nr. 3 DEUTSCHLAND 129 


Binnenlande ist noch immer der Irrglaube, daß der Winter 
an der See nicht nur annähernd so kalt wie im Binnenlande 
sei, sondern sogar noch kälter. Und doch zeichnet sich der 
Winter an der See durch seine milden und gleichmäßigen 
Temperaturverhältnisse aus. Vorzüglich wird zuungunsten 
der Ostsee geltend gemacht, daß die dort vorherrschende 
Windrichtung eine Winterkur nicht zuträglich macht. Die 
vielen Ostwinde seien den Kranken schädlich, während an 
der Nordsee dadurch günstigere Bedingungen vorlägen, daß 
vorzüglich Westwinde, also Seewinde, in Frage kämen, die 
keine Kälte mit sich brächten. Indes ist nach den Berichten 
der Kaiserlichen Seewarte auf Grund von 25jähriger Be¬ 
obachtung in den Jahren 1875—1900 in Borkum, Sylt und 
Wilhelmshaven einerseits, und Kiel, Labö, Wustrow, Neufahr¬ 
wasser und Memel anderseits die Häufigkeit der Tage mit 
den gefürchteten Ost- und Nordostwinden an der Nordsee 
bei dem mangelnden Schutz viel größer als an der Ostsee. 
An der Nordsee wurden im Jahresdurchschnitt 32,7 Tage 
mit Ost- und 27,6 Tage mit 
Südostwinden, an der Ost¬ 
see 27,3 Tage mit Ost- und 
38,6 Tage mit Südostwinden 
gezählt. Und die Beobach¬ 
tungen der letzten Jahre er¬ 
gaben in Uebereinstimmung 
damit für die Nordsee 27,5 
Tage mit Ost- und 26,4 Tage 
mit Südostwinden, für die 
Ostsee dagegen 23,5 Tage 
mit Ost- und 32,2 Tage mit 
Südostwinden. Während also 
im Sommer der Seewind 
von Helgoland nach der ost¬ 
preußischen Küste steigend 
an Heftigkeit zunimmt, so daß 
die Kurorte des Samlandes 
als die windkräftigsten und in 
dieser Hinsicht der Nord¬ 
see überlegen angesehen 
werden müssen, ist es im 
Winter umgekehrt. Die Tage 
mit den gefürchteten Ost- 
und Nordost-Winden sind 
an der Nordsee häufiger, 
während die Ostsee dafür 
ein Plus an solchen mit 
Südost verzeichnet. In der 
Windrichtung ist demnach 
kein Moment zu sehen, das 
die Nordseebäder vor den Ostseebädern voraus hätten. 

Die Temperaturen sind allerdings an der Nordsee im 
Winter etwas höher als an der Ostsee. Dem gegenüber steht 
als schätzenswerter Vorzug der Ostsee die geringere Wind¬ 
stärke, der Windschutz durch natürliche Schutzanlagen und 
der geringere Feuchtigkeitsgehalt. Denn bei leichtem Frost 
und ruhiger trockener Luft kann man sich im Freien recht 
behaglich fühlen, während man bei einigen Grad Wärme und 
starkem, zumal feuchtem Wind lebhaft frieren kann. Und 
wenn auch die Landwinde an der Ostsee im Winter häufiger 
sind, so kommen sie in waldumsäumten Ostseebädern nicht 
überall zur Entfaltung. Selbst bei noch so starker Luft¬ 
bewegung wird man stets an der Ostsee für Kurbedürftige 
Gegenden, oft sogar in unmittelbarer Nähe der See, zur Ver¬ 
fügung haben. Keineswegs also steht im allgemeinen der 
Heilwert der Ostsee hinter dem der Nordsee auch hinsichtlich 
von Winterkuren zurück. 

Freilich nicht alle Orte an der Ostsee dürften sich in 
gleicher Weise zu Winterkuren eignen. Die Lage, die Küsten- 


und Bodengestaltung, der Windschutz bedingen Verschieden¬ 
heiten. Gar mancher Ort mit ausgesprochen exponierter Lage 
dürfte von vornherein aus der Reihe der Winterkurorte aus¬ 
zuschließen sein. Immerhin liegt kein Grund vor, der Ostsee 
Eigenschaften abzusprechen, die man bereitwilligst der Nordsee 
zuerkennt, da doch die klimatischen Faktoren bei beiden die 
gleichen sind. In der Tat haben die von der Natur mit allen 
Vorzügen und mannigfachen Reizen geschmückten Kurorte der 
Ostsee sich ihren langen, allzu langen Dornröschenschlaf aus 
den träumerischen Augen gewischt und mit jugendlicher Kraft 
an die Lösung der von der Natur gestellten Aufgabe sich heran¬ 
gemacht. In der Tat sind in einer Reihe von Ostseebädem 
geradezu glänzende Erfolge mit Winterkuren erzielt, z. B. in 
Cranz, Zoppot, Kolberg, Misdroy, Zinnowitz u. a. m. Ja, die 
Resultate der Winterkuren überragen die der Sommerkuren 
um ein Bedeutendes. 

Auch wenn man in Rechnung zieht, daß das Wetter 
in den Monaten Januar bis April erfahrungsgemäß das 


schlechteste des ganzen Jahres ist, so bleibt noch eine lange 
Zeit des Jahres übrig, die entgegen den heute noch vielfach 
geltenden Vorurteilen zweckmäßig und erfolgreich zu Kuren an 
der Ostsee verwendet werden kann, ohne auf die paar eigent¬ 
lichen Sommermonate beschränkt zu sein. Unverständlich 
gar erscheint es, warum die herrliche Zeit des erwachenden 
Frühlings, der auch an der Ostsee so köstlich sich gestaltet, 
warum der noch viel schönere Herbst mit seinem unendlichen 
Farbenreiz in den erglühenden Wäldern — ohne Zweifel die 
schönste Zeit am Ostseegestade — nicht viel geeigneter gilt 
für eine Kur, nicht viel lieber dazu gewählt wird, dem siechen 
Körper, dem abgearbeiteten Geiste neue Lebenskraft, Stärkung 
und Genesung zuzuführen, als der wärmere geräuschvolle 
Sommer, wenn Hunderttausende, Erholung und Erfrischung 
heischend, an die See eilen. 

Das kalte Seebad. 

Eine ähnliche Wirkung wie das Klima, nur in gesteigertem 
Maße, kommt dem kalten Seebad zu. Und doch unterscheiden 



Ahlbeck 






130 DEUTSCHLAND Nr. 3 


sich beide ganz außerordentlich. Das kalte Seebad stellt 
eben einen nur auf kurze Zeit wirksamen Reiz dar, wirkt 
shockartig ein. Aber trotz des zeitlich engbegrenzten 
Gebrauches ist die Wirkung eines jeden Bades eine weit 
energischere. Auch im Seebade handelt es sich im wesent¬ 
lichen nicht um chemische, sondern um physikalische Eigen¬ 
schaften. Gerade durch sie entfaltet das Seebad ganz 
hervorragende Einwirkungen auf den menschlichen Orga¬ 
nismus. Durch sie wird auch die Ostsee zu keinem gleich¬ 
gültigen, untergeordneten Heilfaktor, wie leider immer noch, 
insbesondere von 
Laien, angenom¬ 
men wird, die da 
meinen, stets und 
zu allen Zeiten un- 
gestraftder nassen 
Flut ihren Körper 
bieten, ihre Ge¬ 
sundheit anver¬ 
trauen zu können. 

Das Seebad ist 
vielmehr ein mäch¬ 
tiges, eingreifen¬ 
des Mittel, eines 
der kräftigsten Er¬ 
regungsmittel, das 
höchst energisch 
auf den mensch¬ 
lichen Organis¬ 
mus einwirkt. Nur 
zu oft wird diese 
Tatsache verkannt 
und dadurch un¬ 
endlich viel Un¬ 
heil angerichtet. 

Gerade an der 
Ostsee holen sich 
Tausende und aber Tausende den Keim zu dauernder Krank¬ 
heit, zu frühem Siechtum, und allein durch unverständigen 
Gebrauch des kalten Seebades. Keine Kur erheischt, wenn 
es sich um wirkliche Heilzwecke handelt, eine solche 
Kontrolle, und keine kann durch Fehlgriffe so leicht in 
ihren Erfolgen beeinträchtigt werden, wie die Seebadekur, 
während gerade sie anderseits mehr zum Mißbrauch reizt 
wie irgend eine andere. 

Die Heilkräfte des Ostseebades. 

Noch heute ist die Anschauung vielfach gang und gäbe, 
daß vorzüglich chemische Reize zum mindesten eine nicht 
unwesentliche Rolle beim Seebade spielen, daß das Seebad 
je nach den verschiedenen Meeren mit ihrem verschiedenen 
Salzgehalt ein schwaches bis ziemlich starkes, kühles, 
bewegtes Solbad darstellt, so daß demnach die salzreicheren 
Seebäder die wirksamsten sind. Der Köhlerglauben der alten 
Bademedizin, daß das Kochsalz und andere Stoffe von Bade¬ 
wasser durch die Haut in das Blut übergehen und auf innere 
Organe eine Wirkung entfalten können, ist immer noch im 
Schwange. Auch die Meinung ist unhaltbar, daß der Salz¬ 
gehalt des Meeres eine rein örtliche, mechanische Wirkung 
auf die Haut entfaltet, daß die nach dem Bade auskristalli¬ 
sierenden Salzteilchen auf der Haut haften bleiben und eine 
körperlich reizende Wirkung auf die Nerven und Blutgefäße 
der Haut ausüben und zum Zustandekommen des behaglichen 
Wärmegefühls nach dem Bade beitragen. 

Dem Salzgehalt des Seewassers ist keine 
irgendwie nennenswerte Bedeutung zu zu er¬ 
kennen, mag er nun 3,2 bis 3,5 ®/o in der Nordsee betragen 
oder in der Ostsee von West nach Ost von 2,4 bis auf 0,7 


zurückgehen. Eine Salzwirkung, wie sie vielleicht bei warmen 
Solbädern, bei warmen Seebädern anzunehmen ist, kann um 
so weniger in Frage kommen, als durch den Kältereiz im 
Seebade die Muskelfasern der Haut und ihre Blutgefäße sich 
sofort krampfhaft bis zur Blutleere zusammenziehen, und 
anderseits die Badedauer viel zu kurz ist, um eine chemische 
Wirkung zur Geltung zu bringen. Das Seewasser wirkt 
vornehmlich durch seinen Kältereiz und durch 
seine Bewegung. Beide Reizwirkungen lassen sich freilich 
nicht voneinander trennen. Beide haben einen gemeinsamen 

Angriffspunkt, die 
Hautnerven. 

Die Temperatur 
des Seewassers ist 
stets geringer als 
die der Luft, bleibt 
fast immer um 
etwa 20® C hinter 
der Blut-Wärme 
zurück. Anderseits 
aber ist die Tem¬ 
peratur des Meer¬ 
wassers gleich¬ 
mäßiger und be¬ 
ständiger als in 
Seen und Flüssen, 
und ist keinem so 
raschen Wechsel 
unterworfen wie 
die der Luft. Das 
Seebad stellt also 
einen höchst in¬ 
tensiven Kältereiz 
dar und seineWir- 
kung wird noch 
dadurch verstärkt, 
daß das den 
Körper umgebende Wasser keine Zeit hat, an diesem sich 
zu erwärmen, sondern fortdauernd durch neues ersetzt wird. 
Immer von neuem macht sich der Kältereiz geltend und 
wird um so lebhafter und stärker empfunden, als er ja die 
ganze Fläche der Haut trifft. 

Der erste Eindruck, den das kalte Seebad macht, ist 
durch die plötzliche Wärmeentziehung ein nicht einmal an¬ 
genehmes Kältegefühl, und dieses kann sich sogar bei emp¬ 
findlichen Personen bis zum Kälteschmerz steigern. Kräftig 
abgekühlt aber wird nur die Haut und das unter der Haut 
liegende fetthaltige Zellgewebe. Eine tiefergehende Herab¬ 
setzung der Körpertemperatur wird einmal durch die kurze 
Dauer des Bades, sodann durch das schlechte Wärmeleitungs¬ 
vermögen der menschlichen Haut und vor allem durch die 
kräftige Zusammenziehung der Blutgefäße der Haut verhindert, 
die diese blutleer macht. 

Diese Erscheinung ist der Ausgangspunkt wichtiger Ver¬ 
änderungen in der ganzen Blutbewegung. Die krampfhafte 
Zusammenziehung der Muskelfasern und der Blutgefäße der 
Haut treibt das Blut von der Oberfläche nach den inneren 
Teilen, verhindert den Blutzufluß zur Haut, sie wird blaß. 
Die inneren Organe werden stärker mit Blut gefüllt, ihre 
Funktion wird gesteigert, die Herztätigkeit verstärkt, der Puls 
klein und schnell, die Zahl und Tiefe der Atemzüge nimmt zu. 

Diese erste Wirkung der Kälte geht rasch vorüber und 
wandelt sich in das Gegenteil. Vielmals unter kräftiger Herz¬ 
kontraktion und erheblicher Beschleunigung des Pulses kehrt 
das Blut zur Haut zurück, die Hautgefäße erfahren eine 
lähmungsartige Erschlaffung und Erweiterung und eine ver¬ 
mehrte Blutfülle. Die Haut rötet sich lebhaft. Dieser Prozeß 
der Gegenwirkung, der Reaktion, geht mit einem angenehmen 



Zinnowitz 








Nr. 3 DEUTSCHLAND 131 


Wärmeg-efühl einher, so daß die Badenden oft nicht das 
Bedürfnis haben, sich trocken zu reiben, sondern am Strande 
liegend sich durch Sonne und Luft trocknen zu lassen. 
Anderseits verführt sie auch leicht, das Bad über Gebühr 
auszudehnen. Bei den einzelnen Individuen ist das Auf¬ 
treten der Reaktion je nach der Nervenempfindlichkeit der 
Haut, der Stärke und Wirkungsdauer des Kältereizes, der 
niedrigen Temperatur des Wassers und der Länge des Bades 
verschieden. 

Der einmalige heftige Shock des kalten Bades ist gegen¬ 
über der Einwirkung der Seeluft ein noch gewaltigerer Ein¬ 
griff in den Körperhaushalt, der schnelleren Ersatz des 
Zerstörten fordert. Nicht jeder Organismus besitzt die Re¬ 
servekräfte in den Werkstätten seiner Blutbildung, um rasch 
den regen Bedarf zu befriedigen. Beim Reaktionsstarken 
folgt nach Abklingen der ersten Müdigkeit dem Reize eine 
kräftige, überschießende Neubildung, und ihr entspricht eine 
allgemeine Erhöhung der Wesensfrische. Bei anderen bleibt 
die Müdigkeit und steigert sich von Tag zu Tag, ja, kann 
sogar nach einem einzigen Bade zu einem schweren und 
langdauernden Schwächezustand Veranlassung geben. Herz¬ 
klopfen, Kopfweh, Mattigkeit und Ohnmachtsneigungen sind 
die Erscheinungen einer Blutverschlechterung. Vielleicht tritt 
noch Erholung ein, vielleicht aber auch ist der Erfolg der 
aussichtsreich begonnenen Klimakur dahin, und der Kranke 
kann froh sein, wenn er nicht schlimmer nach Hause zurück¬ 
kehrt, als er an das Seegestade zu seiner Erholung geeilt ist. 
Nur reaktionskräftige Individuen erfahren durch die Faktoren 
des Seebades kräftige Anregung und Belebung. Blutarme 
und schwache Kranke dürfen nur mit großer Vorsicht, 
Personen mit Herz- oder Gefäßkrankheiten unter keinen 
Umständen kalte Seebäder genießen. Für Gesunde mag im 


allgemeinen als Regel dienen, daß ein Bad nur gut bekommt, 
wenn nach der ersten Kälteeinwirkung das behagliche 
Wärmegefühl in der Haut sich einstellt, daß ein Bad 
unter allen Umständen abgebrochen werden muß, wenn 
diese Reaktion schon im Bade sich geltend macht. Das Bad 
war unzweckmäßig und bekommt schlecht, nach welchem 
die Frostempfindung und die Hautblässe längere Zeit an¬ 
dauern. Der übermäßig ausgedehnte, stundenlange Aufenthalt 
im Wasser wird in den seltensten Fällen ohne dauernden 
Schaden bleiben, weil die langdauernde Einwirkung des 
kalten Wassers dem Körper zu viel Wärme entzieht. Es 
müßte denn sein, daß der Kurgast durch ein zweckmäßiges 
Training an die Einwirkung der Kälte seinen Körper all¬ 
mählich gewöhnt. Im allgemeinen aber ist das Seebad um 
so bekömmlicher und ungefährlicher, je kürzer die Dauer 
des Bades gewählt wird. 

Für den Beginn einer Seebadekur ist eine geringere Wasser¬ 
temperatur als 12^ C. nicht zweckmäßig und empfehlens¬ 
wert. Im allgemeinen darf man eine solche Wassertemperatur 
in der Ostsee um Mitte Juni erwarten. Denn das Meer 
erwärmt sich im Frühling nur langsam. Dagegen kühlt es 
sich auch nach dem Eintritt kühlerer Lufttemperatur im 
Spätsommer, Anfang September, langsamer ab. Gerade die 
Septemberbäder gelten trotz ihrer oft um mehrere Grade 
hinter der oben bezeichneten zurückbleibenden Wasserwärme 
als besonders erfrischend und heilkräftig, zumal die Lufi- 
wärme ungleich höher zu sein pflegt. Für sie aber heißt es 
besonders Vorsicht walten zu lassen, insbesondere in bezug 
auf die Dauer des Bades. 

Die Wirkung des Kältereizes wird verstärkt durch die 
Bewegung des Wassers, durch den Wellenschlag, wodurch 
immer wieder neue kühle Wassermassen mit der Körper- 



Swinemünde 




132 DEUTSCHLAND Nr. 3 




Oberfläche in Berührung kommen und wirksam bleiben. Schon 
bei mäßigem Wellenschläge wechselt Entblößung des Ober¬ 
körpers und Wasserüberschüttung; bei starkem Seegang wird 
die Haut förmlich durchgepeitscht, und das Bad kann eine 
erhebliche körperliche und geistige Anspannung verursachen. 
In der Tat genügt schon die Kraft einer mittleren Welle, eine 
Körpermassage zu üben, die durch ein künstliches Wellenbad 
oder eine Dusche nicht geleistet werden kann. Der starke 
Anprall der Wasserwoge mit seiner an 
Erschütterung grenzenden Wirkung ist an 
sich schon ein gewaltiger Reiz, und 
im Kampf mit den Wellen, in dem Be¬ 
streben, ihnen standzuhalten, ist eine Auf¬ 
forderung zu unbewußter kräftiger Muskel¬ 
bewegung gegeben, deren Einfluß auf die 
Beschleunigung und Erhöhung der Reaktion 
bekannt ist. Dazu kommt die mehr oder 
weniger lebhafte Reibung an der Körper¬ 
oberfläche, welche die zahlreichen mit dem 
Wasser herangebrachten Sandkörner ver¬ 
ursachen und die Wirkung des Wellen¬ 
schlages auf die Haut bei starker Brandung 
nicht unwesentlich verstärken. 

Zugunsten der Nordsee wird immer 
geltend gemacht, daß in der Ostsee die 
Bewegung des Seewassers von geringer, 
ja minimaler Bedeutung, in der Nordsee 
stärker und beständiger sei. Gewiß ver¬ 
halten sich nach dieser Richtung hin nicht 
alle Ostseebäder gleich, weisen je nach 
ihrer Lage, nach der Gliederung der Küste 
große Verschiedenheit auf. 

Die treibende Kraft für die oberflächlichen 
Schichten des Meeres ist der Wind. Je nach seiner 
Stärke erzeugt er eine mehr oder weniger kräftige Wellen¬ 
bewegung, die sich in der Windrichtung fortpflanzt, in ihrer 
Entwicklung von der Größe des Meeresbeckens abhängig ist 
und an der Küste in die Brandung übergeht. Und für den 
Wellenschlag ist gerade die Ostseeküste vorzüglich günstig 
gestellt, da sie in ihren längsten Strecken von SW. nach NO. 
verläuft und als Windrichtung die nordwestliche vorherrscht. 
Wo ein kräftiger Seewind die Wassermassen, ungehindert 
durch vorgelagerte Inseln oder Halbinseln, der Küste zuführt, 
wenn ein Kurort an einer nach NW. offenen Bucht oder an 
langgezogener Küste liegt, türmen die vom Winde ge¬ 
peitschten Wellen mächtig sich auf und erzeugen oftmals eine 
wild tosende Brandung, so daß es unmöglich wird, das Seebad 
zu genießen. In keinem Sommer fehlt es in solchen Orten 
an Tagen, an denen das Baden wegen zu hohen Seeganges 
verboten werden muß. Ja, in einigen Bädern Ostpreußens 
geschieht das viel häufiger als auf Sylt, das unter den Nordsee¬ 
inseln dank seiner Lage durch starken Wellenschlag beson¬ 
ders sich auszeichnet. Anderseits wird an manchen Stellen 
der reich gegliederten Ostseeküste durch Küstenvorsprünge, 
durch ihre Lage in der Nähe von Inseln, in weit ins Land 
einschneidenden Buchten die Kraft der Wellen gebrochen, 
weil der Wind nicht die Oberfläche in Bewegung zu setzen 
vermag. Fehlt aber der Wind, so ist auch die Nordsee trotz 
des Wechsels von Ebbe und Flut ohne jede Wellenbewegung, 
liegt glatt und ruhig da, ohne Brandung plätschert das Meer 
um Strande. Dagegen wirkt die Flutströmung verstärkend 
auf den Wellenschlag, vorausgesetzt, daß sie mit dem Winde 
gleichgerichtet ist. 

Ein Vorzug aber dürfte der Ostsee nicht abzusprechen 
sein, und er ist nicht gering zu vernnschla<jen. An der 
Nordsee ist der Badende wegen des mit der Ebbe zurück"* 
tretenden Wassers an die Stunde der Flut zum Genüße des 
Bades gebunden. Die Badezeit schwankt andauernd und er¬ 


fordert sonst noch besondere Vorkehrungen. An der Ostsee 
dagegen schafft der Mangel merkbarer Flut und Ebbe eine 
ständige Bademöglichkeit. Da die Temperatur der umgebenden 
Luft nicht ohne Belang für die Wirkung der kalten Seebäder 
ist, hat der Badende die Annehmlichkeit, die Badezeit je nach 
der Luftwärme, nach der Tagestemperatur auszuwählen. Dies 
hat eine nicht unerhebliche Bedeutung insofern, als dadurch 
erst ein regelmäßiges Baden überhaupt ermöglicht wird. 


Tätigkeit der Absonderungsorgane, in einer Steigerung des 
Stoffwechsels. Der Appetit wird vermehrt, Körpersubstanz 
neugebildet über das entzogene Maß hinaus, eine Zunahme 
des Körpergewichts tritt ein. Und diese Anregung des 
Gesamtzustandes bezieht sich nicht nur auf die Dauer der 
Seebadekur, sondern reicht lange über sie hinaus. 

Allerdings ist das Seebad mit seiner in vermehrter Rück¬ 
bildung und gesteigerter Neubildung von Körpersubstanz sich 


Die Wirkung des kalten Seebades. 

Die Wirkung des Seebades ist im großen und ganzen 
der des Seeluftbades ähnlich, übertrilft diese aber um ein 
recht bedeutendes. Der Reiz, den das bewegte, kalte Bad 
auf die Nervenendigungen der Haut ausübt, ist weit stärker 
und kräftiger, und indem sich diese Erregung zum Zenlral- 
organ fortpflanzt, werden von hier aus besonders mächtige 
Rückwirkungen ausgelöst. Sie äußern sich in einer Anregung 
des ganzen Lebensprozesses, insbesondere in einer erhöhten 


Bansin 





















Nr. 3 |S 


II DEUTSCHLAND 133 


äußernden Endwirkungf ein mächtig in den Stoffwechsel ein~ 
greifendes Mittel, das eine gewisse Leistungsfähigkeit des 
Organismus voraussetzt. Es muß eine gewisse Energie, eine 
bestimmte Kraft besitzen, um durch genügende Reaktion den 
vermehrten Stoffverbrauch zu ersetzen. Fehlt dies Maß an 
Kräften, so ist das Endresultat nicht Kräftigung, sondern 
Ueberreizung, Schwächung, Abmagerung. Das Seebad ist 
eben an sich kein Stärkungsmittel, es wird dazu erst, wenn 


Berg-Dievenow 

durch die Reize, die es in sich birgt, eine erhöhte Tätigkeit 
der organischen Vorgänge hervorgerufen und die durch 
den Wärmeverlust bedingte Stoffverminderung nicht bloß 
bis zu dem entzogenen Maße, sondern noch über dieses 
hinaus ersetzt wird. 

Das Seebad ist ein heroisches Mittel wie kein anderes 
und kann in den geeigneten Fällen durch nichts ersetzt werden. 

Heilanzeigen der Ostsee. 

Wie aber schon das Seeklima als höchst eingreifendes 
Mittel nicht von jedem beliebig, ungeschmälert, ohne Schaden 
genossen werden kann und darf, so sollte die Anwendung 


des kalten Seebades, als eine Form direktester Einwirkung auf 
den menschlichen Körper, hinsichtlich Dauer und Häufigkeit, 
Zeit und Stärke allein dem Urteil des erfahrenen Arztes unter« 
stehen. Insbesondere gilt das für Kranke. Ueber Zweck« 
mäßigkeit und Einrichtung einer Seebadekur kann und darf 
lediglich der sachverständige Arzt entscheiden, insbesondere 
wenn es sich um Personen handelt, die zuvor niemals in der 
See gebadet haben. Wichtiger und nutzbringender als See« 
badekuren sind oftmals klimatische Kuren 
an der Ostsee. Aber auch sie sollten zur 
Vermeidung von oft dauerndem Schaden 
durch unzweckmäßigen Gebrauch nur auf 
Verordnung und unter Aufsicht eines mit 
den örtlichen Verhältnissen vertrauten Arztes 
unternommen werden. Im allgemeinen wird 
ein Aufenthalt an der Ostsee einen Erfolg 
erwarten lassen, wo es auf allgemeine 
Kräftigung schwächlicher oder durch Berufs« 
arbeit, Lebensweise, schlechte Luft oder 
mangelhafte Ernährung, durch Krankheit oder 
Gemütseindrücke geschwächte Personen an« 
kommt, oder wo die Abhärtung eines schlaffen, 
anfälligen, verweichlichten Körpers angestrebt 
wird. Die Größe des Erfolges freilich hängt 
sehr wesentlich davon ab, daß bei richtiger 
Auswahl des Ortes die Kur den individuellen 
Bedürfnissen angepaßt wird. 

Heilanzeigen für den Gebrauch von 
Kuren an der Ostsee sind besonders Skro« 
fulose, englische Krankheit, Blutarmut und 
Bleichsucht, ferner die chronischen Katarrhe 
der oberen Luftwege und der ' Lungen, 
Lungenspitzen« Katarrh, Lungen - Erweiterung und Asthma. 
Günstig beeinflußt werden auch die funktionellen Nerven« 
krankheiten, von der einfachen nervösen Abspannung durch 
Ueberarbeit oder unzweckmäßige Lebensweise bis zu den 
schwereren Formen der Neurasthenie und Hysterie. 

Nicht zuletzt kommen Ostseebadkuren bei Stoffwechsel¬ 
krankheiten, Rheumatismus, Gicht, Zuckerkrankheit, Fettsucht 
und zahlreichen Frauenkrankheiten, sowie bei Schwäche¬ 
zuständen nach Operationen und Infektionskrankheiten, ins¬ 
besondere bei Nachkrankheiten nach Influenza und als Nach¬ 
kur nach anderen Kuren, z. B. in Kissingen, Wiesbaden, 
Polzin, Ems u. a. m. in Frage. 



Ar die Ostsee, 



O liebe Ostsee, dein gedenkend, 

Führ ich mich nahe dir und schau'. 

Den frohen Blick in dich versenkend. 
Dein wunderbares tiefes Blau. 

Zu sehn es und es einzusaugen. 

Welch eine Freude, welche Lust! 

Das tut so wohl nicht nur den Augen, 
Nein, auch dem Herzen in der Brust. 



Wie hört' ich oft der Vöglein Singen 
Und freute mich am bunten Blühn, 

Wo die kristallnen Bächlein springen 
Hinab zu dir aus Waldesgrün 1 
Gestreift von feuchten Windes Hauchen 
War ich von deinem Reiz entzückt, 
ln deine kühle Flut zu tauchen. 

Hat Leib und Seele mir erquickt. 


Dir, Ostsee, bin ich treu geblieben. 

Sah ich auch sonst manch stolzes Meer, 
Du hast dich mir ins Herz geschrieben 
Von meiner Kindheit Tagen her. 

Da ich zuerst blickt' auf dich nieder 
Von eines grünen Hügels Höh'. 

Wie gern dann stets sah ich dich wieder. 
Du liebe heimatliche Seel Johannes Trojan. 




















11 


I; 
I ■ 


134 ÜB 


31 DEUTSCHLAND 


Nr. 3 


Rundgang durch die dem Verbände Deutscher Ostseebäder 
angeschlossenen 85 Ostseebäder. 


Bei der Länge der 
deutschen Ostseeküste 
ist es begreiflich, daß 
die Naturschönheiten 
dieser Orte mannig¬ 
faltig, ihre klimatischen 
Verschiedenheiten groß 
sind. Oft nicht näher 
zu bestimmende Ur¬ 
sachen, die bei der 
Entwicklung der Orte 
wirkten, haben in dem 
einen die größte Ele¬ 
ganz modernen Bade¬ 
lebens entstehen lassen, 
in dem anderen zwang¬ 
los geselligen Verkehr 
gefördert und wieder 
andere für die ruhige 
Erholung suchenden 
Kranken geeignet ge¬ 
macht. Daher sind, so 
groß die Zahl der Ost¬ 
seebäder ist, so groß 
ihre Unterschiede und 
so reich die Wahl, vor 
die der Besucher der 
Ostseeküste gestellt ist. 

Wir wollen in den 
nachfolgenden Zeilen 
die 85 Ostseebäder der 
geographischen Lage 
nachvonSchleswig Hol¬ 
stein bis Ostpreußen 
nennen und dabei 
die Eigentümlichkeiten 
kurz hervorheben, die 
ganzen Gruppen von 
ihnen gemeinsam sind 
und durch die sich 
die einzelnen Orte 
unterscheiden. 

Einen besonderen 
Reiz der Küste, an 
welcher die schleswig¬ 
holsteinischen Badeorte 
liegen, bilden die tiefen, 
dicht bewaldeten Ein¬ 
schnitte der Ostsee, 
die sogenannten Föhr- 
den. Ferner tragen zu 
dem Interesse, welches 
diese Orte erwecken, 
viele historische Erinne¬ 
rungen bei. Glücks- 
bürg mit seinen herr¬ 
lichen Anlagen und 



IVlisdroy: Kaffeeberge 



Ost-Dievenow: Sool-, Moor- und Seebad 



Kolberg 

















Nr.3 DEUTSCHLAND 1^5 


Buchenwäldorri liegt an der Süd^^rte der Plerisburger 
Föhfdef Heiligen Hafen, das sich hei Nardwest*» 
und Nordwinden durch starken Wellenschlag aus- 
zeichnet, Hegt der Insel Fehmarn gegenüber- 

Die zwischen der Neustadter und Travemünder 
Bucht liegenden oldenburgischen BMer Niendorf^ 
KL Timmendorfer Strand^ Scharbeutz Und 
Haffkrug Hegen inmitten schöner Buchenwälder, 
Fichten- und Kieferngehege und höben einen völlig 
steinfreien, breiten. Sa.ndstrand. 

Travemündev in herrlicher, vor West- und 
Nordwinden geschutader I-sge, ist rasch en^porgeblüht 
und ein beliebter Aufenthalt während der Kieler 
Woche. Der belebte Höfen Lübecks bietet den Bade¬ 
gästen viel AbwechsKmg. 

Die mecklenburgischei» 

Bäder sind unter sich ziem- 
lieh verschieden. Da haben 
wir zunächst öolienhagen, 

Kirchdorf auf der Insel Poel 
und Alt-Gaarz in schöner 
Lage und jetzt nicht nur 
wie früher von Hamburger 
Familren, sondern von GästeTi 
aus flllen Teilen Deutschlands 
besucht Are n dsee und 
Bru n s ha u p t e n in fried¬ 
lichem Wettstreit, höben sich 
in wenigen Jahren zu in ganz 
Deutschland bekannten Bode- 
Orten emporgeschwungen. 

Das älteste Seebad Deutsch¬ 
lands, H e 1 1 i g e n d a m m, 
jetzt unter neuer w&itblkken- 
der Leitung, wird immer 
noch von rnecklenburgisclien 
Adelsfamilien bevorzugt und 
hat seinen Charakter als vor¬ 
nehmer, ruhiger Badeort bei 
wahrt. Hinter Nienhagen, 
einem kleinen einfachen 
Badeort, gelangen wir nach 
Warnemünde, dem größten 
mecklenburgischen Bade, das 
in jeder Beziehung' auf der Höhe der Zeit steht und mit 
zu den beliebtesten Ostseebädern gehö^^t; M ü r i t z und 
Graal, 13 Kilometer von Warnemünde, hegen 
abseits von der großen Heerstraße und haben diesem 
Urnstande gerade ein besonderes Badepubiikum zuzu- 
schreiben, das mehr der Erholung wegen die Bäder auf- 
sucht. Dasselbe gilt von den im Entstehen begnffenen 
Badem Neu haus und Dierhagen und vöfi den äuI 
der bewaldeten Halbinsel Pischland gelegener» Orten 
Ahrenshoop und Wustrow, welch letzteres außer 
einem Herren- und Demenböd auch ein FamiHenbad hat 

Die Bader Prerow und Gingst auf der Huibimsel 
Darß sind von der Natur äußerst begünstigt Es ver¬ 
kehren hier viele Maler und Kürvstler, und manches Bild 
unserer Nationälgalene und anderer Sommlungen stammt 
döhet Dss hX einfach, ungezwungen und billig. 

Wir kommen nun zu den Rügen- Bädern, die wohl 
jedem durch ihre iandschahlichen Reize bekannt sind. 



Wählt man den Wasserweg, so gelangt man zuerst nach 
Thießow^ an derSüclspitze auf Mönchgut liegend, ein neu 
entstandener, aber schon vielbesuchter Ort. Von Stettin 
erreichen wir mit Dampfer zuerst Gohren, das seiner 
schönen, gesunden Lage wegen sehr beliebt i$t. Weiter 
l^ührt der Weg nach dem einfachen Baabe und Sellin, 
das von der See aus mit seinen hohen, sied abrallenden 
Ufern einen herrlichen Anblick gewährt. Dann kommen 
wir nach Binz, einem der bekanntesten und beliebtesten 
Rögenbädet, das ein schönes Kurhaus und elneöÖO Meter 
lange Landungsbrücke besitzt. Van hier aus gelartgt man 
noch dem Bade P u 1 bus mit deirf fürstlichen Jagdschloßr 
von dessen Turm inan einen entzückenden Rundblick 
über Rügen genießt, sowie nach den kleinen Badeorten 

Lauterbach und Neu¬ 
kamp. Schheßheh gelangen 
wir naeJt Saßnitz, das als 
Ausgangsponkt für Stubben¬ 
kammer und öls .Durchgangs- 
punkt nach Schvi/eden welt¬ 
bekannt ist; es ist das am 
meisten besuchte Bad der 
Ostseeküste. Hinter Saßnitz 
liegt das liebliche, im Walde 
eingebettete Lohme und die 
hübschen, einfachen Bäder 
Glowe und Breege. Das 
Bad KlosterrtVfieben auf 
der insei Hidder\see wird 
von den Einsamk’&H suchen¬ 
den Gästen sahr geschätzt. 

Auf dem Fest-Land, 
Usedom gegenüber, hegen 
F f 6 e s t, L u b rn i n und 
S p a n d o w e r h a gen, ein¬ 


fache ßade-Orte; zur Br- 
holung vorzüglich geeignet, 
ferner D e v i n, gegenüber 
der Stadt StrelsMPd gelegen, 
Die Bäder ovtf Use4om ünter- 
scheiden sich, trotzdem sie 
dicht aneinandergereiht die 
Küsle bedecken, wesentlich 
durch ihre Einrichtungen rmd 
ihre Besucher von einander Cerlshagen, Ueckeritz, 
Zempin, Kölpinsee., Koserow und Neuhof sind 
kleinere Bäder, teilweise neueren Datums; alle liegen 
tm Walde, haben vorzüglichen Badestrand und sind 
in stetem Einpofblühen begriffen. Zinnowitz^ das in 
diesem Jahre Behnstatjon geworden ist, und Bansin^ 
dicht an Hefingsdorf grenzend, sind größere Bade¬ 
orte, die sehr beliebt geworden sind und ein anhäng¬ 
liches StammpubHkum höben. Nun kommen wu zu 
Heringsdorf mit seinen großartigen Villen, prechtigen 
Promenaden und großstädtischem Leben, das sich 
des Rufes eines der elegantesten Ost Seebäder erfreuL 
AKlbeck^ ebenfalls dicht art Heringsdorf grenzend, ist 
einfacher ond als Kinderbad sehr beiiebt. Swinemünde 
mit seiner prachtvollen Strondpromenade, seinem herr¬ 
lichen Strande und seinem dicht an der See gelegenen, 
1910 urrigebeUten, nuisterhart geführten Kurhause ist das 
am meistw besuchte Bad der Ostsee. Swineroünde 


überg 














136 DEUTSCHLAND Nr.3 



Zoppot 


gegenüber liegt der einfache Badeort Osternothha fen. 
AufWollin gelangen wir zunächst nach dem weit und breit 
bekannten und beliebten Misdroy, dessen Umgebung 
selten schön ist, und nach dem Sol- und Seebade Ost- 
Dievenow mit seinem großartigen, mit allen modernen 
Einrichtungen versehenen Kurhause, das dort den 
Mittelpunkt allen Badelebens bildet. Berg-Dievenow, 
Klein-Dievenow, Horst und Rewahl sind schlichtere 
Badeorte, die aber bei dem Erholung suchenden Publikum 
sehr beliebt geworden sind. Hinter Deep, Gribow und 
Kolberger Deep, welches durch das unter dem 
Protektorat der Kaiserin stehende Seehospiz bekannt ist, 
kommen wir nachKolberg, das als See- und Solbad 
zu den ersten Badeorten der Ostsee zählt. Die hinter 
Kolberg gelegenen Orte Bodenhagen, Henkenhagen, 
Sorenbohm, Bauerhufen, Gr. Möllen, Nest, 
Neuwasser, Rügenwaldermünde, Jershöftund 
Leba sind Stätten der Ruhe, wo der Badegast un¬ 


gestört, fern von aufregenden städtischen Vergnügungen, 
seiner Erholung und Kräftigung leben kann. Stolp- 
münde, mit kleinem Hafen, bietet dem Kurgast bereits 
die Abwechslungen eines größeren Badeortes. 

Wir kommen nun zur letzten Gruppe der Ostsee¬ 
bäder, den west- und ostpreußischen Badeorten, die 
wieder grundverschieden von den anderen sind. Wie 
abwechslungsreich ist dieser Küstenteil mit seinen 
dunklen Waldseen und Heidemooren. Welch herrliches 
landschaftliches Bild genießt man von den Weichsel- 
bergenl Weltabgeschieden liegen die beiden Nehrungen 
da mit ihren Wäldern und wandernden Dünen, die ganzen 
Dörfern zum Grab geworden sind. Das Samland ist be¬ 
sonders von der Natur bevorzugt durch seine malerischen 
Küstenbildungen und romantischen Schluchten. Die See¬ 
bäder Ost- und Westpreußens, das Modebad Zoppot 
mit seinem abwechslungsvollen Badeleben, die kleinen 
Bäder Oliva und Georgenswalde, das weltabge- 

































Nr.3 DEUTSCHLAND 137 


schlossene Heia, das liebliche Bad Westerplatte, Kurischen Nehrung und das interessante Memel haben 
das eigenartige, alljährlich von der Kaiserlichen Familie den Vorzug der immer bewegten See. — Wer sich näher 
besuchte Kahlberg auf der Frischen Nehrung, das für einen der genannten Badeorte interessiert, wird in 



Schwarzort 

stille, vornehme Neuhäuser, das malerisch gelegene der Geschäftsstelle des Verbandese Deutscher Ostsee- 
Rauschen, das ansprechende Neukuhren, das bäder in Berlin, Unter den Linden 76a, sowie in der Aus¬ 
elegante Cranz, das idyllische Schwarzort auf der kunftstelle dieser Zeitschrift alles Wissenswerte erfahren. 


Die Entwicklung und Bedeutung der deutschen Kur- und Badeorte 

Von Geheimen Sanitätsrat Dr. R ö ch 1 i n g in Misdroy a. d. Ostsee. 


Von dem großartigen Aufschwung, den Deutsch¬ 
land in den letzten 40 Jahren auf allen Gebieten, in 
Wissenschaft und Technik, in Handel und Industrie, in 
der Entwicklung seiner Städte und seiner Landwirtschaft 
genommen hat, geben auch die deutschen Kur- und 
Badeorte ein glänzendes Zeugnis. Die gesteigerte Er¬ 
holungsbedürftigkeit der rasch anwachsenden Bevölkerung 
der großen Städte, die vermehrte Abnutzung der körper¬ 
lichen und geistigen Kräfte durch das moderne Erwerbs¬ 
leben und durch unzweckmäßige Verwertung der 
Mußestunden sicherte den Heilmitteln der Kur- und 
Badeorte eine zunehmende Benutzung, die wiederum 
durch den gehobenen Volkswohlstand und durch den 
Ausbau der Verkehrswege erleichtert wurde. Ander¬ 
seits haben es die Verwaltungen der Kurorte verstanden, 
den weitgehenden Anforderungen, welche die gewaltige 
Zunahme des Besuchs, die verfeinerte Kultur des 
modernen Großstädters und neue wissenschaftliche Er¬ 
kenntnis, besonders auf dem Gebiete der Hygiene, 
bedingten, in vollem Maße gerecht zu werden und durch 
die ganze Ausgestaltung des Kurlebens dem Aufenthalt 
in dem Badeorte nicht allein für die Heilungsuchenden 
selbst, sondern auch für die begleitenden Gesunden eine 
große Zugkraft zu verleihen. 

Deutschland steht heute in der Höhe seines 
Bäderbesuches unter allen Ländern Europas an führen¬ 
der Stelle. Belief der Besuch sich um das Jahr 1870 in 
den Mineralquellen-Kurorten auf etwa 100 000 Personen, 
so stieg er, nachdem im Anfang der neunziger Jahre 
ein durch die wirtschaftliche Lage verursachter Rück¬ 
gang überwunden war, seit 1895 in stetiger Zunahme 


bis 1910 auf etwa dreiviertel Millionen. Noch größer 
war der Wandel in den Seebädern. Wohl gab es solche 
an der Nord- und an der Ostsee schon seit 100 Jahren, 
doch erlangten sie keine größere Beachtung. Eine 
zuverlässige Besuchsstatistik ist erst seit 1880 vorhanden. 
Seit diesem Jahre ist bis 1910 der Besuch der Nordsee¬ 
bäder von etwa 4000 auf 180000, in den Ostseebädern 
von 20 000 auf 420 000 angewachsen. Welche volks¬ 
wirtschaftliche Bedeutung solchen Zahlen zukommt, lehrt 
eine Berechnung, die Kauffmann, Handelsrichter in 
Berlin, für das Jahr 1905 für das „Deutsche Bäderbuch'' 
gegeben hat. Es wurden damals von den Besuchern 
der Bäder und Kurorte in Deutschland für Kuraufenthalt, 
Bäder, Reisekosten usw. rund 360 Millionen Mark auf¬ 
gewendet; hierzu kam noch der Wert von versandten 
Quellenprodukten und Tafelwässern im Betrage von fast 
18 Millionen Mark. 

Aus der Größe der erwähnten Zahlen läßt sich ohne 
weiteres der Schluß ziehen, daß sich in Deutschland 
zahlreiche wirksame und verschiedenartige Heilquellen 
vorfinden müssen. Und in der Tat, wenn man von der 
nicht geringen Zahl kleinster Kurorte absieht, denen 
bei einem jährlichen Besuch von weniger als 300 Bade¬ 
gästen nur eine untergeordnete Bedeutung beizumessen 
ist, und ebenso von den Quellen, die nicht an ihrem 
Ursprungsorte getrunken werden, sondern als Heil- oder 
Tafelwässer nur dem Versande dienen, so sind es etwa 
200 Kurorte, die sich über Deutschland verteilt finden, 
und zwar vorzugsweise an den Rändern der großen 
Gebirgsketten, die Deutschland durchziehen. Die weit¬ 
gedehnte norddeutsche Tiefebene ist arm an 

























138 DEUTSCHLAND Nr. 3 


Badeorten; immerhin gibt es auch hier Sol-, Eisen- 
und Moorbäder, z. B. Lüneburg, Oldesloe, Freien¬ 
walde, Polzin, Muskau, Hohensalza. An den Küsten 
dagegen und auf den Inseln der deutschen Meere liegt 
eine von Jahr zu Jahr sich mehrende Zahl von See¬ 
badeorten, zurzeit sind es 33 an der Nordsee, 
100 an der Ostsee. Unter den Nordseebädern sind 
die besuchtesten Norderney, Westerland-Sylt, Borkum, 
Juist, Wyk a. Föhr, an der Ostsee von West nach Ost 
Glücksburg, Travemünde, Arendsee, Brunshaupten, 
Heiligendamm, Warnemünde, Saßnitz, Binz, Sellin, 
Göhren, Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck, Swine¬ 
münde, Misdroy, Kolberg, Zoppot, Kahlberg, Cranz und 
Rauschen. Unter den hier nicht mit Namen aufgeführten 
Seebädern gibt es eine ganze Anzahl, die in wenigen 
Jahren, wie die meisten der vorgenannten, mehr als 
10 000 Sommergäste aufweisen werden. 

Ueber den Ursprung der zahlreichen Solquellen 
Mittel- und Norddeutschlands und ebenso über die 
großen, nur in Deutschland vorkommenden Kalisalzlager, 
die in neuester Zeit das kaufmännische Interesse in 
allen größeren Kulturstaaten wachgerufen haben, gibt 
die Geologie interessanten Aufschluß und zeigt zugleich, 
welche überraschenden Wandlungen der deutsche Boden 
im Laufe ungezählter Jahrtausende erfahren hat. 

Das Vorkommen des Steinsalzes ist in Deutschland 
vorwiegend an die Zechsteinperiode gebunden, und nach 
den Untersuchungen von Keilhack, Kaiser u. a. darf 
man annehmen, daß sich einst ein großes Zechstein- 
Meer von Franken bis Schleswig und vom Rheinland 
bis zur Weichsel erstreckt hat, das mit dem Ozean 
nur an wenigen Stellen über flache Barren hinweg in 
Verbindung stand. Dieses Meer lag in einem heißen 
Wüstengebiet, besaß keine Zuflüsse von Süßwasser und 
verlor durch Verdunstung allmählich seineWassermengen. 
Infolgedessen mußte über die Barren salziges Meerwasser 
zufließen, und es entstand bei der fortdauernden Verdun¬ 
stung allmählich eine konzentrierte Salzlösung. War der 
Sättigungsgrad erreicht, so mußten sich die Salze nieder- 
schlagen, und zwar zuerst das Steinsalz, über ihm die 
Magnesia- und Kalisalze. Diese Salzniederschläge 
erreichten eine Mächtigkeit von über 1000 Metern. 
Allmählich änderte sich das Klima, es wurde kühler und 
regenreich, es traten schließlich die Eiszeiten auf. Wo 
die inzwischen reichlich gewordenen atmosphärischen 
Niederschläge und die dadurch entstandenen Flußläufe 
an die Salzlager herangelangten, da wurden diese teils 
völlig ausgelaugt, teils mit Salz gesättigt und konnten 
als Solen frei oder durch Bohrung wieder zu Tage 
treten. Meist aber bildete sich aus den Zuflüssen und 
Abschwemmungen eine tonige Decke, die für Wasser 
kaum durchgängig, sich schützend über die Salzschichten 
breitete und ihrerseits wieder von den Geschieben der 
Gletscher der Eiszeiten hoch überlagert wurde. Dieser 
Schutzdecke verdankt Deutschland neben den meisten 
Solen seine Kalisalzlager, eine unerschöpfliche Quelle 
des Volksvermögens. 

Unter den Gebirgsstöcken nun, an die das Vor¬ 
kommen der zahlreichsten Mineralquellen gebunden ist, 
kommt dem Taunusgebirge eine ganz besondere Be¬ 
deutung zu; es ist wunderbar, welche verschiedenartige 
Heilquellen sich in seiner Umgebung nahe beieinander 


vereinigt finden. Da sind die Kochsalzthermen von 
Wiesbaden, das Wildbad Schlangenbad, das 
Stahlbad Langenschwalbach, das Schwefelbad 
Weilbach, Soden mit erdigen Kochsalzsäuerlingen, 
Homburg mit kohlensauren Kochsalzquellen, Nau¬ 
heim mit kohlensauren Kochsalzthermen, der alkalische 
Säuerling von Fach in gen, der alkalisch-muriatische 
Säuerling von Niederselters, weiter Ems mit kalten 
und warmen alkalisch-muriatischen Quellen, Aßmanns¬ 
hausen mit lithiumhaltiger Kochsalzquelle, und wenige 
Kilometer entfernt im Nahetal die radiumreichen Solen 
von Kreuznach und Münster a. St. Wieder anders 
geartet sind Bertrich in der Nähe des Moseltals, 
Tönnisstein (auch Moorbad) im Brohlthal, Neuen¬ 
ahr mit warmen alkalischen Säuerlingen, Godesberg 
u. a., während anderseits die benachbarte Eifel eine 
Menge an kohlensäurereichen Quellen vulkanischen 
Ursprungs aufweist, die sich bis ins Ahrtal und zum 
Rheine fortsetzen und als Tafelwässer Weltruf erlangt 
haben. (Apollinarisbrunnen, Birresborn, Ge¬ 
rolstein, Oberlahnstein, Rhens, Roisdorf u. a.) 

Südlich von dem Bäderzentrum des Taunus, zu 
beiden Seiten der oberrheinischen Tiefebene, die geo¬ 
logisch als ein Einsturzgebiet aufzufassen ist, schließen 
sich an einerseits das Arsen-Solbad Dürkheim und 
die verschiedenartigen Vogesenbäder (Niederbronn, 
Badbronn, Rappolts weiler), auf der anderen Seite 
Baden-Baden, Rippoldsau und die Stahlbäder des 
Renchtals, in der Nähe der Schweizer Grenze Baden¬ 
weiler, Säckingen, und weiter, den Vorfuß der 
Alpen begleitend, Eisenquellen, wie Ueberlingen, 
K o h 1 g ru b, kleinere Schwefel- und Wildbäder, darunteJ 
Tölz mit Jodgehalt und endlich Reichenhall. — An 
der Ostseite des Schwarzwaldes und des Odenwaldes 
finden sich Wildbad, Teinach, zahlreiche Solquellen, 
wie C a n n s t a 11 - B e r g, Liebenzell, Jagstfeld, 
Wimpfen, und dem Jura folgend, verschiedene erdige 
und alkalische Säuerlinge, die Schwefelquelle von 
S e ba s t i answe i 1er, das Solbad Hall. Die angrenzende 
große bayerische Hochebene ist dagegen arm an 
Heilquellen. 

Vom Taunus in östlicher Richtung erstreckt sich 
ein breiter Strich mit zahlreichen Mineralquellen quer 
durch ganz Mitteldeutschland bis zur Grenze Ober¬ 
schlesiens. An der West- und Nordseite des Spessart 
Vogelsbergs, der Rhön und der Nachbargebirge liegen, 
um nur einige der Badeorte zu erwähnen, Salzhausen, 
Sodental, Salzschlirf, Hersfeld und weiterhin 
Wildlingen; es folgen in Thüringen eine Anzahl 
Solbäder, wie Salzungen, Sooden a. d. Werra, 
Salza, Kösen; am Süd- und am Ostabhang Orb, 
Brückenau, Kissingen, die Stahl- und Moorbäder 
des Vogtlandes Stehen, Lobenstein, dann in 
Sachsen Bad Elster, weiter östlich die Bäder des Iser- 
und des Riesengebirges: Flinsberg, Warmbrunn^ 
Salzbrunn, und die der Grafschaft Glatz: Reinerz, 
Kudowa, Landeck, Altheide u. a. 

Endlich erstreckt sich von der Westgrenze des 
Reiches von Malmedy und Aachen aus in halbkreis¬ 
förmigem Bogen ein Bädergebiet über die Solquellen 
des Industriegebietes (Raffelberg, Königsborn) 
mit dem weit vorgelagerten Rothenfeld e und Bentheimf 



Nr. 3 DEUTSCHLAND 139 


über Lippspringe, Driburg, Salzuffeln, Oeyn¬ 
hausen, Pyrmont, Neudorf zu den Solen- und 
Eisenbädern des Harzes, darunter Ha rz b urg, Alexis¬ 
bad, über Bernburg, Dürrenberg, Halle-Witte- 
kind, Köstritz sich mit der thüringischen Gruppe 
vereinend. 

Der geologische Aufbau der Gebirge, deren 
Untergrund die Heilquellen zumeist entstammen, ist in 
Deutschland äußerst verwickelt, nur ausnahmsweise sind 
längere Gebirgsketten, wie der Jura, aus gleichartigem 
Gestein aufgebaut. In dem Harz z. B. besteht das Mittel¬ 
stück mit dem Brocken aus Granit, daneben auf der 
einen Seite Grauwacke, Porphyr, Rotsandstein, Zechstein, 
Gips, auf der anderen Seite Hornfels, Buntsandstein, 
Muschelkalk, Keuper, Lias, Jura. Am ungleichartigsten 
aber sind die Formationen quer durch Mitteldeutschland. 
Ursprünglich befanden sich die Gesteine in gleichartiger 
Lagerung. Im Laufe der Zeit wurden durch die aus¬ 
höhlende und fortschwemmende Kraft des Wassers 
ganze Gebirgsmassen fortgetragen oder unterwaschen, 
der Gebirgsboden wurde zerrissen, es bildeten sich Klüfte, 
Senkungen, Einstürze und Aufwärtsstauungen; vor allem 
entstanden solche Verwerfungen auf weite Strecken hin 
durch die Tätigkeit zahlreicher Vulkane in der Eifel, dem 
Vogelsberg, der Rhön; bis hin zur Lausitz (Landskrone bei 
Görlitz) haben vulkanische Basalte das Urgestein durch¬ 
brochen. Das letzte Produkt der früheren vulkanischen 
Tätigkeit ist die Kohlensäure, die den Wässern der 
Eifel eigen ist. Aus den Verwerfungen erklärt sich zum 
Teil die Verschiedenheit oft nahe benachbarter Mineral¬ 
quellen und ihre Reichhaltigkeit an Bestandteilen. 


Die Einwohner eines Landes sind in ihrer Art ab¬ 
hängig von dem Boden, auf dem sie wohnen, denn die 
wechselnde Bodengestaltung bedingt tiefgehende Unter¬ 
schiede in der Beschäftigung, Ernährung, Art der 
Ansiedelung und der ganzen Lebensgestaltung. Es kann 
darum nicht überraschen, daß auf dem gleichartigeren 
Boden der norddeutschen Tiefebene und ebenso auf 
dem der bayerischen Hochebene sich die größeren ein¬ 
heitlichen Staatengebilde von Preußen, Hannover und 
Bayern entwickelt haben, während der unregelmäßige 
geologische Aufbau Mitteldeutschlands den Zusammen¬ 
schluß der Einwohner zu zahlreichen kleinen Staats¬ 
einheiten begünstigte. Es war eine politische Not¬ 
wendigkeit, daß die wesensverwandten, aber in ihrer 
Art sehr verschiedenen deutschen Stämme sich schlie߬ 
lich zu einem großen Staatskörper verbanden und durch 
ihre vereinte Kraft dem Vaterlande zu einer Welt¬ 
machtstellung verhelfen. 

Aber aus der früheren Zeit der vielgeschmähten 
Kleinstaaterei ist Deutschland der große Vorzug er¬ 
wachsen, daß nicht wie in Frankreich und Rußland 
die Hauptstädte alles überstrahlen, sondern daß sich 
in den Residenzen der kleinen Fürsten eine ganze 
Anzahl blühender Kulturzentren entwickelten, in welchen 
die Fürsten zu einer Zeit, in welcher der Bürger¬ 
sinn für gemeinnützige Tätigkeit noch nicht erstarkt 
war, hohe Kulturwerte schufen, von denen nicht 
nur das den Fremden überraschende, interessante Bild 
vieler deutscher Kleinstädte, sondern auch die Aus¬ 
gestaltung der ihnen gehörenden Bäder und Kurorte 
Zeugnis gibt. (Schluß folgt.) 


Memel. 



Memel, See- und Handelsstadt (gegründet 1252), 
zählt 21470 Einwohner, mit den Vororten Schmelz, 
Bommelsvitte und Ja- 

nischken zusammen ; 

31100. Die Stadt liegt | 

am Seetief und wird ( 

von der Dange, die in 
ihrem unteren Laufe 
für Seedampfer schiff¬ 
bar ist, durchflossen; 
sie macht mit ihren 
breiten, vielfach von 
Lindenbäumen einge¬ 
säumten Straßen einen 
freundlichenEindruck. 

Memel ist Sitz der ver¬ 
schiedensten König¬ 
lichen Behörden; die 
Garnison besteht aus 
dem III. Bataillon des 
Infanterie - Regiments 
von Boyen (5. Ostpr.) 

Nr. 41. Von den vor¬ 
handenen Bildungs- 
Anstalten sind be¬ 
sonders zu erwähnen: 
das Königliche Luisen-Gymnasium, das Lehrerseminar, 
die Präparanden-Anstalt, die städtische und die private 


Memel: Das jetzige Rathaus, in 
Friedrich 111. und Königin Luise 


höhere Mädchenschule, erstere verbunden mit höherem 
Lehrerinnenseminar. Von öffentlichen Gebäuden ist 

zunächst das Rathaus 
zu nennen, das 1807 
ein Jahr hindurch 
die Wohnstätte der 
Königin Luise und 
König Friedrich Wil¬ 
helms III. war; sehens¬ 
wert ist der Stadt¬ 
verordnetensaal mit 
den Gemälden der 
Königin Luise und 
Friedrich Wilhelms lll. 
von Kügelgen und 
Kaiser Wilhelmsl. von 
Seemann. Die erst¬ 
genannten Bilder sind 
ein Geschenk des 
Königspaares an den 
früheren Besitzer des 
Hauses und gingen, 
wie auch das jetzige 
Rathaus selbst, später 
in den Besitz der Stadt 
über. Besonders das 
Bild der Königin Luise gilt als ein Meisterwerk und als 
das ähnlichste der Königin. Vor dem Rathaus erhebt 


welchem 1807 — 1808 König 
von Preußen gewohnt haben 







































Nr. 3 DEUTSCHLAND 141 


Stettin als Haupttor der Ostsee. 




In dem Maße, wie durch die Dampfschiffe die Segel¬ 
schiffe verdrängt sind und letztere größere Abmessungen 
angenommen haben, hat sich der von den Nord- und 
den Ostseehäfen ausgehende transatlantische Verkehr 


Abgang eines Rügendampfers in Stettin 
Deutschlands mehr von den Ostsee- nach den Nordsee¬ 
häfen hin verschoben. Diese Verschiebung macht sich 
natürlich auch im Stettiner Hafen unangenehm fühl¬ 
bar. Immerhin kann Stettin noch zufrieden sein, daß es 
ihm gelungen ist, für den Ostseeverkehr immer mehr 
Bedeutung zu gewinnen, so daß es zurzeit in dieser 
Beziehung alle anderen deutschen Hafenstädte der 
Ostsee übertrifft. 

Die glänzende Entwicklung 
Stettins als Hafenstadt ist auf die 
für Stettin in Frage kommenden 
großen inländischen Versorgungs¬ 
gebiete (Berlin, Schlesien, Sachsen), 
auf die bequeme Erreichbarkeit 
Stettins mittels der Eisenbahn und 
auf die außerordentlich günstigen 
Wasserverhältnisse der Oder zurück¬ 
zuführen. Was die leichte Erreich¬ 
barkeit Stettins mittels der Eisenbahn 
betrifft, so sei nur hervorgehoben, 
daß geradlinige Schnellzug-Verbin¬ 
dungen nach Süden, Osten und 
Westen führen. Man erreicht von 
Stettin aus Berlin in 1 Stunde 
40 Minuten bis 2 Stunden, Lübeck 
in 5 Stunden und Hamburg und 
Danzig je in 6 Stunden. Die Wasser¬ 
verhältnisse der Oder sind nach Vor¬ 
nahme der nötigen Regulierungs¬ 
arbeiten ganz außerordentlich günstige geworden. Das 
Gefälle der Oder oberhalb Stettins von Schwedt bis 
Stettin beträgt bei 53 Kilometer Länge nur 61 Zentimeter, 
und das Gefälle unterhalb Stettins von Stettin bis 


Swinemünde beträgt bei 70 Kilometer Länge sogar nur 
19 Zentimeter. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß bei 
so außerordentlich geringen Gefällen die Wasser¬ 
geschwindigkeit im Unterlaufe der Oder ebenfalls sehr 
gering ist, und daß somit die Strö¬ 
mungsverhältnisse der Schiffahrt 
nicht die geringsten Schwierig¬ 
keiten bereiten. Hinzu kommt 
noch, daß die breite Oderniede¬ 
rung — bei Stettin etwa 7 Kilo¬ 
meter breit — mit ihren vielen 
Wasserläufen und dem großen 
Dammschen See auf den Wasser¬ 
stand der Oder in ganz hervor¬ 
ragendem Maße regulierend 
einwirkt. Selbst bei Wasseran¬ 
schwellungen im oberen Oder¬ 
gebiet und gleichzeitig von der 
See her wehenden Stauwinden 
steigt der Wasserstand selten 
um mehr als V 2 Meter, und fällt 
bei entgegengesetzten Verhält¬ 
nissen nur um ein gleiches Maß. 
Die Schwankungen würden natur¬ 
gemäß viel bedeutender sein, 
wenn die Ostsee wie die Nord¬ 
see Ebbe- und Fluterscheinungen besäße. Die geringen 
Schwankungen im Wasserstande machen die Anlegung 
von höheren Deichen überflüssig. Wo Deiche angelegt 
sind, sind sie so niedrig gehalten, daß sie das Gelände 
nur vor Ueberschwemmungen bei Sommerhochwasser 
schützen. Man nimmt sie daher, wenn man mit einem 
Dampfer den Oderstrom befährt, kaum wahr, und das 


Saßnitz: Trajektfähre Saßnitz—Trelleborg 
Auge kann ungehindert über die üppigen Wiesen zu den 
bewaldeten Höhen und freundlichen Dörfern und Städten, 
welche die Oderwiesen besäumen, hinschweifen. Fahrten 
auf der Oder, sowohl stromauf, wie stromab von Stettin 




















142 DEUTSCHLAND Nr. 3 


aus sind daher höchst reizvoll und genußreich. — Für 
einen sicheren Verkehr der Schiffe zwischen der 
See und Stettin bei Nacht ist durch eine Befeuerung 
gesorgt, die geradezu vorbildlich geworden ist. Hoch¬ 
ragende Oberfeuer, blinkende Unterfeuer, farbige Lichter 
und leuchtende Tonnen kennzeichnen den Weg der 
Schiffe so genau, daß man die Nachtfahrt für sicherer 
als die Tagesfahrt halten möchte. — Und im Winter^ 
wo in vielen Häfen der Wasserverkehr infolge starken 


anderen Hafenplätzen der Welt aufrecht. Und gerade 
die Regelmäßigkeit solcher Verbindungen ist die Haupt¬ 
vorbedingung für das Aufblühen eines Hafenplatzes. 
Kaum ein anderer deutscher Ostseehafen hat so viele 
und so gute regelmäßige See- und Binnenschiffs¬ 
verbindungen, wie gerade Stettin, und zwar nicht nur für 
den Güter-, sondern auch für den Personenverkehr. 
Der Besuch der Ostseebäder an der Pommerschen 
Küste mit der Insel Rügen auf den dänischen Inseln, 







)m neuen Großschiffahrtsweg Berlin — Stettin. (Die Abbildung zeigt die interessante Kanal- 
( Überführung über die Stettiner Eisenbahn bei Eberswalde und ein Schiff im Kanalbett, über die Bahnstrecke { 






hinwegfahrend, eine Situation, wie sie sich nach Eröffnung des Großschiffahrtswegs oft zeigen wird.) 


-JÜ 


Eises ruht, sorgen auf der unteren Oder und dem Haff 
kräftige Eisbrecher dafür, daß die Schiffe jederzeit, 
auch bei lang anhaltendem Frost, sicher zwischen der 
See und dem Stettiner Hafen verkehren können. 

Begünstigt durch diese Umstände, haben sich in 
Stettin zahlreiche und darunter auch sehr leistungs¬ 
fähige Reedereien entwickelt, und halten diese sowohl 
allein, als auch in Verbindung mit auswärtigen Reedereien 
regelmäßige Verbindungen zwischen Stettin und vielen 


und längs den Küsten von Schweden und Norwegen 
gestaltet sich für den Binnenländer am bequemsten und 
schönsten, wenn er seinen Weg durch das deutsche Haupt¬ 
tor der Ostsee, d. h. durch den Stettiner Hafen wählt. 

Nähere Angaben über den Handel, die Industrie 
und die Hafenanlagen Stettins, sowie auch über seine 
Sehenswürdigkeiten und die Reize seiner Umgebung 
befinden sich in Nr. 15, I. Jahrgang, der Zeitschrift 
„Deutschland" vom 22. März d. Js. 


























Nr.3 DEUTSCHLAND 143 



Die Deutsche Kriegsflotte vor Binz 


Stralsund. 


Stralsund, eine Stadt von 34500 Einwohnern, liegt 
unmittelbar am Strelasund. Sie ist die Hauptstadt des 
Pommerschen Regierungsbezirkes gleichen Namens. Die 
Stadt ist gegenüber der etwa 3 Kilometer entfernten 
Küste von Rügen und malerisch an zwei großen Teichen 
gelegen. Sie ist Sitz der Königlichen Regierung und 
Garnison des 42. Infanterie- 
Regiments (erstes und zweites 
Bataillon). Außerdem be¬ 
finden sich dort Bezirks¬ 
kommando, Handels- und 
Handwerks - Kammer, Amts¬ 
gericht, Eisenbahn-Betriebs¬ 
inspektion, Haupt-Zollamt, 

Seeamt, Stadt. Gasanstalt 
und ein Elektrizitätswerk, 
verbunden mit elektrischer 
Straßenbahn. Sie hat Wasser¬ 
leitung, Kanalisation und 
Städtisches Schlacht - Haus. 

Sowohl von der Land- als 
auch von der Stadtseite hat 
man einen unvergleichlich 
schönen Anblick auf die Stadt 
mit ihren stolzen Kirchen, 
der Marien-, Nicolay- und 
Jakobikirche. Als besonders 
großartig muß der Ausblick 
auf den imposanten Bau der 
Marienkirche über den Fran¬ 
kenteich erwähnt werden. 

Außerdem sind noch zu 
nennen die Heilige Geist- 
kirche, die St. Johanniskirche, 
die katholische Kirche und 
die Synagoge. Eine Sehens¬ 
würdigkeit ersten Ranges ist 
auch das aus dem Lösegelde 
eines dänischen Prinzen er¬ 
baute Rathaus, der sich als 
zweite die aller Wahrschein¬ 
lichkeit nach dorthin kommende, die Ostsee über¬ 
spannende Eisenbahn-Brücke anschließen wird, die 
Rügen mit dem Festlande verbindet. 

Weltberühmt ist das Neuvorpommersche Museum, 
das mit seinen hervorragenden Altertümern aus der 
Steinzeit das zweitgrößte der Welt ist. Außer einer 
Volksschule hat Stralsund eine Knaben - Mittelschule, 


ein Gymnasium, ein Realgymnasium (Oberrealschule i.E.) 
und eine staatlich anerkannte Höhere Töchterschule 
sowie eine Königliche Navigationsschule. An Denk¬ 
mälern sind das herrliche Schilldenkmal in wohl¬ 
gepflegten Anlagen und das Kriegerdenkmal, sowie das 
Denkmal des aus der Wallensteinzeit rühmlich be¬ 
kannten Bürgermeisters Stein¬ 
wich erwähnenswert. In den 
schönen Villenvierteln, die 
vor den Toren Stralsunds 
liegen und die zum größten 
Teil ihren Bewohnern einen 
Ausblick auf das weite Meer 
gewähren, haben viele pen¬ 
sionierte Offiziere, Beamte 
und Rentner ihren Wohnsitz 
genommen. Durch die herr¬ 
liche Lage, seine schöne 
Promenade und durch die 
Nähe Rügens sowie durch 
die nicht hohen Steuern 
hat Stralsund große Aussicht, 
sich zu einer Pensionsstadt 
auszuwachsen. Für Unter¬ 
haltung wird durch ein selbst 
verwöhnten Ansprüchen ge¬ 
nügendes Theater, durch Sin¬ 
fonie- und Künstlerkonzerte, 
durch musikalische Darbie¬ 
tungen in guten Restau¬ 
rants und Hotels gesorgt. 
Drei erstklassige Brauereien 
sorgen für guten Stoff, und 
Stralsunder Spielkarten gehen 
weit in die Lande. Seebäder, 
Luft-, Licht- und Sonnen¬ 
bäder, Warmbad und die 
schöne reine Seeluft sorgen 
für die Gesundheit. Von 
Stralsund ist Berlin in drei, 
Hamburg in sechs, Stettin 
in zwei, Magdeburg in fünf, Breslau in sieben und 
Dresden in sechs Stunden zu erreichen. 

Deshalb ist allen denen, die landschaftliche Reize, 
Stätten alter Kunst und Kultur schätzen und ein mittel¬ 
alterliches Städtebild von modernem Leben durchbraust 
kennen lernen wollen, zu empfehlen: „Vergesset nicht, 
auch Stralsund anzusehen." 



Graal in Mecklenburg 












144 DEUTSCHLAND Nr. 3 


Stralsund: Rathaus und Nicolaykirchc 





Die Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr. 

Von Josef Buchhorn, Berlin. 


(Schluß.) III 

„Geh’ aus, mein Herz, und suche Freud’ 
In dieser schönen Sommerszeit 
An deines Gottes Gaben . . 

Wie reich diese Gaben sind, lehrt jeder neue Besuch 
der Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremden¬ 
verkehr auf das Allersinnfälligste. Den Schönheiten 
deutscher Landschaften ist hier die verdiente 
Würdigung geworden. Sie aufzusuchen, wird immer 
das erstrebenswerteste Ziel unserer wanderfrohen Volks¬ 
genossen bleiben müssen. Erst, wenn sie in jedem 
Winkel Alldeutschlands bekannt und vertraut sind, 
mögen sie den Knotenstock über die Grenze des Reiches 
tragen! Klingt auch das Wort Christian Dietrich Grabbes 
in diesem Zusammenhänge vielleicht ein wenig allzu 
prononciert, das in seinem „Don Juan und Faust^ ver¬ 
zeichnet steht: „Die Heimat nur kann uns beseligen, 
Verräterei, die Fremde vorzuziehen F so hat er ander¬ 
seits doch auch wieder recht; denn eine Art „Ver¬ 
räterei" üben alle jene aus, die in Monte Carlo und 
Nordafrika, in dem Lande der Mitternachtssonne und 
im fernen Indien zu Hause sind, die aber weder die 
Geheimnisse des Harzes, noch die Burgenherrlichkeit 


schwäbischer Lande je genossen haben. Die einer Mode 
nachreisten, aber ihr Herz nicht füllten. „Die Freuden, 
die in der Heimat wohnen, die suchst du vergebens 
in allen Zonen", konstatiert August Mahlmann, und 
jeder, der draußen und drinnen einigermaßen Bescheid 
weiß, wird gerne das Wort unterstreichen, das der 
würdige Johannes Nepomuk Vogl einmal gesungen hat: 
„Die Heimat bleibt doch immer der schönste Fleck 
der Welt!" 

* * 

* 

Wer das Ausland auf der Reiseausstellung von 
Koje zu Koje durchwandert, der wird gewahr, daß diese 
Schau gar nicht so international ist, wie sie sich gibt. 
Daß Italien gänzlich unvertreten ist, mag noch erklärlich 
sein. Es brauchte ja niemals besondere Anstrengungen 
zu machen, und seine Gasthäuser und Landschaften 
waren trotzdem von Deutschen überfüllt, die jene alte 
Kaisersehnsucht über die Apenninen zog, die uns in 
unserer Jugend auf den Schulbänken schon anerzogen 
und später durch getreue Nachbarn und dergleichen 
befestigt wurde, die uns plausibel einredeten, daß man 
da und dorten gewesen sein müßte, wenn anders man 
noch als Vollmensch gelten wollte. Dieses verflixte 


























Nr. 3 DEUTSCHLAND 145 

^man muß das und jenes gesehen haben"! Wollte ein Kultur und Poesie innig verbunden ist. Neben Trachten¬ 


guter Geist, daß der Deutsche in der Beziehung endlich 
einmal rückgratsicherer würde I Mehr wundern muß man 
sich, daß Frankreich ebenfalls vollständig ausfällt. 
Und seine Werbekraft besteht doch — in summa 
wenigstens — lediglich in den mondänen Reizen seiner 
Hauptstadt Paris! Wer weiß, von einer geringen Anzahl 
von Touristen abgesehen, von dem eigenartigen Zauber 
seiner Normandie, seiner Bretagne, seiner Gascogne, 
seiner Provence usw.? So viele Landschaften, so viele 
neuen Reize. Aber auch Großbritannien und 
Irland, die Spanien und Portugal, die Länder 
der Balkanhalbinsel fehlen auf dieser „Inter¬ 
nationalen" Reiseausstellung, und Rußland ist nur 
durch eine seiner eingezwungensten Provinzen, durch 

Finnland vertreten. 

♦ * 

* 

Eine der übersichtlichsten, eindrucksvollsten Sonder¬ 
veranstaltungen auf dieser Schau ist die öster¬ 
reichische. Ein handliches kleines Buch, das mit 
guten Abbildungen versehen ist, führt sehr verständnis¬ 
voll in das auf den ersten Blick schier unentwirrbare 
Durcheinander von Bildern, Plänen, Trachten, Karten usw. 
ein. Dort sind auch die schönsten, ergebnisreichsten 
Touren durch die Donaumonarchie zusammengestellt. 
Die Ausstellung zerfällt in zwei Gruppen. Die erste 
umfaßt „Wien, Prag und die im Reichsrate vertretenen 
Königreiche und Länder", die zweite behandelt die 
Verkehrsanstalten. Da sieht man stolze Gipfel, die von 
ewigem Eise bedeckt sind; taucht man in laubdichte 
Täler, über die alte, verfallene Raubritterburgen dräuen; 
wandert man auf endlos-langen Wegen in die schier 
unabsehbare Weite des flachen Landes, das ab und zu 
nur durch ein paar Häuser oder ein paar Schaf- und 
Pferdeherden belebt wird; entzückt man sich an den 
pittoresken Gestaden der majestätisch dahinfließenden 
Donau; geht man einer datenreichen Geschichte in 
entlegenen Städten nach, die heute noch ihre eigen¬ 
artige Kultur inmitten einer vorwärts drängenden Zeit 
bewahrt haben. Da blickt man in die Sonnenfelsgasse 
in Wien hinein und grüßt die alte Universität, wie sie 
der Stift Kopalliks festgehalten hat; rastet vor der 
kaiserlichen Burg, lauscht einem Abendkonzert vor dem 
neuen Rathause, und ein paar Schritte weiter imponiert 
Prags Panorama der Kleinseite mit Hradschin, lachen 
dem Erholungsbedürftigen die Wunder von Karlsbad 
und Marienbad entgegen. Und wieder ein paar Gänge 
weiter offenbaren sich die Geheimnisse der Unterwelt, 
wie sie die Grotten von Adelsberg und St. Canzian, und 
tiie Höhlen der Mährischen Karst bewahren. Dort die 
Felseneinsamkeiten der Dolomiten und da die meer- 
umklungenen Gestade der ewig-blauen Adria. Linz und 
Ischl (Oesterreich ob der Enns), der Wocheiner See 
und der See von Veldes (Krain), der Kammersee in 
der Steiermark und der Moserboden in Salzburg, das 
poesieumflossene Liechtenstein mit Vaduz (Vorarlberg) 
und die Ruinen Dürnstein und Aggstein (im Gebiete 
der österreichischen Donau) — alle diese Namen sind 
Mittelpunkte erlesener Reiseprogramme, sind Meister¬ 
stücke, mit denen eine gabenreiche Natur jenes Land 
beschenkt hat, das uns durch die mannigfachsten Bande 
des Blutes und der Ueberlieferung, der Sage, Geschichte, 


bildern und Trachtenpuppen — unter denen die aus 
Dalmatien, Bosnien und der Herzegowina nicht vergessen 
sein mögen! — neben Truhen und Kästen, Stickereien 
aller Art, Gewehren, Pistolen, Häusermodellen, Erzeug¬ 
nissen der verschiedensten Hausindustrien, Schmuck¬ 
gegenständen usw. usw. wird vor allem auch jene Aus¬ 
stellung auf eine besondere Beachtung rechnen dürfen, 
in der der Oesterreichisehe Lloyd ein Bild seiner 
Entwicklung und seiner Leistungskraft gibt. Und wie in 
seiner Schau die prachtvollen Modelle der Dampfer 
„Austria", „Prinz Hohenlohe" und „Wien" interessieren, 
so wird in jener anderen der Vereinigten Oester- 
reichischen Schiffahrts A. G. vorm. Austro - Americana 
und Fratelli Cosulich Triest die bunte Fülle von Auf¬ 
nahmen zum Verweilen zwingen, die das Leben an Bord 
zu allen Tageszeiten und unter den verschiedensten 
Küstenstrichen zeigt. 

„Worte füllen den Sack nicht", sagt ein altes 
Sprichwort, und wahrlich — Worte erschöpfen auch 
derartige Uebersichten nicht, wie sie in einer solchen 
Ausstellung wie der österreichischen geboten werden 
— der österreichischen und der ihr benachbarten, der 
schweizerischen. Auch hier können nur Andeu¬ 
tungen, Stichproben gegeben werden. Man müßte gleich 
das Bild dem Wort gesellen können, dann ging's zur Not. 
Aber dann spräche ja am Ende das Bild eindringlicher 
als das Wort. Diese Reiseausstellung hat mich, neben 
vielem anderen, auch einmal wieder an die Wahrheit 
jenes alten Satzes des Grafen von Platen gemahnt: 

„Welch eine Tugend ist die Kunst der Worte!" 

♦ * 

* 

Die Schweiz. Auch hier wieder: eine Fülle von 
Bildern, Plänen, Dioramen usw. Um mit den letzteren 
zu beginnen: zwei rufen den Wanderer durch die Aus¬ 
stellungshallen wieder und wieder zurücke: das eine, 
das Genf, und das andere, das Zürich darstellt. 

Genf: Die Mittagssonne spielt über seinem Blau¬ 
see, in den das blinkende Eis des Montblanc hinein¬ 
schaut, und Enge und Weite gesellen sich auf einem 
kleinen Raume zu einer Landschaftssinfonie, in der die 
leichten Klänge des Alltags von den gewaltigen 
Weisen der Menschen und Völker beherrschenden 
Ewigkeit überdröhnt werden. — 

Zürich: Schwanke Schiffe überqueren die grün¬ 
schimmernden Wellenkämme seines Sees — lauschige 
Promenaden säumen die lockenden Ufer — putzige 
Häuserfassaden wachsen landein, und über die Höhen des 
Zürichberges klettern die Gipfel und Grate des zentral¬ 
schweizerischen Hochgebirges, auf denen der Abend 
ein letztes Quartier genommen hat. Manchmal ist es 
dem Beschauer, der sich in diese Pracht verloren hat, 
als ob sich der Wind gedreht hätte und plötzlich, für 
einen Augenblick nur, tagleichte Rhythmen irgend eines 
Kurorchesters über den See verschlagen worden wären. 

Die Schweiz: Wallis weist den Monte Rosa und 
das Matterhorn, Bern sein Oberland, seine Niesenbahn 
mit dem Hegenalp-Viadukt und dem Blick auf Eiger, 
Mönch und Jungfrau; die Zentralschweiz rückt die 
Wunder und Wonnen des Vierwaldstättersees in eine 
neue Beleuchtung und unterstützt ihre Werbekraft durch 
ein Modell des Dampfwagens der Pilatusbahn mit Ober- 



146 DEUTSCHLAND Nr. 3 


und Unterbau; die Ostschweiz unterstreicht Namen wie 
St. Gallen, Schaffhausen, Konstanz; Graubünden und 
die Südschweiz fügen sich mit einer Unzahl von Ge¬ 
mälden (von der Albulalinie beispielsweise), Bildern, 
Reliefkarten (von Locarno, Davos usw. usw.) wirkungs¬ 
voll in eine Schau ein, die aufs neue die alte Predigt 
kündet, daß der Wechsel allein das Beständige ist. Oder 
— dankt nicht gerade die Schweiz dem schier unerschöpf¬ 
lichen Wechsel in ihren Landschaften, Bergen, Tälern, 
Schroffen, Gründen, Städten, Meilern usw. die stete 
Beständigkeit ihres Zustroms an Besuchern, Touristen 
und Sommerfrischlern? 

♦ * 

* 

Die Niederlande — Les extremes se touchent. 
Dort himmeleinwachsende Berge, gletscherüberspannte 
Schroffen — ein stetes Auf und Ab zwischen Ebene und 
Höhe — hier eine Landschaft, die in dem Horizont 
verläuft; breite Kanäle, eine behagliche Gelassenheit. 
Ungemein reizvoll wirkt das holländische Zimmer — 
aus dem 17. Jahrhundert —, in dessen Butzenscheiben 
ein charakteristisches Diorama hineinleuchtet: Haarlem 
und Delft — Blumen über Blumen — Tulpen und 
Hyazinthen. . . Grachten, Mühlen, Holzbrücken; alte 
Häuserchen, Fachwerksbauten, die an dem Wasserlauf 
zu kleben scheinen; daneben wieder massive Stein¬ 
mauern, die von wuchtigen, feindeschreckenden Türmen 
unterbrochen werden. Fern braust und brandet das 
Meer, von dem ein Wald von Fahnen und Masten und 
Wimpeln zum Lande herübergrüßt . . . 

Eine besondere Abteilung zeigt die bewunderns¬ 
würdige Eigenart Niederländisch-Indiens, zeigt die 
Verbindungs-Gelegenheiten mit jener Ferne, zeigt 
Dampfermodelle, zeigt Erzeugnisse dieser Zone, Batik¬ 
arbeiten, seltene koloristisch aparte Tücher und 
Gewebe usw. 

* * 

♦ 

Schweden will ein Bild von seinen landschaft¬ 
lichen Besonderheiten und zugleich einen Ueberblick 
über einen Teil seiner Erzeugnisse geben — seiner Pelz¬ 
waren, Porzellanmanufaktur, Telephon- und Telegraphen- 
Einrichtungen usw. 

Mit einem gewissen Stolz betont es in dem Katalog 
zur Reiseausstellung, daß es sich in süd-nördlicher 
Richtung über mehr als 14 Breitengrade erstreckt und 
daß sein Süden dasselbe Klima und dieselben Boden¬ 
verhältnisse wie unsere in Mecklenburg und Pommern 
aufweist, während sein nördlicher Teil weit über den 
Polarkreis hinausgeht, „wo im Sommer die Landschaft 
von dem Leuchten der Mitternachtssonne und im Winter 
vom strahlenden Nordlicht erhellt wird". 

Schweden weiß den Zauber seiner Landschaft durch 
zwei Dioramen glücklich zu repräsentieren: in dem 
einen, Stockholm, zeigt es die moderne Großstadt, 
die sich alle technischen und hygienischen Errungen¬ 
schaften der Neuzeit dienstbar gemacht hat, und in dem 
anderen, Are, führt es in schneebedeckte Höhen, über 
denen grimmige Felsen hängen, die nichts mehr von 
jener Lieblichkeit ahnen lassen, die sich über die an¬ 
mutige Inselfolge Stockholms gebreitet hatte. 

♦ ♦ 

sK 

Finnland, „das Land der tausend Seen", hat 
namentlich die vielfachen Erzeugnisse seines Bauern¬ 


gewerbes und seiner Kunst ausgestellt — Schneeschuhe 
aus Birkenrinde und Topfstein; Pfeifen, Lederbeutel; 
handgeklöppelte Spitzen aus Raumo (Achtung, Haus¬ 
frauen! Hier sind aparte, nachahmenswerte Muster!), 
Gefäße aus Wacholder, Fischfanggeräte; das Modell 
eines Strombootes für Touristen, ein Lappländer mit 
Renntier und Schlitten; Landschafts- und Städtebilder, 
Burgen, Herrensitze usw. Im Mittelpunkt der finn- 
ländischen Ausstellung steht wohl jenes pointillistische 
Landschaftsgemälde von Eero Järnefelt, das mehr ab¬ 
sonderlich als schön ist und den Sommerzauber finn- 

ländischer Landschaftspracht — darstellen soll. 

* * 

* 

Bleiben noch Dänemark und Norwegen. 

Dänemark stellt — abgesehen von zwei, allerdings 
geradezu faszinierenden Dioramen — in der Hauptsache 
seine weltberühmten Porzellane und Fayenzen zur Schau, 
unter denen Modelle von einer erstaunlich hohen Kunst 
der Materialbewältigung zu sehen sind, Modelle, die 
bestes Handwerk mit vollendetster Formen- und Farben¬ 
gebung bedeuten. Die dänische Kunst versucht daneben 
für die dänische Landschaft zu werben. Meist auch mit 
Erfolg. Viel bestaunt wird auf diesem Teil der Reise¬ 
ausstellung das Modell eines Dampffährschiffes mit 
einem darauf stehenden Eisenbahnzug — es ist das 
ursprünglichste Modell jener Art von Verbindungs¬ 
möglichkeiten über See, die es erlauben, eine Reise 
ohne Umsteigen auszutühren. Deutschen Touristen, 
die einmal auf Rügen geweilt haben, werden jene 
stolzen Schiffe noch in lebhafter Erinnerung sein, die 
eine Verbindung zwischen Saßnitz und Trelleborg 
bewirken. 

♦ * 

* 

Norwegen stellt verwirrend viele Bilder, Photo¬ 
graphien usw. aus — deshalb verwirrend, weil kein 
rechtes System in diese Folgen von Ansichten gebracht 
worden ist — der Blick des Beschauers irrt zu sehr von 
der zu jener Wand, von dem einen zum anderen Winkel. 
Weniger wäre mehr. Weniger ließe die faszinierende 
Pracht der vielen Fjorde mit den schier senkrecht ab¬ 
fallenden Felswänden, die Gewalt der Gletscher, den 
Farbenglanz der Wasserfälle, die fruchttragenden Acker¬ 
weiten, die verschlafenen Binnenseen usw. markanter 
heraustreten. Sehr reich und sehr gut ist das sport¬ 
liche Moment in dieser Gruppe vertreten, die Sports¬ 
hütte vornehmlich bedeutet eine gern begrüßte Fermate 
in diesem Auf und Ab von Tönen. 

Einen wirkungsvollen Abschluß der norwegischen 
Schau bildet das entzückende Diorama, das die ein¬ 
drucksvolle Aussicht von Molde über die Romsdals- 

felsen wiederzugeben versucht. 

♦ * 

* 

Wir sind am Ende unserer Uebersicht über die 
Reiseausstellung. Sie konnte naturgemäß nur apho¬ 
ristisch sein. Aber sie hat doch so vielerlei Sehens¬ 
und Besuchenswertes in dem großen Garten der Natur 
aufgezeigt, daß unser Gang nicht ohne merkbaren 
Ergebnisse sein sollte und wohl auch nicht sein dürfte. 
Ein Wort Goethes stand am Eingang dieser Aufsätze, 
ein Wort Goethes mag sie schließen: 

„Die Natur ist immer Jehovah. 

Was sie ist, was sie war, und was sie sein wird." 



Nr.3 DEUTSCHLAND 147 

Festspiele des Rheinischen Goetlie-Vereins in Düsseldorf« 


Festspiele! Unter diesem Zeichen scheint 
während der Sommerzeit das ganze deutsche Theater 
zu stehen; in allen Städten werden besondere Auf¬ 
führungen unter dieser Flagge angekündigt. Zumeist 
ist es die Oper, die Festspiele veranstaltet, hat sie doch 
ohnehin einen festlichen Charakter an sich, der uns 
leicht und gern über das Treiben des Alltags hinaushebt. 
Dem Theater bietet sie auch noch den Vorteil, daß 
Opernfestspiele verhältnismäßig mit nicht allzu großer 
Mühe veranstaltet werden können. Ein wesentlicher 
Teil der Vorproben läßt sich ohne Zuhilfenahme des 
gesamten Bühnenapparates bewältigen, Solo-und Chor¬ 
proben werden in Zimmern abrehalten, und in zwei, 
höchstens drei Theaterproben kann eine kundige Hand 
alle Elemente des Kunstwerks unschwer zu einem Ganzen 
zusammenschmieden. Meistens sind es ja auch be¬ 
kannte und feststudierte Musikwerke, die zur Aufführung 
gelangen. 

Im Schau¬ 
spiel ist die Auf¬ 
gabe eine weit 
schwierigere, 
hier fehlt die 
holde Fessel der 
Töne, die ein 
Ausweichen 
nach rechts oder 
links nur in 
beschränktem 
Grade gestattet. 

Hier fehlt auch 
die Möglichkeit, 
die in der älteren 
Oper immerhin 
gegeben ist, daß 
eine einzelne 
hervorragende 
Kraft über et¬ 
waige größere 
oder kleinere 
MängeldesGan- 
zen hinwegtäuschen kann. Und schließlich — last not 
least — können für besondere, selbst ganz hervor¬ 
ragende Schauspielvorstellungen nicht die Preise ge¬ 
fordert werden, die das Publikum für den Operngenuß 
willig zahlt. Die Kosten sind hingegen nicht sehr 
viel geringer; den großen Gagen, die einzelne Gesangs¬ 
künstler erhalten, steht hier die sehr viel größere Anzahl 
des erforderlichen Personals gegenüber. Dramatische 
Festspiele pflegen daher nur sehr selten zu einer 
ständigen Einrichtung zu werden, man kann sagen, daß 
nur zwei deutsche Städte sich ihrer erfreuen: Wies¬ 
baden und Düsseldorf. 

Während in Wiesbaden kaiserliche Munifizenz und 
die reichen Mittel eines Hoftheaters den prächtigen 
Inszenierungen zugute kommen, sind die Düsseldorfer 
Festspiele bekanntlich eine Schöpfung, die aus dem 


Kreise des Publikums hervorgegangen ist. Schon in 
diesem Betracht stehen sie einzig da, wie sie auch durch 
ihre nun schon 12jährige Dauer nicht ihresgleichen 
haben. Kein höfischer Zauber kann ihnen einen Nimbus 
verleihen, sondern einzig und allein die Opferwilligkeit 
des Goethevereins und das Interesse des Publikums, 
das sich weit über Rheinland und Westfalen hinaus 
erstreckt; namentlich das stammverwandte Holland 
schenkt diesen Festspielen seine Beachtung, die sich 
auch in den eingehenden Berichten der großen hollän¬ 
dischen Zeitungen ausspricht. 

Die Goethefestspiele, die in diesem Jahre schon 
am 24. Juni beginnen und bis zum 11. Juli dauern, 
sind diesmal ganz dem großen Namen Shakespeare 
geweiht. Neben der Wiedergabe von „Richard III.", „Lear", 
„Viel Lärm um Nichts" sollen auch zwei sehr selten 
gegebene Werke des Dichters zur Darstellung gelangen, 

hat sich doch 
der Verein in 
jedem Jahre die 
Aufgabegestellt, 
neben den be¬ 
kannten und 
anerkannten 
Stücken die Auf¬ 
merksamkeit der 
Beschauer auch 
auf solche zu 
lenken, die dem 
allgemeinen Ver¬ 
ständnis bisher 
weniger zugäng¬ 
lich waren. Die 
Aufführungen 
von Shakespea¬ 
res „Kleopatra" 
und von Kleists' 
„Penthesilea", 
die ungewöhn¬ 
lichen Beifall 
fanden, haben 
diesen Bestrebungen Recht gegeben. Diesmal wird 
„Liebes-Lust und -Leid" und „Die lustigen Weiber 
von Windsor" in Szene gehen, die man fast als „klas¬ 
sische Novitäten" ansprechen darf, und die nicht nur 
die engere Gemeinde der Literaturfreunde, sondern auch 
das große Publikum interessieren werden, von dem 
allein die Theatererfolge abhängig sind. 

Die Aufführungen stehen, wie bisher, unter Max 
Grubes Leitung. Nicht weniger als 46 erste Künstler 
und Künstlerinnen unserer vornehmsten Bühnen haben 
ihre Mitwirkung zugesagt, so daß für jedes Drama eine 
neue Besetzung der Hauptrollen eintreten kann. Diese 
Abwechslung erhöht natürlich die Kosten der Rhei¬ 
nischen Goethefestspiele sehr bedeutend, gibt den 
Darbietungen aber auch unleugbar noch einen ganz 
besonderen Reiz. M. 



Das illustrierte Festprogramm der d.esjährig-en Goethe-Festspiele ist bei der Düsseldorfer Verlags-Anstalt erschienen. (Preis 50 Pfgh 














148 DEUTSCHLAND Nr.3 


Ein Entwurf zum Ausbau des National-Denkmals auf dem Niederwald. 


Von Dr. Richard Kl 

Auf der diesjährig-en Großen Berliner Kunstausstellung^ 
hat der Architekt Arnold Hartmann (Grunewald) einen 
Entwurf zu einem Erweiterungsbau des National-Denkmales 
auf dem Niederwalde aufgestellt. Das Bauthema ist höchst 
aktuell. Man fürchtet, daß das Schillingsche Denkmal der 
Germania durch das geplante Bismarck-National«Denkmal 
auf der Elisenhöhe bei Bingen erdrückt, in seiner Wirkung 
untergraben würde. Hartmann hat deshalb einen Erweiterungs¬ 
bau auf dem Niederwalde vorgeschlagen. 

Ist es aber überhaupt möglich, einem Denkmal, dem 
an und für sich jede monumentale Gestaltung in einem 
klaren, weittragenden Fernbilde fehlt, nachträglich durch 
Terrassen und Treppenanlagen eine gesteigerte Monumen¬ 
talität zu geben ? Man denkt da unwillkürlich an den Aus¬ 
bau, den vor zwei Jahren das Hermannsdenkmal auf dem 
Teutoburger Walde gefunden hat, als man an Bändels 
100. Geburtstage dem einzigen monumentalen Denkmals¬ 
gestalter, den Deutschland in der ersten Hälfte des dahin¬ 
gegangenen Jahrhunderts aufzuweisen hatte, ein Denkmal 
setzen wollte: Kreis hat damals das Hermannsdenkmal mit 
einer „Bandelbank'" umgeben, die mit breit ausladenden 
Freitreppen dem Denkmal einen neuen monumentalen Unter¬ 
bau geben sollte. Der Versuch gelang. Die monumentale 
Schöpfung Bändels wurde durch den Ausbau noch gesteigert. 
Aber möglich war das nur, weil der jüngere Künstler die 
monumentalen Linien des älteren Bauwerkes weiterführen 
konnte. — Aber auf dem Niederwalde? Schillings Germania ist 


ipheck, Düsseldorf. 

eine mechanisch vergrößerte Kleinplastik, die den natürlichsten 
Anforderungen monumentaler Kunst widerspricht. In einem 
Saale wäre sie vielleicht in kleineren Dimensionen an ihrem 
Platze. Das Staatskleid, das sie sich angelegt hat, das Schwert, 
das von den Girlanden umwunden ist, der Prachtsessel und 
was sie in der Hand trägt, wäre zu erkennen. So aber bleibt 
auf die Entfernung jede Form unklar, die eben, wie Lederers 
Bismarck zu Hamburg, auf eine stark vereinfachte, deutlich 
erkennbare Silhouette hin gestaltet sein müßte. Dasselbe 
vermißt man an den übrigen Gestalten, und das Profil ist 
viel zu schwächlich für den Maßstab: Auf einer Stufenpyramide 
erhebt sich eine ungegliederte Masse, aus der ein dünner 
Arm herausragt. 

Ist da mit breiten neuen Terrassierungen an einer ver¬ 
unglückten monumentalen Schöpfung überhaupt noch etwas 
gut zu machen? Am Ende werden die weit ausladenden Ter¬ 
rassen das Monument noch kleiner erscheinen lassen. Denn 
schon das breite Naturterrain ist dem Denkmal in seiner 
Wirkung so ungünstig gewesen. Der Bergrücken ist viel zu 
breit. Nirgends findet sich eine Linie, die auf das Denkmal hin¬ 
weist. Nirgends ein anderer Maßstab als die formlosen Berge, 
gegen die die Plastik verschwindend klein erscheinen muß. 

Zu retten ist an dem National - Denkmal auf dem 
Niederwalde kaum etwas, und wenn das neue Bismarck- 
National-Denkmal in seinen Formen Rücksicht nehmen soll 
auf die Germania, ihm gegenüberliegend, so wird es das, 
ich fürchte, auf Kosten seiner monumentalen Wirkung tun. 



Entwurf zum Ausbau des National-Denkmals auf dem Niederwald von Architekt Arnold Hartmann, Grunewald 











Nr. 3 


DEUTSCHLAND BB o eeeeeee e eeecooeee seeeeoeea i T49 



Bund und Verbände. 

Vortrag, gehalten in der Vorstandssitzung am 30. April ign in Berlin vom Schulinspektor A. Sattler, Braunschweig. 


1. Das mir von unserm verehrlichen Vorstande übertragene 
Referat hat eine der schwierigsten Fragen zum Gegenstände, 
die allerdings für unser Vereinsleben und für die endgültige 
Ausgestaltung des Bundes von. weittragendster Bedeutung, ja 
vielleicht die wichtigste ist, die wir überhaupt behandeln können. 
Kein Wunder, dass die Besprechung dieser Frage uns schon 
oft beschäftigt hat, und dass dieselbe aller Voraussicht nach 
noch oft wiederkehren wird. Denn darüber sind wir uns wohl 
alle einig, dass wir von der endgültigen Lösung derselben leider 
noch weit entfernt sind. 

Das 4arf uns aber nicht hindern, uns immer wieder das 
Ziel, das wir schliesslich erreichen müssen, vor Augen zu führen 
und uns die Frage vorzulegen: „Wo stehen wir jetzt, und was 
können wir tun, dem gesteckten Ziele wenigstens so nahe wie 
möglich zu kommen?“ 

2 . Das Ziel, dem wir zustreben müssen, ist ohne Frage das, 
dass aus dem „Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine“ 
schliesslich ein „Bund Deuts ch er Verkehrs-Verbände“ 
wird, so dass also der Bundes - Vorstand nur durch 
die Vermittelung der Verbände den Einzelvereinen näher zu 
treten braucht und umgekehrt diese durch die Verbände mit 
dem Vorstande verkehren. Dies Ziel kann natürlich erst dann 
erreicht werden, wenn alle Einzelvereine Deutschlands sich zu 
Verbänden zusammengeschlossen haben, die sich der Bundes¬ 
leitung unterstellen. Diesen Verbänden würden dann die dem 
Bunde sich angliedernden Gemeinden und Korporationen gleich 
zu achten sein, während die dem Bunde angehörenden Einzel¬ 
personen besser den Verbänden oder Einzelvereinen zugeteilt 
werden müssten. Die Arbeiten der Bundesleitung würden durch 
eine solche Organisation wesentlich vereinfacht, und es würden 
die auf den Hauptversammlungen und in den Sitzungen des 
Gesamtvorstandes zur Beratung stehenden Themata gleich inner¬ 
halb der grossen Verbände so geklärt werden können, dass sie 
eine weit schnellere Erledigung erfahren würden, als das jetzt 
möglich ist. Als selbstverständlich muss bei dieser Organisation 
vorausgesetzt werden, dass der Bund durch dieselbe auch 
pekuniär in den Stand gesetzt wird, seinen Aufgaben voll und 
ganz gerecht zu werden. 

3. Ob bei dieser Organisation die Zusammensetzung des 
Gesamtvorstandes dieselbe bleiben wird wie jetzt, wo Verbände 
und Einzelvereine, bezw. Gemeinden und Korporationen, im 
Vorstande vertreten sind, oder ob die Einzelvereine sich dann 
nur durch den Verband im Vorstande vertreten lassen, ist eine 
Frage, die noch geklärt werden muss. Nach meiner Ansicht 
würde e& auch später noch möglich, ja oft vielleicht sogar 
wünschenswert sein, dass auch grössere Einzel vereine im Vor¬ 
stande vertreten sind. Jedenfalls müsste in geeigneter Weise 
dafür gesorgt werden, dass die oft so wertvollen persönlichen 
Beziehungen der Einzelvereine zu der Bundesleitung aufrecht 
erhalten bleiben, bezw. hergestellt werden. 

4. Man hat der bisherigen Bundesleitung wohl den Vorwurf 
gemacht, dass sie die ihr gewordenen Aufgaben nicht so kräftig 
und nachhaltig verfolget habe, wie sie das im Interesse der fort¬ 
schreitenden Entwicklung unseres Verkehrslebens hätte tun müssen. 
Mag sein, dass hin und wieder etwas mehr hätte geleistet werden 
können, dass auch vielleicht manche Fehler gemacht worden 
sind. Wenn wir aber die historische Entwicklung unseres 
Bundes unbefangen betrachten, so müssen wir doch zugeben, 
dass der Vorstand unter den äusserst schwierigen Verhältnissen, 
unter denen sich der Aufbau des Bundes vollzog, und bei den 
geringen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, das denkbar 
Möglichste geleistet und verhältnismässig auch viel erreicht hat. 

'Kinderkrankheiten hat jeder werdende Verein durchzumachen, 
lind Fehler sind dabei kaum zu vermeiden. Uneigennützig, mit 
vieler Umsicht und Tatkraft und mit grosser Ausdauer und 
Geduld haben die Männer, die der Bund an seine Spitze gestellt 
hat, ihres Amtes gewaltet. Und wenn heute der Bund trotz aller 
Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten angesehen und geachtet 
dasteht und ein wichtiger Faktor im Verkehrsleben unseres 
deutschen Vaterlandes ist, dann danken wir es der unermüdlichen 
Tätigkeit unseres bisherigen Vorstandes, insbesondere unseres 
biAerigen Bundesvorsitzenden, Herrn Direktor Winkler, 
und wir wollen wünschen und hoffen, dass unser neuer Bundes- 
vorsitsender, der nun schon ein fertiges Gebäude vorfindet, recht 


tüchtig weiter baut und den wünschenswerten Ausbau recht 
bald vollendet. 

Vorderhand müssen wir uns allerdings mit dem Vorhandenen 
abfinden und uns damit wohnlich einzurichten versuchen. 

5. Es ist die Zeit der Maien! Bäume und Sträucher stehen 
in voller Blütenpracht und entzücken unser Auge. Dem blühenden 
Baume gleicht unser Bund. Hunderte von kleinen Saugwurzeln 
führen aus dem vom Gärtner wohl vorbereiteten Boden die 
Nahrungssäfte dem Stamme und den Zweigen des Baumes zu, 
denen die Blüten und Blätter und hoffentlich später auch die 
Früchte entspriessen. So steht zur Zeit des Maien auch unser 
Bund im schönsten Blütenschmuck da. Wie herrliche Tage 
haben wir schon in Darmstadt, in Mannheim, in Harzburg, in 
Landshut, in Flensburg und zuletzt in Braunschweig verlebt, 
und manche herrliche Frucht reifte in diesen Versammlungen 
oder im Verfolg der dort gefassten Beratungen und Beschlüsse. 
Unsere Einzelvereine sind die Saugwurzeln, die dem vom 
Vorstande wohl vorbereiteten Boden ihre Nahrungssäfte ent¬ 
nehmen und sie dem Stamme und der Krone, dem Bunde, 
zuführen. Viele dieser Saugwurzeln haben sich zu starken 
Hauptwurzeln, den Verbänden, ausgebildet, die nun die 
Verbindung zwischen den Saugwurzeln und dem Stamme her- 
steilen. Jeder Vergleich hinkt, auch der meinige. Die stark 
ausgebildeten Hauptwurzeln des Baumes liegen in der Erde 
und betätigen sich nach aussen hin gar nicht. Die Hauptwurzeln 
unseres Bundes aber, die Verbände, betätigen sich sehr lebhaft 
und haben sich bereits zu selbständigen, reiche Früchte tragenden 
Sprösslingen ausgebildet. 

6. Indem ich diese Vergleiche ziehe, deute ich damit zugleich 
die Entstehung und historische Entwicklung unseres Bundes an, 
sein Herauswachsen aus den Einzelvereinen und die spätere 
Herausbildung der Verbände. 

Daraus ergibt sich, dass die Gliederung unseres 
Bundes in Verbände und Einzelvereine (Verkehrs- 
Vereine, Gemeinden und sonstige Körperschaften) eine durch¬ 
aus natur- und sinngemässe ist. 

7. Die Aufgaben dieser Glieder sind durch unsere 
Satzungen genau vorgezeichnet. Die des Bundes gipfeln in 
zwei Punkten: 

a) Der Bund soll die deutschen Verkehrsinteressen vorzugs¬ 
weise in ihrer Gesamtheit vertreten und fördern; 

bj Dci Bund soll seine Mitglieder zu gegenseitiger Unter¬ 
stützung zusammenführen und ihre Arbeit durch Austausch 
von Meinungen und Erfahrungen erleichtern. 

Der Bund ist also einmal die gewaltige Kraft, gewisser- 
massen die Summe der Kräfte, die den Verbänden und Einzel¬ 
vereinen entströmen, und daher eine Macht, die im Interesse 
des Verkehrs gewaltiger und nachhaltiger zu wirken vermag, 
als das seinen Gliedern grösstenteils möglich ist; er ist aber 
dadurch zugleich zweitens auch das fördernde und belebende 
Element, das die Glieder stützt, kräftigt und anregt. 

8. Eine wichtige Aufgabe des Bundes ist zunächst eine 
grosszügige Propaganda für den Verkehr, und zwar 
nicht nur im Auslande, um zu bewirken, dass das Ausland 
mehr und mehr mit den Vorzügen und Schönheiten unseres 
Vaterlandes bekannt gemacht und der Fremdenstrom und damit 
auch der Geldstrom nach Deutschland hingeleitet werde, — 
sondern auch im I n 1 a n d e, um durch steten Hinweis auf die 
Schönheiten und Vorzüge unserer Heimat die einheimische 
Bevölkerung davon abzuhalten, ihr Geld, mehr als nötig ist, dem 
Auslande zuzuführen. 

9. Daneben g^bt es für den Bund aber noch andere wichtige 
Aufgaben. So gibt er fortgesetzt Anregungen zu Verkehrs- 
Erleichterungen und -Verbesserungen und sucht dieselben auch 
nach Kräften zu fördern. Dabei kommen in erster Linie der 
Personenverkehr der Eisenbahnen, Dampfschiffe und Kraft¬ 
fahrzeuge usw. in Betracht; doch finden auch die Verkehrsmittel 
und Verkehrs-Anstalten des Sach- und Nachrichtenverkehrs, so¬ 
weit sie mit dem Personenverkehr Zusammenhängen (wie z. B. 
der Gepäckverkehr) oder für das den Fremden anziehende wirt¬ 
schaftliche Gedeihen der deutschen Candesteile und Orte von 
Bedeutung sind (wie der Kanal-, Post- und Fernsprechverkehr), 
weitgehendste Beachtung und Förderung. 






150 ;»B 


DEUTSCHLAND 


Nr. 3 


10. Die Verkehrs-Verbände und V e r k e h r s - V • o i n e 
der einzelnen deutschen Dandesteile untersiützen den Eiind in 
seiner Tätigkeit, und umgekehrt fördert der Bund die Aufgctben, 
die über das Arbeitsgebiet dei Verbände und Einzelvereine örtlich 
und sachlich liinausgehen; insbesondere die Behandlung allge¬ 
meiner deutscher Verkehrsfragen; sucht aber auch solche Auf¬ 
gaben, die im Arbeitsgebiete der einzelnen Vereine liegen, in 
jeder Weise zu unterstützen oder doch wenigstens anregend 
und fördernd zu wirken. Hierher gehören z. B. Fragen des 
Heimatschutzes, der Gesundheitspflege, der Fremdenstatistik, die 
Einrichtung der Verkehrsbureaus usw. 

11. Die Einzelvcreine haben daneben die bevondere 
Aufgabe, auf die Schönheiten und Vorzüge ihrer engeren Heimat 
hinzuweisen und alle Mittel anzuwenden, den Fremdenverkehr 
dorthin zu lenken, bezw. dem Heimatverkehr neue Bah-ien zu 
erschliessen und ihm alle möglichen Erleichterungen zu ver- 
.schaffen. Daneberi müssen sie aber auch bestrebt sein, die 
kulturelle Bedeutung des Verkehrs für das gesamte geistige und 
wirtschaftliche Leben ihrer Heimat in der Oeffeiulichk<n( zu 
vertreten und in dieser Beziehung eine ausschlaggebende St*'li!ung 
in der öffentlichen Meinung einzunehmen. 

Und um alle diese Aufgaben bes.ser, nachhaltiger und in 
grösserem Umfange erfüllen, zu körmen, schMrssen .^ich die 
Einzclvereine zu Vei bänden zusammen, die jene Aufgaben 
in erweitertem und verstärktem Masse ci! allen können. 

12. Aus diesen Aufgaben ergeben sich nalurgemäs.^ füi ucn 
Bund, die Verbände und die Einzelvcreine die .gegenseitigen 
Beziehungen und Verpflichtungen. 

Der Bund ist stets der Obeibegrilt den Veilvänden und 
Vereinen gegenüber; aber alle drei stehen iintereinander in 
einem bestimmten Ahhangigkeitsverhällnis, indem sio .’jlch ^egem- 
seitig stützen, schützen und ergänzen (wie der Magen imd die 
ihn ernährenden Organe). 

Dies Verhältnis schlicsst eine einseitige diktatorische Gewalt 
des Oberbegriffs .lus, so dass nur ein gegensciii.-.cs Incinandei- 
und Mileinanderarbeilen möglich ist wie ts :a auch l-islirr 
war - , gewährleistet durch die lührciuleri PoisönlichKeiten !i.i 
Bunde, in den Verbanden und in den Km.^elvtrcinen. 

Ohne eine gewisse straffe Regicrun.; wird c-» dab.ei adlei- 
dings nicht immer abgehen. Wer sich dem Bunde oiler ^in'^-m 
Verbände anschliesst, hat sich seinen S.ilzuiigen und dv.n Mass¬ 
nahmen, welche die Leitung trilfi, zu fügen, sonst pas.st er nicht 
in den Rahmen der Organi.salion, stört Jii* il.irmonie des (hni-tii 
und legt damit die gCvSiinue T.itigkeil deiselben lahm. Möge dei 
Bund voi solchem Geiste bew.ihrt bleiben! 

13. Das Verhältnis des Buiiiles zu den Kmzclvereinen lU 
von jeher ein ziemlich klaies und l»? Mi;iiiiit.‘s ;»e\Vv s-n. Anders 
steht es nii‘. dem Veihältnis zwisch« n dem Bunde und den 
Verbänden und das ist auch der spnngmuK.* l’unki iie-ines 
Themas. 

Hier gibt es zwei Mögiiclikeilen. Entweder es ist ilic 
Organisation des Bundes so, wie ich .»ii* tin..uu;*.s meines Vor¬ 
trages schilderte, nämlicli, dass d.^r Bund stine Vv'eisungtMi an 
die Veibände erlässt und nur mit ihmm veibandelt, und es 
diesen überlässt, sich mit den Einzel vereinen darüber ins Kii*- 


Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 

Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Ilandelshof. 

Es sind die folgenden neuen Mitglieder zu nieldt ii: 

Verein zur Förderung Dresdtms uinl des b'i ouulim v< rkehi s, 
Dresden; 

E.Mohrmann, Schiffsmakler u. Bcfraclit;m.g.s.»gent, Greifswald; 

Dr. Rosell, Sanatorium, Balleiistc'di am Har/; 

Richard Möckel, Verlag der Illustrierten Wochcnscliriit 
„Kosmos“, Leipzig; 

Vereinigung internationaler PensioiuMi Gross-Berlins, Ih rlin; 

Magistrat der Stadt Zoppot; 

Schriftleitung von Meyers Orts- u. Verkehrs' Lexitfon, Leipzig; 

Kurhau.s und Hotel Krön, Bad Mimsier am St *In. 

Der geschäftstührende Am.scbiiss besch.iftie.t su ii .mgen- 
blicklicb u. a. mit der liitei nalit>:i ik u ivus jli.iu; i'-: iö-i; • 
und Fr mdenveikehr in Berlin und mit der Fr.ig. der Bau lii..! p.. 
an der Fortsetzung derselben in l'iankfiirt a. M. l'ern* i l't 
schäfligte den Ausschuss die Ang».legtu.li'ut des Hüvlsciuuu« l.s 
in den Fd.senbahnwagt j, voi alliMu auch die 

Bundeslagung in Worms vorn 6. 9. Jimi, 

die überaus interessante Rcfnale sowie eine Rciii ' fc.' isi ]•« r 
Veranslaltimgen aiiiv.reist. inuf zu iler wir hier iiochimik. mil 
der Bitte um recht rege Beteiligung die verchiliehen Bundes- 
mitglieder einladcm. 

Das genaue Programm hüben wir bereits in Nr. ver¬ 
öffentlicht, Neben den geschäftlichen Verhandlungen limleii 
während der Tagung jeden Morgen Besichtigungen der Seheiis- 


vernehmen zu setzen, so dass also die Verbände gewissermassen 
die Zwischeninstanz oder die Millc-lsper-^on zwischen dem Bunde 
un i denEinzelvcrelnen sind, oder aber, dass beide als gleichwertige 
Faktoren dem Bunde gegenüberstehen. 

Bei de’* heutigen .i^usamiTienselzung des Bundes, die aus 
seiner historischen Entwicklung resultiert, scheint mir das zweite 
Verhältni > vorläufig noch das richtigere zu sein, und es hat sich 
bis jetzt auch l.’cstens bcw:ihrt, weil es eine ausgiebige Be- 
rünrungsmüglichkeit der einzelnen Faktore in unserem Vereins¬ 
leben gestattet. :>o wird e.s au-'h wohl noch längere Zeit bleiben. 
Unter Zugrundelegung dieses Verhältnisses geht meine Ansicht 
über die geg>"iiwärtig zweckmässigste Organisation unserer Vei- 
c!*iigiing dafiin: 

a) Die Veibände und Einzclvereine bleiben dem Bunde 
gegenüber vorläufi'g gleichwertige Mitglieder. Beide ge- 
niessen in gie-chur Weise das Recht, im Vorstande ver¬ 
treten /u sein; ein Recht, das s,ich selbstverständlich nach 
der Stärke und Bedeutung der einzelnen Glieder und 
tiacii örtlichen VerhrÜtnissen richten und den praktischen 
Bedüi f'-.i.ssen unseies Vereins anpassen muss. 

!') Die Verhä.ulc und Vereine haben die Pflicht, den Bund 
durch Zahlun!.', von Beiträge’! in den Stand zu setzen, 
seine A.ufgabc n eiiüllen zu können, wie die Einzelvereine 
auch selbstv^.rständlich die Pflicht h.tben. für die pekuniäre 
Versorgung der von ihnen gegründeten Verbände auf- 
zukomnicn. 

Gehören l^in/elvercine aus irgend welchen Gründen 
mehreren Veibäiden an. .so haben sie auch die Pflicht, 
m diese .lie feslgescizlen Beiträge zu zahlen. 

c) Die Beiiragspflicln richtet sich bei Jen Einzelvereinen in 
allen Fällen nach der Kopfzahl der Mitglieder, wobei 
nicht an.-^geschiossen ist, dass durch Sonderabmachungen 
von wirtschaftlich kräftigen Vereinen höhere Beträge, 
von wirlsch iHlicb '.eliw.ichen Vereinen auch wohl mindere 
Betr.ige als die, woiu sie verpllichtet sind, gezahlt werden. 
Ebenso k<»nncn mit den Verbänden Sonderverträge in bezug 
auf ihre Bc-iir.’.gspllichi abgeschlossen werden. 

d) Es zahlen sonnt sowohl die Verbände, wie auch die 
Eifi/elveieirie an den Bund, wenn letztere vollw'ertige 
Giieiff lies Bundes sein wollen. 

e) 1 lie: ans eigibt }>ich. d.*ss der Bund mittelbare und un- 
mittelbaie Glieder umfasst; erslere sind auf den Ver- 
s.amnilungen nicb.i «lirekl stimmberechtigt, sondern lassen 
sich durch den Verlieler des Verbandes vertreten, zahlen 
daher ibei auch nur an ihren Verband die pflichtmässigen 
Beiträ'-.c. liie event. v’iib.prechend erhöht werden können; 
’.elzleie sind aut den Versammlungen direkt stimm- 
bircchtigt und zahlen die pflichtmässigen Beiträge an 
dv.n Bund uiul an die Verbände, denen sie angehören. 

iCinc andere laisuii!’, dieser heiklen Frage gibt es meiner 
Meinung nach vorläufig mehl. Hoffen wir, dass der jetzt 
iiciTschcnde, imineiliin iiui provisorische Zustand in der Organi¬ 
sation des Bundes einem dauernden Platz macht, indem der 
Bund das wird., was er werden muss : ein Bund d e u t s ch e r 
V e r k <• ii r s - V e r b ä n d e. 


Würdigkeiten unter sachkundiger Führung statt für diejenigen 
Teilnehmer, ilie den Beratungen nicht beiwohnen. Treffpunkt 
am Lulherplalz 9 Uhr. (Pauliismuseuin, Dom, Dreifaltigkeits¬ 
kirche und Synagoge sind während der Tage geöffnet.) 

Die Ausgabestelle der Gutscheinhefte, Programme und Fest- 
ab/eiclitn befindet sich im „Europäischen Hot“ (gegenüber dem 
Bahnhöfe). 

Aus den Bundes -Vereinen. 

MittcldtMilsciu; Vei kohrskonferenz in Magdeburg. 

Aul b'inladung der I’':senbalituiireklion Magdeburg fand am 
2;. M n ti’.ie Ktmfeicn/ dei Veikehrs-Verbände und -Vereine betr. 
iCisenliah’ive. binilnngen uiivl l’V.bi pl mverbesserungen im Harz- 
pebiel statt. VcrlretJ n waien die Königlichen Eise' b.-dindirektionen 
bm n »lie. C issci inui Hannover, der Bund Deutscher 
'/»'«kehis-Vcieini-, dei X’erb.md Millekleutscher Verkehrs-Vereine, 
(l' i Harzer V< rki ht.s-Vc>b.i.id., llar/klub Zweigverein Halle, 
M(»i d.lcu’. 'ic V\•l■^t‘hr•^k<*lillniss?on des Verbandes reisender 
kauf len k'culschlands und die Direktionen der Piivatbahnen 
tluM ;cbietes. Auf dx-'r Tagesordnung .standen eine Anzahl 

Fahi ’pla”..«:.!:Veib.i’'des Mitieldeut.scher Verkehr.s-Vereine, 
des Haixl lul /. ve'..' o cins. MaHiiehiirg, Il.innover und Halle, des 
Vc: Ivt nrs-Veiems l « !p 'g. des Verkehrs-Veieins Braunschweig 
und dx s Harzer Veik« u... Veib.nulcs. Die Anträge der Verkehrs- 
Vereine L'assel, lünnl'r.a, nn l Soinlcrshausen wurden vom Bund 
DeuUeher Vcik. in:-Vereine schriftlich eingercicht. 



Nr. 3 noo[xx3o e03^^8e9^^9^&&^ DEUTSCHLAND EE^^^^es^^es^aeee eoo oot a i5i 


Der Vorsitzende begrüsste die anwesenden Vertreter im 
Namen des Herrn Eisenbahndirektions-Präsidenten. Er wies 
auf deii Zweck der Konferenz hin, zwischen den Vertretern der 
Verkehrskorporationen und der Eisenbahndirektionen eine münd¬ 
liche Aussprache in Verkehrsangelegenheiten herbeizuführen, 
und wünschte den Verhandlungen einen befriedigenden Verlauf. 

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 
dankte dem Vorredner für die Einladung der Verkehrs-Vereine 
und des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine zu der Sitzung 
und gab dem Wunsche Ausdruck, dass auch für Thüringen 
und andere deutsche Gebiete derartige Konferenzen einberufen 
werden möchten. 

Sodann wurden die eingebrachten Anträge einer Besprechung 
unterzogen. Nach dem Ergebnis der Beratung konnte einem 
kleinen Teil der Wünsche von den Eisenbahnverwaltungen 
eine Erfüllung nicht zugesagt werden. Zum grösseren Teil 
enthielten aber die Anträge beachtenswerte Anregungen, die 
einer eingehenden und wohlwollenden Prüfung unterzogen 
werden sollen. Die abgelehnten Anträge betrafen namentlich die 
Einführung neuer Haltepunkte für Schnellzüge, die Herstellung 
eines Anschlusses von und nach Leipzig zu den Zügen D 102/103 
und die Anträge auf Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Sonn¬ 
tagsfahrkarten auf 36 Stunden. Der letzte Punkt, der schon vom 
Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine beim preussischen Herrn 
Minister der öffentlichen Arbeiten angeregt, jedoch von diesem 
abgelehnt wurde, kam insbesondere durch den Verkehrs-Verein 
Braunschweig zur Erörterung. Die Vertreter der Eisenbahnver¬ 
waltung nahmen den Standpunkt ein, dass die Sonntagsfahrkarten, 
die vom Sonnabend-Nachmittag an Gültigkeit haben würden, 
wahrscheinlich nur in geringem Masse benutzt werden würden. 
Im vorigen Winter sei ein Wintersportzug am Sonnabend-Nach¬ 
mittag von Berlin aus nach dem Harze gefahren worden. Zu 
diesem Zuge seien auch Fahrkarten zum Sonderzugpreise von 
Magdeburg ausgegeben worden. Die Beteiligung von dieser 
Stadt sei aber eine ausserordentlich geringe gewesen, während 
der Zug von Berlin aus recht gut besetzt gewesen sei. Es 
ständen auch nicht immer am Sonnabend-Nachmittag geeignete 
Züge zur Verfügung. Die Züge verliessen oft schon etwa um 
I Uhr die Stadt, während die Hauptmasse der Geschäftsleute 
und Beamten erst einen Zug nach 3 Uhr benutzen könnten. 
Eine Ausdehnung der Gültigkeitsdauer bis Montagmittag könnte 
Überhaupt nicht in Betracht kommen, da am Montagvormittag 
die in Frage kommenden Bevölkerungskreise wieder im Geschäft 
oder Bureau tätig seien. Von Herrn Miller, Magdeburg, 
wurde darauf aufmerksam gemacht, dass mehr und mehr die 
Angestellten an den Sonnabend-Nachmittagen von Geschäften 
frei seien und ihre freie Zeit zur Erholung in der Natur zu 
benutzen wünschten. 

Herr S attler. Braunschweig, war der Meinung, dass ein 
misslungener Versuch, wie der erwähnte Wintersportzug, nicht 
massgebend sein könnte, da an der geringen Benutzung die 
Witterungsvorhältnisse und andere Ursachen die Schuld tragen 
könnten. Die Wünsche nach Verlängerung der Geltungsdauer 
der Sonntagsfahrkarten kämen nicht nur aus den Verkehrs- 
Vereinen, sondern aus der Bevölkerung. Auch würde immer 
noch über die zu hohen Preise der Sonntagskarten geklagt und 
in gleicher Weise eine Herabsetzung der Fahrpreise für Schüler¬ 
fahrten für notwendig erachtet. Vom Standpunkt der Hebung 
des Verkehrs könne diesen Wünschen eine Berechtigung nicht 
abgesprochen werden. 

Herr G o n t a r d, Leipzig, unterstützte die Ausführungen des 
Herrn Sattler vom Standpunkte des Bundes Deutscher Verkehrs- 
Vereine aus und bat um wohlwollende Prüfung der Angelegenheit. 

Von der Eisenbahnverwallung wurde darauf aufmerksam 
gemacht, dass bei Beginn der Geltungsdauer am Sonnabend- 
Nachmittag die Geschäftsreisenden häufig von den Sonntags¬ 
fahrkarten Gebrauch machen würden, und im Anschluss hieran 
wurde das Prinzip dargelegt, das den Sonntagskarten zugrunde 
liegt. Die Sonntagsfahrkarten seien aus hygienischen Rücksichten 
eingeführt worden,, Sie sollten den Bewohnern landschaftlich 
wenig bevorzugter Gegenden Gelegenheit bieten, in reizvollere 
Landschaften zu gelangen. Infolgedessen könnten umgekehrt 
keine Sonntagsfahrkarten in schöngelegenen Orten verausgabt 
werden. Aus Gründen der Hygiene würden auch Sonntags¬ 
fahrkarten im allgemeinen nur bis zu 75 Kilometer Entfernung 
ausgegeben, da andernfalls eine allzulange Eisenbahnfahrt nötig 
werde, die aus hygienischen Rücksichten nicht zu befürworten 
sei. Aus diesen Gründen beständen z. B. auch keine Sonntags¬ 
fahrkarten von Leipzig nach Thale, wie sie der Leipziger 
Verkehrs-Verein beantragte. Diese Angelegenheit soll jedoch 
wohlwollend geprüft werden. Es wurde ferner darauf hin¬ 
gewiesen, dass eine Mindestzahl von Sonntagsfahrkarten im 
Laufe des Jahres verkauft werden müsse. Andernfalls müssten 
die Karten in Ermangelung jedes Verkehrsbedürfnisses zurück¬ 
gezogen werden. 


Die von Herrn Gontard, Leipzig, gegebene Anregung, die 
Harzer Privatbahnen möchten für bessere Anschlüsse Sorge 
tragen, wurde von dem Vertreter der Privatbahn Nordhausen- 
Wernigerode dahin beantwortet, dass aus finanziellen Rücksichten 
nicht zu allen Anschlusszügen ein Zug der Privatbahn gefahren 
werden könne; man müsse die Anschlüsse einer Reihe von 
Linien aufnehmen, infolgedessen seien nicht alle Anschlüsse gut. 

Herr Major D o m m e s , Harzburg, teilte mit, dass der Harzer 
Verkehrsverband mit Cook in Verbindung stehe, um das Ausland 
mehr nach dem Harze zu ziehen. Cook stosse sich nur an die 
Zahlungsbedingungen der preussischen Staatseisenbahn, die 
Bezahlung des Preises der Fahrkarten von der Firma Cook 
im voraus verlange. Cook lege damit ein grösseres Kapital zinslos 
brach. Die Regelung dieser Angelegenheit wurde der Eisenbahn¬ 
direktion Köln überwiesen, die hierfür zuständig ist. 

Zum Schluss dankte der Vorsitzende des Bundes Deutscher 
Verkehrs-Vereine nochmals für die Heranziehung der Verkehrs- 
Vereine und -Verbände zur Mitarbeit bei Verkehrsfragen durch 
die Königlichen Eisenbahndirektionen, machte auf das Bundes¬ 
organ „Deutschland“ aufmerksam und bat die Herren der 
Direktionen, sich mit Artikeln daran zu beteiligen. — Ein 
gemeinsames Mittagessen hielt die Teilnehmer der Sitzung noch 
geraume Weile in anregender Unterhaltung zusammen. 

Der Landes-Frerndenverkehrsrat für Bayern 

hat am 12. Mai seine zweite Sitzung im Staatsministerium für 
Verkehrsangelegenheiten abgehalten. Wie mitgeteilt wird, stand 
neben anderen wichtigen Verhandlungsgegenständen auch die 
Frage der Vertretung der Presse im Landes-Frerndenverkehrsrat 
auf der Tagesordnung, und es wurde einstimmig beschlossen, 
bei der Staatsregierung die Berufung eines Vertreters der 
bayerischen Presse in den Landes-Frerndenverkehrsrat zu be¬ 
fürworten. — Um die Bereitstellung staatlicher Mittel für die 
Förderung des Fremdenverkehrs in Bayern herbeizuführen, 
wird der Landes-Frerndenverkehrsrat eine Denkschrift an die 
Staatsregierung richten, worin die Einstellung eines Betrages 
von vorerst mindestens 100000 Mark in das Budget der nächsten 
Finanzperiode gefordert werden wird. 

Kartell europäischer Radfahrer- und Automobilisten- 
Verbände e. V. 

Bei Gelegenheit des am 25. März im katholischen Gesellschafts¬ 
baus zu München abgehaltenen 15. Stiftungsfestes des Bayerischen 
Radfahrer-Verbandes wurde der bisherige Präsident des Kartells 
europäischer Radfahrer- und Automobilisten-Verbände, Oberst 
z. D. Freiherr von Rotenhan, zum Ehrenpräsidenten ernannt, nach¬ 
dem er infolge vorgerückten Alters und aus Gesundheitsrück¬ 
sichten die Wahl des Kartellpräsidenten nicht mehr annahm. An 
seine Stelle wurde Ingenieur Dr. M. Edelmann zum Präsidenten, 
prakt. Arzt Dr. Speer zum stellvertretenden Präsidenten gewählt. 
— Die Gültigkeit der schweizerischen Triptyques ist auf ein 
Jahr verlängert. Betreffs Angabe des Gewichts wurden neue 
Direktiven erlassen. Aus Frankreich erfolgten neue Bestimmungen 
betreffs provisorischer und definitiver Austrittserklärungen im 
Grenzkartenverkehr. — An Mietautomobile dürfen von nun an 
keine Triptyques nach Oesterreich abgegeben werden. — Die 
Gültigkeitsdauer der russischen Triptyques wurde auf sechs 
Monate verlängert, wobei ein öfteres Passieren der Grenze 
innerhalb der Gültigkeitsdauer zugestanden wurde. 

Der Pfälzische Verkehrs-Verband 

hielt unter dem Vorsitze des Herrn Rechtsrats Dr. Müller (Lud¬ 
wigshafen) eine Ausschuss-Sitzung ab. Zur Erlangung guter 
photographischer Abbildungen der Pfalz für spätere Verwendung 
bei Reklame wird ein photographischer Wettbewerb veranstaltet; 
es stehen dafür jetzt schon 300 Mark für Preise zur Verfügung. 
Spätester Termin für Einsendung der Bilder ist der i. September 
ds. Js. Die Einführung weiterer Sonntagskarten, insbesondere 
von benachbarten Grossstädten nach der Pfalz, soll im Bayerischen 
Landesverkehrsrat befürwortet werden. Es wurde der Anregung 
zugestimmt, die für den Bayernkalender in der Pfalz ausge¬ 
worfenen Gelder künftighin für einen Pfälzischen Kalender, an 
dem auch Pfälzische Künstler mitwirken könnten, zu verwenden, 
da für die Pfalz hiervon mehr Vorteil zu erwarten sei. Diese 
Anregung soll dem Pfälzischen Fremdenverkehrsrat zur weiteren 
Behandlung unterbreitet werden. Das Programm der Gast¬ 
wirtschaftlichen Kurse, das Hotel- und Restaurationsbuchführung, 
Weinbehandlung, Grundzüge der Küche und Aufstellen von 
Speisekarten, Hebungen im Servieren umfasst, liegt nunmehr 
vor. Die Gewinnung von Teilnehmern soll gemeinsam mit 
dem Pfälzischen Gastwirteverband vorgenommen werden. Die 
Kurse sollen im Spätherbst ds. Js. stattfinden. Dem Pfälzischen 
Verkehrs-Verband sind fünf weitere Korporationen beigetreten. 





Der Darmstädter Verkehrs-Verein 

beging am i6, Mai die Feier seines 25jährigen Jubiläums durch 
eine Festsitzung, der zahlreiche Ehrengäste, wie Minister von 
Hombergk, Provinzialdirektor Fey, Oberbürgermeister Dr. Glässing, 
Reichstagsabgeordneter Dr. Osann u. a., sowie viele auswärtige 
Gäste beiwohnten. Der Vorsitzende, Stadtverordneter Stemmer, 
erinnerte daran, dass der Verein vor 25 Jahren als der erste 
Verkehrs-Verein in Deutschland gegründet wurde. Als Vertreter 
des Grossherzogs überbrachte Kabinettsekretär Dr. Wehner die 
Glückwünsche des Protektors des Vereins für dessen fernere 
erspriessliche Tätigkeit. Provinzialdirektor Fey sprach dem 
Verein die besten Glückwünsche namens der Provinzial- und 
Kreis Verwaltung aus, Oberbürgermeister Dr. Glässing gratulierte 
namens der Residenz Darmstadt, Regierungsrat Dr. Schneider 
namens der Eisenbahndirektion Mainz. Den Glückwünschen 
der zahlreichen Darmstädter Korporationen usw. folgten Gra¬ 
tulationen des Frankfurter, des Mannheimer und des Rheinischen 
Verkehrs-Vereins u. a. m. Die Herren Karl und Wilhelm Opel 
(Rüsselsheim), die im vorigen Jahre dem Verein zwecks Ver¬ 
schönerung der Stadt eine Stiftung von 20 000 Mark machten 
und auch sonst die Zwecke des Vereins förderten, wurden zu 
Ehrenmitgliedern ernannt. Den Schluss des Abends bildete ein 
Vortrag des Prof. Dr. Vetterlein über: „Was danken wir 
dem deutschen Bürgersinn?“ 

Casseler Fremdenverkehrs-Verein. 

Aus dem Jahresbericht ist folgendes zu entnehmen; Seit 
der letzten Haupt-Versammlung- trat der Vorstand in sieben 
Sitzungen zusammen. Die Auskunfthalle am Bahnhof, die auch 
im verflossenen Jahre von einer grossen Anzahl Fremden aus 
dem In- und Auslande aufgesucht wurde, hat sich bei manchen 
Gelegenheiten als zu klein erwiesen, so dass der Vorstand sich 
veranlasst gesehen hat, mit dem Magistrat und der Königlichen 
Eisenbahn-Direktion wegen einer Erweiterung in Verbindung zu 
treten. Der in der Bahnhofhalle sich befindende Stadtplan mit 
schönen Ansichten von Cassel und Wilhelmshöhe ist neu her¬ 
gerichtet worden. Hierzu hat die Casseler Hotelbesitzer-Ver¬ 
einigung einen Beitrag von 200 Mk. gestiftet. Auf der Brüsseler 
Weltausstellung war von seiten der Preussischen Eisenbahn¬ 
verwaltung, des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine und der 
Zeitschrift „Deutschland“ ein Pavillon errichtet, worin Uber 
alle hervorragenden deutschen Städte Auskunft und für einen 
etwaigen Besuch derselben jeder Rat erteilt wurde. Auch der 
Casseler Fremdenverkehrs-Verein hat zu den Unkosten mit bei- 
gesteueit. Der Wettbewerb der einzelnen Städte um die Gunst 
der Fremden ist immer mächtiger geworden und erheischt be¬ 
deutende finanzielle Aufwendungen. Magistrat und Stadt¬ 
verordnetenversammlung der Stadt Cassel stehen den 
Vereinsbestrebungen sehr sympathisch gegenüber und haben sie 
durch erhebliche Zuwendungen im verflossenen Jahre unterstützt. 
Gemeinsam mit dem städtischen Verkehrsamt wurden 
eine grosse Anzahl von schriftlichen Anfragen über Sehens¬ 
würdigkeiten, Wohnungs-, Schul-, Steuer- usw. Verhältnisse 
der Stadt erledigt. Würde von der Stadt allein die Propa¬ 
ganda zur Heranziehung von Fremden betrieben, so wäre den 
besonders interessierten Gewerbetreibenden (Wirte, Lebensmittel¬ 
lieferanten u. dergl.) die Notwendigkeit entzogen, sich mehr als 
alle anderen Steuerzahler zu beteiligen; die Zugehörigkeit zum 
Fremdenverkehrs-Verein bietet aber die Möglichkeit, ein 
besonderes Interesse zu bekunden. Damit ist die 
Haupttätigkeit der freien Vereine vorgezeichnet, nämlich die 
Förderung des Passantenverkehrs. Die amtliche 
Stelle hat dagegen den Schwerpunkt ihrer Bemühungen in der 
Heranziehung von steuerkräftigen Elementen, 
Industrien, Ausstellungen u. dergl. zu suchen, weil 
dadurch die Steuerkräfte gehoben und der Gesamtheit der 
Bürgerschaft Vorteile zugewendet werden. Der Fremdenverkehrs- 
Verein betreibt die Reklame in Tageszeitungen, während das 
Verkehrsamt durch Anzeigen und illustrierte Artikel in Zeit¬ 
schriften die Kenntnis von den Vorzügen Cassels verbreiten 
kann. Noch andere Umstände rechtfertigen das gleichzeitige 
Bestehen von Fremdenverkehrs-Verein und Verkehrsamt. Die 
mündliche Auskunfterteilung erfolgt besser durch den Verein 
als auf dem Rathaus, da nach den vorliegenden Erfahrungen 
die Auskunftsuchenden sich hier nicht unbefangen geben, weil 
sie eine behördliche Einmischung in ihre Privatverhältnisse, 
namentlich in Steuerangelegenheiten, befürchten. Eines der 
wichtigsten Propagandamittel, der illustrierte Führer durch Cassel 
und Umgebung, wird vom Fremden Verkehrs-Verein in grossen 
Mengen an auswärtige Verkehrsbureaus, Schiffahrtslinien usw. 
abgegeben; der Verein sowohl wie die Stadt Hessen diesen 
Führer bei besonderen Anlässen, Kongressen und Ausstellungen 
den Besuchern mit einer entsprechenden Widmung überreichen. 


— In diesem Jahre wird Cassel sich eines besonders grossen 
Fremdenbesuches zu erfreuen haben. In den Tagen vom 22. bis 
27. Juni findet auf dem grossen Forst die 25. Allgemeine Deutsche 
Landwirtschaftsausstellung statt. Der Fremdenverkehrs-Verein 
hat die Aufgabe mit übernommen, mit Unterstützung des Städti¬ 
schen Verkehrsamtes für die Unterkunft der Besucher zu sorgen, 
und hat zu diesem Zwecke ein Wohnungsbureau eingerichtet. 

Der Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens und 
angrenzender Gebiete 

hielt am 13. Mai in Dortmund seinen dritten Verbandstag ab. 
In Verhinderung des ersten Vorsitzenden, Oberbürgermeisters Dr. 
Eichhoff (Dortmund), eröffnete der zweite Vorsitzende, Kaufmann 
Strohn (Dortmund), die Versammlung. Er gedachte der ver¬ 
storbenen Vorstandsmitglieder Kaufmann Flörsheim (Dortmund) 
und Syndikus Dr. Lind (Essen), denen der Verband ein treues 
Andenken bewahren werde. Ganz besonders gedachte der Vor¬ 
sitzende auch der Presse, die in zuvorkommendster Weise dem 
Verbände ihre Unterstützung habe zuteil werden lassen. Der 
Schriftführer Dr. Kuckuck erstattete den Jahresbericht, aus dem 
sich eine reiche Fülle Material ergibt, das im abgelaufenen 
Geschäftsjahre bearbeitet worden ist. Es mag bemerkt werden, 
dass Anträge zur internationalen Fahrplankonferenz bis zum 
August eingereicht sein müssen, andere, die Aenderung des 
Fahrplanes betreffende Wünsche sind sechs Monate vorher 
einzureichen und auch demgemäss zeitiger an den Verband 
abzugeben. Es folgte die Erstattung des Kassenberichts. Die 
Einnahme betrug 1679.98 Mk., die Ausgabe 1080.53 Mk., so dass 
ein Bestand von 599.44 Mk. verblieb. Die Entlastung wurde 
einstimmig erteilt. Der Haushaltsplan wurde in Einnahme und 
Ausgabe auf 1700 Mk. festgesetzt. Dortmund wurde als Vorort 
wiedergewählt. Neu in den Vorstand gewählt wurden die Herren 
Stute (Witten), Bürgermeister Dieckmann (Münster) und Bürger¬ 
meister Dr. Busse (Herford). 

12. Jahresbericht (1910) des Vereins zur Förderung 
des Fremdenverkehrs in Hamburg. 

Aus der Herkunft der zum vorübergehenden Aufenthalt in 
Hamburg weilenden Fremden geht hervor, dass ausser Deutsch¬ 
land für den Hamburger Hotelvcrkehr in erster Linie Amerika, 
sodann Oesterreich-Ungarn, England und Dänemark in Betracht 
kommen. Der Verein hat demgemäss bei der Verteilung seines 
Propagandamaterials (Wegweiser, Führer, Plakate, Postkarten, 
Ansichtskarten) diese Länder stets ganz besonders berücksichtigt 
und wurde hierin bei dem Verkehr mit Amerika in dankens¬ 
werter Weise von der Hamburg - Amerika Linie unterstützt. 
Gelegentlich der Jahrhundertfeier der Argentinischen Republik 
wurden in Buenos Aires durch Herrn Hesse-Wartegg auch 
Vorträge über Hamburg gehalten, zu denen der Verein eine 
Reihe vortrefflicher Lichtbilder zur Verfügung gestellt hatte. 
Für die Errichtung von Auskunftstellen in den Vereinigten 
Staaten von Nord-Amerika war der Verein mit dem Bund 
Deutscher Verkehrs-Vereine gemeinsam tätig. Auch die bereits 
erschienene Amerika - Nummer der illustrierten Zeitschrift 
„Deutschland“, die in hervorragender Weise für die Förderung 
des Fremdenverkehrs tätig ist, fand die Unterstützung des 
Vereins. ln der England-Nummer dieser Zeitschrift, die im 
vorigen Sommer erschien, war Hamburg durch einen illustrierten 
Artikel “In the Hamburg Docks“ und durch einen Hinweis auf 
die Sehenswürdigkeiten der Stadt vertreten. Die Cookschen 
Reisebureaus in Glasgow und London wurden von einem 
Vorstandsmitgliede besucht und ihre Verbindung mit der Ham¬ 
burger Auskunflstelle als mustergültig anerkannt. Die englische 
Uebersetzung des vom Verein herausgegebenen Führers und Weg¬ 
weisers durch Hamburg findet bei Engländern und Amerikanern 
grossen Beifall. Mit Dänemark steht der Verein durch 
den Verband der Verkehrs-Vereine von Hamburg, Kiel und 
Kopenhagen in näherer Beziehung. Die diesjährige Versamm¬ 
lung dieses Verbandes fand in Kiel statt. Es wurden dort 
wertvolle Mitteilungen Uber den Fremdenverkehr der drei Städte 
gemacht und neben der gemeinsamen Propaganda durch Plakate, 
Postkarten, Führer und Ansichtsmarken wurde auch die Vor¬ 
führung kinematographischer Städtebilder in Aussicht genommen. 
Die nächste Versammlung soll in Kopenhagen stattfinden. 
Innerhalb Deutschlands ist der Verein in dem Verband Nieder- 
sächsischer Verkehrs-Vereine (Hannover) und in dem Bund 
Deutscher Verkehrs -Vereine (Leipzig) vertreten. Er beteiligt 
sich eifrig an den Arbeiten dieser Vereinigungen, durch welche 
die Werbetätigkeit der einzelnen Vereine ausserordentlich er¬ 
leichtert und verbilligt wird. Ein ganz besonderes Verdienst 
hat sich der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine durch die 
Errichtung zahlreicher Auskünfte teilen im Auslande 
erworben, in denen das Propagandamaterial aller Bundesmit- 





Nr. 3 B3OQ0QQQ( ga QO O 8GOQ9e^^888ai DEUTSCHLAND 


153 


^eder ausgelegt wird. Das Hauptereignis für den Hamburger 
Fremdenverkehr bildete im Berichtsjahr die 24. Wanderaus- 
stenung^l der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft, die 
im Juni auf dem Heiligengeistfelde stattfand. Der Besuch über¬ 
traf alle früheren Ausstellungen, selbst diejenigen von Berlin 
(325 go6, Besucher im Jahre igo6) und von Leipzig (326 345 Be¬ 
sucher im Jahre igog). An den sechs Ausstellvmgstagen wurden 
hier 438676 Besucher gezählt. Am Sonnabend, dem 4., und 
.Sonntag, dem 5. Juni, musste die Bisenbahndirektion Altona 
über 150 Sonderzüge einlegen, um den Verkehr bewältigen zu 
können. Ein ähnlich starker Eisenbahnverkehr fand im No¬ 
vember gelegentlich des Erdgasbrandes in Neuengamme statt. 
Die Geschäftsstelle des Vereins, die von Herrn Caesar Ehlers, 
Bomstrasse 2, geleitet wird, erledigte im Berichtsjahre 3211 ein¬ 
gehende und etwa 5000 ausgehende Schreiben, die zum gerossten 
Teil Anfragen über hiesige Verkehrs- und Wohnungsverhältnise 
enthielten. Es wurden 1267 Plakate und 6816 „Wegweiser durch 
Hamburg** in deutscher und englischer Sprache nach allen 
Weltgegenden versandt. Von den gemeinsamen Plakaten der 
Städte Hamburg-Kiel-Kopenhagen wurden durch die Verkehrs- 
Vereine Kiel und Kopenhagen ausserdem 1077 Stück unter¬ 
gebracht. Die Auskunftstelle, Alsterdamm 39, in der haupt¬ 
sächlich die vielen mündlichen Anfragen erledig^ werden, hatte 
sich wiederum der dankenswerten Unterstützung der Direktion 
und der Angestellten des Cookschen Weltreisebureaus zu er¬ 
freuen. Die Mitgliederzahl des Vereins betrug am Ende des 
Jahres 649 gegen 620 im Vorjahre. 


Eilzüge und Fremdenverkehr. Der Einfluss der seit 
dem I. Mai in Hameln verkehrenden Eilzüge macht sich bereits 
in günstiger Weise im Fremdenverkehr geltend. Namentlich 
wird der Eüzug, der um 8 Uhr aus Hannover fährt und in 
Hameln 8.55 eintrifft, vielfach von denjenigen benutzt, die den 
um ^2*0 Uhr abgehenden Dampfer zu einer Wesertour strom¬ 
aufwärts benutzen wollen. Es bleibt ihnen in Hameln aus¬ 
reichend Zeit, einen Gang durch die Oster- und Bäckerstrasse 
zu machen. 


Eisenbahnwesen. 

Fahrkarten nach den Ostseebädern. 

(Mitgeteilt durch die Königliche Eisenbahn-Direktion Stettin.) 

Rückfahrkarten mit wahlweiser Gültigkeit über verschiedene 
Wege werden wie bisher auch in diesem Jahre an allen grösseren 
Orten nach den Ostseebädern ausgegeben. Nur die direkten 
Fahrkarten nach Dändorf, Dierhagen, Wustrow und Ahrenshoop 
fallen fort, weil die Reeder und Fuhrunternehmer die mit ihnen 
getroffenen Vereinbarungen gekündigt haben. Die Besucher 
dieser Bäder müssen also in Ribnitz neue Fahrkarten für die 
Dampfer lösen und für die Weiterbeförderung ihres Gepäcks 
selbst Sorge tragen. 

Die Rückfahrkarten nach Zingst und Prerow fallen fort, 
weil diese Bäder inzwischen selbst Eisenbahnstationen ge¬ 
worden sind. 

Das gleiche gilt bezüglich des Bades Zinnowitz. Dort¬ 
hin verkehren ab i. Juni dieses Jahres durchgehende Schnell-, 
Eil- und Personenzüge. 

Die Dampfschiffverbindung über Carnin nach Zinnowitz 
besteht nicht mehr. Dagegen bleibt für die Besucher von 
Zinnowitz noch die Möglichkeit, auch den Weg über Wolgast 
zu benutzen. Zwischen dem bisherigen Bahnhof Wolgast und 
dem am anderen Peeneufer liegenden neuen Bahnhof Wolgaster¬ 
fähre besteht keine unmittelbare Eisenbahnverbindung. Indessen 
wird in der Zeit vom 15. Juni bis 15. September für die Ueber- 
führung der mit durchgehenden Fahrkarten nach Zinnowitz 
und den Nachbarorten versehenen Reisenden und ihres Gepäcks 
durch eine amtliche Omnibusverbindung gesorgt. Der Fahrpreis 
für die Omnibusfahrt und die Fährgebühr ist in dem Preise 
aller wahlweise über Ducherow oder Wolgast 
geltenden Fahrkarten enthalten. Dagegen werden für die Ueber- 
führung des Gepäcks sofort bei dessen Aufgabe an der Ausgangs¬ 
station noch besondere Gebühren erhoben. Diese besonderen 
Gebühren können die Reisenden sparen, wenn sie keinen Wert 
darauf legen, ihr Gepäck sofort bei Ankunft des Zuges am 
Bestimmungsorte in Empfang zu nehmen und dasselbe mit 
einem späteren Zuge über Ducherow befördern lassen. Hierzu 


Schnellzug-Verbindungen zwischen Cöln und Brüssel. 

ISomm erfahrplan 191 !• 

(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahn-Direktion Cöln.) 


CO ln—Brüt§iisel« 




|L.-Z. 

1 


D.-Z. 

L.-Z. 

D.-Z.1 D.-Z. 

D.-Z. D.-Z. D.-Z- 



D.-Z. 

* 

D.-Z. 


D.-Z. 

L.-Z. 

L.-Z. 



MII 

I-III 

I 

1 -TTI 1 i-m 

I-IT j MI MII 



MI 

MIT 

MI 

MII 

J-lII 

1 

j 

Cöln Hbf. . 

. ab 

441 

600 

756 

807 

910 312 

419' 613,1200 

Brüssel N. 

. ab 

545 

1010 

1064 

132 

600 

522 

638 

Düren . . 

• )) 

522 

646 

837 

848 

951 ' 353 

500 1 658 1215 

Lüttich . . 

1 

728 

1160 

1239 

336 

659 

7l3 

811 

Aachen . . 

* 17 

556 

737 

912 

923 

1032i 429 

B47 727 ! 127 

Aachen . . 


1007 

317 

312 

626 

962 

9w 

1046 

Lüttich . . 

• 1 } 

628 

835 

953 

1007 

1129, 507 

630 807 , 21 1 

Düren . . 


1088 

364 

843 

704 

1026 

IDIO 

1116 

Brussel N. 

. an 

761 

1025 

1126 

1131 

125 1 657 

&00 945 : 351 

Cöln . . . 

. an 1 

1114 

434 

419 

740 

i 

1101 

1046 

1162 



Wien- 

Ostende 

Exprefl 



1 CQ 
rö ® 

i 

i 






1 


• <ä 

TS ® 

i . 

•3 0 ® 
fl « a. 





0 0. 

z ^ 

, 

; 








0 ^ 

XQ 



Brüssel— COln. 


Ü.-Z. 

i-ir 

1124 

186 

4£0 

467 

ofO 

s.-w. 


L.-Z. Luxuszug. D.-Z. D.-Zug. S.-W. Schlafwagen. * In Verviers umsteigen. 

Fahrpreise COln—Brüssel (einschließlich Schnellzug-Zuschlag.) 
Einfache Fahrt: j Hin- und Rückfahrt: 

Luxuszug 24.40 Mark Luxuszug 44.20 Mark 

I. Klasse 19.20 „ I. Klasse 33.80 „ 

II. „ 12.80 „ ' II. „ 22.40 „ 

III. „ 7.80 „ III. „ 13.60 „ 

Schlafwagen-Zuschlag: I. Klasse 0.40 Mark, II. Klasse 5.20 Mark. 


D.-Zug-Verbindungen zwischen Cöln und Hamburg. 

Sommerfahrplaii 1911. 

(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahn-Direktion Cöln.) 




1 

MII 

MI 

MII 

S.-W. 

MII 



MII 

MI 

MII 

S.-W. 

I-III 

Cöln Hbf. . . . 

. ab 

704 

1006 

461 

1127 

Hamburg Hbf. . 

. ab 

739 

244 

431 

1114 

Düsseldorf . . . 


741 

1043 

627 1 1217 

Bremen .... 

• )) 

929 

426 

626 

109 

Oberhausen . . 

• 71 

— 

1117 

— 

1249 

Osnabrück . . . 

• 

1116 

616 

810 

315 

Münster.... 

* 77 

1040 

1258 

768 

232 

Münster.... 

‘ )> 

1208 

701 

864 

407 

Osnabrück . . . 

• 

1128 

146 

846 

321 

Oberhausen . . 

" )) 

160 

843 

— 

666 

Bremen .... 

* 77 

111 

327 

1031 

608 

Düsseldorf . . . 

• J) 

224 

9I6 

1113 

632 

Hamburg Hbf. . 
Schlafwagen. 

an 

247 

604 

1209 

656 

Cöln Hbf. . . . 

. an 

302 

1002 

1147 

710 


Fahrpreise (einschließlich Schnellzug-Zuschlag) COln—Hamburg: 


I. Klasse 87.40 Mark, II. Klasse 23.70 Mark, III. Klasse 15.10 Mark. 
Schlafwagen-Zuschlag : 1. Klasse 10.— Mark, II. Klasse 8 .— Mark. 
















sind sie berechtigt, weil die fraglichen Fahrkarten auch über 
Ducherow gelten, also Uber zwei Strecken der preusnischcn 
Staatsbahn. 

Die Aufgabe des G e p ä ck s hat stete: ii b e r den 
g 1 e i ch e n W eg zu erfolgen, den der R e i e n d e be¬ 
nutzt. Die Eisenbahnverwallung ist /. -k nicnt veiptlichitt, 
auf ihren Strecken das Gepäck zu berördein. . 'e m :hr nicht 
gleichzeitig die Einnahme aus aen zum Gepäck \ Falu- 

karten zulliesst, was z. B. «ler Fall wäre, wenn die R.y.s.-*:iJ.=;n 
den Wasserweg benutzen. 

Neben den Oslseebädcr-Rückfahrk.irten weuitn u loh *. i-.i- 
fache Fahrkarten mit wahlweiser O ü 1 11k v'i t liii 
Land- oder Wasserweg aus^egebc-n, je-.-Dca nur idr n ..i 
von Berlin (CStcttiiier Bahnhor) ei-icrsrit'. un.i liv.. k r.ö .* 

Heringsdorf, Dievenow und Swinemündr v#dcr S.vi..c i i-n 1 ‘(Bad; 
anderseits. Die G e 1 11«. n g i; d a u c r J■. r • <.jcki .x r.rk «rie : 1. h i-•/. 
45 Tage, die der einfachen k ihilcirtcii ^ i'.. •? . F a h ri n .• t • 

brechung ist auf dtui Hin- t;.-d Kui v. v'-.e s . unn.«: ,csi nel 

auf beliebige Zeit liineiiiaio der G .Ui’n.L.‘'jr i* 

Dei Aufenthalt in den lliitcnsiauoii-.M (l.’ji .Jiui sv’ :. i- i.n 
Verkehr mit Breege und iiid ionsoc, » ‘.lU il-, F.-h'-i- 

unterbrechung. 

E r 1 e ichlc r u n ' e El im i\ o ie v r !. .. ii •. f/ie i.t't-;''.iiio- 
nale Eisenbahnkor.terenz fii. c..- IJ-.f»erv riko:ii..iu* » d..:. 

Personen- und GejtUci.vtrkeh!, d*;; m i i-.i:-. . us li-.r.. 

Arbeiten beendigt. Ls ‘^»MrcMi tii».: Kt>!ii iiij>.it^n.,'., .!io »me lar 
die allgemeinen D e i, t i in iii u n i , »ii.: zv.-r.; : ‘«r h.i 
Persorienverkehr, die drilSr rn d-.-n G- t J. v .m ' • i *, 
gebildet worden. Den in der r'n.'.nui»: uj.i •.-•-i; Sioii 

behandelte ziuveilen das Pienu"., .1 »; id du..»' /. •• t‘.r a. 

Die Verhandlungen /»/»n p»».K‘.h;, .r.;» {• • ‘.s'. '.-h lu.*? 

deutsch, getühri, u.-d auch dnu • • •'‘k.»!. a': d ein 

deutscher Text beicclV!;;!. Aus J?-n An.!» -in i'«;.-;- der. •..s(y..v*r.- 
verkehr ist hervorz;!lic’i),sn die Bt.-s'i.rn.un'-; ii 'M- l-e :/:i u.a.al- 
gültigkeitsdauer uer wei .v hj- ; j.» .»Cdo r.ei:* : ; n i'ig, 

für Hin- und Rückfahii vier T igc, für :e a.:c i i'u: ,» !aii;i. ric 

weitere loo Kilonn.Ur zwei ■r»i:;c '.ii- '-ir «/.i‘vuid d.t- nfeil 
über die Frage der Uehertr'.gbarkeit d- r L». r;.**v.yri» ♦ 

von der Schweiz, vvuide sie prin.np.eii J.nc i IL*- 

stimmungen über die Fahrkaitf-n /.u erm:i.-,M ;un l'ieuvn u» d 
die Rückfahrkarten aber sehr eingeschninkt. Du; 'n'oi nnci'ui*; 
der Haftplhcht hei Todesfällen und W-ijtrlzi. iren •»% .irde dt. 
internen Ge*-.ttzgc*hunt; üln r’.asscn. Die Lie-tin n-. • »* . i.sht .Jen 

Gepäckverkohr beirelfon die Venp.id ung, die voi. dei- Helö-. i • ■.mg 
ausgeschlossenen GegeiK»lände. die .Schmucks i-. ti;. i. .■ Hiu 

recht beschränkte Haftung zugol.iss- n wird, und vlic ti.iiluni; 
bei Verlu.sl und Beschädigung des Kcisrr.epl'ck; usw. .O »* 
Konferenz hat eine Kcsohiiion a.-.^eroinmeii, '.%•■>;••!. r.K. l-d . ii. u 
ersucht werden, weitgehtmle K r 1 c i ch i e r u n g c n : .i d v r n 11 - 
behandlung des Reisegepäcks eintroteii /u la .:,»*n 
Eine Bestimmung endlich sicht die Sch-.urun,g ■•inhciihcher Fah>*- 
ausweise und Gepäckscheine vor. Na^'h ituin .uigruu iM'n F.ui- 
druck hat die Konfeienz mehr eririeht, al:- man /u hoIfV.i w.igtc, 
was nicht zum minde»sten d..*r Sachkenntnis und dem '..egmi* 
seitigen Entgegenkommen der deutschen und lrjn/.ö:.i..chen 
Delegierten zuzuschrciben ist. 

Touren in England, S ch o 11 1 a ii il , W ; i e s und 
Irland über Hock van 11 o 11 »i n d II a r w • f i 
sich eine im Selbstverläge der Great hhislern hasenliilm od*».!! 
neu erschienene, reich illustrieite iJin.sc’nüre, die in cIvMi 'ni-sl»*.! 
Reisebureaus sowie bei dem Gciicc d/crir.-tcr di i Giv.u J^hisiorn 
Eisenbahn, A. E. Tedder in Köln, Domlioi 14. in inu*..* ..jentv.:! 
gratis verabfolgt wird. l.,oi!dtm, der Kalhed .dv-Rnuc.-, «owm 
den an der englisciicn Oslküste gc!e i»i*'ic*n lieiilich. i» t^i i.'^cii il e.i 
und Badeorten, die vom deulsclieii i'uldil.iim 1.1 i.n;.ier gi 
Massstabe besucht werden, situ! besondere; K.ipitcl g'-wuhm. *. Lhis 
kleine handliche und übersichtliche Hell düitte gei»'.le j. lii. n* der 
Reisezeit, manchem willkommen sein. i'*ur di-j Ri-.s»* j.aeh 
England bietet die Iloel: vau liollanu-Koine ein*: ;ui..s».‘r»)rdcii!lK :i 
günstige Gelegenheit. Die durcligehendcn, mit Si>ciscvv.i''c-i 
versehenen Züge, die last alle wichtigeren »Städu- Deuts, hi.inds 
mit Hoek van Holland direkt verbinden, die giossi .u ..odes'isten 
Turbinendampfer der Greil Easiei n Lisenl*;dm und »ii»‘ in 
Harwich anschliessenden Koiiidorzü-e mit ReslaU:atio r.i«. l: i. l» 
nach London sowie übei die Kalhedr»ile-Rouu- mich York, l'.cl»*:i 
Annehmlichkeiten, die eine Rci.se nach Kn“.l»iiul zu eine-. Ver¬ 
gnügen machen. 

Die s ch n e 11 s t e n Züge aut il e u t s ch e u B .1 li.• e n 
sind die D-Züge 6, 129 und 130 zwisclurii I-Fzilin und Halle. Sic 
brauchen für die 161,7 Kilometer lau*»;* »Strecke i »Siuiulc >0 M.ii. 
legen also in der Stunde 88,a Kiloni.Aer zuiück. Du 28(1,7 '*»»<>- 
meter lange Strecke Berlin Hamburg duuhfährt als schncllsicr 
der D-Zug 20 in 3 Stunden 20 Mm., »ik.o mit einer Geschwindig¬ 


keit von 86,1 Kilometer in der Stunde. Für die 248,3 Kilometer 
leiie.e Strecke Breslau - Frankfurt ( 0 »ier) braucht der D-Zug 18 
2 Stunden 58 Min., er legt also in der Stunde 83,7 Kilometer 
zurück. Von Berlin nach J^iegnilz (266,6 Kilometer) fährt der 
D-Zivg i9 in 3 Siundou 23 Min , d h. mit einer Stunden- 
gjsch"/i-.»digki.it Van Kilometer. 


Luftschiffahrt. 

Von dei S i c-ic *1 w o c h e. Das amtliche Ergebnis der 
.-».ch FlU ''.'t.cli»- isi folgonJes: i. Preise der Stadt Leipzig 

i»j Däuge : ei*.t<'' P.cis. zooo Mark, Kahnt (i Stunde 5 Mi- 
11.Ul.*).. ‘jr'rreis. ;oooMa*k, Biicliiici (23Minuten2oSekunden), 

dt’.uer Pi eis, 300 M.irk, .'•.'i:f:o Miiuiien 46 Sekunden); 
j. l'iei. e de-; L.‘'i?n;'cr Vereuu; t.ir luii.-;chittahri für Höhenflüge: 

Prei.---, lo-oj Mail:, l.,‘ndp-r.»iiuei f68o ? 4 eter), zweiter Preis, 
;c .■'»'! 111:, (615 Mete»). 

V a Ui o b o r r !■ c i .i 1 s eil e n >' .• v e r 1 ä s .5 i g k e i t s f 1 u g. An 
Jciu i'c.sib.Miketi !ii Fi.inl.i.Tt. l .:. sich £U Ehren der Flieger an die 
.»■..^: •; 14 l.:i F,-.igi.' a(»a-.h-..1...;. ..a!i ..2.: -j. a. dr.- Oiossherzog 

von i^rinz Heuuich /.'u p!eu.sssii, Oberbürgermeister 

zVu ;.kc... Gehei-.riral J l.-rgc.seli un»i Exzellenz General von Nieber 
tji:. i'i;:./. Jieiniicli ged.i«:!iie »ies \e»-unglückten Lämmlin, zu 
lies* tu Lb;e:i sich die Arnvesriiilen. von den Sitzen erhoben. 
L’.;.*.*» d.nnkt-.. dv ♦' i-ruiz a’» Protektor der Veranstaltung den 
R'-;i*:i'». li 'vn. Bi.hbrdw-ii und der Bevoikciung der drei Land- 
ih n, ..i«rch die der Flug gmg, und schloss mit einem Hoch 
..u» .Kii R.;-.>. r G*rh£imr;il Ao.lte.ie br.ichte ein Hoch auf die 
• . i. . -i vo:; H.iilc.i und H ,»u<. Sodann wurde 

bcn. •.i»iss die Einenprei.-.e’vic toi*.»t veiteilt worden 
‘.,»11.1: J-*:»i;. J.;s C;io>-he. vo i ibiJe.x: Li. Foerster; Preis 
dis Gl«'-blicr/ogs vo»i ü-l'-inCii: Li. von T.uiena; Preis des 
P'iiizefi Wilhelm v»-) r Sacli'^cn-Wcitii.ir: Lt. Mickenturi; Preis 
des V»;»eib der Mi'loif jJiizeiic:-IiiduMiicilen : Lt. M.ahncke ; Preis 
d»:. 1* r u'inuftc.* b i*.ig ^poTL.'i.bs: I,t. C.og.auico ; Preis des Mann- 
luiin-- Fiugbnoi iklub: l.t. Bahren»l-> • Preis des Friinklurter 
Ver.-iii' iii*’ i ..!U>._-hiituliri; D:ph-ing. Hirth. 


Schiffahrt. 

Di»* von J ihr z.i J.ihr w i»l)->en'Je Vorlielie ile*; leiscnucn 
Publikui.is, -»vo ! iiUKT e . mög.ich ist, .len erfrischenden See¬ 
weg der Miscidv'iii..!»iliri vou’,.;.£i»*lieri, b.at iic Rcta-Jiei-Firm 1 
kud. Ciu..'l. Gilb»! in Sieliin veranl.:: si, den »lUt der 
Ihn: .j*..‘-.».n-Rig.i rij.ih'.* in IL-iiieb gewes.m-.'i* D i nplei ,,Sedina“ 
-.Inicli cin.,ii .>-*.ei»1: nn.i :>wii.‘ll.r l.ilirc.'.deT. Ni-ii'u.iu zu er- 
.-..•l£.*n, der J.«.*i* .'Liuu u ..Wenn.*.* cüi.ill.* 1 li.u. D »• n-e*.ie Regina“ 
e-j!i.. ij. in»i.*.'i;.» ii..>h ‘'Ol/ü.,iii ?i ve. i.' ue»’.,' :-*i ub-talirt ihre 

-• y-v. .c'i:;u .6. ti*n Mid R ■-g .1. Mit einer 
•'.]n»)u\*; i’i 1. ;i iV.i* :iim* .nn-ticj».-tot, i t cs ilir inÖgli»:h, eine 
Cii .-« i'*..!'«: ;i.i‘il ' nn i, .Kiu.le*.' .*a cu.hi ’*. '.«> dass die Seereise 
Ulli lll•»‘hl.* .* Situi-.le-' .'b-.e.:'.!! zi wi> h Di;---giös-ieron Abin‘ssungen 
«n-.-» D.j--ipi.‘is. i..inge cbA’.i 8.) Hieili* etwa i.:‘ Meter, 

-.i.u'!ii.n 'i-is Sihil! uicnt luir t. snnd.*-:i geben auch 

• iem Fiuilikii'ii iim* w.,*n gioss.i*.' Beweguiigsireih'^'i;. Die 
p.n.s.sgici-Ei.iii« liU.ii . 1-»; ü.i.ssei*-. .*..-^ehm u'kv*'»!! gewählt; alle 
0 .‘.'a'k.ih.ncn .'.in»l m'räuiuig, li*.‘ll niid bnlig. Ein grosser 
•.•-»ei-.'es., d I.n't ihuch senie vonu-tuu-.; .‘\usstattung aut, an 
k. 'iiien Tl.-.-'i! .1 wiiif hier gei.-pcst. Fenier ist auf die.sem 
D» ek ein ..-in g»- »m'.l.eher Ges'dlseli ifts-S iloii vorhanden, dessen 
lit-.i’.ic’-ie '■'•ils e»-Mo'>»‘l Ix'Iiagiicli*. s K.isen v. rlieisseu. and ein 
1 *. /nle.i .‘'.ub.n. geil ih“ ler D.i.iien-:>.Uv)ii bildet il.is Entzücken 
jeden Lc.a nain.: -. Bei schdiu ni Wette« wir»! von »ie.u grossen, 
\vi:idgeseiiul/t-en Promenadendeck Ikn-'.ig Gebrau.'li getnacht 
• «n, wo be»|ueine Liegesiühle /uni l>»*s‘..h.inliche.i Verweilen 
ei. I ideii. I-bnUr mul cleUinseiies Lieht snui nn d.Mii luxuriös 
.ii.s-ivc-l.ui'ti. n D», 'inser ebenf alls vin liaiideti. So In .'.teilt kein 
z.*.‘'»Mii-i, il.i.,:, ;’ch '.‘de thtss.u'.i‘t * .U’f diC'.'.n Da upfer, der 

»die Aiiloi vlei'U.i}‘,-*n reichlich erUilii. die m.ri .111 .’ui modernes, 
l oimorl.ibl»*'. Ilou*! stclU'ii kann, sehr wohl l .thle;» und die Rei.se 
ai.» .‘iiie kuiz.c, .1 i!,en‘hiiu‘ Fiiuib.ingsbilu-» emplni.l.Mi wer«len. 

'Dieater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen. Kongresse etc. 

K in d e u i ‘s V h e a h' e s t s p i e 1 li ;i u ^ in 13 a d - H o in bürg. 
Del Gi'd.inke »Icr Schi.lang *i»‘utsc’.ier Festspielhäuser, der in¬ 
folge dir Anffii’.irun*; d*-‘5 , Ot dipii-»“ liurch Prot»‘ssor Reinhardt 
m vc.-.-ichiedfiieu dem »cnen Städten aufgeiaucht ist und durch 
die Deutsche Volks-Fest:>|ncl •Gesellschaft gefördert wird, hat 
jetzt .uMi crsteiini.il greifbare Gestalt angenommen, und z'war 
in dorn seit kurzem vorliegendt-ii Plan des erste-i deutschen 












Festspielhauses in Bad-Homburg v. d. H. Die Stadt Homburg 
hat einen Bauplatz im Werte von rund einer Million Mark, der 
prächtig in unmittelbarer Nähe des Kurparks liegt, zur Ver¬ 
fügung gestellt. Geplant ist ein Theater grossen Stils mit einigen 
tausend Sitzplätzen, das nach dem Vorbild von Bayreuth nur 
zu gewissen Zeiten sich öffnen soll, um deutsche Volksfestspiele 
zur Aufführung zu bringen. Gegenwärtig schweben Verhand¬ 
lungen wegen der Finanzierung; es handelt sich um die Auf¬ 
bringung mehrerer Millionen. 

Die Naturbühne auf Grafenwerth. Am Pfingst¬ 
sonntag wird in Honnef durch eine Matinee im Städtischen 
Kursaale und nachmittags durch eine Festvorsteliung die erste 
rheinische Naturbühne auf der Insel Grafenwerth eröffnet. Mit 
. der Naturbühne auf Grafenwerth ist eine solche auf einer Berg¬ 
wiese bei Schloss Drachenburg verbunden. Wie bekannt, werden 
auf beiden Bühnen klassische Meisterwerke, rheinische Volks¬ 
schauspiele und vaterländische Festspiele durch ein erstklassiges 
Künstlerensemble aufgeführt werden. Bei ungünstiger Witterung 
finden sämtliche Vorstellungen im Städtischen Kursaale zu 
Honnef statt. 

Die 30. Haupt-Versammlung des Vereins für das 
Deutschtum im Ausland. 

In der Pfingstwoche begeht vom 6, bis 8. Juni der Verein 
für das Deutschtum im Ausland (Allg. Deutscher Schulverein) E. V. 
zu Coblenz das Fest seines 30jährigen Bestehens. Der Verein 
darf mit Genugtuung auf die bisher geleistete Arbeit zurück¬ 
blicken. Ueber 3^/2 Millionen Mark hat er für nationale Unter¬ 
stützungszwecke zugunsten des Deutschtums im Auslande ver¬ 
ausgabt. Hunderte von deutschen Schulen und Kindergärten 
in bedrohten deutschen Sprachgebieten Europas und in Uebersee, 
Hunderttausende guter deutscher Bücher in den Volksbüchereien 
der brasilianischen Urwaldgemeinden wie der deutschen Dörfer 
Galiziens, der Sudeten- und Alpenländer geben Zeugnis von 
seiner unermüdlichen Tätigkeit zum Schutz und zur Ausbreitung 
deutscher Sprache und Kultur auf der ganzen Erde, Hunderte 
tüchtiger deutscher Lehrkräfte sind dank seiner Vermittlung dem 
Auslanddeutschlum dienstbar geworden. Dies hat in allen seinen 
Nöten und Sorgen an ihm einen stets bereiten treuen Helfer, 
Berater und Anwalt gefunden. Vor allem ist es auch seiner 
unermüdlichen Aufklärungsarbeit in Wort und Schrift zu danken, 
dass im deutschen Volke die Erkenntnis der Bedeutung all¬ 
mählich durchdringt, welche diese über 30 Millionen Deutsche 
im Ausland für die Erhaltung des deutschen Volksbodens und 
Sprachbesitzes, für die deutsche Kulturstellung auf der Erde, 
für die Förderung friedlicher Beziehungen zwischen dem 
Deutschen Reich und den anderen Mächten und nicht zuletzt 
für die Ausbreitung des deutschen Aussenhandels und der 
deutschen Exportindustrie über die ganze Erde hin besitzt. Der 
Verein hat es verstanden, über alle ständischen, konfessionellen 
und parteipolitischen Gegensätze hinweg Mitarbeiter aus allen 
Lagern des deutschen Volkes zu gewinnen, und das gesteigerte 
Tempo des Anwachsens seiner Mitgliederzahl (heute über 44000) 
lässt hoffen, dass er bald eine Stärke erreichen wird, die es 
ihm möglich macht, seiner unvergleichlich bedeutsamen Arbeit 
für des deutschen Volkes Grösse und Zukunft in noch ganz 
anderem Masse gerecht zu werden als bisher. Auf der Coblenzer 
Tagung werden Vertreter der verschiedensten deutschen Gebiete 
erscheinen, um die dankbare Anerkennung der Auslanddeutschen 
für die Arbeit des Vereins zu bekunden. Jeder Deutsche, dem 
die Lage seiner um ihres Deutschtums willen bedrängten 
Stammesbrüder an der Sprachgrenze, dem die Erhaltung der 
deutschen Pioniere unseres Welthandels in Uebersee am Herzen 
liegt, sollte die 3 Mark im Jahre übrig haben, um die Arbeit 
des Vereins für das Deutschtum im Ausland durch seinen Beitritt 
zu fördern. Wir verweisen zu diesem Zwecke gern auf die in 
den verschiedensten Städten blühendeh Ortsgruppen und auf die 
in Berlin W 62, KurfUrstenstrasse 105, befindliche Zentralstelle 
des Vereins. 

Konferenz deutscher Kinderhorte. Auf Vorschlag 
des Vereins Kinderhort (Dresden) wird die Deutsche Zentrale 
für Jugendfürsorge (Berlin) eine Konferenz deutscher Kinderhorte 
zusammenrufen. Auf dieser am 29. Juni in Dresden stattfindenden 
Tagung soll die Stellung der Kinderhorte innerhalb der modernen 
Jugendfürsorgebestrebungen klargelegt und über die weitere 
Ausgestaltung dieser den Jugendschutz und der Jugendpfiege 
gewidmeten Anstalten verhandelt werden. Die Internationale 
Hygiene-Ausstellung wird in den Abteilungen für Spiel und Sport, 
Bchulhygiene und Jugendfürsorge den Konferenzteilnehmern viel¬ 
seitige und wertvolle Anregung bieten, auch einige Kinderhorte 
werden ausstellen. Diese Tatsache sowie die wachsende zentrale 
Bedeutung der Kinderhortarbeit innerhalb der Jugendfürsorge 
Überhaupt lassen eine rege Beteiligung an dieser Konferenz mit 
Sicherheit erwarten. 


Braunschweig als Kongressstadt. Folgende Kongresse 
und grössere Veranstaltungen finden in diesem Jahre in Braun¬ 
schweig statt: 38. Deutscher Gastwirtstag (12.—16. Juni); Nord¬ 
westdeutsches Bundesschiessen (18.—25. Juni); Tagung des Ver¬ 
bandes der Rabatt- und Sparvereine Deutschlands (15.—17. Juli); 
Tagung des Verbandes der Vereine für Kreditreform (22.—24. Juli); 
Tagung des Niedersächsischen Uhrmacher-Verbandes (15. bis 
19. September). 

Hessischer Städtetag. Am 9. und 10. Juni ign findet 
in Gudensberg die 21. Versammlung des „Hessischen Städte¬ 
tags“ statt. Auf der Tagesordnung stehen neben allgemeinen 
Städtefragen folgende Verhandlungsgegenstände: i. Das hessische 
Landesmuseum und seine Bedeutung für Stadt und Land (Bericht¬ 
erstatter: Herr Museumsdirektor Dr. Boehlau, Cassel). 2. Die 
Krankenpflege auf dem Lande in ihrer allgemeinen hygienischen 
und volkswirtschaftlichen Bedeutung (Berichterstatter: Herr 
Geheimer Medizinalrat Dr. Heinemann, Cassel). 3. a) Die Be¬ 
deutung des Fremdenverkehrs für mittlere und 
kleinere Städte (Berichterstatter: Herr Verkehrsinspektor 
Weber, Cassel); b) Die Förderung von Schülerherbergen 
(Berichterstatter: Herr Rechtsanwalt Wenning, Cassel). 

Ausstellungen. 

Gewerbe-, Kunst- und Industrie-Ausstellung 
in Krefeld. 

Am 24. Mai wurde eine Ausstellung in Krefeld eröffnet, 
die man kurzweg als Ausstellung des Handwerks am 
Niederrhein bezeichnen darf. Es ist das erstemal, dass sich 
das niederrheinische Handwerk mit einer solchen Ausstellung an 
die Oeffentlichkeit gewagt hat, sich dabei ganz auf eigene Füsse 
stellte und ohne staatliche oder städtische Mittel ein gut ge¬ 
lungenes Werk geschaffen hat. Bei der feierlichen Eröffnung 
betonte der Ausstellungsvorsitzende, Stadtverordneter F r e n k e n, 
dass in den letzten Jahren eine gewisse Ausstellungsmüdigkeit 
eingetreten sei. Dennoch habe sich das Handwerk am Nieder¬ 
rhein entschlossen, eine Ausstellung zu schaffen, um zu zeigen, 
dass das Handwerk des Niederrheins wettbewerbsfähig sei, und 
dass man die Beziehungen zwischen Handwerk einerseits und 
Kunst und Industrie anderseits anerkennen, ausnützen und aus¬ 
bauen wolle. Der Protektor der Ausstellung, Oberpräsident 
Freiherr von Rheinbaben, der die Eröffnung vollzog, hielt 
eine sehr bemerkenswerte Rede, in der er u. a. ausführte: „Ein 
ragendes Werk öffnet heute seine Pforten, ragend nicht bloss 
durch seinen Umfang, sondern auch durch seine Bedeutung; 
denn zum ersten Male hat das Handwerk den Mut gefunden, 
ein solches Werk aus eigener Kraft zu beginnen. Deshalb 
bin ich freudigen Herzens hierhergekommen. Der heutige Tag 
soll ein Markstein sein auf dem Wege, den das 
Handwerk zurück gelegt hat, und zugleich ein Weg¬ 
weiser für ferneres Voranschreiten. Ein Markstein 
auf der zurückgelegten Strecke! Wie kurz liegen erst hinter 
uns die Tage und die Jahre, als ein allgemeiner Pessimismus 
das Handwerk und die weiteste Oeffentlichkeit ergriffen hatte. 
Nicht bloss in wirtschaftlichen Dingen, sondern auch auf anderen 
Gebieten in unserm lieben Vaterlande können wir die Erfahrung 
machen, dass eine Zeit durch gewisse Anschauungen und 
besonders durch Vorurteile beherrscht wird, und dass ein be¬ 
sonderer Grad von Mut dazu gehört, diesen Anschauungen und 
Vorurteilen entgegenzutreten. So auch bei dem Handwerk! 
Vor einem Jahrzehnt noch herrschte die Meinung, dass das 
Handwerk den Boden verloren habe und der Macht der Industrie 
nicht mehr standhalten könne. Es hat ein grosses Mass von 
Ausdauer und, ich möchte sagen, von Gottvertrauen dazu gehört, 
dass die Männer vom Handwerk das Vertrauen in die Zukunft 
nicht verloren haben. Mit der Entwicklung der Industrie haben 
sich neue, mannigfaltige Arbeitsgebiete für das Handwerk heraus¬ 
gebildet. Ich darf nur an das Gebiet der elektrischen Industrie 
und ähnliche Fortschritte erinnern. Mit Dank müssen wir der 
Männer gedenken, die in diesen schwierigen Jahren gegenüber 
dem allgemeinen Pessimismus den Mut nicht haben sinken lassen. 
Ich meine, die Wegstrecke, die das Handwerk, besonders hier 
am Niederrhein, in diesen letzten Jahrzehnten zurückgeleg^ hat, 
muss als durchaus erfreulich bezeichnet werden. Diese Aus¬ 
stellung soll zeigen, was in dieser Zeit geleistet worden ist. 
Sie soll aber auch ein Wegweiser sein, dass unter drei Grund¬ 
bedingungen das Handwerk sicher voranschreiten wird: Die 
erste dieser Grundbedingungen ist das Selbstvertrauen, das leider 
früher dem Handwerk gefehlt hat. Der Gedanke: Hilf dir selbst, 
dann hilft dir Gott, muss in die letzte Werkstatt dringen. Und 
ein zweites! Zu dem Selbstgefühl und dem Selbstvertrauen 
muss das Gemeinschaftsgefühl treten. Der Gedanke: Alle für 
einen und einer für alle, der das landwirtschaftliche Genossen- 






Bchaftswesen so in die Höhe gebracht hat, muss auch jeden 
Handwerker tief durchdringen. Und ein drittes ist der technische 
Fortschritt. Nur wenn wir mit der Zeit voranschreiten und alle 
technischen Fortschritte uns zu eigen machen, wird auch der 
Handwerker einer neuen Zukunft entgegengehen. Eine besondere 
Freude bereitet die Ausstellung noch in einer anderen Richtung, 
weil hier das Kunstgewerbe sehr stark vertreten ist. Auf der 
innigen Verbindung von Kunst und Handwerk hat in früheren 
Jahrhimderten die Blüte des deutschen Handwerks beruht. Dann 
kam die Zeit, wo beide sich schieden, wo die Kunst sich vor¬ 
nehm zurUckzog und das Handwerk darauf verzichtete, die 
Kunst sich zu eigen zu machen. Auch in dieser Beziehung sind 
jetzt wieder neue Bahnen erschlossen, und da eröffnen sich für 
das Handwerk wichtige und segensreiche Aufgaben. Eine 
Menge Kulturbedürfnisse im edelsten Sinne sind auch in den 
mittleren und unteren Kreisen unseres Volkes Bedürfnis geworden, 
wovon man früher keine Ahnung gehabt hat. Darin eröffnet 
sich ein weites, reiches Feld der Tätigkeit für das Handwerk. 
Diese Verbindung von Kunst und Handwerk kann auch der 
Kunst nur zum Nutzen gereichen. Erfüllt das Handwerk die drei 
Bedingungen: Selbstvertrauen, Gemeinschaftsgefühl und tech¬ 
nischer Fortschritt, dann ist kein Zweifel, dass cs auch in 
Zukunft gedeihliche und glückliche Bahnen geht.“ — Bei dem 
sich anschliessenden Rundgange machte die Ausstellung den 
günstigsten Eindruck auf die zahlreichen Ehrengäste, in deren 
Namen der Düsseldorfer Regierungspräsident Dr. Kruse beim 
Festmahle betonte, dass er noch keine Ausstellung gesehen habe, 
wie diese gediegene Ausstellung des niederrheinischen Hand¬ 
werks, bei der der Kern gegenüber der Schale so hervortrete und 
gleichzeitig die Architektur voll befriedige. S. 

Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911 

verbunden mit einer Internationalen Aquarellausstellung. 

Am 27. Mai haben sich die Tore des am Kaiser-Wilhelm- 
Park so herrlich am Rheinstrom gelegenen Kunstpalastes zum 
fünften Male einer grossen deutschen Kunstschau geöffnet, nach¬ 
dem die Presse bereits am Himmelfahrtstage eine Vorbesichti¬ 
gung vornehmen konnte. In der Kuppelhalle hatten sich die 
Vertreter der Behörden und zahlreiche Kunstfreunde eingefunden, 
u. a. auch Unterstaatssekretär Exzellenz Schwarzkopff als 
Vertreter des deutschen Kronprinzen, der auch diesmal das 
Protektorat über die Ausstellung übernommen hat. Der Vor¬ 
sitzende Prof. H. E. Pohle betonte in seiner Begrüssungsrede, 
„dass zum ersten Male in diesen Hallen eine grosse Kunst¬ 
ausstellung der kunstsinnigen Welt gezeigt werden soll, die 
ganz ohne Nebenattraktionen ihre Lebenskraft und Lebensfähig¬ 
keit zu beweisen hat. Die Leitung der Ausstellung war bestrebt, 
möglichst über den Parteien zu stehen und jedem wirklichen 
und ernsten Streben die Wege nach Kräften zu ebnen. Sie 
wollte das ernste und gute Neue ebenso stützen und 
fördern, wie sie das wirklich gute und bewährte 
Alto nicht vor der Zeit vom Schauplatz der Kon¬ 
kurrenz verdrängt wissen möchte. Gerade nach dieser 
Richtung ist in den letzten Jahren von manchem Kunstbeurteiler 
schwer gesündigt worden. Man zeigte sich gar zu geneigt, jede 
neue Mode in der Kunst auch gleich für einen Fortschritt zu 
halten, und sie deshalb über Gebühr zu verherrlichen, dafür 
aber das gute, bewährte Alte für abständig zu erklären und zum 
alten Eisen zu werfen. Gottlob haben die wilden, zum Teil 
direkt verrückten Auswüchse das fertig gebracht, was die weisesten 
Reden und Warnungen nicht zuwege bringen konnten. 
Auch die Fortschrittlichsten unter den VorwärtsstUrmern, einige 


ganz fanatische ausgenommen, fragen sich denn doch beim 
Anblick dessen, was uns auch hier in Düsseldorf als Neukunst 
direkt aus Paris importiert vorgeführt wurde, ob denn diese 
Erzeugnisse überhaupt noch etwas mit der wahren Kunst zu 
tun hätten.“ Der Redner fuhr dann fort: 

„Wir hoffen und wünschen jedoch, nicht missverstanden zu 
werden. Jeder wirkliche Fortschritt, davon werden sich die 
Besucher unserer Ausstellung bald überzeugen, war dem leitenden 
Kunstausschuss herzlich willkommen, und man hat keine Mühe 
gescheut, das gute Neue mit Aufbietung aller Kraft heranzuziehen. 
Anderseits wurde ein besonderer Wert darauf gelegt, dem im 
vorigen Jahre heimgegangenen Altmeister Düsseldorfer Kunst 
eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen. Ich möchte 
nicht verfehlen, allen denen, die uns geholfen haben, den alten 
Weltruhm des Meisters Andreas Achenbach durch die Zusammen¬ 
stellung eines ausgewählten Teiles seiner besten Werke neu zu 
festigen, auch an dieser Stelle den herzlichsten Dank der Aus¬ 
stellungsleitung auszusprechen. Wir sind gewiss, dass diese 
Andreas-Achenbach-Gedächtnis-Ausstellung den ungeteilten Bei¬ 
fall aller finden wird. Die Düsseldorfer Gruppe und auch die 
ausserhalb der Gruppe stehenden Künstler haben alle Anstren¬ 
gungen gemacht, den friedlichen Wettbewerb ehrenvoll zu be¬ 
stehen. Die Düsseldorfer Abteilung birgt eine ganze Anzahl von 
hervorragenden Werken, die zum ersten Male gezeigt werden. 

Nun gestatten Sie mir einen kleinen historischen Rückblick: 
Am IO. Mai waren 40 Jahre ins Land gegangen, seitdem nach 
dem grossen Krieg der glorreiche Friede zu Frankfurt am Main 
geschlossen wurde. Kaiser Wilhelm I. hatte der politischen 
Bevormundung Deutschlands durch seine besten Nachbarn ein 
Ende bereitet. Der Zeit der unumgänglich notwendigen Kriege 
folgte eine Zeit des segenbringenden Friedens, eine Zeit des 
Aufschwunges und der ungeahnten Blüte für unser Vaterland. 
Kaiser Wilhelm I., wie auch seine beiden Nachfolger, nament¬ 
lich Seine Majestät unser allergnädigster Kaiser Wilhelm II. 
haben alles daran gesetzt, dem Lande den Frieden zu erhalten, 
manchmal unter den schwierigsten Umständen, zum Nutzen jeder 
Kulturarbeit, also auch besonders der schönen Künste. Wir 
können unserem Fürsten und Herrn hierfür nicht Dank genug 
wissen, und wir sollten an unserem Teil dafür sorgen, dass, 
so wie vor 40 Jahren die politische Bevormundung Deutschlands 
ihr Ende nahm, nun endlich auch auf künstlerischem Gebiet 
vollständige Unabhängigkeit wieder erlanget wird. Lernen wollen 
wir ja gern, überall, wo es etwas zu lernen gibt, aber die deutsche 
Art dürfen wir darüber niemals aufgeben. (Beifall.) Es regt sich 
ja bereits nach dieser Richtung in den deutschen Gauen. Möchte 
die gesamte deutsche Künstlerschaft sich endlich auf sich selbst 
besinnen und sich dann für alle Zeiten treu bleiben.“ 

Nachdem Exzellenz Schwarzkopff die Wünsche des Kron¬ 
prinzen übermittelt, erfolgte ein Rundgang durch die Säle, die 
in ihrer freundlichen, frischen Aufmachung einen überaus wohl¬ 
tuenden Eindruck machen und bei der Fülle der ausgestellten 
Kunstwerke — der Katalog weist nicht weniger als 2190 Nummern 
auf — keine Ermüdung aufkommen lassen. Die Ausstellung 
besteht inhaltlich aus drei Teilen: einer allgemeinen deutschen 
Kunstausstellung, einer internationalen Aquarellaus¬ 
stellung und einer Reihe von Kollektivausstellungen 
der bedeutendsten Künstler. In der ersteren sind alle deutschen 
Kunststädte und alle namhaften Künstlervereinigungen vollständig 
vertreten. Die Aquarellausstellung wurde ausser von deutschen 
Malern von Künstlern aus Oesterreich, der Schweiz, Frankreich, 
Belgien, Holland, England, Schweden, Norwegen und Dänemark 
beschickt; ein besonderes Kabinett ist den Werken verstorbener 
Künstler (A. Achenbach, Menzel, Lenbach usw.) eingeräumt. 



Das Vollendetste auf dem üebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 





3' DEUTSCHLAND 157 


Mit Kollektivausstellungen sind vertreten: A. Achenbach, Dücker, 
Bderer, Artur Kampf, Liebermann, Schönleber und Unger. An 
Zahl und künstlerischem Wert der Bilder Überragt die dies- 
jShrige Düsseldorfer Ausstellung entschieden ihre meisten Vor- 
gSngerinnen. Man darf sie als ein bedeutendes künstlerisches 
Ereignis bezeichnen, das auch auf dem Festmahle im Düsseldorfer 
Künstlerheim Malkasten vom Regierungspräsidenten Dr. Kruse 
und von Exz. Schwarzkopff mit sehr anerkennenden Worten 
gefeiert wurde. In seiner bemerkenswerten Rede führte Exz. 
Schwarzkopff aus, „dass jetzt neun Jahre her sind, als Schulter 
an Schulter mit der imponierenden Ausstellung der Westdeutschen 
Industrie der Kunstpalast entstanden ist und zum ersten Male 
seme Pforten öffnete. Seitdem hat die Düsseldorfer Künstlerschaft 
durch wiederholte umfassende Veranstaltungen bezeichnend be¬ 
wiesen, dass grosse Düsseldorfer Kunstausstellungen 
nicht nur berechtigt, sondern eine Notwendigkeit sind. 
Entsprechend der Entwicklung, die unsere alte Kunststadt 
Düsseldorf im Laufe namentlich der letzten Jahrzehnte des 
vorigen Jahrhunderts genommen hat, hatte die damalige 
Zusammenstellung von Industrie und Kunst in gewissen Massen 
eine programmatische Bedeutung. Die Unterrichts Verwaltung, 
oder ich möchte hier sagen, die Kunstverwaltung, dankt es der 
Düsseldorfer Kttnstlerschaft, dass sie in diesem schwierigen 
Boden, in einem Zentrum der Grossindustrie, der 
überraschendsten industriellen Entwicklung den Standpunkt 
der Kunst zu wahren und zu nutzen verstanden 
hat. Wenn man heute durch die Ausstellung geht, so erkannte 
man, dass das Programm, welches Herr Professor Pohle im 
Eingang seiner Rede uns heute darlegte, was ich das alte 
Düsseldorfer Programip nennen möchte, auch hier 
wieder bei der Ausstellung beobachtet ist. Es war, soweit ich 
übersehen konnte, alte Düsseldorfer Anschauung, dass man ohne 
Rücksicht auf den Kampf der Kunstparteien allem, was ein 
ernsthaftes und künstlerisches Streben zeigt, den Weg bahnen 
wül, und ich habe den Eindruck gewonnen, dass gerade hier 
auch bei dieser Ausstellung diese Düsseldorfer Tendenz in 
vollem Masse zum Ausdruck und zur Verwirklichung gelangt ist. 
Ihnen lag es ja zunächst ob, meine Herren, dem Altmeister der 
Düsseldorfer Landschaftsmalerei, Andreas Achenbach, durch die 
Veranstaltung von Kollektivausstellungen ein Ehrendenkmal zu 
setzen. Dann möchte ich, vorwärts blickend, erwähnen die 


Internationale Aquarellausstellung. Diese beiden Veranstaltungen 
werden als grosse Attraktionspunkte für die Düssel¬ 
dorfer Kunstausstellung wirken. Zwischen diesen beiden Polen 
liegt dann das Gros des Kunstschaffens aller deutschen Künstler 
unserer Tage.“ — 

Eine eingehende Bewertung der einzelnen Gruppen unter 
gleichzeitiger Reproduktion einiger der interessantesten Kunst¬ 
werke behalten wir uns für die nächsten Nummern vor. S. 


Die Eifel im Bilde. Eine Ausstellung von Eifelbildern 
ist in Bonn im städtischen Museum, Villa Obernier, eröffnet. 
Sie wird auf Anregung des Werbeausschusses des Eifelvereins 
veranstaltet und wird für die Dauer eines Monats geöffnet sein. 
Es werden u. a. vertreten sein: Professor F. von Wille, Niku- 
towsky, H. Otto, Ad. Lins, Hugo Mühlig, C. Jutz jr., Funk aus 
Düsseldorf, Martha Jäger (Elberfeld), Karl Nonn, Heinr. Schmidt, 
Äsen aus Bonn. Ihre besten photographischen Aufnahmen stellen 
aus: Ernst Charlier (Aachen), Walter Scheibler (Montjoie) und 
Photograph Gross (Bonn). 

Ausstellungsgesetzgebung in Italien und 
Frankreich. Bei der kürzlich in der italienischen Deputierten¬ 
kammer stattgehabten Beratung über den Etat des Landwirt¬ 
schafts-, Industrie- und Handelsministers wurde u. a. folgender 
Antrag eingebracht: „Ueberzeugt von der Notwendigkeit, Mass¬ 
nahmen zur Regelung der von privaten Komitees ohne staatliche 
oder lokalbehördliche Teilnahme veranstalteten Ausstellungen und 
Schauen zu ergreifen, beauftragt die Kammer den Minister, 
einen diesbezüglichen Gesetzentwurf vorzulegen.“ In der Be¬ 
gründung erklärte der Abgeordnete Niccolini Pietro solche 
gesetzlichen Massregeln für notwendig, um die Wiederholung 
der Skandale bei gewissen privaten Ausstellungen zu verhindern, 
die in Wirklichkeit nichts weiter als ungesetzliche Spekulationen 
gewesen seien. Wie die „Ständige Ausstellungskommission für 
die deutsche Industrie“ hierzu mitteilt, ist das mit ihr verbündete 
„Comitato Nazionale per le Esposizioni Italiane all’ Estero“ 
bereits mit einer entsprechenden Vorlage für die italienische 
Regierung befasst. Auch in Frankreich liegt dem Senat zurzeit 
in zweiter Lesung ein Gesetzentwurf vor betreffend den Gebrauch 
der auf Ausstellungen usw. verliehenen Auszeichnungen, nach¬ 
dem eine hierfür eingesetzte Senatskommission soeben einen 



Zweig-Institut der Königl. Pommerschen Landschaft 
Amtliche Hinterlegungsstelle für Mündelvermögen 

STETTIN, Paradeplatz Nr. 40 

Annahme von Depositen-Geldern, 

An- und Verkauf, Beleihung, Aufbewahrung und Verwaltung 

von Wertpapieren, 

Einlösung von Kupons und verlosten Effekten, Konto- 

Korrent-Verkehr. 

Ausstellung von Schecks und Kredit¬ 
briefen auf das In- und Ausland, 

Vermietung von Schrankfächern (Safes) in feuer- u. diebes¬ 
sicheren Tresors unter eigenem Verschluss des Mieters. 


Hypotheken-Regulierung ^ 

bei landschaftlichen Beleihungen, Ablösungen und Rentengutsbildungen. 















■•‘j" v^ ■' 




% r^yj^r 


DEUtSCHLANb m oööoöooööeöocio^^ Nr. 5 


158 

neuen Entwurf ausgearbeitet hat, in dem u. a. die von der 
„F^d^ration Internationale des Comit^s Permanents d'Expo- 
aitions** ausammengefassten Wünsche und Anregungen Berück¬ 
sichtigung gefunden haben. 

Warnung! Die „Ständige Ausstellungskommission für die 
deutsche Industrie“ sieht sich veranlasst, vor einem Londoner 
Ausstellungs-Unternehmen zu warnen, das sich bezeichnet als 
„International Exhibition ofArts andlndustry“ und 
das in der dortigen St. Andrew's Hall inszeniert werden soll. 


Deutschland und das Ausland. 

Carnegie und das Deutschtum. Bei Carnegie fand 
eine bemerkenswerte Feier des Deutsch-Amerikanertums statt. 
Carnegie wurde durch eine Vertretung des amerikanischen 
Deutschtums eine Dankadresse für die in Deutschland gestifteten 
Heldenfonds überreicht. Die künstlerisch ausgefUhrte Dank¬ 
adresse • wurde durch B. Ridder übergeben. Bei der Feier und 
dem nachfolgenden Diner waren u. a. der deutsche Botschafter 
Graf von Bernstorff, Hermann Ridder und Dr. Hexamer, der Präsi¬ 
dent des deutsch-amerikanischen Nationalbundes, anwesend. Der 
Botschafter drückte seine Bewunderung für die glänzende Frei¬ 
giebigkeit Carnegies und seine Dankbarkeit für die spezielle 
deutsche Stiftung aus. Nach dem Diner folgte ein grösserer 
Empfang. Die vereinigten deutschen Sänger New Yorks er¬ 
freuten durch mehrere deutsche Liedervorträge, Carnegie feierte 
in einer Ansprache die Tugenden der Deutschen, drückte seine 
Bewunderung für den Kaiser aus und betonte, sein erster 
deutscher Teilhaber Klausmann habe ihm geholfen, den Grund¬ 
stein zu seinem Vermögen zu legen und deutsche Angestellte 
hätten das Unternehmen gefördert. Die amerikanischen Bürger 
teutonischer Abstammung sollten dahin wirken, Deutschland, 
England und Amerika einander näher zu bringen. 

Die Friedensgesellschaft in derGuildhall. Der 
Lord Major präsidierte, während das deutsche Kaiserpaar in 
London weilte, wieder in der Guildhall über eine Versammlung 
der Friedensfreunde, die Stimmung für den Schiedsgerichts¬ 
vertrag mit Amerika machen soll. Auf einige Fragen, wie sich 
Deutschland dieser Friedensbewegung gegenüber verhalte, zitierte 


der Lord Mayor folgende Worte aus der Kaiserrede in de^ 
Guildhall im November 1907: t^An dieser Stelle sag^e ich schon 
vor 16 Jahren, dass mein Endziel vor allem die Erhaltung des 
Friedens sei. Die Geschichte wird mir hoffentlich gerecht 
werden, dass ich dieses Ziel seitdem unbeugsam verfolgt habe. 
Die Hauptstütze des Weltfriedens ist in der Unterhaltung guter 
Beziehungen zwischen unsem beiden Ländern zu suchen, und 
ich werde suchen, diese noch freundlicher zu gestalten, soweit 
das in meinen Kräften lieg^. Die Wünsche der deutschen 
Nation stimmen mit den meinen Überein “ Unter grossem 
Beifall der Versammlung hatte der Lord Major diese Stelle der 
Kaiserrede gelesen und erklärte dann: „Dies ist die beste 
Antwort auf die Einwände derer, die glauben, dass unsere 
Freundschaft für das deutsche Volk einseitig sei. In beiden 
Ländern ist man aufs eifrigste bestrebt, die jetzigen guten Be¬ 
ziehungen noch zu bessern.“ — Am gleichen Tag^ hat der Lord 
Mayor dem deutschen Botschafter in der Botschaft im Namen 
der Mitglieder der englisch-deutschen Freundschaftsgesellschaft 
ein besonders gebundenes Buch überreicht, das einen Bericht 
Über die Eröffnungsversammlung der Gesellschaft im Mansion 
House am i. Mai enthält und das der Kaiser entgegennehmen wird. 

Britisch-Deuts che Stiftung. Ueber die von Sir 
Ernest Cassel (London) unter dem Namen „König-Eduard-VII.- 
Britisch-Deutsche-Stiftung“ mit einem Kapital von zwei Millionen 
Mark errichtete Stiftung zugunsten in Deutschland sich aüf- 
haltender, hilfsbedürftiger Engländer haben, wie halbamtlich 
mitgeteilt wird, der Kaiser und die Kaiserin das Protektorat 
übernommen. Die Stiftung soll von einem Vcrwaltungsrat und 
Verwaltungsausschuss geleitet werden, deren Mitglieder erstmalig 
vom Kaiser ernannt werden. Zu Mitgliedern des Verwaltungfs- 
rats hat der Kaiser ernannt: den Staatssekretär a. D. Freiherm 
von Thielmann, Staatsminister a. D. von Posadowsky, Vize- 
Oberzeremonienmeister und Kammerherrn von dem Knesebeck, 
Oberpräsident a. D. von Loebell, Generaldirektor Ballin, Geheimen 
Kommerzienrat Ed. Amhold, Ministerialdirektor Lewald und 
Bankier Max M. Warburg. Den Verwaltungsausschuss sollen 
die Herren Warburg, von Loebell und Lewald bilden. 

Die Reisebeziehungen zwischen Deutschland 
und Frankreich haben sich in den letzten Jahren insofern 
merklich gehoben, als sie sich nicht mehr nur auf den Besuch 




IHF^ Sorgenlos 

und ohne Beschwerden zu reisen, ist wohl das Bestreben eines jeden, und zweifelsohne ist kein Gebiet so aufsach- und fachgemäßen Rat 
angewiesen wie gerade das Reisewesen, wenn allen Neuerungen und Einrichtungen im Gefolge des modernen Verkehrs Rechnung getragen 
werden soll. Auf Grund einer 70 jährigen und erfahrungsreichen Tätigkeit auf diesem Gebiete ist die Firma THOS. COOK & SON in der 
Lage, Vorteile und Erleichterungen zu gewähren, wie sie wohl von keinem anderen Unternehmen dieser Art geboten werden können. 


J^ciscbillcttc auf nahezu allen Eisenbahn- 

_ herechtinfin den Inhaber tu ienlinher Ai 


Dampfer- und Postkutschlinien der ganzen Welt verwendbar. Diese Billette 
berechtigen den Inhaber zu jeglicher Auskunft von seiten unserer Vertreter und aller Agenturen, ferner gestatten sie 
die freie Benutzung der Leseräume in unseren verschiedenen Bureaus zur Erledigung von Korrespondenzen, sowie die unentgeltliche 
Inanspruchnahme der Dolmetscher der Firma THOS. COOK & SON auf den wichtigsten Bahnhöfen und in den bedeutendsten Hafenplätzen. 


Billette für Salon-Passagiere nach allen Weltriohtungen 
und zu niedrigsten Preisen. 

Unabhängiges, sorgenfreies Reisen; das Vollkommenste in 
Bezug auf Reiseerleiohterung. 

Erstklassige Gesellschaftsreisen allen Ländern Europas u. Amerikas, 

nach Ägypten, Palestina, Großbritannien und Irland. 

Regelmäßiger Passagierdienst vermittelst eigener erstklassiger 
Dampfer. 

^ Dieselben werden von den bekanntesten Hotels über die 
I 10ldC'ULI|JUn& ganze Welt hin in Zahlung genommen. 

Vorteilhafteste Bedingungen bei Inan- 
_ spruchnalime; Verausgabung von Zirkular- 

Noten und Kreditbriefen nach allen Ländern. 


Überseefahrten 
Akkordreisen 
Erstklassige G 

nach Ägypte 

Nildampfer 
Hotelcoupoi 
Bank- und Wechselgeschäft 


THOS. COOK & SON, Offizielle Vertreter der Dentsclien Staatselsenlwlinveruiiltunoen 


für die Ausgabe von Fahrscheinen. 


Hauptbureau: Ijudg^ato Circa», London* 

Bremen, Bahnhofstr. 86 Köln, Domhof 1 Salzburg, Sohwarzstr. 7 

Karlsbad, Markt Dresden, Pragerstr.43 Frankfurt a/M., Kaiserstr. 28 






159 


ifr.3 g OQ0QOQQ 999 8 9 Ö 98B9(«QQiQ(K ^ DEUTSCHLAND 


von I^ari« oratreckten, sondern auch auf Südwestfrankreich aus- 
. dtimten. Nene Verkehrseinrichtungen der Paris-Mittelmeerbahn 
W i e n dabei Ursache und Wirkung. Genannte Bahn hat nun 
seit dem Mai zgn in Berlin, Unter den Linden 68a, ein 
amtlicfaes Ausknnftbureau mit Fahrkartenverkauf eröffnet. Ueber 
ReiseD in der Auvergne, Provence, Savoyen, Dauphine an der 
Riviera usw,, einschliesslich der Automobillinien in den fran- 
aOsivchen Alpen erhält man dort jede gewünschte Auskunft. 

■ Bäder und Sommerfrischen. 

Die beliebten Pfingstso n derfahrte n nach den 
Ostseebädern Swinemünde, Ahlbeck, Heringsdorf, Misdroy, 
Bansin, Zinnowitz, sowie nach den Rügenschen Bädern 
Göhren, Sellin, Binz und Sassnitz-Stubbenkammer, ferner nach 
Kopenhagen und Bornholm finden auch in diesem Jahre 
in gewohnter Weise statt. Die Eisenbahn-Verwaltung gibt in 
Veibindung mit der Stettiner Dampfschiffs-Gesellschaft J. F. 
Braennlich, G. m. b. H., Stettin, kombinierte mehrtägige RUck- 
Ifdirkarten Berlin—Rügen zum ermässigten Preise von II. Kl. 
Mark ai.—, III. Kl. Mark i6.— aus, die am Freitag vor Pfingsten 
und Pfingstsonnabend früh zu den Zügen mit Anschluss zum 
Dampfer n^* ab Stettin oder zu den eingelegten Sonderzügen 
12U am Pfingstsonntag und -montag mit Dampferanschluss 3^ 
ab Stettin berechtigen. Die Preise der eintägigen Ausflüge nach 
Swinemünde, Heringsdorf, Insel Rügen sind sehr 
missig und des weiteren noch dadurch vermindert, dass die 
anm Sonderzuge am i. Festtage gelösten Karten zur Rückfahrt 
.mit dem Sonderzuge am 2. Festtage berechtigen und so für 
dasselbe Geld einen zweitägigen Ausflug ermöglichen. Die 
Fahrpreise für den Sonderzug hin und zurück sind jetzt II. Kl. 
Mark 7 . 20 , III. Kl. Mark 4.90. Die Fahrpläne und Fahrkarten 
, für die Pfingstfahrten nach den Ostseebädern Rügen, Kopen¬ 
hagen und Bomholm werden im Verkehrs-Bureau der Sassnitz¬ 
linie, im Zentralbahnhof Friedrichstrasse gegenüber dem Zentral¬ 
hotel ausg^eben, desgleichen von der Geschäftsstelle des Ver¬ 
bandes Deutscher Ostseebäder, Unter den Linden 76a, im 
Verkehrsbureau Potsdamer Platz, Caf6 Josty, und in der Allge¬ 
meinen Bäder-Verkehrs-Anstalt, Charlottenstr. 77. 

Ostseebad Binz. Hier sind schon zahlreiche Gäste 
eingetroffen, welche die herrlichen Frühjahrstage auf der Insel 
Rügen gemessen wollen. Das Warmbad wird fieissig benutzt, 
die Seebadeanstalten sind Ende Mai eröffnet worden. Am i. Juni 
beginnen die regelmässigen Kur- und BrUckenkonzerte. 

Bad Kudowa. Nach der amtlichen Fremdenliste sind 
bis zum a8. Mai bereits über 1700 Kurgäste gemeldet worden, 
worin die vielen Erholungsgäste und Passanten nicht eingerechnet 
sind. Da auch der Wettergott dem Bade hold gesinnt ist und 
andauernd schönes Wetter beschert, so ist es ganz erklärlich, 
dass so viele Patienten die altbewährten heilkräftigen Quellen 
Kudowas aufsuchen, um sich zu erholen und Heilung von ihren 
Leiden zu finden. Bad Kudowa besitzt die stärkste Arsen- 
Bisenquelle Deutschlands und gehört zu denjenigen Gesund¬ 
brunnen, deren Ruf man schon in alten medizinischen Schriften 
auf überzeugende Art begründet findet. Erprobt sind die 
Wirkungen Kudowas besonders für Herz-, Blut-, Nerven-, 
Stoffwechsel- und Frauenkrankheiten. Der Kurort liegt 400 Meter 
über dem Meeresspiegel, malerisch und anziehend inmitten 
von Bergen und Wäldern. 

Vom Scbwarzwald. Dank der prächtigen Frühlings¬ 
witterung beginnt allerorts der Fremdenverkehr. Triberg, 
Königsfeld, das Waldhotel bei Villingen, Bad. Dürrheim usw. 
weisen bereits eine stattliche Anzahl Sommergäste auf. 


V erschiedenes. 

Der Kaiser über seinen Besuch in Köln. 

Der Kaiser hat sich über seinen Besuch in Köln hoch¬ 
befriedigt ausgedrUckt. Verschiedentlich hat er auch Abgeordneten 
gegenüber in begeisterten Worten seine Eindrücke geschildert, 
die er bei dem unvergesslichen Besuch in Köln erhalten habe. 
Tiefen Eindruck habe auf ihn vor allem die lebhafte Huldigung 
der Massen, sowohl bei der Rheinfahrt als auch bei der Fahrt 
durch die Stadt Köln gemacht. Das Entzücken des Kaisers über 
die Beleuchtung des Rheines war gross, und er war überhaupt 
des Lobes voll über das, was Köln und die Rheinlande ihm 
geboten haben. „Etwas Schöneres als die Rheinbeleuchtung 
habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen**, rief der Kaiser 
begeistert aus. 

Qoethehaus — „Weisses Ross** in Bingen. Der 
Brinnerung an Goethe, den deutschen Dichterfürsten, der mehr- 
fmdi auf. seinen Rheinreisen in Bingen, der herrlichen Rheinstadt, 


Aufenthalt genommen, und dem es, wie die Schilderungen in 
dem Bande 29 seiner Werke (Rochusfest) besagen, dort aus¬ 
gezeichnet gefallen hat, wird in Zukunft das „Hotel Weisses 
Ross** geweiht sein. Herr Reifenstein, der jetzige Inhaber, hat, 
nachdem er bereits im vorigem Jahre das Haus im Innern 
instand setzen liess, dieses Jahr die Aussenseite mit an Goethe 
erinnerndem Schmuck versehen lassen, so dass der seinerzeitige 
Aufenthaltsort des Dichters eine Sehenswürdigkeit Bingens 
bildet Ausser der im vorigen Jahre angebrachten Erinnerungs¬ 
tafel schmücken zwei Bilder, Szenen aus dem Leben Goethes 
darstellend, das Haus und geben dem Touristen Kenntnis von 
der Binger Wohnstätte des grossen deutschen Dichters. Das 
Goethezimmer im Innern ist noch in seiner ganzen früheren 
Beschaffenheit erhalten, die früheren goethezeitlichen Möbel 
sind noch vorhanden, überhaupt fanden bei der Ausstattung 
des Hotels die anheimelnden über 100 Jahre alten Gegenstände 
Verwendung. Herr Reifenstein hat in Weimar und anderen 
Goethestädten Goethe-Andenken erworben, die ebenfalls bei der 
Ausschmückung des Zimmers Verwendung fanden. Das Haus 
bildet — so viel ist sicher — für Bingen einen weiteren An¬ 
ziehungspunkt , den die Stadt Herrn Hotelier Reifenstein 
verdankt, der überhaupt zur Hebung des Fremdenverkehrs 
tüchtig beiträgt. Der im vorigen Jahre ausgegebene Führer 


Gegen bequeme 

Honats-Roten! 

Reisesisser - Photo-Apporate 

nur erste Fiibrikate zu v orge sehr i eb e n0 n Fabrikpreisen 

von l$i.00~-550 :tlaik. 

Interessanter Spezlal-Kntnlog 1911 hostenfrei! 

Tausende Aberkennungen! Hunderttausende Kunden! 



Original - Fabrikate der renommiertesten Firmen! 

Wir stellen unsere Obnehiner zufriedenl 

Die außergewöhnlich häufigen Nachbestellungen 
unserer Kunden beweisen, daß die Qualität 
— unserer Waren die Kundschaft befriedigt. — 

Beweis: Aus den mir vorrjelegten Aufstellunyen der Firma 
Jonass (& Co., O. m. b. H. zu Berlin, habe ich feslge- 
stelll, dass in einem einzigen Monat von allen Kunden, 
das sind solche, die schon früher von der Firma Ware 
bezogen, brieflich 11209 (elflausend zweihunderlundneun) 
Nachbestellungen eingegangen sind. 

BERLIN, den 2. Februar 1911. 

gez. D SCHOENWANDT, 
öffentUch angestellter beeidigter Bücherrevisor. 


JoiiiissiCi),Bi!rlIiiT.3ZS 

Relle-Alliancestrasse 3. 

Vertragslieferanten vieler Vereine. 


Hflupt-Kutulog Brillanten,Goldwaren usw. kostenfrei 





i 


i 



löo 0BUTSCHLAHD ü^e^Ge^^ee^^eGeeeeeeeie^ Nr. 5 


ift der tsiB jeUl in frtvva ig^oöo Esettijjlöl^n 

wüfde^ vprdEiökt ebeti^* wi^t die klci?i* Byp^^llre 
*,G 6 ^tb e ^ n B iTigt^ b*% (lie gag^owö;rtig dufCh dtTi Ri^eityacjteeh 
suf der Bwünej kelÄe-AufeSieHntig: ^erteiit 
wiff dt ^eri Öiinsüh o nge □ de ä Herr n K eü e riÄtein sein c Herünsgibes 


«hIiIIde&j] Aj[ktischep Vogel weit* Bei dem ffi^seec InteTeteCf 
d^E diesem Gebiet eörgegetigebracht wird, bat ttiqh der frf o rd' 
d e u t $ cb e 1.1 y d eotEebloas en, se me n PoppelschT^bets ^Sa^lda- 
dAmpfer\,*GTosser K^iiralt^' bei der diesjähng^ti die&e 

Küetten lasse a und bei eioeta ThebttMgigerr Aulerit- 

Ibatt dÄSsdbst Aüöduge äuf groeeem, mit bc^i^baren Hätimea ^wir 
sfcb^neni TeGdef nach dem vöilBiäftdig Vergibt achten Hafen 
der Magdalenenbai «ml Weiter afti d^:n merlswUrdigaten Punkten 
der Küster- jfwm .^Begrebni^iÄU’^*:* „Hängend«®^ Meer'* üaw, 

XU «nter ne bttieß. AK diese . A üaiitige ismd; iti den F abrpreia 
miteinbegriffen* 

Stift u n g * Eiö* Stj fmb g too btjo Mk. f « r m u a i k a 1 ia cb e 

Zwecke machte der Kbfcrtbiirger det Stadt Cob^euir* Gebeira«! 
Komm er jfieorat Wegeier, ans Anf^ss dea So. Gcdenklages Äftitter 
VermShiung iUrn Gedächtnis aeiner versiorbetien Gernals 
Bm itiÄ - Wegeler - 0 ciahard - StLfl««G*e Hälfre des Stl^n 
ertrages Soli anir Aufführung gtusaer Chor- und Or^hestetwerkef 
itisbesotidere auch für Musikfeste, aufgeapait wefdeu- Ueber 
die Vcrwenäuiig der anderea Hälfte iat eine Bestimmung no^ 
vor behalte f]* 


E in S o mmerr4jdch Das mddeniste aüarmodtröeri Beför- 
derungsmittd^ HeltlÄtlia Sömmerrodeh let dufcb Brßader 
Ingenieure Heldmann und Scbab*r aüs Heidelberg uüf den 
Gebirgsstrassen des bekannten tfübenluftkurörtes T.riberg ab die 
Ocffcntlichkeit getr^eten* Das sitjhreieb bwge^telHe FüthrjeeDg 
lässt sieb ^usammcfigelegt im Hucksaclt auf die Tout münebtnen* 
Statt des Abstieges setzt sich der BeaiUer auf d!iu r^ssch 
Kuaammengeftigte Wägelchen und flbrf in lusfigetn J^eitmass 
betgfihb-r Mit Leichtigkeit können die sidiäifsten KUfvöni dureb 
emeo einfaebfeh Gmtk der Füasspitreh — wie bei ^jki^rri ^ 
gthbniinen wefdcß* Eine praktische BferhiidaOfj^ ftlr diö Ver- 
mioderüng d^F Schiuelligkeü in gegebener! Lageti^ Bei Heber- 
gäugeh über bpbe Gabirgspä&se mit den ih endlosen WindUrigeii 
bih3tiebend«n Strassen mag der Sommerrodei jgute Öieiiate 
lefeieo. Er vefküfit deii Abstieg auaseiordentlich und gestättet 
durch steine beq^uetne SitiVorrichtung ein arigenehTUe^ Alisrubeß 
vija ermlldfindein Aufstieg* Im Bemtslebeii Ubnide der i^ödeT 
W^'ftvUll aein für Laudbriefträgerj Forstleute, deren 

Gftacbäftsgänge über das Gebfrgc führen, Leichtea Gewiebf und 
kleiner Umfdng geben dem flinken Fahrzeug ein efgene« Ge¬ 
präge und hölt'ffti Einen Vergleich mit dem Fabirad teru. Den 
Bomroerfrigcblern im Gebirge bietet der Sommeirodeil eine neue 
kbstliche Urner haitu ugttmbglicbk eit. Eu f^hrt sich auf hurtour 
tröckenen Strasseli ßiit nötigem . Getäile hertlich yon somiigeti^ 
auasichtereic-beu Höhen durch acbaitige, hataduVtigt; l'autaeo' 
Wälder rdnab in dt^ aciimUckeu TälCfr* 


BücherschaUv 

jj B ä d E r -1# 1 T E r a t u r siehe auch Vater der $!.ubrik r B äd^tr u nd 
; S ?3mf»e5f tr iscbeci)., 

Braunsebweigs S^fädle un d ^Is WohusVee^ 

Von d«f hraunj!cttwdg-Mheu Läbdesifts^ttehuug der luterftittijo-' 
nalec AujistcÜuug .^Ür Reiie.^ luid Fieiü den verkehr wurde 
eine Schrift f^BraUhs.^ Städte und Hatione als Ruhe- 
wuhuftiue^" btJräusgugebeo, die iutöfesBentwi unter Angabe 
des Hamensi, des Siaudes utid= dM Wobnortes durch die Handek^ 
kammer für das HerEOgt«m ßraiiiificEiwiig keE4lenlos Überaandt 
wird. Das ßUeb asf älip dis h^eUmmt, wetebs frei vo« 
dea Erwerbs tind den PfllcMeti des Berufes eine 
;3üeße'ti^ wo ;&ie ihren Lebensjab^ud ln Beh^iglicbbeit und iftDeret 
B^fritdii^urig yerLiringen könnm Mebj ^ala jn sehnt Bich jk die 
Ol litfrgespaöntef Berüfä- ujid Erwerbstjitigfceit mtide gewordettc 
SitHM* UÄdi ejnctü KJ«ckcben Erde^ wo sifs sich selbst wieder- 


P p 1 a r t a h r t des N ü j d d u f sr? p - L I-p y d. Ein 
Gebirgaländ von öelteuer Schönheit bst ctiie Studienfahrt der 
Deutschen Arkiiscbcn Zepp^^nti *-Lufi*cbi:ISfexp<?dhitrfrt ■'SP. d.^r 
We s t - Und N o r d kü s t E S p i T a h ^ i e n s. entdeckt* 
artiger selbst als die Alpen in seiner gewu^tlgon 
und nordischen EigCnArtir mit dem Auabhick ^ 

Eis b e de c k tc arklis ch e M eer^ m it iierp he jUrn Niijeb^en,. :Ut 4 d- -TivVt^ 


3n der Vrodjfaifon ab iSgrlin, Stettiner :Sal)ni)of rnorgehs 6 Züge. 


?^lr Stettin ll«» 


Utjt s^rö^i^n &ct)u£jIdompfe:rn 

»dm‘* Q „Freia“ 
3 mperatpr“ 


Hertba 


nügcn=Öornf)olm 

Ocf)tveden= 

0 |lfee=öader= 


« X ’^ü rdtj üiie r ^&tj^gbureaus, in ii?tr!i n ^ VQrhdKhbitreuu der iin, bpf ?fifi► 

JCH vC ^[tfeebädt Liudeu ViffKehi^büreau, yotad^tVCF dutc^ 

ötettiner Dampffdjiff5*0efe!!fchafr^^^.3^^ :^3vaeiinüch, ©./tn. b, B. 

■jgK zc: ;;- r ^ri :8ii[ige fobfKarten :: r 5 urd|g«itjj 6 * ünti t^wdrc^ire*VcrHef>r* 

Cclegra t ö ä ^ H ii^ 11 tvi 










































Nr. 3 B oog g eooe eQs^QQQe^eee^^ DEUTSCH LAND na e eeej o oose^e^^ese^geg^e^ i6i 


&ii 4 gi:^ häntii ßäs Iti 4<in Mletl^^usorn dci Gr«>ssatädte der 
^söinRh flöt^reradete G<imljt ve rl rq gt aacb ei^eneui, weuh 
auch »odb tj«sc|i^deikCTO Heimi n^c dtm reipen Genuss, 
dttt di® f*Äe$:c des Gartens, süile W^dsj>aHRrg-ängeT eine tinbe- 
"faa^CiUei a'ni^apgipRc Gaislfr^undschaft, kurz ein kjeioes ländlichem 
Id^ hiietatL Da» B|‘aüiisdHw*ig:iache Land yenhag; mit ^eineo 
laädbchiii^Pb&h: S chünheilta, seinen in tereas an te n alte ä SJi" 4 dt enr 
ädbet tonded^ftchen Bey-ÖIktrung, seinen ln jsdcT Be;Eieiinng: 
gestanden WlirtScbRaJichc und kultü/cJIcn VcrhältnisSerL deii 
SUebdäden adlesi was sie sich wünschen könn^j 211 bi^pn, 

Det nainenllch in den BranachwelglscheTii . ist 

deu^gipinfisskucl). bereif sn bedeuten dt dass gange ÖTtsdhsftfd 
eüieo ^reränderten Charakter asitiehmen* Sb zählt beiEpiels^elsii 
dem höbhgelftgenet mit w änderbaren landsc halt liehen 
autgCBtatiett? Blankenbürg neben der eingesesaeneu Bcvölfeurig 
heut« spfahn 6üo Dauerwohner (darunter 7^ 

Of£Ui 4 t«, e® höhere Staaisbeamie, 50 mittlere ^Staiitshe 
ßn Witwe ö 'Vä,n hdheren Siaatsheamten^ Ofli2iereniisWjv X6!5Re'n^er\ 

iy6 Witwen viiin Rentnern^ Bad Harzbnrgt diesem gl^d^enden 
uDtd in seiner schönen. Lage U overgleich Lichen ivttrrsFte, leben 
nhlrefche vermögende Rentner und Pensionäre (n inaktivß 
pidsieret 31 pensionierte Heainiet 41 Kaufleute und ehemalige 
Lsnd wirte, ui RPhtKer ahd usw^)- A^ch Braunlagc, 

dieser lim seines Aufnähine ge¬ 

kommene Höhenlü^oirti iWiigt l^reits die Anfänge eitier ähnlicheri 
^twtcieliing, der durch Beteit^fteliung geeigneteo. Baugeländes 
s^tens der Getneinde in kluger Weis & Vorgearbeitet ^ird* ln 
SkiilichCr' Weise itft hherall im Herzagtu% auf die Auf- 

echttessung des Ländea hed ächi i D i e itn aligemelnen g ü^j »äiigcii 
stonerlichen VerhäUnteft de^ EiraunschWeigi u cheu L^hd tfi, : ein: 
sejrgflütig anegebäntes Verkehr^tTj&t?, weitgehende R^ckiichtmhpfe 
Äii| ■ ÄÜÄ für eine sjö'h täsüh ;« n twicke Itid e S ied ein h g - u du m gän gr; 
Uclich hj^gJfttnathern' An'fürd&rnngen und ein i/oheö- V erstKttdni^ 
f&r d(* Aufgaben d es: m p dhTbhft Prem denvcrkeh ra ^ 
diese Ehtwicklung. 

Hau^ lind. Heim iin kiel ne ti. Mit dtm Motto 
deo Menschen wohltun willj. muss ihh^n ihrö^ nicht sein e 
F*fietide ^ben*f Veröffentlicht der vhrmaJige Direktor der Üillihger: 
HOtteiiWerke,, Öita Friedrich WeSnligT eine Studift-iur Forderung 
dea Kleiß wnhtnl ngsWesens . D ss W erk j i ri Q U artf nnnät tn ijt Text¬ 


seiten und a?! Öildtafeln .f Verlag Stahleisen 

Prhis gebüiideh ' 4 ^ Mk*) behandelt das gAiiJs 

eigetiRrti^eTi Form, drs; den Praktiker des HSush adh«- ders 

als Arbeiterkenhi^r Im KieinWnhuuhgtfbsU aichhrt die 

genaue Kenntths der Bkddrfh^^ Hauidittltungün den 

Er folg. Ue^haib hat def ^ yerfas^ch, in allör Kttrjo. alii^ Einzel- 
jh^iinh l^sp F he h eb ■, (ÖT derr w o hh^i r Wihhhg dm d» hip 

d Q n h ip- ^ner ^ehr n feh 1 cht^ ,tlä ^ ^V g^hhn p • was d eh 
Erb aber und ' H j gr n (hhier ■.■ jph -rWi^äpb '; :• n hiWVn dlg Mi -' ■ ■ ■Auch ' faie r' 
' sprechet. die 'l^ajj^pg^ii dks. ,'L^ 1 H %k kiiieii;;h ■■ ^«rkea in 

d tn |£ap iTftln “ Ihs tan dbaltüng; d W ^ hnunghh, >! au shf tj hhn g, 

Üntefver rnihtutigy Ba Qberäta ng-ßAte;l le nit hie n, Bfe- 

baüüngspjän<^ Käpitalbesdiialfung liaWi Bie ©ddbeilagcö; hringfeii 
ein sorgsam ?tüSgewätUte^ Material als Illustration zu dctit ganzen 
gross^ Qebtfcte des ICIeljüWöhnnngsbanes, Dieser Schtnück des 
ansprechend geädh^iebeneö Buches macht es sälxr geeigtiet arur 
V er bfcitn ng i 0 de Jiietiigen Kreisen, di e ihren ^ihko mm tn- 
Verhältnissen nach darauf an ge wissen sind, in Klejjnw Ahnungen 
zu leben und in d^ntp das Interesse am Eigeihheim ubd ah der 
gut gepflegten Wohnung geweckt werden soll* 

Praktische ReisefÜhreri Der Münchener Fremdeni 
vcrfc«hrS’^y«uein hat soeben neue Äuflägen seiher Schtifteni 

T^ge in München'* und lyc4 Ausflüge voo München 
ins bayerische Hochland“ he rAusgebrachl, die wie dein m 
einen Pöriachritt im Ausbau dieser praktischen, voth reisenden 
Phhlikntn beifälligEt aufgehommenen Reiseführer aufVreisen, 
PcT> ,Ausf^Üg:en-^ sind jebt auch 14 vortreffliche 

Dtrygeh^^käftcheti |eher GcbliJte beigeffigh di^ ih d^r: Sehrift 
?rbd>' und 2War mit besojaderer BeriScksiChtlguiig"'der 
dort äüf^i'tnihftcii SpaEijefgängc, Ausßüge Upd Xonrbfi:. jedes 
G&Wöt Wiedern Uhd feWar rplt einer neuen itiuRtraüon be- 
: tiaphv 44 fr ohne v?^eit^frs alä Fostkarts ve±wandt werden kann. 
Abvh .die jcw^bitfr Schrill de§ Vereins2 ,4^ Tage in Münciieo^* 
ersebfrint diesmal durch ta vortrefiliehe llVnstvetipneti in Po&t^ 
kurtenförm l^reichert* . Der Prfrijs der 144 Aü^hiige^^ ist Pfg.i 
der von ^42 T age in MUn chen^* 30 Pfg < 8frride Pühner kd nji en 
durch den Fremdenverkeb rs ^Verein ^ Häupthuhnhuf, 

bezogen- weTden, ’ ■■'. ./ ;'. 

M fr y fr T s H e i fi fr b ü i^h e r, Drö^dfr h, Sä ch&i ke hft Schw eia ^ 
Bö h öl ts c h e s M inelge b i r ge u hd Lauä his t G 9 ^ Auflage. 


9 


■ 

m 

m 

m 

9 
■ ' 
91 

m 

m 

m 

m 

m. 

m 

m. 

m 

m. 

m 

m 

■ : 

« 


' m- 

ü 




«rbaht iÖlt; mt*? «indupaefi .Khmtdi-t anagestEtHeL 

F&fl«aielerdampfer Äiettitt im ßigB, 


Kolhergy Rügeftwalde, 
Siaipmfltider Danzig, 
ElUißg, (töfiTgsberg i. Pr. 
(Tllsifjry Winda«; Riga, 
(Mösbaii, Kiev^, KurskX 
Helsingfors, Kopen- 
Högen (Göthent?ur^> 
ChrisliEnia), SttickliolfiH 
Hmrkhptng, 

Kiel, Haitiburg, ßrenifeny 
Rfltterdam ICÖlny 
DU^seJdofl, Mainz^Maim- 
beim, Fraßlfclurtu. Ät etc), 
Ätttwerpen 
. ;Verden, regälmä^lg 

N^liere A.ttskuuft ertei It: 


m 

m 


Rud. Christi Gri bei in Stettin. 






















. ■ Wa;ü / j^ i % ■'„i'ii^'r-j 3 » w d. Von dej 

WaiiderVane d*ii SaVftrlsiajd M jtinc verbesserte Aüf^ 

Xa ge trsE bien e a. Die K 4 ff! V^ilä Se u erta d dlscben 

aebärg^vcreib ia-ufg:äsfell:t*ß 55 Gebiet 

ües Urttf-üStaföiDt;, die gesiurjt^Kit K^enbalmvwbbo- 

änngtttt titt 4 Vefjtd’fidjftj.s der TaJspericn. A^f dcf KöclcÄ^jite 
^pf l^fte aia^ die der ^^15 W^i^detelrfrcketJ .ne^&*t Eni- 

ferjtdirtgtjti tiftd Wcg*to!cbr^U>U Di* itri Vir- 

lo^j^e yj^a Ö. i^dikes ^J^haden.ÄSchTtietJAiaLbn »ö £ssen|?iabrj 

■esidTileiiifraiä. 'KirRj P%k. dutch Jede Dacb- 

b.sndliifigt aücb y?&n dei' VjE^rlflgiikb fii fceÄbben» 

D tf T D i il ir^£ ii a r 21 ’ U h t e -1 ^ r A b*|”ebö Ut ftFecbisiötn 
iisi d d^rtifc uli e B u cfi h aadlou gen * v ie te ycrk<äi#$b4^akiis, ^ie 
ÄQCia yoii dei Verlagabucbbätidiiipg & AppcibütbS ät Ö»* fRüd, 
Siölit Ä Gjatffv Ro^ebebj^f Bratidscb^eigv Ftel&e. Vä» i«, l^%r, 
TntT portP Öo ^ 


Mit .'tj.-. 'feriert,; ^ PlÄneii ' 4 :. ■'pÄnoraT3ie!ß4 ' Kürtöbisit 5 
Verlag Biivliegtilijiliacbeb Ineiittiti in l^eip^g Vnd 
M eyerP « b rer dardj t*Dr e^deo,. dii c S ächsi&c he $cfe weU us wv'' 
iist da* VeTneJnsbü^ib deÄ Oebfrj^A - Verelas ftSr die • Bacbsjathe 
Scbwedk -./DiMe ■ViCigeta^cbjjifir '. lei.’ sin wli .isebpn die; bes-t^-- 
Empfehiiitig;. d iiirse's 10 ’ Ächr, A üf J a geti -bewabn^n' öiie ijti^i-' .^3 ä.^*' 

WS rst®bti: ti ÜE5' äÖc ■ Seb ebAW Ü rdigeiltest. d^ Kdn JJ H^.den'' 

vor»t^sibteia-.un4 darm eibdatwüns'itt dk 
dea EVb s ä udi^^etugeb tt g es i ü geleiten. 

Sächs^ilsc-b« ' :.SjtbWe. USTy,r verdle m in .; stelr>et.; 
hineif-bli r<^b-y;' - ■ ’dei'^ • .yg ’ kÄrt ; 

Beigift'b&b '.■ .-hÖchist* -' iAherktibnitbg: '• .Vad ';:.: 

Watide^rercj gtid iSötbOifrSri^riiletii, besond^^rs den Besfücb^era dej 
Dreadbcr Int^tnaTt^^n^en f^ypene^Auastellang» als xyveitä-jisigir 
und ■■ Atif eg endet J/ Ö bn?'^ ■ ■ le mp fo b kn. 

Der .bekanntUeb .dk Aufgabe, 

ge$Bt*ti-4i'e^ÖeAioiti&icj:i^a£'h;;4iC^.;i:GblJi-eieÄ, dt-r. Eifel it^g .Ybf'dein 
mid niik-b ■ ddli. •'.nud dtp Vrenidegverkebr ;Än 

hfrben^ - - Wngescbilderii tmd -reldben 

WegitjneU» ein ÄisegTjjteircltfiTfittf 

toirb>rri4e wkrM 

biabef Ö*w^ise Scan*!’ rübriTaiigkeit, Kün ist im Att* ^ 
träg* des flat^ptvbtetÄitdd^^ j. BÄrhoff iHnnb) mit Uoiet- 
:^?fi^ruppeu'.' dei;'Bife^ ein y Vereeiebn^A der 

QömfJiiffd'■. '^d' '; dtt'' ''•■■. nu 4 ■ ■:. B 3 deor le • i v-* dHr] Eil d 


UiP M^un&rx . 4 ipSiir¥- 


*u bö-aieü^fl, 

Fdbtera üegt darin,, dns*; iwAb itti etstek Teile; eike ynüti^rjd^ge 
Xiysd . m i i. ,§4 1 -Jar^^ b li^iebi«n' c-bfö üd Ue ■' Har ireis*’ ' 6 'ükek■' '.ker wj 

ischbft^Aek kieh 4 ntm euaführtieht BesMihretbütigeü tind Speicul- 

De« Buch egtbiUt 5 s «alchcr 
tsnd «tne ine üebersichisWtc rak Angabe 

j^l'; nach detw HtW. :v'ßine 

g;riaa*i? As^si^A+bcbttit des KÄ/afÜhrer** besietot dmo» 

FebTplajVß tT^cht nur der Horabahriptti sknderu 


4q:eti kiet Äliti5i:fl.0bU'Ö*ntlibgsSc f^ntb^äU. 

& ri I o h VtP öde H ^ 5 f a g s f 1Q g t ha* das St^dt. Verbebrs- 
snett aii.ünd daA 
iii>^tt*i!Efr«in.; deir Verkeftebijr ^ui' k.det irekt'an tiabpöde -BÜ^h*. 
.Ifrij.):■ 'mk. .-jsj- Üb.at'h^Ki-■■,IJigisiraVO-Ueh. -(Pedtnrc 1 cbtlubgen).■ ■ ge- 

■■ Vt>ji Tot^eAvi^oWic 

Tabtil«! dcfT F,fttEf 5 c^ff 4 ;n rypa F^brpJitäae/^njE^Äiejiogeti v^tv^tIIh 

as'itidrigjen den .. dßre/■:eiiYe 

iaiieiftnät hninür^rtJlSk: Piau^ beiAbbteh if^ardrftCbitijtV'ejrti 

Hermann LÖns t,Auf der Brockenlsebn^ 

Schluss des redab-kkn.ellen-TeUes, ■ 


der nn^ in dt!r: Eifel 

e>iSdiieft^ß^ d es i'u naal Erh ö iurte'a b tä Öt füg e «ü f d ife iia hl rei Ch eq 
Odegehheiieti #U tineim .^mm<^hfcnüi3ke djtft Eifel aüS- 
merfeeatn will,: <Bbhk;: Oeötgi^ 4 A^ll. Mk. 

Mire h e 'S ic ür ivi'. 3ic. A'U'H’öfibl'kiib' ert ixnd_ 
vornebttr eMigcafatiei, igt der Führ«t ;Se«g*' 

yoD C,. .EH.-..i*]eck ersächietie-Gc eaetv.; eiiie 'bitr:i.cbb:gte 

Ne u a üag;kb t d e r ifro süt ß P b arskstf e v^it in Kkrrnrje b Ec 4, yer n 

mir • 'SiHrtkiiläg ■' yeg .r:flf>.■ .iimJ einer ten . Wegekarte 

de« E^iitaroer StitkiWakfe-; l^kiörtVy-grid Ksr^.' 

in W öT i ■ ■ tiii '^,. .iaif-d ■ ;id ■. - fiett yerbh d trg h ti tri i e i\ di.fcii^ ■, .Se?er:‘fj^^- 

gebl^s AU- ■ fft&ltritwV., ’.-^iilo'-.. ii öhl 1tb»-n ' W and-t "t iv ■ -3 412 ' 'uffUt- 
Heimeikü,rt4e; ■*Ahd/'.Heirö4ki^be'...-;s:[j.;-.pJlegfern Führer- ^Tid. :KÄsfte 
w er deb gLt^sf© i^i p ci^ M i c'i .dtti'th -die- e; 


L^'Mir>fgäi(ef inU r<iriirt(’.¥ürtJjch fJir Teöif *i00 ü f öahumjiflbsr 

Eil Uil'ii^üUi^f i für d'?*! wifiHt-littrUl'i?lift?a. had; ■ ÄttidietL^n Teil dör BübdA«- 
niii'bripJiUö: th. H pyi'Rri^ Ciafic,tuirtsf^tir^f:d«y BuiLdes Verk^bfs^ 

vor Bl T] 0 i Ü Li? i PI t IJ rUf . (kf D A an>i i;'* tiw 1 ^r ii, Ü b; K. o r b ^ Q Dü sseld^ ff. 

DfLick tini \ »riiij; Jtr D U 4 < ^ siJ ü r fpt.ybfieg *a üisiii t A ’O, Eo DüssflWflrf^ 


Vinrid^lfi-cbe^ 
iliäti-htebbä ■Tajj.r, 
kfclivink 


SIUaIi, 


IH. Juli 16- August 


Olk!« f^-aitxe Julir gelUfnet, 


Drv med* Sta^hiy, 


ICö.urnrär#ii . LbitVkg; 

Dlrekifcpr Wttüb 


,> l[ S'%'-' -"T 61 - i"As■ l ;■_', l.j 1::I,' 6 ■ • M ■ -.t'-^'yir r, 

di> y, ii ^ x 1\.'{ -7 V s' P J-.'^ >■ 

PfEise MuHf riOii 


t di‘ü-u't\ \ i-idv-'-^tfivj 




ifenäieiiii Mfintiit jfhlt-1^ «t» 

:)artf 4 . tftii^« j|lrffi4t «nb (dfiijci, |nu«nMdfc^^ 

mSft l!«f tAglEi^en Qiebcitud^ J^et attq*« fdittw 


»;8crfl«Mli« go.i H4d<t>cill. ^ Üi«CT- w tj^ben 
























SS5Ü00 Einwohnex^^ tJedeutendste HitMels- Indti^tH^siadt im 
Herzen DeutsehlamdiL Bekannt durch Ehgrösmessen, 

sowie als Sitz des Pi^ilzliandels \md des Sn^hgsWerhes. Beröhmt als 
Unlv^i-ÄHte* ujsd Mufilksta^ Großstadtlsfehe SehehswaFäigkeiteiii 
Eliduniffe“ und Ver^hägungS'^^Anstaltejij ppaehtvoHe Parkaniagen und 
Waidung'en« BaupthahBli&f ujid Vdlkersehtaeht-DeBkinal ihi Bau. 
öne.ßigeitliehe Auskünfte dher Leipzigs 
. / Verkehrs-und Aufeiithalts-VörhAltBlsse gibt der 

Verkehrs* Vereliiljeip*igr 

(ütAdtJs^her Handeishof* Naselimarkt, Laddn 2772S^ Schreib- 
UEd LesezÄBiiter, gßg'enüber dem CoelUe'-Penkmal). A 


RatiiÄa« (SÜddftit«) 


Grösstes und vornehmstes Hau^ 
■.:. am.'Platze. 

fVt-i j ed Kom fc^rt d e r jSi 

A ppsirf erii eh tS| verbunden ilhvBa^ 
und T oil^ttezfmmer.'^-^;4::^^^ 


ROBERT BÖRNER 

Eduiglieh Säclieiscbar und Herzoglich Sächöiaetifi!' HofhhT&rJiut 


uss/e 


Seipzig 

^rfhübsr: Schunke 

^er 

_ ' Köthfcrt 

^dmsWpn-und 

kss^Quranf 


traadllluriiitr v^wfntht^u Börtfl 
imh Alt. ThAatvf', ftfwpt, 3533 . 

N atiivrrfj 1 1 \rj W « u i^ni ^ J m Tti ütI r dien 
Wiu^t^rv'er^hm Alit-’( 5 oß, 
birxtk T [ißflj ge iiüöclie K fi eh e. 

^ A jie äaiflon^i^^U kÄt^aßeri 


yerbaBdea niK Icinem Weih- u. Bier-Restauranf 

Jotiaßalsplstii 1/^ LEIPZtQ Jobannisptatz I/Z 


Hotel Sachsenhof 


Inhaber; LwdWjg 


Xieipzij^ev 


Hotel Tletorfa, Leipzig 


SlftCliarpIati 


Hotel Sitadt TOrnberg 

&m: Bayrisch&n Bahuhöf 


"tVe111» erühmt e i Pa 1 m e n tiuns 
Elitekofiseerle 

mtleliiiinkt des Fremden verkehr* 

SIt a ßö ti h al \t\ V o^r b m d n u g n a eb al i Elc k t üb u i; 


iimtgitUig , 
An^htstt^sFiat: 


Hotel Royal, Leipzig 


on itÄtv 

B eßt enifirfijhl, i^amiÜ uuÜöt^rl 
■ZiTilfl Priüfetb -.'. 


Hotel Hentschel 


Wt ttl«ä)«iMi)aK 


l^röbemi mnicr auf Veriäii6cnicostcrT!o& 

€)iuetnfimm«r 10 Pf< 3 . 

Oi ertdla jjr&» PoslabOTtneiif ent 

li?ark 120 


3ede nuitimer «ntbäit: 
Spannaide Romane und nouelicn 
namhafter Sdiriffstclieir, Bekbretidc 
flufsa^ erster flutorlläten aus aiien 
Scbleten der Cedwlic und Wissen stbafl, 
Sdjilderuna der neuesten ereignisse 
des tages im ln< und üuslattde., 


Zti beziehen duieJ? aile Budiband 
iungeif und ditrd> die Post. 


Oerliigrm.airdfdei 

€s*«n'1lut)r c OOnwMorr 


Hau 8 al lerieir steh R a ng 
Besitzer: Adolf Schüftke 


LEIPZIG • Grand Hötei de Rome 













































':?'V 




r ■ __ ^ ... ■"■■ ■ .:.•■■ ■-\ 

ßtoihkti*^ 901^^ _|||_| tUflflUt H| W/t. mkümm^da-ft 

MnnOAü^fi vom V^re^fr ä&r ^vQr. ikJ^tfurch 

ßt&rhn^r MotStbt&ffj^or ^K||| ftüf§&ner.0kfi$fmam^f, Gt^. 

feh/pf iftrss ^ .' etc. ' t/t der 

tUphaheUA^h KOflef^e^tiyir^'er^ 

BB BB. B^HH ^B BB BB /aks«/? :: 

«lexanilMÄt *Ä» H 

U|'.. .J^.-jSdiöisH.u.=r-*i3&'. üü. Nh k« Vr-u r 1 ■ 

'^■^'0' ■ UMi«; ■ i^ntrCi. :■' %!f :.- .. 'tiw' •'¥>rkiPiirHi t^1lw ■tj in. ■ H 

^• ir^dsm ft'iaiS m>S .j^.c.^j ^Ui- kamtdTt ij+i- Xatfiiir • 

ke!: - Firäfd-' .^tk = AiiT^üf i;.'; , 

to'U« ■■ ;ra rp; KAvt ■ H Hn.tt eh 31U11 

otel NorMeutstlier ßof. stt»i «.i 

Rrfiy$ens!r 0 flell 

lEtitiinr 7Mtirt kiAiiftnor^ UlMlt» f‘IISH*r Sttrtsm. 
^ti tfZmn Aiaunner :» ^j*t^ftatrkö«>^M^ 

Hotei BHtonnio. Beriin SQh 

11 waltitiitfate 5«/5i 

Ml %: flilem U^iaföTt jsi^Efswth 

PefSDftBiiädfSu^. Thif tfjul Nftitju loi Ziwjit(i?-f ir^ik “ 

Mftfk 3;” SLE.: TeltjpEjÄft I. A4|5 |s; jatihig:^\ 

Otel toailSElier HoftSÄSiS- 

^ifi Tt rj ur tifl tli jinbuitf^r Bahnhof. Mit uil ^Co i ft 

der BAMr, eietür- ticiiit i&tc, 

i. ^iSlijom er ! B ett Vüa M U, : 

Vitjirtl^ftdrg leftoidi.tt-' ßo&lUiW^i E'tltz HÄtlioV 

Hotel Kleiner Kaiserliof. lerlini. 8 H 

II Krausenstraße £7/68. II 

Ko munlUtlbam Hifae d, gatiiittiKlintidlQr H| fftriCuuncuti^. voru 

AUästeUoMg^-Älinmor. Tolefdioa Ami 1,1302,. Direktor: FrlliFItneL 

OTEL JINDSOR = BerUn (0. 

RD)lPOnttl'ltR& (t& HabtUatirdMLUdi^ Beatbekaimtes, 
BGlUbllJllUliQ Bti Tömeliinesä Hatis. ElJU wi/rklirCti 

etiineg. ruhiges Und blUigoi Hotel mff gütor Verprfegon^. 

ß^siUori Oit,a 


Hotei Sanssouci ° Berlin 

Potsiiaaii^T Büttf ^ tMi festoßTtfttftr#»»tfMrtea Haa»- 

hifeL ^ Mk'. naüU Vi?Ti?iuI)Ärut»K, 

;. • uAmE- ':. 


Potsdam 


o t««t au r « äi: 



( r; i j si, 1 Ci ' 

T . .$r»tft.i' ]i|a.4a nh i'. 

p • ■ ■ • • -- ■ r f . -' V.::|' 

f KermauÄ t 


-iLiWom^ 


AJ tr en oinrnpert Ä doutw eafi ati^i ^ 


Die Nuurisclien Seen, 

7i{^i *4A iii Bj i { { ( i iij0r i ^'q i 

BBiJf'ti itx ihrer 

iior^istlten Sctiöntieit 

i\hV b«jle1il*lE^ailrlfttealSltL 

;Hi>i tr;>Tti^.j-iiifI Kt. - ,-. 


. ■ Bf -Pr-^.; 

t:■ ■ WYiJiViiÄ:) V'xV f■■ 

Lti..e ■ 'imxmm- ©«nueitiÄ &&««/ 

rfj ij d. f f ii'ud'Ti'tHv K. ■ i; uf I r t irr t V f U. 


Btesln 

I HOTEL KRONPRINZ 

1 u li^ra tl t^ife nt J i aitptbalfmL Ifelil fiff gdiL 
* V otii eKtft hiiimy r tßlx Z irnrn L^t iPiyü M / ii--5; 
5:^. Ki f?ktT. ttj rdtti: Z»Kotuith^4i< id J U f1 

MOOFKl. 0|T KOR» 

gt^gonüber. IliinptbahiibBrff; 6; Mtnutifiü Voiäi 
Äflütniiii döf ^tuat, mkr- StP* IC. -totw 'Wä ■ 
FHmb Efttb«. ■— .Ziin&'of ■.üilt;' B.aj^:^ 

BmMi 

;*■». ■ 




: Csdi’’ 

54;.(i tifä r i ^ '■• T - '■'= ^ ^ ■ 

. ■i-hlfl- Hpträn , 

lufÜJUi^v 

itü: aagikcl: Wifii^eiftaiie ’i; “Ü^- 

I r- ’ .1;. i'- -j“. I l'i hn: iii'f ffS^rSr^iiTj '.i Rei.tiann, 

rw(att.kv. '-.V,i..,..,:.,5jy_,v — P™¥?»’Srte> 

5 iw . M1; 1 ’ ■ .in'i^ \l «1'’ '• i ‘ Äntf t)>n V Ei'IJIti''' Ay ^i'-. 

H ÖHt«ra • 5 ##'»« n hutcl ^ tx 1 tftvw • J' Itiixw;.: M^-ii v^ärl- . ■ 

^svAUfhAffi, Ofn Kfk&. W-^^lmvX^L- ®o^1tw- 

jT^t^rcisee^ HötJsl' AlSftiWiiiMn 

Sti*Ä#idh»teU t;::rtiii?j^^fx^-: ■ ^»'Ti »aSri^fg. 

.-MUtgl BaBHg» t te ; 


Insel 


JUIST 


»hit^fUHUEIinS 

Uürf rh^irne <1A. rtn bü. 

Profl p. k DBi e bLä.d löktiiiy 


Striinilliotel u. Kurhons üMüJI 

PiuTvriletiiiCvJßl l. U, > nllö Feilslitiiv 

j rtht ü: srsjd hri:'^ ®®v p rI aiiaii »I. Prriwp?.A"'^ 



erbrunfi, 



Katarrhe < Gicht - Zockerkrankhelt 



®nenqo®' 


>m| BaJ Safabrunn i. Schleg. 


idL»tU+ . w#fiM.«F*r iSww^a .i^i^'-n.^Wil^vrt ■dr'S'r >'r l<(J' 


hoteiiumBeutsctien Kaiser. 

WffieriiftHisor n. Ihilio it. ötrundo. 
ilaua atfi PhitKtv 
PntÄpiykt^ durcli 

fiftfif ftnd gwy Pait. 


otel tteiclieltof ;: 
nnil Vtiia Irma. 

Zimmer Mk* mit votier 

FOttkiOü VüU Mk.Tj^ UM- 





M O S <S I f tt ll r e jP rtju um bmfU$Miöt*'i i w 'i\d 

ftii^onofiitiateiti mit- dm: d«??: rböbiBriffigm» 

il ö n iS i t n I b a li ii T r i e r - Btt 11 ü}\ 


IJ>it t iö)j hi d Pli göö; 11 l n p t r 1 ^ r t« P ft h t r,. uu $ 

wolifrH^JJkit hnd ^^ÖirjirJütfeB ^rnlrjjiISiih aliiiLf ktiHtmtbel 
■ jiiVehdiAlblJtÄktloö^ 












































B ■ Oison fQr die deutschen Verkehrs-Interessen ■ n 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Juni 1911 



Krefeld: Rheinstraße 


Atelier für photogr. Kunst J. Siehr. Krefeld. 













































Schnellste Verbindungen zulschen und den nordischen Hnuptstildten. 

(Zusammengestellt von der Königlichen Eisenbahn-Direktion Stettin.) 




G^oev\6a^ww««\. 

___ cJbrAx\>et6»vuSlv*»>\^#v\. 

>0000 uet. 4 v-v%ivi»v^evv 




i cK/lÄjtiofvwtOC 


StoetvAd^VW 




Berlin-Stockholm. 

Fahrpr.: 1.72.30, 11.49.00, III. 31.60 M. 
Durchlaufende Wagen I.—III. Kl. 
Schlafwagen. 

1109 815 ab Berlin an 835 

2-17 1206 ^ Stralsund A 603 305 

458 ^^17 Saßnitz Hafen 310 108 
G35 y Trälleborg 10^> 84» 

9^ 710 an Malmö ab lOoi 756 

1010 730 ab Malmö an 9i3 732 

853 Gi6 an Stockholm ab 1027 

Fahrzeit: 22/23 Std. 


^c<le'Uc<:a 




cKopjwA<»<j«j^ ^ O e oVcn?ae»wo 





St..fo..n£!^^ Sc<[Jn.u7C.f.n 


t w4 e 




'^CofwJb\xx) 


Berlin — (Gotenbnro)— KriStiOnlQ» 

Fahrpr.: 1.89.40, 11.59.30, III. 38.70 M. 
Einmal umsteigen zwisclien Saßnitz 
Hafen und Malmö während der Fahrt 
im Durchgangszuge. 

1109 316 ab Berlin an 835 GH 

247 1225 f Stralsund A 503 3u6 

458 2H Saßnitz Hafen ) 3io I 08 
916 G3:) y Trälleborg 1050 843 

960 710 an Malmö ab lOoi 756 

1015 738 ab Malmö an 9^ 736 

4 ^ 213 an Ootenburg ab 333 

1200 lOio an Kristiania ab 734 54.5 

Fahrzeit: Berlin —Gotenburg IS 19Std. 

Berlin—Kristiania 26/27 Std. 

Berlin-Konenhngen. 

Fahrpr.: 1.37.00, 11.27.40, III. 17.70 M. 

Einmal umsteigen in Malmö. 

1109 815 ab Berlin an 835 GH 

458 2i2 ab Saßnitz Hafen ab 312 

‘)50 716 an Malmö ab 1021 7^6 

lOOL» 815 ab ^lalmö an 9H 740 

IIH 950 an Kopenhagen ab S22 605 

Fahrzeit: 1213 Std. 


Berlin-Kopenhagen. 

Fahrpr.: 1.36.30, 11.25.50, JII. 16.00 M. 
Durchlaufende Wagen I.—II. Kl. 
Schlafwagen. 

840 1123 ab Berlin an 856 63« 

1236 802 ^ Rostock A 500 251 

102 8^ I Warnemünde 45i 232 
315 5^ y Gjedser ^ 23o 1214 

642 944 an Kopenhagen ab 1105 810 

Fahrzeit: 10/11 Std. 


Hnmhurg-Stockholm. 


Fahrpr.: 1.70.60, 11.48.20,111, 
Einmal iimsteigen zwischen 
Hafen und Malmö während di 
im Durchgangszuge. 
913 710 ab Hamburg an 

l()i 2 812 ^ Lübeck 

1238 iQiK I Rostock 

247 1225 * Stralsund 

458 217 j Saßnitz Hafen 

lOjO 730 y Malmö 

853 G 16 au Stockholm ab 

Fahrzeit: 23 Std. 


.31.10 M. 

Saßnitz 
er Fahrt 

958 8 H 

904 729 

655 519 

512 322 
810 108 
1001 756 
1027 830 


Hnmhurg —(Goteubnro)— Kristiania. 

Fahrpr.: 1.88.40, 11.56.50, JII 86.20 M. 
Durchlaufende AVagen I. —III. Kl. 
Schlafwagen. 

913 710 ab Hanibiirg an 958 SH 

1012 810 rjj Lübeck A 901 7H2 

1238 1018 Rostock 655 519 

247 1205 Stralsund 512 822 

458 212 Saßnitz Hafen 812 

1015 738 I Malmö 1(121 756 

4 ^ 218 y Goienbnrg 833 1 ^ 

1200 1012 an Kristiania ab 734 545 

Fahrzeit: Hamburg—Gotenburg 18bis 
19 St., Hamburg—Kristiania 26/27 St. 

Hnmhurg-Kopenhngen. 

Fahrpr.: 1.30.30, 11.22.70, JII. 13.50 M. 
Durchlaufende Wagen I.—IJ. Kl. 
Schlafwagen. 

913 1130 ab Hamburg an SH 6i5 

102 832 I Warnemünde 1 45o 212 

815 5M Y Gjedser t 239 1214 

642 944 an Kopenliagen abll05 Sio 


Hamhurg-Kopenhngen. 

Fahri)!-.: 1.28.20, J 1.21.40, 111.12.70 M. 
Zweimal uinsteigen. 

705 1H2S ab Hamburg an 1050 723 

915 1^ ^ Kiel A ^"^22 öH 

800 803 Y Korsör J: 244 looo 

448 i()()5 an Kopenhagen ab 1245 7^ 

Fahrzeit: 10/11 Std 

Hninhurg - (FredericU) - Kopenhagen. 

Fahrpr. 1.3 .30, 11.22.70, III 13 50 M. 
Durchlaufende Wagon 1. —II. Kl. 
Schlafwagen. 

838 848 ab Hamburg an 1 142 844 

149 140 f Vamdrnp A 642 311 

802 240 Frcdericia ! 511 

Gl© G28 y Korsör ^ 1^ 957 

835 813 an Kopenhagen ab 1222 750 

Fahrzeit: 11/12 Std. 


Fahrzeit: 9/10 Std. 



DEUTSCHLAND 

Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln 


♦ ♦ 

X Bezugspreis proJahr6M.,viertel- J 

♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦ 

♦ 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦ 
X eines jeden Monats (im Juni, Juli X 

♦ und August monatlich zweimal) ♦ 
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦««♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦«♦# 


Amtliches Organ des Rhein^chen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 


♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦♦ 

X Anzeigenpreis 40 Pfennig die X 

♦ viergespaltene Kolonelzeile ♦ 

♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦ 
X Breite. — Bei Wiederholungen X 

♦ entsprechende ErmäGeigung ♦ 


Nr. 4 


Düsseldorf • Zweite Juni-Ausgabe 1911 


II. Jahrg. 


Krefeld am Rhein. 

Von Ernst Brües. 


Es ist noch nicht lange her, daß man von Krefeld 
am Rheine sprechen kann. Die Stadt lag abseits vom 
großen Strome. Heute wird das Gemeindegebiet vom 
Rheine bespült, und nach der Statistik des Schiffsgüter¬ 
verkehrs der Rheinhäfen im ersten Vierteljahr 1911 
steht der Rheinhafen Krefeld, der vor 5 Jahren erst 
eröffnet worden ist, unter 23 Häfen bereits an 15. Stelle, 
eine Entwicklung, die infolge des Baues großer, einen 
starken Güterverkehr erfordernder industrieller Werke 
stetig fortschreitet. Wie die Stadt des Samts und der 
Seide dazu gekommen ist, die Sehn¬ 
sucht nach dem Rhein durch Ein¬ 
gemeindung des alten Städtchens 
Linn und später der Vororte Bockum- 
Verberg und Oppum, sowie durch 
den Bau eines mehr als 11 Millionen 
Mark erfordernden Hafens zu stillen 
und dem vornehmeren Umgang 
mit dem feinen seidenen Faden 
einen Bund mit der sogenannten 
„schweren" Industrie zu gesellen, das 
ist ein volkswirtschaftliches Kapitel 
von eigenem Reiz. Ein Rückblick auf 
die Geschichte Krefelds, zumal die 
der letzten Jahrzehnte, wird dieses 
Vorgehen einer weitschauenden 
Stadtverwaltung erklärlich machen. 

Daß der linke Niederrhein alter 
Kulturboden ist, daß die alte Römer¬ 
straße das jetzige Gebiet der Stadt 
berührte und zahlreiche Funde römi¬ 
scher Altertümer, vor allem in den 
militärischen Stationen Gelduba 
(dem jetzigen, an den Krefelder Hafen grenzenden Dörf¬ 
chen Gellep) und Asciburgium (Asberg in der Grafschaft 
Moers), von alter Kultur berichten, sei der Vollständig¬ 
keit halber nur kurz erwähnt. Von dem Stadtteile Linn, 
dessen verfallene Burg das beachtenswerteste Bau¬ 
denkmal Krefelds darstellt, ist schon im Jahre 710 
urkundlich die Rede, während Krefeld erst im Jahre 
1166 in den Akten über eine Erbteilung zwischen den 
Gräfinnen Hildegunde und Elisabeth von Meer unter 
der Bezeichnung Creinuelt auftaucht. Die Geschichte 


erzählt jahrhundertelang von Kämpfen um die Linner 
Burg, von Not und Greueln. Mit der Entwicklung des 
Ortes Krefeld, der 1226 an die Grafen von Moers fiel 
und 1373 zur Stadt erhoben wurde, hängt die Geschichte 
der festen Burg Cracau eng zusammen, von der zuerst 
eine Urkunde aus dem Jahre 1417 berichtet. Ursprünglich 
hieß sie Craikouwen, was in der aus plattem Deutsch 
und Holländischem gemischten Mundart Krähenkäfig 
bedeutet, ebenso wie das im 15. Jahrhundert gebräuch¬ 
liche Craifeld, aus dem Krefeld entstanden ist, mit der 
Krähe in Verbindung gebracht wird. 
Ob die Ableitung von den Etymo¬ 
logen anerkannt wird, vermag ich 
freilich nicht zu sagen. Auch um 
die Burg Cracau und die zu ihr ge¬ 
hörende Herrlichkeit Krefeld ist von: 
verschiedenen Herren viele Jahr¬ 
zehnte lang gestritten worden. Im 
Jahre 1677 hat man die Feste ge¬ 
schleift, und heute erzählen nur noch 
dicke Mauerreste, auf denen sich 
andere Häuser angesiedelt haben, 
von entschwundener Pracht. 

Das seitab vom Rheine gelegene 
Landstädtchen, in das nach dem 
Dreißigjährigen Kriege Tuch- und 
Leinenweberei als Handbetrieb ein¬ 
gezogen, das aber von den andern 
Städten am linken Niederrhein, so¬ 
wohl was die Volkszahl wie was 
die industrielle Bedeutung angeht, 
überflügelt war, verdankt seinen 
Aufschwung und seine jetzige Be¬ 
deutung der Seidenindustrie. Vertriebene Mennoniten, 

die unter der Herrschaft der oranischen Grafen von 
Moers hier Zuflucht fanden, führten sie in Krefeld ein, 
vor allem Angehörige der Familie von der Leyen, die 
um das Jahr 1670 aus Radevormwald im Bergischen 

hierher gekommen war. Dreißig Jahre später, am 

25. März 1702, fiel Krefeld an die Krone Preußen, 
und es ist ein eigenartiges Zusammentreffen, daß mit 
diesem Zeitpunkte die erste industrielle Blüte Krefelds 
einsetzte. Diese Blüte ist nun durch die Fürsorge der 



Friedrich der Große in Krefeld, 
10. und 11. Juni 1763 
















Nr. 4 DEUTSCHLAND 165 



hängigen Großgewerbes durch die Anlage des Hafens 
mächtig gefördert, und wenn auch noch nicht alle 
Pläne zur Reife gediehen sind, so kann heute schon 
gesagt werden, daß die Vielseitigkeit des Krefelder 
Gewerbes so schwere Krisen unmöglich macht, wie sie 
früher regelmäßig nach Zeiten industrieller Blüte ein¬ 
traten, und daß der Stadt nunmehr ein gesunder, stetiger 
Fortschritt gewährleistet ist. Ein Gutes hat die lang¬ 
dauernde Stetigkeit der Bevölkerungszahl gehabt. Wäh¬ 
rend sich die wirtschaftlichen Verhältnisse befestigten 
und ein kaufkräftiger, solider mittlerer Bürgerstand als 
breite Schicht im gesellschaftlichen Organismus der 
Stadt sich bildete und anderseits, im Gegensatz zu 
andern Industriestädten, kein Arbeiterzuzug, sondern 
im Gegenteil eine Abwanderung von Arbeitern nach 
der rechten Rheinseite sich einstellte, war die Stadt 
der Aufgabe überhoben, alljährlich für eine zahlreich 
sich vermehrende Arbeiterbevölkerung neue Schulen 
zu bauen. Sie konnte sich andern Be¬ 
strebungen zuwenden und vor allem durch 
rege Förderung aller künstlerischen Be¬ 
strebungen ihr neu gestecktes Ziel ver¬ 
folgen, immer mehr der kulturelle Mittel¬ 
punkt des linken Niederrheins zu werden. 
Namentlich in den fünf Jahren der Wirk¬ 
samkeit des Ober-Bürgermeisters Dr. 
Oehler, der seit dem Beginne dieses Jahres 
in der benachbarten Industrie- und Kunst¬ 
stadt Düsseldorf das Zepter führt, ist in 
Krefeld zur Förderung der Industrie, zur 
Hebung und Bereicherung des künstle¬ 
rischen und wissenschaftlichen Lebens 
und nicht zuletzt auch zur Verschönerung 
der Stadt überaus viel geschehen, und es 
kann gleich hinzugefügt werden, daß alte 
und neue Pläne unter Oehlers tatkräftigem 
Nachfolger Dr. Johannsen verwirklicht 
werden sollen. Von diesem regen Geiste 
zeugt die große Ausstellung, über die an 
anderer Stelle dieses Heftes berichtet wird, 
zeugen u. a. die vom Unionklub bereits 
genehmigte Anlegung einer Pferderenn¬ 
bahn in überaus anmutiger landschaft¬ 
licher Umgebung am Stadtwalde, der Bau 
eines großen, mit allen Bequemlichkeiten 
ausgestatteten Gasthofs I. Ranges und die in Aussicht 
genommene Errichtung eines neuen Stadttheaters. So 
ist Krefeld heute eine 130000 Einwohner beherbergende 
Großstadt, deren musterhafte Einrichtungen auf allen 
Gebieten des kommunalen Lebens mit denen größerer 
Städte wetteifern können. 

Die starke Entwicklung Krefelds aus dem Land¬ 
städtchen zur Großstadt hat in der Mitte des vorigen 
Jahrhunderts eingesetzt. So ist Krefeld eine moderne 
Stadt mit breiten Straßen, die ausgiebigen Raum für 
gärtnerische Anlagen boten. Zwei Eigentümlichkeiten, 
die auf die gesundheitlichen Verhältnisse der Bewohner 
förderlich eingewirkt haben, werden dem Besucher 
Krefelds schon beim ersten Rundgange durch die Stadt 
besonders in die Augen fallen. An die Nachbarschaft 
Hollands erinnert neben der Sauberkeit der Straßen 
vor allem die Art des Wohnens: die Mietkaserne 


Weberei war die Jahrzehnte vorher erfolgte Einführung 
des mechanischen Stuhles, weil sie zahlreiche Arbeits¬ 
kräfte ausschaltete, für die in Betracht kommenden Städte 
und Landgemeinden in der ersten Zeit verhängnisvoll. 
Nirgendwo konnte aber die Wirkung des technischen 
Fortschritts so folgenschwer sein wie in der Seiden¬ 
industrie Krefelds und seiner Nachbarorte. Der Grund 
lag in dem Umstande, daß der mechanische Seiden¬ 
stuhl, vor allem der Samtstuhl, gegenüber dem Handstuhl 
eine weit größere Arbeitsleistung verrichtet, als dies dem 
mechanischen Stuhl in den anderen Zweigen der Weberei 
möglich war. Es erscheint dem Laien unfaßlich, ist aber 
eine Tatsache, die die Schwere der Krefelder Krisis 
erklärlich macht, daß heute ein mit allen technischen 
Neuerungen ausgestatteter mechanischer Samtwebstuhl 
für vier Stückebreiten ungefähr das Sechzigfache dessen 
fertigstellt, was vor 25 Jahren der fleißigste Handweber 
in seiner Stube weben konnte! Kein Wunder, daß die 


Krefeld: Rathausportal 

Einwohnerzahl Krefelds über ein Jahrzehnt lang sich 
nicht vermehrte und die überschüssigen Arbeitskräfte 
sich der „schweren" Industrie auf der rechten Rhein¬ 
seite zuwandten. Sie sank von 105000 im Jahre 1889 
auf 102 370 im Jahre 1890 und war im Jahre 1900 
nur auf 106890 angewachsen. Die Seidenindustrie 
hielt trotz der wesentlichen Verminderung der Arbeits¬ 
kräfte, der Verbilligung der Erzeugnisse und des Abfalles 
von Nordamerika, das sich durch die hohen Zölle in 
den letzten Jahrzehnten eine eigene Industrie geschaffen 
hat, ihre Erzeugung im Werte von 75 bis 85 Millionen 
Mark jährlich aufrecht. 

Dazu kam nun allmählich die Ansiedlung anderer 
Industrien, die die Alleinherrschaft des seidenen Fadens 
zunichte machte und neben die Samt- und Seiden¬ 
industrie ein neues gewerbliches Leben stellte. Die Stadt 
hat dieses Aufkommen eines vom Seidenfaden unab¬ 




























1 


166 DEUTSCHLAND Nr. 4 


bildet die Ausnahme, das Einfamilienhaus die Regel. 
Die weiträumige Bebauung, das Vorherrschen des kleinen 
Hauses vermittelt zwar nicht das, was man gemeinhin unter 
einem „großstädtischen" Eindruck versteht, zumal, da die 
Zahl monumentaler Bauten noch nicht 
groß ist und erst in den letzten Jahren 
stark anwächst, es ist aber zweifel¬ 
los kein betrübender Umstand, daß 
Krefeld unter den größeren Städten 
Deutschlands, abgesehen von Bremen, 
auf die einzelnen Wohnhäuser ge¬ 
rechnet die geringste Bewohnerzahl 
aufzuweisen hat. Sodann ist der Be¬ 
sucher Krefelds im Zweifel, ob er 
sich in einer Rentnerstadt oder einer 
Industriestadt befindet. Die Seiden¬ 
industrie macht sich im Stadtbilde 
durchaus nicht unangenehm geltend. 

In den neuen Webereien fehlt sogar 
die Kesselanlage mit Schornstein, da 
die Stühle elektrisch betrieben werden, 
und ältere Fabriken sind bereits zum 
elektrischen Antrieb übergegangen. 

Die „schwere" Industrie des Eisens 
und Stahls hat sich in der Umgegend angesiedelt. So 
fehlen im gewerbereichen Krefeld die unangenehmen 
Begleiterscheinungen der Industrie. Auch die neue 
Kohlenindustrie, die das Bild des linken Niederrheins in 
den nächsten Jahrzehnten gänzlich umgestalten wird, 
macht vor den Toren Krefelds halt, ein Umstand, der 
den schon erwähnten Bestrebungen der städtischen 
Verwaltung, Krefeld zum kulturellen Zentrum dieses 
industriellen Hinterlandes zu machen, durchaus günstig 
ist. Der in den letzten Jahren erfolgte Ausbau der 
Straßenbahnlinien nach allen Himmelsrichtungen und 
neue Verkehrspläne gehen demselben Ziele entgegen. 

Es kann nicht unsere Absicht sein, einen Rund¬ 
gang durch die Stadt Krefeld zu machen. Was die 
Anlage der Straßenzüge betrifft, so sei nur darauf hin¬ 
gewiesen, daß die vier nach den Himmelsrichtungen 

benannten Wälle 
— von denen der 
am Hauptbahnhof 
beginnende Ost¬ 
wall mit seinen 
alten Bäumen der 
schönste ist — 
die innere Stadt 
im Rechteck um¬ 
geben, und daß, 
im Gegensatz zu 
den meisten Groß' 
Städten, die neuen 
Villenviertel sich 
im Osten an¬ 
gesiedelt haben. 
Dort dehnt sich 
auch der präch¬ 
tige, über 52 Hek¬ 
tar große Stadt¬ 
wald mit weiten 

Krefeld: Alte evangelische Kirche Wasser - Flächen 


aus, dessen Gelände der frühere Seidenwarenfabrikant, 
der heute noch lebende Rentner Wilhelm Deuß der Stadt 
gestiftet hat. Wie sehr die Stadt sich um die Erzeugung 
kräftiger „Lungen" bemüht hat, geht aus der Tatsache 
hervor, daß die Gesamtgröße der 
städtischen Gartenanlagen heute 81 
Hektar 60 Ar beträgt, wozu dann 
noch ausgedehnter städtischer Besitz 
außerhalb der Gemeindegrenzen, im 
Hülser Bruch und auf dem Hülser 
Berge, zu rechnen ist. Wie jede 
deutsche Stadt, so hat auch Krefeld 
eine ziemliche Reihe von Denkmälern 
aufzuweisen, von denen eine Anzahl 
künstlerisch nicht über das hinausgeht, 
was die moderne deutsche Plastik auch 
anderswo auf dem Gebiete öffentlicher 
Monumentalkunst geleistet hat. Und 
doch ist Krefeld auch in der Errich¬ 
tung von Denkmälern eigene Wege 
gegangen. 

Als der alte Kaiser starb, hat man 
darauf verzichtet, das übliche Reiter¬ 
standbild zu errichten, man ist viel¬ 
mehr auf den gesunden Gedanken gekommen, aus den 
freiwilligen Gaben der Bürgerschaft ein Kaiser-Wilhelm- 
Museum zu bauen, das keine Anhäufung toter Schätze 
sein, sondern mit dem gewerblichen Leben und dem 
Kunsthandwerk unserer Zeit in engster Fühlung bleiben 
sollte. Der Fehler des Baues bestand darin, daß die 
Treppenhalle mit dem — leider — Eberlein in Auftrag 
gegebenen großen Marmorstandbild des alten Kaisers 
gegenüber den für die Sammlungen bestimmten Räumen 
zu groß war und daß sich, da die Schätze des Museums 



durch Ankäufe und Geschenke sich schnell mehrten, 
das Haus bald als zu klein erwies. Seit dem letzten 
Herbst ist jedoch eine Erweiterung im Bau, die den für 
die Sammlungen verfügbaren Raum verdoppelt. Bereits 
im nächsten Jahre wird das Museum in seiner neuen 
Gestalt den Besuchern zeigen können, wie reich es, ab¬ 
gesehen von der hervorragenden Sammlung nieder¬ 
rheinischer Gotik, die hauptsächlich einer Stiftung 
des verstorbenen Kommerzienrats Oetker entstammt, 
und der aus den Schätzen des Berliner Landsmannes 
von Beckerath erworbenen Sammlung von Werken der 



Krefeld: Carl-Wilhelm-Denkmal 




















Nr.4 DEUTSCHLAND 167 


italienischen Renaissance, sowie von andern kunst¬ 
gewerblichen Erzeugnissen verschiedener Zeiten und 
Länder, auch an guten modernen Bildern und Plastiken 
und vorbildlichen Leistungen des neuzeitigen Kunst¬ 
gewerbes ist. Auch das Denkmal für Kaiser Friedrich 
weicht von dem Schema ab. Die Stadt hat im ver¬ 
gangenen Jahr einen alten herrlichen Park als Kaiser- 
Friedrich-Hain erworben. Das dazu gehörige herrschaft¬ 
liche Haus wird augenblicklich umgebaut, um demnächst 
die reichen Schätze des Naturwissen¬ 
schaftlichen Museums aufzunehmen. 

Sodann sei noch das Handweber- 
Denkmal erwähnt, das, ähnlich wie 
man in Münster den Kiepenkerl und 
in Herford den Linnenbauer in Erz 
erhalten hat, den verschwindenden 
Typus des alten Krefelder Webers 
verewigen soll, und die Büste Carl 
Wilhelms auf marmornem Sockel, 
die daran erinnert, daß in Krefeld 
die Komposition zur „Wacht am 
Rhein" entstanden ist. 

Drei Denkmäler Krefelds zeugen 
von der Wohltätigkeit seiner Bürger. 

Auf dem Ostwalle erhebt sich eine 
korinthische Säule mit dem Vogel 
Greif; es ist das Denkmal, das die 
dankbare Stadt ihrem im Jahre 1863 
verstorbenen Wohltäter Cornelius 
de Greiff gestiftet hat. Auch der im 
Jahre 1901 verstorbene Landtags¬ 
abgeordnete L. F. Seyffardt, der sich 
als Förderer der Wohltätigkeit und 
aller Bildungsbestrebungen rühmlich 
hervorgetan hat, vermachte der Stadt 
einen großen Teil seines Vermögens. 

Ihm haben dankbare Freunde, eben¬ 
falls auf dem Ostwalle, ein Denkmal 
errichtet. Ein würdiges Denkmal 
erinnert sodann an die im Jahre 
1902 verschiedene große Wohl¬ 
täterin Marianne Rhodius, geborene 
de Greiff. Mit Beihilfe zweier ihrer 
Erben erwarb die Stadt ihr Wohn¬ 
haus, um es zur Städtischen Biblio¬ 
thek nebst Lesehalle umzubauen. 

Ihr Bildnis ziert den vornehm aus¬ 
gestatteten Lesesaal. 

Von den Sehenswürdigkeiten 
Krefelds müssen außer den eben 
erwähnten noch genannt werden: 
das Rathaus, das frühere von der 
Leyensche Schloß mit den be¬ 
rühmten, die Hermannsschlacht schildernden Fresken 
Peter Janssens im großen Saale und die Weberei-, 
Färberei- und Appreturschule mit der Königl. Gewebe¬ 
sammlung, die in ihren mit den Baurschen Wand¬ 
gemälden über die Entwicklung der Seidenindustrie 
geschmückten Sälen eine der hervorragendsten Textil¬ 
sammlungen Deutschlands birgt; sodann unter den 
prächtigen städtischen Wirtschaften die Stadthalle 
mit künstlerisch ausgestatteten Sälen und großem 


Garten, sowie das neue Stadtwaldhaus, in dem 2000 
Gäste untergebracht werden können. — Daß in 
Krefeld ein reges künstlerisches und wissenschaft¬ 
liches Leben herrscht, habe ich schon angedeutet. 
Das Stadttheater bietet unter Direktor Pesters Leitung 
sowohl auf dem Gebiete des Schauspiels, wie auf dem 
der Oper, die der städtische Kapellmeister Cruciger 
leitet, gediegene künstlerische Leistungen. Den Höhe¬ 
punkt des musikalischen Lebens bilden die Abonne¬ 


mentskonzerte unter Professor Müller-Reuters Leitung, 
und ein städtisches Konservatorium (Direktoren Pieper 
und Müller-Reuter) sorgt für gute musikalische Schulung 
des heranwachsenden Geschlechts. Auch an wissen¬ 
schaftlichen Vorträgen aller Art fehlt es nicht. Zur 
Kennzeichnung der Regsamkeit der Bevölkerung auf 
diesem Gebiete mag die Tatsache erwähnt werden, 
daß der Krefelder Bildungsverein und der Krefelder 
Naturwissenschaftliche Verein unter den gleichartigen 



Krefeld: Corneliussäule am Ostwall mit Reichspost 






















168 DEUTSCHLAND Nr.4 


H 


Vereinen Deutschlands die größten Mitgliederzahlen 
aufweisen. — Nun noch einige Worte über die 
Krefelder Industrie. Die Summen der im Jahre 1910 
— die Statistik ist soeben erschienen — von Krefelder 
Firmen verkauften Samt- und Seidenstoffe eigenen 
Fabrikats belaufen sich auf Ql Millionen Mark im 
Werte. Hieran waren 23 Samtfabriken, 74 Stoff¬ 
fabriken und 6 Betriebe, die Samt und und Stoff 
herstellen, beteiligt. Es waren 2677 Handstühle und 
10507 mechanische Stühle für diese Firmen in Betrieb. 
Wenn man dagegen hält, daß im Jahre 1872 300 
Firmen 33 310 Handstühle beschäftigten, so kann man 
sich eine Vorstellung von dem Umschwung aller Ver- 


bekannte Kayserzinn stammt. Sodann wird hier in der 
Fabrikation von Luxuspapieren und Tapeten und in 
der Kunstdruckerei Tüchtiges geleistet, wie endlich auch 
eine unserer größten deutschen Speditionsfirmen, der 
Firma Charlier & Scheibler, ihren Sitz in Krefeld hat. Von 
den Fabriken des mit allen technischen Neuerungen aus¬ 
gestatteten Rheinhafens, der nach fünfjährigem Bestehen 
bereits 14 große industrielle Werke besitzt, seien die 
großen Mühlen und die Seifenfabriken und die Anglo- 
Continental - Guanowerke mit ihrer 30 Morgen be¬ 
deckenden Riesenhalle besonders genannt. 

Zum Schlüsse unserer Schilderung wollen wir noch 
kurz bei der landschaftlichen Umgebung der Stadt ver- 



Krefelder Hafen: Wendeplatz im Industriehafen 


hältnisse in dieser Industrie machen. Von den übrigen 
Industrien sind zu nennen das 800 Arbeiter beschäf¬ 
tigende Krefelder Stahlwerk, das hochwertige Qualitäts¬ 
stähle herstellt, die Firma Joh. Kleinewefers Söhne, die 
Schmiedestücke jeder Art und Größe, sowie Kalander 
verfertigt, und unter den Maschinenfabriken die von 
Hermann Schroers, die Textilmaschinen in die ganze 
Welt sendet. Von sonstigen größeren Werken, deren 
Fabrikationen Ruf genießen, seien noch erwähnt: Leo 
Sistig, Maschinenfabrik, Briem k Koch, Maschinenfabrik, 
Gebr. Wansleben, Maschinenfabrik und Eisengießerei, 
sowie die Musikwerke von Lenzen & Co. Auch die 
Hauptwerkstätte der Königlichen Eisenbahn in Krefeld- 
Oppum mit 1145 Arbeitern muß hier genannt werden. 
Sehr angesehen ist die Krefelder Fabrikation von Luxus¬ 
gegenständen in Feinmetall. Weit bekannt ist vor 
allem die Fabrik von J. P. Kayser Sohn, aus der das 


weilen. Die stillen, melancholischen Schönheiten des 
Niederrheins und vor allem des Hülser Bruchs offen¬ 
baren sich nicht auf den ersten Blick. Sie verlangen 
mehr als „kalt staunenden Besuch''; sie wollen um¬ 
worben werden, wenn sie ihre keuschen Reize dem 
Auge ganz erschließen sollen. Die weiten Niederungen 
mit den saftigen Wiesen, deren reicher Viehbestand an 
das nahe Holland erinnert, die bunten Gemüsefelder, die 
ihren lohnenden Ertrag den Industriestädten im Kohlen¬ 
gebiet zuführen und vor allem die sumpfigen Brücher mit 
den stillen Kolken und dem reichen tierischen Leben, 
sie bieten dem Naturfreunde Schönheiten ganz eigener 
Art. Diese Reize werden der näheren Umgebung 
Krefelds erhalten bleiben. Möge der kommende Berg¬ 
bau weiter nördlich dem Charakter der nieder¬ 
rheinischen Landschaft nicht gar zu viel von seiner 
Eigenart nehmen! 












Nr. 4 DEUTSCHLAND 169 

Zur Gewerbe-, Industrie- und Kunst-Ausstellung in Krefeld. 

Von Handwerkskammersyndikus Dr. Josef Wilden, Düsseldorf. 


Seitdem das Handwerk durch die Novelle zur Ge¬ 
werbeordnung vom 26. Juli 18Q7, die zugleich das 
Lehrlings- und Prüfungswesen regelt, eine neue Grund¬ 
lage zur Organisation erhalten hat, machen sich 
allenthalben kräftige Bestrebungen zu seiner 
wirtschaftlichen Hebung geltend. Der Staat 
und die übrigen öffentlichen Körperschaften, 
sowie die Organisationen des Handwerks selbst 
sind bemüht, durch ihre Tätigkeit für das 
Handwerk die Voraussetzungen zu einer 
gedeihlichen Entwicklung zu schaffen. 

Sie gipfelt in einer Fürsorge zur Hebung 
der Leistungsfähigkeit des Handwerks, 
das wettbewerbsfähiger gemacht werden soll 
durch die Hebung seiner gewerblichen und 
technischen Bildung, sowie durch die Er¬ 
leichterung bei der Beschaffung von Kredit. 

Alle diesem Zwecke dienenden Anstalten und 
Einrichtungen faßt man heute zusammen unter 
der Bezeichnung „Gewerbeförderung''. 

Zu den wichtigsten Mitteln der Gewerbe¬ 
förderung gehören die Ausstellungen, 
wodurch die Gewerbetreibenden Gelegenheit 
haben, ihre Leistungsfähigkeit zu zeigen, um 
sich so im Wettbewerbe mit anderen hervor¬ 
zutun. Anderseits, und das ist sogar wohl 
die ursprüngliche Absicht der Gewerbeausstellungen 
gewesen, haben sie einen belehrenden Charakter. Sie 
zeigen die Fortschritte der Technik und der Handfertig¬ 
keit und bieten so Gelegenheit zum Vergleich; dies spornt 
an und trägt somit wesentlich zur Hebung des Gewerbes 
bei. Das haben die bedeutenden Ausstellungen der 
letzten Zeit gezeigt, die mit Recht als die kräftigen 
Wurzeln des Aufblühens unseres heimischen Gewerbes 
gelten. Sehen wir 
von den Kunst- 
Ausstellungen 
ab, so ist wohl 
die Londoner 
Weltausstellung 
des Jahres 1851 
die gewesen, die 
den ersten Grund 
zu der Entwick¬ 
lung des ge¬ 
werblichen Aus¬ 
stellungswesens 
überhaupt ge¬ 
legt hat. Ihr 
sind zahlreiche 
andere Ausstel¬ 
lungen gefolgt. 

Allmählich auch 
solche mit örtlich 
beschränktem 

Gebiet: die nationalen, die provinziellen und die Kreis- 
Ausstellungen; dann solche mit Beschränkung auf 
gewisse Gewerbe. Zunächst ist es die Industrie im 
weitesten Sinne des Wortes gewesen, die auf solchen 


Ausstellungen vorherrschte; nur vereinzelt wagte sich 
ein Handwerker in jenen Kreis. Das hing mit den 
ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen zusammen. 
Allmählich erst ist das Selbstbewußtsein und das Selbst¬ 
vertrauen der Handwerker wieder gewachsen. 
Sie beteiligten sich nicht nur in größerem 
Umfange an den eigentlichen Industrie-Aus¬ 
stellungen, wie z. B. 1902 in Düsseldorf, sondern 
sie fingen an, selbständige Handwerker-Aus¬ 
stellungen zu veranstalten, deren es in den 
letzten Jahren eine ganze Anzahl gegeben hat. 
Freilich kann man nicht allen nachsagen, daß 
sie ihren Zweck erreicht haben. Manchen 
fehlte es an den nötigen Voraussetzungen: sie 
waren zu wenig vorbereitet, waren nicht um¬ 
fassend genug und boten infolgedessen ein un¬ 
vollkommenes Bild von der Leistungsfähigkeit 
des Handwerks, hierdurch mehr Schaden als 
Nutzen stiftend. Wenn eine Handwerks- 
Ausstellung wirklich etwas erreichen will, 
dann ist es vor allem notwendig, die tüch¬ 
tigsten und leistungsfähigsten Handwerker 
heranzuziehen und sich nicht auf einige wenige 
zu beschränken, die lediglich mittun, weil sie 
nun einmal „dabei sein" wollen. Solche 
Ausstellungen sind in der Regel außerordent¬ 
lich gefährlich. Aber man weiß ja, wie schwer es oft 
hält, die Handwerker unter einen Hut zu bringen und 
namentlich die größeren Betriebe zu einem Mittun 
zu veranlassen. Es ist deshalb den Leitern der Krefelder 
Ausstellung als ein Verdienst anzurechnen, daß sie es 
fertig gebracht haben, das Handwerk zu einer wirklich 
geschlossenen und lückenlosen Gruppe von Ausstellern 
zu vereinigen, die alle Zweige des Gewerbes umfaßt, 

besonders die im 
Ausstellungsge - 
biet betriebenen 
Spezialgewerbe. 
So tritt hier das 
„niederrheini- 
sche Hand- 
werk"zum ersten 
Male mit einer 
Ausstellung aut 
den Plan, die es 
uns in einem 
kaum geahnten 
Umfange zeigt, 
die besser als 
Worte beweist, 
wie stark das 
Handwerk ist und 
wie sehr be¬ 
seelt von einem 
entschlossenen 
Willen zur Tat, der schließlich immer zum Erfolge führt. 

Und doch ist unsere Ausstellung durchaus nicht 
einseitig. So fehlt die Industrie nicht. Sie durfte 
nicht fehlen; denn die Fäden, die Industrie und Hand- 



Krefeld: Weberdenkmal 



Krefelder Rheinhafen-Einfahrt 





170 DEUTSCHLAND Nr. 4 


werk miteinander verknüpfen, sind so fest gefügt, so 
innig miteinander verschlungen, daß sie sich nicht 
trennen lassen, und es wäre töricht, dem Handwerk 
vorzureden, die Industrie sei sein geborener Feind. 
Wenn zwar zuzugeben ist, daß gewisse Handwerks¬ 
zweige durch die Industrie in ihrer Existenz erschüttert 
und geschmälert worden sind, so ist doch auf der 
anderen Seite nicht zu verkennen, daß grade die 
Industrie auch wieder dem Handwerk neue Entwick- 
lungs-und Existenzmöglichkeiten erschlossen hat. Schon 


deshalb müssen Industrie und Handwerk auf einer 
Gewerbeausstellung Zusammengehen. Selbst wenn Hand¬ 
werk und Industrie in einen Wettbewerb miteinander 
treten, brauchen sie einander nicht auszuschließen; 
beide haben immer ihr bestimmtes Feld, das seine 
Begrenzung findet in den natürlichen Verhältnissen. 
Die Domäne der Industrie ist die Erzeugung von Massen¬ 
ware, die des Handwerks die Herstellung von Qualitäts¬ 
ware. Bei der Erzeugung jener wird das Handwerk 
nie den Wettbewerb mit dem Großbetrieb aushalten 


können, und bei der Erzeugung dieser kommt die 
Industrie, wenngleich sie sich nicht ganz fern davon 
halten darf, nie recht auf ihre Kosten. Man könnte 
die Industrie mit dem Riesendampfer vergleichen, der 
sich nur auf dem offenen und weiten Ozean frei und 
ungehindert bewegen kann, das Handwerk mit dem 
Boote, das die seichten Küsten- und Binnengewässer 
aufsucht, wohin ihm jener nicht zu folgen vermag. 
Also muß das Handwerk die feineren Bedürfnisse aus 
Gründen seiner Selbsterhaltung aufsuchen; hierhin 
drängen es die ökonomischen Ver¬ 
hältnisse unserer Zeit. Freilich setzt 
das beimHandwerk die Befähigung 
zur Qualitätsarbeit voraus. Ob 
es sie besitzt, kann es am besten 
durch Ausstellungen kundtun. Darin 
liegt der große Wert einer Ausstel¬ 
lung, aber auch zugleich ihre Gefahr; 
wenn nämlich die Ausstellung das 
Gegenteil einer Befähigung zur Quali¬ 
tätsarbeit der Welt offenkundig zeigt. 

Noch aus einem andern Grunde 
ist die Vereinigung des Handwerks 
mit der Industrie zu einer Ausstellung 
wichtig. Das Handwerk ist nämlich 
in großem Umfange ein Abnehmer 
der Industrie. Bedeutende Zweige 
des Handwerks, Schlosser, Schreiner, 
Bäcker, Fleischer und andere be¬ 
ziehen ihre Werkzeuge und Ma¬ 
schinen von der Industrie; andere, 
so die Schneider, Schuhmacher, In¬ 
stallateure, Klempner usw. ihre Roh¬ 
stoffe ; wieder andere ihre Halb¬ 
fabrikate, die erst unter der Hand 
des Handwerkers ihren Veredelungs¬ 
prozeß zum fertigen Erzeugnisse 
durchmachen. Also auch hier un¬ 
zählige Fäden, die das Handwerk mit 
der Industrie verbinden. Beide haben 
ein großes Interesse daran, die Er¬ 
zeugnisse der Industrie ausgestellt 
7AI sehen; die Industrie hauptsäch¬ 
lich aus Wettbewerbsgründen, das 
Handwerk, um Gelegenheit zu haben, 
die besten Maschinen, Werkzeuge 
und Apparate kennen zu lernen und 
sie sich gegebenenfalls im Betriebe 
vorführen zu lassen, die Qualität 
der Rohstoffe miteinander zu ver¬ 
gleichen, das Beste kennen zu lernen. 
Hiervon hat das Handwerk ganz 
bedeutenden Vorteil. Von diesem Gedanken ausgehend, 
hat die Leitung der Krefelder Ausstellung auf ein Zu¬ 
sammengehen von Handwerk und Industrie 
gewirkt, das sicher reiche Früchte tragen wird. 

Die Kunst ist der Born, der sprudelnde Quell, aus 
dem der Handwerker immer neue Anregungen schöpft. 
Sie hebt und läutert seinen Geschmack, spornt ihn an 
zu einem höheren Schwünge des Empfindens, lehrt ihn, 
seine Arbeit mit künstlerischem Geiste zu durchdringen 
und die Dinge zu sehen mit dem Auge des Künstlers. 



Krefeld: Dionysiuskirche 

























Nr. 4 


DEUTSCHLAND 



Angewandte Kunst und Kunsthandwerk sind 
der unmittelbare Ausdruck des inneren Zusammen¬ 
hanges zwischen Handwerk und 
Kunst. Beide gehören zusammen. 

Und sicher ist's kein bloßer Zufall, 
daß das Handwerk seine höchste 
Blüte feierte, als es das innigste Ver¬ 
hältnis zur Kunst hatte, als Männer 
wie Albrecht Dürer sein Schaffen 
reich befruchteten. Heute ist diese 
Gemeinsamkeit nötiger denn je. 

Ueberall hört man die Losung: zu¬ 
rück zur Qualitätsarbeit. Diese aber 
erheischt nicht nur eine vollendete 
Technik, sondern vor allem auch 
eine Läuterung und Veredelung des 
Geschmackes. Die Wirkung der 
Unkultur und des Ungeschmacks 
der Bauweise in Stadt und Land ist 
endlich erkannt und wird nachdrück¬ 
lich bekämpft. Die innere Aus¬ 
stattung unserer Wohnräume soll 
Geist und Seele des Bewohners 
atmen. Die „Dutzendware", aus 
dem Magazin fertig bezogen, ohne 
Seele und Geist, ohne jede Spur einer liebevoll schaffen¬ 
den Hand,- nur „Ware", ohne persönliche Note, hat an¬ 
gefangen, verpönt zu sein. Welch ein weites blühendes 
Feld tut sich da dem Handwerker auf! Will er es 
bearbeiten, hier Wurzel fassen, so bedarf er des Künstlers, 
der ihm seinen Geistesschwung leiht. Und der Künstler 
wieder ist auf den tüchtigen Handwerksmeister ange¬ 


Thusnelda, Wandg-emälde von P. Janssen 
im Rathaus zu Krefeld 


wiesen, der seinen Geisteskindern Gestalt gibt und Form. 
— Der Weg, auf dem das Handwerk dieses Ziel er¬ 
reicht, geht durch die Schule, 
die ihm Gelegenheit bietet, seine 
geistigen und technischen Fähig¬ 
keiten, seinen Geschmack und seinen 
geschäftlichen Sinn zu schärfen und 
zu bilden. Das alles will die Aus¬ 
stellung zeigen. 

Von der Vielseitigkeit der Aus¬ 
stellung erhält man eine Vorstellung 
schon bei einem kurzen Streifzuge 
durch sie. Beginnen wir mit der 
Schul halle, so finden wir dort 
zunächst die vortreffliche Sonder¬ 
ausstellung der Handwerker- und 
Kunstgewerbe-Schule in Krefeld, 
eingerichtet von ihrem Direktor 
Professor Wolbrandt, ferner die 
Arbeiten der gewerblichen Fort¬ 
bildungsschule, der gewerblichen 
Tageszeichenschule (Dir. Rosellen) 
sowie der Städt. Knabenzeichen¬ 
schule. Umfassend ist sodann die 
Ausstellung der Königl. Preußischen 
höheren Fachschule für Textilindustrie (Spinn- und 
Webschule), verbunden mit Arbeiten der Weißnäherei, 
Konfektions- und Kunststickerei-Abteilung und einer Aus¬ 
stellung mechanischer Webstühle im Betriebe), Leitung 
Professor M. Lehmann). Sammel-Ausstellungen haben 
ferner in dieser Halle noch veranstaltet die katholischen 
Gesellenvereine Krefeld, Kleve und Kevelaer. Die 



Krefelder Ausstellung 1911: Die Haupt-Gewerbehalle 











































172 DEUTSCHLAND Nr. 4 


Photographen sind ebenfalls dabei mit Arbeiten von 
Berufsphotographen und solchen von Liebhabern. 

Die große Gewerbehalle ist das eigentliche 
Sammelbecken des gesamten Kleingewerbes, das mit 


guten Einzelarbeiten sowie durch Sammelausstellungen 
vertreten ist. Solche haben z. B. veranstaltet die Schuh¬ 
macher-, Schneider-, Friseur- und Klempner-Innungen, 
die Möbeltischlerei, das Schlosser- und Schmiedegewerbe, 
Wagenbauer, Sattler und Polsterer, Buchbinder, Ma¬ 
schinenfabrikanten, Dekorationsmaler usw. Es ist eine 
außerordentlich umfangreiche Ausstellung. 

In der Handels- und Industri ehal 1 e sind die 
Handelswaren in großem Umfange ausgestellt, Arbeiten 
verschiedener Stahlwerke, darunter des Stahlwerks Becker, 
des Krefelder Stahlwerks und mehrerer Maschinen¬ 
fabriken, die besonders für die Seidenindustrie tätig sind. 
In einer halboffenen Halle findet man Gasmotoren, 
Backöfen, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte. 
Im Freien hat die Firma Heinrich Lanz, Mannheim, 
eine vielseitige und große Ausstellung veranstaltet. Da¬ 
neben steht noch eine besondere Maschinenhalle 
mit Erzeugnissen der Maschinenfabrikation, besonders 
Motoren. Im übrigen sieht man noch eine Ausstellung 
von Schrebergärten, eine Friedhofsanlage und überhaupt 
mustergültige Gärtnereianlagen. Die stimmungsvoll an¬ 
gelegte Kunst ha He enthält Werke von Künstlern, die 
Beziehungen zum Niederrhein haben und sie durch ihre 
Kunst zum Ausdruck bringen. Wir nennen vor allem 
die klangvollen Namen Liesegang und Wansleben, 
denen das Verdienst an dem Zustandekommen der Aus¬ 
stellung zuzurechnen ist, und zahlreiche andere. Dazu 
kommen noch Arbeiten des Kunstgewerbes, besonders 
der kirchlichen Kunst, und eine sehr umfassende Aus¬ 
stellung graphischer Arbeiten. 

Wegen der Bedeutung, die die Bestrebungen zur 
Förderung der Bauweise haben, sei die in der großen 
Gewerbehalle aufgestellte Ausstellung noch erwähnt, die 
mit Unterstützung der Stadt Krefeld und der Handwerks¬ 
kammer Düsseldorf die unter der Leitung des Architekten 
Dr. ing. Hecker stehende Beratungsstelle des Rheini¬ 


schen Vereins für Kleinwohnungswesen ver¬ 
anstaltet hat. Die Ausstellung hat die Aufgabe, durch 
Vorführung von Beispielen und Gegenbeispielen von 
Modellen und Photographien aufklärend zu wirken und die 

Bestrebungen zur 
Hebung des Bau¬ 
wesens zu fördern. 
Sie besteht aus 
vierbesondereAb- 
teilungen: „Bau¬ 
gewerke", „Bau¬ 
weise", „Besiede¬ 
lungsweise" sowie 
„Wohnungs - Ein¬ 
richtung undWoh- 
nungsbenutzung". 

Die ganzen Aus¬ 
stellungs-Anlagen 
hat der Krefelder 
Architekt August 
Biebricher ent¬ 
worfen und ausge¬ 
führt. Die vielen 
Hallen und An¬ 
lagen, herb und 
ernst in deräußern 
Form und doch freundlich und behaglich, weisen einen 
einheitlichen Charakter auf, der der ganzen Veranstaltung 
ein vornehmes und doch großzügiges Gepräge gibt. 



Krefelder Ausstellung lOH : Eingangsportal 



Krefelder Ausstellung 1911: Abteilung der Rheinischen Ausstellung für Kleinwohnungswesen 

(Modell eines Zweifamilienhauses) 















Nr. 4 DEUTSCHLAND 173 


Die Entwicklung und Bedeutung der deutschen Kur- und Badeorte 

(Schluß). Von Geheimen Sanitätsrat Dr. Röchling in Misdroy a. d. Ostsee. 


Die führende Bedeutung, die den deutschen Heil¬ 
quellen und Bädern infolge ihrer Reichhaltigkeit und 
ihrer Benutzung durch die heilungsuchende Menschheit 
zukommt, ist am besten ersichtlich durch einen Ver¬ 
gleich mit dem westlichen Nachbarlande. Frankreich 
besitzt einen ähnlichen Reichtum an Mineralquellen 
wie Deutschland, 
es ist wie dieses 
ein altes Kultur¬ 
land, dessen Ein¬ 
wohner noch da¬ 
zu von alters- 
her den Wohl¬ 
stand besitzen, 
den Deutschland 
sich erst in den 
letzten Jahrzehn¬ 
ten in heißer 
Arbeit errungen 
hat. Wie steht 
es dort mit der 
Benutzung der 
Heilquellen? 

Im Januar ds. 

Js. ist inParis eine 
Kommission von 
Aerzten sowie 
Parlamentariern 
zusammengetre - 
ten, um die Inter¬ 
essen der fran¬ 
zösischen Bäder 
und Luftkurorte 
zu fördern. Dr. 

Bardet sprach 
dort folgendes 
aus: „Vergleicht 
man die Lage der 
französischen 
Kurorte mit der 
der deutschen, so 
ist man über die 
nachstehende 
Tatsachegerade¬ 
zu verblüfft: In 
Frankreich ist die 
Zahl der Kurorte, 
die von mehr 
als 20000 Kur¬ 
gästen aufge¬ 
sucht werden, außerordentlich beschränkt, Deutschland 
kann etwa 15 Kurorte aufweisen, welche diese Ziffer 
übersteigen. In Frankreich kann sich ein Kurort zweiter 
Größe glücklich schätzen, wenn er jährlich 2000 bis 
4000 Fremde kommen sieht; in Deutschland gibt es 
40 bis 50 Kurorte zweiten Ranges, die jährlich 2000 bis 
12000 Kurgäste aufnehmen. Solche Zahlen beweisen 
unsere Unterlegenheit zur Genüge." Wie die Aus¬ 
einandersetzungen auf jener Versammlung ergaben. 


suchen die Franzosen die Ursache der Ueberlegenheit 
der deutschen Bäder vor allem darin, daß, wie sie an¬ 
nehmen, jeder deutsche Arzt auf der Universität einen 
methodischen Unterricht in der Hydrotherapie und 
Klimalehre erhalte — das ist freilich nicht der Fall — 
und weiter in einer größeren geschäftlichen Tätigkeit 

der Badeverwal¬ 
tungen. Die wirk¬ 
lichen Ursachen 
des Hochstandes 
der deutschen 
Bäder sind an¬ 
dere und sie er¬ 
geben sich aus 
einem Rück¬ 
blick auf ihre 
Entwicklung in 
den letzten Jahr¬ 
zehnten. 

Von dem wirt¬ 
schaftlichen Auf¬ 
schwung, der 
nach dem Kriege 
von 1870/71 ein¬ 
setzte, hatten 
die Badeorte zu¬ 
nächst nur wenig 
Vorteil, mancher¬ 
lei Verhältnisse 
traten ihrem Auf¬ 
blühen längere 
Zeit hindernd in 
den Weg. In den 
damals meistbe- 
suchten Taunus- 
und Schwarz- 
Waldbädern ent¬ 
stand nach dem 
Kriege durch das 
dauernde Fern¬ 
bleiben der zahl¬ 
reichen und gern 
gesehenen Gäste 
aus dem west¬ 
lichen Nachbar¬ 
lande eine emp¬ 
findliche Lücke. 
Die Aufhebung 
der Spielbanken 
am l.Januarl873 
in einer Reihe der damals vornehmsten Badeorte 
brachte diesen einen nur mühsam überwundenen Rück¬ 
schlag; so sank in Homburg von 1872 auf 1873 
die Zahl der Kurgäste von 21000 auf 9300 und 
konnte sich bis Ende des Jahrhunderts nur auf etwas 
über 12 000 wieder erheben. Geradezu verhängnis¬ 
voll aber drohten den Badeorten die Anschauungen 
zu werden, die in der Heilkunde in den siebziger 
und achtziger Jahren vorherrschend wurden. In dem 



Lucca della Robbia, Anbetung des Jesuskindes, glasiertes Tonrelief des XV. Jahrh. 
(Krefelder Kunstgewerbe-Museum) 











174 DEUTSCHLAND Nr. 4 


berechtigten Streben nach voraussetzungsloser Erkennt¬ 
nis war die Wissenschaft damals geneigt, alle Heil¬ 
wirkungen der Quellen und Bäder, waren sie auch 
noch so sehr durch langjährige Erfahrung beglaubigt, 
zu leugnen, wenn sie 
sich nicht auf chemi¬ 
schem oder physikali¬ 
schem Wege beweisen 
ließen. Der Einseitig¬ 
keit und der Unzuläng¬ 
lichkeit der damaligen 
Forschungs-Methoden 
war man sich nicht be¬ 
wußt. Da nachweisbar 
die menschliche Haut 
für die Bestandteile 
des Mineral-Wassers 
einen undurchdring¬ 
lichen Panzer bildet, 
so waren die nam¬ 
haftesten Kliniker der 
Ueberzeugung, es sei 
völlig gleichgültig, ob 
man ein Mineralbad 
oder ein gewöhnliches Warmwasserbad nähme; mit den 
von altersher beliebten Wildbädern wußte man vollends 
nichts mehr anzufangen. Jetzt kam die Zeit, wo, zunächst 
durch Nicht-Aerzte gefördert, die physikalischen 
Heilmethoden Boden gewannen. Es gereicht der 
Einsicht der Badeärzte und der Umsicht der Kurverwal¬ 
tungen zu hohem Ruhme, daß sie diesen Methoden 
in den Badeorten oft unter Aufwendung großer Mittel 
eine Heimstätte boten, lange bevor sie die rückhalt¬ 


lose Anerkennung der ärztlichen Führer an den Uni¬ 
versitäten gewonnen hatten. So ging es mit der 
Massage, den Luft- und Sonnenbädern, der Hydro¬ 
therapie, den Dampfbädern, der klimatischen Behandlung; 

das ganze diätetische 
Verfahren, das heutzu¬ 
tage im Vordergründe 
aller ärztlichen Be¬ 
handlung steht, wurde 
zuerst von dem Kur¬ 
arzte in Görbersdort, 
Dr. Brehmer, geübt. 
Die weitreichende Be¬ 
deutung, welche diesen 
Heilmethoden zuer¬ 
kannt werden mußte, 
verursachte zunächst 
das rasche Aufblühen 
der Seebäder und der 
Luftkurorte,diente aber 
dadurch, daß sie die 
Heilmittel der Quellen¬ 
kurorte bereicherten 
und ergänzten, diesen 
selbst zur Förderung. — Doch auch für die Erkenntnis 
des Wertes der Mineralquellen begann allmählich eine 
neue Zeit. Stoffe wurden teils neu aufgefunden, teils 
anders bewertet. Die Kohlensäure fand plötzlich Beach¬ 
tung, Lithium, Arsen wurde gefunden, die Entdeckung 
des Radiums eröffnete zahlreichen Badeorten neue, weite 
Aussichten. Wichtiger aber noch für die Zukunft der 
gesamten Kurorte erwiesen sich die neuen Wege, welche 
die wissenschaftliche Forschung inzwischen betreten 



Krefeld: Höhere Mädchenschule 



Krefeld: Wandgemälde aus der Gewebesammlung der Preußischen höheren Fachschule für Textilindustrie 


















Nr. 4 DEUTSCHLAND 175 


hatte; die physikalische Chemie, die lonenlehre, die 
biologische Forschung, die der ganzen Heilkunde ver¬ 
läßliche Grundlagen gaben, fingen an, die Kluft, die 
zwischen den Erfahrungstatsachen und der wissenschaft¬ 
lichen Begründung bestand, auch in der Balneologie zu 
überbrücken. So ist es z. B. gelungen, die Wirkung 
der Solbäder in ansprechender Weise zu erklären. Durch 
Solbäder wird die Oberhaut des Körpers allmählich mit 
kleinsten Salzteilchen imprägniert, hierdurch werden die 
Temperaturschwankungen des Körpers gemildert und 
die Haut bleibt noch stundenlang nach dem Bade blut¬ 
reich. Diese stärkere Durchblutung der Körperober¬ 
fläche gibt nicht nur ein erhöhtes Gefühl von Wohl¬ 
befinden, sondern kann innere Organe entlasten und 
die Rückbildung von Stauungen, Ausschwitzungen und 
Schwellungen begünstigen. — Aber nicht nur neue 
Methoden, sondern auch neue Wissenschaften sind 
erstanden und für die Kurorte bedeutungsvoll geworden. 
Die Bakteriologie, die Hygiene, die Klimatologie, die 
Geologie und die moderne Technik bedingten neue, 
vordem ungeahnte Aufgaben und Ausgaben. Daß die 

Aerzte und die Verwal¬ 
tungen der Badeorte es 
verstanden haben, diese 
Aufgaben rechtzeitig zu 
erfassen und tatkräftig 
durchzuführen, daß sie den 
ganzen Zuschnitt des Bade¬ 
lebens nicht einseitig ge¬ 
schäftlich, sondern unter 
dem Gesichtspunkte auf¬ 
faßten: Was müssen wir 
tun, um einen möglichst 
vollständigen Kurerfolg zu 
gewährleisten und um die 
Kurgäste gegen Schädi¬ 
gungen jeder Art sicherzu¬ 
stellen? — Darauf beruht 
neben der geschilderten 
Krefeld: Synagoge Reichhaltigkeit der Heil- 

quellen der Hochstand der deutschen Bäder. 
Große Kurorte gingen voran und wirkten durch ihr Bei¬ 
spiel ; vor allem aber weckte derZusammenschluß von 
Badeärzten und Badeverwaltungen zu großen Vereini¬ 
gungen das gegenseitige Verständnis für die neuen Forde¬ 
rungen der Wissenschaft und des modernen Verkehrs, 
lange bevor man in den Badeorten der Nachbarländer den 
Wert derartiger Verbände erkannt hatte. Hat die schon 
1878 gegründete „Baineologische Gesellschaft'' zur Ver¬ 
tiefung der wissenschaftlichen Bestrebungen der Bade¬ 
ärzte ungemein viel beigetragen, so hat der seit 1882 be¬ 
stehende „Verein der Kurorte und Quellen-Interessenten" 
auf die technische Seite des Quellenbetriebes, z. B. in 
der Frage der Fassungen der Quellen, des einwandfreien 
Versandes der Heilwässer, einen maßgebenden Einfluß 
gewonnen und auch auf die Gesetzgebung, so bei den 
Verhandlungen über Quellenschutz, günstig eingewirkt, 
während wiederum der 1892 ins Leben getretene „Allg. 
Deutsche Bäderverband", dem viele Badeverwaltungen 
und Badeärzte angehören, für die Gestaltung des Kur¬ 
lebens große Erfolge erzielt hat. Daneben sind Aerzte und 
Verwaltungen in Gruppenverbänden organisiert, so in 



Schlesien, Thüringen, im Schwarzwald, in den Ost- und 
Nordseebädern, und sorgen für den wissenschaftlichen und 
wirtschaftlichen Ausbau der Bäder ihres Sondergebietes. 

Alle diese Organisationen haben zu der Blüte des 
deutschen Bäderwesens wesentlich beigetragen, sie 
gaben ferner den Anstoß, daß an den Universitäten 
endlich in neuester Zeit die Balneologie die ihr zu¬ 
kommende Beachtung zu finden beginnt, sie veranlaßten 



Krefeld: Großer Webesaal in der Webeschule 


endlich Einrichtungen, die eine Grundlage für die 
zukünftige Entwicklung der deutschen Bäder bilden. 
So ist durch die Initiative von Badeärzten und mit Unter¬ 
stützung der Bundesregierungen und zahlreicher Bade¬ 
verwaltungen, auch solcher in Oesterreich-Ungarn, im 
vorigen Jahre eine Zentralstelle für Balneologie, das 
erste derartige Institut, ins Leben getreten, welche die 
Bearbeitung bisher ungelöster allgemeiner Fragen aus 
all den in Betracht kommenden Wissenszweigen der 



Seidcng^ewebe: „Columbus", die Gestade An\erikas erblickend", 48XÖO cm, 
patroniert von H. Feldmann, pewebt von Julius List, 
im Verloge der Fa. Krefelder Seidenbilder-und Gobelinhaus, G. m. b. H. 


Balneologie, der Physiologie, der Geologie, der Klima¬ 
tologie usw. geeigneten Instituten zur Bearbeitung über¬ 
weist. — Eine besondere Pflege fanden die Forderungen 
der modernen Hygiene. Die dahin gehenden Be¬ 
strebungen gingen ebenfalls von Aerzten und Verwal¬ 
tungen der Kurorte aus und fanden die wohlwollende 
Unterstützung der Bundesregierungen. Der „Deutsche 


























176 m 


DEUTSCHLAND Nr. 4 


Ausschuß für die gesundheitlichen Einrichtungen in 
den Kur- und Badeorten'' trat ins Leben, gebildet aus 
ständigen Vertretern der Regierungen und der Bäder¬ 
verbände. Es ist dafür gesorgt, daß auch in den 
kleinsten Bade- und Luftkurorten be¬ 
stimmte sanitäre Mindestforderungen 
erfüllt werden müssen, über deren 
Durchführung die Regierung wacht. 

Die Forderungen beziehen sich auf 
Wohnungsfragen, auf die Sicherstellung 
ärztlicher Hilfe und geschulter Kranken¬ 
pflege, auf Isolierräume und Desinfek¬ 
tionsvorkehrungen, auf die Wasser¬ 
versorgung sowie die Beseitigung der 
Abfallstoffe u. a., und sind sinngemäß 
je nach den Verhältnissen des Bade¬ 
ortes abgestuft. Ferner haben die 
Sicherheitsvorkehrungen in den See¬ 
bädern eine einheitliche Regelung ge¬ 
funden, der Hygiene des Gastwirt¬ 
gewerbes, der Milchversorgung, der 
Ortsruhe wird Beachtung geschenkt. 

Ein derartiges umfassendes Vorgehen 
ist bisher in keinem anderen Lande 
vorgekommen. 

Hoch steht der Stand der Bade¬ 
ärzte; in den Spezialkurorten gilt 
manch einer als anerkannte Autorität 
für das dort zur Behandlung kommende Spezialfach; 
durchweg findet man aber neben der medizinischen 
Fachbildung reiche Kenntnisse in den erwähnten ein¬ 
schlägigen Wissenszweigen. Und mit ihnen wetteifern 
die Badeverwaltungen und arbeiten unermüdlich, 
um allem, was eine Kur erfordert, Rechnung zu tragen. 
Weil sie es verstanden, alles dem Gesichtspunkt der 
Kur unterzuordnen, deshalb sind die Badeorte wirklich 
als „Oasen der Gesundheit" anzusehen. Viele Tausende 
gaben sie in den letzten 10 Jahren für einwandfreie 
Fassung ihrer Quellen, für neue Analysen, für die Ein¬ 
führung der physikalischen Heilmethoden; eigene Kurort¬ 
laboratorien wurden in manchen Spezialkurorten ein¬ 
gerichtet, und wo es erforderlich war, wurde auf kur¬ 
gemäße Küche hingewirkt. Für peinliche Reinlichkeit, 
für Straßenbesprengung usw. ist fast allerwärts gesorgt, 
und selbst unbedeutende und entlegene Badeorte wissen 
mit bescheidenen Mitteln dem Aeußeren des Ortes ein 
anmutiges Bild zu schaffen. 

Bei alledem glaube man aber nicht, daß die Her¬ 
vorkehrung des Interesses an der Kur den Aufenthalt 
im Badeorte für den Kurgast oder seine gesunden 
Angehörigen einförmig gestalte. Man ist sich allerwärts 
bewußt, daß der Erholungsbedürftige Unterhaltung und 
Anregung bedarf, und daß begleitende Gesunde den 
Ort nicht langweilig finden dürfen. Für Unterhaltung 
aller Art ist auch in vielen kleinen Kurorten trefflich 
Sorge getragen. Nur das Hasardspiel wird nirgends ge¬ 
duldet, weil es sich mit dem Charakter eines Kurortes 
nicht verträgt, und sicher wären die Kurorte in Frankreich 
weiter vorangekommen, wenn sie statt der fragwürdigen 
Spiele des petits chevaux und der kleinen Roulette, 
aus deren Einnahmen sie die Kurausgaben großen¬ 
teils bestreiten, nach deutschem Muster eine mäßige 


Kurtaxe eingeführt hätten. — In den Veranstaltungen 
entsprechen nicht nur die großen, sondern auch viele 
mittlere Kurorte den weitestgehenden Erwartungen. Auch 
hier überraschen oft die prächtigen Kurhäuser mit ihren 


vornehmen Gesellschaftsräumen, Lese- und Musik¬ 
zimmern, Festsälen für Konzert und Tanz und mit den 
oft hervorragenden Darbietungen der Kurmusik; und in 
der Schaffung ausgedehnter Kurparke und gefälligen 
Anlagen, in den wohlunterhaltenen Promenadewegen, 
welche die meist schöne landschaftliche Umgebung der 
Kurorte weithin erschließen, verrät sich die Liebe des 
Deutschen zur Natur. 

Der geschäftliche Verkehr bewegt sich in 
soliden Bahnen. Einer guten Aufnahme ist der Kur¬ 
gast, auch der sprachungewandte Ausländer, sicher. Es 
gilt ja, überall zu prüfen, damit man seinen speziellen 
Bedürfnissen entsprechend sich wohl aufgehoben fühlt, 
aber Uebervorteilungen sind selten. Der verwöhnte 
Kurgast wird es angenehm empfinden, daß er auch in 
den mittleren Badeorten seinen Gewohnheiten gemäß 
leben kann, und umgekehrt braucht der in bescheidenen 
Verhältnissen Lebende den Besuch der berühmtesten 
Weltkurorte nicht zu scheuen. Das soziale Empfinden 
ist in Deutschland hinreichend entwickelt, um nicht die 
Zugänglichkeit der Kurmittel von einem großen Ver¬ 
mögen abhängig zu machen, lieber die Verhältnisse 
des einzelnen Badeortes geben die von der betreffenden 
Kurverwaltung herausgegebenen Prospekte erschöpfende 
und in der Regel zutreffende Auskunft. 

Die geschilderte Entwicklung des deutschen Bäder¬ 
wesens mußte allmählich auch auf das Ausland eine 
zunehmende Zugkraft ausüben. Nach einer Zusammen¬ 
stellung von Dr. Rompel in Mainz (in den Veröffent¬ 
lichungen der Zentralstelle für Balneologie), die sich 
freilich nur auf die preußischen und vormals nassauischen 
Kurorte bezieht, wurden in ihnen 1865 etwa 6400 aus¬ 
ländische Kurgäste gezählt. Ihre Zahl sank bis 1880 
auf 5000 und betrug 5 Jahre später auch erst 7600, 



Niederrheinische Landschaft, ausg-estellt in der Kunstausstellung zu Krefeld 
Prof. H. Lieseganjj, Düsseldorf 





m DEUTSCHLAND 177 


Nr. 4 

1890 dagegen waren es bereits 24700, 1900 34600, 
und im Jahre 1910 dürfte die Zahl 45000 erreicht 
worden sein. In dem überraschenden anhaltenden 
Rückgang bis 1880 zeigt sich die Wirkung der anfangs 
erwähnten Aufhebung der Spielbanken. Das heutige 
Geschlecht macht sich kaum mehr eine Vorstellung 
von dem glänzenden Leben, das damals in den be¬ 
treffenden Badeorten unterbunden wurde. Anderseits 
gibt der seit 1885 eingetretene Umschwung Zeugnis 
von dem wachsenden Vertrauen des Auslandes zu 
dem Heilwert der deutschen Bäder und zu den herr¬ 
schenden gesunden Verhältnissen, nachdem man den 
Rücksichten auf eine möglichst vollkommene Gestaltung 
der Kur alles andere untergeordnet hatte. — Unter den 
Ausländern überwogen von alters her die Russen, sie 
verteilen sich nahezu über sämtliche größere Kur- und 
Seebadeorte. Ihnen kommen am nächsten in rascher 
Zunahme die Kurgäste aus Oesterreich-Ungarn, die 
sich mit Vorliebe den deutschen Seebädern zu wenden. Die 
Engländer bevorzugen die westlichen Kurorte, ähnlich 
die Amerikaner, bis jetzt freilich sich auf ganz wenige 
Kurorte von Weltruf beschränkend; einer unter ihnen 


konnte im vorigen Jahre die ansehnliche Zahl von. 
1450 Angehörigen der Vereinigten Staaten aufweisen 
Umgekehrt ist der Prozentsatz Deutscher, welche 
Kurorte im Ausland aufsuchen, auch heute noch 
unverhältnismäßig hoch. Einzelne tun dies gewiß aus 
zwingenden Gründen; auch wird man es niemandem 
verdenken, wenn er, mit den Verhältnissen im eigenen 
Lande vertraut, sich auch einmal auswärts umsehen will; 
ebenso ist mit dem löblichen Wandertriebe des Deutschen 
zu rechnen, der vor Einseitigkeit bewahrt. Aber viele 
Tausende gibt es, die ausländische Badeorte vor¬ 
ziehen aus falscher Vornehmtuerei oder befangen in 
jener früheren Zeiten entstammenden urteilslosen Be¬ 
wunderung des Fremden unter Nichtachtung und Nicht¬ 
kenntnis des Schönen und Guten im eigenen Lande. 
Daß eine derartige Bevorzugung fremder Kurorte jeder 
tatsächlichen Berechtigung entbehrt, werden unsere 
Ausführungen über den Reichtum Deutschlands an 
heilkräftigen Bädern und über den in keinem anderen 
Lande in ähnlicher Weise erreichten Hochstand des 
gesamten deutschen Kur- und Bäderwesens in hoffent¬ 
lich überzeugender Weise dargetan haben. 


Hygiene auf Reisen. ==—=—= 

Von Dr. med. Erwin Jaeger, Leipzig. 

Vortrag, gehalten am 21. Mai 1911 auf der Jahres-Versammlung des Sachs. Verkehrs-Verbandes in Dresden. 


Motto: Wem Gott will rechte Gunst erweisen. 
Den schickt er in die weite Welt, 

Dem will er seine Wunder weisen 
In Berg und Strom, in Wald und Feld. 

V. Eichendorff. 


Seit uralten Zeiten reist man. In grauer Vorzeit 
schon haben Menschen ihre Wohnsitze verlassen, um 


sich andere, bessere aufzusuchen. Der Fortschritt, den 
die sich entwickelnden Völker genommen haben, gründet 
sich im wesentlichen auf die Kenntnis fremder Völker 
und Länder, die durch Reisen erworben wurde. Dagegen 


sind die Völker, die ihre Wohnsitze nie oder nicht mehr 
verlassen, stehen geblieben. Ganz besonders viel sind 
unsere Vorfahren gewandert, daher auch der uns noch 
heute innewohnende Wandertrieb. 

Es ist hier nicht der Ort, die mannigfachen Gründe, 
die das Reisen in der Vergangenheit veranlaßt haben, 
bis zu dem von Claudius in dem bekannten Worte: 

Wenn jemand eine Reise tut. 

So kann er was verzählen 
angegebenen, der schon in alter 
Zeit, z. B. bei Herodot, maßgebend 
war, zu untersuchen, sondern wir 
wollen uns zunächst vergegenwär¬ 
tigen, wie die heutige Art des 
Reisens sich aus anderen Formen 
entwickelt hat, ehe wir daran gehen, 
die Forderungen der Hygiene an 
das Reisen zu besprechen. 

,,0 Wandern, Wandern meine 
Lust!"' ruft uns der Dichter zu. 
Sicherlich haben die ersten Men¬ 
schen, die zum Wanderstab griffen, 
solche Gefühle nicht gekannt. Sie 
folgten einer harten Notwendigkeit. 
Aber das hat nicht hindern können, 
daß das Wandern, die älteste Art 
der Fortbewegung, sich bis in die 
Jetztzeit erhalten und mit zu¬ 
nehmendem Genuß an dieser 
Tätigkeit getrieben worden ist: 
Mit eilenden Wolken der Vogel dort zieht 
Und singt in der Ferne ein heimatlich Lied. 

So treibt es den Burschen durch Wälder und Feld, 

Zu gleichen der Mutter, der wandernden Welt. 



Niederungs-Landschaft von A. Wansleben (Original in der Stadt. Galerie zu Krefeld) 








178 10308808988898^8^009088^^® DEUTSCHLAND M 


Nr. 4 


Und wer hätte nicht schon mit Begeisterung gesungen: 
Der Mai ist gekommen. 

Die Bäume schlagen aus. 

Da bleibe, wer Lust hat. 

Mit Sorgen zu Hausl 

und wer hätte nicht wenigstens einmal zur Maienzeit 
den Wanderstab ergriffen, um das Erwachen der Natur 
mit eigenen Augen zu schauen und die Seele sich an 
einem Bilde ohnegleichen erquicken zu lassen I 

Der wandernde Handwerksbursche gehört, wenigstens 
in der früheren Ausdehnung, der Vergangenheit an. 
Dafür aber ziehen heute jährlich ungezählte Scharen 
zur Sommers- und neuerdings auch zur Winterszeit 
hinaus. Alt und jung, Männlein und Weiblein, lassen 
sich von Scheffel warnen: 

Wohlauf, die Luft geht frisch und rein. 

Wer lange sitzt, muß rosten. 

Gebirgs- und Wandervereine, Vereine für Ferien¬ 
wanderungen und Schülerwanderungen wetteifern mit¬ 
einander, den Wandertrieb zu pflegen und möglichst 
noch zu wecken. Die 
„Wandervögel'" machen 
den erfolgreichen Ver¬ 
such, das Wandern in der 
ältesten Form, nämlich 
in der der Unabhängig¬ 
keit von menschlichen 
Siedelungen undmensch- 
licher Hilfe, zu betreiben 
und ihre Jünger daran 
zu gewöhnen, für ihre 
Bedürfnisse nach Essen 
und Trinken sowie Schlaf¬ 
stätten selbst zu sorgen. 

Die großartige Einrich¬ 
tung der Schüler-Her¬ 
bergen, die im Jahre 
1910 mehr als 54 000 mal 
in Anspruch genommen 
wurden, erleichtert auch 
Unbemittelten das Wandern. Nur auf wenige noch 
unter uns kann v. Eichendorffs Wort: 

Die Trägen, die zu Hause liegen. 

Erquicket nicht das Morgenrot 
Anwendung finden. 

Jünger als das Wandern ist das Reiten, das sich 
auch bis in unsere Tage erhalten hat. Auch die Be¬ 
nutzung von Schiffen, die das Altertum bereits kannte, 
muß zu den aktiven Fortbewegungsarten gerechnet 
werden, die schon Jahrtausende gekannt sind und sich 
bis in unsere Tage forterhalten haben. 

Dagegen hat von den passiven Fortbewegungs¬ 
mitteln das Sänftetragen seine frühere Bedeutung ganz 
eingebüßt, das Fahren auf dem von Tieren gezogenen 
Wagen im Verhältnis zum gesamten Verkehr nicht 
mehr die Bedeutung von früher. In einzelnen Gegenden 
hat sich auch noch die mehr im Bilde und in der Er¬ 
zählung als im Gebrauch idyllisch erscheinende Post¬ 
kutsche erhalten. 

Die Zeit, welche man früher auf das Reisen ver¬ 
wendete, ließ sich weder genau noch kurz bemessen. 
„Wer weiß, wann wir uns Wiedersehen" war mit Rück¬ 


sicht auf die außerdem noch vorhandenen Gefahren 
ein bei jeder Abreise berechtigter Gedanke. — Doch 
erklärt sich nicht nur hieraus, daß unsere Vorfahren 
weniger reisten als wir, sondern auch daraus, daß man 
damals nur selten andere Beweggründe zum Reisen 
kannte, als die Erledigung geschäftlicher Angelegen¬ 
heiten. Der Handelsmann, der Krieger, der Kranke, in 
seltenen Fällen auch der Forscher, der fremde Völker 
kennen lernen wollte, waren neben denen, die ihre 
Wohnsitze zu wechseln wünschten, um neue, nach 
ihrer Meinung bessere Lebensverhältnisse zu finden, die 
einzigen, die hinauszogen. Die Natur wurde nur auf¬ 
gesucht, wenn es sich um neue Erwerbsquellen handelte, 
sonst besuchte man nur bewohnte Stätten, weil die 
Beziehungen von Mensch zu Mensch die Reisen ver- 
anlaßten. Wie wenig Reiz die Natur selbst auf die 
Reiselust des Menschen ausüben konnte, mag man 
daraus ersehen, daß die ersten Bergbesteigungen in 
den Alpen erst am Ende des 18. Jahrhunderts von 
Genf aus unternommen wurden, einer Stadt also, die 

schon jahrhundertelang 
das herrliche Bild der 
Alpenkette vor sich ge¬ 
habt hatte, ohne daß 
jemand eine Besteigung 
unternommen hatte. Erst 
die intensivere Beschäfti¬ 
gung mit Naturwissen¬ 
schaften und deren da¬ 
mit zusammenhängende 
gewaltige Entwickelung 
brachten den Wandel. 
Dem Wunsche, die Natur 
kennen zu lernen, näherte 
sich im 19. Jahrhunderte 
durch die Erfindung der 
Dampf-Maschine auch 
die Möglichkeit, schneller 
und billiger zu reisen. 
Der Dampfwagen und das 
Dampfschiff, in neuerer Zeit auch die mit elektrischer Kraft 
getriebenen Transportmittel, haben die Möglichkeit des 
Reisens derart erleichtert, daß der gesteigerte Verkehr 
gern als das Kennzeichen unserer Zeit betrachtet wird. 

Mit der Entdeckung der Dampfkraft begann auch 
eine Aenderung der Produktion des Gewerbes. Die 
fabrikmäßige Herstellung von Waren, die nicht mehr 
nur noch auf Bestellung arbeitet, sondern unter Um¬ 
ständen auch auf Vorrat, veranlaßt den Unternehmer, 
sein Absatzgebiet zu erweitern. Auch auf weite Ent¬ 
fernungen hin macht er sein Angebot: Die Unternehmer 
oder ihre Vertreter müssen zu diesem Zwecke reisen. 
Zeit ist Geld, das ist der Wahlspruch dieser arbeitsamen 
Menschen. Sie haben das größte Interesse an der 
Verbesserung der Verkehrsmittel und,, wie der Erfolg 
des Deutsch-französischen Krieges von 1870/71 gezeigt 
hat, die Heeresverwaltungen. Diese Bemühungen sind 
von Erfolg begleitet und haben einen nie geahnten 
Reiseverkehr ermöglicht. 

Der Bürgerstand wird im wesentlichen der Träger 
dieser neuen Gestaltung. Seine Bedeutung für das 
soziale Leben der modernen Völker nimmt ebenso zu wie 









Nr. 4 DEUTSCHLAND 179 


sein Besitz, seine Fähigkeit über sogenannte flüssige 
Mittel zu verfügen. Während auf der einen Seite durch 
das Beispiel, das er gibt, sich die Intensität der Arbeit 
im allgemeinen erhöht, erweitert sich auf der andern 
Seite ihr Wirkungskreis infolge der Zuverlässigkeit und 
Genauigkeit, mit der sich der Verkehr in der gleichen 
Zeit abspielen lernt, ganz außerordentlich. Die ver¬ 
mehrte Inanspruchnahme der Kräfte des einzelnen 
Menschen für die genannten Aufgaben vermehrt die 
Zahl der Kranken und Erholungsbedürftigen. Die jähr¬ 
lich wiederkehrende Unterbrechung der Arbeit durch 
den Urlaub bürgert sich ein und ergreift heute nahe¬ 
zu alle Stände und Berufsarten. Man verbringt den 
Urlaub fern der Heimat, und wir erhalten damit ein 
neues Moment für die Reisebetätigung, das noch da¬ 
durch verstärkt wird, daß die Zahl der bemittelten 
Menschen, die zu ihrem Vergnügen reisen, sich von 
Tag zu Tag mehrt. Damit steigen auch die Ansprüche 
an die Verkehrsmittel und an die Orte, die die Zu¬ 
gereisten aufnehmen sollen, abermals. Wir können 
als neueste Erscheinung an vielen Plätzen von einer 
Fremden-Industrie reden. 

Nachdem sich fernerhin die Erkenntnis verbreitet 
hat, daß es falsch ist, die Lebensverhältnisse, unter 
denen der Mensch sich befindet, als unabänderlich 
gegebene zu betrachten, sondern daß sie zum Vorteil 
für die Menschen geändert werden können, nachdem 
sich die Hygiene im allgemeinen Anerkennung 
verschafft hat, beginnt auch das Streben, das Reisen 
hygienisch zu gestalten. Dabei hat sich heraus¬ 
gestellt, daß es falsch ist, Hygiene erst auf der 
Reise zu betreiben, sondern ihre Weisungen müssen 
möglichst schon vor Beginn der Reise beachtet werden. 


Da nämlich jede Reise eine Reihe von Faktoren, 
die auf den Menschen einwirken, wie Luftdruck, Be¬ 
lichtung, Temperatur, Ernährung, geistige und körper¬ 
liche Arbeit, mehr oder weniger ändert, und da fernerhin 
der Mensch dieser Aenderung durch Anpassung gerecht 
werden muß, d. h. also eine Summe von ungewohnter 
Arbeit im Organismus leisten muß, die zunächst keine 
sichtbare Wirkung, keinen ohne weiteres wahrnehmbaren 
Arbeitseffekt hervorruft, so lautet eine der wichtigsten 
hygienischen Forderungen für die Reise, schon das 
häusliche, das heimatliche Leben so einzurichten, daß 
die durch die Reise bedingten Aenderungen der Lebens¬ 
haltung sowohl der Zahl als auch dem Grade nach 
möglichst gering sind. 

Man beschränke schon zu Hause den Aufenthalt 
in geschlossenen Räumen auf das allernotwendigste, 
gewöhne den Körper auch an regelmäßige körperliche 
Arbeit neben der geistigen. Spaziergänge, sportliche 
Hebungen und vor allem auch Licht- und Luftbäder 
sind zu empfehlen. „Immerwährend üben resp. arbeiten, 
aber niemals forcieren", sagt Forel. Da es sich auf der 
Reise sehr bewährt, die Hauptmahlzeit gegen Abend 
einzunehmen, so richte man auch sein häusliches Leben 
bereits so ein. Früh aufstehen, früh zu Bett gehen I 
"Early to bed and early to rise, makes a man healthy, 
wealthy and wise". Leicht bekömmliche Kost unter Ver¬ 
meidung allzu reicher Fleischkost genießen! Wer die 
Reise nur nach harter, ganz besonders anstrengender 
Tätigkeit in der Tretmühle des Berufs antreten kann, 
weil es gilt, mit der Arbeit aufzuräumen und möglichst 
vorzuarbeiten, der gönne sich erst noch einige Tage 
Ruhe am häuslichen Herd, ehe er reist. Gewiß ist es 
schön und sehr praktisch, sich für die Reise bereits zu 



Krefeld: Partie aus dem Park des Kaiser-Friedrich-Hains 






180 DEUTSCHLAND 


Hause einen guten Plan auszuarbeiten, aber es ist nicht 
richtig, in diesem Plan, dem Wunsch folgend, recht viel 
Schönes und Neues zu sehen, allzu viel Unternehmungen 
vorzusehen. Die Verfolgung solcher Pläne kann das 
Vergnügen des Reisens zur Plage machen. 

Viel Sorgfalt soll man der Kleidung vridmen. Alle 
beengenden Kleidungsstücke: Korsett, steife Kragen, 
Strumpfbänder, enge Stiefel usw. müssen vermieden 
werden. Es empfiehlt sich, auch die Unterwäsche, die 
man auf der Reise tragen will, bereits zu Hause zu be¬ 
nutzen, falls man gewohnt ist, daheim andere Wäsche 
zu gebrauchen. 

Von ausschlaggebender Bedeutung für den Nutzen 
einer Reise ist die Gemütsstimmung, in der man sie 
unternimmt. Lebenswichtige Vorgänge im Körper, wie 
Herz- und Atmungstätigkeit, sowie auch die Verdauung 
werden durch erhebende Gemütsstimmungen günstig be¬ 
einflußt. Nun hat ja das Reisen schon im allgemeinen einen 
günstigen Einfluß auf die Besserung der Gemütsver¬ 
fassung des Menschen, diese Wirkung kann aber noch 
ganz wesentlich dadurch erhöht werden, daß man dafür 
sorgt, das Heim in guter Stimmung zu verlassen. Nicht 
nur das Abhetzen, um die Reise zu ermöglichen, ist 
daher zu verwerfen, sondern auch alle Störungen, die 
den Reisenden hindern, mit Beruhigung rückwärts und 
mit Zuversicht vorwärts zu schauen, sind nach Mög¬ 
lichkeit zu vermeiden. Man verlasse das Haus nicht 
eher, als bis dort alles, so gut es eben geht, geordnet ist. 

In die grüne Welt hinein 
Zieh ich mit dem Morgenschein, 

Abendlust und Abendleid 
Hinter mir so weit, so weit I 
Guten Morgen, guten Morgen! 

In die Winde alle Sorgen, 

Alle Tränen von den Wangen, 

Aus dem Herzen alles Bangen, 

Alles froh und alles frei. 

Ob's der erste Welttag seil 

Ob wohl jeder Reisende diese von Wilh. Müller in 
den eben angeführten Strophen beschriebene Stimmung 
sein eigen nennt oder — es muß auch das erwähnt 
werden — sein eigen nennen kann? 

Jedenfalls sei allen, die mit Genuß reisen wollen, 
gesagt, daß der Pflege des Gemütes sowohl vor als 
auch auf der Reise besondere Aufmerksamkeit zu 
widmen sei. Die Ablenkung, die geplagte Menschen¬ 
kinder auf der Reise durch das Einwirken einer Summe 
neuer Eindrücke erfahren, ist ja an sich schon für 
den Organismus wertvoll, da auf diesem Wege Gehirn¬ 
partien, die daheim stark oder auch allzu stark in An¬ 
spruch genommen werden, wenigstens teilweise eine 
wohltuende Ruhe infolge der für sie verminderten Arbeit 
genießen; wenn sich ihr aber noch erhebende Gemüts¬ 
stimmungen gesellen, so wird die Leistungsfähigkeit 
des Organismus noch mehr erhöht. Der Humor auf 
Reisen ist eine für seinen Besitzer wie für seine Um¬ 
gebung wertvolle Eigenschaft. 

Neben den Kunstprodukten des Menschen, die 
sicherlich der Betrachtung wert sind, sei daher der 
Natur recht viel Zeit gewidmet. ,,Die Natur ist das 
einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt 
bietet'". Wer sich die nötige Zeit läßt, der wird 


Nr. 4 

Lenaus Stimmungen nachempfinden können, die er in 
den folgenden Strophen niedergelegt hat: 

Die Felsen, schroff und wild. 

Der See, die Waldumnachtung, 

Sind dir ein stilles Bild 
Tiefsinniger Betrachtung! 

oder: Du allein nur konntest lehren 

Uns den schönen Wahn 
Seliger Musik der Sphären, 

Stiller Ozean! 

oder: Bald hing mein Auge freudetrunken 

Stier an den Felsen, schroff und wild; 

Bald war die Seele still versunken 
Dort in der Ferne Rätselbild. 

Gehen wir von diesen allgemeinen Gesichtspunkten 
zur Betrachtung einzelner hygienischer Forde¬ 
rungen für die Art des Reisens über, so müssen diese 
natürlich je nach dem Fortbewegungsmittel, das man 
benutzt, verschieden sein. 

Wer Wanderungen, Radtouren, Schitouren oder 
Ritte unternimmt, der mache sich eine genaue Tages¬ 
einteilung zum Gesetz. Früh aufstehen und früh zu 
Bett gehen, sei der Rahmen, in dem sich jeder Tag 
abzuspielen hat! Die körperliche Anstrengung, die man 
sich zumutet, sei in den ersten und letzten Tagen der 
Reise geringer als in der dazwischenliegenden Zeit. 
Das erste Frühstück darf reichlicher sein, als man zu 
Hause gewöhnt war: Warme Milch, Kakao, Ei, Fleisch, 
je nach den Gewohnheiten des Reisenden. Danach ist 
aber auch eine Pause von einer halben Stunde ange¬ 
bracht. Die Hauptmahlzeit nimmt man am besten 
abends nach Beendigung des Tagewerks ein, doch 
stets am Frühabend bezw. Spätnachmittag, damit die 
Nachtruhe nicht durch die Verdauungstätigkeit gestört 
wird. Die Zwischenmahlzeiten, die man daheim gewöhnt 
war, halte man auch auf Touren inne, man beschränke 
sie nur nach ihrem Umfang und bevorzuge Früchte. 
Um die gewohnten Zeiten einhalten zu können, führe 
man daher die Nahrung im Rucksack bei sich. Süßig¬ 
keiten werden am besten in Lösungen genossen. Alko¬ 
holische Getränke sind, während des Tages wenigstens, 
ganz zu vermeiden. Bestehen irgendwelche Bedenken 
gegen das in der betreffenden Gegend vorhandene 
Wasser (Niederungen, Brunnenwasser usw.), dann darf 
man das Wasser nur gekocht als Kaffee, Tee, Zucker¬ 
wasser usw. genießen. 

Radtouren und Ritte weisen den Reisenden meist 
auf Straßen und veranlassen ihn daher, jeden Tag be¬ 
bestimmte Strecken zurückzulegen. Es ist aber ganz 
falsch, in der gleichen Weise auch auf Wanderungen, 
im Sommer zu Fuß, im Winter auf Schiern, vorzugehen. 
Befindet man sich nicht in einer offenen, baumarmen 
Landschaft, dann kann es gar keinen größeren Genuß 
geben, als die stetig weiterführende Wanderung hin 
und wieder durch Tage zu unterbrechen, an denen man 
sich in den Wald versenkt und zunächst ziellos, nur 
die Rückkehr am Abend zu bewohnbaren Unterkunfts¬ 
räumlichkeiten im Auge habend, umherbummelt. Die 
Gebirgs- und Wandervereine haben auch in dieser Be¬ 
ziehung schon recht dankenswerte Anregungen gegeben. 
In besonders glücklicher Weise aber wirken auf diesem 
Gebiet die schon genannten „Wandervögel". Sie führen 


Nr.4 


DEUTSCHLAND 


übrigens Kochgeschirr und Bettzeug mit sich und sind 
so am besten imstande, ganz der Natur zu leben. 

Das tritt auch bei einem ganz modernen Sport, der 
sich dem Wandern in neuerer Zeit gesellt hat, dem 
Berg- und Klettersport, in die Erscheinung. 

„Auf die Berge will ich steigen. 

Wo die frommen Hütten stehen. 

Wo die Brust sich frei erschließet 
Und die freien Lüfte wehen. 

Auf die Berge will ich steigen. 

Wo die dunklen Tannen ragen, 

Bäche rauschen, Vögel singen. 

Und die stolzen Wolken jagen. 

Lebet wohl, ihr glatten Säle, 

Glatte Herren, glatte Frauen I 
Auf die Berge will ich steigen. 

Lachend auf euch niederschauen." 

hat schon — Heine gesungen. 

Das Klettern in den Bergen darf wohl als die Art 
Leibesübung in der Natur bezeichnet werden, die sich 
am meisten von dem ursprünglichen Zweck der Reise 
entfernt. Hier ist nicht das Ziel die Hauptsache, 
sondern der Weg. Aber gerade darin liegt, wenigstens 
für den, der sich 
die damit ver¬ 
bundenen Mühen 
und Lasten zu¬ 
muten darf, der 
besondere Wert 
dieses Sports. Er 
stellt zudem nicht 
nur eine vor¬ 
zügliche Uebung 
derMuskeln, son¬ 
dern auch der 
Nerven dar. Die 
gleichen Vorzüge 
sind auch Schi- 
Wanderungen 
nachzusagen, die 
außerdem noch 
in besonderem 
Maße durch Kälte 
und Wind kräf¬ 
tige Körper er¬ 
frischen. 

Soll man sich 
gegen Wind und 
Sonne schützen? 
so wird wohl man¬ 
cher fragen, der 
solche Wanderungen zum ersten Male unternimmt. Zug 
ist stets zu vermeiden, Wind dagegen ein außerordent¬ 
lich günstig auf den Körper einwirkendes Moment. 
Er führt eine Massage der Haut herbei, die alle 
Stubenhocker leider allzu sehr entbehren müssen, so 
daß ihre Haut zumeist schlaff und welk ist. Die 

günstige Wirkung des Aufenthaltes an der See ist 
zum nicht geringen Teil auf die dort fast regelmäßig 
herrschenden Winde zurückzuführen. Der Wind muß 
im Gegenteil von uns als Freund betrachtet werden. 


wie es Lenau in einem seiner von Liebe zur Natur 
zeugenden Gedichte getan hat: 

O Wind, nach deinem Rauschen 
Sehnt' ich mich auf der See, 

Wie einst mein Jägerlauschen 
Im Wald nach Hirsch und Reh. 

Gegen Wind, der den Körper in unangenehmer Weise 
abkühlt, muß man sich durch entsprechende Kleidung 
schützen. Ist Mangel an ihr vorhanden, dann bedecke man 
den Körper unter dem Rock oder der Jacke mit Papier, 
das den Wind in vorzüglicher Weise vom Körper abhält. 

Sonne muß normalerweise jeder vertragen. Wer 
das nicht kann, der bedarf der ärztlichen Behandlung. 
Sonnenschirme sollten daher für Gesunde auf der 
Reise entbehrlich sein. 

„Wo wir uns der Sonne freuen. 

Sind wir jede Sorge los, 

Daß wir uns in ihr zerstreuen. 

Darum ist die Welt so großl"' 

sagt Goethe und findet damit leider nicht den Beifall 
aller Menschen. Gegen Sonnenbrand auf Gletscher¬ 
touren und Winterwanderungen schützt man sich durch 
Einfetten der Haut. Waschungen schränkt man ein oder 
nimmt sie, wie überhaupt auf Wanderungen, am besten 


abends nach dem Eintreffen im Unterkunftsraume vor. 
Empfindliche Augen schützt man durch farbige Brillen. 

Vielfach ist die Kopfbedeckung, die man bei Wande¬ 
rungen trägt, falsch. Sie ist zu dicht und verhindert 
daher die Zufuhr frischer Luft zum Kopf. Am meisten 
sündigen aber unsere Damen dadurch, daß sie ihr Haar 
auf dem Kopf zusammenbinden und oft sogar noch durch 
falsches Haar verstärken. Auch der Kopf der Frauen ver¬ 
langt seine Lüftung. Leichte Kopfbedeckungen, event. 
nur Tücher, sind dringend anzuraten. (Schluß folgt.) 



Insel Rügen auf der Internationalen Reise-Ausstellung in Berlin 










182 DEUTSCHLAND Nr. 4 

Sachsen auf der Internationalen Ausstellung für Reise- und 

Fremdenverkehr in Berlin. 


lieber den Erfolg der sächsischen Abteilung der 
Berliner Reiseausstellung sind sich die Urteile des In- 
und Auslandes vom ersten Tage an einig. Sachsen, 
Oesterreich und das Reichsland dürften wohl durch die 
Ausgestaltung ihrer Ausstellungsräume wie durch die 
künstlerische und wirkungsvolle Auswahl der Aus¬ 
stellungsgegenstände an erster Stelle zu erwähnen sein. 
Mit großem Geschick hat der Sächsische Landes¬ 
auschuß mit seinen künstlerischen und bautechnischen 
Leitern Hofrat Prof. Seyffert und Bauamtmann Kramer 
(Dresden) aus der Fülle dessen, was Baukunst, Gewerbe¬ 
fleiß und Naturschönheiten in Sachsen so überreich 
bieten, das richtige herausgegriffen und zu einem ab¬ 
wechslungsreichen Bilde zusammengestellt. 

Im Leipziger Raum nimmt den Mittelpunkt das 
große Modell des Völkerschlacht-Denkmals ein; an den 
Wänden befinden sich große Bilder hervorragender 
Leipziger Bauwerke (Reichsgericht, Neuer Hauptbahnhof, 
Altes und Neues Rathaus), der freundlichen Leipziger 
Waldungen und der festen Muldenschlösser Leisnig, 
Grimma und Rochlitz. 

Aus dem bunt belebten Raum Erzgebirge und 
Vogtland ist zu erwähnen die Ausstellung des König¬ 
lichen Bades Elster, sowie im Vordergründe das erz- 
gebirgische Dörfchen, eine reizende Schnitzarbeit der 


Spielwarenfachschulen zu Grünhainichen und Seiffen,und 
links am Fenster unter Glas eine Ausstellung vonPlauener 
Spitzen. Eine erzgebirgische Klöppelstube (links im 
Vordergründe), die Modelle der berühmten Lauterbacher 
Kirche (Mitte der Wand) und des Erzgebirgsvereins- 
hauses auf dem Fichtelberg (1216 Meter hoch), sowie 
eine Sammlung von Annaberger Perlennäherei (am 
Fenster) zeigt Abb. 6. 

Die Ausstellung der Königlich Sächsischen 
Staatsbahnen enthält als besonderes Anziehungs¬ 
objekt einen eleganten Wintersportwagen, der bereits in 
Nr. 1, 2. Jahrg., der Zeitschrift „Deutschland" besprochen 
wurde. — Vom Leipziger Raum aus gelangt man nach 
Meißen,wo besonders das große Modell von Stadt und 
Burg, dahinter der große Glaschrank mit hervorragenden 
Werken der Königlichen Porzellan-Manufaktur, ins Auge 
fallen und mit den Landschaftsbildern aus Meißen, 
kleineren Porzellangegenständen, darunter eine Samm¬ 
lung Meißener Wandteller (am Fenster), diesen stim¬ 
mungsvollen Raum zu einem der besuchtesten der 
ganzen Ausstellung machen. Daneben der Raum 
Dresden und Sächsische Schweiz mit vorzüg¬ 
lichen Bildern und Metall-Treibkunstgegenständen. Der 
Blick auf Dresden zeigt die turmreiche, malerisch über 
der Elbe sich erhebende Altstadt, die weltbekannten 



■ 1 1 f iiH Ml 















Köln: Gürzenich im Festschmuck am 22. Mai 1911 





























Nr. 4 DEUTSCHLAND 185 


Säulen große Lorbeerkränze mit Goldbrokatschleifen, 
endigend in Fransen, die abwechselnd preußische, 
rheinische und kölnische Wappenfarben zeigten. 

Den hervorragenden, seltenen Schmuck bildeten die 
alten Stadtbanner, auf Anregung des Herrn Oberbürger¬ 
meisters Wa 11 ra f angefertigte, künstlerisch vollendete 
Nachbildungen der kostbaren Originale, die das Histo¬ 
rische Museum birgt. An den Säulen ragten die vier¬ 
eckigen, mit langen Zipfeln ausgestatteten Dreikronen¬ 
banner aus der Wende des 14. Jahrhunderts und die 
Fahnen mit dem schwarzen Doppeladler auf Goldgrund 
empor, Wappenzeichen, wie solche im 16. Jahrhundert 
die freien Reichsstädte vielfach führten, von der Galerie 
wehten die beiden riesigen, nahezu 7 Meter langen und 
über 3 Meter breiten Stadtbanner von 1513 und 1733. 
Diese Prachtstücke der Fahnenmalerei haben als Mittel¬ 
punkt ihrer Darstellungen das kölnische Wappen mit 
reicher Helmzier auf rotweißem Grund, umgeben von 
einem goldenen Fries mit 38 zierlich ornamentierten 
Wappenschildern, die auf die Schutzheiligen der Stadt 
hinweisen. Die ältere Fahne zeigt den monumentalen 
Charakter, die jüngere die etwas freiere Behandlung im 
Sinne der Entstehungszeit. Zwischen diesen Bannern 
warfen die acht großen Lichterkronen im Schmuck von 
zarten Schlingpflanzen und Rosen ihre Strahlen in den 
Saal hinunter, dessen Fußboden ein roter Teppich 


überdeckte, auf dem 17 Tafeln für die Gäste Aufstellung 
gefunden hatten. Die Ehrentafel in Hufeisenform war 
für 51 Plätze auf dreistufiger Estrade am Westende des 
Saales zugerichtet. 

Den Abschluß bildete hier eine durch vergoldete 
Architektur geteilte Rückwand aus dunkelrotem ge¬ 
mustertem Samt, in deren Mitte der Thronbaldachin über 
den Sesseln für die Majestäten sich erhob, aus gleichem 
Stoffe gefertigt, mit einem Behang aus Goldbrokat, der 
den Reichsadler in Stickerei trug. Hinter dieser reichen 
Dekoration ragte das frische Grün von Palmen und 
Lorbeer empor, das sich von dem Rot der Vorhänge 
unterhalb der Orgel wirksam abhob und mit dieser 
zusammen das schönheitsvolle Bild des Saales in impo¬ 
santer Weise vollendete. Hierzu trug auch der Schmuck 
der Ehrentafel bei, in dessen Besitz die Stadt im Laufe 
der Jahre durch die freigebige Zuwendung ihrer Bürger 
gelangte: Tischleinwand, silbernes Tafelgerät, Gläser, 
hochragende Armleuchter, Pokale und Aufsätze, die für 
die Höhe des heimischen Kunsthandwerks, insbesondere 
der Goldschmiede- und Emailtechnik, beredtes Zeugnis 
ablegen. 

Nach den Angaben des Verfassers dieser Zeilen wurde 
der Festschmuck des Gürzenich geschaffen, bei dessen 
Ausführung Stadtbauinspektor Bolte und Gartenbau¬ 
direktor Encke ihm dankenswerte Unterstützung liehen. 


Bad Münster am Stein. 


Von allen Richtungen leicht mit Schnellzügen erreichbar, 
liegt wenige Minuten von Bingerbrück entfernt, Nahe-aufwärts, 
Bad Münster am Stein. Zweifach von der Natur begnadet: 
durch seine ausgezeichneten, stark radioaktiven, jod-. 


brom-, lithionhalligen gipsfreien Solquellen und durch die 
einzigartige Schönheit der Gegend. — Eingebettet im er¬ 
weiterten Nahetale zwischen den schroff zu schwindelnder 
Höhe aufsteigenden roten Porphirfelsen, des Rheingrafensteins 



Bad Münster am Stein: Gesamtansicht 



















Nr. 4 


DEUTSCHLAND 187 


Unterstützung einsprängen. Die Opfer aber sind notwendig, 
und die Entwicklung unseres Ausstellungswesens hat gezeigt, 
daß sie nicht vergebens gebracht worden sind. Düsseldorf 
hat sich unter den großen Jahresausstellungen eine achtung¬ 
gebietende Stellung errungen, seine Künstler sind bei allen 
Unternehmungen im In- und Auslande gern gesehene Gäste 
und ebenso sind die auswärtigen Künstler, in richtiger Er¬ 
fassung der rheinischen Marktlage, bestrebt, ihr Bestes an 
den Rhein zu schicken. Dadurch ist der Wettbewerb ein 
regerer geworden, mit der natürlichen Konsequenz einer 
stärkeren Anspannung der Kräfte. 

Wenn die Düsseldorfer Kunst in diesem Jahre recht gut 
abschneidet, so ist das der löblichen Einsicht zu danken, 
daß es sich auch diesmal nicht 
allein um die Ausnutzung einer 
guten Verkaufsgelegenheit, son¬ 
dern vor allen Dingen um die 
Hebung und Befestigung des 
guten Rufes der heimischen 
Kunst nach außen hin handelte. 

Diesen höheren Gesichtspunkt 
hat die Ausstellungsleitung unter 
Führung des Prof. Hermann 
Emil Pohle umsichtig ver¬ 
treten, und die Künstlerschaft 
hat ihr willige Gefolgschaft ge¬ 
leistet. So ist, zumal auch dies¬ 
mal die tatkräftige Unterstützung 
eines bewährten Stabes von 
Mitarbeitern nicht gefehlt hat, 
von denen sich namentlich der 
zweite Vorsitzende der Ausstel¬ 
lung, GeorgMacco, der Leiter 
der Achenbach-Ausstellung, Pro¬ 
fessor Georges Oeder, und 
der unermüdliche Geschäfts¬ 
führer, Hofkunsthändler Fritz 
Bismeyer, in aufopfernder 
Weise betätigt haben, ein Ge¬ 
samtbild zustande gekommen, 
das sich unter den diesjährigen 
künstlerischen Veranstaltungen 
des Kontinents sehen lassen kann. 

In drei Hauptgruppen sondert 
sich das Unternehmen: in eine 
deutsch - nationale Kunst-Aus¬ 
stellung, eine internationale 
Aquarell-Ausstellung und eine 
Ausstellung von Werken des 
im vergangenen Jahre dahin¬ 
geschiedenen Altmeisters der 
Düsseldorfer Kunst, Andreas 
Achenbach. Eine schönere Ehrung für den Recken, der 
mehrere Generationen hindurch das rheinische Kunstschaffen 
überragt hat, konnte man nicht ersinnen, einen weihevolleren, 
ergreifenderen Totengesang nicht anstimmen am Grabe des 
großen Künstlers und — seiner Kunst. Denn auch diese ist da¬ 
hingegangen; sie ist nicht mehr der Wesensausdruck unserer 
Zeit, die mit anders gestimmten Nerven arbeitet, mit anderen 
Augen sieht. Das wird nicht verhindern, daß auch der Sammler 
der Zukunft und der mit historischer Abstraktion begabte Kunst¬ 
freund in den Werken, die das Entzücken der Väter und der 
eigenen Jugend gewesen sind, eine Quelle lauteren Genusses 
finden. Wer würde sich nicht willig dem Reichtum an Er¬ 
findungsgabe, der Kraft der dramatischen Schilderung beugen, 
wer könnte sich wohl dem Zauber des Farbenklanges und der 
Komposition entziehen, der von Bildern ausgeht, wie sie die 
Galerien von Dresden, Berlin, Köln und Düsseldorf, 


die Privatsammlungen des Großherzogs von Oldenburg^ 
des Geheimen Kommerzienrats Franz Haniel in Düssel¬ 
dorf, des Kommerzienrats Fr. Burgers in Gelsenkirchen, 
Gustav Klingelhöfer, die Erben des verstorbenen Kon¬ 
suls We b e r in Hamburg, Konsul Dr. F r i e d e r i ch in Düssel¬ 
dorf und all die andern Sammler in so dankenswerter Weise 
beigesteuert haben. 

In Kreisen der Museumsfachleute war man gespannt auf die 
Aufmachung, die Professor Oeder dem Achenbach-Saale geben 
würde; die Lösung durch einen vornehmen roten Galerieton 
und durch dezente dekorative Zutaten hat allgemein befriedigt. 

Im Gegensatz zu dieser Aufmachung sind die Räume der 
anliegenden Aquarell-Ausstellung ganz auf weiß ge¬ 


stimmt. Nur wenige Ornamente und Leisten in Gold gliedern 
die Wände, umschließen den Raum. Auch diese Dekoration, 
vom Düsseldorfer Semperbund besorgt, entspricht in durch¬ 
aus befriedigender Weise ihrem Zweck. Die Wirkung der 
Ausstellungsobjekte, von den zartesten Gebilden einer leichten, 
flüssigen Technik bis zu pastosen Gouaches ist eine vorzüg¬ 
liche in diesen, zum behaglichen Genüsse einladenden Räumen 
Für die Aquarell - Ausstellung war der Rahmen weiter 
gezogen, sie hat internationalen Charakter bekommen. 
Eine eingehendere Besprechung an dieser Stelle, wo lediglich 
in knapper Form ein Bericht über die Beteiligung Düsseldorfs 
am ganzen Unternehmen gegeben werden soll, erübrigt sich, 
jedoch muß so viel wenigstens gesagt werden, daß der Kunst¬ 
freund hier fast alle Kulturländer, Frankreich, England, 
Holland, Italien, Osterreich, Schweden, Norwegen, 
Finnland und die S ch w e i z, selbstverständlich auch die 



Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911 — Prof. Gerh. Janssen: Der letzte Gast 

(Hofphotograph J. Söhn, Düsseldorf) 


Nr 4 



BEUTSCHixÄKD 


|BDHH^HD^B|||g&^^^J .; dio ^i^temab it \ 

/ii^ftihn^T ^ißuce*' sch^ve1gfen^ 

mit in d^\\ Helb'^ 
Aber mit 

n W^cK'ijft der pjaJetle 
“W:ar ibdü di(e 

|H^BH^^^^^H|^HEHSH| Vub^' y Kl rn bta Übd 

bebeub^^^ nbcf^ 

HL^^^^H^HHHDS^Hb ib'Cbi^ 4^b i^berf: 4^e 

Hnp^^H^^H|B U nemv^i^i keb: bi^ r P# rbb^ 

||||h||^^H^^HH|^^HH ^1 dpch^ di s te dn Prbd ^ kt 

d^r Hmpibvdimg^v will d6r:h 
itii jch mnerltch erlebt sein, 
w^^rm :^W j^eistj^ belebt eu:f 
||hHbS|M^^^H|^^P^^^H d^r beinivnnd ihre Wunden 

Wlrkeni soll Nichts Schbm^ 
HbHBhMMhHMMBI^^hm I . rneres Kbtie nn$; ttefler 

k^rttteri öH. ein kdbsd 
>mg Düsseldornölt, r EÖ^Mieo 

ortrüt dps Hmw Sch.. 

vi^/bm^r. Düv l*u^lSe d^H T^ivl^^d iö^t Sd.?-ifKyb .oiisiitcibcrvv 
GlbckliGhcTweisi* Wb ieb(L>r artf deir Aiisi^tßlttfng Aur 

m verfiinyeh^n in: denen dbt KubsUiftr cimiii 

ijewnit?5nii>ör, prtit: h ibvt |br^ bt^iiben^rcn AwFfnstii^ bekbtWen, 
Im n sk'b kbb^töVi^'rerifii divß bd der grüßefi 

tV!.ftbriabl die iiv^s: Ptrr^btdicheo n \itb ,nheb de r Seite 

tW-fiirJng-eb, Ebiwickltirii^j ■^.0r; jiicb 

-emes'-tief e^irijoUcKs^ieb' Brii^ybnh^e 
1 jer An^k te)!in Tt6tjz0em diirfte es nm Pi at 2 ^^ s em, vor (pm^r 
«Ikii, ^rrytii^n lJebey'$tdVüti^r\^ des Zages hiS FnrJbi#i5', ünii .p^kb“ 
rotjv^x dvt yiollbi b tii.d lösten der geUbg'en Verörbt^i^Tig^m^ 
iiEi!fpii tu en 'wir df zu warn en > da sei) >5t i f> Dti ss eklo tX- rmm^rt 

Ibbi weirtleny dtt* hnr b&tlti? BiMer ^«^ dm UöleH^^ 
wlsspTi wülieiI h htk h man vpr dt^r. ka^tlieb en Burlekke ^X?n 
G e ^ b n r cl J n ^ h dimöcii frühen wiirdi^f ßb si& btil Cidef 
duttke]^ 6b m di>rn chI f «i tlOe^v^ier!fdb. ü 1 t ist 1 ''öC'^ier wirci 

siidy {\\chi rückliülMas flöm Sfimbt'ir ^in.ek Ktmsiwerkri? hingeb^n, 
c1 e&sen imwrör tr t' A tad gtiisl: Piy ieblC ?bfii, begiiick^bde 





J 























IQO DEUTSCHLAND M 


Nr. 4 




Mission erfüllen I Wahrlich, bei einem solchen Werke spielen 
Format und Darstellungfsmittel nur eine sekundäre Rolle, seine 
innere Schönheit, eine Schönheit, die in der Zeiten Wandel un¬ 
verwüstlich bleibt, läßt es erst recht als eine Erwerbung-, 


Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911 
Karl Julz jun.: Spätherbst an der Erft 
die künftigen Generationen noch zur Freude gereichen soll, 
geeignet erscheinen*). Wie ist dieses Bild gemacht I Die 
ganze Ausstellung zeigt kein Bild, das mit solch erstaunlicher 
Bravour, mit solch sicherem malerischen Sehen und vor allem 
mit einer so erdrückenden künstlerischen Kralt gemalt worden 


oder von Eduard von Gebhardts „Lazare, komm heraus^' 
aufgegangen ist, der sollte sich die Freude daran nicht 
durch Forderungen des Tages verderben lassen. 

Als ein Schulbeispiel folgerichtiger Entwicklung zu lich¬ 
terer Farbenentfaltung könnte Max Stern 
gelten. Wer seinen Werdegang verfolgt hat, 
muß seine helle Freude daran haben, mit 
welcher Zähigkeit dieser Künstler seinem Ziele, 
Vereinfachung der Form und der Palette, zu¬ 
strebt. Die vier Bilder, die er hier zeigt, 
ein Putzmacherinnenatelier, eine Kokotte, ein 
Paar in einer Loge und das koloristisch feine 
Tierstück sind freudige Bekenntnisse eines 
starken Wollens. Auch Josse Goossens 
hat einen bedeutenden Schritt vorwärts getan; 
er bringt jetzt in seine breite, schwere Strich¬ 
führung immer mehr pulsierendes Leben hinein. 
Wilhelm Schneider-Didam hat, nament¬ 
lich in dem Porträt der Dame mit dem Muff, 
sein herbes Charakterisierungsvermögen mit 
einer großen wirkungsvollen Linienführung und 
einer aufs Dekorative gerichteten Flächen¬ 
behandlung in Einklang zu bringen versucht. 

Viel Schönes bringen die Landschafter des 
Aussteller-Verbandes: Helmut Liesegang 
die ihm eigenen silbrigen Flachlandschaften 
und Städtebilder, Fritz Westendorpein 
paar liebe, einfach gesehene und duftig dar¬ 
gestellte Strandbilder, Ernst Hardt ein 
grandioses, sonnendurchglühtes Stück und 
ein köstlich-saftiges kleineres Bild „Birken". 
Heinrich Otto führt uns zu wundervollen 
Fernblicken, bei denen das Herz sich in Sehn¬ 
sucht weitet. Erich Nikutowski bringt die in Aufbau und 
Ton bekannten und beliebten Dörfer und Städtchen. Julius 
Junghanns läßt seine vielseitige Begabung an Tierstück, 
Landschaft und Stilleben aus, und zwar mit gleich guten 
Resultaten auf diesen verschiedenen Gebieten. Wilhelm 
Sehr euer, der Leicht- und Vielschaffende, 
erscheint in der Marktszene, die sich am 
Denkmal Jan Wellems abspielt, ein wenig flau 
in der Farbe, einfach und groß dagegen in 
einer Rheinlandschaft. 

Der folgende Saal beherbergt die Gruppe 
der „1899er". Um die soliden, in sich be¬ 
ruhenden Werke von Claus Meyer und 
Eugen Kampf gruppieren sich in ihren be¬ 
kannten Qualitäten die Arbeiten von Walter 
Petersen, Herrn. Emil Pohle, Ludwig 
Keller, Gustav Marx, Otto Ackermann 
und einer Anzahl jüngerer Künstler, die dem 
Saal den Stempel des Fortschrittlichen auf¬ 
drücken. FranzKiederich mit seinen fest 
und sicher gemalten „Rentenempfängern" und 
Hans Kohlschein mit einer Historie „1814" 
ziehen nicht allein durch das Format ihrer 
Bilder die Aufmerksamkeit auf sich, sondern 
auch durch die reine lichte Freudigkeit, die ver¬ 
stärkt noch in ihren kleineren Bildern wieder¬ 
kehrt. Der begabte und vielseitige Robert 
Seuffert beweist, daß er sein übersprudelndes 
Temperament dort, wo es angebracht ist, zu 
zügeln versteht zum Vorteile eines dezenten 
Zusammenklanges, wie bei der „Dame mit dem 
Fächer" und dem „Mädchen aus Anticoli", während er der 
wilden Kraft seines Pinsels beim „Bildhauer Benjamin" und der 
„jungen Sizilianerin" freien Lauf gelassen hat. Wie er, zeigt 
sich auch Walter Heimig in dem Bilde „Sommermorgen" 


Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911 — Ernst Paul: Ziehende Herde 

ist. Wem das Wahrhaftige und Menschliche, kurz das Gute 
vom „letzten Gast'' oder von Louis Corinths „Totenklage" 

*) Anm. Inzwischen sind die drei ausgestellten Bilder von Gerhard 
Janssen sämtlich in Düsseldorfer Privatbesitz übergegangen. 









Nr. 4 


DEUTSCHLAND 191 


und dem Porträt eines jungen Mädchens als geschmackvoller 
Farbenkünstler. Wilhelm Hambüchen hat sich mit Land¬ 
schaften und Küstenbildern längst einen geachteten Namen 
erworben; auch hier zeigt er wieder, daß er es in der Festig¬ 
keit des Vortrags und in der Sicherheit der Komposition 
weiter bringt. In jüngster Zeit ist stärker ein eigenartiges 
Talent hervorgetreten, das berufen erscheint, der wieder¬ 
erwachenden Freude am Stimmungsgehalte des Kunstwerkes 
gerecht zu werden: Hermann Lasch. Er begnügt sich 
nicht mit der Wiedergabe eines gut gesehenen Naturaus¬ 
schnittes, sondern gibt ein Tröpflein eigenen Herzblutes hinzu. 


mittelte jauchzende Aufleuchten der blütenschweren Kuppen, 
das alles hat in Fritz von Wille seinen begeisterten Schilderer 
gefunden. Das „Einsamkeit" betitelte Eifelmaar zählt mit zu den 
schönsten seiner vielen Schöpfungen dieser Art. Alexander 
Bertrand hat ein gut und solide gearbeitetes Bild, 
„Weißnäherinnen", gebracht, das sowohl durch die subtile 
Behandlung des Stofflichen, wie auch durch die Bewältigung 
der Schwierigkeiten in der Wiedergabe der gegen das helle 
Tageslicht gestellten Personen von hohem Interesse ist. 

Von den Porträtmalern hat Richard Vogts ein Damen¬ 
bildnis „Im blauen Kleide der Mutter" auf eine großzügige 



Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911 

Zu lyrischen Gedichten wandelt er die schlichten, ungekünstelt 
wiedergegebenen Motive, die er aus den Nebentälern des 
Rheins und der Mosel zusammenliest, und zwar in einer 
flächenhaften Behandlung, die auch den Anforderungen des 
modernen Zimmerschmuckes entgegenkommt. 

Mit anderen Mitteln, aber ähnlich wie er, erschöpft 
Fritz von Wille, der uns im nächsten Saale, dem der 
,, Freien Vereinigung", entgegentritt, den herben Zauber 
der Eifel. Der jähe, farbige Wechsel, das finstere Ziehen 
der Wetter, die schwer lagernden Wolkenschatten, die uner- 
grründliche Schweigsamkeit der Maare und wieder das unver- 


— Alexander Bertrand: Die Weißnäherinnen 

Silhouette gestellt und damit eine gute Wirkung erzielt. 
Fritz Reusing legt ebenfalls seinen Porträts einen starken 
farbigen Grundton unter, aus dem heraus er den Gleichklang 
einer einheitlichen Schöpfung moduliert. Besonders glücklich 
ist er in den in der Aquarell-Ausstellung hängenden Bildern, 
denen noch taufrisch die Unmittelbarkeit des Erfassens eigen 
ist. Als geschmackvoller Kolorist zeigt sich MaxWestfeld; 
voll Duft und Reiz ist die rothaarige, mit der Manicure be¬ 
schäftigte Schöne. Gemessen und bedächtig ist Wilhelm 
P i p p e r t in seinem, nach der malerischen Seite hin viel¬ 
versprechenden Bilde „Die Schwestern". 











192 (« 


DEUTSCHLAND (R^e^^e^esee^^eeeeeeee® Nr. 4 



Georg Macco, der die Schönheiten der ganzen Welt zu 
meistern sich bemüht, hat sich diesmal bis nach Spitzbergen 
verstiegen, wo er jnteressante Beobachtungen der farbigen 
Begleiterscheinungen von Naturereignissen festgehalten hat. 
Viele der bekannten Düsseldorfer, wie Max Volkhart, 
Nordenberg, Wansleben, Mühlig, Albert Baur, 
W i 11 s ch a s und andere sind noch in dieser Abteilung vertreten; 
mit einer besonderen Ueberraschung hat Professor Georges 
Oe der aufgewartet, indem er einige seiner feinempfundenen 
Landschaften aus früherer Zeit zur Ausstellung brachte. 

Die Gruppe der „1904 er" hat ein glänzendes Werk des 
in diesen Tagen 
den 73. Geburts¬ 
tag begehenden 
Altmeisters 
der Düsseldorfer 
Kunst, Eduard 
vonGebhardt, 
aufzuweisen, die 
Auferweckung 
des Lazarus. Es 
ist erstaunlich, 
mit welcherEner- 
gie der unver¬ 
wüstliche Künst¬ 
ler diesmal sein 
ungebrochenes 
Temperament 
zurückgehalten 
und wie er grade 
in der gedämpf¬ 
ten Atmosphäre 
die Wirkung bis 
zur Offenbarung 
zu steigern ver¬ 
standen hat. Mit 
einer gewaltigen, 
die Wunderkraft 
ins Greifbare 
übersetzenden, 
die Wucht der 
Worte: „Lazare, 
komm heraus I" 
begleitenden 
Bewegung holt 
Christus den 
zum Leben 
Wiedererweck¬ 
ten aus dem 
Felsengrabe her¬ 
aus. Das Land¬ 
schaftliche hält 
in einem vor¬ 
nehmen und 
zurückhaltenden 
Tone, der das 
ganze Werk auszeichnet, die Bildwirkung zusammen. Auch 
der Senior der Neudüsseldorfer Landschaftsmalerei, Eugene 
DÜcker, ist in diesem Saale mit seinen beliebten Strand¬ 
motiven von der Ost- und Nordsee vertreten. Der 70. Geburts¬ 
tag, den der Künstler in diesem Jahre feiern konnte, war der 
Anlaß, ihn mit einem besonderen Kabinett in der Aquarell-Aus¬ 
stellung zu ehren, wo eine Reihe von Arbeiten die staunenswert 
sichere.Kunst des Meisters in dieser Technik vorzüglich illustriert. 

Von den Jagdmalern Düsseldorfs haben sich hier ein 
Rendez-vous gegeben: Christian Kröner mit einem „Herbst¬ 
morgen", Alfred Graf von Brühl mit einer, große weid¬ 
männische Sachkenntnis verratenden Sauhatz in brillant 


beobachteter Schneelandschaft, und Otto vonGrote. Auch 
dieser sucht, bei aller Betonung des Gegenständlichen, dessen 
Zusammenhang mit dem Landschaftlichen nicht zu verlieren. 

Adolf Maennchen hat eine Waldstudie und schnee¬ 
bedeckte Hütten aus Andermatt geschickt; Heinrich 
Reifferscheid hat wieder sein Lieblingsmotiv, ein Interieur 
mit Staffage bei Lampenlicht, aber in neuer Fassung und in 
der bekannten, behaglichen Weise behandelt. Vom Grafen 
Paul von Merveldt sieht man mehrere delikat verarbeitete 
Interieurs von feinem, poetischem Reize und von Louis Feld¬ 
mann eine Kreuzigung. — Zur Gruppe „Niederrhein" haben 

sich jüngere 
Künstler ver - 
einigt. Sie sind 
die einzigen, die 
darauf Bedacht 
genommen 
haben, ihren 
schon an und 
für sich gut 
wirkenden Saal 
durch die Hin¬ 
zuziehung von 
plastischen 
Werken noch 
abwechselungs¬ 
reicher zu ge¬ 
stalten. Bilder 
sowohl wie Pla¬ 
stiken habenda¬ 
durch gewonnen 
und das Publi¬ 
kum dankt es 
den Künstlern, 
daß sie für eine 
Unterbrechung 
der langen Bil¬ 
derfolgen ge¬ 
sorgt haben. 
Man wird bei den 
jungen Leuten 
nicht durchweg 
Ausgeglichenes 
erwarten; es 
genügt, wenn 
schon die An¬ 
sätze zu hoff¬ 
nungsvoller Ent¬ 
wicklung kon¬ 
statiert werden 
können. Jos. 
Ko hl sch ein d. 
J.mit seiner un¬ 
stillbaren Sehn¬ 
sucht nach Licht 
und Sonne und 

WalterCorde mit seiner zum großen Stile berufenen Begabung 
zeigen schon die Klaue des Leuen. H a n s M a y beweist Geschmack 
für die Farbe und die Fähigkeit, sich in ihr zu beschränken; 
Medard Kruchen ist seinen etwas engen Fesseln entschlüpft 
und steht nun als ein kräftiger Mann da, der seine Sache mit Kraft 
und Zuversicht anzufassen weiß. Und wie Hubert Ritzen¬ 
hofen, der stille Träumer, unverzagt seinen Weg gegangen ist, 
so werden ihn auch seine Mitstrebenden, wie Lindemann, 
Schmitz-Pleis, Paul und Reibmayr, zu machen verstehen. 

Mit Plastiken treten in dieser Gruppe AdolfNieder und 
Wilhelm Lehmbruck hervor, ganz besonders aber der 
bereits zu reifer Meisterschaft gelangte BernhardHoetger. 


Deutsche Kunstausstellung Düsseldorf 1911 — Claus Meyer: Frauen aus Flandern 
(Hofphotogroph J. Söhn, Düsseldorf) 










3Ö Q OQ Q Qö8 @ DEUTSCHLAND 


193 


Nr. 4 

Gegenüber den vielen Gruppen sind die Künstler ohne 
Anschluß nicht allzu gfünstig weggekommen. Hans Carps 
recht gutes, sehr lebendiges Herrenbildnis z. B. hätte 
einen besseren Platz verdient. Brillant schneidet Hermann 
Angermeyer ab mit dem Bildnisse eines Kindes an der 
Seite eines weißen Hundes, einem Bilde von prächtiger Zeich¬ 
nung und großer Tonschönheit. Theodor Funck glänzt 
besonders durch eine Dame in geschmackvoller grüner Toilette 
in stimmungsvoller Umgebung. Heinrich Hermanns bringt 
ein paar farbige Kircheninterieurs, ein Feld, das auch 
Albert Engstfeld mit großem Geschick betreten hat. 
Von Wilhelm Fritzei sieht man eine sonnige Landschaft, 
von JuliusMüller-Maßdorf erfreulich frische Girlanden- 
Binderinnen und von Georg Wolf kraftvoll gemalte Kühe. 
Als neue Erscheinung ist Lina Bürgers zu begrüßen, die 
sich hier sowohl, wie in der Aquarell-Ausstellung vorteilhaft 
eingeführt hat. 

Mit dem von der Düsseldorfer Plastik eingenommenen 
Raume endigt die Flucht der Säle. Hier finden wir außer 
altem Bildhauern wie ClemensBuscher, die Vertreter der 
jungen Düsseldorfer Schule, die sich bereits einen Namen 
gemacht haben, wie Frederic Coubillier, Fritz Cauer, 
Gregor von Bochmann d. J., August Bauer, Josef 
Hammerschmidt, Jos. Körschgen, Heinz Müller, 
und andere. Auch der junge Nachwuchs ist angetreten 
und hat es verstanden, sich gleich in einem günstigen 
Lichte zu zeigen. Peter Stammens Kinderakt ist ein 
allerliebstes Stück und LeonLauffs' Mädchenfigur eine ernste, 
architektonisch gut aufgebaute Brunnenzier. Auch Walter 
Scheufens Arbeiten müssen erwähnt werden. Rudolf 
Zieseniß imd Leopold Fleischhacker bringen gute 
Porträts und HermannNolte außerdem noch sehr gefällige 
kleine Bronzegruppen. Franz Brahmstedt zeigt mit dem 
Halbakt eines jungen Mädchens, daß er den harten Realismus 
seiner Erstlingsjahre zugunsten einer idealisierenden Stil¬ 
kunst glücklich überwunden hat. Claire Volkhart macht 
uns zum ersten Male mit Arbeiten ihrer Hand bekannt, und 
wir danken es ihr. In der graziösen Bronzeg^uppe „Lebens¬ 
freude" zeigt sie, daß sie eine Augenblicksbewegung graziös 
festzuhalten weiß, und in einer Aschenurne gibt sie ein Bei¬ 
spiel gut verteilter plastischer Massen. Von FranzLinden 
steht im Ehrenhofe eine reizende Brunnenfigur. 

Zu erwähnen ist noch als nach Düsseldorf gehörig ein 
im Saale der Münchener Scholle hängendes vornehmes 
Damenporträt von Adolf Münzer, der auch sein prächtig 


gelungenes Selbstporträt dort ausgestellt und schließlich 
das Kabinett, das man Karl Ederer, dem jüngst an die 
Akademie berufenen vielseitigen Wiener Künstler, eingeräumt 
hat. Obschon er nicht mit größeren Oelbildern hervortreten 
konnte, weil sie aus Privatbesitz nicht frei zu machen waren, 
hat er sich doch durch seinen frischen Vortrag und ebenso 
durch die bezwingende Ursprünglichkeit seines Temperaments, 
wie auch durch die Vielseitigkeit seines Könnens, das sich 
in zahlreichen kleineren Arbeiten bekundet, die Herzen der 
Düsseldorfer im Sturm erobert. 

Und endlich muß noch eines kleinen Ausstellungsraumes 
gedacht werden, der eine Auswahl guter graphischer Arbeiten, 
Radierungen und Zeichnungen enthält, wie auch auf den 
reichen Inhalt der Düsseldorfer Abteilung in der Aquarell¬ 
ausstellung hingewiesen werden muß, wo die meisten Düssel¬ 
dorfer Künstler ihr Können in dieser Technik vorführen. 

Zu guter Letzt wäre dann noch die interessante Abteilung 
der Düsseldorfer Architekten zu erwähnen. Damit ist 
in der vorliegenden Form eines flüchtigen Ueberblicks die 
reichhaltige und vielseitige Beteiligung der Düsseldorfer Kunst 
an der diesjährigen Kunstausstellung nicht erschöpft, sondern 
nur in großen Umrissen ihr Anteil an dem — das kann man 
wohl sagen — durchaus gelungenen Unternehmen skizziert. 

Man hat sich daran gewöhnt, in den in regelmäßigen Ab¬ 
schnitten wiederkehrenden Ausstellungen im Kunstpalaste 
einen Wertmesser der Düsseldorfer Kunst zu erblicken. Mit 
Recht und — mit Vorbehalt. Mit Recht, weil man von einer 
Künstlerschaft, die die ganze Welt zu Gaste lädt, erwarten 
kann, daß sie bei einer Repräsentation im eigenen Hause das 
Beste auftischt, was sie zu bieten hat. Darin hat die dies¬ 
jährige Ausstellung nicht enttäuscht. Mit Vorbehalt, weil 
bedeutende künstlerische Persönlichkeiten, die für das Ansehen 
Düsseldorfs als sogenannte Kunststadt ins Gewicht fallen, nicht 
vertreten sind. Den genialen Wilhelm Kreis hat man mit 
einer großen Kollektion nach Berlin in den Glaspalast am 
Lehrter Bahnhof ziehen lassen; den hervorragenden Buch¬ 
schmuckkünstler F. H. Ehmke sucht man vergebens im 
Katalog und ebenso den ausgezeichneten Goldschmied und 
Emailleur C. A. Beumers. Dieser Vorbehalt soll nicht als Vor¬ 
wurf für die diesjährige Ausstellungsleitung gemacht sein, die 
durch das System der Gruppeneinteilung nach mancher Rich¬ 
tung hin gebunden war, sondern lediglich als Fingerzweig für 
zukünftige Ausstellungen, die durch eine stärkere Berücksichti¬ 
gung von Architektur und Kunstgewerbe das Gesamtbild vom 
Düsseldorfer Kunstschaffen vollwertig zu gestalten berufen sind. 


Mit dem Eifelverein in Montjoie. 


Nach Montjoie, diesem wunderbar lieblich in das 
wild zerklüftete Tal der obern Rur mit seinen alten Patrizier- 
häusem und malerischen Bergstraßen eingebetteten Eifel¬ 
städtchen, hatte der Eifelverein seine 17000 Mitglieder 
zur 23. Hauptversammlung geladen. Viele Hundert Freunde 
des Eifelvereins waren dem Rufe gefolgt. Im Festschmuck 
prangte das herrliche Städtchen, das wohl selten so viele 
Gäste auf einmal sah und sie doch alle aufs beste zu 
verpflegen und zu beherbergen wußte. Schon am Samstag 
herrschte ein reges Treiben, große Scharen brachten die 
Züge von fern und nah, und rüstige Wanderer hatten den 
Weg zur Feststadt von einem der schönen Eingangstore in 
die Eifel aus zu Fuß zurückgelegt. Begünstigt vom schönsten 
Wetter, bot sich den vielen, die zum ersten Male die „Perle 
der EifeP' besuchten, der ganze Zauber der herrlichen Gebirgs¬ 
landschaft von den vielen Aussichtspunkten und den bequemen 
Höhen-Pfaden aus, Böllerschüsse weckten am Sonntag in 
früher Morgenstunde die Schläfer, und mit flotten Marschweisen 
zogen die ankommenden Menschenmengen von den ragenden 
Waldbergen herab ins Städtchen. Den Festgottesdiensten in 
den altehrwürdigen Kirchen beider Konfessionen folgte eine 
Besichtigung der Stadt, des Kirchenschatzes in der Aukirche 
und der umfassenden Photographiensammlung aus der Eifel, 


die neben zahlreichen Amateuren besonders die verdienten 
Mitglieder Walter Scheibler (Montjoie) und Ernst 
Charlier (Aachen) aufs reichlichste versorgt hatten. 

In der Hauptversammlung am Sonntagvormittag, die der 
Vorsitzende Landrat Dr. Kaufmann aus Euskirchen mit 
bestem Erfolge leitete, wurde nach Erledigung des Jahres¬ 
berichts und des mit dem ansehnlichen Betrag von über 
20 000Mark abschließenden Voranschlags für 1912 beschlossen, 
durch Einrichtung eines besonderen Verkehrs-Ausschusses 
eine wirksame Vertretung der Eisenbahn- und sonstigen Ver¬ 
kehrsbedürfnisse in die Eifel hinein zu schaffen, sowie durch 
Versorgung der Zeitungen in Rheinland und Westfalen mit 
interessanten Nachrichten aus dem Eifelgebiet die 
Aufmerksamkeit größerer Kreise auf die Eifel selbst und den 
rastlos vorwärts strebenden Eifelverein immer wieder hinzu¬ 
lenken. Einen breiten Raum nahm die Frage der Schüler¬ 
herbergen, ihre Entwicklung und ihre Fortführung ein, und 
nach einem überaus eindrucksvollen Vortrag des bekannten 
Förderers der Jugend Wanderungen, Professor Kissinger 
(Darmstadt), wurde beschlossen, den Zuschuß des Eifelvereins 
für die Schüler- und Studentenherbergen in der Eifel von 
800 Mark auf 2000 Mark zu erhöhen. Die Hauptversamm¬ 
lung bestätigte mit stürmischer Zustimmung die Ernennung 






194 


DEUTSCHLAND 


des Oberpräsidenten Freiherrn von Rheinbaben, 
der die Verhandlungen von Anfang bis zu Ende mit sichtlichem 
Interesse verfolgte, zum Ehrenvorsitzenden und die 
Erweiterungswahlen zum Vorstand. Der Oberpräsident dankte 
mit herzlichen Worten und brachte das volle Interesse der 
Staatsregierung und besonders des rheinischen Oberpräsidiums 
an den Bestrebungen des Eifelvereins zum Ausdruck. Nichts 
sei mehr geeignet, unser deutsches Volk wieder gesund zu 
machen und zu erhalten in dieser rast« und ruhelosen Zeit, 
als das feste Wurzeln im heimischen Boden, als das köstliche 
Gut der Heimat und die Liebe zu ihr. Köstlich sei es, die 
Menschen wieder auf die ursprünglichen Güter der 
Natur zurückzuführen, und das ganz besonders in der 
schönen Rheinprovinz, in der Eifel. Und so sei das letzte 
Ziel des Eifelvereins, zurückzuführen zur Freude an der 
Natur, ein hohes und hehres Ziel, dem nachzustreben eine 
ernste und dankbare Aufgabe bleibe. 

Bei dem Festessen am Sonntagmittag, bei dem manch 
kerniges und auch manch launiges Wort gesprochen wurde, 
stellte der Oberpräsident nochmals die Grundforderung für 
das Wohl des deutschen Volkes: Zu rück zu r N a tu r, zurück 
zur alten HeimatI 

Milgeteilt wurde, daß die Lichtbildersammlung des 
Eifelvereins eine wertvolle Ergänzung erfahren hat, daß 
die Neuauflage des vom Schriftführer B e rg h o f f (Bonn) mit 
vielem Fleiß und großer Sorgfalt zur Freude und Bequem¬ 
lichkeit aller Eifelbesucher herausgegebenen Sommerfrischen- 
Verzeichnisses sich außerordentlicher Beliebtheit erfreut und 
sehr starke Nachfrage findet, daß schließlich die Vorberei¬ 
tungen für die umfangreiche Festschrift zum 25jährigen 
Jubiläum des Eifelvereins im Sommer 1913 in Trier in 
vollem Gange sind. — Zur Instandhaltung der dem Eifel¬ 
verein gehörigen herrlichen Ruine Niederburg bei 
Manderscheid wurde ein großer Betrag, der aus staat¬ 
lichen und Provinzmitteln ergänzt werden soll, bereitgestellt. 
Um die Ehre, die nächste Hauptversammlung 1912 bei sich 
zu sehen, stritten sich mit seltenem Eifer die luxemburgischen 


Bergstädte Clerf, Ettelbrück und Echternach; die endgültige 
Wahl des Ortes bleibt dem Hauptvorstand überlassen. Haupt¬ 
lehrer Langenberg (Eupen) befürwortete die Erhaltung 
eines Teiles des Hohen Venns, ein Abschnitt am Getzbach 
mit dem anschließenden Teil des Herzogenwaldes, als Natur¬ 
schutzgebiet. Regierungspräsident Dr. von Sandt (Aachen) 
machte die interessante Mitteilung, daß bereits der Aus¬ 
schuß für Naturdenkmalpflege in Aachen dieser 
Sache nähergetreten sei. Der Eifelverein wird mit dem ge¬ 
nannten Ausschuß in enger Fühlung bleiben und sich an der 
bevorstehenden Ortsbesichtigung beteiligen. 

In der Hauptvorstandssitzung am Samstagnachmittag, ,| 

in der die Tagesordnung bereits eingehend durchberaten war, | 

legte Professor Schürmann (Düren) die prachtvolle, allen 1 

Angriffen trotzende Lebenskraft des Strohdachs klar. Der , 

Werl des Strohdachs ist kaum je in so fachmännischer, er¬ 
schöpfender Weise erschlossen worden. 

Aus der Fülle der festlichen Veranstaltungen, die der 
Ortsausschuß unter Leitung des Bürgermeisters Pleuß mit 
gutem Erfolge getroffen hatte, sei nur genannt die Feier auf 
der Burgruine am Sonntagnachmittag, wo Montjoies Bürger 
und Bürgerinnen mit ihren vielen Gästen bei den Klängen 
der Kapellen, den hervorragenden Chorliedern des Männer- 
Gesangvereins und den prachtvollen Vorführungen des Turn¬ 
vereins in fröhlichem Verkehr beisammen waren. Am Abend 
gab’s eine besondere Abschiedsüberraschung: in magischem | 

Lichte erstrahlten plötzlich die düsteren Ruinen der uralten * 

Burg mit ihren ragenden Zinnen und Turmgemäuern und 
jenseits des Tales die Reste des Hallerturmes, und weithin 
sprühten die Lichtgarben eines wundervoll wirkenden Feuer¬ 
werks über die trotzigen Felsklippen. 

Dann ging's ans Abschiednehmen. Mit frohen Wünschen 
boten sich die bewährten alten und die wanderfrohen jungen 
Eifelvereinler den Abschiedsgruß, Dankes voll gegen die 
schöne alte Stadt Montjoie, gegen die Eifel, die Seele und 
Leib gesunden läßt in ihrer Berge und Täler weltentrücktem 
Himmelsfrieden. 



























Nr.4 ■>QQ0QQQQQ3QQQ9QQQQ 993Ö9Q a i DEUTSCHLAND 


i 195 



WIRTSCHAFTLICHER TEIL 



Bericht über die zehnte ordentliche Jahreshauptversammlung 
des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 

am 6.—9. Juni 1911 in Worms. 


Anwesend waren: Anhäuser, G., Redakteur, Darmstadt; Bau¬ 
mann, Amo, Direktor d. Fr. V. V., Eisenach ; Behrens, Bernhard, 
KOnigl. sächs. Hofrat, Oberlössnitz-Dresden; Bender, Heinrich, 
Stadtverordneter, Worms; Bigge, Wilhelm, Generalmajor z. D., 
Coblenz; Böcker, August, Hofphotog^aph, Donaueschingen; 
Böhmer F. C., Fabrikant, Alzey; Bonin, D., Professor, Gr. Ober¬ 
lehrer; Bopp, Hermann, Dr. phil., Fabrikbesitzer, Frei-Weinheim 
in Rheinhessen; Borger, Jos., Stadtrat, Bühl; Braun, Gustav 
Otto, vom Verlag der Bundeszeitschrift „Deutschland“, Düssel¬ 
dorf, und Frau, Leipzig; Brieke, Ernst, Stadtsekretär und 
Magistratsmitglied, Göttingen, und Tochter Luise; Cnyrim, Her¬ 
mann, Buchdruckereibesitzer, Worms; Conström, Oskar, General¬ 
sekretär, Berlin; Dahms, Wilhelm, Buchdruckereibesitzer, und 
Frau, Lübeck; Darmstädter, Viktor, Stadtrat und Vorsitzender 
des Verkehrsvereins, Mannheim; Decke, Dr. Ernst, Rechts¬ 
anwalt, Breslau; Duve, Heinrich, Drogenhändler, Altona-Elbe; 
Ebel, Julius, Kaufmann, Worms; Eberhard, Heinrich, Lehrer, 
Wilhelmshaven; Ehlers, Cäsar, Hamburg, und Tochter; Esch- 
holz, Therese, Pensions-Inhaberin, Berlin; Freiträger, Bernhard, 
Branddirektor a. D., Bremerhaven; Friedrich, Dr. Ernst, Professor 
und Frau, Leipzig; Gontard, Friedrich, Kaufmann, Frau und 
Tochter, Leipzig; Heim, Rudolf, Stadtverordneter, Worms; Helm, 
Fr., Stadtverordneter, Giessen; Hein, Dr. Karl, Rechtsanwalt 
und Stadtverordneter, Worms; Herbst, Christian, Hofpholograph, 
Worms; Herda, Worms; von Heyl, Freiherr, Dr. Cornelius, 
Fabrikherr, Worms; von Heyl zu Herrnsheim, Freiherr, Reichs¬ 
tagsabgeordneter, Worms; Hohl, Franz, Geschäftsführer des 
Verkehrsvereins, Mannheim ; Hünefeld, Wolfgang, Leutnant a. D. 
und Repräsentant der Verlagsanstalt Ullstein & Co., Berlin, 
Leipzig; Hüttenbach, H., Kaufmann, Worms; Dr. Kayser, 
Geheimer Regierungsrat, Gr. Kreisrat des Kreises Worms; Kelp, 
Robert, Bürgermeister, und Frau, Zeitz; Kirsch, Hermann, 
Geschäftsführer, Leipzig; Köhler, Heinrich, Oberbürgermeister, 
Worms; Körfgen, Joseph, Privatier, Frankfurt und Bad Nau¬ 
heim; Köhler, Karl, Kaufmann, Ludwigshafen; Kranzbühler, 
Bugen, Rentner, Worms; Krauss, Direktor, Düsseldorf; Krüger, 
F.R., Schulvorsteher, Hamburg; Krug von Nidda, Regierungsrat, 
als Vertreter der General-Direktion; Kuckuck, Dr. Jur. Alexander, 
Syndikus, und Frau, Dortmund; Künne, Richard, Kaufmann 
Braunschweig; Langenbach, Alfred, Weinhändler, Worms; 
Lebrecht, Karl,Rechtsanwalt, Leipzig; Liebmann, Emil, Kaufmann, 
Alzey; Löwe, Kornelius, Dr. jur., Direktor, Berlin; Lohnstein, 
Ludwig, Kaufmann, Worms; Lorbach, W., Apotheker, Worms; 
Mahler, Wilhelm jun., Worms; Metzke, Albert, Hauptmann a. D., 
Mainz; Metzler, Gg. Wilhelm, Gr. Bürgermeisterei-Beigeord¬ 
neter, Worms; Möckel, Hermann, Seminaroberlehrer a. D., 
Schneeberg in Sachsen; Muck, Ferdinand, königl. Notar, Bad 
Dürkheim; Müller, Dr. Richard, Rechtsrat der Stadt Ludwigs¬ 
hafen, Ludwigshafen; Obenauer, Friedrich, Professor, Oppen¬ 
heim; Onken, Adolf, Schiffsingenieur a. D., Frau und Tochter, 
Hannover; Ostertag, Robert, Stadtrat, Karlsruhe; Pfeiffer, Franz, 
Kaufm^pn, Hoflieferant, Weimar; Prölss, Eduard, Branddirektor, 
Magdeburg; Rauprich, Max, Sanitätsrat, Dr. med., prakt Arzt, 
Wurzen bei Leipzig; von Reichenau, Wilhelm, Professor Dr., 
Mainz; Roth, Friedrich, Professor, Dr. phil., Leipzig; Rühl, 
Louis, Direktor, Worms; Sattler, Albert, Schulinspektor, und 
Frau, Braunschweig'; Schäfer, Heinrich, Eisenbahnbeamter, 
Darmstadt, Vertreter für Niederramstadt - Traisa; Schmahl, 
Fr. Karl, Kommerzienrat, Mainz; Scheurich, Reinhold, Kauf¬ 
mann, Alzey; Schmidt, Gustav, Bürgermeister a. D., und Frau, 
Hannover; Schmidt, Martin, Regierungsrat, Mitglied der Königl. 
Preuss. und Grossh. Hess. Eisenbahndirektion; Schmidt, Her¬ 
mann, Bürgermeister, Oppenheim; Schmidt, G., Bürgermeister, 
und Frau, Hannover; Schnellbächer, Georg, Bürgermeister, 
Lindenfels; Scholl, F, A., Taubstummenlehrer, Trier; Schumacher, 
Jos., Direktor, Redakteur der Zeitschrift „Deutschland“, Düssel¬ 
dorf; Schwager, Emil, Stadtrat und Landtagsabgeordneter, Zittau ; 
Schweninger, Karl, Oberst a. D., München; Seelmann, Werner, 
Oberst a. D., und Frau, Binz auf Rügen; Selbst, L., Lehrer, 
, Oppenheim; Seyfert, Dr. Johannes, Geschäftsführer des Bundes, 
Leipzig; Sieben, Paul, Rentner, Auerbach a. d. Bergstrasse; 


Streich, Elise, Hannover; Stübler, Adolf, Gemeinderat, Stuttgart; 
Trumpier, Klemens, Kommerzienrat, Fabrikant, Worms; Thele- 
mann. Reinhold, Oberst z. D., Stettin; Webel, Lucian, Stadt¬ 
verordneter, Mainz ; Weckerling, Dr. med., Arzt, Worms; Weiss, 
Dr., J. G., Bürgermeister, Mitglied der badischen ersten Kammer, 
Eberbach; Wernher, Karl, Oppenheim; Werther, Reinhold, 
Redakteur, Hann.-Münden ; Wevers, Dr. Alfred, Bürgermeister, 
Worms; Zulehner, Karl, Ingenieur und Bauunternehmer, Kassel. 

Empfangsabend. 

Am 6. Juni, abends 87 ^ Uhr, fand ein Begrüssungsabend 
im Saale der „Zwölf Apostel“, veranstaltet vom Verkehrs-Verein 
Worms, statt. Neben dem Bundesvorsitzenden, Herrn Gontard, 
sassen der Vorsitzende des Wormser Verkehrs-Vereins, Herr 
Reichstagsabgeordneter Freiherr von Heyl zu Herrnsheim und 
der zweite Vorsitzende des Wormser Vereins, Herr Kommerzienrat 
Trumpier. Als Vertreter der Stadt Worms waren anwesend die 
Herren Oberbürgermeister Köhler und Bürgermeister Dr. Wevers. 
Die Eisenbahnbehörde war durch Herrn Regierungs- und Bau¬ 
rat Schmidt vertreten. Am Begrüssungsabend waren etwa 
150 Vertreter der Verkehrs-Vereine und -Verbände aller deutschen 
Gauen anwesend. 

Es erfolgten herzliche Begrüssungsansprachen seitens des 
Herrn Reichstagsabgeordneten Freiherrn von Heyl zu Herrnsheim, 
des Herrn Kommerzienrats Trumpier und des Herrn Bürger¬ 
meisters Dr. Wevers. Der Bundesvorsitzende Gontard dankte 
mit launigen Worten für den schönen Empfang, der dem Bund 
Deutscher Verkehrs-Vereine in Worms bereitet worden war. 

Unter dem Klang der Kapelle des 118, Regiments, unter 
verschiedenen musikalischen Darbietungen einiger Mitglieder 
des Verkehrs-Vereins Worms und eines Sängerquartetts und 
mehreren Ansprachen verlief der Begrüssungsabend in äusserst 
anregender und herzlicher Weise. 

Bericht über die öffentliche Hauptversammlung 

am 7. Juni, vormittags 10 Uhr im „Cornelianum“. 

Tagesordnung: 

1. Begrüssung. 

2. Jahresbericht (die Aussprache darüber fand in der ge¬ 
schlossenen Mitgliederversammlung statt). 

3. Propaganda im Auslande (Referent: Herr Professor 
Dr. Friedrich, Leipzig). 

4. Vortrag die Schnakenplage (Referent: Herr Dr. Bopp, 
Frei-W einheim). 

’ 5. Feriensonderzüge (Referent: Herr Dr. Kuckuck, Dortmund). 
2 ] ^6. Vortrag des Herrn Dr. Löwe, Berlin, über: Propaganda¬ 
mittel für die Zwecke der Verkehrs-Vereine mit besonderer 
Rücksicht auf die Berliner Reise-Ausstellung). 

Der Bundesvorsitzende, Herr Gontard, eröffnete die Sitzung 
mit herzlichen Dankesworten an die Erschienenen kurz nach 
10 Uhr und bat zunächst um Zustimmung zu der Absendung 
von Begrüssungstelegrammen an den Kaiser und den Gross¬ 
herzog von Hessen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig gut¬ 
geheissen. 

Sodann wurde Herr Freiherr von Heyl zu Herrnsheim 
unter lebhaftem Beifall zum Ehrenvorsitzenden der Ver¬ 
sammlung gewählt. 

Der Herr Vorsitzende .begrüsste hierauf ganz besonders 
Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. Kayser, als Vertreter des 
Grossherzoglichen Ministeriums, Herrn Reg^erungsrat Krug von 
Nidda, als Vertreter der Provinzial-Direktion, Herrn Regierungs¬ 
rat Schmidt, als Vertreter des Herrn Eisenbahnministers, 
Herrn Oberbürgermeister Köhler, als Vertreter der Stadt Worms 
und Herrn Oberst von B e h r, Kommandeur des 1x8. Regiments. 

Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Kayser hiess den Bund 
im Namen des Hessischen Ministeriums des Innern herzlich 
willkommen. Ebenso begrüssten die Vertreter der Provinzial¬ 
direktion, der Eisenbahnverwaltung und der Stadt den Bund 
und sprachen ihre Sympathie mit seinen Bestrebungen aus. 

Hierauf gfing der Herr Vorsitzende näher auf die Aufgaben 
des Bundes ein. Er wies besonders darauf hin, dass mehr 





1Q6 l B99QQQ0QQQQQ30QQ ee898 QQQQQQ i l E DEUTSCHLAND 1 6 8600000606000000060 6 06660 1 Nr. 4 


und mehr zwei Ziele in den Vordergrund treten: die Heran¬ 
ziehung von Ausländern zwecks Verbesserung der deutschen 
Zahlungsbilanz und der Ausgleich der Interessen der 
einzelnen zum Wo hie des Ganzen, soweit diese Inter¬ 
essen den Verkehr betrefTen und nicht vom Staat geordnet 
werden sollen. Der Zuzug ausländischer Fremden, die im 
Lande kaufen, ist unbestritten für die Volkswirtschaft von 
grösster Bedeutung. Es kann als erwiesen gelten, dass Frank¬ 
reich einen guten Teil seines Goldschatzes in der Bank von 
Frankreich und eines damit bedingten gleichmässigen Diskonts 
und allgemeinen billigen Zinssatzes den Gold und Tratten in 
das Ausland bringenden Fremden in Paris und an der Riviera 
verdankt. Was wäre Italien ohne Fremdenindustrie? Ver¬ 
suchen wir genügende Ausländer herbeizuziehen! Freilich sind 
wir jetzt wohl noch im wesentlichen in der Defensive. Es gilt 
mehr denn je dagegen anzukämpfen, dass nicht Fremde durch 
die Anstrengung anderer Länder fortgezogen werden. Hierbei 
sei auch gesagt, dass es unseren eigenen Landesleuten die 
Augen zu öffnen gilt, dass sie eine soziale Pflicht erfüllen, 
wenn sie auch bei Erholungsreisen in erster Linie an das 
Gewerbe ihrer Landsleute denken. Engherzig wollen wir freilich 
hierbei nicht sein und uns fremden Völkern gegenüber auf den 
Boden unbedingter Gegenseitigkeit stellen. Nur müssen wir 
bei der Förderung von Reisen ins Ausland über ein gewisses 
Mass nicht hinausgehen; eine Ausnahme wird vielleicht das 
Reisen nach unseren Kolonien bilden. 

Bei dem Ausgleich der Verkehrsinteressen im Inlande, bei 
denen in der Regel die am Verkehr Verdienenden und das 
Publikum die Gegensätze bilden, soll und kann der Staat nur 
im Notfälle eintreten. Andernfalls würden wir hierbei an Ge¬ 
setzen und Verboten zugrunde gehen. Dagegen ist es Sache 
des Bundes, alle in Frage kommenden Kreise, also unser ganzes 
Volk darauf hinzuweisen, welche Pflichten ihm der Nutzen der 
Gesamtheit auch im Verkehr auferlegt und dass dem Menschen 
auch beim Reisen nur das nützen kann, wofür er Verständnis 
hat. Viel hilft uns da die Schule und die Schule des deutschen 
Mannes, das Militär. Dank den Lehrern, Dank den Offizieren, 
die bewusst oder unbewusst dem Deutschen das Verständnis 
für die Anforderungen des Verkehrs übermitteln. Dank aber 
auch der Presse und allen, die hierbei mithelfen. Etwaige Uebel- 
stände auf einzelnen Verkehrsgebieten werden wir schonungs¬ 
los aufzudecken haben. 

Die Einhaltung der wichtigen Grenzen unserer Tätigkeit 
wird immer eine Sache des Taktes und des Gefühls bleiben. 
Gegenüber Reisebureaus und Buchhandel muss strengste 
Unparteilichkeit massgebend sein. — 

Zu Punkt zwei erstattete der Geschäftsführer des Bundes, 
Dr. Seyfert, den Jahresbericht; er ging näher auf 
einzelne Punkte desselben ein, soweit sie namentlich die 
Oeffentlichkeit interessieren, und führte folgendes aus: 

Der Jahresbericht stellt fest, dass die Kämpfe der Ent¬ 
wicklungsjahre des Bundes bis zu gewissem Grade zu einem 
Abschluss gelangt sind. Unsere Kräfte sind infolgedessen jetzt 
etwas frei geworden zu ruhiger, stetiger Arbeit. Schon der 
Umfang des Berichtes gibt Zeugnis von der Fülle der Arbeit, 
die im vergangenen Jahre geleistet worden ist. Der Bericht 
geht zunächst auf die stattgefundenen Sitzungen und die 
Zusammensetzung des Vorstandes, sowie auf die 
Mitgliederzahl des Bundes ein. Die letztere hat einen 
erfreulichen Zuwachs zu verzeichnen gehabt. Es sind nicht 
weniger als 26 neue Mitglieder im vergangenen Jahre dem Bunde 
beigetreten, und seit Abschluss des Berichtes liegen bereits 
einige weitere Anmeldungen vor. Wir können daher mit Recht 
behaupten, dass heute nahezu alle für den deutschen Fremden¬ 
verkehr massgebenden Vereinigungen dem Bund Deutscher 
Verkehrs-Vereine angehören. Sie finden dann weiter einen 
Bericht über die Ausstellung des Bundes auf der Inter¬ 
nationalen Ausstellung für Reise- und Fremden¬ 
verkehr in Berlin. Wie bekannt ist, wurde die Bundes¬ 
leitung auf der vorjährigen Hauptversammlung in Braunschweig 
damit beauftragt, für eine würdige Vertretung des Bundes auf 
dieser Ausstellung Sorge zu tragen. Die Ausstellung dauert 
heute noch fort, so dass ein abschliessendes Urteil noch nicht 
erfolgen kann. Der geschäftsführende Ausschuss hat jedenfalls 
mit den ihm zur Verfügung stehenden geringen Mitteln eine 
Ausstellung geschaffen, die beim Publikum grosse Beachtung findet. 

In der vorjährigen Hauptversammlung konnten wir die Er¬ 
richtung zweier Au skun ftste 11 en im Auslande melden. 
Im Laufe des Geschäftsjahres ist es gelungen, nicht weniger 
als 29 solcher Auskunftstellen im Auslande zu errichten. Ueber 
alles Nähere in bezug auf diese Punkte wird Ihnen heute noch 
ein ausführliches Referat, und zwar das über Propaganda im 
Auslande, erstattet werden. 

Ueber das deutsche Verkehrsbureau auf der Welt¬ 
ausstellung in Brüssel hat Ihnen bereits Herr Direktor 


Schumacher auf der Berliner Mitgliederversammlung Bericht 
erstattet. Ich möchte hier in der Oeffentlichkeit nochmals der 
erfreulichen Mitwirkung derPreussisch H essi sehen 
Eisenbahn verwaltung beim Zustandekommen des Bureaus 
gedenken. 

Weiterhin befindet sich im Jahresbericht ein Hinweis auf 
die literarische Tätigkeit verschiedener Bundesmitglieder in 
unserem schönen Bundesorgan „D eu t s ch 1 a n d“ ; hoffentlich 
wird die Beteiligung der Mitglieder in dieser Hinsicht zukünftig 
in noch reicherem Masse erfolgen als bisher. Das Bundes- 
organ selbst hat sich als ein äusserst wirksames Hilfsmittel 
unserer Bestrebungen erwiesen. Der Bund ist durch dasselbe 
im In- und Auslande bekannter geworden. Es ist auch neuer¬ 
dings Aussicht vorhanden, dass das Bundesorgan in den 
D-Zügen der deutschen Eisenbahnen zum Aushang gelangt. 

Es bedeutet dies allerdings eine starke finanzielle Belastung, 
aber es steht zu hoffen, dass auch hierfür die Mittel bereit¬ 
gestellt werden können. 

Auch mit dem spröden Gebiete der Errichtung einer ein-' 
heitlichen Fremdenverkehrsstatistik hat sich der Bund 
weiter befasst. Leider haben wir bei unseren Bestrebungen die 
Unterstützung des deutschen Städtetages nicht gefunden. Wir 
werden aber unablässig auf diesem Gebiete weiter arbeiten. 

Es ist allerdings dazu notwendig, dass die einzelnen Verkehrs- 
Vereine und Verwaltungen den Wert einer Fremdenverkehrs¬ 
statistik begreifen lernen und die in Frage kommenden Behörden 
und Bevölkerungskreise aufklären. Es gibt heute noch manche 
grosse Badeverwaltung, die ohne jede Fremdenverkehrsstatistik 
arbeitet. Unser Münchener Bundesverein sagt mit Recht in 
einem Bericht: Hebung des Fremdenverkehrs treiben wollen' 
ohne Statistik, gleicht einem kaufmännischen Geschäft, das j 
sich erkühnt, ohne Mass und Gewicht zu arbeiten. | 

Ferner befasste sich die Geschäftsführung mit Thüringer j 
Eisenbahnprojekten. Es ist hierbei hauptsächlich die Br- ' 
Schliessung der Rhön ins Auge gefasst. j 

Weiter befassten wir uns mit der Beseitigung der Pflaster¬ 
zölle in bayerischen Gemeinden. ' 

Im Interesse der Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit der 
deutschen Ostseebäder auf Rügen gegenüber ausländischen 
Bädern wurde die Agitation der Rügenbäder für den Ausbau 
der Nebenbahn Puttbus —Göhren in eine Vollbahn 
unterstützt. 

Wir konnten auch einigen Bundesvereinen in der Ver¬ 
folgung lokaler Wünsche nützlich sein. 

Die Bestrebungen des Verbandes deutscher Eil- 
boten-Anstalten, die Freiheit der Beförderung einzelner 
Briefe innerhalb des Stadtgebietes zu erreichen, wurde vom 
Bunde unterstützt. 

Zu den Schiffahrtsabgaben konnte der Bund keine 
Stellung nehmen, da die Stellungnahme der einzelnen Vor¬ 
standsmitglieder sehr verschiedenartig war. 

Ueber Feriensonderzüge folgt noch ein eingehendes 
Referat, ebenso über die Sommerferien und den Bild¬ 
schmuck in den Eisenbahnwagen. 

Der Bericht gedenkt zum Schluss der Auskunft¬ 
erteilung und Verteilung von Drucksachen, was 
keine geringe Arbeit war. 

Auf der vorjährigen Hauptversammlung waren die Aufgaben 
des Bundes vor allem zerleg^ worden in Organisation, Propa¬ 
gandatätigkeit und Unterstützung der Mitglieder mit Rat und 
Tat einerseits und in Bearbeitung von Verkehrsfragen ander¬ 
seits. Damals wurde weiter darauf hingewiesen, dass es gelte, die 
deutschen Behörden dafür zu gewinnen, dass sie den Bund 
mehr und mehr zur Mitarbeit heranzögen. Blicken wir auf 
das vergangene Jahr zurück, so können wir mit Befriedigung 
sagen, dass wir auf diesem Wege einen guten Schritt vorwärts 
gelangt sind, -- 

Zu Punkt 3 folgte sodann der Vortrag des Herrn Professor 
Dr. Friedrich (Leipzig) über 

Propaganda im Auslande. 

Der Vortrag, der bei den Anwesenden grössten Beifall fand, 
wird in der nächsten Nummer der Zeitschrift „Deutschland** 
zum Abdruck gebracht. 

In der darauf folgenden Diskussion bezweifelte Herr Stadtrat 
Ostertag die erfolgreiche Wirkung von Auskunftstellen im 
Auslande, die vom Bunde nicht bezahlt werden. Er begrüsste 
es daher, dass dem Bunde von den Bundesregierungen Gelder 
zur Verfügung gestellt worden sind, wovon namentlich offizielle 
Auskunftstellen, wenn auch wenige, errichtet werden sollen. 

Herr Oberst Schweninger (München) machte darauf 
aufmerksam, dass tadellos funktionierende Auskunftstellen 
schwer zu erlangen seien, da einmal ungeheure Summen hierfür 
aufzuwenden seien und anderseits noch nicht genügendes und I 
gutes Auskunftpersonal vorhanden sei. Er ging sodann darauf 1 




5 

V 

ir . 



let . 
ea . 
in 
Jm 

er- 

il- ■ 

kser 

lotn 

eioe 

/ot* 

Eides 

ild- 

ift* 
was . 

rabeo 
ropa* 
and 
oder- 
te,di« 
Bund 
iT auf 
liguDg 
rwärts 

jfeasoi 


1 fand, 
jhland“ 

Stadtrat 

len 

jgrüsstt 

Geld® 

jffiiieÖ« 

joUeO' 

darairf 

iftetßttf 

ibieitflj 

des 

fl dar*® 



ein, wie grosse Summen seitens der Verkehrs-Vereine für im Auslande für die FeriensonderzÜge zu Übernehmen. Auf 

Inserate verschwendet werden. Bin empfehlenswerter Weg sei diese Weise würden die beantragten Sonderzüge zweifellos eine 

die Sammelannonce. Weiter wies er darauf hin, dass genügende Benutzung aufweisen und für die Bisenbahnverwal- 

man nicht zu umfangreiche Führer herausgeben sollte, sondern tungen rentabel sein. 

kleine Prospekte, die, mit einem Bilde versehen, auf etwa Herr Direktor Schumacher (Düsseldorf) stimmte dem 

4- bis 6 Seiten die* Hauptsachen der Landschaften, des Ortes Referenten bei und betonte, dass bei der Organisation von Ferien- 

sagten und dadurch den Fremden interessierten. sonderzUgen, wie Sonderzügen überhaupt, mehr Rücksicht auf die 

Herr Professor Fr ied rieh (Leipzig) wies in einem Schluss- deutschen Sommerfrischen, Kur- und Brholungsplätze ge- 

wort darauf hin, dass der geschäftsftthrende Ausschuss von den nommen werden müsse. £r schlug vor, eine Kommission 

, Auskunftstellen im Auslande Berichte über ihre Tätigkeit ein- einzusetzen, die in Bezugnahme auf die Vorschläge des Referenten 

gezogen habe, die zum grössten Teile recht günstig lauten. die Angelegenheit weiter bearbeite. 

Die Auskunftstellen des Bundes seien meist bei Verkehrs- Herr Oberst Schweninger (München) war der Meinung, 

gesellschaften untergebracht, die selbst Interesse an dem Verkehr dass die Statistiken der Eisenbahnbehörden Über die Benutzung 

' nach Deutschland und an unserem Propagandamaterial haben. von Eisenbahnzügen der Oeffentlichkeit übergeben werden sollten. 

Es sei daher für ein gutes Funktionieren der Auskunftstellen wie dies in Bayern schon jetzt geschehe, da hierdurch am 

gesorgt. — leichtesten falsche Schlüsse widerlegt würden. Er betonte im 

Hierauf hielt unter Punkt 4 Herr Dr. B o p p (Frei-Weinheim) Gegensatz zu dem Referenten, dass die meisten Reisenden der 

seinen Vortrag über die S ch n a k e n p la g e. Der eingehende Vor- Feriensonderzüge nach München nicht in das Ausland gingen, 

trag gipfelte darin, dass der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine sondern in München und im bayrischen Hochlande blieben, 

die Angelegenheit der Bekämpfung der Schnakenplage weiter Herr Hofrat Behrens (Dresden) war dagegen der Ansicht, 

verfolgen möge, obgleich die Frage nur ganz wenige Landstriche dass die meisten Reisenden, welche die Feriensonderzüge nach 

Deutschlands berühre. Das Reichsgesundheitsamt müsse die München benutzen, nach Tirol und der Schweiz reisen. Er 

Bekämpfung der Schnakenplage in die Hand nehmen, dann trat ebenfalls für die Einsetzung einer Kommission ein. 

könne viel erreicht werden. Der geschäftsführende Ausschuss wird unter Zuziehung der 

Herr Professor Dr. Reichenau (Mainz) ergänzte die Aus- Herren Dr. Kuckuck, Stadtrat Schwager (Zittau) und Krüger 

ftthningen des Redners. (Hamburg) die Angelegenheit weiter verfolgen. 

Herr Kommerzienrat Sch mahl (Mainz) machte darauf auf- Sodann hielt zu Punkt 6 Herr Dr. Löwe (Berlin) seinen 

merksam, dass es gelte, nach grossen einheitlichen Gesichts- Vortrag über Propagandamittel für die Zwecke der 

punkten vorzugehen. Verkehrs-Vereine mit besonderer RUcksicht auf 

Hierauf wurde die Tagung um 12 Uhr durch ein von der die Internationale Ausstellung für Reise- und 

Stadt Worms gegebenes Frühstück unterbrochen, das in der Fremdenverkehr in Berlin. Herr Dr. Löwe wies auf 

prä<ditigen Halle des „Cornelianums** an schön geschmückten den Wert der Fremdenverkehrs-Statistik hin. Soweit eine solche 

Tafeln eingenommen und zu dem die beste Marke Liebfrau- Statistik bereits bestehe, könne man schätzen, dass Deutschland 

milch gereicht wurde. Herr Schulinsp. Sattler (Braunschweig) Millionen, ja vielleicht Milliarden durch den Fremdenverkehr 

sprach in humorvollen Worten auf die Stadt Worms und gewinne. Die Fremdenverkehrsindustrie sei heute den grossen 

stattete den Dank des Bundes für die gastliche Bewirtung ab. Wirtschaftsgruppen ebenbürtig geworden. Von grösster Bedeu- 

Nach etwa einer Stunde wurde die Verhandlung fortgesetzt. tung für die Verkehrs-Vereine sei die deutsche Presse. Der 

Der Referent über die Schnakenplage, Herr Dr. Bo pp, trat nach Redner verbreitete sich weiterhin über den Wert von Photo- 

Wiedereröffnung der Sitzung dafür ein, dass ein in Gründung graphien, Karten und Plänen für die Propaganda der Verkehrs¬ 
begriffenes Institut zur Bekämpfung der Schnakenplage vom Vereine, die künstlerisch hergestellt werden müssten. Die 

Bund finanziell unterstützt werden solle. — deutschen Verkehrs-Vereine müssten bestrebt sein, mehr Fremde 


Hierauf sprach Herr Dr. Kuckuck (Dortmund) unter 
Punkt 5 Über die bisherigen Schritte des Bundes in der Ange¬ 
legenheit der 

Feriensonderzüge. 

(Auch auf den Inhalt dieses Vortrages werden wir in der 
nächsten Nummer näher eingehen.) Er wies vor allem darauf 
hin, dass mit den bestehenden Feriensonderzügen die Deutschen 
ins Ausland geführt würden und trat für die Einführung 
von Sonderzügen von den deutschen Grenzen nach dem 
Innern Deutschlands ein. 

Zum Schluss beantragte der Referent, seitens der Mitglieder 
folgende Punkte anzuerkennen: 

L dass die Einrichtung der Feriensonderzüge in wirtschaft¬ 
licher Beziehung wichtig, aber in der augenblicklichen Form 
sehr reformbedürftig sei; 

2. dass die eisenbahnseitig aufgestellte Zweckbestimmung zu 
eng begrenzt sei, daher erweitert werden müsse, wozu prak¬ 
tische Vorschläge allgemeiner Art seitens des Bundes für 
die Interessenten bei der Eisenbahnverwaltung zu machen 
sind; 

3. dass die Interessenten spezielle Wünsche für Einlegung von 
Feriensonderzügen an den Bund gelangen lassen müssen, 
um diesem eine wirksame und praktische Vertretung zu er¬ 
möglichen, und beschliessen auf dem bisher eingeschlagenen 
Wege fortzufahren, das Ministerium für öffentliche Arbeiten 
in Preussen und den anderen Bundesstaaten zu den ge¬ 
wünschten Abänderungen und Erweitemngen der Einrich¬ 
tung der Feriensonderkarten zu veranlassen und hierin die 
Bundesverwaltung nach Kräften zu unterstützen. 

Herr Krüger (Hamburg) beantragte ferner: Der Bund 
möge dahin wirken, dass im Auslande die erforderliche Propa- 
gwda für Reisen nach Deutschland gemacht werde, um dort 
eine grössere Anzahl von Sonderzügen nach Deutschland zu 
veranstalten als bisher. 


nach Deutschland hereinzubekommen, als Deutsche in das Aus¬ 
land hinauszuschicken. In bezug auf die Jugend-Erziehung 
vertrat der Redner den Standpunkt, dass unsere Kinder in der 
Heimat besser zu Hause sein müssten, als in andern Ländern. 

Im Anschluss hieran erwiderte Herr Schulinspektor Sattler 
(Braunschweig), dass die Schulen heute eifrig bemüht seien, 
den Kindern unser deutsches Vaterland vertraut zu machen. 
Der Redner äusserte sich bei dieser Gelegenheit mit grosser An¬ 
erkennung über die Berliner Reise-Ausstellung und die Aus¬ 
stellung des Bundes. Er habe Aeusserungen des Publikums in 
der Ausstellung angehört, die anerkennend über die Ausstellung 
lauteten. Er müsse als Folge der Ausstellung bezeichnen, dass 
sehr grosse Mengen der Braunschweiger Prospekte in diesem 
Jahre verlangt würden. Weiterhin gedachte er sowie Herr 
Lehrer Selbst (Oppenheim) des Bundesorgans „Deutschland** 
mit anerkennenden Worten, die nicht nur in jedem Lesezimmer 
sondern in jedem deutschenHause zu finden sein sollte. 
„Unsere „D e u t s ch 1 a n d“, bemerkte der Redner, „ist ein ausser¬ 
ordentlich wirksames Propagandamittel für unsere Bestrebungen. 
In Braunschweig habe ich veranlasst, dass unsere Zeitschrift in 
verschiedenen Lesezirkeln und Lesehallen ausgelegt wird; 
ferner habe ich sie auslegen lassen in den Wartezimmern der 
Zahn- und anderen Aerzte und später Erkundigungen darüber 
eingezogen, welche Wirkung das Blatt auf die Leser ausübt. 
Es ist mir darauf von verschiedenen Seiten gesagt worden, dass 
die Patienten stets zunächst nach diesem Blatt 
greifen und es infolge seiner wundervollen Aus¬ 
stattung undseinerDarbietungen gerne lesen. Wir 
haben kein schöneres Propagandamittel als unsere „Deutschland“, 
die von unseren Mitgliedern die weitgehendste Unterstützung 
verdient.“ Redner bat die Bundesleitung, den Vereinen be¬ 
stimmte Anleitung zu geben, wie sich die Propaganda 
in den deutschen und ausländischen Zeitungen mit Zweck¬ 
mässigkeit gestalten lasse. 

Herr Dr. Löwe hielt dies für undurchführbar. 


Herr Dr. Seyfert berichtete, dass die Reisebureaus zur 
Füllung der Sonderzüge, von den deutschen Grenzen nach dem 
Innern Deutschlands, mit Ausländern herangezogen werden 
müssten. Er habe im Aufträge des geschäftsführenden Aus¬ 
schusses mit einer grossen englischen Eisenbahn-Gesellschaft 
vor einiger Zeit Verhandlungen gepflogen. Betreffende Gesell¬ 
schaft sei bereit, den deutschen Sonderzügen englisches und 
holländisches Publikum zuzuführen. Die Auskunftstellen des 
Bundes im Auslande wären geeignete Stellen, um die Propaganda 


Herr Oberst Seelmann (Binz) machte darauf aufmerksam, 
dass man dem Bund alles mögliche übergeben möchte. Man 
müsse ihm dann aber auch die entsprechenden Mittel zur Ver- 
fügfung stellen. Um seine Aufgaben bewältigen zu können, 
solle die Bundesleitung einen Antrag auf Erhöhung der Beiträge 
der Mitglieder auf der Bundestagung stellen. 

Mehrere Redner traten dafür ein, dass in Zukunft weniger 
Punkte auf die Tagesordnung gesetzt werden möchten, dann 
könnte jeder Punkt eingehender beraten werden. Hiergegen 




198 i B Q Q QQQta i s oQ QQQCK K XXi QQQ aaaa^ DEUTSCHLAND iB8eetg»8 e e0e e eo6^ ^ ee 808ee65 i Nr. 4 


wurde jedoch eingewandt, dass die Bundestagung in der Haupt¬ 
sache nur Anregungen geben solle und nicht geeignet sei, 
einzelne Punkte eingehend zu beraten. 

Es wurde ferner angeregt, die Festlichkeiten auf den Bundes- 
tag^ngen etwas einzuschränken. 

Schluss der öffentlichen Hauptversammlung um 47.^ Uhr 
nachmittags. 


Nachmittags 5 Uhr fand das Festessen im grossen Saale 
des städtischen Spiel- und Festhauses statt. 

Etwa 150 Personen beteiligten sich an dem Essen; es 
nahmen daran unter anderen teil: Herr Geheimer Regierungs¬ 
rat Dr. Kayser, Oberbürgermeister Dr. Köhler, Herr Regierungs¬ 
rat Schmidt (Mainz), Reichstagsabgeordneter Freiherr von Heyl 
zu Herrnsheim, Dr. Cornelius Freiherr von Heyl, Oberst von 
Behr, mehrere Mitglieder des Stadtverordneten-Kollegiums von 
Worms und sonstiger Korporationen. 

Das Mahl wurde durch eine Anzahl von Reden gewürzt. 
Es sprachen: der Bundesvorsitzende, Herr Gontard, Herr 
Freiherr von Heyl zu Herrnsheim, Herr Kommerzienrat 
Wernher (Oppenheim), Herr Professor Dr. Friedrich (Leipzig), 
Herr Bürgermeister Kelp (Zeitz), Herr Oberbürgermeister Köhler 
(Worms), Frau Eschholz (Berlin), Herr Rechtsanwalt Lebrecht 
(Leipzig), Herr Dr. Seyfert (Leipzig) und Herr Oberst Schweninger 
(München). 

Herr Guggenheim (Worms) erfreute die Anwesenden mit 
einigen schönen Liedern, wozu ihn Herr Tannert (Worms) 
begleitete. 

Während der Tafel traf vom Gr o ssherz og von Hessen 
auf das am Morgen abgesandte Telegramm folgende Antwort 
ein: „Bitte übermitteln Sie den Herren meinen aufrichtigsten 
Dank für freundliches Gedenken. Ernst Ludwig.** 

Das Telegramm erweckte lebhaften Beifall bei den Teil¬ 
nehmern, und stehend wurde die Fürsten-Hymne gesungen. 

Am Abend verlief das Gartenfest im Festgarten bei Musik 
der Wormser Regimentskapelle und Gesang des Gesangvereins 
„Liederkranz** in der denkbar schönsten Weise. 

Auch von seiten Seiner Majestät des Kaisers traf nach¬ 
träglich eine uns ehrende freundliche telegraphische Antwort ein. 


Bericht über die 

„Geschiossene Mitgiiederversammlung“, 

Donnerstag, den 8. Juni, morgens 9 Uhr, im ,,Cornelianum“. 

Tages Ordnung: 

1. Aussprache über den Jahresbericht. 

2. Rechnungsbericht und Bericht der Rechnungsprüfer 1910/n. 

3. Haushaltplan und Wahl der Rechnungsprüfer für 1911/12. 

4. Führerautomaten (Referent: Herr Pfeiffer, Weimar). 

5. Bildschmuck in den Eisenbahnwagen (Referent: Herr 
Rechtsanwalt Lebrecht, Leipzig). 

6. Die Bedeutung der Regelung der Sommerferien für den 
Fremdenverkehr (Referent: Herr Professor Dr. Roth, 
Leipzig). 

7. Sammeleingaben betr. Fahrplanwünsche (Referent: Herr 
Dr. Seyfert, Leipzig). 

8. Verschiedenes. 

Der Herr Vorsitzende eröffnete die Sitzung 9 Uhr 10 Minuten. 

Zu Punkt I der Tagesordnung (Aussprache über den 
Jahresbericht) wurde nichts erinnert. 

Zu Punkt 2 (Rechnungsbericht der Rechnungs¬ 
prüfer 1910/11) erstattete Herr Bürgermeister Kelp (Zeitz) den 
Rechnungsbericht und Bericht der Rechnungsprüfer. Es er¬ 
folgten einige Anfragen über verschiedene Punkte des Rechnungs¬ 
berichtes, über die vom Vorstand Auskunft gegeben wurde. 

Es wurde der Bundesleitung die Anregung gegeben, alle 
Zahlungen, auch solche auf Neben-Konten, durch die Bundes¬ 
kasse gehen und im Kassenbericht erscheinen zu lassen. 

Hierauf wurde einstimmig dem Vorstand Entlastung erteilt. — 

Punkt 3 (Haushaltplan und Wahl derRechnungs- 
prüfer für 1911/12). Herr Bürgermeister Kelp (Zeitz) erstattete 
den Bericht. 

Es entspann sich eine längere Debatte Über die Bezeichnung 
einzelner Punkte des Haushaltplanes. 

Herr Oberst Schweninger (München) wies auf die 
geringen Mitgliederbeiträge der Bundesmitglieder hin. Man 
müsse sich daher mit den Ansprüchen an den Bund mässigen. 
Der Bund sei finanziell nicht in der Lage, den vielseitigen An¬ 
sprüchen der Bundesmitglieder zu genügen. Es müsse an eine 
Erhöhung der Mitgliederbeiträge gedacht werden. 

Herr Möckel (Schneeberg) sprach gegen eine Erhöhung 
der Beiträge; die Verbände hätten viele Ausgaben. 

Es wurde beschlossen, die Frage der Erhöhung der Mitglieder¬ 
beiträge der nächsten Vorstandssitzung zu unterbreiten. 


Der Hausb altplan wurde einstimmig genehmigt und die 
Herren Köhler und Junghans wurden wieder zu Rechnungs¬ 
prüfern für das Geschäftsjahr I9n/i2 gewählt. — 

Hierauf ergriff zu Punkt 4 

Führer-Automaten 

Herr Pfeiffer (Weimar) das Wort. Der Referent trat warm für 
die Aufstellung von Führer-Automaten in der Nähe der Bahn¬ 
höfe, an gut sichtbaren Punkten, ein. Die zwei von dem 
Verkehrs- und Verschönerungs-Verein Weimar aufgestellten 
Automaten verbrauchten im letzten Jahre 8500 Stück Führer 
ä IO Pfg., was einer Einnahme von 850 Mk. entspricht Hier¬ 
von gehen ab für Verwaltung der Automaten auf den Führer 
2 Pfg. = 170 Mk. für 8500 Führer, mithin bleiben 680 Mk. 
Ueberschuss. Der Führer des Weimarer Verkehrs-Vereins 
kostet dem Verein fast nichts, da die Herstellungskosten durch 
Anzeigen ziemlich gedeckt werden. Mithin hat der Verein durch 
die Automaten einen ganz angenehmen Zuschuss, der bei dem 
ewigen Geldmangel der meisten Verkehrs-Vereine gut zu ge¬ 
brauchen ist. Ein Automat, wie er in Weimar in Betrieb ist, 
kostet etwa 50 Mk. und fasst 28 Führer. Der einzige Nachteil 
des dortigen Automaten ist der, dass er nicht mehr als 28 Stück 
Führer fassen kann, was für eine Stadt mit grossem Fremden¬ 
verkehr viel zu wenig ist. Der Referent wies auf die Automaten 
der Deutschen Post- und Eisenbahn-Verkehrswesen-Aktien- 
Gesellschaft in Berlin hin, die ein Fassungsvermögen von 
100 Büchern im Format von 22:12 Zentimeter in der Stärke 
von i’/a—2 Millimeter besitzen. Es können die Apparate Tür 
jede Münze eingerichtet werden. Der untere Teil des Automaten 
ist als Vorratsschrank für 500 Bücher zu benutzen. Die Auto¬ 
maten können ohne weiteres Führer verschiedenen Gewichts 
abgeben, und es ist nicht nötig, dass jeder Automat für ein 
bestimmtes Gewicht eingestellt werden muss. Eine Anzahl 
solcher Automaten befinden sich seit einigen Jahren in Leipzig, 
Köln, Magdeburg und Giessen in Betrieb, und es liegen von 
allen Vereinen genannterStädteausgezeichnete Anerkennungen vor. 

Der Kaufpreis des Automaten der Deutschen Post- und 
Eisenbahn-Verkehrswesen-Aktien-Gesellschaft in Berlin beträgt 
bei gleichzeitiger Bestellung von 100 Stück für das Stück 
225 Mk. Die Kaufsumme kann in vierteljährlichen Raten ge¬ 
deckt werden. 

Der Referent richtete an den Vorstand des Bundes die 
Bitte, durch Umfrage bei den Bundesmitgliedern zu versuchen, 
eine Gesamtbestellung von 100 Automaten zu erreichen und 
sodann eventuell direkt mit der Firma in Verbindung zu treten, 
um die gleichen Bedingungen auch bei geringerer Bestellung 
zu erlangen. 

Der Referent gab ferner die Anregung, zu erwägen, ob es 
nicht möglich wäre, dass der Bund Automaten anschaffe und 
solche leihweise den Vereinen abgebe gegen Jahresmiete, oder 
gegen Abgabe von i- -2 Pfg. für jeden den Automaten entnommenen 
Führer an die Bundeskasse. Er hielt es jedoch für besser, wenn 
die Vereine für eigene Rechnung arbeiteten und der Bund nur 
die Gesamtbestellung besorge. Die Hauptsache sei, möglichst 
viele und gleichartige Automaten in Be rieb zu bringen. 

In der hierauf lolgenden Debatte sprach der Vertreter des 
Verkehrs-Vereins Giessen für kostenlose Abgabe der Führer 
durch die Automaten. 

Herr Oberst Schweninger (München) begrüsste und be¬ 
fürwortete die Aufstellung von Automaten dort, wo sich die 
Auskunftbureaus der Verkehrs-Vereine nicht auf dem Bahnhof 
befinden. 

^Herr Conström (Berlin) regte an, der Bund solle an die 
Gemeinde-Verwaltungen herantreten, damit sie die Automaten 
anschaffen möchten. Die Verkehrs-Vereine sollten die Pro¬ 
spekte zur Verfügung stellen und die Automaten damit versorgen. 

Herr Oberst Thelemann (Stettin) sprach dagegen; des¬ 
gleichen Herr Schulinspektor Sattler (Br.vunschweig), da die Ver¬ 
kehrs-Vereine bereits zum Teil allgemeine Unterstützungen ihrer 
Gemeindeverwaltungen erhalten. Der Bund solle nur bei den 
Bundesmitglie lern eine Rundfrage halten, welche Vereine einen 
Automaten zu beziehen beabsichtigen und dann eventuell mit 
einer Automatenfabrik wegen Gewährung einer Preisermässigung 
in Verbindung treten. 

Es wurde beschlossen, die Angelegenheit der nächsten Vor- 
standssitzung zu unterbreiten. - 

Zu Punkt 5 (Bilds chmuck in den Eisenbahnwagen) 
berichtete Herr Rechtsanwalt Lebrecht (Leipzig). Er gab 
Aufschluss über den bisherigen Verlauf der Angelegenheit und 
gab das Gutachten der Leipziger Akademie für graphische 
Künste und Buchgewerbe und des Vorstandes des deutschen 
Buchgewerbevereins im Wortlaute bekannt. Er legte der Ver¬ 
sammlung mehrere farbige Künstler-Lithographien sowie ein 
photographisches Probebild vor und ging sodann auf verschiedene 
Einzelheiten ein (Format, Anzahl und Verteilung der Bilder, 



Nr. 4 B99QQ09G99Q39 99 QQ Q Q QQCg^ ^ ^^ DEUTSCHLAND 199 


Heranziehung eines Verlegers). Der Verleger könne eine grössere 
An za hl Abzüge herstellen und sie, soweit sie nicht in den Eisen¬ 
bahnwagen verwendet oder von den Vereinen abgenommen 
werden, im Kunsthandel vertreiben, was für die einzelnen 
Vereine nur wünschenswert und vorteilhaft sein könne. 

Der Referent fasste seine Ausführungen dahin zusammen, 
idas8 farbige Künstler-Lithographien zu empfehlen seien, ferner 
die Heranziehung eines Verlages und die Abnahme einer 
bestimmten Anzahl Bilder seitens der Verkehrs-Vereine. Auch 
solle der Bundeskasse eine Abgabe pro Bild von den Vereinen 
zufiiessen. Der Bund müsse auf jeden Fall etwas künstlerisch 
und praktisch Einwandfreies schaffen. 

Die Versammlung bekundete dem Redner lebhaften Beifall. 

Herr Schulinspektor Sattler (Braunschweig) trat für bunte 
Photographien ein; diese seien billiger als Künstler-Lithographien 
und ebenfalls von schöner Wirkung. Er glaube, dass der 
Aushang von Künstler-Lithographien an den hohen Herstellungs¬ 
kosten derselben scheitern würde. 

Herr Oberst Thelemann (Stettin) äusserte sich dahin, 
dass man im Hinblick auf die vorliegenden prächtigen Künstler- 
Lithographien doch versuchen solle, diese zur Einführung 
zu bringen. 

Herr Stadtrat Ostertag (Karlsruhe) schlug farbige Photo¬ 
graphien vor und dankte im übrigen Herrn Rechtsanwalt 
Lebrecht für seine eingehenden Bemühungen in der vorliegenden 
Angelegenheit. 

Von anderer Seite wurde Zweifarbendruck in Vorschlag 
gebracht, der billiger sei als Dreifarbendruck. Wenn man die 
Bilder in Zweifarbendruck ausführen lasse, so könnten sich 
auch kleinere Vereine an der Herstellung beteiligen. 

Herr Schade (Heidelberg) machte verschiedene Bedenken 
geltend. 

Herr Rechtsanwalt Lebrecht erwiderte eingehend auf 
die Ausführungen des Vorredners und erklärte, dass die aus¬ 
gesprochenen Bedenken bei der praktischen Ausführung des 
schönen Plans sicher überwunden und die Bilder den Beifall 
aller finden würden. 

Hierauf trat Herr Dr. Löwe (Berlin) warm für Künstler- 
Lithographien ein, indem er diese als beste und billigste Bilder 
bezeichnet. Er sprach auch für die Gewährung einer Gebühr 
an den Bund. 

Herr Generalmajor Bigge (Coblenz) beantragte, dem ge¬ 
schäftsführenden Ausschuss alles weitere zu übertragen. Dies 
wurde einstimmig angenommen. — 

• Zu Punkt 6 

Die Bedeutung der Regelung der Sommerferien 
für den Fremdenverkehr 

sprach Herr Professor Dr. Roth (Leipzig). 

Der Referent ging zunächst auf die Uebelstände ein, die 
durch das Zusammenfallen verschiedener Sommerfei ien vom 
8. Juli etwa bis Anfang August verursacht werden. Als solche 
Uebelstände werden betrachtet, dass die Unterbringung der 
Kurgäste immer schwieriger, schlechter, teurer wird, dass die 
Ueberwachung in sanitärer Beziehung erschwert wird, ja kaum 
mehr zu leisten ist, dass auch direkt ungesunde Wohnungen 
vermietet werden, dass in dem übermässigen An dränge als un¬ 
mittelbare Folge die Verführung zu leichtsinnigen Neubauten 
liegt, wodurch wohl einmal ein wirtschaftlicher Notstand herbei- 
gefOhrt werden kann, dass ferner der Abfluss der Sommer- 
fnschler ins Ausland ganz wesentlich begünstigt wird, wodurch 
viele Millionen verloren gehen, dass endlich auch die Eisen¬ 
bahn kaum den gewaltigen Andrang bewältigen kann. Das seien 
Uebelstände, die nicht nur die Sommerfrischen und Kuroite 
treffen, sondern auch die Besucher. Wenn man nun weiter 
bedenke, um welche gewaltigen Summen es sich beim Sommer¬ 
reiseverkehr handelte — berechne doch Kauffmann im „Deutschen 
Bäderbuch für 1905“ 360 Millionen Mark, die für Kuraufenthalt, 
Bäder, Reisekosten usw. in Deutschland ausgegeben wurden, 
jetzt gewiss über eine halbe Milliarde im Jahr — so sei schon 
aus diesem Grunde der dringende Wunsch nach einer gedeih¬ 
lichen Regelung begreiflich. 

Referent wies besonders darauf hin, dass der Anfang der 
Berliner Ferien (8. Juli), der der Hansastädte (12. Juli), der 
Sachsens (15. Juli) zu nahe aneinander liege. 

Zum Schlüsse teilte der Redner mit, dass der Bund bereits 
an den Verband der akademisch gebildeten Lehrer Deutsch¬ 
lands mit der Bitte um Mitwirkung bei den Bestrebungen des 
Bundes, eine bessere Verteilung der Schulferien herbeizuführen, 
herangetreten sei und bereits von dessen Vorstand die Zusage 
zur Mitarbeit erhalten hat. 

In der nunmehr einsetzenden Diskussion bat Herr Oberst 
Seelmann (Binz), auch die wirtschaftlichen Verbände und die 
Behörden für die vorliegende Frage zu interessieren. Die Frage 


sei namentlich eine wirtschaftliche für die Bäder. Wenn der 
Ostertermin festgelegt werden könnte, würde sich die Ange¬ 
legenheit leicht regeln lassen. 

Herr Direktor Schumacher (Düsseldorf) empfahl, an die 
Stadtverwaltungen heranzutreten und auch diesen Punkt der 
Vorstandssitzung zur weiteren Bearbeitung zu übergeben. 

Herr Schulinspektor Sattler (Braunschweig) schlug vor, an 
den Preussischen Rektorenverein und an den Preussischen 
Lehrerverein mit dem Ersuchen um^Mitarbeit in der Angelegen¬ 
heit heranzu treten. 

Es wurde beschlossen, weiteres statistisches Material zur 
Behandlung der Ferienfrage zu sammeln, sich mit anderen 
interessierten Korporationen in Verbindung zu setzen und dann 
an die Kultusministerien der deutschen Staaten mit der Bitte 
um erneute Prüfung der Ferienfrage heranzutreten. — 

Zu Punkt 7 (S^a mmele ingaben betr. Fahrplan- 
w ü n s ch e) referierte Herr Dr. S e y f e r t (Leipzig). 

Der Referent machte darauf aufmerksam, dass im Laufe 
des Jahres eine grosse Anzahl Fahrplanwünsche mit der Bitte 
um Unterstützung beim Bund einlaufen. Trete man fort¬ 
während mit grösseren oder kleineren Wünschen an die Eisen¬ 
bahnbehörden heran, so sei eine Ermüdung der Behörden und 
eine geringe Beachtung der Eingaben zu befürchten. Auch 
käme es häufig vor, dass sich Wünsche verschiedener Bundes¬ 
mitglieder widersprechen. Von der Preussischen Eisenbahn¬ 
verwaltung seien auch bereits Anregungen auf Einreichung von 
Sammeleingaben durch den Bund gegeben worden. Solche 
Sammeleingaben würden ganz besonders notwendig durch die 
neuerdings, zunächst von den Preussischen Eisenbahndirektionen 
eingeleiteten Konferenzen über Fahrplanverbesserungen, zu 
denen der Bund und interessierte Bundesvereine eingeladen 
werden. 

Der Referent bat zum Schluss um Zustimmung zu der 
Einreichung von Sammeleingaben, etwa ein- oder zweimal 
im Jahre. 

In Uebereinstimmung mit dem geschäftsführenden Ausschuss 
wies Herr Dr. Kuckuck (Dortmund) darauf hin, dass die 
lokalen Wünsche vom Bunde den Verbänden übergeben werden 
möchten. 

Herr Oberst Sch w eninger (München) wies darauf hin, dass 
es vor allem gelte, sich in bezug auf Fahrplanwünsche Be¬ 
schränkung aufzulegen. Der Münchener Verein habe zur 
Statistik gegriffen, um die Berechtigung oder Nichtberechtigung 
von Fahrplanwünschen zu erweisen. Diese Statistik werde den 
Vereinen von der bayerischen Staatseisenbahn-Verwaltung bereit¬ 
willigst zugestellt. Er befürwortete, dass die Sammeleingaben 
den Stempel des Bundes tragen sollen. 

Die Anfertigung von Sammeleingaben wurde hierauf 
beschlossen. — 

Unter Punkt 8 (Verschiedenes) wurde beschlossen, die 
weitere Behandlung der Frage der Scanakenplage dem Vor¬ 
stand zu überlassen. Diejenigen Herren, die sich zu diesem 
Punkte noch zum Wort gemeldet hatten, sollen ihre Wünsche 
schriftlich einreichen. 

Herr Bürgermeister Kelp (Zeitz) stellte den Antrag, den 
Verkehrsbeirat aufzulösen und dessen Aufgaben dem Gesamt¬ 
vorstand zu überweisen. Dies wurde einstimmig beschlossen. 
Es wurde dem Vorstand ferner die Anregung gegeben, den 
Termin der Hauptversammlung zu verlegen, womöglich in den 
März. Die Beratung über die Angelegenheit wurde dem Vor¬ 
stand überwiesen. 

Herr Dr. K u ck u ck (Dortmund) bat, die Vorstandssitzungen 
stets möglichst frühzeitig bekannt zu geben und an einem 
günstig gelegenen Orte, nicht in Leipzig, abzuhalten. 

Der gleiche Wunsch wurde von Herrn Stadtrat Ostertag 
(Karlsruhe) geäussert. 

Der Herr Vorsitzende schloss die Sitzung um i Uhr mittags 
mit herzlichen Dankesworten an die Anwesenden für ihr treues 
Aushalten bis zum Schluss der Sitzung. 


Ausflüge nach Oppenheim und ins Neckartal. 

Nach Beendigfung der geschlossenen Mitgliederversammlung 
am 8. Juni begaben sich die Teilnehmer an der Bundestagung 
nach dem Rheinufer, wo die Köln-Düsseldorfer Dampfschiff¬ 
fahrts-Gesellschaft den Dampfer „Overstolz“ bereit gestellt hatte. 
Gegen 1V2 Uhr setzte sich der Dampfer zur Fahrt nach Oppen¬ 
heim in Bewegung. Die Kapelle des Wormser Regiments 
begleitete die Ausflügler und Hess fröhliche Rhein- und Wein¬ 
lieder erklingen. Die Schiffsküche lieferte ein treffliches Mahl 
und einen guten Tropfen Wein. 

Während des Mittagsmahles wurden eine Reihe Reden 
von den Herren Kommerzienrat Trumpier, Bundespräsidenten 
Gontard, Professor Dr, Friedrich (Leipzig), Direktor Krauss von 



DEUTSCHLAND it ee e eeeeeeeeeeeeoeseeeeeec i Nr. 4 


200 

der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft, Conström (Berlin)^ Schade 
(Heidelberg), Dr. Seyfert (Leipzig) und Dr. Löwe (Berlin) gehalten. 

Bei prächtigem Sonnenschein landete man in Oppenheim, 
wo Herr Bürgermeister Schmidt und Herr Kreisrat Wolff die 
TeUnehmer der Bundestagung empfingen. Auf dem malerischen 
Marktplatz zu Oppenheim richtete Herr Bürgermeister S ch m i d t 
herzliche Begrüssungsworte an die Gäste und bot denselben 
einen guten Tropfen Oppenheimer Wein an, „gereift in der 
glühenden rheinischen Sonne, ängstlich bewahrt vor jedem 
Tropfen Wasser“. 

Herr Kommerzienrat Trumpier dankte hierauf mit herz¬ 
lichen Worten. 

Sodann ging’s nach der Katharinenkirche, wo die Regiments¬ 
kapelle den verklungenen Ton von Sullivan und Agnus dei 
aus der Manzonimesse von Verdi spielte. Es waren weihevolle 
Minuten. Danach erklärte Herr Apotheker Wern her (Oppen¬ 
heim) in kurzen Zügen die Geschichte des Baues, der Zer¬ 
störung und der Wiederherstellung der Kirche, und er wusste mit 
seinen Ausführungen alle Zuhörer zu fesseln. 

Hierauf stiegen die Teilnehmer zur Landeskrone hinauf, 
von wo aus sie den Blick entzückt Uber das sonnenbestrahlte 
Hessenland schweifen Hessen. Auch hier wurde manche Rede 
gehalten; Herr Finanzrat Dölp, der als Oppenheimer den 
Vorsitz führte, sprach im Namen des Verschönerungsvereins. 
Es sprachen ferner der Bundesvorsitzende Herr G o n t a r d und 
Herr Direktor Schumacher (Düsseldorf). Letzterer gedachte 
alle der tiefen Eindrücke, die die Kongressteilnehmer in Worms 
und Oppenheim empfangen haben. Herr Rudolf Heilgcrs 
sprach von den Schönheiten des Hessenlandes und gab eine 
Probe hessischer Mundart, die mit stürmischer Heiterkeit auf¬ 
genommen wurde. Nach ihm sprach Herr D a h m s (Lübeck), 
der in launiger Weise die Eigenart des Nordens Deutschlands pries. 

Abends 7 Uhr erfolgte der Abstieg nach dem Schiffe. Unter 
freundlichem Abschiedwinken herüber und hinüber setzte sich 
das Schiff in Bewegung. Es war ein prächtiger, klarer Abend. 
Während der Fahrt nach Worms versank die Sonne, und unter 
fröhlichem Singen von Rheinliedern steuerte man dem Tagungs¬ 
orte Worms entgegen. 

Kurz vor 10 Uhr kam Worms in Sicht. Ein Böllerschuss 
erschallte, und aus dem Dunkel der Nacht trat plötzlich die 
stolze Ernst-Ludwig-Brücke, von Rotlicht übergossen, hervor, 
woran sich ein Feuerwerk anschloss. Es war ein prächtiger 
Anblick. 

Auf dem Lande beschloss noch ein zwangloses Beisammen¬ 
sein im „Rheinischen Hof“ den schönen Tag. 

Freitag, den 9. Juni, vereinigte sich nochmals eine grössere 
Anzahl der Bundesteilnehmer zu einer Fahrt in das schöne 
Neckartal. Das erste Ziel war Eberbach, wo die Teil¬ 
nehmer von Herrn Bürgermeister Dr. W e i s s unter dem Klange 
einer Musikkapelle herzlich empfangen wurden. 


Im Hotel „Zur Post“ wurde den Gästen ein Ehrentnink und 
Imbiss geboten. 

Der Bundespräsident, Herr Gontard, ergriff das Wort, 
um für die freundliche Aufnahme zu danken. Seine Rede gipfelte 
in einem Hoch auf den Grossherzog von Baden. Es wurde 
an denselben ein Huldigungstelegramm abgesandt, auf welches 
eine herzliche Antwort an den Bund einging. 

Herr Bürgermeister Dr. W e i s s gab einen fesselnden Rück¬ 
blick auf die Geschichte des Neckartales und feierte mit 
packenden Worten die Poesie seiner Naturschönheiten; er 
stellte dieser die Poesie des wirtschaftlichen Schaffens und der 
Industrie zur Seite, in welch letzterer er dem so lange zurück- 
gedrängten Neckartal einen weiteren Aufschwung wünschte. 
Als guter Helfer zu diesem Ziele begrüsste er die Gäste, denen 
er sein volles Glas widmete. 

Es sprachen sodann der Vorsitzende des Eberbacher Ver¬ 
schönerungs-Vereins, der der Damen gedachte, Herr Schulinspektor 
Sattler, der den Dank der Gäste abstattete, Frau Bürgermeister 
Schmidt (Hannover), die im Namen der Damen auf den Bund 
ein Hoch ausbrachte, und Herr Stadtveroreneter Heim (Worms), 
der dem Herrn Bürgermeister Dr. Weiss den Dank der Ver¬ 
sammlung aussprach. 

An das Frühstück schloss sich ein Rundgang durch die 
Stadt und die nächste Umgebung an. Alle Teilnehmer waren 
begeistert von der unvergleichlich prächtigen Lage der Stadt 
Eberbach. 

Hierauf wurde die Fahrt nach Neckarsteinach angetreten, 
wo man sich zum festlichen Mittagsmahle vereinigte. Hier war 
auch Herr Freiherr von Heyl zu Herrnsheim anwesend, 
der auf die soziale Bedeutung günstiger Verkehrsgelegenheiten 
in einer längeren Rede hinwies. Es schlossen sich hieran 
während des Mahles eine Reihe weiterer ernster und heiterer 
Ansprachen. Am Nachmittag gegen 5 Uhr fuhren die Teilnehmer 
in einem geräumigen Nachen nach Heidelberg. Nach präch¬ 
tiger Fahrt landete man dort, wo ein Teil der Bundesmitglieder 
der freundlichen Einladung des Städtischen Verkehrsamtes zu 
Wasserspielen und zum Stadtgarten-Konzert folgten, während 
ein anderer Teil nach kurzem Aufenthalt in Heidelberg wieder 
nach Worms abreiste. 

Die ganze Bundestagung verlief in bezug auf die ernsten 
Beratungen und die festlichen Veranstaltungen in äusserst be¬ 
friedigender und harmonischer Weise. 

Die Teilnehmer erhielten in den Sitzungen eine grosse 
Reihe wertvoller Anregungen, und während der festlichen Ver¬ 
anstaltungen bot sich den aus allen deutschen Gauen zusammen¬ 
geströmten Vertretern reiche Gelegenheit, sich gegenseitig kennen 
zu lernen und mancherlei Meinung auszutauschen. 

Allen denen, die zu dem befriedigenden Verlauf der Bundes¬ 
tagung beigeiragen haben, sei hier nochmals der herzlichste 
Dank des Bundes ausgesprochen. 


Die Amerika-Nummer der „Deutschland“. 


Die diesjährige grosse Sonderausgabe der „Deutschland“ in 
englischer Sprache, die in erster Linie zur Propaganda in 
Amerika dienen sollte, hat auch in der deutschen Presse eine 
günstige Beurteilung gefunden. So schreibt u. a. die Köln. 
Volkszeitung: „Die Verkehrszeitschrift „Deutsch¬ 
land“ hat ihren zweiten Jahrgang mit einigen Nummern be¬ 
gonnen, die wiederum die grösste Beachtung erfordern. 
Der oberrheinischen Nummer, die sich mit Worms, Speier, 
Mannheim, Heidelberg, der Bergstrasse, der Pfalz usw. befasst, 
ist eine neue, für das englisch sprechende Ausland bestimmte 
Empfehlungsnummer gefolgt, aber mit erweitertem Ziele, da 
diesmal nicht bloss England, wie im vergangenen Jahre, 
sondern Nordamerika das zu beeinfiussende Gebiet darstellte. 
In ähnlicher Weise wie damals haben sich für diese ganz be¬ 
sonders hervorragende Leistung der Düsseldorfer Verlags- 
Anstalt nicht nur deutsche staatliche, provinziale und städtische 
Behörden, sowie private Unternehmungen, sondern auch ein¬ 
flussreiche amerikanische Persönlichkeiten erwärmt, wodurch 
diese „American Travellers Edition“ um so mehr an den ge¬ 
eigneten Stellen und in dem geeigneten Umfange verbreitet 
werden konnte. Das Geleitwort besagt: „Diese Nummer der 
Zeitschrift „Deutschland“ soll den Bewohnern Amerikas ein 
klares Bild der Naturschönheiten und Kunstschätze unseres 
deutschen Vaterlandes geben. Wir hoffen, das durch sie eine 
neue Anregung zum Besuch unserer lieben Heimat gegeben 
wird, und dass diese Amerikanummer Überdies zu grösserer 
Vertraulichkeit in den politischen und wirtschaftlichen Be¬ 
ziehungen zwischen den beiden grossen Nationen beitragen 
wird.“ Man kann sich dem Ausdruck dieser Hoffnung nur 
anschliessen, deren Erfüllung übrigens die sehr geschickt aus¬ 
gewählten einleitenden Aufsätze gewiss gute Dienste leisten 


werden. ... Im ganzen eine Nummer von ganz ungewöhnlichem 
Umfang und natürlich wieder hervorragender Ausstattung.“ 

Die „Berliner Neueste Nachrichten“ schreiben nach 
einer eingehenden Aufzählung der verschiedenen Aufsätze: 
„Und neben diesen beredten Kündern deutscher Landschafts- 
eigentUmlichkeiten wissen andere Schriftsteller speziellere Gebiete 
anmutig und belehrend zugleich festzuhalten, und eigenartige 
Städtebilder: Leipzig, Hildesheim, Chemnitz, Hannover u. v. a. m. 
entstehen dioramenartig vor den staunenden Blicken. Dem 
lebendigen Text gesellt sich das lebendigere Bild — Uber aoo 
künstlerisch-wertvolle Illustrationen unterstreichen gewissenhaft 
das Wort. Da ist kein Eckchen in unserer Heimat, das hier 
nicht vorteilhaft zur Geltung käme; keine Landschaft, die sich 
nicht auf das allervorteilhafteste präsentiert. Männer wie der 
amerikanische Austauschprofessor Münsterberg, wie der Heraus¬ 
geber der „New Yorker Staatszeitung“ Hermann Ridder reihen 
sich in die Folge der Mitarbeiter ein, und wenn der eine das 
Amerikainstitut in Berlin behandelt, dann findet der andere 
gehaltvolle, beachtenswerte Worte zu dem Thema „The United 
States and Germany“. Ernst von Hesse-Wartegg entdeckt 
„Germany for the american tourist“, und ganz allgemein erörtert 
das Verhältnis zwischen Deutschland und Amerika Dr. R. W. 
Drechsler vom Berliner Amerikainstilut — kurzum — hier ist 
auf dem verhältnismässig kleinen Raume von 172 Seiten 
eine Monograp h ie deutscher Landschaft, deutscher 
Tatkraft und deutschen Unternehmungsgeistes 
zustande gekommen, wie sie in dieser Eigenart 
bisher noch nicht geschrieben worden ist.“ . • . 
Die erwähnte Zeitung bemerkt alsdann zum Schluss: „Schu 1 e n , 
namentlich diejenigen, bei denen die neueren Sprachen vor- 


Nr.4 B a8QQQ0Q08QQ8QQQQGQQ0QQ08Q ga DEUTSCHLAND ^B 0 ee6eü)c e 0 o eo oeo6 eooe oöooco aB 201 



en, 

rar 

nd, 

teD 

ran 

irer 

ner 

ch- 

der 

an 

snd 

der 

iten 

bc- 




herrschen, werden das Amerikaheft der „Deutschland** als ein 
nicht leicht zu ersetzendes Anschauungsmaterial für die Geo¬ 
graphiestunde gern ihren Bibliotheken einverleiben. Sie, die 
~ darauf bedacht sein sollten, ihre Zöglinge möglichst in das Alltags¬ 
leben der neueren Sprachen einzufUhren, werden nicht zuletzt 
auch in dem hervorragend 
ausgestatteten Anzeigenteil der 
Amerikanummer wahre Fund¬ 
gruben für die Sprechübungen 

finden/* | [)j [0 


Die „M itteilungen des 
Ver einsfür das D euts ch- 
tum im Ausland** wür¬ 
digen die Sondernummer der 
„Deutschland**, indem sie unter 
der Spitzmarke „D e u t s ch - 
Amerikanischer Reise¬ 
verkehr** folgendes schreiben: 

'„Das sicherste Mittel, um die 
über ein Land herrschenden 
Vorurteile zu zerstreuen, ist, 
dieses Land zu bereisen. Die 
Förderung des internationalen 
Reise- und Fremdenverkehrs, 
durch die es den Bürgern 
fremder Länder ermöglicht . 
wird, sich ein selbständiges 
Urteil über Land und Leute, 

Sitten und Bräuche, Kultur¬ 
höhe und öffentliche Einrich¬ 
tungen des bereisten Staates 
und Volkes zu bilden, hat daher 
für diese selbst mehr als nur eine wirtschaftliche Bedeutung. 
Gerade das deutsche Volk und die deutschen staatlichen Ein¬ 
richtungen haben aus mancherlei berechtigten und unberechtigten 
Ursachen vielfach unter falscher Beurteilung seitens des Aus¬ 
landes zu leiden. Es ist daher sehr zu begrüssen, dass in neuester 
Zeit die Organisationen zur Hebung des Fremdenver¬ 
kehrs sich stark entwickelt und ihre Arbeit zielbewusst aus¬ 
gebaut haben. Als ein wertvolles Mittel auf diesem Gebiete 


RMERIKR-NUMMER 

(diesjährige grosse englische Ausgabe 
der „Deutschland“) ist einzeln zu 
beziehen zum Preise von 1 Mark 
(zuzüglich 30 Pfg Porto); für Abon¬ 
nenten der „ Deutsch land “ermässigter 
Preis 50 Pf»;, (zuzüglich Porto). 

Verlag der Zeitschrift „Deutschland“ 

Telephon 8757 Düsseldorf Postfach 444. 


ist die von dem Verband Deutscher Verkehrs-Vereine heraus¬ 
gegebene Zeitschrift „Deutschland** zu bezeichnen, die in 
glänzender Ausstattung mit reichem und mannigfal¬ 
tigem Text, begleitet von einem geradezu hervorragenden 
Bildermaterial, erfolgreich bestrebt ist, im Auslande das Inter¬ 
esse an dem unerschöpflichen 
Reichtum deutscher landschaft¬ 
licher und architektonischer 
Schönheit zu erweitern. Ganz 
besonders geschickt ist nach 
dieser Seite hin die Sonder¬ 
nummer zusammengestellt, die 
dazu bestimmt ist, den ameri¬ 
kanischen Reiseverkehr in noch 
stärkerem Masse als bisher nach 
Deutschland zu lenken. Dieses 
Sonderheft, das im Gegensatz 
zu den laufenden Nummern 
im Hinblick auf den Zweck in 
englischer Sprache verfasst ist, 
wird im grössten Umfange auf 
den deutsch - amerikanischen 
Dampferlinien und in den ver¬ 
schiedenen Gebieten der Nord¬ 
amerikanischen Union zu Pro¬ 
pagandazwecken verteilt wer¬ 
den. Da gerade die Bezie¬ 
hungen zwischen Deutschland 
und den Vereinigten Staaten 
auf dem Gebiet des Geistes¬ 
lebens und der Kultur sich von 
Jahr zu Jahr enger gestaltet 
haben, und da ferner für das 
Ansehen des nach Millionen zählenden amerikanischen Deutsch¬ 
tums eine bessere Kenntnis und damit zweifellos verbundene 
höhere Wertschätzung des deutschen Mutterlandes in der Ge¬ 
samtheit der amerikanischen Nation von grösster Bedeutung ist, 
so muss diesem neuen, vornehmen Propaganda¬ 
mittel der deutschen Ve rk e hr s - V erei ne auch aus 
nationalen Gründen ein voller Erfolg gewünscht 
werde n.** 


)8se 

^cr- ;■ 

len- 

neo 

ies- L 

hste ? 


bem 


lach r 
t*c: 

afts- r-’ 
>iete [■ 

lige 

i.m. 

)eo 

300 

ibaft ■ 

hier 

sich 

der 

aus* * ’ 
■ibcn 
d»i - 
idere ■ 

litcd 
leckt ’ 
ftert 

w. 

• ift 
iten 
;bef 
jto« 
laft 

loo» 

vof- 


Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 

Dem Bund traten folgende neue Mitglieder bei: 

Badeverwaltung Ostseebad Heiligendamm. 

Kur- und Verkehrs-Ver ein Konstanz a. Bodensee. 

St. Georger Verkehrs-Verein, Hamburg (St. Georg). 

Verkehrs -Verein Tiengen i. Schwarzwald (Baden, Amt 
Waldshut). 

Kurverein Wildbad (Württemberg). 

Karl Riesels Reisebureau, Berlin, Unter den Linden 40/41. 

Herr H. Brückmann, Fabrikdirektor der Kartomat Akt.-Ges. 
für Apparatebau, Berlin W. 50, Tauentzinstr. 10. 

Der frühere Vorsitzende des Bundes, unser hochverehrtes 
Bhieninitglied Herr Direktor Otto Winkler, wurde von 
Sr. Majestät dem König von Sachsen mit dem Ritterkreuz des 
Albrechtordens 1. Klasse ausgezeichnet. Die Auszeichnung ehrt 
den Bund selbst, infolge der langjährigen treuen Mitarbeit des 
Herrn Direktor Winkler bei unserer Geschäftsführung. 

Der Bund errichtete zwei weitere Auskunftstellen 
im Anslande, und zwar in: 

Rom, bei der Agentur des Nordd. Lloyd, J. E. Anniser, 
Via del Tritone 145/147. 

Westen de bei Ostende, „Deutsche Villen-Kolonie**. 

Aus den Bundes-Vereinen. 

Bericht über die Jahres-Hauptversammlung des 
SSchsischen Verkehrs-Verbandes in Dresden 

am 27. und a8. Mai igu. 

Der Sächsische Verkehrs-Verband hielt seine diesjährige 
Hauptversammlung im Künstlerhaus zu Dresden ab. Am Sonn¬ 
abend fand zunächst eine geschlossene Mitgliederversammlung 
ttnd darauf folgend eine Vorstandssitzung statt. Herr Direktor 
Winkler (Leipzig) eröffnete die Versammlung mit dem Dank an 
die Anwesenden für ihr Erscheinen. Herr Hofrat Behrens 
(Dresden) begrüsste die Gäste im Namen des Dresdener Fremden¬ 
verkehrs-Vereins. Hierauf wurde von der Geschäftsführerin 
Frl, Müller (Leipzig) der Tätigkeitsbericht verlesen, aus dem 
hervorgeht, dass die Mitgliederzahl von 115 auf 162 gestiegen ist, 
Wid wird besonders hervorgehoben, dass sich in letzter Zeit die 


Königl. Behörden, namentlich die Amtshauptmannschaften, für 
die Bestrebungen des Verbandes mehr interessieren wie bisher. 
Mit Dank wurde noch bekannt gegeben, dass von seiten der 
Königl. Generaldirektion bei der Zusammenstellung des Fahr¬ 
plans eine grössere Anzahl Wünsche berücksichtigt worden sind. 
Herr Kaufmann O. Hirschfeld (Leipzig) erstattete hierauf den 
Kassenbericht, der allseitig genehmigt, ebenso den Voranschlag 
für den Haushaltsplan 1911/12, der einstimmig angenommen 
wurde. Als Kassenrevisoren für das neue Geschäftsjahr wurden 
die Herren Buchdruckereibesitzer P. Jeenel (Plauen i. V.) und 
an Stelle des Herrn Bürgermeisters Engelmann (Königstein), 
der sein Amt niedergelegt hat, Stadtrat Müller (Meissen) gewählt. 
Der alte Vorstand wurde beibehalten unter Hinzuwahl der 
Herren Stadtrat Schwager (Zittau) und Kaufmann Stiegler 
(Chemnitz). Als Vorort für die Jahre 1912/14 wurde Leipzig ein¬ 
stimmig wiedergewählt. Hierauf referierte Herr Kaufmann 
O. Hirschfeld über „Sachsen im Sommer**. Es haben sich bis 
jetzt nur ein Teil der in Frage kommenden Plätze gemeldet, 
und wird die Herausgabe der Schrift in diesem Jahre nicht 
möglich sein. Es wurde einstimmig beschlossen, den Führer 
„Sachsen im Sommer** rechtzeitig im Jahre 1912 fertigzustellen. 
Betreffend „Winter in Sachsen“ berichtete Herr Hirsch¬ 
feld, dass die Königl. Sächs. Generaldirektion in dankenswerter 
Weise eine Beihilfe zu dem Führer bewilligt hat, der in voll¬ 
ständig veränderter Form erscheinen soll. Mit den erforderlichen 
Vorarbeiten soll sofort begonnen werden, die Schrift muss vor 
Beginn des Winters fertiggestellt sein. Dem geschäftsführenden 
Ausschuss wurden die notwendigen Veränderungen überlassen. 
Herr Hofrat Behrens (Dresden) teilte mit, dass der Dresdener 
Verein als Ersatz für das vergriffene „Verkehrsbuch für Sachsen** 
mit Unterstützung des Sächs. Finanzministeriums und der Königl, 
Sächs. Generaldirektion eine Reklameschrift für Sachsen heraus¬ 
gibt, die in 100000 Exemplaren erscheint. In Abwesenheit 
des Vorsitzenden der Verkehrskommission, Herrn Direktor 
A. Zeise (Leipzig), berichtete Herr Red.-Sekr. P. Kabisch 
(Leipzig) über die eingegangenen Anträge in Verkebrsangelegen- 
heiten. Es lagen Wünsche vor von Meissen, Sosa, Neuhausen, 
Döbeln, Annaberg, Johanngeorgenstadt, die nach eingehender 
Besprechung zum grössten Teil unterstützt werden sollen. 
Ueber die Geschäftsbehandlung der Verkehrskommission berichtete 
die Geschäftsführerin. Sie schlug namens des geschäftsführ enden 
Ausschusses Errichtung von Lokalstellen für die Kreishauptmann- 











202 DEUTSCHLAND i^ 


schaftsbezirke zur Vorbereitung von Angelegenheiten lokaler Ait 
vor. Es wurde demgemäss beschlossen und soll die Auswahl 
der betreffenden Herren dem engeren Vorstand überlassen 
werden. Herr Red.-Sekr. P. Kabisch sprich den Dank an die 
KÖnigl. Sachs. Generaldirektion aus für die Erfüllung einer 
Anzahl lang gehegter Wünsche gerade im letzten Jahre. Herr 
Kaufmann O. Hirschfeld schlug vor, diesen Dark des Verbandes 
schriftlich zum Ausdruck zu bringen, und wurde demgemäss 
einstimmig beschlossen. Der Herr Vorsitzende schloss die 
Sitzung 7.25 Uhr mit bestem Dank an die Anwesenden für 
ihre Beteiligung. — In der darauf folgenden Vorstiudssi^zung 
kamen nur interne Sachen zur Erledigung. - Kür Sonnabend¬ 
abend hatte der Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs in 
Dresden in Eichlers Original-Alpenrestaurant in der Hygiene- 
Ausstellung zu einem gemüliiehen Abendessen eingeliden, bei 
dem die Herren Hofrat Behrens und Stadtrat Plölner in liebens¬ 
würdiger Weise die Honneurs machten. Am Sonntag fand 
die öffentliche Hauptversammlung statt, die von Herrn Direktor 
O. Winkler mit einer Begtüssung eingeleitet wurde und mit 
einem dreifachen Hoch auf Seine Majestät den König endete. 
Einer Anregung, Seiner Majestät ein Begriissungs-Telegramm 
zu übersenden, wurde Folge geleistet und trat ein Dank-Tele¬ 
gramm noch am selben Tage ein. Die Geschäftsführerin verlas 
das Protokoll der Sitzung vom vergangenen Tage und den 
Jahresbericht; beides wurde ohne Debatte genehmigt. Herr 
Dr. med. E. Jaeger (Deipzig) hielt einen hochinteressanten 
Vortrag über „Hygiene auf Reisen“, der im Druck erscheinen 
wird. Als Ort der nächsten Jahresversammlung wurde Mittweida 
gewählt. Anschliessend an das Referat der Geschäftsführerin 
Frl. Müller (I..eipzig) über „Propaganda-Diteratur“ entspann sich 
eine lebhafte Debatte, an der sich ein grosser Teil der An¬ 
wesenden beteiligte. Herr Rechtsanwalt Dr. Weise (Dresden) 
sprach in interessanten Ausführungen über die „Tnternationale 
Reise- und Verkehrs-Ausstellung in Berlin“, gab nähere Be¬ 
schreibungen der einzelnen Abteilungen und schilderte den 
günstigen Eindruck, den die Gruppe „Sachsen“ auf den 
Besucher macht. Hierauf f<»lgte eine kurze Aussprache über 
die geplante „ S a ch s e n - N u m m e r “ der Verbandszeitschrift 
„ D e u 18 ch 1 a n d “. Da Mitgliederanträge nicht Vorlagen, schloss 
der Herr Vorsitzende kurz nach 2 Uhr die Versammlung und 
sprach noch seinen besonderen Dank aus den erschienenen 
Vertretern der Behörden Herrn Finanzrat Dr. Damsch, Herrn 
Stadtrat Borak, Herrn Syndikus Dr. Karst, sowie den an¬ 
wesenden Mitgliedern und Gästen für das Interesse, das sie 
den gemeinnützigen Bestrebungen des Verbandes bezeugen. 

Ein Mittagsmahl iin Künstlerhause hielt eine Anzahl Be.sucher 
noch weiter zusammen. 

Der Verkehrs-Verein Leipzig 

stellte am 27. Mai d. J. bei einer Besprechung des Bundes 
Deutscher Verkehrs-Vereine mit der Köni:;l. Eisenbahndirektion 
in Magdeburg den Antrag, dass von Leipzig aus, insbesondere 
für den Sonntagsaustlugsverkehr billigere Zugverbindung nach 
dem Harze geschaffen werden möchte. Die Künigl. Kisenbahn- 
dircktion Halle a. S. teilte dem Verkehrs-Verein daraufhin mit, 
dass der Sonntags-Sonderzug tlalle Halberstadt vom 25. Juni 
ab versuchsweise von und bis Leipzig durchgeführt werden 
wird. Es werden da/u in Leipzig (Berliner Bahnhof) Sonderzug- 
Rückfahrkarten zu folgenden Preisen ausgei'.ebcn werden: nach 
Ascherslebcn 3.50 Mk., nach Wegc leben .v.p Mk., nach Halber¬ 
stadt 4.60 Mk. Die Abfahrt von Leipzig (Berliner Bahnhof) 
wird um 5 Uhr 10 Minuten vormittags, die Ankunft in Leipzig 
am folgenden Montag um 12 Uhr 46 Minuten mittags erfolgen. 
Bei au.sreichender Benutzung wird der Zug bis zum 17. Sep¬ 
tember verkehren. ICs bedeutet dies eine wesentliche Annehm¬ 
lichkeit für alle diejenigen, die Sonntagsaustlüge nach dem 
Harze unternehmen wollen. Der Verkehrs-Verein hofft, dass 
von der dankenswerten Einrichtung reichlich seitens des Pub¬ 
likums Gebrauch gemacht wird, damit die Königl. Eisenbahn¬ 
direktion Halle in der Lage ist, diese ICinrichtung ..uch »einorhin 
zu erhalten. 

Rhoingauiscl'ier Verkehrs-Verein. 

Nach jahr'langen Bespiechun.'. en zwischen den beteilig 
Kl eisen ist nunmehr unter dem Vorsitze des Burgermeisi-Ts 
Keutner von Eltville ein Rheingauischer Verkehrs-Verein gegrünn. t 
worden, der die Pflege der rhcingauischen Fjcmdenverkchis- 
Interessen gegenüber den allgemeinen rheinischen sich z:.r 
Aufgabe gemacht hat. 

Rheinischer Verkehrs-Verein. 

Der engere und der Gesamtvoistan.l hielten am 14. Juni 
in Koblenz Sitzungen ab, in denen man sich hauptsächlich mit 
dem der demnächst siaitfindenden H-.iuplversammlung vorzu¬ 
legenden Rechenschaft .bericht und der Jahrcsrechnnng für 1910, 


sowie dem Arbeitsplan und dem Voranschlag für 19x1 beschäf¬ 
tigte. Aus dem J a h r e s b e r i ch t ist zu erwähnen, dass im 
Interesse des Vercinsgebieies eine rege publizistische Tätigkeit 
entfaltet wurde. Eine beträchtliche Zahl namhafter Schriftsteller 
wurde veranlasst, Aufsätze Uber den Rhein in den angesehensten 
Blättern Deutschlands zu veröffentlichen (eine Reihe von illu¬ 
strierten Aufsätzen hat auch in der Zeitschrift „Deutschland** 
Aufnahme gefunden). Bemerkenswert aus dem Jahresbericht 
ist die schon früher mehrfach hervorgehobene Tatsache, dass 
sich die Schülerherbergen eines ausserordentlich starken 
Zu.spruchs erfreuen, so dass bereits Zweifel entstanden sind, ob 
die Mittel für die Beibehaltung dieser Einrichtung in der biSf 
herigen Art weiter be8cli.ifft werden können. Für das laufende 
Jahr schätzt man die Zahl der Uebernachtungen in den rheinischen 
Schüler-Herbergen auf mindestenvS 10 000. Was die Jahres- 
Rechnung betrifft, so haben sich allerdings Einnahmen und 
Ausgaben noih die Wage gehalten, doch musste der Voi sitzende 
wiederum bemerken, dass die Opferwilligkeit weiter Kreise, ins¬ 
besondere .solcher, die von dem Wirken des Vereins den grössten 
Vorteil hätten, dem Verein gegenüber noch recht viel zu wünschen 
übrig lasse, so dass namentlich gegen säumige Mitglieder künftig 
strenger vorgegangen werden muss. Der Arbeitsplan des laufenden 
Jahres hält sich im gewohnten Rahmen. Die Vorarbeiten für 
die Umgestaltung des Rheinführers, der mit Abdrucken von 
farbigen, nach der Natur aufgenommenen Lichtbildern ausge¬ 
stattet werden soll, haben bedauerlicherweise durch die Ungunst 
der Witterung im vorigen Sommer eine starke Verzögerung 
erfahren. Die Herausgabe ist deshalb erst im Jahre 1912 möglich. 
Der neue, lediglich zu Propagandazwecken geschaffene, ebenfalls 
mit farbigen Bildern ausgeschmückte Prospekt, der besonders 
für die Berliner Reise-Ausstellung gute Dienste geleistet hat, ist 
von dem jetzt in Berlin wohnenden rheinischen Schriftsteller 
Artur Rehbein verfasst worden, der „den schönsten Strom 
der Welt“ in der ihm eigenen irischen Art und rheinische Lande 
und rheinisches Leben mit Begeisterung schilderte. — Die dies¬ 
jährige Hauptversammlung findet am 9. und 10. Juli in Mainz statt. 
(Siehe Inserat in vorl. Nr.). 

Verkehrs-Verein Barmen und das Bergische Land. 

In der kürzlich abgehaltenen Sitzung führte den Vorsitz 
Stadlvernrclneter Evertsbusch. Zur Internationalen Ausstellung 
für Rei.>e- und Fremdenverkehr in Berlin hat der Verband Ber- 
gischer Verkehrs-Vereine 400 Mark bewilligt. Es sind zur 
Ausstellun*.: verschiedene Ansichten vom Bergischen Land 
geschickt worden, u. a. hat der Barmer Verkehrs-Verein zur 
Charakteristik für Barmen eine Abbildung des Bergischen Hauses 
zur Verfügung gestellt. - Die Wegemarkierung geht ihrer Voll¬ 
endung entgegen; man hofft, im laufenden Sommer damit fertig 
zu werden. Die Arbeit für den Bezirk Barmen haben Ver¬ 
messungsinspektor Wehberg und Landmesser Kalle übernommen. 
Die vom Verkehrs - Verein angeschatften Klischees werden 
ausserordentlich in Anspruch genommen und von allen mög¬ 
lichen Zeitschriften verlangt. Dies ist erfreulich, da eine bessere 
Reklame für diese Gegend wohl nicht zu finden ist. Die 
bisherigen Plakate „Barmen und das Bergi.sche Land“ sind 
vergriffen. Man hatte deshalb schon früher wegen einer Neu¬ 
anfertigung beraten. Es wurde s. Zt. beschlossen, einen Wett¬ 
bewerb zwischen Lehrern der Kunstgewerbeschule zu veranstalten. 
Es sind 3 Entwürfe angefertigt worden, die der Versammlung 
vorgelegt wurden; die Entscheidung hatte der Vorstand über¬ 
nommen. Die Entwürfe sind: „Lug ins Land“ von Herrn 
Demeter, „Blick aus dem Berg“ von Herrn Schlottke und 
„Roinryke Berge“ von Herrn Bornemann, sämtlich von der 
Kunslgewerbeschule. Gewählt wurde der Entwurf von Demeter, 
w'oinit sich auch die Versammlung einver.standen erklärte. Die 
Hciansgabe eines kleinen Führers durch Barmen wurde 
beschlossen. Aul die vom 2. ic. Juli in der Ruhmeshalle 
stalMiiulcnde photographisc'.e Ausstellung wurde eingehend hin- 
-wiesen. Ini September wird in Barmen eine grosse Gartenbau- 
Aus iclhing staitfinden. Zur Ei Öffnung derselben wird ein Blumen- 
Kois.» vom Verkehrs-Verein veianslaltet werden. Ferner ist für 
Mute Oktober ein Schaufenster-Wettstreit vorgesehen. 

CcM' mecklenburgische Verkehrsverband 

hielt am 30. Mai in Schwerin seinen Verbandslag ab. Den 
Vojsit/ fiihrie Slrassenbahndirektor Siegmann, Rostock. Senator 

n iiiivl Juslizrat Löwenihal wo'anten der Si zung als 
Veilr-ter des Magistrats bezw. der repräsentierenden Bürger- 
: ehatt bei und wünschten den Besticbungen des Verbandes 
n.imens bvüde. Körper ;ch.iften besten Erfolg. Die Schweriner 
Verkehrsvercin-giin ; hless die Vers .mmlung durch Rechtsanwalt 
Dr. Steuer willkommen. N.\ch Voile.sung der S itziingcn gab 
Kaufmann Vick, Kt> t*'ck. d'e Nanion der Vereine bekannt, die 
dem Verband bis’^er beigotrel.m sind. E.? sind die Verkehrs¬ 
vereinigung in Schwerin, der Vcrkehrsausjchuss in Schwerin, die 





4 


Nr. 4 1 90098900 0090 0 00 0 0090^^9^ DEUTSCHLAND 


203 


ett* 

:cn. 
mg f 
ler* K 
irm > 
lod * 

der 

ter, 

Die 

rde 

alle 

lin- . 
aa* ; 
en- 

für r 


Wir erfüllen hiermit die schmerzliche Pflicht, 
die verehrlichen Bundesmitglieder von dem Ab¬ 
leben der Herren: 

Dir. Steinhäuser (Weimar) 

und 

Dr. Lind (Essen) 

in Kenntnis zu setzen. 

Die Verstorbenen haben mit Treue und Eifer 
die Bestrebungen unseres Bundes unterstützt. Wir 
haben mit ihrem Heimgange einen schweren Ver¬ 
lust erlitten. Sie werden bei den Bundesmit¬ 
gliedern unvergessen bleiben. 

Bund Deutscher Verkehrs-Vereine 


Friedr. Gontard, 
1. Vorsitzender. 


Dr. Seyfert, 
Geschäftsführer. 



Badeverwaltung Müritz, die gemeinnützige Gesellschaft Wismar, 
Bürger- bezw. Verkehrs-Vereine in Neustrelitz, Strelitz-Alt, Neu¬ 
brandenburg, Rostock, Waren, Malchow, Warnemünde, Doberan, 
Ribnitz, Teterow, Malchin, Dargun und Krakow. Die Satzungen 
wurden nach längerer Beratung mit geringen Aenderungen 
angenommen. Es sei erwähnt, dass der Verband seinen Sitz 
in Roato ck hat. Die Vorstandswahl ergab: Direktor Siegmann, 
Rostock (Vorsitzender), Kaufmann Vick, Rostock (Schriftführer), 
Rechtsanwalt Dr. Steuer, Schwerin (stellv. Vorsitzender), Bade¬ 
kommissar V. Roques, Warnemünde (stellv. Schriftführer), Voss, 
Teterow (Schatzmeister); Beisitzer: Senator Weltzien, Schwerin, 
Syndikus Dr. Koch, Neubrandenburg, Dr. Glaser, Doberan, Zoll¬ 
rat Jahn, Wismar, Direktor Schlegel, Alt-Strelitz, und Rechtsanwalt 
Kortüm, Waren. 

Zum Syndikus des Essene r Verkehr s-Ver e i ns 
wurde Herr Dr. J a n s s e n gewählt, bisheriger Syndikus des 
Duisburger Verkehrs-Vereins. 

Oeffentlicher Meinungs - Austausch. 

Neutrales Gebiet zur Erörterung von Verkehrsfragen und Bundesange¬ 
legenhelten. Die Redaktion trägt nur die pressgesetzliche Verantwortung. 

Ferienfahrkarten. Der „Kölnischen Volkszeitung“ 
wird geschrieben: Nicht die Ferienzüge sind hier gemeint, 
sondern es handelt sich um den Vorschlag, eine alte, von der 
einstigen Rheinischen Eisenbahngesellschaft getroffene Ein¬ 
richtung wenigstens für die Zeit der Schulferien wieder zu 
beleben. Es ist ja gewiss recht anerkennenswert, dass die Staats¬ 
bahn nach dem Vorbilde der Monatskarten Feriendauerkarten 
eingeführt hat; dass sie einzelne Sonntagfahrkarten 
auch Mittwochs ausgibt. Für die Schulferien geht dieses 
Entgegenkommen aber m. E. nicht weit genug. Die Dauer¬ 
karten legen die Ausflügler auf eine bestimmte Richtung fest; 
bei häufiger Benutzung, die ja die Karten an sich wie auch die 
freien Tage nahelegen, erschöpft sich das Interesse an den stets 
nach derselben Richtung gemachten Ausflügen und damit deren 
Wirkung schnell. Die Mittwochfahrkarten haben eine zeitlich 
allzu beschränkte Gültigkeit und sollten wenigstens in den Ferien 
für den ganzen Tag gelten. Aber warum lässt man nicht 
wenigstens während der Ferien die einst täglich von der 
Rheinischen Eisenbahn ausgegebenen Tageskarten wieder auf¬ 
leben? Der Familie, der Jugend der grossen Städte würde 
damit ein grosser Dienst erwiesen, die Eisenbahn aber bekäme 
zahlreicheFahrgäste,welche die Bahn sonst nicht benutzen, und der 
Sonntagausflug^verkehr würde ganz entschieden entlastet, da das 
Ausflugbedürfnis der Familien nicht bis zur billigeren Fahr¬ 
gelegenheit des Sonntags zu warten brauchte. — Diesen Aus¬ 
führungen kann man nur beipflichten. Die deutschen 
Verkehrs-Vereine, die ja in letzter Zeit erfreulicherweise 
in regem Gedankenaustausch mit den Eisenbahnverwaltungen 
stehen und zur Besprechung von Verkehrsfragen und Verkehrs- 
. wünschen herangezogen werden, würden sich den Dank weiter 
Kreise verdienen, wenn sie die erwähnte Anregung unter- 
' stützen wollten. Zur Förderung von Wandern und Reisen, 


namentlich in der engeren Heimat, würde diese Ver¬ 
günstigung wesentlich beitragen, die besonders auch den Minder¬ 
bemittelten zugute käme, die nicht in der Lage sind, grössere 
Ferienreisen zu unternehmen. -r. 

Eisenbahnwesen. 

Reiseverkehr zu Pfingsten. Bei herrlichem Wetter 
brachten die Pfingstfeiertage allenthalben einen grossen Fremden¬ 
verkehr. Ueberall in den deutschen Mittelgebirgen, im Harz, 
im Sauerland, im Schwarzwald, in den Vogesen usw. war der 
Touristenverkehr lebhafter wie sonst. Die auf dem Rhein fah¬ 
renden Dampfer der grossen Gesellschaften sowohl wie auch 
der Privatbesitzer und kleineren Gesellschaften waren durchweg 
von Ausflüglern überfüllt, welche die kleineren und grösseren 
Städte des Mittelrheins und landeinwärts aufsuchten, um von 
hier aus ihre Touren in die reizvolle Umgebung zu unternehmen. 
Besonders stark wurde das Nationaldenkmal auf dem Nieder¬ 
wald besucht. Auch viele Vereine trafen im Laufe der Tage 
mit Musik ein. Die Hotels waren allenthalben überfüllt und 
viele mussten in Privat- und Massenquartieren untergebracht 
werden. Sehr lebhaft war auch der Automobilverkehr. Die 
Eisenbahnzüge waren durchweg überfüllt und die Eisenbahn¬ 
verwaltungen dürften geradezu eine Riesenaufgabe bewältigt 
haben, die eine recht interessante Statistik liefern könnte. 

Zu den Sonderzügen nach den Ostseebädern 

am 15. Juli 1911 

a) von Berlin (Stett. Bhf.), b) von Dresden (Hauptbhf.), c) von 
Halle oder Leipzig nach Sassnitz-Hafen werden im An¬ 
schluss an die bis Sassnitz auszugebenden Feriensonderzug¬ 
karten auch Sonderzugkarten zu ermässigten Preisen Sassnitz- 
Hafen—Malmö und Stockholm ausgegeben. Die Preise der 
Karten betragen: Sassnitz-Hafen — Malmö II. Kl. 17.10 Mk., 
III. Kl. 10.50 Mk.; Sassnitz-Hafen—Stockholm II. Kl. 47.40 Mk., 
III. Kl. 30.60 Mk. Diese Karten werden ausserdem allgemein, 
also nicht nur für Feriensonderzugreisende, im schwedischen 
Reisebureau in Berlin W. 64, Unter den Linden 22/23, und in 
der Fahrkarten-Ausgabe Sassnitz-Hafen in der Zeit vom 6. bis 
13. Juli, mittags 12 Uhr, ausgegeben. Für die Feriensonderzug¬ 
reisenden, die nicht bis Stockholm fahren, aber doch Schweden, 
insbesondere Süd- und Mittelschweden, kennen lernen möchten, 
gibt die Kgl. Generaldirektion Stockholm in Malmö weitere An- 
schluss-Sonderzugkarten nach Hässleholm, Alfocsta, Nässjö, 
Mjölby, Linköping, Norrköping und Katrineholm aus. 

Feriensonderzüge nach der Nordsee. 

Da die Feriensonderzüge von München und Nürnberg 
nach der Nordsee, die in den Jahren 1909 und 1910 abgefertigt 
wurden, sich beim bayerischen Publikum rasch eingelebt haben, 
beabsichtigt die Verkehrsverwaltung, auch in diesem Jahre wieder 
einen Feriensonderzug zu ermässigten Freisen für den süd¬ 
bayerischen Verkehr von München aus und einen solchen für 
den nordbayerischen Verkehr von Nüinterg aus nach Hamburg 
und Bremen zu fahren. Beide Züge werden am Samstag, dem 
22. Juli, abgclassen. D.a die Hamburg-Amerika Linie und der 
Norddeutsche Lloyd von Hamburg und Eremen aus für ihre 
Dampferverbindungen nach den Bädern der Nordsee-Inseln An¬ 
schlussfahrkarten mit bedeutender Pieisermässigung abgeben, 
bieten diese Züge eine sehr billige un 4 gute Fahrgelegenheit 
zum Besuch der Wasserkante. Dem Publikum ist ausserdem 
der Vorteil geboten, dass auf dem Rdc!^weg auch Berlin besucht 
werden kann. Alles Nähere enthalten die Prospekte, die dem¬ 
nächst erscheinen. Sie werden in München bei dem Amtlichen 
Bayerischen Reisebureau im Hauptbahnhof und im Stadtbureau, 
Promenadeplatz 16, in Nürnberg bei dem Amtlichen Reisebureau 
im Hauptbahnhof und ausserdem an den Fahrkartenschaltern 
jäißT Stationen Ansbach — Augsburg — Fürth — Gemünden — 
und Würzburg unentgeltlich abgegeben. 

Feriensonderzug-Verkehr nach dem Riesengebirge 
im Jahre 1911. 

Den Bewohnern Pommerns und insbesondere Stettins wird 
ein für den 2. Juli ds. Js. vorgesehener Feriensonderzug den 
Besuch des Riesengebirges durch Fahrpreisermässigung und 
durchgehende rasche Beförderung erleichtern. Der Ferien¬ 
sonderzug wird über Frankfurt (Oder) - Kohlfurt — Lauban — 
Hirschberg (Schles.) bis Ober-Schreiberhau gefahren. In Greiffcn- 
berg (Schles.) erh^t der Zug Anschluss nach Bad Flinsberg 
oder Ullersdorf i. Isergeb. und nach Meffersdorf, in Hirschberg 
nach Schmiedeberg und KrummhUbel. Zum Sonderzuge werden 
auf den nachstehend aufgeführten Stationen Sonderzug-Rückfahr¬ 
karten II. und III. Klasse zu ermässigten Fahrpreisen mit zwei¬ 
monatiger Geltungsdauer nach den folgenden Bädern des 




-rpjijifff Pff ,■ 


204 188 8 9 00000000000000 9 88998060 81 DEUTSCHLAND it e ee ee e eooocooceocccceoee i a B Nr. 4 


Riesengebirges ausgegeben: Von Stettin (zurllck auch über Berlin 
oder Posen), Stargard (Pomm.), GoUnow, Altdamm, Pasewalk, 
Greifenhagen, Königsberg (Neum.), Küstrin Neust. Hbf., Landsberg 
(Warthe), Reppen, Frankfurt (Oder), Guben, Sommerfeld, Sorau 
nach Hirschberg (Schles.), Rosenau, Warmbrunn, Hermsdorf 
(Kynast), Petersdorf i. Riesengeb., Ober-Schreiberhau, Schmiede* 
berg i. Riesengeb., Krummhübel, Bad Flinsberg, Ullersdorf 
i. Isergeb., Mefifersdorf. Die in Stettin ausgegebenen Sonder- 
sug-Rückfahrkarten gelten auf dem Rückwege ausser über den 
oben angegebenen Weg des Sonderzuges auch Uber Lauban — 
Sommerfeld — Frankfurt (Oder) — Freienwalde (Oder) — Anger¬ 
münde oder über Lauban—Görlitz— Sprem berg, auch Kohlfurt- 
(Kottbus oder Liebsgen)—Berlin (Görl. Bhf. oder Stadtbahn). Um 
den Sonderzugreisenden auf dem Rückwege den Besuch der 
ostdeutschen Ausstellung in Posen zu ermöglichen, wird 
in Stettin eine dritte Art Sonderzugkarten zu ermässigten Fahr¬ 
preisen ausgegeben, die zur Rückfahrt über Kohlfurt—Sagan— 
oder Freiburg—Breslau—Lissa—Posen berechtigen. 


Ausstellungs-Sonderzüge nach Posen und Sonder¬ 
zug von Posen nach Marienburg-Danzig mit Fahr- 
preisermässigung. 

1. Zur Erleichterung des Besuchs der Ostdeutschen 
Ausstellung in Posen ist die Ablassung folgender 
Personensonderzüge mit 2. und 3. Wagenklasse nach Posen 
(nur Hinfahrt) in Aussicht genommen (die Zeiten von 6oo 
abends bis 652 morgens sind durch Unterstreichen der 
Minutenzahlen gekennzeichnet). 


Von Kattowitz über Kandrzln—Breslau 

[Fahrpreis 

am 17. Juni 
„ 16. Juli 

„ 12. August 


für die 
einfache 
Fahrt 
II. III. 
Klasse 
Mk. Mk. 


Fahrpreis 
I für die 


V. Kattowitz üb. Tarnowitz—Kreuzburg 

am 1. Juli 
,, '29. Juli 
,, 26. August 


i einfache 
Fahrt 
II. III. 
Klasse 
Mk. ! Mk. 


Kattowitz . 
Königshütte 
Beuthen 
Gleiwitz 
Kandrzin 
Oppeln . 
Löwen . 
Brieg . . 
Ohlau . . 
Breslau Hbf. 

»» n 

Obernigk . . 
Trachenberg 
Rawitsoh . . 
Lissa (Pos.) 
Posen .... 


ab 


9 i 6 ' 9 . 
981 8. 
942 . 8 . 
1004|8. 


ooIg.so 

,90'6.20 
80 6.10 
,40 6.80 


„ 10 « 

„ 11*8 

„ 1163 

„ 1210 
„ 12 »! 6 , 
an 1281 . 
100 fr* 

J 80 I 3 . 


ab 


160 

200 

2401 

341; 


5.30 

4.50 

4.00 

3.80 

3.60 

3.00 

2.60 
2.20 
1.85 
1.36 


am 


Von Stettin 
16. Juni 
13. Juli 
3. August 
24. August 


Fahrpreis 
für die ein¬ 
fache Fahrt 
II.KI.IIII.KI. 
Mk. I Mk. 


Htettin . . ab 8i8j 6.60 
stargard (Pom.) „ 4.60 

Arnswalde „ 943j 3.70 

Woldenberg „ 1027 1 2.90 
Posen ... an I 220 — 


Kattowitz . 

Königshütte 
Beuthen . 
Tarnowitz 
Lublinitz . 
Roseuberg 
Krouzburg 
Pitsohen . 
Kempen . . 
Schildberg 
Posen . . 


ab 


830 8.40!6.80 
842 8.20;5.70 
884 8.00'6.60 

917 7.60 6.30 
982 6.70 4.60 


i028|6.00 


1085;6.50l 
1113'4.90I 
1138 4.20 ^ 
1188 3.8012.70 
218 _ I _ 


4.00 

3.70 

3.4) 

2.90 


Von Königsberg (Pr.) — 
am 21. Juni 
„ 19. Juli 
„ 10. August 
„ 2. September 


Danzig 

Fahrpreis 
für die ein¬ 
fache Fahrt 

Mk. I Mk. 


3.80 

3.20I 

2.60 

1.961 


[Königsberg (Pr.) ab 
Braunaborg „ 
Elbing . . . . „ 
Marlenburg (W.) „ 

Danzig ... ab 

Dirschau . . ab 
Pelplin . . . „ 
Sohmentau . „ 
Hardenberg „ 
Laekowitz(Witpr.) „ 
Terespol . . . „ 
Bromberg . . an 
„ . . ab 

Hohensalza . „ 
Posen .... an 


740 

848 | 

940 

1010 

982 | 

1041 

1106 

1129 

1139 

1210 

1224 

106 

114 

226 

417 


11.90 

10.00 

8.60 

7.90 

ä 3 Ö 


8.00 

6.90 

6.00 

6.40 

6.70 


7.406.00 

6.904.70 

6.404.30 


6.201 

6.601 

6.10 

[ 4 . 00 I 

2.90 


4.20 

3.70 

3.60 

2.80 

1.95 


2. Zu den Sonderzügen Kattowitz—Breslau werden auf 
ihren Ausgangs- und allen Haltestationen e i n f a oh e Sonder- 
zugkarteu II. und III. Klasse nach Posen, zu dem Sonder¬ 
zuge Königsberg—Danzig auf Station Posen Hbf. einfache 
Sonderzugkarten von Posen nach Marienburg-Dauzig 
zu den oben angegebenen ermässigten Fahrpreisen 
ausgegeben. 

3. Die Sonderzüge werden nur bei genügender 
Beteiligung verkehren. Zu diesem Zwecke werden von 
den Fahrkartenausgaben der Sonderzugausgaugs- und Halte- 
stationon V o r m e 1 d u 11 g e n bis zu den nachstehend ange¬ 
gebenen Zeitpunkten entgegengenommen. Das Verkehren 
oder Nichtverkehren der Sonderzüge wird alsdann auf allen 
Sonderzugausgangs- und -Haltestationen an den nachbe- 
zeiohneten Tagen durch Aushang bekanutgemaclit. 


FUr den Sonderzug: 


Vormeldnngen werden 
entgegengenommen: 


Das y erkehren od/br Nteht- 
verkehren der SondeniOge 
wird bekanntgemaeht: - 


am 

13. Juli . . . 

bis 

zum 

7. 

Juli 


am 

9. 

,, 

16. 

» • • • 



9. 

yy 

u 

yy 

11. 

V 

19. 

„ . . . 


yy 

13. 

yy 

P 

yy 

16. 


29. 

„ . . . 

)) 

yy 

23. 

yy 


yy 

26. 

r 

3. August 

yy 

yy 

28. 

yy 

V.'l 

f-H 

yy 

30. 


10. 


yy 

yy 

4. 

August 

^ oa 

60 

yy 

6. 

JJ 

12. 



yy 

6. 

„ 

od 

yy 

8. 

»» 

24. 

yy 

yy 

yy 

18. 

yy 


yy 

20. 

JJ 

26. 

1 » • • 

yy 

yy 

20. 

1) 

’i 

)i 

22. 

V 

2. September 

yy 

yy 

27. 

yy 


)) 

29. 


Berliner Ferienzüge. 

FerieDsonderzüge, die nur 3. Klasse führen, werden in 
diesem Jahre zum ersten Male von Berlin abgelassen. Von 
den 27 FerienzUgen, die vom Stettiner Bahnhof in diesem 
Sommer abgehen, führen 12 ausschliesslich die 3. Klasse, 
während die anderen auch 2. Klasse haben. FUr die meisten 
Reiseziele sind Züge von beiden Arten vorgesehen. Für diese 
Feriensonderzüge ist eine Uebersicht fertiggestellt, die auf dem 
Stettiner Bahnhof, den Reisebureaus usw. umsonst zu haben 
ist. Die Züge gehen am 6., 10., ii., 12. und 15. Juli, sowie am 
15. August Die Ausgabe der Fahrkarten beginnt vom 25. Juni 
an. Wie in früheren Jahren wird nur eine beschränkte Anzahl 
von Karten ausgegeben und dann der Verkauf geschlossen. 
Man kann die Karten auch schriftlich gegen Einsendung des 
Fahrpreises, des Portos, der Einschreibgebühr und des Bestell¬ 
geldes von der Fahrkartenausgabe Berlin, Stettiner Bahnhof, be¬ 
ziehen. Am 15. Juli ist wieder Anschluss zu ermässigten Preisen 
nach Schweden. 


Sonntagsausflüge 

auf der Fähre Sassnitz-Trelleborg nach Trelle- 
borg, Malmö oder Kopenhagen. 

Wer in den Rügenschen Bädern weilt oder von Stettin 
Greifswald, Heringsdorf, Swinemünde oder von anderen pommer- 
schen Ortschaften aus Sassnitz besucht, dem bietet sich Gelegen¬ 
heit, über Sonntag auf den sehenswUrdigen Fährschiffen der 
preussischen und schwedischen Staatsbahnen einen Ausflug zu 
ermässigtem Fahrpreise nach Trelleborg, Malmö oder Kopenhagen 
zu machen. 

Fahrpreise für Hin- und Rückfahrt: 
Sassnitzhafen-Trelleborg I. Platz 12.00 Mk., II. Platz 8.00 Mk. 
Sassnitzhafen-Malmö I. Platz 14.80 Mk., II. Platz 9.80 Mk. 
Sassnitzhafen-Kopenhagen I. Platz 19.00 Mk., II. Platz 13.00 Mk. 

Die Seefahrtsonderkarten liegen nur in der Fahrkartenaus¬ 
gabe Sassnitzhafen auf. 

Die Fahrt auf den nach Art der grossen Überseeischen 
Dampfer gebauten eigenartigen Fährschiffen bietet während der 
4-stündigen Ueberfahrt den Reisenden auf dem I. Platz alle 
denkbaren Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten, einen Speise¬ 
saal für 100 Personen, Rauchsalon, Damensalon, Promenaden¬ 
decks, Schlafkabinen, Bäder u. a. mehr. 

Die Sonderfahrkarten gelten von Sonnabend-Nachmittag 
4 Uhr bis Montag-Nachmittag i Uhr. Es bietet sich hiernach 
zu folgenden Vergnügungsreisen Gelegenheit: 

I. Ab Sassnitz Sonnabend oder Sonntag 4.58 nachmittags bis 
Trelleborg, an 8.58 abends. Man bleibt an Bord, nimmt 
eine Schlafkabine nach Wahl ab 10 Uhr abends bis 7 Uhr 
früh (Preis 2 Mk. i. Platz) oder nur während der Ueberfahrt 
(Preis I Mk.) und reist nach Sassnitz zurück; ab Trelleborg 
10.50 abends, an Sassnitz 2.50 früh. Im ersten Fall bleibt 
man bis 7 Uhr in der Schlafkabine. Die Schlafplätze 2. Platz 
kosten i Mk. und 0.50 Mk. 

Bei Mondschein und klarem Wetter ist die Nachtfahrt 
eine sehr lohnende. An Verpflegung mangelt es dabei nicht. 

II. Ab Sassnitz Sonnabend wie zu i und direkt weiter nach 
Malmö, wo gute Hotels für Uebernachtung vorhanden sind. 
Am Sonntag 8 Uhr morgens zu Schiff weiter nach Kopen¬ 
hagen, wo man 9.25 eintrifft. Die Rückreise kann man 
entweder am Sonntag-Abend 7.45 antreten und das Fährschiff 
von 10.85 ab als Nachtquartier benutzen, oder man übernachtet 
in Kopenhagen oder Malmö. Im ersteren Fall muss man 
Kopenhagen Montag früh 5.45 verlassen, um mittels des 
Fährschiffes 12.48 in Sassnitz wieder einzutreffen. 

III. Ab Sassnitz Sonntag oder Montag 2.17 früh. Man nimmt an 
Bord eine Schlafkabine ab 10 Uhr und lässt sich zum 
Sonnenaufgang wecken. Ankunft in Trelleborg früh 6 . 17 . 
Man bleibt an Bord oder besichtiget Trelleborg und fährt 
mit dem um 8.48 Trelleborg verlassenden Fährschiff nach 
Sassnitz zurück. 




















DEUTSCHLAND 


IV. Ab Sässnits Sonntag früh wie zu nz und Weiterreise nach 
■ Kopenhagen, wo man um 9.25 vormittags eintrifift. Für die 
Mckreise bestehen die unter n angegebenen Fahrgelegen¬ 
heiten. 

y. Abreise ab Sassnitz wie unter ii und unmittelbare Weiter¬ 
reise nach Kopenhagen, wo man Sonnabends 11.27 abends 
eintrifift. Rückreise wie bei ii und iiz. 


Schlusssitzung der Internatio nalen Eisenbahn- 
Konferenz. Nach dreiwöchiger angestrengter Arbeit hat die 
Internationale Eisenbahn-Konferenz in Bern endlich ihren Ab- 


Automobilwesen. 


An der Prinz-Heinrich- Fahrt nehmen teil 40 Wagen 
von Mitgliedei n des Kaiserlichen Automobil-Klubs und 30 Wagen 
vom Kgl. englischen Automobil-Klub. Es handelt sich um eine 
reine Gesellschaftsfahrt, bei der jede Bewertung für Schnelligkeits¬ 
leistungen ausscheidet und nur die Zuverlässigkeit der Wagen 
ausschlaggebend ist. Die Prüfung der beteiligten Kraftfahrzeuge 
findet am 4. Juli in Homburg v. d. H. statt und erfolgt von 
dort tags darauf die Abfahrt Die erste Tagesetappe ist Köln, 
wo die Teilnehmer in den Nachmittagsstunden, Ziel Handels¬ 
hochschule, eintreffen werden. Die Oberleitung für die Strecke 


Schluss gefunden. Ihre Arbeit war eine schwierige und ver- von Coblenz bis Köln und die gesamten Anordnungen für den 

wickelte. Sie fand bei ihrem Zusammentritt drei vollständige, Aufenthalt hier sind dem Kölner Automobil-Klub Übertragen, 

vom Internationalen Amt für Eisenbahntransport in Bern und der für seine Mitglieder einen Festabend in den Anlagen des 

den Regierungen von Deutschland und Frankreich ausgaarbeitete Hotel du Nord veranstaltet, woselbst auch die offizielle Be- 

Vorentwürfe für ein internationales Hebereinkommen über den grüssung des Prinzen Heinrich, der bekanntlich an der Fahrt 


Reisendenverkehr und die Gepäckbeförderung vor, zu denen die teilnimmt, stattfindet. Für den Unterstand der Wagen hat die 

anderen an der Konferenz beteiligten Staaten zahlreiche Ab- Militärbehörde die grossen neuen Pionierschuppen an der Riehler- 

änderungsanträge eingereicht hatten. — Ein Blick in diese drei strasse zur Verfügung gestellt. Am 6. Juli, morgens 6 Uhr, 

Entwürfe und die darauf bezüglichen Bemerkungen und Vor- erfolgt der Start nach Münster i. W. vom Kaiser-Friedrich¬ 
schläge der Vertreter der zwölf an der Konferenz beteiligten Denkmal am Deutschen Ring aus. 

Staaten zeigt so recht die Schwierigkeiten, die der Konferenz -‘ -- ■ ■ ....—-...- 


entgegenstanden und deren Grund in der Tatsache besteht, 
dass in jedem der einzelnen Staaten diese Materie gesetzlich 
anders geregelt ist. Es galt nun, möglichst einheitliche Be¬ 
stimmungen zu schaffen. Dies ist der Konferenz denn auch 
ln gewissen Punkten gelungen, indem die einzelnen Staaten 
möglichst übereinstimmende Tarife ausarbeiten werden. Wenn 
das Ergebnis der Konferenz auch nicht völlige Einheitlichkeit 
und Uebereinstimmung im Personen- und Frachtenverkehr ge¬ 
zeitigt hat, was man anfangs zu erreichen hoffte, so darf doch 
ein ganz bedeutender Fortschritt festgestellt werden. Die Reisen 
im Ausland sind durch die Ergebnisse der eben geschlossenen 
Konferenz vereinfacht worden und die angeknüpften Beziehungen 
werden sich mit der Zeit im Sinne einer gänzlichen Verein- 


Schiffahrt. 

Die Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrts-Ge- 
sellschaften haben zwei neue grosse Schnelldampfer 
ähnlich der „Borussia“ und der „Kaiserin Auguste Viktoria“ 
in Auftrag gegeben; beide Aufträge sind erfreulicherweise der 
heimischen Industrie, der Schiffswerft Gebrüder Sachsenberg, 
A.-G., Rosslau, Filiale Köln-Deutz, zuerteilt worden. Die Schiffe 
werden bei Eröffnung der Saison 1912 in Dienst gestellt werden 
und sollen in jeder Hinsicht den weitestgehenden Anforderungen 
entsprechen. 


heitlichung ausbauen lassen. 

Direkte Auslandsverbindung mit dem Harz. 
Den Bemühungen des Harzer Verkehrs-Vereins ist es gelungen, eine 
direkte Verbindung von London über Hoek van Holland mit 
dem Harze zu schaffen. Es werden von London aus unter 
anderem direkte Fahrkarten ausgegeben nach Goslar, Harzburg, 
Üsenburg, Wernigerode und Brocken. 


Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

Rheinisches Sängerbundesfest in Köln. Gegen¬ 
wärtig herrscht überaus emsige Tätigkeit in den Kreisen des 
Vorstandes des Rheinischen Sängerbundes und jener Kom¬ 
missionen, die berufen sind, die Vorarbeiten für eine glänzende 


Die Paris—Ly on-Mittelmeer bahn hat Mitte Mai in 
Bexlin, Unter den Linden 68a, ein eigenes amtliches 
Verkehrsbureau eröffnet, in dem nicht nur Auskunft über 
den Personen- und Güterverkehr erteilt wird, sondern auch 
Fahrkarten für das Netz der genannten Gesellschaft ver¬ 
ausgabt werden. 

Billige Rundreisen für Wanderungen im Schwarz- 
'wald (Baden—Schwarzwald—Schweiz). Es ist im allgemeinen 
noch zu wenig bekannt, dass zum Besuch der am meisten be¬ 
gangenen Touristengebiete des Schwarzwaldes und der Schweiz 
besondere feste Rundreisekarten bestehen, die neben der Billig¬ 
keit noch manche sonstige Vorteile und Bequemlichkeiten bieten. 
Diese Karten sind für alle Züge (Luxuszüge gegen Zuschlag) 
gültig und berechtigen zu beliebigen Fahrtunterbrechungen ohne 
irgendwelche Förmlichkeit. Aufenthalte sowie Abstecher sind 
innerhalb der 2 monatlichen Gültigkeitsdauer ohne Beschränkung 
zugelassen. Für Reisende, die eine Rundtour durch die Schweiz 
auszuführen gedenken und die von Norden kommend durch 
das schöne Badner Land fahren, bilden diese praktischen, ausser¬ 
ordentlich beliebten Rundreisekarten die vorteilhafteste Fort¬ 
setzung der einfachen Fahrkarten, die sie bis zu einer der 
badischen Ausgabestationen gelöst haben. Die Karten bilden 
eine glückliche Vereinigung der Glanzpunkte der Schweiz mit 
Deutschlands schönstem Waldgebirge, seinen interessanten Eisen¬ 
bahnen und den weit berühmten Städten, Badeorten und Sommer- 


Durchführung des in den ersten Juli-Tagen stattfindenden 
Rheinischen Sängerbundesfestes zu treffen. Zu Anfang dieses 
Monats fanden an jedem Abend Sitzungen der einzelnen Kom¬ 
missionen statt, deren Beschlüsse eine später abgehaltene Vor¬ 
standssitzung des Rheinischen Sängerbundes beschäftigten. 
Nach den vorläufigen Bestimmungen wird das Fest am Sonn¬ 
abend, dem I. Juli, mit einem Kommers auf dem Festplatz vor 
dem Aachener Tor eingeleitet. Sonntag findet in der geräumigen, 
15 000 Quadratmeter grossen Festhalle das erste Konzert statt, 
das von den gesamten Unterbünden veranstaltet und in der 
Hauptsache den grossen wirkungsvollen Chor „Liebesmahl der 
Apostel“ von Max Bruch bringen wird. Das auf no Mann 
verstärkte Städtische Orchester eröffnet unter General-Musik¬ 
direktor Steinbachs Leitung mit der Wiedergabe des Vorspiels 
aus den Meistersingern das Konzert. Der zweite Konzerttag 
bringt Einzelvorträge der Unterbünde, von denen der Kölner 
Unterbund mit etwa 1500 Sängern der stärkste ist. Montag, 
nachmittsgs 2 Uhr, findet im Gürzenich ein Festessen statt; am 
Abend wird der offizielle Teil der Veranstaltung durch ein 
grosses Feuerwerk geschlossen. Mittwoch-Nachmittag soll noch 
ein Kinderfest stattfinden. Der Festzug, der Sonntag-Nachmittag 
3Y2 Uhr vom Neumarkt ausgeht, wird in Gruppen nach Unter¬ 
bünden eingeteilt. Der Zug nimmt seinen Weg vom Neumarkt 
durch Schildergasse, Hohe Strasse, Minoritenstrasse, Breite 
Strasse, Ehrenstrasse, Hohenzollernring, Flandrische Strasse, 
Aachener Strasse zum Festplatze. 


fHzcüien des Badnerlandes. Inhaber der Rundreisekarten ge- 
niesaen ausserdem auf folgenden Bergbahnen der Schweiz 20 
Fahrpreisermässigung: Arth-Rigibahn, Vitznau-Rigibahn, Rigi— 
Kaltbad-Scheideggbahn, Stanserhornbahn, Pilatusbahn, Brienz- 
Rothornbahn, Giessbachbahn, Thunersee-Beatenbergbahn. Die 
Ausgabe der Karten erfolg^ während des ganzen Jahres ohne 
vorherige Bestellung auf den badischen Stationen Heidelberg, 
Mannheim, Karlsruhe, Baden-Baden, Offenburg, Freiburg. Der 
bezügliche Prospekt ist durch die badischen Verkehrs-Vereine, 
wie auch durch die * öffentlichen Verkehrsbureaus der Bundes¬ 
vereine und die Amtliche Auskunftstelle der Grossh. Badischen 
Staatseizenbahnen im Internationalen öffentlichen Verkehrs- 
bmrean in Berlin, Unter den Linden 14, kostenlos zu beziehen. 


Arbeiter- und Armen-Fürsorgekongress. In den 
Tagen vom 30. Mai bis 2. Juni fand zu London „National 
Conference on the Prevention of Destitution“ unter dem Prä¬ 
sidium des Lord Mayors von London und unter Beteiligung 
der allerweitesten Kreise Grossbritanniens, namentlich aus dem 
Lager der Staats- und Kommunalverwaltungen, der Kirchen¬ 
beamten, der Parlamentarier und Juristen, der Schulmänner, 
Mediziner, sowie von Trägern der freien Wohlfahrtspflege, statt. 
Die Arbeiten des Kongresses wurden in fünf Sektionen erledig^, 
die im einzelnen die öffentliche Gesundheitspflege, Bildunga¬ 
fragen, Arbeitslosenfürsorge, Fürsorge für Geistesschwache und 
Geisteskranke sowie schliesslich allgemeine Fragen der Gesetz¬ 
gebung behandelten. Unter den Referenten des Kongresses be¬ 
fand sich neben im übrigen lediglich Engländern auch ein 


206 lä B3(X10Q8O30QQQQQQQQQ0O0ÖOQ(Xl@ l DEUTSCHLAND B)C)OOOCPGOOO€)OOGO066O6066O€] 1 Nr. 4 


Deutscher, Beigeordneter Dr. Most, Düsseldorf, 'der in der 
Sektion für Arbeiterfürsorge ein Referat über „Working Colonies 
und similar Institutions in Germany** (Arbeiterkolonien und 
ähnliche Einrichtungen in Deutschland) geliefert hatte. 


Ausstellungen. 

Deutschlands Brüsseler Bilanz. Die Ueberlegen- 
heit der deutschen Maschinenindustrie wird drastisch beleuchtet 
durch die Maschinenverkäufe auf der Brüsseler Weltausstellung. 
Es haben, wie „Die Hilfe“ berechnet, dort verkauft: Deutschland 
für ®/4 Millionen Franken, Amerika für ^|^ Million, England für 
188000 und Frankreich, das so krampfhafte Anstrengungen 
gemacht hatte, für — 15000 Franken. Also: Deutschland hat 
an Maschinen verkauft: dreimal so viel wie Amerika, über vier¬ 
mal so viel wie England und fünfzigmal so viel wie Frankreich 
Das ist ein gutes Zeugnis für deutsches Können. Auch sonst 
steht Deutschland weit an der Spitze, denn es hat im ganzen 
für IO Millionen in der Weltausstellung selbst verkauft, eine 
Summe, die kein anderes Land erreicht hat. 


Deutschland und das Ausland. 

Verein für das Deutschtum im Ausland. Auf 
dem Anfang Juni stattgefundenen Vertretertag des Vereins in 
Coblenz wurden wichtige Beschlüsse gefasst. ,Bei der Fürsorge 
für die Deutschen in Amerika wurde betont, dass hier keine mate¬ 
rielle Unterstützung in Frage komme, tondern dass nur die 
reichen Mittel der geistigen Kultur Deutschlands angewendet 
werden könnten. Professor Paszkowski führte aus, dass es in 
Amerika eine „German Society of America“ gebe, die deutsche 
Dichter und Gelehrte gewinne, um in deutschen Vereinen Vor¬ 
träge über deutsche Kultur halten zu lassen. In den letzten 
Jahren waren aus diesem Grunde Ludwig Fulda und Karl 
Hauptmann in Amerika, in diesem Jahre halten Rudolf Herzog 
und Professor Paszkowski Vorträge. — Es wurden dann ein 
deutsch-russischer und ein deutsch-bosnischer Ausschuss ge¬ 
gründet zur Hebung des Deutschtums in Russland und Bosnien. 
Die Anstellung eines Koloniedirektors ist in Aussicht genommen. 
Professor Paszkowski begründete einen Antrag zur Schaffung 
eines Stipendienfonds, dem der Name „Ernst-von-Wildenbruch- 
Stiftung“ gegeben werden soll. Mit Hilfe dieser Stiftung soll 
den Ausländsdeutschen, die in Deutschland ihren Studien ob¬ 
liegen, ihr Studium erleichtert werden. In der Hauptversammlung 
überbrachte Professor Wenz (Jena) dem Staatminister v. Hentig 
die Ernennung zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät 
in Jena. Staatsminister v. Hentig gab einen Ueberblick über 
die 30 Jahre der Tätigkeit des Vereins. Man habe oft das 
Wort „pangermanistisch“ auf die Bestrebungen des Vereins an¬ 
gewendet. Darauf könne nur immer wieder versichert werden, 
dass im vernünftigen Deutschland niemand an eine Ausdehnung 
unserer Grenzen auf fremdes Staatsgebiet denke, noch bisher 
gedacht habe. Grundsatz des Vereins sei es zwar, die Zahl 
derjenigen zu mindern, die durch das noch geltende Gesetz ihre 
Reichsangehörigkeit gleichsam automatisch verlieren, und die 
Zahl derjenigen deutschen Stammesgenossen zu vervielfältigen, 
denen die Tür zur Wiedererlangung der einst verlorenen Staats¬ 
angehörigkeit geöffnet wird, indessen allen denjenigen, die end¬ 
gültig in fremdes Land sich angesiedelt haben, die Erringung 
der fremden Staatsangehörigkeit zu empfehlen. Die Treue gegen 
den neuen Staat sei durchaus vereinbar mit dem Festhalten an 
deutscher Sprache und Kultur. Dafür biete die Geschichte und 
die Gegenwart viele beweisende Beispiele. Der Redner schloss 
mit dem Ausdruck der Hoffnung, dass dieses Problem in 
einem Zeitalter der Sprachenkämpfe und des überall erwachten 
Nationalbewusstseins in den Staaten mit gemischter Bevölkerung 
zur friedlichen Staats- und Kulturgemeinschaft 
der einzelnen Volksstämme führen möchte. — 
Pfarrer M a ck aus Pilsen, der früher in Banjaluka, dem Zentrum 
der deutschen Kolonien Bosniens, gewirkt hat, sprach über die 
Notlage des Deutschtums in Bosnien. Bosnien hat ein bisher 
noch viel zu wenig beachtetes hoffnungsvolles Deutschtum. So 
wenig tragfähig das Sprach- und Verkehrsdeutschtum als Be¬ 
amten- und Offiziersdeutschtum für sich allein sein konnte, so 
grosse Bedeutung gewinnt es durch den massiven Unterbau, 
den ihm etwa 12000 deutsche Bauernkolonisten — zum Teil 
rheinischen Blutes, aus Oberzissen und aus dem Brohltal, und 
viele Hunderte deutscher Ingenieure, Werkmeister, Kaufleute, 
Vorarbeiter usw. geben. Insbesondere das Bauerntum, das vor¬ 
wiegend aus den deutschen Siedlungen Galiziens, Russlands, 
Südungarn und Slawonien, auch aus Niederdeutschland und 
Schlesien stammt, verdient wegen seiner kulturellen Bedeutung 
und seiner zähen Volkstreue um so mehr Beachtung, als sie 
nicht verlorene Posten, sondern — im Norden Bosniens — zu¬ 
sammenhängende Ausläufer der deutschen Ansiedlungen im 


Südosten der Donaumonarchie sind. Ueber 25 000 Deutsche 
haben zurzeit in mehr als 30 Schulen die Pflegestätten deutscher 
Sprache und Art. 

Der deutsche Botschafter Graf Bernstorff war 
am 13. Juni Gast der Universität von Chicago. Graf Bernstorff 
sprach vor der Universität über die Grundlagen des Deutschen 
Reiches. Die Universität verlieh dem Botschafter den Ehren¬ 
doktortitel. 

Amerikanische Hochsaison in Berlin. Wie all¬ 
jährlich um diese Zeit, steht die Reichshauptstadt jetzt wieder 
im Zeichen des engsten Verkehrs mit Amerika. Aber kaum je 
sind die Gäste aus dem Dollarlande so zahlreich in Berlin 
erschienen, als in dieser Sommersaison. Neben den vielen Ver¬ 
gnügungsreisenden aus Amerika, die zurzeit die erstklassigen 
Berliner Hotels bevölkern, weilen namentlich Angehörige aus dem 
Reiche der Kunst dort zu Gaste. Lillian Nordica, Geraldine Farrar 
und Miss Nielsen, die grossen Theatertrustmänner Henry 
W. Savage und Frank C. Whitney, die Opernleiter Dippel, Gatti- 
Casazza und Kapellmeister Hertz u. a. m. haben gegenwärtig in 
Berlin Aufenthalt genommen. Und jeder neue Dampfer, der 
von „drüben“ in Hamburg oder in Southampton ankommt, 
bringet neue und interessante amerikanische Gäste nach der 
Reichshauptstadt. 

Englische Sänger im Rheinland. Der englische Gesang¬ 
verein „Orpheus glee society“ aus Manchester hat auf seiner bis¬ 
herigen Fahrt wahre Triumphe gefeiert Nach einer prächtigen 
Rheinfahrt kamen die englischen Sänger in Kö 1 n an; sie be¬ 
gaben sich später in das Vereinshaus des Kölner Männergesang¬ 
vereins, dessen Vorsitzender van Othegraven seine Freude über den 
Besuch des Vereins aussprach, der einer befreundeten Nation 
angehöre, mit der uns so viele ideelle und wirtschaftliche Inter¬ 
essen verbinden. Auch in anderen Ansprachen kam zum Aus¬ 
druck, dass durch den Besuch der Engländer wieder eine 
gegenseitige Annäherung erfolgt sei. Dann erklärte der Sprecher 
des englischen Vereins, die Gewissheit erlangt zu haben, dass 
durch diesen Besuch die Freundschaftsbande zwischen beiden 
Nationen fester geknüpft würden. 


Bäder und Sommerfrischen. 

Binz, Insel Rügen. Durch das Entgegenkommen des 
Fürsten zu Putbus ist es gelungen, dicht beim Ort einen 
Tontaubenschiessstand zu errichten. Die Leitung hat ein Verein 
übernommen, der auch für Schiessen nach Wildscheiben sorgen 
wird. Der Stand liegt in der Nähe des Bahnhofs, auf einer 
Wiese mitten im Hochwald. Ein in Natureichen erbautes, sich 
an den Stand anschliessendes Restaurant wird sich bald zum 
Sammelpunkt der Schiessliebhaber und ihrer Familien ausbilden. 
Für den Sommer sind Preisschiessen in Aussicht genommen. 

Die Harzer Kurorte, die alljährlich vielen Tausenden 
Erholung und Genesung bringen, hatten auch im Vorjahre in 
der Mehrzahl eine steigende Besuchsziffer zu verzeichnen. Auch 
Wernigerode, dessen Vorzüge als günstigstes Standquartier für 
Ausflüge sich zu Pfingsten wieder gezeigt haben — es Über¬ 
nachteten 2000 Fremde — wird als Kurort und Sommerfrische 
in immer weiteren Kreisen gewürdigt. Mildes Klima, in dem 
die Edelkastanie noch reift, mittelreiche Niederschläge, vor 
Winden geschützte Lage, weil allseitig von naheliegenden Berg¬ 
waldungen umgeben, herrliche Spaziergänge in beliebigen 
Steigungen, der fürstliche Lustgarten als schönster Kurpark des 
ganzen Harzes, das sind Wernigerodes Vorzüge und Heil¬ 
mittel ! Sie erweisen sich besonders geeignet bei Herzleiden im 
Anfangsstadium, Nervenerkrankungen, zur Renkonvaleszenz nach 
schweren Erkrankungen innerer Organe oder nach Operationen, 
sowie ganz vornehmlich als Erholungsort für im Dienst oder 
Geschäftsleben Ermattete. Seitdem Hasserode am Fusse der 
Steinernen Renne eingemeindet ist, haben die Kurgäste jährlich 
eine Zahl von 6000 erreicht. Vier neue illustrierte Schriften, 
ferner der Wohnungs-Nachweis mit Plan, Zugverbindungen, 
Vergnügungsprogramm in Mappe vereint kostenlos in den Reise¬ 
bureaus und direkt vom Verkehrsamt der Städtischen Kur¬ 
verwaltung zu Wernigerode. 

Wiesbaden steht zurzeit im Zeichen der Hochsaison. 
Die grosse Frequenz beweist, dass die heilkräftigen, schon im 
Altertum bekannten Thermen ihren unvergleichlichen Ruf bis 
in unsere Zeit erhalten und ständig vermehrt haben. Die Zahl 
der Besucher belief sich in den ersten 5 Monaten dieses Jahres 
auf 65 000 im Vergleich zu 61000 in dem gleichen Zeiträume 
des Vorjahres, was einer Steigerung von 4000 Fremden gleich¬ 
kommt. Wiesbaden verdankt diese Wertschätzung in erster 
Linie seinen grossartigen Kurerfolgen, sodann aber auch den 
vielen anderen Vorzügen, die den Kurgästen sowohl wie den 
Vergnügungsreisenden hier das ganze Jahr hindurch geboten 




Nr. 41 


DEUTSCHLAND 


werden. Die geographische Lage Wiesbadens im Herzen Deutsch- 
.lands ist eine sehr günstige. An die Hauptlinien des grossen 
Eisenbahnverkehrs angeschlossen, ist es von allen Seiten leicht 
und bequem zu erreichen und durchgehende Wagen und Züge 
führen von den meisten Gressstädten Europas direkt nach Wies¬ 
baden. Mit der Entwicklung der Gressstadt hat die Entwicklung 
der Kurstadt und der Ausbau ihrer Heilfaktoren gleichen Schritt 
gehalten. Kaum ist das neue Kurhaus dem Verkehr übergeben 
und schon erhebt sich in gewaltigen Dimensionen an der be¬ 
rühmten Adlerquelle inmitten der Stadt der Bau eines neuen 
Badehauses. Ein Badehaus, das neben den Thermalbädern 
alle Heilfaktoren der modernen Therapie in sich vereinigen und 
allen Ansprüchen der Neuzeit in bezug auf praktische Einrichtung 
und eleganten Komfort genügen soll. Wohl die zehnfache Zahl 
von Kranken gegen früher aus allen Ländern des ganzen Erd¬ 
balls, deren Widerstandsfähigkeit im Kampfe ums Dasein erlahmt 
ist, und die in ihrer Heimat keine HUfe finden können, kommen 
jetzt alljährlich nach Wiesbaden, um nach kurzem oder längerem 
Kurgebrauch befreit von ihren Leiden mit den Gefühlen tiefer 
Dankbarkeit die gesegneten Quellen wieder zu verlassen, deren 
Heilkraft ergänzt und verstärkt wird durch die Nutzbarmachung 
aller modernen Hilfsmittel unserer hochentwickelten Heilkunst. 

Einweihung des neuen Brunnenhauses in Bad 
Münster am Stein. Am 14. Juni wurde das neue Brunnen- 
und Badhaus der Oeffentlichkeit übergeben. Herr Dr. Gudzent, 
erster Assistent bei Prof. Dr. His in der Berliner medizinischen 
Klinik, hielt bei der Einweihungsfeier einen Vortrag über die 
Erfahrungen mit Radium als Heilmittel. Zum Schluss 
hob er hervor, dass Bad Münster am Stein mit seiner neuen 
Quellfassung, seinen neuen Radiumsprudel-Bädern 
und Emanatorien eine einzigartige, wohl kaum nachzu¬ 
ahmende, mustergültige Einrichtung für die Radiumbehandlung 
geschaffen hat. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass noch viele 
Gicht- und Rheumatiskranke in dem herrlich gelegenen 
Bade Linderung und Genesung finden möchten. 

Bad Kudowa. Auch in diesem Jahre wieder kann ein 
ganz gewaltiger Aufschwung, den Kudowa nun schon seit 
langem von Jahr zu Jahr nimmt, festgestellt werden. Die 
Zahl der Kurgäste, wie auch die der Erholungsgäste, selbst 
der Besuch von Touristen — die den berühmten Kurort aus 
eigener Anschauung kennen lernen wollen — hat gegen das 
Voijahr wieder bedeutend zugenommen. Fast 25 000 Bäder 
sind bereits in dieser Saison verabfolgt worden. Kein 
Wunder, wenn man bedenkt, welche Naturschätze hier zu Tage 
treten; dass die heilkräftigen, schon seit fast 350 Jahren be¬ 
kannten und bewährten Quellen jährlich Tausende und aber¬ 
mals Tausende anlocken, um hier Heilung von ihren Leiden, 
oder Ruhe und Erholung zu finden. Es ist erklärlich, dass der 
Ruf dieser bewährten Heilquellen in immer weitere Kreise 
drin^ und überall dort ein Echo weckt, wo es Menschen gibt, 
die sich krank und elend fühlen, und denen hier ein Weg zur 
Wiederherstellung ihrer Gesundheit gewiesen wird. Besitzt 
doch Bad Kudowa die stärkste Arsen-Eisen-Heilquelle Deutsch¬ 
lands (im ganzen acht Quellen), die sich besonders gegen 
Herz-, Blut-, Nerven- und Frauen-Krankheiten bewährt haben. 
Das Bad besitzt die modernsten Einrichtungen, da grosses 
Gewicht auf eine zweckmässige und allen Forderungen der 
modernen Hygiene und Gesundheitspflege hinzielende Ge¬ 
staltung gelegt worden ist. 

Bad Salzbrunn erfreut sich in dieser Saison eines 
überaus zahlreichen Besuches, eine Folge der vielen Neuerungen 


und Verbesserungen, die in letzter Zeit getroffen worden sind. — 
Ausser dem Oberbrunnen und der Kronenquelle wird nunmehr 
auch der Mühlbrunnen in einem eigenen Trinkpavillon zum 
Ausschank gebracht. — Ein Licht- und Luftbad öffnet in dieser 
Saison seine Pforten. — Das diesjährige Tennisturnier findet 
vom 30. Juni bis 2. Juli statt. Die Salzbrunner Turniere erfreuen 
sich seit Jahren grosser Beliebtheit und einer überaus regen 
Beteiligung weit über die Grenzen der Heimatprovinz hinaus. 

Bücherschau. 

(Bäder-Literatur siehe auch unter der Rubrik: Bäder und 
Sommerfrischen). 

„Im Fluge durch Sachsen**. Vor uns liegt ein vor¬ 
nehm ausgestattetes kleines Heft, das soeben vom Verein zur 
Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs herausgegeben 
worden ist, um in Wort und BUd die Schönheiten des Sachsen¬ 
landes, seine Kunstschätze wie seine landschaftlichen Reize dem 
Reisepublikum nahezubringen. Eine entzückende Meissner Por¬ 
zellanfigur, von Professor Joseph Goller gezeichnet, grUsst auf 
dem farbigen Titelbild den Beschauer. Der Reichtum an Bil¬ 
dern aus Dresden und Umgebung, aus der Sächsischen Schweiz, 
aus Leipzig, Chemnitz, dem Erzgebirge, dem Vogtland und 
der Lausitz rollt die Schönheiten des Sachsenlandes, seine 
Eigenart, seine Volkskunst, die mannigfachen Arten des Sportes 
u. V. a. in glänzender Weise vor dem Beschauer auf. Das Heft 
wird durch Vermittlung der Reisebureaus, der Verkehrs-Vereine 
und anderer Institute dem Reisepublikum Deutschlands und 
des Auslandes übermittelt. Die Mittel für Herstellung des 
Heftes hat ebenso wie bei dem schon früher erschienenen Ver¬ 
kehrsbuch von Sachsen die Königliche Generaldirektion der 
Sächsischen Staatseisenbahnen gewährt. 

Die Bergstrasse (von Darmstadt bis Weinheim). Der 
Verkehrsausschuss der Bergstrasse (Sitz in Auerbach) hat 
in diesem Jahre einen eigenartigen, recht wirkungsvollen und 
künstlerisch ausgestatteten Prospekt herausgegeben in Form 
eines Panoramas, das nach einer von Herrn Jos. Stoll nach 
der Natur aufgenommenen Zeichnung auf Stein hergestellt ist. 
Die reizende kleine Druckschrift, die in kurzer Form über die 
herrlich gelegenen Orte der Bergstrasse Auskunft gibt, ist durch 
den genannten Verkebrsausschuss, wie auch durch die ver¬ 
schiedenen Ortsvereine kostenlos zu beziehen. 

Der Rheinische Verkehrs-Verein in Coblenz hat 
seinen „Rheinführer** neu erscheinen lassen, worin gleich¬ 
zeitig Literaturnachweis über die einzelnen Städte, Täler, Höhen¬ 
züge usw. enthalten ist. Das vom Rheinischen Verkehrs-Verein 
herausgegebene Prachtalbum „Der Rhein, seine Nebentälor imd 
Badeorte von Mannheim bis Emmerich“ kann direkt oder vom 
Verein durch den Buchhandel zum Preise von 6 Mk. bezogen 
werden. Im Aufträge des Vereins verfasste Gymnasiallehrer 
Hoitz, Köln, das im Verlage von Karl Georg^ in Bonn er¬ 
schiene „Rheinwanderbuch, 18 Tage auf den Rheinhöhen 
und im Rheintal**, das in klarer, übersichtlicher und fesselnder 
Darstellungsweise die vom Rheinischen Verkehrs-Verein be- 
zeichneten durchlaufenden Rheinhöhenwege Bonn—Bingen und 
Beuel—Wiesbaden, sowie die von ihm eingerichteten Schüler¬ 
herbergen beschreibt; wertvolles Kartenmaterial sind ihm bei¬ 
gegeben. 

Ueber die Unterkunftsmöglichkeiten im Badner 
Land gibt der Badische Landesverband zur Hebung des 
Fremdenverkehrs in Karlsruhe ein Verzeichnis heraus, das mit 


BERLIN HRMBURfi 

HOTEL ETOLAHADE 

Das Vollendetste auf dem fiebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 








208 ll 9a8Q098QQQQQQQQQ9330Q0Q00 99<l DEUTSCHLAND ^ €€>0060668606066000000000 ^ Nr. 4 


Hilfe der Bürgermeisterämter des Landes aufgestellt und somit 
von keinem Interessenkreise beeinflusst ist. Dieses Verzeichnis 
enthält in gedrängter übersichtlicher Darstellung die Preise in 
den mannigfachen Unterkunftsmöglichkeiten des badischen Landes 
(Schwarzwald, Odenwald, Rhein, Neckar, Bodensee) und dürfte 
zur bevorstehenden Reisezeit jedem Interessenten einen will¬ 
kommenen Anhaltspunkt zur Orientierung bieten. Dem Ver¬ 
zeichnis ist sodann noch die bekannte Broschüre „Das Badner 
Land** angeschlossen und kann kostenlos vom Landesverband 
bezogen werden. 


Verschiedenes. 

Eine neue Bismarck-Denkmal-Konkurrenz. 

In Wiesbaden fand am 24. Juni die Versammlung sämt¬ 
licher Ausschüsse für das Bismarck-Nationaldenkmal statt. Nach 
der Eröffnung der Sitzung des grossen Ausschusses, der auch 
der 2. Vizepräsident des Reichstages, Dr. Schultz, beiwohnte, 
durch den Vorsitzenden, Freiherrn von Rheinbaben, der einen 
Gruss des dienstlich am Erscheinen verhinderten Reichskanzlers 
über brachte, wurde zuerst nach den Vorschlägen der einzelnen 
Landesausschüsse die Zuwahl von fünf Mitgliedern zum grossen 
Kunstausschuss vorgenommen. Ausgeschieden aus der Be¬ 
ratung wurde unter allgemeiner Zustimmung die Behandlung 
der Platzfrage, da, politisch betrachtet, der erwählte Platz, die 
Elisenhöhe bei Bingen, ein bedeutsames Bindeglied der süd- 
und norddeutschen Volksstämme bilde, und anderseits die 
grosse schon für den Grunderwerb ausgegebene Geldsumme 
(270 000 Mk.) eine Aenderung der wiederholt beschlossenen Stelle 
ausscbliesse. In Uebereinstimmung mit den sodann mit über¬ 
wältigender Mehrheit der Versammlung kundgetanen Ent¬ 
scheidungen wurde in der sich anschliessenden Sitzung des 
Entscheidungsausschusses (Grosser Kunstausschuss) einstimmig 
folgender Beschluss gefasst: „Der grosse Kunstausschuss 
erkennt dankbar und in vollem Masse die künstlerische 
Würdigung an, die seitens der Jury den Entwürfen und ins¬ 
besondere dem an erster Stelle prämiierten Hahn-Bestelmeyerschen 
Entwürfe zuteil geworden ist. Um zu einer Klärung und Ver¬ 
ständigung zu gelangen, soll den vom Preisgericht aus¬ 
gezeichneten zwanzig Künstlern Gelegenheit zu 
einer weiteren Bearbeitung ihrer Entwürfe ge¬ 
geben werden. Bei dieser Gelegenheit sollen die Künstler 
darauf aufmerksam gemacht werden, dass gegenüber den preis¬ 
gekrönten Entwürfen in weiten Kreisen der Wunsch laut 
geworden ist, in dem Denkmal die Person Bismarcks 
mehr in Erscheinung zu bringen. Ueber die zu erwartenden 
um gearbeiteten Entwürfe sollen vorbehaltlich der endgültigen 
Entscheidung des Entscheidungsausschusses zunächst nochmals 
Jury und Kunstausschuss gehört werden. Für die Einreichung 
der abgeänderten Entwürfe wurde der i. November ds. Js. als 
Termin bestimmt. 


Akademische Kurse für allgemeine Fortbildung 
und Wirtschaftswissenschaften. Die Stadtverordneten¬ 
versammlung zu Düsseldorf hat in ihrer letzten Sitzung be¬ 
schlossen, mit Beginn des Winters 1911/12 „Akademische Kurse 
für allgemeine Fortbildung und Wirtschaftswissenschaften zu 
Düsseldorf** ins Leben zu rufen. Die Betonung gerade der 
Wirtschaftswissenschaften neben der allgemeinen Fortbildung 
flndet ihre Rechtfertigung ohne weiteres in dem Interesse und 
in der Bedeutung, die den damit umfassten Gebieten der 
Nationalökonomie, Technik, Handelslehre und dergl. für die 
Interessensphäre der Stadt zukommen. Diese Kurse, die inner¬ 
lich wie äusserlich einen hochschulmässigen Charakter haben, 
sollen, wenn sie Anklang Anden, alljährlich je in einem Winter¬ 
semester (etwa von Ende Oktober bis Ende Februar mit 
Weihnachtsferien) und in einem Sommersemester (etwa von 
Ende April bis Ende Juli) abgehalten werden. 

EinFerienheim fürweiblicheAngestellte. In dem 
freundlichen Eifelstädtchen Daun ist eine soziale Einrichtung 
ihrem Zweck übergeben worden, die weit über Dauns Mauern 
hinaus lebhaftes Interesse Anden wird. Die Firma Leonhard 
Tietz A.-G. in Köln hat hier im geschützten Talgrund, in nächster 
Nähe eines Hochwaldes, ein Ferien- und Erholungsheim für 
ihre weiblichen Angestellten geschaffen, das in seiner Art als 
mustergültig angesehen werden kann. Architekt Georg Falck 
aus Köln hat diese Anlage im Blockhausstil errichtet und dabei 
allen Anforderungen der Jetztzeit an Hygiene, Ausstattung und 
Zweckmässigkeit entsprochen. Das Ferienheim, das ausser einem 
grösseren Wirtschaftsgebäude mit Speisesaal, Lesezimmer, 
Bibliothek, Wohndiele, gedeckten Terrassen und einer geräumigen 
Küchenanlage sowie der Wohnung für die Hausverwalterin zwei 
Schlafgebäude mit je 23 Betten in je 12 Zimmern, ferner einen 
Stall und ein Waschküchengebäude enthält, ist so angeordnet. 



Uflenkopltil: Nk.ZOOOOOOOO 
Reservefonds: Nk. 61000000 


Für die Reisezeit 


empfehlen wir zur sicheren Aufbewahrung von Wert¬ 
papieren, Dokumenten,Geschmeiden, Gold- u. Silbergerät 

die eisernen Schrankfächer in den 

Stahlkammern 


unserer Wechselstuben: 


Berlin; 

W., Französischestrasse 35/36 
(nahe Hodwigskirche), 
W., Potsdamerstrasse 126 

(nahe EichhornstrasseX 

W., Potsdamerstrasse 103 a 

(Ecke Kurfürstenstrasse), 

W., Kurfürstendamm 238 

(Kaiser Wilhelm-Gedächt¬ 
niskirche), 

W., Kurfürstendamm 216 

(Ecke Fasanenstrasse), 

W., Kurfürstendamm 181 

(Ecke Konstanzerstrasse), 

G., Königstrasse 33 

(Alexanderplatz), 

S., Oranienstrasse 145/146 

(Moritzplatz), 

SW., Friedrichstrasse 204 

(Ecke Schützenstrasse), 

SW., Lindenstrasse 7 

(Ecke Neuenbiirgerstr.), 
0., Frankfurter Allee 1/2 
(Ringbahnhof), 

NO., Gr. Frankfurterstrasse 32 
(Ecke Fürstenwalderstr.), 
NO., Greifswalderstrasse 205 
(Ecke Marienburgerstr.) 
N., Schönhauser Allee 144 

(Ecke Eborswalderstr.), 

N., Badstrasse 35/36 

(Gesundbrunnen), 

N., Müllerstrasse 6 

(am Wedding), 

NW., Turmstrasse 27 


Charlottenbnrg; 

Berlinerstrasse 58 

(nahe Hauptpostamt), 
Kaiserdamm 118 

(Ecke Suarezstrasse), 

W ilmerndorf; 

Hohenzollerndamm 196 
(Ecke Uhlandstrasso), 
Schöneberg; Hauptstr. 18 
(gegenüber dem Rathaus), 
Barbarossastrasse 45 
(Ecke Berchtesgadenerstr.), 
Friedenau; Rheinstr. 1/2 
(Ecke Schmargendorferstr.), 
Südwest-Korso 77 

(Ecke Kaiserallee), 
Stegiitg; Schlossstrasse 85 
(gegenüber dem Rathaus), 
Cwr^-Lichterfeide; 

Ost; Jungfernstieg 3 
(Ecke Bahnhofstrasse'), 
West; Garlstrasse 114 
(Wannseebahnhof), 
Tenipeihof; Berlinerstr. 8 
(nahe Ringbahnhof), 
Rixdorf; Kottbuserdamm 79 
(Hohenstaufenplat z), 
Berlinerstrasse 56/57 
(nahe Hauptpostamt), 
Pankow; Schönholzerstr. 1 
(am Rathaus), 

Tegei; Berlinerstr. 99 
(nahe Hauptstrasse), 
fl$pandan; Potsdamer- 


(Ecke Stromstrasse), 


Strasse 31/32 (Nicolaikircho). 


An diesen Geschäftsstellen, sowie an unseren Wechselstuben: 


Beriin; W., Motzstrasse 66 (Ecke Martin Lutherstrasse), 
-G., Spittclmarkt 4/7, 

5., Nene Rossstrasse 1 (Neue Jakobstrasso), 

SW., Belle-Alliancestrasse 107 (iiai losch es Tor\ 

0, An der Jannowitzbrücke 1. 

50., Köpenickerstrasse 1 (Schlesisches Tor), 
so, Wienerstrasse 11 (Göriitzer Baimiiof), 

NO., Landsbergerstrasse 100 (Büschingpiatz), 

N., Brnnnenstrasse 2 Rosenthaier Tor), 

N., Ghansseestraste 130 (Oranienburger Tor), 

NW., Flensburgerstrasse 19a (Ecke Lessingstrasso), 


werden auch verschlossene Depots (Pakete, 

Kisten, Körbe, Koffer), welche verschnürt und ver¬ 
siegelt einzureichen sind, in Verwahrung genommen. 





Nr. 4 iB9e9 000tt»a«»6^^ DBUtSCHLAND 


!2ÖÖ 


daw je nach Bedürfnis jederzeit Anbauten erfolgen können, die 
sich dem Ganzen harmonisch einfttgen. Auf dem Grundstück 
selbst befindet sich eine starke kohlensaure Stahlquelle, die an 
Kraft und Qualität den Stahlquellen von Langenscbwalbach und 
Pyrmont gleichkommt. Den Besucherinnen, die in diesem Heim 
bei Weiterbezug des Gehalts kostenlos verpflegt werden, ist 
somit Gelegenheit geboten, eine Trink- und Badekur im 
eigenen Haus durchführen zu können. Ein Arzt steht ebenfalls 
unentgeltlich zur Verfügung. 

Photographische Aufnahmen aus der Natur 
unserer deutschen Heimat. Die Staatliche Stelle für 
Naturdenkmalpflege zu Berlin - Schöneberg (altes Botanisches 
Museum) richtet ein Archiv für photographische Aufnahmen 
aus unserer deutschen Heimat ein und hat den Direktor der 
Gesellschaft Urania, Franz Goerke, mit der Leitung dieser 
Sammlung beauftrag^. Die für das Archiv bestimmten Photo¬ 
graphien sollen sich vornehmlich auf die Natur ohne bauliche 
Anlagen beziehen, z. B. auf charakteristische natürliche Land¬ 
schaften, Waldteile, Baumgruppen und ausgezeichnete Bäume, 
Gebirgsteile, Felsgruppen und einzelne Felsen, fliessende 
Gewässer, Seen und Wasserfälle, wildlebende Tiere mit ihren 
Wohnplätzen u. a. m. Bei dieser umfassenden Veranstaltung 
hofft die Staatliche Stelle auf eine freundliche Unterstützung 
und Mitarbeit seitens der deutschen Amateurphotographen 
rechnen zu dürfen und bittet sie, geeignete Bilder beliebigen 
Formats, möglichst unaufgezogen, mit genauer Angabe der 
Oertlichkeit, ihr zur Verfügung zu stellen. Alle diese Bilder¬ 
sammlung betreffenden Sendungen und Zuschriften wolle man 
an den Genannten richten, der auch zu jeder weiteren Auskunft 
gern bereit ist. 

Die Krönungsfeierlichkeiten in England lassen 
gegenwärtig die Passag^erziffern des atlantischen Ostwärts¬ 
verkehrs mächtig anschwellen. Der Dampfer „Kaiserin Auguste 
Victoria'* der Hamburg-Amerika Linie beförderte wie die „New 
Yorker Staatszeitung** mitteilt, auf seiner letzten Heimreise nicht 
weniger als 877 Kajütspassagiere, von denen 575 in der ersten 
und 30a in der zweiten Kajüte reisten. Das Schiff hat mit 
diesen Ziffern die Höchstleistung der diesjährigen Passagier¬ 
beförderung im Ostwärtsverkehr erreicht. Bemerkenswert hohe 


Passagierziffem hatten auch die mit ihm gleichzeitig New York 
verlassenden Dampfer „Mauretania** der Cunard Linie und 
„Rotterdam** der Holland-Amerika Linie zu verzeichnen. Die 
„Mauretania** führte 847, die „Rotterdam** 660 Personen in 
ihren Kabinen. 

Führer-Automat. Eine nachahmenswerte Einrichtung 
hat der bekannte Schwarzwald-Höhenluftkurort Tri- 
berg getroffen. Die ankommenden Reisenden stossen in der 
Empfangshalle des Bahnhofs auf einen Automaten, der 
gegen Einwurf von zwei Zehnpfennigstücken abgibt: einen ver¬ 
schiedenfarbigen sogenannten „Pharusplan** der Stadt 
(i : 5000), aus dem die Lage der öffentlichen Gebäude, der 
Sehenswürdigkeiten, der einzelnen Hotels und Fremden¬ 
pensionen deutlich erkennbar ist, eine in Schwarzdruck ge¬ 
haltene Umgebungskarte (1:50000), einen illustrierten 
Ortsprospekt, der über alles Wissenswerte Auskunft gibt, 
ferner Verzeichnisse der Hotels, Fremdenpensionen 
und Privatwohnungen mit ausführlichen Preisan¬ 
gaben. Ueber dem Automaten hängen in hübscher Eichen¬ 
rahme unter Glas die Drucksachen zum Beschauen ausgebreitet. 
Den Kurgästen und Touristen, die nach Triberg kommen, ist 
auf diese Weise ermöglicht, sich sofort zurecht zu finden, sich 
zuverlässig zu unterrichten und eine ihrem Geschmack und 
ihrer Geldbörse angepasste Unterkunftstätte auszusuchen. Der 
Tätigkeit unzuverlässiger Wohnungsvermittler und Hotelagenten, 
wie solche an jedem bedeutenderen Kurort und in den meisten 
Fremdenstädten ihr nicht immer einwandfreies Wesen treiben, 
ist damit ein grosser Stein in den Weg gelegt. 

Postkreditbriefe. In der „Frankfurter Zeitung** wurd® 
in einer Zuschrift aus London über „Postkreditbriefe“ auf die 
Vorzüge der Reiseschecks der American Express Company hin¬ 
gewiesen. In Ergänzung hierzu sei darauf aufmerksam gemacht, 
dass auch die Hamburg-Amerika Linie und der Norddeutsche 
Lloyd seit Jahren Reiseschecks ausgeben, die genau dieselben 
Vorteile bieten wie die der American Express Company. Sie er¬ 
freuen sich in Deutschland und im Auslande derselben allgemeinen 
Beliebtheit wie in Amerika die Schecks der American Express 
Company. Auch die Schecks der Hamburg-Amerika Linie und 
des Norddeutschen Lloyd lauten nicht bloss auf Mark, sondern 
auf Pfund, Sterling, Dollars, Kronen usw. Von den gewöhn- 


-I I- 




WT* Sorgenlos 

und ohne Beschwerden zu reisen, ist wohl das Bestreben eines jeden, und zweifelsohne ist kein Gebiet so auf sach- und fachgemäßen Rat 
angewiesen wie gerade das Reisewesen, wenn allen Neuerungen und Einrichtungen im Gefolge des modernen Verkehrs Rechnung getragen 
werden soll. Auf Grund einer 70jährigen und erfahrungsreichen Tätigkeit auf diesem Gebiete ist die Firma THOS. COOK & SON in der 
Lage, Vorteile und Erleichterungen zu gewähren, wie sie wohl von keinem anderen Unternehmen dieser Art geboten werden können. 


??€iSBbill€ff€ *^^derzeit auf nahezu allen Eisenbahn-, Dampfer- und Postkutschlinien der ganzen Welt verwendbar. Diese Billette 

-a_ berechtigen den Inhaber zu jeglicher Auskunft von seiten unserer Vertreter und aller Agenturen, ferner gestatten sie 

die freie Benutzung der Leseräume in unseren verschiedenen Bureaus zur Erledigung von Korrespondenzen, sowie die unentgeltliche 
Inanspruchnahme der Dolmetscher der Firma THOS. COOK & SON auf den wichtigsten Bahnhöfen und in den bedeutendsten Hafenplätzen. 


I o A M Billette für Salon-Passagiere nach allen Weltrichtungen 

ULCli und zu niedrigsten Preisen. 

g\^g\g9£3ktc.f^n Unabhängiges, sorgenfreies Reisen; das Vollkommenste in 
A\lvlVUriJi CIÄCll Bezug auf Reiseerleichterung. 

Erstklassige Gesellschaftsreisen allen Ländern Europas u. Amerikas, 

nach Ägypten, Palestina, Großbritannien und Irland. 


Nildampfer 


Regelmäßiger Passagierdienst vermittelst eigener erstklassiger 
Dampfer. 

^ Dieselben werden von den bekanntesten Hotels über die 
I lUldt/UUpUIlÄ ganze Welt hin in Zahlung genommen. 

Rank, und WArhcpIffPCrhäff Vorteilhafteste Bedingungen bei Inan- 
DallK.- UllU VY CCllSClgCsCllall spruchnahme; Verausgabung von Zirkular- 
Noten und Kreditbriefen nach allen Ländern. 


THOS. COOK & SOH, Offizielle Vertreter der Deutschen Staatselsenbuhnveruultunoen 

für die Ausgabe von Fahrscheinen. 


Hauptbureau: liudg^ate Circa«, liondon. 

Bremen, Bahnhofstr. 86 Köln, Domhof 1 Salzburg, Sohwarzstr. 7 

Karlsbad, BLarkt Dresden, Pragerstr.43 Frankfurt a/M., Kaleerstr. 28 





210 DBUtSiCHLAHD laooieeeaeesseeeeeeeeeeeeeei^ Nr. 4 


Hcbim Schecks hebeci sie sich ebenfullfiii yot^thhft «tb, 

dass jede Kuntr&lie der Höhe d^a QiJihrUj^^ fbfifäbt Die-^ei 
Heiicächecks dcuti^äheti 

werdcß von allen Ageritüreh dera^lbe^ scrwife y<iEi dbfl 
fimerL an alltn grösseffn PtäUeß dar Welt ebenso :Wi^ 
Schecks der Amerjcaii E^p re es Company ln ßent 3 Tiimerf+ 

Auf : eämtJiicheti ScHiffislitjicti und den tneiaten i^af&npist^eni; 
welche die Schiffe unserer beiden grössten Reedereien berühren^ 
sind dar eh Reiseschecks nasmrgeniäss ein übliches und ganit ^ang;- 
h^s J^ahlungi&Tnlttaif und ^le können daher dan Vergleich luh 
dem Reic±iskäfisetti?oht2n, den der Einsender für die erst ju 
SchafTendeti Posikredtlhnefe fir Ansprach nimmt^ achpt^ jctkt 
vollkommen au sh a! tan- Der Rjjtisehde hesChränki sich nicht hioss 
darauf^ seine Schecks bc| defEinSÖ&ungssäieile uiiizuseizeni sondern 
er ifli gewohnt, die ^XshUielie glejchaeiiig als eine will komme ne 
Orlpntie^ung^^fitcHa tn benutzen; die ihrb über d?e Sehc^s- 
wü rdi e Veltpri des prtcßr und manche » n d icr en Präge it her ei h 
willigst. Ätiakdiiff 

Edr dEe Ein i r a ^ u n g i n d a a O (t i ä t e 11 ? l*,e i p se I e e r 
M e s - A dl" fedä h d ^ h^ Jt- Auflage, MiGhiie'iifsmcsöe igtt f, Öe^hn 
Sdnntäg/ dfe« 37 > August)^ ial vom lVleS{i-AUs6Chua& der . 

kammer Deiprjg soeben der massgebende Arimejdcbügeu 
Vesaandt worden^ pic pÜnkiththe Rücksendung diesesf Anmcltlc- 
hogehe äst alten AiissteUern dtingend iru empfehlen^ da die 
Aufnahroe pdfff WeUerfühtüfig im Bucha davon abhüfigt, Keu 
himzugetreteneti Auss-telleni, die das Formular noch niebt er¬ 
halten hithetx, emptfehlen wifV sPfort beim Meas-AtisfithusÄ der 
Hähdelsknmmat' UeipÄig darum nachinaijchen. 

Einunbtekonntes Ged i t tl e in r i 5 :Ji k V. K 1 e Is t. 
In der Gräflich Schuffgotschschen JMaJdj^dtsHbhöthek ln 
hmtin hat der Efibliothekar dssslhatr br. M; Schüler, ein bisher 
unbekanntes Gelegenheitsgedicht TfictnJfiel^ vOcö Klewit gefunden, 
der Dichter am 13* juU des Jahf<;i at» ^'^li'siufidaEwarirlg^ 
jähriger fUr das Fremdenbuch der Hampcibaüde unterhalb det 
Schncekoppe verfasst und wozu ih4 iS^r liber^älUgt^nde EiU’ 
dfUtk eines Sonneniuuigaaga bEgeisieri battf*. Der Dichler tiitt* 
in Begteiuing «einer Ädtwesti^r tl Irlke eine ’Touf aut cRe Scliöe«- 
koppe uniemommen^ diß Reisenden paflsietten di& HaAtpelr 

baude j d La d ama I sV ^ s (ik: k efne' Bau dt icu vn Uehet u^ebte n. 

auf der Itoppe »felhst gab# >rKoppenhaudF’ h ie^ In der, 
„Wöcha’" veröftenth¥;ht Dr» S[Ghuicr jetit Wödld^ ' der 
Hymna aa die SöujigV 
lieber die Häup^r d« Htesem hoch m der Lutte 
Trägt .mich, Vater der Hlssö^Ui. Dein dretge^atkigtitr Falk» 

Nebel WaHeh-.::’v'•x.-.. :•■■■'■■■;■ 

:W(e Nachtgei^ialten,' .• ;: 

Um lurspr,: Uebiwrj dic: Scheitül der Riesen heA ^ 

Ünd ich crwarre dich^/Leuchtender! 

Deinen prächtige^ Glätte borge der Finstecnj&V 
AUerleuchtender ^ternt Du der u hmdllieban äju^L^ 

' Ewiger Herrscher, ; . 

Du des Lehens 

unversiegbarer Quellr giesse die Sltithlefi h^^atU/ 

UtUosl wälis; dein PUmmenrad! 

Sieh' i Er wSlzt es hera uf ^ Die Nachts» Wie - 

Leuchtend schreibet der GoU ceümti VHamen dahin 

MU fit:m Griffel denj Strahle?^ . : 

hüldjigt ihr mir?“^* : / 

L *^rrs c h er! wi r h ul ctiji^fcn ^ d ir 1 

\ 'd, 53,- ■■|dt .99 , 

am M turgtUf '-Icti von H V ii n t {ch K I el ^ t, 

diil Schwe^koppe kam* chemnli Leütn» Im Regt, Qaxdc, 

Hotelweseni 

H öle l Bellevue, p> e e d c n- Ends Mai ä. ji* fni das 

Höic| Bellevue nach f ünfinonäiiger ; wleiler eröffniit 

Wörden* Das hellehfe* vöh; Ftltsilrehkedtcft und Arfstakri^ticf be¬ 
vorzugte Holet hat durch • die MeiatjQrharid Martin DÜUers eint 
wesentliche Umgestaltung erfahren. Der imlacire 
von frü her * di e ein sith nllg e G/i! be rla« ch e Be si t Eti ng; jüt 
einem Hotel umgestalt?^ werden, duv allen iivuercu AhspiiiC’hJt'n 
gerecht wird utii dtc vielen " Bchötihtsiten semer Uw^iBebuitg 
wesentlich besier als friiher den öäBteti ins Äuge rllckt, ; Uhicr 
Verzicht auf einen Ttii der im Erdgeschoss ynrhandcbfed 
Premdenzimiiier und durch dre Veriegujl^ des Hauptttingauj^tä 
nach der X^ti^frdtit G^Mudes, gegedtSher der Königlichen 
Opefj wurde dl* Seite iiflch Theatßf^Ia!* frei ihr Hiit* 

w icktuiag dtfr y riter h al tuttga - * Sthf^ib-, -V R^staaratio n s- 

an d Garderob erä ttmef . die in direk te Vetbin d u ng ^ea etil ifei n d 
nijtx tihef grossen, dth gfi'&lisiee.Ttcn ÄuspFflScben Ech’ügetjden 
vocnthiK ausgestatfcien welche , inan durch eine 


Drehtür betritt, per Boden ist mit MarmorplÄtieü belegte die 
Wände niit Täfelungen aus RusterboUpaneelffnj bia aur;/Decke 
r Biche u d, verkici det, Der grosse Sp'filKcsaÄl : : den ■ an- 

«chltesseaden, nach der Elbe gcfege^^fi Ubefd*Cik|^ 
und dem herriichea Gerten «ind wie die FrhrfulecLejtmmer des 
Erdgeschosses Vcm dreier Halle ,au?3 'direkt 

Prachitrcppe auir Marmöt Jiihtf dach Ütn 'vollstetien^ 
m^bU'trttrL lfivt allem veraehenen Zinihttrn de* 'Ersten 

SiockwtrkeÄ; und von da nach den oberen, durch den Aufbau 
von 2We 4 |Stöckwerken entatandenen neuen Räumen, Da-* 
durch isf dtr ganze Organii^mtis des Holele verpissisert: Wöfdoö, 
pits WCitereti Umbauten erstreckep ^aith auf die Anlage Von 
BaJWns äpr der Vorder^ und Garteßseitc, die Eiurfchiüng »luer 
/^entriäibjisijrung und Warttiwaiseryereorguhg, Amer elektnachep 
LichL, Signal- Tclephörtanlage, StaubsaTigatilage uud den 

Einbau von Bädern und Tmlettenräumtn mit direkt an die Waasat- 
leitung angeachlöiefttten Waachtiseheri* Gam Üeaoudere Sorg¬ 
falt wurde auf deö Bau vollständig Mueuer Küchenanlagfch, 
KÜbiräümc^ KefWreliü uöff Wirtscbaftafiüma (nach Angaht^ff 
des Herrn Diwktöts Rchh^eld) gelegt, uhd man darf wohl be¬ 
haupten, dosa gyhtde 4t^e wichtigen Räume ftir dttn 

Hötelbetrieb müstejfgüliig und sehenswert sind, Der neu¬ 
angelegte Holelgarten mil aetnen Terrassen und Lanbengäögen 
45t ei n c S e hc nawUrdi gkdt D resd ens. Das Hotel,: dc^esen. grösste t 
Tag wohl der denkwürdige Huidig^ngszug dei Diesdhet Bürger¬ 
schaft vor dem alten Koichskanzler am 18, Juni 1893 war^ kann 
in wenigen Jahren auf ein fiojahnges Bestehen tu rückblicketu 
Seit 1897 liegt die Leitung der Akiieogesel lach aff io den Händen 
des Herrn ü i t e k t o f o R i ch a r d R o n n e fe 1 d* Seine reichen 
Erfahrungen upd. dni IchrtStleriscb feine GeffühJ von Profoai&or 
Martin Diiller hahCp hißl eiti Werk geschaffen, das troit seits<&r 
Ei n I ach heit d ti f ch: Vs e Ifffi god iä^geh c, vö rn effme A uaaiattu ng ifli t. 
Anerkennung alier äeffif^T ernten wird, 

^ aSchlUsS'd^a'redaktiöijdlko Teiles. 

Si'iirl v-iXi^r liuJ ^ t3< aio-a ?.l3 • •' 

;U} Par Atm' swHvctiiAü äutui«- 

e^f'jir.FWwörj: ür, S e y r^j f i, ifüa üaeden hj^v«#cker 

■ ■ * • lisV- ig;;. lö'r ■ :.'Am fii;t<lit4U ^. ff i Ä ■ ä, r li; ■ ia ’. ftstseü 0 rf,.' 

■ -.itirttt; it- 'aiii ki;' Üö fl-if' f A arl * # i’kk * vl>. A?ä,'tfi f 4 ar| 



tohtl ein jörteg, tclncS @Cfidjt, icjigf®! jnticii Ci|i iitfjcS ^ttt, 

svcißt, lamiiictröctdjf Smut jnib ein (JlcHbcnö jiluincr 3:{*iuti. StßelS 
öteiS er,imflf feit allein editf 

$tccft 4 ttpt 4 td<CiliCttinncl)>$ciTc 

tinnßefS.mAniUrgO.^lladClItUl. ?» 2t r)0'’^^ijt lUierfill^\itlia6cti. 



IQr Hervise and EeolanisbedOrttlse. 


Ilavi traft^e«^ «latir flauet. 


Är^tJ. Lf^iuiii^ 

Ör* meö. Staehly. 


K a ü fm u ii ü. Lut tuag^ : 
DlrüKtor Bttttn*. 
























lü B Or$aii fOt die deutschen Verkehrs-Interessen b b 
A mtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 



Strassbupger Münster 





















Schnellzng^Terbindnng^eii 

zwischen 

Straß borg und Met* einerseits, München, Frankfnrt a. M.—Berlin, Hambarg und Cöln anderseits. 

d&wdtfrKT 


y^mstertiatmy 


Qsiendc 


^j3fUSS^ 


Dü^eldorf 

\>C 6 /nGifii 

/ y. 


y-l^errfn, 

^^"^J?resc/en^ 


Äsen, 




/ j 3 p.--—^ d^arnbe^y 


^^tSctrc 






I. St rnßbnrg—München. 


Straßburg . 
Karlsruhe 
Stuttgart . 
München 


ab ! 

558 

900 

122 

522 ! 

1107_ 

1 30 

München . . . 

. ... ab 

700 

822 

1245 

432 1005 

an 

714 

1030 

933 

GM 

1255 

261 

Stuttgart . . . 

.ab 

1050 

1248 

449 

848 217 

an 

902 

1242 

437 I 

83-t 

301 

4M 

Karlsruhe . , . 

... ab 

1242 

236 

721 

1036 

3M 

an 1 

1258 

500 I 

932 

1240 j 

7.0 

835 

Straß bürg . . . 

. . . an 

QOC. 

344 

8 M 

1166 

5^ 







II. 

Straßbnrg — Berlin. 

Straßburg . . . 

. . ab 

,5J5 

1 842 

1126 

1 525 

707 ' 150 

Berlin . . . . 

Frankfurt a. M. 

. . an 

933 

1 1236 

931 

843 

K125 1 o-k; 

Frankfurt a. M. 

Berlin. 

. . an 

Ü42t 

855.'^ 

1102.; 

■ 8"3>: 

1 

Straßburg . . 

* Potsd. Bhf. 

t Anh. Bhf. ^ 

Frioilrichstr 

111. 

straßbnrg 

:— llambnrg. 


. ab 800t 1030t I 825t 9^§ 10i5* 

. an 403 S25 740 937 

an 705 853 i i(j55 I2i9 


Straßburg.ab 5^5 8-12 1126 525 7 ^ IM) Hamburg H.ab 933 1236 j 905 1104 

Frankfurt a.M.an 933 1236 i 23i 8^3 l(}^ 54 »; Frankfurt a.M.ab j 403 8^> 11^ 5^ 9-37 

Hamburg H.an j 7^ 1 10^ | 1212 O^i 822 823 StraLburg.an ' 71^5 | 1228 3m 904 i24y 


ab 

717 

933 

1236 

905 

1104 

ab 

403 

8£> 

UM 

552 

937 

an 

' 705 1 

1228 

353 

904 

1240 


TV. Straßbnrg—Cöln über Münster a. St.—Coblenz. 


Coblenz 

Cöln 


. ab 

545 

1217 

352 

050 

11-36 

150 

Cöln. 

. . . ab 

625 

958 

1213 

556 

Soo 

1034 

. an 

1046 

131 

8^ 

1120 

346 

802 

Coblenz . . 

... ab 

833 

1140 

142 

741 

351 

1205 

. an 

1237 

022 

1015 

]9M 

51« 

919 

Straßbm-g . . 

. . . an 

900 

345 

Gli i 

12^ 

363 

415 


V. Straß bürg — €UUii über (He Eifel. 


ab 

1023 

417 

Cöln. 

.ab 

802 

122 

an 

140 

748 

Trier . 

. ab 

1132 

454 

an 

i 518 

1114 

Straßburg. 

.au 

303 

812 


VL Met* — Berlin über Frankfurt a. M. 


Metz . . . 

Frankfurt a. M. 


. ab 

540 

924 

413 

1232 

Berlin Anh. Bhf. 

.... ab 

905 

1030 

1010 

. an 

1126 

*214 

1( 07 

538 

Frankfurt a. M. 

.... ab 

606 

833 

732 

. an 

856 

1102 

736 

239 

Metz. 

. . an 

. lOlÜ 

112 

1241 


VII, Met*—Berlin über Trier-Coblenz. 


Metz. 

.ab 

G 24 

1202 

526 

Berlin Fr. 

.ab 

8>3 

[ 952 

Trier . 

.an 

810 

133 

707 

Berlin P. 

.ab 

1 i 

1 

Coblenz. 

.an 

1018 

405 

901 

Coblenz 

.ab 

; Ö 43 

838 

Berlin P. 

.an 

1 

803 

1 

'Prier . 

.ab 

1055 1 

1034 

Berlin Fr. 

.an 

1043 

729 

749 

Metz. 

.an 

1227 

1206 


VIII. Met* — Cöln über die Eifel. 






















































Straßburg;, Metz und die Vogesen 

Sondernummer der Zeitschrift ^Deutschland' 

Herausgegeben unter der Mitwirkung von 
Stadtverwaltungen und Verkehrs-Vereinen 


























,^A—? wi-vw -..-,,-.,-1-.--i— / ^ir-<.-t..-i-^,f^ 

^ .-JrL.J -tXt^ x'i.-O — -c--.^.---»*--^^^ 

ti-ir^r^ r 1j^ ~ :Sl“:!iS$;z 

jiLZzt.Ji.2.^ ^ X^ - -J-_> 





























DEUTSCHLAND 

Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln 


♦ ♦ 

t Bezugspreis proJahröM.,viertel- t 
♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦ 
j 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦ 
Z eines jeden Monats (im Juni, Juli X 
t und August monatlich zweimal) ♦ 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 


♦ ♦ 

X Anzeigenpreis 40 Pfennig die X 

♦ viergespaltene Kolonelzeile ♦ 

♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦ 
X Breite. — Bei Wiederholungen X 

♦ entsprechende Ermälzigung t 
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 


Nr. 5 


Düsseldorf • Erste Juli-Ausgabe 1911 II. Jahrg. 


Elsaß-Lothringen und die Vogesen. 

Von Adrian Mayer, Straßburg. 


Seit den Tagen Cäsars, da im ersten Jahrhundert vor 
Christus die römischen Legionen jene alte große Kultur 
das Rheintal abwärts gegen Norden trugen, deren Zeugen 
wir noch heute so vielfach in diesen Landen begegnen, die 
unsere westdeutschen Städte zu prunkvollen kaiserlichen 
Residenzen, unsere den Vogesenbergen entquellenden Ther¬ 
men zu wohl ausgestatteten Badeorten emporgehoben hatte, 
seither ist dieses Land auch der Mittel- und Kreuzungspunkt 
der großen Heerstraßen der alten und neuen Zeit in kriege¬ 
rischen wie friedlichen Tagen geblieben. Als die Enkel des 
Kaisers Karl zu Meersen an der Maas um 870 die Grenz¬ 
linie zogen, die, über den First der Vogesen laufend, das 
Land zwischen diesen und dem damals und bis in das letzte 
Jahrhundert so vielfach geteilten, in seinem Haupttalwege 
nur schwer bestimmbaren Rheinstrome nach Ostfranken 
zum deutschen Herzogtum 
Schwaben schlug, da schufen 
sie zugleich ein seither recht 
viel umstrittenes Gebiet, das 
abwechselnd den Strom statt 
der Gebirgslinie als Grenz¬ 
scheide der beiden europä¬ 
ischen Reiche sah, bis ein 
Jahrtausend nach der Akte 
von Meersen neue Verträge 
die Grenzpfähle wieder nach 
oben auf den ragenden 
Kamm des Gebirges trugen, 
der durch seine scharfe Aus¬ 
prägung so sehr den Cha¬ 
rakter der natürlichen Völker- 
g-renze trägt, wie er auch den 
einer Sprachgrenze im wesent¬ 
lichen stets behauptet hat. 

Die wechselnden Ge¬ 
schicke, die unter diesem 
Zwiespalt das ganze Gebiet 
zwischen Rhein, Vogesen und 
weiterhin der lieblichsten Tochter des großen Stroms, der 
Lothringen durchfließenden Mosel trafen, ließen bis in die 
neuere Zeit dieses Land fast mehr unter den Einwirkungen 
der kriegerischen Ereignisse und ihrer Nachwehen, statt in 
bezug auf den Reichtum seiner uralten Kultur und seiner 
außerordentlichen Naturschönheiten bewerten, die ersteren an 
die sonnigen Zonen des Südens, letztere an die gewaltigen 


Formen des alpinen Hochgebirges vielfach erinnernd. „Kein 
anderer deutscher Gau kann mit der Fruchtbarkeit des Elsaß 
wetteifern, wie auch kein deutsches Mittelgebirge an Gro߬ 
artigkeit und Waldespracht sich mit den Vogesen messen 
darf; Kraft und Fülle in den Tiefen und auf den Höhen", so 
rühmte schon vor Jahren ein begeisterter Wanderer Elsaß- 
Lothringen und seine Bergwelt*). Und in der Tat weisen 
die Vogesen in ihrem zum Teil alpinen Formenreichtum, 
ihren malerischen Fernsichten, ihrem urkräftigen Wald¬ 
bestand und den zahlreichen poesie- und sagenumwebten 
Burgruinen eine wohl selten wiederzufindende Reihe von 
Vorzügen als Wander- und Erholungsgebiet auf, während 
zugleich in den Tälern die alten Städte und Dörfer uns 
in ihrer vielfach reizvollen Architektur und Eigenart von 
frühester Vergangenheit und Geschichte des Landes erzählen. 

Aber erst die neuere Zeit 
hat mit der allgemeinen 
Befestigung der inneren 
Verhältnisse und zugleich 
der immer wachsenden Er¬ 
kenntnis der Vorzüge dieses 
Landes dazu geführt, daß 
der moderne Verkehr und 
das Suchen nach Gebieten, 
wo die von der Unruhe 
und Anspannung des All¬ 
tags niedergezogene lebende 
Generation einen wohltätigen 
Ausgleich zu finden vermag, 
in Elsaß - Lothringen und 
seinen Wäldern und Bergen 
eine so reiche Verbindung 
von Schönheit und Höhen¬ 
natur entdeckt hat, wie sie 
in mancher Hinsicht selbst 
den durch ihre Formen- 
spräche überragenden Hoch¬ 
alpen nicht zu eigen ist 
und womit wir uns in den nachstehenden Schilderungen etwas 
näher befassen wollen. Es soll darin zunächst der Hauptstädte 
des Landes, sodann seines Gebirges gedacht sein, begleitet 
von einer mehr führerhaften Darstellung der für den Besuch 
des Wanderers und Erholungsuchenden durch Lage und Schön¬ 
heit wesentlich in Betracht kommenden einzelnen Punkte. 

*) „Die Vogesen in Wort und Bild" von Aug. Trinius. 



Mülhausen im Elsaß: Rathaus 

















212 DEUTSCHLAND Nr. 5 


Das Land und seine Hauptstädte. 

Hier ist vor allem ^ p , 

btralzburg^ 

die altberühmte, vom Volksliede die „wunderschöne Stadt" 
genannte, die, seit einem halben Jahrtausend von dem Wunder¬ 
bau des Münsters überragt und heute wieder neu empor¬ 
geblüht, als Hauptstadt des Landes ihren Zauber auf alle 
Besucher ausübt. Schon der Altmeister deutscher Dichtung 
Goethe, hat uns ihre eigenen Reize in „Dichtung und Wahr¬ 
heit" unvergänglich vermittelt. Hier hat er als begeisterungs¬ 
froher Student vom Turme des Münsters aus den Blick 
schweifen lassen über Stadt und Land, hier reiften Pläne für 
seine bedeutendsten Meisterwerke, entstanden eine Reihe der 
schönsten Gedichte; von hieraus unternahm er seine Fahrten 
in das Elsaß, nach dem von der Sage umrauschten, mit den 
gewaltigen Steindenkmälern vorgeschichtlicher Zeiten um¬ 
wehrten Odilienberg, nach der damals berühmten Zaberner 
Steige und dem Bastberge bei Buchsweiler, der in der 
Legende als „Blocksberg" und Tanzplatz der Hexen des 
Elsaß, wie auch wissenschaftlich durch den geologischen 
Aufbau die Aufmerksamkeit anzieht; von hier aus besuchte 
er oft das nicht allzuweit entfernt gelegene Dörfchen Sesen- 
heim, auf dem der Jugendtraum mit Friederike noch heute 
einen Glanz von Dichtersonne lebendig hält. An das alte 
Straßburg mit seinen stimmungsvollen, durch ihre Bauweise 
anziehenden Straßen und Plätzen aus dem Mittelalter aber 
hat sich eine fast schon ebenso große Neustadt angegliedert, 
die um den Kaiserplatz eine Reihe glänzender Monumental¬ 


bauten, ferner im benachbarten Universitätsviertel die zu 
großer Bedeutung gelangte, von einem Kranz hervorragender 
wissenschaftlicher Institute umgebene Kaiser-Wilhelms- 
Universität und weiterhin den ob seiner schönen Anlagen weit¬ 
gerühmten städtischen Park, die Orangerie, aufweist. Durch 
seine Lage an der alten, völkerverbindenden und heute zu 
neuer Bedeutung gelangten Schiffahrtsstraße des Rheins und 
dem hier abzweigenden wichtigen Kanalnetze nach Lothringen, 
dem Rheinland und Frankreich, sowie als Kreuzungspunkt 
großer europäischer Eisenbahnlinien und die an das Gebirge 
durch das Vorland führenden Straßenbahnen bietet Straßburg 
heute noch mehr als früher treffliche Vorbedingungen für 
Verkehr und wirtschaftliche Entwicklung. 

Von den Hauptstädten des Ober-Elsaß besitzt 

Mülhausen 

alten Ruf als gewerbfleißige Zentrale der oberrheinischen 
Textilindustrie und des Maschinenbaus, wozu sich neuerdings 
in der Nähe eine bedeutende Kalisalzgewinnung gesellt hat. 
Einen mehr bürgerlichen Charakter hat dagegen das alte 

Colmar, 

die Bezirkshauptstadt, bewahrt, wo zahlreiche schöne Bauten 
aus früheren Jahrhunderten und hervorragende Bildwerke, so 
vor allem der Isenheimer Altar mit den Gemälden von 
Meister Grünewald und die Madonna im Rosenhag von 
Schongauer, eine Perle altdeutscher Malerei, auf die künst¬ 
lerisch bedeutende Vergangenheit des Elsaß hinweisen. Beide 
Städte haben sich in der Neuzeit sehr verschönert, und 



Elsässerin und Lothringerin 



q’ twl 


5 


Nr. 5 DEUTSCHLAND 213 


□ 

T 


K 

□ 

d 

V 

a 

€ 


T. 

rs 

It. 

te 


en 

so 

OI\ 

on 

st- 

ide 

nd 




i 



besonders Colmar bietet durch seine 
Lage am Gebirgsfuße der Vogesen, 
unmittelbar gegenüber dem Eingang 
zum prächtigen Münstertal, Gelegen¬ 
heit zu den lohnendsten Ausflügen 
in das Gebirge. 

Von Straßburg aus bringt uns 
die Fahrt durch den geschichtlich 
berühmten Engpaß von Zabern, in 
dem wir die Kunstbauten des Rhein- 
Mame-Kanals zur Seite der Bahn¬ 
linie bewundern, die beide gemein¬ 
sam den Vogesenkamm im Doppel¬ 
tunnel von Arzweiler durchdringen, 
zum anmutigen Moseltale nach 

Metz, 

der stolzen Hauptstadt von Loth¬ 
ringen. Die von den Moselarmen 
durchzogene Altstadt von Metz hat 
in Architektur, Straßen- und Flu߬ 
bildern vollkommen den eigenartigen 
Lothringer Charakter bewahrt, über¬ 
ragt von der in reinster Gotik macht¬ 
voll aufstrebenden Kathedrale, dem 
Stolz des Lothringer Landes. Der 
mittelalterlichen und aus späteren 
Zeiten stammenden Umwallungen 
entledigt, hat auch Metz sich in den 
letzten Jahren mit monumentalen neuen Stadtvierteln um¬ 
geben, während an die schmuckvolle Esplanade zugleich 
die schönen Moselanlagen sich angeschlossen haben, von 
denen man ein überaus anziehendes Bild auf das von 
Rebhügeln und Waldbergen umkränzte 

„Metzer Land“ 

gewinnt. An seine Hänge lehnen sich ringsum freundliche 
Ortschaften in fast südlichem Charakter an, während die 
Höhen von gewaltigen Befestigungswerken gekrönt sind; sie 
blicken hinüber zu den Kampfstätten der Augusttage von 
1870, die, geschmückt mit pietätvollen Denkmälern, für alle 
Zeiten denkwürdiger geschichtlicher Boden bleiben werden 
und jährlich viele Tausende von Besuchern aus nah und fern 
anziehen. In der Ferne, flußabwärts gegen das aufstrebende, 
ebenfalls von seinen Wällen befreite 

Diedenhofer\ 

dehnen sich seitlich der Mosel die gewaltigen Anlagen der 
Eisenhüttenindustrie Lothringens aus, in denen die reichen 

Schätze des Bodens an Kohle und Erz verwertet werden. 

* * 

* 

Wanderungen und Sommerfrischen 
in den Vogesen. 

Vor allem aber bieten 

die Vogesen 

durch ihren Reichtum an ausgedehntem kräftigem Hoch¬ 
wald und Formenschönheit der Landschaft ebenso Gelegen¬ 
heit zu einem gesunden und abwechslungsreichen Erholungs¬ 
aufenthalt, wie zu Wanderungen und Bergtouren. 

Nähern wir uns vom Rheintal her dem Gebirgsfuße, so 
finden wir schon die Ebene selbst mit ausgedehnten Reb- 
anlagen in Form von Weingärten bepflanzt, die sich an 
den unteren Hängen des Gebirges fortsetzen; dieses Wein¬ 
baugebiet ist bekanntlich das größte Deutschlands und hat 
in guten Jahren über 1 Million Hektoliter Wein gebracht. 


darunter edelste Sorten. Ueber dem 
Reblande beginnt sodann die Wald- 
region, meist prächtiger Hochwald 
von Laubbäumen und Edeltannen, 
eine Fläche von nahezu einer halben 
Million Hektar umfassend. Nach dem 
Kamme der Vogesen zu und diesen 
selbst bedeckend, dehnen sich, be¬ 
sonders in den südlichen Hoch¬ 
vogesen, die teppichartigen Höhen¬ 
matten aus, auf denen man tagelang 
wandern kann, prächtige Fernblicke 
auf das elsässische und französische 
Bergland, die Rheinebene und den 
Schwarzwald, sowie die gewaltigen 
Schneehäupter der Schweizer Hoch¬ 
alpen genießend. Kein Geräusch der 
Tiefe stört hier die erhabene Ruhe, 
die nur vom Lied der Heidelerche 
oder dem Geläute der Herden unter¬ 
brochen wird. Seit Jahrhunderten 
dienen diese Hochmatten als Weiden 
den Zwecken der für die Südvogesen 
charakteristischen Melkereien. Durch 
ihre ausgeprägte Gliederung und 
Kammbildung, die in dem von Nord 
nach Süd verlaufenden Hauptkamme 
zugleich die deutsch - französische 
Landesgrenze bildet, sind die Nah- 
und Fernblicke gerade in den Vogesen von besonderem Reiz 
und vielseitiger Schönheit und werden darin auch von Ge¬ 
birgen, die größere Erhebungen aufweisen, kaum übertroffen. 

Beiderseits des Gebirgskammes, in großartiger, geradezu 
alpiner Umgebung, liegen die zahlreichen Gebirgsseen 
eingebettet, die einen besonderen Schmuck der Vogesen 



_____ Gebweiler: Rathaus 

















































214 DEUTSCHLAND Nr. 5 


bilden. Sie sind zum Teil Reste einstig-er Gletscher aus der 
Eiszeit und vielfach noch von Gletschermoränen abg-eschlossen. 

Dieses Hochg-ebirg-sbild gewinnt noch an Reiz durch eine 
selten mannigfaltige Flora, reich an alpinen und sub¬ 
alpinen Arten. Vom Frühjahr bis zum Spätherbst erblühen 
in immer neuer Farbenpracht auf den Höhenmatten und 
Felshängen der blaue Enzian, der goldstrahlende Ginster 
und die in seltener Fülle verbreitete Riesencampanula mit 
ihren vom Weiß bis ins dunkelste Blau übergehenden Blüten, 
während gelbe Narzissen neben feurigem Türkenbund die 
Hochtäler schmücken. 

Eine nicht geringere Anziehung üben die zahlreichen 
Burgruinen aus, die malerisch im Norden und Süden der 
Vogesen die hervortretenden Höhen krönen. Kein anderes 
Land weist eine solche Fülle von Ueberresten ansehnlicher 
Schlösser aus der Ritterzeit auf, die heute als efeuumrankte 
Ruinen einen besonderen Hauch von Romantik über das 
ganze Gebirge breiten. Daneben ist die im ersten Jahrzehnt 
dieses Jahrhunderts auf Veranlassung Kaiser Wilhelms II. 
neu ausgebaute stolze Hohkönigsburg sowohl durch ihre 
prachtvolle Lage auf freiragendem Bergkegel, wie durch ihren 
Umfang und architektonischen Eindruck zu einem der her¬ 
vorragendsten Anziehungspunkte des Elsaß geworden. 

Die einzelnen, meist tief eingeschnittenen und bis an den 
Hauptkamm des Gebirges reichenden Vogesentäler sind 
durch Seitenbahnen leicht zugänglich gemacht, die von der 
Hauptlinie Weißenburg — Straßburg — Mülhausen abzweigen. 
Ferner gehen von der Bahn Colmar—Metzeral elektrische 
Bergbahnen unmittelbar auf die Höhen, und zwar von 
Türkheim nach dem bekannten Luftkurort Drei-Aehren 
und von Münster auf den berühmten Grenzpaß der Schlucht. 
Letztere hat Zahnradbetrieb und ist mit 1139 Meter Erhebung 
die höchste Bergbahn Deutschlands; sie besitzt unmittelbare 
Verlängerung auf französischem Gebiete nach dem 1361 Meter 
hohen Gipfel des Hohneck und einen weiteren Anschluß 


nach dem schön gelegenen französischen Kurorte Gerardmer, 
Station der französischen Ostbahn mit Schnellzugverbindung 
nach dem Inneren von Frankreich und Paris. 

Eine Hauptroute durch die ganzen Vogesen ist vom 
Vogesenklub, der seit fast vier Jahzehnten in verdienst¬ 
voller Weise für die Erschließung des Gebirges durch vor¬ 


züglich angelegte und mit Wegweisern versehene Pfade sorgt, 
mit roter Markierung von Weißenburg an der pfälzischen 
Nordgrenze bis zum Masmünstertal im Süden bezeichnet und 
führt den Fußwanderer zuverlässig zu einer Reihe der schönsten 
Punkte des Landes. Die Begehung erfordert im ganzen einen 
Zeitraum von etwa 16 Tagen, doch lassen sich natürlich 
auch beliebige Teil¬ 
strecken von guten Zu¬ 
gangswegen aus unter¬ 
nehmen. Die genannte 
Hauptroute geht 
von Weißenburg über 
Niederbronn — Lichten¬ 
berg — Lützelstein — 

Pfalzburg nach Zabern, 
weiter über Dagsburg— 

Wangenburg — Nideck 
zum Donon und über 
das Hochfeld nach 
Hohwald, dem Odilien- 
berg und Barr, alsdann 
zur Hohkönigsburg und 
nach Rappoltsweiler. 

Von hier steigt sie all¬ 
mählich zu den Hoch¬ 
vogesen an und geht 
über den Brezouard und 
den Weißen See zur Schlettstadt: Neuer Turm und Straße 

Schlucht, mit anschließender Kammwanderung zum Hohneck 
und Großen Belchen. Der letzte Teil führt über St. Amarin 
auf den Roßberg und vom Masmünstertal zum Sternsee und 

Welschen Belchen, um beim Alfeldsee in Sewen zu endigen. 

* * 

* 

Unterkunft und Kurorte in den 
Vogesen. 

Neben den in fast allen Ort¬ 
schaften der Täler vorhandenen 
Gasthäusern befinden sich auf einer 
Reihe von Höhenpunkten gut ge¬ 
führte, zum Teil mit allem Komfort 
ausgestattete Berghotels, von 
denen die von Donon, Schänzel- 
Hohkönigsburg, Weißem See, der 
Schlucht und Altenberg, ferner 
St. Anna und das vom Vogesenklub 
errichtete Belchenhaus besonders 
bekannt sind. Ferner gibt es Unter¬ 
kunft in einer Anzahl von Forst¬ 
häusern, sowie einigen bewirtschaf¬ 
teten Höfen und Melkereien, letztere 
nur in den Südvogesen. — Die Gast¬ 
häuser in den Ortschaften wie auch 
auf den Höhen sind durchweg gut 
geführt und bemühen sich, den fort¬ 
schreitenden Anforderungen zu ent¬ 
sprechen; sie bieten sowohl vorüber¬ 
gehende Unterkunft bei Wande¬ 
rungen, wie auch Standquartiere für 
längeren Aufenthalt, in letzterem 
Falle mit Pension zu mäßigen Preisen. 
Außerhalb der vorerwähnten Hauptroute gibt es noch 
eine große Zahl von lohnenden Ausflugsgebieten in 
den Vogesen, von denen einige hier genannt werden mögen. 

ln den Nordvogesen: Das Bitscher Land, die 
Umgebung von Wörth, das Zorntal bei Lützelburg; das 
Alberschweiler-St. Quiriner Waldland; das untere Breuschtal 



Ruine Girsberg bei Rappoltsweiler: (52Ö m) 



'I 























Die Hohkönigfsburgf bei Schlettstaclt 
Blick in den ,,hohen Garten" und auf das große Bollwerk 








































216 DEUTSCHLAND Nr. 5 


mit Girbaden ** Grendelbruch und das obere Breuschtal 
mit dem Climont bei Saales. 

In den Siidvogfesen: Markirch und Umg-ebung mit 
dem Grenzkamm der Vogesen; das Weinland von Kaysers- 
berg-Reichenweier; Urbeis und Umgebung; Luftkurort Drei- 
Aehren mit den Hohnackgipfeln; im Münstertal Türkheim 


Atmungsorgane und auch als Luftkurort besucht. Wattweiler 
bei Sennheim (Südvogesen), 450 Meter Höhe, in geschütztem 
Tale, mit lithiumhaltiger Mineralquelle, neu eingerichtet. 

Von den Mineralwassern der Vogesen sind besonders 
die von Sulzmatt, Sulzbach und Sulzbad, ferner Badbronn und die 
Carolaquelle zu nennen, deren Wasser weithin versandt werden. 



n /—\n 


) 


Ca_ä3 


Oberehnheiin im Llsnß 


und Münster mit Umgebung; die Burgen bei Colmar-Winzen¬ 
heim, der Hohe Staufen und Kahle Wasen, der Grenzkamm 
beim Rainkopf und der Rothenbacher Kopf; das Thurtal bei 
Wesserling-Krüt mit dem Felleringer Kopf und dem Drumont. 

Den Vogesen benachbart und nur durch das historische 
Völkertor von Beifort, die Burgundische Pforte, von ihnen 
getrennt, erhebt sich das Wander¬ 
gebiet des E 1 s ä s s i s ch e n Jura, 
mit Altkirch an der Bahnlinie 
Mülhausen—Beifort als Ausgangs¬ 
punkt und dem schön gelegenen 
Hauptort Pfirt als Mittelpunkt und 
Standort für zahlreiche gut bezeich- 
nete Wanderungen in das Juragebiet 
bis zur Schweizer Grenze, auch als 
Sommerfrische viel besucht. 

Durch ihren Waldreichtum und 
reine Höhenluft können dieVogösen 
in allen ihren Teilen dem Er¬ 
holungsuchenden wie dem 
Naturfreunde für kürzeren 
oder längeren Aufenthalt empfohlen 
werden. Eine Anzahl von eigent¬ 
lichen Kur- und Badeorten sind 
schon seit alten Zeiten zu Ruf ge¬ 
langt und bieten Unterkunft zu 
durchschnittlich mäßigen Preisen, 
so daß auch der in bescheideneren 
Verhältnissen Lebende überall zu¬ 
friedenstellende und freundliche 
Aufnahme findet. 

Von Kurorten sind zu nennen: 

Bad Niederbronn, am Eingang 
des bewaldeten Falkensteiner Tales 
und des Burgcnlandes der Nordvogesen, in höchst anmutiger 
Umgebung, mit eisenhaltiger Kochsalzquelle, die schon zur 
Römerzeit geschätzt war. Rappol tsweiler und das Carola¬ 
bad, modern eingerichtet mit Schwimmbad; auch zur Trauben¬ 
kur geeignet. Badbronn-Kastenholz. Altweier, 800 Meter 
hoch bei Rappoltsweiler, schön gelegen, bei Erkrankung der 


Wintersport in den Vogesen. 

Bieten die Vogesen schon in den übrigen Jahreszeiten 
Landschaftsbilder von seltener Schönheit, so gilt dies in noch 
fast höherem Maße von dem Winter, der uns über den in 
der Tiefe des Rheintals brandenden Nebeln die klarsten und 


weitesten Rundblicke eröffnet. Seit einem Jahrzehnt hat sich 
in den Vogesen in immer wachsendem Maße der Winter- 
Sport entwickelt, der den Städter in der früher nur als rauh 
gekannten Jahreszeit aus Nebeldunst und Kälte in ein Neu¬ 
land von reiner, staubfreier Höhenluft und glänzendem 
Sonnenschein hinaufführt und ihn zum Beherrscher der zuvor 



Ruine Ramstein bei Schlettstadt 
































Nr. 5 


DEUTSCHLAND 2t7 


‘r 

iL 

re 

K 

TL 




X 


i. 

, zelte 
\ nod 
ien ir 
n uw 


eT 

.MT 

in 

erJer*«^ 


fast unzugäng-lich gewesenen winterlichen Bergwelt gemacht 
hat. Wir dürfen hier ein Urteil anführen, das im Oktober¬ 
heft 1910 der Zeitschrift „Der Winter", in einem Aufsatz von 
Dr. Georg Paul Lücke (München), einem der frühesten Schi¬ 
fahrer der Vogesen, enthalten ist; der Verfasser sagt da 
unter anderem folgendes: 

„Die Vereinigung des voralpinen und des Mittelgebirgs- 
typus in den Vogesen ergibt eine Abwechselung, welche die 
Freude am Sport erhöht und die Ausbildung der physischen 
und intellektuellen Kräfte begünstigt. Mehr wie in anderen 
deutschen Mittelgebirgen bietet sich die Möglichkeitzu aus¬ 
gedehnten Touren, auf denen man allerGenüsse 
der Winterwelt ohne besondere Anstrengung 
teilhaftig wird. Eine auf die Hochvogesen beschränkte Er¬ 
scheinung, die geschlossene Kammbildung, bietet Gelegen¬ 
heit, stunden-, ja tagelang in abwechselndem An- und Ab¬ 
steigen ohne bedeutende Höhenunterschiede dahinzugleiten, 
bei klarem Wetter angesichts der Hochalpen vom Montblanc 
bis zum Säntis, ein Umstand, der jeden,der imSchilauf 
nicht nur den Sport, sondern die Vermittlung 
wint'erliche'rSchönheit sucht, veranlassen sollte. 



Winter in den Hochvogesen 
Blick auf Rothenbacher- und Rainkopf (1316 m) 

diesem Gebiete deutscher Natur sein Augenmerk zu¬ 
zuwenden. Die Fahrt bietet Bilder, die an Erhabenheit ihres¬ 
gleichen suchen — wer das einmal gesehen, der vergißt es nicht." 

Für die Anforderungen des Schneesports tragen die 
bestehenden Wintersportvereine in umfassender Weise 
Sorge, namentlich durch gute Markierung der zu befahrenden 
Strecken. Der Schnee erreicht vielfach eine Höhe von 
2 Metern und darüber und bietet auf dem Hauptkamme oft 
bis in den Mai hinein noch weite, gut fahrbahre Bahnen. 
Prachtvoll ist auch die Beleuchtung der alpenartigen Hoch¬ 
landschaften in der klaren Wintersonne, wenn Schnee oder 
Rauhreif Bäume und andere Gegenstände in die seltsamsten 
Gestalten mit kristallenem Behang umformen. 

Auch der Rodelsport hat durch Anlage von sach¬ 
gemäß ausgeführten Bahnen in neuerer Zeit wirksame Förde¬ 
rung gefunden. Besondere Wintersportzüge vermitteln den 
gesteigerten Bahnverkehr nach den Schneegebieten im Winter. 
Die in früheren Jahren bestandene Unwirtlichkeit der Hoch¬ 
vogesen ist durch Anlage von Gasthäusern, die auch im 
Winter geöffnet bleiben und zum Teil Zentralheizung besitzen, 
auf mehreren Höhenpunkten der Vogesen wesentlich behoben. 
Schneeschuhe und Rodel sind in ihnen meist leihweise zu haben. 



Dagsburg in Lothringen (664 m) 


Für den Schlittschuhsport werden in den Städten, 
besonders in Straßburg, alljährlich gute Eisbahnen von Ver¬ 
einen angelegt und unterhalten. 

Als Wintersportgebiete kommen für den Schnee- 
schuh in Betracht: in den Nordvogesen der Kamm vom 
Donon bis zum Schneeberg, wo auch beim Großmann die 
Hütte des akademischen Touristenklubs Straßburg errichtet 
ist, und das Hochfeldgebiet; in den Südvogesen die Um¬ 
gebung von Markirch mit dem Grenzkamm und Brezouard, 
die Umgebung von Münster und Drei-Aehren, sodann der 
ganze Hauptkamm vom Weißen See, dessen Umgebung ein 
bevorzugtes Schigebiet bildet, über die Schlucht bis zum 
Kahlen Wasen, Großen Belchen und Welschen Belchen. 

Der Rodelsport hat sich in neuerer Zeit besonderen 
Eingang verschafft und besitzt der Rodelklub Straßburg eine 
landschaftlich wie technisch gleich schöne Bahn unweit der 
Bahnstationen Rothau-Schirmeck beim Struthof. Weitere 
Bahnen unterhalten Bitsch, Niederbronn, Zabern, Markirch, 
Münster, Drei-Aehren und der Weiße See, Landersen und 
St. Anna, sowie im Elsässischen Jura Altkirch und Pfirt. 

Nähere Auskünfte werden von den einzelnen Verkehrs- 
Vereinen des Landes und der Hotelier-Vereinigung der 
Hochvogesen in Colmar unter Beigabe von Prospekten 
erteilt. Ebenfalls erteilt schriftliche Angaben der Zentralaus¬ 
schuß des Vogesenklubs durch die mit dem Verlage der Zeit¬ 
schrift „Die Vogesen'" in Straßburg verbundene Auskunftstelle. 



Hohbarr bei Zabern (458 m) 










218 DEUTSCHLAND Nr. 5 


Das alte Straßburg. 


Wer es noch sehen will, komme bald! Da und dort 
bröckelt es gewaltig, und in ein paar Jahren wird man 
zweifellos einige spärliche, gerettete „Reste" des alten 
Straßburgais eineArtvonReli- 
quien — etwa wie Museums¬ 
stücke — zeigen. Heute aber 
lebt das alte Straßburg noch; 
ja, es gibt unter den deutschen 
Großstädten kaum eine, in 
der so große Teile des alten 
Stadtgebietes sich unberührt 
erhalten hätten, wie in Stra߬ 
burg. Von der Plattform des 
Münsters aus läßt es sich gut 
übersehen, wie um den älte¬ 
sten, regelmäßig umgrenzten 
Bezirk der römischen Stadt 
sich die mittelalterliche Stadt 
herumlegte, wie immer wieder 
die Mauern hinausgeschoben 
werden mußten, um der 
wachsenden Bevölkerung ge¬ 
sicherte Unterkunft zu bieten. 

In der französischen Zeit hat 
keine erhebliche Erweiterung 
mehr stattgefunden. DerStadt- 
bezirk, den die Deutschen 
1870 zurückgewannen, war 
kaum größer, als der, den 
Ludwig XIV. im Jahre 1681, 
von Mauern bewehrt, vorge¬ 
funden hatte. Erst nach 1870 
ist die Stadt auf ihren jetzigen Umfang gebracht worden. 

Zuerst römisch, dann germanisch, sehr früh christiani¬ 
siert und bald Bischofstadt, dann freie Reichsstadt und 
schließlich königlich französische Stadt und seit der 
Revolution Haupt¬ 
stadt eines Departe¬ 
ments — wahrlich, 
es liegen hier vieler¬ 
lei Kulturschichten 
übereinander. Von 
den ältesten freilich 
muß man die spär¬ 
lichen Ueberbleib- 
sei in den Museen 
suchen,in derElsäs- 
sischen Altertums¬ 
sammlung im Alten 
Schloß, wo Schmuck 
aus Bronze und ed¬ 
lem Metall, wo Ge¬ 
fäße aus Ton und 
Glas Zeugnis ab- 
legen, daß wir auf ur¬ 
altem Kulturboden 
sind. Aber von der Periode, in der der Bischof auch 
die weltliche Macht in Händen hielt, haben wir andere, 
mächtiger sprechende Kulturzeugen. Aus der Höhezeit 


des Mittelalters ragen sie in unsere Welt herüber — 
das Münster, die Thomaskirche, St. Stephan und Alt 
St. Peter, mit bedeutenden Massen aus der kleinen Welt, 

die sie umgibt, sich erhebend. 
Sie alle und viele andere, 
die untergegangen sind, sind 
Zeugnisse und Erzeugnisse 
eines reichen, hochgerich¬ 
teten kirchlichen Lebens, 
neben dem das andere, das 
bürgerliche Leben nicht allzu¬ 
viel bedeutete. Erst von dem 
Augenblick an, da in einer 
langwierigen Auseinander¬ 
setzung zwischen Bischof und 
Bürgerschaft diese letztere 
siegt, sucht sie ihrer neuen 
Macht auch einen baukünst¬ 
lerischen Ausdruck zu geben. 
Nun entsteht um diese kirch¬ 
lichen Bauwerke romanischen 
und gotischen Stils herum die 
Menge von Bürgerhäusern, 
mit schmalen Fronten, hoch- 
gieblig getürmt, mit steilen, 
vielgeschossigen Dächern, 
mit winkligen, vielfach über¬ 
bauten Höfen, von denen aus 
eine Wendeltreppe in turm¬ 
artigem Gehäuse zu den 
oberen Geschossen empor¬ 
leitet. Solcher Art sind die 
Häuser des einzelnen; sie sind nicht anders denkbar als 
auf der Grundlage bürgerlichen Selbstbewußtseins und an¬ 
sehnlichen Wohlstandes. Und stärker noch als beim Bau, 
den der einzelne für sich errichtet, prägte sich dies aus 

beim Bau der Ge¬ 
meinschaften, der 
Körperschaften, 
beim Bau der Pfalz 
und der Münze, des 
Kaufhauses und der 
„Frauenhaus" ge¬ 
nannten Werkhütte 
des Münsters. Spät¬ 
gotik und Renais¬ 
sance — das sind die 
Stile, in denen sich 
jene vorwiegend 
profanen Zwecken 
dienende Baulust 
betätigt. Ist im 15. 
und im beginnen¬ 
den 16. Jahrhundert 
der Stein das be¬ 
liebtere Material, so 
tritt später der Fachwerkbau immer mehr an die erste 
Stelle. Die Fachwerkbauten mit reich geschmückten 
und verzierten Fenstern, mit Ueberhängen und Erkern 



Merkwürdige Naturbildungen in den Vogesen: 
Kelchfelsen bei Alberschweiler 



Luftkurort St. Anna (Südvogesen) 











Nr. 5 


m DEUTSCHLAND 219 


ausgestattet, mit allen Reizen des Unregelmäßigen 
und Zufälligen geschmückt — sie sind es, die dem 
älteren Teile des alten Straßburg das Gepräge 
geben. Mit einem stets sich erneuernden künstlerischen 
Genießen durchwandert man diese alten Straßen und 
Gassen. Nicht geradlinig führen sie hin in kilometer¬ 
langen Perspektiven, sondern in leichten Krümmungen, 
so daß der Blick immer wieder auf etwas Festes trifft, auf 
eine Hausfront, die sich in den Weg schiebt, auf einen 
Erker, auf einen Turm. Und die Plätze in diesem alten 
Straßburg sind nichts Kon¬ 
struiertes, nichts mit Zirkel 
und Reißschiene auf dem 
Papier Geplantes, sondern sie 
sind natürlich geworden an 
den Stellen, wo die Wege 
zusammenliefen. Und noch 
eins ist es, das diesem 
Teile der Stadt erhöhten 
Reiz gibt: die vielen an¬ 
mutig belebten Wasserläufe, 
die es umziehen und durch¬ 
ziehen, die mit Spiege¬ 
lungen und Reflexen, mit 
lauter und stiller Bewegung 
die Zahl und Art der Sinneseindrücke bereichern. 

Mit merkwürdigem künstlerischem Takt hat das fran¬ 
zösische Straßburg sich an das deutsche angegliedert 
und zwischen die Bauwerke des 16. und 17. Jahrhunderts 
hineingeschoben. Es ist ungeheuer viel gebaut worden 
im 18. Jahrhundert. Das katholische und das fran¬ 
zösische Element bedurften in gleichem Maße einer bau¬ 
künstlerischen Repräsentation. Der Bischof schuf sich 
zwischen Münster und Jll eine fürstliche Residenz durch 


der Regimenter, die im Elsaß standen, die kleinen 
deutschen Fürsten in französischem Sold und nicht 
anders die hohen Beamten, die in der Grenzstadt die 
französische Zentralgewalt zu vertreten hatten. So ent¬ 
standen die prächtigen Hotels der Hanauer Grafen 
und der Herzöge von Zweibrücken, die jetzt freilich 
anderen Zwecken dienen, als im 18. Jahrhundert: Rat¬ 
haus und Statthalterpalais und Generalkommando und 
mehrere andere. Es sind Bauten vornehmster Art 
mit monumentalen Fassaden, mit reich ausgebildeten 

Höfen und Treppen, zum 
Teil mit prächtigen Innen¬ 
dekorationen. Und an diese 
Wohnstätten der Vornehmen 
schlossen sich — beschei¬ 
dener zwar, aber kaum 
weniger reizvoll — die bürger¬ 
lichen Wohnhäuser an. Noch 
viele von ihnen sind erhalten, 
auch sie erfreuen durch 
reich ausgebildete Fenster 
und Türen von bewegtem 
Umriß, mit dekorativ wirk¬ 
samen Skulpturen und reichen 
schmiedeeisernen Gittern. 
Aus ganz anderen Bedürfnissen entstanden, verbinden 
sie sich doch mit den Bauten der alten Reichsstadt 
zu einem Gesamtbilde, dem weder Einheit noch 
Mannigfaltigkeit fehlt. 

Es ist leicht verständlich, daß das Jahrhundert nach 
der großen Revolution diesen Leistungen nichts Eben¬ 
wertiges hinzuzusetzen vermochte. Straßburg führte bis 
1870 das stille Leben einer Departementsstadt. Die 
Eingliederung in den Körper des Deutschen Reiches 



Abtei Murbach bei Gebweiler 


□□□□□□□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□□□□□□□ 


□□□□□□□ 


□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 


□□□□□□□ 

Diedolshausen mit der Judenburg 



französische Architekten; die Aebte der benachbarten 
Klöster empfanden das gleiche Bedürfnis nach Reprä¬ 
sentation und nicht minder als sie die Kommandeure 


änderte seine Stellung und Bedeutung von Grund aus, 
und diese Wandlung hat auch baulich einen klaren 
Ausdruck gefunden. Eponymos. 














Straßburg: Münster (Westseite), Aufgen. vom Museum, 1904 






















































































































































222 (gB ^ 9 B39ee9 B 9 0 9c^Be3ö ( »Q 0 « BQ a i] DEUTSCHLAND [» DO9eee^^)ee0eeeee0eeeeee0e qi Nr. 5 


dieser Zeit und lassen die monumentale Wucht und 
den Reichtum ornamentalen Schmuckes des Baues er¬ 
raten. Die westlichen Teile der Krypta rühren bereits 
von einem späteren Umbau her, wohl aber sind die 
Fundamente des frühromanischen Baues durchweg dem 
gotischen Münster dienstbar gemacht worden. 

Die Chroniken berichten uns von einer ganzen 
Reihe von Bränden, von denen das Wernersche Münster 
heimgesucht worden ist, und scheint besonders ein Brand 
im Jahre 1176 verhängnisvoll gewesen zu sein. Er wird 
aller Wahrscheinlichkeit nach der direkte Anlaß zu 
einem gründlichen Umbau gewesen sein. Rücksichten auf 
den Gottesdienst werden 
sodann die Veranlassung 
gegeben haben, den Neu¬ 
bau statt einheitlich, 
in verschiedenen Ab¬ 
schnitten auszuführen, 
und zwar begann man 
in Verbindung mit dem 
Neubau der nach Osten 
an der Stelle des jetzi¬ 
gen Priester - Seminars 
und Lyzeums an das 
Münster sich anschließen¬ 
den Bischofspfalz, dem 
sogenannten Bruderhof, 
mit der Erneuerung der 
Ostteile, dem Chor und 
der Vierung mit den 
beiden Querschiffen. Der 
Umbau erfolgte in den 
Formen des für das Elsaß 
charakteristischen Ueber- 
gangsstils, der in seiner 
Raumbehandlung, seinem 
konstruktiven Aufbau und 
der Behandlung des deko¬ 
rativen Schmuckes zwar 
durchaus als eine Weiter¬ 
bildung der romanischen 
Bauweise angesehen wer¬ 
den muß, in der formalen 
Ausbildung seiner archi¬ 
tektonischen Einzelheiten 
jedoch allenthalben die 
Einwirkung der zu dieser 
Zeit im benachbarten 
Frankreich bereits große 
Triumphe feiernden neuen Bauweise, des gotischen 
Stiles zeigt. So sehen wir überall die Vorliebe für 
die Verwendung des Spitzbogens an Stelle des alter¬ 
tümlichen Rundbogens bei Gurt- und Fensterbögen, 
den Diagonalrippen der Gewölbe usw. Diese Ein¬ 
wirkung des neuen Stils macht sich von der Mitte 
nach den Seiten und von unten nach oben gehend 
mehr und mehr bemerkbar. Am strengsten zeigt sich 
der romanische Geist noch in der unteren Wandarkatur 
der beiden Querschiffe, in dem Mittelportal der Nordseite 
mit seiner in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhun¬ 
derts erneuerten Relieffüllung, sowie in der merkwürdigen, 
jetzt vermauerten und zur Aufstellung des spätgotischen 


Taufsteines dienenden Portalnische in der Ostwand des 
nördlichen Querschiffs mit ihrem eigenartig behandelten 
friesartig zusammengezogenen Kapitälschmuck. Dies 
Portal bildete vermutlich früher den Zugang zu dem nach 
Osten sich an das Münster anschließenden Bischofshof. 
Konstruktive Fragen der Ueberwölbung waren vermut¬ 
lich die Ursache der eigentümlich unsicheren architek¬ 
tonischen Gliederung der Westwand des nördlichen 
Querschiffs, die auf eine Umänderung des Bauplanes 
während der Ausführung schließen läßt. Auch die 
beiden Kapellen in den Winkeln zwischen Chor und 
Querschiffen verdanken erst einer nachträglichen Ab¬ 
änderung des Planes ihre 
Entstehung, wie der be¬ 
reits angelegte Außen¬ 
sockel des nördlichen 
Querschiffs in der Sankt 
Johanniskapelle daselbst 
zu erkennen gibt. Während 
diese letztere, in romani¬ 
schen Formen begonnen, 
jedoch in frühgotischem 
Stil vollendet worden ist, 
zeigt die entsprechende 
Kapelle an der Südseite 
noch durchweg die cha¬ 
rakteristischen spätro¬ 
manischen Formen des 
Chores. 

Den kunstgeschicht¬ 
lich interessantesten Teil 
des Münsters bildet zwei¬ 
fellos das südliche Quer¬ 
schiff. Hier sehen wir, 
vermutlich als Folge eines 
Wechsels in der Bau¬ 
leitung, ganz unvermittelt 
die Ablösung des roma¬ 
nischen Stils durch den 
gotischen. Ohne die ge¬ 
ringste Rücksichtnahme 
auf die Einzelformen des 
von seinem Vorgänger 
begonnenen und bereits 
auf eine ziemliche Höhe 
gebrachten Werkes wird 
den neuen Kunstprinzi¬ 
pien Geltung verschafft. 
Während das Transept 
und Chor mit Einschluß der Wölbung und der Zwerg¬ 
galerie des Vierungsturmes, ferner das nördliche Quer¬ 
schiff beim Eintritt dieses Systemwechsels anscheinend 
fertiggestellt waren, war das südliche Querschiff erst 
begonnen, Ost- und Südmauer etwa bis zur Höhe 
der unteren Gurtgesimse, die Westmauer höher, zum 
Teil bis zum Gewölbe hochgeführt. Diese Bauteile 
entsprechen in ihrer architektonischen Ausbildung 

durchaus den entsprechenden Teilen im nördlichen 
Querschiff. Auf die bereits angefangenen schweren 

romanischen Wandsäulen nimmt der gotische Meister 
keine Rücksicht. Unvermittelt mit neuen Sockeln 
setzt er seine schlanken gotischen „Dienste'^ darauf 



Straßburg: Klein Frankreich (Photogr.: Jul. Manios & Cie., Strofzburg) 


















Nr.5 DEUTSCHLAND 223 



oder läßt dieselben auf besonderer Konsole beginnen. 
Nicht einmal an der Westseite, wo die Höhe des 
Gewölbeanfanges nahezu erreicht war, bedient er sich 
der zum Zweck der Aufnahme der Gewölbebogen 
angelegten Wandsäulen, schiebt vielmehr durchaus 
eigenwillig eine selbständige Gewölbekonsole ein. Die 
Wandflächen zeigen bereits das Streben nach größerer 
Auflösung. Statt je eines Fensters in jedem Felde 
wie im nördlichen Querarm hier je zwei Spitzbogen¬ 
fenster mit je einer darüber angebrachten Rosette 
harmonisch zu einer Gruppe vereinigt, damit das für 
die entwickelte Gotik so charakteristische Maßwerk vor¬ 
bereitend. An Stelle der freistehenden ungegliederten 
Säule in der Mitte des nördlichen Querschiffs 
sehen wir im Südschiff den charakteristischen 
gotischen Pfeiler, in seinem Kern achteckig mit 
acht sich anschmiegenden schlanken Säulchen, 
den sogenannten Diensten, welche die Funktionen 
des Pfeilers, die Uebernahme der durch Gurtbögen 
und Diagonalrippen zugeführten Drucklast des 
Gewölbes und deren Ueberleitung in den Boden 
sinnfällig zum Ausdruck bringen sollen. 

Einen ganz besonders eigenartigen Schmuck 
hat dieser Pfeiler durch eine Gruppe künstlerisch 
und kunstgeschichtlich ganz hervorragender 
Skulpturen erhalten, die in drei Reihen unter 
reichgeschmückten Baldachinen denselben um¬ 
geben und ihm den Namen des „Engelpfeilers'' 
oder „Gerichtspfeilers" vermittelt haben. In der 
obersten Reihe sehen wir in der Richtung nach 
dem Mittelschiff zu sitzend den Heiland als 
Weltrichter, zu seinen Füßen eine Gruppe Auf¬ 
erstehender, rechts und links von ihm Engel 
mit den Leidenswerkzeugen, in der mittleren 
Reihe Engel mit Posaunen, zu unterst die über¬ 
lebensgroßen Standbilder der Evangelisten auf 
Konsolen, die mit den entsprechenden Symbolen 
geschmückt sind. Bewundernswert ist die freie 
Behandlung, das offenbare Streben nach Lebens¬ 
wahrheit, die meisterhafte Ueberwindung der 
Schwierigkeit des Standortes, dabei eine unver¬ 
gleichlich geschickte Stilisierung in der Be¬ 
handlung der Einzelheiten, insbesondere des an 
klassische Vorbilder erinnernden Faltenwurfs der 
Gewänder. Wenn auch ein Schulzusammenhang 
mit gewissen Schöpfungen an der Kathedrale in 
Chartres festgestellt werden kann, dürfen die 
Skulpturen des Engelpfeilers doch als durchaus 
eigenartige und selbständige Leistungen eines 
hochbedeutenden Künstlers und seiner Schule^ 
als der Gipfel vielleicht der Entwickelung früh¬ 
gotischer Plastik überhaupt angesehen werden. 
Denselben Künstlerhänden verdankt die Aus¬ 
schmückung am Aeußern des Doppelportals des 
südlichen Querschiffs ihre Entstehung. Die 
Anlage desselben rührt von dem romanischen 
Meister her. Durch dessen Nachfolger wurde 
das Portal mit reichem figuralen Schmuck ver¬ 
sehen, von dem ein großer Teil, besonders die 
in den Portallaibungen vorhanden gewesenen 
Standbilder der zwölf Apostel in der Revolution 
zerstört worden sind und nur die Bogen¬ 


füllungen mit den Reliefdarstellungen des Todes und 
der Krönung Mariä, sowie die beiden berühmten Stand¬ 
bilder der Kirche und der Synagoge die ursprünglichen 
sind. Auch diese Bildwerke sind hervorragend schöne 
Arbeiten, die hinsichtlich Komposition und Technik der 
Behandlung den Statuen des Engelpfeilers gleichwertig 
sind, dieselben jedoch in der Verkörperung des Seelischen, 
dem Ausdruck der inneren Stimmung übertreffen. Die 
übrigen Arbeiten sind wertlose Erneuerungen aus dem 
Anfang des 18. Jahrhunderts. Mit den Bildwerken des 
südlichen Portals verknüpft unbegründeterweise die Sage 
den Namen einer Jungfrau Sabina, die als Bildhauerin 
in der Hütte tätig gewesen sein soll. Der Umbau 


□-—-□ 

Straßburg: Haus Kammerzell, ^ 

Aufgen. vom Museum, 1904 

□-□ 













224 DEUTSCHLAND Nr. 5 


des frühgotischen südlichen Querhauses wird gegen 
das Jahr 1230—40 fertiggestellt worden sein. Zugleich 
und vermutlich von derselben Hand fand der Bau der 
St. Johanniskapelle an der Nordseite statt. Der Name 
des Meisters ist, wie auch der seiner Vorgänger, 
unbekannt geblieben. 

Bis zur Fertigstellung des Umbaues der Ostteile 
stand an der Stelle des Langhauses noch das Schiff der 
altehrwürdigen romanischen Basilika Bischof Werners, 
aber sofort nach Vollendung dieser Arbeiten, jedenfalls 
noch ziemlich vor der Mitte des Jahrhunderts, wurde 
mit der Erneuerung auch 
dieses Teiles begonnen, der 
in zwei Bauabschnitten (mit 
den vier westlichen Jochen 
wurde erst nach 1264 be¬ 
gonnen) bis zum Jahre 1275 
fertiggestellt worden ist. Im 
Langschiff unseres Münsters 
zeigt sich der gotische Bau¬ 
stil auf der äußersten Höhe 
seiner Entwicklung! Hier 
sind die letzten Konse¬ 
quenzen des französisch¬ 
gotischen Konstruktions¬ 
und Formprinzips gezogen. 

Der ganze Bau ist auf¬ 
gelöst in ein System luf¬ 
tiger Stützen; statt der ab¬ 
schließenden raumgestalten¬ 
den Wände feingezeichnete 
Maßwerke, angefüllt mit der 
feurigen Glut farbensatter, 
prächtiger Glasfenster. Die 
starre, tote Ruhe des Steines, 
die schlummernden Kräfte 
der Materie, sie sind hier zum Leben erweckt, in eine 
rhythmische, begeistert nach einem transzendenten Ziele 
gerichtete gewaltige Bewegung verwandelt. Und doch, 
wie ist dieser Rausch maßvoll gemildert gegenüber der 
überschäumenden wilden Ekstase, dem übertriebenen, 
fast beängstigenden Vertikalismus französischer Kathe¬ 
dralen! Wie wohltuend, wie beruhigend ist dagegen 
hier der Raumeindruck! ln der idealschönen Harmonie 
des Raumes, dem wunderbar abgetönten Verhältnis der 
Breiten der Schiffe zu einander sowie zur Höhe in Ver¬ 
bindung mit der wohl abgewogenen Pfeilerstellung, der 
damit erzielten seelenvollen Innigkeit des Raumgedankens 
liegen die nirgendwo übertroffenen Vorzüge des Lang¬ 
hauses unseres Münsters, Vorzüge, die vielleicht nur 
hier, an der Grenze zweier Kulturen entstehen und sich 
entwickeln konnten. Auf der gleichen Höhe wie die 
architektonische Gestaltung steht deren ornamentaler 
plastischer Schmuck, der uns eine Pflanzenwelt wunder¬ 
bar empfundener und meisterhaft gestalteter Naturnach¬ 
ahmung offenbart. 

Der zweifellos auch von dem ersten Meister des 
Langhauses herrührende Lettner zwischen Schiff und 
Chor ist seit dem 17. Jahrhundert zerstört; einzelne Reste 
desselben werden im Frauenhaus aufbewahrt. Auch 
für das Langschiff ist der Name des Künstlers wenig 
verbürgt, vielleicht ist derselbe ein Magister Rudolfus, 


deren zwei, wohl Vater und Sohn, anscheinend am 
Münster betätigt waren. Desto bekannter ist aber der 
Name des Werkmeisters, dem wir die prunkvolle West¬ 
fassade mit ihrer Rose und den reichen Portalen zu 
danken haben, die neben dem luftigen Turm wohl mit 
am meisten zum Ruhm des Straßburger Münsters bei¬ 
getragen hat: Erwin von Steinbach. 

Als im Jahre 1275 mit dem Schluß der Gewölbe 
der Umbau des Langhauses vollendet war, bildeten die 
alten quadratischen romanischen Türme mit der da¬ 
zwischen liegenden Vorhalle den westlichen Abschluß 


des Münsters und zugleich den letzten Rest des Baues 
Werners von Habsburg. Es scheint eine Zeit lang die 
Absicht bestanden zu haben, diese romanischen Türme 
zu erhalten, wobei dieselben dann wohl, der größeren 
Höhe des erneuerten gotischen Schiffes entsprechend, 
einen Aufbau mit gotischem Helm erhalten haben würden. 
Aber dieser Gedanke wurde aufgegeben; statt dessen 
beschloß der prunkliebende und tatkräftige Bischof 
Konrad III. von Lichtenberg als Krönung des vor 
einem Jahrhundert begonnenen Werkes den Ersatz 
der romanischen Fassade durch einen prächtigen 
Neubau im gotischen Zeitgeschmack. Bereits zwei 
Jahre nach Vollendung des Langschiffes wurde der 
Grundstein gelegt, aber mehr als eineinhalb Jahr¬ 
hundert waren nötig, um, verändert und verstümmelt, 
den großen Gedanken Erwins zu einem gewissen 
Abschluß zu bringen. 

Der Bau Erwins nimmt in der Entwicklungs¬ 
geschichte des gotischen Stiles eine sehr selbständige 
Stellung ein. Während bei den französischen Vorbildern 
das Fassadenproblem den Schwerpunkt auf die Portal¬ 
anlage legt, tritt diese letztere in dem Werk Erwins 
zurück vor dem konstruktiven Gedanken des Ganzen. 
Durch die kräftig vortretenden Strebepfeiler ist die 
Dreiteilung der Fassade von unten auf energisch zum 
Ausdruck gebracht, wobei sich die Portale in das 



Luftkurort Drei-Aehren bei Türkheim (6Ö0 m) 




DEUT SCH LAIM D 


tißnae 4m zürüqlfliegendea M^|jeFilache h arm önisch 
einfligen* Uoterstütsl wird dieses Prihiip durcK die 
Ausdehauag einer sonst in der Rege^ dasr 

Portal : beschrankten DekOratiorr^ ä die umgebenden 
Wand” ün d P fe iJ eJ-flath e n. Ein ßy si em v 6 n; fei ng ea r - 
beltetem Stab- <rnd Maßwerk ist frei vor die glatte 
Mauer gestellt und höllt djeselbe gleichsam ifv eUt dürr;h^ 
sichtiges Spitxengewebe ein. 
ist es I 

Münsters Jenen «nbescltreibbcE prächb^^^ mäithenMfi 
schönen Eindruck verleiht, voti '■b^soh^tetn-r'^^ 


lal^/ t>as Miuelpoftal ‘msbesoridere dient sodahh der 

besonders, die der des SireBbufgef Verherrlicbwng der G&desmu am Mittelpfeiier dib 

Madöono' rait sJeid Krtide,. beiderseiis die Propheten,: äii^: 
auf den Eriöser -iiiniVei^ am Giebel, dem 

dies Port-als äu oberst die 

Thron Salbinr^ns nitt Ldw en aof 
den Smlen, Die, Standbilder 
■' ^ ■■■ ^dpdr tai a- ■ 'gaben 

die Nut^snvvendung der Heils- 
^r links die Darstellting; der 
^ das entsprechende 
.20 ihren Füßen mit der 
’ Lanze, durchbohrend, tachts die 
Pa re bei der klugen ürtd törichten 
düng hauen m ü t Brä lü Igem 

und dem Verrührer Juidi^er W 
- • • - auf würfelfönnigeh Pö^tamenten 
■. • iVi ii den DärsleOvmg’eh das Tier- 
kreiSes. 


_ ___ urid der enisprechen- 

den MohatsbascbBftlgungeri/ Die 
' Königs ^iBiidar unter den Balda- 
chinen der Turm" Sirabepreiler, 

' ■:. de^-^h- uT£:p.rübglicb nur '. drei 
' Vörhcinden' waren, .'^.tnd .neuere 
Arbeiten. 

-' Hrw^ln s^^lbst, dar.^XTI-^ 

S«.rNm4.nbrom ^'’ batdeo Bauder^>esifass8defca.uih 

■.■•;•• .,• ' Viel 'weiter als. €lw;b zur-Mi.üe.dar 

besonders in den KachrniUhgS' und Abarttlstundaru gefördert, ein großer Brand in> Jahre 1^98 dar- 

W^pn die sinkende ; Sohne den gewaltfgeh Baiii in Mvinster ernölltch .sahadigla^ dilrfte^^-^e^ Ursacbexv 

flüssiges Gold tiidchi, wenn jede der ialvtraichen Ficleti des auffällig langsamen FotfSchreUens der Axbeifen 
und Säukhen hhcTA^aßwerke Wledei’ iht^n Sch^ gewesen sein. Mit.gewissen Abweichungen y^ ur^ 

■M u f den BronzefOn d et • dah mt e r 1 1 e g en de ix Wat \d wir ft ^5 P I'U ngl i c h en PI ö rv ^ je docl i iin groß an d: ee p i o\ 

und so den Reichtum des archiieto Schmuck Sinne Erwins ist ^iodat^b der Bau durch dessen Söhne 

ins Ungemessehe vermt^hrt. Allerdings und Enkel weitergefuhrt worden bis ^ur Höhe' 

ijn seiner Wirkung so unvergleichlich schone deferative: Plattrorm, die irri JahTe 1365 erreichi wurde- der 

System zugleich eint?, bo^it; Vergewahigung de:s Msslenal^ nach einem weiter^c^ inv Jabre 1^84 

■öharakters* Möglich ist dä^fse Ibe tu i r d \nv h ein c komplh A<i s^fühni hg des plump eh 2 wi sehen baue;?? i'^d^chen den 
vierte Anwendung vön Ankjarn^ Klainrnern/DiU^e und beiden Türmen oberhalb der Rose wätd d^r Gedanke 
dergleichenV Dteise und dei übertriebotie. VerbkabsmM^ Erwine, der an dieser Steile eine luftige Galerie vor¬ 
der Einzelheiten, auch die UtsÄiie gesehen hatte, endgültig aufgegeben* Es scheint eine 

erÄchree.kerjden Xd^tahdes d^r VenvHterun^ gerade dleiiief 2eit lang die Absicht bestanden haben ' statt ,zwei 
Teile des Bauwerk^- Türmen nur einen mittlereri über der Rose zur Aos- 

Vöp: schöner ^^T^ku^g ist aüth der äkulptüreri- führüng bringen wes rvach anderen Bei spielen aus 
scfthiück der Portäie, der KTdCr zum großen Teil in 4^m vetänderten Geist dies spbtgOtischen Stiles: wohl 
der Revolution Verstört mif : noch in d^>^n lebens- JfiT^ v^;uf:ß d)^- ^ vom 

groß e n S ta n db i I d un d d e t i Bü g en - F ü 11 u n g e n i m ß r W i n Sehen P1 a n y ets ta n d Uch : gern hebt hä tt eJed nc h 

Original erhalten- im übrigen :;a& im Anf^hfe d^zu kani dep berief im Jahre 

19, Jabrhunderti^ erneuert worden ish Wenn die, noch weit über die Gfirn^n ^ti'irser, Heimat und, 

erhaltenen Werke huch Aßß Skulpturciv vom südijchen Üeüfechlahds hinauf bekehntön sthwäbisch^h Meister 
Qoerschiff nicht gleichgcstcdlt werden könpeh. sind lilrich von En-singen, deb WeiB^meist^r vom H 
ches^lb^n doch von bervorrögencieir ki.insdWiri^ctw Mun^terbau, T^Uirng der BauhJUte nach Straßbürg^ 

d^otung; ihr Hü^rptwert liog^ jed^^ üi. dy.r Br Schöpfer des^ schlankeri Tufn^öktoghTVs; jmt, 

Anpes^'ihg und Uhferordnung ant^r, die Archi i ektur, iieh vargei tagten vier We nd6 Ltreppeti o berhal b der t- 











226 DEUTSCHLAND |ä^^ee^€^8^^^^8e8eee6^!»l Nr. 5 


form, einer letzten Glanzleistung spätgotischen Stils an 
unserem Münster. Ulrich von Ensingen sucht durchaus 
nicht die Fehler seiner Vorgänger zu beseitigen und 
etwa den Erwinschen Gedanken wiederherzustellen; er 
benutzt die Plattform als Basis, um darauf einen desto 
stolzeren, weit über die Maße des ursprünglichen Planes 
hinausragenden Turm zu errichten, der kühn und selbst¬ 
bewußt weit in die Lande hinaus den Ruhm der mäch¬ 
tigen freien Reichsstadt verkünden sollte. Das Werk 
wurde nach seinem Tode durch seinen Nachfolger Hans 
Hültz von Köln vermittelst Aufsetzen der Pyramide im 
Jahre 1439 zu Ende geführt. Wenig glücklich in seiner 
Silhouette, ist dieser Turmhelm in technischer Hinsicht 
doch wieder ein Meisterstück. Er ist besteigbar gemacht 
bis zur Spitze, der sogenannten Laterne, und zwar ist 
dies in eigenartiger Weise erreicht durch kleine Treppen, 
die sich in Schlangenlinien an den acht Kanten der 
Helmpyramide hinaufwinden. 

Es ist zweifelhaft, ob Ulrich von Ensingen je an 
die Ausführung von zwei Türmen gedacht hatte, später 
ist der Gedanke an den Ausbau des zweiten Turmes 
mehrmals wieder aufgegriffen worden, zuletzt noch 1870; 
heute kann derselbe als endgültig aufgegeben angesehen 
werden gegenüber dem 
Willen, den Turm in seiner 
jetzigen Gestalt für alle 
Zeiten zu erhalten als das 
Jahrhunderte alte Wahr¬ 
zeichen der Stadt. 

Als bemerkenswerte 
Anbauten des Münsters 
kommen noch in Betracht: 
die St. Katharinenkapelle 
an der Südseite aus dem 
Jahre 1347 von Meister 
Gerlach, vermutlich einem 
Enkel Erwins, die Sankt 
Laurenzius - Kapelle von 
1505 von Jakob von Lands¬ 
hut und die St. Martins- 
jetzt Pfarrkapelle von 1520 
von Meister Konrad Wagt, 
beide an der Nordseite, 
tüchtige Arbeiten des 
spätesten gotischen Stiles. 

Besonders die St. Lauren- 
zius-Kapelle, dem nörd¬ 
lichen Querschiffarm vor¬ 
gelagert mit ihrer überreich 
geschmückten baldachin¬ 
artigen Portal - Bekrönung 
fordert, wenn auch in 
streng ästhetischer Hin¬ 
sicht vielleicht nicht ganz 
einwandfrei, bezüglich der 
meisterhaften technischen 
Materialbeherrschung rückhaltlose Anerkennung heraus. 
Auch der Figurenschmuck dieses Portals zeigt trotz 
seiner derb realistischen Auffassung hervorragend 
schöne Einzelarbeiten, die, grundverschieden von 
der Plastik des Südportals und der Erwinfassade, doch 
auch wieder in der knitterigen Gewandbehandlung, 


der bizarren Effekthascherei sich voll und ganz der 
umgebenden Architektur anpassen und einfügen. 

Die Zeit der Renaissance hat außer zwei eleganten 
Wendeltreppen im Bereich der Dächer zu beiden Seiten 
des Chores keine bemerkenswerten Neuschöpfungen 
hervorgebracht. 

Aus dem Jahre 1743 stammt die Kapitelsakristei 
an der Nordseite, ein Werk Massols, des bauleitenden 
Architekten am Rohanschen Schloß, ln den Jahren 
1772 bis 1778 beseitigte Werkmeister Goetz eine Anzahl 
kleiner Kaufläden, die sich im Laufe der Zeit rund um 
das Münster zwischen den Strebepfeilern angenistet 
hatten, und errichtete als Ersatz dafür an den beiden 
Langseiten Neubauten mit monumentaler Fassade, die 
er, ein Kuriosum der Kunstgeschichte, trotz bedeuten¬ 
den Widerspruchs in „gotischem Stil" zur Ausführung 
brachte. Von diesem Umbau rühren die jetzt die beiden 
Höfe an der Nord- und Südseite des Münsters ein¬ 
schließenden Arkadenmauern her, die insofern für die 
Erscheinung des Bauwerks äußerst störend sind, als sie 
die Höhenverhältnisse in ungünstiger Weise beeinflussen. 

Verderblich war für unser Münster die Zeit der 
französischen Revolution. Ihr fielen die prächtigen 

Bronzetüren zum Opfer, 
die in die Münze wander- 
ten. Durch Dekret der 
Kommissare St. Just und 
Lebas wurde die Zer¬ 
störung der sämtlichen 
plastischen Bildwerke an 
dem zum Tempel der 
Vernunft umgewandelten 
Münster angeordnet. Nicht 
weniger als 235 Statuen 
sind diesem Vandalismus 
zum Opfer gefallen, und 
nur der Umsicht des 
Profess. Hermann gelang 
es, einen Teil derselben 
durch Verbringen nach 
dem Garten der Akademie 
vor der Zerstörung zu 
retten. Ein Antrag, den 
Münsterturm selbst „wegen 
Beleidigung der repu¬ 
blikanischen Gleichheit" 
niederzureißen, ging glück¬ 
licherweise nicht durch, 
jedoch mußte sich der¬ 
selbe das Aufsetzen einer 
großen blechernen Jako¬ 
binermütze gefallen lassen, 
die bis zum Jahre 1870 
noch in der Stadtbibliothek 
aufbewahrt wurde. — Mit 
dem 19. Jahrhundert be¬ 
ginnt die Zeit der Restaurationen, unterbrochen durch neue 
Zerstörungen infolge des Bombardements der Stadt im 
Jahre 1870. Neben Beschädigungen am Steinwerk des 
Turmes, besonders der Spitze, an verschiedenen Balu¬ 
straden sowie den Glasfenstern war besonders der Brand 
des Hochschiffdaches und der Bedachung der Vierung 



Dorfstraße in Ammerschweier (Ober-Elsaß) 





Nr. 5 ■ BQ 030 QQQe 8 a » 9 « 3 3 99 Q GG Q QQa gl DEUTSCHLAND 227 


\ 

e 

ie 

n. 

er 

in 

-r, 

ir- 

ler 

nd 

*r- 

en 

an 

icr 

en 

ht 

jn 

iS 

id 

s 

? 

1 

I 


r 

W 

iveV 

hneü« 

rk 

flfißi 



verhängnisvoll. Letzterer gab Dombaumeister Klotz Ver** 
anlassung zur Ausführung des jetzt vorhandenen massiven 
achteckigen Vierungsturmes, der im Gegensatz zu dem 
bis 1870 vorhanden gewesenen abgestumpften Pyra¬ 
midendach die Gesamtsilhouette glücklich ergänzt. Die 
ursprüngliche Bekrönung der Vierung, die sogenannte 
Bischofsmütze, vermutlich ein Werk Erwins, war schon 
bei einem Brande im Jahre 1759 zugrunde gegangen. 

Betrachtet man das Münster in seiner Gesamt¬ 
erscheinung, so fällt auch dem Laien sofort die stilistische 
Verschiedenheit der einzelnen Bauteile auf. Wir haben 
die Ursache hierzu in der geschichtlichen Entwick¬ 
lung des Bauwerks 
begründet gesehen. 

Im Gegensatz zum 
Kölner Dom bei¬ 
spielsweise, der trotz 
der Jahrhunderte, die 
zwischen Beginn und 
Fertigstellung liegen, 
sich doch als einheit¬ 
liches Produkt des 
gotischenStiles zeigt, 
ist das Straßburger 
Münster durchaus 
kein stilistisch ein¬ 
heitliches Werk. Ge¬ 
rade darin aber liegt 
der hohe Reiz und das 
Geheimnis derEigen- 
art seiner Schönheit. 

Wir erleben mit der 
Betrachtung des Bau¬ 
werkes seine Ge- 
schichte,die wechsel¬ 
volle Geschichte der 
Stadt, die Geschichte 
des deutschen Vater¬ 
landes. Und trotz 
der Verschiedenheit 
in der Gestaltung 
der Einzelformen, 
fast durchweg haben 
es die Künstler ver¬ 
standen, ihre Werke 
meisterhaft dem Ge¬ 
samten einzufügen, 
ohne die Harmonie 
des Ganzen zu stören, 

ohne die über dem Wechsel der Stilistik 
ewigen Gesetze des Schönen zu verletzen. 

Betritt man das Innere des Münsters, so ist man 
gefangen von dem feierlich mystischen Eindruck der 
gotischen Architektur, besonders auch von der wunder¬ 
baren Harmonie des Langhauses, von der überwältigenden 
Farbenpracht der alten Glasmalereien, und doch fehlt 
zum weitaus größten Teil das, was zur Wiederherstellung 
des Gesamtbildes unentbehrlich ist, die reiche Welt 
liturgischen Mobiliars, womit ursprünglich der weite Raum 
ausgefüllt war. Nicht weniger wie dreimal ist leider 
allzugründlich mit der überreichen Pracht der Ausstattung 
aufgeräumt worden: nach der Einführung des lutherischen 


Elsässerin in Landestracht 
(Photogr.: Jul. Manias & Cie., Stralzburg) 


stehenden 


Gottesdienstes im Jahre 1525, sodann bei Gelegenheit 
der Wiederherstellung des katholischen Kultus nach 
dem Jahre 1681 und zuletzt in der französischen Revo¬ 
lution. Nur gering ist die Zahl der noch vorhandenen 
Kunstwerke, welche diese Stürme glücklich überstanden 
haben. Das prächtige Grabdenkmal Konrads von Lichten¬ 
berg, ein Werk Erwins, verschiedene Epitaphien in der 
St. Johannis- und der St. Andreaskapelle, das Grabmal 
der Familie Bock in der St. Katharinenkapelle mit einer 
Reliefdarstellung des Todes Mariä, der schöne spät¬ 
gotische Taufstein Dotzingers vom Jahre 1453 und 
besonders die prächtige überreiche Kanzel, ein Werk 

des Hans Hammer 
vom Jahre 1485, die 
aufVeranlassungvon 
Straßburger Bürgern 
für den berühmten 
Kanzelredner Geiler 
von Kaysersberg er¬ 
richtet worden ist, 
ferner das hübsche, 
reich polychromierte 
Gehäuse der Orgel 
von 1434, leider ohne 
die mittlerweile ver¬ 
schwundenen bemal- 
tenFlügel sind neben 
der reichen Pracht 
alter Glasmalereien 
die einzigen Ueber- 
reste aus gotischer 
Zeit. Von demLettner 
aus dem 13. Jahrh. 
sowie dem über dem¬ 
selben errichteten 
spätgotischen Fron¬ 
altar von Nikolaus 
von Hagenau sind 
nur noch einzelne 
Reste erhalten, des¬ 
gleichen von dem 
prächtigen Heiligen 
GrabBischofBertolds 
von Bucheck aus der 
Katharinen-Kapelle. 

Von besonderer 
Berühmtheit ist die 
astronomische Uhr 
im südlichen Quer¬ 
schiff. Das Gehäuse aus Stein und Holz in den für 
Straßburg charakteristischen Formen des 16. Jahr¬ 
hunderts, einer Verschmelzung von Spätgotik und 
Renaissance, stammt vom Werkmeister Hans Uhlberger, 
während die Malereien Schöpfungen des Tobias Stimmer 
sind. Das alte Werk, das im Jahre 1574 als Ersatz 
eines älteren Uhrwerkes unter der Leitung des Mathe¬ 
matikers Dasypodius durch die Gebrüder Habrecht ein¬ 
gesetzt worden ist, wurde 1842 durch ein neues Werk 
von Schwilgue ersetzt und befindet sich jetzt in den 
Sammlungen des Frauenhauses. 

Von der früher vorhandenen prunkvollen Barock¬ 
ausstattung des Chores ist nur noch der marmorplakierte 











228 DEUTSCHLAND Nr. 5 


Altartisch von Massol erhalten. Zu erwähnen ist jedoch 
hier noch der reiche Schatz an Gobelins im Besitz des 
Domkapitels: neben zahlreichen Verdüren eine Reihe von 
vierzehn farbenprächtigen Teppichen von Pierre d'Amours, 
Szenen aus dem Leben Mariä darstellend, aus der Zeit 
von 1640—50, die, ursprünglich für die Kathedrale von 
Notre Dame in Paris bestimmt, im Jahre 1739 für das 
Münster angekauft worden sind. Die Bemalung des 
Chores ist neu und stammt von Steinle, mit Ausnahme 
der von Steinbrecht oberhalb des Triumphbogens an¬ 
gebrachten Darstellung des jüngsten Gerichtes. 

Wer heute Straßburg und das Münster besucht, 
versäumt in der Regel nicht, zum Schluß die Plattform 
zu besteigen und von dort, losgelöst vom hastenden 
Treiben und dem Lärm des Alltags, Umschau zu halten 


über die ruhende Masse des Münsters mit seinen Türm¬ 
chen und Fialen, seinen verschlungenen, geheimnis¬ 
vollen Galerien und Treppen und über die geräusch¬ 
volle Stadt unter ihm, die Masse altersgrauer Dächer, 
dunkler Höfe und enger Gassen, und dann die lachende 
fruchtbare, stromdurchglänzte Ebene. Und er schaut 
zum Münsterturm empor, in dessen goldfunkelndes Ge¬ 
stein Tausende ihre Namen gehauen, unter so vielen 
gleichgültigen doch auch so manch vertrauter Name. 
Das Münster baut ihm die Brücke zur Heimat, baut 
ihm die Brücke zwischen Heute und der Vergangenheit. 
Und wie dasselbe hier an des Reiches Grenze an Glanz 
und Leid vergangener Tage erinnert, ist es uns zu¬ 
gleich ein Symbol der Zukunft, einer licht- und glanz¬ 
vollen, glücklichen Zukunft des deutschen Vaterlandes. 


Colmar und die Hochvogesen. 

Von Karl Engel. 


Wer vor etwa einem Jahrtausend auf dem alten Wege, 
einer Art von breitem, durch Geleisspuren bezeichneten Pfade, 
von dem einst römischen Argentoratum, dem nunmehrigen 
Straßburg, nach Süden ritt, kam durch eine Landschaft, deren 
Bedeckung und Bepflanzung äußerst wenig an die heutige 
erinnerte. Brachland herrschte noch vor, Wälder und Gehölze 
dehnten sich weit aus, große Weideflächen unterbrachen das 
dünngesäete Ackerland, und wo der Weg sich der Jll näherte, 
streifte er an Tümpeln, Röhrichten und weiten Sumpfstellen 
vorbei. Die heutigen großen, volkreichen Ortschaften waren 
erst angedeutet durch Ansiedlungen geringen Umfanges; nur 
einige wenige, um fränkische und alemannische Herrenhöfe, 
um Klöster oder alte römische Niederlassungen gruppiert, 
erreichten den Umfang der heutigen größeren Dörfer. 

Nach einem langen Ritte konnte der Reisende in der Ebene 
zwei dicht zusammenliegende Häusergruppen auftauchen sehen, 
eine hinter der andren, die vordere mit einem Kirchlein, die 
hintere etwas höher liegend und die vordere mit ihren statt¬ 
lichen Stein- und Holzbauten eine Kleinigkeit überragend. Zur 
Rechten waren in der Bergwand des Wasgaus, die den Reisenden 
schon stundenlang begleitet hatte, zwei Lücken erkennbar, eine 
ganz deutlich, die andere mehr in den Berghängen ver¬ 
schwommen, die Eingänge zum Münster- und Kaysersberger 
Tale. Noch waren die Berggipfel nicht mit Schlössern 
gekrönt, nur hier und da winkten vielleicht die Trümmer 
eines alten römischen Wacht- und Signalturms dem Reisenden 
düster und trübe entgegen. Zur Linken breitete sich eine 
weite Ebene aus mit Waldstücken, Gehölzen, Baumgruppen, 
Weide, Bruch- und Sumpfland, die sich in der Ferne im 
Dunste verlor; der Dunst hatte die Horizontlinie verwischt 
und bildete einen sanften Uebergang vom Grün und Braun 
der Ebene zum Blau des Himmels. An einer Stelle, gerade 
links von der erwähnten Häusergruppe, erhob sich aus dem 
Dunst der Ebene ein blaugraues Bergmassiv, und dahinter 
glaubte der Reisende durch den Dunst die Umrisse höherer 
Berge erkennen zu können. Er hatte den Kaiserstuhl und 
die fernen Berge des Schwarzwaldes vor sich. Sein Ritt hatte 
ihn inzwischen weiter geführt, und er stand nun dicht vor jenen 
beiden Häusergruppen; es waren die Anfänge des heutigen 
Colmar. Der Ober- und der Niederhof hatten ihn in ihren 
Bereich gezogen. Es waren Königshöfe, die Mittelpunkte der 
Verwaltung und Bewirtschaftung des bedeutenden Kronbesitzes, 
der sich weit nach allen Seiten und bis in das Gebirge aus¬ 
dehnte; meist Unfreie und Knechte waren es, die die Höfe 
belebten; unfreie Frauen und Mädchen spannen und woben 
hier mit fleißiger Hand für den Bedarf des Königlichen Hofes. 


Beim Niederhofe hatten Benediktiner des Klosters im Gebirge 
(von Münster) eine Niederlassung gegründet zur Bewirtschaftung 
ihres Besitzes und zur Einnahme der Renten in natura, die 
fromme Gönner ihnen geschenkt und gestiftet hatten. Die 
Mönche hatten sich natürlich eine Kapelle, ein Gotteshaus 
von bescheidener Größe, errichtet, und sie war die einzige 
Stelle, wo die paar hundert Insassen der beiden Höfe zur 
Anbetung Gottes, zur Erbauung, kurz, zur Erfüllung ihrer 
religiösen Pflichten sich versammeln konnten. Klein und 
schmucklos war das Kirchlein, bei dessen Errichtung wohl 
das Holz als Baumaterial vorgeherrscht haben wird, und als 
unser Reiter die mönchische Ansiedlung erreicht hatte, erfuhr 
er von den Leuten, daß man mit dem Gedanken umgehe, an 
die Stelle der Holzkapelle ein stattlicheres, steinernes Gottes¬ 
haus zu setzen. Der Reiter hielt dicht bei dem Platze, wo 
heute St. Martin sich stolz in die Höhe reckt und mit ihrem, 
noch immer der schlanken, krönenden Spitze entbehrenden 
Turme alles überragt. Wir nehmen nun Abschied von dem 
Reiter, der uns nach dem beginnenden Colmar gebracht hat, 
und überlassen ihn den Händen der gastfreien Mönche. 

Ober- und Niederhof, oder modern bezeichnet: Lyzeum 
und Häusergruppe zwischen Kaufhaus und Martinskirche, 
das sind die beiden Kristallisationspunkte, an die weitere 
Siedlungen sich ansetzten und die dadurch in eine große 
Häusergruppe Zusammenflossen. Das Colmar des 13. Jahr¬ 
hunderts war fertig. Aus den paar hundert Bewohnern waren 
einige tausend geworden, die Königshöfe waren in andere, 
*n geistliche Hände übergegangen, nicht mehr bildeten Unfreie 
und Knechte die Mehrzahl der Bevölkerung, auch war der 
früher vorherrschende Einfluß von Geistlichen und Mönchen 
in stetem Rückgang begriffen; freie, starknackige, mit aus¬ 
gesprochenem Unabhängigkeitssinne begabte Menschen waren 
hergekommen und hatten die Lücke zwischen Ober- und 
Niederhof ausgefüllt; die sozusagen von selbst sich ergebende 
Folge war, daß unter Kaiser Friedrich II. Colmar eine Stadt 
wurde. Schon vom Jahre 1214 ab gebrauchte der Ort ein 
eigenes Siegel, von 1222 zeigt sich auf ihm der Reichsadler, 
ein Zeichen, daß der trotzige Unabhängigkeitssinn sich nur 
dem deutschen Könige und römischen Kaiser zu beugen 
gedachte; 1226 lösten die energischen Bewohner der Stadt 
auf dem friedlichen Wege einer Pachtung die Bande, die das 
aufblühende Gemeinwesen noch mit der Priorei von Peter- 
lingen, der Besitzerin des Oberhofes, verknüpfte. Die Stadt 
war nun ummauert, und die waffentüchtige Bevölkerung¬ 
konnte getrost von den ragenden Türmen und Zinnen ihrer 
Ringmauer den unaufhörlichen Fehden, Kämpfen, Bürger- 



Nr. 5 


11 DEUTSCHLAND 229 


kriegfen in der Zeit Friedrichs II., seiner Nachfolger und des 
Interregnums Zusehen. Während in dieser stürmischen Zeit so 
viele Städte und Gegenden ihre Unabhängigkeit und Freiheit 
einbüßten und einen Herren fanden, wußte Colmar nach allen 
Seiten seine unabhängige und freie Stellung festzuhalten. Es 
hat nie einen anderen Herrn über sich gekannt, als den 
deutschen König und den römischen Kaiser. Mit kluger 
Diplomatie und mit tapferer Hand, wenn es nicht anders 
ging, wußten die Bürger Colmars ihre freie, unabhängige 
Stellung durch die Stürme der Zeit zu retten und zu erhalten, 
bis wieder Ruhe eintrat und die so oft umstrittene und 
manchem verhaßte Freiheit der jungen Stadtgemeinde zu 
einer dauernden, von allen anerkannten Einrichtung wurde. 

Die beiden Höfe, der Ober- und der Niederhof, sind gewiß 
nicht die ersten Ansiedlungen auf dem Colmarer Boden ge¬ 
wesen. Sie haben wohl nur die Fortsetzungen von römischen 
und keltischen Niederlassungen gebildet. Doch wollen wir dahin¬ 
gestellt sein lassen, ob der Name Colmar vom Lateinischen 
kommt, von columbarium, von einem Taubenhause, das schon 
von ferne hätte gesehen werden können und das Wahrzeichen 
der Niederlassung gewesen wäre. Denn Columbaria ist nicht 
die einzige Form des Namens, den Colmar im Mittelalter 
führte. Ob der Name von Kelten oder Ligurern stammt — 
auch das kann man mehr oder minder überzeugend be¬ 
gründen — wollen wir hier auch nicht weiter untersuchen. 

Von ein paar hundert Bewohnern bis zu 42000 hat sich 
Colmar im Laufe eines Jahrtausends emporgearbeitet. Es 
gibt ja gewiß Städte genug, die sich innerhalb derselben oder 
noch viel kürzerer Zeit in ganz anderm, in ungeheuerem 
Maße vermehrt und vergrößert haben; aber in der Zeit, als 
diese Städte noch kleine Dörfer mit Fischerhütten oder 
Blockhäusern von Farmern waren, die das Wildwest-Gewand 
noch nicht ganz abgestreift hatten, war Colmar schon eine 
Stadt mit Verfassung, strenger Ordnung im öffentlichen 


Leben, mit Schulen und sozialen Einrichtungen, mit statt¬ 
lichen öffentlichen, weltlichen und geistlichen Bauwerken; es 
war schon ein kleines Staatswesen, das eine Rolle spielte, 
und keine unbedeutende, im öffentlichen Leben, in der innern 
und äußern Politik des alten römischen Reiches deutscher 
Nation. Es gehörte zwar nicht zu den Großstädten des aus¬ 
gehenden Mittelalters, aber auch nicht zu den Kleinstädten, 
es war eine Mittelstadt, deren politische Bedeutung an die 
der Großstädte heranreichte, ja manche von diesen überragte. 
Es war die größte, die tonangebende Stadt in dem bekannten 
Zehnstädte-Bund des Elsasses. 

Sehen wir nun, was aus dem Oberhofe, dem ältesten 
Teile Colmars, geworden ist. Bald erhoben sich dort an 
Stelle des ehemaligen Königshofs vom TO. Jahrhundert ab 
die Klostergebäude und die dreitürmige Kirche des Priorats 
St. Peter des Ordens der Benediktiner, gegründet von dem 
Kloster Peterlingen im Waadtlande, dem der Oberhof durch 
Schenkung zugefallen war. Klostergebäude und dreitürmige 
Kirche sind heute verschwunden. Sie haben den Gebäuden 
des heutigen Kaiserl. Lyzeums und der T742—1752 im Rokoko¬ 
stile erbauten Lyzeumskirche Platz gemacht, Schöpfungen 
der Jesuiten, die unter Ludwig XIV. nach Colmar gekommen 
waren und denen die Stadt, von Ludwig XIV. gezwungen. 
St. Peter hatte herausgeben müssen. Sie hatte dafür die 
weniger einträgliche Herrschaft Hoh-Landsberg eintauschen 
müssen. Dicht hinter der Ringmauer lag St. Peter. Die Mauer 
und die davor liegenden Ravelins, Kavaliere und Gräben sind 
schon lange verschwunden, die letzten Reste im letzten 
Drittel des vorigen Jahrhunderts. Schöne Baumpflanzungen, 
prächtige Blumenanlagen schmücken den eingeebneten Platz, 
auf den das Standbild des Physikers und Gelehrten Adolf 
Hirn (1815 — 1890) herniederschaut. 

Unser Reiter, den wir bei den Mönchen gelassen haben, 
hatte recht gehört. Es sollte wirklich eine Kirche an Stelle 



Felsen und Tunnel an der Schluchtstraße bei Münster 








230 DEUTSCHLAND (0^^^^^088^80860860800^ Nr. 5 


der alten Kapelle errichtet werden. Bald erhob sich ein 
größeres Gotteshaus, aus festem Stein gefügt, auf der Stelle, 
die jetzt ein Teil des Chores und des Schiffes der St. Martins¬ 
kirche einnehmen. Zwei Jahrhunderte später wurde sie zu 
einer Kollegiatkirche erhoben mit einem Kapitel, an dessen 
Spitze ein Propst stand. Mit Einsetzung des Kapitels hatte 
sich auch das Bedürfnis eingestellt, eine größere und schönere 
Kirche zu haben. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts 
wurde der Bau einer Kirche in gotischem Stile begonnen. Es 
wurden Teile der alten romanischen Kirche abgetragen und 
Neubauten an ihrer Stelle errichtet, das heutige Querschiff 
der Martinskirche ; der stehengebliebene Teil der alten Kirche 
diente als Chor. Die Kosten des Baues überstiegen bei 
weitem die finanziellen Kräfte des Stifts und der Stadt¬ 
gemeinde; nah und fern mußten daher Beiträge gesammelt 
werden. Der erste Baumeister war Meister Humbret, wie uns 
eine Inschrift an der Kirche selbst kund tut. Als Querschiff 
und Langschiff vollendet waren und die Türme sich bereits 
zu einer stattlichen Höhe erhoben, wurde auch das alte, bau¬ 
fällig gewordene romanische Chor durch ein neues gotisches 
ersetzt (1356 — 1355); Baumeister war Wilhelm von Marpurg 
(gestorben 1366 in Straßburg). Von den Türmen wurde der 
nördliche nie ausgebaut, die Spitze des südlichen zerstörte 
1572 eine Feuersbrunst, die auch andere Teile der Kirche 
erheblich beschädigte. Die Turmspitze wurde nicht wieder 
errichtet. In den Jahren 1909 bis 1911 fanden in der Kirche 
umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten statt, und es wurde 
ihr im Innern möglichst dasselbe Aussehen wiedergegeben, 
das sie im ausgehenden Mittelalter gehabt hatte. Da die 
alten Malereien unter der losgelösten Tünche nach Form und 


Farben deutlich sichtbar waren, wurden sie in den alten 
Farben und Formen wieder angebracht. Das Chor wurde 
gegen die Seitenkapellen geöffnet und die Rosetten in die 
Wandöffnungen wieder eingesetzt. Das prächtige Stück alt¬ 
deutscher Malerei, die berühmte „Madonna im Rosenhag" 
von Schongauer, einem Colmarer Meister, fand einen seiner 
würdigen und passenden Platz in dem Flügelaltare an dem 
linken Eckpfeiler des Chores. 

Im 13. Jahrhundert kamen neue klösterliche Nieder¬ 
lassungen nach Colmar, die der Dominikaner und Franziskaner. 
Das Dominikanerkloster wurde 1260 erbaut und zwei Jahr¬ 
zehnte später die Klosterkirche im Stile der Frühgotik. König 


Rudolf von Habsburg legte 1283 den Grundstein zu ihrem 
Chore. Das Kloster liegt nicht weit von der Martinskirche. 
Seit der Revolutionszeit haben Kloster und Kirche mancherlei 
erlebt und gesehen. Letztere wurde Fruchthalle, erstere 
Gendarmeriestation; mit kurzer Unterbrechung 1813—1814, 
während welcher es Kriegslazarett war, beherbergte es 
ständig französische Gendarmen; heutigen Tages ist In den 
alten Klosterräumen die Präparandenschule untergebracht. 
Die Kirche wurde 1894—1898 restauriert und ihrer alten 
Bestimmung zurückgegeben. Im Schatten der stillen Kloster¬ 
räume lebten und schafften emsige Forscher und Gelehrte; 
an den Annalen der Colmarer Dominikaner kann der Geschichts¬ 
forscher des deutschen Mittelalters nicht vorübergehen, ohne 
den fleißigen Mönchen für ihre wertvollen Nachrichten und 
ihr fleißiges Sammeln herzlich zu danken. 

Auch nicht weit von der Martinskirche, nur in anderer, in 
nordöstlicher Richtung, lag das Franziskanerkloster. Es wurde 
in derselben Zeit erbaut, wie das Dominikanerkloster. Die 
Insassen des Klosters starben 1541 bis auf einen einzigen an 
der Pest; da erwarb die Stadt die Gebäude, und als der 
Magistrat 1575 die Reformation eingeführt hatte, wurde die 
ehemalige Franziskanerkirche dem lutherischen Kultus über¬ 
lassen, und noch heute ist die protestantische Kirchen¬ 
gemeinde im Besitze des Schiffes. Das Chor wurde 1715 
durch Königliche Verordnung vom Schiffe durch eine Mauer 
getrennt und dient seitdem als Spitalkirche dem katholischen 
Gottesdienst. Die schönen, eleganten Linien des Chores 
waren bis vor kurzem durch Gebäude verdeckt, die sich dicht 
um die Kirche scharten. Die Stadtverwaltung hat durch 
Abbrechen und Wegräumen eines Hauses einen Zugang vom 
Schlüsselplatze zum Chore geschaffen, 
der vom Platze her einen schönen Aus¬ 
blick auf die langen, zierlichen Bogen¬ 
fenster gewährt. Das Innere des Schiffes, 
die protestantische Kirche, hat durch 
Einrichtungen und Umgestaltungen, die 
nur auf die praktische Ausnutzung des 
Raumes als Predigtkirche hinzielten, an 
Schönheit viel eingebüßt. Vom alten 
Lettner sind nur Teile erhalten ge¬ 
blieben; dagegen weist ein Nebenraum 
hübsche spätgotische Deckenmalereien 
auf. In die 1541 erworbenen Kloster¬ 
gebäude wurde nun das bisher innerhalb 
der alten Ringmauer befindliche Spital 
übergeführt. 

Mit den Klöstern der Predigerorden 
sind wir schon über die erste und älteste 
Ummauerung Colmars hinausgerückt. 
Kehren wir zurück in den Raum zwischen 
Ober- und Niederhof und wir kommen 
an die Stelle, wo einst das Aug\istiner- 
kloster stand und Jetzt das Bezirks¬ 
gefängnis sich breit macht. Da, wo 
jetzt Gefangene stille Einkehr in sich 
halten, wo Reue und Besserungs- 
gedanken, vielleicht auch Fluch- und Rachegedanken reifen^ 
da sann einst Johann Hoffmeister, der Prior, nach, wie er 
seinem Gegner Luther am besten beikommen könnte, da saß 
er brütend über den Predigten, die er vor Kaiser Karl V. 
halten sollte. 

Noch dreier geistlichen Niederlassungen, die mehr oder 
weniger vollständig erhalten geblieben sind, hätten wir zu 
gedenken. Sie lagen alle nicht allein außerhalb der ersten 
Ringmauer, sondern anfangs auch außerhalb der zweiten, 
der Erweiterungsmauer, sind aber bald mit in das Befestigungs¬ 
system der zweiten Erweiterung einbezogen worden; es sind 
dies das Kapuzinerkloster, das Dominikanerinnenkloster Unter- 



Gletschertal der Wormsa mit Fischbödle im Münslerlal 










Nr. 5 


DEUTSCHLAND BBs^^^ g ^^e e oooo oGcoeceoooc ai 23i 


linden und das Katharinenkloster (frz. les Catherinettes). Das 
Kapuzinerkloster, eine ziemlich junge Schöpfung (1699), heute 
bischöflicher Konvikt, sei hier nur erwähnt. 

Weit über die Grenzen Colmars, des Elsasses und Deutsch¬ 
lands bekannt wegen der kostbaren Kunst- und Buchschätze, 
die es birgt, ist das ehemalige Frauenkloster „unter den 
Linden". Kloster und Kirche wurden von 1252 ab erbaut, 
1269 wurde letztere geweiht. Ein herrlicher frühgotischer 
Kreuzgang, ein Werk des Dominikanermönches Vollmar, um¬ 
gibt den Hof des Klosters, in dessen Mitte im vorigen Jahr¬ 
hundert eine Brunnenanlage, gekrönt von dem Standbilde 
des Colmarer Malers Martin Schongauer, gestellt wurde. Die 
Revolutionsjahre machten aus dem ruhigen, stillen, Werken 
der Mildtätigkeit und Barmherzigkeit ergebenen Frauen¬ 
kloster eine Stätte unruhigen, lärm- und geräuschvollen 
Lebens, eine Stätte der Vorbereitung für Schlachten, für 
Krieg und Blutvergießen. Es wurde Kavalleriekaserne und 
Magazin der Garnisonverwaltung; die Pferde der Kavallerie 
wurden im gegenüberliegenden Ackerhof und in den sogen. 
„Ritterställen" (Ritterstallgasse) untergebracht. Das blieb so 
bis Mitte des vorigen Jahrhunderts mit Ausnahme der Jahre 
18T3/T814, wo es Kriegslazarett war; da war eine neue 
Kavalleriekaserne (damals quartier de cavalerie-modele), jetzt 
belegt vom Kurmärk. Dragoner-Regiment Nr. 14, im Norden 
der Stadt fertiggestellt. Die Lanciers räumten die Kloster¬ 
räume, und alsbald stellten sich allerlei schweinslederne 
Bände, große Folianten, dünne Broschüren, große Karten und 
Atlanten ein, herrliche Gemälde, metergroße und kleine, auf 
Holz und Leinwand, ausgestopftes Getier, allerhand bunt¬ 
scheckiges Gestein, Waffen und Tro¬ 
phäen, alte Hausgeräte, alte Fahnen 
und Banner, und füllten die weiten 
Räume. Die Bibliothek, die Gemälde¬ 
galerie, die natur- und kulturhistorischen 
Sammlungen der Stadt hielten ihren Ein¬ 
zug. Die etwa 100 OCX) Bände zählende 
Bibliothek ist reich an seltenen Druck¬ 
werken, an Handschriften und Inkunabeln, 
die Gemäldegalerie zeigt uns eine Fülle 
von herrlichen Werken der alten ober¬ 
deutschen Malerschule; die in der Ge¬ 
schichte der alten deutschen Malerschule 
berühmten Gemälde des Isenheimer 
Flügelaltars sind hier jedem Beschauer 
und Kunstfreunde zugänglich. In dem 
Saale der Gipsabgüsse, der prähistori¬ 
schen, römischen, alemannischen und 
fränkischen Funde ist das Lebenswerk 
eines Fürsten der Plastik, eines Colmarer 
Kindes, Bartholdi, des Schöpfers der 
New Yorker Freiheitsstatue, in Gips¬ 
modellen zu schauen. 

Die Gebäude, die noch vor 70 
Jahren das eigentliche Kloster umzogen, 
wurden abgebrochen und auf dieser 
Stelle das neue Stadttheater errichtet, 
das in unseren Tagen umgebaut und etwas vergrößert wurde. 

Das Katharinenkloster entstand in Colmar im Anfänge 
des 14. Jahrhunderts. Nach den Revolutionsjahren wurde 
es Militärlazarett, dann war es eine Zeit lang nach 1870 
Kaserne und birgt jetzt in seinen weiten Räumen die Städtische 
Fortbildung'sschule, die Landwirtschaftliche Versuchsstation, 
und die ehemalige Klosterkirche ist zum Städtischen Konzert¬ 
saal umgebaut. Mit Ausnahme der stark veränderten Kirche 
und einiger Teile der’übrigen Bauten entstammen die heute 
bestehenden Gebäude dem 18. Jahrhundert. 

Das Schmuckstück der weltlichen mittelalterlichen Bau¬ 
werke bildet zweifellos das Kaufhaus. In gotischem Stile 1480 


aufgeführt und im 16. Jahrhundert durch Anbau vergrößert, 
war es im 15., 16. und dann wieder im 18. Jahrhundert das 
Heim des Magistrats, dann Sitz des Tribunals erster Instanz. 
Im oberen Stockwerke bewundern wir den großen, durch viele 
Fenster erleuchteten Saal, der mit seinen verschiedenartig 
geformten Säulen uns ein Bild von der künstlerischen 
Erfindungsgabe der alten Colmarer Steinmetzen gibt. Er 
war oft Zeuge der Ratsversammlungen, in denen die Ab¬ 
geordneten der Zehnstädte des Elsasses hohe und niedere 
Politik trieben und über Wohl und Wehe ihres Bundes und 
des ganzen Landes Beschlüsse faßten. Das Kaufhaus war 
in gewissem Sinne die Warenbörse des alten Colmars. 
Da allein, in den Hallen des Erdgeschosses, durften fremde 
und einheimische Kaufherren ihre Waren feilbieten, da 
war übrigens auch der Brief- und Botenverkehr konzen¬ 
triert. Heute ist in den Sälen des oberen Stockwerks die 
Fleischhauersche Sammlung kunstgewerblicher Gegenstände 
untergebracht. 

Fast dem Rathause gerade gegenüber reckt das frühere 
Oberlandesgerichtsgebäude seine massige Gestalt. Sein jetziges 
Aussehen erhielt es 1771. Hier tagte der conseil souverain 
des ancien regime, die cour d'appel des modernen Frankreichs 
und bis 1906 das deutsche Oberlandesgericht. In den früheren 
Gebäuden hauste die Gesellschaft zum Wagkeller, eine Art 
Klub, zu dem Magistratspersonen, vornehme Bürger und 
Herren und Vögte der Umgegend gehörten; in einem 1581 
beim Wagkeller errichteten Bauwerke hielt der Magistrat 
über ein Jahrhundert seine Sitzungen ab. 1674/75 war 
im Wagkeller das Hauptquartier des Großen Kurfürsten, 


1681 und 1683 nahm da der Sonnenkönig sein Absteige¬ 
quartier. Im Jahre 1906 siedelte das Oberlandesgericht 
in sein neues Heim am Hochlandsbergwall über, einem 
prächtigen Bau im Renaissancestil. 

Kehren wir vom Wagkeller zur Martinskirche zurück, so 
treffen wir da auf einen architektonisch und künstlerisch 
bemerkenswerten Bau, das jetzige Polizeigebäude. Hier befand 
sich schon im 14. Jahrhundert die Gerichtslaube. Im Jahre 
1575 wurde das jetzt dort stehende Bauwerk errichtet. Das 
anmutige Renaissanceportal und die prachtvolle Loggia bilden 
den Zielpunkt aller Kunstbeflissenen, welche die alten Städte 
Europas nach architektonischen Kleinodien absuchen. 



Donongipfel mit Tempel bei Schirmeck 
















Nr. 5 


232 DEUTSCHLAND 


Von den ehemaligfen Zunfthäusem sei das der Ackerleute 
in der Vaubanstraße, im Colmar jenseits der ersten Er¬ 
weiterung*, ein Renaissancebau mit schönem Portale erwähnt. 
Heute ist es Wirtschaft. Dann wollen wir auch die Wirkungs¬ 
stätte der Colmarer Meistersinger nicht vergessen, das Zunft¬ 
haus der Schuhmacher (Schädelgasse Nr. 28). Hier wirkte 
der Colmarer Dichter Jörg Wickgram, der 1549 eine Sanges¬ 
bruderschaft gründete. Die Colmarer Meistersinger sind in 
der Literatur- und Musikgeschichte nicht unbekannt, waren 
sie doch die Besitzer der Liederhandschrift, die jetzt in der 
Königlichen Bibliothek zu München auf bewahrt wird und über 
1000 dem Mittelalter entstammende Lieder enthält. 

Machen wir noch dem Kopf hause, so benannt wegen der 
vielen Steinfiguren an der Straßenfassade, einem Renaissance¬ 
bau aus dem 17. Jahrhundert mit schönem Erker, dem 
schönsten Privathause des alten Colmar, dem Pfisterhaus, 
dem landschaftlichen Hintergründe des berühmten Bildes 
„les racoleurs (die Werber)", dem sogenannten Hause Schon- 
gauer und dem Hause Staub in der St. Johannisgasse mit 
seinen beiden zierlichen Säulengalerien einen kurzen Besuch 
und verlassen wir dann das alte Colmar und streben hinaus 
nach dem neuen, dem Colmar des 19. und 20. Jahrhunderts. 
Nur ungern tauchen wir unter den modernen, streng aus¬ 
gerichteten, mit Licht, Luft, Gas und Elektrizität versehenen 
Steinmassen unter; denn noch gar viele stille, trauliche, male¬ 
rische Winkel gibt es in Colmar, die uns alte Zeiten zurück¬ 
rufen, bei denen es sich beschaulich träumen läßt von Reizen 
längst vergangener Zeiten. 

Das moderne Colmar, das einen wohl achtmal so 
großen Raum einnimmt, wie das Colmar von 1700 und 
1800, reckte sich hauptsächlich nach Süden und Westen 
aus, während das aus Oberhof und Niederhof entstandene 
Gemeinwesen seine Erweiterungen ausschließlich nach 
Norden vorschob. Erst militärische und industrielle Bau¬ 
tätigkeit haben in jüngster Zeit der Erweiterung nach Norden 
einen neuen Antrieb gegeben. 

Im Westen der Altstadt dehnt sich das Marsfeld aus, 
die Schützenwiese der alten Colmarer, der Mittelpunkt der 
modernen Stadt. Die Anlagen und der Stadtpark mit den 
alten, hohen, schattenspendenden Bäumen sind nach der 
Revolutionszeit vom Präfekten Felix Desportes geschaffen 
worden. Auf dem offenen, baumlosen Teile hat die „Große 
Armee" ihr Erinnerungsdenkmal; das Standbild des Generals 
Rapp, ein Erstlingswerk Bartholdis, erhebt sich dort. Rapp, 
geboren in Colmar 1771, war der Sohn des Kaufhauspförtners. 
In der Revolutionszeit in die Armee getreten, gehörte er bei 
Marengo dem Stabe des daselbst gefallenen Generals Desaix 
an. Er kam dann in die Umgebung des Ersten Konsuls, 
wurde General und Aide de Camp (Flügeladjutant) des Kaisers 
Napoleon, war 1813 Gouverneur von Danzig, befehligte 1815 
das 5. Armeekorps und verteidigte das Unter-Elsaß und 
Straßburg gegen die Invasionsheere. Er starb in demselben 
Jahre, wie sein Herr und Meister, 1821 zu Rheinfelden. Im 
Schatten der Bäume des Stadtparkes steht das Standbild einer 
anderen militärischen Größe Colmars, des Admirals Bruat. 
Er war geboren in Colmar 1796, trat in die Marine, war 
Gouverneur der Marquesas-Inseln und der Antillen, be¬ 
fehligte die französiche Flotte im Krimkriege und starb 
1855. Das Standbild, zu dessen Füßen vier steinerne Figuren 
lagern, Personifikationen der Weltteile, die Bruat auf seinen 
Seefahrten gesehen, steht im Rondelle des Parkes. Auch 
dieses Denkmal verdankt dem künstlerischen Sinne, der kunst¬ 
geübten Hand Bartholdis seine Entstehung. Er ist übrigens 
auch der Schöpfer nahezu aller Denkmäler der Stadt, des 
Schwendibrunnens hinter dem Kaufhause, des trinkenden 
Rebmannes an der Markthalle, des Roesseldenkmals auf dem 
Schwarzenbergplatze und des Küfers auf dem Giebel des 
Kopfhauses. Seine Freunde und Verehrer haben ihm selbst 


nach seinem Tode in den Anlagen des Wasserturms ein 
Denkmal gesetzt. Das beim Unterlindenmuseum errichtete 
Standbild des blinden Dichters und Pädagogen Gottlieb Konrad 
Pfeffel (1736—1809), des Verfassers der „Tabakpfeife", ist 
von Friedrich, nicht von Bartholdi. 

Wir durchqueren den Stadtpark, kommen am Musikkiosk 
vorbei und stehen vor dem Bezirkspräsidium, im Volksmunde 
„Prefectür" genannt. Schon vorher sahen wir die rotbraunen 
Back- und die grauen Hausteine durch das Grün des Parkes 
schimmern, Vorboten des schönen architektonischen Bildes, 
das sich nun unseren Augen eröffnet. Der im Stile Ludwigs XIII. 
gehaltene vornehme Bau wurde in den sechziger Jahren des 
vorigen Jahrhunderts errichtet und 1866 seiner Bestimmung 
übergeben. Noch heute prangen an seiner Fassade die In¬ 
schriften der vier alten Arrondissements des Departements 
du Haut-Rhin: Colmar, Mulhouse, Altkirch, Beifort. 

Wir sind nun schon an dem neuen, ebenfalls in Backstein 
errichteten Postgebäude vorübergekommen, wir biegen in die 
Ruffacher Straße ein, welche die Westseite des Marsfeldes 
umsäumt, und streben dem neuen Bahnhofe zu, um eine Fahrt 
in das Gebirge anzutreten. 

Das Dampfroß hat die Ebene hinter uns abgerollt. Berge 
scheinen sich uns vorlegen und unsere Weiterfahrt hindern 
zu wollen, aber nein, weit klaffen die Berge auseinander, der 
erste Berg zur rechten Hand, steil aufragend und auf seinem 
Rücken eine Kapelle tragend, noch unbewaldet, der zweite 
dahinter ebenso, nur Reben und Reben; endlich tauchen auch 
hier die dunklen Flecke des Gebirgswaldes auf, die zur Linken 
schon eine Weile in der Ferne langsam an unserem Zuge 
vorbeiglitten. Türkheim I Türkheimer Brand, das köstliche 
Naß, das da oben auf den Hängen aus dem Gestein seine 
Feuerkraft geholt I Wir sind im Banne weinfroher Gemütlich¬ 
keit, im Banne geschichtlicher Erinnerungen. Denn Türkheim, 
heute ein kleiner Ort, war eine der Zehnstädte, verbündet 
und verbrüdert mit Colmar, wenn es auch manchmal wegen 
der Wasserrechte auf dem Logei- oder Mühlbach nicht gerade 
brüderlich herging. Neben diesem Bruderzwist stiftenden 
Wasserlaufe sind wir hergefahren und haben zu Füßen jenes 
Berges mit der grüßenden Kapelle das Feld gekreuzt, wo 
einst am 5. Januar 1675 das Schicksal Colmars und der 
Zehnstädte und Elsasses endgültig besiegelt wurde, wo 
Kaiserliche, Münsterer, Lüneburger und einige branden- 
burgische Regimenter mit den Gardes fran<;:aises, mit Cham¬ 
pagne, Orleans, La Murine sich balgten, wo der Große 
Kurfürst dns überlegene Genie Turennes durch einen über¬ 
eilten Rückzug anerkannte. 

Türkheim mit seinen malerischen Türmen, seinen Wein¬ 
bergen, liegt hinter uns. Bewaldete Berge säumen den 
Eisenpfad des Dampfrosses ein. Reben werden selten, 
verschwinden allmählich, Burgen, Plix- und Hohlandsburg, 
sehen verwundert der vom Dampfrosse in eilenden Fluge 
dahingezogenen Kette moderner Eilkutschen nach. Schon 
auf der Fahrt von Colmar her, noch in der Ebene, hatten 
zur rechten Hand der sargförmige Rücken eines hohen 
Berges und die daneben ganz oben an die graugrüne Berg¬ 
wand geklebten weißen Häuser die Aufmerksamkeit der 
Reisenden erregt. Der Hohneck (976 Meter) und der 
Luftkurort Drei-Aehren (über 650 Meter Höhe) haben sich 
ihnen vorgestellt. 

Und weiter rollt der Zug, das grüne Wiesenband des 
Tales mit den zwei Eisenstreifen und dem murmelnden 
Wasser der Fecht Stück für Stück hinter sich werfend. Zum 
Glück entschädigt die reizvolle Landschaft reichlich für das 
tatenlose Sitzen im Wagen. Münster I Wieder ein Glied des 
Zehn-StädtebundesI Ja, wir sind hier in einer Ecke des 
heiligen römischen Reiches deutscher Nation, wo steifnackige, 
rusch zur Tat bereite Mannen hausten, die nur dem Kaiser 
sich beugen wollten. 



Nr. 5 DEUTSCHLAND 233 


Wir sind nun tief ins Innere der Vog'esen vorgedrungen 
und sind ein paar 100 Meter gestiegen, ohne daß wir es 
merkten. Rings sind wir von hohen Bergen umgeben, und 
das Tal, durch das wir gekommen, hat noch kein Ende. Aus 
dem Tale werden nun zwei, ein vorspringendes Bergmassiv 
zwingt das Tal, in zwei Arme auseinander zu klaffen. An 
dieser Stelle gründeten Benediktiner im 7. Jahrhundert ein 
Kloster. Das Kloster wurde Reichsabtei, die Gemeinde und 
Dörfer, die in der Folge auf dem ursprünglich klösterlichen 
Gebiete emporschossen, wurden reichsunmittelbar. Die Stadt¬ 
gemeinde mit ihren Taldörfern wurde lutherisch, die Reichs¬ 
abtei blieb, und beide Teile, der katholische und lutherische, 
bald mit einander hadernd, bald durch gemeinsames Leid 
einander wieder näher gebracht, zogen der neuen Zeit ent¬ 
gegen, welche die Abtei hinwegfegte und die Selbständigkeit 
der Stadtgemeinde vernichtete. Die Klostergebäude sind 
verschwunden, und an ihrer Stelle breitet sich das Arbeiter¬ 
viertel aus. Die ehemalige reichsunmittelbare Stadt hat sich 
industrialisiert; eine zu hoher Blüte gelangte, im Jahre 
1775 eingeführte Baumwollenindustrie verschafft zahlreichen 
Bewohnern der Stadt und Umgegend lohnenden Verdienst. 


wogen eines Weltmeeres lägen gerade vor uns, unterbrochen 
durch Wasserbecken, die den Erstarrungsprozeß nicht mit¬ 
machten und ruhig daliegen, die schimmernden Flächen der 
Seen von Longemer und Retournemer. 

Wohin sollen wir uns nun wenden? Nach Norden oder 
Süden? Die Wahl fällt schwer, es ist auf beiden Seiten so 
schön und vielversprechend. Wir gehen einen Kompromiß 
ein und schlagen rasch in der nächsten Umgebung einen 
Bogen nach Norden, bevor wir die Wanderung nach Süden 
anlreten. Die deutsch-französische Grenze bezeichnet den 
vorerst einzuschlagenden Weg, der uns in einer Höhe von 
durchschnittlich 1200 Metern weiterführt. Wir streifen die 
Boxen zu unserer Rechten, sehen in die Gründe hinunter und 
hören, wie rauschende Wasser, über Steine springend, von 
Fels zu Fels fallend, eine Bahn suchen nach dem breiten 
Tale, durch das sie in ein bequemes Ruhebett in der fernen 
Ebene kommen können. Wasser füllt nun die Kesselgründe 
zu unserer Rechten; der Sulzerner See, der Forlen-Weiher und 
dann die Dreiecke des kleineren Schwarzen und des größeren 
Weißen Sees werden sichtbar, die Umgegend des letzteren ist 
das jährliche Stelldichein elsässischer und fremder Schiläufer. 



Nebelmeer im oberen Breuschtal, darüber die Donons 


Von Münster befördert uns die elektrische Bahn rasch 
auf den Kamm der Vogesen, zur Schlucht. Wir sind auf der 
Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Da treffen 
wir die Landstraße, die an den Berghängen rechts in vielen 
Schleifen sich zur Kammhöhe hinaufgewunden hat. Wir sind 
nun 1139 Meter über dem Meere. Ein reizendes Stück Erd¬ 
boden wogt hier auf und nieder, rechts und links, vor und 
hinter uns. Von dem Kamme, auf dem wir stehen, lösen 
sich Gebirgszüge ab und bilden Täler, in denen Wasser¬ 
rinnen nach der Rheinebene vorstürmen. Jäh stürzen vom 
Kamme die Talwände ab, welche zu unseren Füßen die Täler 
nach Frankreich zu verriegeln. Wie ungeheure Boxen be¬ 
gleiten den Kamm die kesselartigen Ursprünge der Täler, die 
wir hier als Riesenschluchten ansprechen dürfen. Und überall, 
allüberall Täler und Hänge „mit Hütten in den Armen, mit 
Herden an der Brust"! Nach der anderen Seite, der West¬ 
seite hin, wo Welschland beginnt, ist alles gemildert, ver¬ 
hältnismäßig sich langsam abdachende Hänge, abgerundete 
Kuppen und langgestreckte Gebirgswellen, soweit das Auge 
reicht; man könnte meinen, die zu Gestein erstarrten Riesen- 


Aber nun auf nach Süden! Wir wollen ja nach den 
Hochvogesen! Das Schluchthotel ist hinter den Bäumen 
verschwunden. Wie vorhin auf unserer Streife nach Norden, 
folgen wir auch jetzt der Grenze und werfen Blicke in die 
Boxen, die Kesselgründe, die uns zur Linken begleiten; immer 
wilder und zerrissener werden sie. Die steilen Felsenhänge 
lassen uns da oben ahnen, was die in der Ferne glitzernden 
Wasser der Gebirgsbäche hier zu unsern Füßen, vor unseren 
neugierigen Blicken gedeckt durch dichtes Nadelgeäst und 
Laubdach, mit Felsen und Gestein zu kämpfen gehabt haben 
müssen, wie sie nur um den Preis gewagter Sprünge und 
tosender Fälle den ruhigen, sichern Lauf im fernen Tal er¬ 
kauft haben. Das Gelände steigt, bald sind wir über der 
Baumgrenze: grüne Matten mit weidenden Rindern und Kuh¬ 
glockenklängen, dazu einsame Sennerwohnungen. Noch ein 
kurzer Anstieg auf weichem Rasen, und wir stehen T36T Meter 
hoch auf dem Hohneck. Der Grenzkamm wird .nun etwas 
niedriger, aber vorerst sinken seine Gipfel noch nicht unter 
1300 Meter. Auf einem vom Hohneck sich lösenden und 
gegen die Rheinebene strebenden Bergrücken gehen wir eine 




234 M 


DEUTSCHLAND Nr. 5 


Strecke weiter, lassen uns aber dann auf einem Zickzack¬ 
pfade an der steilen Wand eines Kesselgfrundes südlich des 
Hohneck hinunter in die Tiefe. Schon sind wir wieder in dem 
Geäst der Bäume untergeg-angen. Häuser, ein Damm und 
dahinter die spiegelglatte Fläche des Schießrothried-Weihers 
lichten auf dem Grunde des Kessels die Bäume. Wir steigen 
noch tiefer in den Grund, wieder eine Lichtung mit Hütte 
und kleinem Weiher, dem „Fischbödle". Steil türmen sich 
hier über uns die Hänge des Grenzkamms auf, und drohend 
treibt er gegen uns einen Keil vor, der Schießrothried und 
Fischbödle von einander trennt, wir haben die „Spitzköpfe" 
vor uns. Wer sich zur Besteigung des Matterhorns oder des 
Mont Blanc trainieren will, findet hier Gelegenheit dazu, er 
kann da alles üben, selbst den kunstgerechten Absturz. 

Wir haben den Grenzkamm verlassen und lassen es nun 
dabei. Die uns umgebende Gebirgslandschaft ist so herrlich, 
daß wir dem Tale folgen wollen, das sich uns nach Südosten 
öffnet. Es wird breiter; aber wild genug ist es noch immer, 
lieber Fels und Gestein muß der Bach fallen und springen, 
der uns geräuschvoll den Weg weist. Ein zweites, noch 
breiteres Tal streicht quer an dem vorbei, aus dem wir nun 
herauskommen. Wir wenden uns nach links und betreten das 
Tal, das nordostwärts nach Münster streicht. Es ist eins der 
Täler, in die das große Tal bei Münster auseinanderklafft. 
Wir gelangen nach dem reizend gelegenen Metzeral. 

Ein von Süden kommendes, schmales,, von Bergwänden, 
die bald steil abfallen, umrändertes Tal nimmt uns auf. 
Hinter Sondernach sagen wir der Straße Lebewohl und klettern 
an der östlichen Talwand unter dem Laubdach der Bäume 
nach dem Oberlauchensattel (1210 Meter) hinauf. Wieder 
um fast 200 Meter abgestiegen, und wir stehen am Kessel 
des Ursprungs des Lauchtales, angefüllt vom Stauweiher 
Lauchensee. Wieder bergauf hastend, erreichen wir den von 
Straßburger Pionieren hergestellten Pionierweg und auf ihm 
bald unweit des Heidelbeerkopfes (1237 Meter) den Kamm 
eines Gebirgsrückens, nennen wir ihn Belchen-Massiv, der 
sich südlich des Hohnecks beim Rainkopf vom Grenzkomm 
losgelöst hat und in weitem, nach Nordosten geöffneten 
Bogen mit seinem stattlichen Südost-Ende, dem Großen 
Belchen, gegen die Rheinebene vorspringt. Wir werfen einen 
Blick in das dem Bogen unseres Kammes folgenden St. Ama- 
rintale, übersäet mit weißen und roten Punkten, den zahl¬ 
reichen Weilern, Dörfern, Flecken, Fabrikanlagen und Städtchen 
des Tales. Jenseits zieht unentwegt nach Süden der Grenz¬ 
kamm seine steile, in den Wipfeln 1000 bis 1200 Meter hohe 
Mauer her. Zwei weiße Bänder, dünn wie ein Faden, sehen 
wir aus dem Tale sich hinaufschlängeln, die Straßen über 
den Col de Ventron (889 Meter) und Col de Bussong, die 
nach dem Departement des Vosges hinüberführen. 

Der Abfall des Belchen-Massivs, der den Bogen, auf den 
wir schreiten, nach Norden und Nordosten ausfüllt, ist von 
Tälern und Tälchen zerschnitten und durchzogen. Das be¬ 
deutendste ist dos der Lauch, dessen Anfang wir vor nicht 
langer Zeit beim Stauweiher Lauchensee gekreuzt haben. 
Wir sind schon eine ganze Weile wieder über der Baum¬ 


grenze und wandern über kahle Heideflächen, aus denen oft 
genug der nackte Fels zutage tritt. Es steigt immer mehr 
an, und endlich haben wir den höchsten Punkt des Reichs¬ 
landes, den Großen Belchen (1426 Meter), unter unsere Füße 
gebracht. Die Gebirgslandschaft, die uns auf allen Seiten 
umgibt, ist wahrhaftig der Anstrengungen wert, die uns auf 
unserer Wanderung so manchen Schweißtropfen auspreßten. 
Nach Norden, jenseits des Lauchtales, erhebt ein anderer Berg¬ 
riese sein unbewaldetes Haupt, der Kahle Wasen (1268 Meter). 
Auch er lädt jeden Winter seine Schiläufer zu Gaste. West¬ 
lich und südlich umgeben uns der Grenzkamm und das sich 
von ihm ablösende und dem Eisasse zustrebende gewaltige 
Massiv, das sich uns mit dem Roßberg (1191 Meter) trotzig 
entgegenwirft, von uns aber getrennt durch den unteren Teil 
des St. Amarintales, in dem die Sammelrinne der Gebirgs- 
wasser, die Thur, an Thann mit seinem Münster und seinem 
Rangenwein vorbei gegen die Rheinebene dahineilt. Stunden- 
und tagelang kann man sich auf der Höhe aufhalten, und 
immer wieder wird man neue Schönheiten entdecken. Obdach, 
Speise und Trank oder, wer es vorzieht, dejeuners und diners 
spenden die liebenswürdigen Wirte des Belchenhotels. Der 
Große Belchen ist ein alter Bursche, ober ein gar freundlicher 
Geselle; wer einmal mit ihm zusammen gewesen, wird gerne 
wiederkommen und ihn noch öfters besuchen. 

Rasch steigen wir nun zu Tal, so rasch, daß wir beinahe 
in den unterhalb des Kopfes eingebetteten tiefen Belchensee 
gefallen wären. Die Rheinebene ist nicht weit von der Belchen¬ 
spitze, das Belchenmassiv erhebt sich am Rande der Ebene. 
Bekanntlich bildet der Ostrand der Vogesen die Bruchlinie, 
längs der die Gesteinsmassen, welche vor hunderttausenden 
von Jahren Vogesen und Schwarzwald zu einem Massive, 
einem „Horste", vereinigten, in die Tiefe sanken und von dem 
Alluvium der Rheinebene begraben wurden. 

Aber bevor wir die Ebene erreichen, umfängt uns noch 
einmal die Romantik des Mittelalters. Die alte Kirche der 
Abtei Murbach taucht auf, und wir gehen nicht vorüber, ohne 
an den schönen Linien der alten, prächtigen romanischen 
Kirche, von der die beiden Türme, das Querhaus und Chor 
noch erholten sind, unser Auge erfreut zu haben. 

Es dauert nicht mehr lange, und wir gehen in den Straßen 
und der Häusermasse von Gebweiler unter. Wir betrachten 
St. Leodegar- und Liebfrauenkirche und stehen bald an den 
parallelen, schnurgeraden Eisenstreifen, die uns nach der 
Ebene entführen und in den Schatten des St. Martinsturmes 
zurückbringen wollen. 

Unsere Rundfahrt ist zu Ende, und hochbefriedigt von 
den herrlichen, wechselvollen Bildern, die wir geschaut, von 
den geschichtlichen Erinnerungen, denen wir gelauscht, be¬ 
geben wir uns wieder, erfrischt und neugestärkt, an unser 
gewohntes Tagewerk, dos noch lange die segensreichen Folgen 
unserer Wanderung verspüren wird. Colmar und die Hoch¬ 
vogesen muß jeder gesehen und durchwandert haben, der 
über Elsässer Eigenart, über die reiche Elsässer Geschichte, 
über die landschaftlichen Schönheiten des Elsässer Landes 
sprechen und urteilen will. 


Wesserling und das St. Amarintal. 

Von E. Eckert. 


Die BahnMülhausen—Wesserling führt den Wanderer 
in das großartigste der Vogesentäler. Vom Bahnhof 
Wesserling aus sehen wir einen breiten Talkessel, aus 
dem mehrere Hügel hervorragen. Der schönste der¬ 
selben heißt Wesserling. Er wird als eine Moräne 
des umfangreichen Thurgletschers angesehen. Als die 
Gletschermassen immer mehr auftauten und der ewige 


Schnee langsam zurückwich, erzwangen sich die brausen¬ 
den Fluten um den Wässerling einen Abfluß, und ein 
umfangreiches Wald- und Wiesengebiet trat an Stelle 
des Sees. Hier pirschten die adeligen Mönche von 
Murbach, die das ganze Tal seit dem Mittelalter be¬ 
herrschten. Auf dem Moränenhügel erbaute Eberhard 
von Löwenstein, Fürstabt von Murbach, im Jahre 1637 


Nr. 5 


DEUTSCHLAND 235 


das Jagdschloß Wesserling. Heute treffen wir auf dem 
Querhügel, der die Scheidewand zwischen Ober- und 
Untertal bildet, von einem prächtigen Parke umgebene 
Schloßbauten, die Wohnungen der Fabrikherren. In der 
Tiefe längs der Thur ziehen sich die Fabrikgebäude des 
Welthauses Gros Roman & Cie. hin. Eins davon, ein 
hohes Gebäude mit niederen Fenstern, trägt eine Tafel 
mit der stolzen Inschrift: 

„Erste mechanische Spin¬ 
nerei des Elsaß'' 1802. 

Geologisch besteht 
das Gebiet aus sedimen¬ 
tärem Gestein des Kulm 
(erste Steinkohlenperiode), 
das von ausgedehnten Gra¬ 
nitmassen durchsetzt ist. 

Interessante Mineralien 
und Erze finden sich am 
Talhorn bei Felleringen, 
außerdem bei Moosch, 

St. Amarin und Mollau. 

— Auch der Natur¬ 
freund findet hier die schönsten und mannigfaltigsten 
Ueberreste aus der Eiszeit, wie man dieselben so 
schön beisammen wohl nirgends in deutschen Mittel¬ 
gebirgen trifft. Gewaltige Moränen, mächtige, weit her¬ 
gebrachte eratische Blöcke, abgeschliffene Felsen und 
unzählige geritzte Steine zeugen davon, daß das Tal 
eine lange Gletscherzeit hinter sich hat. 

Höchst lohnend ist das Tal für den Botaniker, der 
hier viele sonst sehr seltene Pflanzen häufig findet, 
worunter auch Vertreter der Hochgebirgsflora. Auf den 
kahlen Kuppen, die aus den bewaldeten Höhen hervor¬ 
ragen, liegen Sennhütten. In manchen ist Wirtschafts¬ 
betrieb; aber auch in den andern erhält man Milch, 
Molken, Butter und Käse. Eine großartig eingerichtete 
Sennerei ist der Beiacker, wo sechs Betten den Touristen 
zur Verfügung stehen. 

Ende Oktober verläßt das 
Weidevieh die Trift. Die 
Hütten stehen aber auch 
im Winter nicht verlassen. 

Sie alle sind gemietet von 
den verschiedenen Schi¬ 
klubs, deren Mitglieder im 
Sonnenschein auf den 
schneereichen Bergrücken 
herumgleiten. 

In allen Orten des 
Tales finden Erholungs¬ 
bedürftige Aufnahme. Wer 
zur Kur längeren Auf¬ 
enthalt nimmt, findet Rat 
bei drei Aerzten, Wesser¬ 
ling (2), St. Amarin (1) und Heilmittel in zwei 
Apotheken (Wesserling und St. Amarin). 

a) Wesserling als Ausgangspunkt zahlreicher 
Exkursionen. 

Drei große, modern eingerichtete Gasthöfe in un¬ 
mittelbarer Nähe des Bahnhofes (Wiek, Bentz und 
Pfadt). Ihnen gegenüber die Parkanlage Dengelberg mit 


lauschigen Plätzchen und Ruhebänken und zahlreichen 
Aussichtspunkten (Felsen Malakoff, Blick ins Obertal). 
Pfad rechts Ausblick ins Untertal (um St. Amarin die 
Orte Ranspach, Mitzach, Malmerspach und Moosch). 
Vom oberen Waldsaum nicht selten Alpenaussicht. 

Ein anderer Aussichtspunkt ist der Bloßen (Hüsel- 
berg, 726 Meter, der Rigi des Tales), ein in der Mitte 

des Tales aufsteigender 
Bergkegel. Zahlreiche er¬ 
hebende Ausblicke. Auf 
dem Gipfel großartige 
Rundsicht. 

Andere lohnende Aus¬ 
flüge sind : Brandkopf 

(Waldpromenade), Bann¬ 
wehr, durch Ranspach zum 
Wasserfall Brüscher, durch 
die Störenburgallee nach 
Mitzach und St. Amarin, 
durch Felleringen nach 
dem Wallfahrtsorte Odern 
oder zum Schliffeis, mit 
Fuhrwerk um den Bloßen (7 Kilometer, Fahrstraße). 
Alles Spaziergänge, die in 1 bis 2 Stunden zurück¬ 
gelegt werden können; beträgt doch die Entfernung 
eines Dorfes vom andern nur 10 bis 15 Minuten. Und 
von all diesen Ortschaften will eine schöner sein als 
die andere. — Diese Kleintouren sind beliebte Reise¬ 
ziele für „Feinschmecker", für ältere Leute, für Damen, 
für Spätherbstausflüge. 

Tagestouren von Wesserling aus. 

1. Treh, 1140 Meter, 2 Stunden; Kammwanderung zum 
Hahnen-Brunnen 1 Stunde; Krüt 2 V 2 Stunden = 
5 V 2 Stunden. 

2. Treh—Steinlebach (Sennhütte); Lauchenweier (Hotel), 
Markstein (S.-H.), Brüscher (Wasserfall), Ranspach 
(Prosper Müller und Benck, am Bahnübergang^ 

Wirtschaften), 6 Stunden. 

3. Felleringen,Schliffeis, 
Lochberg (1010 Meter), 
Drumont (1208 Meter), 
Tunnel an der Grenze 
(Moselquelle, Grenzwirt¬ 
schaft Mura)Urbis, Wesser¬ 
ling, 6 Stunden. 

4. Felleringerkopf (1226 
Meter), Straessel (Senn- 
Hütte), Jungfrauen - Fels, 
Farm Grünenwald, Sankt 
Nikolaus-Wasserfälle (sehr 
lohnend), Krüt, 6 Stunden. 

5. Urbis, Brückenbach, 
Teufels -* Küche (Höhle) 
Erzählung darüber vom, 

Schriftsteller Robischung, Neuwald, Neuwaldskopf 
(1232 Meter), Sechenat-Tunnel, Urbis (Restaurationen 
Stierlen und Wassner), Wesserling zurück, 6 Stunden. 

6. Mollau — Ruchberg, Beiacker, Mitzach (zwei saubere 
Wirtschaften) Wesserling, 6 Stunden. 

7. Mitzach, Beiacker (Rasthaus, 6 Betten, saubere Wirt¬ 
schaft, Molkerei), Vogelstein, Gsang (S.-H.), Roßberg 
(1195 Meter), Beiacker, St. Amarin, 7 Stunden. 



Krüt mit Ruine Wildensiein (Ober-Llsaß) 



Urbis: Grenzort mit Siraße nach der Moseiquelle 





236 DEUTSCHLAND Nr. 5 


8 . lieber Mollau oder Urbis nach Storkensauen, Grün¬ 
wasen, Sternsee (Q40 Meter), Rotwasen (1099 Meter), 
Urbis—Wesserling, 6 Stunden. 

9. Sternsee, Rimbachkopf, Ruchberg, Mollau, Wesserling, 
6 V 2 Stunden. Höchst lohnend. (Sternsee neue Schutz¬ 
hütte.) 

10. Ranspach, Mordfeld (S.-H.), Hag (S.-H.), Großer 
Belchen (1426 Meter, großes Hotel, Orientierungs¬ 
tafel). Abstieg nach Goldbach—Weiler, 7‘/o Stunden 
oder Geishausen—St. Amarin, 7 Stunden. 

Diese Ausflüge werden auch unternommen von den 
Wanderern, die in den Nachbarorten ihre Standquartiere 
aufgeschlagen haben, z. B. Felleringen mit seinem 
schlanken Kirchturm und sauberen Häusern; Odern 
(besuchter Wallfahrtsort, Nikolauswasserfalle); Urbis 
(Grenzort, Tunnel, Moselquelle); Mineralbad Bussang 
2 V 2 Stunden. Postverbindung 
mit Bussang und Wesserling 
(Postführer Kennel). 

b) St. Amarin 
und seine Ausflüge. 

St. Amarin, Kantonsstadt, 

Amtsgericht. Die Gründung 
der Stadt reicht in die Mero¬ 
wingerzeit zurück. Webereien 
Gros Roman von Wesserling; 

Enveloppenfabrik Vuillard; 

Seifenfabrik Schick-Herrgott; 

Zigarrenfabrik Lindner; Hotel 
Schüller, neu eingerichtet, 
neuer Besitzer; Hotel zum 
grünen Baum, Zusammen¬ 
kunft der Vogesenfreunde. 

Von St. Amarin aus ist 
der beste Aufstieg nach dem 
Großen Belchen. Sanfte Stei¬ 
gungen durch den Herren¬ 
wald zum Sattel von Geis¬ 
hausen. Alsdann zur Hager- 
Hütte zwischen Storkenkopf 
und dem Belchen. Aussicht 
auf Belchensee und Lauchen- 
weiher. Von dort in 30 Min, zum Hotel Belchen (Tel. im 
Hause). Sonnenaufgang, erhabenes Schauspiel. Wunder¬ 
bare Fernsicht. Alpen tauchen in ihrer ganzen Breite auf. 

Von St. Amarin lassen sich auch die Tagestouren, 
die bei Wesserling angegeben sind, ausführen. Eine 
beliebte Tour ist auch der Aufstieg zum Beiacker und 
Roßberg. Anfangs etwas steil, später sanft ansteigende 
Waldpromenaden. Eine Tour von St. Amarin aus ist die 
über Beiacker, Rimbachkopf, Sternsee, Bers zum Welschen 
Belchen (Orientierungstafel), zurück über Giromagny und 
Beifort, 2 Tage. Wer die Tour in einem Tage zurück¬ 
legen will, steigt vom Welschen Belchen zum Stauweiher 
Alfeld hinab und benutzt von Sewen aus die Bahn über 
Masmünster, Sennheim. (Anstrengend in einem Tag). 

c) Das Dorf Krüt und seine Umgebung. 

Von A. Litschgy, Krüt. 

Krüt (früher Gereuth, Gerit, Grit, Gritt, Krüth, seit 
1891 Krüt) ist durch die Verlängerung der Bahn 


Mülhausen—Wesserling bis Krüt einer der wichtigsten 
Ausgangspunkte für die verschiedensten Touren ins 
Herz der Hochvogesen geworden. Im Jahre 1342 ent¬ 
standen und in seiner Entwicklung eng verknüpft mit 
den Ortschaften Odern und Felleringen, erfreut sich 
das Dorf einer pittoresken Lage am Fuße des Schlo߬ 
berges Wildenstein. Ein weitverzweigtes Wegenetz 
führt nach allen Richtungen, und eine ganze Reihe 
kleinerer, mittlerer und größerer Wanderungen, zumeist 
durch herrliche Hochwälder, vorbei an rauschenden 
Wasserfällen, sind von hier aus leicht auszuführen. — 
Dem Besucher fällt schon beim Verlassen des Bahn¬ 
hofes ein steiler, urplötzlich aus der Talsohle sich 
erhebender mächtiger Bergkegel auf, der ihn zu einem 
Besuche förmlich zwingt. Es ist der Schloßberg mit 
seinen schroffen Felswänden. Wer ihn nach einstündiger 


Wanderung erklommen hat, den lohnt eine entzückende 
Aussicht über das ganze obere St. Amarintal mit seiner 
wildromantischen Umgebung. Das Schloß wurde am 
7. April 1644 von den Schweden gesprengt. Zwei 
Tunnels und einige Mauerreste sind stumme Zeugen 
jener sturmbewegten Zeit. Unweit vom Schloßberg tobt 
der Bocklochwasserfall, bekannt durch die Sage vom 
schwarzen Hirsch. — Weniger wuchtig, aber ausge¬ 
zeichnet durch die einzigartige Umgebung sind die 
vielgerühmten Nikolaus-Wasserfälle in fast unmittel¬ 
barer Nähe des Dorfes. Zu den kleineren Ausflügen 
zählen wir dann noch die Wanderungen nach der 
Ferme Werschmatt (Wirtschaft), nach dem lauschigen 
Plätzchen „Emils Ruhe'' mit wundervoller Aussicht 
auf Ebene, Schwarzwald und Alpen, nach der Grenze 
am Winterungsattel, ein Rundgang vom Runsche- 
tälchen nach dem Uhufelsen bei Odern, über den 
Sauwasen nach der Sennerei Schaffert und nach 
dem Dörfchen Wildenstein, 



Steinsee mit Seehorn, 1220 m (französische Grenze) 















Nr. 5 


m DEUTSCHLAND 237 


Mittlere und bequeme Tagestouren gibt es eine gar 
stattliche Reihe und lassen sich überall hochinteressante 
Rundtouren zusammensetzen. Wir nennen: 

1. Krüt—Col de Ventron—Felleringer Kopf (1222 Meter) 
—Drumont (1200 Meter, Orientierungstafel, große 
Gastwirtschaft) und hinunter nach Bussang oder 
Felleringen oder Urbis und Wesserling; 

2. Krüt — Col de Ventron — Felsach (1200 Meter) — 
Wintergees — Kleine Winterung — Große Winterung 
(1209 Meter, treffliche Sennerei und neue, gut 
geleitete Gastwirtschaft), Bocklochkopf und ab nach 
Wildenstein oder Krül; 

3. Krüt—Wildenstein — Col de Bramont — Lac des Cor- 
beaux (Frankreich) —La Bresse — Cornimont—Ventron 
—Krüt; 

4. Krüt—Treh (1270 Meter)—Lauchensee und zurück 
über Markstein nach Wesserling; 

5. Krüt — Treh — Hahnenbrunnen — Schweißei — Schaffert 
—Krüt. 

Eine der lohnendsten Touren hier und in den 
Vogesen überhaupt ist folgende: Vom Bahnhof bis in 
die Mitte des Dorfes; beim Kruzifix rechts in die Kreuz¬ 
gasse über den Außenort Sauwasen auf prachtvollem 
Weg durch den Wingwald, den schönsten Hochwald 
der Südvogesen, dessen Prachtstämme von Tannen den 
Reichtum der Gemeinde Krüt repräsentieren. Nach 
IV 2 Stunden Sennerei Schaffert. Schöner Blick auf die 
ganze Roßbergkette. Bald wieder durch Hochwald, 
vorbei an der Sennerei Hüs nach dem Batteriekopf. 
Großartige Aussicht über das Münstertal, auf Hohneck, 


Schlucht, Drei-Aehren, Hohlandsburg, auf Rheinebene, 
Schwarzwald, Jura und Alpen. Auf diesem Berge 
(1310 Meter) hatte die Besatzung der Burg Wildenstein 
im Jahre 1641 eine Festung angelegt, um den Uebergang 
nach dem Münstertal (Herrenbergsattel) zu bewachen. 
Vom Batteriekopf nach dem zugespitzten Rotenbachkopf 
(1315 Meter), ebenfalls mit herrlicher Aussicht, und dann 
nach dem massigen Rainkopf (1300 Meter), an dessen 
Abhang die neuerbaute Rotenbachhütte zu finden ist. 
(Von hier in 2 Stunden nach der Schlucht.) In der 
Nähe die Thurquelle. Jetzt abwärts nach Wildenstein 
(Hotel Alberoni.) 

Wildenstein, das letzte Dorf im St. Amarintal, liegt 
600 Meter über dem Meere und ist erst 1699 entstanden. 
Etliche Glasbläser aus dem obern Sundgau und aus der 
Schweiz legten hinter dem Schloßberg eine Glashütte 
an. Bis zur großen Revolution war Wildenstein eine 
Annexe von Krüt. Das Dorf ist zu längerem Aufenthalt 
ebenfalls gut geeignet. In der Nähe der hübsche Heiden¬ 
badwasserfall mit interessanter Gletschermühle, daneben 
zwei kleine Stauweiher mit lieblichem Hintergrund. 
Ausflüge nach Rotenbachkopf, Hohneck, Schlucht, nach 
der Schluchtbahn und mit dieser nach Gerardmer, an 
den Seesattel, an den Lac de Blanchemer usw. Die 
bedeutendsten Zugänge nach Krüt und Wildenstein 
außer der Bahn sind folgende: Vom Münstertal über 
den Herrenbergsattel oder über den Schweißeiwasen, 
vom Hohneck über den Rainkopf, vom Gebweilertal 
über Markstein oder Treh, von Frankreich über den 
Col de Bramont und den Col de Ventron. 


- Weißenburg* im Elsaß. = 

Von Ober-Postsekretär Hermann Wünn, Weißenburg-. 


Die Kreis- und Kantonstadt Weißenburg, die nörd¬ 
lichste Stadt des Elsaß, in prächtiger Lage am Fuße 
des uralten, Sagenreichen Wasgenwaldes gebettet, besitzt 
in Uebereinstimmung mit den Orten der angrenzenden 
Rheinpfalz ein hervorragend günstiges Klima. Den 
Gebirgsrand säumen Wälder aus Edelkastanien, alle 
Süd- und Osthänge decken Reben, die Felder tragen 
Hopfen und in den Gärten reifen Pfirsiche und Aprikosen, 
Mandeln und Feigen. 

Man begreift es, daß die frommen Männer des 
heiligen Benediktus an diesem schönen Fleckchen Erde 
nicht so ohne weiteres vorübergeeilt sind. Das an dieser 
Stätte erbaute Kloster, welches mit Fulda, Prüm und 
Reichenau und später mit Fulda, Hersfeld und Lorsch 
zu den sogenannten kaiserlichen Reichsabteien zählte, 
war dank seiner zahlreichen Gönner, unter denen Pipin, 
Karl der Dicke und Otto II. an erster Stelle genannt zu 
werden verdienen, zweifellos eins der mächtigsten in 
deutschen Landen. Aber auch die Ansiedelung, die 
unter dem Schutz ihrer Mauern entstand, wuchs all¬ 
mählich kräftig heran, um in der Folge zu einer geach¬ 
teten freien Reichsstadt emporzurücken. Zum Verhängnis 
gereichte es der Niederlassung, daß sie im Grenzgebiete 
zweier mächtiger, sich häufig befehdender Reiche lag. 
Kampf und Kriegesnot starren uns denn auch auf jedem 
Blatte der Chronik von Stift und Stadt entgegen, von 
der Urzeit herauf bis ins abgelaufene Jahrhundert hinein. 


Es sei erinnert an die furchtbare Verwüstung der Abtei 
durch den Herzog Otto von Franken im Jahre 985, an 
die große Feuersbrunst des Jahres 1004, es sei erinnert 
an die 71 tägige Belagerung im „Weißenburger Krieg" 
im Jahre 1469,70, an die Belagerung und Einnahme 
der Stadt im Bauernkrieg Anno 1525, an die vorüber¬ 
gehende Besetzung durch König Heinrich II. von Frank¬ 
reich im Jahre 1552; es sei hingewiesen auf die sieben¬ 
malige Eroberung oder Besetzung der Stadt durch die 
Mansfelder, Kaiserlichen, Schweden, Franzosen und 
Weimarischen im 30jährigen Kriege, auf die Besitz¬ 
ergreifung durch Ludwig XIV. im Jahre 1673, auf die 
Plünderung und Brandschatzung durch den Oberst 
Labrosse im Jahre 1677 und auf die Besetzung durch 
Marlborough im Jahre 1704. Wir sind längst noch nicht 
fertig mit der Aufzählung historischer Geschehnisse, die 
jetzt schon ermüdend wirkt. Wir wollen auch gedenken 
des Sieges des Marschalls Villars über die Reichsarmee 
bei Weißenburg im Jahre 1705, ferner der Einnahme der 
der Stadt durch die Ungarn und der Niedermetzelung der 
letzteren in Weißenburg durch die Franzosen im Jahre 
1744; dann wollen wir uns erinnern der Erstürmung der 
Stadt durch die Oesterreicher unter Wurmser sowie der 
Besiegung und Vertreibung der Oesterreicher durch den 
republikanischen General Hoche im Jahre 1793, und 
schließlich wollen wir uns ins Gedächtnis rufen das Wüten 
der bilderstürmenden Revolutionsmänner in Weißenburg 



238 DEUTSCHLAND m 


Nr. 5 





im Jahre 17Q4 und den Sieg 
der verbrüderten Preußen und 
Bayern über die Franzosen 
im Jahre 1870. Elend und 
Not, Plünderung und Brand¬ 
schatzung, Tod und Verder¬ 
ben grinsen uns aus diesen 
trockenen Daten entgegen. 

Wieviel Orte gibt es, von 
denen Heimsuchungen und 
Wechselfälle in ähnlicher 
Fülle berichtet werden?! 

Unter dem Eindruck und 
unter der Wucht dieser 
Erinnerungen schreiten wir 
durch das kleine Städtchen, 
durch dasWeißenburg unserer 
Tage hindurch. Was kann 
noch übriggeblieben sein aus 
früherer, schicksalsschwerer 
Zeit? Aber wir sind über¬ 
rascht, in bestem Sinne über¬ 
rascht! Der Nachlaß an 
interessanten Bauwerken ist 
größer, weit größer, als sich 
erwarten ließ. Aus dem 
15. Jahrhundert allein haben 
sich noch 8, aus dem 16. Jahr¬ 
hundert gar 22 und aus dem 
17. Jahrhundert weitere 22 
Profanbauten ins 20. Jahr¬ 
hundert hinübergerettet, nicht 
alle prunkvoll zwar, aber doch wohlgeeignet, unser Inter¬ 
esse zu beanspruchen und die Erinnerung an längst 
verklungene Zeiten wachzuhalten. Da ist zunächst das 


Weißenburg im Elsaß: Denkmal der 111. Armee 

(Verlag" R. Ackermann, Weifzenburg i. H.) 


vom Alter geschwärzte „Salz¬ 
haus" aus dem Jahre 1448 mit 
seinem übermächtigen Dach¬ 
stuhle, da ist ferner das Haus 
Holzapfel, das wie ein Goliath 
über seine Umgebung hinaus¬ 
ragt, erbaut im Jahre 1475 
und noch heutigen Tages 
geschmückt mit dem alten 
deutschen Doppeladler und 
der weißen Burg im roten 
Felde, dem redenden Wappen 
der Stadt. Da sind die 
Häuser Dietenbeck und Schön 
in der Wollengasse und das 
Westercamp-Museum in der 
Johannisgasse mit reichen 
Holzschnitzereien aus den 
Jahren 15Q8 und 1599, das 
Haus Schneider am Bruch¬ 
staden mit einem inter¬ 
essanten Erker aus Sandstein 
aus dem Jahre 1550. Ferner 
stoßen wir da auf das Haus 
Vogelsberger am Anselmann- 
staden, das noch den Namen 
seines Erbauers trägt, des 
Landsknechtsführers Sebast. 
Vogelsberger, den Kaiser 
Karl V. aufheben und ent¬ 
haupten ließ, weil er dem 
König Heinrich 11. von Frank¬ 
reich — entgegen dem kaiserlichen Verbot — gegen 
klingenden Lohn zehn Fähnlein deutscher Landsknechte 
zugeführt hatte. Da tritt uns auch das ehemalige Palais des 


Weißenburg im Elsaß: Französisches Denkmal 
(Verlag R. Ackermann, Weifzenburg i. E.) 


Polen-Königs Sta¬ 
nislaus Lesezynski 
in der Stanislaus¬ 
straße entgegen, 
die Zufluchtsstätte 
des Flüchtlings 
aus dem Osten, 
des nachmaligen 
Schwieger - Vaters 
Ludwig XV. 

Und nun erst 
die Werke kirch¬ 
licher Bau-Kunst! 
Vor allem die ur¬ 
alte Stiftskirche mit 
dem romanischen 
Wehrturm aus dem 
Jahre 1074 und dem 
neuen, imposanten, 
achteckigen Turm, 
dessen Helm ein 
ringsum laufender, 
kronenartiger Reif, 
das Wahrzeichen 
der Stadt, als archi¬ 
tektonisches Zier¬ 
werk umschließt. 


Weißenburg im Elsaß: Bayern-Denkmal 
(Verlag R. Ackermann, Weifzenburg i. E.) 




















Nr.S DEUTSCHLAND 25Ö 


Wir bewuiici^m dtß intöre^sörite Vorhai^ Jn einer 

Gotil^ Äüfgführt ist, die d« r a 1 te n frön zösischen ti ahestehty 
ywir bew^^ such den schönen Kreiagan^ irti Nordea. . 
in 4^m die Grabsteine der Aebte AiafsteJJung öden 
haben- Im Jnnen&n der Kirche ijiderCssiert uns der 
ma cht ige K roh! e üchtC e n V orgaftge r der Si a d t 

EU ihrem einstaalS'^'jlhirf b^Jkanpifn ^Kron- 

weiBenbürg*^ verholfcn Keberh Auch dfi^^ :?JchÖnen Gisjs- 
h^alereierv ons deni 14> Jahrhundert unt , 

denen Text imd Kfatere^n der ■ und des 

.^HeUsspiegels" ztn VciHage gedi^r^t hßbeßv imd ' lief 
ach f en swert, nicht v: rtd r» d er C> la s ge tu ä (de a u ü dettv 
t5, Jabrhytidert mit, den ß^dni^sen ihrer Stifter (HÖ7). 

Oanz verstccHt heg^ ^ hinten am Wah . die, 
e^hgelische Kirche Sh/JjpKdyri nut ihrem müchtigeiy 
altersgrauen Dache,., Der 
Kwn de^ Bau^s utvd der 
Tiim% stö ni m en 8 us der 
tömamschen Uebergang 
p^ti oda, d 1 e ü br igen Te 1 1 e 
aus dem 15. imd 16. Jahr¬ 
hundert Osterhl:5'J> hcff 

l^te hier' der eheinaHge 
DöminikanennÖhch Martin 
BuC^e der &p li tere Re fpr^ v i- 
hia tt) r, des ß 1 s□ ß,: h actt 
dem V QrbiId ; Luth e rs eine 
Rechtfertrgunigsschnri au; , ^ 
dift KirchdnpforteBin 
Sronje‘Medaillon Bu'cer^^ 

■ und eine Sandsteipbu^tCf^f 
Lufh schtn üc k eh dä.3 , 

Iti n e F e .' j ' ;• G öl te ö 14 ä^s-.' r- ’;, 

■;.ßn’t£Ückt ■; ■'Wirti;'., '■ ßfii 'S. 

; Fret-tnd, malerische ;' 

stad t-Szen e rie n se ln ^ wb n h ^ 

Lauter ieiulaagV 
wandelt. ßciÄ^jnde Bild- 
t'hen, Au^schmttej 

^yie ttven sie sonstwp selten 
findfitp uni da Vör 

'Ahgan. Ich dehke an den 
Diirchgdh^;vöh neuen 

Anlagerr , dth : 

Tüfe har höch der isrude r- 

■wähle' io,;y^o Si% und ’ im läj« 

Wasser die ahehrwürdfgen ' it 

Reste der Siadtrhöuer aus dem IS. .Jahrhundert durch- 
bfechedV iiih de-rikeTefner:.^in. den Ölh;k ■ Vbh der SchlnpL. 
b fiScke a üä n prd wä rts ö de r. u mg ekeh r t i s e hn a n n - 

Staden aus «iUdwarlSf auch denke i.ch an dtm 
A u 5 bi ick vö n d e r B r Cie ke am ß r u ders in de r it ti ns o vri e a r i 
die entzdckendtui d^äTlien längs dbt nltt^n Befestigungs- 
reste in der Nahe dCs Wasseriurtps 8m RUscher Tore; 

Wit ntfn 8i>er mich die f.tjenkmtder des 

Krieges auFsucheru • Sie vut aliön Dingen werden 
d Pfe md 1 1 hg i n t ercs^ie r en die Ge den ks f e i h e a u 1 d Cm 

ftji^dl ich c?ah egi^nden;: wohigepRog tCn GöUesacker ,tth d ' 
d t e rag eh den Bf r ht^e ru ng s zel c 1 t eh d a d i tB eh ,a u f dem 
Sch Ihchifeltiei ; Auf dem Erledt^ore ^ d esseit G tü her 
frönzöfiscKef. :S^ g^emäß m ebenso wirkuhgS'^; wie 
stimmcmgsvoÜef Eigenart äind von kostböteh, 


l kht^ii G lasp erlenif fä nzen^ finden mr mberi den za hl- 
reichen, Buf der ßuhestStle der 

Göfe neh; Xfin gf SBer Mb.h \i m epi au s $ te i n; ä g s den 
Ifoh^ükfecheh :;$iFe;ite^r.h^^ ?ib: Ebren worden ish 

biinte ihm tritt ans Im Schutze ernster !Zypfes,sen die 
ft: y h e$ tä t te uh Ifl Uck i Ith en Genie fa Is Ah e'l Do u ay «n tf 

gegehv- N dC K e i riig e Sc h f i t te w e it e r und w \t st e hep 
vö c^feRi sf hiieh t e n St &i nk re*x«,. d as ?ruh Oedtte 1 > i ü. 
geräbifpfiM^ Deutschen aurgenchlel würde. ; / , ’f 

,; ihm 0e i dem ah em als h e i'Ü u m,s t ri tt eüö h <, 

Art ihinefm Füße igew^ahreri wir, lipks vom 
im Felde einen verwitterten Obelisk. Der Pr^mdtingf 
der ihn Itir ein Stelhmal deKriegirirt;, nicht 
deriv dLLsieren Tode^, sondern dern iebeh erblühten Leben 
W'ar et geweiht. Das ■ Monuri'ienf schaut a^\f ein Vollem 

S 6 k ulü m £ urück u n d w' ü r d ;e 
—gegerr den WiUön der 
BLirgerschaCt, fntf Be- 
treiben eines übereifngen 
FucstendienerSp des fran^ 
iDsischen Präfekten in 
S tm fi buf g, h üf. Ef f 

inn^runj^ füP die Gebuft 
des -vfKmvip von. 

Hjeriog^ von ft eichst adt, 
Sohhies des allgewal- 
figeih ' K ’ (2Ü^.; M&fie' 

101 Th Wenn wir aid" 

der Vorhöhe öhf dkömü^^h 

^md^ beälchligeit Wir isüf 
i'T^t den etw^es pbsi|ifi gef 

legenen 

den fn ^n^c^inP; 


ke D p2 ei elmen di ^ SlM te n;;; 
hh w^jeh^h^d 

^ ösisehe GcsjchöU von 
■J^ern; 'des '.V-.: Korps, '■■.et::' • 
0 b e rt w y r d e, u n d w ö der 
frtuuö^sche .Schlacinenf: 
Jetter Oouay Erde ,^önk.. 

hd ft 0 S Ciha l h u s th 18 SS e n 
wif iUhs d 2fmtn er zeigen^ 

'k,.v„n d..r SrMujaflirückft. ' ■' ■»} welchem der gefabene 

■L tfi -■■•'■ ..Gen&mJ’QUlgCbahrt.., wurde; 

Die Wand des sc hJ ich len ftaiimeii" SchnVucM das wo KL 
bekannte Bdd An;h^n von AVerhers, das uns den er¬ 
greifenden Momeiü welchem der riftetiiehe 

Kronprinz Friednch WUhelnfvon Preußen, der Siegeryon 
We i ß e n b urg^ i n :: st ü mn^ er An dö c ht an d er Bäh re des 
Ge gn e r s weilt. Ah f d et Dreh P a p pelh ö h e. der h 4ch sl ep 
^ Er he bü n g des Gelsber g es, b em e i k en w Ir da 5 ith eh 1 . 

dynkrnat der Köpigsgrenödiöre {Nn 7), die am ödisbefgsd 
schwere V.ei luste eThffyn haben, Vdn dieser; Höhe aui 
leitete Doviny den hier aus übersefirntete^rv 

cli die K 1 1gel s pntrAeh d d sen ilo,s Vorgela nde mit 
verLlerhct^bringenviem Blei.. Xh;Kb^w'eiter 
zum Dynkmal der Itf:. Armee,; e^hien ^ hohen, kreuzt^ 
gesclunückten Sandsteinsaule/d^r 03 , Fuß Vier prsichtige 
ßronzelöw*en unvl ögern^-: EVztä fyin gh den Seiten de^ 









240 [D 


m DEUTSCHLAND Nr. 5 


Monuments, geschmückt mit den Brustbildern der An¬ 
führer, berichten uns von den schweren Verlusten des 
geeinten Heerbannes, der Preußen und Bayern. Ganz 
in der Nähe leuchten die Häuser des mauerumgürteten 
Geisberg-Schlößchens auf, um dessen Besitz sich 1870 
ein erbitterter Kampf entspann. Zahlreiche, noch heute 
sichtbare Kugelspuren am Hause, rechts vom Eingangs¬ 
tore, reden eine gar ernste, eindringliche Sprache. Am 
Nordabhange des Geisberges stoßen wir auf das fran¬ 
zösische Denkmal. Es besteht aus einem mit mili¬ 
tärischen Ausrüstungsstücken reichlich geschmückten 
Obelisk aus weißem Vogesensandstein. Ein Genius aus 
Bronze mit zwei vergoldeten Lorbeerkränzen schwebt 
voran. Auf der Spitze des Monuments reckt sich der 
gallische Hahn, der sich krähend ostwärts wendet. Nun 
geht es hinab nach dem alten Concordia, dem Stand¬ 
lager der Römer, nach Altenstadt. Wir nehmen auf 
dem Kirchhofe daselbst mehrere Einzelgräber und ein 
Massengrab in Augenschein. Das Innere der uralten 
Dorfkirche schmückt ein Geschenk Napoleons III., die 
Kopie eines Marienbildes des berühmten spanischen 
Malers Murillo. In der historischen Pappelallee, die 
uns nach Weißenburg zurückführt, nehmen wir zwei 
Monumente wahr, beide den Gefallenen des Infanterie- 
Regiments Nr. 58 gewidmet, das hier in heißem Kampfe 
gegen die algerischen Schützen, die Turkos, beträcht¬ 
liche Verluste zu verzeichnen hatte. Die schwarzen 
Afrikaner hatten hinter der Mauer, die hier ein 
größeres Grundstück umfaßt — jetzt Turkomauer ge¬ 
nannt — Deckung gesucht, dabei aber ebenfalls in 
großer Zahl ihren Tod gefunden. Und wenn wir dann 
nach Weißenburg zurückgelangt sind, mögen wir noch 
vom malerischen Turm an der Schütt (Pulverturm) aus 


in die Weinberge eindringen, um auch das Bayern¬ 
denkmal zu besichtigen. Ganz im Rebengelände liegt 
es versteckt, eine schlichte Säule, gekrönt mit dem 
aufgerichteten bayerischen Löwen, der den Wecken¬ 
schild in der Pranke hält. 

Wie lieblich liegt doch jetzt das Städtchen, das 
längst entfestigte, da unten zu unseren Füßen! Ein 
dauerhafter Frieden hat die Wunden einer schicksals¬ 
schweren, wechselreichen Vorzeit geheilt. Ueber das 
Gelände am Geisberg, das so überreichlich mit Blut 
gedüngt wurde, zieht lachenden Auges und voll froher 
Zuversicht der Landmann seine Furchen. Ernst und 
nachdenklich wird er wohl dann einmal, wenn seine 
Pflugschar ein kleines Hindernis herauswirft, Uniform¬ 
reste oder gar — menschliches Gebein, Zeugen der fast 
vergessenen, unruhvollen Vergangenheit! 

Aber nicht nur die Ereignisse des Krieges haben 
dem Städtchen zur Berühmtheit verhelfen, noch ein 
anderer Umstand hat mitgewirkt, es vor anderen Gemein¬ 
wesen auszuzeichnen. Vor mehr als 1000 Jahren ver¬ 
faßte hier der Mönch Otfrid in oberdeutscher Mundart, 
in althochdeutscher Sprache ein umfangreiches Epos, 
das er an Stelle des bis dahin allgemein verwendeten 
Stabreimes zum ersten Male mit dem Endreim ausstattete. 
Der Endreim ist seit jenen denkwürdigen Tagen zu einem 
der wichtigsten Bestandteile der Dichtkunst aufgerückt. 

Otfrid! Du schenktest der Stätte deiner Wirksam¬ 
keit den besten, unvergänglichsten Glanz! Als heller 
Stern leuchtest du über Weißenburg! Deine Strahlen 
haben die Menschheit ein Jahrtausend hindurch erwärmt, 
einem Goethe, einem Schiller die Stirne geküßt. Deine 
sieghafte Macht, deine lichtvolle Schönheit hat sich 
Bahn gebrochen, hat sich eine große Welt erobert. 


Metz. 


Von Museumsdirektor J. B. Keune, K. Professor. 



Lob der Stadt Metz. 

Im sechsten Jahrhundert n. Chr. hat der Dichter Venantius 
Fortunatus, der am merowingisch-austrasischen Königshof zu 
Metz verkehrte, das Lob der 
„schönen, strahlenden Mettis" 
gesungen, und doch war diese 
Stadt bereits unter römischer 
Herrschaft im 2. bis 3. Jahr¬ 
hundert n. Chr., für welche Zeit 
nur stumme Zeugen aus Stein 
reden, weit schöner und größer 
und glänzender gewesen. Und 
im 11. Jahrhundert hat der ge¬ 
lehrte Sigebert von Gembloux, 
der lange Jahre zu Metz ge¬ 
lebt und gewirkt hatte, dieses 
in einem längeren Gedicht ge¬ 
priesen, das viel Rühmliches 
von Stadt und Umgegend zu 
melden weiß. „Die benach¬ 
barten (Bischofs-) Städte",heißt 
es am Schluß des Lobliedes, 

„Worms, Toul, Verdun, Lüttich, 

Reims treten vor dir (Metz) zurück, dich ehrend gleich einer 
Mutter, und die Mutter Trier (welches damals kirchlich über¬ 
geordnet war) steht gerne liebreich vor dir auf." Nachdem 


aber die hervorragende und berühmte Stadt im 13. Jahr¬ 
hundert ihr Weichbild um das Dreifache vergrößert hatte, 
ohne alle ihre Vorstädte mit ihrem Mauerring umspannen 

zu können, und nachdem der 
Bischof seine Gewalt über Metz 
verloren hatte und die bischöf¬ 
lichen Hoheitsrechte seit 1300 
allmählich an die städt. Adels¬ 
verbände, die „Geschlechter" 
gefallen waren, da gipfelte 
Elternliebe in dem höchsten 
Wunsch, daß der neugeborene 
Sohn einstmals Bürgermeister 
der reichen, mächtigen Stadt 
sein mög e. Denn zwar der Ober¬ 
hoheit des deutschen Kaisers 
unterstellt, ist Metz freier und 
selbständiger gewesen als alle 
die anderen freien Städte des 
heiligen römischen Reiches und 
hat, vom Kaiser im Stich ge¬ 
lassen, sich allein aus eigener 
Kraft mächtiger Feinde zu 
erwehren gewußt. Daher nimmt denn auch Metz in schrift¬ 
lichen oder bildlichen Rangordnungen der Städte im Reich 
mit den ersten Rang ein. 


Metz: Moselarm am Theaterplatz 
(Rückseite der Felsenstraße) 



















Nr.5 DEUTSCHLAND 241 


Als jedoch Frankreich im Jahre 1552 die Stadt Metz 
dem Deutschen Reiche entrissen und gegen den Kaiser be¬ 
hauptet hatte, hat ein Schweizer Schneider aus Solothurn ein 
„schönes neues Lied gemacht von der Stadt Metz, wie sie 
ist betrogen worden von dem König aus Frankreich'', ein 
Lied, aus dem wir folgende 
Reime herausgreifen: „(Der 
König von Frankreich hat die 
Metzer sehr betrogen:) Er 
hat ihnen zugeseit (zugesagt), 
niemand wölt (wolle) er tun 
kein Leid und sie lassen bleiben 
bei ihrem Brauch und Gerech¬ 
tigkeit, hat ihnen's treulich zu¬ 
geseit, begehr(e) auch niemand 
zu vertreiben. Die von Metz 
hand (haben) ihm (ge)glaubt, 
des seind sie worden ihr(er) 

Freiheit b(e)raubt ... O Metz, 
was hast du getan, daß du den 
Franzosen hast eingelan (ein¬ 
gelassen) I... Daß sich Metz 
ergeben hat, des hört man all 
Tag große Not von Weib und 
auch von Kinden (Kindern), 
auch kann man kein Haus groß 
noch klein drei Meil(en) um die 
Stadt Metz, ich mein', tut man 
doch keines finden .. . Metz, 
du bist schuldig dran, darum 
ich dich nicht loben kann, 
ich muß dich billig schelten." 

Denn der französische Ver¬ 
teidiger der Stadt Metz hatte 
die Umgebung von Metz durch 
Niederlegung der Vorstädte 
mit ihren Abteien, Kirchen 
und Kapellen, Schlössern und 
Höfen in weitem Umkreis in 
eine Wüstenei verwandelt, hatte 
die Stadt Metz selbst schreck¬ 
lich verstümmelt und die Bewohner großenteils aus der Stadt 
gejagt. Dieser Verstümmelung folgte aber in den nächsten 
Jahren eine weitere, indem der Verstärkung der Festung aber¬ 
mals ein ausgedehnter bürgerlicher Stadtteil zum Opfer fiel. 

Trotzdem, obschon die Stadt diese unheilbaren Verstüm¬ 
melungen erlitten hatte, obschon ihr Glanz und Wohlstand 
verblichen und ihre Bevölkerungsziffer auf ein Drittel — von 
60000 auf 20000 Seelen — herabgesunken war, haben aus der 
Fremde, besonders aus Frankreich zugewanderte Neubürger, 
welche die Hälfte jenes Drittels der vormaligen Einwohnerzahl 
ausmachten, sich in Metz wohl gefühlt und mit ihrem Lob der 
Stadt nicht zurückgehalten. So hat der Ratsherr Abraham 
Fabert, der nachher mehrfach Schöffenmeister (Bürgermeister) 
der französischen Stadt gewesen ist, der Vater des berühmten 
Marschalls, in einem im Jahre 1610 gedruckten Buch Metz 
und seine berühmte Vergangenheit gepriesen und auf dem 
beigegebenen Planbild der Stadt folgendes Zeugnis ausgestellt: 
„Die Stadt Metz, berühmt unter den Städten Europas nicht 
bloß wegen ihres Alters und ihrer Größe und wegen der 
Schmackhaftigkeit ihrer leckeren Gerichte (delices de son 
assiette), sondern auch wegen der Rechtschaffenheit und Auf¬ 
richtigkeit ihrer Bürger und als berühmte Schule für das 
Kriegshandwerk." In einer im selben Jahr 1610 erschienenen 
Gedichtsammlung hat auch der junge Paul Ferry, der spätere 
hervorragende Prediger der reformierten Metzer Gemeinde, 
den seine Zeitgenossen Bouche-d'Or, d. h. Goldmund nannten, 
ein Loblied auf seine Vaterstadt gesungen. Und im folgenden 


Jahrhundert bezeichnete der Kgl. Statthalter Herzog Belle-Isle, 
der die Stadt und Festung gründlich umgestaltet, vergrößert 
und verstärkt hat, Metz liebevoll als sein Schoßkind. 

Diese altberühmte Stadt, die bereits bis 1552 fast 
ununterbrochen 668 Jahre zum Deutschen Reiche gehört 

hatte, wurde im Jahre 1871 
nach heißem Ringen dem er¬ 
neuerten Deutschen Reiche 
wiedergewonnen. Das wieder¬ 
gewonnene Metz war eine 
durchaus französische Stadt. 
Sprache, Bauweise und andere 
Kennzeichen der Gesittung 
waren schon damals franzö¬ 
sisch gewesen, als noch die 
Stadt jahrhundertelang ein 
Glied des alten Deutschen 
Reiches gewesen war; während 
der 3 I 8 V 2 Jahre, die Metz 
Frankreich angehört hatte, 
war aber seine Bevölkerung 
eine ganz andere geworden, 
und nachdem Louis XIV. und 
die große französische Revolu¬ 
tion der Stadt ihre letzten aus 
der reichsstädtischen Zeit über¬ 
kommenen Eigentümlichkeiten 
und scheinbaren Vorrechte ge¬ 
nommen hatten, war sie zur 
gewöhnlichen französischen 
Provinzialstadt geworden, die 
sich nur durch ihre Bedeutung 
als starker Waffenplatz von 
anderen mittleren Provinz- 
Städten unterschied. 

Nunmehr sind 40 Jahre 
deutscherHerrschaft verflossen, 
und in diesem Zeitraum hot 
sich in Metz vieles, sehr vieles 
geändert und, vornehmlich im 
letzten Jahrzehnt, gebessert. 
Sollen wir da mit unserem Lob der Stadt kargen, obschon 
in weniger fortgeschrittenen und minder glücklichen Zeiten 
geistig bedeutende Männer unser Metz in vollen Tönen 
gepriesen haben? 

Im Jahr 1894 hat Hermann Freise, ein Alt-Deutscher, der 
viele Jahre in Metz tätig war, ein „Liedlein zu Ehren der 
Jungfrau Metz" gedichtet, das also anhebt: „Nun rühmt 
mir alle Städte im weiten Deutschen Reich: Dich soll mir 
keiner schelten, es kommt, und das soll gelten. Dir, Metz, 
kein' andre gleich". Wir pflichten dem Dichter bei: Metz 
ist unter den Städten des Deutschen Reiches ganz einzigartig. 
Und zu den vielen Eigenarten der Stadt, die für jeden 
Fremden etwas Anziehendes haben müssen, gesellen sich, 
zahlreiche Vorzüge, die nicht vielen Städten gemein sind 

Der französische Charakter ist der Stadt verblieben: er 
drängt sich jedem auf, der die Straßen der Altstadt durch¬ 
wandert, die hochragende, mächtige und trotzdem so leichte, 
lichte Kathedrale und andere Bauwerke der einstmaligen 
Reichsstadt Metz oder Bauten aus der Zeit der französischen 
Herrschaft, insbesondere die einfachen und doch wuchtigen 
und wirkungsvollen Bauwerke des 18. Jahrhunderts betrachtet 
oder nach den reizvollen Dörfern in der Umgebung hinaus¬ 
wandert; er drängt sich auch auf, wenn man z. B. die sehr 
sehenswerte Gemäldesammlung des städtischen Museums auf- 
sucht, in der französische Kunst des 16. bis 19. Jahr¬ 
hunderts so zahlreich vertreten ist, wie wohl in keiner 
Gemäldegalerie des Deutschen Reiches, oder wenn man mit 



Metz: Kathedrale, Südseite, mit dem neuen, 1903 
vollendeten Hauptportal 

(Verlag der Neuen Phologr. Gesellschaft, A.-G., Steglitz-Berlin) 

















Nr. 5 D BUT S CH LAN D 


243 


wiirdcj ScUSVilioti! di^r Mcrselloh^^cliaft von Mt?U von 
ki^Ine ni ton ^ö siscton t-a raktr ich erreich l o der r ii b er- 
,:hol^^' in Twit l^ndsc^^^ Schöniwiien F^KTher ■ 

se^elen neuHclt^ toicK beV die Sfßdt e.Ilerdin^s stäikeren 
^rb £^'he eben, Äber auch bi^^?; |?eMhrt Mex.t rn • 
Jänd 5iCjh-aiM^c:he r H in s^i c b t, ei n h ervorra endeT Pia Öe 5i*^n : 

wird jeder 5kh tie:^ußtj. den Ausblick von der Herr?- 


rind fünf aii^QninienbjUt^ndb .ß5?^^ einern vemnzehen 

hochI filmenden Pfeiler, bet jö«y insbe&Qhdere tÖ r^SÄmwen- 
:ltiangi?nd& Bbgeh tnid Bergiinng eine der b^iöersi?its ^ht- 
creb au t e n Btuntien »ru hen, d i e y.ieh ^ e<:hsel des Oe fhlle ?- iu •■■^t 
taut^sln üTid de.sddrehßiel 3 ende^(a 5 s$r zxi klärenf^tsthaml^varetv/ 
&ies si nvi abe r d ie cn lleb^rb ie i bsei d er s i bizen 
JRbonerbHuien von Meiste die noch über der Erde iätifthen. 


: D 1 



c- ■!:>■ a P ■ 




iicheh Hsi^lshbdeii ■ deoi S tp]^:: dW> Mcltßr^ oder n der ' Mehr i st jn der Erde vergraben, So ihstel dsr heulige Otiite 

neuge?ichöffeheh Siraö^ aiisv; gßt:^ die unterbaIb• dhohivhoh der die Stelle einer im 16, Jalith«ndt i? orge ^ 

Esplanade d»^rch Oertenöhlö^en iddvvhrlH hinriehl:^ Vhid^^ : 1905 eig^e’sbf^mten Schapie H^imnnimt. Huf den 

dieser Öf-s-iuß ist dem tlpturiVeund otoe daß et sich iResfen eines lyfjöÖen Amphi iherilers, däs- dem AmpMtheni^ • 

ö usf 'Mt Stadl hin au«: %v: bem üJ t e ft geh Öll gt Wßt abe r, vdr» V e ro n h Gr ci ße gl ei ch kam it n d o n w n i|: en Am pKi-- 

mii Strhßenbahnr Dhmpischdf oder Eisen- ibefib:im nn Urrtfar»g überfroflen war. Die ^^andc seiner Lugen 

bfihn^ Fyßwnhderdrig^^^ den umlk^genden Htiben tmd wnren mu auserle^jencmj vcin Gncch etil und;, den g^rVi^chist'heh 

febeowktiinuen Dorfe uhternimmL wird riii sinne Mniie Inseln, Afrik-sr, ItaUen be^ogejicn Sieijiarii^ryerldeid^f 

rejchUch entschadjg;! werden. ' Mermbrbi \den\ geschmüdfft. Llfti d^h Äe-k-;Schj9iu&fe)hingen 

; Eunr SchbjtV fhhij, ein Varzi^pl bb /n erhöhein w ur die; Arene, in der db iCbrhpr^ dfcr <^adi^ 

gahi besöhiieri hervorgehohen werden^ das bi äethe reiche, und die TbrheUj&n .4rpiitermit Cih^r j^eCnäumeh 

mhm- u wechselvotio Cm^chichie, dm tftKr, der Utn-^ VerUeihn^^ oder Versenkung Hille fernes 

wütttihgerir die vich hieF vcdlaogen hnbem: mdr ü vielen sich nnf ui\d ah bi*wjc?jgend-b\ kA'rtt^rboden^ üW rasch sh de 
p p rtd Denksei J n Jti ark i ge f i Wort en m ' lips sp r i c h t, Au fölhru öj| en imd B ü fm nn v n rwnhdl tl ng an fermögli d\ te. 

W«3Fujt mr our nmhi: tihHCit 
ihr VfeT- 

Sfbiifepek In der Atitoih- 
nungdf*r ^her, die f'inn 
St&M, eim üegfehd 
bar machen, ^ch^ubar Mt\ 

Fs^hd^fi Avfe Mi\ Benvohnern, 
g^bdhri eine dar ers^mn Sl'?Jlbn 
dif^r Gfeschichie, dertri d.mse^r 
Wert ist unvfei:glihg;lV£}h 

Dös römische M'ety.. 

Meli hat mif ufh^ 
tife:gendep L^mbincben über 

dahro» vi>p SÄ V. Chr, 
hb:lk die iweke HHfte das 
S;; Fibch^^hrbth J ah rlmnderbj 
stim hioineOTicti gebcirL Ab. 
aber Julius ^T^ocsiur die .gallb 
^ebfeh Suirnm^g^hiele bis 
jömi ßheih hotte 

; Met j£ barj? di no L e be n 
döoi^r von Pm.hreteu hundert 
johr^p hir¥Eflr .5?idii, war 
liouplBf r dCiiJiOlfec Smm 

der A^^dtomaijriker und jag auf d+n" Lhih^ swischerv 
dem: 2üsemmenniiS M und Seilk; Ncfinc 
|,Div 45 duraTi^> ; d; Der Mhrnü dw wie 

Stötmif^3 b>. rlie ^eit der Herr^hnlt Römer 

hmßbef^rett^h vori wnh-lien j^nn j^DiVodup-im Medlömötri^ 
ooruin^L .wQfd.-,' ..Wehrend.- jedpeh ' der;: 

.dnrufpm Atnt^rgegaiitg&n^ 5^ lebt der Netnic rkt 1 evhorrmirjker'■ 

'■:! erah- 'palhb ct let.'.' M i\ iM p u nkl die ■ r-dm bch-C- 'S \ iid t • ;■ vef h heb ^ im . 

:'.; tin i.e r; d e r Um n ^'rli ' h. öl.' Met a ; ^0. m-, 1 ■ \ itiihar ß 1 n t e 

durchlebt' ;U.hd'-'. im ■:$ÜiUni- gsüüeW ■■'^.d'Sr'dehhuiv^^ gi‘hr;bt.i' 

stb ho^ h z t f Ä n ibti g n n % Jah th un deri s v^ai hui der 

Sthdi#rwertariing^ A'^un gcmeffmüt^:kfM flauten bes/id clic^ 

TO ftiSladi einä um das Johr KK.) 11 C' Ut^ nrI>nnte Wnsset’» 
die von G«rs^e her Kilometer weit Qut'^llwn'i-Sier: 

Ih- uer 1 er, liherwb\hier IZ i nne nnrJ i eini an d er Slad 

-gelegenen, ab NympEinnhcihf^ium gfestaltcifeii nnd mil 
fkidw^bk g^chmückien ßrünpenhüas ieiieie, von wo Udbren 
ds#. ?s ia tl t FS ch en Bn j jvfmh pi t d! B fi dh t s i iC i M en. Hv i Ä rs tf 
Jöiuy Aiberbruokte die Leiidcttt. dem" räk‘hV^Tlu>dt der 

mditJitigen Bp^ von denen obch bevvijndernBW'^rm Reifte 
^äf beiden Aloselseiieri arbgiten sirid, nämlich brd Ars : 



M y i z: N [ f tay p l b J-j h i di n f’ (er bl Inet l } m- 


Q an 


:.n- 


Von andcTi^TV Bauwerken 
der ßütnerjjeit legeirt b^^-dtia^ 
?eugni>s ab dm 
■gcbürgen.y^n 

mkju/-Re;^mL Auss'it((:«fDjn£Js- 
. 'otifcke ■ MM InscKrjftef^^ ’. '■■.%>’ 
hfl ilCr-Wif:' e Düp.^aah'Ji^jt-hriii::;’■ 

Y^f f Lü tEdeü; • ürtiferf t rS^j.n r ■'.' 

di^r: Me^ r.e r tie tn ei n de d c ri 
Mpji; tmd deri Frexnden 
öus Tumpfef^ Inifer 
i.md Sormfenbud und 
ri m m - Ö ad zusa rnn i e n- 
Afvlhge geschenkt, 
wird ent-stnfn* 
tuif^h' ftemeWn*- 

i]rdiT^nd’i?h; KüH5tmT- nps dem • 
Mf Bi] d w^rk - io geei g n e i en, 
tf mixG bi -.'M itofi Aö c h g ?> 

. :h;Ad'''^4ibiVI . wi^Bbln . ve.r^ 
Kcdk.slein ■.. des 
.Mh I«li^de :& g e &rhei t ete 
'Bild';.: 'der. *i.gyptis"c.hen •'. bis.. 
Axt%'i(|-:;-sind 
I ei JhWi ■ • von großen, 

p ru n kl-o.llsin Grh bd gn km h rp rck. 1 f•; '• ' ■ • IPsm il l M/ '..d k 

. auf .. timm. ■. Gx^u.d^tiFck;: hwdtthrX- '■ '^n:'-. 

. ei E ler "der-' v'i>n .Mc u - aaviilr.a.hl ' ■ ■. hl froirsire Mri ■ fe:nrfci füAt -' 

■Wfirf'n entd Xeiiwxnsxt: Tvivthölögisthe 

.gaben, hmmUarldk-h;.. ixber dfes';y ici^n;?' Arbi^K'.' uhd ' IxHi ü-or 
^-Augeri, fuhri^,. mim e-cxv^lmV: 

.Kxsuffadx^n.,. MöKUcit, Ja-gtk Mus:ikiioto-n unfi; ..Musl.k,dnu.nnertr-. 
• Lvpd Ta'h^J^.t^iDrteTi. Aul feihön:^; sejehexx-. ■Gr'ssbmdbdd.-'^ 

tro.g.i giH Oien et;' eines jener .sa-higeA - ■ lluhri^l" Mn*«?.. 

P(AdardaV pMt. k ckhiffkigWl „nic.b sejt \iett 

hii >unL h'ijutlj^au I-age'.ube:.rdh;-''de5. Rpf*-;.?!' 

erfreiH :tirrd nvich dereh ?^u.cht eijve 4et ÄW’mr h^.n Deut;^ 

■ Tor my d' S'elf.ler.nbxmd M .S ■ 't-^52.-. \uri en Vx».rstadta 

. hei. mxmT;':'fCha* } oivp■|E^^.+ di L ■ Kapöxmc*risifä) ■. 

Metxer G^l'n^itKh* wxtr aber diUtuolS; nicht srht>n am 
Bj-lf^-;- rfelri^emeibd.ong^^.f«mdhiTber,: Vö.rortt^ ■'’j;« -. Ende, s’ondefn 
e r st ]- ec k La sic h t t*?ch Uber. di e , Gre^x ^an d us Inöutig e n Ba^ir ke^ 
LxithTingwi hinaix^ urid reich« ÖrK 

affehi -yp'n.-di*rw'H-. V'i M . .hoc.liL■ fortläibfenj:''■ %'■ ^ de- tr^desson ;sc.hdn ■ 
Jf^htrh'mkle-rtejLWie selir die ' 
M V. d U}m lif nhM- Jtin ■ dfe rtt ■ rTf.0 vt V Mkd <.t^ I r* t-e n'lJ« r. M m ahgep Zd t 
tat fganPiiTirti^p. h ts-tien, hak u n h“hx lif-e fi 0 ö iie tv ere^htuD ge n ^ 

















244 DEUTSCHLAND Nr. 5 


Verzierung-sweisen, Handelsgegenstände, Geldstücke, deren 
Heimat und Ursprungsland Asien oder Aegypten oder Italien 
war, sondern auch außerhalb der Metzer Gaugemeinde 
gefundene Weihinschriften und Grabsteine, welche vorüber¬ 
gehende oder dauernde Anwesenheit von Mediomalrikern 
bezeugen bei Trier, zu Mainz, in der römischen Ortschaft an 
der Nidda bei Frankfurt a. M., zu Baden-Baden sowie in 
ländlicher Gegend im heutigen Baden und Württemberg, in 
Frankreich zu Bordeaux, Lyon, Autun, Sens, sowie im Badeort 
Bourbonne-les-Bains, im englischen Badeort Bath, in einem 
Tempel auf der Paßhöhe des Großen St. Bernhard in den 
Alpen, zu Mailand und in Rom. 

Im letzten Viertel des 3. Jahrhunderts n. Chr. wurde aber 
Metz, eine vorher offene Stadt, befestigt und zugleich mit 
Rücksicht auf Gelände und Verteidigungsfähigkeit verkürzt. 
Damals wurde außer anderen prächtigen Bauwerken auch das 
von der Stadtmauer ausgeschlossene große Amphitheater 
niedergelegt und eingeebnet, um zu verhüten, daß die An¬ 
greifer sich seiner als Bollwerk gegen die Festung bedienten; 
es wurde durch eine kleine Anlage innerhalb des Mauer¬ 
ringes ersetzt. Auch die großen und bilderreichen Familien- 
grabmäler wurden damals auseinandergerissen und ihre 
Blöcke mit Architekturstücken anderer Bauten in den Grund¬ 
mauern der Stadtbefestigung verwertet. 

Im vierten Jahrhundert erstanden die ersten christ¬ 

lichen Gotteshäuser, und zwar zunächst, wie anderswo, 
außerhalb der Stadtmauer. Ein innerhalb der Stadtbe¬ 
festigung gelegenes, dem hl. Stephanus geweihtes Gottes¬ 
haus diente den Bewohnern als Zufluchtsstätte, als die 
Hunnen unter Attila, durch die wohl in Verfall geratene 
Mauer nicht aufgehalten, am Karsamstag des Jahres 451 
in die Stadt Metz eindrangen und sie in Asche legten. 

Einige Jahrzehnte später ist es mit dem Römerreich 

hierzulande zu Ende. 

Das fränkische Metz. 

Den letzten Rest des weströmischen Reiches in Gallien 
hat der Frankenkönig Chlodwig aus dem Geschlecht der 
Merowinger im Jahre 4Ö6 erobert. Hierdurch kam auch 
Metz zu dem germanisch-fränkischen Reich. Als Chlodwig 
im Jahre 511 gestorben war und sein Reich unter seine 
Söhne geteilt wurde, wählte der älteste Sohn, Theuderich, 
dem das östliche Teilreich „Austrasien" zugefallen war, 
Metz als Hauptstadt und Herrschersitz. Nach kurzer Ver¬ 
einigung der Teilreiche wurde Metz im Jahre 561 infolge 
nochmaliger Teilung wiederum zur austrasischen Haupt¬ 
stadt erhoben durch Sigbert I. (561 — 575); seine Gemahlin 
(566), die schöne und kluge, aber herrische und rach¬ 
süchtige Brunhilde, deren Andenken noch heute im Volke 
fortlebt, hat auch als Witwe die Geschicke des Landes 
lange Jahre beeinflußt, bis sie im Jahre 613, an einen 
Pferdeschweif gebunden, grausam zu Tode geschleift ward. 

Von dem austrasischen Königspalast ist nicht einmal die 
Stelle, wo er gestanden hat, mit Sicherheit bekannt. Die im 
letzten Drittel des 6. Jahrhunderts erbaute Bischofskirche ist 
bereits im 10. bis 11. Jahrhundert durch einen Neubau im 
romanischen Stil ersetzt, der selbst wieder seit Mitte des 
13. Jahrhunderts unserer gotischen Kathedrale Platz machen 
mußte. Dagegen ist noch großenteils erhalten eine Kirche 
der merowingischen Zeit, St. Peter auf der Zitadelle (jetzt 
militärische Brieftaubenstation), woher die kunstgeschichtlich 
sehr bedeutsamen Bestandteile einer Steinschranke des 
7. bis 8. Jahrhunderts stammen, die durch Se. Majestät den 
Kaiser dem Museum der Stadt Metz überwiesen sind. 

Das Erbe der zu Scheinkönigen herabgesunkenen Mero¬ 
winger treten deren früheren Hausmeier (königl. Minister), die 
Karolinger, an mit König Pippin (751 n. Chr)., dessen Sohn 
Karl der Große (768—814) war. Dieser hat außer anderen 


Angehörigen seines Hauses auch seine auf der Pfalz zu 
Diedenhofen im Jahre 783 verstorbene zweite Gemahlin 
Hildegard in einer vor den Toren von Metz gelegenen Abtei¬ 
kirche beisetzen lassen, die seit 717 dem hl. Arnulf, dem 
Stammvater des karolingischen Geschlechts, geweiht war. 
Diese Kirche lag bis 1552 auf einem infolge der Stadt¬ 
erweiterung eingeebneten Hügel, der zuletzt ein 1791 ange¬ 
legtes Festungswerk, die Lünette d’Ar<;:on, in der Nähe des 
alten Hauptbahnhofes trug. In dieser Kirche hat auch der 
Sohn und Nachfolger Karls des Großen, Kaiser Ludwig der 
Fromme (f 840), neben seiner Mutter Hildegard seine Ruhe¬ 
statt gefunden, ebenso spater ein anderer Sohn Karls, der 
Metzer Bischof Drogo, der auf Geschicke und Gesittung der 
Stadt Metz einen großen Einfluß ausgeübt hat. Der Leichnam 
des Kaisers Ludwig ruhte in einem aus Südfrankreich nach 
Metz verbrachten, mit altchristlichem Bildwerk des 4. Jahr- 



Metz: Reste der römischen Wasserleitung in Jouy-aux-Arches 


hunderts geschmückten Marmorsnrg, der 1552 mit den Resten 
der übrigen Karolinger nach einer innerhalb der Stadt 
gelegenen Klosterkirche (jetzige Turnhalle der Kriegsschule) 
übergeführt und während der Revolutionszeit versteigert und 
vom Ansteigerer später zersägt wurde (Reste des Bildwerks 
im Stadt. Museum). 

Durch den Teilungsvertrag von Verdun im Jahre 843 
wurde Metz dem mittleren der damals geschaffenen drei 
Reiche zugesprochen, das nach seinem Herrscher Lothar 
„Lotharingia'" genannt wurde, also einen Namen erhielt, der 
noch heute unter gänzlich veränderten Verhältnissen im 
Namen „Lothringen'' fortlebt. Der Vergleich zu Meersen bei 
Maastricht im Jahre 870 löste das lotharingische Mittelreich 
auf und teilte die eine Hälfte dem westfränkischen, die 
andere Hälfte dem ostfränkischen Reich zu. Damals fiel Metz 
und das Metzer Land an das ostfränkische Reich, das 



















Nr .5 DBUTSCHLÄNB 243 


häUpt$äcWkh deüt.>Lhe>r Zun^ii^ yirli ^u- 

samnieriseUtB? im?! giessen d^sui^tJyer KiirHf;r sphk?r diiuc^rnd 
4ie von jm (^OÖ erh^iierle römischt^ 

Kuiserw'trdp 

Ab' tiuKh Obiiiciötht’ der dtnitudi^iri iCöhiii'B 

üjrd "i^f^rriinipf^Si. vi'Ordeiv wnTej\, sieh an das 

ivestitöT^^^chifv y CiIrisch:' 

iTftTizösb'th^ JRddt i^y. ^ . 

925- der ■ feil., 

Ha n% c iS ? d e* ’ t-iit'.H i^ -ly <>h li 

l IpüriFieJi ii juit Wüffefsi>'wöi^ 

AViedefheTsüdluAtr der 
>eü\hart^n Ahgreh'^>ji'!'*r^. btidi^.n ' 

li#?'rc:lV^ ' S^ri'jdeir^ ^'<^':- 

': Jid^tier Meli Ui 1552 ^ my. ■ 

^j?t.k>rbix>cli.jeri l■](rp ii, Jti■ 

oder Deu t srhen w.^u pn 

^;etj>e:^evvohpef nach wie vur ko- 



.Meiwhiijii^ithr*vv^i^fiirj.idi.c.d \: :■ 

■#irA df r Klrj;Fvo Sr.' Ihir^^r,i>] u' d-i?T e ■ ^u ' }VIp t ■/; 

-^ ,' ” jVH'li.'- ■ 


Sehedn sein/ iuit 55wd SdhldsseiTi nU^'gea^tuUel 

iii fl S ch [ h^Sidu. bii n U ehe r d U rk imde tV-' 

sciriVide jö engui^eh^u Bdanner dftr PiäVi’e^h 4i^ 

,, di ?:. k U bi ch r; ; iihid je der vdu i 1 f u ers hfl t :S der 

behfef Veru'dhn Äuf^terderu ^her wnidflh - Von 

den (Mfurdk Möiores) der drei üiijiib 

auf Grund : der Ate- 

jiieMun^un: VetssuiehmsscF über den 
Weuh^sui im Cfcindhe^ii^ geführt^ 
die Rrmiiti^^l^rvnA welchen tierh 
ei Fl f V? 1 i de r ibii irgiin ge urh e Iten k t 
und mtiaige Aubchlüsse übet die 
in i 11 e] s kerh uhe.ö Verl i ät in b se d^r 
Stfldt- MetZ: gibt •■ 

Um die Zeih dö diö Metier 
ihrers Bischof d Aspr^ihituk: 

der Stfvdi i^ertriebe.n 
fäJ Ii rch di P r 0 Ö e Au^d ehi\ti rig- 
de^ Mhur?rHMr >’0 äurc h die vor 
_ den . ■ b i sbnrirg^iV ■: Stadtma o u rn u'r^ 


maneu^ ihre SEjfuchc fran^fi^i%eh. ; r., 

Meo als bischöllK..ht?, ihm iteh Stivk des 

1 ^ fl ' j h-t^idcciohir/ijgf^u und gegen fejuöhch^aAn^ri^t^estihlitzrwiirdam 

OöUtsCn&r) H.Gi.Cu'ßSi--'.•■ r. ^-■_ ■ .• • ..;. ■/,.•■■■ ..■■ 'Uütdi-dtefeF 'Sn^dfervvr;^^^ wurde “■ vcir 

Dse,^eCfj(ghk^ie de.^ .de-S dcuj^schco K.hfd^ üEid -,' mH dero daJ 

KflHer$ r.a ^KHr üfuicih dV^■M^:h,^e^ Oumts. tiiu^yen, gir^rh;' .hA)ibjc^o;^iK^frfit'd 0tirch dteilen.K soltle 


rl p n ,ech ti?.ft :;d p r./.h^ts:^ rtjh h :>fi 0 tid t'fc. h'£i:_ i- b r j la de’’i 5^ 0 l :- 

iunider;au l ? s■' 'VO'O ’iber-. E>iC'Ser ^dhb^T- 

volUoj^ i^kh' Fn'f MrSj.gr tihdtolr Ad-uibpL*:! h ^-b^PQV f-. Cfcd 
unter OilP ’bv dent. ürnfeu-. r Mnseufii,- f3f^.'*.f Sjüdt- -be.-r 
^;f nt £ine k os tbn r fr :S ^ a h vb hi ir:r f-i\ i. 

itv wHchprdcr Um's 

: gurvjf ,Enk: Bhg:h>tihiUk;:fiv.^ln: •' *' '** -'rS^ 

f ir hl nt ßi di e.^-a s ^ £ ii V' ;,i; ^ 'ui i t Ug h ri 1: t 


J:.^i-kun.': c? eOK' n.; -.h t. !'• i ; / ■ ’ j.:-•: • -. t -. j ■ ? 

hni- -ilr-A-b-hi ■''' 11 Jlf ’'f ^^ t 

IIi!|lll® i)'M ßf 


-.1^ä ch 'dlü• S 1 wn)n.'" mH' 'Vor- 

ve ch f eÄ-'.: Jj;nd ■ Frgiiuit b'U • b.K h.; ■ S 

erüwihk^cdAß. teile: 
ß<? r t rani ■' 1 'Z i 

um dja. ■it.ndiis/.’h'f? 
gemocht 
Wahl 

nnchwfnt^feMF^n; 
ibeanilau; 

S ch o ffcAi^fö.i ;■ hdt?’r hifIiuurm u b f.,grs i ;: 

der ifh- RüHfec.&hoJfciv 
VörsiiÄ . i'ühxte.-: ftfoiifeh: ^^vdk: -durch; 
•seehH .- hafte' ghiif.kiclw-;' 

\mh XVh ri ■. d.k?' ri ridVrh' c]vn. ^bsb ^’'>Jf''4': •. d g r.. 
d reiz-jehh' :. G^.icitwdrh'm.:'< i :- PiM+n lA^' I t>H.r 
■-ffjTi't iitschor 
Hisrhoi' jgiii-in' 

■■bor.hoi:jkvuti^-.?t.ut^ikk» •■ .r>iukt_.*gXjhv tdre^ . 
an d u ' K?>1 n I? '1* S.r t:#i i'j ^i’ÄiVhu' gm,: ij '■ 

BßrtrflM'■■■>)&':. .vf;>h ■•;Stv. 


r: 4'^'^ 





■■ “ ■- ■• ■ ’l'nhoni-jr jilu \hi -':gh u'• 

„ ^ , ■ ■• . :.•• •.-.< • • ■ ^,. • • f■ ■ -• ■.' Ehl^lLhiS'Kc h g.r /j: ff . V'f .^1 

Zii. Kdiit VtVlt^rirtubr Ih ika 

i urn im ■ • ■ Gel ^m] u?it.'_ ■ crh.r.i,hr■ ■ bat • . t'r . - ' tinhe ti . jVdt -i- l?rrh> -y ^\ -'seo fl. 

■ -■- . ■■ 

■ ivek h -mtii. ■Hes^iVA'^ h> • d} a »Jg n. M+'- ^ ^ "' V er fui I tis i'^s'gh • 
ahgexjrdlt 'w+Vren, ■ fu »fhVer VI •■.iZ. vo-i^v- bi^r.h'iirnrts^'g.sttdfkrd 
119Ö voitj devEl^rhen Khro'g hgsial%Vic^A UiR^ br.inmvul; 

du Ö r A hs tfi I kl fl g d eg bt^iher 1fech t ^ st i t g t ten A''C?ri rüge 

schrinlieh ■ftii'igtiferligi .u;h4^in -itjih’iun.'SrhreivE- nuhtunVAdi['I w^irrderi■ 
ijuklt'n. Zu diesem-':: /'ihr ■; •,-j.e^‘--hi • ’B-VtrrbwÄcrk ,■ uSti■ 


c:iu ^V'rüur^^ f-■. t Jhjirj: :ijri.■ der .r^äavheken -Steile'Air?etzt 

I Tdon ■; ■ f 11 'y 1 mf' tt hkeif r-rmc J hrh -.fl n . dt e'- f Q.mi3:n ■ te 

fy^rfSüvjfvA'" ’'thV:tirdk-^r,di^^ SttU^Wvdte h\ ,dk: 
iif. 11C. t, uV*:i *. ;'E?;idos.s^’ht; .'tfe' /Vie.h-lVhVtgrt.kitche, 

(Sf, MuT ü t ■■••■r^kUin:h>j . ‘uj^^-ci. rht i^fuiu.öler 
k j-f'i u kg t'U.j'i ■• dtd vii ’hVfl er^f-flu m; • -«n civ' '■ ö a-'; 
l urng-.li c i:i;'. /ttech ■ ■• e.in g. A hs/eXd-uBn i.ö-vtp.r 
T.; yi| • d 0. r .v.ig.y:'rd§'i<:lVe.fi ; .KnrhEd;c'i(Jev.. ■:ä b - 

G_p 11 ku^ .. i$:t- -j 

l|u.ndgrt-e .'S-^fig"-r;;-:g>rl?äiTr/ ■ w.o-rde.!i*.'/’dtmn 
tim-/ ■ Kn] ived i al g- • -btsi'.' .■•"fluf ■■;.■' di€: 

u n V o.[ le n tk-f t--^gidd' Ift-tehert .liAdEten t ü i'me: 
--;■ ■ :• ■- -te ^ Ihg/ ,■ -i Ö'.-' ■; '^hhf temdgi t ■ . -.fetLk:^. 
g es t e I ]t ■ uiyV'. ■■ wti: >■ d im- du l >r& 1540 
Oihm -wghi^yy:,Juhha. / 

■'. e rLS'r g i ftf u ^ : d g'r • dar tri dk ’' V rü u 

Äj-json) g.?:nvi^ihfc-:. erhefend 

• {■ { di e- W’Hriu^rEg' dkk'In'hhur-'Ji 
ü- \j e r d i i? j i l edrig-e r+ ■' S eit c/hi Oe • b't h m.fä-i 

dAs. 1 \ii I ip IStbiff ■ hl 4 .te , Hdfeieit.:’: ,.'^h 

1 1^0 l} oH I .?iiI. en - ■. Kirfb en-s^chitfen .■.; :?äbh. 
f4V^7.0 -•^del-er>der Btodrtich 
(.Bf d'u.r^k^ei r, ■' ä €s •■' .Riisdhtek^k/ • w#.d, 
■flb^r: ypT bI/- em' er^idi dkrtili;.;d.m,. /bei 
lieintfih■ • / hudhr^n- . '■ "in -gieiehe-hi 
MhUß-/uodi.ÖMt:' .^{drbhtKuTiflj.mttdurth^ 

. gflrTtitrie- Ayiki.^^ug. //der • g-e'Wfthiireh' 
\K-5irLdfhirhrijr-:/. tn-- ■F'e^kfir^rh;/.:;i>i^ 
Querhtius imd in dt'T iiihdgr 
dem T.^* ' J.Qhr.huivdert .'/an'^gegfhltetert 
siid] rc [ i en Shhfn qIw < to'd. :■;■ ■/.:■-. ■/ ^-■,:: ;■ ’■ ■'; / 

hh^t- hüF'h a.ud.ere, klein'hf t^-Kirrhek 
vy tsr^iki ■; ■ :^gXt/-:. d^-r-'" .-^4^ I k des./ (3.. ■ d ö h r- 
rhnxid/ei'it:^ ■/•jrr-dgiti -StU' 'jermr- Ztvtl mo“’ 
dhroen Stü vier frauriiVkdrffi CnVilt nou 
/ijTehiftjtV- ■ Viuej^nz^. St. Sego^. 

ie'^j/J - -ß ^ .Mt:7n- fVses;e- reg.g Sru11a11 gk eo • - isi ^ e-iu ■ .Zeit^rn's. 
h.if dh’^ d'nmhb^ ln iVkrt^ herrschs'nd^- 'W.pldiiubeflbeih- .Sie 
h>it jsrdfTtcK uu Vor-ihn- :nü •den'^^Ä-orM-fv|rte' d.eri. lö, i^ht^ 
h uisdcytv rsrk-»ddet-,- d icß.-inur.^^piiTfehB-- ffnttr^te: /nlterei Z4ii 
Ui!.('lg L^t^bkeijien 'drid-. Sc3. thü^^ ■u-iit;jiga:■ itl-r-htIdrcKli-che'’BaU“ 

We f k, dtiSr n-o.eh i te f i Tuii c BestÄfid t er ii e de^f I iZ . J ah rh und er t .s 









iiat^ c^as Hotel sirMt* 

6in vettE?idig:vjt\^!rräKig^e5 H^^rreplimj^ E^ 

$iTöSe/dß^ äWr iTiehrfacK ta ^«li^ther m.ii.un-W^ 'MUt-f 
hwdeK dm^ebjöUrwur^^ Mit ^seinen romovii^trlis^^ i^ndl 
Pen^t^irn Ist XfibTi^ena 

cin^r fer- äk Pnv-ütkfiuten D^>T((3ch?ö R^kir/ 

d <3in ti^bt> i\ sv^.h V eT^Vln^t? k r, voh , ih fepi 

Ärcjiki^ktvir^; Vn?d An-S^stc^nvng’sstücb: tiüs, Ü. , JMir^ 

hofiderbi ; ,Ä'r^ctt rfif! iim 1200 £j'b^n?c 

kapeäle hfk si0K^ PW Adtl^ck ‘ mit ^ 

eitie vtifl: eI^jT :d^t 

Land hertf^feiii^iiff;' CSiiasitfjilt iijV.TstJt Ö^sv vkt>^ 

pi ÄkJi e te r I r h tm 1 Vft->{^ iji |^ nv * 

• deiitÄche'm- B(>4e/1-- ■■ '^v... v.:-. ,■■ .•■ ■■ . _ !• ^ ■ 

Bauwt?fifa: 'Gr^if keii ■ hin. .^irh 
büscb0flli:hi>n SfAdl .ift'. e^ipo rrt.^i^? Rokti^^iö.di yoU^O^^ir'. 

0ie--■ 

vverdt:nv natU tmd x^icl? v^erfdändset 
u n d td len d Ui ■^<'‘. |d kr if? f t en 

„ F t* tn hü; f-Sr^*. , wr^iire? i;, di<' s dt jv 

rhiii ^ d ^ V f*r bÄnd^h; i g[ ö s'") 

rvtcdtirl^tidistit^n, ijtkI dtn 

wit’' ijt ^ t.r*d tjc 

.e;f\ t5 pT-ü ■ "'• Gmo sserrsici?/j.k ^.ä-, . 

• Atfißfef ■ .d<^i jV' bdrf ■' 

*t' k ■. ;i5 «k; -djuii n'^:t;'. It ;\\ ■'''. d.r*? 

dfev/difr'td'i it■f^^f'l 

'te it«ftn, - Stdlvrn.^:tk T£;f • /1 ti r>?-n. 

Mi i S>&rif ^ 3'Ti ‘ 

mS' pj}m\ petrt jdv^t 

■Ml. 't,,■ -^p jj t ^i %. ■' ^tiirbHt^rJdn ■; 

7p's.f/i TW Tii n n ^<.*sir;blu.^il-it;^ bi'- ■:; ■.. 

Sfid 1 !?>{ )0 ■ sf d dl ,^1 V:rr« ■ 

.dt'K't^ d.^^r.: L^/kfiritr 

jslfpin dtvi-'^iir-- 

drnifn nncU ■sid'i->'St.-.'4-^-i^^-.-Mk.i-e'' 
w-ftt 1 1./.^ n p l'i:: ■ ^ prit?i?: 1- ) ■.■ 

:w a> im '-^ttTb-bT t • .|j n, b:E>r -.-.]v?':'f.?:t>■:. in i jv.' 

d im M i % I k'd efr»- <r J^/tr- 
jwfrmven» Jnm;^ 

Hisrbdf feilet der 
irty -Verei i> mi.t'.' d'f*^'.'■ Pf iphH- .:-'«'Ue:".' 
in täd m che Vef’;■■■ bTn?k ß"*-;- 

UcU df^r 

vtm dom .. .:. . 

■ D*?^. Vori dsci-m::^ 

[■iüii^itsrech^!^-:' 

Vvd. ] t‘- n d 1. d ; '. r"hfä.- ; 

MTri^ ?: lii ('■ i i 1. (W Si t: 



■'vjj-i^^HVi'WW-*-** - t.y.' 


d. tf/ßj/d-j■■;.w^.>xtt 'ini. • Jvd ■ 1:5Ö.5.111'th\>( 

Piitrtrtieh.; jt^trd. ii-it h d i/rr. h tmldrrktj ve (JJ h. 

’Dirtk‘iF&st'h?1 'V^wik- liiijld' wh^der .;yjT;i^elt>st.' %i) '.sei-t, 

■ ;il;o.’f»tf:i: _.' Itos i ' i£it ':<t;5d(ii U e ,Gel d.' ■ ' Pi-o ' lii ;s e .ßbe r 

v'#Ä_^T-it'k ■ Slu-'t lit■h^^n I-Jort:l»•?/k he \ ’li' Vk„ ti 

'4*^- fciet^ilsi ' dnttb Öi-Kcliof Bbfltlik 

12 OÖ lii. Stt ^ t\ , ., 

Il4t.-df^jr Sdkfffi^itkds^tt'fket 
:Gt:g^k5.Btz 2ti Rjr>dt?r«-E St<idk'!«}> dkf tw p,m 

• ■ •itSe.^rivi tjchl.-erii."'' ■■' W.ii'f dtn-r''' ^:? k:. ^ k-t4v ' ■•[ 

und; VtT^wnitijn^r Recitdi^^iUpiidwlimja;. ■üTki:i?-''’ 

• ■' icrM:tbitd)C;s .Ge:pf:3^k‘i; • .■'.^k'^-dhotVvvd'^hkfek^^ l'L iri vto’i' rlte('OT«che>i.' 

, Sgdt;o.-ei:;. 1..-;: .4l>: );,$ Iwvdw«;^ i'kpp. --^m +1 <i ^;, yb • 

. liinher^ 2knU*?n etj^ory^lk fr 

kcbtidibo ii Mot z tvirf*/ i ^ i?b Jt ^'i ‘ V . 


,.1= tkb: sich, geg^efi die j,;6r9Ö^ft^ ödfzulehrkJ^kv’ m^t: 

i;Utd itatt des RrhinhitCihieh an krtd 

BnÄ«d tr\^^ ter Mii^iIcä<?rv ;]h4h«4? ki?ie^rverbßride der l 

ihre Mä^h.i i his tpiP rh^r Rhmhs.^lTjdt - 

'Vj tt 0 tti;^ ■ (liö- Siiidte p ?; a. M., Nürn b ßr^, Be r^,; 

^V ottöd^ 4ii ufTTpl änstt»kif: St b^i^Io hlieb^u si nd, 

'' Al^t der WaUrnehTngAk vr^tj^tbbflefier 
: vv-j^ ri'h ^^ her. -Äd^svJ^i M'fe^' ■ ' ^ Mets.;, ., je^ $k^;ben . 

.-Mit^^hwk^^'^^ heSiahdi*n, SßlcrhörtyS^Bpn^r^iKn^ b^Sc^plßries") 
^öh y s Jfdwu 14- - TiHe bet)jiity’QT[dst^rV. tf^ör^^£> die Ausi&cktiss^ , 
■';i';;i^'fit^de'%';'g:-ü&'r^^ ,dös ■ is't '-'deir' 
löiny;ärat-;dor ^ dJ^ Fürsorg-^ fdr 

-d i-ö St/tdtbii?bltJT'd der de ■ ‘l§ Jfl)äkAW*'^ 

das ^ . 

r>ef Herr .der Sincit nad dtij; 

G ob Le (Ci; wer jedhöb der Kaiser. DieüftO hbte seikt! C)ber^ 
itohok >ufiftiUcJbat: nhi; ^lütt^Vkd einer AbW^s^hltek ipi der 
: > U cii-'h sstadt. Hei einein: sdichen 

Hc'ibK h er,; dem Hert 

hdmnk^h rier Sfödt ibffe' 

Vb'ufde Vi'>rst<^hH^ 

_ th;' di^. 

SlTivIt y6tn ’K^iaer- erbeten^ so dal5 
Üedrn^n^ för dett 
JBhihÖ.;: i-'wu-txlc^. ■ ,vtu 4^?. ■ UTcsprün^-UcK. 

; war-;, 

I«: es vV'fynj^TH so^rr zethv;eise recht 
jii ^eradezti vorlelZi^nde 
' ;1^i.ö.Gcsrbe-^ 

■sdrb<-^b' ■' ■-.AtgTA'oha 

■■ dnr(. Km-t4 mir 

.' d ek s-’ ■ 

f..-E -li'iri d ^ die S t od.l 

■Mf^i mebt;- 

^tt ei'ryo r ,, .Reptdii;®:'■, :'d*-ift-'-s^bich, -z-dyn . 

e.hbr^i ,oifer, dnfe - Kiäcs.exr bü-t;.'; 
.vf iiye ’ScWm.fl'LrtOriil.ht .■ IdÖt''!'■■■' iKüfth-b;- 
.',■ Vpp ’-jleFjf. K-jdscP’u’ die 
.suthte'TK - har .'Ivid |V>;; fius'..iStnäT^--- 
. kiui/eiv Erwä^atijirbh-' ,ia’ 'dp.r\-dkhre'TT: 
11^4 2wej erll^nL^^tk! 

fuojf im. 

' öre-nlibb^l .die’ .Avbtbhji’ =tar. 

■'K:^ts<?^:-:1uid ■ Vt'jryfftu'en- 

dttleheh Mxal 'tl'’ 
iweitern, dk^er MeUer. 
ü ^; W't.Vrd e.. df»A !:ft r de oi 

-.^kf-■ 4^"'^ ■- >driib]h'h4 h': ■' tvlS;e-'^ be-*. 

dn^i die 
und; 

die fofi'njter. 


des IO'. JttI\rbTirvd>.'tL^.': 

.r>ad Heilh’h vtuknkdTd^^'-'^^'bt'LteT' btSiWn Kvli!>^?^^■ Fri^’d 
Hi h 1!].^ sem Si^hi-n Ma^Ehnilhm fmd fiehkf.'^lMVb dtVliArtl Kas^l Vv 


I/ui jil ivor Tihdtvbh^ ki^rw^rbt-hea Ho^j^rhe durch dioilamit 
■ ■ vt'fi h ü ] > i t ea Fi^s HK: i i ■ r-^yinn h 1 1 tke I iTfil 41levbi’^^Xe tU r 

dir Siiidi seV k'j»st,'.ip^ektr warvnr sCfAderu. nycb dhi:; Kaiser 
det St^f^li-, wrenT"! y-o zu lordeT'n t 

Atvi.z-sicii seiue So^rvergnt?- 
Jif'rk rdin iu der daß {wie es uv emer 

. dOfn ivdip 1414■"■ticibt) es keinen ■:^üretv.- 

irieu' Api^) .■■ltii>>jit1'i:;..S"äidrie.s Merrn slelit, .-Die-- 
sW ]t^^fh:hteu^r*;ioh Ai4fr Auj^Tike hat 

the Stödl tn.lk W^k; iinUM j^inabea GpTera, 

: UbM W.eiidt?ft itad bWwrtn^^rr; - , : ; ^ ; ^ _ 

\ Seit dt^m S.^: Ar.htKtindt^rl war Meu mil dem luvtehdriy^en 
,' ■: Jptpi T et- l>n hd;^ Vv' i^rwgkn di-e.h - ■ u rh t'. ' SeinrCf . 









Nr. 5 DEUTSCHLAND 247 


Erb« und Erzfeinde waren die Herzoge von Lothringen, die 
bald mit Gewalt, bald mit List sich in den Besitz der reichen 
und vielbeneideten Stadt zu setzen suchten. In den Jahren 
1323 bis 1326 hat der lothringische Herzog im Bunde mit 
dem Herzog Johann von Luxemburg und König von Böhmen, 
dessen Oheim Erzbischof Balduin von Trier, sowie dem 
Grafen von Bar Metz bekriegt. Dieser nach der Zahl der 
teilweise bei den Metzer Bürgern verschuldeten Angreifer 
benannte „Vierherrenkrieg" endigte mit dem „Heringsfrieden", 
der also heißt, weil von den Metzern gespendete Heringe die 
Friedens « Abmachungen be¬ 
schleunigt haben. Vertreter 
der Stadt Metz hatten sich 
nämlich nach Pont-ä-Mousson 
begeben, um mit Vertretern 
der „vier Herren" über einen 
Friedensschluß zu verhandeln. 

Es war in der Fastenzeit, 
und die Metzer hatten daher 
frische Heringe als ihre Fasten¬ 
speise mitgenommen. Die Ab¬ 
gesandten der vier Herren trafen 
sie beim Essen und äußerten 
ihre Verwunderung, sie so gut 
versehen zu finden. „Was?", 
riefen sie, „wir blockieren eure 
Stadt und halten die Straßen 
gesperrt, und nun schmaust ihr 
Heringe, während wir keine 
bekommen können?" „Nun 
ja", erwiderten die Metzer, „ihr 
bildet euch ein, uns die Straßen zu sperren, wir aber sperren 
sie euchl" Da baten die Abgesandten der vier Herren um 
ein halbes Dutzend Heringe, um sie ihren Herren anzubieten; 
die Metzer aber antworteten: „Da habt ihr hundert, die mögt 
ihr ihnen von uns bringen." — Infolge der riesigen Geldopfer, 
die dieser „Vierherrenkrieg" erheischte, wurde im Jahre 1326 
behufs Tilgung der Kriegsanleihen bestimmt, daß bis zur 
völligen Befriedigung der Gläubiger der Stadt eine direkte 
Verkehrssteuer erhoben werden solle, u, a. vom Verkauf 
der verschiedensten Erzeugnisse und von urkundlich über¬ 
tragenen Vermögenswerten, 
also bei Kauf und Verkauf 
von Grundstücken, Schuld¬ 
verschreibungen u. dergl. 

Diese vernünftige Maßregel, 
die den Mißstand, alte An¬ 
leihen durch neue Anleihen 
zu tilgen, abstellen sollte, er¬ 
bitterte jedoch das Volk und 
erregte einen Aufruhr. Daher 
ist die Steuer fallen gelassen. 

Doch wird in den Jahren 1384 
und 1353 auf jenes Gesetz 
zurückgegriffen, und später 
wird die Steuer eine dauernde 
Einrichtung. Der als oberste 
Steuerverwaltung eingesetzte, 
bereits erwähnte Siebener- 
Ausschuß erhält ein kleines 
Siegel, „bullette", um dem 
Steuerzahler eine besiegelte 
Empfangsbestätigung auszu¬ 
stellen, die den Gerichtsbeamten gegenüber als Ausweis dient. 
Noch diesem Siegel heißt diese Verkehrssteuer „Bullette", sie 
entspricht durchaus dem französischen (in Elsaß-Lothringen 
bis heute beibehaltenen) „Enregistrement". Der Sitz dieser 
Steuerbehörde, das Hotel de la Bullette am H. Kreuzplatz, 


ist noch erhalten, nur ist der Bau teilweise umgestaltet. — 
Nächst dem „Vierherrenkrieg" seien von den Kriegen des 
folgenden 15. Jahrhunderts nur erwähnt der Angriff im Jahre 
1444, bei dem der französische König dem Herzog von 
Lothringen als Bundesgenosse zur Seite stand, und der vom 
Herzog Nikolas von Lothringen im Jahre 1473 gemachte 
Versuch einer Ueberrumpelung der Stadt, die aber durch des 
Bäckers Harelle Eingreifen vereitelt wurde. — Das Jahr 1552 
macht den Freiheiten der Reichsstadt Metz ein Ende. Uns aber 
erinnern noch an die reichsstädtische Vergangenheit Bau¬ 
werke, welche die Zerstörungen 
überdauert oder der Neuerungs- 
Suchtstandgehaltenhaben. Daß 
der hehre Bau der Kathedrale 
großenteils in diesen Zeitab¬ 
schnitt fällt, war bereits gesagt, 
ebenso der Ausbau anderer 
Gotteshäuser. Die Stadtbefesti¬ 
gungen wurden verstärkt, so 
auch das nach der benachbarten 
Niederlassung des Deutschen 
Ordens benannte „Deutsche 
Tor", genauer: Deutschherren- 
Tor (Porte des Allemands). 
Denn in den Jahren 1445 ff. 
wurde vor das alte Tor auf der 
Landseite ein starkes Außentor 
mit spitzwinklig vorspringen¬ 
dem Zinnenbau zwischen zwei 
Türmen vorgeschoben und mit 
dem rückwärtigen Torbau durch 
einen von Bogengängen eingefaßten Hof verbunden. Aber auch 
manche Wohn- und Warenhäuser aus reichsstädtischer Zeit 
sind noch erhalten, freilich vielfach durch Umbauten entstellt. 
Im Laufe der Zeit verändert und entstellt sind auch größten¬ 
teils die Bogen am Ludwigsplatz, der seine alte Bezeichnung 
nach den Wechslerständen, den Vorläufern unserer Banken, 
seit dem 18. Jahrhundert verloren hat. Wie dieser Platz, so 
war auch der größte öffentliche Platz der Reichsstadt, der 
am linken Ufer der (alten) Seille gelegene Champ ä Seille 
(Saalfeld), der an 10000 Menschen Platz bot, ringsum mit spitz- 

bogigen Lauben umrahmt. 
Diese Bogen sind verschwun¬ 
den, der Platz selbst seit 
1726/31 mit Kasernen be¬ 
setzt. An die ehemaligen 
Verhältnisse dieses Platzes 
wie anderer Stadtteile und 
Bauten erinnern aber die in 
den städtischen Sammlungen 
ausgestellten Bilder von Alt- 
Metz wie die hier geborgenen 
Architektur - Reste und In¬ 
schriften. Von diesen letztem 
verdient eine hierangeführt zu 
werden, die an dem Tor des 
1552 vernichteten Stadtteils 
angebracht war (jetzt in der 
SammlungimDeutschenTor): 

Si nous avons paix dedans, 
nous avons paix defors 
= dehors, 

in deutscher Uebertragung: 
Wenn wir Frieden haben drinnen, haben wir Frieden draußen. 

(Der Schluß mit den Abschnitten, welche die französische 
Stadt und Festung Metz, 1552 bis 1870, die Schlachtfelder 
um Metz und die Einschließung der Stadt im Jahre 1870, die 
Sammlungen der Stadt Metz behandeln, folgt im nächsten Heft). 



Metz: Kathedrale, Westseite 
(Verlag der Neuen Photogr. Gesellschaft A.-G., Steglitz-Beilin) 



Metz: Deutsches Tor 

















248 DEUTSCHLAND Nr.5 


Elsaß^Lothringen als Weinland» 

Von Prof. Dr. Paul Kuli sch, Colmar i. Elsaß. 


Ja, ein Weinland ist es, unser Elsaß-Lothringen! 
Von wo dich dein Weg ins Reichsland führt, Wanderer, 
überall begegnest du alsbald den „Reben'^ 

Wo in der Hochebene Lothringens Taleinschnitte 
wärmere Südhänge schaffen, an den Kalkbergen des 
Sundgaus auf dem Wege zur Belforter Pforte, in den 
Vogesentälern, hier fast bis an die Grenzen des Acker¬ 
baues hinaufsteigend, selbst auf weiten Strecken der 
Rheinebene, wie in der alten Reichs- und Weinstadt 
Colmar, blüht seit alten Zeiten der Weinbau. 

Die Perlen aber im Kranze unserer Reborte findest 
du an den sonnigen, heißen Hängen und den Vorhügeln 
der Vogesen, von Weißenburg bis hinauf jenseits Mül¬ 
hausen. Zwischen Schlettstadt und Molsheim im Unter- 
Elsaß, von Colmar bis nach St. Pilt im Oberland ver¬ 
breitert sich dieser Rebengürtel zu tiefen Weinbaugebieten, 
die man an vielen Stellen erst in stundenlanger Wande¬ 
rung durchqueren kann. Du hast sie zu deinen Füßen, 


wenn du von der Hohkönigsburg nach Norden und 
Süden den Blick schweifen läßt. Dort umfaßt du mit 
wenigen Blicken das herrliche Waldgebirge der Vogesen, 
an dieses sich überall anschmiegend auf viele Stunden 
Weges nur Reben und wieder Reben und darunter 
schließlich die fruchtbare Rheinebene. Ein Landschafts¬ 
bild von seltener, ganz eigenartiger Schönheit! 

Das ist das echte, elsässische Weinland, wo auf 
weiten Strichen alles wirtschaftliche Leben im Weinbau 
seine letzten Quellen hat. Auf den Weinbau in erster 
Linie baut sich hier der Wohlstand des Volkes und 
eine Jahrhunderte alte Kultur auf. Die Weinorte vor¬ 
nehmlich sind es, — man braucht nur Thann, Kaysers- 
berg und Oberehnheim zu nennen — , die, umrahmt 
von Reben, mit ihren Kirchen, Bollwerken und den 
Zeugen einstiger Blüte des Bürgertums uns so viele alt¬ 
ehrwürdige und zugleich entzückende Städtebilderbieten. 

Mit seinen 32000 Hektar Reben ist das Reichsland 
das bei weitem größte Weinbaugebiet Deutschlands. 
Bei der Ergiebigkeit unseres Weinbaues kann Elsaß- 
Lothringen in günstigen Jahren mehr Wein erzeugen. 


als das ganze übrige Deutschland zusammengenommen. 
Und doch: Wie wenige von denen, die zum ersten 
Male über diesen Rebenhügeln stehen, kennen den 
Elsässer Wein! 

Verschiedene Umstände wirken hier zusammen. 
Das Elsaß ist nicht nur ein Land der Weinbauern, sondern 
auch der Weintrinker. Wein ist noch heute, namentlich 
auf dem Lande, in den meisten Ständen ein fast täg¬ 
liches Genußmittel. Man trifft in Deutschland kaum 
einen anderen Landstrich, wo alle Standesunterschiede 
gerade gegenüber dem Weingenuß so völlig verwischt 
sind. Die den Elsässern mit Recht nachgerühmte frei¬ 
gebige Gastlichkeit gebietet es, keinen Fremden ziehen 
zu lassen, ohne daß er den Wein im Keller, einen 
,,gueten" Alten, versucht hat. Der Elsässer lohnt auch 
den kleinen Dienst, sei es dem Briefboten oder dem 
Kutscher, mit einem Schoppen Wein. Für viele meiner 
norddeutschen Landsleute wird es etwas ganz Neues 
sein, daß selbst draußen auf der Rheinebene, wo 
gar keine Reben wachsen, bei der heutigen Leute¬ 
not eine Hauptsorge im bäuerlichen Betriebe die 
Beschaffung eines ordentlichen „Trinkweines" für 
Gesinde und Arbeiter bildet. 

Elsaß-Lothringen verbraucht daher in vielen 
Jahren mehr Wein, als es selbst erzeugt, nament¬ 
lich an den billigen Weinsorten, die das Volk 
trinkt. Deshalb ist der Weinbau des Landes 
auch jetzt noch vorwiegend auf den örtlichen 
Bedarf zugeschnitten. Noch mehr traf dies 
vor dem großen Kriege zu. Auf dem Markte 
Frankreichs hatte der elsässische Wein neben 
seinen bevorzugten Brüdern aus dem Süden 
und Westen einen doppelt schweren Stand. 
Jetzt bieten sich für den Verkauf nach Alt¬ 
deutschland viele aussichtsreiche Möglichkeiten. 
Aber bei der Langlebigkeit der Rebe dauert 
es Menschenalter, ehe solche Aenderungen in 
den Absatzverhältnissen sich durchgreifend bemerkbar 
machen können. Bis jetzt fällt nur in reichen Wein¬ 
jahren die Ausfuhr von Weinen aus Elsaß-Lothringen 
gegenüber der Gesamternte einigermaßen ins Gewicht. 

Auch sonst weisen die Verhältnisse des Elsaß 
vielfach auf die Erzeugung von Tischweinen hin. Dem 
Reisenden, der vom Mittelrhein kommt, wo er die 
niedrigen Reben im Rheingau, bei Nierstein und an der 
Hardt bei Deidesheim gesehen, fällt im Elsaß die hohe 
Erziehung des Rebstockes auf. Die außerordentliche 
Fruchtbarkeit und Triebkraft des Bodens zwingen den 
Winzer, der Rebe einen längeren Schnitt zu geben. 
Viele Böden, gerade im Herzen unseres Reblandes, 
zwischen Beblenheim, Reichenweier und Rappoltsweiler 
gehören nach ihrem Gehalt an löslichen mineralischen 
Nährstoffen zu den reichsten Kulturböden, welche die land¬ 
wirtschaftliche Literatur überhaupt kennt, ln Gebweiler, 
am Fuße des „Kitterle'', wurzelt der Stock in meter¬ 
tiefem, lockerem und zugleich feuchtem Moränenschutt, 
einem gar nicht zu erschöpfenden Boden, ln solchen 
Böden bei kurzem Schnitt einseitig auf Qualität zu 



Rnppohsweiler im Elsaß (Phot. Albert Lutz) 







Nr. 5 DEUTSCHLAND 249 




bauen, wie am Johannisberg und im Clos Vougeot, 
wo die Könige des Rheinweins und des Burgunders 
wachsen, würde schlechterdings unmöglich sein. 

Dafür lohnen aber solche triebkräftigen Böden eine 
gute Rebpflege um so mehr hinsichtlich der Menge. 
Es ist keine Sage: In besonders guten Jahren, wie 1900, 
gibt dort ein Gutedelstock dem Rebmann, der seine 
Pfleglinge immer gut besorgt, 
ein „Erkele", ein ganzes Lese- 
büttchen voll Trauben. 

Eine Eigenart der elsässi- 
schen Weine ist besonders 
hervortretend: Auch in ge¬ 
ringeren Jahren werden sie 
verhältnismäßig reif, d. h. milde 
in der Säure, und zwar auch 
in denjenigen Gewächsen, die 
als kleine Tischweine gehen. 

In unseren besten Weinorten 
reift die späte Rieslingtraube 
vielfach um 14 Tage früher, als 
in anderen deutschen Wein¬ 
baugebieten. Selbst mittlere 
Weinorte des Elsaß haben 
eine Jahrestemperatur, die der 
der heißesten Weinorte am 
Mittelrhein nicht nachsteht. 

Es ist daher überflüssig, 
die Frage aufzuwerfen, ob 
das Elsaß auch hervorragende 
Weine erzeugen kann und er¬ 
zeugt. Nur Unkenntnis oder Mißgunst könnten sie ver¬ 
neinen. Um nur einige bessere Marken zu nennen: 
Der Wolxheimer Riesling, der Barrer Traminer, der 
Rappoltsweiler Riesling, der Reichenweierer Muscateller, 
der Ammerschweierer Käferkopf, der Türkheimer Brand, 
der Rufacher Hauler, der Gebweiler Kitterle, der Thanner 
Rangen, die Rotweine von Scy bei Metz und von 
St. Pilt, sie alle sind zwar nicht Hochgewächse im Sinne 


der Auslesen von Hardt und Rheingau, sie machen 
auch keinen Anspruch darauf, aber sie alle sind edle 
Marken von einer ausgeprägten besonderen Art, zu der 
der Kenner immer wieder gern zurückkehren wird. 

Mein Beruf gibt mir oft Gelegenheit, wohlgepflegte 
Weine guter Keller des Elsaß solchen Besuchern vor¬ 
zuführen, die vorher kaum je einen Elsässer Wein kennen 


Ausblick auf Ste. Rufime bei Metz 


Thann gegen den Roßberg 

gelernt haben. Immer wieder tritt mir dabei entgegen, 
wie sehr man von der Güte der Weine und deren 
Billigkeit überrascht ist. 

Der Elsässer Wein hat noch keinen Namen, das ist 
sein größter Fehler. Fast alles, was bis jetzt an Wein 
aus dem Elsaß nach Altdeutschland ging, wurde unter 
anderem Namen verkauft. So mancher kleine „MoseP' 
war überwiegend in einem geringen Nebental des Elsaß 
oder in noch weniger rühmens- 
’ werter Lage draußen auf der Ebene 
; gewachsen. 

Den Elsässer Wein unter seinem 
Namen in den Verkehr zu bringen, 
muß unser erstes Ziel sein. Tief¬ 
sitzende Vorurteile sind dabei zu 
überwinden. Das wird um so 
schwieriger sein, als gerade beim 
Weingenuß die Suggestion unser 
Urteil so sehr beeinflußt. Aber die 
Frage muß gelöst werden, denn in 
ihrer Lösung ruht zum guten Teil 
die Zukunft unseres Weinbaues. 

Viele Weine des Elsaß ent¬ 
sprechen durchaus dem Geschmack 
der altdeutschen Abnehmer. Der¬ 
artige Gewächse werden selbst die 
besten Bahnbrecher für den elsässi- 
schen Wein sein, wenn sie nach 
guter Kellerpflege in tadelloser Be¬ 
schaffenheit preiswürdig auf den 
Markt gebracht werden. 












250 meeoüüüQ&xxiüoooa^^ DEUTSCHLAND (B eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee m Nr.5 


Der Strom der fremden Besucher kann in gewissem 
Grade der Vermittler für den Absatz unserer Weine 
werden. Es mag als gutes Vorzeichen nach dieser 
Richtung gelten: In wenig Bergwirtshäusern dürfte man 
so gute und preiswürdige Flaschenweine finden, als 
droben, auf dem höchsten Gipfel des Elsaß, beim 
„Belchenwolf". 

An unsere Gäste aus Altdeutschland geht daher 
die Bitte: Sucht, wenn ihr in die Vogesen zieht, auch 
die Bekanntschaft des Elsässer Weines, auch da, wo ihn 
das Volk trinkt, den offenen Wein. Ueberall findet 
man Stätten, wo der einheimische Wein noch rein 
und Unverschnitten fließt. Der „Neue" wird wegen 
seiner unfertigen Art dem Fremden weniger Zusagen. 
Wer nach Rappoltsweiler kommt, der gehe in die 
Stadt Nanzig zum Krumb und fordere einen guten 
alten „Zwicker". 

Wer mehr Zeit erübrigen kann, der wandere durch 
die Reben über Reichenweier nach Kienzheim an der 
Kaysersberger Bahn. Reichenweier allein lohnt diese 
Wanderung: Kaum ein anderer Weinort bietet ein so 
getreues Bild elsässischer Weinkultur, in allen Bedeu¬ 
tungen dieses Wortes. Reichenweier erzeugt von der 
edlen Rieslingrebe Gewächse, die unter den Elsässer 
Weinen den Rheingauem am nächsten kommen. Der 
wirtschaftliche Schwerpunkt liegt aber auch hier im 
besseren Tischwein, dem „Zwicker", der von der „Gut¬ 
edeltraube" die milde reife Art und eine angenehme 
Blume, von den mitgekelterten besseren Rebsorten aber. 


wie Burgunder, Riesling oder Muscateller, seine kräftigere 
Art und das ausgeprägtere Bukett hat. 

Reichenweier ringt mit Rappoltsweiler um die Palme! 
Der Wanderer möge selbst entscheiden: Er kehre in 
Reichenweier beim Preiß in der Granate ein und frage, 
ob noch 1904 er oder 1907 er Zwicker vorhanden. Er 
versäume aber auch nicht, den Reichenweierer Riesling 
mit dem Rappoltsweiler zu vergleichen. 

Als vor einigen Jahren die Abgeordneten aus Elsaß- 
Lothringen in der Wandelhalle des Reichstages ihren 
Kollegen und den Vertretern der Reichsregierung eine 
gewählte Sammlung von Weinen aus der Westmark zur 
Probe gegeben hatten, ist manches freundliche Wort 
über die Weine des Reichslandes gefallen. Besonders 
treffend hat aber, wie ich meine, damals eine große 
Tageszeitung in einer geistreichen Plauderei die Lage 
beleuchtet. Der Verfasser, ein erfahrener Lebenskünstler 
von auserlesenem Geschmack, damals schon an der 
Schwelle der Siebziger, dessen Name auch auf dem 
Gebiete der Literatur einen hellen Klang hat, äußerte 
sich etwa wie folgt: „Ja, sie sind vielfach anders, die 
Weine Elsaß-Lothringens, aber sie sind schön in ihrer 
Art". Wer da weiß, wie oft gerade auf dem Gebiete 
der Weinbeurteilung nicht nur individuelle, sondern auch 
regionale Gewohnheiten und Geschmacksrichtungen 
selbst viel größeren Weinen bitteres Unrecht zugefügt 
haben, der kann nur wünschen, daß auch bei der Be¬ 
urteilung der Elsässer Weine deren Besonderheit mehr 
Rechnung getragen werden möge. 


=— Hygiene auf Reisen. ====—— 

Von Dr. med. Erwin Jaeger, Leipzig. 

Vortrag, gehalten am 21. Mai 1911 auf der Jahres-Versammlung des Sachs. Verkehrs-Verbandes in Dresden. 


(Schluß). 

Leider werden die Touren, die unternommen 
werden, noch allzu häufig über das Maß an Körperkräften 
ausgedehnt, das Menschen, die daheim in ihrem Beruf 
angestrengt arbeiten müssen, zusteht. Selbst in den 
Erzählungen von den Reisen spielt die zurückgelegte 
Strecke eine ungehörige Rolle. Ganz besonders leicht 
veranlaßt das Radfahren Ueberanstrengungen, um am 
Abend mit Befriedigung auf eine recht große Kilometer¬ 
zahl zurückblicken zu können. Damit ist schon viel 
Schaden angerichtet worden, der gar nicht wieder gut 
zu machen ist. Körperliche und geistige Tätigkeit 
ergänzen sich nicht etwa in der Weise gut, daß ein 
großes Maß der letzteren durch ein ebensolches der 
ersteren ausgeglichen werden darf, sondern geistig an¬ 
gestrengte Menschen dürfen sich weniger körperliche 
Arbeit zumuten als solche, die geistig nicht viel zu 
arbeiten haben. 

Sehr wünschenswert wäre es, den Radfahrern da¬ 
durch die Arbeit zu erleichtern und ihre Sicherheit auf 
der Straße zu fördern, daß man grundsätzlich ihnen 
eine Seite der Straße freigibt und die Fußgänger auf 
die andere Seite verweist. Dadurch würde das Ueber- 
queren der Straßen mindestens eingeschränkt, die Rad¬ 
fahrer bekämen einen besseren Weg, der durch Fuhr¬ 
werke nicht zerstört würde, und ihnen würde das nicht 


nur lästige, sondern auch gefährliche Ausweichen vor 
Automobilen erspart. 

Auch ein anderes Fortbewegungsmittel, das Auto, 
verlangt besondere Maßnahmen seitens der Straßen¬ 
behörden. Zum mindesten in der Nähe der bewohnten 
Orte müssen die Straßen einen Ueberzug bekommen, 
der die Staubentwicklung hindert. Am besten wäre 
es, wenn kein Autoweg mehr durch bewohnte Ort¬ 
schaften, sondern nur noch an ihnen vorbei führte. 
Dazu macht sich allerdings die Anlage neuer Straßen 
nötig. Man wird aber auf die Dauer kaum an der Er¬ 
füllung dieser Forderung vorbeikommen. Für die im 
Auto Reisenden machen sich Schutzmaßregeln gegen 
den Wind und gegen das Eindringen von Insekten in 
das Auge nötig: Brillengläser mit seitlichem Schutz 
sind am meisten zu empfehlen. 

Aehnliche Schutz - Maßregeln müssen auch von 
denen ergriffen werden, die sich der Flugapparate 
bedienen wollen; außerdem bedürfen sie, ebenso wie 
die Ballonfahrer, des Schutzes gegen die Kälte durch 
dicke Kleidungsstücke. Den Fliegern müßte das 
Ueberfliegen bewohnter Ortschaften gänzlich verboten 
werden, damit bei Unglücksfällen nicht auch Einwohner 
gefährdet werden. 

Von allen Transportmitteln wird aber wohl auch 
noch in Zukunft neben dem Schiff die Eisenbahn 





Nr. 5 


DEUTSCHLAND m^eee&eeseeeeeeee^^e^^m 251 


am meisten benutzt werden. Ihre Personenwagen sollen 
so eingerichtet sein, daß sie das bei der Fahrt ent¬ 
stehende Geräusch auf ein Minimum herabsetzen. 
Große Fenster, um recht viel Luft und Licht in die 
Wagen eindringen lassen zu können, Korridore, die 
geeignet sind, alle Zugluft fernzuhalten, regelmäßiges, 
sorgfältiges Reinigen der Sitzgelegenheiten, um die 
Möglichkeit der Uebertragung von ansteckenden Krank¬ 
heiten einzuschränken, sind Forderungen, deren Er¬ 
füllung von allen Eisenbahnverwaltungen zu verlangen 
ist. Mit Plüsch überzogene Sitzgelegenheiten sind 
mit Rücksicht auf die Uebertragung von Hautkrank¬ 
heiten weniger zu empfehlen als die mit Leder über- 


„Wir fuhren allein im dunkeln 
Postwagen die ganze Nacht; 

Wir ruhten einander am Herzen 
Und haben gescherzt und gelacht. 

Doch als es morgens tagte. 

Mein Kind, wie staunten wirl 
Denn zwischen uns saß Amor, 

Der blinde Passagier."" 

in dem jetzigen modernen Eisenbahnwagen auftauchen. 

Ganz schädlich für Eisenbahnreisende ist das Lesen 
und Schreiben im Eisenbahnwagen, da die andauernden 
Erschütterungen die Arbeit der Augen hierbei ganz 
wesentlich erschweren. Man benutze im Gegenteil die 



Tagung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine in Worms vom 6.-9. Juni I9H 

Photographische Aufnahme der Teilnehmer im Heylschen Garten (Phoi.: Chr. Herbst, Worms) 


zogenen. Die Einrichtung von Schlafwagen auch für 
die Reisenden III. Klasse ist aus hygienischen Gründen 
sehr zu empfehlen. 

Andererseits müssen aber auch die Reisenden alles 
dafür tun, die Wagen rein zu halten. Das Ausspeien 
in den Wagen ist aus ästhetischen und sanitären Gründen 
unbedingt zu verbieten. Zu den üblen Angewohnheiten 
vieler Reisenden gehört auch das Bedürfnis nach Unter¬ 
haltung, das sie oft zu befriedigen wünschen, auch 
wenn der gesuchte Partner nicht das gleiche Bedürfnis 
verspürt. Anders natürlich, wenn beide von gleichem 
Wunsch beseelt sind. Dann mag auch das von Heine 
besungene Idyll der guten alten Postkutsche: 


Eisenbahnfahrt zur Ruhe für das Gehirn. Bei einigem 
guten Willen wird das gehen, da die Eisenbahnfahrt 
selbst genügend Ablenkung verschafft. 

Die Schiffahrt bringt den meisten Reisenden weit 
weniger Unannehmlichkeiten. Im Gegenteil, sie wird 
von Aerzten nervösen Menschen unter Umständen mit 
großem Erfolg verordnet. Sie ähnelt den Luftballon¬ 
fahrten darin, daß sie auch um ihrer selbst willen, 
nicht um des Reisezieles willen, unternommen werden 
kann und übt allein schon aus diesem Grunde genau 
wie die Ballonfahrten einen beruhigenden Einfluß auf 
nervös-hastende Menschen aus. Für viele freilich wird 
sie immer die Unannehmlichkeit der Seekrankheit mit 











252 DEUTSCHLAND Nr. 5 


sich bringen. Solchen Reisenden sei empfohlen, es 
mit Heine zu halten: 

„Ich sehne mich dennoch nach dir. 

Denn wenigstens bist du doch festes Land." 

Wir haben nun ferner noch die Hygiene des 
fremden Hauses, das der Reisende aufsucht, zu be¬ 
sprechen. Hier sei gleich vorweggenommen, daß zu diesem 
Teil der Hygiene der Reisende selbst ganz außerordentlich 
viel beitragen kann. Die Rücksichtnahme auf einander 
kann den Reisenden im fremden Hause das eigene ver¬ 
gessen lassen, dort, wo sie fehlt, wird sich unter Um¬ 
ständen trotz aller Anstrengung des Wirtes und seiner 
Gehilfen der Fremde heimwärts sehnen. Die geforderte 
Rücksichtnahme bezieht sich nicht nur auf die eigene 
Reinlichkeit, sondern auch auf die Sorgfalt, mit der 
man unnötige Geräusche vermeidet. 

Von den mannigfachen Aufgaben, welche die 
Ankunft des Fremden dem Wirt auferlegt, sei er nun 
Besitzer eines Hotels, Gasthauses, einer Sommerwohnung 
oder ähnlichem, seien folgende hervorgehoben: Außer 
den Schlaf- und Speiseräumen müssen weitere Räume 
vorhanden sein, in denen sich der Reisende während 
des Tages aufhalten kann, ohne von Kellnern zum Essen 
und Trinken aufgefordert zu werden: Schreib-, Lese-, 
Musikzimmer, Vestibül. Wenn diese Räume auch nicht 
immer insgesamt vorhanden sein müssen, so achte man 
doch darauf, daß wenigstens ein Teil von ihnen den 
Fremden zur Verfügung steht, und zwar so, daß sich 
der Fremde dort gern aufhält. Die dort ausgelegten 
Zeitungen müssen stets ungebraucht ins Hotel kommen, 
frische Umschläge erhalten und nach Gebrauch am 
besten vernichtet und nicht weitergegeben werden. 
Einrichtungen für weitere Unterhaltungen: Billard, Kegel¬ 
bahn, Golf- und Tennisplätze kommen nicht für jedes 
Hotel in Frage, sind aber oft für den Fremden recht 
wertvoll. Daß ein modernes Hotel Dampfheizung haben 
muß, ist nahezu selbstverständlich, daß die in den 
Stuben aufgestellten Dampfheizungskörper einer be¬ 
sonders sorgfältigen Reinigung auf ihrer Oberfläche 
bedürfen, um die Staubentwicklung, die sonst mit dem 
aufsteigenden warmen Luftstrom unvermeidlich ist, 
zurückzuhalten, ist leider noch nicht ebenso selbst¬ 
verständlich. Elektrisches Licht ist für den Fremden 
nicht nur angenehm, sondern bietet ihm auch noch 
besondere Sicherheit für sein Leben. Mit Gas sind im 
Schlafraume immer gewisse Gefahren verbunden. Jede 
Stube sollte einen selbsttätigen Feuermelder haben. 
Um das durch elektrische Klingeln auftretende Geräusch 
zu vermeiden, bewährt sich die Einrichtung von Licht¬ 
signalen, deren Handhabung für den Fremden ebenso 
bequem, für ein aufmerksames Hotelpersonal zuverlässiger 
ist als die Klingelzeichen. Um möglichst viel Ruhe im 
Hotel zu schaffen, sind Läufer, selbsttätige Türschließer, 
Fahrstühle und die Anlage der Küche und der Kraft¬ 
anlagen derart anzubringen, daß Geräusche, die von 
ihnen ausgehen, im Hotelgebäude nicht wahrgenommen 
werden können. Jedes bessere Hotel sollte die Schlaf¬ 
räume mit Doppeltüren aus dem gleichen Grunde 
versehen. Außerdem wird dadurch anderen der un¬ 
angenehme Eindruck abgelegter Kleidungsstücke erspart. 
Unterhaltungen seitens des Personals mit den Fremden 
auf den Korridoren müssen außerdem noch streng ver¬ 


pönt sein. Es muß der Stolz jedes Wirtes sein, seinem 
Gast die Nacht durch Geräuschlosigkeit so angenehm 
wie möglich zu machen. Dem Gaste muß es in einem 
gut geleiteten Hotel wie Lenau gehen: 

„Was mich erfreut' auf meinen Wegen, 

Das träumt' ich nun im Schlafe nach." 

Von gleicher Wichtigkeit für den Fremden ist die Rein¬ 
lichkeit des Hotels. Sie macht nicht nur den ersten, 
sondern auch den bestimmenden Eindruck auf den 
Reisenden. Alle Staubfänger müssen vermieden werden. 
Danach sind die Fenstervorhänge einzurichten, Wand¬ 
schränke sind den anderen, meist noch gebräuchlichen, 
vorzuziehen. Plüschmöbel sind nach Möglichkeit ein¬ 
zuschränken. Zur Reinigung der Möbel sind Staub¬ 
saugeapparate zu verwenden. Breite Fenster und 
Korridore, damit Licht und Luft ungehindert Zutritt 
haben I Man muß aber auch von ihnen Gebrauch 
machen und nicht erst die Stickluft bei der Ankunft 
der Fremden aus den schlecht oder gar nicht gelüfteten 
Stuben vertreiben wollen. 

Jeder Gast muß frische Wäsche bekommen. Die 
Reinigung der Hotelwäsche sollte deswegen, weil sie 
von ganz verschiedenartigen, in ihrer Eigenart oft nicht 
gekannten Menschen benutzt wird, ganz besonders sorg¬ 
fältig gewaschen werden. Sie müßte in jedem Sommer 
mehrmals gebleicht werden. Aus dem gleichen Grund 
sollten alle Betten mindestens im Frühjahr und Herbst 
gesonnt werden. 

Klosetts mit Wasserspülung in genügender Zahl, 
Toiletten möglichst auch mit dem Zufluß warmen Wassers 
und mit so viel Handtüchern, daß jeder Gast ein noch 
ungebrauchtes Tuch benutzen kann, moderne Bade¬ 
einrichtungen sind heute für jedes Hotel von Rang 
selbstverständlich. Da Gäste bei längerem Aufenthalt 
neuerdings gern Licht- und Luftbäder, auch Sonnen¬ 
bäder genannt, nehmen, so ist es gut, daß Hotelbesitzer 
die Errichtung solcher Bäder an ihrem Wohnort ver¬ 
anlassen. Grüne Wiesen in den Luftbädern und in der 
Umgebung der Promenaden sind Vorzüge, die wegen ihrer 
beruhigenden Wirkung auf die Augen unschätzbar sind. 

Die Küchen müssen groß und geräumig sein. Für 
sie ist nicht etwa jedes Loch gut, das im Hause irgendwo 
übrig bleibt. Nicht nur die Speisen sollen sich in diesen 
Räumen wohlfühlen, d. h. vor Fäulnis und Verderbnis 
geschützt sein, sondern auch das Küchenpersonal, weil 
auch davon die Güte der zubereiteten Speisen abhängt. 
Deshalb sollen die Küchen gute Ventilation besitzen, 
damit eine erträgliche Temperatur herrschen kann. 
Schweißtriefende Köche sind in einem gut geleiteten 
Hotel eine Unmöglichkeit. Ueber den Herden sind 
Abzugsvorrichtungen anzubringen, die den Schwaden 
und Dunst aus der Küche entfernen und abseits führen. 
Diese Einrichtung kommt nicht nur dem Küchenpersonal, 
sondern auch den Hotelgästen zugute; sie werden nicht 
mehr gleich beim Eintritt ins Hotel die ganze Speise¬ 
karte zu riechen brauchen, um evtl, damit schon ihren 
Appetit zu beseitigen. 

Glas, Fayence und Fliesen sollten in den Küchen 
die größtmögliche Anwendung finden, um ihre Reini¬ 
gung zu erleichtern. Maschinelle Einrichtungen zum 
Reinigen des Geschirrs ersparen Zeit und gewährleisten 
größere Sicherheit. Im großen Betrieb zum mindesten 


Nr. 5 ^ 


DEUTSCHLAND 253 


sollte alle Eiskühlung in Wegfall kommen und an 
ihre Stelle maschinelle Kühlanlagen treten, die je nach 
Bedarf und der Eigenart des zu konservierenden Nah¬ 
rungsmittels ein Abstufen der gewünschten Temperatur 
und außerdem die Zufuhr frischer Luft gestatten. 

Daß für die Speisen nur einwandfreies Material 
verwendet werden darf, ist selbstverständlich. Kon- 
serven-Früchte und -Gemüse sollten nicht gelöteten 
Blechdosen, sondern Glas- oder Steinguttöpfen, die in 
der Art der Weckschen verschlossen sind, entnommen 
werden, weil dieser Verschluß die Gewähr dafür gibt, 
daß die in dem Gefäß enthaltenen Speisen unverdorben 
sind; andernfalls ist ja als bereits äußerlich sichtbares 
Zeichen der Verschluß nicht mehr genügend. Um dem 
Wirt den Aufwand an Mühe und Material für die Speisen 
in gehöriger Weise zu bezahlen, ist mit dem jetzigen 
Bezahlungssystem zu brechen, wonach das Essen oft 
unter dem Herstellungspreis abgegeben wird und der 


hierdurch dem Wirt fehlende Betrag durch den zwangs¬ 
weisen Verbrauch von Alkohol gedeckt wird. Neinl 
kein Trinkzwang, aber auch dem Wert der gelieferten 
Speisen entsprechende Bezahlung dieserl Damit soll 
hier nicht etwa die Mahnung ausgesprochen sein, den 
Alkohol zu meiden. Jedem nach seinem Wunsche. Es 
ist sogar keine Frage, daß bei fragwürdigen Wasser¬ 
verhältnissen am Orte Bier, das als gekochtes Getränk 
sicher keimfrei ist, und Wein, der durch seinen Alkohol¬ 
gehalt vor Infektionsträgern geschützt ist, als erfahrungs¬ 
gemäß gut bekömmlich zu empfehlen sind. Da Kaffee, 
Tee, Kakao, heiße Zitronenlimonade usw. aus gekochtem 
Wasser hergestellt werden, so genießen sie den gleichen 
Vorzug. Salz, Pfeffer, Senf, Zahnstocher dürfen dem 
Reisenden nur in verschlossenen Gefäßen gereicht 
werden, die ihm gestatten, nicht mehr zu entnehmen, 
als er selber braucht, ohne den Rest des Inhalts direkt 
oder indirekt mit einem Instrument berührt zu haben. 



Die Kieler Woche. 


Die Kieler Woche, das bedeutendste Ereignis auf dem Gebiete des Segel- und Rudersports, nahm auch in diesem 
Jahre in Anwesenheit des deutschen Kaisers einen interessanten und glänzenden Verlauf. Besonders zahlreich 
war diesmal die Zahl ausländischer Gäste, unter denen namentlich die Amerikaner stark vertreten waren. Das 
amerikanische Geschwader war Gegenstand liebenswürdiger Aufmerksamkeiten seitens unseres Kaisers und 
der Marinebehörden. Durch die freundliche Vermittlung der Marine-Kommandantur der Ostsee-Station wurde 
den amerikanischen Gästen u. a. auch die Amerika-Nummer der Zeitschrift „Deutschland" zugänglich 
gemacht, deren Inhalt und künstlerische Ausstattung der Führer des Geschwaders, Admiral Badger, in seinem 

Dankschreiben mit sehr anerkennenden Worten hervorhob. 


Von der Kieler Woche: Segelanholen bei starker Brise 



















Von der Kieler Woche: Amerikanisches Marinegeschwader in Kiel 



Von der Kieler Woche: Der Kaiser und Gefolge an Bord der ,,Meteor" während der Regatta 
























101 DEUTSCHLAND 255 


Nr. 5 


Im allgemeinen wird die Infektionsgefahr überschätzt, 
obgleich Infektionen im fremden Hause sehr selten 
Vorkommen. Akute Infektionskranke kommen aus nahe¬ 
liegenden Gründen nur selten dorthin. Sie müssen in 
jedem Falle ferngehalten werden, denn sie bieten eine 
unbedingte Gefahr für ihre Mitmenschen. Dagegen ist 
die Gefahr chronischer Infektionskranker für andere sehr 
viel geringer. Am bedenklichsten sind noch die Haut¬ 
kranken. Aber dort, wo die 
mechanische Reinigung 
aller Gegenstände des 
Hotels mit der genügen¬ 
den Sorgfalt betrieben 
wird, wo außerdem regel¬ 
mäßig und reichlich Luft 
und Licht in die Räume 
eindringt, da ist wenig 
Gefahr für den Reisenden 
vorhanden. Sein bester 
Schutz gegen solche An¬ 
fälle ist fernerhin, wenn 
die eben genannten For¬ 
derungen erfüllt sind, er 
selbst. Er hat nämlich 
darauf zu achten, die 
Widerstandskraft seines 
eigenen Organismus zu 
erhöhen; das ist aller¬ 
dings eine Tätigkeit, die 
mehr in das Gebiet der 
häuslichen Hygiene als 
in das der Hygiene 
auf Reisen fällt, und 
die nach den Gesichts¬ 
punkten der Regelmäßig¬ 
keit und Mäßigkeit in 
allen Phasen des Lebens 
zu ordnen ist. 

Damit aber verlassen 
wir den engeren Rahmen 
der Hygiene auf Reisen; 
das gehört schon in die 
allgemeine Hygiene, von der die Hygiene auf Reisen 
naturgemäß ja nur ein Teil sein kamv Die letztere 
wird der ersteren aber darin häufig überlegen sein, daß 
sie oftmals allein der Anlaß ist, Menschen hygienisch 
denken und handeln zu lassen. Daraus erhellt aber¬ 
mals ihre Bedeutung für die allgemeine Hygiene, deren 
Pflege für die künftige Bedeutung unseres Volkes von 


großer Wichtigkeit ist, wie u. a. der Ausspruch des 
bekannten Hygienikers Löffeier zeigt: 

„Im Wettstreit der Völker wird dasjenige Volk die Palme 
erringen, das die Lehren der Hygiene sich am besten zu 
eigen gemacht und zur Durchführung gebracht hat." 
Nun wird man mir entgegenhalten, daß die Erfüllung 
der aufgestellten Forderungen nicht jedem möglich ist, 
wenigstens nicht immer im ganzen Umfang. Geld- wie Zeit¬ 
mangel werden häufig, 
ganz besonders häufig 
im Geschäftsverkehr, hin¬ 
dernd im Wege stehen. 
Das wird zugegeben. 
Aber bei vereinten An¬ 
strengungen wird es ge¬ 
lingen, doch für alle 
Kreise auch auf unserem 
Gebiete noch recht Er¬ 
sprießliches zu schaffen. 
Glücklicherweise ist es ja 
auch nicht die Hygiene 
des Körpers allein, die 
allerdings im wesent¬ 
lichen materiellen Auf¬ 
wand bedingt, sondern 
auch die Hygiene des Ge¬ 
müts, welche die Hygiene 
auf Reisen erst voll¬ 
kommen macht, und ihr 
kann man eigentlich 
nur mit gutem Willen 
und Verständnis gerecht 
werden. Darin aber liegt 
das Erzieherische. Des¬ 
halb ist das Reisen für 
unser Volk von größter 
Wichtigkeit. Ein jeder 
aber, der sich auf Reisen 
begibt, kann, auch wenn 
nicht alle äußeren Fak¬ 
toren so gestaltet sind, 
wie sie im vorhergehen¬ 
den gefordert wurden, doch selber feststellen, ob die 
Art seines Reisens die richtige war, wenn er nämlich 
von jedem Reisetag mit dem Dichter Lenau sagen kann: 

„Du warst mir ein gar trauter, lieber 
Geselle; komm', du schöner Tag, 

Zieh' noch einmal an mir vorüber. 

Daß ich mich deiner freuen magl" 



Kaiser Wilhelm als Seemann auf der Nordlandfahrt 
(C. Chusseau-Flaviens, Paris) 


Naturtheater im Benrather Schloßpark. 


Den zahlreichen Versuchen, die neuerdings an den 
verschiedensten Orten mit der Einrichtung von Natur¬ 
theatern gemacht worden sind, hat sich jetzt auch das 
Düsseldorfer Schauspielhaus angeschlossen. Der alte 
Benrather Schloßpark, dessen Erhaltung nunmehr nach 
dem Ankauf durch die Gemeinde Benrath sichergestellt 
ist, bietet durch seine Lage zu den benachbarten Gro߬ 
städten und durch seine reiche Naturschönheit eine 


Stätte für ein Freilichttheater dar, die vor anderen durch 
mannigfache Vorzüge ausgezeichnet ist. Mitten im 
dichten Park, wo einst eine Reitbahn eine Lichtung 
geschaffen hat, ist der Platz des Naturtheaters. Von 
einer dichtgeschlossenen Wand von Laubbäumen um¬ 
geben, dehnt sich hier in Form eines gestreckten Recht¬ 
ecks die Wiese, auf der die Bankreihen für die Zuschauer 
aufgestellt sind. An der einen Schmalseite ist die 






256 DEUTSCHLAND (SB^^^^^^^öee^eeeeeee® Nr. 5 


Bühne errichtet, von der herab sich Sophokles' gewaltige Handlung vor sich geht. Frau Luise Doumonts macht- 
Antigone-Tragödie abspielte. Mit der notwendigen Be- volle und eindringliche Verkörperung der Antigone, 
Schränkung an Illusionsmitteln, die im Wesen der Frei- deren Eindruckskraft sich schon im geschlossenen Raume 
lichtbühne liegt, sind die Dekorationen gewählt. Von erprobt hatte, die sorgfältig einstudierten Chöre und die 



Das Naturtheater im Schloßpark zu Benrath : Szene aus der Aufführung von Sophokles’ „Antigone'" 


einem mit Tannengrün bekleideten Podium steigen trefflichen Leistungen der übrigen Darsteller übten aut 
Stufen zum Palaste des Königs Kreon empor. Der das tausendköpfige Publikum des Naturtheaters eine 
Palast selbst ist durch eine Säulenreihe mit einem Tor tiefe Wirkung aus. Man darf annehmen, daß das Schau¬ 
in der Mitte angedeutet. Zwei mächtige seitliche Säulen spielhaus nach der jetzigen Sommerpause den erfolg¬ 
erwecken die Vorstellung des Vorhofes, in dem die reichen Versuch noch weiter fortsetzen wird. Dr. F. 


1 


Wer verreisen will 


der lese die reich illustrierte Zeitschrift 
;,DE(JTSCHLF\riD'0 die in eingehender 
Weise die deutschen Städte, -Kur- und Badeorte, Sommerfrischen und Wandergebiete durch 
Wort und Bild würdigt und in ihrem Reklameteil zahlreiche Ankündigungen empfehlenswerter 
Hotels und Sommerfrischen enthält. Die Zeit¬ 


schrift „DEUTSCHLAUD^' ist somit der beste 


Führer durch die 
deutschen Städte und Landschaften. 

W= — — — -== J 












































258 DEUTSCHLAND 


Nf.‘5. 


Reise nach Deutschland machen und sie zu weiterer Besprechung 
in die Auskunftstelle laden. Wie weit der Bund in dieser 
Werbearbeit bei den deutschen Konsulaten, dem deutschen 
Schulverein, dem Verband ausserdeutscher Aerzte, deutschen 
Vereinen aller Art wird Unterstützung finden können, das wird 
die Zukunft lehren. 

Offenbar häng^ der Erfolg der von den Auskunftstellen zu 
treibenden Werbearbeit in erster Linie von der richtigen Ge¬ 
staltung des Führermaterials ab. Die vorhandenen Führer sind 
im Laufe der letzten Jahrzehnte ohne jedes einheitliche System 
nach dem Gutdünken der leitenden Persönlichkeiten der ein¬ 
zelnen Orte entstanden und bieten nach Format, Umfang, Aus¬ 
stattung und Inhalt das buntscheckigste Bild. Sie sind auch 
nicht für die Propaganda im Auslande bestimmt gewesen, son¬ 
dern sollten nur dazu dienen, den deutschen Reisenden und 
den schon innerhalb Deutschlands befindlichen Fremden nach 
dem betreffenden Orte zu ziehen und ihm hier Führer zu sein. 
Dieses Material ist also für die Propaganda im Auslande mehr 
oder weniger unbrauchbar. Die neuen Ziele erfordern neue 
Führerformen. Man muss bedenken, dass die Propaganda im 
Auslande nur den Zweck haben kann, den Verkehr nach Deutsch¬ 
land überhaupt zu steigern, nicht etwa den, für einen bestimmten 
Ort oder auch nur für eine bestimmte Landschaft Propaganda 
zu machen. Jeder Interessent sollte einsehen, dass seine Ge¬ 
schäfte am besten besorgt werden, wenn es gelingt, den allge¬ 
meinen Fremdenzuzug nach Deutschland erheblich zu steigern. 

Der Bund will zu diesem Zwecke nach dem Beispiel der 
von Oesterreich herausgegebenen Propagandahefte ein kleines 
aber erstklassiges Heft über ganz Deutschland schaffen, das in 
Text und reizvollen Bildern für die Schönheiten und Sehens¬ 
würdigkeiten Deutschlands im Auslande wirbt. Dieses Heft soll 
also nicht etwa ein Baedeker oder dergl. für den Fremden sein, 
sondern nichts anderes als ein glanzvolles Propagandaheft, 
das in Massen im Auslande in deutscher, englischer, französi¬ 
scher usw. Ausgabe zu verbreiten ist und dem Fremden sagt; 
Das, was dir Deutschland an Naturschönheit oder interessanten 
Städten, an Heilquellen und ehrwürdigen Bauten, an Belehrung 
oder Vergnügung bietet, findest du in dieser Art, in dieser 
Reichhaltigkeit oder Originalität oder Billigkeit in keinem anderen 
Lande. Der Bund beabsichtigt, um ein hervorragendes Pro¬ 
pagandaheft des genannten Inhalts zu erhalten, ein Preisaus¬ 
schreiben zu erlassen. 

In allen Auskunftstellen wird ferner die herrlich illustrierte 
Bundeszeitschrift „Deutschland“, deren Verbreitung alle inter¬ 
essierten Kreise sich angelegen sein lassen sollten, dauernd 
ausliegen. Sie wird der Fremden Blick auf die Einzelland- 
schaften Deutschlands richten. Es ist aber auch eine Haupt¬ 
aufgabe der Landesverbände deutscher Verkehrs-Vereine, die 
der Bund in sich fasst, geeignete Propagandahefte für die 
Landschaften zu schaffen. Wie oben hervorgehoben, fehlen 
solche für die Propaganda im Auslande; die vorhandenen sind 
für diesen Zweck wenig brauchbar. Bei der Abgrenzung der 
Landschaften soll der geographische Gesichtspunkt massgebend 
sein. Es werden also Propagandahefte (Führer) vom Harz, 
vom Schwarzwald, vom Erzgebirge, von der Nordseeküste zu 
schaffen sein, nicht solche von der Rheinprovinz, von Württem¬ 
berg, vom Königreich Sachsen usw. Es gilt, in diesen L a n d - 
Schaftführern in grosszügiger Weise das Charakteristische, 
das Besondere, die Eigenart der betreffenden Landschaft, das, 
was sie vor anderen deutschen Landschaften in Bodenformen 
und Städtebauart, Heilmitteln und Volksart auszeichnet, in reiz¬ 
voller Art hervorzuheben. Es gilt, damit sich die Fremden 
bewusst der Landschaft zuwenden, die ihrem Geschmack ent¬ 
spricht, ein knappes aber eindrucksvolles Gesamtbild zu entwerfen, 
nicht etwa alle Städte, Badeorte, Sommerfrischen, Gasthäuser 
usw. oder gar Einzelheiten von ihnen aufzuzählen. Unschwer 
werden sich in jeder Landschaft ein Geograph und ein Künstler 
finden lassen, die bei der bezeichneten Darstellung den Verbänden 
hilfreich an die Hand gehen. Der Fremde aber wird viel eher 
nach einer Landschaft sich wenden, in ihr mit viel grösserem 
Genuss reisen und gerne wieder zu ihr zurUckkehren, wenn der 
Landschaftführer ihn in das Charakteristische von Land und 
Leuten hineinführt. Auch diese LandschaftfUhrer werden in 
deutscher, englischer, französischer, vielleicht auch russischer 
usw. Ausgabe erscheinen müssen. 


Auch die Landschaftführer können durchaus nicht die 
Aufgabe haben, für einen besonderen Teil des Gebiets oder für 
eine bestimmte Stadt oder gar für sämtliche Lokalitäten der 
Landschaft Reklame zu machen. Ihre Aufgabe muss es sein, 
dem, den das allgemeine Propagandaheft für Deutschland ge¬ 
worben hat, die einzelnen Landschaften Deutschlands zur Aus¬ 
wahl zu präsentieren. Hat sich der Fremde für den Besuch 
einer Landschaft entschieden, dann treten die lokalen Führer 
von Städten usw. in Wirksamkeit, die in knappet; übersichtlicher 
Fassung und in deutscher, englischer, französischer usw. 
Sprache vorliegen müssen. Die grossen Ortsführer von heute 
wird man dem Fremden mit Vorteil erst wenn er sich in 
Deutschland befindet zur weiteren Orientierung zugänglich 
machen. Auch wird dann der in Aussicht genommene Bild¬ 
schmuck in Eisenbahnwagen dafür sorgen, dass der Fremde 
über seinen ursprünglichen Reiseplan hinaus noch andere Land¬ 
schaften aufsucht. 

Unter den Mitteln der nichtständigen Propaganda verdient 
die Ausstattung internationaler Ausstellungen mit Auskunft- 
steilen des Bundes, in denen den Besuchern der Ausstellung 
Auskunft und Führermaterial gegeben wird, besondere Beachtung. 
Die Errichtung des deutschen Verkehrsbureaus auf der Welt¬ 
ausstellung in Brüssel 1910 (in Gemeinschaft mit der deutschen 
Eisenbahn-Verwaltung) und der Auskunftstelle des Bundes auf der 
Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in 
Berlin war äusserst erfolgreich. Aber derartige Auskunftstellen mit 
eigenem Personal kosten viel Geld. Wenn in Zukunft nach Berliner 
Muster in anderen Ländern internationale Ausstellungen für 
Reise- und Fremdenverkehr stattfinden sollten, wird Deutschland 
als Aussteller nicht fehlen dürfen, aber ganz anders auf dem 
Platze sein müssen als dieses Jahr in Berlin. Es darf nicht 
jeder Staat oder jede Landschaft Deutschlands für sich aus- 
steilen, wobei durch das Vielzuviel jede Wirkung gegenüber 
den geschlossenen Ausstellungen der anderen Länder: Oester¬ 
reich, Schweden usw. verpufft, sondern es wird gelten, eine 
einheitliche deutsche Ausstellung mit grossen Mitteln in die 
Wege zu leiten, die durch künstlerische Geschlossenheit und 
Harmonie wirkt. Denn für Deutschland muss Reklame gemacht 
werden, nicht für die Einzel-Landschaften; so kommen auch 
letztere am besten auf ihre Rechnung. 

Ein ausgezeichnetes Mittel gelegentlicher Propaganda im 
Auslande werden auch Sondernummern der Zeitschrift 
„Deutschland“ in fremden Sprachen sein; eine prächtig 
illustrierte Amerika-Nummer erschien in diesem Frühjahr. Ferner 
kommen in Betracht Lichtbildervorträge im Auslande, Artikel und 
Annoncen in wichtigen ausländischen Zeitschriften und Zeitungen 
und dergl. Unter dem sachgemässen Beirat der Auskunftstellen des 
Bundes wird allmählich in das Annoncieren der Bundesmitglieder 
im Auslande System gebracht werden müssen. Darin wird viel 
gefehlt und viel Geld verschleudert. Zunächst ist von Wichtig¬ 
keit, dass die richtigen Blätter gewählt werden. Dann aber 
scheint die Art der Zeitungsreklame eine verkehrte zu sein. 
Jedes Gasthaus und Hotel, jede Sommerfrische und Stadt 
preisen ihre Vorzüge besonders an. Unter dem Vielerlei geht 
aber der Eindruck völlig verloren. Grosse und von ausgesuchtem 
glänzenden Bild begleitete Annoncen von Landschaften, z. B. 
der Sächsischen Schweiz, des Rheintals, des Harzes usw. scheinen 
viel mehr Erfolg zu versprechen als hundert oder gar tausend 
aneinandergereihte Annoncen. Der Gewinn an Fremdenverkehr 
aber, den solche lockenden grossen Annoncen erzielen, verteilt 
sich schliesslich in tausend Kanäle und kommt jedem einzelnen 
Interessenten, der dem Landschaft- oder Landes^^rband an¬ 
geschlossen ist, zugute. 

Eine geschlossene, einheitlich geleitete Propaganda wird 
am besten vom Bunde und mit Hilfe des Bundes getrieben, 
und es bleibt nur zu wünschen, dass die eminente Wichtigkeit 
der Propaganda im Auslande von allen Interessenten, wie schon 
von den Eisenbahnverwaltungen, so auch von den Stadt-, 
Kurort-, Badeverwaltungen usw., und nicht zum wenigsten von 
der deutschen Presse, die bisher fast teilnahmlos beiseite 
steht, erkannt würde. Dann könnte die opfervolle, von dem Bund 
Deutscher Verkehrs-Vereine, insbesondere von dem geschäfts¬ 
führenden Ausschuss des Bundes, der seinen Sitz in Leipzig 
hat, zu Nutz und Frommen des Vaterlandes zu leistende Arbeit 
sich noch wesentlich fruchtbringender gestalten als bisher. 


|ä] 

N 

INI 

CI 

[Q] 

CI 

N 

der Sfädlc-, Kur- u. Bädervcrwallungcn, der ' 

CI 

»♦♦♦♦♦♦ 

R] 

C/^1 

LG 

cJ 

cJ 

Verkehrspropaganda u. Holelindustrie sind 

in (\pr 7pif«rhriff von hp^fpm 

cJ 

rUJ 







250 


Dß\JTSCHLAt4£) 

Feriensonderzüge. 

aus dem Vorlrag, gehalten vom Geschäftsführer des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens, Dr. jur Alexander K uck uck (Dortmund). 
. gelegenÜich der Zusammenkunft der Provin/.ialverbande von Rheinland, Westfalen und Sachsen in Bielefeld am 18 . Februar und in erweiterter 
Form gelegentlich der Hauptversammlung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine am '* 1 . Juni in Worms. 



Aus den Vorträgen sei in Ergänzung der Berichte in Nr. 15, 
L Jahrgang und Nr. 4, II. Jahrgang, noch folgendes nachgetragen: 

Der Einrichtung der FeriensonderzUge liegt das Prinzip 
augründe, dass eine Fahrt über weite Entfernungen gemacht 
wird, au welcher zur Hinfahrt ein Sonderzug, zur Rückfahrt 
ein fahrplanmässiger Zug benutzt werden muss; bei letzteren 
ist bei ~ Schnellzügen der Zuschlag zu zahlen. Als alleiniger 
Vort eil ist zu erwähnen, dass eine Ermässigung des Fahr- 
~ Preises von ungefähr 25^/0 gewährt wird. Diesem Vorteile 
stellen aber nicht unerhebliche N a ch t e i 1 e gegenüber. Häufig 
sind die Züge überfüllt, sie führen zum Teil schlechtes Wagen¬ 
material mit und bestehen trotz der weiten Entfernungen, die 
zuruckzulegen sind, nicht aus D-Zugwagen. Mit Ausnahme der¬ 
jenigen Feriensonderzüge, die zum Süden fahren, weisen sie 
meistens eine lange Fahrzeit auf und erreichen höchstens die 
Zeiten der Eilzüge, nicht aber diejenigen der D-Züge. Auch 
wurden die Fahrtermine bisher zu spät bekannt gegeben und 
mit ganz geringen Ausnahmen in der Fahrzeit auf die Monate 
Juli und August beschränkt. Wenn nun in Anbetracht der dem 
einzigen Vorteil gegenüberstehenden vielen Nachteile dennoch 
eine starke Inanspruchnahme der FeriensonderzUge festzu¬ 
stellen ist, so muss man fragen, worin liegt der Grund dieses 
Missverhältnisses. Man kann darauf antworten, dass es allein 
die genannte Fahrpreisermässigung ist, die ja auch nicht un¬ 
erheblich bei grossen Familien, die reisen, ins Gewicht fällt. 
Es ist nicht zu übersehen, dass als weiterer Grund das Ver¬ 
meiden von Umsteigen in Betracht kommt, was ja zur Reise¬ 
zeit in Hinblick auf das mitzuführende Gepäck sehr lästig ist. 

Da es nicht Gepflogenheit der Verkehrs-Vereine ist, nur die 
Schäden zu benennen, sondern auch Bestrebungen auf 
Verbesserungen im Auge zu haben, bleibt nur übrig, die 
letzteren anzugeben und zu besprechen. 

Die Verbesscrungsbestrebungen müssen einmal bestehen in 
der Beseitigung der aufgezählten Nachteile und ferner in prak¬ 
tischen Vorschlägen auf Verbesserungen. 

X. Nach Möglichkeit müssen wenigstens für die weitesten 
Fahrten D-Zugwagen verwandt werden, im allgemeinen aber 
gute, durchgehende Coupdwagen. 

a. Für die Fahrzeiten ist die Schnelligkeit der D-Züge anzu¬ 
streben, wobei zu den Haltestellen, welche nach Möglichkeit zu 
beschränken sind, gute Anschlüsse aus der Umgegend, oder für 
gewisse Gebiete, wie z. B. die verschiedenen Industriegebiete mit 
ihrem gesteigerten Verkehr,Gabelzüge herangeführt werden müssen. 

3. Bisher geschah die Bekanntgabe der Fahrtermine für die 
Feriensonderzüge nicht in praktischer Form. Sie muss früher 
geschehen, umfangreicher und so gestaltet sein, dass sie mehr 
in das Publikum dringt. Sie muss geschehen durch die Heraus¬ 
gabe einer leicht verständlichen Uebersicht der einzelnen Ver¬ 
waltungen und durch eine ebenso angelegte Sammlung aller 
einzelnen Uebersichten im Deutschen Reiche, die spätestens 
Anfang April jeden Jahres erscheinen muss. (Die Bekannt¬ 
machung ist in diesem Jahre bereits früher erfolgt. Die Red.) 

4. Die Beschränkung der Bezeichnung Ferien auf „Schul¬ 
ferien**, so dass die Züge nur im Juli und August verkehren, 
sollte fallen gelassen werden; man muss der Bezeichnung 
„Ferien** den weiteren Begriff „Urlaub“ zugrunde legen. Diese 
Erweiterung ist aus wirtschaftlichen Gründen zu empfehlen, um 
den Andrang in den beiden Sommermonaten abzuschwächen 
und die Vcrteüung der Massen zu erreichen. Die Ferien¬ 
sonderzUge müssen also auch in den Monaten * Juni und 
September verkehren; sie würden zweifellos von Kaufleuten, 
unverheirateten Beamten und kinderlosen Eheleuten, die nicht 
durch die Schulferien ihrer Kinder gebunden sind, stark benutzt 
werden, so dass diese Aenderung auch wirtschaftlich für die 
Eisenbahn Verwaltung von Vorteil wäre. Hierbei ist noch zu 
bedenken, dass diese Aenderung der Eisenbahnverwaltung keine 
Mühe verursacht, weil der Fahrplan für die Züge im Juli und 
August festliegt, und somit ohne Aenderung auf die Monate 
Juni und September übertragen werden kann. 

5. National-wirtschaftlich ist aber der wichtigste Punkt: 
die ZurUckführung der Sonderzüge von den Zielpunkten nach 
der Ausgangsstation. Vor allem müssen die Sonderzüge, die 
von Deutschland nach dem Auslande geführt werden, zurück¬ 
geleitet und neue Züge von der Grenze bezw. dem Ausland nach 
Deutschland eingeführt werden. Das in dieser Beziehung aus 
dem im Jahre 1910 gefahrenen Zügen festzustellende Resultat 
ist unverständlich im nationalen Sinne zu nennen. Während 
z. B. nach München az Sonderzüge verkehrt haben, fuhr von 
München nach Hamburg i und nach Berlin kein Sonderzug. 
Wenn es nach München zweifelhaft sein kann, ob der grösste 
Teil der Mitfahrenden von München aus in das Ausland fährt, 
so ist das Resultat noch auffälliger, wenn man weiter erwähnt, 


dass direkt ins Ausland, nach Wien 5 und von Wien nach 
Berlin nur i, nach Basel sogar 25 und von Basel nach Hamburg 2, 
nach Berlin i Feriensonderzüge gefahren sind. Hierin eine 
Aenderung zu erreichen, ist besonders erstrebenswert durch die 
Verkehrs-Vereine, weil jeder von ihnen es zu seiner besonderen 
Pflicht macht, nicht allein die Schönheiten Deutschlands den 
Inländern vorzuführen, sondern vor allem die Ausländer 
auf unser schönes Vaterland aufmerksam zu machen. Wenn 
das bis hierher in die Materie eingefUhrte Publikum die vor¬ 
getragenen Vorteile und Nachteile als bestehend anerkennt, dann 
drängt sich unwillkürlich die Frage auf, was ist geschehen und 
was muss noch geschehen? — Der Referent greift dann auf 
die gelegentlich der Hauptversammlung des Bundes Deutscher 
Verkehrs-Vereine in Flensburg im Mai 1909 gefassten Beschlüsse 
und die unterm 18. Dezember 1910 an den Minister der öffentlichen 
Arbeiten in Berlin gerichtete Eingabe zurück. Der Inhalt ist 
unsern Lesern aus früheren Berichten bekannt, ebenso die 
Stellungnahme der Eisenbahnverwaltungen. 

U. a. wird behauptet, dass die GegenzUge von der Grenze 
nach dem Innern des Reiches voraussichtlich unzureichenden 
Zuspruch aufwiesen und deshalb unwirtschaftlich wären aus 
dem Grunde, weil die Ferien in Süddeutschland noch nicht be¬ 
gonnen hätten, wenn die Feriensonderzüge aus West- und 
Mitteldeutschland zurückbefördert werden müssten. In technischer 
Beziehung berichtigt die Eisenbahhverwaltung die Ansichten 
über einen stattfindenden unwirtschaftlichen Leerlauf dahin, 
dass dieser gar nicht stattfände. Denn nicht allein die Ver¬ 
waltung bezw. die Direktion der Abgangsstation stelle die 
Wagen zu dem FeriensonderzUge, sondern an dieser Inbetrieb¬ 
stellung wären alle Verwaltungen beteiligt, die durch den 
Sonderzug berührt würden; die Wagen würden diesen in 
Güter- und geschlossenen Leerzügen wieder zugeführt. Gerade 
in dem Fall, wenn die gewünschten GegenzUge eingerichtet 
würden, müssten somit die Wagen nach ihrer Rückkunft einen 
Leerlauf machen. Da diese technische Massregel sich der 
Nachprüfung eines Nichtfachmannes entzieht, muss dieser Grund 
gegen die Einführung der GegenzUge in Geltung bleiben, man 
muss dann aber in Erwägung ziehen, ob dieser für die Eisen¬ 
bahn entstehende Nachteil den national-wirtschaftlichen überwiegt, 
oder in Ansehung des letzteren zurückgestellt werden muss. 

Was die Bekanntmachung der Ferienzüge anbetrifft, so 
haben die Bemühungen bereits Erfolge gezeitigt. Im Namen 
des zuständigen Ministeriums hat die Kgl. Eisenbahndirektion 
Berlin versprochen, in Zukunft eine GesamtUbersicht über die 
alljährlich in Deutschland verkehrenden Feriensonderzüge heraus¬ 
zugeben und sie ist für das Jahr 1911 tatsächlich Ende Mai er¬ 
schienen. Es haftet diesem Erfolge aber noch der im Anfang 
genannte Fehler an, dass die Zeit der Erscheinung für die 
Reise-Dispositionen der Teilnehmer zu spät liegt. Ferner hat 
genannte Direktion den Willen kund gegeben, mit den be¬ 
teiligten Verwaltungen in Verbindung zu treten, um zu erreichen, 
dass eine frühere Festsetzung und Bekanntgabe der Ferien¬ 
sonderzüge und eine Hinausschiebung des Verkaufsschlusses 
für die Fahrkarten, der bisher auf den dritten Tag und bei 
süddeutschen Zügen wegen der schwierigen Wagenführung auf 
den siebenten Tag vor Zugabgang festgesetzt ist, stattfindet. 

Der früheren Bekanntgabe steht bisher entgegen, dass sie 
von einer gemeinschaftlichen Konferenz zur Beratung von Mass¬ 
nahmen für den Sonderzugverkehr abhängt, die zurzeit erst 
Anfang Mai stattfinden kann, weil ihr wiederum die Festsetzung 
des Sommerplanes vorausgehen muss. 

Für das Gebiet der Kgl. Eisenbahndirektion Essen hat der 
Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens in Gemeinschaft mit 
der Stadtverwaltung und dem Verkehrs-Verein in Gelsenkirchen 
erreicht, dass einzelne neue Feriensonderzüge und mehrere 
Gabelzüge Über die Nord- und Südlinie des Industriebezirkes 
eingelegt sind; ausserdem ein Zug von Duisburg nach Halber¬ 
stadt Uber die Köln —Mindener Linie, neben dem schon früher 
verkehrenden von Krefeld nach Halberstadt .über die Bergisch- 
Märkische Linie, ferner von Duisburg nach Nordhausen über 
Dortmund-Süd—Soest und Walkenried. An Gabelzügen sind 
zu nennen: von Duisburg und Oberhausen nach Erfurt, die in 
Dortmund vereinigt werden, von Herne und Hagen nach München, 
die in Mülheim (Rhein) und von Herne und Dortmund nach Basel, 
sowohl über Strassburg, wie über Karlsruhe, die in Duisburg 
vereinigt werden. (Siehe auch den Belicht Seite 263.) • 

Es bliebe noch übrig, aus dem Vergleich der neuen Auf¬ 
stellung mit der von 1910 festzustellen, ob noch andere neue Ferien¬ 
sonderzüge bereits eingelegt worden sind; für diese Arbeit konnte 
es nicht mehr geschehen, da die erstere zu spät erschienen ist. — 
Nach den eingehenden Darlegungen des Redners wurde der in 
Nr. 4 bereits mitgeteilte Beschluss einstimmig angenommen. 






260 BB 893 QO Q QQ d Q(K1Q Q 8 Q ^^^98898aa DBUTSCHLAND 16608680866666686 0 600 0 0860^ Nr. 5 


Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 

Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof. 

Dem Bund trat bei: 

Berliner Hochbahngesellschaft. 


Die Tätigkeit des geschäfts führenden Aus¬ 
schusses erstreckte sich auf die Ausführung und Beratung der 
Beschlüsse und Anregungen der Hauptversammlung 
in Worms. In Sachen des von den eisenbahnbesitzenden 
Bundesstaaten bewilligten Propagandafonds wurde ein 
ausführlicher Arbeits- und Wirtschaftsplan aufgestellt. Im Laufe 
dieses Monats noch wird der Propaganda-Ausschuss zu einer 
Sitzung in Berlin zusammentreten, in welcher über die vom 
Bunde gemachten Vorschläge beschlossen werden wird. In dem 
Ausschuss sind die sämtlichen deutschen Eisenbahnverwaltungen, 
der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine, der Bayerische Landes- 
Fremdenverkehrsrat, die amtliche Zeitschrift des Bundes, „Deutsch- 
land'S und das Internationale öffentliche Verkehrsbureau in 
Berlin vertreten. 

Wegen der Beratung über weitere Schritte in Sachen der 
Periensonderzüge wurde eine Sitzung der in Worms ge¬ 
wählten Kommission in Aussicht genommen. 

Der Schluss der Internationalen Ausstellung für 
Reise- und Fremdenverkehr in Berlin verursachte 
mancherlei Arbeiten in bezug auf Abbruch und Rücktransport 
der Ausstellungsgegenstände, sowie in bezug auf die Abrechnung. 

In Verfolg des Beschlusses der Hauptversammlung richtete 
der geschäftsführende Ausschuss an die Generaldirektionen in 
Stuttgart, Karlsruhe, Strassburg, München, Schwerin, Oldenburg 
und Dresden Eingaben betreffend Einführung einheitlichen 
Bilds ch mucks in den Eisenbahnwagen. Die be¬ 
treffenden Landesverbände erhielten Abschriften dieser Eingaben. 

Auch über die weitere Bearbeitung der Bekämpfung der 
S ch n ak e n ist beraten worden. Es dürfte die Mitteilung 
interessieren, dass das Kaiserliche Gesundheitsamt eine kleine 
Broschüre über „Die Mückenplage und ihre Bekämpfung“ 
herausgegeben hat (Berlin, Verlag von Jul. Springer). Das 
Büchlein kann allen Interessenten empfohlen werden. 

Der Geschäftsführer der Auskunftstelle des Leipziger Ver¬ 
kehrs-Vereins, Herr Kirsch, wurde zum Besuch unserer 
Auskunftstellen in Oesterreich-Ungarn auf Reisen ge¬ 
schickt. Diese Reise wird voraussichtlich wertwolles Material 
über den Wert und den weiteren Ausbau unserer Auskunft¬ 
stellen ergeben. 

Für die Unterhaltung und weitere Errichtung von Auskunft¬ 
stellen im Auslande ist es vor allem wissenswert, welches 
fremdsprachige Propagandamaterial seitens der Bundes¬ 
mitglieder zur Verfügung gestellt werden kann. Der geschäfts¬ 
führende Ausschuss veranstaltete daher eine entsprechende 
Rundfrage unter den Bundesmitgliedern, deren baldige Be¬ 
antwortung unseren Mitgliedern nochmals empfohlen wird. 

Infolge der auf der Hauptversammlung in Worms gegebenen 
Anregung betreffend Führerautomaten wurde eine Rund¬ 
frage bei den Bundesvereinen veranstaltet, um eine Grundlage 
für die Frage zu schaffen, ob der Bund zweckmässigerweise die 
gemeinsame Beschaffung der Automaten in die Hand nehmen soll. 

Die Deutsche Motorfahrer-Vereinigung in München über¬ 
mittelte uns eine Denkschrift über den Automobil-Pflaster¬ 
zoll in Bayern, ferner eine Denkschrift über die Einführung 
des Automobil-Pflasterzolles im Herzogtum Gotha. 

Trotz der drohenden Umgehung Bayerns seitens der Mit¬ 
glieder des internationalen Verbandes der touristischen und 
automobilistischen Vereinigungen der ganzen Welt scheint 
man in Gotha nicht übel Lust zu verspüren, sich von der 
übrigen Welt zu isolieren. 

Das auf der Hauptversammlung in Worms erstattete Referat 
über die Bedeutung derRegelung derSommerferien 
der höheren Schulen für den Fremdenverkehr ver- 
anlasste den geschäftsführenden Ausschuss, den Bundesvereinen 
Fragebogen, betreffend Heimat, Aufenthaltsdauer und Anzahl 
der Kurgäste und Nachtfremden im Sommer igii, zur Aus¬ 
füllung zu übermitteln. Die genaue Beantwortung der Fragen 
liegt im Interesse unserer Bestrebung, eine zweckmässigere 
Verteilung der Sommerferien herbeizuführen. 

Während der Hauptreisezeit tritt eine Verbesserung der 
Eisenbahnverbindung Leipzig — Wa rnemünde und Doberan 
usw. ein. Die an dieser Verbindung interessierten Bundes¬ 
mitglieder wurden durch ein Rundschreiben hiervon unte: richtet. 

Den geschäftsführenden Ausschuss beschäftigte weiter die 
Tagesordnung der nächsten Sitzung des Gesamtvorstandes. 

Herr Generalmajor z. D. Gadegast in Leipzig über¬ 
nahm die durch den Tod des Herrn Buchdruckereibesitzers 
C. Mühlberg frei gewordene Stelle im geschäftsf Uhrenden Ausschuss. 


Die Firma Lissone & Zoon, die bereits in Amsterdam 
eine Auskunftstelle des Bundes unterhält, übernahm eine 
weitere Auskunftstelle im Haag, Prinsestraat i8. Diejenigen Mit¬ 
glieder, die Interesse an der Verteilung ihres Propagandamaterials 
daselbst besitzen, werden gebeten, dasselbe an die Geschäfts¬ 
stelle des Bundes einzureichen. Desgleichen bitten wir um 
Uebersendung von Drucksachen für die Auskunftstellen in R o m 
und Westend e. 

Zum Schluss ist zu erwähnen, dass eine Samjn ei¬ 
se ndung von Drucksachen an die Bundesmitglieder zur Ver¬ 
sendung gelangte. 


Aus den Bundes-Vereinen. 

Hauptversammlung 
des Rheinischen Verkehrs-Vereins. 

Am g. und lo. Juli fand in Mainz die diesjährige Haupt¬ 
versammlung des Rheinischen Verkehrs-Vereins statt. Sonntag, 
den g. Juli, hatten sich die Teilnehmer zu einer gemeinsamen 
Besichtigung der Sammlungen des Römisch-Germanischen Zentral¬ 
museums im ehemaligen kurfürstlichen Schlosse zusammen¬ 
gefunden. Die Führung hatte Herr Dr. B e h n übernommen, 
der mit seinen lichtvollen Erläuterungen den Besuch zu einer 
Quelle interessantester Belehrung zu gestalten wusste. Am Spät¬ 
nachmittag war man einer Einladung des Mainzer Verkehrs- 
Vereins zu einem Essen im Kasinohof „Zum Gutenberg“ gefolgt. 
Abends fand man sich in der Stadthalle zusammen, deren 
Garten zu Ehren der Gäste festlich beleuchtet war. 

Die eigentliche Hauptversammlung wurde Montag, den 
lo. Juli, in der Stadthalle abgehalten. Vor Eintritt in die Tages¬ 
ordnung erfolgte eine Anzahl von BegrÜssungen durch die 
Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden. Der Vor¬ 
sitzende des Vereins, Herr Generalmajor Bigge, stattete darauf 
den Dank des Vereins für die freundliche Anerkennung ab, die 
in den Begrüssungsansprachen zum Ausdruck gelang^ war, und 
sprach die Hoffnung aus, dass das Zusammenwirken der 
Behörden und der Verkehrs-Vereine immer reger 
werden möge. Es seien ja keine selbstsüchtigen Motive, die dazu 
Anlass gäben, sondern die Ueberzeugung, dass der Verkehr 
einen wichtigen Kulturfaktor bilde, und dass man daher durch¬ 
aus im nationalen Interesse handle, wenn man ihn fördere 
und organisiere. Freilich gehöre dazu, dass die Haupt¬ 
interessenten, d. h. die Hotel- und Gasthofbesitzer und ähn¬ 
liche Gewerbetreibende, die Verkehrs-Vereine auch unterstützten, 
indem sie ihnen die nötigen Beiträge zahlten, um eine kräftige 
Propaganda für die Rheinlande betreiben zu können. In dieser 
Beziehung bleibe aber noch manches zu wünschen übrig. Auch 
sei es höchst bedauerlich, dass die Rheinlande vielfach im Rufe 
ständen, das Reisen in ihnen sei teurer als anderswo. Diesen 
Ruf durch die Tat zu beseitigen, sei Pflicht aller Hotelbesitzer; 
sie müssten dafür sorgen, dass der Fremde sich am Rhein 
wohlfühle und den Wunsch habe, wiederzukommen. 

Sodann wurde in die Verhandlungen eingetreten und zu¬ 
nächst der Rechenschaftsbericht für igxo vorgelegt. Aus ihm 
erscheint folgendes erwähnenswert: igio zählte der Verein an 
Mitgliedern 13g Behörden, Städte, Gemeinden, Kur- und Bade- 
Verwaltungen, 87 Verkehrs- und ähnliche gemeinnützige Vereine 
und 535 Einzelmitglieder, ausserdem ii Ehrenmitglieder. Wesent¬ 
liche Veränderungen hat der Mitgliederbestand nicht erfahren. 
Sehr begrüsst wurde der Beitritt des Pfälzischen Verkehrs- 
Verbandes mit dem Sitz in Ludwigshafen und des Verkehrs- 
Vereins für das Berg^ische Land. Die Anzahl der vom Zentral¬ 
bureau abgeschickten Postsendungen belief sich auf 23 725 Briefe 
und Postkarten, 28 562 Drucksachen und 2352 Pakete. Die Zahl der 
Auskünfte betrug 32 gi6. 

Ueber den FremdenbesuchamRheinim vergangenen Jahre 
lässt sich der Bericht dahin aus, dass infolge der Witterungs¬ 
verhältnisse das Jahr xgio als eines der ungünstigsten im letzten 
Jahrzehnt bezeichnet werden müsse. Nur das Frühjahr brachte 
kurze Zeit sonniges Wetter, aber schon im Mai setzte eine 
Regenperiode ein, die mit geringen Unterbrechungen bis in den 
Spätherbst hinein anhielt. Hierunter haben namentlich diejenigen 
Orte gelitten, die auf längeren Aufenthalt von Gästen eingerichtet 
uni angewiesen sind (Bäder, Luftkurorte, Sommerfrischen), 
während der Passantenverkehr im allgemeinen nicht zurück¬ 
gegangen, an zahlreichen Stellen vielmehr, trotz der Ungunst 
der Witterung, nicht unerheblich gestiegen ist. Letzterer Um¬ 
stand, in Verbindung mit der auch im Jahre xgio bemerkbaren 
wesentlichen Erhöhung der Verkehrsziffern bei den Verkehrs¬ 
instituten, lässt die Annahme gerechtfertigt erscheinen, dass es 
an Reiselust und auch an Geldmitteln zu ihrer Befriedigung- im 
allgemeinen nicht fehlt, und dass eine vom Wetter endlich ein¬ 
mal begünstigte Reisesaison ein bedeutendes Anschwellen des' 
Fremdenverkehrs am Rhein bringen wird. 





' . ^ 



r.'Zu demin der voijährigen Hauptversammlung angenommenen 
die Rhexndampfer-Gesellschaften zur Schaffung 
halb- oder ganzmonatigen Abonnements aufzufordern, 
btenerkte der Vorsitzende, dass erfreulicherweise nunmehr auch 
. die Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrtsgesellschaft mitgeteilt 
habe« die Ausgabe von Abonnementskarten sei in Vorbereitung. 

Was die Werbetätigkeit des Vereins im verflossenen 
^ Jahre betrifft, so sind 15 000 Rheinführer in deutscher, 5000 in eng¬ 
lischer, je 3000 in französischer und holländischer Sprache neu 
gedruckt worden. Der Text hat hierbei eine Neubearbeitung 
und Erweiterung erfahren. Für das Jahr 1911 hatte der Vorstand 
eine weitgehende Umgestaltung des Rheinführers beschlossen. 
Das Werk sollte ein anderes Format erhalten, der Text sollte 
wesentlich erweitert und vor allem sollten 50 bis 60 grössere, 
nach einem neuen farbenphotographischen Verfahren hergestellte 
bunte Bilder — neben den schwarzen — auf genommen werden. 
Für' die Massenpropaganda sollte ein neues Werk, ein flugblatt¬ 
artiger Prospekt von nur 10—12 Seiten Umfang, aber mit einer 
Anzahl besonders wirksamer, bunter Bilder ausgestattet, ge¬ 
schaffen werden, dessen Text nur eine allgemein gehaltene 
Schilderung der Schönheiten der Rheinlande enthalten und zu 
ihrem Besuche anregen, für die Ausführung einer Rheinreise 
aber auf den grösseren Führer hinweisen sollte. Leider haben 
sich diese Pläne nur zum Teil verwirklichen lassen. Infolge 
des trüben, regnerischen Wetters im Sommer und Herbst 1910 
hat der Farbenphotograph nur etwa die Hälfte der in Aussicht 
_ genommenen Bilder aufnehmen können. Die Herausgabe des 
neuen Rheinführers muss daher auf das Jahr 1912 verschoben 
werden. Der Prospekt dagegen konnte schon im Frühjahr erscheinen. 

Der Umfang der Propaganda für die Rheinlande in der 
Presse ist auch im Jahre 1910 in erheblichem Masse gewachsen, 
ln der Tagespresse sind Inserate (zumeist mit einem Klischee 
in Strichätzung versehen) in 24 deutschen und sechs aus¬ 
ländischen Zeitungen, elf illustrierten Zeitschriften und einer 
Anzahl von Reiseführern, Kurs- und Adressbüchern wiederholt 
erschienen. Als besonders wirksam hat sich wiederum die 
Herausgabe ganzer Rhein-Sondernummern illustrierter Zeit¬ 
schriften und die Veröffentlichung einzelner Aufsätze angesehener 
Schriftsteller über das gesamte Vereinsgebiet oder einzelne 
Teile desselben in Zeitungen oder periodischen (Monats- oder 
Wochen-) Schriften erwiesen, wobei der Verein entweder das 
gesamte Material, Text und Illustrationen, oder wenigstens 
let^ere geliefert hat. (Auch die Zeitschrift „Deutschland*^ brachte 
eine Reihe von illustrierten Aufsätzen über das Rheingebiet) 

Zu den Kosten des auf der Brüsseler Weltausstellung er¬ 
richteten Deutschen Verkehrsb ureaus hat der Verein 
einen Beitrag von 500 Mark geleistet. 

Auf der Städtebauausstellung in Düsseldorf im 
Sommer 1910 hatte der Rheinische Verkehrs-Verein eine eigene 
Abteilung unter dem Titel „Der städteverbindende Rhein“ ge¬ 
schaffen. Es war hier das gesamte Propagandamaterial der 
Rheinlande, nämlich 553 Führer, Prospekte, Karten, Pläne usw. 
aus 245 rheinischen Orten ausgestellt. 

Aus der Tätigkeit, die der Verein zur Erreichung von 
Verkeh rsVerbesserungen entfaltet hat, sei vor allem der 
an deh Minister der öffentlichen Arbeiten und die Eisenbahn¬ 
direktionen in Mainz, Frankfurt a. M., Saarbrücken und Köln 
gerichtete Antrag erwähnt, für die Wanderfahrten der Jugend¬ 
abteilungen der rheinischen Gebirgsvereine bei einer Beteiligung 
von mindestens zehn Personen eine Ermässigung des Fahr¬ 
preises für die dritte Wagenklasse um die Hälfte zu gewähren. 
Leider wurde diese Bitte, die dem Wandersport der Jugend 
einen neuen Aufschwung geben sollte, mit dem Hinweis darauf 
abgelehnt, dass nach Durchführung der Eisenbahntarifreform 
grundsätzlich alle solche Vergünstigungen ausgeschlossen seien. 

Mit anderen Anträgen hatte der Verein besseren Erfolg. 
So erreichte er bei den Schiffahrtsgesellschaften die Einrichtung 
neuer Anlegestellen an verschiedenen Rheinorten und bei der 
Eisenbahn Verwaltung eine bessere Berücksichtigung mancher 
Orte im Fahrplan der Schnellzüge. 

Ganz besondere Aufmerksamkeit wandte der Verein auch 
im vergangenen Jahre wieder den Rheinhöhenwegen und 
den S chüler herb o rge n zu. Im Sommer 1910 wurde das 
noch fehlende Stück der Höhenwege von Bingen bis Mainz 
ausgewählt und bezeichnet. Die Rheinhöhenwege haben nun¬ 
mehr eine Gesamtlänge von 500 Küometern. Die Wege¬ 
bezeichnung ist im Laufe des Sommers sorgfältig nachgesehen 
und ausgebessert worden. Leider werden immer noch zahl¬ 
reiche Schilder mutwUlig zerstört, Pfähle umgerissen und ent¬ 
fernt usw. Eine erhebliche Verbesserung der Bezeichnung er¬ 
folgte an vielen Stellen durch das Anbringen von Ortsschildern, 
die die nächste Herberge angeben. Mit der Bezeichnung von 
Zugangswegen wurde auf der Linie Vallendar-Höhr ein Anfang 
gemacht; die Massregel soll fortgesetzt werden. Zwei neue 
SchUlerherbergen wurden in Bingen und Schlangenbad ein¬ 


gerichtet; dagegen sind diejenigen in Boppard und Rhens aus 
Mangel an Mitteln eingegangen. Für ign sind Neug^Undungen 
in Neuwied, Rüdesheim, Eltville und Oberingelheim vorgesehen. 
Die Zahl der Herbergsbesucher ist wiederum stark gewachsen; 
sie hat sich gegen 1909 fast verdoppelt und gegen 1908 fast 
verdreifacht. Im laufenden Jahr wird die Zahl von 10 000 wohl 
überschritten werden. Die erst 1910 neugesebaffene Schüler¬ 
herberge in Bingen war die besuchteste in ganz Deutschland 
und Oesterreich; mehrere andere vom Rheinischen Verkehrs- 
Verein unterhaltene stehen mir ganz wenig dahinter zurück. 

Dieser gewaltige Aufschwung der vom Rheinischen Verkehrs- 
Verein für die deutsche Jugend geschaffenen Einrichtung hat 
aber leider auch eine weniger erfreuliche Kehrseite. Die Kosten 
der Unterhaltung der Höhenwege und Schülerherbergen wachsen 
in so hohem Masse, dass es schon jetzt grosse Schwierigkeiten 
macht, sie aufzubringen. Der Rheinische Verkehrs-Verein hat 
allen Herbergen zugesagt, für jeden Besucher einen Zuschuss 
von mindestens 50 Pfg. zu leisten. Er hat zwar vom Minister 
der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten einen einmaligen 
Zuschuss von 200 Mark und von einigen rheinischen Städten 
und Privaten Beiträge von geringerer Höhe erhalten, allein bei 
dem mit Sicherheit zu erwartenden weiteren bedeutenden An¬ 
wachsen der Besucherzahlen in den Herbergen muss doch in 
absehbarer Zeit der Augenblick kommen, wo die finanziellen 
Kräfte des Vereins nicht mehr ausreichen. Der Verein richtet 
daher an alle diejenigen, die für die Förderung der Wanderlust 
unserer Jugend und damit für ihre körperliche und geistige 
Bildung und Kräftigung Herz und Interesse haben, die dringende 
Bitte, ihn durch besondere Beiträge zu den Kosten der Höhen¬ 
wege und Schülerherbergen zu unterstützen, damit diese segens¬ 
reichen Einrichtungen nicht an Mangel an Mitteln eingehen müssen. 

Das von Herrn H. Hoitz im Aufträge des Vereins heraus¬ 
gegebene „Rheinwanderbu ch“, das eine genaue Beschreibung 
der Höhenwege und des Rheintales selbst enthält, ist im Früh¬ 
jahr 1910 in zweiter, verbesserter Auflage erschienen. Es hat 
einem allgemein gefühlten Bedürfnis abgeholfen und ist das 
begehrteste rheinische Wanderbuch geworden. 

Die Jahresrechnung für 1910 wies 25359 Mk. Mitglieder¬ 
beiträge aus und daneben 595 Mk. Einnahmen aus gewinn¬ 
bringender Tätigkeit. Von den Ausgaben entfielen 5698 Mk. auf 
Anzeigen, 1620 Mk. auf Höbenwege und Herbergen, 6483 Mk. 
auf den Neudruck der Führer und 2090 Mk. auf Porti. Die 
Verwaltung des Vereins kostete 10310 Mk., worin 1800 Mk. 
Miete für die Geschäftsräume einbegriffen sind. Der Kassen¬ 
führung wurde Entlastung erteilt. Zu Prüfern der Jahres¬ 
rechnung für 1911 wurden die Herren Bürgermeister Freiherr 
von Scheibler (Lorch) und Direktor der Mosel-Dampfschiffahrts- 
Gesellschaft Lans (Coblenz) gewählt. Sodann beschloss die 
Versammlung zwei Satzungsänderungen vorzunehmen. Durch 
die eine soll erreicht werden, dass die Hauptversammlung nicht, 
wie jetzt, unter allen Umständen im Mai oder Juni stattfinden 
muss, sondern auch auf eine spätere Zeit anberaumt werden 
kann. Die andere Aenderung bezweckt, die Möglichkeit zu 
schaffen, da, wo es angebracht erscheint, die Einladungen, die 
in den öffentlichen Blättern erfolgen, auch durch besondere, 
den einzelnen Mitgliedern zuzusendende Einladungen ergehen 
zu lassen. Des weiteren ernannte die Versammlung zu Ehren¬ 
mitgliedern des Vereins den Oberpräsidenten der Rheinprovinz, 
Staatsminister Freiherrn von Rheinbaben, und den Regierungs¬ 
präsidenten zu Coblenz, Herrn Scherenberg. Zum Ort der 
nächsten Hauptversammlung wurde Remagen bestimmt. 

Herr Bürgermeister Neff (Bingen) nahm Veranlassung, im 
Anschluss an die Besprechung des Jahresberichts die Zeitschrift 
„Deutschland“ mit anerkennenden Worten zu erwähnen, die 
seit der kurzen Zeit ihres Bestehens geradezu Hervorragendes 
geleistet habe und sich als ein willkommener und wertvoller 
Bundesgenosse für die Interessen der Verkehrs- 
Vereine im allgemeinen und besonders auch für den 
Rheinischen Verkehrs-Verein erwiesen habe. Der 
Redner glaubt, dass es angebracht sei, auch hier auf der Haupt¬ 
versammlung der Freude über das gelungene Werk und der 
Anerkennung über das, was Verlag und Redaktion in der 
schönen Zeitschrift geleistet, öffentlich zum Ausdruck zu bringen, 
diese Anerkennung aber auch durch weitere Unterstützung zu 
betätigen. — Diesen Erklärungen schloss sich Herr Kommerzien¬ 
rat S ch m a h 1 (Mainz) in lebhafter Weise an, indem er betonte, 
dass angesichts seiner ursprünglichen zurückhaltenden Stellung¬ 
nahme bei den Gründungsverhandlungen es ihm heute eine 
Ehrenpflicht sei zu erklären, dass er sich damals ein solch 
hervorragendes Werk unter dem zu gründenden Bundes¬ 
organ nicht vorgestellt habe, und das zu schaffen ihm damals 
die Leistungsfähigkeit der Vereine zu übersteigen schien. I n 
dem abgeschlossenen I. Jahrgange liege aber nun¬ 
mehr ein Werk vor, das die kühnsten Erwar¬ 
tungen weit übertroffen habe, ein Werk, auf das die 






262 18 888 09 0 8 600 000 0 00900^998^^ DEUTSCHLAND iiBeee ^j o eee e 8e ee6€3 0ö oc ee cce § Nr. 5 


Verkehrs-Vereine, wie auch der Verlag und der Schriftleiter 
stolz sein dürften. Besonderen Eindruck mache auch die 
Zeitschrift auf den Ausländer, der in der Amerika- 
Nummer eine solch bedeutende und eindrucksvolle 
Propagandaschrift über Deutschland fände, wie 
bis jetzt noch nicht herausgekommen sei. Diesen 
Kundgebungen der Anerkennung und des Dankes, die aus der 
Versammlung heraus lebhafte Zustimmung erfuhren, schloss 
sich der Vorsitzende gerne an, indem er seinen Dank noch 
besonders an den anwesenden Schriftleiter richtete. 

Zum Schluss kamen verschiedene Anregungen aus der 
Versammlung heraus zur Verhandlung. Auf Antrag des Herrn 
Hoyer (Köln) beschloss die Versammlung, bei den zu¬ 
ständigen Behörden dahin vorstellig zu werden, dass der auf 
den Loreleyfelsen führende Weg sowie der rheinwärts 
gelegene Teil der Hochfläche dieses Felsens in einer der Be¬ 
deutung dieser Stätte entsprechenden Weise ausgebaut werden; 
ferner soll der Rheinische Verkehrs-Verein die Errichtung einer 
Schutzhütte auf der Höhe in die Wege leiten und dafür eine 
Beihilfe gewähren. Die Versammlung beschloss, dem engeren 
Vorstand die weitere Behandlung der Angelegenheit zu über¬ 
tragen. Auf Antrag des Herrn Geh. Regierungs- und Land¬ 
rats Berg (St. Goarshausen) wurde dem Herrn Ober¬ 
präsidenten der Rheinprovinz folgende Entschliessung tele¬ 
graphisch übermittelt: „Die zu Mainz am lo. Juli tagende 
7. Hauptversammlung des Rheinischen Verkehrs - Vereins be- 
schliesst, an die Rheinstrombauverwaltung den Antrag zu 
richten, auf eine wirksame Verminderung der Rauchplage auf 
dem Rhein durch weitere Einführung von Rauchverbrennungs¬ 
apparaten auf den Rheindampfern und Einrichtung mechanischer 
Beschickung der Kessel, wie dies bereits von einer Anzahl von 
Schiffahrts-Gesellschaften geschehen ist, einzuwirken.“ — Der 
Herr Oberpräsident erwiderte darauf umgehend mit folgender 
Depesche: ,,Herzlich danke ich für die mich sehr erfreuende 
Ehrung. Wegen Rauchverminderung bin ich ganz in Ihrem 
Sinne tätig, von Rheinbaben.“ 

An die Versammlung schloss sich ein gemeinschaftliches Essen 
in der Stadthalle an. Am Nachmittag folgten die Teilnehmer 
mit ihren Damen einer Einladung der Stadt Mainz zu einer 
Dampferfahrt nach Bacharach, über die in der nächsten Nummer 
berichtet wird. 

Verschönerungs-Verein für das Siebengebirge. 

Die dem Verein gestellten Ziele konnten auch im ab¬ 
gelaufenen Jahre in erfreulicher Weise weiter verfolgt werden. 
So gelang es namentlich durch wertvolle Ankäufe den bis¬ 
herigen Besitz zu vervollständigen und damit zur Lösung der 
Aufgabe, die Naturschönheiten des Gebirges zu sichern und zu 
erhalten, weiter beizutragen. Es wurden angekauft rund 
32 Hektar, ungefähr die gleiche Grundfläche wie im Vorjahre. 
Der Gesamtgrundbesitz beziffert sich nunmehr auf 757 Hektar. 
Die Mitgliederzahl des Vereins beträgt 658. Der Jahresbericht 
sagt ferner: Wie in den vorhergehenden Jahren, so müssen 
wir auch in diesem Jahre wieder an unsere Mitglieder die 
dringende Bitte richten, uns in tatkräftiger Weise zu unter¬ 
stützen. Für die Herstellung und Instandhaltung von Wegen 
und Anlagen stehen dem Verein, abgesehen von den Zinsen 
des Stammvermögens, der Jachtpacht, den Holzpreisen usw. 
hauptsächlich nur die Mitgliederbeiträgc zu Gebote. — Erfreulicher¬ 
weise ist allerorts eine stetig wachsende Begeisterung für Fuss- 
wanderungen in unseren Sieben Bergen zu bemerken, und die 
vom Verein geschaffenen Verbesserungen und Neuanlagen 
scheinen sich des Interesses und des Beifalls der Wanderer zu 
erfreuen. Das Häuflein der Getreuen aber, die dem Verein 
auch Opfer zu bringen gewillt sind, ist nur ein geringes, und 
mindert sich leider von Jahr zu Jahr. Auffallend berührt es, 
dass gerade unter denen, die aus dem Siebengebirge erheblichen 
pekuniären Nutzen ziehen, sich so wenig bereit zeigen, auch 
ihr Scherflein für die Unterhaltung der Anlagen beizutragen. 
Die grossen und zum Teil ausserordentlich kostspieligen Auf¬ 
gaben, die dem Verein gestellt sind, erfordern erhebliche Auf¬ 
wendungen. Wir erneuern deshalb auch in diesem Jahre 
wieder unseren herzlichen Appell an alle, die dem Sieben- 
gebirge Liebe und Interesse entgegenbringen, den Verein durch 
Werbung neuer Mitglieder und durch freiwillige Spenden in 
seinen Bestrebungen zu unterstützen. 

Eifelverein. 

Nach dem im Maiheft des Eifelvercinsblattes veröffentlichten 
Jahresbericht hat der Verein wieder einen starken Zuwachs 
seiner Mitglieder zu verzeichnen. Die Zahl der Ortsgruppen 
beträgt jetzt 114 mit 15200 Mitgliedern, 1200 mehr als im Vor¬ 
jahre. 6 Ortsgruppen sind dem Eifelverein neu beigetreten. 
Erfreulich ist, dass auch in den Städten des rheinisch-westfäli¬ 


schen Industriegebietes die Gründung von Ortsgruppen dem¬ 
nächst bevorsteht. Ueber die grossen Aufgaben und Arbeiten 
des Eifelvereins wurde auf der vom 10. bis la. Juni in Monijoie 
stattgefundenen Jahreshauptversammlung, auf der auch Ober¬ 
präsident Freiherr von Rheinbaben anwesend war, berichtet. 
Nach vielen Bemühungen der Trierer Eifelfreunde hat sich die 
Eisenbahndirektion Saarbrücken dazu verstanden, versuchsweise 
Sonntagsfahrkarten nach Daun und Gerolstein auszugeben. 
Wünschenswert wäre es, so meint der Vorstand des Eifel¬ 
vereins, wenn sowohl vom Rhein, von Coblenz, Andernach, 
Remagen, Bonn und Köln, wie auch von Düsseldorf und Essen 
sowie den übrigen grossen Städten des Industriebezirks für 
Eifelbesucher diese Vergünstigung an Sonntagen eingeführt 
würde. 

Der Allgemeine Mosel-Verein 

hielt in dem reizend gelegenen Treis unter starker Beteiligung 
seine Hauptversammlung ab. Die Schülerherbergen des 
Gebietes sind sehr zahlt eich besucht worden. Sie haben annähernd 
3400 Mark Kosten verursacht. Die Einrichtung soll auch ferner¬ 
hin beibehalten, jedoch in der Weise eingeschränkt werden, 
dass nur noch eine bestimmte Zahl von Betten unentgeltlich 
zur Verfügung gestellt wird, während für die übrigen eine 
geringe Vergütung gezahlt werden muss. Beschlossen wurde 
der Anschluss der Moselorte an die Höhenwege des Huns¬ 
rücks- und des Eifelvereins. Johannes Trojan wurde 
zum Ehrenmitgliede ernannt. Vorträge hielten Oberförster 
Künster über „Die Geschichte von Treis und seiner 
Burgen“ und Dr. Heusler aus Bonn über „Heimatpflege“, 

Düsseldorfer Verkehrs-Verein. 

In der 14. ordentlichen Hauptversammlung besprach der Vor¬ 
sitzende, Herr Bankdirektor Seheurenber g, den Jahresbericht 
für 1910, aus dem folgendes hervorzuheben ist: In dem mit dem 
31. Dezember 1910 abschliessenden 14. Vereinsjahre hat sich die 
Mitgliederzahl von 706 auf 727 erhöht. Die Tätigkeit des Vereins 
ist auch im letzten Jahre eine sehr intensive gewesen. Im 
Rechnungsjahr 1910 betrugen die Einnahmen und die Ausgaben 
gleichlautend 26 825 Mk. Die allgemeine Tätigkeit des Verkehrs¬ 
bureaus und die Inanspruchnahme der Geschäftsstelle zu schrift¬ 
licher und mündlicher Auskunfterteilung über die Stadt, über 
Verkehrswesen und dergleichen waren auch im Berichtsjahre 
im ganzen ausserordentlich lebhaft; so wurde u. a. unsere 
Mitwirkung wiederum bei der Organisation verschiedener Kon¬ 
gresse in umfangreicher Weise erbeten. Der Internationale 
Kongress für Bergbau und Hüttenwesen im Juni 1910 war für 
den Verein die äussere Veranlassung, die längst gefasste Absicht, 
die Herausgabe fremdsprachlicher Druckschriften über unsere 
Stadt, zur Ausführung zu bringen. Unser grosser illustrierter 
„Führer“, wie auch der kleine „Führer“ wurden bei dieser 
Gelegenheit in deutscher, holländischer, englischer und fran¬ 
zösischer Sprache neu verlegt. Die redaktionelle Bearbeitung 
des Inhaltes hatte der Direktor des Statistischen Amtes, Herr 
Beigeordneter Dr. Most, ausgeführt. Die bei der Düsseldorfer 
Verlagsanstalt in künstlerischer Ausstattung hergestellten Führer 
waren für die Kongressteilnehmer eine willkommene Festgabe, 
die Düsseldorfs Sehenswürdigkeiten und Schönheiten durch 
Wort und Bild in weite Kreise getragen hat. Eine lebhafte 
Tätigkeit konnte der Verkehrs-Verein auch auf dem Gebiete der 
Reklame und Propaganda veranstalten. Zur Verstärkung 
der für eine solche Tätigkeit erforderlichen Mittel wurden uns 
von verschiedenen Seiten ausserordentliche Beiträge für den 
Reklamefonds zur Verfügung gestellt. Aus der Werbetätigkeit 
ist ferner hervorzuheben die Verbreitung von 200000 kleinen 
Prospekten in Form von Briefeinlagen, in denen ebenfalls auf 
die Vorzüge der Stadt und die gelegentlichen besonderen Ver¬ 
anstaltungen hingewiesen wurde. Im Ausland wurde eine lebhaftere 
Propaganda durchgeführt. Ausser umfangreichen Insertionen 
erwähnt der Bericht die Beteiligung an dem Deuts chen 
Verkehrsbureau in Brüssel, das auf Anregung der 
Zeitschrift „Deutschland“ in Verbindung mit der preussischen 
Staatseisenbahn-Verwaltung und dem Bund Deutscher Verkehrs¬ 
vereine errichtet wurde. Mit den Verkehrs vereinen der Nachbar¬ 
städte (Köln, Krefeld, Elberfeld, Barmen, Bergischer Landes¬ 
verein, Dortmund usw.) standen wir in angenehmen Beziehungen 
und in regem Verkehr und Gedankenaustausch. Es ergibt sich 
daraus die erfreuliche Tatsache, dass neben der den Verkehrs¬ 
vereinen obliegenden Werbe- und Propagandatätigkeit rein 
lokaler Art ein Handinhandarbeiten bei grossen allgemeinen 
Fragen und gegenseitige Unterstützung der jeweiligen nachbar¬ 
lichen Sonderveranstaltungen wohl möglich sind. Gerade in 
dieser Richtung dürfte vielleicht noch ein sehr weites Arbeits¬ 
feld für die Verkehrs-Vereine zu suchen sein. — „Mit besonderer 
Freude“, schreibt der Jahresbericht, „können Yfir heute eiuoh das 


■ 




Nr.5 ffi^öooQQQQoaooQQQQQQQQQGQ ffl DEUTSCHLAND iBe eoe eooe ee eoeo ooeooedctxiOoo i 263 




des neuen Organs für die deutschen Verkehrsinter- 
■ .^^*enr der .illustrierten Zeitschrift „Deutschland“, würdigen, 
' nachdem nunmehr der erste Jahrgang in seinen 15 Nummern 
Vorliegt.- Die Überaus günstige Aufnahme, welche die Zeitschrift 
,iDeut8chland“ in den weitesten Kreisen des In- und Auslandes 
gefunden hat, entsprach voll den Erwartungen, die man an ihre 
vornehme, künstlerische Ausstattung, wie auch an ihren mit 
. vieler Sorgfalt bearbeiteten textlichen Inhalt knüpfen konnte. 
. Dieser Erfolg erfüllt unseren Verkehrs - Verein mit um so 
grüsserer Genugtuung, als er an dem Zustandekommen des 
Unternehmens mitgewirkt hat. Unter der grossen Zahl von 
deutschen Städten und Landschaften, die „Deutschland“ in 
Wort und Bild geschUdert hat, ist Düsseldorf in abgemessener 
Weise gewürdigt worden. Die Hefte der „Deutschland“ stellen 
somit ein hervorragendes Organ für die Förderung der deutschen 
Verkehrsinteressen dar, was auch durch das lebhafte Interesse 
bestätigt wird, das ihnen die Behörden in jeder Weise bisher 
entgegengebracht haben“. Auf dem Gebiete der Verkehrs¬ 
verbesserungen hat der Verein verschiedene Eingaben behandelt 
und namentlich in Verbindung mit der Düsseldorfer Handels- 
^kammer den zuständigen Stellen eingereicht. So wurde u. a. 
die Handelskammer mit Erfolg um Unterstützung gebeten, für 
die Zeit der Brüsseler Ausstellung direkte Wagen von Düssel¬ 
dorf ngth Brüssel und umgekehrt zu befürworten. 

Ferner hatte der Vorstand sich mehrfach bemüht, dass die 
Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrts-Gesellschaft die Dampfer¬ 
fahrt nach und von Köln schon früher als den 15. Juli beginnen 
lasse, und mit näherer Beg^ndung auch vorgeschlagen, für den 
Verkehr Köln-Düsseldorf ein Schnellschiff in Dienst zu stellen. 
Eine auf Anregung des Herrn Regierungspräsidenten geschaffene 
Neuerung bedeutet die durch Zuschuss der Stadtverwaltung 
unserem Verein möglich gewordene Ausgabe eines „Programm- 
- Kalenders“, in dem die sämtlichen Vortragsveranstaltungen, 
Konzerte usw. des laufenden Monats übersichtlich verzeichnet 
sind. Herr Stadtbibliothekar Dr. Nörrenberg hat die Zusammen¬ 
stellung des Programms übernommen. Der Programm-Kalender, 
.der jeden Monat in Tausenden von Exemplaren unentgeltlich 
zur Verteilung kommt, wird auch von auswärts vielfach ver¬ 
langt, hat sich vortrefflich bewährt und daher allgemein sehr 
günstige Beurteilung gefunden. In der Ergänzungswahl zum 
Vorstand wurden gewählt: An Stelle des Herrn Postrat Feuer¬ 
sänger Herr Regierungsrat Kamlah, für Herrn Stadtverordneten 
Eitel Herr Landesrat Adams, für Herrn Kaufmann Schrammen 
Herr Chefredakteur Westphal, für Herrn Hoteldirektor Müller 
Herr Hotelier Meyer. Zum Schatzmeister wählte die Versammlung 
Herrn Bankier Tapken. Die übrigen auscheidenden Vorstands¬ 
mitglieder wurden wiedergewählt. Der Vorsitzende teilte hierauf 
mit, dass d^r Vorstand den einstimmigen Beschluss gefasst hat, 
Herrn Oberbürgermeister Marx zum Ehrenmitgliede des 
Vereins zu ernennen. Herr Bankdirektor Scheurenberg betonte 
die grossen Verdienste des Herrn Oberbürgermeisters Marx um 
die Ausgestaltung der Verkehrsverhältnisse in Düsseldorf. Der 
Vorstand schlage seine Wahl zum Ehrenmitglied nicht allein 
aus Dankbarkeit vor, sondern erblicke einen Stolz darin, einen 
solchen Mann als Ehrenmitglied auf dem Schilde des Vereins 
führen zu dürfen. Der Vorschlag des Vorstandes wurde von 
der Versammlung mit lebhafter Zustimmung aufgenommen und 
genehmigt. 

Der Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens und 
angrenzender Gebiete 

hat Uber die Arbeiten und Erfolge des dritten Geschäftsjahres 
durch seinen Schriftführer, Dr. jur. Kuckuck (Dortmund), einen 
umfangreichen Geschäftsbericht erscheinen lassen. Nachdem im 
ersten Teil über die Sitzungen, den Vorstand und die Mitglieder 
gesprochen ist, werden im zweiten Teil die Arbeiten und auch 
die Erfolge eingehend dargelegt. Man sieht speziell aus diesem 
Teil, dass der Vorstand bemüht war, die satzungsgemäss über¬ 
nommenen Arbeiten derart auszuführen, dass für alle seine 
Mitglieder ein direkter oder indirekter Nutzen daraus hervorgeht. 
— Als Anhang sind diesem Bericht die beiden letzten Vorträge 
des verstorbenen Schatzmeisters, Herrn Flörsheim (Dortmund), 
über die „Postverbindung des Industriegebiets mit Süddeutsch¬ 
land“ und über „den Wegfall des Ankunftstempels“ und des 
Herrn Alfred Meyer (Dortmund) über „das abgelehnte Schnell¬ 
bahnprojekt Dortmund—Düsseldorf und die „Ausgestaltung des 
Eisenbahnnetzes im rheinisch-westfälischen Industriegebiet“ bei¬ 
gefügt. Das Mitgliederverzeichnis weist zurzeit log Mitglieder 
an Verlcehrs-Vereinen, Verkehrs-Verbänden, Gemeinden, Kreisen, 
Aemterm, Gesellschaften und Einzelpersonen auf. Von den 
gemein, samen Arbeiten sind ausgeschlossen die Arbeiten, die 
rein lokaler Natur sind oder die Anträge, die mit den Interessen 
anderer Mitglieder kollidieren. Da sich die Arbeiten des Ver¬ 
bandes über ein grosses Gebiet erstrecken, ist es notwendig. 


dass aus allen Teilen Westfalens und der angrenzenden Gebiete 
Mitglieder eintreten und mitarbeiten, weil es sonst dem geschäfts- 
ftthrenden Vorstande unmöglich ist, das erstrebte Ziel zu er¬ 
reichen. Wenn eine Gemeinde oder Korporation, oder auch 
Einzelperson Interesse daran hat, den Inhalt dieses Jahres¬ 
berichts kennen zu lernen, kann er denselben von der Geschäfs- 
stelle des Verbandes, Dortmund, Balkenstrasse x8, beziehen. — 
Auch hatte der Verband bei der Eisenbahndirektion Essen an¬ 
geregt, wiederholt die durch das Kohlenrevier fahrenden Züge 
sowohl über die KÖln-Mindener, wie über die Bergisch-Märkische 
Linie zu führen, die Züge also in Dortmund bezw. in 
Duisburg zu gabeln. Diesem Wunsche hat die Eisenbahn¬ 
direktion jetzt insofern entsprochen, als sie die vier Ferien¬ 
sonderzüge, die Anfang August nach München, Basel 
und Erfurt fahren, sowohl über die Köln-Mindener, als auch 
über die Bergisch-Märkische Linie leitet. 

Sodann hatte der Verband der Verkehrs-Vereine West¬ 
falens im vorigen Jahre in einer an die Eisenbahn Verwaltung 
gerichteten Eingabe vorgeschlagen, den seit dem i. Mai d. Js. 
neu eingelegten Eilzug 197 Essen- Dortmund-Süd—Altenbecken 
— Cassel von Altenbecken ab teilweise über Ottbergen—Nort¬ 
heim bis Nordhausen weiterzuführen, damit von dem Industrie¬ 
gebiet eine direkte Zugverbindung nach den Kurorten des 
Südharzes hergcstellt würde. Diesen Wunsch hat die Eisen¬ 
bahnverwaltung allerdings noch nicht erfüllt. Sie lässt aber, 
dieser Anregung folgend, in diesem Jahre zum ersten Male 
einen Feriensonderzug aus dem Kohlenrevier nach 
dem Südharz verkehren. 

Es werden aus dem Industriegebiet im August d. Js. drei 
Feriensonderzüge nach dem Harz gefahren. 

A) Nach dem Nordharz: i. Am 4. August von 
Krefeld über Essen—Dortmund-Süd nach Halber¬ 
stadt. Ab Essen H.-B. 7.06 vorm., Bochum-Süd 7.25, Langen¬ 
dreer 7.36, Dortmund-Süd 7.57, Soest 8.54, an Goslar 12.50 
nachm. Abzweigestation für Hahnenklee, Wildemann, Claus¬ 
thal—Zellerfeld, Vienenburg an 1.13. Abzweigestation für Bad 
Harzburg, Ilsenburg, Heudeber— Dannstedt an 1.54. Abzweige¬ 
station für Wernigerode, Schierke, Elend, Halberstadt an 2.13. 
Abzweigestation für Quedlinburg, Thale, Bodetal. — 2. Am 
4. August von Duisburg über Gelsenkirchen, Dort¬ 
mund H.-B. nach Halberstadt. Ab Duisburg 7.20 vorm., 
Gelsenkirchen 8.03, Wanne 8.12, Herne 8.21, Dortmund H.-B. 8.56, 
an Goslar 2.11 nachm., Vienenburg 2.19, Heudeber-Dannstedt 3 Uhr, 
Halberstadt 3.15. 

B) Nach dem Südharz. Am 5. August von Duis¬ 
burg über Essen H.-B.—D o r t m u n d-S ü d —S o e s t—Al t e n- 
becken —Northeim nach Nordhausen. Ab Essen H.-B. 
7.45 vorm., Bochum-Süd 8.03, Langendreer 8.14, Dortmund-Süd 
8.32, Soest 9.47, an Herzberg 1.33 nachm. Abzweigestation für 
Osterode am Harz, an Scharzfeld 1.45. Abzweigestation für 
Bad Lauterberg, St. Andreasberg, an Bad Sachsa 2.07, Walken¬ 
ried 2.13. Abzweigestation für Stöberhai, Braunlage, Nord¬ 
hausen an 2.42 nachm. Abzweigestation für Itfeld, Netzkater, 
Hohegeiss usw. 

Wir empfehlen angelegentlich die Benutzung dieser Ferien¬ 
sonderzüge, insbesondere auch des Zuges nach dem Südharz, 
damit die Eisenbahnverwaltung bei starker Benutzung des 
Zuges sich veranlasst sieht, in Zukunft ständig fahrende Eil- 
züge über diese Strecke verkehren zu lassen. Erwähnt sei 
noch, dass die Ausgabe der Sonderzugrückfahrkarten zu er- 
mässigten Preisen bereits 10 Tage vor Ablassung der Sonder¬ 
züge erfolgt und drei Tage vor Ablassung des betreffenden 
Sonderzuges mittags 12 Uhr geschlossen wird. Zu jedem der 
vorstehend aufgeführten Sonderzüge werden höchstens 500 Fahr¬ 
karten ausgegeben. Sobald diese Höchstzahl erreicht ist, wird 
der Verkauf geschlossen, also eventuell schon früher wie drei 
Tage vor Ablassung des betreffenden Sonderzuges. 

Der Verkehrs-Verein Barmen 

hat in der Ruhmeshalle eine Ausstellung von Photographien 
des Bergischen Landes veranstaltet. Der Vorsitzende des Verkehrs- 
Vereins, Stadtverordneter Evertsbusch, verspricht sich, wie 
er in seiner Begrüssungsansprache ausführte, von der Aus¬ 
stellung Erfolge zum Nutzen der Vaterstadt, der Heimat und 
des ganzen Bergischen Landes, dessen Schönheiten von den 
Fremden immer mehr geschätzt würden. Die Ausstellung ist 
ausserordentlich reich beschickt; sie zeigt einmal, zu welch 
künstlerischer Höhe es zahlreiche Amateure gebracht haben, 
unter denen der Barmer Verein für Liebhaberphotographie eine 
hervorragende Stelle einnimmt. Auch Schüler des Gymnasiums 
haben gute Bilder ausgestellt, die zu einer Kollektivausstellung, 
ebenso wie des eben genannten Vereins, vereinigt sind. Sie 
bezeugen den Wert der Photographie für die ästhetische Aus¬ 
bildung der Schüler und für Unterrichtszwecke, insbesondere 




264 I BQOQQQQQQQQGQQQQQQQQQQQQQQQd l DEUTSCHLAND BS 0GOOOO0O6OOO0G6006O6008€)tl B Nr.5 ‘ 


für den heimatkundlichen Unterricht. Diesen Zweck verfolgte 
unmittelbar eine grosse Sammlung von Stereoskopbildern, die 
ein Remscheider zusammengestellt hatte und die den ganzen 
Wupperlauf nebst den besonderen Sehenswürdigkeiten der 
Wupperstädte umfasste. Unter den Arbeiten der Einzelaus¬ 
steller nimmt das bergische Haus in seiner Eigenart eine 
beherrschende Stellung ein. Vorzüglich sind Volkstypen bei 
der Arbeit im Schleifkotten oder Hammer, oder in ihrer be¬ 
schaulichen Ruhe wiedergegeben. Eine Reihe von Preisen, 
darunter auch zwei silberne und eine bronzene Medaille, die 
von der Stadt gestiftet wurden, stehen zur Prämiierung für die 
besten Arbeiten zur Verfügung. 

Verkehrs-Verein Dortmund. 

Der letzten Vorstandssitzung lag ausser verschiedenen 
Wahlen die Einrichtung und Besetzung des neuen Verkehrs¬ 
bureaus am Hauptbahnhof ob. Zum zweiten Vorsitzenden 
wurde Herr Kaufmann Gust. Wiskott jun. gewählt. Da der 
ordentliche Verbandstag des Verbandes der Verkehrs-Vereine 
Westfalens Dortmund als Vorort gewählt hatte, lag dem Vor¬ 
stande des Dortmunder Verkehrs-Vereins satzungsgemäss die 
Wahl des geschäftsiührenden Vorstandes ob. Als Vorsitzender 
und als Schriftführer wurden die Herren Oberbürgermeister 
Dr. E i ch h o f f und Dr. jur. K u ck u ck einstimmig wiedergewählt, 
während als Schatzmeister für den verstorbenen Herrn Flörsheim 
Herr Kaufmann Strohn (Dortmund) eintrat und gleichzeitig die 
Vertretung des Vorsitzenden übernahm. Zur Begutachtung von 
Eisenbahnangelegenheiten und zur Vertretung der anderen Vor¬ 
standsmitglieder trat Herr Kaufmann Alfred Mey er (Dortmund) 
in den geschäftsführenden Vorstand ein. Nachdem der Geschäfts¬ 
führer Herr Dr. Kuckuck über den Hergang der Haupt¬ 
versammlung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine, der er als 
Bevollmächtigter des Verbandes und des Vereins beiwohnte, 
und über die Einrichtung verschiedener Verkehrsbureaus be¬ 
richtet hatte, ■ wurden noch einige Anträge und Wünsche auf 
Verbesserungen von Verkehrseinrichtungen besprochen. 

Sauerländischer Gebirgsverein. 

Die Hauptversammlung fand in Arnsberg unter 
dem Vorsitz des Bürgermeisters Locke statt. Der Verband 
zählte 1909 14t Abteilungen mit 13593 Mitgliedern, im Vorjahre 
156 Abteilungen mit 15 217 Mitgliedern, er ist also um 15 Ab¬ 
teilungen und 1624 Mitglieder gewachsen. Eingegangen sind 
zwei, neu gegründet 17 Abteilungen. Der von dem Verein auf 
der Nordhelle zu errichtende Robert-Kolb-Turm erfordert eine 
Summe von izoooMk., die zum grössten Teile bereits gesammelt 
ist. Der mit dem Frankfurter Verleger des „Sauerländischen 
Gebirgsboten“ geschlossene Vertrag ist zum i. Januar 1912 ge¬ 
kündigt und die Drucklegung der Firma Girardet in Essen über¬ 
tragen. Die Schülerherbergen haben einen gewaltigen Auf¬ 
schwung genommen. Sie wurden im Jahre 1907 von 952, 1908 
von 1500, 1909 von 3316 und 1910 von 4332 Schülern besucht. 
Natürlich haben sich auch die Kosten entsprechend gesteigert, 
und zwar haben dieselben in den entsprechenden Jahren be¬ 
tragen 1835 Mk., 1994 Mk., 3685 Mk., 4919 Mk. Die Lichtbilder¬ 
sammlung ist jetzt bei der Zahl 500 angelangt. Die Ausgrabungen 
im Arnsberger Walde werden fortgesetzt, ebenso die Aus¬ 
grabungen an der Hünenburg bei Meschede. Karl Ewald (Hagen) 
berichtete namens des Hauptwegeausschusses : Es sind jetzt bei 
25 Hauptwanderstrecken 2500 Kilometer Wege gezeichnet. 
Namens des Ausschusses für SchUlerherbergen berichtete 
Lehrer Grossjohann (Lüdenscheid), namens des Verkehrs¬ 
ausschusses Stadtrat Perker (Hagen). Die Rechnungslegung 
für die Hauptkasse wies eine Einnahme von 34220 Mk. und 
eine Ausgabe von 24734 Mk. nach, so dass ein Bestand von 
9486 Mk. verbleibt, hierzu kommt der Bestand von 7000 Mk. — 
Eine Abteilung Düsseldorf des Sauerländischen Gebirgs- 
vereins ist kürzlich in Düsseldorf gegründet worden. Der Vor¬ 
stand besteht aus folgenden Herren: Erster Vorsitzender Herr 
Oberregierungsrat Cosack, zweiter Herr Rechtsanwalt Dr. Biesen¬ 
bach, erster Schriftführer Herr Oberzollrevisor Soemer, zweiter 
Herr Dr. med. Berens, erster Kassierer Herr Kaufmann Bernhard 
Winkhaus, zweiter Herr Zahnarzt Schulte, Beisitzer die Herren; 
Architekt Franz Schneider, Professor Lausberg, Kriegsgerichts¬ 
rat Dörken, Fabrikbesitzer und Stadtverordneter Woeste. 

Ein Sommerausflug des Vereins zur Förderung des 
Fremdenverkehrs Hamburg, 

Unermüdliches Streben mit weitsichtigen Blicken sind Grund¬ 
bedingungen im heutigen Hasten und Treiben unseres Geschäfts¬ 
lebens, und diese zielbewusste Aufgabe zu lösen, ist in erster 
Linie mit stets das Bestreben eines jeden Verkehrs-Vereins, 
wenn er seine Zwecke und Ziele in Einklang zu bringen sucht 


auf der einen Seite zum Wohl seiner Vaterstadt, auf der andern 
gleichzeitig zum Wohl und zur Hebung der geschäftlichen 
Konjunktur in derselben. Wer Gelegenheit gehabt hat, im 
Laufe der letzten Jahre die Fortschritte auf dem Verkehrs¬ 
gebiete zu beobachten, wird bestätigen, dass ein rastloses Vor¬ 
wärtsschreiten vieler Städte nicht zum geringsten der 
Rührigkeit ihrer Verkehrs-Vereine zu danken ist. Man muss 
es darum begrüssen, dass auch der Hamburger Verein zur 
Förderung des Fremdenverkehrs ständig bemüht ist, mehr und - 
mehr aus seiner Reserve herauszutreten, und hoffentlich unter¬ 
stützt durch das Wohlwollen seiner Behörde und durch das- 
Zusammenwirken seiner Mitglieder weitgehendst in die Lage 
kommt, allen Anforderungen, die heute an einen Verkehrs- 
Verein von der Bedeutung Hamburgs gestellt werden, gerecht 
zu werden. Dankbare Anerkennung verdient darum auch ganz 
besonders das Wirken des Vorstandes, den Verkehrs-Verein 
als solchen auch einmal ab und zu in der breiten Oeffentlich- 
keit für sich selbst wirken zu lassen, und so versammelten sich 
am 30. Juni viele Hunderte von Mitgliedern an den St. PauU- 
Landungsbrücken, um eine Fahrt nach der Lühe zur Kirschen- 
ernte in fröhlicher Stimmung unter bewährter Führung des 
Schatzmeisters, Herrn C. Clausen, anzutrelen. Festlich geflaggt 
lagen die beiden Dampfer „Gutenberg“ und „Germania“ der 
Hamburg—Stader -Altenländer Linie bereit, die vielen Hunderte 
von Damen und Herren aufzunehmen, und schon lange vor 
der festgesetzten Abfahrtszeit war bereits der eine der Dampfer 
vollständig besetzt. Alle Teilnehmer waren hoch befriedigt 
von der schönen Fahrt, und allgemein ging die Stimmung dahin, 
dass durch derartige ideale Zusammenkünfte dem Verein zur 
Förderung des Fremdenverkehrs neue Freunde erstehen. 

Der Verein zur Förderung Dresdens und des 
Fremdenverkehrs 

hielt am 5. Juli seine diesjährige Hauptversammlung ab. 
Der Vorsitzende Hofrat Behrens berichtete über die Tätigkeit des 
Vorstandes im abgelaufenen Voreinsjahr auf Grund des gedruckt 
vorliegenden Rechenschaftsberichts. Namentlich berührte er die 
neue Propagandaschrift Sachsen, die der Verein im Auftrag 
der Generaldirektion der Kgl. Sächs. Staatsbahnen hergestellt 
hat, sowie den Führer Dresden und das Elbgelände, der sich 
solcher Beliebtheit erfreut, dass in einem Jahre 25000 Stück 
vertrieben worden sind. Weiter berichtete er über die Beteiligung 
des Vereins an der Internationalen Ausstellung für Reise und 
Fremdenverkehr in Berlin. Zum Schluss besprach Hofrat Behrens 
die gegenwärtige Internationale Hygiene-Ausstellung. Weiter 
wurde gemäss dem Antrag der Rechnungsprüfer die Rechnung 
für das abgelaufene Geschäftsjahr richtiggesprochen. Es folgte 
die Ersatzwahl für die 12 ausscheidenden Vorstandsmitglieder. 
Wiedergewählt wurden Rentier Ackermann, Kommerzienrat 
Konsul G. Arnhold, Rentier Frohne, Pfarrer Gamper, Stadtrat 
Hofmusikalienhändler Plötner, Hoflieferant Sieverts, Prof. Dr. 
Vollmöller, Stadtverordneter Hoflieferant Carl Wendschueb, 
Buchhändler v. Zahn und Hotelbesitzer Rühmann; neugewählt 
wurden Stadtverordneter Grützner und Rechtsanwalt Hertel; zu 
Rechnungsprüfern wurden wiedergewählt die Herren Bahmann, 
Zeuner und Siegel. - Sodann entspann sich eine längere Aus¬ 
sprache Uber den Wert und Nutzen der Internationalen Hygiene- 
Ausstellung. Kommerzienrat Arnhold erklärte, sie werde eine 
nachhaltige Wirkung haben. Eine grosse Zahl von Personen, 
die Dresden lange gemieden hätten, seien wieder hierher ge¬ 
kommen, ebenso eine grosse Anzahl, die Dresden zum ersten 
Male besuchten. Stadtrat Plötner bestätigte diese Ansichten und 
wies namentlich noch auf die schönen Schaufenster Dresdens 
hin, das sich in dieser Hinsicht mit allen grossen Städten 
Europas messen könne. — Auch Hofrat Behrens erklärte zu¬ 
sammenfassend, der Name der Stadt sei wieder einmal mit 
Ehren durch die ganze Welt getragen worden, die Ausstellung 
werde Dresden grossen und dauernden Nutzen bringen. 

Verkehrs-Verein Mannheim. 

Auf der diesjährigen sechsten Mitgliederversammlung des 
Verkehrs - Vereins Mannheim begrüsste der erste Vorsitzende, 
Herr Stadtrat Darmstädter, bei Eröffnung der Versammlung ins¬ 
besondere die Herren Polizeidirektor Dr. Korn, Amtsgerichts¬ 
direktor Giessler und Postdirektor Weiland und widmete dem 
am 23. November v. Js. verstorbenen verdienstvollen zweiten 
Vorsitzenden, Herrn Stadtverordneten - Vorstand Wilh. Fulda, 
einen warmempfundenen Nachruf. Der Tätigkeitsbericht für 
die Jahrr 1908/10, der im Druck vorlag, gibt ein übersichtliches 
Bild von der weitverzweigten, erfolgreichen Wirksamkeit des 
Vereins. Herr Stadtrat Darmstädter ergänzte den Bericht mit 
einigen Bemerkungen über die Verkehrs-Vereine im allgemeinen 
und über den Mannheimer im besonderen. Als sehr erfreulich 
sei zunächst festzustellen, dass die Tätigkeit der Verkehra- 



DEUTSCHLAND @ e öG ooo o 0 8 8ee6^6^^000€)€>e0e0 e ggi 265 

£r\ 


^^iMSe&asm ■ von seiten der Städte und des Staates immer mehr 
Aneskannt werde. Gerade die Zusammenschlüsse der Vereine 
ju Verbänden hätten veranlasst, dass die Regierungen und 
Bisenbahnverwaltungen die Verkehrs-Vereine auch materiell 
unterstützen. Ein grosses Verdienst um die Förderungen der 
deutschen Verkehrsinteressen habe sich die illustrierte Zeit¬ 
schrift „Deutschland** erworben. Diese erst ihren zweiten 
Jahrgang eröffnende Zeitschrift, das amtliche Organ des Bundes 
Deutscher Verkehrs-Vereine, habe eine Propagandanummer 
inenglischer Sprache herausgegeben, die dazu be¬ 
stimmt sei, in Amerika in etwa 50 000 Exemplaren verbreitet zu 
werden und den Amerikanern, die zumeist über Paris nach 
Europa kommen und oft nur die Schweizer und Tiroler Alpen 
und die Bäder besuchen, dis Schönheiten des deutschen Landes 
vor Augen zu führen. Die Stadtverwaltung habe auf Anregung 
des Verkehrs-Vereins die Herausgabe dieser Nummer unter- 
'Btützt. Die auf Mannheim bezügliche Publikation präsentiere 
sich mit den beigegebenen Illustrationen auf das vorteilhafteste. 
Besonders in die Augen fallend sei die Wiedergabe des Manetschen 
Bildes und einer packenden Hafenpartie. Das Original besitzt 
Frau Geh. Kommerzienrat Lanz. Im Anschluss daran stellte 
der Redner fest, dass der Stadt mit der Kunsthalle ein 
grosser neuer Anziehungspunkt gegeben worden sei. Er könne 
nicht umhin, dabej der grossen Propaganda-Versammlung zu 
gedenken und der aufrichtigen Freude über das so grossartige 
Gelingen Ausdruck zu geben. Es sei ganz selbstverständlich, 
dass der Verkehrs-Verein dem neugegründeten Freien Bund 
zur Einbürgerung der bildenden Kunst in Mannheim die aller¬ 
lebhafteste Sympathie entgegenbringe, denn der Verein sei 
stets dabei, wenn Mannhein in einer Sache vorangehe. Man 
sei auch überzeugt, dass es dem wundervollen Optimismus und 
Idealismus Dr. Wicherts gelingen werde, das Ziel zu erreichen, 
das er sich gesteckt habe. Sei so die Kunstpflege in Mannheim 
ein neuer Faktor, Mannheim überall bekannt zu machen und 
fremde Besucher hierher zu ziehen, so habe die Stadt in der 
Waldpflege, in den seither bedeutend fortgeschrittenen Verbesse¬ 
rungen des Waldparks Neckarau ein Mittel, den Mannheimern in 
unmittelbarer Nähe der Stadt eine Erholungsstätte zu bieten. 
Aus dem Tätigkeitsbericht ist zu ersehen, dass Propaganda¬ 
tätigkeit und Bureaubetrieb eine beträchtliche Steigerung er¬ 
fahren haben. Nur durch Anspannung aller Kräfte war es 
möglich, die stetig wachsende Arbeit zu bewältigen. Im 
Namen des Vorstandes spreche er der Geschäftsführung 
vollste Anerkennung aus für ihre unermüdliche, pflicht¬ 
eifrige Tätigkeit. Redner sprach weiter der Stadtverwaltung, 
besonders dem Oberbürgermeister, den herzlichsten Dank dafür 
aus, dass der städtische Zuschuss von 3000 auf 5000 Mark er¬ 
höht wurde, ferner den Behörden, den Mitgliedern und der 
Presse. Der Kassenbericht, den in Vertretung des verhinderten 
Kassiers, Herrn Direktor Nettei, der Vorsitzende erstattete, 
weist als Rechnungssrgebnis des Jahres 1910 21415.76 Mark Ein¬ 
nahmen und 21597.42 Mark Ausgaben auf. Herr Amtsgerichts¬ 
direktor Giessler schloss sich den anerkennenden Worten des 
Vorsitzenden über die ausgezeichnete Geschäftsführung voll an. 
Der Voranschlag für 1911 balanciert in Einnahmen und Aus¬ 
gaben mit 19500 Mark. Der Vorsitzende machte bei dieser Ge¬ 
legenheit die Mitteilung, dass beabsichtigt sei, einen neuen 
Führer herauszugeben. Der Voranschlag wurde einstimmig ge¬ 
nehmigt. Herr Geschäftsführer Hohl gab alsdann das Arbcits- 
prog^amm für 190 bekannt. 

Verband hessischer Verkehrs-Vereine. 

Bad-Nauheim. Vom i. Juli 1 . J. ab hat der Verkehrs- 
Verein die Geschäfte des Verbandes hessischer Verkehrs- 
Vereine für die nächsten 2 Jahre übernommen. Die Geschäfts¬ 
leitung des Vororts besteht aus Herrn Rechtsanwalt und Notar 
Stahl (x. Vorsitzender), Hartmann Stohl (Kassierer) und Wilhelm 
Wallmann (Schriftführer). Es besteht die Absicht, Ende Aug^ust 
oder Anfang September eine Verbands-Sitzung in Bad-Nauheim 
abzuhalten. Dem Verband gehören zurzeit 22 Vereine an, aus 
den Provinzen Starckenburg, Rhein- und Oberhessen. 


Der Frankfurter Verkehrs-Verein hat, wie in der 
Mitgliederversammlung vom 5. Juli mitgeteilt wurde, zur 
schnelleren Erledigung des Geschäftsganges verschiedene Aus¬ 
schüsse gebUdet, so eine Presse- und Propaganda-Kommission, 
Führer-, Finanz- sowie Handels- und Verkehrs-Kommission. 
Mit den Fremdexi-Automobilfahrten durch den Taunus wird in 
den nächsten Tagen begonnen. Vorläufig werden wöchentlich 
drei Fahrten, Dienstags nach Königstein, Donnerstags nach Cron- 
berg, Samstags nach Homburg unternommen. Der Preis beträgt 
14 Mark für eine Person. Wie der neue Geschäftsführer, Direktor 
Wermeling, weiter mitteilte, werden im Vorstand zurzeit ver- 
'SChiedene Projekte zur Hebung des Fremdenverkehrs beraten, 
der in diesem Jahre bedeutend abgenommen bat, so gegen das 


Vorjahr im Monat Mai um ixooo, im Juni um 7000 Personen. 
Aus Anlass der Eröffnung des Ostbahnhofs plant der Verkehrs- 
Verein die Abhaltung eines Festspiels oder eines historischen 
Umzugs. 

Der Fremdenverkehr in Cassel-Wilhelmshöhe 
hat in dieser Saison bereits einen bedeutenden Umfang erreicht, 
namentlich durch die Jubiläumsausstellung der Deutschen Land- 
wirtschaftsgesellschaft und die flugsportlichen Veranstaltungen 
gelegentlich des Deutschen Rundfluges. Während der sechs 
Ausstellungstage wurden 516352 Personen von der elektrischen 
Strassenbahn befördert; die Betriebseinnahmen im Juni ergaben 
demgemäss ein mehr von 64 400 Mark gegen Juni X910. In dem 
klimatischen Kurort Wilhelmshöhe waren bis 6. Juli 2496 Per¬ 
sonen (ohne Passanten) anwesend. Die weltberühmten Wasser¬ 
künste sind auch während des Sommeraufenthaltes der Kaiser¬ 
lichen Familie dem Publikum zugänglich. Grosse Anziehungs¬ 
kraft übt auch die kolonialwirtschaftliche Ausstellung im 
Orangerieschloss der Karlsaue aus. Eine Reihe von Verbänden 
hält in dem zentral und landwirtschaftlich hervorragend gelegenen 
Cassel in diesem Sommer Tagungen ab. Als Kongressstadt 
wird die alte Hessenresidenz noch mehr in Aufnahme kommen 
nach Vollendung der Stadthalle, die angesichts der Wilhelms¬ 
höher Parkanlagen im Westen der Stadt mit einem Kosten¬ 
aufwand von 1200 000 Mark (ohne Grunderwerb) errichtet wird. 

Hebung des Fremdenverkehrs. Der kürzlich in 
Gotha abgehaltene Thüringis che Städtetag hat sich 
auch über Massnahmen zur Hebung des Fremdenverkehrs in 
Thüringen unterhalten. Es erstattete im Namen des im vorigen 
Jahre in Sangerhausen eingesetzten Ausschusses Herr Stadt¬ 
verordneter Otto Rudolf (Gotha) in einem längeren Vor¬ 
trage einen eingehenden Bericht. Der Redner erörterte die 
Aufgaben, die zur Hebung des Fremdenverkehrs erfüllt werden 
müssten, und betonte, dass ein einiges Vorgehen von ganz 
Thüringen durchaus notwendig sei. Er macht; vieleilei 
Vorschläge in dieser Richtung und wies dabei auch auf den 
Autoverkehr hin, der in verschiedenen Teilen Deutschlands, 
insbesondere im bayrischen Hochgebirge, zur Verbesserung 
des Fremdenverkehrs ausgebildet worden ist. Er schlug ferner 
vor, eine wesentliche Verbesserung der Bahnverhältnisse Thü¬ 
ringens zu betreiben. Weiterhin empfahl er eine im Mittelpunkt 
gelegene Geschäftsstelle, die am besten in Gotha errichtet würde. 
Schliesslich befürwortete er eine Entschliessung, die den Zweck 
verfolgt, einen Verkehrsverband für Thüringen zu gründen und 
alle Einzelheiten einer später einzuberufenden Gründungs¬ 
versammlung zu überlassen. Mit diesen Anregungen erklärte 
sich der Städtetag einverstanden. 

Eisenbahnwesen. 

Neue Zugverbindungen zwischen Hamburg, Bremen 
und Süddeutschland. 

(Mitgeteilt von der Kgl. Eisenbahndirektion Hannover.) 

Seit dem 1. Mai d. J. verkehren zwischen den Hanse¬ 
städten Bremen und Hamburg und Süddeutschland zwei neue 
D-Züge mit 1. und 2. Kl. nach folgendem Fahrplan: 


925 ab 1 
1122 ftn ^ 

^ Hamburg Hauptbahnhof 
' Hannover ' 

an 822 
^ ab 5^ 

9i« ab 
1131 an 

Bremen 

Hannover 

an 784 
ab 6^ 

11^ ab 

420 an 

Hannover | 

an 637 
ab 122 

429 ab 

5^ au 
10^8 an 

Elm 

Würzburg 

München 

an 1222 
ab 1022 
ab 612 

429 ab 

5£2 aii\ 
55 * ab/ 
702 an 

Elm 

Frankfurt a. M. 

Mannheim 

an 122 
/ab 11*1 
\an 1112 
an 988 

99 *^ an 
1118 an 

Straßburg 

Basel (Schweiz) Bundesbhf. 

ab 707 
ab 601 

6^9 ab 

789 an 
727 * „ 
910 * „ 

831* „ 
1219 au ' 

Frankfurt a. M. 

Wiesbaden 

Heidelberg 

Stuttgart 

/ Karlsruhe g 

Basel Bad. Bahnhof | 

an 108» 
ab 1008 

9!* 
„ 7»» 

” 

1 ab 6*7 


*) über Mannheim 

Die Züge führen von Hamburg und Bremen nach 
Mannheim und München und zurück direkte Wagen und 
Schlafwagen. 








■»;<*»?j;-T*'*r? *i>!? ■;-;.■^■ 


•^ . vr’^.vs^ 


266 m B& dGeeß&3&3e&[^3&^ ^eee&&^ DEUTSCHLAND ig5^)eöQe$^^^) 0 e8e0^ g )eeee6G^ Nr. 5 


D-ZUge und Eilzüge. Die Frühjahrs-Versammlung der 
West deu t s ch e n Ve r k ehrskommission des Verban des 
reisender Kaufleute Deutschlands beschäftigte sich, wie 
die ,,Crefelder Zeitung** meldet, unter anderem sehr eingehend 
mit der Zusicherung des Ministers, die Fahrpläne im westlichen 
Deutschland in jeder Weise verbessern zu wollen. Hierzu 
wurde hervorgehoben, dass die andauernde Vermehrung der 
D-Züge im Interesse einer rascheren und bequemeren Beförderung 
zu begrüssen sei; es müsse aber Wert darauf gelegt 
werden, dass dieD-Züge auchwirklich einegrössere 
Fahrgeschwindigkeit zeigten, als die Eilzüge; 
die D-Züge 13/14 Köln—Berlin z. B. hätten die gleiche 
lange Fahrzeit beibehalten, die sie als Eilzüge besassen. 
Ferner müsse die Vermehrung der Eilzüge gleichen 
Schritt halten mit der Vermehrung der D-Züge, und zwar 
nicht nur im engeren, sondern im erweiterten Lokalverkehr; 
nur so könne der‘Zweck, die D-Züge zu wirklichen, durch¬ 
gehenden Zügen mit weiter zu vermindernden Fahrzeiten zu 
machen, erreicht werden. (Vgl. hierzu den Artikel in Nr. 15, 
S. 44, des vorigen Jahrganges der „Deutschland“.) Auch müsse 
der Begriff „Lokalverkehr“ ein umfassenderer werden; unter 
den heutigen Verkehrsverhältnissen könne man doch sicher eine 
Entfernung wie Aachen—Hannover als Lokalverkehr ansprechen; 
für eine grosse Anzahl der rheinisch-westfälischen Kaufleute 
und Industriellen sei bereits die Entfernung Köln —Berlin zum 
„Lokalverkehr“ geworden. Die Ausführungen fanden den leb¬ 
haften Beifall der zahlreich besuchten Versammlung, der auch 
die Vertreter der Handelskammern Barmen, Elberfeld, Duisburg, 
Hagen, M. Gladbach anwohnten. 


Wi e viel Forie n-So nder züge werden gefahren? 
Welchen Umfang die Zahl der Ferien-SonderzUge angenommen 
hat, ergibt folgende Darstellung: An die Ostsee werden in 
den Monaten Juli und August 53 Sonderzüge abgelassen, den 
Verkehr nach der Nordsee vermitteln 55 Sonderzüge; nach 
Thüringen und dem Harz werden ii bezw. 18 Sonderzüge ge¬ 
fahren, nach dem Rhein (Köln) sind es deren 4. Nach dem 
Riesen-, Glatzer-, Iser- und Altvatergebirge gelangen 23 Sonder¬ 
züge zur Ablassung. Besonders reichhaltige und mannigfache 
Gelegenheit bietet sich wiederum zu Ferienreisen nach Süd¬ 
deutschland und der Schweiz. Nach München werden 69 Sonder¬ 
züge aus den verschiedensten Teilen Deutschlands gefahren, 
woran anschliessend an einigen Tagen Sonderzüge nach Kuf¬ 
stein und Salzburg abgehen. Nach Basel vermitteln 43 Sonder¬ 
züge den Reiseverkehr, nach Stuttgart und Friedrichshafen ver¬ 
kehren 8 Sonderzüge, nach Berlin 20, nach Wien 6 und nach 
der Sächsischen Schweiz 7 Sonderzüge. 

Fahrpreisermässigung zum Besuche der 
Hygiene-Ausstellung in Dresden. Arbeitnehmer, 
die Mitglieder von Krankenkassen im Sinne der reichsgesetz¬ 
lichen Bestimmungen über die Krankenversicherung der Arbeiter 
(einschl. der Knappschaftskrankenkassen) oder versicherungs¬ 
pflichtige Mitglieder eingeschriebener Hilfskassen sind, werden 
bei Reisen, die sie zu ihrer Belehrung nach der Internationalen 
Hygiene-Ausstellung in Dresden unternehmen, unter den folgen¬ 
den Bedingungen in 3. Klasse zum halben Preise der Fahrkarten 
für Eil- und Personenzüge, in Schnellzü en ausserdem gegen. 
tJirifmässigen Zuschlag, befördert. Auf der Hinreise müssen 


Die diesjährigen Ferien-Sonderzüge mit Fahrpreisermäßigung werden abgolassen: 

A. nach Norddeiitschland: 


Von Barmen Hbf. 

nach Bremen und Hamburg am 4., 5. und 11. August, 

Von Ba^el 

nach Cöln, Bremen u. Hamburg über Karlsruhe am dl. Juli. 

Von €«ln Hbf. 
nach Berlin am 4. August, 

,, Bremen und Hamburg am 4. und 11. August, 

„ Cassel am 4. August, 

„ Erfurt (Thüringen) am 4. August, 

„ Halberstadt (Nordharz, Südharz) am d. August, 

„ Nordhausen am 5. August. 

Von Crefeld Hbf. 

nach Cassel über Duisburg am 4. August, 

„ Halberstadt (Nordharz) über Duisburg am 4. August. 

Von l>jl88^1dorf Hbf. 
nach Berlin am 4. August, 

„ Bremen und Hamburg am d., 4., B. und 11. August, 

„ Erfurt (Thüringen) am 4. August, 

„ Halberstadt (Nordharz, Südharz) am 5. August, 

„ Nordhausen am 5. August. 

Von Dnitsburg Hbf. 
nach Erfurt (Thüringen) am B. August, 

,, Halberstadt (Nordharz, Südharz) am 4. August, 

„ Nordhausen am 5. August. 


1 ; Von Elberfeld Hbf. 

•i nach Berlin am 1. August, 

, ,, Bremen und Hamburg am 4., 5. und 11. August. 

'1 A'on Met* Hbf. 

'j nach Berlin über Coblenz—Gießen am 7. August, 

„ Bremen u. Hamburg über Coblenz -Cöln am 7. August. 

Von ]?lüllieiiii (Bahr) 

nach Berlin am 4. August. 

' „ Bremen und Hamburg am 4., 6 . und 11. August. 

j Von iirladbacb 

I nach Berlin am 4. August. 

Von Oberhauseit 

; nach Berlin am 1. August, 

,, Erfurt (Thüriugen) am 5. August. 

'; Von Rheydt 

l| nach Bremen und Hamburg am *4. August. 

|l Von Saarbrücken 

\\ nach Berlin über Trier (lerolstein am 4. August, 

ij „ Bremen u. Hamburg üb. Trier—Gerolstein am 4. August. 

Von Straübnrg; i. E. Hbf. 
nach Cöln, Bremen mul Hamburg am 7. August, 

„ Cöln am 7. August. 


B. nach Süddeiitsclilaiid: 


Von Barmen-RitterNliansen 

uach Konstanz und Schatfhausen am d August, 
Von ۟ln Hbf. 

nach Basel über Karlsruhe am d. August, 

„ Basel über Straßburg am 4. August, 

„ Konstanz und Schaffhausen am 3 August, 
„ München am 3. August. 

Von Crefeld Hbf. 

nach Basel über Karlsruhe am d. August. 

Von Dortmnnd 

nach Basel Über Karlsruhe am 3. August, 

„ Basel ‘über Straßburg atn 4. August, 

„ Stuttgart—Friedrichshafen am 4. August, 
„ Konstanz und Sehaffhausen am 3. August, 
„ München am 3. August. 


Von Düssteldorf Hbf. 
uach München am 3. August. 

Von Essen Hbf. 

nach Basel über Karlsruhe am 3. August, 

„ Basel über Straßburg am 4. August. 

Von Hagren (Westf.) 

nach Basel über Karlsruhe am 3. August, 

„ Basel über Straßburg am 4. August, 

„ Stuttgart-Friedriehshafen am 4. August, 
„ München am 3. August. 

Von Herne 

nach Basel über Karlsruhe am 3. August, 

„ Basel über Straßburg am 4. August, 

„ München am 3. August. 


Nähere Auskunft erteilen die amtlichen Auskunftstellen in Aachen Hbf., Bonn, Coblenz Hbf. und Crefeld Hbf.) 
die amtliehen Reisebureaus in Cöln Hbf. und Frankfurt (Main) Hbf. und die Fahrkartenausgaben unserer Bezirke, bei 
denen auch Uebersichten, die die Beförderungsbestimmungon, Fahrpläne und Fahrpreise enthalten, kostenfrei erhältlich sind. 

Königliche Eisenbahndirektionen ln Cöln, Elberfeld, Essen, Frankfurt (Main), Münster (Westf.)» 
Saarbrücken und Kgl. Preußische und Großherzoglieh Hessische Elsenbahndirektion in Mainz. 




Nr.5;- ,fiP99 9Q0Q8QQQ300QQQQ QQQ0QQQ @ DEUTSCHLAND Be €? Oe c ee e o eO O OOOO O OO O CCeeö ^ 267 


'sich mindestens zehn Teilnehmer zu einer gemeinschaftlichen 
Reise zasammenschliessen; die Rückreise kann auch einzeln 
ausgefOhrt werden. Als Ausweis ist eine Bescheinigung der 
-Krankenkasse darüber vorzulegen, dass das betreffende Mitglied 
zum Besuch der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 
reist. Zu diesen Bescheinigungen ist unter handschriftlicher 
Abändenmg der amtliche Vordruck zu verwenden, der zur Er¬ 
langung einer Fahrpreisermässigung für Mitglieder von Kranken¬ 
kassen usw. zwecks Unterbringung in Heilstätten usw. vor- 
geschrieben ist. Die Fahrpreisermässigung für die Hinreise ist 
bei der Fahrkartenausgabe der Abgangsstation möglichst früh¬ 
zeitig — spätestens 12 Stunden vor Abgang des Zuges — unter 
Vorlegung der Bescheinigung für alle an der gemeinsamen 
Fahrt teilnehmenden Personen zu beantragen. Der Beförderungs¬ 
schein hat eine Geltungsdauer von 4 Tagen, einschliesslich des 
Lrösungstages, die zxlt Mitternacht des letzten Geltungstages 
erlischt. Die Fahrpreisermässigung für die Rückreise wird von 
den Fahrkartenausgaben in Dresden gegen Vorlegung der 
Bescheinigungen der Krankenkassen gewährt. 

Für die Bahnverbindung Malme dy — S t av el o t 
sind nach einer Mitteilung des Eifelvereins im belgischen 
Haushaitangsplan 1062384 Frank vorgesehen. Die Bahn soll 
19x2 vollendet sein. 


Schiffahrt. 

Stromschiffahrtskommission. Die Stromschiffahrts- 
kommission, an deren Spitze sich der Oberpräsident der Rhein¬ 
provinz befand, traf am 12. Juli auf dem Dampfer „Lippe** der 
Strombauverwaltung auf dem Spoykanal an der städtischen 
Werft in Cleve ein. Nach der Ankunft fand eine Rundfahrt 
durch die Clever Waldungen statt, der abends gegen 87^ Uhr 
ein Festessen im Kurhause folgte. Am 13. Juli früh brachte die 
Bataillonskapelle dem Herrn Oberpräsidenten ein Ständchen. 
Im Rathause fand alsdann eine Sitzung der Kommission statt, 
die Staatsminister Oberpräsident Freiherr von Rheinbaben 
mit der Mitteilung eröffnete, dass das Mitglied der Kommis¬ 
sion, Abg. Dr. Beumer an der Strombefahrung 25 Jahre 
hindurch teilgenommen, bei keiner Fahrt und keiner Sitzung 
jemals gefehlt und der Kommission das ihm eigene lebhafte 
Interesse und seine grosse Sachkunde stets freudig zur Ver¬ 
fügung gestellt habe. Dafür sei ihm die Staatsregierung, 
die Strombauverwaltung und die Kommission zu lebhaftem 
Danke verpflichtet. Als Widmung der Kommission überreichte 
ihm der Oberpräsident ein Blumenangebinde und als per¬ 
sönlichen Gruss einen herrlichen Rosenstrauss mit dem 
Wunsche, dass der Himmel dem Jubilar noch lange Kraft und 
Gesundheit verleihen möge, den Interessen unseres vater¬ 
ländischen Stromes zu dienen. (Lebhafte, allseitige Zustimmung). 
Der also Gefeierte dankte tief bewegt in herzlichen Worten für 
die ihn überraschende Ehrung, die ihn um so mehr freue, als 
er in den 25 Jahren seitens der Kommission soviel Freund¬ 
schaft und Liebe erfahren habe, die ihn anspornen werde, 
nach dem Masse seiner Kraft auch fernerhin im Interesse des 
Rheines tätig zu sein. (Lebhafter Beifall). Der Oberpräsident 
teilte dann weiterhin mit, dass das nichtständige Mitglied der 
Kommission, Geh. Rat Prof. Dr. Frhr. v. La Valette (St. George) 
gestorben sei, der als Vertreter des Rheinischen Fischerei¬ 
vereins seit den Jahren 1891 der Kommission angehört und 
an ihren Arbeiten eifrig teilgenommen hat. Die Anwesenden 
ehrten sein Gedächtnis durch Erheben von ihren Sitzen. An 
seine Stelle ist Prof. Huppertz in die Kommission cin- 
getreten. Ebenso hat die Kommission durch den Eintritt des 
Kommerzienrats Gustav Stinnes ein neues Mitglied erhalten. 
Den Schluss der Verhandlungen bildete eine eingehende Ver¬ 
handlung über die Rauchbelästigung durch Rhein¬ 
dampfer, eine Frage, die von Geheimrat Trilling (Köln) ein¬ 
geleitet wurde. An der Besprechung nahmen der Oberpräsident, 
der Regierungspräsident von Düsseldorf, Dr. Kruse, Reeder 
Hugo Stinnes, Abgeordneter Dr. Beumer, Geheimrat Kannen- 
giesser, sowie die Direktoren Ott und Pieper teil. Dass Miss¬ 
stände vorhanden sind, die beseitigt zu werden verdienen, wird 
von keiner Seite geleugnet; nur über die Mittel ist man ver¬ 
schiedener Ansicht. Die Mehrzahl der Redner wandte sich 
gegen dise Regelung der Sache durch eine Polizei Verordnung; 
Hugo Sti.nnes empfahl das Studium der Frage, wie die auf 
den Scedampfern vielfach übliche Verbrennung der Kohle mit 
erwärmter Luft auch auf den Rheindampfern eingeführt werden 
könne. Mit Einstimmigkeit wurde sodann beschlossen, eine 
Kommission zum gründlichen Studium der ganzen 
Angelegenheit einzusetzen, von der auch der Vor¬ 
sitzende hofft, dass sie rasch und wirksam arbeiten werde, da 
'er auf die freiwUlige Abstellung der offensichtlichen Missstände 
den grössten Wert lege. Zum Schluss der anregend ver¬ 


laufenen Sitzung dankte Geheimrat Deussen (Krefeld) unter leb¬ 
hafter Zustimmung der Kommission dem Oberpräsidenten für 
die vorzügliche Leitung der Verhandlungen und für die treue 
Führung auf der Fahrt. 

Verbindung zwischen Deutschland und Nord- 
England. In Süddeutschland scheint es nicht allgemein be¬ 
kannt zu sein, dass die direkte Route von dort nach Nord- 
England und Schottland ül : r Brüssel, Zeebrugge und Hüll führt, 
und dass diese Route schon seit 1906 im Betriebe ist. 
Hier dürfen wir erwähnen, dass Zeebrugge ein neuer Hafen ist, 
am Eingang des Kanals, der nach Brügge führt, 25 Kilo¬ 
meter von Ostende und 7 Kilometer von Blankenberghe gelegen. 
Ein Hafendamm, 2V2 Kilometer lang, ist schon gebaut worden 
und bietet bequemen Raum für die grossen amerikanischen 
Passagierdampfer. Der Dampferdienst Über die Zeebruggei; Route 
steht mit den Lancashire und Yorkshire und North Eastern 
Eisenbahnlinien Englands in Verbindung und die Abfahrtszeiten 
während der Monate Juli, August und September 1911 sind wie folgt: 
Abfahrt von Zeebrugge Kai jeden Sonntag, Mittwoch und Freitag, 
7 Uhr abends; Abfahrt von Hüll (Kiverside Kai) jeden Dienstag, 
Donnerstag und Samstag, 6 Uhr abends. Der Zwillingsschrauben¬ 
dampfer „Duke of Clarence**, der von Anfang an diesen Dienst 
besorgt hat, besitzt den Ruf, eins der schönsten Dampfschiffe 
zu sein, welche die Nordsee befahren. Die Seereise zwischen 
Zeebrugge und Hüll wird in zwölf Stunden gemacht, und die 
Passagiere für England haben Anschluss mit dem Dampfer ver¬ 
mittelst eines durchfahrenden Schnellzuges von Brüssel (Nord- 
bahnhoO. Bei Ankunft in HuU (Riverside Kai) warten schon 
Schnell-Durchgangszüge (D-Züge), die die Passagiere nach Brad¬ 
ford, Leeds, Halifax, York, Newcastle, Glasgow, Edinburgh, 
Manchester, Liverpool, dem Seenlande und anderen wichtigen 
Orten in Lancashire, Yorkshire und dem Nord-England befördern. 
Ein ähnlicher Dienst ist auch bei der Rückfahrt nach Deutsch¬ 
land in Betrieb. Die Abfahrt des Djimpfers nach beiden Rich¬ 
tungen findet am Abend statt, damit die Passagiere an Bord des 
Schiffes nach dem Essen eine bequeme Nachtruhe in den ge¬ 
räumigen und gut gelüfteten Kabinen geniessen können. Der 
„Duke of Clarence** hat elektrische Beleuchtung und ist in höchst 
vornehmer Weise ausgestattet. Durchgehende Fahrkarten werden 
zwischen den bedeutendsten Städten Süd-Deutschlands und Nord- 
und Mittel-Englands ausgegeben. Auch für die Beförderung 
des Gepäckes wird gesorgt. Die Züge kommen in Hüll sowie 
in Zeebrugge längsseits des Dampfers an und deshalb wird das 
Gepäck, das frei ist, ohne Unannehmlichkeiten umgeladen. 
In Hüll sowie in Zeebrugge gibt es Dolmetscher, und das sehr 
tüchtige Personal des Dampfers einschliesslich der erfahrenen 
Aufwärterinnen für die Damenkajüte ist auch gern bereit, den 
Reisenden jeden Beistand zu leisten. Aus dem Vorgehenden 
wird man ersehen, dass der Dienst nach Nord-England und 
Schottland ausgezeichnet passt nicht nur für die Touristen, 
sondern auch für Geschäftsleute, die dadurch direkt nach 
ihren Bestimmungsorten in Nord-England oder Schottland be¬ 
fördert werden können, ohne sich in London aufhalten zu 
müssen. Alle Anfragen bezw. Mitteilungen sind an die Firma 
Aug. Balcke & Comp., Zeebrugge Quai, Belgien, zu richten. 

Die Cowes-Woche verspricht in diesem Jahre einen 
ungewöhnlich glänzenden Verlauf zu nehmen. Die Zahl der 
Lustjachten, die sich angemeldet haben, ist grösser, als sie je 
gewesen ist. Auch die Flotte der Rennjachten wird durch die 
grosse Anzahl der fremden Boote sich auszeichnen. Aller 
Wahrscheinlichkeit nach werden der König und die Königin 
auf ihrer Jacht „Victoria and Albert** anwesend sein, und auch 
König Alfons von Spanien und seine Gemahlin werden als 
Gäste des Prinzen Heinrich von Battenberg erwartet. Wie 
gewöhnlich wird die Regatta am i. August beginnen, wenn die 
Rennen um den Königspokal gefahren werden. Am folgenden 
Tage wird der Kampf um den Pokal des deutschen 
Kaisers ausgefochten werden. Die Regatta endet am Freitag, 
den 4. August, mit dem Rennen um den internationalen Pokal 
der „Royal Yacht Squadron**, der von Lord Wandsworth 
gestiftet wurde. 

Personen- und Gepäckverkehr mit Ostsee¬ 
badeorten. 

Beginn und Schluss der regelmässigen Fahrten 
auf den Schiffstrecken. 

I. Schiffstrecken. 

I. Stettin — Swinemünde — Misdroy — Ahlbeck — 
Heringsdor f—B ansin—Göhre n—S e 11 i n— Bin z—S a s s- 
nitz mit Dampfern der Stettiner Dampfschiffs- 
Gesellschaft J. F. Braeunlich. 





268 l iPeeOQ(XIQQO000QC^ DEUTSCHLAND 


Nr.5 


«) vom 8. Juni bis 9. September werktäglich, vom 35. Juni bis 
27. August auch Sonntags. 

b) vom g. bis 20. September dreimal wöchentlich, letzte Hin> 
fahrt am ig. September, letzte Rückfahrt am 20. September. 
Ab Stettin: Dienstags, Donnerstags, Sonnabends. 

Ab Sassnitz: Montags, Mittwochs, Freitags. 

2. Sassnitz —Bornholm mit Dampfern der Stet¬ 
tiner Dampfschiffs-Gesellschaft J. F. Braeunlich. 

Vom 26. Juni bis 6. September: 

Ab Sassnitz: Montags, Mittwochs, Freitags. 

Ab Bornholm: Montags, Mittwochs, Freitags. 

Ausserdem Sonntagsfahrten vom ii. Juni bis 10. September. 

3. Stettin —Swinemünde — Ahlbeck - Heringsdorf 

— Bansin mit Dampfern der SwinemUnder Dampf- 
schiffahrts-Aktiengesellscbaft. 

Vom I. April bis x. Dezember werktäglich. 

Vom I. Juni bis 31. August auch Sonntags. 

4. Stettin—Misdroy (siehe auch Ziff. II. i) 

a) über I^aatziger Ablage mit Dampfern der Dampf- 
schiffahrts-Gesellschaft zu Cammin (Pommern) 
Vom I. Juni bis 31. August täglich. 

Vom I. bis 20. September dreimal wöchentlich. 

Ab Stettin: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. 

Ab Misdroy (Laatziger Ablage) : Montags, Mittwochs und 
Freitags. 

b) über Wasserweg —Misdroy Seebrücke mit Dampfer 
„Prinz Heinrich“ der Reederei Boettcher & 
R o e 8 e 1 e r. 

Vom 15. Juni bis 19. Juni werktäglich. 

Vom 20. Juni bis i. September täglich. 

5. Stettin — Wollin — Cammin — Dievenow mi^ 
Dampfern der Dampfs chiffahrts-Gesellschaft zu 
Cammin (Pommern) 

a) Stettin—Dievenow: 

Vom X. Juni bis 30. September werktäglich. 

Vor dem x. Juni und nach dem 30. September laut beson¬ 
derer Bekanntmachung. 

b) Cammin—Dievenow: 

Vom I. Juni bis 21 September täglich. 

6. Greifswal d—T h i e s s o w—G öhren-Sellin —Binz 

— Sassnitz mit Dampfer „Kronprinz Wilhelm“ der 
Reederei Paul Mestermann. 

Vom 12. Juni bis xü. September werktäglich. Jeden Montag 
fällt die Fahrt ab Sassnitz 6.30 vorm. aus. Sonntags¬ 
fahrten ab Greifswald 6.30 vorm, nach Rügen und zurück. 

7. Stralsund—Breege mit Dampfern der Reederei 
C. A. Beug. 

Vom X. Mai bis X5. September werktäglich. 

Vom x6. September bis x. Oktober viermal wöchentlich. 

Ab Stralsund: Dienstags, Mittwochs, Donnerstags und Sonn¬ 
abends. 

Ab Breege: Montags, Mittwochs, Donnerstags und Freitags. 

8. Stralsund—Hiddensee (Landungsstelle Vitte) 
mit Dampfer „Caprivi“ des Schiffskapitäns G. Bentzien. 

Vom X. April bis x. Oktober werktäglich. 

g. E1 b i n g—K ahlberg mit Dampfern der Dampf- 
schiffs-Reederei A. Zeedler. 

Vom x6. April bis 5. November täglich. 


Luftschiffahrt. 

Das Preisgericht für den Deutschen Rundflug 
hat die Preise der B. Z. a. M. und die damit verbundenen Ehren¬ 
preise von insgesamt xoo 000 Mark wie folgt verteilt: x. Preis 
(40000 Mk.) König; 2. Preis (25000 Mk.) Vollmöller; 3. Preis 
(10 000 Mk.) Büchner; 4. Preis (7000 Mk.) Lindpaintner; 5. Preis 
(6000 Mk.) Wittenstein; 6. Preis (5000 Mk.) Wienc^iers; 7. Preis 
(4000 Mk.) Schauenburg; 8. Preis (3000 Mk.) Thelen. - - Von 
den Extrapreisen des Kriegsministeriums erhielt den x. Preis 
von 5000 Mk. König, den 2. Preis von 4000 Mk. Vollmöller. 
Ausserdem wurde festgestellt, dass für die in Aussicht ge¬ 
nommene Bestellung eines Apparates des siegreichen Typs 
durch das Kriegsministerium die Albatros - Werke in Frage 
kommen. Von den Preisen der Stadt Berlin erhielt den i. Preis 
von 2500 Mk. der Sieger des RundÜuges; der 2. Preis von 
1500 Mk. üel an Büchner, der die letzte Etappe Halberstadt — 
Berlin in der kürzesten Zeit zurücklegte; der 3. Preis von 
1000 Mk. wurde Vollmöller zugesprochen, der während der 
Etappenflüge mit 1350 Meter die höchste offiziell festgestellte 
Höhe erreicht hatte, und zwar auf der Strecke Nordhausen — 
Halberstadt. Der Ehrenpreis des Kronprinzen hei gleichfalls an 
König als den Sieger des Rundfluges. Von den Extrapreisen 


der Automobiltechnischen Gesellschaft für die erfolgreichsten 
Motoren wurde der i. Preis der Daimler-Motoren-Gesellschaft 
in UntertUrkheim bei Stuttgart zugesprochen, die den Mercedes- 
Motor Vollmöllers lieferte; den 2. Preis erhielt die Arguss- 
Motoren-Gesellschaft in Berlin - Reinickendorf, die den Motor 
Büchners geliefert hatte. Beide Motoren hatten die von den 
Fliegern zurückgelegten Etappen einwandfrei durchgehalten. — 
Einige Proteste Köngs gegen Vollmöller wurden als nicht stich¬ 
haltig abgewiesen. — Der Deutsche Rundflug hat gezeig^t, dass 
die deutsche Flugzeugindustrie in verhältnismässig kurzer Zeit 
Hervorragendes geleistet hat. Wie der „Köln. Volksztg.“ von 
fachmännischer Seite mitgeteilt wird, sind die von ihr hervor¬ 
gebrachten deutschen Apparate den ausländischen besonders in 
bezug auf Betriebssicherheit und Stabilität mindestens ebexi- 
bUrtig, die Ucberlegenhcit der französischen Eindecker liegt nur 
noch in deren Schnelligkeit. Die drei ersten Preisträger, König, 
Büchner und Vollmöller, sind mit Maschinen rein deutscher 
Konstruktion geflogen. Besonders Vollmöllers Etrich Rumpler- 
Eindecker, die Taube, kann sich den französischen BMriots, 
Döperdusins usw. würdig zur Seite stellen. Auch die deutsche 
Motorindustrie kann sich des Ergebnisses des Deutschen Rund¬ 
fluges freuen; Büchners Argusmotor und Vollmöllers Mercedes, 
welch letzteren auch Hirth zu seinen glänzenden Flügen in Kiel 
und zum Fluge um den Kathreiner-Preis München —Berlin ver¬ 
wendet hat, stehen den französischen Gndme-Motoren in keiner 
Weise nach, sind ihnen im Gegenteil in bezug auf geringen 
Betriebsstoffverbrauch überlegen. Dem Umstande, dass die 
Hauptbeteiligten als Passagiere Offiziere, die im Kartenlesen, 
überhaupt in der Orientierung besonders ausgebildet sind, an 
Bord hatten, ist es in erster Linie zuzuschreiben, dass verhältnis¬ 
mässig recht wenig Verirrungen im Gelände vorgekommen sind, 
trotzdem das Wetter oft dunstig und nebelig war. Natürlich 
haben auch die von der Organisation getroffenen Vorkehrungen, 
wie das Hochlassen von Fesselballons, Kennzeichnung der 
wichtigen Eisenbahnschienen-Kreuze usw. die Orientierung wesent¬ 
lich erleichtert. Das Wetter war während des Rundfluges auch 
bezüglich der Windstärken und Windrichtungen, auftretenden 
Lufiwirbeln, Böen und Vertikalströmungen im allgemeinen nicht 
besonders günstig, zeitweise sogar ausgesprochen ungünstig. 
Es zeugt deshalb von grosser Vorsicht der Flieger beim Ent¬ 
schluss zum Abflug einerseits und Geschicklichkeit in der 
Steuerung bei ungünstigem Wetter anderseits, dass der ganze 
Rundflug so überaus glücklich verlaufen ist. Mit Rücksicht auf 
die Wetterlage kann man das Starten in den frühesten Morgen¬ 
stunden oder späten Nachmittagsstunden, in denen die Luft 
verhältnismässig ruhig und gleichmässig ist, nur gutheissen, 
wenn es auch für das Publikum etwas unbequem war. So kann 
man also das Ergebnis des Deutschen Rundfluges um den 
B.-Z.-Preis der Lüfte als ein überaus günstiges und für die 
Entwickelung der Aviatik in Deutschland bedeutungsvolles 
bezeichnen. 

Zeppelins Erfolge. Der neueste Zeppelin, das Passagier¬ 
luftschiff „ S ch w a b e n “, entwickelt eine Eigengeschwindigkeit 
von 19,3 Sekundenmeter. Das ist ein Triumph des Systems 
sondergleichen. Die Luftschiffe aller anderen Systeme, Parseval, 
Siemcns-Schuckert, Lebaudy usw., würden, wenn sie eine solche 
Geschwindigkeit - 69,5 Kilometer in der Stunde — wirklich 

erreichten, doch alsbald daran scheitern, dass der Luftdruck die 
Hülle eindrUckte. Nur starre Schiffe können ihn in noch 
grösserer Stärke aushalten. Die „Schwaben“ ist als Passagier¬ 
schiff überdies auch noch mit besonderer Rücksicht auf grosse 
Tragfähigkeit konstruiert, und der Zeppelin-Bau könnte, wenn 
er diese Ansprüche zugunsten ausschliesslich der Schnelligkeit 
niedriger schraubte, sogar noch mehr erreichen. Der Techniker 
kann es ermessen, so schreibt die ,,Tägl. Rundschau“, welche 
Summe von wissenschaftlicher und praktischer Arbeit dazu 
gehört, um auch nur zwei Sekundenmeter mehr herauszu¬ 
konstruieren, wenn erst eine gewisse Schnelligkeit erreicht ist; 
die Zeppelin-Schiffe aber sind in dieser Zeit der Stille von 14,2 
auf 19,3 Sekundenmeter gekommen, ein Aufschwung ohne Bei¬ 
spiel. Nun ist nicht mehr „M. 4“, sondern „Schwaben“ das 
schnellste Luftschiff der Welt. Die Leistungsprüfung am X5. Juli 
bedeutet, dass dieses Luftschiff ohne Rücksicht auf Wind und 
Wetter das ganze Jahr hindurch aufsteigen kann, während 
bisher die Skeptiker sich daran stiessen, dass nur an rund 
90 Tagen im Jahre die Flugmöglichkeit vorliege. Wir sind aus 
dem Stadium der Modelle heraus. Wir haben das erste kriegs¬ 
brauchbare Luftschiff, ein Fahrzeug, wie keine andere Nation 
der Welt es hat. — Mit der Schnelligkeit nimmt die Sicherheit 
zu; bei Sturm kann die „Schwaben“ losmachen und im Luft¬ 
meer besseres Wetter ab warten. Mit der Schnelligkeit nimmt 
auch die Steuerfähigkeit zu. Den Sturz im Teutoburger Walde 
werden wir kaum wieder erleben. Im Kriegsfälle könnte das 
Luftschiff meist ohne Ballastverlust über die Wolken gehen. 



Nr. 5 DBUTSCHLAND Si eeeeoeeeoooooooeeeoeooc 0 ee a i 269 


Wieder ein Zeppelinluftschiff in Düsseldorf. 
Nach einer bei der Stadtverwaltung eingegangenen Mitteilung 
der Delag wird das Luftschiff ch w a b e n“ im Laufe des 
Monats August von Baden-Baden nach Düsseldorf kommen. 


Ausstellungen. 

Die Dresdener Ausstellung im Lichterglanz. 
Wer des Abends die Internationale Hygiene-Ausstellung auf- 
euchen-will, der wird schon aus der Ferne angelockt durch den 
wunderbaren Lichterglanz, der von dem Gelände ausstrahlt. 
Sobald man ln die Nähe des Grossen Gartens kommt, tauchen 
aus dem Dunkel die leuchtenden Kronen der Bäume auf, 
«wischen den Zweigen blitzen und funkeln Tausende von 
Lichtem — es ist die Herkules-Allee, diese prachtvolle Völker¬ 
strasse, die mit ihrem märchenhaften Licht die ganze Umgebung 
erstrahlen lässt. Das grosse internationale Leben, das jeder 
Weltausstellung eigen ist, hat sich diese herrliche Promenade, 
auf der die Paläste der fremden Nationen* stehen, als Mittel¬ 
punkt ausgesucht. Kein staubiges, lärmendes Gedränge herrscht 
hier; an grünen Wiesen entlang wandelt man unter den Klängen 
erstldassiger Konzertkapellen zu beiden Seiten dieser prächtigen 
Allee in erquickender Luft, und das Gewirr der Stimmen aus 
den Sprachen aller Nationen vermischt sich mit der Musik, mit 
dem herrlichen Vogelsang und dem Rauschen der Bäume zu 
einer eigenartigen stimmungsvollen Harmonie. Auch der Platz 
vor dem Hauptportal der Ausstellung und der grosse Haupt¬ 
platz ist in ein strahlendes Lichtmeer getaucht; einen hervor¬ 
ragenden künstlerischen Eindruck macht dabei die Sims¬ 
beleuchtung, die die einzelnen Gebäude in ihren Umrissen aus 
dem Dunkel der Nacht hervortreten lässt, was von eigenartiger 
Wirkung ist und einen unvergesslichen Eindruck macht. 

Eine Ausstellung dekorativer Kunst in Paris. 
Die Vertreter der acht grössten französischen Künstlergenossen¬ 
schaften haben in einem ausführlichen Rapport für die Minister 
und das Parlament den Wunsch begründet, dass im Jahre 1915 
in Paris eine Internationale Ausstellung der modernen deko¬ 
rativen Kunst organisiert worden möge. 


Deutschland und das Ausland. 

Der Kaiser und die Deutsche Abteilung der 
Turiner Ausstellung. Der Generalkommissar der von der 
„Ständigen Ausstellungskommission für die deutsche Industrie'* 
gebildeten Deutschen Abteilung der „Internationalen Industrie- 
und Gewerbe-Ausstellung in Turin“, Geheimer Regierungsrat 
Professor Busley, hatte während der Kieler Woche Gelegenheit, 
dem Kaiser den deutschen Katalog persönlich zu überreichen. 
Der Kaiser zeigte sich über die grosse Anerkennung sehr erfreut, 
die dem deutschen Gewerbefleisse in Turin allseitig zuteil wird. 

Auf dem 39. Le hrertage des nationalen deutsch- 
amerikanischen Lehrerbundes wurde, wie aus Bufallo 
gedrahtet wird, der Bericht des Ausschusses über die Veranstaltung 
der Fahrt der amerikanischen Lehrerschaft nach 
dem Deutschen Reich mit grosser Begeisterung auf¬ 
genommen. Der Tag der Abreise wurde auf dem. Juli 1912 fest¬ 
gesetzt. L. F. Thoma (New York) wurde mit der Leitung 
der Fahrt unter Mitwirkung des bisherigen Reiseausschusses 
betraut. Die Reise geht über Bremen. Folgende Städte werden 
besucht: Hamburg, Köln, Rüdesheim (Niederwalddenkmal), Wies¬ 
baden, Heidelberg, Mannheim, Stuttgart, München (Chiemsee), 
Nürnberg, Frankfurt-Main, Cassel, Eisenach, Weimar, Jena, 
Dresden, Leipzig und Berlin. 

Englisch-deutsch er Schüler au stau sch. Um ein 
besseres Verstehen zwischen englischen und deutschen Schülern 
zu schaffen, wurde vor einiger Zeit ein Schüleraustausch 
zwischen England und Deutschland in die Wege geleitet. Auf 
die Einladung des Direktors des evangelischen Pädagogiums in 
Godesberg ging zu Ostern eine Abteilung von zwölf Schülern 
der King^s College Schule in Wimbledon Commons unter 
Führung ihres deutschen Oberlehrers nach Deutschland, um 
eine Rheintour zu unternehmen. Die interessantesten Punkte 
am Rhein wurden besucht und nach den in England ein¬ 
gelaufenen Berichten der Schüler haben sich diese ein einiger- 
massen genaues Bild des deutschen Schullebens geformt. Die 
historischen Städte Köln und Bonn wurden aufgesucht und der 
Drachenfels wurde bestiegen. — Jetzt befinden sich 16 Knaben 
der Godesberger Schule in Wimbledon. Nach täglich zwei¬ 
stündigem Unterricht werden Touren in die Umgebung unter¬ 
nommen, so z. B. nach Hampton Court und Schloss Windsor. 
Auch Londons Sehenswürdigkeiten, wie der Tower, die Guild- 
das Parlamentsgebäude und die Westminister Abtei, wurden 


besichtig^. — Wie bekannt wird, hat die Schule in Godesberg 
einen Preis gestiftet, der alljährlich dem besten Schüler einen 
Besuch in Wimbledon für Rechnung der Schule ermöglicht. 


Bäder und Sommerfrischen. 

Helgoland. Die warme Witterung hat einen starken 
Badeverkehr nach Helgoland gebracht; die Saison ist in 
vollem Gange. Die Fremdenliste Nr. 10 zeigt schon 7500 Bade¬ 
gäste an. 

Bad Pyrmont. Nicht nur durch seinen reichhaltigen 
Schatz an Heilmitteln übt Bad Pyrmont eine immer grössere 
Anziehungskraft auf die Kur- und Erholungsbedürftigen aus,, 
sondern Hand in Hand mit diesen Vorzügen, die die Natur in 
reichstem Masse Über dieses idyllische Fleckchen Erde aus¬ 
gegossen hat, gehen auch die künstlerischen Leistungen; und 
hier sind es namentlich die Darbietungen auf dem Gebiete der 
Musik, die den kunstsinnigen und kunstfreudigen Kurgast und 
Fremden aus weiten Entfernungen anziehen. Helle Begeisterung 
erwecken die Konzerte des berühmten Blüthner-Orchesters unter 
Leitung des Kapellmeisters Fritz Busch. — Nach einer MitteUung 
der Fürstlichen Brunnen-Direktion von Bad Pyr¬ 
mont betrug am 21. Juni 1911 die Zahl der Kurgäste 4166 Per¬ 
sonen, die Zahl der Passanten 8841 Personen, insgesamt also 
13 007 Personen. Die Bäder-Abgabe betrug 3784 Moor-, 12 978 
Stahl-, 5844 Misch-, 7269 Sol-Bäder, 281 Elektrische Bäder, 1454 
Inhalationen, insgesamt 31610 Kurformen. 

Bad Salzbrunn erfreut sich in diesem Jahre des stärksten 
Besuches seit seinem Bestehen. Die Zahl der Kurgäste hat am 
7. Juli 5000 überschritten, Personen mit kürzerem Aufenhalt 
waren bis zum 7. Juli etwa 4500 zu verzeichnen, ausserdem 
etwa 34000 Tagesbesucher. — An dem vom 29. Juni bis i. Juli 
in Salzbrunn abgehaltenen VII. Internationalen Tennis-Turnier be¬ 
teiligten sich 60 Spieler. Für die ausgeschriebenen 9 Kon¬ 
kurrenzen waren 230 Nennungen eingegangen. Für die Meister¬ 
schaften im Herren- und Damen-Einzelspiel und dem gemischten 
Doppelspiel waren Ehrenpreise vom Fürsten und der Fürstin 
von Pless und Herrn von Tielsch (Reussendorf) gestiftet. 


Bücherschau. 

(Bäder-Literatur siehe auch unter der Rubrik: Bäder und 
Sommerfrischen). 

„Der Grosse Thüringer“, illustriertes Thüringer 
Kurs- und Verkehrsbuch für Sommer 1911, ist vor kurzem im 
Verlag der Annoncen - Expedition Wilhelm Loewy in Erfurt 66 
erschienen. Seinem reichen Inhalt hat kein Geringerer 
als der berühmte „Thüringer Wandersmann“, Geh. Hofrat 
A. Trinius, ein poesievolles Geleitwort vorausgeschickt. Ausser 
den Fahrplänen und Tarifen sämtlicher Eisenbahnlinien 
Thüringens und der umliegenden Landesteile werden uns aber 
auch eine grosse Anzahl der anziehendsten, besuchtesten Orte 
in Wort und Bild vorgeführt, und wir erfahren überall gleich, 
wo wir am besten aufgehoben, beherbergt und verpflegt sind, 
und wie wir in der näheren und weiteren Umgebung interessante 
Touren unternehmen können. (Preis 20 Pfg.) 

Sommerfrischen im Taunus, Westerwald und 
am Rhein. Ein Verzeichnis der Sommerfrischen im Taunus, 
Westerwald und am Rhein (2. Auflage 1911) ist zu beziehen 
gegen Einsendung von 25 Pfg. vom Vorstand des Rhein- und 
Taunusklub Wiesbaden. Das Buch enthält auf 54 Seiten die 
Adressen der Sommerfrischen in diesem vielbesuchten und 
landschaftlich so schönen Gebiete. Neben allgemeinen Angaben 
über Grösse und Höhenlage des Ortes, Bahn, Post und Omnibus¬ 
verbindungen, über die Umgebung und besondere Kurmittel 
Anden wir bei jeder Adresse genaue Mitteilung Über Zimmer- 
und vollen Pensionspreis (von 3 Mk. an). Angaben über Wein¬ 
zwang beim Essen, Ermässigung für Kinder, Art der Beleuchtung, 
Zimmer- und Bettenzahl, Bäder, Gartenanlagen, kurz über alles 
Wissenswerte, so dass bei Durchsicht des Buches die Wahl 
einer passenden Sommerfrische keinem schwer fallen dürfte. 
Eine Karte des in Betracht kommenden Gebietes ist dem Buche 
beigefügt. 

Meyers Reisebücher: „Rheinlande“ (von Düsseldorf- 
Aachen bis Heidelberg-Mannheim). 13. Auflage. Mit ai Karten, 
30 Plänen und 7 Panoramen. In Leinwand gebunden 5.50 Mk. 
Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. 
Wer eine Rheinreise mit Gewinn und Genuss machen will, dem 
wird es sehr willkommen sein, dass „Meyers Rheinlande“ soeben 
in einer neuen, gründlich um gearbeiteten Auflage erschienen 
ist. Die Grenzen des Buches sind weit gezogen und umfassen 
innerUalb der Punkte Frankfurt a. Main, Düsseldorf, Aachen, 
Trier, Heidelberg und Mannheim jene gesegneten Gaue, die 




270 DBUTSCHLAND l &e6e660666O66€)O06GGOOC66OCl l Nr. 5 


wegen ihrer landschaftlichen Schönheit, der reichen geschicht¬ 
lichen Vergangenheit und des Reizes der Sage alljährlich das 
Ziel von Hunderttaüsenden bilden. Riesengebirge, Iser- 
gebirgeund^die Gebirge der Grafschaft Glatz. 17.Auf¬ 
lage. Mit 20 Karten, 10 Plänen und 2 Panoramen. Kartoniert 2 Mark. 
Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. 
Meyers bewährter Führer durch das „Riesengebirge“ mit 
seinen waldreichen, vom alpenhaften Hochgebirgskamm aus¬ 
strahlenden Tälern ist nun schon zum 17. Male erschienen. 
Ausser dem Riesengebirge beschreibt das handliche Bändchen 
auch noch alle andern Gebirgsgruppen der Sudeten, wie das 
Lausitzer-, Iser-, Waldenburger-, Heuscheuer-, Eulen-, Glatzer¬ 
und Alt Vatergebirge. Abermals ist der Text unter Mitwirkung 
der Gebirgsvereine und einer Anzahl bewährter Mitarbeiter nach 
dem neuesten Stand der Dinge umgearbeitet und ergänzt worden. 

Zwei neue Baedeker: Nordostdeutschland und 
Dänemark mit Nordwestdeutschland sind soeben erschienen 
und behandeln diese Gebiete in der bekannten Ausführlichkeit und 
Sachlichkeit, die den Hauptvorzug von Baedekers Reisebüchern 
bilden. Beide Bände enthalten ein umfangreiches Kartenmaterial, 
das bis auf die neueste Zeit ergänzt ist. 

DerFrankfurter Führer. Der Verkehrs-Verein hat die 
neue Auflage des Frankfurter Führers durch Weglassung über¬ 
flüssiger Angaben noch weiter verbessert, so dass das hübsche, 
reich illustrierte Bändchen seinem Zweck aufs beste dient. 

Griebens Reiseführer, Bandg: „London“. 13. Auf¬ 
lage (3.50 Mk.). Der Band „London“ ist einer durchgehenden 
Umarbeitung unterzogen worden. Die Einleitung bildet das 
Kapitel „Reisewege nach London“, das über die beliebtesten 
Routen nach der englischen Hauptstadt, Fahrdauer der Dampfer, 
Reisegepäck, Zoll usw. unterrichtet. — Band n: „B a d e n- 
Baden und Umgebung“. 7. Auflage (i Mk.). — Band 45: 
„Weserberge und Teutoburger Wald“. 9. Auflage 
(2 Mk.). Das 180 Seiten umfassende Büchlein g^bt an Hand 
von sieben sorgfältig ausgearbeiteten Karten eine Uebersicht 
Uber das gesamte Gebiet des Wcserberglandes, sowie eine 
praktische Zusammenstellung von Reiserouten durch dasselbe, 
mit besonders eingehender Behandlung von Spaziergängen, 
Ausflügen usw. von den jeweiligen Standquartieren aus. — 
Band 46: „Strassburg undUmgebung, mitAusflügen 
in die Vogesen“. 7. Auflage (0.80 M.). Durch die Neu¬ 
bearbeitung hat der Reiseführer für Strassburg wesentlich ge¬ 
wonnen. — Band 62: „Nürnberg“. 14. Auflage (60 Pf.). Der 
sympathische Griebenführer „Nürnberg“ ist soeben in 14. Auf¬ 
lage erschienen. Schon beim blossen Durchblättern des Büchleins 
heimelt es einem ordentlich an; die altbekannten Namen reden 
ihre eigene Sprache zu uns, ob wir ihre Träger nun selbst 
kennen oder nur durch Hörensagen mit ihnen vertraut sind; 
die Hebaldus-, die Lorenzkirche, der Schöne Brunnen, die 
Burg, das Bratwurstglöckle, und nicht zuletzt — das Gänse¬ 
männchen ! Welch reiche und tiefe Vorstellungen knüpfen sich 
an diese altertümliche Patrizierstadt! — Band 97: „Die Holstei¬ 
nische Schweiz“. 3. Auflage (i Mk.). Die liebliche, Wald- 
und seenreiche Landschaft des östlichen Holsteins ist eingehend 
gewürdigt. Kiel und Lübeck bilden die Eingangstore, Plön, 
Malente-Gremsmühlen und Eutin die Mittelpunkte des grossen 
Fremdenverkehrsgebietes, das auf hundertfachen Wegen von 
Touristen und Ausflüglern durchzogen wird. — Band 150 : 
„Düsseldorf und Umgebung“ (60 Pf.). Die Aufnahme 
von Düsseldorf in die Sammlung der Griebenschen Reise¬ 
führer rechtfertigt sich durch das rasche Emporblühen des 


rheinisch - westfälischen Kunst- und Industriezentrums. Der 
Bearbeiter hat dem Bande die grösste Sorgfallt angedeihen 
lassen und in kurzer und übersichtlicher Form alles Wissens¬ 
werte Uber Düsseldorf geboten: Sehenswürdigkeiten, Kunst¬ 
genüsse und eine knappe, jedoch völlig erschöpfende Schilderung 
des Stadtbildes, wie auch einen anregenden Spaziergang durch 
die Stadt selbst. Den Besuchern des Rheintals, die neuerdings 
mit Recht auch Düsseldorf in ihr Reiseprogramm einzuschliessen 
pflegen, kann das 150. Jubiläumsbändchen der Griebenschen Reise¬ 
führer als handlicher Ratgeber empfohlen werden. — Die 
Bände sind von der Verlagsbuchhandlung Albert 
Goldschmidt, Berlin W 35, zum angegebenen Preise zu 
beziehen. 

Sommerfrischen und Pensionen im Bergischen 
Land. Vom Verkehrs-Verein „Barmen und das Bergische Land“ 
wird geschrieben: Mit den herannahenden Ferien lautet eine der 
wichtigsten Fragen: „Wohin gehen wir dieses Jahr in die 
Sommerfrische?“ Nicht jeder Familienvater ist mit Rücksicht 
auf den Geldbeutel in der Lage, weite Eisenbahnfahrten zu 
machen, und muss darauf bedacht sein, vorteilhafter wegzu¬ 
kommen, ohne dabei den eigentlichen Zweck der Erholung 
irgendwie zu beeinträchtigen. Zum Glück bietet unser herrliches 
Bergisches Land so viele geeignete und prächtige Sommer¬ 
frischen und Pensionen, die vollen Ersatz für die weiter¬ 
gelegenen Reiseziele gewähren, dass man nicht in Verlegenheit 
kommen wird. Ein Uebersichtsheftchen, das die Pensionen 
sämtlich enthält, ist gegen Einsendung von 30 Pfg. durch jede 
Buchhandlung zu beziehen und im Verkehrsbureau einzusehen. 


Verschiedenes. 

Auszeichnung des Düsseldorfer Verkehrs- 
Vereins. Dem Verkehrs-Verein wurde durch den Sekretär des 
Nationalen Bundes für Fremdenverkehr in Holland, Herrn van 
Eysden ji n. in Utrecht, die grosse Medaille füi Verdienste im 
Fremdenverkehr übersandt. Diese Medaille wurde auch seiner¬ 
zeit der Königin Wilhelmine und der königl. Familie in Holland 
überreicht. 

Auszeichnung Pierpont Morgans durch den 
Kaiser. Eine in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich bemerkens¬ 
werte Ordensauszeichnung ist während der diesjährigen Kieler 
Woche von Kaiser Wilhelm vollzogen worden. Der Kaiser hat 
dem bekannten amerikanischen Finanzmann Pierpont Morgan, 
der in Kiel mit seiner Jacht „Corsair“ zum Besuch der Kieler 
Woche anwesend war, den Roten Adlerorden I. Klasse verliehen. 
Der von Pierpont Morgan vor kurzem erworbene bekannte 
Brief Luthers an Karl V. ist von seinem jetzigen Besitzer an 
den Kaiser abgetreten und von diesem für Wittenberg bestimmt 
worden. Pierpont Morgan, der „Grand old man“, wie er von 
den Amerikanern bewundernd genannt wird, ist nicht nur der 
unerreichte Herrscher auf dem Gebiete der Trustgründungen, 
sondern kann auch als der grösste Sammler der Welt bezeichnet 
werden. Der jetzt 74jährige Dollarmilliardär hat sich ein un¬ 
geheures Museum von Seltenheiten aller Art angelegt, für das 
er alles zusammenkaufen lässt, was irgendwie für Geld zu 
haben ist: Plastiken und Gemälde, religiöse Reliquien und 
ägyptische Papyri, Handschriften und Miniaturen. Der Luther¬ 
brief, der durch Morgans Entgegenkommen jetzt wieder nach 
Deutschland zurückkehrt, war für ihn erst am 3. Mai d. Js. bei 
einer Autographen-Versteigerung in Leipzig um den Rekordpreis 
von 102000 Mk. erworben worden. Es handelt sich dabei um 
das denkwürdige Schreiben, das Luther nach seinem Aufbruch 


BERUM HRMBURfl 

HOTEL ESPLANADE 

Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 


















- - > ■* ' 



DEUTSCHLAND BBe e^sseeeeeseee e oeooeoecco eei 27 i 


▼om Reichstag in Worms 1521 aus Friedberg in Hessen mit 
dem Reichsherold surück nach Worms an Kaiser Karl V. 
schickte. 

Rheinisches Sängerbundesfest. Gelegentlich des 
grossen * Festkonzerts des Rheinischen Sängerbundes in Köln 
wandte sich Staatsminister von Schorlemer an die 
die weiten Räume der Festhalle füllenden Sänger und Zuhörer, 
insgesamt 12 000 Personen, mit einer Ansprache, die des 
politischen Beigeschmacks nicht entbehrte. Der Minister sagte, 
er hoffe, dass der Rheinische Sängerbund abseits vom Getriebe 
der Parteien, fern von Zwistigkeiten auf politischem, wirtschaft¬ 
lichem und konfessionellem Gebiet, unentwegt sein hohes Ziel 
‘im Auge behalten werde, in der Pflege der Gesangeskunst und 
im deutschen Liede die Liebe zum Vaterlande zu hüten und zu 
fördern, den Nörglern zum Trotz, die nur emsig danach trachten, 
die wirklichen und vermeintlichen Schattenseiten im Leben der 
Nation herauszuflnden. Br muss das Lied der deutschen und 
rheinischen Sänger, die Erinnerung an die grosse Vergangenheit, 
das Vertrauen und die Hoffnung auf des Vaterlandes Gröss;; 
und Zukunft, mit einem Wort: die Freude am Vaterland, wach¬ 
halten. Gewiss sind die grossen und mächtigen Erfolge, 
die Deutschland auf dem Gebiete der Kultur, der Kunst und 
Wissenschaft errungen hat, nicht möglich gewesen ohne das 
mächtige Ringen im Widerstreit der Meinungen und Interessen. 
Aber wenn wir bleiben wollen, was wir sind, wenn wir fest- 
halten wollen, was wir in heisser Arbeit errungen haben, dann 
müssen wir auch imstande sein, uns zu jeder Zeit im Kampfe 
für das, was uns allen heilig und teuer ist, die deutsche Bruder¬ 
hand zu reichen. 

Rheinische M itteilungen des Vereins für 
Denkmalpflege und Heimatschutz. —Heft 2 behandelt 
das Kapitel „Moderne Bauten und Entwürfe'^ Der Schriftleiter 
Amtsrichter a. D. Dr. F. W. B r e d t bemerkt in dem einleitenden 
Vorwort: Die Veröffentlichung soll jener Seite des Heimat¬ 
schutzes dienen, die ihr Augenmerk den jüngst entstandenen 
und noch werdenden Bauten oder der Gegenwart und nächsten 
Zukunft der Baukunst im Sinne einer bodenständigen Ent¬ 
wickelung, soweit eine solche mit den neuzeitlichen Erforder¬ 
nissen vereinbar erscheint, zuwendet. Diesem Zwecke folgend, 
werden hier eine Reihe von ausgeführten Bauten und von Ent¬ 


würfen wiedergegeben, die sich, wie leicht ersichtlich, in zwei 
Gruppen scheiden. Die erstere besteht aus Arbeiten desselben 
Architekten, die für verschiedene Gegenden vorgesehen sind 
und ebenso einen mehrfach voneinander abweichenden bau¬ 
lichen Bestimmungszweck haben. Die zweite Gruppe bringt 
Entwürfe, die umgekehrt für eine bestimmte Gegend als An¬ 
regung zu ihrer architektonischen Gestaltung gedacht sind, im 
Verwendungszwecke aber eine gewisse Begrenzung zeigen, da 
sie, soweit sie hier abgebildet sind, städtische Hausbauten 
betreffen. Der erste Abschnitt zeigt uns Bauten und Entwürfe 
des Regierungsbaumeisters Ernst Stahl zu Düsseldorf (in Firma 
Ernst Brand, Architekt, Trier, und Emst Stahl, Regierungs¬ 
baumeister, Düsseldorf). Die teils ausgeführten, teils nur ent¬ 
worfenen Darstellungen dieses Abschnittes zerfallen in vier 
Sakralbauten, nämlich vier einfachere Kirchen, die sich über 
den Hunsrück, die Eifel, die Mosel und die Saargegend ver¬ 
teilen, und fünf Profanbauten, die eine Platzgestaltung für den 
Bebauungsplan eines Vorortes bei Düsseldorf, ein Schulhaus 
in Gangelt, eine Kreissparkasse nebst Kreisausschussgebäude in 
Wetzlar, eine Wirtschaft in Eller und ein Wohnhaus nach 
niederrheinischer Backsteinbauart betreffen. Den Zeichnungen 
und Grundrissen ist ein knapper Text beigefügt, der zu ihrer 
Erklärung den notwendigen Anhalt bietet. Der zweite Abschnitt 
des Heftes befasst sich mit der Bauweise des Bergischen Landes 
im besondern. 

Wettbewerb. Zur künstlerischen Hebung des Reklame- 
und Firmenanzeigewesena in den Strassen der Stadt Köln 
schreibt die Vereinigung für Kunst in Handel und Gewerbe 
einen Wettbewerb für Firmenschilder aus. Zugelassen werden 
alle Reklamen und Firmenankündigungen, die in Köln bis zum 
I. Dezember 1911 zur praktischen Verwertung hergestellt und dem 
Strassenbild eingefügt wurden, und zwar ausnahmslos fertig 
ausgeführte Arbeiten. Das Preisgericht setzt sich zusammen 
aus dem Direktor Creutz, Landesbaurat a. D. Rehorst, Baurat 
C. Schellen, Regierungsbaumeister A. Senz, Direktor Thormählcn. 

Preisausschreiben für Wan d m al e r e i. Die D üs s el - 
dorfer Kunstakademie erlässt in bezug auf ein vorhandenes 
Stipendium von 3000 Mark eine Aufforderung zur Bewerbung 
um ein al fresco auszuführendes Wandgemälde, die sich an 
kunstsinnige Einwohner des der Akademie zur Pflege der 





Sorgenlos 

und ohne Beschwerden zu reisen, ist wohl das Bestreben eines jeden, und zweifelsohne ist kein Gebiet so auf such- und fachgennäßen Rat 
angewiesen wie gerade das Reisewesen, wenn allen Neuerungen und Einrichtungen im Gefolge des modernen Verkehrs Rechnung getragen 
werden soll. Auf Grund einer 70 jährigen und erfahrungsreichen Tätigkeit auf diesem Gebiete ist die Firma THOS. COOK & SON in der 
Lage, Vorteile und Erleichterungen zu gewähren, wie sie wohl von keinem anderen Unternehmen dieser Art geboten werden können. 


^Jederzeit auf nahezu allen Eisenbahn-, Dampfer- und Postkutschlinien der ganzen Welt verwendbar. Diese Billette 

_ berechtigen den Inhaber zu jeglicher Auskunft von seiten unserer Vertreter und aller Agenturen, ferner gestatten sie 

die freie Benutzung der Leseräume in unseren verschiedenen Bureaus zur Erledigung von Korrespondenzen, sowie die unentgeltliche 
Inanspruchnahme der Dolmetscher der Firma THOS. COOK & SON auf den wichtigsten Bahnhöfen und in den bedeutendsten Hafenplätzen. 


I L Billette für Salon-Passagiere nach allen Weltrichtungen 

U OCl ÄCwIdnrICIl und zu niedrigsten Preisen. 

Unabhängiges, sorgenfreies Reisen; das Vollkommenste in 
/\IVlvOrtJi CIÄCII Bezug auf Reiseerleichterung. 

Erstklassige Gesellschaftsreisen allen Ländern Europas u. Amerikas, 

nach Ägypten, Palestina, Großbritannien und Irland. 


Nildampfer 


Regelmäßiger Passagierdienst vermittelst eigener erstklassiger 
Dampfer. 

^ Dieselben werden von den bekanntesten Hotels über die 
1 IvIldl^OUpUnÄ ganze Welt hin in Zahlung genommen. 

Bank- und Wechselgeschäft spruchnahme; Verausgabung von Zirkular- 

Noten und Kreditbriefen nach allen Ländern. 


THOS. COOK & S0H,0fnzlelle Vertreter der Deutschen Stuotseisenbidinveroaltunien 

für die Ausgabe von Fahrscheinen. 


Hauptbureau: Jjiidg^ate Circus^ ILoiidoii* 

Bremen, Bahnhofetr. 86 Köln, D.omhof 1 Salzburg, Sohwarzstr« 7 

Karlsbad, Karkt Dresden, Pragerstr.43 Frankfurt a/M., Kaiserstr. 28 




272 . 


DEUTSCHLAND i^aeeeei E ic efe e e etxo ooo^^ Nr.lS 


Waf^läm.aiere^^ 0jc6i^e uttguac^ 

^^fföissaö i^e&ttkb' ^tmd 

tjAirg, dee d^rSiifhin^' 

l^i,, dfe ■jmdi^üirn^atalfr; 

«Orders, in.. Pwm: -^on - 

fbrd'iejn,.' ■ Pii vailiey'• dife: . rise u: - -kx tid*':-i.\V d■ 

KuUc^ äia tiet&nj «Uctj tsünti ;?u iöf 

würden.^ WoVJod itie Beweibüngen unter A.D§rsibft der Aft. 
drösac und B«siäiaafeüli&tt der b(i; 2 'tlg:lichij£n Räüuifi, iTtit' 
Wonnung: von erwünecliteD M&tiveri der Dkrsttfjltin|f biy Jüfln 
n 4 i»- der Ditekiion der Kg'L kiiniatä^cademift in OtiAsel- 

dorf tUgeheü Imssen. 

Ein flaues Bpörtfantcl io O b er w i e ö oti Ib^al; Ict 
Cbt!3m«iü Würde Unc p.AUg- Zi^J\ ChernDit*, in eioiSf V^r* 
BamrttlunifvynfV der indnstrie-, Handeln und Spott- 

der^ W AnjlshanpHn^n Dr. Wciaswangt! 

beivFnbntijV Giesellischaift g-tgriindtt, dte rn phars^itscji- 

ünil ein tnodfernAogenanateäi Sponijotel ferbaücu wUJ:, 

&cb '^Tx- ^ip fcr erötfnfel wt rden aDl 1. Q bsi ^ba] hftttfe 

in disn 1 p Wb jf ab fen nitiht h nr c i n cri 4 rk en ^ o ti d; 

Sn.niöi:^frl3£ bJ cfvje rkebjr, s niiö ern ; ' bäl:: .■■.^ä^b vor' ' .if m 

Wiptkrr ditf th dö n W i nierspo rt abt. ; «iitvn p kpli. ht diff 

V o iftA ndcnen Ün t eri ün fxverhü lif inkfit gen Ü^te : 

Das' ts?; itl« Kürh anß in 0jö vnfi ^ 4**?:» 

Vftr te e JjT a - u öd W i p te i & p o 1 1vft.f * i rv Cf 3 r, m 1=0 cb *i?f 

.M«;r k ;•; gdc ge ne p r äc b tjr^*.' KüfbAV.st-.:' .'Wu: 4«r^. • 4 m 

6;. JsiIl in Weise eröfTmt. O^r jiW-feb* Afea 

VerkebrE- 'tin.d,.'Wintfe#Äpönvt^iit]it .ödn'nisshj Niitar vöre-A'^^ ^ 
hli&li ' feine ' AnÄpjrÄCfer ' itv. dir "tr', .die ■kntaietang -deä' 
voilendetfett sch&Jifeii- Bauerl SchildfrfW h^id ii3iJfen> 4i&' ^iifider 

Enlistebun;g heigetm^eji haben, hersiifebfin l) tnk'.Im 
gnösisen 'ko.nvferaäiiisnsMid ■ fhnd ;hi<M-auf -..tin 
dfetn über loon Feföftnirh tcilh3m t^vir 

m abU würd e ^ ne S *ihe vu o A bei t g feh^l W ci, d e th 

Erbauer äftsKurhausen. ArcbiwVtHui (MUnchetib dc-m JäiJÄirkS- 
amxxnann Ffeihwn von Elin er, dem HeT^n Sj^^ch im 
NBunen des Fremdenverk^tir^i.V'Preida l^dTicbftn Dasi in , 

allien semen Teilen prächtig ausgefUbrE« Kürddl .s«Uit:r 
ganzen aicb dfe^ lihigfehhbJ^ vor2ilgHeh hnd 

sfeiber lnneuc\fit*Fbtuii§. die "prÄktUchtn Njeüc:iuhg:if;h feinfty ^i*iiB»fefi; 
rrT^darnca Wirisfehafläbfetrhities ahfWfcisi^! bUdfel einfe ntye- ^ierdtj! 
des sfeböiieD OrtcÄ: 

A n h a d f d c 4 K i o ) :4r ^ ü Jt e ^ ü & i ^ i f r. h d ch, D e r B e si bt ts r 
dfe:^ Scblurütsfes Dfitchenhurg' bekköhiiiäWiniefv Tütim^ B. 

Vön SimanT hat b^kahhi» }i<d*l^*^hflch vnn dem 

Pr in js.fe n Bern hä r d irü . t- Bi £ d-. k t ulliib erworben^ fn 

dem Parke de t ehernaligtn AiVici '5Vir4 . ^ eiMt^öa 11 fr .,M öticb 

-V^n Heiarerbach*^ Vöö P, Saufet ^ur Aulfuhrun^ kumnien. 

NiLinr^chu.^'jtp-kitik ixx'A fe.t;''e.'b;.üH«• 1,fl■ 'Hif - 
s ich tri. - Wie 

dfe^' KidserBj.' iltr .'neuti^h'/ wied^^^'- 

mhr, dift Setiflnlc<tleT!ie'jfdi: Ndmir^ii^difepisy:^^ 

der ■l-UafihuTg«?.r '■Ti^chY^ern' 

etelhen eolt IvC^iieriÄ t^. Mhiik hvtjjfeflh’ 

Davon 30llfen M. äi&öuoö.Msrk 

7 UT A uSiab lu ng.y'.^tlÄbj^-tff--'; ., ^ «Ifi . A U^5eb'ö5tis;'-ähjr<JlniS ' '.des. • 
NftlUrp ar k ve rein fe . >j|t i^tüt d bare 13 tilg e V V fetitäge 

für n feil t Ankäufe Word nh. S xh tn Fi'ii hJa m i 

•oü der Heidepai^: m 

Leitfaden f.^r- d^j5r* Phniogtuptvhöi^ ; ^ $eit<^ö 
oiff ,10 yolibildcTrji und TexhUu^ilthiinheü, 3Cf : t*!gy V|feriÄg 
der jcflt AkiiengÄseUachftB^ Dreaden-A, ai. Btt dflh erstaurdicliton 
F'hnacbHhfln- ;de|:. ;'Coniflr 4 '^li)dbsfarife. und ' der . dieeer • tu :■ 
darrktd den Ueh^ Vtr brtii biig ' der Amaieiirphotögraphi i tst ia: 

mil ■ Fr*u.fifcci.'. m- hegjüstitili, .Aaas der . oben. genÄfint*;' VeHng. 
eintp Wir kheh tra C^üpfejntten L teitfad ett ^ d ä u?: 3feT&r dfehöich 

biiligemi'Prei?!*-; Mitfift .F'nh.gt/., ;'Oäi.3. BflehWin . 


9 u 0 end 

Dcrteittt «in }«rte«, «ine« tSefic*»». « 0 ( 19 *», juflenifrifdjes 
H«&}«l^n, W'tjflfc tammetwfirffe JE(ftM» fin'M«nö«n»- 
(<l|9n«f'Stint, niies ätea ttTtn^t fric«tit« 

$ucltenpf«rd • Diienmikb • Stift 

Hldfbfyl* ä SL 56 ^?f^|, lüberail JW 


'■ijfi^h '»uük'ch&i mit dflrt i5rui>4a^<m..'.d^f .PhmöghapbU^’^cbiidfllt. 
wiettj^hln-' Mfir • Veiw^^.eibä rle cnaltn Cmmer aiy p.ep 

flir 'Pv^ti^ftfsdTigeu Äweii^ d^t -^hüto^"^4pjbüt^ be^ehTflibt die 
' EmT'i^'itiVü'tii^;'; Form 

AhWiihhg-.^Äür ^ ' Fpsjhy-Ptöjitsä- jsu ■.■ geben, 

:. Sc.h l ff.m; ?< der ■ K&r^tcfiünif- yoti -^pii öthg3rjaipJ;ü.Äeh fcö 

■■ yef^.Tdinö'feyjtngefi ■ ■ gfeWxdintjt- .Bit TtoößiuÄirÄicyjheitt- '■■ v&rim- 
;^^u^i:hI^i3^itltf uTid ergänzen die ^taktiacBeh AKdf^tdn^eaj. 
dlg Vpflb'i I der WJedergaben yoh:! Äiwaleurptiutogrilph^h der 
' vfex^ejiied^^ten Art darsieUem;'-■ ’ ’ . ■■:. . 

Schluss des rhdaktioh^Tlian-1F‘'p|id'ey'' ^. ■■■.'■/.•■:• 


«cifttifUßtifiT ttiiif v^rftfeb^wdifibcih rön.iJeD SLilgsmü TflH: > & ^ Setijams «k tT 
r« öiJHtPtsldijipf; fjlr d.#)i ^rlilacJhtftjj! hun änd #afÜ ich tili Teil: dfjt 
w a>F hrlehi ft!)!.:: 0 e S A y f fe r t ^ h t fl.(( f U hr«,r il fl Dlund«!^» O fe n ivv. hüt 7 »rk ckrs - 

TNrf fttfci* ijpi X-^ipiTg; mr pIbü AUTodgtmifliä ^ H p u u ij K o r k ,la 

H mti V AtU de r p H ö t( 0 £ d ö r r ?is 7 U g fl ä n 41 ;v 0 A >0. 1 a P0 iä ildfl rf 



Hir lien^ und EilioluiiislieillliJie. 

Oa^ igamtate Jahr settflTDet« 


ÄTKtl , Leitung 

Dr. toed; Staeblj^r 


Eaufmftntj L&itang 

Direktor Butlti. 



füllte Keforiii In der $(e|ia1ipfleg^e. 

Wi*t hNl wiiilü iitwJVt Jäicbmi df^;.üLü0 Et^Alrruii^r göDiai^btj daiS 
tii^t Äj-i^^^aiflora .ln^l:Ht»ge'ii\V:feiteL StiVrk abr,. 

itiV lüelit Flftck)!* iilotep.- 

: • ;.-. .Vü.iii.hMi. ::'.!äkhhfehi' i itrvm, vnas 

hhihifi: hd FJötijeht Pt? r SLu ßthjtcb, 

öhhü IM ly ; : sihuliil 1 c h eh \v n bl Atif V3£ EhAldfei'^'io ff« als 

^^b f. ji l ha r b M. !>i 9 ri c h t iß y V'f ahl eltiiw jitveclt - 

'^ ■ e rfnTil 0 rt « c b o.n' Ofhiideß 

bl'rsont.li;T>A 'V!>rs i 1 bt; d euti li^^r a. t|t> vJ \%ycb If p kom itT»i& «il»/ falscb 
: Kp.vrsainknit ;H(“ird hiipAHiu öTt tiuiäaeUitj; £*.^«r Sistiefel 

ffcliüncn Aiit5i?Pbflba bni^äxtlit ütid mUilflti,, 

■: Z*>if. vnr&e!iaff^^tx: fejucrlisiciii xUj 

: b\ . ai Iteiii bi'rtji»jriiui t^c'hhbp:<3!^c4ilBNiu i>#ut#chlatuJR 

‘iSuiL^au^ und fiiülOh mrpljg« fbr&r ilPhp-i VpTKllfft Tsoo 
, > Wh ' 1i ffii 11 «u ö A n tiilh gHT'^ 0i 1 'T!‘1 £>Af atü v c^rl cfh uh liia m 

Vx^^)^■t öfir iSm^^n axifrAllo^id llnchglnuK, eopdena 

glVh''hKtHtig nXlrr *»>,^1=1 JHhb^n \VSttx*rxuf*zj;iflhiflÜaBi» mw^tc 
Jitigl] n 1 mä A bfiiV:ha l>a ;* V'^ vkpT,n m w f fl *«f utid ^ 

.. tiflh Ltjder tuPüitngf.j; wtAl .vhf Jlrtich htul 

dCH J1 fl I Cbt>! r Eth atbh 1 upv ■ Lip zwn i m aligüfi, tu dftT»t 

HhtD VFoCiii:^ nn^ rmlmu Ulesar 

iBt: rttid phifoßhu An wen tlög 

; i . b ftshn < 1 s M i.' f \v ^1 bimjiy i>l 0 Vh fj^eii -F ftstisp 

•HnHigPü L'^livr^ Pinm ?r0 

VHH >h%y Hhd avüriit ViPli^lA^hhtiXiÄCUsj etn 

: < 1 a cii'rPd TriMvlthii A phrvc li»; y :iil'P iut; 1 

nn<i J^da antwitith^ y^^wfluBübta 
. AubKudH bxüi^öfl'i Auf VV^mWßh ööx^ The 

Polieh 0*v !».>* Ä., JEVÄttkJfUtt ^ HL yistt ^fahre»- 

'Mit dSbBer NiKiiHuff \vfF 

HchHft bta der HiuiatüknkFahrik A, Si 0 b h1 

: Jn DtlKsf'idorf-ltidii liiLci ^^pHrHäFFährSk ifhr ^«flrieghari) und 

■ f.Tan.0ppTi iibl(H Hoixliiitt»»n. Bin«Irot gi?trtüiul^n Lnftöthleliteh 
f m Hii I ra u ih ^ 1 ct d ^^vti!it^^^f h>i ;rAolf*) Pm glu i cfi v oTSüSlk^Jidb 

gi'iCcn KJBVfi liüd lfit2.eyj&6 dal^f VfX^r i:(>rii?glVftfe+>p itolKbauSfvr SY*f^£n 
BlcDüJ D- a. ft tthd D. k: (1. M, ntr fede Wmflrun^ -fhf 
.,Jii,bTi?sez 0 U Thid fdr jÄcles KrhrtÄ eu7pftbf<Mv l>(e SUboF 

ßfehen ilolÄbänöhf flrbleXte« auf dojf BrfiBäöftic WAHÄtiASfelltihg 
tBfl hößhiiit* Ausz^idmiiog^ dcii Qrao4 

































Nr.« 


s iBi Orion rar die deutschen Verkehrs-Interessen ■ ■ 
dnitllche Zeltschrllt des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Juli 1911 



Thüringen: Der Napoleonstein am Dietharzer Grund 


Phot. V. Carl Mittag, Friedrichroda. 












Uebersichtskarte bindungen nach Cassel 

- (Entworfen von der Kgl. Eisenbahndirektion Cassel.) — ■■ ■ 

•Emden •Geestemünde AHdmbur^ 

1 Ißremen / 


Cöln 


tHannover 


»Berlin 


Dorf mund 

Düsseldorf ^ ^/^nsberg • / 

Ä—-^2—*—V3S5CI / No 
Iberfeld 


Nagdebur 


issel 


Nordhausen 


Coblenz 






Ciessen 


rankfurta.t 


^f^rdEiscnach 

\ Weimar''^3ena 


Leipzig 


^Lichlenfels 


bGcmünden 


»Dresden 


Bodenbach f\Te^5chen 


Mannheiini 


5lrassburg4 


^Hendelberg 

»Karlsiuhe 

, Baden-Baden 
^SEuHgarl 


'ürzburg 


lürnberg 


Freibürg 


Passau 


n.Wtcn 


^Basel 


ijri^iclishfn. 

r/ V. Vorarlberg 


►München 


Eine Zusammenstellung der Fahrpläne für die besten Zugverbindungen nach Cassel 
:: :: befindet sich auf der 3. Umschlagseite. :: :: 



DEUTSCHIÄND 

Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln 


♦ ♦ 

I Bezugspreis pro Jahr 6 M.,viertel- t 

♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦ 

• 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦ 
t eines jeden Monats (im Juni, Juli J 
t und August monatlich zweimal) ♦ 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 


♦ ♦ 

t Anzeigenpreis 40 Pfennig die I 

♦ viergespaltene Kolonelzeile ♦ 

♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦ 
X Breite. — Bei Wiederholungen J 

♦ entsprechende Ermälzigung J 
•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦ 


Nr. 6 


Düsseldorf • Zweite Juli-Ausgabe 1911 


11. Jahrg. 


Das Thüringer Land 

Von Geh. Hofrat Aug. Trinius. 


Im Banne des Inselsberges. 

Hat man von der Wartburg ob Eisenach niedersteigend 
das von Landhäusern reich und bunt durch\virkte Marien¬ 
tal durchwandert, so gelangt man durch das liebliche 
Annatal und die enge, von feuchten Felsen dicht umsäumte 
Drachenschlucht — eine echte Tiroler Felsklamm — die 
„Hohe Sonne“, ein stattliches Gasthaus, wo durch einen 
Durchhau uns noch einmal die Thüringer Landgrafenfeste 
wie im grünen Bildrahmen grüßt. Nun haben wir Renn¬ 
stieg unter den Füßen, jenen uralten Höhen- und Grenz¬ 
pfad, der über den gesamten Thüringer Wald in sechs 
Tagereisen läuft und seit der Zeit der Minnesänger 


bereits besungen worden ist. Rasch steigt der hier in 
eine Straße umgewandelte Grenzrain an. Ueppiger Laub¬ 
wald wölbt sich zum Dome über uns. Wenn da und dort 
eine Waldblöße sich einschiebt, so schweifen nach Osten 
die Blicke zum duftüberschwebten Hörseltale, aus dem 
der Zaubersitz der Frau Venus in einsamer Schönheit 
aufsteigt, nach Westen aber blauen die fernen Basalt¬ 
kuppen der „Hohen Rhön“, ln der Tiefe ruht zwischen 
Matten und dem lieblichen See die weimarische Sommer¬ 
residenz Wilhelmsthal, lichte und schlichte Bauten, geweiht 
wie der ganze Talgrund durch Erinnerungen. Voran an 
Goethe, der die Szenerie dieses holden Erdenwinkels 
deutlich und bewußt in seinem einst gefeierten Roman 



□□□□□□ 
□ □ 

□-□ 

SOS 

□-□ 


□ 


□ □□ 


□ 


□ 


□ 


□ 


□ □ 


□ 


□□□□□□ 
□ □ 

n_n 



SOS 



□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 


Eisenach: Wartburghol 
























Nr. 6 DEUTSCHLAND 275 


AVarte. Ein Sonnenaufgang oder -Untergang von hier 
droben geschaut zählt für jeden Thüringfahrer zu den 
Genüssen, die er AVie einen Schatz mit heim nimmt. Zu 
den Bergen der Rhön und des Hessenlandes, zum Harz 
und den Saalhöhen, AVeit, AVeit über das teppichartig sich 
breitende Thüringer Land fliegt das entzückte Auge fort. 
Strahlenförmig fächern sich von dem „Thüringer Rigi“ 
die Täler nach allen Seiten. Nach Westen leiten ein 
paar tiefpoetische Waldgründe hinab nach Bad Liebenstein 
im Meininger Lande. Vornehm und schmuck zeigt sich 
dieser Ort, über dem aus schAVeren Buchenwipfeln die 
Ruinen des Liebensteins trauernd sich zeigen. Ein kleines 
Paradies öffnet sich oberhalb Liebensteins über den 
hängenden Dolomitklippen bei Glücksbrunn-Schweina: 
Park und Schloß Altenstein. Es ist der Sommersitz des 
greisen, hochverehrten Herzogs Georg von Meiningen, 
der einst der deutschen Schauspielkunst neue Wege wies 
und bis heute 
einer der ragend- 
sten Fürsten ge¬ 
blieben ist, die 
offenen Auges und 
Herzens auf allen 
Gebieten der Kunst 
fördernd und er¬ 
munternd wirk¬ 
ten, bei Lebzeiten 
heute schon ge¬ 
feiert in Ehrfurcht 
und Liebe, da er 
in seiner hohen 
Gestalt und dem 
gebietenden Alter 
wie aus fernen 
Tagen noch in 
diese hastende Neuzeit stolz 
hineinragt. Schloß Altenstein, 
ein Meisterstück Albert Neu¬ 
meisters in Karlsruhe, ist 
eine Perle der Baukunst. 

Terrassenförmig schmiegt sich ein Garten um 
den Fürstensitz, köstliche Niederblicke ins Werratal 
erschließend. Und dann dieser stundenweite Park, 
der alles bis auf Meer und Firnen besitzt, was zu 
einer Landschaft großen Stils gehört. Hier über 
diese grüne Schwelle brandet nicht der Unfrieden der 
Welt draußen. Schönheit und Kunst atmet hier allein. 

Andere Täler winden sich vom Inselsberge hinab nach 
der Sommerfrische Brotterode, auch einst ein originelles 
Bergnest, das nach einem verheerenden Brande völlig neu 
erstand. Seitlich davon senkt sich ein neuer Grund nach 
dem freundlichen Dorfe Klein-Schmalkalden, und setzt 
man dann über einige Dörfer die Wanderung fort, so 
gelangt man endlich nach der trauten und berühmten 
Reformatorenstadt Schmalkalden. Wie köstlich mutet 
dieses Gewirr der altertümlichen Bauten an, hochgieblig, 
durch Jahrhunderte niederblickend auf das Getriebe der 
arbeitstüchtigen und so heiter-sangeslustigen Stadt, die 
einst in den Tagen Luthers so manchmal erlauchte Herren 
und Fürsten, Reformatoren und Abgesandte Roms emp¬ 
fangen durfte! Hoch über der interessanten Stadt thront 
das schöne Hessenschloß, die Wilhelmsburg, und unten 


am Eingänge des Gottesackers, da schläft der Komponist 
Karl Wilhelm, dessen Töne zur „Wacht am Rhein“ einst 
deutsche Krieger zu höchsten Taten anfeuerten. 

Und nun vom Inselsberge nach Osten hinüberge¬ 
wandt! Da lacht ein von herrlichen Buchenbergen 
eingesäumter Grund herauf, der Wintersteiner Grund, 
an dessen Ausgange sich als schlichte Sommerfrische 
das Dorf Winterstein malerisch aufbaut, einer der 
schönsten Waldorte des Gebirges. Und Wandert man 
über den felsgeschmückten Meisenstein an den Wart¬ 
bergen hin, so gelangt man wieder zu einer anmutigen 
Sommerfrische, einem kleinen Juwel unseres Gebirges: 
Bad Thal. Schroff steigt über den Häusern der von 
einer Ruine gekrönte Scharfenberg empor, an dessen 
Fuße unter einem Granitblock Emil Palleske schläft, 
der uns „Schillers Leben“ schenkte und der einst als 
Vortragsmeister gefeiert durch die halbe Welt zog. 


An den Wintersteiner Grund reiht sich der Mühlbach¬ 
grund. Wo dieser in ein breites, von saftigen Matten 
ausgepolstertes Tal ausmündet, ruht Kabarz. Oberhalb 
des Ortes bauen sich am Fuße des Dataoberges die 
beiden Landhäuser auf, die sich der so früh dem 
Leben und der Kunst entrissene dramatische Sänger 
Alvary-Achenbach einst als einen sommerlichen Ruhe¬ 
hafen erbaute. Nachbarlich von Kabarz liegt die vornehme 
Sommerfrische Tabarz am Ausgange des ebenfalls vom 
Inselsberge niederstreichenden Lauchagrundes. Hat eine 
rauhe Forstverwaltung auch in diesen einst so präch¬ 
tigen Wäldern unbarmherzig gehaust, der Lauchagrund 
mit dem angrenzenden Tal der Strenge, sie beide bilden 
noch immer ein Schaustück romantisch-deutscher Gebirgs¬ 
tallandschaft. Prächtige Felsen steigen über dem Wipfel¬ 
meere herauf, und wenn die Sonne über den gelben 
Flechtenbehang gleißt, so schimmern die Porphyrkanzeln 















1 

276 DEUTSCHLAND Nr. 6 


wie eitel Gold. Tabarz mutet ungemein dem Merzen an. 
Tief in den Lauchagrund verlieren sich schmucke Pension¬ 
häuser, und in alle Fenster und Baikone rauscht der 
Hochwald, singen die 
gefiederten Musikanten, 
die vom lieben Herrgott 
dem Waldneste gestellte 
unbezahlbare Kurkapelle. 

Wandert man von 
Tabarz aus östlich über 
einen sich quer vorlegen¬ 
den Bergrücken, so ge¬ 
langt man nach dem Berg¬ 
städtchen Waltershausen, 
dem Hauptsitze Thüringer 
Puppenindustrie und . . . 

Gothaer Zervelatwurst, 
lieber dem Orte grüßt 
die alte Landgrafenfeste, 

Schloß Tenneberg. Die 
nähere Umgebung der 
Puppenheimat birgt so 
viel Anmut in Berg und 
Wald, daß auch hier jetzt 
die ozondurstigen Städter 
ferner Gaue sich für 
Wochen heimisch fühlen. 

Hart zwischen Gebirge und Land ruht Waltershausen. 
Sein Schloß grüßt hinüber zum Schlosse Friedenstein bei 
Gotha, der winterlichen Residenz des Herzogshauses 
Coburg-Gotha. Gotha nennt sich mit Recht auch eine 
Blumenstadt. Schon der Eintritt vom Bahnhofe her 
nimmt in seiner heiteren Vornehmheit gefangen. Palast 
reiht sich hier bis zur Innenstadt an Palast. Die welt¬ 
berühmten Versicherungsbanken, die ja von Gotha zu¬ 
meist ihren Siegeszug erst in die Welt hielten, haben 
sich hier stolze Heime geschaffen. Theater, herzogliche 
und ministerielle Bauten, Loge, Post, Schloßhotel und 
andere in Gärten eingebettete Gebäude folgen 
aufeinander. Wie herrlich schmiegt sich der von 
Teichen belebte Park an das Museum und das 
Riesenschloß Friedenstein! Und unterhalb der 
Residenz rauschen zwischen gärtnerischen Anlagen 
stufenweise Wassergarben hinab zum alten Markt¬ 
platze, den das alte Rathaus und reich geschmückte 
Bürgerhäuser aus den Tagen der Renaissance zieren. 

Droben erhebt sich das Standbild des wackeren 
Herzogs Ernst des Frommen, dem Stadt und Land 
so unsagbar viel Segen und Wohlfahrt verdanken, 
der nach den wehevollen Jahren des 50jährigen 
Krieges seinem Lande wieder Ordnung, Gesittung 
und Frieden brachte. 

Von Waltershausen aus wandert man am Fuße 
des Gebirges ein Stück hin, um dann bei der alt¬ 
berühmten Erziehungsanstalt Schnepfenthal, einer 
Gründung des großen Pädagogen Salzmann, in das 
Reinhardsbrunner Tal einzubiegen, dessen Quellen 
auch noch im Bannkreise des Inselsberges zu Tage 
brechen. An der schmucken Klostermühle, dem 
prächtig gelegenen Parkhotel vorüber erscheint plötzlich 
vor uns wie ein Märchenbild Schloß Reinhardsbrunn im 
dreifachen Kranze blauäugiger Seen, uralter Mönchslinden 


und ernster Waldberge. Aus einem Benediktinerkloster 
ist dieser köstliche Fürstensitz hervorgegangen, der uns 
immer wieder an die Poesie eines Walter Scott erinnert. 

Zu allen Zeiten ist Rein¬ 
hardsbrunn bestrickend. 
Hier schloß der geniale 
HerzogErnstll. die Augen 
für immer, Reinhardsbrunn 
War ihm, dem einge¬ 
fleischten Weidmanne, ein 
Lieblingssitz geworden. 
Und nun kehrt in jedem 
Sommer ein glückliches, 
junges Fürstenpaar hier 
ein: Herzog Karl Eduard 
und seine hohe Gemahlin 
Adelheid Victoria. Manch 
schönes Thüringer Trach¬ 
tenfest ist hier im grünen 
Rahmen des Parkes unter 
den Augen der gütigen 
Schutz - Herrin vorüber¬ 
gerauscht. Nur einen 
Büchsenschuß von Rein¬ 
hardsbrunn baut sich die 
erste und schönste Som¬ 
merfrische des Thüringer 
Waldes auf: Friedrichroda! Abgesehen von den zahl¬ 
losen flüchtigen Wanderern kehren hier jährlich im Sommer 
mehr denn 13000 fremde Gäste für Wochen ein. Der 
neu erwachte Wintersport, dem hier eine so schöne Stätte 
bereitet wurde, lockt ebenfalls Tausende herbei. Was 
ein Kurort nur bieten kann, dem verwöhntesten wie dem 
schlichten Geschmacke: Friedrichroda weiß jedem ge¬ 
recht zu werden. Heiteres und buntes Treiben entfaltet 
sich, wenn von der Bastion des Kurhauses die Klänge 
der Kurkapelle niederrauschen, auf den Straßen und 
Promenaden es hin und her wogt, die Wälder ihre Grüße 


senden und die Sonne über Gärten und all die Landhäuser 
wandert, die sich rings an den Berg lehnen und tief in 
das Tal hinein reizvoll festgenistet haben. Die Natur lieh 




Gotha: Schloß Friedensteia 
mit Denkmal Herzogs Ernst des Frommen 

















Nr. 6 DEUTSCHLAND 277 


dem Orte unsagbar viel. Kunst und Menschenfleiß haben 
dann wacker weiter geschaffen, Vieltausenden eine liebe, 
grüne Heimat für Wochen zu bereiten. Aus allen fünf 
Erdteilen kommen sie jetzt gewallfahrtet, und wer hier 
einmal Wurzeln mit seinem Herzen schlug, der kehrt immer 
Wieder in dieses grüne, windgeschützte Paradies zurück. 

Von Georgenthal bis zur Schmücke. 

Eine kleine Stunde von Friedrichroda entfernt liegt 
das gothaische Walddorf Finsterbergen, sehr malerisch 
vom Leinagrunde in der Tiefe umkränzt, über dem die 
rötlich schimmernden Hainfelsen prächtig ragen. Gegen¬ 
über krönt als höchst gelegenes Gebäude des Ortes das 
Kurhaus den zum Walde aufsteigenden Ort. Alte Reise¬ 
führer schildern Finsterbergen noch als den einsamsten 
Ort des Gebirges. Das ist längst dahin. Finsterbergen 
ward als Sommerfrische „entdeckt“, und die jährlich 
wachsende Anzahl freundlicher Landhäuser beweist die 
sich steigernde Beliebtheit des Dorfes. Berg- und Wald¬ 
luft strömt hier von allen Seiten herein, und manch dörf¬ 
licher Einschlag 
leiht besonderen 
Reiz für stadt¬ 
müde Seelen. 

Jenseits der 
Hainfelsengeht’s 
ein Stück durch 
Hochwald,bis wir 
bei dem „Kande¬ 
laber“, oderauch 
Bonifazius-Säule 
genannt, auf eine 
freie Waldkuppe 
hervortreten, um 
nun mit einem 
Blicke drei rot 
gedächerteWald- 
nester zu über¬ 
schauen: Engels¬ 
bach , Alten - 
bergen und das 
hoch gelegene 





Friedrichroda 


Von Georgenthal geht es nun den Apfelstedter Grund 
hinauf, an Sägemühlen vorüber, bis der Doppelort Tam¬ 
bach-Dietharz sichtbar Wird. Beide gothaische Waldnester 
empfangen jetzt jährlich sommerliche Gäste, denen es die 
dicht angrenzenden Hochwälder, die Fülle der hier vom 
Rennstieg niederstrahlenden Täler angetan hat. Poetisch 
schöner mutet das kleinere Dietharz an. Liegt die letzte 
malerische Fachwerkhütte hinter uns, so öffnet sich der 
durch seine grotesken und wieder auch kühnen Fels¬ 
gruppen berühmt gewordene Schmalwassergrund. Wiesen, 
von üppigstem Blumenflor übertupft, breiten sich in der 
Tiefe, von allen Seiten drängen sich aus Waldesdämmer 
Felsgebilde heran. Endlich schließt sich der Grund. 
Die Quellfäden verlieren sich höher zwischen Gestrüpp, 
Moos und Moor. Doch die Straße setzt sich nun auf 
Stunden weiter fort durch totenstillen Hochwald, sobald 
wir an dem Porphyrriesen bei Falkenstein vorüber sind. 
Ernst, fast schwermütig legt sich der dunkle Mantel des 
stolzen Fichtenwaldes um uns. Fast kommt allmählich 
ein Sehnen nach Licht und Befreiung über uns. Und 

dann wird es 
hell vor und über 
uns. Der Ge- 
birgskamm ist er¬ 
reicht. Von alter¬ 
tümlichen Grenz¬ 
steinen umsäumt 
und begleitet, 
kommt der Renn¬ 
stieg von Nord¬ 
westen zu der 
höchsten Erhe¬ 
bung des Ge¬ 
birges herange¬ 
keucht. Verwor¬ 
renes und ver- 
strüpptes Dik- 
kicht, von Farnen 
und halbmanns¬ 
hohem Beeren¬ 
gebüsch durch¬ 
setzt, rahmt ihn 


Katterfeld. Jenseits des letztgenannten Dorfes steigt^»?ein. Ein schier ungebändigtes Freiheitsgefühl überkommt 


man nieder in das Tal der Apfelstedt und begrüßt 
bald am blitzenden Hammerteiche und anderen Kloster¬ 
seen die liebliche Sommerfrische Georgenthal. Es wird 
einem beim Durchwandeln dieser friedvollen Siedelung 
ganz wohlig zumute. Es liegt so eine eigene, fromme 
Weihe über dem Tal, seinen Teichen und still in den 
Himmel steigenden Wäldern, auch für den, der da nicht 
Weiß, daß sich hier einst eine fromme, gelehrte und auch 
kunstfrohe Stätte erhob, das dem Drachentöter geweihte 
Zisterzienserkloster Georgenthal. Dem Ortsgeistlichen 
Baethcke müssen wir es danken, daß er mit rührender 
Hingabe und reichem Wissen die fromme Stätte wieder 
so weit zugängig machte, daß uns jetzt das geordnete 
Ruinenfeld immerhin ein gutes Bild entschwundener 
Klosterpracht gibt. 

Ein Stück südlich von Georgenthal rauscht die 
Ohre ins offene Land. Hier ruht das aus einem Eisen- 
hammer hervorgegangene Luisenthal, eins der besten 
Gasthäuser des Waldes. 


uns. Denn der stolzeste und schönste Teil des Grenz¬ 
rains hält uns für die nächsten Stunden im Banne. Immer 
wieder öffnet sich zur Rechten der Wald, herrlichste 
Ausblicke in das besungene Land der Henneberger 
gewährend, nach der Rhön, den Hessenbergen, den Höhen, 
die tief im Süden den Main begleiten. Näher heran 
ragen trutzige Bergriesen, Schutzwächter und Trabanten 
des Gebirges, das sich nun vor uns zum Hauptmassiv 
auftürmt. Man blickt in tief eingeschachtelte Wald¬ 
nester. Heimliche Quellen rieseln halblaut aus Moos 
und Gestein. Speeresbreit, wie alte Chroniken schon 
berichten, erscheint hier noch der „heilige“ Pfad. Was 
zog nicht alles im Laufe der Jahrhunderte an den grauen 
Grenzwarten vorüber. Dunkel und dumpf klingt es von 
Mord und wehevollem Blutgemetzel aus alten Forstnamen, 
aus Ueberlieferungen und Sagen, die den Rennstieg um¬ 
flüstern. Als der mutige Bonifazius längst das Kreuz 
den Thüringern gepredigt hatte, schlich man doch noch 
heimlich hier oben entlang, an versteckten Kultstätten 











278 DEUTSCHLAND 


Nr. 6 


den finsteren Göttern zu opfern. Davon spricht so 
deutlich der ragende Donnershaugk! Ein Wundersames 
Wandern hier droben für den, der da einsam dahinzieht 
und mit des Waldes Seele Zwiesprach hält! Zuweilen 
eilt aufgescheuchtes Wild über die grüne Wildbahn; 
Wolken ziehen lastend über unsere Häupter hin, Winde 
brausen uns Freiheitslieder in die Ohren. Fern in der 


einst Herzog Ernst II. so gern weilte, sowie das schieferge¬ 
deckte Kirchlein. Sommer und Winter sieht übrigens jetzt 
Oberhof gleich lebendiges Treiben. Dank der Fürsorge 
des regierenden jungen Herzogs hat sich seit ein paar 
Jahren der Ort zum Mittelpunkt alljedes Wintersports 
entwickelt. Die tief verschneite Pracht dieser Hoch- 
Waldlandschaft imt alle Herzen im Sturme gewonnen. 



Beim Gänseliesel im Leinagrunde bei Finsterberg-en 
(Nach einer Aufnahme von Hofph. Wiedemann, Roda, S.-A.) 



Der Brandleiteteich bei Finsterberg-en 

^Nnch einer Aufnahme von Hofph. Wiedemonn, Roda, S.-A.) 


Tiefe deuten schweelende blaue Rauchschleier an, wo 
der Mensch das Eisen reckt, Hammerschlag dröhnt, Funken 
sprühen, während um uns der Gottesfrieden deutschen 
Waldes weht. 

Plötzlich grüßen sonnübergossene Häuser von einer 
Hochfläche, von Baikonen wie ausgehängte Vogelbauer 
umzogen. Die Häuser mehren sich, der Wald beginnt 
sich zu beleben, Kraftwagen donnern die Bergstraßen auf 
und nieder, allüberall Gruppen von städtischen Sommer¬ 
gästen sitzen am 
Waldesrande oder 
pendeln auf und 
ab, die köstliche, 
reine Luft mit 
jedem neuenWind- 
hauch durstig ein¬ 
zuatmen. Oberhof 
ist erreicht 1 Er 
stellt mit seiner 
805 Meter be¬ 
tragenden Höhen¬ 
lage den höchsten 
gothaischen Ort 
dar. Die Fülle 
gutgepflegter Ge¬ 
birgsstraßen, die 
zumTeil strecken¬ 
weise glatt dort¬ 
hin führen, einge¬ 
schlossen in ein 
wogendes Meer 
von köstlichsten 
Wäldern, Tälern, romantischen Felsgruppen, hat Oberhof in 
verhältnismäßig kurzer Zeit aus einem armen Holzhauer¬ 
dörfchen zu einer glänzenden Sommerfrische emporge¬ 
hoben. Nichts erinnert hier oben mehr an jene still¬ 
beschaulichen Tage, da man das kleine Holzhauerasyl noch 
als ein Idyll aussprach, als der helle, von Hirschgeweihen 
geschmückte Bau des bescheidenen Jagdschlößchens, in dem 


Wenn drunten im Lande längst die Haselsträuche grünen 
und erste Anemonen die Köpfchen heben, erglänzt hier 
droben noch in wallenden Schneemänteln die Natur, hallt 
der Schiruf, das lustige Jauchzen der Rodler durch die 
weite, große Stille. Dann hebt plötzlich das Tauen an. 
Der Lenz pocht auf sein angestammtes Recht. Und nicht 
allzulange Währt es, und über die Hochmatten ist ein seliges 
Blühen und Duften gekommen, im nahen Walde ruft 
der Kuckuck, und die Wildwasser stürmen zu Tale, all¬ 
überall das große, 
heilige Wunder zu 
verkünden. 

Von Oberhof ge¬ 
langt man über das 
Rondell, wo eine 
Reihe der schönen 
Bergstraßen sich 
kreuzen, in zwei 
Stunden erhabener 
Rennstieg-Wande- 
rung zuerst zum 
Schneekopfturme, 
dem überhaupt 
höchsten Punkte 
desThüringerWal- 
des, von dessen 
Zinnen sich ein 
Weites, farben¬ 
reiches Bild ent- 
rollt,dannbalddar- 
auf zur Schmücke, 
der am höchsten 
gelegenen menschlichen Wohnung „auf dem Walde“. 
911 Meter hoch, bietet die Schmücke mit ihren beiden 
schmucken Bauten ein treffliches Standquartier wie eine 
Raststätte für Wanderer. Hervor ging die Schmücke 
aus einer schlichten Sennerei, bis dann als erster Wirt 
der „dicke Joel“ einzog und durch seinen sprudelnden 
Witz und die ihm eigene kernhafte Schalkhaftigkeit und 














Nr^6 




270 


Oeradheii ihr wlch^ Afi^fehu 

dsü endlich d i^;; Begi^ning diit. 'Sm rX^i: vi^;„ 

ein Gasthaus wmtdßlteXda^^ a^^^ das- bc^scXLeitl^e; ;: 

OeWand damaliger Tage ^iMtreifie* Üeber ^m. bafbeS;- ; 
jaivfbundeirt Dichter Ludwig Beä^^;. :: 

Wirt der Rasen. OocTi BfeTd 
Bildnis t^t nöeh heute in den Hetinfeti ilitercu^ Thürmger 
iu schsüeä und seine Schnaken und SchnMrreJi gehen 
ndr:ih jmnier ger^ MtmAri 0^^ Waldv 

^chstfXsi eingerähriit ruht t[?e Schmucfe^ äm Reim^^tiege 
\m V'ofdefgruhd breitet sicK niedorsetikende Matte. 
Ü^er diese öian in echte TUhringer Berg- 

Öuskr recfcen Sacfeeifetehu v^telman 
Zigeunerkoffr andeie Bergfiesen ihre 

Hi^upter In den Himmeh ln der Mitte v ^b(ir 

hebt ÖoetBes 4 *f!rHafceflefL der^ mn 

mütrigches HmipL Dort in der : Tief^ ratischt ,dift 

lfm, durch Goatlües Bergweit traümver*firen hhi, dfe 
einst so süßen^ uasterbi ichen W tris«* ri j snsclien ditifttev 



Böch ÄrTi^tadt. 

ATh ABhaifge das 
: Scfiti^Xkopfs; brachen 
aus finsierefh WaJd- 
diclnchL Moor u Ud 
Sumpf äli die 
fäden äütäge, welche 
die beiden öerab^che 
spersetii di^ W iId c md 

ciie STahme Gera, tiie 
sich dann erst bei 
Plauen l?etejhen, urh 
nun über ;Är?istadL 
Erfurt sich, zur Ver- 
einigung iiiii der- Lhb 
striit zü Wenden. 

Hat :dm jB^Bnanlage 
Dietendorf -- Obei hpf; 
mch ti'iet nu der .ur' 

BpriinglEChen Schdu: 
heu liefe Än Qera. ArnstmU: 

taies gesündigt, ivdem sie streckem*i?G.st^ dem WiW- 
bache mn neues Bet t. an wies, Wälle m die 

köstliche :Berg)Uud$th^ift ,§chfib; 'p> ist' bniuer nndi m 
\?ieL des ScBüiten f] ier zu iluden- daß d ; He ri ciari 
oft Peleriag hä]Un, 2wlschen beide !t :WiIdblfch 
sich ahfangs ein .hobef Bergrückefr ^luf dem sieh das glUs^: 
hiaseiide Geliiberg niii t^einen freuridlitlieU Behrmsungep; 
aufbauti* Hin echt Thüringer W^Udd mi] tfeHIicb in 
X^i'öer'Trciefr’'■ H .geeign^ii, ^dfe EehebttöSt ■.•aB"-' 

Sommerfrische ^lv steigern. AllöbtT:iU gntöeu die beimnt ■ 
liehen ßergkuppßh tnit ihrem Misebwald Limf^ und 
Nädelbpb und iioeh über ilmbn grXtft der StchU' 

Warle auf dein Sch n eeköpf in dmi ■ ireiOu : Bniuur 

luheim WTe ck ern die muntererv recht s und: 

jlhks in die Äahmc^'Gör^i Vergjßmcü'nufcld silumen 

die tjfer' dcÄ durch si^ftlge /WÜeseu ellend^^n B^JcheÄ.; 
Felskansteln fugan aus dem ■ DickiGht der \VaIden 
ub^r den kreist der Bussard Bei .Arlesberg: 

ttiii Öse Zahtw Gerd aus dem öbereh AV^dgriniUe m 
ireifcre^ GOIätide^.m nm über efn rsaaf ü&Her .fdrt Xich 


rmnh Plaue. 2 u wen^^ Wendet man sich Von dem 
Tel^erideR Arlü^berg reobts .^eitüch in den Wald,; m Xfr 
Xi^:cht. man m enter Bulben Stunde ein . kleines Jawel des 
■Gebltgesi die g^thaische Somitmrfnsctie Elgersburg; Em 
:’§01-*u tzküätleiu f and schuf tlföher ScBönlieitfin niht hfer tm 
Fih'eden de& TlocliWufdes. Eigetsbiirg, malensch Von der 
wieder jmrgesstelUebr-B^ Naniens Überragt, zühit 

rhit 2ti den ältesLen Thünrtgbns/ Das wundetr 

Same Naß, das higr dfet POlphyr entfließ^ Wald und 
Bergluft sind die denen dergöthalsclie Oii 

Taus^de schon g^krättigt^^W^ dife Hermat entlkii. 

Wdder. großzügiger offenbart sich d&s Ta\ der 
aFidereu: öernV Da^- hat: clas^ VdilX. etiipfund^^n; 

da es Jahrfmfidcrten dmsem Tale düo Namen der 
AVüden Gera lieh. Der mödeiiie A^ürkehr darf ja nicht 
mebt: aacb FOrderu der; Poesie fragetc UncT doch 
bleibt cs schadei daß dieser Gfund Ahäage 
Baha\Va!ieÄ uiid Oüterbahnhofe^js hingenjrfert^ w Wö 

zwischen derv beiden Meilen Ayäc!Mi?rh„ W 

pdrrberg die 

rnmm' .M-MGit^re^ ■ 
il^Pll und breiteres TM ein 
tritb ftiht der .,Öüft- 
berger HammePA eine 
der tf aiilichste n Qast- 
■... siülieüVdes' Gebirges.-,'; 
tiberförstereij S^ge 
:miUile hiid xkts Gast' 
Aiaus gehen sicii mn 
friaM^'^hes Stelldich* 
evn; Ang.ezogefi von 
dem pöeAlscheu 
dl^r StM t)ö- iitit 
Elsässer FriisA LieU" 
hurd seit Jahren ^kh 
tiier lut Soutther fesF 
'gesiedeJt. .•■■... ■•■ V.;.-./--.-^-.; 

Lieber das geWerb-: 
rübnge gothaische 
DöH Ciräfenrbda ge- 
iängi ETian endlich nach 
dem ;$ohderhMiser 


irn^i^isklrc.hf- 

StädiküvPlauei. BLdde GerM^üche haben sic)j gsstnod^ji? mi 
'äürcWhe^^^^^ Grund, bis A.uh'' 

;^,tadf zur Linken dre ,,prc5t :G(eichen“ in Slrfet 


.die-Herrenhiiter ftöi'uiife ■ N'eu-DietefKloff WffüktÄ' 

;.FimKA ’a!te' Por.:?'el!at)]''abrik _ eine Sehen^iii,ti%d%kGt\' 

ÜMe^ : behütet, erhebt sich als schchie Rmne/die 
EhrcHb^urg* imnm lachender, anmutiger igestalt^i sich der ; 
.Orund;.; Die gelben Kalksthroffen der Sergxcäride ^eben r 
cxmi&niivhki.ombn G^ d^r W^ahlmselu. SchHtcbt^e 

miJ hunlfarbigen Ayieseih ;DänTi tötjcht 

das frennd|iidie Arnsiad die Luidenstadt, äuf, van 
..0r; Mtirt.ih;L'itther 't-finmat .Ms- BIM.'-mU-.vXmem- 

hi Petersdm ve-ir^fejicö', ' Der Stolz der 
mU’^Tesi?;UiiiM Siä^^ ist seine herirhche ■L^^^^^^iüenki^ch^ - 
■u^utfedeütel^eX•Bimw<är ■rohnmisdPgoti$dher Art, ' Dobh 
auch tktr MarkrphMx irfit dfexn dtn altcfi ^^cliönen 

ßörgertiänse.rn, clör $ichU>S^art^^n’ mh den ReMeh ntid 
schlanliori Tunn der sliXu Hrjlburg Ncideckv 
liffcViB Lind vlules uhdere leihen Ariistadt große Anztehuug^i; 
kra.fL Hkf .sue.He sich WilltbaH^ Ruhe- 







1 


280 DEUTSCHLAND Nr. 6 


hafen, hier wohnte die Qartenlaubendichterin E. Marlitt 
und nahm die Huldigungen der Mädchenpensionate gerührt 
entgegen. Reich an trauten und romantischen Ausflugs¬ 
punkten ist Arnstadt. So ist es kein Wunder, wenn hier 
sich immer reicher der Zustrom von Ansiedlern und 
Sommergästen ergießt. 

Es ist eine wahrhaft 
liebenswürdige Stadt, 
und ob sich auch in 
den letztenJahrzehnten 
Handel undWandel ganz 
bedeutend hoben, völlig 
neue Stadtteile nach 
demBahnhofe zu empor¬ 
wuchsen, an dem Bilde 
der Innenstadt konnte 
man nichts ändern und 
die Anmut und Lieb¬ 
lichkeit der Umgebung 
blieb sich treu. 

Längs der Ilm. 

Unterhalb der herr¬ 
lichen Mordfleckwiese 
droben am Rennstiege 
kommen all die Silber¬ 
bächlein neugierig zu¬ 
tage gesprungen, die sich dann unten bei Stützerbach 
sammeln, um nun den gemeinsamen Namen Ilm anzu¬ 
nehmen. Stützerbach, politisch, wie so mancher Waldort 
dieses Gebirges, in zwei Teile getrennt, besitzt sehens¬ 
werte Glashütten und wird seit Jahren als freundliche 

Sommerfrische 
gern besucht. 
Noch ist im 
„Weißen Roß“ 
der Tanz-Saal 
zu sehen, in 
welchem einst 
Goethe mit dem 
jungen fürst¬ 
lichen Freunde 
Karl August so 
gern die dunkel¬ 
äugigen Mäd¬ 
chen im Reigen 
schwenkte, wo 
man liebte und 
schwärmte und 
derLustBecher 
in jugendlicher 
Hast bis zum 
Grunde leerte. 
Mit Stützer¬ 
bach sind wir in 
Goethes Berg¬ 
welt eingetre- 
Ilmenau : Goethe vor seinem Häuschen teil. Der herr- 
ouf dem Kickeihahn üdi sich nun 

Öffnende Talgrund, von stolzen Bergen begleitet, hat leider 
durch die Neuanlage der Bahn Ilmenau — Schleusingen 
manch herben Schaden in seiner Schönheit erfahren 


müssen. Wer freilich im Zuge bequem dahingleitet, der 
ahnt nichts von der Einbuße, die das Tal der Ilm 
erfahren mußte, wie man gegenüber dem Gebirge den 
Wundersamen Nahegrund seiner friedvollen Schönheit 
Völlig entkleidete. Denn aus dem Wagenfenster hinaus 

entrollt sich ihm ein 
Wandelpanorama von 
oft ganz hervorragen¬ 
den Landschaftsbildern. 
Diese Berg- und Zahn¬ 
radbahn ist im übrigen 
die erste solcher An- 
lagen,die der preußische 
Staat bauen ließ. Das 
friedvolle Bild, das der 
große Dichter so oft be- 
sang,daserimVereinmit 
seiner Liebe zur Frau 
von Stein in Briefen, 
Liedern, Zeichnungen 
immer aufs neue feierte, 
schaut heute längs der 
Ilm nicht mehr so fried¬ 
voll geschlossen aus, als 
es einst des Dichters 
Augen erfreute. Zur 
Rechten türmt sich der 
breitgebuckelte Kickeihahn dunkel bewaldet auf. Zer¬ 
rissene Edeltannen auf einem Porphyrkegel deuten die 
Stelle an, wo am Hermannstein sich die Höhle birgt, in 
der Goethe so gern weilte im seligen Gedenken an die 
Geliebte. Weiterhin der Hirschsprung erzählt uns, daß 
der Dichter hier im Anblick des überaus malerisch ge¬ 
legenen Doppelortes Kammerberg-Manebach sein großes 
Gedicht „Ilmenau“ anheben läßt. Höher noch denn der 
Hermannstein grüßt das sogenannte Goethehäuschen, ein 
grauer Holzbau, der nach dem Brande wieder aufgerichtet 
wurde. In dem ehemaligen Pürschhäuschen lebte der 
Dichter zuweilen. Hier droben entstand, wie bekannt, 
sein Wundersames Nachtlied: „Ueber allen Wipfeln ist 
Ruh“. Unweit davon finden wir auf der Höhe das 
schlichte weimarische Jagdschlößchen, das seit zwei 
Jahren der „in allen Kulturlanden hochberühmten“ Gabel¬ 
bachgemeinde als Sitz ihrer liederfrohen, Waldfrischen 
Versammlungen dient. Ein Stück weiter steht das Wald- 
warthaus „Zum kleinen Gabelbach“, das bisher der 
genannten Gemeinde eine liebe Heimat War. Endlich 
hat dann die Regierung, dem Zuge der Neuzeit sich 
beugend, gleich dahinter ein „modernes Hotel“ hingesetzt, 
das ja Tausenden von Fremden mag willkommen sein, 
den deutschen Literaturfreunde an dieser Stätte aber 
doch mit heimlichem Schmerz erfüllen muß. Mit ihm ist 
für immer die Keuschheit einer hochgeweihten Stätte 
totgeschlagen worden. 

Kammerberg und vor ollem das wie ein Alpendorf 
aufsteigende gothaische Manebach, in dem Masken und 
tausenderlei bunte, schnurrige Dinge für lustige Feste 
hergestellt werden: beide Waldorte heben sich jährlich 
mehr und mehr in der Gunst städtischer Besucher. Sitzt 
man hier doch so recht im Herzen des Gebirges, und 
jeder Schritt erzählt von großen klassischen Tagen. 
Steigt man durch die steilen Berggassen von Manebach 




Der' Greis 

dem Kickeihahn bei Jlnienau 


IJir hu i\u, Uinunil hiSt 

.'Uic,'. J.ful u nJSchnu. .,n stULst 
Dtn.dtr ,topfidt rhnj ut. 

FJopoth mit hi/lisl^ 

Acn \cft hin lüj Trrihtm mun’i 
tlju ^-7 .77 /-- O: -.--r /...st ‘ 

Süsiff /'»»/«’i/i i’ituu 


i’.hr othn Ciphht 
J.,t Ruh. 

,/ii .ilkn h'i/ ttln 
Xptttf.i/ /tu 

/hum <'/>/./- huitJi 

Pitl'.yd. .: -v 

Itiirti nur, btilJl 
/l'llhtst^DuyU(Ä ! 
























Nr. 6 DEUTSCHLAND 281 


an der Kirche empor in den Hochwald, so erreicht man 
in einer halben Stunde den Mönchhof, eine tief poetische 
Raststätte am Schnittpunkte einiger Bergstraßen. Gegen¬ 
über dem Waldwarthause haben wir im Sommer 1906 
den uralten Mönchstein wieder zwischen Farnen und Jung¬ 
tannen aufgerichtet, den eine wehmütige Sage umflüstert. 

Von Manebach aus nähern wir uns nun rasch der 
ehemaligen Bergwerkstadt Ilmenau, die rechte Goethestadt, 


Sanatorien in Gemeinschaft mit Waldesduft und Berges¬ 
hauch locken mit jedem Frühling Scharen von Gästen 
nach der Goethestadt und Wanderer aller Nationen 
schreiten über die klassischen Stätten und bringen ihre 
Huldigungen dem deutschen Genius dar. 

Mit Ilmenau sind wir aus dem eigentlichen Gebirge 
herausgetreten. Die Ilm windet sich durch den Hüttengrund, 
der von Fabriken, Pochwerken, zahllosen Werkstätten 



Paulinzella ; Gesamtansicht 



Überreich verbunden mit unvergeßlichen Erinnerungen an 
all die Großen aus Deutschlands zweiter klassischer 
Dichterperiode. Eine Fülle von Tafeln an den Häusern 
erzählt uns von denen, die einst von Weimar so oft 
herüberkamen, in frischer Bergherrlichkeit sich des 
Lebens zu freuen. Einer aber schreitet gehobenen 
Hauptes und mit leuchtenden Augen voran, der Liebling 
der Frauen, der die süßesten Geheimnisse der Menschen¬ 
brust verstand und 
in ewigen Liedern 
ausströmte: Johann 
Wolfgang Goethe! 

Ilmenau hat sich 
nun lange in eine 
blühende Industrie¬ 
stadt verwandelt, 
deren Essen drüben 
jenseits des Bahn¬ 
hofes dampfen. Es 
besitzt ein großes 
Technikum. DieAlt- 
stadt aber und das 
heitere Reich von 
schmucken Land¬ 
häusern, das sich 
jenseits der Ilm am 
Waldesrande ent¬ 
wickelte, das ge¬ 
hört allein den Kur¬ 
gästen. Treffliche 


tapferer Arbeit besetzt ist, und eilt nun ins offene Gelände 
hinaus. Sie streicht an den Häusern des interessanten 
kleinen Stadt-Ilm vorüber, über dessen Dächer ein uralter 
romanischer Kirchbau die ehrwürdigen Doppeltürme reckt, 
wo innerhalb des Gassengewirrs sich auf dem Marktplatze 
das Denkmal der „Thüringer Nachtigall“, des Komponisten 
Methfessel, erhebt. Nun gehFs über die freundliche Sommer¬ 
frische Kranichfeld, über dem zwei Bergschlösser stolz 

thronen. Weiterhin 
nach Nordosten er¬ 
reichen wirBerka an 
der Ilm. Das so an¬ 
mutig zwischen be¬ 
waldeten Höhenhin- 
gelagerte weimari- 
sche Städtchen ge¬ 
nießt seit langem 
Ruf als ein vorzüg¬ 
licher klimatischer 
Kurort, in den der 
Lärm der Welt nie 
hineindrang. An dem 
Kurhause hin zieht 
sich die Goethe- 
Allee, dem Dichter 
geweiht, der ja auch 
hierher so manch¬ 
maleilte, der lauten, 
oberflächlichenLust 
eines Vergnügungs- 


Weimar: Großherzogliches Residenzschloß 
































I 


282 


DEUTSCHLAND Nr. 6 


süchtigen Hofes für Tage zu entrinnen, wenn er seines 
hohen Berufes sich bewußt ward. Burgen und liebliche 
Aussichtspunkte sind in Fülle um Berka ausgestreut, und 
die Ufer der Ilm bieten reizvollen Wechsel. 

Und nun betrittst du heiligen und für alle Zeiten ge¬ 
weihten Boden, Wanderer! Mit Türmen und hochgelegenen 
Landhäusern grüßt dich schon von weitem das berühmt 
gewordene Ilm- 
Athen, Weimar! 

Die Heroen jener 
großen Tage 
würden sich sehr 
verwundert die 
Augen reiben, 
kehrten sie heute 
noch einmal zu¬ 
rück. Belvedere, 

Tiefurt, Etters¬ 
burg: sie zeigen 
Wohl noch das 
alte,gutbekannte 
Gesicht. Wie ist 
aber die Resi - 
denz des groß- 
herzogl. Hofes 
seitdem herauf¬ 
geblüht? — Als 
Qoetheeinst hier 
Einzug hielt, da 
forderte noch am 
Tore der Hüter 
den Paß. Kein 
Pflaster, keine 
Beleuchtung, in 
den Gassen das 
trübe, übel duf¬ 
tende Abwasser 
der schier recht 
armselig drein¬ 
blickenden Bür¬ 
gerhäuser. Mehr 
ein ummauertes 
Acker - Bürger- 
Städtchen denn 
eine Residenz! 

Zudem war kurz 
vorher ein Teil 
des Schlosses ab¬ 
gebrannt. Und 
heute! Wer da 
vom Bahnhofe 
kommt, den emp¬ 
fängt eine baum¬ 
überschattete 

breite Straße, mit Palästen und blühenden Gärten be¬ 
setzt. Museen und herrliche Neubauten durchsetzen 
die Innenstadt, während draußen im weiten Bogen vor¬ 
nehme Stadtteile erstanden. Die Kunst besitzt ihre 
wertvollen und gediegenen Stätten. Das neue Hof¬ 
theater, vornehm schlicht im Aeußeren, bietet im Innern 
köstliche Augenweide und weist alle Vorzüge modern 
technischer Hilfskräfte und Einrichtungen auf. Ein 


Gang durch die Zimmer und Säle des umfangreichen 
Schlosses wird zu einer Wanderung deutscher Kunst¬ 
geschichte und Literatur. Unweit davon baut sich am 
Ufer der prächtig umwaldeten Ilm der Renaissancebau 
des Goethe-Schiller-Archivs auf, die hochherzige Stiftung 
der verstorbenen Großherzogin Sophie. Was die hohe Frau 
hier schuf, das wetteifert mit der Schöpfung ihres unverge߬ 
lichen Gemahls, 
des Großherzogs 
Karl Alexander, 
welchem Weimar 
auch ein Reiter¬ 
bild weihte: der 
Wartburg, die er 
seinem ganzen 
deutschen Volke 
als hehrstes Erbe 
zurückließ. 

Der Park zu 
Weimar! Kann 
seine stille und 
feine Schönheit 
je ausgesungen 
werden? Welch 
ein langer Zug 
von Männern 
schreitet da im 
Geiste an uns vor¬ 
über! Weimar ist 
heiliger Boden. 
Den Zauber, der 
diese Ilm-Stadt 
umschwebt,kann 
keine Neuzeit je 
völlig ertöten. 
Die Häuser, in 
deneneinSchiller 
und ein Goethe 
einst wohnten, 
schafften, der 
schattige Garten 
der Toten, in 
denen die Für¬ 
stengruft unter 
düsteren Bäumen 
sich erhebt, Erz¬ 
bilder und Haus¬ 
inschriften, alles 
redet seine be- 
sondereSprache. 
Vor uns versinkt 
hier so oft die 
ruhelose Gegen¬ 
wart und herauf 
steigt wieder, was in Werken, Briefen und Erinnerungen 
Gemeingut des deutschen Volkes, besser, aller Kultur¬ 
völker geworden ist. Heute pulst durch die schöne 
weimarische Residenz ein freies künstlerisches Leben. 
Das neue Hoftheater hat eine neue Anziehungskraft der 
Stadt verliehen. Musteraufführungen und Schülervor¬ 
stellungen locken jetzt jährlich Tausende von Fremden 
herbei, die nach kürzerem und oft auch längerem 






























Nr. 6 


0 DEUTSCHLAND ^ 


283 


Verweilen in Weimar gehobenen Sinnes wieder heim¬ 
kehren, ein Stück deutscher Poesie im Herzen tragend. 

Von Weimar wendet sich die Ilm leise rauschend 
über Oßmannsstedt, wo einst der Dichter Wieland sein 
Gut besaß und im Parke auch neben seiner Gattin wie 
der Freundin Brentano seine letzte Ruhestätte fand, 
lieber Apolda fort, der stark gewerbrührigen Stadt, nähert 
sich nun die Ilm dem Bad Sulza. Dieses weimarische 
Solbad Sulza genießt von altersher bedeutenden Ruf. 
Seine Solquellen besitzen starke Heilkraft, das Gradier¬ 
werk mit Wandelhalle sind stark besucht. Allein 25 Bade¬ 
anstalten stehen den fremden Besuchern geöffnet. Und 
nun noch eins gesellt sich hinzu: die reizvolle Umgebung. 
Steigt man eine der Berglehnen hinan, so überblickt man 
ein Stück des gewundenen Ilmtales, nach Osten hin aber 
lachen uns nachbarlich die hellen, von Weinbergen be¬ 
deckten Höhen des heiteren Saaletales entgegen. Denn 
schon bei dem nächsten Orte Großheringen eint sich die 
Ilm mit der Saale. Das muntere Bergkind des Thüringer 
Waldes nimmt von uns Abschied. Von der Quelle bis 
hierher zur Saale: welch eine Flut von gewaltigen und 
lieblichen Erinnerungen umweht nicht das bescheidene 
Flüßchen! Lebe wohl, silberflüssige Tochter des Thüringer 
Waldes, die du einst unsterblichen Liedern lauschen durftest! 

Im Schwarzatale. 

Dicht unter dem Rennstiege entspringt in einer 
Höhenlage von 717 Meter die steingefaßte Quelle der 
Schwarza, deren Tal mit zu dem Schönsten zählt, was 
der Thüringer Wald überhaupt aufzuweisen hat. Fast 


messerscharf ist das Obere Schwarzatal von dem Unteren 
Schwarzatal hinsichtlich des Charakters geschieden. Zeigt 
der obere Teil mehr einen lieblicheren Anstrich, so 
offenbart der untere Teil von Schwarzburg bis Blanken¬ 
burg eine fast heroische Größe. Die Schwarza ist 
darum auch bemerkenswert, weil sie — in dem politisch 
zerstückelten Thüringen wirklich eine Seltenheit! — nur 
durch ein einziges Land, Schwarzburg, ihren Weg 
zwischen Quelle und Mündung nimmt. Sie stand dem 
uralten Fürstenhause und dessen Stammsitz Pate, sie 
gab einer Reihe von Ortschaften längs ihres Laufes den 
Namen. Goldführend ist sie mit sieben Seitenbächen 
durch Jahrhunderte gewesen. Noch heute tragen die 
Fürsten von Schwarzburg nur Trauringe, die aus dem im 
eigenen Lande gewonnenen Edelmetall gefertigt sind. 
Ein prächtiges Bergland, durch das die Schwarza dahin¬ 
strömt, ein schöner, dunkeläugiger Menschenschlag, der 
die Siedelungen des Tales und die droben auf den Höhen 
bewohnt! Porzellan- sowie Holz Warenfabriken nebst 
Schieferbrüchen ernähren die Bevölkerung. Dazu gesellt 
sich die Anfertigung von Medikamenten, die schon vor dem 
Dreißigjährigen Kriege durch die „Königseer“, oder auch 
„Balsamträger“ genannt, weit hinaus bis nach Holland und 
Oesterreich vertrieben wurden. Das Schwarzatal und die 
Fülle der verschwiegenen Nebentäler, sie bilden noch 
immer dem echten Naturfreunde eine ungetrübte Quelle 
tiefsten Genusses. 

Bereits das erste Walddorf unterhalb der Quelle, 
Scheibe, stellt eine Sommerfrische von gewinnendem Reize 
dar. Duftige Wiesen füllen den Grund. Dicht dahinter 



Die Schwarzburg' (Photogr.; Hugo Lösche, Rudolstadt/ 



284 


m DEUTSCHLAND Nr. 6 


steigen die prächtig bewaldeten Berge steil empor. Hier 
über Alsbach nach Limbach, wo der Rennstieg so scharf 
sich abdacht, daß beim Regen die Wasser vom Dache des 
Wirtshauses hier zum Rhein, dort zur Elbe rinnen. Herr¬ 
lich zeigt sich gegenüber der geheimnisvolle Wurzelberg 
in seiner Waldwirrnis. Hier oben findet man noch die 
letzten größten Tannen Deutschlands. Wohin wir auch 
von Scheibe die Schritte lenken, immer wieder tritt uns 


Jenseits von Sitzendorf, wo von rechts die Sorbitz 
aus einem ganz entzückenden Tale zur Schwarza strömt, 
da engt sich ein wenig der Grund. Uralte, seltsam 
geformte Buchen stehen am Wege. Dann zeigt sich 
plötzlich inmitten des grünen Rahmens von Wiese und 
Wald, Wasserumflossen, wie ein heller Märchensitz der 
malerische Bau des „Weißen Hirschen“, mit eins der vor¬ 
nehmsten Gasthäuser des gesamten Gebirges, und hin- 



Solbad Salzung'en: Kurhaus mit See 


eine Schönheit und ein Frieden entgegen, der es schwer 
macht, die Stätte wieder mit dem Gewühl der Großstadt 
vertauschen zu müssen. 

Auch die nachfolgenden Orte im Oberen Schwarza¬ 
tale, Langenbach, vor allem Oelze mit dem trefflich 
geführten Hause „Zum Kieslerstein“, Katzhütte, Schwarz¬ 
mühl, Blumenau bieten dem ozonbedürftigen, wander¬ 
frohen Städter guten Ruhesitz, Augenweide und Herzens¬ 
freude. Ebenso sei hier gleich 
eingeschaltet das droben über 
dem rechten Ufer gelegene Ober- 
Weißbach, in dessen Pfarrhaus 
einst der ideale Kinderfreund 
Friedrich Fröbel das Licht der 
Welt erblickte, und wo auf dem 
nachbarlichen Kirchberge sich 
als ein Lugaus der Fröbelturm 
erhebt, von dessen Zinnen das 
Auge die Saalehöhen, Thüringer- 
und Frankenwald überschaut, wie 
eine Reihe der Granitkuppen des 
„heiligen“ Fichtelgebirges. Mit 
Spürsinn und einer Karte kann 
man lange Wochen im Tale 
der Schwarza hausen, um jeden 
neuen Tag ein neues Wanderziel 
sich zu suchen. Amtlich abge¬ 
stempelte Kurorte findet man hier 
noch nicht. Wald, Wasser, Luft 
und eine sieghafte Schönheit 
unverfälschter Natur sind die 
Apostel einer Heilslehre, die Leib 
und Seele gleicherweise segnet. 


sichtlich seiner Lage wohl einzig. Der Ausblick von den 
Terrassen dieses Hauses genießt fast Weltruhm, gleich 
dem Niederblicke vom nahen Trippsteine. Hier saß einst 
in schönen Maientagen Während ihres vierwöchigen Auf¬ 
enthalts Hollands jugendliche Königin und schied mit der 
Versicherung, kaum angenehmere Tage je in der Fremde 
verlebt zu haben, denn in diesem vornehm-trauten Hause. 
Der „Weiße Hirschen“ ist seit bald 100 Jahren der 

























Nr. 6 DEUTSCHLAND 285 


Nachbar des hell schimmernden Stammsitzes der Fürsten 
des Landes. Nur durch die Bastei geschieden, blicken 
sich beide Bauten in die Fenster. Das Schloß bietet mit 
dem Kaisersaal, der Kapelle wie seinen Sammlungen 
manch Sehenswertes. Doch das Schönste bleibt doch 
immer wieder das, was eine gütige Natur um diese fürst¬ 
liche Residenz, um das anmutige Dorf an prangender 
Schönheit legte. Auch der dem Hirschen gegenüber¬ 
liegende „Thüringer Hof“ entrollt von seinen Garten¬ 
anlagen malerische Einblicke in den Wasserdurchrauschten 
Grund. Ob man vom Trippstein, der Schabsheide, dem 
Helenensitz das Bild dieser intimen Sommerfrische genießt, 
immer mischen sich Bewunderung mit Freude ob solcher 
Offenbarungen einer alle Kunst übertrumpfenden Natur 
zusammen. Schwarzburg ist zu allen Zeiten ein begnadeter 
Ort. Wer erst für Wochen hier sich festlegte, nicht in 
wilder Hatz die Sterne der gedruckten Führer abhaspelte, 
um dann schleunigst weiter zu rasen, der wird die Fülle, 
den Reichtum dessen in tiefen Stimmungen erfassen, was 
diese abgeschlossene Bergwelt bietet. Ihr und dem gast¬ 
lichen Fürstensitze sang ich einmal zu: 

Leuchtend aus dem grünen Grunde 
Steigst herauf in stolzer Pracht, 

Märchenschön zu jeder Stunde, 

Sonnumhlitzt, in Sternennacht. 

Heimlich hör’ des Flusses Rauschen, 

Der um deinen Fels sich schlingt, 

Und ich möcht’ der Lieder lauschen. 

Was von Berg und Tal dir klingt. 

Ja, ein tiefes Sehnen füllet 
Mir das Herz, gedenk’ ich dein. 

Traute Stätte, wal’dumhüllet, 

Schwarzburg, heller Edelstein! 

Und nun leb’ wohl, Perle des Schwarzatales! Drei 
Wege öffnen sich jenseits Schwarzburgs dem Wanderer. 
Er kann drunten im Tale dahinschreiten, die Straße hin 
oder jenseits der über Geröll und Geschiebe stürmenden 


Schwarza auf einem staubfreien Fußpfade unter Ufer¬ 
bäumen hin. Dann singt ihm für ein paar Stunden das 
Wasser heiß wirbelnde und wieder versonnene Wander¬ 
lieder in die Seele. Er schaut mit Andacht zu den steilen 
Schieferhalden, Felskanzeln und zu den in den blauen Himmel 
ragenden Schroffen und Graten und vernimmt im feinen 
Rauschen der stolzen Wälder das Hohelied der Ewigkeit. 
Wild wechselt’s zuweilen vor ihm hin; aus engen Seiten- 
tälchen kommen silberne Wildwasser angesprungen. Der 
Schlag einer Holzaxt hallt von irgendwo unter den Bäumen 
her, aus einem Steinbruche vernimmt er das Schürfen 
und Kollern von niederrollendem Gestein. Libellen gaukeln 
über das Wasser, und der Sang der Waldmusikanten 
begleitet ihn treulich bis zum Ausgange des Tales bei 
Blankenburg. Man kann aber auch rechts und links die 
Uferwand erklimmen, um nun die Höhe innezuhalten, 
wundersame Einblicke in den scharf gewundenen Fels¬ 
paß zu gewinnen, durch den sich in Jahrmillionen das 
Wasser seine Bahn ertrotzte. Das ist dann ein selig 
Dahinschreiten, über sich den Himmel, die ziehenden 
Wolken, drunten Fluß, Tal, Straße, alles von zerklüfteten 
Felsmassen für ein paar Stunden kraftvoll gerahmt und 
farbenreich abgetönt. 

Endlich blitzt ein breites, leuchtendes Wehr im Flusse 
auf. Wir steigen bei den großen Gasthäusern des Chry¬ 
sopras hernieder, von rechts grüßt an schön belaubter 
Bergwand die mächtige Anlage des Sanatoriums Schwarz¬ 
eck mit den so malerischen Neubauten. Dann halten 
wir in der von Gärten und Landhäusern höchst anmutig 
iimkränzten ThüringerSommerfrische Blankenburg unseren 
Einzug. Blankenburg hat einen guten Namen. Es ver¬ 
eint sich so viel, was einen längeren Aufenthalt immer 
wieder verschönt. Eine wirkliche Gartenstadt von holdem 
Frieden umweht. Rinne und Schwarza einen sich hier, 
zwei Täler durcheilend, von denen ein jedes seine be¬ 
sonderen Reize birgt. Hoch über der rudolstädtischen 
Sommerfrische, in der einst Friedrich Fröbel seinen 

ersten Kindergarten anlegte, 
da erhebt sich hinter einem 
Gürtel schwer rauschender 
Buchen auf einem 400 Meter 
hohen Bergkegel die trefflich 
erhaltene Ruine des Greifen¬ 
steins, der einst wohl aber 
auch die Blankenburg geheißen 
haben mag. Hier droben Ward 
demdeutschenVolke ein Kaiser 
einst geboren. Im Jahre 1304 
erblickte Günther XXI. hier 
droben das Licht der Welt. 
Den tapferen und hochgemuten 
Grafen von Schwarzburg er¬ 
wählten die deutschen Fürsten 
dann 1349 zum Kaiser. Er 
Ward im Dome zu Frankfurt 
feierlichgekrönt,starb aberbe- 
reits im Juni desselben Jahres, 
mutmaßlich an Gift, das Rom 
ihm hatte beibringen lassen. 
Er ruht im Dome der glänzen¬ 
den Mainstadt; ein Abguß 
seines Grabsteins befindet 



Schmalkalden 










286 DEUTSCHLAND iiB €^> € ^)eee e e€^)0eeeeeoee8» e » g) Nr. 6 


sich in der Kapelle zu Schwarzburg. Noch heute aber 
Weht bei Anwesenheit der Fürsten in Schwarzburg 
hoch vom Dache die gelbe Hausflagge mit dem stolzen 
Kaiseraar. Ueberaus lieblich zeigt sich von der Mauer¬ 
brüstung der Ruine des Qreifenstein das schön ge¬ 
schwungene Talbild. Man blickt nieder auf Markt, Gassen 
und den Kranz schmucker Landhäuser des so heiteren 
Blankenburg, und dann Wandert der Blick weiter über die 
Schwarza, bis wo sich diese angesichts gelb leuchtender 
Kalksteinschroffen mit der Saale vereinigt. 

Im Südosten des Thüringer Waldes. 

Bis noch vor ein paar Jahrzehnten galt für die meisten 
Thüringfahrer die Schmücke gleichsam als der Schlag¬ 
baum nach Südosten hin, über den man nicht weiter 
hinausstrebte, sondern nun zur Ilm niederstieg, hier den 
Kreislauf über Paulinzella, Schwarzburg zur Saale zu 
beschließen. Seitdem ist die Kenntnis gestiegen von den 
zahlreichen Schönheiten, die auch der Südosten des 
Gebirges aufzuweisen hat, wie ja auch mit einer Wieder¬ 
belebung des Interesses am Rennstieg*) nun jährlich 
Hunderte den grünen Grenzweg zwischen Hörsei und 
Saale pilgern. 

Bis hinüber zur Saale haben sich seit einigen Jahr¬ 
zehnten im Gebirge droben auf den Höhen wie in den 
Seitentälern zahlreiche Sommerfrischen aufgetan, die ja 
auch alles aufzuweisen haben, was abgehetzte Großstadt¬ 
kinder brauchen: Ruhe und Beschaulichkeit, Berg- und 
Waldluft. Eingeordnet in das stille Getriebe dieser 
Waldnester, überkommt bald dem Fremdling ein wohliges 

•*) Der Rennstieg, illnstr. 2. Aufl. T. C. C. Bruns Verlag, Minden. 


Gefühl. Jeder Tag bringt neue Offenbarungen, das 
Kleinste in Wald und Flur gewinnt an Interesse. So 
vollzieht sich unbemerkt die Gesundheit von Leib und 
Seele, der Südosten des Thüringer Waldes gibt sich ein¬ 
facher, Kurorte im eigentlichen Sinne kennt er nur wenige. 
Weder Wettrennen noch Künstlerkonzerte, Reunions noch 
sonstige großstädtisch auffrisierte Feste Warten seiner. 
Die Natur muß alles ersetzen. Das bedingt darum auch 
schlichtere Preise und einfachere Daseinsformen. 

Hat man, von der Schmücke kommend, den Rennstieg 
bis über die herrliche Mordfleckwiese verfolgt, so steigt 
dicht vor uns der ernste Finsterberg empor, dessen Gipfel 
ein weites, schönes Landschaftsbild gewährt. Jenseits 
breitet sich auf rauher Bergmatte das preußische Dorf 
Schmiedefeld aus, das infolge des Reichtums angrenzender 
Naturschönheiten und der frischen Berglage sich immer 
kräftiger als Luftkurort entwickelt. Ueber das reizvolle, 
tief eingeschachtelte Dörfchen Vesser gelangt man zu 
dem romantischen Berggasthause „Stutenhaus“, einer 
Perle unter den Gasthäusern des Gebirges. Bis nach 
Coburg schweift von hier droben das Auge über ein 
Meer von Wäldern, über tief eingeschnittene Täler. 
Gegenüber glänzen in der Sonne die Dächer des hoch¬ 
gelegenen Dorfes Frauenwald, ebenfalls eine gern auf¬ 
gesuchte Sommerfrische. Von Frauenwald steigt man 
dann in den tief poetischen Grund der Schleuse, deren 
blitzende Wellen an manchem freundlichen Waldneste 
vorüberziehen, das sich zwischen Frühling und Herbst 
gern der Aufgabe fremder Gäste widmet. Ich erwähne 
nur das betriebsame Unter-Neubrunn im Schleusetale. 
Wendet man sich durch den entzückenden Tannengrund 



Die Apostelfelsen mit Blick auf Oberschönau (Verlag Carl Mittag, Friedrichroda) 
















Nr. 6 


DEUTSCHLAND 287 



wieder empor zum Rennstiege, so erreicht man bei dem 
Weiler Kahlert den Grenzrain wieder. Links, nur wenige 
Minuten rückwärts, bauen sich die schiefergedeckten 
Hütten und Häuser von Neustadt am Rennstieg auf, auch 
heute eine beliebte Sommerfrische, rechts gelangt man 
auf der Schwalbenhauptswiese an dem mir freundlichst 
gewidmeten „Triniusfelsen“ vorüber nach dem fast alpin 
anmutenden Dorfe Masserberg. Ehemals ein armes Ge- 
birgsdorf, dessen Bewohner mit der Hand Streichhölzer 
anfertigten, hat der Ort sich jetzt aufgerafft, Neubauten 
geschaffen und darf nun jeden Sommer immer reichere 
Scharen Fremder empfangen, die mit staunender Bewunde¬ 
rung die reichen Schönheiten der Umgebung durch¬ 
streifen. Folgt man von hier weiter dem Rennstieg, der für 
die nächsten Stunden die erhabensten und verschwiegensten 
Reize seines ganzen Weges aufrollt, so gelangt man über 
Limbach endlich nach 
Neuhaus und Igelshieb, 
den überhaupt höchsten 
Ortschaften des Waldes, 
in denen bisher selbst 
der Sperling noch nicht 
zu finden war. Glas¬ 
bläser und Porzellan¬ 
arbeiter (Gläser und 
Porzelliner) hausen hier 
droben. Wenn sommer¬ 
lang die Matten über¬ 
reich blühen, die Wälder 
flimmern im Sonnen- 
glanze, dann kommen 
jetzt die armen Städter 
aus der Tiefe, in vollen 
Zügen hier die reine 
Luft einzuatmen, sich 
Fernsichten und der 
Weihe der weiten, toten¬ 
stillen Wälder zu freuen. 

Im Winter aber türmen 
sich hohe Mauern von 
Schnee bis in den Lenz 
hinein. Dann schallt der 
Heilruf der Schiläufer 
durch die glitzernde Pracht, und Männlein und Weiblein 
tummeln sich auf den Rodelbahnen. 

Wirft man sich von Neuhaus-Igelshieb südlich in den 
summenden Hochwald, so taucht man bald hinab in das 
Tal, an dessen oberem Ende sich die Wiege Thüringer 
Glasbläserei, Lauscha, birgt. Ein ganz prächtiger Ort, 
für ein paar Wochen vor Anker zu gehen! Allüberall 
blicken die Waldberge in die Fenster, aus den dunklen 
Augen der auffallend schönen Mädchen, den frischen 
Mannesgesichtern lacht uns Lebensübermut, Schalksinn 
und Liederlust entgegen. Und sucht man die wackeren 
Leute bei der Arbeit an den Stichflammen auf, so faßt 
uns Achtung und Bewunderung vor dem Können, das in 
„der Lausche“ seit mehr denn 300 Jahren daheim ist. 

Wendet man sich an dem Straßenübergange bei der 
„Kalten Küche“ vom Rennstiege nördlich nieder, so 
gelangt man in das Tal der Zopte und erreicht bald das 
malerisch von dem Wespenstein überragte meiningische 
Städtlein Gräfenthal, gleich der Stadt Lehesten eine 


Wahre Hochschule der Schieferindustrie. Auf dem Schloß 
saßen einst die mächtigen Grafen von Pappenheim, und 
wer ihnen ins Angesicht schauen will, der Wende sich zur 
hochgelegenen Kirche, wo uns in der Apsis des Chors 
die markigen Gestalten, bunt übermalt, in zum Teil treff¬ 
lichen Grabdenkmalen grüßen. Gräfenthal darf mit Recht 
sich auch unter die Sommerfrischen mischen. Das Tal 
und was sich seitwärts birgt, bietet eine Fülle des 
Schönen und Sehenswerten. Ich erinnere hier nur an 
die fränkisch-thüringische Grenzwarte, die wieder aus der 
Vergessenheit emporgehobene Burg Lauenstein im Tale 
der Loquitz. 

In die Loquitz mündet auch die Zopte, und aus dem 
Tale der stark strömenden Loquitz wenden wir uns dann 
in das liebliche Tal der Sormitz, um hinauf zu einer 
der reizvollsten kleineren Sommerfrischen des Thüringer 


Waldes zu pilgern: dem Schwarzburger Städtlein Leuten- 
berg, das sich seit ein paar Jahren auch des Anschlusses 
an das große deutsche Schienennetz erfreut. Hier ist 
gut weilen. Von dichten Laubwaldungen bedeckte Berge 
kränzen den sauberen Ort, dem der Friede und die 
Behaglichkeit gleichsam aus den Augen gucken. All¬ 
überall öffnen sich verschiedene Seitentälchen, aus denen 
blinkende Bäche zwischen Blumen und Matten hervor¬ 
rieseln. Gute Wege leiten zu gefeierten Aussichts¬ 
punkten. Hoch über Markt und Gassen aber thront eines 
der ältesten und malerischsten Bergschlösser Thüringens: 
die Friedensburg, die ebenfalls in einem Teil ihrer Räume 
zur Aufnahme Fremder eingerichtet wurde. Ein stiller 
Abend hier droben, wenn die Sonne sacht hinter den 
schlafenden Bergwäldern sinkt, das bleibt ein Erinnern 
für das Herz, das noch lange nachklingt. 

Noch einer still beschaulichen Stätte im Südosten 
des Gebirges sei in Freundlichkeit hier gedacht: dem 
reußischen Städtlein Bad Lobenstein. Es baut sich 


Die Feste Coburg Fränkische Krone") 






288 DEUTSCHLAND Nr. 6 



überaus anmutig im forellenreichen Tale der Lemnitz 
auf, die nicht allzuweit davon sich mit der Saale ver¬ 
bindet. Lobenstein ist nicht nur eine gern aufgesuchte 
Sommerfrische, es stellt auch einen namhaften Kurort dar, 
der in seiner Stein¬ 
quelle eine bekannte 
Heilquelle aufzu¬ 
weisen hat. Die 
Kur- und Badean¬ 
lagen liegen neben 
dem zum Amts- 
hause umgewandel¬ 
ten alten Schloß 
in einem wunder¬ 
schönen Park, über 
dem noch heute der 
Hauch einer Zeit 
Weht, welche noch 
nichts von Dampf 
sowie Elektrizität 
wußte. Es ist Stim¬ 
mung über diese 
Gartenanlagen aus¬ 
gegossen. Auf einem 
spitzen Bergkegel 
ragt der trauernde 
Rest eines alten Herrschersitzes auf, dem Gesamtbilde 
erhöhten Reiz zu leihen. Auch Lobenstein ist ein rechtes 
Asyl für echte Naturfreunde, die gern für ein paar 
Wochen dem bunten Geräusch der Welt entfliehen wollen. 


Im Werratale. 

Ehe wir nach Osten hin das Gebirge verlassen, sei 
noch eine kurze Streife durch das burgenreiche Werra¬ 
tal eingefügt, das 
den Westrand des 
Thüringer Waldes 
begrenzt, an der 
anderen Seite von 
den scharf profilier¬ 
ten Basaltkuppen 
der Vorder - Rhön 
begleitet. Lachende 
Dörfer und maleri¬ 
sche Städtlein füllen 
dasTal. Dazwischen 
grüßen uns als Eigen¬ 
tümlichkeit dieses 
Landstrichs: Burgen, 
Herrschersitze und 
umwehrte Gottes¬ 
häuser. Sagen und 
Mären umflüstern 
das Tal; die Ge¬ 
schichte redet zu 
uns, und leuchtende 
Gestalten aus großen Dichtertagen wandeln im Geiste 
neben uns. Wer hier an den Ufern dahinwandelt, den 
umtönen Lieder, wie sie Rudolf Baumbach dem Volke 
sang, den umwittert Poesie, und der Sang der Wellen 


Burg- Lauenstein, Fränkisch-thüringische Grenzwarle 
(Verlag- Carl Mittag, Friedrichroda) 



Rudolstadt mit Heideckshurg- 

















Nr. 6 DEUTSCHLAND 289 


mischt sich mit dem Rauschen der tiefen, stillen Wälder, 
unter denen die der bekannten Zillbach voranstehen, zu 
der früher unser Kaiser gleich seinem unvergeßlichen 
Vater mit jedem Frühjahr kam, der Jagd auf Auerhähne 
sich hinzugeben. 

Der einzige Kur- und Badeort, den dieser Teil des 
Werratales aufzuweisen hat, ist das meiningische Städt- 
lein Salzungen, dessen mächtige Salzlager schon unter 
Kaiser Karl dem Großen urkundlich genannt werden, 
um die einst in vorgeschichtlichen Zeiten Hermunduren 
und Chatten sich die Köpfe blutig schlugen. Die starken 
Salzquellen, die Inhalationseinrichtungen bringen jährlich 
Tausenden Linderung und Heilung, so daß die hübsche 
Stadt, die noch reich an altertümlichen Häusern ist, immer 


Ein lohnender Ausflug von Salzungen aus ist vor 
allem ein Besuch der Ruine Krayenburg, dann zum Haut¬ 
see, der eine kleine schwimmende Insel in seiner Mitte 
führt, und dann von da zu dem entzückenden Idyll einer 
ganz intimen Sommerfrische, nach Frauensee. Dies kleine 
Frauensee ist ein Gedicht. Was tufs, daß man hier 
deutlich die Zeit summen hört?! Wer hierher kommt, 
den packt der Zauber dieser waldeingeschlossenen Stätte 
und er verzichtet gern auf laute Vergnügungen und be¬ 
frackte Kellnerscharen. Das Frauenkloster ist längst 
verschwunden. Wie in einem Theater des Altertums 
bauen sich, im Kreise ansteigend, die bunten Häuser um 
den Waldumfriedeten See. Die Kirche, die Oberförsterei 
sowie ein Rittergut nebst Amtshaus bilden die Haupt- 



Saalfeld: Der 1000jährige Hohe Schwarm mit Schlößchen Kitzerstein 


schmucker sich entfaltet hat. Um den fast kreisrunden 
See sind schöne Kuranlagen hergestellt worden; schmucke 
Landhäuser im Henneberger Stil wachsen aus der Erde, 
über üppig umblühten Stadtmauern schaut das alte Schloß 
hervor, Stadt, See und die Berge in der Ferne grüßend. 
Am Gradierwerk spielt sich der „ernste“ Teil des Bade¬ 
lebens täglich ab, wobei die Kurgäste gespenstisch ver¬ 
mummt in grauweiße Gewänder und Hüte die salzige 
Luft unter den heiteren Klängen der Kurkapelle einatmen. 
Berühmt ist seit langem der Salzunger Kirchenchor wie 
immer noch die Sulzberger Fußtinktur, die dem Erfinder 
so reichen Gewinn einstens abwarf, daß der edle Mann 
wie seine Gattin konnten der Stadt große, segensreiche 
Stiftungen hinterlassen. 


bauten des weimarischen Dorfes, das kaum 500 Seelen 
zählt. Trefflich Wohnt es sich in dem Kurhause Buchonia, 
dessen Name an die Riesenbuchenwälder erinnert, die 
einstens Rhön und Thüringer Wald weithin verbanden. 
Von Salzungen Wandert man auch hinüber nach dem 
Dorfe Möhra, dem Stammorte des Reformators Luther, 
dessen Erzstandbild sich vor der Kirche erhebt. Auch 
nach dem Frankenstein lenkt man gern die Schritte, 
wenn drüben die Sonne hinter der Rhön niedertaucht 
und der Spiegel der Werra, die Teiche des breiten Tal¬ 
grundes wie flüssiges Gold noch einmal aufschimmern. 

Wasungen mit seiner hochgelegenen Maienluft bietet 
auch lieben und gemütlichen Sommeraufenthalt. Dann 
taucht die herrliche Burg Landsberg auf, reich mit edlen 


2Q0 DEUTSCHLAND m 


Nr. 6 


Kunstschätzen angefüllt, bis wir dann in Meiningen unseren 
Einzug halten. Heute hat Meiningen Weltklang. Diese 
feine, fast zurückhaltend sich gebende Residenz, der 
Ruhehafen hoher Pensionäre, verdankt dem ehrwürdigen 
Herzoge Georg II. unsagbar viel. Als er seine „Meininger“ 
in den 70er Jahren hinaussandte, da ward die Künstler¬ 


fahrt ein Triumphzug ohnegleichen. Die deutsche Schau¬ 
spielkunst rieb sich erwachend die Augen. Nun prangt 
an der Stelle des abgebrannten Hoftheaters ein schmucker 
Neubau seit den Dezembertagen 1909. An Stelle des 
Theaters, das seine Pflicht erfüllt hatte, trat wieder die 
Musik in den Vordergrund. Bülow, Steinbach, Berger 
und nun Max Reger bezeichnen genugsam den idealen 
Weg, den man hier einschlug. 

Wie anheimelnd wirkt sofort vom Bahnhofe her der 
Eingang zur Werrastadt, wenn wir den Weg durch den 
schattigen Englischen Garten nehmen. Manch sinniges 
Denkmal erinnert uns an Männer, denen Meiningen für 
einige Zeit Heimat war. So der ernste Tondichter Brahms, 
ferner Jean Paul und der Märchensammler Ludwig Bech- 
stein. Verträumte Teiche lugen unter tief hängendem 
Gezweig hervor. In dem einen spiegelt sich das schmucke 
Hoftheater ab, das in Front die schlichte und doch so 
stolze Inschrift zeigt: „Georg II. dem Volke zur Freude 
und Erhebung“. Gegenüber erinnert eine Haustafel an 
Friedrich von Bodenstedt, andere Tafeln erzählen von 
Rudolf Baumbach, Julius Sturm, von Schillers ältester 
Schwester, die hier an den Hofrat Reinwald verheiratet 
war. Mit zwei romanischen Türmen hebt sich die stil¬ 
voll wieder hergestellte Stadtkirche über den Dächern 
empor. Ein interessanter Bau ist die Elisabethenburg, 
die Residenz des Herzogs und seiner kunstfrohen Ge¬ 
mahlin. Reiche Kunstschätze birgt der umfangreiche 
Schloßbau, den die Werra leise umfließt und an den der 
aussichtsreiche Herrenberg sich dicht anschließt. Unweit 
der Brücke, die zu der Berglehne leitet, finden wir eine 
packende Erzbüste von Otto Ludwig, dem großen Dra¬ 
matiker, dem das Leben so ernst verlief. Man muß die 


Uferhöhen emporklimmen, um zu erkennen, wie reizvoll 
Meiningen sich im grünen Tale hinschmiegt, um der 
äußeren Form früher gern die „Harfenstadt“ geheißen. 

Heiter in seiner Lage, der Gemütlichkeit auf Markt 
und Gassen, mutet auch das in Gärten eingebettete 
Hildburghausen an. In dem Schlosse, das einst die Herzoge 

des Hildburger Hauses 
bewohnten, hausen jetzt 
freilich Soldaten, doch 
der verlassene Park er¬ 
zählt uns noch von jenen 
Tagen, da diese kleinen 
Fürsten sich wollüstig 
und üppig wie der fran¬ 
zösische Sonnenkönig 
Ludwig XIV. blähten und 
für verkaufte Landes¬ 
kinder Feuerwerke ab¬ 
brannten und tolle Feste 
begingen. Auch die 
Königin Luise ist manch¬ 
mal hier gewesen. Das 
alte Rathaus bildet im 
Rahmen der gemütlichen 
Stadt einen anziehenden 
Mittelpunkt. Hildburg¬ 
hausen weiß von Karl 
Maria von Weber und 
Jean Paul zu erzählen, 
ebenso von der ge¬ 
heimnisvollen Dunkel-Gräfin, welche unter den Laub- 
bäiimen am Schulerberge ihre letzte Ruhestätte fand. 
Freundliche Umgebungen machen einen Aufenthalt in 
Hildburghausen angenehm. 

Bei Eisfeld wendet sich nun die Werra im scharfen 
Knick dem Gebirge zu, unter dessen westlicher Ab¬ 
dachung sie in zwei Quellen entspringt. Hier steigt auch 
der 865 Meter hohe Bleß empor, an dessen Fuße sich 
nach Südosten hin noch ein kleines Juwel von Sommer¬ 
frische in tiefem, grünem Talgrunde aufbaut: Dorf Rauen¬ 
stein, über dessen Hütten äußerst malerisch Burg und 
Kirche sich aus den Wipfeln des Hochwaldes abheben, 
der Dorf und Tal mit weitem, wallendem Mantel schützend 
umschließt. Wer in Rauenstein sich festlegt, dem öffnet 
sich in den angrenzenden Bergwäldern ein schier un¬ 
erschöpflicher Reichtum von Naturgenüssen, noch nicht 
berührt von dem Lärm der Welt und dem Uebereifer 
rühriger „Verschönerungsvereine“. 

Im Saaletale. 

Gleich dem Tale der Schwarza zeigt auch das 
herrliche Saaletal zwei völlig getrennte Teile. Wo das 
eigentliche Tal anhebt, offenbart es in seinem oberen 
Teile tiefgrünen Waldcharakter. Eng treten die Ufer¬ 
wände zumeist zusammen, Stille schwebt darüber hin, und 
aus dem Grün heben sich helle Burgen und verschlafene 
Städtlein. Wer hier wandert, der meint, die Welt läge 
viele Tagereisen jenseits der Berge. So geht es bis 
Eichicht—Saalfeld hin, bis dann plötzlich ein wunder¬ 
samer Wechsel eintritt. Der Wald mit seinem Grün 
wandelt sich in scharf hingebeizte, gelbleuchtende Kalk¬ 
wände, auf denen die Sonne prall zittert. Lachende 



Jena von Osten (Nach einem Gemälde von Chr. Natter) 











Nr. 6 


^ DEUTSCHLAND m 


291 


Ortschaften, Burgen in Fülle, Weinberge und heitere 
Städte voll Klang und Studentensang wechseln durch¬ 
einander. Dazwischen sausen völkerverbindende Bahn¬ 
züge Tag und Nacht. So zieht sich der untere malerische 
Teil bis unterhalb der alten Bischofsstadt Naumburg hin, 
um dann mehr und mehr den eigentlichen Talcharakter 
einzubüßen. 

Bereits im oberen Saaletale reihen sich eine Fülle 
lieblicher und beschaulicher Sommerfrischen aneinander. 
So unterhalb des kleinen reußischen Jagdschlößchens 
Weidmannsheil der Neuhammer bei Saaldorf, dann das 
märchenstille Bergstädtlein Saalburg, der entzückende 
Aufenthalt in Burgk, dessen weißer Schloßbau sich so 
energisch von der schwarzen Tannenwald abhebt. Und 
dann vor allem das kleine preußische Städtlein Ziegen¬ 
rück, zu dessen Füßen sich eine wahre Schatzkammer 
von Naturschönheiten in lachender Fülle breitet. In tief 
eingerissenen Felsgassen windet sich hier der Fluß durch, 
von Felsgebilden umstarrt, von ernsten Wäldern über¬ 
rauscht. Hier kann man klettern und wandern, schwärmen 
und wieder still genießen, immer umflutet von dem Hauche 
einer Natur, die uns jeden neuen Tag zu neuer Liebe 
und Bewunderung hinreißt. Auch die neu geschaffene 
Sommerfrische zwischen Ziegenrück und Burgk, Wals¬ 
burg, sei bestens empfohlen. 

Von Ziegenrück flußab ist es dann ein heimlich 
stilles Wandern. Oft legen sich Strecken dazwischen, 
wo nur des Flusses Rauschen das weite, tiefe Schweigen 
unterbricht. Dann kommt endlich von links her bei 
Eichicht die Loquitz 
herbeigeströmt, und 
noch ein letztes Wan¬ 
dern im Schutze auf¬ 
ragender Uferwälder 
hin, dann taucht turm¬ 
reich die „Steinerne 
Chronik“ Thüringens 
herauf: Saalfeld! Es 
ist hier nicht der 
Raum, die glanzvolle 
Geschichte dieser in 
ihrer Architektur so 
berühmt gewordenen 
Stadt auch nur zu 
streifen. Sie setzt 
mit den Tagen erster 
deutscher Kaiser ein 
und führt uns bis 
zu dem unglück¬ 
seligen Gefecht von 
Wöhlsdorf. Heute ist 
Saalfeld eine kraft¬ 
voll blühende Stadt, 
durchpulst von regem 
Bürgergeiste und ge¬ 
hoben durch Handel 
und Wandel. Ihre Lage lockt immer wieder Fremde zum 
längeren Verweilen an, und Tausende kehren hier jährlich 
ein, die steinernen Denkmale der Stadt zu genießen. 
Schon von der breiten Saalebrücke eröffnet sich vor dem 
Betreten der Altstadt ein berückend schönes Bild auf 
Saalfeld. Links und rechts dehnen sich die malerischen 


Ufer; die Ruine des Hohen Schwarm, das zierliche 
Schlößchen Kitzerstein werden sichtbar. Dann durch 
das Tor an herrlichen Bürgerhäusern aus der kraft- und 
saftvollen Renaissancezeit, an der romanischen Hofapotheke 
vorüber zum prächtigen Rathause, zur erinnerungsreichen 
Johanniskirche, zu Hunderten von versteckten Bauüber¬ 
resten ferner Tage. Und wie prächtig wandert es sich 
am Ufer hin nach Graba mit dem fingerschlanken Kirch¬ 
turme, dem Residenzschloß des Herzogs von Meiningen 
inmitten eines stillen Parkes! Wie reich ist sonst noch 
die Umgebung dieser Stadt! 

Rudolstadt hat dagegen nicht allzuviel Altes aufzu¬ 
weisen. Sein hoher Reiz liegt in der gesamten Lage 
zwischen Saale, dem mächtigen Fürstenschloß Heidecks¬ 
burg und den grünen Bergwäldern dahinter, in denen die 
echten Rudolstädter ihre „Tränken“ besitzen. Aber über 
Markt und Straßen ruht wie über dem weitgeschwungenen 
Tale eine solch erfrischende Heiterkeit, ein Gesunden 
der Seele von allem Mißmut und aller Sorgenlast, daß 
man es wohl begreift, wenn Rudolstadt immer mehr in 
der Gunst der Welt draußen aufsteigt und die Zahl 
derer anschwillt, die sich hier für Wochen oder auch 
für immer niederlassen. 

Heimlich still mutet dagegen das hochgelegene Orla- 
münde an. Und doch rastet es sich hier auch gut. Der 
verwilderte Park mit den letzten Resten der einst so 
mächtigen Burg, die hellen, schönen Blicke weit in die 
Lande, das gemütliche Dahinleben in dem Altenburger Städt¬ 
lein, dies alles hat etwas Anziehendes. Auch die weithin 


schauende Leuchtenburg bei Kahla lockt so manchen 
heran, und nicht nur für Stunden, sondern sich hier ein¬ 
zulegen und über die Bastionen fort unter alten Bäumen 
drunten der Welt Hasten gemächlich zu betrachten. 

Und nun Alt-Jena! Geliebt und besungen, du „liebes, 
närrisches Nest“, du Inbegriff seliger Jugendtorheiten und 








292 DEUTSCHLAND Nr. 6 


überschäumender Burschenherrlichkeit! Braucht’s noch 
der Worte, deine Schönheit und Anziehungskraft zu 
preisen, deinen Ruhm zu künden, zu sagen, was du un¬ 
gezählten Tausenden für ihr ganzes Leben geworden und 
geblieben bist? Wohl sinkt ein Merkmal nach dem 
andern, auch die alte, schöne Saalebrücke soll dem 
modernen Verkehr weichen, ein neues Jena erdrückt fast 
das Bild, das durch Jahrhunderte festgewachsen schien; 
und doch wird’s noch lange Währen, ehe der Geist, der 
in Jena, seinen Bierdörfern, um seine Ruinen und klassi¬ 
schen Stätten Weht, für immer totgeschlagen sein wird. 
Zwischen Frühling und Winter kommen Scharen Besucher 
zu der lachenden Musenstadt, klassischen Erinnerungen 
nachzugehen, Studentenfeste mit zu begehen, Saaletal¬ 
poesie in vollen Zügen zu genießen. Und so wird’s 
auch ferner bleiben. Ziegenhain braut noch immer sein 


Stätte geweiht durch das Angedenken unseres größten 
Dichters, Goethe! Wenn es für ihn galt „Herzenswunden 
auszuheilen“, so flüchtete er hier hinauf, bis seine Seele 
wieder ihren Frieden gefunden. Noch als ein SOjähriger 
Greis dichtete er hier oben eines seiner ergreifendsten 
Lieder dem Vollmonde entgegen. Dornburg ist eine Stätte, 
zu der man immer wieder gehobenen Sinnes zurückkehrt. 

An dem meiningischen Camburg vorüber erreichen 
Wir dann jenseits von Groß-Heringen die Burgen Saaleck 
und Rudolsburg. Wer kennt die Rudolsburg nicht? Seit 
einst Franz Kugler in einer warmen Sommernacht im 
Burghofe mit Kreide sein Lied „An der Saale hellem 
Strande“ begeistert niederschrieb, ist das Lied Gemein¬ 
gut unseres Volkes geworden. Und wer je hier droben 
einmal bechernd saß, dem bleibt die Stunde und die 
Poesie der grauen Feste unauslöschlich in Erinnerung 



Weißbier, auf dem Fuchsturm dampfen noch immer die 
Rostbrätchen, und in Kunitz unterhalb der romantischen 
Ruine zischen die berühmten Eierkuchen bräunlich-gelb 
in der Pfanne. Ein wonniges Leben und Dahinschlendern 
in und um Jena, ein unbekümmertes Vergessen, was 
uns sonst Wohl bedrückt und niederhält. Darum: Alt- 
Jena lebe hoch! 

Von der Kunitzburg über die Berge gelangt man 
durch einen der herrlichsten Buchenwälder Deutschlands 
zu der lieblichen Sommerfrische Tautenburg. Hier ist 
Wirklich Frische, Natur und Schönheit daheim. Der kleine 
Ort schaut drein, als habe sich hier ein beschauliches 
Glück häuslich eingerichtet. Von Tautenburg erreichen 
wir wieder das Saaletal gegenüber den drei hoch über 
dem Flusse auf scharfer Kante horstenden Schlössern 
von Dornburg. Für immer ist diese rosenumsponnene 


Ein Ausflug zum Unstruttale. 

Gegenüber dem alten Bischofsitze Naumburg, dessen 
prächtig durchbrochene Türme die so anmutig hingelagerte 
Stadt überragen, da ergießt sich sacht unter Weiden und 
Ufergebüsch die Unstrut in die Saale. Wendet man sich 
nahe der Vereinigung beider Flüsse zu einer der nahen 
Anhöhen, so genießt man ein wahrhaft herzbewegendes 
Bild in dem von Dörfern, Burgen, Weinbergen und Gärten, 
Wiesen und Aeckern gefüllten Tale. Auch an steilen, 
grell blendenden Weinbergen geht es hin, bis uns Freyburg 
an der Unstrut plötzlich begrüßt. Eine traute Stätte, 
für ein paar Wochen mal Rast zu machen. Türme und 
Mauern haben sich noch gut erhalten, die schöne 
romanische Stadtkirche erzählt noch von den Tagen, da 
Thüringer Landgrafen droben auf dem grauen Bergschlosse 



















Nr. 6 DEUTSCHLAND 293 




Hof hielten. Freyburg war der Ruhehafen des politisch 
so hart verfolgten Turnvaters Jahn, während die moderne 
Welt es besonders durch den edlen Schaumwein kennen 
gelernt, der in den sehenswerten Sektkellereien von 
Kloß & Förster lagert. Am Haus des Turnvaters, dem 


Bad Kosen mit Brücke und Kirche 

ZU Ehren eine Halle, ein Museum wie seine Büste 
geschaffen wurden, geht’s zur düster blickenden Neuen¬ 
burg hinan, die, von trutzig heraustretenden Strebepfeilern 
umwehrt, eines der ältesten und stolzesten Bergschlösser 
Thüringens darstellt. Ludwig der Springer, der Erbauer 
der Wartburg, ließ sich hier oberhalb der Unstrut die 
zweite Residenz erbauen, und das Drama jener unseligen 
Liebe, die mit 
der Ermordung 
des jungen Pfalz¬ 
grafen Friedrich 
von Sachsen ihr 
Ende fand, mag 
ihmdieBurgnoch 
näher ans Herz 
gerückt haben. 

Hier oben finden 
wir noch den 
Edelacker, auf 
dem einst der 
eiserne Landgraf 
die Adligen vor 
den Pflug span¬ 
nen ließ, damit 
sieerkennensoll- 
ten, wie schwer 
sie bisher das 
arme Volk be¬ 
drückt hatten. 

Der Kaiser Rot¬ 
bart hat auf der 
Neuenburg ge¬ 
weilt, und die 
ebenso kunst¬ 


volle als eigenartige romanische Doppelkapelle erzählt von 
jenen Tagen, da das Leben sich noch im Rundbogenstil 
abspielte. Auch Preußens Schutzengel, die Königin 
Luise, weilte hier. Wunderschön ist der Niederblick, 
der bis zu den Türmen der „Seestadt“ Leipzig reicht. 

Weiter nun die Unstrut 
empor! Fast jeder Ort, jede 
Burg ruft Erinnerungen herauf, 
die von der Geschichte geweiht 
Wurden. Denn gerade der 
Boden dieses Tales hallt wider 
von den Tritten großer Kaiser 
aus dem Sachsenstamme; hier 
spielte sich der Untergang des 
Königreiches Thüringen bei 
der Burg Scheidingen (Burg¬ 
scheidungen) in wehevollen, 
blutgetränkten Bildern ab. 
Gegenüber der Burg Nebra 
breitet sich droben über der 
Uferlehne ein köstlicher Laub¬ 
waldaus. In diesem soll Heinrich 
der Finkler am Vogelherd ge¬ 
sessen haben, da die deutschen 
Sendboten kamen, ihn zum 
Kaiser auszurufen. Bei den 
Dörfern Groß- und Klein- 
Wangen treten die mächtigen 
Sandsteinbrüche heran, deren edles Material bei vielen 
Profanbauten Berlins Verwendung fand. Unter Obst¬ 
bäumen tritt dann das Weltstille Memleben in Sicht. Vom 

Kloster und der Kaiserpfalz sind noch schöne Ruinen zu 
schauen, besonders das Kirchenschiff sowie die unter¬ 
irdische Krypta, in der die großen Sachsenkaiser so oft 
in der Mette die Knie beugten. Ruine Wendelstein, die 


Freyburg- a. d. U. 














2Q4 DEUTSCHLAND Nr. 6 


berühmte Klosterschule Roßleben, Wiehe als Heimat des 
letzten und größten Welthistorikers, Ranke: jeder Schritt 
in diesem Tale läßt uns immer wieder stille stehen. 

Ein gut besuchtes Solbad stellt das preußische 
Städtlein Artern dar. Ringsum breitet sich die gesegnete 
Güldene Aue aus und von allen Seiten blicken grüne 
Berge herein. In Artern schwang der Urgroßvater von 
Goethe den Hammer in der Schmiede in der Harzstraße, 
sein Sohn zog als 
Schneidergeselle 
in die blaue Welt, 
um sich endlich in 
Frankfurt amMain 
dauernd nieder¬ 
zulassen. Unser 
großer Dichter 
hat freilich nie 
gern daran er¬ 
innert sein wollen. 

Interessant ist das 
wasserumflossene 
Schloß inHeldrun- 
gen,einpoetischer 
Ausflug winkt in 
den beiden Sach¬ 
senburgen, wo die 
Unstrut nun nach Westen sich wendet und das Tal an 
Reiz verliert. Aber vor uns winkt, bläulich uinduftet, 
das kleine Kyffhäusergebirge, heute das Ziel ungezählter 
Tausender, seitdem das gewaltige Denkmal sich neben 
dem geborstenen Barbarossaturm erhebt und die einstige 
märchenstille Heiligkeit der Stätte in ein wahres Jahr¬ 
marktsleben sich wandelte. 

Am südlichen Fuße des von Eichen und Buchen über- 
rauschtenGebirgesruht das freundliche Frankenhausen,auch 
reich an mannigfaltigen 
Erinnerungen. Furcht¬ 
bar tobte hier auf dem 
Schlachtenberge neben 
dem Hausmannsturme das 
Gemetzel gegen wehrlose 
Bauern, deren Blut den 
Berg herab in Strömen 
floß, da kein Mann am 
Leben gelassen wurde. 

Später haben berühmte 
Musikfeste einen harmo¬ 
nischeren Einschlag in die 
Geschichte der Stadt ge¬ 
bracht. Das Solbad von 
Frankenhausen genießt 
guten Ruf. Dazu gesellt 
sich ein gemütliches Leben 
und die Fülle der Natur¬ 
schönheiten, die sich rings der Schwarzburger Hauptstadt 
aneinander drängen. Sehenswert ist die Barbarossahöhle. 
Doch dann zieht es uns empor in den rauschenden Hoch¬ 
wald. Eine wundervolle Kunststraße leitet zum Ratsfelde, 
einer Bergmatte, auf der wir neben dem Wirtshause die 
Oberförsterei sowie das fürstliche Jagdschloß finden. Den 
Zauber des wild- und aussichtsreichen Kyffhäusergebirges 
voll auszukosten, das erfordert längere Zeit, als die 


Durchschnittsbesucher sich selbst vergönnen. Denn diese 
Wälder sind über alle Maßen schön und überall hallt es 
leise hinein von Sagen und Mären. Und dann blickt man 
nieder in die Güldene Aue und läßt Jahrhunderte deutscher 
Geschichte an sich vorüberziehen. 

Am Nordrande des Gebirges bauen sich, malerisch um¬ 
buscht, die rötlich leuchtenden Ruinen der Rotenburg auf. 
Hier ist in der Tat noch gut weilen. Ein Stück Kyffhäuser- 

poesie hat sich 
jetzt hierher ge¬ 
flüchtet, und der 
tapfere Wirt, der 
frühere Hüter der 
Kaiserpfalz Kyff- 
hausen, Günther 
Reinick, trägt viel 
mit dazu bei, diese 
Stimmung festzu¬ 
halten. DieRuinen 
bieten viel Inter¬ 
essantes. Deut¬ 
sche Studenten 
habendemReichs- 
schmied Bismarck 
eine weithin in 
das Land ragende 
Feuersäule am Nordrande erbaut. Von hier blickt man 
hinüber zu den blau umdufteten Höhen des Harzes, von 
dem einst so oft die Kaiser herüberkainen, auf Kyffhausen 
und Tilleda ihre Residenz aufzuschlagen. 

Der Brennpunkt aber für alle Besucher bleibt ja doch 
das leuchtende Denkmal, das aus der Meisterhand von 
Bruno Schmitz hervorging und ruhmreiches Zeugnis von 
dem rührenden Opfermute deutscher Kriegsveteranen und 
Kriegervereine ablegt, welche die Kosten dieser Riesen¬ 
schöpfung auf sich nahmen. 
Die alten Ruinen mit der 
Burgkapelle, dem Erfurter 
Tor, dem Barbarossa¬ 
turm sind seitdem tief 
in den Schatten getreten. 
Staunend betritt man das 
herrliche Denkmal, schaut 
dem am Tische sitzenden 
Kaiser Rotbart ins ernste 
Gesicht, begrüßt in Ver¬ 
ehrung den hoch zu Roß da¬ 
herreitenden Kaiser Wei߬ 
bart, um dann von den 
Zinnen des Turmes das 
weit geschwungene Land¬ 
schaftsbild in sich aufzu¬ 
nehmen. Und wer hier 
droben einmal hielt, da die 
Sonne hinter den Bergen des Harzes verblutend sank, 
da das Singen und Lachen froher Menschenkinder von den 
Wegen ringsumher emporklang, der hat in solcher Stunde 
heimlich den Segensspruch über Deutschland gesprochen, 
daß es immer möge blühen in Kraft, Selbstachtung und 
Frieden, ein Bollwerk allen Feinden, ein Hort des Segens 
und der Freude denen, die in dem weiten schönen Garten 
Deutschlands beruhigt ihrem Tagewerk nachgehen! 



Sondershausen von Osten 



Sondershausen: Parkteich mit Schloß 







Kr. 6 DEUTSCHLAND 295 


Erfurt. 


Von Dr. Hans Haupt. 


Dort, wo an der alten Gerafurt die beiden 
Haupthandelsstraßen Deutschlands sich kreuzen, 
jene alte Königsstraße, die quer durch Deutsch¬ 
lands Mitte von Westen her vorrückend den 
Osten erobern half, und der große Handelsweg, 
der seit uralten Zeiten von Franken über den 
Thüringer Wald nach Norden führt, — da mußte 
eine Stadt entstehen! Der Begriff „Stadt"' stand 
von jeher unter dem 
Zeichen des Verkehrs! 

An dieser Stelle liegt 
Erfurt, das alte; älter als 
seine Geschichte, älter 
sogar als die Sage, eine 
Ansiedlung, die aus den 
ältesten Zeiten mensch¬ 
lichen Daseins stammt. 

Inmitten des Hercy- 
nischen Waldes hat die 
Volkssage diese Ansied¬ 
lung einem Dornröschen 
gleich mit verhüllendem, 
aber duftigem, blumigem 
Dornen-Gerank umspon¬ 
nen, aus dem uns an der 
Schwelle der historischen 
Ueberlieferung ein er¬ 
wachendes Jungfräulein 
als blühendes Gemein¬ 
wesen entgegentritt. 

In fruchtbarer Gegend 
entstanden, durch fleißige 
Kolonisten erschlossen, im 
Zeichen des Verkehrs ge¬ 
wachsen, durch kaiser¬ 
liche Privilegien gefördert, 
wurde aus dem Dorf die 
Stadt. Erfurt ist die Metro¬ 
pole Thüringens nicht 
durch eine Reihe von Zu¬ 
fälligkeiten geworden, son¬ 
dern aus geographischen, Erluri : Dom-Dreieck 

wirtschaftlichen und politischen Ursachen. Das Luther- 
wort „Hier muß eine Stadt stehen, wenn sie gleich 
wegbrennete", bezieht sich nicht bloß auf die sprich¬ 
wörtliche Fruchtbarkeit dieser Gegend. 

Bonifazius und seine Jünger als Träger einer neuen 
Kultur, Karl der Große als Schöpfer des mittelalterlichen 
Exporthandels, ein fleißiges, produzierendes Patrizier¬ 
geschlecht haben hier eine der bedeutendsten wirtschaft¬ 
lichen Zentralen in deutschen Landen geschaffen trotz 
Augsburg und Nürnberg. 

Wirtschaftliche Mittelpunkte werden zum Sitz des 
Wohlstandes. Reichtum aber führt zu politischer Macht, 
zu Bildungsbedürfnis und Kultur. Alles das hat sich 
in Erfurt erfüllt. Die Kapitalmacht der Erfurter Gefrunden 
(Stadtadel) hat der Stadt trotz der Oberhoheit von 
Kurmainz die Unabhängigkeit bewahrt, denn reichs¬ 



unmittelbar wollte man hier gar nicht werden. 
Aber mächtiger sollte die Stadt sein als jeder 
Fürst, jede andere Stadt in Thüringen. Dieser 
Wille ward Wirklichkeit! Das zeigt die Rolle, 
die Erfurt in der thüringischen Geschichte 
gespielt hat. 

Das Kulturbedürfnis kam in der Gründung 
der Universität (13Q2) zum Ausdruck, einer der 
ersten unter ihren deut¬ 
schen Schwestern. Ihr 
war die Erfüllung einer 
hohen, wissenschaftlichen 
Mission Vorbehalten: „Der 
Sieg des Humanismus über 
die Scholastik", an dem 
die Erfurter Hochschule 
und mittelbar der Rat der 
Stadt, der für die Freiheit 
der Lehre eingetreten war, 
lebhaften Anteil hat. So 
ist es kein Zufall, wenn das 
alte Collegium majus in der 
Michaelisstraße das Ge¬ 
burtshaus der Reformation 
und Erfurt mit seinem 
Augustiner - Kloster die 
Lutherstadt geworden ist. 

Von der Macht Erfordias 
wissen die thüringischen 
Raubnester zu erzählen, 
die Rudolf von Habsburg 
mit den Erfurtern ge¬ 
brochen hat, ferner die 
Fürsten und Städte, mit 
denen Erfurt Krieg führte; 
von dem Reichtum der 
Erfurter Waidjunker aber 
künden die glänzenden 
Reichstage und die Bau- 
und Kunstdenkmäler alter 
Zeiten. — Aus allen Jahr- 
(ösihcher bingang) hunderten sind in Alt- 

Erfurt die Zeugen dieses Reichtumes und der Kunst¬ 
freudigkeit vorhanden. Noch stehen auf dem Petersberge 
die Ueberreste einer romanischen Basilika, noch grüßt 
über die Graden herab der Dom, der in jahrhunderte¬ 
langem Werdegang die romanische und gotische Stil¬ 
epoche in sich eint. Die reine Gotik ist in Kirchen und 
Profanbauten in reicher Fülle vertreten, die Renaissance¬ 
architektur in zahlreichen Patrizierhäusern (Stockfisch, 
breiter Herd, roter Ochse usw.), die Barockfassaden des 
Regierungsgebäudes (Dalbergsches Palais), der Wage 
(jetzige Stadtbibliothek am Anger) und des Karthäuser¬ 
klosters sind Zeugen des künstlerischen Schaffens vieler 
Jahrhunderte. 

Ihre Machtstellung aber hatte die Stadt nicht be¬ 
haupten können. Der wirtschaftliche Umschwung durch 
die Entdeckung der neuen Weltteile, innere Unruhen, die 











































296 DEUTSCHLAND m 


Nr. 6 


wechselnde politische Konstellation, die eine Isolierung 
der thüringischen Hauptstadt herbeiführte, und die herein¬ 
brechenden Kriegsnöte haben dann langsam aber stetig 
am Niedergange der Stadt gearbeitet. Als 1648 die 
Friedensglocken erklangen, war die berühmte Erfordia 
turrita zu einem Landstädtchen unter kurmainzischer 
Herrschaft geworden. 

Einen neuen Aufschwung bedeutete die Statthalter¬ 
schaft Karl von Dalbergs. In der Zeit dieser beginnenden 
neuen Blüte kam Erfurt 1802 an Preußen. Schon nahte 
von neuem ein Verhängnis durch die napoleonischen 
Kriege. Damals hat die Königin Luise ihre Blicke über 
die gesegneten Gefilde des Dreienbrunnens schweifen 
lassen an jener Stelle, wo jetzt im Luisenpark ihr Ge¬ 
dächtnis durch ihren Namen und ihr Bild verewigt ist. 


ein, der mit dem alten Lebenselement der Stadt, der 
Agrarwirtschaft, begonnen hatte. 

Man nennt ja Erfurt stets in einem Atemzuge mit 
seinem schönen Beinamen „die Blumenstadf". Man 
hat ihr den stolzen Namen streitig machen wollen. 
Glaubte doch mancher, daß die moderne kommerzielle 
und industrielle Entwicklung des Platzes diesen Titel 
nicht mehr zeitgemäß erscheinen lasse. Das ist ein 
Unrecht! Wer Erfurt mit seinen herrlichen Anlagen, 
denen sich jüngst der Stadtpark auf der Daberstädter 
Schanze als neueste „geschmackvolle Visitenkarte'" der 
Stadt zugesellt hat, wirklich kennt, wer die großen 
Gärtnereien mit ihren Treibhäusern und Topfkulturen 
besucht und den Duft der Freilandkulturen (Blumen¬ 
felder) geatmet hat, wer die fruchtbaren Gefilde des 



Dann sah Erfurt den großen Korsen auf der Höhe seiner 
Macht und den Fürstenkongreß, wo der französische 
Schauspieler Talma sich rühmen konnte, vor einem 
Parkett von Königen gespielt zu haben. Als dann 
nach dem Friedensschluß endlich die französische 
Besatzung aus der Zitadelle des Petersberges ab¬ 
gerückt war, da lag an dessen Fuß nicht mehr die 
stolze Metropole Thüringens, sondern ein verarmtes 
Landstädtchen mit einer Schuldenlast von 20 Millionen 
Mark und 15000 Einwohnern. 

Eine Summe von Intelligenz, von Unternehmungs¬ 
geist und Arbeitskraft ist aufgewendet worden, bis die 
Großstadt Erfurt im Laufe eines Jahrhunderts wieder 
zu 125 000 Einwohnern heranwachsen konnte. Auf 
allen Wirtschaftsgebieten setzte der neue Aufschwung 


Dreienbrunnen mit seinen in Deutschland einzigen Kresse¬ 
klingen gesehen hat, der weiß: Hier ist noch immer Deutsch¬ 
lands größter Garten, hier ist Erfurt, die Blumenstadt I 

Auch die Statistik, die getreue Helferin in zweifel¬ 
haften Dingen, bestätigt es. Im Königreich Preußen 
kommen auf 1000 Einwohner 3,3 in der Gärtnerei 
beschäftigte Personen, in Erfurt 29,4; auch die Boden¬ 
benutzung zeigt ein stetiges Anwachsen der Gärtnerei¬ 
betriebe. Während in der Mitte des vorigen Jahrhunderts 
4,8des gesamten Areals der Stadt gärtnerisch bebaut 
wurden, sind in diesem Jahrhundert 247o des ackerfähigen 
Bodens der Gartenwirtschaft nutzbar gemacht. 

Eine andere Frage aber ist es, ob diejenigen recht 
haben, die das Prädikat der Gartenstadt bis auf die 
Zeiten Karls des Großen zurückführen wollen. Es ist 














































298 


DEUTSCHLAND Nr. 6 



Benzinmotor für die Gegenwart so außerordentlich 
wichtig sind. Wer als Volkswirt von solchen Anlagen 
und Fabrikschloten mehr angezogen wird, als von Land¬ 
schaft und Altertümern, kann durch einen Besuch dieses 
neuesten Erfurt einen Einblick in die wirtschaftliche 
Bedeutung Erfurts leicht gewinnen. 

So hat sich Erfurt wieder zum unbestrittenen wirt¬ 
schaftlichen Mittelpunkte des thüringischen Landes aus¬ 
gewachsen. Wo man 
jedoch diese Tatsache 
zu bezweifeln sucht, da 
fehlt der vorurteilsfreie 
Blick für wirtschaft¬ 
liche Vorgänge. 

Das gilt auch für 
das kulturelle Gebiet, 
denn die geistige Reg¬ 
samkeit der wieder 
zu hohem Wohlstand 
emporgearbeiteten Be¬ 
völkerung kommt in 
den Schöpfungen der 
Neuzeit zu schönem 
Ausdruck. Erfurt steht 
bezüglich der Verwal¬ 
tung, der Schulen, der 
sozialenEinrichtungen, 
des geistigen Lebens 
und des Verkehrs auf 
derHöhe der Zeit. Frei¬ 
lich, was die Eisen¬ 
bahnverbindungen be¬ 
trifft, so ist für die 
Erfurter noch mancher 
berechtigte Wunsch im 
Kursbuch und auf der 
Eisenbahn - Karte un¬ 
erfüllt geblieben. Aber, 
wie man mit zäher Ener¬ 
gie es durchzusetzen 
verstand, daß seiner¬ 
zeit die thüringische 
Eisenbahn von Berlin 
nach dem Westen über 
Erfurt gebaut wurde, 
so fehlen auch heute 
die Männer nicht, die 
Willen und Kraft in den 
Dienst der Allgemein¬ 
heit stellen und die 
Verkehrs-Verhältnisse so auszugestalten suchen, wie 
es für die Stadt selbstverständlich ist, die an dem 
Kreuzungspunkte der mitteldeutschen Verkehrsstraßen 
in grauer Vorzeit entstanden ist. 

Eine erfreuliche Pietät und Liebe herrscht in der 
Stadt für die vielen Denkmäler der großen Vergangen¬ 
heit, ohne daß man sich den Geboten modernen Fort¬ 
schrittes widersetzte. Daß auch manche Sünden gegen 
den guten Geschmack mit unterlaufen, kann nicht 


wundernehmen. Aber ein Zufall ist es nicht, wenn 
trotz Danzig und Nürnberg noch heute in den alten 
Stadtteilen Alt - Erfurt mit freundlichem Matronen¬ 
angesicht auf uns blickt, während Jung-Erfurt, ein 
lachendes, schönes Kind der Neuzeit, im Schmuck eines 
hochmodernen Gewandes uns zulächelt. Man erhält 
hier das Alte, soweit es angeht — jeder Stein in Alt- 
Erfurt repräsentiert ja ein Stück Geschichte — aber 

man unterwirft sich 
in Jung-Erfurt dem 
modernen Geschmack. 
Nichts wechselt so 
häufig als die Model 
Deshalb ist hier auch 
ebensowenig wie in 
anderen Städten schon 
ein modernes Kunst¬ 
ideal gefunden worden. 
Ueberall aber, wo die 
neuen breiten Straßen¬ 
züge mit ihren grünen 
Baumreihen, wo die 
Villenviertel mit schön 
gepflegten Gärten ent¬ 
standen sind, gibt sich 
ein ernstes Ringen 
nach einem Schön¬ 
heitsideal kund, dem 
man die Anerkennung 
nicht versagen kann. 

Ich habe meine 
Leser nicht durch die 
Stadt zu den histo¬ 
rischen Gebäuden ge¬ 
führt, nicht zu den 
Lutherstätten und den 
verschiedenen Samm¬ 
lungen, ich habe mit 
ihnen nicht den präch¬ 
tigen Steigerwald be¬ 
sucht, den Stolz der 
Erfurter, mit seinen 
schönen Aussichts¬ 
punkten, auch den 
Luisenpark nicht mit 
seinen intimen, land¬ 
schaftlich so über¬ 
aus reizvollen Bildern. 
Wir haben auch die 
Cyriaxburg nicht er¬ 
klettert, um einen Blick auf den Domberg mit dem 
ehrwürdigen Dom und der Severikirche und die sich 
um diesen Mittelpunkt ausbreitende turmreiche Stadt 
zu werfen. Das war böse Absicht! Ich möchte, daß sie 
alle selbst J^fmen und schauten. Der Erfurter Verkehrs- 
Verein (Geschäftsstelle Löberring 3/4) gibt ihnen den 
besten Führer mit auf die Wanderung, den man sich 
denken kann. Sie werden dann viel mehr sehen und 
bewundern, als ich ihnen heute verraten könnte. 


Erfurt: Blick vom Dämmchen nach der Krämerbrücke 










Nr. 6 


DEUTSCHLAND 299 


15. V. C.-Turnfest in Gotha, 6, bis 9. Juni 1911 


Der V. C., der Verband der Turnerschaften 
aufdeutschen Ho ch sch ulen, feiert aller zwei Jahre 
in Gotha sein großes Turnfest. So auch heuer. Von 
den 53 Turnerschaften des Verbandes, die sich auf fast 
alle deutschen Universitäten und Technischen Hoch¬ 


führt, die hübsche Gruppenbilder ergaben. In diesen 
Freiübungen trat so recht der eigentliche Charakter 
des Verbandes zutage. Mütze und Band verschwanden 
und lösten die farbigen Unterschiede der einzelnen 
Turnerschaften, und nur das schlichte deutsche Turn- 



Hohenstaufen im Festzuge 


schulen verteilen, waren etwa 1000 Mitglieder, Aktive 
und Alte Herren, erschienen, um ein machtvolles Zeugnis 
von der Entwicklung und Werbekraft des V. C. abzu¬ 
legen. Die Eigenart dieses Verbandes besteht darin, 
daß er den alten studentischen Prinzipien, der Farben- 
und Waffenfreudigkeit, ein neues, das des Turnens, des 


kleid verband die Glieder des V. C. zu einem großen 
Ganzen, das einzig dem Wappenspruch: „Mens sana 
in corpore sano'' gehorchte. 

Im Sechskampf errangen 25 Herren Preise; dar¬ 
unter Paul Raap, Albertia (Leipzig) I 26 V 2 , Fritz 
Walther, Asciburgia (Würzburg) 126, Kurt Königs- 


Studentenulk in den Straßen von Gotha 



Sports und des Wanderns gesellt hat. In diesem Jahre 
kann der Verband auf sein 40jähriges Bestehen zurück¬ 
blicken. Im Mittelpunkt des Festes stand das Turnen. 
Gemeinsam wurde von den aktiven Turnerschaften des 
Verbandes eine Reihe schwieriger Freiübungen ausge- 


dorf, Alania (Braunschweig) 126, Otto Saame, Tuisco 
(Hannover) 125, Alfred C z o s s e k, Stauffiae (Charlotten¬ 
burg) 122 V 2 r Hans Brüwer, Munichia (München) 121 V 2 f 
Kurt Harder, Stauffiae (Charlottenburg) 120 Punkte. 
Im Fünfkampf war Sieger Meier, Albertia (Leipzig); 











300 


DEUTSCHLAND (eB ee ^ ^ e e8€)e0eeee^^) e ee^^ e^^ Nr. 6 


letzter Gegner Hinterberg, Ghibellinia (Göttingen). Beste 
Leistungen erzielten u. a. Auers, Cheruscia (Göttingen) 
11,40 Meter Dreisprung, Stüber, Albertia (Leipzig) und 
Hinterberg, Ghibellinia (Göttingen) 150-Meter-Lauf 
in 17^1 f, Sek., Meier, Albertia (Leipzig) 9 Meter im 


Außerdem wurden von sieben Korporationen 
Sondervorführungen veranstaltet, die allgemeinen Bei¬ 
fall fanden. Den Wanderpreis, den Ehrenschild 
des Verbandes Alter Turnerschaften, errang 
mit 128 Punkten die Turnerschaft Albertia (Leipzig). 



Turnerschaft Salia, Jena 

Kugelstoßen und 23 Meter im Gerweitwurf. — Im Eil- — Kommers, Festessen, Ausflüge in die Umgegend 
botenlauf war Sieger Alberti a (Leipzig) in 697r, Sek., von Gotha usw. umrahmten den ernster Arbeit gewid- 
Borussia (Berlin) TOVs und Bra n denburgi a (Berlin) meten Teil des Tages in anmutiger Weise. Unsere 
70~U Sek. — Im Korporationswetturnen errangen Abbildungen geben zwei Aufnahmen von dem ge- 



Allgemeine Frei-Uebung^en 


u. V. a. eine Ehrenurkunde und Kranz mit Schleife: 
1. Brunonia (Danzig) 64, 2. Vandalia (Halle) 63, 
3. Borussia (Berlin) 60, 4. Cheruscia (Göttingen) 58, 
5. Hohenstaufia (Tübingen), Mu nichia (München), 
Salia (Jena) und Tuisco (Hannover) je 56 Punkte. 


meinsamen Turnen wieder; eine dritte zeigt eine Gruppe 
aus dem Festzuge: die Tübinger Turnerschaft Hohen¬ 
staufia, die ihres alten großen Mützenformates wegen 
allgemeine Aufmerksamkeit erregte, und eine vierte 
Aufnahme endlich schildert eine niedliche „TralP'-Szene. 

-0- 














Nr. 6 


DEUTSCHLAND 301 


Metz. 


(Fortsetzung und Schluß.) 


Von Museumsdirektor J. B. Keune, K. Professor. 



- Belle-Isle - 

Nach einem Pastellg^emälde 
des Museums der Stadt Metz 


Die französische Stadt und Festung Metz 
(1552—1870). 

Nachdem am 10. April 1552 die Franzosen, in die Stadt 
hineingelassen, diese mit Truppen besetzt hatten, hielt am 

18. April 1552 König Heinrich II. 
von Frankreich durch die Porte 
Serpenoise (an der Stelle des 
heutigen Prinz - Friedrich - Karl - 
Tores) seinen Einzug in Metz, dem 
Namen nach als „Stellvertreter des 
heiligen (Deutschen) Reiches und 
Schützer der Stadt", in Wirklich¬ 
keit als ihr Herr und Souverän. 
Metz war jetzt eine französische 
Stadt, wenn auch der französische 
Besitz erst infolge des Dreißig¬ 
jährigen Krieges anerkannt und 
durch den Frieden von Münster in 
Westfalen im Jahre 1648 rechts¬ 
kräftig geworden ist. — Doch vorher mußte die Stadt gegen den 
übermächtigen Angriff des Kaisers Karl V. behauptet werden. 
Der Beginn der Belagerung zog sich bis zum Herbst (Oktober — 
November) des Jahres 1552 hin. Die Verteidigung hatte Herzog 
Franz Guise, vom König Heinrich II. zum Befehlshaber der Stadt 
ernannt, ebenso geschickt und tatkräftig wie rücksichtslos 
vorbereitet. Um dem Belagerer jeden Stützpunkt und jede 
Unterkunft in der Nähe der Stadt zu nehmen, wurden die 
Vororte und sonstigen Bauten im Vorgelände der Stadt zer¬ 
stört; diesen Maßnahmen fiel unter vielen anderen Bau¬ 
werken auch die erwähnte altberühmte Abtei St. Arnulf zum 
Opfer. Dann hat Guise die Niederlegung eines ganzen 
inneren Stadtteiles angeordnet, der bei einer Belagerung 
besonders bedroht war; mit seinen Trümmern wurde eine 
zweite, rückwärtige Befestigung geschaffen. Auch zahlreiche 
andere, hinter der Mauer gelegene Gebäulichkeiten mußten 
fallen und einer breiten, zur Erleichterung der Verteidigung 
angelegten Straße Platz machen (noch kürzlich sind bei 
Abtrag des Deutschen Walles nördlich vom Deutschen Tor 
viele Reste von damals zer¬ 
störten Häusern zum Vor¬ 
schein gekommen). 

Diesen und anderen Ver¬ 
teidigungsmaßregeln war der 
Oberbefehlshaber der kaiser¬ 
lichen Armee, Alba, der mit 
seinem Heer am 19. Oktober 
1552 vor der Stadt ein¬ 
getroffen war, nicht ge¬ 
wachsen. Obschon die kaiser¬ 
liche Artillerie an der dritten 
Angriffsstelle, westlich von 
der Porte Serpenoise, mehrere, 
teilweise zusammenhängende 
Breschen gelegt hatte, wagte 
zum großen Verdruß des 
Kaisers, der sich seit dem 
20. November wieder bei 
seinem Heere befand und 
in dem auf Anordnung von Guise, doch nur teilweise zer¬ 
störten Schloß (jetzigen Hof) La Horgne-au-Sablon im Süden 
von Metz notdürftig Unterkunft gefunden hatte, Alba den 
Sturm nicht, weil der Verteidiger der drohenden Gefahr 
durch einen inzwischen rückwärts aufgeführten hohen Wall 


entgegengearbeitet hatte. Zu diesen Mißerfolgen gesellte 
sich im Dezember eine Seuche, die zur Aufgabe der Be¬ 
lagerung nötigte; m.it Anfang Januar 1553 zogen der Kaiser 
und sein Heer ab. 

Durch die glänzende. Verteidigung der Stadt, die Guise 
mit geringer Truppenzahl durchgeführt hatte, war der Besitz 
von Metz Frankreich gesichert und blieb es bis zum Jahr 1870 
Freilich war die Stadt infolge der durchgreifenden, umbarm¬ 
herzigen, aber zweckdienlichen Anordnungen ihres Vertei¬ 
digers schrecklich verstümmelt. Eine weitere starke Ver¬ 
stümmelung der Stadt wurde verschuldet durch die vier 
Jahre später zur Behauptung des Besitzes der Stadt erbaute 
Zitadelle (1556—1562), deren Anlage die Vernichtung eines 
ausgedehnten bürgerlichen Stadtteiles zur Folge hatte. Infolge 
der Erbauung der Zitadelle verschwand auch die Porte 
Serpenoise, ein wichtiges Tor im Süden der Stadt, das seit 
1200 Jahren dem Verkehr gedient hatte und erst 300 Jahre 
später (1851/52) infolge der außerhalb der Stadtumwallung 
entstandenen Bahnhofsanlagen erneuert ist. Nur Baulich¬ 
keiten, die in den inneren Bering des neu errichteten Boll¬ 
werkes hineinfielen, blieben erhalten, wurden jedoch ihrer 
bisherigen Bestimmung entzogen und militärischen Zwecken 
dienstbar gemacht, wie die erwähnten Gotteshäuser St. Peter 
und Templerkapelle. Anderseits wurden aber auch einige 
außerhalb des Bereiches der Zitadelle gelegene Kirchen ver¬ 
stümmelt oder gar völlig niedergerissen, damit sie im Ernst¬ 
fälle dieser in die Stadtbefestigung eingefügten selbständigen 
Festung nicht gefährlich werden sollten. 

Für die Festung Metz bedeuteten jedoch alle diese Ver¬ 
stümmelungen der bürgerlichen Stadt eine erhebliche Ver¬ 
stärkung. Ueberhaupt haben die Franzosen erst Metz, ins¬ 
besondere auch, wie nachher noch kurz erzählt werden soll, 
im 17. und 18. Jahrhundert zu dem starken, uneinnehm¬ 
baren Waffenplatz umgebaut, als welcher es allbekannt und 
genannt war. 

Der gewaltige Rückgang der Bevölkerungsziffer, der 
mit der Verkürzung der bürgerlichen Stadt Hand in Hand 
ging, und die durch starke Zuwanderung bewirkte gründliche 
Umwandlung der Einwohnerschaft war bereits in anderem Zu¬ 
sammenhang hervorgehoben. 
Aber nicht nur die Stadt 
und ihre Bevölkerung waren 
anders geworden, sondern 
auch ihre staatsrechtliche 
Stellung. Wohl wurden reichs¬ 
städtische Behörden und Ein¬ 
richtungen vorläufig noch bei¬ 
behalten, allein ihr Inhalt und 
ihre Bedeutung waren keines¬ 
wegs mehr die alten, und mit 
der Zeit wurden sie durch 
französische Einrichtungen 
ersetzt. Vertreter des Königs 
von Frankreich war der Gou¬ 
verneur des Trois Eveches, 
der königliche Statthalter der 
Provinz der Drei Bistümer, 
also der 1552 von den Fran- 
Metz: Paradeplatz (Stadthaus und Hauptwache) ^osen besetzten Gebiete der 

Städte und Bistümer Metz, Toul, Verdun. Die Befugnisse des 
jetzt von diesem aus der gesamten Bürgerschaft gewählten 
Schöffenmeisters (maitre-echevin), dem diese Sonderbezeich¬ 
nung — jedoch mit einer Unterbrechung — bis zur großen 
Revolution verbleibt, sind von denen eines gemeinfranzösischen 




















302 DEUTSCHLAND Nr.ö 


korfifgUch^n BiFrgori‘ijf;eiö**3r'Sf yerschi'ö4«;^^'’' 

Ü)e B^ördfe ab^r at.tcI^ dtsxri 

tlifi ; n ö ä \ i ■ ati i, sei tdem ■ n o <:)i. ii^iw V^ r^svt 4 4e r J m ti £v erwst ^ 
iür.g 5m ttfan FtankreicK ejlp 4-1. ein oJ>erster 

ö^Hchtslj^öf füf' 4ie 
Bis i4 i^'tof'• 1 m ^ a h r e TQ 3 3 ^ e ^ 

Schöffen ESfi^VörreGhl 

\vur4^ j edod!V tjeir Si a d i,. b e- 
las^sen i durfie^ ;wie y.ü r 
reicbsstfld 1 h cKen- Zcii<? rid 
rn\t . ihrem WQpperi 
Ihren W ö h rz &i eben « nd. mi l 
e i g cner W eh nm h lnh. 

bis LopirÄ XIV eine 
Sti^d tistih e 

wie Äüsgföbie bnd Äfj;- 

n eilJtiis s t M T 1 schr^h GeH^ii 
un terso g: fe. A ü ^ r4m^s w tl rdt? 
in der Mätiter Mhn;t& norh 
w ei t (t r hl^ m Je h re l 
Geid ijn$t:hl h her fmfh 
ÄO&iscivCji Geid niTl deinK*snn^' 

2ei c: h e h A A; Zwei der nhc?l l 
vun der Stadt ire;^vf&g'«?aeiv 


von Pintsen yT^d$treß.^n ijnf dein tinLn-obnisten nickwärligen, 
mii teialierlieiteri. Neuschaffung und Ver-^ 

breiterun g VCrv PhiTicen tind S trnßen inv inneirn , d^ Stadt 


Mit diesjeh Art^^t^hen häiitjeiv 



eng Äüsa mtn en ' Heubatrje ci^ 
nemikh einmal Errichtung 
von Küsernen^/ bn denen 
m Mtiz bis-dahin gr^er 
MpiigeV igfjewesen war^ ijnd 
von ^nstfjgj^ 
mi litäriscHen Gehn u deUi denn 
di e Schdpf*^hg vpn BaüdHtfe^ 
meferft irtdeiTi emfäthen.wirjk^^ 
^^amorvStil der Zeit, der fran- : 
jspskehen Spatrenaissäuciew 
den Neuerungen des 
ZebnlCe^s von BeDe-Isle si^kh 
nÜT ei"wähnt das Mosel fort 
/ckt : ?iei 1 17 2 fl ö n gelegter 

■ «uf dem Unken 

,. fer^ ■ def ' o^ber •' büup i- 

;s^i: UiC^;h nvi li tatis c he Be ^ 

■' d^dVnrtg' h ßf:i e ■ ■: imd. '' ■ ho ch ■ 
h Ä :da, d iesielfi fi ü%e de Kn t en 
B^rtkk€'n> h;vpr v-omehmltch 


: ■P'rähi^T>?'Stt^:Ubt;A^!5'U:^|:^^ mit derh 'GnraaLjile iCpnimpißet 

G eld tü^kart en, . die. T'^fi■• 0 WQ'rr 1 ifvl' ! i ■ xtnd ' ■ AiUr *-5:'.. v. vn i litil n'?^ titc'•■' t jehtu.ifjdfi'. l-üUefc • ■ d^aah: ■ -die ■. if hi w ah dl n n^ einer 

lf>34 clie.T^ierr’aUch-,.yR^kfe'^,.- • ::te^4;- ;.■.-dr AVt^idy:hik^i^3.i 

tider'' hkßert geigen rlen vier . ; det ■ ^Jt«tsit. m (nrn, :173BiH schließ- 

o vri :S\ adjsiegeln.... { ir. B,' 'I’5.3^); ^ 027]l,st:!i^Utt^■.: -AUtpn ■ i■.. /!; \ h-.ii ..y%.;'-T 7:34; li'Sgdhht^n o. i^tii,A^erj^.r üB erü-n ^ d^s.: Par nxl 

hmE^en /mu Troti w\% dernneich Bfitwertjng Hri ; du': v ' plntjte.i und sevne>h\heithch^ Ümr^hhVü;rig nach den T^an 


Zugb h5'r i g k e r t ^iirrr ’ .r>£?.u.t ä c:heh Rei Ä. rtR^s^cesef ^ w'iaT^^'en.. 

König Lou4 XIA" i^d dk Stedt MirfiS ^eii.rhbd-kp 

i>icht etwü .daditn.ir^ daß er wk Ui!i'irT<^tkt f da^s 
Recht ofgencT MhnifuägxmR nal^mr^ wohl Mn?.f xlurrfi 4k 
Aufhehung: • des • h IV. ?tTx Johr*^" 1■ 

Isss^nen Bdiktes von Niyip^ey^ d;a^: xk^n |?eh:irmkcten freie 
Rel|g>QnT?hbirrng der Wid^rrui 

dieses Ediktes durch l.oals XIV in^ nJaUrc' lOflS nötigt p 30tM^J 

tii rh p ew e r hi kiß'i ge' ■ bt-' ^ er B ii r g e r, i h i'er 

I klm a t :den Rtjtkün :r»i kf^hvftn- utad. .. nyf U Beriin n nd 

,;. Br b k t rp; ^ k a u t: 11 

Tmbii aTtdere^; Geg-etiden. • 

' stis‘Ä'.tiWiin'5Witv :■■ 

;;' '''Oie-: -■- \\'Tder>^iMädty:*j- ■ 
vTi^MgkgU ■ -<fe - ^ 

■hhsgei^'en ' 

in >1 er ■ Jtwis. :7CJ • etfkb«. 

: . lieh ■ dp'hir; .^Wn';.. 

P rd ße $■ ¥ c5tVf f ’^- 

'. '• • • 
; ■;. rle^seh PKh i?:b.'uh d.rii n 4-pi. 

• •'die, fra lii.ö'ikdhert, ■ 

P1 a V15 r itl k^V iab 

fietitächhrv ■ tmd- - 
fhndist; h <ri\ Greu t e nmp'eböut w irft)hh. ; hat 1Ü7 'i Htirli 

die von Mr^tÄ 7if ver^thrken b*5g4>hhein Ooch; 

wbfdcA. Arfjn VaOhän gepiam Anlagen chirtuvk- /tpr 
•. U45w.e:isa..xhfr£:hgef(4i rt ^.''. 

Das W^rk von Van iv^i’ i^rt fej^pridy.n Jahr> xt n Jet t 
Gumiontaigne fortge?^eizh Oie Befei^gungsn t or- 

inpniüip!^ fäilrrv^in ;d><! Königs Leuis %V 

'{■|715-^1774K . Königlicher-.ÖkMifrmr war 
YJanmis (sek T723 iiis T7t>l) Name 

einen wicKtigien Ab^tdini 11 m der Uicltt^ tht SUvdt 

b^^eichneb da er däs Stadtbild von Mc.Ul 

gesfaitet hat. Diö U ravvta nd 1 ungch und Htvifuln-gen^ die 

tmter dem Gouvernemenl von. Bei krisle vorg^encunrneix 
oder durch ihn veranlaßt' wttr&n^ j^indi ViürSitäfH<1[>gr drrr 
Befestigung von MeU; ErweUferung dev Sp.tiit 



'!■ 


I mk 4e 


Metrer Bürger ni^ MiltbVUrrjriiistei 
io Mol? 1070 ' 


d«:$ liei VOTf Aig km sbi :)}^^ Ars^h Vtvk tBlondei,',det 
dpjf. im Srit dr'r ZHjt 17AI 1704 aus geführte?, 

^furt'h' erae 'bilderrcLche'-g-öUs^th^ 
TotkoH'e tU'iapfporr-nl'de-r'' K^phedrnk. entw'ctrfen hat. 

'■ fKtt. fAm^diruhriihg''der Anjagen hat 

\sie ni xdif \ mehr <o,lebL Atu^^nr tlurCb? "»Ii*^ d.fim^ 1 ige Baitlü 
keit nngefYjsjgt%> BaiöiVerkf^ sind. idierhrtUpt i?!^t ivich Stdurrrv 
lod io Ans^rMt -viUHdetkx nlimtü b die Fassade der 

.A b no kkrt>/.* ^ ^ i-J?' en ' P h k.rÄ f.rtj.i!A), Sf, ’V inc <*t\z ■ (17ÖÖ -"-.l 766) 

imd tiei ei^g'tüih.h ktr den kv.nügliCbc^n Stnttlmlter ab 
üiul .Dic"n.stpg7:|>Hviri^yimmix*; .(1775 04. .Hq.u^ 

■ .;4<"nkmCi1vri dhrinU-t ikii. hUe.;^^ fhurien-r 'wie f (1.73 ö ff,A 

, Sh^dth^u?^ (fJAO -Lr^^ .riihfidu'He dlf?' frön;^d^ 

■' ■: de< J.gUjUnnäJjtTfs ■■'i|n-dy- - EMe -1763 

■'^ r^nig. d-ü^. Bi^chtdsy 
:' ...'.(eo Lkr 

•S E 1.4 j XX ■ Jthtip j e 17jgf n 
MH^kThnUe) wurde 
: dbf<4i dh> Revo'^ 
luikhi vereiictt. 

lli e g roß L‘ I ra ii 
rnsi^iife Rovo- 
h^Xm. {lim Ed 

iilac-h X xkm kf mijf 

■ ■.Urheh Sf.i-tiirhivEb£‘ ■ 

.iihd fivrn 
;:.fitimr ■ Ht\ izit'di--- ■ 

■ übnV ,'.Xvayr ' 

xhijrh dk Neotin- 
tf^ßifTtg vm\ ("ronk“ 
reich- liHUptsfWt 
tk^ä AToselde.paV*’ 
t ent s; 1 n fotgxx 

der Fh Tji ehiui g 

4vr Klrch^fng.iiier itxfMi ......^. .... ..... ,.^. 

. wurde tkr iMar?* kUtits^irgv^cn he^-- 

.' ■\ ^ ; -vEljic^ei^u£ii 

■des Frommen. v«?r- •■, yewIvhinmer^v^-.-i^^ 


% lU S I 


tiniuuis lit i:tj?>At:}f. ijtxtvmni. 

A {.illtil cilNCITOrENS 


\ u,M.niF> I'' 


lp:'„;.. 
















Nr, 6 DEUTSCHLAND 303 


steigert, die Kathedrale eusg^irijumt und zum Vermieten 
ausgeschrieben, viele andere Gotteshäuser abgerissen oder 
hefnden und unwürdigen Zwecken dlervstbßr gemacht. 

Aus der FoIge:reit sei nur erwehnf, daÜ im Jahre 1Ö40 
eine DampfschiftverbindüTig mit Nancy und Trier eingerichtet 
und 1830 die erste Eisenbahnlinie Frouard'f^Me« im Äaschluß 
an diic /^^^‘hindung ParisNaeroffnex wurde, 
diw 1852 die Linie tmd 1054 die Strecke 

Met?."^Diedenhoren—Tdil^ie (die übrigen Hisen- 


Der strategische Erfolg 4^^s »faktisch fryohddsw'- deutschen 
Sieges War die erhebliche 

Riiek«uges, ln der ScKUcrht De tödlich 

verwundet wo^den^^^ ^töfb am L 

Wehrend <h> fraivzösische Armee Marsch in 

dor Dichtung nach Verdvm deutschen 

Korps der Ih Armee (Prinz Friedrichvon Preußen) 
bemüht^ südlich von dits Mo-^el zü erreichen und 

übersdireilen. ; L hntet SteinmeU (Korps 1, VlI 

WM#) \ 7 {IIL ! • wkkAi'' »~]ikr'V. f 1 V .1 ^cr fevTlr^ir- 



die TÖmische Leitung. Im Jahre 1867 hat Kaiser 
Napoleon lU die Festung durch Anlage weit vorgesch/jbener 
Forts gegen die Wirkung der modernen Belagerungsgeschütxe 
zti sichern uriternornrnem Doch als Frankreich im Julr’1870 
den Krieg erklSrle, waren von den geplanten Befesrigungtm 
nur xwei emigermaßen fertiggesJollt (5t. Quentin, 
rille)», die übrigen waten noch im Bau 
(Sl. Julien, Queuleu) oder kaum, ja teih 
weise überhöupi nicht hegonnerh 

Die Schlachtfelder um MeU 
und die Einschliefzung der 
Slödt im Jahre 1870. 

Durch die beiden Nlf'derlegeri. fran- 
iösiseber H^erestrile am 6. August 
f^’önh und Spkhern) war die st*ii 
dem 12. August dem C>ferbefri[il des 
Murschells ßazainö tmiersißlbe Arntee^.*:. 
an welcher der niinfnoHr völlig vettVlüte 
Nonve hem*-Armee'’ holten bHeb, xum 
Rückzug gezWungem Die Absicht d<(*r 
Franzosen, vor Metz^ an der Nii*d> eine 
Verteidigixngs-Schlacht zu schb'^genr 
wurde öu/g^gebfen und der Rückzug 
über Motz bnd Verdirn bis Ciuiions 
ongeordnel, dftmff hier die V^teinigung 
mit (dem b^i Wordi-'-TTöschwcitcr gi*" 
sthlagenen) Mac Aktborv rrtohfe. Der 
Rüctezttg vtihzog sirii ubtrövis langsam, 
da die Anweisung für Marschordnung 
und Mar^icbrichhing unzM.lMn^bch 
waren und die große 

masse auf die Straße Mefe^'GröyefioMe 
angewiesen wurde. — Jedetiiads wmr 
aber der Rückzug am Somung. ds‘m 



dtvisionen sowie dW Korps HI iC. Äivef^sleberi> und X (Voigts- 
RheU) nebst der letzterem Korps i>eige^gc]>eni?n Hrigndo der 
Gardedtfigoner angewiesen, rechts ohzusch'venken und den 
Abzug der Franzo.sen uui den Straßen nach Verdun zu 
sturen. Da man jedoch voraüssetzen mußte, daß die Rheirc' 
Armee ihren RüekmörscH nach der Maas mit allen Kräften 
beschleunige^ richtete irich der Vor** 
rnatsch der deütseberi Korps grroöenteils 
in eifve Gegend, b*si zu der noch kein 
französischer Trüppenteil 
und nur die auf dem rechrÖF^uf^eh^rt^ 
Flügel von Corny--'Noyeo(tr üfe 
vömit'kende 5. Division (Siulpn^e!) vom 
Ul. Korps srieö unmiiteibar auf den 
Feind, und zwar htchi, wie ihön aftnahm, 
auf eine Nacidudv äcm^ die ver- 

sammettG franz<>5!^»rhe Armee^ Dieser. 
Vormarsch der faridan deiitschen Korps 
batte die Schl/irid bei Vionv iHe — 
.M a r s -1 a - r ö u r zur Folge, welche die 
Franzosen gewphnlirh nls Schlacht 
RezonviJJe bezeichnen, W. August 1&70: 

Wahrend N^^po]i?bn jun 10, August in 
aller Frühe auf der tnitliefen Straße 
GraveloUe — Motrnaisoft - Conflans 
Verdun enikommen war, begann der 
Kampf auf dersibliichetv Straße bei Vion- 
ville mit iütkm Angxift der 5, dentseben 
KfA volierie* Division, zu der skJr nach her 
noch die 0. KavßlienerDiv.iskm 
Als dann diö 5v Diri^xop yom UL Korps 
von Gorzeh^i um Kj Ubf auf der Hoch*- 
ßöchu .südiiclv vk.>h RezonVibe- - V^nrilfe 
anhmgte, .Srtand sjy* eihür g'$Waltfi^7?n 
Ueberniacht gegenüliofr Tmtzdym verv 
mochten die DeutscdtcA sich ivichtMofi 
(1 er Hoch fl iiehe zu beft e up t en, ^hdf^'rn 
fjuch chirch dwi Oi DjvJsIdn 
die iluer Sclm'^.srcfr-Divts'ioh^^ links 




14, August, im vollen O tmge., als <l<is nocli 

auf det /«chipti Möst^lseite sfejsetiäe. Duntrool clev 1. Garde-Re^,imtf\i.s zM Fmi« 
im AüJfbruth bogriffeft* Ui SuPriV/it 

Ö. Korps unter Decö^ hjachmfttags g^^gen 4 Uhr von V^of- her zu Hilfe e»]te, Vif>nvUlt? deirr Feind zu erdterfexi ühd 

huppen de-s Vlh preußtseben Korps ifberfaj>chend ongogriffen ^hU »nh d^m linken Flügel nördlich, Mhe der jetzt die 

Würde. Dies führte zur ScWäcbt beFCoiombey‘*Noui.lTv> deutsch-{ranzösHchev G allen Römerstraße 

welche die Franzosen nacb dein Dorf Mef^ -Verdun fcstÄct^eticm, Dein Ungestüm 

deutscher Seile waren an dresor St hlecbt htibriMg ! rbiiVU, Korps war «s zti vetdurrken, daß die Fronzosen 


(Zösttowf und das nördlich zu Hihe krnnm^mle: ösfpröUW 
U. Korps (Manteuffrih Weil die SddaL^bt liftjvt 
und vorbereitet war, so kamen, dh? iir<>pfenvi'ei.'ie 

ins Gefechr, und auf d*m linken deuih<ch^^n Flüge konnten 
eiet ainri Abend Trup/pon dto benoeddJarten 16, XhriSioä 
yöm IX.- Korps eingTrifeh. Die Ftonzös«^ bötf*it> ih.r^h 


die Minderzohl der Angreder tut^bt ^i^kannten und ihre große 
Üobemifttht nicht Dod^ der Zeit rnußte die 

franz’üylsdt^^ Uvberz<;ihl tsur Geltung kointnepK und, um der 
bedrängten tU machen, grilT die 

Rttterci an. Ucbeihmipr ist die deutw^b« ^Rriterei im Verlauf 
dic^ier Schlacht in nU5gedeKm^"-stem wie niemals 


RüGkit.ug unterbrechendka^nvpfcdi’oh k-t'Krt gemueht Kriege, als' ScblÄdntnfppe in Tätigkeit 

Wären öuf den Kononemionner losmanstrhicit, sq daß die getreten. Srhoin vorher hatten Husuren erlotgreich öpge« 

deutschen Ttuppciv gegen die Uebermucht einc^n schweren griflon und den franzöülschei) Oborhefebhhaber Bnzaine selbst 

Stand halterW Doch blioben die Douischen Herreo dC5^ ln höefv^te Gefniir gebmohb Spater uhf?r konnte der bloß'* 

Schlacbtfeideä Und drangen noch in der Dunkelheit bis in die gesiriUef Vori einer Urngehung laidrphte Ihtki^doMtKche Flügel 

nächste Nahe der östlichen (unfertigen): Fürt?5 von Mvis vor* nur ah!l«.stet und gesichert w'erden durch den y4m Freihgrath 














304 lOB^a^^aaseeeggaea ooQGaQ e e sa DEUTSCHLAND Bi ejOCTgseeecoooeeeoeo i DöOöeae s Nr. 6 




Teiles JiredaW- 

vVoD 4 Uiir ab Isr^gte je;döcb das Xv Korp.^v ttadr 
MöTgc'Jii V ö ri' 4 ^ K j l o m erte rn d:em Sobl a cU tfetd, m. T/i 

Tpipi>en ereJ^fig^ linken 4eunscb^?n f'Td^al iu 

teigem ü>:id eine Ueberfluigrel'Mng^ ;rü^ Dpth 

^'Wd^ : dfe ö: Stell ufi g <l urcl I den. A nhnn r^ch ■ l V. tV sn'^ 

^Qsjschen Karp^ (Tndmiröult) sehs- g^fälitdetr mnd de^bnib 
diang dk eing'etrtrtieae 58, Bri^ödö des XvKorp^?^ auf 

dem öiit)ersten linkeii deutsebeu Fluiyrel über eine rtord-^ 
i!\st!kb v'Qn Marsda-Toinr verlsufendc steile Sicbiucbr Vo^ 
wü.r4e ebfr durch, eine hernneilemle franzö'si^Kdie iHvislon 
unter sebw^r^ten Vertnslen (mrch eme Pnhrie der IfSer 
Terdwe^eMferlwen^ fU rückte warfen: päe Inpfere Brie^^de wäre 
ai.rfgerieben \vf?rdetij we m\ sich die Garded ragoner nich( 
jdert tmd dwixh dire n. yerlustTeichen Ängf i ff die irber die 
Scldti^b E yordrirvg'enden prJö.pÄdsen lAim Stehen pjebracti l 
hatten da^ Gecljdu Von 

Ot ^Ve?otre* * / dfis s ich .fj u .f d Ksm pfbej^i eh t .h De n Ab- 

iW-t eig'^iTidic'hm Srdd^idht bildete anf dienern Td) des 

Schi hihiielde^i e 6 IJThr. o ben d ü di^r grd Ö te R e i t f?r k n in k.j [ 
dft.'? der sieh d+rr Ht>thdhirt(^e' ; v'6n •'Vide'^mirT-^ 

sriitdi ■■.• vbu -, M'^ves^ l I pn t\ . te. -/upd ■' \i\ 'ijn'ih■•'■ d£e 

■ •hlzischeb, wfJT.'ftuf .• 
t ein-' ciepif: dH' - Stphl ö-rh t ^■..; - :.- 

erith-ta^nnt'. dtWh' An^riST«?^- d^ö hier ’.-'^-.-i 
Tii^■ ■ ■ •'sb>f iüimtfg ' berheigieed ten . 

i T;-. Gr eh adi.« eh't«?- ■■ 

g'i?.■ • l'Isbermsä ch i' IM.' 

BliilfK the' ■ -f ö fX- ■■: d e r.-: Sl r^e Görze ^ ■ 

.R&xönvilHV.' ^ äd-siiih rtk^n v : Sc hli e b I * rh ■ ■. •' 

■ i rpiein; ^.'. h }er^r': . 4tm ■ vS ii-efs f- 

■re^d*^.^n{'r5ddt>h; n-j« c h X tdl r d.i;/; ■ O.t n jLi - 

Dh'i^ion 

ins ■ Gt; fecht'.dH vdnm nis' zu y ntnm en 
in it d er 1 ß* pTöiißi^t;. ke h D'm .^iiDn d n 5^ 

lX.' ■ A ri M tin nJ ■ 1'te.-' 

Um b^wt'Vieh, d-nb d*n Dcütsc 1 11 !n 

Herren des ScIdßchhhddfHs ^ejen 
: i/e fö 1 il , Pvi rvz Tnydt' k k.. :' g ' 

■Abend {?■■■ Ulir)''k.'kv Vt^r-^-'- 

g ei I p\ i '.'■ pe in Bti'fVlit k r>nnte n ti r 
hhti ni^iisnhD fffiHprtichen i 
■.we'rtlyn^:'" -Tii?^c-lH l\uog i 
•ist: i<:fifh: Yipfi^^hi^h ■ • hHkt ■ nb- ' • 

zu-spn^hrn. mimerh^h wfir imfef - 
, Tt d^m^l U m si ii o d eil' ge w a ^ f 

UUil gMVibrlfriv und wird, ijßb^.r 
yo n ■ ,M t k e in i ^ ^ O e sc1 1 \ c I il ^ 
des Dpi rt ^ick - hm *b i^i ^ch en Kf i ege s 
v-on 1 ft ? P i ?! MV h t g 11 1 gnh e.i 6i>n 

Attir 17, ;An^ust war es d le Aü fghbe: vi B ni atne, den 

Abmnrsch der Rhem-Araii^e erzwmjgejv thi? 

die pttn trjcl wn wtu tera Vers(f j rkuivg<?n In?iefleh k bnntPf 
zog i ndes-^en !>^:inn Korj z urÜI:.k d wiils ke> dic Fung 
MeiÄ im Riickth^ efn^ ^pbr gtinatige • VHiiiHnUk 
d Ift yöh rl er H cichi l^..h e o Le b, ■ tfes' IXhtTfc^- K ö rit*i? ile s 

u hu r di e P a c 1 1 thä frr M 0$<: o o 0 fvi ’ zi^v Sc) d fjß fi^hmtif:# ti 

iö^Grangj!?, Dorf Arhrnut;^i|er hlu ^uirt Durr Su Priv^iHa’* 
Alpni nhd; vpn Vorgeii^heheTten ? SfeilOnge^^ nnter 

imderah Sh ■ ffubei-i (dHIhTi von GHVelötte) Ste» 

Oenes iwöBftiUv yedy St PdV^Thnd RHHodrt vOn 

^ St;. Privair-ejobe^rBk-•••■■ ;'■ ■ ■ 

fHn fothlM Bozaine unzv>^ckrfmÖig dem 

sidsz hHkenh»;>kcn Vt* Kheps (Cfmr^>beri)* Tüt^ährend er sciüic 
die- TCnH^rgifirde. hini^Jf ;den\ linken bei 

g Hnti^; HÖ tsrerdem f>uryh thn uvi^t wurHts? BnisdiTio6ung' 


.n ] 7 sS ii.^Lvi ^r'; • 



Penk ntn t dn & ^ G a rv 
hi Sl. PrU' 


de^. i'ranzöfijrSihi^n Obf^rbefehUhabers war deutschen 

den om lÖ* Atigu^t beabsichtigtefi. 
entscheidenden Angriff /aof den ahziehenden acHr bei Metz " 
Gehenden Ffemd $ie^ban Korps zu versairiTBein fUh X^ Vlfl^ 
IX^ Vil, Garde/ Königlich SHchsisches Xll/K0rp3p 4 ucb dem 
Ti öch im Anm«rsch b«^griffenen 0, Korps (pürptnefnJ wurde 
als ZiU da^^ Zu g^wäiftgetide SchlaGbifeld angdwieiseii. 0öS 
h Kö Fp s so? hc d hgog ou ohf:: ti^ r Vkiftn !Mo selse? t^e, veH 

VjHibi^n. Von den Korps^ diu ftlf dH 
au f de? lin k js?a AIti ty z-ur S HlI a wa ren; snlhen dH zur 
h Armee g^TbdrigftjV KprpEi ö(hf dern' 

rcditen rlüg.et A^dryrst nichf angnirHv^i^e VOrgdhen u ein 
^,?jVükL d. dH sfeb^ 

dH Kor|.i.s^ t y, Ö und XII pörd^^ 
Oisiw fl rH; " örb^wo^^^n. wü ?d eri t Ui rd er di esem v o.rrückenden 
hdd^^ dH fjtideft Kdi p$ UI und Xr dH zwei Tag« 
i tjyd r ;dfü :Ar^h Wfttf^v Knmpi yö r n rht ti l i ch öus geforlvten h a tt^; 
^rntl ReHrve. ; . . ■ 

. Diese:Alaßnöhnien ftihrteTi j^tr Schiacht .bei G t ö yel o i t 
Sti P riva^l > dm henifitkeBFSwort^rw&l!>iff verkehnerT^tom" 

geiUvlagt^h wurde. B.azaine tlhgrhöß iuH Bntsch^^idung^- 
khm I )i scmie Kntpsfüh fer ^icK bst und h ie )t sich mcHi 

- (ib^ieit5; vorn SchfecHHId m PleppeviUe/ wo er 
yrvj 'i^T'J"' . Lfc^ AngeIegenheiten, ejtedigle^ Mitbt^^ 
pinq:Cv L5r dieses spitderbnre V&rhüiHn wird 

/ H ^ ; Hlb?iT. ge Wesen seilp * d a air 

.h\ tfipietet Stijdah doch ein unBihtger 

■ , Heerfdlvrer watir Zugleich jschgint. 
es ihm aUerdtngaS such '— aus 4^;^ 
nämhcheni wie vielleicht aus ppü»^ 
itijrhcrt oder v^wEndteri RücksjchHri 

, - ri’i h 1 s da fp i t rech t ü m^i geh 

i \t ijein. vöt 1 Met 1 1 os?!tiko #4 TU ep< 
l > ijß die K r&nzpsea s m 16. Ad4äh| 
nkht im Äbnmrsch hegrifik n warep/ 

■ -v'■ . *^Hs* 3 ■ furkwhj.fige ■KteUtmg 

eing^ tto Ufmen h ui ^ w 0 r deuisc h er’« 

sei t?^: inv wischeri ßi:S W ah.T5»cheinivc h 

;, * HäI gb>H4 h dtich w^ar di e Auiifehnijmg 

./jeher ■. .Siejliuilg . [iVclv -Horden hichT 
eiXanm* Dii über der p!ihri?T dVjS 
fX. Korp-Sv icin, 5 einerseits ein. 

rranidsisrhes Lager ^üdimh von 
AnifUiw^eiier für emt? Fronzüsl^he 
Nachhut ap^alh; eröffaete er um 
V2 Ulir mittags DfilUUv VjCtn VerwevlÖ«^ 
UL DiviÄUJD. cor.zy.hig den 
Kph’^Si;’: DH Ah^^rtüfe'I et' 

• tiy- he.,sohdere.:, vi^Y , d H 1 n 

■ 'ti gg d n^^lH'hr ■ g', v-p^rges'ch.p b ehe 

AHiihkHif^idhrdet ^ 

''{"hru^ Heidc'rum.hiir^^' ^^hHt.hrissert •zlMb^kg^hehr; was 
Q. Frish sse n 4 ö t u. Uh (.w 1 el>ehswiJkr. fu nb 0 r pn ch den Ur^ 
ziih? UJ^itgeD v v M ii k rtm p Ht h, ■ ithifd er i ha* .Hi erhei bl Hben 
vi.er'.-Gas-chtftz^ virrlM^u ?i;tcheH 4V-hei; dir! PtimZosml tyv&i 
n 0 d n/i ch M e ifz :b t.ae ht e;i i t durch dH Kn pl Inl a ti ö ft vo n 
Motz diese m Die ztuft IX. Korps 

.gvhwngic •■■:2tK'•:■■GröBh.^^r■^o ■ UiVi^ioh-' gni'f 'tapfer 

in de 11 Kumpf ciiL und mirl> eb>e ftngade des hochhariichen 
ßiTtdekorpy jRcgiiftprftar AloityridyT und Idhsftbeth hebst deh 
G^^rdi^^SchdUrrd bftlf krlUtig nnf diesem Gel'crhMetde, 

Auf dem hisrvön gtUrCmhte:v Sci\l acht fei d de^f recliieh 
deiiHdien pKfgeH wint^ Mtgegen doff wprtingbcheh Ab- 
üicht rlt^r obersteft Mi^eresrJ.tVTuiigv hftCKdrihklidter .Kampf 
geföhtlv der ftWir keipiirr vhHchytdeiVden Lihdg/^eVllgH^y Vo 
Gr« Vc fo i 1 e w (i rd n dH; OsHejj e Manc h i n tdit tzt 

i5nd gegQxy 'S llht da^ Gelidfi Sh Hub van ve^eliHdehon 
Abi^dlmgeh das/(dumnb zur fhdhe aii^ ir^jmden Ihfänlefie- 


lr"'lU^gi n-teot^5- in'P Lih 

at n.Vk.Hfj4v:---:' 




Nr. 6 DEUTSCHLAND 


305 


Regfimentern zusammeng-esetzten rheinischen) VIII. Korps gce- 
meinschaftlich erstürmt und dauernd gehalten. Die gesamte 
Artillerie des VII. und VIII. Korps hatte eine wirksame Stellung 
auf der Westseite der Mance-Schlucht vor Gravelotte und 
dem Gehöft Mogador, bis Steinmetz einen gemeinsamen An« 
griff der Artillerie und Kavallerie auf 
der Hochfläche östlich von der Mance« 

Schlucht anordnete, der undurchführbar 
war. Von den drei Batterien, die über¬ 
haupt zum Auffahren kamen, konnten 
sich unter schwersten Verlusten nur 
zwei längere Zeit halten. Um 7 Uhr, 
also in der Dämmerung, griff auf diesem 
Schlachtfelde noch das II. Korps ein. 

„Es wäre richtiger gewesen, wenn der 
Chef des Generalstabes der Armee 
(Moltke) dies Vorgehen in so später 
Abendstunde nicht gewährt hätte", lautet 
die Selbstkritik Moltkes in seiner bereits 
angeführten Geschichte des Krieges. 

Einen Erfolg vermochten auch die Pom¬ 
mern hier nicht mehr zu erkämpfen. 

Die Entscheidung fiel vielmehr auf 
dem entgegengesetzten, linken deutschen 
Flügel. Hier war um 3'/2 Uhr die vor¬ 
geschobene französische Stellung in 
Ste. Marie-aux-Chenes erstürmt worden. 

Während dann die Sachsen unter ihrem 
hervorragenden Führer, dem damaligen 
Kronprinzen, späteren König Albert, ihren 
Flankenmarsch, der die Schlacht ent¬ 
scheiden sollte, fortsetzten, unternahm 
die preußische Garde, ohne die Um¬ 
gehung der französischen Stellung durch 



Grabstein von drei einheimischen Männern, ge¬ 
funden auf einem Friedhof römischer Zeit im Wald 
Neuscheuer bei St. Quirin iKreis Saaiburg i. L.), 
jetzt im Museum der Stadt Metz 


usw. nicht gänzlich verhindern konnte. Die Deutschen be¬ 
festigten ihre Stellungen, und auch die Franzosen sicherten 
ihre Lager durch Befestigungsarbeiten. 

Nun war es Aufgabe von Bazaine, den um seine Armee 
und die Festung gezogenen Ring zu durchbrechen, um sich 
mit Mac Mahon zu vereinigen und auch 
die auf Verpflegung solcher Truppen¬ 
massen nicht eingerichtete Festung von 
diesen zu befreien und nicht beider 
Schicksal zu verquicken. Hatte doch 
die Rhein-Armee zu den in Stadt und 
Festung vorhandenen 90 000 Menschen 
einen Zuwachs von mindestens 180000 
Mann und 40000 Pferden gebracht I 
Bazaine zeigte sich jedoch seiner Auf¬ 
gabe wieder nicht gewachsen. Der 
einzige ernstliche Versuch, sich von der 
Umklammerung zu befreien, war ein Aus¬ 
fall in östlicher Richtung und führte zur 
Schlacht bei Noi s s e vi 11 e-S er v i gny 
(31. August bis 1. September), die unge¬ 
fähr auf demselben Gelände geschlagen 
wurde, auf dem sich der Kampf am 
14. August abgespielt hatte. Der Aus¬ 
fall war gegen die Stellungen des 
I. preußischen Korps gerichtet. Trotz 
anfänglicher Erfolge der Uebermacht 
mußte der Versuch eines Durchbruches 
aufgegeben werden, nachdem die 
Nachbartruppen zur Unterstützung der 
tapferen Ostpreußen herangezogen 
worden waren. Die späteren, seit dem 
letzten Drittel des Septembers unter¬ 
nommenen Ausfälle bezweckten haupt- 


die Sachsen abzuwarten, auf Anordnung des Korpskommandeurs 
Prinz August von Württemberg, doch gegen die Ansicht des 
Divisions-Generals v. Pape, einen Angriff auf St. Privat, der 
kurz vor dem Dorf zum Stehen kam. Trotz der ungeheuren 
Verluste (fast jedes der angreifenden Regimenter verlor 
1000 Mann) hielten die Gardetruppen zäh an ihrer Stellung, 
wo sie sich eingenistet hatten, fest. Doch sie wären ver¬ 
nichtet worden, wenn nicht die Artillerie das Dorf St. Privat 
mit dem zugehörigen Vorwerk Jerusalem in Brand geschossen 
hätte und das Eingreifen der Sachsen immer wirksamer ge¬ 
worden wäre. Gegen 7 V 2 Ghr be¬ 
gann der gemeinsame Sturm der 
preußischen Garde und der von 
Roncourt her anrückenden Sachsen, 
der St. Privat in deutschen Besitz 
brachte. Die französische Garde 
kam zu spät, um die Entscheidung 
noch aufhalten zu können. Durch 
die Eroberung von St. Privat und 
den Rückzug des VI. französischen 
Korps war die Stellung der Fran¬ 
zosen unhaltbar geworden: in der 
Nacht und am frühen Morgen des 
19. August zogen sie sich in den 
Bereich der Festung zurück. 

Damit war die Einschließung 
der Festung gelungen, die am 
Abend des 19. August vollständig 
durchgeführt war. Seitdem war Metz 
70 Tage lang von allem Verkehr mit 
Pfosten einer Stein- ^er Außenwelt abgeschnitten, wenn 

schranke merowingrischer auch das Einschließungsheer die 

°ScWanKenban“d'^^''' notdürftigsten Verbindungen durch 

(Museum der Stadt Metz) landeskundige Boten, Briefballons 



sächlich Beischaffung von Lebensmitteln für die darbende 
Festung. Dies gilt selbst für den kräftigsten dieser Vorstöße, 
der am 7. Oktober auf dem linken Moselufer nordwärts 
gemacht wurde und zu Kämpfen nördlich von dem (zwischen 
Metz und Maizieres gelegenen) Schloß Ladonchamps um 
die Weiler Bellevue und St. Remy und die Höfe Les Grandes 
Tappes und Les Petites Tappes führte. Schon vorher (gegen 
Ende September) hatten sich die deutschen Einschließungs¬ 
truppen genötigt gesehen, mehrere Ortschaften und Höfe 
(Peltre, Colombey u. a.) niederzubrennen und so die dort vor¬ 
handenen Vorräte zu vernichten, um nicht dauernd Angriffen 
und Verlusten ausgesetzt zu sein. 

Die Not in der Stadt und Festung war groß und ver¬ 
schlimmerte sich immer mehr. Die eingeschlossenen Truppen 
lagerten fast alle außerhalb der Stadt unter freiem Himmel, 
gegen die zeitweise scheußliche Witterung durch ihre luftigen 
Zelte kaum geschützt; wetterfester waren schon die nord¬ 
afrikanischen „Gourbis", Wohnlöcher mit Schutzdächern aus 
Reisig, welche die bei Ban St. Martin, dem Hauptquartier 
von Bazaine, lagernden Garde-Zuaven sich hergerichtet hatten. 
Zu den Übervielen Verwundeten gesellten sich infolge der 
schlechten Unterkunft und der mangelhaften Verpflegung 
zahlreiche Kranke, so daß die Höchstzahl der gleichzeitig zu 
besorgenden bettlägerigen Verwundeten und Kranken auf 
mindestens 27 (X)0 zu veranschlagen ist. Zu ihrer Pflege 
reichten die Lazarette, Spitäler, öffentlichen Gebäude, Kasernen 
und Privatwohnungen nicht aus, daher wurden in Garten¬ 
anlagen (z. B. auf der Esplanade mit anstoßendem Boufflers- 
Garten) Zelte und auf der Place royale (jetzt Kaiser- 
Wilhelm - Platz) 300 Eisenbahnwagen zur Aufnahme von 
Verwundeten und Kranken eingerichtet. Dazu fehlte es an 
Desinfektionsmitteln, weshalb man zu Kaminruß und Gerber¬ 
lohe seine Zuflucht nahm. Mit Chloroform mußte die Ein¬ 
schließungsarmee aushelfen. Ueberaus empfindlich war die 



















306 pEUTSCHLAND Nr. 6 


SflUnot. 'Um dem MoRgei. Hn KGcbsals 

y* ä. nu^ Viei'i^sfe üh^-: dem AbflöS--.^her-V:^^ 

Fabrik eia ^>chntii?tig^5 ^valsivöÄser ber^Eslelll, r?i>d 
BriiM überg:oß diäSi, Pt^&rfefleisrhj. um es ^feni^^fl1b^är iu 
mechem Auch mne. saUhalKge Qu:elle bei FoH Belk-C tui)« 
tjeUt St^ibmeii) /aftd Viel Zü^^prurtt, wu^tyde j^dorh der? &?h'- 
gern ers-t 04. September 4rH S^nndeu {"i’ ^G 

voriuiuags und 5^7 Dte durch 

AWclm^idung der GGr^ej WetispV Ee.it dbg d 
war rücKtzeitig dutdi Pumpwerke und Mn^ohv^>i’5sf>r 

htsch^ oreiTL. ' |3us Br«t wurde. iimmer s^aklerhter, um erru 

■ El^purrusi vdh 20 ^/Vi■ an .|t3 l z»x ■ -eriideri, w Ufde ViL hii c Lil i*- li 
angeordneh d^^l.r 

upler MitverweudurrfT der Kleie ^ehbcktrci wetde^j. w|'m^n 

d e ho ul 3 '' l die th glk J'^ i?: ifrciti b. i ioif ^ w if# cd e ,g le h~ irr ^i! Ji 

400 . G raiuin iür diu , ITrw;ic:Kt>-e^rtf?ri* kv iu| ■ ■ ■ Khtder- 

\mEi'4*-I2>Jabreri-tJLpd Gr<jhvth-fbr Kind^ vpb 'l - 4 

f'e?;igesie irJ , An cU lehLie ■ ..cä . ü p: .■' M dittc^rd .■ 4:^?» ,GfVjidV • 

ri\Q h1i=ih^ m <^ 11 . ^ u • K f^fu3’t;Eeii' 'M 

"yi'Mp: f>5i^V ■ ■'d:'sTfirktm' ttä^nflie h 'd f>t :■ H3 Krin-"' 

Arf?p f^ru flr h ■ ■ rVirhficht*'P)V'kifbl..keir 
fruUe.r m&hr vTirfmr^den- ■ ^v^ir> kch^eCh ter- '-thid. d-fV rcidTt-icti V 
]j 2-de d-evhlie i be i i. 'n ui: 1 i ■.-:s)>hr)iVh?>:r.•" ■ tHt ' K.ufij t tvfiinn 
|rtf^bot “len <.jfri;vet.brtb.(cji c .rh ebhch - ^ i vkVir ' HuVin > n;?' 

iTO V eig:lnc.h■ ■ -wt>.i d^:f. ,Micipi^e [ (^rr.|Vgij^;|.vutjj(^'hph’r,: . 

döfiil:ifre^ dle ti i i.’i ut> f hu)■Mfik-tfF[> ü pir zu d n rc. 

, ßi e K 0 p ü 1 riön: w^* r ii pv jcr ristiif.’'kH kiv-'. • .A m 2 7, O k hiii r 1 cS7n' 
wuirdV' .ntrOrid^ div ‘•'U'rkthVp^ -kkr. .ifrr \'«fe?4hfjryrpg: dur;;ll.^l>er-: 
ga ist vou U h''? I h'’A.y. rhdh u rui FVst i «i ^ Kt? 12 - mvt dvm Srddi'?'^ 
■■(skdhcb ■ . Alb ’iSBV Okhyber 

w u rd.H? d:k' Is djp i;td! ^ ’iT.V: de.r u t i f hi'^ 
kü^ht.-.j'..i?FVdF4..A!kFrt-b 'aV 
uttd .■ i.foTditr'rv:; s ich 'irt 
ufem ■ ■ A« 1 f ut' ■■ iti=d: ■■ VdJoP- '•’ Mbho 
die..Eler dvi'BbrIvi(t sd 
. V;)V ‘: N a.r 1 * diü in- .d u'c it fleP-. 

ithi' rrrtri^AVVmvUV; .isn.mmhk^3rifj?:er' 

I i.ef-Vr I': ivifJr t! D V ■ W,i rrder*;: 
diV' ori ^ .U n fl ,,i;i ip' % h ; d bril t d euiVriiv- 

TriUj^pVfv'- b'V^iVt.z?.. ■ Ahi ^^-’lhe.rt .t-.:i^^-e 

■ ''^. t.Jvh.i ir' ■• 'h Uic:^ i:. ti'C-^r ■ ■ de u j v^dvu P i ii [ ek J- 

. sel'pe.ft Si ^ n K t: t z. rn ?.f, 

: •■ ■ fcfV ,K ct r p .s d e r 

frahzcy.^vöcbi2:p ■ Aimvt?:. .-rhrkma um 
' ■• Oki ■ Aftch': - d en' .'i Im an n ge« 


pjlicidige. efrdschere ur^d bescheidene Deukmtiler enichteb 
widcftc die wd AfmVvUi Bötaillone 

^; bn h^. n ^; n t sVhll h sch-b ehren Kreu z ep. d p f d en 
-St .äplia h.■ ■ w'p ■ H dd eh! ■' uöch- -der;''. Scltlft c b.’c z ur öwi geit-,': ß uK e 
AvUrdeh, diV^eri lldUden ziehen öOteglich 

jratdn udc'T f exixVßi:?hf Fr"(iie i>ft a us wei(er Ferne 

■ ti nm\ d, ; um ' diö Orte aufrusut^hem die seit 

■i O;.-deliters’-iti: M midv' sind ■ tmd bei ' i VleUeidti sfic 

Ünd.'. iäh-'.ihr Vöterlahd 
■e;j^bItJH't.'-bhbeti,; -kein ..U'''nVVn'' Zirr: ij'tVbh .bt 

/Ai■ ■ ilhiß'war-uieFvu^^s'^^ft-■' gi^'^Avurh;!.erp'; •■.Diese ■ F.pßwnhdenmgen 
U'^rdV p ^seru!Urh. 4jbjjakbrzt 4d rdi ulzut^ der Bisen- 
.b^tihn.s^ftr ' 14r idle ■'nstlhdten ScMnchifhtder der .vStfVrka! 

jM'0m^NP>r-^^ly—.F-*jdlv' 'ÜhFu^.-Me^^-/’ • ViijgV'- B.use.fvdc>ri% • fht die. 

r.h+m' Si;ldjHA:hi.kt44^r' dvt Strerkieu.; Me UT;---'Ch.‘:UeFStv'^ 
m^'unr4.■A(T^^v^:t^*■eUer•,. — ArSn-, MeU^/-;Hnv^e^hh'AFugb.y^^^ 

■■ K • ■'{ i OT 'Fr e n k reit h | .und V Vin. • b.lV r' bheh. K r (eip ^ 

;.?;W;.dbhv^bri' NuvV^jul — Oöfie 'Kl. J^Tub 'Gtrch-SiraSen- 
büihb ruvrb M «rlrr der AuUi-AVrhmdung Mer^.—Greve"^ 

^ihef ApJr Futi^vi^tidenyr’tg udet der Koötr. 

■ iSpisTEi:y;ketf ligtu»uhf t id< th/k.scKrepfet, sei d örauf 

iT.? n] (i yi/ f k Snm g ein uf h t. tb \t > d t p rs^ - l u f tr r e t % u nd 

d?.j ä i\Te t /- er L?> nd t d ^h ^ tv-i,V R u u. eF uh r teP^ über dp S ch I t/ 
Jhlder mit FJrtts.dike Pdtu A^nn zu FVVise.n' veb- ■ 

.-fA^fl^^>Uh^•i^>■ -br-d Abh>hTt t>iri VerkVbrsl>u>.ehu des, 
Vrrki4vn.v-Vi/c-ln'Ä,;7.U MiJ'U Kfät^t^r^Wiltvebrt-3M.si-f 

Die Sammluogen der Stacii Mete. 

'DU Ht-hh Kw.-busitw sd'U rauche Uruf bedvui^'^nde Samm-^ 

.1 V'jv^j'eu,. dhV .S-ic "’% h ui fi-h tuzi gtU CiV^VhcJuken. 'tri ■^ d der 
t'dhr.igt* 13 un.d ■ lluier^stüinmg 

r.p^i-1 ^,.---■ -1 y-.- : • .■■ '• 'V;^u Fi»’N/ \ 3iii'4fi' -Q f.Ur ■ ViJT^ttieri. , " 
... ■. :. J^ti-uu ölidtup Tt*\i .aber- ci^'en.-e-r ■ Üpfer^ 
'Vdligt^t-dt ■ veTd£tTskT...,'-.'X?ie. .wUhilgeilen 
^tfetüuJp d[(?set $-4.m'm.bihU'®U dy.viH^. 

''-^l -■ • ^^ ^ ißri'5:"- ■ • -3 md ■■:! >uhde^Pk 11ude I.■. cl«ch 
''■'■■■ '■■ ' il / ' hxdiVn .h-ticb '/dh^Ami^.äb- 

...j^. . '4^ -V diu ^.tur. . Oe^vfe xur 

^^4 ■ \ --1 b > U kri^-r h..irh ^-^7hd^;Hkmd-45 k^-jh'e öder 

A 'S'“ p.ur 'IniiiaV ■BuÄiG4t:uA^eit.'4iisbehf''=vri;ß die. 

■ ^i.'h::pi(hK^Vsu mltjt>g^.-crdVr'-.'dU' hbe-r ’OeD 

l ü ru:l p.^k ‘'md.lh:; ] ^t:i 1. • R-sh^’^> e ■ h mau $.>" 

*'hVb%-:"!'Vh}: ,'i.h.b'.'. nißi'u-rg^^^-ebk}nliche- 
-Sv.tVirdImU-.-;'.tirVC/ ;:'. -ih r*?r? ■. ..'Bndeu 
h ;g^ir^ bbrV<5ii:^|!tcEM^' 

iChil^.>¥.R: 0 :>^dife '.'Sihbfe ■ ■ ■ Aurdt. ' rnüß- 
•.btjrv'nt^vUd'^eri W-f^T-rX^ rr; d 0 ivk.h t b 1 0 l'i 
d s d. ■ -0 d?'» ■ :'Sii-' ;■ .J^.ii.Vk^kF'i i ati 

!Viü'rX^dlVh Vf■. 4. rj usg-**bVu.tr# Srtmm^ 
■E'si '.’U vhj ^. ViVu. .1^ eiAh.ftuhö'm.. 

S1. i .?■ kyJ^ t^VivÄrblicbc'.n 

■ ij N t ' K ^ kt'?'' n ihsi I fen, 

s «rt r. iüfi-) ri aß Vp t h' j n dt? n jgeAthi ch t 
I b: hiMv. S-.^ihbti 11 ihjg.irD,' 7hb^.e.' keifi^s vv?e g sj 
! uUlb'ffh bnd b'5; j^be F-.urist^ 

-s f t m f 1.': i ^ ''''■ V-'' b> ^ \ tjf ck'e Vu 1 4 1 ^ XU r. 

u;n !^.' i i t4>V i\: ''Jli J'uu'v ksi.h^i'dV r'feidiVn:' ’V(’'eFt. 
mü Fl ■Ipnde'^i^t''KirXue.i.tdÜ.‘,te ■ 

i.viikiei5, da i e r m ■ ’j.. u ’i v4 r* y.‘ fd .fj sin 4 . r»dt’/ ■ vun ■ hhbU-t fef'n ge- 

Jüch [dViS WT [rflrtij; .d.fe m nd,e'r ■in.-.hVl].irin;^i?=rvgi?bo'run karc*n. 

■'t)Lesu' s'f’' t; invi ^“>’. rXjib t 1 tl!Q0 
eintT' :,ei^g'en'^>^j^..;AA'f VfribbiVg, '■■:4i'r M t:V%VV^b;?v-prw’id'tu.sigt. -unUn- 
^itell't; ATisk'jfti^pULu^Vh ■diiii;’ Vh^er V^ärVnpi-cm ' A'ei- 

vrali uji:fl.■ u ph'-'f l tV ] t'.j iik> • sii) dti^irXiv ififl ;Hs thiA.-''-m i l '.dtr-fit st.&d.tU- 
.SC:1 tm V . h t ;S't p b i.t <^i.-(. A b -hpr^ ■ .'. VPb 4 i es n •' Vl i^te’r ■ Un d 

nebc ij Ri rF)0 < x K4 Blj5%h:fV Un e WieirePdriJckc- 

Fj.;jr.uninr- Äohrb*^-. vAb bf^tdreicKu .Siir-ite, viele 

aierhcl ic tni4 kVlVPlf^’ivhV ah e IhVdjVrstLo. k «äI 1v> rV RiLderhtthd- 




A'hum’ .m- - - 

.\v ptu.;- uö ti-i. .^^.OOÜt^j-hkl:^' f dtr.u 

.hi^ ^ V ?:hV 4 ''m j.d-e \ h i d. |.\'r 4 ibk t- ? irC’l 

j' ehd ^ splrv 5 Dt rk s T.U?v 'Vch ■ '•1-Vh‘i - 
lieer. *k)rcb Ikipger jjnd Nh^t br?rwmt£|Vh^ viirhkVn 
Tapfeiktii ^it'^ Irnrkösiscjtar TruppfVi über au 

G egttfjr A rve rk 0 n n u n g ; 1 m d ■ t.er'•ib ';..' .s 1 

T^^>JfDrL^^^:;'e jucfirl, 

. S&n .dit? f'. w eU Ljö r ü I im t-e \\ K fi 1 W f fAt b nP 4f\ M*-' 'f ’r ;'i■.. 4 i:iu- 

b? 11 p I tmA Ihf?. d \mi^ ■•:'Aii:-• ' • jihtUn.z.;'■ .kl.nd ■' ■■■Libi'r 

40 Jtihre dalvjrigerav^^hL Aut Äuhlfukhtm FikuIhVfVrv; m 
der ivßh er^rb . 'liin 4 ^:' Wtu.i Vre u ■ hl pt 1 m Tiir dt.i f. Sm'd 1 ■■.■. VriDptiPiv 
Denk^ik^m^ uh di« Mhimec dia Vr^efliiivd 
.^irid fek m ; den Tncl. Ural aui dc^n SchjachffVjdVrn -sifui 


Shbubilf-t des IT JuftrhdPv iLui^d-“ 

k'rVis MeUV im lVbjy.i--.mh 4^^ Sihd? Alelz 


SiUlV 




Nr. 6 DEUTSCHLAND 307 


Schriften, wertvolle Urkunden und anderes Gut ihr eigen 
nennen, dem man sonst in Museen gerne begegnet. 

Seit Einrichtung der Museumsverwaltung sind aber von 
dieser mehrere neue Museen gegründet oder übernommen, 
und die Sammlungen sind jetzt an fünf Stellen zerstreut. 
Für diese Zerteilung war allerdings mitbestimmend der durch 
steten Zuwachs noch gesteigerte empfindliche Platzmangel 
im alten Museum an der Bibliothekstraße, doch ist bei den 
Neugründungen die Schaffung einheitlicher und in sich ab¬ 
geschlossener Sammlungen stets im Auge behalten. 

Das Altertumsmuseum ist eine Gründung der Metzer 
Akademie und reicht bis zum Jahre 1822 zurück. In neuerer 
Zeit verdankt es hervorragende Förderung der Gesellschaft 
für lothringische Geschichte und Altertumskunde. Die Samm¬ 
lung stellt sozusagen 
den „Niederschlag" der 
Geschichte des Metzer 
Landes dar. 

Der jüngeren Stein¬ 
zeit (bis etwa 2000 
vor Chr.) gehören an 
vierFeuersteinäxte und 
zwei Steinhämmer, dar¬ 
unter ein prächtiger 
langer Spitzhammer, 
aus der Mosel zu 
Longeville bei Metz, 
der Bronzezeit (etwa 
2000-850 vor Chr.) 
ein Grabfund von 
Pepinville bei Reichers- 
berg, Beigaben, unter 
denen sich wahrschein¬ 
lich Gewichte (gleich¬ 
zeitig Geldstücke) vor¬ 
finden. Gegen Ende 
der Bronzezeit, im 9. 
vorchristl. Jahrhundert, 
hat ein Händler im 
Bereich der heutigen 
Ortschaft Niederjeutz 
bei Diedenhofen seine 
bronzene Ware ebenso 
der Erde anvertraut, 
wie dies in den Prärien 
Amerikas noch in 
neuerer Zeit Brauch ge¬ 
wesen ist. Aus Hügel- 
g-räbern der ersten 
Eisenzeit oder Hall¬ 
statt - Periode (etwa 
850 — 450 vor Chr.) 
sind insbesondere zahl¬ 
reiche Schmucksachen, Arm- und Halsringe herausgeholt, 
darunter zwei Spitzenmanschetten vergleichbare Armbänder 
aus Bronze; der jüngeren vorgeschichtlichen Eisenzeit oder 
La Tene-Periode entstammen u. a. eine schöne Gürtelkette und 
ein bei Weckersweiler im Kreis Saarburg i. Lothr. entdecktes 
Depot von Eisenbarren (Eisenluppen). 

Auf Steindenkmäler aus der Zeit der Römerherrschaft 
wurde bereits im geschichtlichen Zusammenhang aufmerksam 
gemacht. Hier seien noch folgende Funde hervorgehoben: 
Auf dem der römischen Stadt Metz benachbarten Teil des 
südlichen Gräberfeldes wurde im Jahre 1910 eine kostbare 
Aschenurne aus ägyptischem „Alabaster" entdeckt, die also 
der Zeit der älteren Brandbestattung angehört. Der Zeit der 
jüngeren Erdbestattung gehören dagegen an ßleisärge des 
4. Jahrhunderts aus Sablon und Metz mit Deckelverzierungen, 


die syrischen Einfluß zeigen; zwei auf dem Bann von Metz 
gefundene Bleisärge waren in mächtige Steinsärge einge¬ 
schachtelt und der in dem einen der beiden Gräber 
beigesetzten Frauenleiche waren zahlreiche Gegenstände mit 
ins Grab gegeben, darunter ein kunstvoller Griff von einem 
im Grabe verwesten Gegenstand (Fächer?), Armbänder, eine 
Spindel und Nadeln aus Gagat (Jet). Dem Boden von Sablon 
entstammt u. a. eine Saug- und Druckpumpe (sipho), einer 
Tempelstätte zu Montigny-Sablon u. a. zwei wohl erhaltene 
Weinseiher aus vergoldeter Bronze, Weihegaben, und ein 
Standbild der Victoria, Nachbildung eines berühmten (nicht 
mehr vorhandenen) griechischen, später zu Rom aufgestellten 
Marmorbildes, aus Stein der Metzer Gegend, also hier am 
Platze gearbeitet. Von einem verschwundenen Dorf bei 

La Horgne-au-Sablon 
zeugen zahlreiche hier 
gefundene Grabsteine 
und ländliche Götter¬ 
bilder. Der Schenkung 
des hochherzigen, un¬ 
vergeßlichen Herrn E. 
Huber zu Saargemünd 
(f 2. Dezember 1909) 
verdanken wir u. a. die 
sehr zahlreichen und 
wertvollen Fundstücke, 
die seine aus eigenen 
Mitteln unternomme¬ 
nen Grabungen auf 
dem Herapel, einem 
130 Meter über dem 
Tal gelegenen, in römi¬ 
scher Zeit besiedelten 
Bergplateau diesseits 
Forbach zutage ge¬ 
fördert haben, dar¬ 
unter eine Taschenuhr 
(Sonnenlichtuhr) aus 
Bronze. Auf dem Bann 
des heutigen Dorfes 
Merten im Kreise 
Bolchen war gegen 
Wetter- und Blitzge¬ 
fahr errichtet eine an 
15 Meter hohe Bild¬ 
säule. Zu Saarburg 
in Lothringen wurde 
1895 ein Grotten¬ 
heiligtum (Spelaeum) 
des orientalisch-persi¬ 
schen Sonnengottes 
Mithra (Mithras) auf¬ 
gedeckt mit einem 
gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. zertrümmerten Altar¬ 
bild; in nächster Nähe fanden sich zwei Altäre der einheimischen 
Gottheiten Sucellus (mit Hammer) und Nantosuelta (mit Häus¬ 
chen und gallischer Hütte). Aus den heutigen Waldungen 
der nördlichen Vogesen kommen eigenartige Grabhäuser und 
sonstige Funde, die beweisen, daß jene Höhen einstmals be¬ 
wohnt und bebaut gewesen sind. Während die genannten und 
die meisten sonstigen Stücke aus dem Gebiet der römischen 
Gaugemeinde der Medriomatriker herrühren, stammen andere 
beachtenswerte Steindenkmäler aus den benachbarten Gau¬ 
gemeinden der Leuker und Treverer (Trierer). So lag im 
Gebiet der Leuker eine Ortschaft, vicus Soliciae oder Soli- 
mariaca (bei Neufchäteau, Dep. Vosges), von deren Grab¬ 
steinen das Museum seit 1839 über 20 Stück mit Bildnissen 
der Verstorbenen besitzt, darunter eine Darstellung, die Mann 



hinailiiialeiei von i^iinoges iiii ivlacseuiu der oiadi ivietz 
Bildnis des Königs Karl IX von Frankreich (1560—1574) 





300 DEUTSCHLAND 


«i\d Ftaa ifi tsderr vOir Augeiv fijbrt. betichteAs- insbesöritie^re m die Sch^^chieu nm Meiz «nd di;^ EmschM^^ßü^ 

w^rke Biy^meoxe kommen Arl^t^ ^Oröjii^Jhum) itn ehe- der Stadt im Jabre T&7p (Möuöraa 
malie;ea Trier^rTanfh: Amk viaher ^mpbienf; löthrirt^l&che rmthtert^tückt^; 

/wsr sthöD im 0. jEihrhürtdcrr tiaeb H&tz verbrächt der LtJihring^efi von Mii,^eife; lothHf^dscKe HöiSE&höhtjnj^^geg^eEi^ 
in^-^ aefsttJtrki^lte ülichrisftUche stünde; eine mit ailcoi Zubijhör eing^emrhtete: iorbon^fisc^^ 

M^rxiiorsafg: des 4* Jährhüriderts^ die Ruhc*itätte der Leiche Küche und Stüber glasierte Oi^nkiichcih^ bi|djiiciieu 

Lud fie:^ prömmeii, Dar^leUim^rj^ wie etK’h ÄhdeFe Hriengrnisse «jus fsjebranntem 

AUi^ fränkischc'n MaW tiltimroen die In önd^Tecfi Iba au,rs. Lt>7hrmgen; s^hließUch kirc^^bche^ 0«gen^ 

Ea’semmenhob?^^ hervörgehoben<^ Bestandteile einer Stein- i-tände Lödirirf^;^b 

5 fchi ari k et tlervTi S ch I a n genlm t»d e r und v erWJJhd ti?n Z 'm rmast er , lii m Saü f ei ^ be-a^ rri ch te t en^ 11 r f^h cti Sch ii 1 - 

aÖüsr?ung^ durch rmcmische Vötstel lung verrute tu Ag'c? böu i&ü ni\ Aar Tsi xt'Lia^;\Ästry^ ß eA} hüben y 0 r!ÜAul 1 u ns 

dem weiibreh Lothringen kümmen GrdbeHVjn^^ dunen g/ihmd-en o;ne reuh KVinitI und andere Stücke 

genannt seien ditV Eei^äben dnnt Filt’dirof hnd Baun des 

Ä^etrieh bei Kleirvhetbngi^n (Kri'ds Died*Vfiböi 5 n''Oyi). ln Öemit]de^öterXe tsi ebenso Ivexvoirtagend wie 

Die El(eaUdn^i(lbI Ädö]l?^ö {XO* dQhi'hio'idertri) hahnri ^.nhhekh vertreten dev^ Bildivis . aber auch vun. ündereu 
wir bbrnits gerühmt. Aus dem Anhmg ch< 13. ialtrhundnn^ Oottiing^n der Malern ^sittd gute Stucke vorhöhden: U 
b!e]5i|^^ \vjr Teile you nJ?iütfuiuuqi.jpfliöngefv|>aiA;^U hbben vuili? grcißere Sihdte keine 

decken u!i^ Eidit?]itbtdi, mi Bikicrn bc^wrüt^ yi-ertn Sammlung vt>u. G'^^uaWen n*iXcrr^an;it^n, Gorbiildiih aus 

yor^ denen QO inr Musetbtr gi^'hoFgcfv Silndv gefunden rtn J/trvt jdiet' S"tiiü>m .begr^duXL t^iid hiyr vor allem aber 

li(5et:e. Erwuluvi ^^teb noch ein R ebdu i är df:s vh^hrhundeff ^ Vdre Hdhyivdt'rh ist «H erst er Stehe 

£jUs Vansbt^rg tKrais JJolph^n) und mehrere si^ht jbt?bcht^{v^t- t\j u-erui^ri R^iiuhraud^y dc^i^enx ^ tineä aUen Münnes 
werte miUetalieirhd^rh Sieinhildur nm A!ef^ und Utn^egeniLL qü.k Jtd^r £01 <Bo<^LRend:uuudt 143) Bildnissen 

2 :. B. ■ Gewolbo-Schhlfef.^inaL-'15. jL'ihrh'Mndbfts. nu^—der fti Ca-’i'.ser/.fnd hrribu vrb'V'iWVßtVd ub^^rlegen 

•■#vebiuhgcrn-. -Ksrc:hu- der Cblesdncr '.Sj^dirLdto ist, dünn Jakob- Qi^rfaics-it;;-tutyi'r iuiL;.:Swyb‘Vörrdg;bc:heb-BiM 

•1L'.'■ Jnhfhu au^- ■ Scy un-T-'y^' '\: '/ /.b.-:' 

'AlU'uird&:.. ■ MutZ'. 

; Dem 16.. Jßivrbu'rvd^^rt gcfidran •• ■ 
ün ^in spvhgrodschcr $j|oinerner-- . 

KiiTibm IV’Lm'Hd rivs Med 2 ;, emur’ ■. '. 

Bnlu^vtradn WirktJr^^K%^oll r\ac'hga-^ 

ibri^ev njehrem sthdne • • ■ 

H r 5 j 3 tycltnit^^pi^^n. Sah r iri uu n i g - 
feh%' t^rnd ihe in großer !?.aid 
vorh nAdy? (C n g uß e i sef i ' cn Kn Tii} n- 
phdicn JvtJS l.öf}'< ringen^ von cUvviV 
150Ö bis 10 . Juhflmndert 
Kifiemreichenid. 

AL £ih\h UntciTibieiluivg de^r 
AU^rUtmsmuseums ist; üR^iT^eheo 
die M ü rvz S U m m 1 u n g di e vor 
aUem 741 M^'lZ titKl in aruieren 
Mi)ri^iv Ok 11 t^n dr^s ha. ul)gcn Bnjt(tk t■ s, 

Lb thringen g vsicldugene St Ucke 
s 6 Wie i nu^irLtfi! h di B e^ i r aut - 

ge(undyue>Sch^tre wie ^in/tolne Geidsibeke iauückMthiigL 
5m'-.umMt u, ayGK>'id.und' ihrer .Nßch.'-. 
b&rstbmmö ? eUiC Sömmlung rumX^cIjej MüMeny meist in 
Lolb^fiogcn; gefund^rL dörUfUcr u^nu Auslese aus flem groLkuV 
Sirb nd •. : Ni eii 0 f r a n'tgen .i m Kr ■ Ule de n hufr n - t 

(3, uJ^shrhuridctl n, Chn); ulno 'Subimhing incro- 

Wiogiscli^T: iloldmün^Ori; Siibtugbld Kdtf'üin.gnr und 1 leuv-’ 
ri ch % h, y ogl er s,, U* 1 1 w eis e 2 tr Me f 7 . pT H gt; G ekl 4er 

M e t litu U i s t h fii e; G el d 4 e r R e bdj ssb^ 4 jt MHk?.; Gel d^t ü cke un 1 1 
Jetons dei iranfdsLsthbnStadi MuU 4nüdil3'>J), des 

} ierzQgtit ms Lo i h n t i; f 7 ü n ÄÖsirSC i Mim Acm; d^^vxt^^^’i i c 15)1 et. 

Der Gcsciiichle der Sfndi McTt. nickst der yolkskutule vou^ 

L 0 th irt ngen Lt da > i n * let Bui wit klunjf bt --gr \ flc^oe M u s y ^ i tu 
j FU D ^ u t s ch V a 1 ö f g CUht. \ i,jher Isn 4cn sic h hk>r vü^r 
. V^jfdgl' : u nf.i An stehlen der Sin-^k . Atchii?kxi?revikfe 

■Ul id: iln sei) ri f^ on ü 1 Ui • V e rsch w 11 n ij<^n exv hh ad t hu!i^'n • üHd ’■. vb;n '■ 

RbgeriHsenetr Biuiwri-rkcn ; Bilder nu'ä AitrMct^:, u.mi snwotil 
Äbhikitingea votV PiatieoH Stru&e?e knii uls auth Vöh 

rbsllkhkeii.eo ki uUer tuxd tvuutTeu^ und dutgLv Vetürd^ 
nungrn tmd ih>kannlmachvingen 4^ KbAigtumsT 

der Revol u ti ctFi ün rj aus s p ai er en Jj'ib r^ ix; ts ü ^ e auf Me 
ug i it h g. St h n f i s 1 u c k u u nd L>r u c fcftc h eü; Mts Geld u n d 
Ijuhkbiun^eti; .Meuer Sb 5 jgeUtemt>yl Abüxiitken ; 

Hnmvetubgen ön die Belogcrung vm m 1552 tmd 


GeHeUschulAUfid ein Stillr-ben 4m- 
14 C,tjn S f) ndyh? J 5 tf i er v a n Boei aus 
1 1 c iY« J h rr? i p5 3 m ug e i> nt> c h ii e - 
^pnd er e ■ E ry^hhiitJ t Tg .h nd'en, • Fünf 
it¥xiiu?vLcHc :‘.GenXFi hlo '.tlcs- 15 bi$ 
T L): d lih I b ct ndetis s f um mt^ti uu s d e r 
pii.t.1 i'u I ttrehese 

• 1^ ^■'‘*^- 

:■ A 03 ' de u ■; 7.aldre i.’Tien- ttaniösi 
:,i^chß:Ti Gßi ti fild en „v erd-ien-ea 11 cf v tu 
hß-bung ■-.Tn. av: ihsbe^oßdere 'ClftTbile.' 
1 V Fü hb r?-5i5ihlu 13 vrvvjx uhrc 1 ;■ 

;Nk'd‘ki,^' i;jirg'dJ.!erc .(I®i3\''-T- 7 4öj .• 
lid.htdu k-. be r hl ¥ nr uu' B fu.< ji i eisi e ck- ' 11 ct.drarib,-.. • iler. si cb' nach 
-s^rTiem'. OnkH' Mun^u/'d nurnuu/ liv’jiH.iTUh^^ R%cu4:-fg«h' lÖ-^ÖL- 
BddcL 1 . 00 jiS )(1V ce-H d^r 7eu seiner krii^enschtm 

ßcfii>|g e i o de n Nir d v f I un^ U^n; Fr n o c Bo o che f 117 (M --l 7 70)^ 

I.'4hclu''s F;.!lu i Ij**"nbihl i ': 4i.vsF;. Sdr^ Dmp!e.ssIsv. ßildnis de r 
schbAC^n tn clirr. Ut!volaüons.2t'iiiL ywm Pbbel ntedergcrucTUeiicn 
Krm ?esr^: üi l i ^n> hai I r rm i 1 u e i uefn A J v okr^i ar\ «t>V Parle "■ 

«-u^fTt hieUl 0 bt.Tstrri Ge) U b t shut vor 4t=fr Rov^uluÜt>h 1 iix 
M j^^n;^.cbe-ri k i; sch r Uhsp ree 1 1 i ■ n des , Hl 1 d n Vs einer j u i Tgisi \ 
MulexiU der zweikui Ihiilie: dCs IH. Juhrhundeirts ? 

Jv 0; GretJ7e /A 1 bIds11 s;>eV ein 1:ntw'tu f ? Cür o t; ,,Le Pä i ,. 
/M HkL uus dem Jciire 1H40| Ddavrrois (T7X}^.>-18Ö^ 

K w ntl rugu n g - Au Ü erde in seit-n: 0 mi i das Ko 1 os sc 1 b i I d d C r: 

Schlucht bet Hoheirlinden (5* Deretuiver I«HÖO) rrüt Genetöl 
Rich(ji jarvcc (goh. Mß 1 7 1770 h j?ciith B vb) t Schb^unr ursprübg)ich 
iür diu histi>riscbß CkunüldtgaleHh hn S(.TdoÖ ku Versaiil^ts 
bc?;Uintnt; darm mbhvcre Ijtuvhddu Atxh Tb. I>evilly (gub: 
M ul z 1151 fV) ^ d f bf T t ttr) Hi u k I H Tä i ü ck; u g der 1 m n 2 (j si sc h en 
AFJU ec aus Ku (i(ahd): Geoxäl de votv fönii ti Möl (geb. 


< j [ ifi [i i's VT)*^- iK ijiih iXifi j: 

Sfi)dt :Mtit ?,. f !ü J Tf 
intr ’ tle.i 


l, Ju; l? ■> "t: T^U df?fTi W 
t .■ iVu'i .f rj.i.i:^ l.'¥ ?> 11 ■ . „ V.: '‘’ 

in J.T4-V' u f.TXCijji.n ^y»K? ; ‘ l-tUvi -il t U" ü \ ■ 







Nr. 6 DEUTSCHLAND 309 


im Jahre 1822 begründet und war bis 1839 im Stadthaus 
untergebracht. Durch Ankäufe und Geschenke wuchs sie 
immer mehr. Von den Ankäufen seien nur die aus einer 
Privatsammlung zu Nancy in den Jahren 1840, 1846, 1850 
erworbenen Bilder, von den zahlreichen Geschenken nur 
Rigaud, Geschenk des Grafen du Coetlosquet 1840, und 
insbesondere Rembrandt, Vermächtnis des Marquis d'Ourches 
1867, genannt*). Auch in neuester Zeit sind Ankäufe, und 
zwar moderner Gemälde, gemacht worden, wozu die Landes¬ 
regierung Beihilfen gewährt hat. Von diesen neuesten An¬ 
käufen seien beispielsweise erwähnt: Fritz Rabending, 
Gletscher, 1888; Eugen Bracht, „Durch die Heide"; Edmund 
Blume, „Ein Opfer des Streiks", 1892. 

Zur Gemäldesammlung zählen aber auch u. a. eine kost¬ 
bare Emailmalerei von Limoges, Bildnis des Königs Karl IX 
von Frankreich; das farbenprächtige Glasgemälde „L'Artiste" 
(Der Künstler) von dem Metzer Charles-Laurent Marechal, 
Selbstbildnis in altniederländischer Malertracht; zahlreiche 
vorzügliche Zeichnungen von Migette nebst einigen Gemälden 
aus der Geschichte von Metz; zwei Radierungen von Emile 
Boilvin (geb. Metz 1845) mit Beigabe von Federzeichnungen; 
Büsten des gelehrten Metzer Arztes Anucius Foes (16. Jahr¬ 
hundert), des Marschalls Abr. Fabert (geb. Metz 1599), des 
Luftschiffers Pilätre de Rozier (geb. Metz 1754) und andere. 

Schließlich sei von den in der Gemäldegalerie (Anbau 
von 1900/01) aufgestellten Kunstmöbeln rühmend erwähnt 
eine Standuhr, Stil Louis XV. 

Im Entstehen ist zurzeit eine Skulpturensammlung, 
zu deren Aufnahme das ehemalige Landhaus Frescatelly in 
dem von der Stadt Metz 1867 eingerichteten und später 
mehrfach vergrößerten „Botanischen Garten", einem Stadtpark 
auf dem Bann von Montigny, instand gesetzt ist. Diese Samm¬ 
lung wird umfassen Bildwerke der in Metz geborenen Bildhauer 
Pioche, Fratin, Petre, Hannaux, auch plastische Arbeiten des 
Metzer Schuhmachers Lepetit (1806—1881), ferner Gruppen 

*) Vor Begründung einer städtischen Gemäldegalerie waren der 
Sladt im Jahre 1807 von Kaiserin Josephine, der ersten Gemahlin 
Napoleons I, zwei Gemälde geschenkt, alte oder gleichzeitige Kopien 
nach van Dyck und Rembrandt. 


und Figuren des 18. und 19. Jahrhunderts aus der Fayencerie 
Niederweiler bei Saarburg i. L., nach den dort noch vor¬ 
handenen Formen angefertigt, schließlich Plaketten, sowie 
Abgüsse, hauptsächlich von antiken Meisterwerken der Plastik. 

Außer den erwähnten Zeichnungen und Gemälden hat 
der zu Trier 1802 geborene, später zu Metz, dann zu Longe- 
ville seßhafte, im Jahre 1884 verstorbene kunstsinnige Zeichen¬ 
lehrer und Maler Aug. Migette der Stadt Metz sein Haus 
in Longeville mit der hier untergebrachten Sammlung 
testamentarisch vermacht; doch ist die Stadt erst 1908 in 
den Vollbesitz dieser Schenkung getreten. Die vornehmlich 
aus kunstgewerblichen Gegenständen, Zeichnungen, Gemälden 
und Stichen zusammengesetzte Sammlung ist im Rahmen 
einer Zimmereinrichtung untergebracht, deren Mobiliar Migette 
durch neue Möbel ergänzt hat. Erwähnt seien nur drei 
Majolika-Büsten des 16. Jahrhunderts, mehrere Zierschränke, 
drei farbige Zeichnungen aus den Jahren 1622, 1637, 1639. 

Die naturgeschichtliche Sammlung besitzt eine 
namhafte mineralogisch-geologische Abteilung und in der 
reichen zoologischen Abteilung ein sehr seltenes Exemplar 
des seit 1844 ausgestorbenen Riesenalk (Brillenalk) oder, 
wie die Isländer diesen früher im Norden von Europa und 
Amerika sehr häufigen, schließlich nur noch bei ihnen 
heimischen Vogel nannten, „Geirfugl" (Geiervogel). 

Solch wertvoller Besitz ehrt eine Stadt. Doch mit dem 
Besitz allein ist es nicht getan, die Sammlungen müssen 
auch unterhalten, gepflegt und ausgebaut werden. Und 
hierfür hat seit dem Bestand einer Museumsverwaltung 
der Gemeinderat der Stadt Metz stets verständnisvoll die 
Mittel bewilligt. Da aber das städtische Museum nach 
dem Urteil der sachkundigen Gelehrten und Fachleute die 
Aufgabe eines lothringischen Landesmuseums zu erfüllen hat 
und auch tatsächlich erfüllt, ist es Aufgabe der Landes¬ 
verwaltung, zu helfen, daß den reichen Sammlungen die 
erforderlichen Räumlichkeiten zuteil werden. Alsdann wird 
das — freilich auch trotz der ungünstigen Raumverhältnisse 
zugkräftige — Museum seine volle Anziehungskraft ausüben 
können und die Wertschätzung finden, die ihm gebührt. 


Die Festfahrt des Rheinischen Verkehrs-Vereins^, 

gelegentlich der diesjährigen Generalversammlung in Mainz am TO. Juli 19TT. 

Von Hans Ludw. Linkenbach. 

Die rheinische Erde hatte ihr Feiertags¬ 
kleid angelegt, um die Teilnehmer der Mainzer 
Versammlung freundlich willkommen zu heißen. 

Und auch der Himmel war im Bunde mit der 
gastfrohen Stadt und den Veranstaltern des 
bisher so eindrucksvoll verlaufenen Festes. 

Sein strahlend blauer Baldachin spannte sich 
hoch über den Bergen aus und spiegelte sich in 
den mattgrünen Wellen des Rheins. Die Nach¬ 
mittagssonne goß fast verschwenderisch ihr 
Licht über die Landschaft, daß alles im warmen 
Goldglanz flimmerte und glitzerte. An der 
Landungsstelle lag das buntbewimpelte Schiff 
und harrte der Abfahrt. 

Kurz vor 4 Uhr erschienen die von der Stadt 
Mainz eingeladenen Gäste und kamen über den 
von Lorbeerbäumen flankierten Steg an Bord. 

Ein helles Glockensignal, Tücherschwenken 
und fröhliche Zurufe — brausend und zischend 
setzte sich das „Rheingold" in Bewegung. Lang¬ 
sam teilte sein weißer Riesenleib die kühlen 
Fluten und trug uns dem Rheingau entgegen- 



Bacharach 











310 DEUTSCHLAND Nr. 6 


Wer ihn nicht kennt, den blühenden Zauber unseres 
heimatlichen Stroms, dem wird eine solche Fahrt durch den licht¬ 
verklärten Sommertag* zu stiller Andacht. Wir aber, die ihn 
verstehen von Jug*end an, die ihn mit offenen Herzen und 
heiteren Sinnen trinken, wie den funkelnden Wein, der an 
seinen Ufern wächst, wir können nicht träumen vor dieser laut 
redenden Schönheit. In unseren Adern regt sich das rheinische 
Blut und läßt uns nicht Zeit zu beschaulicher Ruhe. Mit¬ 
jubeln müssen wir, mitsingen und uns befreien von all dem 
Druck und Drang ernster und dunkler Stunden. Und je öfter 
wir, ans Schiffgeländer gelehnt, durch die altbekannten Lande 
fahren, desto mehr neue Reize und Schönheiten vermögen wir 
zu entdecken, desto weiter wird uns die Brust, daß wir nicht 
schweigen und feiern können, sondern unsere Freude hinaus¬ 
tragen müssen in den blühenden Tag. 

Und so war es auch diesmal wieder. Keine versonnenen 
Grübler, nur festlich gestimmte Menschen, die das Bedürfnis 
hatten, sich mitzuteilen, ihrer Freude Ausdruck zu geben, 
brachte der Dampfer nach Bacharach, dem lieben, traulichen 


Mainz: Stadlhalle 

Nest. Dort begrüßt uns der Bürgermeister, und General¬ 
major Bigge dankt ihm mit herzlichen Worten. Und nun 
verleben wir eine schöne Stunde in den Mauern des alter¬ 
tümlichen Städtchens. Durch freundliche Gassen geht's, über 
Treppen und Stiegen und den trutzigen Wehrgang entlang. 
Aus blumengeschmückten Fenstern winken uns blonde 
Mädchen lachende Grüße zu, und pausbäckige Kinder kommen 
herbei, um uns noch ihrer Art willkommen zu heißen. Im 
Templerhof und vor dem „alten Haus" wird Halt gemacht. 
Ein Stückchen Mittelalter lebt da in unverfälschter Reinheit 
vor uns auf. Und vor diesen Zeugen einer längst versunkenen 
Zeit werden auch der nüchternste Sinn und dos verhärteste 
Gemüt wieder jung und froh. Ganz leise flackert das 
romantische Fünkchen wieder auf, das doch nun einmal in 
eines jeden Deutschen Brust schläft. Unbewußt fast glimmt 
es weiter und verzehrt all das kleine und große Alltags¬ 
leid, das unsere Genußfähigkeit niederdrückte. Und es 
flackert lustig fort und erlischt auch nicht, als wir aufs 
neue das Schiff betreten, um nach Mainz zurückzufahren. 


Noch steht die Sonne voll am blauen Himmel, noch glüht 
und gleißt der herrlichste Julinachmittag über den Landen 
am Rhein. Bald aber zieht sich das helle Tagesgestirn hinter 
die sich dicht vorschiebenden Berge zurück und nur ein 
milder Orangeglanz, der den Horizont und die flimmernden 
Wellen färbt, kündet seinen Niedergang. 

Die Dörfer und Städtchen zu beiden Seiten des Stroms 
begrüßen das langsam vorüberziehende „Rheingold" mit 
Glockenläuten und Böllerschüssen. Und jetzt flammt drüben 
schon das erste zage Lichtlein zum Willkomm auf. Noch ist 
der Tag zu kraftvoll und das wohlgemeinte, bescheidene 
Flammenzeichen muß im helleren Glanz ersticken. Bald 
aber sinkt die Dämmerung tiefer und tiefer. Groß und schön 
steigt der Mond hinter den rheinhessischen Höhen empor und 
badet sein volles Antlitz in den leise plätschernden und 
raunenden Wellen, als gösse er flüssiges Silber über den Strom. 

Julimondnacht am Rhein I 

Wie im Märchen ist's und wie durch Märchengärten 
treiben wir langsam dahin. Und nun — ein neuer Gruß 

vom Ufer her, schon 
bedeutend wirkungs¬ 
voller als der erste. 
Bravo I klingt's vom 
Verdeck, und die 
Kapelle spielt einen 
brausenden Tusch 
zum Dank hinüber. 
Ein hübsches Land¬ 
haus zeigt seine breite 
Fassade in rotem ben¬ 
galischem Licht, ein 
anderes wieder um¬ 
fließt ein zarter, grün¬ 
goldiger Schimmer, 
Hattenheim und Er¬ 
bach wetteifern in 
effektvoller Beleuch¬ 
tung, und jetzt, da 
die Nacht schon ihre 
Flügel über die Land¬ 
schaft gesenkt hat und 
die schwarzvioletten 
Konturen der Berge 
scharf Umrissen sich 
am Firmament ab¬ 
zeichnen, leuchtet auf 
einmal Eltville in 
blendender Helle am 
Strande auf. In rotem 
und grünem Licht llimmert jedes Haus des Städtchens, und 
das ganze bunte Bild gruppiert sich um den hochauf- 
ragenden, prächtig illuminierten Kirchturm. Unter uns der 
rauschende Rhein, fern drüben der dunkle Kranz der Taunus¬ 
berge und hier, aus dem falben Dämmerlicht hervorstrebendr 
die entzückendste Farbensinfonie. 

ln weinumlaubten Säulengängen stolzer Villen, auf Türmen 
und Dächern und drunten am Ufer, allüberall, wohin das 
Auge blickt, ruht der sanfte, magische Schimmer bengalischen 
Feuers, und der Rhein spiegelt ihn wider und vermischt die 
einzelnen Farbentöne zu einem buntflimmernden Reflexbilde. 
Auch weiterhin begleiten uns die frohen Grüße der Anwohner; 
Raketen zischen auf und mächtige Holzstöße lodern hell 
empor. Und am Ende der Fahrt bietet sich uns ein neuer 
imposanter Anblick: die Mainzer Straßenbrücke leuchtet in 
tausend roten und grünen Flämmchen durch die Nacht: ein 
letzter stimmungsvoller Dankgriiß an die Gäste des Kongresses. 

Und wenn wir uns jetzt in Erinnerung an die schönen, 
unvergeßlichen Stunden der Rheinfahrt fragen, was an allem 




























Nr. 6 DEUTSCHLAND 311 


wohl das Schönste war^, so kommen wir in Verleg'enheit. 
Aber eins dürfen wir doch wohl besonders hervorheben: den 
edlen Wetteifer, mit dem der g-esamte Rheingau zur Verherr¬ 
lichung" des Festes beitrug-, und die Uneig-ennützig-keit, mit 
der das g-eschah. Wo anders wird man, ohne eigene Inter¬ 
essen zu verfolgen, die Gäste derart begrüßen? Nur am Rhein 


ist das möglich, nur am Rhein kennt man die selbstlose Gast¬ 
freundschaft, die sich hierin kundgibt. 

Weil man sich selber freut an dem bunten Bilde rheinischen 
Lebens, will man auch anderen Freude machen; weil man sich 
selbst glücklich fühlt in diesem gesegneten Lande, möchte 
man auch andere glücklich sehen. Das ist rheinische Artl 


Im Lahntal. 


Von Heinrich Herkenrath, 


So wenig begangen wie das Lahntal ist wohl keines der 
größeren Nebentäler des Rheines. Eindrucksvollere Partien 
wie das Lahntal über Ems und Nassau hinaus nach Obernhoi, 
Balduinstein, Diez, Limburg, 

Runkel, Weilburg, Braunfels, 

Wetzlar usw. mit seinen zahl¬ 
reichen rechts und links ins 
Gebirge hinaufsteigenden, 
meist dicht bewaldeten Seiten- 
tälchen; mit seinen allehr¬ 
würdigen Ortschaften, in 
denen meist ganze Stadtteile 

— wie in Nassau, Diez, 

Limburg, Runkel, Weilburg 

— noch in der mittelalter¬ 
lichen Anlage erhalten und 
bewohnt sind; mit seinen 
zahlreichen Schlössern und 
Burgen, mögen sie als hoch¬ 
ragende Ruinen vom Wandel 
der Dinge auf Erden Zeugnis 
geben oder sorgfältig in ihrer 
ursprünglichen Gestalt erhalten in unseren Tagen modernen 
Zwecken dienen, eindrucksvollere Partien wie das Lahntal 
weist Nord- und Westdeutschland nirgends auf. Das alles ist 


Limburg. 

nur zu wenig bekannt. Im Rheintal wogt seit Menschen¬ 
gedenken der Strom des Fremdenverkehrs auf der Landstraße, 
auf der Schienenbahn, auf den Dampfschiffen; nicht minder 

lebhaft ist es in den all¬ 
bekannten Nebentälern, der 
Ahr und der Mosel. Wer aber 
kennt das Lahntal, außer etwa 
in der nächsten Umgebung 
der Weltkurstadt Ems? Wer 
hat als Tourist den Wander¬ 
stab angesetzt im herrlichen 
Lahnstein, um hier den Trubel 
des Rheinverkehrs für einige 
Tage zu verlassen und ein¬ 
zubiegen in die stille Ruhe, 
aus der dort die Lahn nach 
ihrem langen Lauf vom Eder- 
kopfe herab in den mächtigen 
Rheinstrom sich ergießt? 
Niemand, der den noch 
seltenen Weg ging', machte 
ihn unbefriedigt. Wer stieg 
von dem idyllischen Kurörtchen Nassau hinauf in die über¬ 
wältigend großartigen Schluchten des Gelbbach-, des Dörs- 
bach-, des Jammerbachtales, oder von Laurenburg in das 



Diez a. d. Lahn: Schloß 



Niederlahnstein: Gesamtansicht 





















312 DEUTSCHLAND Nr. 6 




Tal des Rupbaches usw., ohne zu staunen, ob der noch un¬ 
gestörten, weil unbekannten Herrlichkeit dieser Natur? Wer 
durchwanderte gar das Lahntal oberhalb Nassaus etwa bis 
Diez oder Limburg? Und doch fehlt hier noch gerade das, 
was den echten Touristen und den wahren Naturfreund so 
öde anmutet: — die breite, staubige, automobildrohende 
Chaussee. Hier hat die chaussierte Landstraße das Flußbett 
verlassen, um über das Gebirge die Bischofstadt Limburg zu 
erreichen. Dicht über dem Wasser¬ 
spiegel, des öfteren aus dem jäh ab¬ 
fallenden Felsen gesprengt, windet 
sich durch das enge, hochbewaldete 
Tal nur noch der holperige, schmale 
Leinpfad, und den stillen Frieden der 
stundenlangen Wanderungen stört 
kein neuzeitliches Hasten und Ge¬ 
töse. Einzig der Sang der auffallend 
zahlreichen Vogelwelt, die hier noch 
ein Eldorado hat, erreicht und er¬ 
götzt das Ohr des Touristen. Es ist, 
als scheue selbst die Eisenbahn, 
diese wunderbare Stimmung zu ent¬ 
weihen; sie verschwindet allein auf 
der bloß 25 Kilometer langen Strecke 
von Nassau bis Limburg dreizehn¬ 
mal unterm Tunnel im Schoße des 
Gebirges. 

Kein Wunder, wenn das Völkchen 
dieses paradiesischen, stillen Land¬ 
striches seine alte deutsche Eigenart 
in weitem Maße sich erhalten hat; 
wenn es festhält an ererbten Bräuchen Limburg: Am 

und Einrichtungen. Wie mutet es den großstädtischen 
Touristen an, der hier in dieser Weltverlorenheit zwischen 
Lahn und waldigem Gebirge das Miniatur-Dörfchen Kalkofen 
betritt, das mit Stolz auf seine 700jährige Vergangenheit 
zurückblickt und bis in dieses Jahr hinein völlig abgeschlossen 
vom großen Weltverkehr daliegt wie vor Jahrhunderten; hier¬ 
hin, in diesen Frieden, führten bislang nur der Leinpfad und 
der Waldweg. Wie mutet es ihn an, wenn er da im Gasthaus 
erfährt, daß auch diese kleinste Gemeinde des ehemaligen 
Herzogtums Nassau heute 
noch mit ihren dreizehn 
Haushaltungen und 62 
Einwohnern eine selb¬ 
ständige Gemeinde bildet 
mit Selbstverwaltung ihrer 
Angelegenheiten, wie alle 
übrigen Ortschaften des 
interessanten Nassauer 
Ländchens; hier braucht 
die Gemeindevertretung 
nicht erst gewählt zu 
werden — ein glücklicher 
Zustand; — alle männ¬ 
lichen selbständigen Ge¬ 
meindeangehörigen bilden 
die Gemeindeversamm¬ 
lung, die sich ihren Bürger¬ 
meister kürt wie die sonst 
etwa notwendigen Orts¬ 
beamten,und kaum minder 
stolz ihrer Würde sich be¬ 
wußt sind, wie die feinge¬ 
kleideten Kollegen in den 
prunkreichen Rathäusern 
der Großstädte Frankfurt, 

Köln, Düsseldorf usw. 


Alles ist dal auch in diesen kleinsten selbständigen Oertchen. 
Sogar die unvermeidlichen zwei Parteien, die gewöhnlich in den 
beiden Wirtslokalen der Gemeinde ihre feindlich-friedlichen 
Lager aufgeschlagen haben und aus deren gegenseitiger 
Kontrolle und Kritik das Wohl der Gesamtheit als erwünschte 
Frucht erwächst. Bis in die jüngste Zeit hat das wackere Land¬ 
volk Nassaus auch seine alten Trachten treu in Ehren gehalten. 
Erst vor wenig Wochen trug im vormaligen Amte Limburg eine 
große Landgemeinde ihren 75jährigen 
Bürgermeister zu Grabe, dem nach 
40 Jahre langem Dienste der Tod das 
Zepter über seine Dorfgenossen aus 
der müden Hand gewunden hatte und 
der immer bis in die letzte Zeit Stolz 
darein setzte, auch vor seinen Vor¬ 
gesetzten bis hinauf zur Regierung 
in Wiesbaden und bei amtlichen Kon¬ 
ferenzen im blauen Heimatkittel und 
mit der hohen Ballonmütze auf dem 
Kopfe anzutreten. Daß dieser an Geist 
und Körper kerngesunde Stamm der 
Nassauer ungewöhnlich stark ausge¬ 
prägten Heimatsinn hat und auch 
in der Fremde dem Geburtsländchen 
Treue bewahrt, ist bekannt. Das ist 
um so beachtenswerter und rühmlicher, 
als das rauhe Klima des Westerwaldes 
und des Taunus, zwischen deren beiden 
Gebirgsmassen die Lahn in ihr enges, 
tiefes Bett gelagert ist, den Bewohnern 
wenig Nahrung aus der Landwirtschaft 
gab und so die Dörfer seit Generationen 


Fischmarkt 


zwang, einen großen Teil ihrer Männer und auch ihrer Weiber 
viele Monate des Jahres nach auswärts auf Verdienst zu ent¬ 
lassen. Mädchen und Frauen dienen während der Saison in den 
nassauischen Badeplätzen Ems, Nassau, Wiesbaden, Homburg, 
Soden usw., viele wandern mit ihren Männern als Händler 
durch Deutschland und die Nachbarstaaten; die Männer sind 
in Rheinland und Westfalen bis hinab nach den großen See¬ 
städten als Bauhandwerker bekannt; als nüchterne und fleißige 
Leute genießen sie wohlverdiente Wertschätzung, und hierin 


Wetzlar: Lahnbrücke mit Dom 


















Nr.6 DEUTSCHLAND 313 




treten die jüngeren erfreulicherweise noch größtenteils in die 
sicherführenden Fußstapfen der Väter. Alle aber, die da im 
beginnenden Frühjahr das Reisebündel schnüren und die Sorge 
um Elternhaus, Acker und Vieh den zurückbleibenden Alten 
und Frauen mit den Kindern überlassen, verläßt der Gedanke 
an die Daheimgebliebenen nicht; für diese wird draußen ge»* 
schafft; Geld verdient. Und wenn im Herbst die Badeplätze 
die Hotels schließen, wenn die Baustellen 
vor dem Froste stille legen und Schnee 
und Unwetter dem wandernden Händler 
die Landstraße verleiden, dann wälzt sich 
der große Strom der Rückwanderer in 
die Orte links und rechts der Lahn; 
dann wird's lebendig in den Dörfern, 
und für einige Monate erfreuen sich die 
Familien des Beisammenseins. So lebt 
der Nassauer gewissermaßen ein glück¬ 
liches Doppelleben: Alljährlich taucht 
er hinein in das neuzeitliche Getriebe 
gerade dort, wo in den Fabrikzentren 
die rastlose Industrie unablässig Neu¬ 
bauten und werteerzeugende Anlagen 
schafft, oder dort, wo in den Badeplätzen 
der Ertrag dieser Arbeit reichlich zu¬ 
sammenfließt und verzehrt wird; er 
kommt da in Berührung mit der Neuzeit 
und lernt ihr Leben kennen, ihren Geist 
und ihre Schöpfungen. Aber er bleibt 
nicht leicht im überstürzenden TrubeL 
er geht nicht darin unter; seine Nerven, 
sein Geist schöpfen alljährlich neue 
Kraft in dem ruhig fließenden Borne der 
altvertrauten stillen Heimat, in der der 
junge Mann sein eigenes Nest wiederum 
erstrebt, wie die Alten vor ihm taten und für ihn. Das Doppel¬ 
leben des Nassauers erklärt seinen aufgeweckten Sinn und 
seine vielfach über das Mittelmaß hinausgehende Weltklugheit. 

Der Verkehr dieses Nassauers in der Fremde bleibt 
natürlich nicht ohne Wirkung auf die Heimat. Die alten 
ärmlichen Strohdachhäuschen verschwinden mehr und mehr; 
die Dörfer links und rechts der Lahn, des südlichen Wester- 


Weilburg: Gesamtansicht 


Waldes und des nördlichen Taunus zeigen fast alle anmutiges, 
properes Aeußere; die Städtchen, die zumeist schon durch 
ihre Lage das Auge des Wanderers ergötzen, nicht minder. 
Die Ansprüche an Kleidung und Lebenshaltung passen sich 
der Neuzeit an. Dazu kommt, daß ein dichtes Eisenbahnnetz 
das Nassauer Ländchen nördlich wie südlich der Lahn durch¬ 
spannt und die Verwertung der Bodenschätze, Erze, Mineral¬ 
wasser, Basalt, Ton und der Landwirt¬ 
schaft und Viehzucht erleichtert. So 
wachsen die alten historischen Städtchen 
der Gegend zusehends zu größeren Ge¬ 
bilden sich aus; aber glücklicherweise 
ganz anders als die modernen Gro߬ 
städte in vorwiegend industriellen Be¬ 
zirken. Hier in Nassau baut sich die neue 
Stadt regelmäßig wie ein breiter Kranz um 
die Altstadt herum, die dann als Kern 
im Innern sorgfältig die mittelalterlichen 
Straßenbilder erhält und pflegt mit den 
engen, gewundenen Gassen, den reich¬ 
verzierten hohen Fachwerkgiebeln, den 
weit ausgelegten Etagen, Baikonen und 
Erkern, den sinnreichen Schnitzereien im 
Holzwerk usw. Wer beispielsweise in 
Diez, in Limburg oder Weilburg am 
Bahnhofe im Neustadtviertel den Zug 
verläßt, der ahnt nicht, wie ganz anders 
stimmungsvoll dort die nahe Altstadt im 
Zentrum auf ihn wirken wird, die sich 
wie in fast allen nassauischen Städtchen 
zu Füßen und am Hange eines mäßigen 
Felsens hinschmiegt, auf dessen Spitze 
das alte Schloß oder der Dom majestä¬ 
tisch das Ganze überragt. Wenn gar der 
Zufall den Fremden just dann in eine solche Altstadt führt, wenn 
dort ein Fest gefeiert wird und die Anwohner ihre zierlichen 
Häuser noch durch Fahnen, Teppiche, Baumzweige und Bilder 
schmücken, dann mag auch den nüchternsten Beschauer eine 
Ahnung durchziehen, wie lieblich familiär ehedem die Vor¬ 
eltern dort gelebt haben mögen. Die Hauptplätze an der 
Lahn wie im nahen Westerwalde und Taunus haben offen¬ 
sichtlich schon in der 
Vergangenheit einer 
gewissen W ohlhaben- 
heit sich erfreut und 
zugleich eines löb¬ 
lichen Sinnes für 
Schönheit und Kunst. 
Zahlreiche Privat¬ 
bauten in allen nassau¬ 
ischen Plätzen sind 
Zeugnis dafür; ganz 
hervorragend aber 
öffentliche Gebäude, 
wie Rathäuser; in 
erster Linie Kirchen: 
der Dom zu Wetz¬ 
lar und der sieben- 
türmige Dom zu Lim¬ 
burg sind Kunstwerke 
allerersten Ranges, 
deren Besuch überaus 
lohnend ist. 

Mich hat das Lahn¬ 
tal gepackt, als ich’s 
zum erstenmal durch¬ 
wanderte. Und immer 
wieder, wenn ich's 


Limburg: Altstadt, rechts Walderdorffer 
Hof, im Hintergrund der 7 türmige Dom 











314 DEUTSCHLAND Nr. 6 


I 


I 

t 

t 

t 


□ 


Schloß Stolzenfels bei Coblenz 


□ 



machen kann, greife ich zum Wanderstabe, schreite hoch¬ 
gemut den lieblichen Fluß entlang und durch die herr¬ 
lichen Wälder, genieße die Schönheit der Natur und freue 
mich der Schätze der Kunst in der Erinnerung an die. 


die einst hier lebten und sie schufen. Wo ich mich nieder¬ 
lasse zu kurzem oder längerem Verweilen, da finde ich 
allemal, wie angenehm und liebenswürdig der heutige 
Nassauer dem heiteren Fremden gegenüber zu Diensten steht. 



j 
















Nr. 6 »lOtwoe i oüasM a o e oQa e oQQQt^^ DEUTSCHLAND a ooeeeca e ooeooooeeeee e ooee ai 315 



Aus den Bundes-Vereinen. 

Verkehrs-Verein Duisburg. 

In der letzten Vorstandssitzung des Verkehrs-Vereins wurde 
für den bisherigen Syndikus Herrn Dr. Janssen, der nach Essen 
geht, Herr Referendar Emil E i ck aus Herford gewählt. Herr 
Geheimrat Weber dankte Herrn Dr. Janssen im Namen des 
Vereins für seine aufopfernde Tätigkeit und wünschte ihm viel 
Erfolg in seinem neuen Wirkungskreise. Darauf dankte Herr 
Dr. Janssen dem Vorstande für die Unterstützung, die er stets 
bei ihm gefunden habe, und schloss mit dem Wunsche für 
weiteres Wachsen und Gedeihen des Verkehrs-Vereins. Der 
Verein hat, wie in der Sitziing besprochen wurde, Schritte 
getan, um das von der Regierung geplante Rheinschiffahrt- 
museum nach Duisburg zu bekommen; vielleicht sei das alte 
Gebäude der Duisburg-Ruhrorter Bank in der Feldstrasse zur 
Aufnahme des Museums geeignet. (Siehe auch die Mitteilung unter 
„Verschiedenes**, Seite 321. Die Red.) Beschlossen wurde ferner, 
im Verkehrs-Verein eine Zentralstelle zum Kartenverkauf für 
Konzerte, Theater, sportliche Veranstaltungen usw. einzurichten. 

Krefelder Verkehrs-Verein. 

Am 6. Juli XQH fand bei Wischer unter dem Vorsitz des 
Rechtsanwalts Justizrat Dr. Drathen die Hauptversammlung 
des Verkehrs-Vereins statt. Der Vorsitzende wiederholte die 
bereits in der letzten Vorstandssitzung vorgebrachten und schon 
erwähnten Gründe, die es angezeigt erscheinen lassen, den Ver¬ 
kehrs-Verein in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Der 
Vorschlag, die Zahl der Vorstandsmitglieder auf 15 herabzu¬ 
setzen, wurde angenommen. Ebenfalls wurde die notwendig 
werdende Aenderung der Satzungen beschlossen. Der Verein 
wird fürder heissen „Verkehrs-Verein der Stadt Krefeld e. V.** 
Für den neuen Vorstand wurden folgende Herren gewählt: 
Justizrat Dr. Drathen, Rechtsanwalt Angerhausen, W. Prinzen- 
berg, J. Perpe^t, Dr. Buscher, Architekt Giersberg, O. Schmieder, 
H. Brünsing, Ernst Oppenheimer, Polizei-Inspektor Scheuer, 
Reg.-Rat Jentges, H. Wilmeroth, Paul Grein, Prof. Hübler und 
G. Bredow. Als 16. Vorstandsmitglied tritt ein satzungsgemäss 
von der Stadt Krefeld zu bestimmender Herr hinzu. In der 
nachfolgenden Vorstandssitzung wurde Rechtsanwalt Justizrat 
Dr. Drathen zum Vorsitzenden, Rechtsanwalt Angerhausen zu 
seinem Stellvertreter, Treuhänder Perpe^t zum ersten Schrift¬ 
führer, Gustav Bredow zum zweiten Schriftführer und 
W« Prinzenberg zum Schatzmeister gewählt. 

• • Der Verband bergischer Verkehrs-Vereine 

hielt kürzlich im Kaiserhof in Lennep seine Jahres-Hauptver- 
sammlung' ab. Bürgermeister Stosberg hiess die Gäste will¬ 
kommen und wünschte den Beratungen reichen Erfolg. Im 
geschäftlichen Teil kamen zur Sprache: Schüleraustausch, 
Schülerherbergen, Eisenbahn wünsche, Wegemarkierung usw. 
Die Vorstandswahl ergab alsdann die Wiederwahl des sehr 
umfangreichen bisherigen Vorstandes. Ueber die Wahl des 
Ortes für die nächste Tagung wurde noch kein fester Entschluss 
gefasst. Es soll zunächst Solingen in Aussicht genommen 
werden. Weiter nahm die Versammlung, wie das „L. Krsbl.“ 
berichtet, einen Vortrag des Schriftstellers Fischer aus Alferz¬ 
hagen über „Städtebundtheater** entgegen. In Anlehnung an 
eine*Anregung des Theaterdirektors SchifiTermüller, des Leiters 
des westfälischen Städtebundtheaters, beleuchtete Redner zu¬ 
nächst die Erfolge des Theaters, das sich als ein Bedürfnis 
kleinerer Städte herausgestellt habe. Es handle sich dabei um 
durchaus einwandfreie künstlerische Aufführungen, die den 
Städten in nicht zu grosser Anzahl geboten würden. Grund¬ 
bedingung für ein solches Unternehmen sei, dass es von Stellen 
in die Wegs geleitet werde, deren hohes Ansehen jedes Miss¬ 
trauen an die künstlerischen Leistungen beseitige. Gerade jenes 
Misstrauen führe zum finanziellen Zusammenbruch und lähme 
auf jeden Fall die Kraft und Schaffensfreude. Als Stellen, die 
das Unternehmen decken müssten, kämen in erster Linie der 
„Rhein. Städtebund** und der „Bergische Bund** in Frage. Jede 
Stadt könnte sieh dann, je nach dem vorhandenen Theater¬ 
bedürfnis, eine Reihe von Vorstellungen sichern. Da das Unter¬ 
nehmen eine feste Fügung aufweisen müsste, sei die Schaffung 
eines in allen Angelegenheiten zuständigen Vorstandes not¬ 
wendig. Diesem würde auch die Ueberwachung der Leistungen 


und die Wahl der Stücke obliegen. Bürgermeister Dr. Barth 
(Gummersbach) betonte die hervorragenden Leistungen des 
Direktors Schiffermüller. Die Anwesenden erklärten sodann die 
Schaffung eines derartigen Theaters für erstrebenswert. 

Der Schlossbauverein Burg a. d. Wupper 

hielt am 29. Juli im Schloss seine Hauptversammlung unter 
dem Vorsitz des Landrats Dr. H e n t z e n (Lennep) ab, der 
den Rechnungs- und Jahresbericht für igxo/ii erstattete. Die 
Rechnung schliesst in Einnahme und Ausgabe mit 41101 Mk. 
ab; an Eintrittsgeldern wurden 24242 Mk. eingenommen. Die 
durch die Lotterie aufgebrachten goooo Mk. sind zum Teil für 
den Bau des Grabentores verwandt worden; dessen Dachräume 
sollen zu Schülerherbergejn eingerichtet und besonders für die 
Zwecke des Wandervogels bereitgestellt und mit Hängematten 
versehen werden. Man hofft dadurch die Wandersache im 
Bergischen Lande zu fördern. Dem Schlossbauverein sind 70 
neue Mitglieder beigetreten, er zählt jetzt 420 Mitglieder. Die 
Zahl der Besucher betrug im verflossenen Jahr 102000; auch 
in diesem Jahre ist der Besuch sehr gut. Dr. Dönhoff 
(Solingen) dankte namens des niederrheinischen Kreises der 
Wandervogel-Vereinigung für das Entgegenkommen des Schloss¬ 
bauvereins. Der Rechnungs- und Jahresbericht wurde genehmigt 
und der Verwaltungsetat für 1912/13 wurde auf 26700 Mk. in 
Einnahme und Ausgabe festgesetzt. Der Rheinische Verein 
für Denkmalpflege und Heimatschutz beabsichtigt im 
nächsten Jahr auf Schloss Burg sein Jahresfest zu feiern. 
Dieses soll mit dem auf Ende Mai in Aussicht genommenen 
Schlossbauvereinsfest verbunden werden. Dombau¬ 
meister Arntz (Köln) erläuterte dann an der Hand von 
Plänen die weiterhin geplanten Bauten. Schliesslich wurde 
das neuerbaute Grabentor besichtigt und von der Bauleitung 
übergeben. 

Der Eifel-Verein 

hielt am 2g. Juli in Call eine Hauptvorstandssitzung ab, die 
sehr zahlreich — u. a. von 40 Ortsgruppen — besucht war. 
Aus der umfangreichen Tagesordnung seien folgende allgemein 
interessierende Punkte hervorgehoben. Als Ort der nächsten 
Jahres-Hauptversammlung wurde Echternach gewählt. Um 
den fortlaufend wachsenden Anforderungen an die Kasse des 
Vereins zu begegnen, sollen die Ortsgruppen zur Prüfung der 
Frage aufgefordert werden, ob es sich nicht ermöglichen lasse, 
die Beiträge zum Hauptverein um ein geringes zu erhöhen, 
ohne dass es gleichzeitig notwendig ist, die jetzt bestehenden 
Mitgliederbeiträge heraufzusetzen. Der Ortsgruppe Brohltal 
wird eine Beihilfe von 100 Mk. bewilligt zum Bau einer Schutz¬ 
hütte auf dem Fornicher Kopf bei Brohl, am Rheinhöhen weg 
Andernach—Brohl, unter der Bedingung, dass vorher die Pläne 
vorgelegt werden. Zu den Instandsetzungskosten der historisch 
interessanten Stadtmauer in Hillesheim werden gleichfalls 100 Mk. 
beigetragen; der Ortsgruppe Kaisersesch wird zur Anlage eines 
Weges durch das romantische Tal der Wilden Endert, das 
bisher unzugänglich ist, ein Kostenzuschuss in Höhe von 150 Mk. 
gewährt in der Erwartung, dass die nicht unbedeutenden Gesamt¬ 
kosten zum Restbeträge von den Interessenten an der Mosel 
getragen werden; zu Wegebauten, die im Interesse einer vorteil¬ 
hafteren Führung der Wanderlinie Düren —Trier notwendig 
werden, erhält die Ortsgruppe Bollendorf einen Zuschuss von 
200 Mk. Die Kosten einer Werbeschrift, die die Ortsgruppe Brüssel 
herausgeben wird, werden zur Hälfte in Höhe von 125 Mk. vom 
Hauptverein getragen; zu den Kosten einer Wegeverlegung 
zwischen Mülheim und Aremberg der Strecke Brohl—Montjoie 
werden der Ortsgruppe Blankenheim 200 Mk. zugewiesen. Der 
Herbergsausschuss wird um 7 Mitglieder verstärkt. An die 
Leitung der Schülerherbergen in Hohenelbe wird der Antrag 
gerichtet, den Kostenbetrag für die Ausfertigung der zum Besuch 
der Schülerherbergen berechtigenden Karten um das Doppelte, 
auf 1.70 Mk., zu erhöhen. Dem Fabrikbesitzer Th. Weber in 
Euskirchen wird für die Zuwendung einer Spende von 3000 Mk. 
für die Zwecke der Schülerherbergen in der Eifel lebhafter Dank 
und Anerkennung ausgesprochen. Einstimmig wurde beschlossen, 
mit der Herausgabe der grossen Eifelwegekarten im Massstab 
X : 50000 nunmehr zu beginnen. Die nächste Hauptvorstands¬ 
sitzung wird am 7. Oktober in Waxweiler abgehalten. Am 
folgenden Tage findet in Prüm eine grosse Brandprobe an 
eigens zu diesem Zweck errichteten Gebäuden, teils mit harter, 


\ 











teils mit Strohdachung statt, um den Beweis zu führen, dass 
die Behauptungen von der grösseren Feuergefährlichkeit des 
Strohdaches unwahr sind. Der Vorsitzende, Landrat Dr. Kauf¬ 
mann (Euskirchen) wies zum Schluss mit besonderer Befriedigung 
auf das wachsende Interesse aller Bevölkerungskreise an den 
Bestrebungen des Eifel - Vereins hin, das eine fortdauernd 
gUnstige Entwicklung des Vereins für die Zukunft verbürge. 

Die Ortsgruppe Düsseldorf des Eifelvereins 
hat in einer besonders einberufenen Hauptversammlung be¬ 
schlossen, das Grundstück im Urfttal zwischen Urft und Netters¬ 
heim anzukaufen, auf dem der Römerkanal beginnt und die 
ihn speisende Hauptquelle entspringt. Die unter dem Namen 
Römerkanal bekannte Wasserleitung nach Köln, deren Spuren 
am Vorgebirge und in der Nordeifel noch vielfach die Auf¬ 
merksamkeit der Bewohner auf sich lenken, gehört zu den 
bedeutendsten Baudenkmälern im Rheinland, die ihren 
Ursprung der Römerherrschaft am Rhein verdanken. Unter der 
Erde verborgen, zieht sich der Kanal von der Höhe der Eifel 
in wundersamen Windungen über das Vorgebirge hinab ins 
Rheintal, vorsichtig alle Schluchten und Buchten umgehend; 
bald durchschneidet er die Wasserläufe in ihren Tälern, bald 
übersteigt er die Bergrücken, so dass es den Anschein hat, als 
ob er sich in einer Wellenlinie auf- und abwärts bewege. 
Gleichwohl vollzieht sich der ganze Lauf mit beständigem Ge¬ 
fälle, wie durch Messungen und Wägungen nachgewiesen ist. 
Seinen Ursprung hat der Kanal, dessen Gesamtlänge 77,6 km (in 
der Luftlinie 53) beträgt, im Urfttal 2 km aufwärts von Urft. Hier 
befindet sich an der linken Talsohle die jetzt von dem Düssel¬ 
dorfer Eifelverein angekaufte Quelle, „Grüner Pütz“ genannt, 
die nach teilweiser Beseitigung der früher vorhandenen Sand¬ 
steineinfassung sehr versandet ist, aber noch Reste des zemen¬ 
tierten Beckens zeigt. Wie aus der bald erfolgten Vergrösserung 
der noch vorhandenen Sohle zu schliessen ist, nahm der Kanal 
wahrscheinlich auch die etwa 100 Meter entfernten „Sieben¬ 
sprünge“ auf. Der Kanal ist, wie einer seiner besten Kenner, 
Professor Hürten in Münstereifel, annimmt, wahrscheinlich in 
der Regierungszeit Hadrians (117-138) erbaut worden, dessen 
Name in den volkstümlichen Benennungen des Kanals „Aderich“, 
„Adnif“, „Adersgraben“ noch nachklingt. Dass das Wasser 
lange Zeit hindurchgeflossen ist, folgt mit Sicherheit aus der 
Dicke der abgelagerten Sinterschicht. Auf seinem langen Lauf 
hat der Kanal drei grössere und acht kleinere Wasserläufe 
unterirdisch in ihrem Bett durchschnitten und ein stetes Gefälle 
bewahrt, obgleich er über vier ScheiderUcken hinweggestiegen 
ist. Er erweitert seine Grössenverhältnisse unterhalb Eiserfey, 
nachdem er die starken Quellen des Hausener Baches auf¬ 
genommen hat, der in der Nähe der bekannten Kakushöhle 
hinter DreimUhlen auf dem Kalkfelsen entspringt. Nur einmal, 
in dem Tal bei dem Dorf Vussem, verlässt der Kanal seine unter¬ 
irdische Lage, die seinem Quellwasser die niedrige Temperatur 
bewahrte; hier ist er in einer Breite von 72 Meter über Bogen- 
gewölbungen geleitet, von deren sechs Pfeilern noch einer als 
niedriger Stumpf erhalten ist. Die Einführung der Wasser¬ 
leitung in die Stadt Köln erfolgte auf einer Hochleitung, von 
der verschiedentlich Reste erhalten sind. Der bedeutsamste 
Ueberrest ist ein Auslass im südlichen Querschiff des Domes. 
Eine Abzweigung versorgte das römische Lager bei Neuss 
mit frischem Quellwasser, doch ist der Lauf dieses Kanals 
nicht mehr ganz festzustellen. Jedenfalls hat sich der Düssel¬ 
dorfer Eifelverein ein nicht nur von allen Geschichtsforschern 
und Naturfreunden, sondern sicher auch von den vielen Be¬ 
suchern der schönen Eifel gewürdigtes Verdienst erworben, als 
er diese historische Stätte, deren Vernichtung die geplante 
Trockenlegung des umliegenden Wiesengeländes bedingt hätte, 
mit erheblichen Opfern erwarb, um sie in ihrem gegenwärtigen, 
gegen die Römerzeit wenig geänderten Zustand der Nachwelt 
zu erhalten. 

Der Mannheimer Verkehrs-Verein 

hat wieder verschiedene Neuerscheinungen von wertvollem 
Propagandamaterial zu verzeichnen. Die vor kurzem besprochenen 
Korrespondenz-Beilagezettel, von denen 250 000 Stück gedruckt 
wurden, sind, dank der anerkennenswerten Mithilfe von Firmen 
und Privaten, bis auf einige Tausend Exemplare verwendet. 
In einer Auflage von 30000 Stück ist nun eine Postkarte her¬ 
ausgegeben worden, die das verkleinerte neue Plakat des 
Verkehrs-Vereins, von dem etwa 4000 Exemplare in der letzten 
Zeit im In- und Ausland verbreitet wurden, darstellt. Es ist 
dies eine allegorische Zusammenstellung des Wasserturms 
als Wahrzeichen des modernen Mannheim, vor dem sich 
Merkur und Pallas Athene die Hand reichen: der Gott des 
Handels, Verkehrs und des gewerblichen Lebens mit dem 
FlUgelstabe, die Beschirmerin der Künste und Wissenschaften 
mit einem Wappenschild, das die Eule und ein gezähntes Rad 
veranschaulicht. Auch diese Postkarte wird Firmen und 


Privaten kostenlos im Verkehrsbureau verabreicht. Neu er¬ 
schienen, in einer Auflage von 12 000 Exemplaren, ist ein Stadt¬ 
plan von Mannheim, der auf der Rückseite Spezialplänchhn 
enthält vom Waldpark Neckarau, den Vorstädten Freuden- 
heim, Neckarau, Käfertal und Waldhof, sowie vom Städtischen 
Industriehafen mit seinem verfügbaren Gelände. Vor kurzem 
hat der Verkehrs-Verein auch 500 Exemplare des bekannten 
künstlerischen Vogelschaubildes unserer Stadt, welche die Stadt¬ 
verwaltung dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat, 
nach dem In- und Ausland verschickt. Ebenso wurden auch 
die 35 000 dreisprachigen illustrierten Prospekte von Mann¬ 
heim, die in Kürze alles Wissenswerte Uber unsere Stadt mit- 
teilen, in die Sommerfrischenhotels des In- und Auslandes, wo 
jetzt die Hochsaison im Gange ist, versandt. Einige Hundert 
Exemplare der illustrierten Verkehrszeitschrift „Deutschland“ in 
deutscher und englischer Ausgabe, die umfangreichere illu¬ 
strierte Aufsätze über Mannheim bringen, wurden gleichfalls 
an geeignete Adressen verschickt. Man sieht aus obigem, dass 
der Mannheimer Verkehrs - Verein seine Propagandatätigkeit 
immer reicher entfaltet; hoffen wir daraus für unsere Vater¬ 
stadt das Beste. 


Pfälzischer Verkehrs-Verband. 

Der Pfälzische Verkehrs-Verband hielt am 10. Juli seine 
Monatsversammlung ab. Der Verband zählt nunmehr 50 Korpo¬ 
rationen, seit der kurzen Zeit seines Bestehens eine erfreuliche 
Anzahl und auch ein Beweis, dass das Interesse an der 
Förderung aller Verkehrsbestrebungen in der Pfalz rasche Fort¬ 
schritte macht. Der Ausschuss wurde ergänzt durch Zuwahl 
des Herrn Oberingenieurs Adjunkt Thiel in Landstuhl. Es folgten 
dann Berichte über die Tagungen des Bundes Deutscher Ver¬ 
kehrs-Vereine in Worms, über den bayerischen Landesfremden¬ 
verkehrsrat und über den pfälzischen Fremdenverkehrsrat, bei 
denen insbesondere die bayerische Gewerbeschau 1912, die Aus¬ 
gabe von Sonntagskarten, die gastwirtschaftlichen Kurse ein¬ 
gehend behandelt wurden. Die Versammlung beschloss ferner, 
eine Reliefkarte für die Pfalz, wie solche für das bayerische 
Hochland, Schwarzwald, Schweiz längst bestehen, in Auftrag zu 
geben. — Der vom Verkehrs verband ausgeschriebene photo¬ 
graphische Wettbewerb für pfälzische Landschafts¬ 
bilder erfreut sich ungemein reger Sympathie, denn nicht nur 
die Bedingungen werden zahlreich eingeholt, auch die Preise 
haben eine weitere Erhöhung erfahren. Bis jetzt sind 750 Mk. 
bar für Preise ausgeworfen. Diese Summe verteilt sich in 
folgender Weise: 

10 Bilder für Bergzabern und Umgebung 
5 „ „ Gleisweiler „ „ 

10 „ „ Neustadt „ „ 

10 „ „ Landau „ „ 

4 „ „ Edenkoben „ „ 

5 „ „ Zweibrücken „ „ 

ingesamt 450 Mark. Die Restsumme von 300 Mark ist für 
allgemein pfälzische Bilder bestimmt. Da in nächster Zeit der Aus¬ 
schmückung der Personenwagen mit Bildern auf den deutschen 
Eisenbahnen näher getreten wird, wäre es sehr wünschenswert, 
wenn durch zahlreiche schöne Bilder, die aus dem Wettbewerb 
hervorgehen sollen, auch bei dieser Gelegenheit die Pfalz 
würdig vertreten wird. Der Pfälzische Verkehrsverband hat 
sich bereit erklärt, die preisgekrönten Bilder auch dem Pfälzer¬ 
waldverein für Führer, Bilder u. dgl. zur Verfügung zu stellen. 

Verein für den Fremden-Verkehr in Hannover. 
Die Leitung der Geschäftsstelle des Vereins ist dem Garten¬ 
techniker Krone (Schriftführer des Provinzial-Gartenbauvereins) 
übertragen worden. Seit dem Tode des Hofbuchhändlers 
Kiepert hatte dessen Witwe die Geschäftsführung noch bei¬ 
behalten. 

DerVerein für Mosel, Hochwald und Hunsrück 
hielt in Boppard seine stark besuchte Hauptversammlung ab. 
Nach dem Jahresbericht zählt er 21 Ortsgruppen, 9 Verschöne¬ 
rungsvereine, 5 Kirchen, 12 Städte, 14 Gemeinden zu Mitgliedern. 
Es ist eine eigene Vereinszeitschrift gegründet worden. Die 
Wegebezeichnung ist wesentlich vorangeschritten und wird 
weiter vervollständigt werden. Landrat Dr. von Nasse in Bern¬ 
kastel wurde zum Vorsitzenden gewählt, Oberpräsident Freiherr 
von Rheinbaben zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Einzelnen 
Ortsgruppen wurden Beihilfen zugesagt. Die Schülerherbergen 
sind viel in Anspruch genommen worden. Da infolgedessen 
die Kosten zu sehr gestiegen sind, soll in Verbindung mit 
anderen Vereinen dahin gewirkt werden, dass die gänzliche 
Befreiung der Besucher von der Bezahlung eingeschränkt werde. 
Zu Werbezwecken soll eine Lichtbildersammlung angelegt, später 
auch in Bernkastel eine Zentralauskunftstelle eingerichtet werden. 
Die nächste Hauptversammlung findet in Mer zig statt. 








Nr- 6 i il ii^Qq ei 9Q 9 Q(KicKio^ DEUTSCHLAND B eeeeeoeeeceeeeooeeeoeeeeee« 3I7 


Dior Personenverkehr von Gross-Berlin erreichte 
Im' ersten Vierteljahr dieses Jahres 283 Millionen. Auf das 
Jahr käme also weit über eine Milliarde, mindestens X132 
Milli onen, da der Verkehr im Laufe des Jahres ohne Zweifel 
noch, anwächst. Von diesem Gesamtverkehr entfällt der Löwen- 
antefl mit 160 Millionen auf die Strassen-, Hoch- und Unter¬ 
grundbahnen, 86 Millionen auf die Stadt-, Ring- und Vorort¬ 
bahnen und 37 Millionen auf die Omnibusse. Gerechnet sind 
hier nicht bloss die Verkehrsmittel von Berlin im engeren Sinn, 
sondern auch die besonderen Unternehmungen von Schöneberg, 
Spandau, Köpenick, Rixdorf und dem Kreis Teltow. 

Der Prem denver kehr Inder Schweiz. Im Touristen¬ 
besuch in der Schweiz ist, wie aus Genf gemeldet wird, wegen 
der ausserordentlich günstigen Saison dieses Jahr ein Rekord 
erzielt worden. Von den schweizerischen Bahnen wurden im 
Monat Juni nicht weniger als 6920000 Fahrgäste befördert. 


Eisenbahnwesen. 

Die p.reussisch-hessische Eisenbahn- Pinanz- 
gemeinschaft. Zu der Frage der preussisch-hessischen 
Bisenbahn-Finanzgemeinschaft hat der Ministerialdirektor Offen¬ 
berg (Berlin), der mit der Durchführung des 1896 abgeschlossenen 
Gemeinschaftsvertrages dienstlich in besonderem Masse befasst 
war, in einer Abhandlung Stellung genommen, die wertvolle 
neue Gesichtspunkte eröffnet. Die Abhandlung, die als Sonder¬ 
abdruck der „Frankfurter Zeitung“ veröffentlicht ist, betrachtet 
jninächst den Zustand vor Abschluss des Staatsvertrages von 

1896 und weist darauf hin, dass Preussen fast 20 Jahre früher 
mit der Verstaatlichung der Bahnen begonnen und seine Bahnen 
wesentlich billiger gekauft hatte als Hessen. Er widerlegt die 
.Ansicht, als sei durch Verkehrsablenkungen im Jahre 1904 auf 
den Strecken der damaligen hessischen Ludwigsbahn die Bildung 
der Teilungsziffer für Hessen ungünstig ausgefallen; er betont, 
dass Hessen dementsprechend einen geringeren Kaufpreis für 
die Bahn gezahlt habe und erklärt weiter auf Grund vor¬ 
gebrachter Zahlen, dass es nicht berechtigt sei, der Gemeinschafts¬ 
verwaltung aus der nach Uebernahme der hessischen Bahnen 
erfolgten Verkehrsumlegung einen Vorwurf zu machen. Die 
Entwicklung der hessischen Rente sei bis zum Jahre 1908 
günstiger als die der preussischen gewesen und die Unzufrieden¬ 
heit in Hessen habe in diesem Jahre des allgemeinen Nieder¬ 
ganges besonders lebhaft eingesetzt, weil damals die Erträgnisse 
kaum zur Bezahlung der Schuldzinsen reichten. Preussen habe 
in dieser Zeit ein Sinken seiner Rente um Ys verzeichnen, 
während auf Hessen nur Y4 komme; dabei werde weiter 
vergessen, dass der hessische Ortsgüterverkehr hinter dem 
preussischen zurückstehe und dass bei der Berechnung des 
Ertrages für Preussen naturgemäss eine höhere Rente heraus¬ 
kommen müsse, da es bei Eintritt in die Gemeinschift bereits 
x^/3 Milliarden seines Anlagekapitals abgeschrieben habe. Bei 
den Ansprüchen Hessens gegen die Gemeinschaftsverwaltung 
komme es nicht so sehr darauf an, was Preussen aus dem 
hessischen Netze gemacht habe, als darauf, was Hessen selbst 
daraus hätte herauswirtschaften können. Im Vergleich mit sechs 
anderen Staaten wird zahlenmässig nachgewiesen, dass Hessen 
der einzige Staat sei, dessen Bahnrente im Durchschnitt des 
letzten Jahrzwölfts, der Zeit der Gemeinschaftsverwaltung, 
gegenüber dem Jahr 1896 gestiegen und gegenüber dem Jahr 

1897 — dem ersten Gemeinschaftsjahr — wenigstens annähernd 
gleichgeblieben sei, während alle Bahnen der genannten Staaten, 
einschliesslich Preussen, einen Rückgang der Rente aufweisen. 
Hätte Hessen die 38 > Millionen, welche die Gemeinschafts¬ 
verwaltung bis 1910 an Reinüberschüssen an die hessische 
Staatskasse abgeliefert hat, sämtlich zur Schuldentilgung ver¬ 
wendet, so hätte es schon eine Abschreibung von Uber 10 Prozent 
seines Anlagekapitals vornehmen können. Die hessische 
Regierung hat — das erkennt Offenberg an — die Vorteile aus 
dem Biaenbahnvertrag stets loyal zugegeben. Hessen sei im 
Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl reichlicher mit Bahnen aus¬ 
gestattet als Preussen, was auf der einen Seite als Vorteil zu 
betrachten sei, auf der anderen Seite auf die hessische Staats¬ 
kasse nachteilig wirke, indem es eine geringere Rentabilität des 
hessischen Bahnnetzes erklärlich mache. Seit dem Tiefstand 
im Jahre 1908 hat sich das Erträgnis für Hessen wesentlich 
gebessert; es stieg von 10,6 Millionen im Jahre 1909 auf 13,5 
Bäillionen und wird 1910 voraussichtlich auf 15,2 MUlionen 
Mark wachsen. Der Verfasser schliesst mit dem Wunsche, es 
möchten seine Ausführungen dazu beitragen, der rein sachlichen 
Beurteilung des Gemeinschafts Vertrages im hessischen Volke 
Raum zu schaffen, damit der Vertrag wieder das werde, als 
was er gedacht war: ein Band zwischen Nord und Süd. 

Arbeitersonderzüge zum Besuch der Posener 
Aixastollung. Der Bisenbahnminister hat sich bereit erklärt, 


auf Antrag von Werksleitungen Arbeitersonderzüge zur Er¬ 
leichterung des Besuchs der Ostdeutschen Ausstellung in Posen 
abzulassen, soweit es die Rücksichten auf die ordnungsmässige 
Bewältigung des allgemeinen Verkehrs gestatten. Zu diesen 
Sonderzügen werden Rückfahrkarten zum Preise von 1,5 Pfg. 
für das Kilometer verausgabt werden, die für die Hin- und 
Rückreise nur mit den Sonderzügen berechtigen. Voraus¬ 
setzung für die Gewährung der Vergünstigung ist, dass die 
Beförderung in geschlossenen Gruppen unter Führung erfolg^, 
die Anmeldungen hierzu spätestens acht Tage vorher geschehen 
und mindestens 250 Personen auf einen Sonderzug vereinigt 
werden. Die Ausstellung gewährt diesen Besuchern ganz 
bedeutend ermässigte Eintrittspreise, weshalb man hoffen darf, 
dass die Werke gern und reichen Gebrauch von dieser Ver¬ 
günstigung mach-‘n werden. Uebor die Finanzlage der Ost¬ 
deutschen Ausstellungen wird von zuständiger Seite mit¬ 
geteilt, dass die Ergebnisse bisher so günstige sind, dass, wenn 
nicht ganz aussergewöhnliche Umstände eintreten, es nicht 
notwendig sein wird, die Garantiefondszeichner heranzuziehen. 

Eröffnung einer neuen Gebirgsbahn. Die Amt¬ 
liche Auskunftstelle der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen 
im Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berhn W 8, 
Unter den Linden 14, teilt uns mit: Am 14. August ds. Js. wird 
die neugebaute, für den Reise-Verkehr hochbedeutsame Bahn 
Schliersee — Bayrischzell teilweise bis zur Station Fisch¬ 
bachau in Betrieb genommen. Der Rest der Strecke gelangt 
voraussichtlich am i. Oktober ds. Js. zur Eröffnung. Diese 
Bahn erschliesst ein landschaftlich hervorragend schönes Gebiet, 
erleichtert wesentlich die Besteigung der Hochwarten der 
Schlicrseer Alpenwclt, des Wendelsteins, der Rotwand, der 
Brecherspitze, der Bodenschneid usw. und macht ein geradezu 
ideales Wintersportgebiet in erhöhtem Masse zugänglich. Die 
Eröffnung dieser neuen Linie wird in Touristeakreisea freudig 
begrüsst werden. 

Versuche mit Schnellzugwagen. Während man 
bisher bestrebt war, durch Vermehrung der Achsen eine ruhigere 
Laufart der Schnellzugwagen herbeizuführen, will dies die 
preussische Staatsbahnverwaltung jetzt auf einem ganz anderen 
Wege erreichen. Nach einem Erlass des Ministers der öffentlichen 
Arbeiten werden demnächst auf der Strecke Berlin—Cassel— 
Frankfurt a. M. und auf einigen anderen Linien Fahrversuche 
mit D-Zügen vorgenommen, bei denen die Wagenräder mit 
einem erweiterten Spielraum von 20 Millimeter zwischen den 
Schienen versehen sind. Bekanntlich passen die Wagenräder 
nicht genau auf die Schienen, sondern sie haben zur leichteren 
Ueberwindung von Krümmungen einen Spielraum nach der 
Saite, der zurzeit 10 Millimater baträgt. Mit der Erweiterung 
der Fahrspur hofft man zu erreichen, dass der Lauf der 
Wagen ruhiger wird. Schon vor einigen Monaten hatte die 
Bahnverwaltung auf der Strecke Berlin —Cassel—Frankfurt a. M. 
in einem D-Zug-Paar je einen derartigen Wagen laufen lassen. 
Diese Versuchswagen zeigten jedoch keine bessere Gangart als 
die gewöhnlichen. Man führt dies aber darauf zurück, dass in 
die Züge immer nur ein einzelner derartig ausgerüsteter Wagen 
eingestellt und beobachtet wurde, wobei es nicht ausgeschlossen 
ist, dass dieser Wagen durch den unruhigen Lauf der übrigen 
Wagen ungünstig beeinflusst worden ist. Deshalb sollen nun¬ 
mehr sämtliche Wagen verschiedener Zugpaare mit dem er¬ 
weiterten Spielraum ausgestattet und längere Zeit hindurch be¬ 
obachtet werden. 

Neue internationale Bestimmungen für Per¬ 
sonen- und Gepäck verkehr. Ueber die Bestätigung der 
neuen Beschlüsse auf der internationalen Konferenz zur Aus¬ 
arbeitung eines internationalen Uebereinkommens für Personen- 
und Gepäckverkehr wird mitgeteilt: Die Bestätigung des Ueber¬ 
einkommens und sein Inkrafttreten wird noch einige Zeit 
in Anspruch nehmen, da es in den beteiligten Staaten erst von 
den parlamentarischen Körperschaften genehmigt werden muss. 
Von allgemeiner Bedeutung ist die Vorschrift, dass Ausnahmen 
zugelassen werden sollen von der Verpflichtung der Reisenden, 
der zollsteueramtlichen und polizeilichen Abfertigung des Reise¬ 
gepäcks auf den Grenzstationen persönlich beizuwohnen. Auch 
hat die Konferenz eine Entschliessung angenommen, in der die 
Staaten ersucht werden, möglichst weitgehende Erleichterung 
in dieser Beziehung eintreten zu lassen. Wichtig ist ferner die 
Bestimmung, dass für die vorübergehende Aufbewahrung von 
Reisegepäck auf den Eisenbahnstationen künftig im ganzen 
Gebiete des Uebereinkommens die Eisenbahnen nach Massgabe 
der landesgesetzlichen Bestimmungen als Verwahrer zu haften 
haben. Ueber die MindestgUltigkeitsdauer der Fahrkarten wurde 
beschlossen, dass bei einfacher Fahrt für je 150 Kilometer ein 
Tag, bei Hin- und Rückfahrt bis 100 Kilometer vier Tage, für 
je weitere 100 Kilometer zwei Tage in Betracht kommen sollen. 





: /• 







318 B B e oQQQQOQQQoeQQQOooQQQOQöQQ g] DEUTSCHLAND i pcoececeeeeeeeccecooeoee e a l Nr. 6 


Eine ganze Reihe von Bestimmungen für den internationalen 
Reiseverkehr, der bisher unter der Buntscheckigkeit der Vor¬ 
schriften der verschiedenen Länder und der Tarife beeinträch¬ 
tigt wurde, ist nun einheitlich geregelt worden. Ein grosser 
Teil dieser Bestimmungen lehnt sich eng an die der deutschen 
Eisenbahn- und Verkehrsordnung an. Hierzu gehören die Be¬ 
stimmungen Uber Beförderungspfiicht, Begriff des Reisegepäcks, 
Haftung für Schadenersatz bei Verlust, Verminderung usw. des 
Reisegepäcks und Haftung für Ueberschreitung der Liefer¬ 
frist. Die Bestimmung über die Fahrpreisermässigung für Kinder 
ist sogar noch erweitert worden, um in einzelnen Staaten die 
Beibehaltung noch günstigerer Bestimmungen, als sie in der 
deutschen Ordnung vorgesehen sind, zu ermöglichen. 

Die erste grosse Gesamtdarstellung des deut¬ 
schen Eisenbahnwesens sowie der technischen Einrich¬ 
tungen, des Verwaltungs-, Verkehrs- und Finanzwesens wird 
demnächst erscheinen. Das Werk, das unter Förderung des 
preussischen Eisenbahnministers, des bayerischen Verkehrs¬ 
ministers und der übrigen deutschen Eisenbahnzentralbehörden 
zustande gekommen, ist redigiert vom Geh. Oberregierungsrat 
Hoff, dem Präsidenten des Eisenbahnzentralamts in Berlin. 
Das gesamte Werk zerfällt in 39 Abschnitte, von denen jeder 
ein besonderes Gebiet des deutschen Eisenbahnwesens behandelt. 
Eine Abteilung ist auch den Eisenbahnen in den deutschen 
Kolonien gewidmet und vom Geh. Oberbaurat im Reichskolonial¬ 
amt Balzer bearbeitet. Das Werk begegnet dem grössten Inter¬ 
esse der fremden Eisenbahn Verwaltungen. Es wird darum 
zugleich in englischer, französischer und spanischer Sprache 
erscheinen. Die japanische Regierung hat bereits eine grössere 
Anzahl der Werke in englischer Sprache bestellt. 


Luftschiffahrt. 

Das Denkmal für die bei Leichlingen verun- 
glückten Luftschiffer, das am Jahrestage der Katastrophe 
(13. Juli 1911) enthüllt wurde, ist von der Rheinisch-Westfälischen 
Motorluftschiff-Gescllschaft und dem Niederrheinischen Verein 
für Luftschiffahrt gestiftet und besteht aus einem auf einem 
Granitsockel ruhenden,'aoo Zentner schweren Granitblock. Vor 
dem letzteren liegt ein Adler zu Tode gestürzt, der in seinen Fängen 
einen Lorbeerkranz festhält. Eine Bronzeplatte trägt die Inschrift: 
13. Juli 1910. 

Himmelan ging Euer Flug, 

Wie der Aar der Sonne entgegen. 

Ach, ein widrig Geschick 
Stürzte Euch jählings herab. 

Zum Gedenken an 

Oscar Erbslöh, Max Toelle, Rudolf Kranz, Hans Leo Höpp, 
Josef Spicks. 

Errichtet von der 

Rheinisch-Westfälischen Motorluftschiff-Gesellschaft und dem 
Niederrheinischen Verein für Motorluftschiffahrt. 

Das Denkmal ist entworfen von Professor Janssen in Düssel¬ 
dorf. Inmitten der prächtigen, waldreichen Umgegend, gegen¬ 
über der Luftschiffhalle, steht das Denkmal da als Zeichen der 
Dankbarkeit für Männer, deren Tatkraft bis heute noch nicht 
zu ersetzen gewesen. 

Die Zusammenstellung derGewinne beim 
Deutschen Rund fl ug ist jetzt erfolgt, nachdem auch die 
Ergebnisse des Ueberharzfluges sowie der Wettbewerbe in 
Nordhausen und Halberstadt Vorlagen. Von den rund 400 000 Mk., 
die ausser den Ehrenpreisen und Dauerpreisen zur Verfügung 
standen, gewann der Sieger des Rundfluges König den Haupt¬ 
anteil mit etwa 90000 Mk. inkl. der Summe, die vom Kriegs¬ 
ministerium für den Ankauf des erfolgreichsten Apparates aus¬ 
gesetzt worden war. An zweiter Stelle steht Vollmöller mit 
79615 Mk. Büchner, der dritte Preisträger, brachte es auf 
47890 Mk., Lindpaintner auf 32511 Mk., Wiencziers auf 26673 Mk., 
Hirth auf 20250 Mk. und, wenn man auch bei ihm die kriegs¬ 
ministerielle Summe für den Ankauf des von ihm benutzten 
Ettrich-Rumpler-Apparates anrechnet, auf 48250 Mk. Es folgen 
dann Dr. Wittenstein mit 19 046 Mk., Eyring mit x8117 Mk., 
Thelen mit 16557 Mk., Schauenburg mit 14494 Die übrigen 
Teilnehmer am Rundfluge sowie an den örtlichen Wettbewerben 
gewannen Summen von 7845 Mk. bis herab auf 48 Mk. Nach 
Firmen geordnet, haben die Apparate der Luftverkehrsgesell¬ 
schaft mit den Fliegern König, Laitsch, Wiencziers und 
Eyring (Albatros-Zweidecker resp. Moräne-Eindecker) zusammen 
139 623 Mk. gewonnen. Auf Ettrich - Rumpler - Eindecker ver¬ 
dienten Vollmöller, Hirth und Marine-Ingenieur Loew 128 656 Mk. 
Auf Aviatik-Zweidecker brachten es Büchner, Lecompe, Schmidt 
und Jeannin zusammen auf 48467 Mk. Auf Grade-Eindecker 


verdienten Roever, Schall, Noelle, Treitschke und Schwandt 
zusammen 19200 Mk., während Hoffmann und Jahnow auf 
Harlan-Eindecker 11342 Mk. gewannen. Die Übrigen Preise 
entfallen auf verschiedene Maschinen. 

DerSiegerdesenglischenRundfluges Beaum ont 
(Schiff-Leutnant Conneau) hat in der letzten Zeit nicht weniger 
als eine halbe Million Frank an Preisen gewonnen. 

3026 Kilometer in der Luft. Das Luftschiff „Schwaben** 
machte am a. August von Baden-Baden aus seine 25. Passagier¬ 
fahrt, seitdem es in die Hände der Delag übergegangen ist. Auf 
diesen 25 Fahrten wurden ausser seiner Besatzung von durch¬ 
schnittlich 10 Personen im ganzen 360 Personen durch die Lüfte 
getragen. Die Dauer einer Fahrt betrug durchschnittlich zwei 
Stunden, insgesamt 57 Fahrtstunden. Es wurde eine Gesamt¬ 
strecke von 3026 Kilometern zurückgelegt, was einer durch¬ 
schnittlichen Geschwindigkeit von 53 Kilometern in der Stunde 
entspricht. Zu bemerken ist, dass in der Regel nur mit zwei 
Motoren gefahren wurde, und dass einzelne Fahrten bei recht 
ungünstigen Wind- und Wetterverhältnissen stattfanden. An 
obiger Fahrt nahm der französische Sportsmann Graf de la Vaulx 
teil, der am Schluss erklärte, aus einem stets ehrlichen Bewunderer 
sei er ein begeisterter Schwärmer für das Luftschiff des Grafen 
Zeppelin geworden. — In der zweiten Augusthälfte soll das 
Luftschiff „Schwaben“ seine Passag^erfahrten wieder in Düssel¬ 
dorf aufnehmen. 

Wettfahrt zwischen P-Luftschiff und Schnell- 
zug. Eine sehr interessante Wettfahrt spielte sich kürzlich auf 
der Strecke Venedig—Mailand ab, als zu gleicher Zeit der 
Mailänder Schnellzug und das Militärluftschiff P II Venedig 
verliessen. Das Luftschiff blieb zwar während der Fahrt etwas 
zurück, holte aber den Schnellzug während des Aufenthaltes in 
Mestre und Padua ein. Später verschwand das Luftschiff in 
den Bergen, während der Zug Mailand zueilts. 


Schiffahrt. 

Die Rauchverminderung auf dem Rhein. Gelegent¬ 
lich der Hauptversammlung des Rheinischen Verkehrs- 
Vereins in Mainz hat der zum Ehrenmitglied des Vereins 
ernannte Oberpräsident der Rheinprovinz, Staatsminister Frei¬ 
herr von Rheinbaben, erklärt, dass er für die Rauch¬ 
verminderung auf dem Rhein im Sinne des Vereins tätig sein 
wolle. Wie jetzt aus Coblenz gemeldet wird, hat der Ober¬ 
präsident zur Erörterung der Frage, wie der Rauchplage auf 
dem Rhein abzuhelfen sei, eine Versammlung von Sach¬ 
verständigen nach Köln berufen, die am 28. Oktober im 
dortigen Regierungsgebäude zusammentreten soll. Sie wird 
sich aus Reedern, Schiffs-, Maschinen- und Kessel-Ingenieuren, 
Gewerbeaufsichts- und Dampfkessel-Ueberwachungsbeamten zu¬ 
sammensetzen. Für die Beratung ist vom Oberpräsidenten vor¬ 
läufig folgende Tagesordnung vorgesehen: i. Bericht der im 
Jahre 1904 ernannten Kommission zur Prüfung der Frage der 
Rauchverminderung; 2. Mittel zur Verminderung der Rauch¬ 
entwicklung: a) maschinelle (besondere Einrichtung der Feuerung, 
Einbau von Apparaten zur Niederhaltung des Dampfes usw.); 
dabei wird zu erörtern sein, ob die Einrichtungen in bestehende 
Dampfer eingebaut oder nur bei Neubauten verwendet werden 
können; b) Brennmaterial (Qualität der Kohlen, anderes Brenn¬ 
material als Kohlen); c) Heizer (Vorbildung, Anleitung in der 
Bedienung des Feuers, Vermeidung des häufigen Wechsels des 
Personals); d) Anpassung der Schleppleistung an die Maschinen¬ 
stärke, also Vermeidung der Ueberanstrengung der Dampfer; 
e) Rücksichtnahme auf die Oertlichkeit. 


Ausstellungen 

Das Bad in der Hygiene-Ausstellung. 

Die Heilquellen sind die natür¬ 
lichen Coraposita Gottes. Sie sind 
vollkommener an Tugend und 
Kraft, denn alles andere. 

(Paracelsus.) 

Die Entwicklung des Badewesens führt uns die Dresdner 
Hygiene-Ausstellung in einzig dastehender Weise vor. Während 
wir in der Historischen Abteilung sehen, wie bereits im Mittel- 
alter grosse Badefreudigkeit herrschte, wo jung und alt, reich 
und arm Badereisen machte, bis der Dreissigjährige Krieg und 
das Ueberhandnehmen der Seuchen dem ein Ende bereitete, 
wird uns in der Halle für Bäder und Kurorte links vom Haupt¬ 
eingang das Badewesen in seiner jetzt bestehenden hoch¬ 
differenzierten Form vorgeführt, ln wundervollen Dioramen 
ziehen an unserem Auge die bedeutendsten Badeorte der Welt 






' Nr.jy»^^9a pci0QQQQ9QQ0QQ0QQQ 99999aa DEUTSCHLAND g)o e cooooe€)oooeooce 0 ooocicc e 8 ei 319 


vorüber, eine hygienische Heerschau, wie sie imposanter nicht 
gedacht werden kann. Kein Besucher der Hygiene-Ausstellung 
sollte es versäumen, diese interessante Abteilung zu besuchen, 
um sich über die Vorzüge der einzelnen Bäder zu unterrichten. 
Der Fachmann findet in der wissenschaftlichen Abteilung ein 
von Professor Kionka (Jena) in vorbildlicher Weise zusammen¬ 
gestelltes wissenschaftliches Material, das Aufklärung über 
baineologische Probleme in leicht fasslicher Weise gibt. Es ist 
natürlich unmöglich, hier alle die zahlreichen Aussteller einzeln 
zu nennen. Das Königliche Bad Elster führt uns die muster¬ 
hafte Einrichtung seiner Räume für Moor- und Reinigfungsbäder 
in natura vor. Das Weltbad Karlsbad repräsentiert sich in 
einem dunkel gehaltenen geschmackvollen Aufbau. Weiter sehen 
wir Wiesb a den mit einem schönen Modell des neuen Kurhauses; 
das Moor- und Damenbad Franzensbad; Marienbad mit 
seinen berühmten Waldpromenaden; Baden-Baden; die 
Fürstenbäder Pyrmont (für „Blutarme**) und Wildungen 
(für Steinreiche); Teplitz mit neuem Radium-Emanatorium 
der Quellgase; das Gichtbad Salzschlirf (mit hübschen Photo¬ 
graphien vom Besuch der Königin Carola herrührend); das 
Solbad Kreuznach mit den aus dem Quellsinter hergestellten 
Radiumpräparaten usw. Von den grösseren Sanatorien sind 
vertreten: Dr. Lahmanns Sanatorium „Weisser Hirsch** mit 
interessanten Stoffwechselpräparaten aus dem physiologischen 
LfSboratorium unter der Leitung von Professor Kraft und 
von Zimmermannschen Stiftung in Chemnitz (Leiter: Chefarzt 
Dr. Loebell). Von Mineralbrunnen sind zu nennen: Apollinaris¬ 
brunnen in Neuenahr, Biliner Sauerbrunn in Bilin, Reinhards¬ 
quelle in Wildungen, Brambacher Sprudel, Briesnitzer Friedrich- 
August-Quelle usw. Deutschen Fango zu radioaktiven Schlamm¬ 
bädern zeigen Eifelfango - Gesellschaft (Neuenahr) und Gräflich 
Wolff-Metternichsche Fango-Verwaltung auf Schloss Gracht bei 
Liblar, ln friedlichem Wettbewerb mit den natürlichen Kur¬ 
orten demonstrieren einige Fabriken ihre künstlichen Bäder für 
Hausgebrauch und Nachkuren. In erster Linie ist hier die 
geschmackvolle Ausstellung der Firma Max Elb, G. m. b. H. 
(Dresden) mit den bekannten Dr. Zuckerschen Bädern (Dr. Zuckers 
Kohlensäurebäder „mit den Kissen**, Biox-Bäder, Silvana-Bäder) 
zu nennen, die bekanntlich über die ganze Welt Verbreitung 
gefunden haben und in beleuchteten Glaswannen sehr instruktiv 
vorgeführt werden, dann die Radiogen-Gesellschaft und Radium- 
Aktien - Gesellschaft mit Radiumapparaten, Emanatoren usw. 
Die Firmen Moosdorf und Hochhäusler (Berlin) und Thier¬ 
gärtner, Volz und Wittmer (Baden-Baden) zeigen Badeeinrich¬ 
tungen und gesundheitstechnische Apparate für Sanatorien und 
Kurorte. Den Inhalt der wissenschaftlichen Abteilung zu be¬ 
schreiben, würde zu weit führen. Folgende Abteilungen geben 
ein ungefähres Bild ihrer Reichhaltigkeit: Mineralquellenanalyse, 
Radium, Mineralquellen fassung, Balneologisch-chemisches 
Laboratorium, Geologie der Mineralquellen, Mineralquellen¬ 
produkte, Geographische Verteilung der Mineralquellen, 
Wirkungsweise der Mineralquellen, künstliche Bäderpräparate, 
Ausstellung der Königlich Sächsischen Landes-Wetterwarte. 
Kurz, die glänzende Zusammenstellung auf der Internationalen 
Hygiene-Ausstellung ist dazu berufen, die Kenntnis der Bäder- 
wissenschaft in die breitesten Schichten zu tragen. Dr. Rk. 


Ausstellung von Photographien des Bergischen 
Landes in Barmen. In der vom Verkehrs-Verein veranstalteten 
Ausstellung von Photographien des Bergischen Landes erfolgte 
die Preisverteilung. Je eine silberne Medaille der Stadt Barmen 
erhielten der Verein für Liebhaber-Photographie Barmen für 


seine'Kollektiv-Ausstellung und Max Michaelis (Barmen) für seine 
Gesamtleistung einschl. der ausserhalb der Kollektiv-Ausstellung 
ausgestellten Bilder; die bronzene Medaille der Stadt Barmen 
Friedr. Röder (Barmen) für seine Gesamtleistungen einschl. der 
ausserhalb der Kollektiv-Ausstellung ausgestellten Bilder. Die 
Leistungen der Herren Michaelis und Röder waren dem Charakter 
der Ausstellung entsprechend als gleichwertig befunden und die 
Verteilung durch das Los entschieden worden. Die vier gleich 
zu bemessenden Preise, von denen drei der Verkehrs-Verein und 
einen der Verein für Berufsphotographen gestiftet hatte, wurden 
unter die Herren Paul Lemperts und Friedrich Schleg^tendahl (beide 
Barmen), Joh. Müller (Elberfeld) und Herrn. Cleffmann (Voh¬ 
winkel) verteilt. Mit Diplomen für hervorragende Leistungen 
wurden bedacht die Herren Herrn. Bäumer, Max Luhn, Gust. 
Köttgen, Dr. Sprenger, C. Idelberger (sämtlich Barmen), Walter 
Berga (Krefeld), der Verein für Liebhaber-Photographie des 
Barmer Gymnasiums und die Handwerker- und Kunstgewetrbe- 
schule Barmen. Lobende* Anerkennungen wurden zuerkannt 
Gust. Schirp (Vohwinkel), Gust. Schenk (Remscheid) für Volks¬ 
typen und Heinrich Schwarz (Barmen) für Bilder aus der ein¬ 
heimischen Vogel weit. 

Ein Wandermuseum für Kunstgewerbe. Ein 
interessantes und verdienstvolles Unternehmen wird demnächst 
in der Schweiz seine Wirksamkeit beginnen: Der Direktor der 
Züricher Gewerbeschule, M. de Praetere, organisiert 
gegenwärtig ein grosses Wandermuseum für Kunstgewerbe, das 
bestimmt ist, den Handwerkern der kleinen Provinzstädte an¬ 
schaulich vor Augen zu führen, was das moderne Kunstgewerbe 
hervorbringt. Das Wandermuseum umfasst eine grosse, leicht 
auseinander zu nehmende Halle, die 45 Meter lang und 40 Meter 
breit ist. Das Gerüst besteht im wesentlichen aus Eisen, und 
die Wanddekorationen sind sehr einfach gehalten. An der 
Ausaenseite dieses Gebäudes können leicht Glasschränke auf¬ 
gestellt werden, in denen Kunstgegenstände zur Ausstellung 
kommen; das Innere der Halle gliedert sich in vier Abteilungen, 
die je eine besondere Ausstellung vor Augen führen werden. 
Eine Reihe von Automobilen wird bei den Gastspielfahrten des 
Museums die Ausstellungsgegenstände, in denen alle Zweige 
des Kunstgewerbes vertreten sind, von Ort zu Ort befördern. 


Bäder und Sommerfrischen. 

Bad Kudowa hat sich in den letzten Jahren zu einem 
Kurort ersten Ranges mit internationalem Charakter entwickelt, 
da aus allen Gegenden der ganzen Welt Kranke herbei¬ 
strömen, um hier Heilung von ihren Leiden zu finden. Auf 
dem Kurplatz, in den Anlagen und auf den Strassen herrscht 
ein frohbewegtes Leben und Treiben, besonders während der 
Konzerte, oder abends, wenn eine Illumination der gesamten 
Anlagen oder des Schlossberges das Bad und seine nächste 
Umgebung wie in Zauberlicht getaucht erscheinen lässt. Der 
Umstand, dass täglich bis zu 2000 Bäder verabreicht werden, 
dürfte wohl besser für die ausgezeichnete bewährte Heilkraft 
der Kudowaer Quellen, besonders bei Herz-, Blut-, Nerven- 
und Frauen-Krankheiten, sowie Rheumatismus, Gicht, Nieren- 
und Blasenleiden sprechen, als es schöne Worte vermöchten. 

Bad Salzbrunn übt mit seiner schönen Lage und seinen 
herrlichen Anlagen nicht nur auf Kurgäste, sondern auch auf 
Vergnügungsreisen de, Kongressteilnehmer usw. eine grosse An¬ 
ziehung aus. Ausser 6800 Kurgästen mit Begleitung und 
6080 Passanten haben bis zum 20. Juli 40668 Tagesbesucher 


.... \ 

BERUM HRMBURü 

HOTEL ESPLAHADE 

Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 


V 







320 ffse es i aegoo gaeeg^aaaaeeeeaaagim pBUTSCHLAND sEeeeeeeeBeeeeeeeeeeeme^ Hr. 6 

Hotelwesen. 


B^d Salnbrupo bt^üciitk X)ie Berüf3gertosaen.QCli3fi Öeutae^er 
G|2itf4iboh‘’at;tfeq hielt io den prSchtigcn Ranmen des Grand Hotels 
ihre Gene^iyaraatninluug: ab ; der in Breaian tagende Verband 
Üieutschfer Ingenieure, der Sohlssische AutsattiobilkLub, d^a Land- 
wiehi-Dfd^ier-^Kasind tp Bre-iiäii itiit seinen Damed wiblten 
Salihfutin Äü ihrcnj AusBuga^iela, 

Ostpeebad Ablbeck. Ein« von de-o Gäateti tto-sercs 
Ha-deof tes V e r k e h.r a e r 1 e i ch ti:3ät:g MäI 

j fttüt d uf ch ^ioe A - Oihnübbsy er bi n d un g 2 rwi sche in 

I3tid AhIbpck ifffürChÄffenV diö ^ von eine:r Ahlbcck^ clJachait 

ijißgetiicAliet wörii^tivfe^^^ pnirdbus halt direki ah Landun^s^ 
^telJci deh S:^ltin«r Swine münde, nirnoti ypn 

sch kd eh eh Stell e o d«; Stadt wie h vom Bä d b ahnfe o f äsisvgkre 

s.v^^ iind dprchfö^n.- ^dÄ 4er Länge nach, woboi an 

öliid Qqjfr$ijrade?fn gehalten wbd. Es ist aUen Gästen dadiifch 
Gtkl^eihb^äV ge bi^ in die Nähe ihier Wohnüng au fahren 

öäftf W dort nufstu steifen; Für die mit Dampf er 

m Swincrtäü^^ reffenden Gä^te fäll t die □ nangepehme Mog- 

Ucshkett löFtitien Anschlussaug nach Ahibeck i:U verpassen und 
ebfet>^h' daft dtüT^it Verbünden^ Husten durch die Städb Dazu 
isft d^r für die kleineren Gep^äckstÜcke, die jeder eern 

bdi ^ich' häh ^ aro Keiaeakl pngelangt ist, nnnöiig 

woTtlerp Ahob btaucht iijap nicht *u WAiten, bis frie endlich 

diitth: dih BjtvjdUeiir Min nimmt dergleichen Am 

DAtnp fär mit, in d en Om ni bu9 und hat n lies nach; kür Z eh 

ihV'deh; W<?hhhh^^^ 

,0er;B-t äö d des Kofhän&e ö in Py rhtöoV .arm i* Augn^t 
hat nSa<^ e^histr MiKhit uhg der Küi di rekho ö d;as Kürha uä und 
das Kufholet antn Teil jsembru Dis tjf$ 4 dhe de^ Bmndiss 
ist tc^mntiieb, Saibatientiiindting ihlolgc der überm ässigen 
Hitze. per ßadebetdtb lyifd hl^batd ln vollem Umfang: 
wieder nüfgennnirodctv da Öb^E Badekabtnen Unbeschädigt 
ge blieben s m d, ebeheo dae I n hakt of i um ’ D tt. ü br ig e K u r- u n d. 
Badebetrieb erleidet keioe Umefhrpchtiirig. — Nach amtlicher 
FesrstelJung ist der Brand der FdrbUlciaen Kurgebändc dnreb. 
Sei b »ten t k ü n du n e von rfmoit^^ deck ejg e ntsi^vn hI e n ^ 



. P & s 0y & h 4 - I ^ M H h c h eit «Shit 

ätu: d*ü[; 'vöfiteh uiid m o di^n^ftetL Hotelia d er bayerischeo 

Hanpratadf, 0 *^ Hotei Tkgt an 4eh herrhishen 
Äiilögesj, dem vornehtKÄtehi edhtg^an tsttd Ifrekstcn TeiSa 4 i!f 
Sta dst: Seine Eciiferhhh g vo n dv:ti T heaterrii 4eni öUkpjilÄiie^ 
der St^efe^siao, der Giyptotheki den Pioatortheken ‘und dtin 
tneisten übrigen Sehenswürdtgkeitien beträgt in allen PäUen nnr 
einige Minuten- Dk äussere Blfscheinttng wird bestimmt diindi 
ewei mächtige^ sehlossarüge Fronten in den edlen Formen eines 
sp äte n L. o uis X V1., wel ch cn b r^iibT pfl itehg e sch m Ück te Terrassen 
vorgelagert sind. Die innere EEorichiutig stellt oacli den durch¬ 
greifenden Umbauten, die in den Jabrect 1905/06 Und 19.10 utifer 
der Leitung erster MUncheoer KütistUfr vof^homuiEu wurdtme 
ge Leiste Münchener KunÄt^wefbes d^t 

und i^ctja^ficht in bearug auf Bej^uemli^hketr, Oysüfttthcjt and 
4ii;5^i;^4v4ck''-den-^ Ahforde.iü.ngy£j-. D'ie'.G6öei4c^h>ft3=^. 

/Ä4^ö(i-e,;T;4it-'.?rstof'.’0iote: dey-' KpAvefSÄitooss^aairmli:-jips'tn^ndeca 
Ma^i^albiJi.Schßpfun dm ArchUekteo Ino A^CampheLl^^ fj-ogeo 
e)'les<stje^^ Efeg.ain?! ..urid 4bcf|ege!^er kÜpKiteriacbcf 
CJ^ Ai i ii ü4d wählen zu d e n S&heti sw ü td igk eJTkh dkt Äta dt' Deds 

Gartbnlipfe, der in deo Sömmsv^UJonaT^p als Rahmen fÜT eip 
voruehmES geselliges Leben dient, wnrdö in arbhitekiotsi*Ktser 
uifiil gärtnerischer Hinsicht etiie be^anreiche Und sümmiiögS'' 
volle Durchbdijanfi gegeben- 

Verschiedenes. 

Fg a i;;,s p.4;Ä _ M tX jn ei’i ci: ti ' iip-.t li-V- _ Dj* weltberühmten, 

, Festn^üiftuitfungen. yün Meisterwerken Richard 
, ■ Tliid Mb^rts Münch ein hub^&n Ende Juli ihren 

3^.lich ip diesem Jahife ein vor^ 
F«blikum nach dt-r HAuptsiadi |0Ä;yerna 
für dia^e Feetspiele sind 
.■ ^pAeihüf.hPß.-. Mid': ■'■■:;ytih':-- der.Arn14-^heii:A^us^kuhftsielle der 
Kft!!i,l*hirb Stia*'^"!r.c^WsT>hhh-.rtS'.^n:' .i^.. Iptemntiicinalcn 










m '. ■'•/■... 


r'..' >■ .7 ^ ■-■.■' '■• . i‘.A'''./.i''..;':' '■'■•.. ■ .^ 


fO'-'../ . 




• j j j j < ai* ■^lo*pi(uhgrb^ähi4tOO{)OE,), 

C f ^ n ^ C I 53 / | T 1 I n ^ , sit'K, irh^iiL FrhiiHiÄbyerkehrs^ 

" ^ * VÄ »' * -i- ^ FllftiürehjeT 

ftpT 4^?5*4tJpr^ hficiistyri itlA' iJr IC Mf] Üftrhbh^^rilbD, 

:y. ■Btd. 'Vün- Fcaiilchirt'/' SilVB 

.^^..... ........ _ 

Äi-'Itfhiitt. ■ Mpii.,: 'SV'nhffe'MhVijfiöik ^'Ü-h; yjp'.B«8vtt'.1*1: Vj."SU n-, vum 11 timilbh U, 






'n: ^ «7i ■ ihhfutif r ■- ■ lÄi vü h flis \ lait» t.', Äf \ 1 h itpä^i o, ü rh 

i %i T'JrfLtrtT tjrtlf. C*f j dy) - T' hü fi 'fH ' Ifjölkit -% F r^\ 


r^'thd 0^ k bhjRöft^ 

















Stfentlichen Verkehrsbureau in Berlin W 8, Unter den Linden 14, 
'an Interessenten bereitwilligst kostenlos abgegeben. 

Die erste Zuwendung für das geplante Rhein- 
schiffahrtsmuseum. Die zu Anfang dieses Jahres von 
der Zeitschrift „D e u t s ch 1 a n d‘^ angeregte Frage der Er¬ 
richtung^ eines Rheinschiffahrtsmuseums ist auf fruchtbaren 
Boden gefallen. Wie bereits durch die Presse mitgeteilt worden 
ist, bringt namentlich der Herr Regierungspräsident Dr. Kruse 
dem Plan grosses Interesse entgegen. Auf seine Veranlassung 
sind wnächst im Kunstgewerbe-Museum zu Düsseldorf zwei 
Räume für die Sammlung zur Verfügung gestellt worden, mit 
der Herr Direktor Robert Visser in Büderich den Anfang 
gemacht hat, indem er durch die Redaktion unserer Zeitschrift 
das Modell eines der älteren Dampfer der Köln-Düsseldorfer 
Gesellschaft, der „Stadt Bonn**, geschenkt hat. Das Modell 
wurde seinerzeit von dem Vater des Stifters angefertigt, der 
Idnge Jahre Kapitän bei der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft 
war. Das etwa 70 Zentimeter lange Modell bildet bis in die 
kleinsten Einzelheiten eine genaue Wiedergabe des Dampfers 
„Stadt Bonn**, der in seinen Einrichtungen zum Vergleich mit 
den modernen Rheindampfern herausfordert, die natürlich eine 
Reihe von ■ Veränderungen und Verbesserungen aufweisen. — 
Es wäre zu begrüssen, wenn nunmehr weitere Zuwendungen 
für das Rheinschiffahrtsmuseum folgen würden. 

Einen Wettbewerb zur Erlangung eines Bebauungs¬ 
planes hat die Stadt Düsseldorf im Inseratenteil der vorliegen¬ 
den Nummer ausgeschrieben. Es handelt sich hierbei um ein Aus¬ 
schreiben gprossen Stiles, dessen Lösung den Forderungen des 
Verkehrs, der öffentlichen Gesundheit, der Wirtschaftlichkeit und 
der Schönheit auf Jahre hinaus genügen soll. Das Projekt 
werden wir in einer der nächsten Ausgaben eingehender würdigen. 

Errichtung einer Akademie für kommunale 
Verwaltung in Düsseldorf. Die Stadtverordneten-Ver¬ 
sammlung zu Düsseldorf hat am 25. Juli auf Grund einer vom 
^Beigeordneten Dr. Most ausgearbeiteten Denkschrift dem Vor¬ 
schläge der Verwaltung auf Errichtung einer Akademie für 
kommunale Verwaltung zugestimmt. Die neue Hoch¬ 
schule wird die erste und einzige ihrer Art in Deutschland 
sein. Anregung zu ihrer Errichtung boten die Ausführungen 


des Bonner Universitätsprofessors Dr. Stier-Somlo auf dem 
Rheinischen Gemeindetag vom 19. Juni igii, wo der Gedanke 
zur Gründung einer solchen Anstalt von allen Seiten auf das 
lebhafteste begrüsst wurde. Die Akademie bezweckt die Aus- 
büdung leitender Kommunalbeamten, also insbesondere künftiger 
Stadt- und Landbürgermeister auf der Grundlage hochschul- 
mässigen Unterrichts, der einerseits die für den Kommunal¬ 
beamten wichtigen Rechts- und Wirtschaftsmaterien, andererseits 
die verschiedenen Gebiete der kommunalen Praxis berücksichtig^. 
Die Studiendauer soll zwei Semester umfassen. Ein eingehender 
Lehrplan wird demnächst veröffentlicht werden nebst den Namen 
der Dozenten, die teils Universitätsprofessoren, teils Praktiker 
sind. Ueber die Aufnahmebedingungen geben die Satzungen 
der Akademie genaue Auskunft. Sie sind vom Direktorium 
der Akademie (Adresse: Oberbürgermeisteramt 
Düsseldorf) kostenlos zu beziehen, wo auch jede Aus¬ 
kunft erteilt wird. Die neue Hochschule erfüllt zweifellos ein 
dringendes Bedürfnis; fehlt es doch bislang in ganz Deutsch¬ 
land an einer Studienanstalt, wo solche Männer eine gründliche 
theoretische Ausbildung in den Fragen des kommunalen Lebens, 
wie auch einen allgemein umfassenden Einblick in dessen Praxis 
gewinnen können, die, ohne etwa die Befähigung zum Richter¬ 
amt oder höheren Verwaltungsdienste zu besitzen (für die Tech¬ 
niker gilt mutatis mutandis das gleiche) sowohl geneigt als 
ihren Eigenschaften nach imstande sind, leitende Stel¬ 
lungen in der Stadt- und L a n d g e m e in d e v e r w al- 
tung zu übernehmen. In einer Zeit, in der das kommunale 
Leben eine schlechthin beispiellose Entwicklung vollzogen hat 
und damit jede Gemeindeverwaltung vor Aufgaben so vielseitiger 
und schwieriger Natur stellt wie vordem auch nicht in an¬ 
nähernder Weise, ist es nur natürlich, dass auch in diesen Kreisen 
je länger je mehr der Wunsch laut und brennend geworden 
ist, eine gründliche fachliche Ausbildung geniessen zu können. 
So soll die Akademie für kommunale Verwaltung allen An¬ 
wärtern auf solche Posten die nötige Ausbildung gewähren: 
bereits im Amt befindlichen Kommunalbeamten, die sich zu 
Höherem ausbilden wollen, ferner insbesondere Referendaren, 
beflissenen und inaktiven Offizieren, die ja heute einen beson¬ 
ders grossen Anteil für diese Posten stellen; weiter werden 
Nationalökonomen und Techniker, die gegenwärtig mehr als 
jo den Anspruch auf Mitwirkung in der Leitung kommunaler 


u= 


Sorgenlos 


J^^iSCbUlcftc nahezu allen Eisenbahn- 

_ bßrßchtiaen dßn Inhaber zu iealicher Ai 


und ohne Beschwerden zu reisen, ist wohl das Bestreben eines jeden, und zweifelsohne ist kein Gebiet so auf sach- und fachgemäßen Rat 
angewiesen wie gerade das Reisewesen, wenn allen Neuerungen und Einrichtungen im Gefolge des modernen Verkehrs Rechnung getragen 
werden soll. Auf Grund einer 70jährigen und erfahrungsreichen Tätigkeit auf diesem Gebiete ist die Firma THOS. COOK & SON in der 
Lage, Vorteile und Erleichterungen zu gewähren, wie sie wohl von keinem anderen Unternehmen dieser Art geboten werden können. 

Dampfer- und Postkutschlinien der ganzen Welt verwendbar. Diese Billette 
berechtigen den Inhaber zu jeglicher Auskunft von seiten unserer Vertreter und aller Agenturen, ferner gestatten sie 
die freie Benutzung der Leseräume in unseren verschiedenen Bureaus zur Erledigung von Korrespondenzen, sowie die unentgeltliche 
Inanspruchnahme der Dolmetscher der Firma THOS. COOK & SON auf den wichtigsten Bahnhöfen und in den bedeutendsten Hafenplätzen. 

Billette für Salon-Passagiere nach allen Weltriebtungeii 
und zu niedrigsten Preisen. 

Unabhängiges, sorgenfreies Reisen; das Vollkommenste in 
Bezug auf Reiseerleichterung. 


Überseefahrten 
Akkordreisen 

Erstklassige Gesellschaftsreisen allen Ländern Europas u. Amerikas, 

nach Ägypten, Palestina, Großbritannien und Irland. 

IMilciflfTipfCr Passagierdienst vermittelst eigener erstklassiger 


Regelmäßiger 
Dampfer, 

^ ^ Dieselben werden von den bekanntesten Hotels über die 
I lUlClCUUpOrü ganze Welt hin in Zahlung genommen. 

RfinL'. Ilfir! WprhQPlaPCrhSff Vorteilhafteste Bedingungen bei Inan- 
DctllK IIIIU TT wClloCij^vovliClll spruchnahme; Verausgabung von Zu-kular- 

Noten und Kreditbriefen nach allen Ländern. 


THOS. COOK k SOH, Offizielle Uertreter der Deutschen stoutselsenbuhnueruultunien 

für die Ausgabe von Fahrscheinen. 

Hauptbureau: liudg^ate Cirens, liOndon« 


Bremen, Bahnhofetr. 86 
Karlsbad, Karkt 


Köln, Domhof 1 
Dresden, Pragerstr.43 


Salzburg, Sohwarzstr. 7 
Frankfurt a/M., Kalseratr. 28 










522 88980866 0038090 ^^ DEliTSCH tAKD « 6686886666 6000000 1 30000 8 ^^ Nr. 6 


VerwalmQgBTf eibebeni dife Möglfchfe^st jii emäi Sp^jÜausbüdüTif 
iisfhÄlteii, die ihr Fajcbwle»*]^ ^ind F«clifci5nSep gllicklKh dr^äiizt. 
Feruec feijtDTneG ^mehnebeu aadjer^'ü Persän^mkr^Ssiaeii AbiiU' 
Heuten höherer Lithrdnstalten iri Besrachti; für die »^cb th detr 
Ak^denxie für kommÜniU Verw^ltufr^ der Aüägäfigspuokt 
eine gaajt neue LrS(un7ä.bri nndt ÄTig^sichts der ÜeberfUlluttg der 
weiteren Senatjgen Akadetniscben Berufe, euch ^uaaiehtyreiche 
Lsufbahu eröffnet. Die Entwieldung der neuen und neirArtigen 
ijtocbiachule/ die in I>Ü5»eldorfr wo bereit» «ine Verwaltung^- 
bcamtenachule fUr mittlere KtunmuttaJbeuitite und eine PoH/ei- 
mchule für den Pßlizeidienst beatehcu, gerade am recbteo piatae 
wird xhari mit. Interesse i^erfolgen dürfen. Zutn Studien- 
lesH er dieser Akademie Ut der bekannte Umversit^tiji^Friofesaor 
Dr. Stier-Somlb in Bnun berufen Wordinv 

Bin« l hier es eftute Grü n d ung. Oie genofis^scbaft- 
^'^he Organis^tinnsform erobert sieb immer neue Gebiete de» 
Wrrtsehaft^ebens, Ein besohdcra lehrreiches Beispiel dafür 
^jeiet das San^orbim und Erholutigab6rm' Finkeumühle* da» 
'^öm bisherigen Beeilter, Herrn Dr. HoIZt m eine Genosaen“ 

. 5>,chaft mit bea^hrärikter Haftung darcbaus geraeininUüdg^n 
Charakters nmgewahdclt w^Tdett ist. Jeder, der die Ansialt 
3uf5U>;bV. y fi^eiden feefreii ^ werden, sann« 

schwache Gesundheit m kräftigen öder sich vbn den Anstren^ 
gutieen dea Berufe!eben» itvertfneU hüler irjEtli^her Aufsfeiit 
xtL ethofeti, soll dfei^ in Pinkenmühle' itv der Gnwiisshetf ibn 
k ö n ne.ti %. lii dieser Änetitlt kiÄt mein arid ein i nteresse, recht 5f3 ol 
an dir eu v^rdienehi uri d hi er ksii.nst du hnti edingt vörtraiien^ 
Zunächef wird Wie bisher jodermioin Adi'äahme linderi, kpäfer 
aber nur noeb Mitglieder der Genossenschaft, so dis» die 
Anstalt nach Und nach caisächlicb in den Efgenbeslt^ der 
GcEatutbeit der AhftultsbesuchÄr sibergebtn wird. Und damit 
hört rie natürlich auf^ ein: Unteriiehnien tu «ein. dessen Ertrag 
einem einzelnen oder emigen KapitaUsten augute komrpit.. Die 
Genossenschaft Wird so Umemehmeio, das »©inen Ertrag 
ledig lieb im iDtercBie seiner Mitglieder; verwenden kann. Di© 
n©ue Genossenschaft hat ©ich au»«erd©m m § ^ >bf^r Salzurig 
ein groösaügiges Programm , gegeben dOd ibieti 

'VDrstahä äirf GHsb^äti© für die GeöcbäftsfiÖirubg festgelegtj 
die imaig daiteb*hi. abf d©ti eemeinnüt3igcn Erfolg der Anstalt 
von gröastcni Emfluaa Wcfderi dürften und dem Progt*mtn der 
GeselJscbaft für g^oeiertiscbaftiiche Kultur entnommen Äiud. dl« 
{hr?;n Sitz iugleieb tjach Firiktnmlihie verlegt hat* UnteressentöG 
erfahren oTheres direkt durch da^ Sanatpeinm und Erholuugi" 
heim Finkeomuhle, e» G. m. b, Mellenbach b Tbüi. 

Die Einweihung des neuen B o t m er K r a n k ©h ^ 
h a u s e s» In Anwirsenbeh des ObcTpräaidenterii Frhrii^ von Rhein-» 
baben, dea RegieningsPräsidenten Dr. Kruse. des Geheimen 
Medizinalrata Dr, Borntrlger» Von. Bftigenxdnrten, Stadtyer- 
otdnetEö. Vertretern der Aerzteschafti von KränfceivVasseii^ der 
Berufs gen OÄsenscha.A^üi Wurde am nj. Jiili die neue städtfeche 
: KrarikenanstMt feierlith ihrer Bestimmung. libc^rgtb©n. Der 
Gberbürgermeistet teilt© mü,. dass die Stadtvtroirdneteti'» 
yersammlung in ÜehereinfitimiiJUTig mk der Verwaltung als 
^iiisseccs Zeldhea ddt den am Bau uti- 

tuittelbär beteiligi&n feChhfkch^ri Beamten Geld&e^si^bepk© Ubef- 
wiesen und dass sie beschlossen habe^ angeaifebt^ dVir grossen 
Dienste, düe der Oberarzt der äus^rn Abteilutig^ Geheimrat 
Dt-: Heus ner, J ah r^xebht e hin dp rch den 1 ei den dea Milhbfgern 
geleistet habender zur neuen städtischen Kranke riÄRattalifuhtenjdon 
Hauptsfr asse den Nam en Heu a n e ratraase befeul egen ■ i> eh eimtat 
HeusneT gab e'ineti i-Mer^sarifen .TTeberblfek ilibeT dte - EuP 
Wicklung des Kraukenhauswe^tm^, Der .DbprprSjfiideiit Frhf^ 
von Rtiemb&ben sprach allein a.m. Bau Beteiligten den Dank 
der Staati^regierung au» rmd gab folgend© Aüa^oichtiUngen 
bekannt t Oberarzt Dr, Koli erhielt dtep Titel SauitStsfat. 
Dr, Heuaoer den Roten Adlerordeu 4* Klattfie j. dip^ ^iadtver- 
ordneten Kommerzienrat Julius ^rbfilöh und Qtiö 
Kror/ertörden 3. Klasee, der Fabrikaot Kitd .^eumänu und dPr 
St ad i vero rdn e te E verts b u ac h den R roneßo td e n 4 . JCl d e r 

Maarerpolfer Figge das Allgemeine EhreiVteichen, An mnth 

Stadibauinspeklrors Frey gang über 
dW Anlftgc hrid neueri Krankenhauae» schloss 

sieb eine BeidtbligUng arij wobei sich alle anerkennend über 
dl© f^ifeepjfftcheriv . 

BüchefschäU- 

R e ch t a e jf t l g 4 ii Ö e g 1 o n der F o r i e h - u n d R e r * e- 
z « i t ikt Wie ailjälirl^ii! 4©^:: a ch s ch l a g e - (R e I s e) *< B u jth. 
erachienen. Die vorliegende siebente Folge bringt inspfern älci© 
Neuerung, als 4ife4iWS Te;ji© umfasst* Der all gemein ©uhd 
d©t beiehrtikde Mpien Ttote^reSRant^^ Abhandiuogeß über 

ejmseluc Gebiete^ *äv ftv Odenwkld. Pfälzerwajd^ 3chweU, Sec- 


bSddr^ per dritte Teil enthiüt di© Adressen voh etwa too Hotel©, 
Oflwihk'Uisera und peosionen. Diese babe^iV dch verpflichtet, 
da® Gdaien voUe Aujfmerksimkett 'ZU widmen uiid Teii 

b^eündere Vergünsttgungen zu gewähren n AUä dtn gleichseiliig 
mitgeteiiteh Preisangaben geht herw'or. wi© ausserordentlich 
hä lüg (m a;. “xS Mk. pro Woche) ein Ferien© ufantb©Il ge- 

^Italien kann*. Da© Nach h ch fege -( Refee) - Buch ist h©i ; d Vf Aua- 
kunftsteil© für Landaufenthsilt, Mannheim, L : gegen 
Einiondiing v on 30 Pfg* in Briefm a rken erfcfel Öich; 

Des Handbuch des Deuts eben Tohfi ng* Club für 
r^ri wird jetzt ©USgegefaeq. Der ctsIo Teil beschKligt ©ich 
mit den inueren Angelegenheiten de© Klubs, ©erneu Statuten, 
seiner Geschäftaordnung; er bringt äuch dae jährlich anwachaeade, 
Vexzeichnis seiner SektlöDeuj das heuer auch emett Znwach© ©n 
der Spree und in Sachsen bringt, ln der histonechen Reihenfolge 
der Aufnahme von verst^hiedenen Spnrtiwelgen in das Programiafl 
des Klub©, der d©n Wonderspon ln fünf verschiedenen Arten 
püegt« gliedert ©rieb dann der Inhalt des Buchea und vermittelt 
jedem.- der eanem dieser SportzWalge huldigt, ootweudlge und 
reiche Aufe^rhlUsee* Für Radfahrer und Kjaftfahrseuf-Beartsef 
«ind bcatimtni, öud wohl, rlu heberjcigftn di© neben Votichriftcii 
für Greniüberechrejtung, Die Ablcliüng für Winterepoil gibt 
praktisch© Anleitung für AUsrüitung und Toui^n. iü dieker jet*T 
in ihrer Schönheit eikannteu jÄhreseeit, Dfe. AhtelUiug fÖr 
Luftschlffahri berichtet über die fünfzehn Fahrten, J^iuh^ 
ballon© itu leti^en;Jahr© und ©e^gt dl© Vörteiie dtr MUglfeder,^ 
die an einet künftigen Fahtt teil nehmen wollen.. Was; iü der 
jüngsten Schnpfung de© Klubs, im Waaeersport. gemietet Wurde, 
wie »(hoc Flpttill© sich «ntwickjedte und welchea Bestimmungen 
di*, Teilnahme en den Segelfahrten ides Club© ©of dem Starn¬ 
berger See tinterotehl^ teilt der. nächste Absthaitt des Buche© mit 
Jmerisaäh^en. können 4ä© Handbuch de© Deutschen Tourhäg- 
Club durch di« Gesehnt©steifer; Müoohen. PrADoerstrasse 34, 

': bezfeheh-'’ ■ 

Bcblue© de© tedaküonellen Teile©» 

Si?jiiüfUVH^»r aad iHt d*o sifefrEb. TVsli Joiöf Sobaoiteher 

■ -ja bö fttijl 4etf i fUr, ifek - »F hfe fch»hJ ü ad .©mü lfih»n Taü dar Bu □ d «- 

ch.UD: -Rt. * f t^ »kttr A ftä Dv»tk»hrt- 

T*r4iftiie fe hM i f et: diStia A oe©lk^f«*ei*; B ?; u U ä 0 r fe in DtLit»! d nif* 
l^rVrA hnd V^rlfjc d.©t b u 4 »r f e r 1 © ft © et »1 i A.-0. in Dnieald^rf, 



perfotgt ivic& lebe nactf«);mttn$ ftetr edttcft 

Steckenpferd - Clltenntilcii * Seife 

noft fiergttiafin y fceft« Se^fr }m 

iSrlAuantt^ fdrfeih» reip^ett 

&Ulibcn&f4l[?MCn (Teftils* h 50 jit 






Miiiinraninnin« 

©ni Kwissatu^^ 




fOr HersSse und EiholunistedOrttlse. 


Äri,tl Leitung 

Dr^ möd, Staahly 


t>aR £;anz«i Jahr 


JlAufmUiiii. Leitnng! 
Direktor Bntüu 


























THÜRIMGEM 

Wer einmal diesen Jangbrunn fand, der schöpft aus keinem andern, 

Thüringer Wald, Thüringer Land, nur hier mag ich noch wandern! Scheffel. 


FAer Thüringer Wald, im Herzen Deutschlands gelegen, ein herrliches Gebirgsland von ca. 110 km Länge und 35 km Breite. 
^ Prächtiger Hochwald von Tannen, Fichten und Laubwald, wasserreiche Täler, mit vielen alten Burgen und Schlössern 
bekrönte Höhen. Berge bis 1000 m Höhe (Großer Beerberg 983 m, Schneekopf 978 m, Finsterborg 944 m, Inselsberg 916 m, Kickel- 
hahn 861 m, Adlersberg 850 m). Auf dem Kamm des Gebirges ein uralter 170 km langer Grenzweg, der „Rennstieg“, der Thüringen 
von Franken scheidet. Unerschöpfliche Fülle herrlichster Spaziergänge, wundersame Aussichtspunkte. Der Thüringer Wald ist 
mit seiner reinen, frischen, ozonreichen Luft als Somraeraufenthalt für Rekonvaleszenten und Erholungsbedürftige unübertreffbar. 
Im Winter Schneesport (Oberhof, Jlmenau, Friedrichroda), große Schneesportfeste. Über 75 Kur- und Badeorte in allen Höhenlagen 
mit vorzüglichsten Unterkunftsverhältnissen. Hotels und Kurhäuser für hohe und bescheidene Ansprüche in großer Auswahl, 
or* Kleinen Führer durch Thüringen versendet kostenlos der Thüringer Hotelier-Verband in Erfurt. 

■■■■■■ Sonder-Prospekte durch die Unterzeichneten Hotels. - - 

Apolda Bedeutende Wollwarenfabrikation. IBei Gehlberg: Gehiberger Huble lOberbof gern besuchter Höhen- und Luftkurort. 


Hotel Zur Post 


Bes. Rob. Meissner 


nVnttffflt Liebfrauenkirchc. 

HllldiUUl Schloßruine, unweit Wachsenburg, Miihl- 
berger und Wandersieber Gleiche. 
Bahnhofshotel Bes. Carl Hahn 

Hotel Goldene Henne „ Edm. Böttner 
Hotel Kurhaus „ Edwin Köhler 

Hotel Goldene Sonne „ Wilh.Vettrieck 

Blonkenburg in Tbilr. Fröbels Wohnhaus. 

Ruine Greifenstein. 

Hotel Chrysopras Bes. Hugo Lösche 

™ Wilhelmshöhc, Her- 

LUjJol kules, Löwenburg, Kaskaden. 

Hotel Royal Bes. Paul Lahnstein 

rAhllSff ^ h* 23 000 E. Residenz. Feste 
lUOUry Coburg 464 m. 

Bahnhofshotel Bes. Gebr.Schumann 

Hotel Festungshof „ Bich. Künzel 
Hotel Goldene Traube „ Fritz Götze 

Ff ton ff rh ^ 40000 E. Residenzstadt. 

Wartburg, Lutherhaus, Burschenschafts¬ 
denkmal, Drachenschlucht, Stätten der hl. Elisabeth. 
Bahnhofsrestauration Bes. L. Köhler 

Hotel Deutsches Haus „ P. Karthun 

Hotel Elisabethenruhe „ August Röder 

Hotel Erbprinz „ Gustav Jacob 

Hotel Goldener Löwe „ Fr. Beck 

Hotel Großherzog v.Sachs.„ Alfr. Gümpel , 
Hotel Junker Jörg „ Oswin Schröter 

Hotel Kaiserhof „ Gustav Franke 

Hotel Karthäuserhof „ Theod.Mattheus 

Berghotel Marienhöhe „ Lorenz Freitag 

Hotel Der Rautenkranz „ Adolf Wagner , 
Hotel Thüringer Hof „ O.u.C.Mattheus 

Hotel Waldhaus Direkt. Gust. Gotzian 

Hotel a. d. Wartburg Bes. Alfr. Gümpel 

„ Dinter & Hess 


Bei Gebiberg: Gebiberger Hiibie 

Idyllischer Platz unweit Bahnhof Gehlberg. 
Hotel Gehlberger Mühle Bes. Ernst Möller 

fSoAVff All4hfl1 M. 1100 E. Zisterzienser- 

UwUlgiSlllllUl Klosterruincn. 

Hotel Deutscher Hof Bes. H. Al brecht 
Kurhaus Schützenhof DirektorWilh.Koch 

finfhff 310 m tt. M. 40000 E. Residenz, Herzogliches 
UUlllU Palais, Orangerie, Schloß Friedenstein, Wasser- 
si)ielc, Krematorium. 


Hotel Herzog Ernst 
Hotel Mahr 
Hotel Zum Propheten 
Hotel Stadt Coburg 
Hotel Wtinscher 
Restaurat. Parkpavillon 


Bes. Martin Graff 
„ D. Mehlig 
„ E. Pohlmann 
„ C. Kallensee 
„ P. Lugenheim 
„ E. Oppermann 


UU6I11U1 gern besuchter Höhen- und Luftkurort. 
Bedeutende Wintersport-Feste. Herzogliches Jagd¬ 
schloß. Schöne Ausflüge. 

Grand Hotel Kurhaus Bes. C. Faulmann 
Kurhaus Marienbad Direkt. W. Binkhorst 
Hotel Sanssouci Bes. Max Hoffraann 

Herzogi. Schloßhotel Bes. Fritz Welz 
Hotel Schweizerhaus „ Georg Matthes 
Hotel Schweizerhütte „ F. Brand 
Grand Hotel Wünscher „ Erich Wünscher 

BeiOberbof:ScbinQcke Sclincekopf (Ü78 m ti.M.) 


Kurhaus Schmücke 


Bes. A. Rechenbach 


Hotel Zimmermann 


Bei Eisenach: Hohe Sonne nach derWartbnrg. 


Hotel Hohe Sonne 


IIIIIIS nach derWartbnrg. 
Bes. O. Zimmermann 


FIffOVfhilllff ^ Rcrrlichc Ans- 

CiyiSl«UUry flUge. unweit Kickclhahn 8G2 m. 

Hotel Herzog Ernst Bes. R. Degenkolbe 

pFFllrt 210mü.M. 12.5 000 E. Metropole und älteste 
CI Hill Stadt Thüringens, ehemalige Festung und 
Universität, Lutherstätten, Dom, Blumenfclder, 
Steiger, prächtiger Naturpark. 
Bahnhofsrestauration Bes. E. Naumann 


Central-Hotel „ F. Bommüller 

Hotel Erfurter Hof „ G.Kossenhaschen 

Grand Hotel Europ. Hof „ Die Direktion 
Hotel Preußischer Hof „ Theod. Schmidt 
Hotel Rheinischer Hof „ Albert Schmidt 
Hotel Zum Ritter „ W. Lindemann 

Hotel Silber „ Paul Silber 

Hotel Thüringer Hof „ Herrn. Winzer 
Hotel Weißes Roß „ Friedr.Wallberg 

Finsterbergen Nervenkurort. 

Kurhaus Felsenstein Bes. A. Hildebrandt 

PriorfMrIllfnfIff Besuchtester Badeort. 440 m U. M. 
I IlwUl IwlirUUU 4600 E. Unweit Lustschloß Rcin- 
hardsbrunn und Inselsberg. 

Hotel Bellevue Bes. C. Schmidt 

Hotel Herzog Alfred „ Emil Sauerteig 
GrandHotelHerzogErnst« F. H. Zorn 
Hotel Kurhaus „ E.Eckardt&Söh. 

Hotel Zur Schauenburg „ Georg Reif fei 
Hotel u. Pension Schütz „ Otto Schütz 
Waldsanatorium Tannenhof 

Bes. Dr. med. K. Bieling 


Großbreitenbach 

Göhrings Hotel Bes. Aug. Göhring 

Hotel Zum wilden Mann „ Arno Hössrich 

^34 m ü. M., in nächster Nähe des 
UlUlJlllUUlir Insclsbergcs. 1300 E. Parkälinliche 
Umgebung. 

Hotel Kurhaus Bes. Hugo Göllnitz 

Hotel Schießhaus „ C. Echarti jun. 

Herges-Vogtei .Jrusenthal** 342 u. m. 

Hotel Wasserfall Bes. W. Ittershagen 

IlniOnnil 473 m U.M. MOOOE. Technikum, Sanator., 
JllllvIlUU Goethehäuschen. Beliebte Sommerfrische. 

Hotel Zum Löwen Bes. Carl Vogt 
Hotel Sächsischer Hof „ Eduard Wandt 

Hotel Zar Tanne „ Gustav Pippel 

lOllff Berühmte Universitäts- 

JvlIU Stadt im Saaletal. Krematorium. 

Hotel Z. schwarz. Bären Bes. Otto Bieringer 
Hotel Deutsches Flaus „ Eduard Heyne 

Hotel Kaiserhof „ OttoChryselius 

Hotel Zur Sonne „ H. Kaiser 

Rfifl HnfAn H^mü.M. 3000 E. Rudelsburg, Ruine 
DUU IlUjfSll Saalcck, Gradierwerke. 

Kurhaus Mutiger Ritter Bes. Herrn. Weber 

Do! WnfOn herrlichem Blick auf das Saaletal 
Dwl liUtfCll (85 m über der Saale). 

Rest. Auf der Rudelsburg Bes. Ad. Büchner 

1 OhOffon ^‘^3 m ü. M. 2100 E. Bedeutende Schiefer- 
LwIlwJlvll brüche, Felsgrotte. 

Hotel Felsgrotte Bes. Ludw. Münzer 

Hotel Weber „ Gg. Weber jun. 

Bad Liebenstein Felsentheater. 

Hotel Kurhaus Bes. E. Polzin 

Hotel Meininger Hof „ Otto Wetter 
Schneiders Hotel - O. Schneider 


Ohrdruf 384 ni ü. M. 6500 E. Schloß. 

Hotel Goldner Anker Bes. Gustav Alt 

DllriAlflnifF ^37 m ü. M. 13000 E. Schloß 
nUUUljlUUl Hcidecksbuig. 


Hotel Zum Löwen 


Bes. Ourioni & Fürth 


IffOin 34b m ü. M. 1600 E. Ruine, 
IjIcIII Fclsenthcatcr. 
laus Bes. E. Polzin 

linger Hof „ Otto Wetter 

Hotel „ O. Schneider 

300 m ü. M, 17 000 E. Alto Stadt mit 


MDininnOTI 17000 E. AUo Stadt mit 

nirfllllllgwil historischer Bedeutung. Residenz, 


Schloß, Denkmäler. 
Hotel Erbprinz 
Hotel Sächsischer Hof 


Bes. H. Seiler 
„ F. Gröbler 


HOhihausen in ThUr • Schöne Kirchen, Denk¬ 
mäler, Altortumsmuscum, großer Stadtpark. 

Hotel Zum Adler Bes. J. Schlenker 

Hotel Grüne Linde „ A. Ahlendorf 
Hotel König von Preußen „ Wilhelm Groh 
Hotel Z. weißen Schwan „ J. Hohmuth 

NfllllflllllFn IflOniü-M. 28000 E. Oberlandesgericht, ' 
llUUlllljUiy Kadcttenanstalt. Schöner Blick ins 
Unstruttal nach Froyburg. 

Bahnhofshot. Kaiserhof Bes. Mart. Lieboldt 
Kurhaus u. Sanatorium „ C. E. Wngner ^ 
Hotel Preußischer Hof „ Friedrich Rath 


Rllhlfl Bandgrafenschmiedo, 

liUlllU Aussichtsturm, Schloß Altenstoin. 

Bellevue-Berghotel Bes. A. Nordmann 

ffinlPAlffl 217 m ü. M. 15000 E. Salzquellen, Ruine 
JUQIICIU Hoher Schwarm. 

Hotel Thüringer Hof Bes. Aug. Annsinn 

Bad Salzungen Salzunger Sec, Sceberg. ^ * 

Hotel Kurhaus Bes. Gustav Boden 

Hotel Sächsischer Hof „ L. Michael 
Hotel Waeltz „ Wilh. Waeltz 

Scbmalhalden Mineralbäder. 

Hotel Zur gold. Krone Bes. Robert Schöne 

Bel Schmiedefeld nm Adlersberg Tm. 

Wunderbares Bergpanorama. 

Berghotel Stutenhaus Bes. H. Juchheim 

Schwarzburg in ThUr. Perle von Thüringen. 

Fürstliches Schloß, Fasanerie, Trippstein, herrliche 
Waldformation. 

Hotel Schwarzb. Hof Bes. R. Bergmann 
Hotel Thüringer Hof „ Carl Nöller 
Hotel Weißer Hirsch „ Rob.A.Huebner 

Sömmerda nadclgewelirö. ^ 

Hotel Zum Schwan Bes. Fritz Göbel 

Sondershausen servatorium. 

Hotel Zur Tanne Bes. Wwe. Weißgerber 

^AlinAhAVff 386 m ü. M. 16 000 E. Bedeutendo 
ijUllllwUvl y Spielwarcnfabrikation. 

Krugs Hotel Bes. E. Stier 

Rai TiiIiI ^^31 m tl. M. 14500 E. Borülimtc Waffen- 
DlSl JUIII fabrikation, Ottilienstein, Williclmshöhe. 
Domänengasth. Aschenhof Bes. Louis Kraft 
Kurhaus Wilhelmshöhe „ W. Kummer 

Bad Thal in Thür. ™?no”scL^Jionrg?'- 

Kurhaus Tannhäuser Bes. F.E. Schwanitz 

UIOIITIfff 35000 E. Residenz, Schiller- 

WwlIllUI Goethehaus, Liszt-Museum, Fürstengruft, 
Belvedere. 

Hotel Elephant Bes. Paul Leutert 

Hotel Erbprinz „ Carl Vetter 

Hotel Großherzog v. Sa. „ Karl Mende 
Hotel Kaiserin Augusta „ Rich.Langsdorf 
Hotel Russischer Hof „ Albrecht Drüge 

lllAlftAnPAlf 102 m ü. M. 34000 E. Schloß, Schloß- 
WClUclUclj kirchc, Denkmäler. 

Hotel Zum Schützen Bes. Paul Kloppe 
Zeitz U>5 m ü. M. 35 000 E. Moritzburg, Trinitatis- 

Hotel Sächsischer Hof Bes. Carl Claus 




D 


Friedrichroda 

im Thüringer Wald. l.. . 1. i-_i 450 m über dem Meere. 

Alle hygienischen 
Errungenschaften. 

2 Bahnhöfe: Reinhardsbrunn 
und Fpiedrichpoda. 


Auskünfte u.Prospekte kostenlos 
durch die 

Stfidtische Kur-Verwaltung. 

Sommeraufenthalt Sr. Kgl. Hoheit Karl Eduard von Sachsen-Coburg-Gotha. 


BesadilüstN klUisiliei Kotott 


Frequenz 1910: 15 000 

(ausschl. derjenigen, die nur vorüber¬ 
gehend verweilten). 

Täglich Konzerte. Kurtheater, 
Bergtheater, Sportplätze. Kom¬ 
fortable Hotels und Sanatorien, 
Pensionshäuser und Villen. 



B 


ohns Pensionshaus = 

(Privat-Hotel) 

Nähe Kurhaus, Höhenlage. Komfortabel. 
Prospekte. Telephon 258. Bes.: Cp. Bohn. 


Q 


eh.-Rat Dr.Kothes Sanatorium 

— Am Bahnhof Reinhardsbrunn gelegen. — 
Modernes, komfortables Haus. Park. Tel. 22. 


G 


rand Hotel Herzog Ernst = 

Am Herzogsweg. Komfortables Haus. Lift. 
Höhenlage. Auto-Garage. Telephon Nr. 11. 

Besitzer: F. H. ZoPn. 


H 


otel Kurhaus 

Südlage. Lift. Komfortable Pension. Täglich 
Konzerte. Telephon 2. Bes.: F. Eekapdt. 


H 


otel Schauenburg ^ 

Im Zentrum gelegen. Komfortable Pension. 
Bäder. Telephon 9. Besitzer: Reiffl. 


H 


otel Waldhaus ^ 

Nähe Reinhardsbrunner Bahnhof. Komfortabler 
Park. Tel. 8. Prospekte. Bes.: Dp. Apnold. 


H 

N 


otel Waldschlößchen 

Pension. Gut bürgerliches Haus. Am Hoch¬ 
wald gelegen. Dunkelkammer. Prospekte. 
Telephon 30. Besitzer: Alb. Bonsaek. 


atur-Heilanstalt — 

Im „Grund“ am Eingang des „Kühlen Tales‘‘ 
gelegen. Kurmethode nach Naturheilverfahren. 
Prospekt. Telephon 3. Bes.: Dp. Max Böhm. 


p 


ARK-VILLA — 

An der Tabarzer Straße. Herrlicher Park. 
Ruhige Lage. Telephon. 


p 


ension Pfeifer 

Am Herzogsweg. Komfortables Haus. Ruhige 
Höhenlage. Bäder. Prospekte. Bes.: CaPl PfeifeP. 


p 


ension Schütz Telephon Nr. 15. 

Oberbuchig gelegen. 4 Villen. Komfort. Ruhige 
Lage. Prospekte. Bes.: Otto Schütz. 


p 


ension Willweber — 

Am Perthesweg, Nähe Kurhaus. Komfortable 
Bäder. Prospekte. Tel. 250. Bes.: PaulWillwebcP. 


s 


anatorium Dr. Lotz ^ 

Am Perthesweg, Nähe Kurhaus. Komfortables 
Haus I. Ranges. Prospekte. Tel. 20. Bes.: Dp. Lotz. 


yn\a 


Gielen 


Am Oberbuchig. Schöne Lage. Komfortable 
Bäder. Prospekte. Bes.: Fpau Reusehe. 


Tetzmer 

Am „Gottlob“ gelegen. Klein, aber gediegen. 
Ruhige Lage. Bes.: FpI. TetzmeP. 


W Am „Gottlo! 

* Ruhi"" ^ 

w 


ald-Sanatorium Telephon 21. 
Am Herzogsweg. Tjinnpnhnf“ 

Komfortabl.Haus »» * dllllClIllUl 

I. Ranges. Prospekte. Bes.: Dp. Bieling. 
















































































■ @ Orion fOr die deutschen uerkehrs-lnteressen m ■ 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Oerkehrs-Verelne 




I 



Duisburg: Burgplatz mit Rathaus und Salvatorkirche 


































Von Liondon nach Berlin und Dresden. 

(Mitgeteilt von der Königlichen Eisenbahn-Direktion Cöln.) 


London 


—’nartvich 

Dover 

FolKesrone ^ 3 ,^ 


MoeK van Holland 


Hannover 

^ 175rd. 


Ro^^erdam^«% 

'* «VlissiTije^ 

Ö^nde 


Berlin 

21Shck 


Wesel 

13S^d. 


Brü 5 «el 


Die Stuodenangaben bedeuten die 
kürzeste Fahrzeit von London. 


ü n s lep/ 

> ^ yuortrr\und 

Essen i 55 rd. 
135rd. 

Düsseldorf 

135td. 


Braunschweig 

"\i95rd 


Aachei?^ 

ir/2 srd. 


CölnlgVaSM. 


Magdeburg 

I 2C5td. 


fekieipzig 

Dresden 

245M. 


liOndon— Berlin—Dresden 


London! al 

(Liverp. St.) 
Hoek V. Holland*,, 
Rotterdam* „ 

Utrecht* „ 

Oldenzaal* „ 

Bentheim§ „ 

Rheine ai 

Osnabrück „ 

Löhne ,, 

Hannover „ 

Berlin „ 

(Friedrichstr.) 

Braunschweig ,, 

Magdeburg ,, 

Leipzig 

Dresden „ 


1 Uber 'Vlisoinsen 


Uber Ostende 

Uber Calais 

(Vict.) 

London! 

ab 1000 

1000 

815 

London! 

ab 1 9001 900 1 2*01 900 

London! 

ab| 9001 900 

1100 

(Vict.) 




(Charlng Cross) 

(Charine Cross) 


Vlissingen* 

710 
rt * — 

700 

4?6 

Ostende! 

„ 332 405 840 342 

Calais! 

1250 1250 

246 

Roosendaal* 

» 8ü; 

806 

642 

Brüssel! 

„ 523 500 1124 545 

Brüssel! 

,] 6*» 600 

1124 

Gennep* 

„ 1046 

103» 

765 

Aachen§ 

an 937 1007 415 1004 

Aachen 

an 937 9»« 

4 I 6 

Goch§ 

1120 

1105 

832 

Cöln 

„ 1046 11^ 540 1114 

Cöln 

„ 1(1« 1101 

540 

Wesel 

an 1200 

1140 

908 

Cöln 

ab 10^ 11^ 724 100 

Cöln 

ab 10^ 1180 

724 

Oberhausen 


1216 

936 

Düsseldorf 

an 1133 1204 768 133 

Düsseldorf 

an 1183 1204 

768 

Essen 

C j| 

1244 

1000 

Essen 

„ 1213 12M 844 210 

Essen 

1218 12M 

844 

Dortmund 

” 2 = 


1037 

Dortmund 

„ 1262 1 ^ 921 ‘236 

Dortmund 

„ 1258 133 

921 

Hannover 

,, 412 

428 

145 

Hannover 

„ 346 428 1213 561 

Hannover 

„ ■ 3-16 488 

1213 

Berlin 

„ 767 

864 

520 

Berlin 

729 834 348 986 

Berlin 

„ 779 854 

348 

(Friedrichstr.) 


Potsd 


(Friedrichstr. 

Potsd. 

(Friedrichstr.] 

Potsd. 




Bhf. 



Bhf. 


Bhf. 


»Braunschweig,, 5*6 

5*6 

436 

Braunschweig,, 526 526 23*4 7 ^ 

Braunschweig,, 526 526 

234 

Magdeburg 

„ 645 

646 

602 

Magdeburg 

„ 646 646 367 860 

Magdeburg 

„ ! 646 646 

357 

Leipzig 

„ 906 

906 

'806 

Leipzig 

906 906 611 1130 

Leipzig 

„ 906 906 

611 

Dresden 

„ 1120 

112Ö 

1006 

Dresden 

„ 1120 1120 6^ 145 

Dresden 

„ ,1120 1120 

6^ 


c 1 

S 1 



1 ö a 0 — 


1 .2 

e -r ä c 

Sl ! 


S’Sa 

w>ö a 

C3 • <y 



bcis Mb 


® ® ^ 







^CQ ^ i 


j ^ 1 

5? J. 


iS « flQ 

iS 

S « £ 

'S .2 5 



S'S Si S'S 

j3 0 ja.2 ja 9 

Ü ® 0 *0 Ö 


1 rt • ’s 1 

! — • C 

: ja 00 J3 ^ 

2® 
s ® 


CG > 




05 'S ^ ^ 

0 ^ 


cc £ Kü 

1 ® 

WpQ 


Dresden—Berlin—Dondon 


aber Hoek v. Holland 

Dresden ab 8^^ 

Leipzig „ 1036 

Magdeburg „ 12^3 

Braunschweig „ 2^^ 

Berlin „ 

(Friedrichstr.) 

Hannover „ 336 

Löhne ,, 

Osnabrück „ 

Rheine „ 7il 

Bentheim§ „ 73* 

Oldenzaal* „ 7*1 

Utrecht* an 937 

Rotterdam* „ lOH 

Hoek V. Holland* „ l ll» 

London! » 

Liverp. St. 


and 

Uber Tlisslns:en 


Uber Ostende 



Uber 

Calais 


800 

Dresden 

ab 

800 

726 

715 

Dre.sden 

ab 

536 

1036 

715 

7 I 6 

Dresden 

ab 

636 

1036 

715 

1036 

Leipzig 


1036 

905 

905 

Leipzig 


664 

1269 

90 Ö 

905 

Leipzig 

11 

664 

1259 

906 

1243 

Magdeburg 

V 

1243 

1144 

1144 

Magdeburg 

D 

936 

269 

11^1 1144 

Magdeburg 

11 

936 

269 

1144 

210 

Braunschwei 

S >> 

219 

113 

113 

Braunschwe 

gn 

1106 

4.30 

113 

113 

Braunschweig,, 

1106 

436 

113 

1140 

Berlin 


1140 

94 s 

1028 

Berlin 


869 

332 

943 

lOM 

Berlin 

11 

869 

332 

943 


(Friedrichstr) 




(Friedrichstr.) 





(Friedrichstr.) 




336 

Hannover 

1) 

336 

224 

234 

Hannover 


1246 

6^ 

224 

307 

Hannover 


1246 

658 

224 

616 

Dortmund 

)) 

6^ 

632 

ii 

Dortmund 


347 

944 

5^^ 

607 

Dortmund 


347 

944 

5^ 

624 

Essen 


727 

622 

Stg 

0 ^ 

Essen 

)) 

425 

lOiD 

616 

641 

Essen 


425 

1010 

616 

7n 

Oberhausen 

)) 

762 

702 


Düsseldorf 

7 j 

513 

1104 

704 

727 

Düsseldorf 


5 I 6 

1104 

704 

732 

Wesel 


820 

727 

666 

Cöln 

an 

548 

UM 

740 

802 

Cöln 

an 

548 

1138 

740 

724 

Goch§ 

an 

900 

809 

739 

Cöln 

ab 

613 

1200 

766 

807 

Cöln 

ab 

613 

1200 

766 

937 

Gennep* 


916 

769 

769 

Aachen§ 

V 

727 


912 

923 

Aaohen§ 


7H 


912 

lOH 

Roosendaal* 


10^ 

936 

913 

Brüssel! 

an 

968 

361 

1131 

1131 

Brüssel^ 

an 

9^ 

351 

1126 

1118 

Vlissingen* 


1135 

1045 

1020 

Ostende! 

V 

1100 

728 

242 

112 

Calais! 

,, 

IM 

101 

346 

800 

London! 

?> 

747 

7^ 

733 

London! 

11 

5^ 

510 

1000 

1000 

London! 

11 

638 

510 

710 


(Vict.) 





(Charing Cross) 







Char.Cross 

Vict( 





a ä 

g ö 




g-S 


sl 


1 


g ® 

g5 






bc 1 ® 

cs I bc 






<s ® 




bc S 

« 2 : 






tt ® Ö 
2 *« 

^ ö Ö 




1 

^ — 

.2a 




S ' 

^ 1 





CG 

CG 




-s 

-O 0 
CG® 

® 'ä. 
'G © 
CQ 




coo 

CG« 


! Westeuropäis ohel 
* Amsterdamer J 
§ MitteleuropäischeJ 




DEUTSCHLAND 


Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln 


X Bezug-spreisproJahröM.,viertel- X 

♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦ 

♦ 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦ 
J eines jeden Monats (im Juni, Juli X 

♦ und August monatlich zweimal) ♦ 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 


♦ ^ ^ ♦ 

♦ Anzeigenpreis 40 Pfennig die X 

♦ viergespaltene Kolonelzeile ♦ 

♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦ 
X Breite. — Bei Wiederholungen X 

♦ entsprechende Ermälzigung ♦ 


Nr. 7 


Düsseldorf • Erste August-Ausgabe 1911 


II. Jahrg. 


Bad Harzburg. 

Von Hermann Grammlich. 


Unter den Kurorten, deren der waldreiche Harz 
wahrlich eine große Anzahl aufzuweisen hat, nimmt 
Bad Harzburg wegen seiner landschaftlichen Schönheit 
sowie der mannigfaltigen Lieblichkeit seiner Lage einen 
hervorragenden Platz ein. An die Stelle, wo die Radau 
aus den Bergen in die allmählich sich bildende Ebene 
hinaustritt und die erregten Wasser des lustigen Gebirgs- 
flusses ruhiger werden, setzt Bad Harzburg an und klettert 
weithin an den Bergen hinauf. Die Stadt selbst ist mit 
einer ungeheuren Raumverschwendung angelegt, fast 
jedes Haus hat seinen Garten mit Obstbäumen, die im 
Mai wundersam blühen und deren süßer Duft dich bis 
hoch in die Berge hinein verfolgt. 

Bad Harzburgs Höhenlage eignet sich namentlich 
für Herzleidende und Nervöse, durch Tätigkeit Abge¬ 
spannte, für die Hochgebirgsklima zu energisch wäre. 
Die unmittelbare Nähe der Waldungen erleichtert selbst 
Schwachen den Aufenthalt unter dem Schattendach 
herrlicher Bäume, an den Ufern rieselnder Gebirgsbäche 


in einer Luft, die durch meilenweite Fichten- und Buchen¬ 
bestände förmlich durchsiebt und mit Ozon und Waldes¬ 
duft überladen ist. Zu solchen Raststätten führen zahl¬ 
reiche vortrefflich gehaltene Wege, mit einer Gesamtlänge 
von ungefähr 150 Kilometern, und die den Wanderer 
weiter geleiten ins Dickicht, auf die Höhen zu Fernblicken 
in das Land, den rüstigen sogar bis an den Brocken, 
dessen kahles Haupt den südlichen Horizont machtvoll 
beherrscht. An Ruhesitzen ist kein Mangel, viele 
Hunderte von Bänken sind in den Waldungen von Bad 
Harzburg aufgestellt, über dessen Bedeutung als Luft¬ 
kurort Geheimrat Professor von Bergmann schreibt: ^Bie 
Luft in Bad Harzburg ist so unvergleichlich schön, wie 
ich sie nur noch im Engadin gefunden habe." 

Daß Solbäder, unterstützt durch solche Luft, sich 
als besonders heilsam erweisen, bedarf eigentlich keiner 
Unterstreichung; tatsächlich erzielt die Juliushaller Sole 
(lO^/o) außerordentliche Erfolge bei rheumatischen und 
gichtischen Leiden, Skrofulöse und Rachitis, sowie auf 



Bad Harzburg : Bück vom oberen Weslring 


























324 DEUTSCHLAND Nr. 7 




dem großen Gebiete der Nerven-, Stoffwechsel- und 
Frauenkrankheiten. Neben den Badekuren, die in dem 
vornehmen städtischen Badehause verabfolgt werden, 
spielt die Krodoquelle in Bad Harzburg eine wichtige 
Rolle. Sie hat als leicht abführender Kochsalzbrunnen 
ähnliche Ergebnisse wie Kissingen und Homburg und 
weist in bezug auf die Neubelebung träger Darmtätigkeit 
ganz hervorragende Resultate auf. Die Anzahl derer. 


welche die Krodoquelle dankbar verehren und trinken, 
wächst von Jahr zu Jahr. Den originellen Namen 
verdankt die Quelle dem Götzen Krodo, dessen Altäre 
in vorchristlicher Zeit auf dem Burgberg gestanden 
hoben sollen. Eine dritte Quelle, die Juliusquelle, 


liefert das bekannte Tafelwasser, den Juliushaller Sauer¬ 
brunnen, der sich in der alten und neuen Welt beson¬ 
derer Beliebtheit erfreut. 

Zu allen diesen Faktoren gesellen sich noch 
angenehme Wohnungs- und Verpflegungsverhältnisse. 
Neben Logis mit dem größten Komfort gibt es auch 
Wohnungen für Leute mit bescheidenen Ansprüchen, 
in jeder Hinsicht gut und preiswert. Um sich schon in 

der Heimat ein ge¬ 
naues Bild von der 
Höhe der Kosten zu 
machen, versendet das 
Herzogliche Badekom¬ 
missariat kostenfrei ein 
Wohnungsverzeichnis 
mit sämtlichen Preisen 
für Logis und Bekösti¬ 
gung. Diesem ist ein 
Orts-Plan beigefügt. 
Auf Wunsch stehen 
„Illustrierte Führer", 
ärztliche Broschüren 
über Harzburgs natür¬ 
liche Heilmittel von 
der obengenannten Be¬ 
hörde kostenlos zur 
Verfügung. 

Wollte man nun Bad 
Harzburg als Kranken¬ 
stadt in ominösem 
Sinne des Wortes be¬ 
zeichnen, so hätte man 
damit das unrichtigste 
getroffen. Im Gegenteil. Hier sprudelt des Lebens 
frischer Born so froh und freudig wie nur irgend anders. 
Im Mittelpunkte des geselligen und geistigen Lebens 
steht das Kurhaus, ein einfacher, vornehmer Bau mit 
einer breiten Veranda, die bequem 600 Personen faßt. 

Von der davor gela¬ 
gerten halbkreisförmi¬ 
gen Terrasse bietet 
sich ein wundervoller 
Ausblick. Nach links in 
die freundliche Stadt, 
nach rechts ins berg¬ 
ansteigende Tal, — 
gegenüber aber über¬ 
fliegt das Auge die 
blühenden Anlagen 
und Rasenplätze mit 
ihren Fontänen, und 
jenseits des rauschen¬ 
den Radauflüßchens, 
das Tal und Stadt 
durchfließt, hebt sich, 
mit dunklen Fichten 
undhellgrünenLärchen 
bestanden, der Burg¬ 
berg in steilem Winkel 
empor zur stattlichen 
Höhe von 463 Meter 
über dem Meere. Wenn 


Bad Harzburg: Kinderspiel- und -Turnplatz 


Bad Harzburg: Sonnenbadwiese im Walde 










Nr. 7 DEUTSCHLAND 325 



im Sommer die Kurkapelle ihre Weisen ertönen läßt 
und das bunte Treiben der Badegesellschaft sich hier 
entfaltet, kann man sich kaum ein schöneres und dabei 
unterhaltenderes Bild denken. Und wenn das Wetter 
regnerisch ist, oder kalte Abendluft das Sitzen im Freien 
nicht gestattet, dann ist für den Gast Harzburgs noch 
lange nicht die Zeit zum Trübsalblasen gekommen. 
Dann entwickelt sich neues Leben in den Gesellschafts¬ 
räumen des Kur¬ 
hauses, dessen Kon¬ 
zertsaal zu erlesenen 
musikalischen Dar¬ 
bietungen benutzt 
wird, während grös¬ 
sere und kleinere 
Klubzimmer, Lese- 
und Musikzimmer 
allen denen zur Ver¬ 
fügung stehen, die 
sich in kleinerem 
Kreise gemütlich ver¬ 
einen wollen. 

Bekannt ist die 
Leistungsfähigkeit 
und die künstlerische 
Höhe des Bad Harz¬ 
burger Kur-Orche¬ 
sters unter Leitung 
des Kapellmeisters 
Florenz Werner, die 
zweifelsohne zu den 
besten Deutschlands 
gehört. Der herzog¬ 
liche Badekommissar 
Major a. D. Dommes 
legt überhaupt auf 
gute Musik und 
erstklassige künst¬ 
lerische Veranstal¬ 
tungen besonderen 
Wert. Bad Harzburg 
bietet im Sommer 
u. a. auch durch Her¬ 
anziehung bedeuten¬ 
der Künstler Kunst¬ 
genüsse, um die es 
manche Großstadt 
beneiden dürfte. 

Will man Bewe¬ 
gungum sich sehen und buntes Gemenge und die Farben 
sommerlicher Toiletten, so setzt man sich zum Kaffee¬ 
trinken auf den vielgerühmten Platz „Unter den Eichen" 
in den Schatten dieser prächtigen alten Bäume. Nicht 
so geräuschvoll ist's hier wie auf manchen anderen 
großen Kurplätzen, der Ton ist auf Piano gestimmt, 
fast gemütlich, niedersächsisch gemütlich möchte man 
zuweilen das Bild nennen. Ein so hingedämmerter 
Nachmittag hat tatsächlich etwas Beruhigendes an sich. 
Die älteren Leute sitzen und trinken Kaffee, die Jugend 
promeniert umher, flirtet ein wenig bei den Klängen 
der Musik; so verbringt man zwei bis drei Stunden 
des Nachmittags, bis die Glocken zur Abendtafel läuten. 


Bud Harzburg: Die Riefenbachfälle 


An Vergnügungen sonstiger Art hat Bad Harzburg noch 
ein Kurtheater, das sehr gut ist und durch häufige 
Gastspiele bekannter Künstler noch gewinnt. Eine 
besondere Anziehung erhält der Badeort auch durch 
die großen Rennen, die alljährlich zu Anfang Juli ab¬ 
gehalten werden. 

Eine Einrichtung weist Bad Harzburg auf, die 
man sonst kaum anderswo antrifft: die Sonnenwiese 

im Kalten Tal; eine 
ausgedehnte, rings 
von Bergen umge¬ 
bene Wald-Wiese, 
die dem Publikum 
zur Benutzung frei¬ 
gegeben ist. Da sitzt 
man denn in Strand¬ 
körben herum, liegt 
auf Plaids oder auf 
dem bloßen Hosen- 
Boden auf dem 
Rücken, läßt sich die 
liebe Sonne in den 
Mund scheinen und 
den Herrgott einen 
guten Mann sein. 

Kinder, denen der¬ 
artige Siestas lang¬ 
weilig sind, tummeln 
sich unterdessen in 
ihren hellen Sommer¬ 
kleidern, auf denen 
das Gras so hübsche 
grüneFlecken hinter¬ 
läßt, den Hang hin¬ 
unter und machen 
den weitgehendsten 
Gebrauch von einer 
Freiheit, die ihnen in 
der Heimat nicht wie¬ 
der geboten noch ge¬ 
stattet werden kann. 
Für Kinder ist über¬ 
haupt besonders ge¬ 
sorgt. Der geräumige 
Spielplatz mit allen 
Kletter-, Hänge- und 
Springgeräten ladet 
die kleine Welt ein, 
die frohundzwanglos 
unter sorgsamer Aufsicht eines Badedieners und einer 
Spiellehrerin in der reinen Bergluft die Muskel stählt. 

So läßt man das Leben an sich vorbeifluten, das 
stark und freudig pulsiert, und wenn man des Treibens 
müde ist und Frieden sucht, dann geht man ein paar 
Schritte den Berg hinan in den Wald, den herrlichen 
Wald, den kostbarsten Schatz, den Bad Harzburg auf¬ 
zuweisen hat. Dort scheint der ewige Friede zu wohnen, 
nur das wundervolle Rauschen der Waldbäume und das 
Summen und Singen von Millionen von Insekten, das 
die Stille nur noch tiefer und eindrucksvoller macht, 
tönt an dein Ohr. Da wird der Mensch glücklich und 
wunschlos und schreitet durch den stillen Frieden hin. 




326 DEUTSCHLAND Nr. 7 

immer allein, immer allein .... Es ist, als ob sich Wahrheit werden und ein sonderbar gestaltetes Männlein 

plötzlich ein Märchen auftun, als ob zwischen den heraustreten müßte, das wir mit dem Dichter anreden: 

dunklen Pichten und den Buchenstämmen, deren „Schatzhauser im grünen Tannenwald 

Gewand matt wie Seide schimmert, wie sie die alten Bist schon viel hundert Jahre alt, 

Damen tragen, plötzlich Wilhelm Hauffs Erzählung zur Dir gehört all' Land, wo Tannen stehn" . . . 


Von hessischen Trachten und Tänzen. 

Von Paul Heidelbach, Cassel. 


Es ist allgemein bekannt, daß außer den Friesen 
kein anderer deutscher Stamm so unverrückt seinen 
ursprünglichen Sitz behauptete wie die Hessen, die 
Nachkommen der einstigen Chatten, was mit den Haupt¬ 
grund dafür bildet, daß auch kein anderer deutscher 
Stamm deutsche Sitten und Sagen so treu festhielt wie 
gerade sie. Das hessische Bergland, im Herzen Deutsch¬ 
lands gelegen und begrenzt vom rheinischen Schiefer¬ 
gebirge, vom Thüringer Wald, von Main und nieder¬ 
sächsischer Ebene ist reich an den verschiedenartigsten 
Trachten undMund- 
arten. Seine Be¬ 
wohner, schon von 
Tacitus mit ehren¬ 
den Worten als 
tapfer gepriesen, 
hängen bei einer 
gewissenDürftigkeit 
und Strenge der Le¬ 
bensweise noch fest 
an Sitte und Ueber- 
lieferung der Väter. 

In Hessen sammel¬ 
ten einst die Brüder 
Grimm, selbst hes¬ 
sischen Ursprungs, 
den reichen Schatz 
ihrer Märchen und 
Sagen; den nörd¬ 
lichen Teil dieses 
Landes durchfließt 
der deutscheste aller Ströme, die Weser; über die sanft¬ 
geschwungenen Höhenzüge des Hessenlandes erhebt 
sich der König der hessischen Berge, der sagenum¬ 
wobene Meißner, auf dem Frau Holle ihren Sitz hat, 
und das deutsche Volkslied, uralte Kinderspiele und 
Reime finden in Hessen noch heute wie in den Tagen 
der Urväter liebevolle Pflege. 

Die ausgedehntesten Gebiete, in denen man heute 
noch die Tracht als übliche Kleidung antrifft, sind, von 
der Schweiz abgesehen, Hessen, Schwarzwald, Spree¬ 
wald, Oberbayern und Tirol. Daneben gibt es noch 
auf Rügen, in Hinterpommern, in der Lausitz, in Alten¬ 
burg, im bayerischen Franken und im Elsaß Trachten¬ 
inseln. Nun unterliegt es ja keinem Zweifel — und 
das hübsche Werkchen von Spieß (Teubner) hat uns 
eingehend die Gründe dafür aufgewiesen —, daß die 
deutsche Volkstracht einem unrettbaren Schwinden ver¬ 
fallen ist. Darüber dürfen wir uns nicht mehr hinweg¬ 
täuschen. Es bleibt nur noch eine Frage der Zeit, 
wann dieses Schwinden der Volkstracht, mit dem zu¬ 
gleich eine ganze Anzahl ästhetischer und sittlicher 


Werte verloren gehen, sich vollzogen haben wird und 
nur noch Trachtenmuseen und Trachtenbücher uns 
Kunde geben von einem der wichtigsten Faktoren 
deutschen Volkstums. Eins aber kann schon jetzt ge¬ 
sagt werden, daß die hessischen Landleute und unter 
ihnen in erster Linie die als Objekt wissenschaftlicher 
Forschung und durch die Meisterwerke eines Knaus, 
Bantzer, Thielmann, Lins, Ubbelohde weithin bekannten 
Schwälmer und neben ihnen die Schaumburger im 
Wesergebiet, die heute noch mit zäher Liebe an ihrer 

Tracht festhalten, 
zu den letzten ge¬ 
hören werden, die 
von dieser ihrer 
Tracht lassen. 

Es sind genau 
100 Jahre her, daß 
sich Jeröme, der 
Benjamin der napo- 
leonischen Familie, 
der sieben Jahre 
hindurch in unserer 
hessischen Resi¬ 
denz Cassel den 
König von West¬ 
falen spielen durfte, 
vor dem Schlosse 
zuWilhelmshöhe — 
es trug damals den 
Namen Napoleons¬ 
höhe — die hessi¬ 
schen Landleute in ihren mannigfachen Trachten vor¬ 
führen ließ. Dieses seltene Schauspiel sollte sich auch in 
diesen Tagen gelegentlich der Jubiläumsausstellung der 
Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, die vom 22. bis 
27. Juni in Cassel tagte und einen gewaltigen Menschen¬ 
strom nach dort führte, wiederholen. Siebzig Paare aus 
zehn verschiedenen hessischen Kreisen zogen am Er¬ 
öffnungstage der Ausstellung durch deren fahnenge¬ 
schmückte Pforten, um zunächst unter der inmitten des 
Ausstellungsgeländes auf dem Casseler Forst gelegenen 
Hesseneiche am Denkmal der hier während der napo- 
leonischen Fremdherrschaft erschossenen hessischen 
Patrioten dankbaren Gedenkens einen riesigen Lorbeer¬ 
kranz niederzulegen und dann während des ganzen Tages 
das an sich schon buntwogende vieltausendköpfige Bild 
der Ausstellungsbesucher in ihrer farbenfrohen Tracht 
ungemein zu beleben. Es muß im allgemeinen zu¬ 
gegeben werden, daß offizielle Trachtenfeste, bei denen 
die Bauern eigentlich doch nur die Neugierde der Städter 
befriedigen sollen, zu verwerfen sind, und daß jeder, 
der volkskundliche Interessen hat, auf die bäuerlichen 



Schwälmer Jugend 







Nr. 7 DEUTSCHLAND 327 


Kirmessen zu verweisen sein wird. Hier aber lag die 
Sache doch anders. Aus allen deutschen Gauen waren 
die Landwirte herbeigeströmt, und wie sollte man ihr 
berechtigtes Interesse an den Trachten unseres Gaues 
anders und leichter befriedigen, als indem man unsere 
hessischen Bauern offiziell zu einem solchen Trachten¬ 
fest einlud? Gehört es doch auch mit zum Programm 
der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, der wach¬ 
senden Landflucht u. a. auch dadurch zu begegnen, daß 
man die Erhaltung und Neubelebung der Volkstrachten 
zu fördern sucht. Schließlich war es auch für uns Be¬ 
wohner der Residenz ein außerordentlich seltenes und 
darum um so erfreulicheres Ereignis, einmal fast alle in 
Hessen üblichen Trachten mühelos beieinander zu sehen. 

Da waren es zunächst die kernigen Gestalten der 
Schwälmer, die allgemeines Aufsehen erregten, die 
Männer in ihren weißleinenen kurzen Hosen und Otter¬ 
mützen, teilweise auch im festlichen Leinenkittel, die 
Frauen in ihren buntgestickten Betzein und den nur 
bis über das Knie reichenden drei bis vierzehn auf¬ 
einander sitzenden 
Beiderwandröcken, 
unter denen das 
schlohweiße Hemd 
unten noch etwa 
handbreit hervor- 
ragt. Statt der roten 
Weste tragen die 
ältem Männer eine 
solche aus hell¬ 
blauem Tuch, statt 
der grünen oder 
roten Kappe, die 
mit Otter-Pelz ge¬ 
füttert ist, einen 
Zweispitz; über den 
Schnallen-Schuhen 
werden die weißen 
Wollstrümpfe mit 
dunkelblauenTuch- 
Gamaschen ver¬ 
deckt. Die Frauen 
tragen schwarze, die Mädchen rote Mützchen (Betzein) 
aus Seide. Das Leibchen wird auf der rechten Seite 
geknöpft, und zwar mit rot oder grün gestickten Knöpfen. 
Die bestickten Hemdärmel reichen bis zum Ellbogen 
und werden überdies meist noch aufgestreift. Die eigent¬ 
lichen Jacken sind aus dunkelgrünem Tuch, die blauen 
oder schwarzen Röcke am Saum rot, grün oder blau 
eingefaßt. Die weißen baumwollenen Strümpfe, die vom 
Knie ab sichtbar sind, bilden geradezu ein Kunstwerk 
durch ihre mühevolle Herstellung; sie sind mit bunt¬ 
seidenen, in Gold- oder Silberstickerei strotzenden 
Strumpfbändern umwunden und stecken in Schnallen¬ 
schuhen mit sehr spitzen Absätzen. Bei Hochzeiten 
trägt die Braut das sogen. „GeschappeP', einen blumen¬ 
korbähnlichen Kopfputz, zu dem ungezählte Ellen Band 
verwandt werden. War die Tracht der Schwälmer aus 
den schon erwähnten Gründen bereits manchem bekannt, 
so war diejenige der Leute aus den Kreisen Rotenburg, 
Frankenberg — die Männer in der charakteristischen 
Zipfelmütze — Fritzlar, Schmalkalden — die Frauen in 


Sonntags-, Tanz- und Wochentracht — den meisten 
völlig neu. Die Bewohner der Marburger Gegend fielen 
durch ihre schöngewachsenen Vertreterinnen auf. Aus 
Schenklengsfeld im Kreise Hersfeld waren sechs junge 
Bauernmädchen und ebensoviel Burschen erschienen. 
Die Mädchen trugen die alte Landecker Tracht, wie 
man sie in ihrer Vollständigkeit selten zu sehen bekommt, 
Schnallenschuhe, sogen. Zwickelstrümpfe, niedriges, 
ausgeschnittenes Mieder mit farbigen Schnüren, kurzen 
Hemdärmeln, Faltenrock und als Kopfputz die kapuzen¬ 
artige, eckige schwarze Haube mit langen, über die 
Schulter herabfallenden Bändern. Recht bodenständig 
in der Tracht ist auch der Kreis Kirchhain, der dreizehn 
Paare entsandt hatte. Da waren zu sehen die ober¬ 
hessische und die katholische Tracht, ferner die Sonder¬ 
trachten von Schweinsberg, Rauschenberg, Allendorf 
und Schiffelbach, vor allem aber ein Bauer aus Nieder¬ 
wald in der Tracht von T82Q mit großem Dreispitzel, 
blauem Schoßrock und hirschledernen Kniehosen. Neben 
ihnen und den Schwälmern erregten am meisten 

berechtigte Bewun¬ 
derung die Bewoh¬ 
ner der Grafschaft 
Schaumburg. Wäh¬ 
rend die Männer 
eine verhältnismäs¬ 
sig schlichte Klei¬ 
dung tragen, eng¬ 
anliegende Aermel- 
westen, einfache 
Mützen und lange, 
dunkle, gleichfalls 
eng anschließende 
Hosen, repräsen¬ 
tiert die Tracht der 
Frauen und Mäd¬ 
chen gleich der¬ 
jenigen der Schwäl- 
merinnen einen 
Wert, der den für 
eine elegante städti¬ 
sche Robe weit 
übertrifft. Unwillkürlich fallen sie dem Beschauer in die 
Augen mit ihrem bis zu den Knöcheln reichenden Haken¬ 
rock aus zinnoberrotem Tuch, den mit lang herabhängen¬ 
den, verschiedenartig gefärbten Nackenbändern ver¬ 
zierten, das Haar fast völlig verdeckenden und bis über 
die Augenbrauen reichenden schwarzen Mützen, deren 
Seitenklappen auch die Ohren nicht sehen lassen. Aus 
diesen Klappen sahen vorn die wallnußgroßen, aus gol¬ 
denen Halbkugeln bestehenden Ohrringe hervor, und 
nicht minder kostbar waren ihre oft bis zu fünfzig Mark 
werten, reich bestickten und mit buntem Flitter besäten 
Einbindtücher, über denen wertvolle Halsketten getragen 
wurden. Auch die Schaumburger führten im Zuge ein 
Brautpaar mit, dessen weibliche Hälfte einen schweren 
und hohen bändergeschmückten Kranz (siehe Abbildung) 
aus unzähligen dicken Glasperlen und Flittergold auf 
roten, mit kleinen Spiegeln überhäuften Bändern auf 
dem Kopfe trug. Ganz allerliebst nahmen sich übrigens 
auch die kleinen Schwälmer Buben und Mädchen aus,’ 
die einige Tage später auf dem Dorfanger der Aus- 





328 DEUTSCHLAND Nr. 7 


Stellung in großer Zahl erschienen und dort allerhand 
Reigen- und Ballspiele aufführten. 

Seinen Gipfel erreichte dieses hessische Trachten¬ 
fest, als seine Teilnehmer sich nach einem Besuch der 
Wilhelmshöhe abends in einem der Casseler Säle wieder 
zusammenfanclen und nach gemeinsamem Mahle der 
Tanz alsbald zu seinem Rechte kam. Hier wurde natürlich 
der berühmte, ebenso charakteristische wie anstrengende 
Schwälmer Tanz mit besonderer Spannung erwartet und 
dementsprechend mit jubelndem Beifall aufgenommen. 
Dieser Tanz entwickelt die ganze bunte Pracht, die 


der Schwälmer auf seine kostbare Kleidung verwendet, 
und das Auge des Zuschauers schwelgt förmlich in 
Farbensinfonien. Die Paare tanzen erst rechts, dann 
links herum, die Burschen oft auf einem Bein; am 
Schluß der einzelnen Teile stampfen sie meist mit dem 
Fuße auf; oder aber das Mädchen dreht sich allein 
tanzend herum, während der Bursch, in die Hände 
klatschend, hinterherhüpft; oder das Mädchen erfaßt 
das von dem Burschen hochgehaltene bunte Taschen¬ 
tuch und dreht sich unter seinem hochgehaltenen Arm; 
oder schließlich Bursch und Mädchen treten sich gegen¬ 
über, nähern sich einander unter malerisch aussehenden 
Bewegungen und lassen dann einander wieder los. Beim 
Schluß des Tanzes stampfen alle Paare wie auf einen 
Schlag heftig mit den Füßen auf. Sind die Burschen 
erst in Stimmung gekommen, so jauchzen sie. Die 
Ausführung des Schwälmer Tanzes, dessen untergelegter 
Text oft gleichzeitig von den Burschen gesungen wird, 
ist wegen der damit verbundenen, durch das überaus 
schnelle Zeitmaß hervorgerufenen Anstrengung schwer. 


sodaß diese Tänze nicht sehr oft auf der Kirmes getanzt 
werden. Sie haben einen scharf ausgeprägten Rhythmus, 
stehen in ‘‘^/ 4 -Takt und bewegen sich nur in Dur-Tonarten. 
Ihre packenden Weisen haben sich bei den Dorfspiel¬ 
leuten seit uralter Zeit erhalten und werden von diesen 
nach Zigeunerart auswendig gespielt. Johann Lewalter, 
der verdienstvolle Herausgeber der niederhessischen 
Volkslieder, hat zehn dieser Schwälmer Bauerntänze 
zum ersten Male aufgezeichnet und veröffentlicht und 
außerdem auf Grund zahlreicher Erwägungen einmal im 
„Hessenland'' die Hypothese aufgeslellt, daß auch das 

Nationallied der Amerikaner, 
der „Yankee Doodle", ein 
Schwälmer Tanz, zur Zeit 
des nordamerikanischen Frei¬ 
heitskrieges von den hessi¬ 
schen Truppen mit herüber¬ 
gebracht sei. 

Nicht minder entzückt war 
man von den ganz eigen¬ 
artigen Tänzen der Schaum¬ 
burger. Dieses wackere Volk, 
das mit den Schwälmern in 
der Erhaltung alter Trachten 
und Sitten wetteifert, kennt 
außer dem Marschierwalzer, 
dem Stourigen und lötourigen 
u. a. auch den seltsamen lang¬ 
englischen Tanz, bei welchem 
sämtliche Paare zu gleicher 
Zeit walzen, in den sich plötz¬ 
lich ändernden Zeitkurs ein- 
treten und in Polka, Galopp, 
Rheinländer usw. chassieren. 
Es ist unmöglich, diese höchst 
komplizierten Tänze hier im 
einzelnen zu schildern. Man 
muß es gesehen haben, wie 
die stattlichen Paare sich zum 
Reigen die Hände reichten, um sich dann zu vielge¬ 
staltigen Gruppen zu vereinigen und wieder zu trennen, 
wie die Burschen die Mädchen mit lautem Juchzer in 
die Höhe hoben und schließlich, wenn die Stimmung 
aufs höchste gestiegen war, die Mädchen den Hals der 
Burschen umklammerten und von diesen unter Freuden¬ 
rufen fast horizontal in endlosem Wirbel herumgeschwenkt 
wurden. Das alles gab sich so malerisch, so harmonisch, 
daß man sich in später Abendstunde nur schwer von 
diesem fröhlichen, bunlbewegten Bild trennte, zumal 
als vollends von den Bänken schlichte alte Volkslieder 
ertönten. Es mag ein schwerer Tag für unsere braven 
hessischen Bauern gewesen sein; aber sie konnten das 
Bewußtsein mit fortnehmen, daß dieser Tag bei allen, die 
das Glück hatten, diese prächtigen Tänze zu sehen und 
die schönen alten Trachten zu bewundern, einen nach¬ 
haltigen Eindruck gemacht und die Ueberzeugung 
geweckt hat, daß sich von der festragenden Insel hes¬ 
sischer Trachten und Gebräuche in absehbarer Zeit 
nichts abbröckeln läßt. 



Bauern in Schaumburger Tracht 










Nr. 7 DEUTSCHLAND 329 


Kreuz und quer über die Egge. 

Von Dr. med. Lünnemann, Bad Driburg*. 

Im östlichen Westfalen erstreckt sich auf der Grenze der Auf steilem, aber schattig*em Pfade steigen wir zur Höhe 

Kreise Paderborn und Büren einerseits, Höxter und Warburg* hinan und haben bald den Gipfel erreicht. Alte, bäum- 

anderseits das Eggegebirge. Es bildet den Grundstock des gekrönte Wälle umziehen in weitem Bogen die Kuppe, im 

früher mit dem Gesamtnamen Osning bezeichneten Gebirgs- Westen zu einem breiten Toreingange umbiegend; sie be- 

Zuges, der die östliche Grenze des großen münsterischen zeichnen das alte, von Karl dem Großen zerstörte Slandlager 

Tieflandbusens bildet und sich von der Diemel im Süden der Sachsen. An Stelle der zerstörten Irminsul erbaute Karl 

bis an die holländische Grenze erstreckt. Das Eggegebirge, der Große hier eine Kapelle. Bald darauf wurde von Neuen¬ 
bestehend aus einem Hauptkamme und den diesem nach heerse aus hier eine Klosterniederlassung gegründet, der 

Westen und Osten vorgelagerten Höhenzügen, ist reich an im 12. Jahrhundert eine von Fürstbischof Bernard II. erbaute 

landschaftlichen Schönheiten. Stundenlang kann man hier Burg folgte. Sowohl von der Kapelle, dem Kloster, als be- 

durch die Wälder wandern, die in reizvoller Abwechselung sonders von der Ritterburg, die seit dem 15. Jahrhundert 

bald aus Buchen, bald aus Rottannen bestehen; in den Tälern zerfallen ist, sind noch heute umfangreiche Trümmer vor¬ 
rauschen die silberklaren Bächlein und führen uns zu zahl- handen, welche in jedem Altertumsfreunde das größte Inter¬ 
reichen Ansiedelungen, die noch heute vielfach Reste aus der esse erwecken. Von der Plattform des vor wenigen Jahren 

Karolingerzeit und dem späteren Mittelalter in ihren Kirchen, erbauten Kaiser-Karl-Turmes bietet sich — ebenso wie von 

Klöstern und Herrschaftssitzen aufweisen. Auf den Höhen der unweit gelegenen schönen Aussicht auf der weißen Mauer 

finden wir im Waldesdickicht versteckt umfangreicheWallburgen — ein herrlicher Blick in den Nethegau und zu den Weser- 

aus alter Sachsenzeit und trutzige, mittelalterliche Bergfesten. bergen bis hinauf zum Herkules bei Cassel. Der Osthang 

Nahe der alten, sehenswerten Bischofsstadt Paderborn der Egge ist von Kalkfelsen gebildet, die zum Teil, wie 

steigt die Eisenbahnlinie die Höhen hinan, und donnernd fährt wir an der Iburg sehen, schroff in das Tal abstürzen. Eine 

der Zug über einen mächtigen Viadukt in den weithin herrliche Flora hat sich hier eingenistet. So finden wir bei 

bekannten Bahnhof Altenbeken ein. Tief zu unseren Füßen Driburg zwei Blümchen, die hier ihren einzigen Standort 

liegt das freundliche Dorf, langgestreckt in dem engen Tale, in ganz Westfalen haben: das einblütige Wintergrün (Pirola 

beschützt vom Hauptkamme der Egge mit seinem dunklen uniflora) und die weiße Braunelle (Brunella alba). Auch 

Tannenhintergrunde. Wir wandern auf bequemer Landstraße manche andere seltenere Vertreter der Kalkflora erfreuen hier 

durch den duftigen Wald zum Rehberge, von dessen Höhe unser Auge. Durch herrliche Buchenwälder, dann und wann 

ein herrlicher Fernblick die Mühen des Aufstieges lohnt. lieblichen Ausblick in die Tallandschaft bietend, lenken wir 

Nach Osten in das lippische Land, die belebten Fluren des unsere Schritte dem an den Quellen der Nethe gelegenen 

Wetigaues und die Bergwelt des Nethegaues. Trutzige Ge- Dorfe Neuenheerse zu. Schon im 9. Jahrhundert wurde hier 

birgsriesen, der Schwalenberger Wald, der Köterberg, Solling von Bischof Luthard und seiner Schwester Walburgis ein 

und Reinhardtwald geben den Rahmen zum prächtigen Bilde. 

Nach Westen über Altenbeken hinaus erglänzen die Türme 
der alten Paderstadt im hellen Sonnenscheine. Führwahr, ein 
entzückendes Bildl Tief unter uns aber im Innern des Berges 
rollt der Eisenbahnzug durch den 1732 Meter langen Tunnel 
der Weser zu. Im Jahre 1905 stürzte ein Teil des Tunnels 
ein und verursachte eine fast ein ganzes Jahr dauernde, 
erhebliche Verkehrsstockung. Vom Rehberge wandern wir 
südlich zum Eggewege, einem uralten Grenzwege, der sich 
über den ganzen Kamm des Gebirges hinwegzieht. Grüner 
Rasen deckt den zwischen harzduftenden Rottannen und 
dichtbelaubten, hochragenden Buchen verlaufenden Pfad. 

Rotes Heidekraut, blaue Enzianen sprossen aus dem Sand¬ 
boden hervor. Nach einstündiger Wanderung folgen wir 
jedoch den Wegzeichen talwärts und gelangen zu dem reizend 
gelegenen Badeorte Driburg. Wer hätte nicht schon gehört 
von den heilkräftigen Stahlquellen dieses Ortes, wo all¬ 
jährlich Tausende Genesung suchen und finden. Schon 
seit fast 500 Jahren sind diese aus dem Buntsandstein der 
Talsohle entspringenden Quellen bekannt, die schon von 
den Püderborner Fürstbischöfen gehegt und gepflegt wurden. 

Wenn wir auch noch keinen Badeaufenthalt nötig haben, 
so halten wir es doch der Mühe wert^ die herrlichen An¬ 
lagen zu besichtigen, in welchen Natur und Kunst ein 
herrliches Landschaftsbild hervorgezaubert haben. 

Das Driburger Tal, umgeben von waldigen Höhenzügen, 
wird beherrscht durch den ruinengekrönten Kegel der Iburg. 

„Rings der Wälder tiefes Schweigen! 

Aus des Tales Nebelhülle 
Hob die Iburg ihren Scheitel 
In die sternenklare Stille; 

Alter Hain, aus dessen Wipfeln 
Sonst die Irminsäule ragte. 

Die zum Schmerz und Schreck der Sachsen 
König Karl zu brennen wagte." (Weber: Dreizehnlinden.) 



Rieseneiche bei Börlinghausen 





330 DEUTSCHLAND Nr. 7 


Damenstift gegründet, das bis zur Säkularisation blühte. 
Die interessante, alte Abteikirche und das Wohngebäude der 
Abtissin sind noch gut erhalten. Die einzelnen Stiftsdamen 
wohnten zum Teil im Dorfe zerstreut; noch heute sehen wir 
einige der alten Stiftshäuser mit den Wappen der Inhaberinnen 
geschmückt. Nicht weit von Neuenheerse erheben sich auf 
steilem Bergkegel Burg und Stadt Dringenberg, von Bischof 
Bernard V. zur Lippe im 14. Jahrhun¬ 
dert gegründet, lange Zeit hindurch die 
Sommerresidenz der Paderborner Fürst¬ 
bischöfe. — Steigen wir nun von Neuen¬ 
heerse zu dem einige Kilometer ent¬ 
fernten Bahnhofe hinauf, so sehen wir 
hier den bemerkenswerten Neuenheerser 
Einschnitt, wo die Eisenbahn Alten¬ 
beken—Warburg den Hauptkamm des 
Eggegebirges durchbricht; mächtige 
Sandsteinfelsen erheben sich in grotesker 
Gruppierung zu beiden Seiten. Der 
Eggeweg führt uns nun durch stille 
Tannenwälder zur Karlsschanze, einer 
alten Sachsenburg. Hier kreuzte der 
den Rhein mit der Weser verbindende 
Hellweg den Eggeweg. Ein weitaus¬ 
greifender Außenwall und zwei durch 
einen Graben getrennte Innenwälle 
schützen dasKernwerk der Karlsschanze. 

In der Nähe finden wir den kleinen Her¬ 
gott, Reste eines ehemaligen Christus« 
bildes; am östlichen Abhang ragt der 
faule Jäger, ein mächtiger Opferstein, 
aus dem Tannengrün, tief unter ihm 
sehen wir am Klippenrande die Druden¬ 
höhle. Am Westrande der Karlsschanze 
stürzt der Hellbach in enger Schlucht zwischen turmhohen 
Sandsteinfelsen hurtig ins Tal hinunter, dem nahen Orte 
Willebadessen zueilend. Auch hier wurde schon 11^9 ein 
Benediktinerinnenkloster gegründet, dessen umfangreiche Ge¬ 
bäulichkeiten jetzt im Besitz des Freiherrn v. Wrede sind. 

Von der Karlsschanze gelangen wir auf dem Eggewege 
zu den nahen Teutoniaklippen, die — gleich dem unweit 


Am Fuße des Rehberges 


gelegenen Aussichtsturm Bierbaums Nagel — wohl die schönste 
und ausgedehnteste Fernsicht im Eggegebirge bieten. Die 
roten Sandsteinklippen stürzen hart zu unseren Füßen steil 
ab in den Buchenwald der Tiefe, lieber diesen hinweg schweift 
der Blick nach Norden zu den lippischen Bergen, zum Nethe¬ 
gau und Solling. Im Osten sehen wir den Reinhardtswald, 
weiter den Habichtswald mit ihren zahlreichen Kuppen, von 


In den Stiftswaldungen von Hardehausen 

einer grüßt der Herkules bei Wilhelmshöhe den Wanderer. 
Auch Waldecks Bergland, endlich die Briloner Berge mit den 
Bruchhäuser Steinen werden im Südwesten sichtbar; davor 
breitet sich das ausgedehnte Waldgebiet der südlichen Egge. 
Zahllose Ortschaften des Nethegaues und der weiten Warburger 
Börde lugen aus dem Waldesgrün oder fruchtbaren Kornfluren 
hervor. Mitten in der weiten Börde ragt einsam der ruinen¬ 
gekrönte Basaltkegel des 
Desenberges; auch die Alt¬ 
stadt Warburg grüßt mit 
ihrem schlanken Turme 
freundlich herüber. Von 
den Klippen eilen wir zu 
Tale, wo aus dichtem Park¬ 
grün das Schloß des Gra¬ 
fen Stolberg zu Börling¬ 
hausen hervorragt, ein 
interessanter alter Bau, 
der schon manche Jahr¬ 
hunderte überdauert hat. 
Nicht weit vom Orte ragt 
am Ausgang eines Waldes 
die Rieseneiche empor, die 
mit einem Umfang von 
12 Meter in 1 Meter Höhe 
als der stärkste Baum 
ganzWestfalens bezeichnet 
werden kann. Der knorrige, 
gleichmäßig verzweigte 
Baumriese prangt trotz* ^ 
seiner tausendjährigen W 
Vergangenheit bis irt die 
höchsten Spitzen alljähr¬ 
lich im herrlichsten Laub- 


















Nr. 7 DEUTSCHLAND 331 




schmuck; sein Kronenumfang- beträgt über 70 Meter. — 
Von Börlinghausen geht's nun wieder über über die Egge, 
vorbei an der alten Burg, den spärlichen Resten einer 
sächsischen Feste, in das Gebiet der alten Zisterzienserabtei 
Hardehausen. Beim Opferstein in einer wildromantischen 
Gebirgsschlucht wird kurze Rast gehalten, dann folgen wir 
dem munter plaudernden Bächlein und gelangen bald zur 


Am Ufer des Schwarzbachs finden wir die Suhlen der 
Wildschweine, durch das dichte Gebüsch bricht eilenden Laufes 
der Edelhirsch mit stolzem Geweih, hallend und schallend 
erklingt der Waldruf des Auerhahns. Fürwahr eine Lust ist 
es, hier dem edlen Weidwerk obzuliegen I Wer glaubt es uns, 
daß einst mitten in diesen schier undurchdringlichen Forsten 
eine mächtige Burg stand, um welche sich ein blühendes 
Gemeinwesen mit Kirchen und Klöstern, 
mit Rathaus und Stadttoren angesiedelt 
hatte? Blankenrode, das westfälische 
Vinetal Schon 1248 wurde die Burg 
von Bischof Simon erbaut und den 
Brobickes übertragen. Die Stadt be¬ 
herbergte in ihrer Blütezeit 4—5000 
Einwohner; häufig finden wir die Namen 
ihrer Richter und Ratsherrn in den Ur¬ 
kunden. Gegen Ende des 14. Jahr¬ 
hunderts war diese Gegend der Schau¬ 
platz der erbittertsten Kämpfe zwischen 
den Paderborner Fürstbischöfen und 
dem unter Führung des Grafen von 
Waldeck stehenden Benglerbunde. Im 
Jahre 1401 gelang es dem Waldecker 
Grafen, die Burg einzunehmen und die 
Stadt zu zerstören. Was nicht bei der 
Erstürmung umkam, flüchtete in die be¬ 
nachbarten Ortschaften. Niemals kehrten 
die Bewohner zurück; die Stätte blieb 
wüst, nach und nach deckte der Wald 
seinen grünen Mantel über die Trümmer, 
Burg und Wälle, Tore und Straßen ver¬ 
bergend. Noch heute sehen wir den 
Jungfernbrunnen, in den sich das von 
rohen Landsknechten verfolgte ßürger- 
meisterstöchterlein stürzte; noch heute erblicken wir unter 
den letzten Trümmern des Bergfrits das tiefe Verließ, so tief, 
daß kein Fuß sich in das undurchdringliche Dunkel hinunter¬ 
wagt. Manch seltenes Blümlein zeigt dem Wanderer an, daß 
hier fremder Boden — Galmei — sich befindet: das Galmei¬ 
veilchen (Viola lutea), Hallers Gänsekresse (Arabis Halleri) 
und die Frühlings-Miere (Alsine verna) sind dem Botaniker 
hochwillkommene Funde. Zahlreiche Schutthalden, so im 


Ruinen der Iburg 


Abtei Neuenheerse 


alten Abtei. Diese ist eine Gründung der Zisterziensermönche 
des Klosters Kamp bei Rheinberg aus dem Jahre 1140. 
Schöne Parkanlagen umgeben die weitläufigen Gebäulich¬ 
keiten, vor welchen sich die Bildsäulen deutscher Könige und 
Paderborner Fürstbischöfe erheben. Auch einige alte Portale 
sind bei der jüngst vorgenommenen Renovierung zu Ehren 
gekommen, als die Gebäulichkeiten in eine Erziehungsanstalt 
für verwahrloste Knaben verwandelt wurden. Leider ist die 
Basilika des Klosters nach der 
Säkularisation im Anfang des 
19. Jahrhunderts abgebrochen 
worden; als einziger Rest der¬ 
selben steht im Park das Oktogon, 
eine kleine, zweistöckige Kapelle. 

Meilenweit erstrecken sich die 
zur Abtei, jetzt zur Oberförsterei 
Hardehausen gehörigen Wal¬ 
dungen; vielfach sieht man noch 
die mit Kreuz und Krummstab 
geschmückten Grenzsteine. Der 
schönste Mischwald nimmt uns 
auf, niemals eintönig, niemals 
gleichartig, immer wechselnde 
Szenerie; Bäume und Bäche, 

Licht und Schatten wetteifern mit¬ 
einander, uns tief in den Waldes¬ 
zauber zu verstricken. 

„Schattenkühle, Tempelstille, 

Kaum ein Wispeln in den 
Zweigen, 

Duft'ger Hauch aus Moos und 
Buchen, 


Alles ist so hold und eigen I'' 
(Weber; Dreizehnlinden.) 






332 DEUTSCHLAND Nr. 7 


besonderen die unfernen Bleikuhlen geben Zeugnis von früher 
hierorts emsig betriebenem Bergbau auf Blei und Galmei. — 
Doch nun geht es hinab in das Diemeltal, aus dem die 

,,Auf der Egge Bergesrücken 
Muß ein jeder einmal stehn 
Und mit seligem Entzücken 
Einmal nur zu Tale sehnl 


Türme Marsbergs uns grüßen. Wir nehmen Abschied von 
der schönen Egge mit den Worten des leider so früh ver¬ 
storbenen Dichters des Eggeliedes: 

Ja, der Anblick macht ihn trunken. 

Er singt selig, wie beim Wein: 

Wenn ich tot bin hingesunken. 

Grabt mich auf der Egge einl'^ 

(Erich Schacht.) 


Die ^^Heidelberger Woche". 


Alt-Heidelbergs Zaubername besitzt unter den Fremden¬ 
städten eine vielbeneidete Anziehungskraft. Nach Hundert¬ 
tausenden zählt die Schar derer, die von Heidelbergs Schloß 
und seinem landschaftlichen Reize alljährlich angelockt werden. 
180000 Namen werden allein jährlich durch die Fremden¬ 
liste aufgezeichnet. Und doch ist Heidelberg keine Fremden¬ 
stadt im Sinne der heutigen Verkehrs-Fremdenindustrie. Die 
Fremden kommen und gehen, nippen flüchtig an den köst¬ 
lichen Reizen und fahren mit dem nächsten Zug weiter. 
Und worum das? Die Antwort ist nicht schwer, und die 
benachbarten „Konkurrenzstädte" waren redlich bemüht, ihr 
weiteste Verbreitung zu geben: „In Heidelberg ist nichts los''. 

Einst war das anders, da war Heidelberg Station, nicht 
Durchgangspunkt wie heute. In den sechziger, siebziger 
und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war man in 
bezug auf „allen erdenklichen Luxus und Komfort" nicht so 
verwöhnt wie heute, und die berühmten russischen und eng¬ 
lischen „Kolonien" in Alt-Heidelberg sind Beweis genug, 
daß man sich in der altehrwürdigen Neckorstadt wohl und 
behaglich fühlen konnte — nicht nur auf Tage, sondern auf 
Wochen und Monate. Aber heute ist in Heidelberg „nichts 
los". Die Heidelberger sind ehrlich genug dies einzusehen, 
und die Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. 
Heidelberg hat den Anschluß etwas verpaßt, aber es ist 
eifrig bestrebt, die Distanz wieder einzuholen. In diesem 
Frühjahr hat sich ein „Verein zur Förderung des 
Fremdenverkehrs" gebildet, der in der kurzen Zeit seines 
Bestehens eine außerordentlich glückliche Entwicklung ge¬ 
nommen hat. Unter der geschickten Leitung seines ersten Vor¬ 
sitzenden, des Prinzen Wilhelm zu Sachsen-Weimar, der 
auch den Baden-Badener ein willkommener Förderer ist, hot 
der Verein nicht nur eine mustergültige Organisation sich 
geschaffen, er ist auch an die Verwirklichung seines Pro¬ 
gramms mit Eifer herangetreten. Nach zwei Richtungen hin 
bewegt sich diese Tätigkeit. Erstens soll für Heidelberg 
eine systematische, zweckentsprechende Reklame in die 
Wege geleitet, und zweitens sollen in Heidelberg selbst solche 
Veranstaltungen und Einrichtungen ins Leben gerufen werden, 
die geeignet sind, das Odium von Heidelberg zu nehmen: 
„dort ist nichts los". 

So wurde denn kürzlich zum ersten Male in den 
größten Zeitungen eine „Heidelberger Pfingstwoche" ange- 
kündigt. Ueberall wurde man neugierig, Tausende setzten 
sich auf die Bahn. Der Erfolg der Festwoche war groß. 
Man darf in Heidelberg „nur etwas bieten", dann kommen 
die Fremden schon. Sämtliche Veranstaltungen fanden bei 
gewaltigem Zudrong des heimischen und auswärtigen Publi¬ 
kums statt. 

Wir wollen hier nicht alle Festlichkeiten Revue passieren 
lassen. Die Woche begann mit einer Schloß- und Brücken¬ 
beleuchtung und schloß auch wieder mit diesem glänzenden. 


weitberühmten Schauspiel ab. Eine Reihe von Konzerten im 
Freien (darunter ein Wohltätigkeitskonzert für die Geschädigten 
im Taubertal) bildeten das nötige Bindemittel zwischen den 
Veranstaltungen größeren Stiles. Zu diesen ist zunächst ein 
Somrnernachtsfest in den vereinigten Stadt- und Neptun¬ 
gärten mit Tanzspielen auf dem Rasen zu zählen. Am 
meisten Alt-Heidelberger Stimmung und Lokalkolorit wies 
ober ein schön verlaufenes Schloßgartenfest mit einer benga¬ 
lischen Beleuchtung der Ostfassade des Schlosses auf. Es 
war ein packendes Bild, die wuchtige Masse der Türme und 
der ernsten Trümmerreihen in rotglühender Pracht aus dem 
Dunkel der Nacht und des Waldes emporsteigen zu sehen. 
Selbst die guten Heidelberger waren von diesem pyrotech¬ 
nischen Schauspiel entzückt und hingerissen. Dem feucht¬ 
fröhlichen genius loci Alt-Heidelbergs wurde aber am Fuße 
des Scheffeldenkmals gehuldigt, von wo des Dichters und 
andere volkstümliche und studentische Weisen über die 
nächtliche Stadt hinausschallten. Sehr eigenartig und gewiß 
sehenswert waren auch nächtliche Wosserspiele auf dem 
Neckar, wobei besonders die von hundert Turnern auf einem 
verankerten Schiff gestellten, mit Scheinwerfern erhellten 
Marmorgruppen und Pyramiden interessierten. Daß auf 
sportlichem Gebiete zwei Tennis-Turniere und eine interne 
Regatta in den Rahmen dieser ersten Heidelberger Woche 
sich einfügten, sei lediglich aufgezeichnet. 

So darf Heidelberg nur ins Volle greifen und es kommt 
mit verhältnismäßig geringen Mitteln etwas zustande, das 
sich sehen lassen kann. Tausende von Fremden waren in 
dieser „Woche" Gäste von Alt-Heidelberg, allein sechs¬ 
hundert Landsmannschofter vom L. C., die sich am Neckar 
zusammenfanden, und einige hundert Philologen, die in der 
Musenstadt „tagten". Was aber Heidelberg „macht", über 
allem liegt der undefinierbare Zauber der Romantik, der sich 
zu einer köstlichen Verschmelzung verbindet, mit dem liebens¬ 
würdig-heiteren Sinn der Pfälzer und Pfälzerinnen. Wer 
einmal so ein Heidelberger Fest mitgemacht hat, dem wird 
der Charme der Heidelberger Mädchen, den vor und nach 
Scheffel schon unzählige Studentengenerationen wohlig 
empfunden, unvergeßlich sein. 

So war in Heidelberg einmal wirklich etwas los, und 
wenn der Begriff „Heidelberger Woche" erst öfters draußen 
als etwas Feststehendes gehört worden ist, wird er beim 
reisenden Publikum haften bleiben und noch ganz anders 
seine Anziehungskraft üben. Und wer einmal aus dem 
Zauberborn Alt-Heidelberg getrunken, dem erst erschließt 
sich der Sinn des Wortes von Kotzebue: „Wenn ein Unglück¬ 
licher mich fragt, wo er leben müsse, um dem lauernden 
Kummer dann und wann eine Stunde zu entrücken, so nenne 
ich ihm Heidelberg; und wenn ein Glücklicher mich fragt, 
welchen Ort er wählen soll, um jede Freude des Lebens 
frisch zu kränzen, so nenne ich ihm abermals Heidelberg". 









Das Heidelberger bchlob 

Schloßbeleuchtungen finden statt: 6., 17. und 29. September, sowie 25. Oktober (Tonkünstlerfest) 



334 DEUTSCHLAND Nr. 7 


Wandern und Reisen im deutschen Lied. 

Von Rektor Hammelrath, Düsseldorf. 


„Singen und wandern 
Paßt eins zum andern" 

sagt der Wahlspruch des 
Schwäbischen Alb-Vereins. 

In der Tat, uns Deutschen 
scheint beides eins zu 
sein. Wenn Deutsche wan¬ 
dern, also nach Riehl „auf 
eigenenFüßen gehen, um mit 
eigenen Augen zu sehen, mit 
eigenen Ohren zu hören", so 
ist das ohne Sing und Sang 
wohl kaum denkbar. „Nach 
eigenem selbstgesteckten 
Ziele mit holdem Irren hin¬ 
zuschweifen", wieGoethe das 
Wandern poetisch erklärt, 
weckt im Herzen des natur¬ 
liebenden Germanen alsbald 
„der dunklen Gefühle Gewalt, die im Herzen wunderbar 
schliefen." Er singt. — So ist es von jeher gewesen, 
und es dürfte schwer festzustellen sein, wem höheres 
Alter gebührt, dem Wandern oder dem Singen. 

Soweit unsere Geschichte zurückreicht, wandert der 
Deutsche. Am stärksten kommt dieser Wandertrieb in 
der Völkerwanderung, im Landsknechtwesen, in den 
fahrenden Leuten des Mittelalters, den vagierenden 
Scholaren, den wandernden Handwerksburschen zum 
Ausdruck. Daß er in der Gegenwart nicht erloschen ist, 
dafür bietet der blühende „Verband Deutscher Gebirgs- 
und Wandervereine"*) einen sprechenden Beweis. 

Seit und solange der Deutsche aber wanderte, sang 
er auch. Rauh war die Stimme unserer Altvordern, so 
daß ihr Sang dem Wagenrasseln auf einem Knüppel¬ 
damm glich, und furchtbar genug mag 
der Barditus im Teutoburger Walde den 
Römern in die Ohren geklungen haben. 

Kunstgerechter, aber nicht weniger ein¬ 
drucksvoll erklang tausend Jahre später 
deutscher Sang in Paris, als Kaiser 
Otto II. am Ende einer Wanderung nach 
Frankreich hinein auf dem Montmartre 
durch alle Geistlichen, die er zusammen¬ 
bringen konnte, ein Halleluja des Sieges 
anstimmen und durch 60000 seiner 
Krieger begleiten ließ. 

Froher Kampfesmut und Siegesjubel 
entflammt den Deutschen ebensosehr 
zum Liede wie die Treue, die mit großen 
blauen Kinderaugen uns entgegen¬ 
leuchtet. Deutscher Humor, der lacht und 
jauchzt, deutscher Frohmut und deutsche 
Geselligkeit, Sehnsucht in die Ferne und 
das bittere Heimweh, sie drängen zum 
Liede, wenn das Sinnig-Innige, Be¬ 
trachtende und Seelenvolle, wenn das 

*) der seine diesjohrig^e Hauptversammlung vom 
8. bis n. September in Wildungen äbhält. 


Schwermütig-Träumerische der deutschen Art über¬ 
quillt — beim Wandern. 

Singt auch der Bewohner des hohen Nordens ebenso¬ 
wohl sein Lied wie der braune Araber, der auf wind¬ 
schnellem Vollblut den heißen Wüstensand durchmißt, 
hat auch der prachtliebende Indier so gut seine Lyrik 
wie der Tscherokese in den Jagdgründen des fernen 
Westens, so wirkt doch auf keines Volkes Gemüt die 
Naturbetrachtung so stark wie auf das deutsche. 

Beim Wandern fesselt uns das Band, das uns mit 
der Schöpfung verbindet. Beim Wandern spricht zu uns 
ihr Blühen und Verwelken, ihr Seufzen nach Freiheit 
und ihre opferfrohe Hingabe an den Herrn. 

Am reinsten quillt der Born deutscher Gemütstiefe 
in den Volksliedern, wie sie sang der Wanderer bei der 
Lindenwirtin „in einer Sommernacht lustig in die Winde." 

Das Volkslied ist das magische Horn, von dem 
Achim von Arnim und Clemens Brentano zu Beginn 
ihrer kostbaren Sammlung erzählen, jenes „Wunder¬ 
horn", dem unsagbar angenehme Melodien entströmen, 
lieblicher als das Gezwitscher der Vögel, als das Wogen 
der Harfe und als Sirenengesang. 

Seine Reize enthüllt das Volkslied dem reinen, 
einfaltvollen und doch erhaben fühlenden Wanderherzen. 
Daher entstanden die meisten Liebeslieder, die Lieder 
vom Scheiden und Meiden, vom Abschied und Wieder¬ 
sehen, von der Treue und der Untreue auf der 
Wanderschaft. 

„Dort oben auf dem Berge Die eine ist meine Schwester, 

Da steht ein hohes Haus. Die andre ist mir gefreund’t. 
Darein geh’n alle Morgen Die dritte, die hat keinen Namen, 
Drei hübscheFräulein ein. Die muß mein eigen sein." 

Als er dann „Innsbruck muß lassen und fährt dahin 
sein Straßen ins fremde Land hinein", da fragt er die. 




Abschied im Morgengrauen 

V. Moritz V. Schwind. 

(Mit Genehmigung der Photogr. 
Gesellschaft in Berlin.) 






















Nr. 7 DEUTSCHLAND 335 


die er liebt wie ^kein Feuer, keine Kohle kann glühen 
so heiß": „Warum bist du denn so traurig? Bin ich 
aller Freuden voll? Meinst, ich sollte dich vergessen? 
Du gefällst mir gar zu wohl, Laub und Gras, das mag 
verwelken, aber treue Liebe nicht; kommst mir zwar 
aus meinen Augen, aber aus dem Herzen nicht." 

Groß ist der Schmerz, „wenn ein treu verliebtes 
Herz in die Fremde ziehet." Am liebsten war der 
Wanderer „ein Vöge¬ 
lein, scheut Falk und 
Habicht nicht, flög' 
schnell zu dir!" 

Bei sieben Jahre 
dauert die Walze 
durch das deutsche 
Land. Kein Brief 
— kein Erinnerungs¬ 
zeichen I „ Entlaubet 
ist der Walde gen 
diesen Winter kalt; 
beraubet ward ich 
balde meines Liebs: 
das macht mich alt." 

Rückkehr bringt eitel 
Freude oder tiefes 
Herzeleid, wenn „ver¬ 
dorret war der Baum", 
wenn„derherztausige 
Schatz bei einem an¬ 
dern tut steh'n". 

Einfach, bewegr, 
ergreifend, ohne alle 
künstlichen Mittel 
und kaum nachahm- 
lich harmoniert mit 
dem Text die Melodie. 

So eigenartig ist die 
Volks-Melodie, daß 
nur wenigen Ton¬ 
künstlern ihre Nach¬ 
ahmung gelungen ist. 

Leichter noch ist die 
Nachdichtung gottbe¬ 
gnadeten Poeten ge¬ 
worden. An erster 
StelleunsermGoethe, 
dem „großen Wieder- 
erwecker des ge- 
sundenNaturgefühls'i 
Wegen seines Umherschweifens in der Gegend von 
Frankfurt „der Wanderer" genannt und doch „nur ein 
kosmopolitisch angehauchter Reisender", schrieb er 
nach einer Abendwanderung bei Ilmenau, in den An¬ 
blick eines ausgedehnten Bergwaldes versunken, jenes 
berühmte, seither tausendmal gesungene „lieber allen 
Gipfeln ist Ruh". Da mochte den Dichterfürsten das 
Heimweh der Erdenwaller erfüllt haben: „Ich wandre 
meiner Heimat zul" 

Mit Goethe lauschten ein Uhland, ein Eichendorff, 
ein Heine und ihre Plejaden dem Volkslied die Musik 
ohne Melodie ab, jene Sangbarkeit, die durch den 
Zauber der Worte, des Rhythmus und des Reimes im 


Volksliedverse enthalten ist, wie „der Schmetterling in der 
Chrysalide". Von Reichard und Zelter bis zu Mozart 
und Beethoven haben die Tondichter gewetteifert, unsere 
volkstümlichen Lieder in Musik zu setzen. 

Gibt es heute eine Wanderung ohne Goethes 
„Sah ein Knab' ein Röslein steh'n", ohne Eichendorffs 
„Wer hat dich, du schöner Wald" oder „In einem kühlen 
Grunde"? Immer wird das deutsche Volk Heines 

schwermütige „Lore¬ 
ley" oder auch Hauffs 
„Steh' ich in finstrer 
Mitternacht" und sein 
„Morgenrot" singen. 

Das Wandern, das 
Wasser, Räder und 
die „Steine selbst, 
so schwer sie sind", 
haben'sdemBurschen 
angetan, daß er wan¬ 
dern muß. Mit „Stab 
und Ordenskleid der 
fahrendenScholaren" 
will er „zur guten 
Sommerzeit ins Land 
der Franken fahren". 
„Drauß ist alles so 
prächtig" und es ist 
ihm „so wohl, wenn 
beim Schätzle be¬ 
dächtig a Sträußle" 
erholt. Dies „Sträu߬ 
chen am Hute, den 
Stab in derHand,muß 
ziehen der Wandrer 
von Lande zu Land". 
Als früh am Morgen 
klang sein „Lieb' 
Heimatland, adel" 
unddasbewegte„Muß 
i denn, muß i denn 
zum Städtle hinaus": 
„Vater, Mutter sah'n 
ihm traurig, und die 
Liebste sah ihm nach'f 
Leid und Trennungs¬ 
weh sind bald ver¬ 
gessen, denn „recht 
lustig sei vor allem, 
wer's Reisen wählen 
„Frisch voran, frisch voran I 
O welche Lust, von einem Ort zum andern. 
Jubelnd aus voller Brust 
Durch Hain und Flur zu wandern I" 

Mit der deutschen Wanderlust vereinigt sich die 
stärkste Liebe zur engem Heimat, die besonders bei 
Schwaben und Aelplern, aber auch bei Bewohnern der 
von Natur nicht begünstigten Landesteile zum unbe- 
zwinglichen Heimweh wird: 

„Schlehen im Oberland, 

Trauben im Unterland. 

Drunten im Unterland 
Möcht' i wohl seinl" 



Blick auf die Westerwaldbcrgc 
(Siehe Artikel „Frühjahrs-Wanderung- am Rhein".) 



Blick auf das Wiedtal von Weißfeld 
will''. Drum: 









336 101 


101 DEUTSCHLAND Nr. 7 



Linz am Rhein 



Walcisee am Wege nach Altwied 



Endlich kehrt der Gesell zurück ins ^Land 
der Freude, Land der Lieder", wird Meister 
in der Heimatstadt, „Frau Meisterin wird 
seine Lore". 

So quillt der Liederschatz des deutschen 
Volkes fort und fort, und gar unerschöpflich 
ist der Born deutscher Wanderlieder. 

Wer vermöchte zu zählen die lustigen 
Sänge wandernder bemooster Burschen, die 
bald lachenden, bald trauernden Lieder 
marschierender Soldaten, die Turner- und 
Jägerlieder, die Lieder vom Rhein und 
seinem Wein und dem Land „so wunder¬ 
schön in seiner Eichen grünem Kranz"? 

Im deutschen Gemüt liegt die Quelle der 
deutschen Lyrik. Das Gemüt ist der klare 
See, in dem sich der blaue Himmel glück¬ 
licher Wandertage, die goldnen Sterne froher 
Gefühle widerspiegeln. Auf diesem Boden 
sprießend, findet das Lied die Geheimnisse 
großer Kunst: Kraft, Einfachheit und Wahr¬ 
heit. Da sich dies goldne Dreigestirn am 
reinsten in Gottes freier Natur offenbart, so 
wird immer wieder das Wandern zum Singen 
und Dichten einladen. 

Im Nußbaumwäldchen des heimatlichen 
Schloßgartens, in dem Wipfel eines hoch¬ 
stämmigen Baumes sitzend, über das Blüten¬ 
meer der Bäume voll Sehnsucht und voll 
Wanderlust hinausschauend, dichtete Eichen 
dorff, der Poet deutscher Wanderer, sein 
herrliches: „O Täler weit, o Höhen!" 

Und der Deutsche wandert und dichtet 
fort; denn auch heute noch 

„Die Bächlein von den Bergen springen. 

Die Lerchen schwirren hoch vor Lust: 

Was sollt’ ich nicht mit ihnen singen 
Aus voller Kehl’ und frischer Brust I" 


Frühjahrs -Wanderung 
am Rhein. 

Von Prof. Ludwig Stelz. — Mit photograph. 
Aufnahmen von Photograph H. Groß, Bonn. 

„Wohlauf, die Luft ist frisch und rein, 

„Wer lange weilt, muß rosten! 

„Den allerschönsten Sonnenschein 
„Läßt uns der Himmel kosten I 
singen unsere älteren Schüler und die Stu¬ 
denten und bleiben in der Kneipe im Tabaks¬ 
qualm sitzen. Und was wäre es doch für 
unsere Stadtjugend so gut, wenn sie die 
Worte in die Tat umsetzte! Mit dem Ruck¬ 
sack auf dem Rücken, den Stecken in der 
Hand, Zufriedenheit und Frohsinn im Herzen 
an Stelle des gut gefüllten Geldbeutels drauf 
los wanderte! 

Und das Wandern wirdjetzt so leicht 
gemacht. In allen Gegenden Deutschlands 
sind Ortsvereine entstanden, die sich zur 
Aufgabe gesetzt haben, die schönsten Punkte 


Hummelsberg von Nordosten 














Nr. 7 DEUTSCHLAND 337 


ihrer engeren Heimat, ihre besten Zugänge 
und Verbindungswege zu markieren. Ent¬ 
legene Fußpfade, die sonst nur der kundige 
Förster und Postbote, der Fremde aber kaum 
an Hand der Meßtischblätter fand, kann nun 
jeder Tourist ohne die geringste Gefahr des 
Verirrens begehen. 

Unter allen Teilen unseres Vaterlandes 
besitzt aber die Rheingegend einen Vor¬ 
zug, der ihr nicht streitig gemacht werden 
kann, denn er ist klimatischer Natur. Volle 
14 Tage bis 3 Wochen früher tritt 
das Frühjahr hier ein als ander¬ 
wärts. Und Ende März hat der Mittelrhein 
eine Periode geringsten Niederschlags, genau 
so wie Ende September. Ein besseres Zu¬ 
sammentreffen für eine genußreiche Wande¬ 
rung ist kaum denkbar. Im Herbst, zur 
Zeit der Traubenreife, wird der Rhein ja viel 
besucht, aber im Frühjahr während der 
Baumblüte, ist er leer. 

Seit ich den vom Rheinischen Verkehrs- 
Verein markierten Rhein-Höhenweg*), ich 
darf wohl sagen, entdeckt habe, begehe ich 
ihn um diese Zeit mit Vorliebe. Auch in 
diesem Jahre habe ich wieder überall die 
„Saison eröffnet". Begegnet bin ich wieder 
keinem einzigen Touristen, oft stundenlang 
keinem Menschen. Denn die Markierung 
des Rheinhöhenwegs führt weit vom 
Rhein ab, tief in das Gebirge hinein. Und 
das hat man ihr zum Vorwurf gemacht. Ganz 
zu Unrecht! Denn nur so war es möglich, 
die stillen Waldwege einzubeziehen, die eine 
so wirksame Medizin für unsere gepeitschten 
Nerven sind. 

Nun sind diese Wege allerdings nicht 
überall in gutem Zustand. Besonders, wenn 
noch Schneegestöber und Regen gelegent¬ 
lich dazukommt. Aber derbe, gut geschmierte 
Rindslederschuhe und Gamaschen helfen 
darüber hinweg. Die herrlichen Blicke finden 
sich nun einmal nicht auf den gepflegten 
Kieswegen der Großstadt, und die frische 
reine Waldgebirgsluft meidet die Fabriken 
und Großbetriebe. Und wenn Aussicht und 
frische Luft dem Touristen geboten werden 
sollten, waren eben Holzabfuhrwege und 
Jägerpfade nicht zu umgehen. Gerade da¬ 
durch, daß die Markierung vom Rhein ab 
durch seine Nebentäler auf die 
Höhen hinauf und wieder hinab 
geführt wurde, war es möglich, die Auf¬ 
einanderfolge der Landschaftsbilder 
so wechselnd und verblüffend zu 
gestalten. 

Und nun lade ich zum Beweise dessen 
meine Leser ein, mit mir nur einen einzigen 
Tag zu wandern. In dem freundlichen 
StädtchenLinz, das durch seinen riesigen 

•> R h e i n wan d e r b u ch. 16 Tag^e auf den Rhein¬ 
höhen und im Rheintal mit 4 Weg^ekarten von Hans Hoitz. 
Preis 1.20 Mk. 



Bück von oben auf die Ruine von Altwied 



Lufikurort Rengsdorf 







338 DEUTSCHLAND Nr. 7 


Basaltversand bekannt ist, haben wir genächtigt. — Nun 
wandern wir aufwärts durch das Leiterseiltälchen, 
eine ganz charakteristische, tief in die Schiefer¬ 
felsen gerissene Rheinschlucht. Nur mit Mühe 
ist hie und da dem Hang der Platz für den Pfad 
neben dem murmelnden Wässerchen abgewonnen. 
An hübschen Punkten laden Bänke zur Rast ein. Wir 
aber steigen gemächlich weiter und erreichen nach 
einer Stunde die Hochebene. Die Buschwälder der 
Talseiten sind hinabgesunken und darüber erschließt 
sich der Blick ungehindert auf die weite Rhein¬ 
ebene. Vor uns öffnet 
sich die Mündung des 
Ahrtals, von dem burg¬ 
gekrönten Basaltkegel 
der Landskrone be- 
herrscht.UndimHinter- 
grundl Sind das nicht 
dieVorberge derAlpen, 
die das Bild bekränzen? 

Im Glanze des Neu¬ 
schnees prangen die 
Hohe Acht bei Adenau, 
der charakteristische 
Mosenberg beiMander- 
scheid und eine ganze 
Kette anderer. Und es 
gehört nicht allzuviel 
Phantasie dazu, sich 
etwas wie Alpen Vor¬ 
täuschen zu lassen. 

Aber weiter! Der 
Wald nimmt uns auf. 

Nur einige vorwitzig 
grünende Weißdorn- 
sträucher, ebenso die 
schwellenden Knospen 
der Buchen verraten 
ein Erwachen aus dem 
Winterschlaf. Noch 
lassen seine Zweige die 
Sonne ungehindert hin¬ 
durch, dem kaltenNord- 
ostnehmen sieaber die 
Kraft. So überlassen 
wir uns ganz dem be¬ 
haglichen Gefühl der 
wärmenden Strahlen. 

Links, gleich am Wege, erscheint ein kleiner, 
weltvergessener Waldsee, tief und klar. Welchen 
Genuß müßte im Sommer ein Bad darin gewähren! Aber 
„Zutritt verboten"! Warum nur? Folgen des Haftpflicht¬ 
gesetzes? Soll der Eigentümer ihn etwa zuschütten, 
damit ja niemand darin ertrinken kann? 

Nach einer halben Stunde treten wir aus dem Walde 
heraus. Vor uns liegt das kleine Dörfchen Weißfeld, 
und nun öffnet sich der Blick auf die Westerwald¬ 
berge im Osten. Tief liegen die engen Täler unter 
uns, die sich rechts und links zum Wiedbach hinwinden. 
Die Kuppen müssen ihnen ausweichen, sich kulissen¬ 
artig immer tiefer und tiefer hintereinanderschieben. 
Vergeblich sucht das Auge nach Ordnung in dem Gewirr. 


Und darüber hat die Frühjahrssonne ihre Farben 
gezaubert: Ein blauer Duft schwebt auf den dunklen 
Tannenwäldern, ein hellvioletter Schleier über den braun¬ 
roten Knospen des Buchenwalds. Und im Vordergrund 
das Zwiebelbraun der alten Blätter auf dem Buchen- 
und Eichenbuschwerk. Dazwischen die zart gelbgrünen 
Pyramiden der eben knospenden Lärchen. 

Wo der Wald vor der Kultur zurückgewichen ist, 
liegen Dörfer mit schwarzen oder roten Dächern, vor¬ 
sichtig in die Mulden hingebettet, inmitten des Mosaik¬ 
musters der Felder aus hellem Gelb und saftigem Grün. 

Ein Farbenbild, so 
prächtig, wie es nur 
der Frühling zustande 
bringt, und das sich 
vor jenem anderen, 
dem Blütenmeer in den 
Tälern, nicht zu ver¬ 
stecken braucht. 

Wir verweilen und 
staunen — entdecken 
immer neue Schön¬ 
heiten, aber „Weiter" 
heißt die Losung. 

Nun steigen wi r 
zum Mahlberg auf. 
Es ist eine der vielen 
Basaltkuppen, welche 
die Hochebene des 
Schiefergebirges unter¬ 
brechen. Ein Stein¬ 
bruch hat ihn auf der 
Nordseite bereits zur 
Hälfte abgefressen. 
Aber gerade so läßt 
sich der Bau des Berges, 
wie an einem idealen 
geologischen Schnitt, 
erkennen. 

In lauter sechsseitige 
Säulen hat sich die 
Basaltlava des Berges 
aufgelöst. Wie riesige 
Register von Orgel¬ 
pfeifen stehen sie in 
Stockwerken überein¬ 
ander. Lage für Lage 
wird herausgeholt und 
wandert rheinabwärts zumBau vonGrundmauern,Dämmen, 
Häfen an die Küste der Nord- und Ostsee. Rechts und 
links stoßen die Basaltsäulen fast unvermittelt an die 
hoch aufgestellten, verbrannten Schieferschichten. 

Wessen Phantasie reicht aus, sich das Landschafts¬ 
bild jener Zeit vorzustellen, als dieser Basaltberg sich 
bildete? Als drüben in der Eifel die Maare, jene tiefen 
stillen Seen auf dem Grunde der Trichter, noch Vulkan¬ 
schlünde waren, noch Wasserdampf, Rauch und elek¬ 
trische Entladungen in die Luft schickten. Als gewaltige 
Ausbrüche und Stürme die Asche 30, 40 Kilometer 
weit trugen und ablagerten. Ueberall die Lavaströme 
hervorquollen und mit ihrer dunklen Glut den Himme 
röteten. Begann der Rhein schon als flacher Ablauf 



Partie im unteren Leiterseiltälchen 



















340 DEUTSCHLAND Nr. 7 


des großen oberrheinischen Binnensees seine Sägearbeit 
auf der Schieferebene, oder war der Schluß bei Bingen 
noch vollkommen? 

Alle diese Fragen werden ausgelöst, während wir 
in dem Steinbruch herumklettern und überall die unver¬ 
kennbaren Zeichen des feuerflüssigen Ursprungs der 
Basaltmasse erblicken. 

Nun ist aber das Herumklettern in Steinbrüchen 
nicht jedermanns Sache. Auch steht, wie überall, das 
ominöse „Zutritt verboten" angeschlagen. Und nicht 
immer helfen ein paar freundliche Worte beim Auf¬ 
seher, der unser Interesse zu würdigen versteht, dar¬ 
über hinweg. 

Aber das Siebengebirge bietet im Oelberg 
eine Gelegenheit, einen derartigen Schnitt zu erhalten 
und bequem zugänglich zu machen. Auch dieser Berg 
ist durch einen Basaltbruch bereits halbiert. Um sein 
völliges Abtragen zu verhüten und das schöne Sieben- 
gebirgsrund zu er¬ 
halten, hat der Ver¬ 
schönerungsverein für 
das Siebengebirge ihn 
angekauft. Nun sollte 
dieser sich aber nicht 
mit der angebrachten 
Tafel„Zutritt verboten" 
begnügen. Würde der 
Wasser-Tümpel auf 
seinem Grunde durch 
einen Stollen trocken¬ 
gelegt und einige 
Aufräumungsarbeiten 
durchgeführt, vor allem 
aber an verschiedenen 
Stellen die Schichtung 
noch besser entblößt, 
so würde dadurch 
eine Sehenswürdigkeit 
ersten Ranges geschaffen. Der Zugang vom Margareten¬ 
hof aus ist ja sowieso schon vorhanden. 

Aber weiter, immer weiter! 

Die Bezeichnung führt vom Mahlberg an durch 
prächtigen Hochwald. Stundenlang wandern wir 
eben fort. Plötzlich treten wir heraus. 

Tief unten liegt Altwied, überragt von seiner 
umfangreichen, efeuumrankten Ruine, den klotzigen 
Bergfried inmitten. Und wie die Neuzeit in diese Welt¬ 
einsamkeit hineingreift! Auf der Landstraße pustet, 
rattert das Auto, das die Sommergäste von der Bahn¬ 
station Neuwied nach Rengsdorf bringt, jetzt freilich 
noch mit wenigen Einheimischen besetzt. 

Und hinter der Ruine die große Stauanlage. Die 
Wiedniederung hat sie in einen schmalen, langgestreckten 
See verwandelt, der das Wasser zu einem Elektrizitäts¬ 
werk liefert. 

Steil ist der Abstieg, ganz alpin der auf einen 
Nebenpfad, vor dem der weniger Kundige gewarnt wird. 

Nun zu unserem heutigen Ziel Rengsdorf. Wir er¬ 
reichen es aber nicht auf dem gewöhnlichen, wenig 
schattigen, steil ansteigenden Pfade. Die Markierung 
macht noch einen Umweg durch ein waldiges Neben- 
tälchen der Wied über den Aussichtspunkt „Alm¬ 


blick". Hochwald, soweit das Auge reicht. Nur tief 
unten im Tal ein schmaler Wiesenstreif, vom Bach in 
Windungen durchfurcht. Und oben, wo die steilen 
Hänge von weniger geneigten Platten unterbrochen sind, 
zwei, drei weitgedehnte Wiesenflecke im Wald. Nur 
die Herden und ihr Glockengeläut fehlen jetzt, um den 
Namen zu rechtfertigen. Im Spätherbst werden sie auch 
wohl da sein. 

Nach kurzer Rast steigen wir weiter und erreichen 
endlich die Hochebene. Vor uns liegt der aulblühende 
Luftkurort Rengsdorf, in der Ferne das weite Neu- 
wieder Becken ausgebreitet. Die in den Abendhimmel 
qualmenden Schornsteine deuten auf eine gewerbtätige 
Bevölkerung dort unten. Sie zeigen aber auch, wie klug 
es war, die Markierung in einem achtungsvollen Bogen 
drum herum zur Höhe zu führen. Schornsteine und 
Rauch haben wir in den Städten mehr wie genug. — 
Ganz Mittel- und Süddeutschland habe ich in den letzten 

30 Jahren im Frühjahr 
durchwandert, viel 
Schönes und Inter¬ 
essantes habe ich da 
gesehen. Eine solche 
Reihenfolge ganz 
verschiedener, in 
ihrer Art gleich 
schönerLandschaftS“ 
bilder, im Verlauf 
nur eines einzigen 
Wandertags, habe 
ich nirgends ander¬ 
wärts gefunden. 

Da höre ich denZuruf: 
„Das ist alles ganz 
schön und gut. Aber 
wer kann sich'sleisten, 
wochenlang am Rhein 
zu weilen, wenn er 
nicht einen Millionär zum Vater hat?" — Das trifft für 
den Touristen ganz und gar nicht zu. Wer als solcher 
untertags aus der Faust zehrt und die dem allgemeinen 
Fremdenstrom etwas entzogenen Städtchen als Nacht¬ 
quartiere wählt, verbraucht nicht mehr als anderwärts 
auch. Ich pflege mit 5 Mark bequem auszukommen. 

Für die Schüler besteht, hervorgerufen von dem 
Rheinischen Verkehrs-Verein, ein ausgedehntes Netz 
von Schülerherbergen, wo sie Nachtquartier und 
Frühstück umsonst erhalten. Leider ist, wohl aus Rück¬ 
sicht auf die Kosten, diese Vergünstigung auf die drei 
obersten Klassen der Höheren Schulen und die Hoch¬ 
schulen beschränkt. Ich sage leider, denn ich bin der 
Ansicht, daß das selbständige Wandern der Schüler 
bereits mit dem 14. Jahre beginnen kann. Wenigstens 
haben wir es in diesem Alter geübt, ohne die Hilf- 
mittel, die jetzt geboten werden, und mit Geldbeträgen 
so lächerlich gering und doch für uns ausreichend. Und 
in diesem Alter muß die Gewöhnung zum harmlosen, 
naturfreudigen Wandern einsetzen, bevor noch das ganze 
Interesse unserer Jugend durch den Sport aufgesaugt ist. 

Wenn ich unbeobachtet mit anhöre, mit welcher 
Gründlichkeit und Wichtigkeit unsere Schüler die Sport¬ 
verhältnisse erörtern, so scheint eine völlige Verkehrung 











Nr. 7 DEUTSCHLAND 341 


der Begriffe von Arbeit und Spiel, von Notwendigem und 
Nebensächlichem bei ihnen einzureißen. Deshalb wird 
gerade das allgemeine Streben, unser deutsches Wandern 
zu erleichtern und von neuem zu Ehren zu bringen, von 
grundlegender Bedeutung. Denn das Wandern gewöhnt 
zu Einfachheit und Selbständigkeit, steigert die Willens¬ 
kraft und erweitert den Gesichtskreis. Den Körper stählt 
es durch langen Aufenthalt und Bewegung in frischer. 


reiner Luft. So wird es zu einem Haupterziehungsmittel 
für unsere Jugend und zu einem wichtigen Erhaltungs¬ 
mittel der Körper- und Geisteskraft für uns Alte. 

Drum auf zum frischen, fröhlichen Wandern! 

Und im Frühjahr, wo wir Winterrauch und Winter¬ 
staub in den Lungen und die Winterarbeit in den Nerven 
haben, hinaus: 

in das Frühjahr, in die Sonne, an den Rhein! 


August Trinius, der Thüringer Wandersmann. 

(Zu seinem 60 . Geburtstage.) 


Thüringens Schönheiten haben in Nr.6 der „Deutsch¬ 
land" eine kurze Würdigung erfahren. Man hatte diese 
dem Schriftsteller übertragen, der hierzu wohl am 
berufensten ist: August Trinius, dem Thüringer Wanders¬ 
mann. Ihm, der am 31. Juli seinen 60. Geburtstag 
feierte, seien die folgenden Zeilen gewidmet. 

Der Thüringer Wandersmann ist von Geburt kein 
Thüringer. In Schkeuditz bei Leipzig erblickte er vor 
nunmehr 60 Jahren das Licht der Welt. Doch schon 
nach wenigen Monaten zogen die Eltern nach Erfurt, 
das dem Dichter die eigentliche Heimat geworden ist. 
Der Dichter schreibt: „Das alte, zum Teil düstere Stadt¬ 
bild mit seinen Festungswerken, der Steigerwald mit der 
fernen blauen Linie des Thüringer Waldes, dies alles 
hat unsagbar tief auf mich eingewirkt und legte wohl 
in mich die Anlagen, die ich dann später in Schilde¬ 
rungen der Natur offenbarte. Ich hänge tief an Erfurt, 
und jetzt beginnt diese Neigung wieder zu wachsen, 
da ich so weit doch durch die Welt kam." 

Mit 12 Jahren kam Trinius nach Berlin, dem er bis 
1890 treu blieb; dann setzte er seinen Wanderstab nach 
Thüringen. 21 Jahre, den größten Teil seiner Meister¬ 


jahre, lebt er nun in Thüringen. Was ihn hierher lockte, 
sagt der Dichter mit folgenden Worten: 

Ich hab' wie ein Spielmann durchfahren das Land 
In Lenzglück und Sommerpracht, 

Wenn die Felder still wogten, die Sichel erklang. 

Und die Wälder rauschten so sacht. 

Es war wie ein Suchen nach Rast und nach Glück 
Und trieb mich von Ort zu Ort, 

Nun umrauschen Thüringer Tannen mein Dach, 

Nun zieht es mich nimmer fort. 

In Waltershausen, dem freundlichen Städtchen, hat 
er sich bleibend niedergelassen, hat von hier aus immer 
neue Schönheiten Thüringens erwandert und erfahren. 
Er ist dadurch zu einer der bekanntesten Gestalten 
Thüringens geworden. 

An Auszeichnungen, Orden und äußeren Ehrungen 
hat es dem Geheimen Hofrat nicht gefehlt. 

Das Wandern, die alte deutsche Wanderlust, steckt 
unserm Dichter tief im Blute. Sie hat für ihn, ähnlich 
wie für die Fahrenden alter Zeit, etwas Dämonisches. 
Er hat Gebirge und Getal zu jeder Jahreszeit befahren, 
nicht zuletzt im Winter. So sagt er in einem Gedichte, 



Das Tuskulum des Geh. Hofrats August Trinius in Waltershausen 

























342 DEUTSCHLAND Nr. 7 


das er seinem zu früh verstorbenen Wanderfreunde, 
seinem Sohne Werner, weihte: 

Wenn aus vereister Winterstarre sich 
Natur aufatmend rang, zum Sonnenlichte 
Millionen Augen hoffnungsfroh zu richten 
Aus Busch und Wald — da hört ich deine Stimme: 
„Komm', Vater, komm'I Laß in die Berge heute 
Uns tapfer steigen, wie wir's oft getan I 
Die Quellen brechen auf, der Amselschlag 
Hallt wieder über unsere Wälder hin. 

Empor zum Rennsteig I Wo die Blicke schweifen 
Weit über sonnengoldne Länder fortl . . . 

Wie einst Walter von der Vogelweide, so kann auch 
Trinius sagen: Lande hab' ich viel gesehn. Wie jener 
ist er gefahren von der Elbe bis zum Rhein: 

Ich bin durch alle deutschen Gauen 
Als ein fahrender Mann gezogen. 

Und habe mit Mädchen, braunäugig und blauen. 
Gebechert, geküßt und — gelogen. 

Wir sehen ihn im Schiffe den Golf von Biscaya kreuzen, 
sehen ihn bewundernd stehen im internationalen Völker¬ 
tempel, der Peterskirche zu Rom. Aber sein Hauptziel 
waren und blieben die landschaftlichen Reize des 
deutschen Vaterlandes. Nur sie hat er in seinen 
Wanderbüchern besungen. 

Die Wanderbücher bilden den Hauptteil seiner 
Werke. Folgen wir dem Dichter auf seinen Fahrten, 
so werden wir zunächst geführt nach der Mark, „deren 
Adagio ihn anzog", Fontane mit seinen „Wanderungen 
durch die Mark" ist gewiß auf unsern Wandersmann 
nicht ohne Einfluß geblieben. Was Trinius beim 
Wandern erschaute und erlebte, das berichtet er in drei 
Werken: „Auf märkischer Erde", „Märkische Streifzüge", 
„Vom grünen Strand der Spree". In den Spree- und 
Havellandschaften, im Lande Lebus hat er offenen Auges 
und Herzens Land und Leute betrachtet und sie in 
jenen Werken dargestellt. 

Zur Elbe ist dann der Dichter hingefahren, zur 
alten, stolzen Hansastadt Hamburg. Und wie an jedem 
Binnenländer, so hat diese Stadt an ihm in verstärktem 
Maße ihren Zauber bewährt. In seinem Buche „Ham¬ 
burger Schlendertage" berichtet er von dem gewaltigen 
Eindruck, den der Mastenwald des Hafens, das Geschäfts¬ 
leben auf Börse und Markt auf sein Herz gemacht haben. 
Im nahegelegenen Sachsenwalde besuchte unser Dichter 
das Grab Ottos des Großen, dem er einst, als dem Ehren¬ 
schulzen von Gabelbach, die „Chronik der Gemeinde 
von Gabelbach" widmete. 

Das Moseltal mit seinen grünen Bergen und Reben¬ 
hügeln beschrieb er in dem Wanderbuch: „Durchs 
Moseltal". Der treuen Arbeit der Winzer spricht er 


den Dank aus für ihr redliches Schaffen zu Ehren des 
deutschen Weinbaues. 

Gehaltvoll ist auch das Buch: „Durchs Unstruttal". 
Der geneigte Leser merkt bald, daß er sich in aus¬ 
gesuchter Gesellschaft befindet. Da hat er in Trinius 
den Naturfreund zur Seite, der ihn auf die Schönheiten 
der Landschaft, über Form und Farbe, auf die stillen 
Reize von Berg und Fluß aufmerksam macht; da wandert 
mit ihm der kenntnisreiche Thüringer Wandersmann, der 
die alten Inschriften entzifferte und die verstaubten Hand¬ 
schriften las, der angesichts von Kirchturm und Ruine 
den Geist rückwärts wandern läßt in schwere und heitere 
Zeiten vergangener Jahrhunderte; der unaufdringlich 
Antwort gibt auf manche Frage, die sonst unbeantwortet 
bleiben würde. Da hat der Leser zur Seite den präch¬ 
tigen bayerischen Professor, der mit seinen launigen 
Betrachtungen nie Langeweile oder Reiseunlust auf- 
kommen läßt. 

„Durchs Werratal" ist ein anderes Wanderbuch 
betitelt, das dem Leser ein wertvoller Führer bei einer 
Werrafahrt sein kann. Ein monumentales Werk ist das 
achtbändige „Thüringer Wanderbuch". Der Dichter hat 
sich mit liebevollem Verständnis in die Betrachtung von 
Thüringer Land und Leuten in Sage, Geschichte und 
Gegenwart vertieft und stellt das Geschaute zusammen¬ 
hängend dar. Jeder Besucher Thüringens, besonders jeder 
Thüringer, wird mit Vorteil diese Wanderbilder lesen. 

Freilich ist hier gleich zu bemerken, daß es falsch 
sein würde, ein ganzes Werk von Trinius in einem Zuge 
durchlesen zu wollen. Wer das tut, der ist bald über¬ 
füttert und verliert den Geschmack am Lesen. 

In vielen kleineren Schriften hat unser Wanders¬ 
mann Nachlese in Thüringen gehalten. Ich nenne nur: 
„Den Rennsteig". Menschen von historischem Sinn und 
Gefühl werden stets, wo sie die uralte Bergstraße aus 
dem Dunkel des Waldes auftauchen sehen, von einer 
eigenen feierlichen Stimmung erfaßt. Trinius hat die 
alte Heerstraße in sein Herz geschlossen, sie befahren 
und anderen durch sein Buch eine Rennsteigwanderung 
fruchtbarer gemacht. 

Es würde zu weit führen, alle Werke unseres Dichters 
aufzuführen. Im ganzen hat er mehr als 50 geschrieben, 
unter denen jeder, der sich für eines der Lande von 
der Mark bis zu den Vogesen interessiert, etwas für 
sich findet. 

Mit dem Thüringer Wandersmann eine Fahrt zu 
machen, sei es auch nur eine Buchfahrt, ist ein hoher 
Genuß des echten Wandergeistes wegen, der uns aus den 
Werken anweht, des Geistes der Wanderlust, sinniger 
Naturbetrnchtung, der Liebe zum deutschen Vaterland. 


Lothringen. 

Von Museumsdireklor Prof. J. B. Keune. 


Der Bezirk Lothringen bildet mit den beiden elsässischen 
Regierungsbezirken seit dem Jahr 1871 die Reichslande Elsaß- 
Lothringen. Durch diesen Zusammenschluß sind Landesteile 
mit verschiedener Vergangenheit und Volksart aneinander¬ 
geknüpft. Da aber der Begriff „Lothringen" für viele in 
dem Begriff „Elsaß" völlig untergeht und selbst bei reichs¬ 
ländischen Veröffentlichungen und Veranstaltungen dem 
lothringischen Bezirk das ihm gebührende rechtmäßige Drittel 


häufig nicht zugestanden wird, so sei unserem Deutsch- 
Lothringen ein Platz an der Sonne gegönnt und seiner Eigen¬ 
art eine kurze Besprechung gewidmet. 

Der Name „Lotharingen", „Lothringen" geht auf 
das 9. Jahrhundert n. Chr. zurück, da das im Jahre 843 
gebildete mittelfränkische Reich nach seinem Herrscher Lothar 
(Vater und Sohn) benannt war. Nachdem aber die über¬ 
lebenden Söhne Ludwigs des Frommen, Ludwig der Deutsche, 








344 DEUTSCHLAND Nr. 7 




Schloß Ladonchamps b. Woippy (Landkr. Metz) 

nordwestlichen Ecke des heutigen Bezirkes Lothringen. — 
Außerdem umspannt aber Deutsch - Lothringen noch ver« 
schiedene kleinere einstmals reichsunmittelbare Gebiete, wie 
die Reichsgrafschaften Dagsburg und Kriech ingen, die 
Freiherrschaft Finstingen usw., sowie Stücke der haupt¬ 
sächlich in den angrenzenden, heute rheinpreußischen und 
unterelsässischen Bezirken gelegenen Grafschaften Saar¬ 
brücken (Nassau) und Lichtenberg (Hanau), Herrschaften, 
die alle nach der von 
Kaiser Maximilian 1.1512 
eingeführten Einteilung 
zum Oberrheinischen 
Kreis zählten. 

Diese verschiedenen 
Landesteile sind zu ver¬ 
schiedenen Zeiten 
an Frankreich ge¬ 
fallen, am frühesten 
die Stadt Metz mit ihrem 
Gebiet und die weltliche 
Herrschaft des Bistums 
Metz, die im Jahre 1552 
von Frankreich besetzt 
und im Friedensvertrag 
von Münster in Westfalen 
im Jahre 1648 endgültig 
an dieses vom ehemaligen 
Deutschen Reich abge¬ 
treten wurden. Dieden- 
hofen ist während des 
Dreißigjährigen Krieges 
im Jahre 1643 von den 
Franzosen erobert und 
im sogen. Pyrenäischen 
Friedenl659 mit dem zu¬ 
gehörigen Sprengel von 
Spanien an Frankreich 
abgetreten. Das Herzog¬ 
tum Lothringen kam erst 
im Jahre 1766 an Frank¬ 
reich, als der Schwieger¬ 
vater des französischen 
Königs Louis XV, Stanis¬ 
laus Lesezinski, starb, 
dem das Herzogtum als 
Ersatz für die verlorene 
polnische Königswürde 


im Jahre 1735/36 zugesprochen war; allerdings hatte 
Frankreich schon zu Lebzeiten des Herzogs Stanislaus in 
der Hauptstadt Nancy durch einen Vertreter Regierungs¬ 
gewalt ausgeübt. Erhebliche Gebietsteile des Herzogtums 
Lothringen waren bereits viel früher an Frankreich ver¬ 
loren. Denn im Jahre 1661 halte der Herzog von Loth¬ 
ringen die Festung Sierck mit 30 Dörfern, das Gebiet 
der Abtei Gorze und außerdem einen Landstreifen von 
der Breite einer halben lothringischen Meile abtreten 
müssen, die Route de Lorraine, die die gleichzeitig Frank¬ 
reich überlassenen, damals festen Plätze Saarburg und 
Pfalzburg mit dem Metzer Land verband und den unge¬ 
hinderten Durchmarsch französischer Truppen nach dem 
Elsaß gewährleisten sollte. 

Eine ähnliche Militärstraße hat sich Frankreich zum 
Zweck der Verbindung mit der (von Louis XIV ge¬ 
schaffenen) Festung Saarlouis im folgenden Jahrhundert, 
nach der Erwerbung des Herzogtums Lothringen, gesichert, 
indem es von Nassau-Saarbrücken durch Verträge vom 
Jahre 1766/1770 verschiedene Dörfer und Forsten erwarb. 
Nicht wenige Ortschaften im heutigen Bezirk Lothringen 
haben aber noch bis zur französischen Revolution (1792/93) 
zum alten Deutschen Reich gehört, und die bis dahin reichs¬ 
unmittelbaren Herrschaften, zu welchen sie zählten, sind mit 
dem ganzen linken Rheinufer durch die Friedensabmachungen 
von Luneville im Jahre 1801 an Frankreich abgetreten, bei 
welchem sie auch nach den Freiheitskriegen verblieben. Diese 
Landstriche sind also keine 80 Jahre fransösisch gewesen, 
als sie 1871 Deutschland wiedergewonnen wurden, anderseits 

hat das erneuerte Deut¬ 
sche Reich im Jahre 1871 
auf ausgedehnte Ge¬ 
biete, die vor 100 bis 
320 Jahren noch zum 
alten Reich gehörten, 
keinenAnspruch erhoben. 

Die große französische 
Revolution hat aber nicht 
bloß die letzten Ueber- 
bleibsel der deutschen 
Reichsherrlichkeit besei¬ 
tigt, sondern auch die 
von Frankreich belassene 
oder vorgenoinmene, auf 
geschichtliche Ueberlie- 
ferung gegründete Ge¬ 
bietseinteilung mit ihren 
gesonderten Gewohn¬ 
heitsrechten aufgehoben 
und durch die Departe¬ 
ments ersetzt. Die im 
jetzigen Bezirk Loth¬ 
ringen enthaltenen Ge¬ 
meinden waren zwei 
verschiedenen Departe¬ 
ments, der Mosel und der 
Meurthe, zugeteilt. Von 
den vier Kreisen (arron- 
dissements) des Mosel¬ 
departements — Metz, 
Briey, Diedenhofen und 
Saargemünd — verblieb 
nach dem Friedenschluß 
von 1871 der größte Teil 
des Kreises Briey bei 
Frankreich. Dafür wurden 
aber zwei Kreise des De¬ 
partements der Meurthe, 


Münze"' zu Vic vor ihrer Herstellung 






















Nr. 7 DEUTSCHLAND 345 


Chateau«Salins und Saarburg i. L., zum Regierungsbezirk 
Lothringen geschlagen. Die Zahl der Kreise dieses Bezirkes 
wurde durch Neubildung der Kreise Metz-Stadt, Bolchen und 
Forbach auf acht erhöht; ein neunter Kreis kam 30 Jahre 
später (190T) hinzu durch Zweiteilung des Kreises Dieden- 
hofen, dessen Bevölkerungsziffer infolge des Aufschwunges 
der Eisenindustrie beträchtlich gewachsen war. 

Diese eben näher bezeichneten Ländergebiete sind von 
der deutsch - französischen Sprach grenze durch¬ 
zogen, und zwar dergestalt, daß höchstens ein Drittel der ein¬ 
heimischen Bevölkerung des Bezirkes Lothringen französischer 
Zunge ist, während zwei Drittel das Deutsche als Mutter¬ 
sprache haben. Wer im deutsch-sprachigen Lothringen bis 
1870 und in der folgenden Zeit nur Französisch sprach, 
wurde vom Volksmund als „Welscher'" gekennzeichnet, und 
wenn hier jemand aus der einheimischen, ansässigen Bevölke¬ 
rung Französisch parliert, so zieht er seiner Muttersprache 
die im Unterricht oder im Verkehr erlernte fremde Zunge 
vor. Natürlich sprach und spricht das Volk kein Hoch¬ 
deutsch, wie es die Schule lehrt, sondern Mundarten, die 
vornehmlich dem fränkischen Sprachgebiet angehören, nach 
Osten zu jedoch vom Alemannischen beeinflußt und in der 
südöstlichen Ecke rein alemannisch - elsässisch sind. Im 
Nordwesten spricht das Volk die luxemburgische Mundart, 
wie sie auch im Großherzogtum Luxemburg und in den an¬ 
stoßenden ehemals herzoglich-luxemburgischen Landstrichen 
des Bezirkes Trier gesprochen wird (z. B. „Kand" statt 
„Kind"; „Spatzen" statt „Spitzen"). Diese Mundart weicht 
völlig ab von der in der Pfalzburger und Dagsburger Gegend 
gesprochenen Mundart, zu der die im mittleren Lothringen 
gesprochenen Mundarten von Bolchen, Forbach, Saargemünd 
den Uebergang bilden. Alle diese deutschen Mundarten 
wimmeln aber geradezu von Wörtern und Ausdrücken, die 
der französischen Sprache entlehnt sind. 

In den lothringischen Landstrichen französischer Zunge 
kommt naturgemäß in der Familie und im Verkehr die 
Muttersprache zu ihrem Recht, doch scheuen sich die Ein¬ 
heimischen nicht, auch die in der Schule erlernte deutsche 
Sprache zu gebrauchen. Im Verkehr der Landbevölkerung 
wird meist ein Patois (Mundart) gesprochen, und zwar unter¬ 
scheiden sich le Patois Messin im Metzer Land, le Saulnois 
in der Gegend der oberen Seille und le Vosgien in den 
Vogesen. Beispielsweise wird in der Metzer Mundart von 
jeher volles a wie ä gesprochen, wie ouvräge statt ouvrage, 
und daher auch in alten Inschriften und Urkunden entsprechend 



Schloß zu Diesdorf im Kreis Diedcnhofen-Ost 


geschrieben (ai statt a). Diejenigen Familien, die im Französisc h 
sprechenden Teil des Bezirkes Lothringen Deutsch sprechen, 
sind aus deutsch-sprachigen Gegenden eingewandert. 

Infolge der starken Einwanderung, unterstützt durch die 
erhebliche Auswanderung von Familien französischer Zunge, 
hat aber das Sprachverhältnis im französischen Teil des 
Bezirkes Lothringen eine einschneidende Veränderung er¬ 
fahren, vor allem in Metz und seinen Vororten sowie in den 
Industriegegenden. So hat heute zu Metz die Deutsch 
sprechende Bevölkerung, auch von den Soldaten ganz ab¬ 
gesehen, die Ueberzahl, und die Altdeutschen, die unsere 
Stadt besuchen, dürfen sich daher nicht, wie es gewöhnlich 
geschieht, darüber wundern, daß hier so viel Französisch 
gesprochen wird, sondern vielmehr, daß nach nur 40 Jahren 
die deutsche Sprache zu Metz allenthalben zu hören ist. 

Dies ist aber nicht etwa die erste Verschiebung, der die 
sprachlichen Verhältnisse von Lothringen unterworfen gewesen 
sind, denn vor 300 Jahren hat sich die Sprachgrenze zu 
ungunsten der deutschen Sprache nach Norden verschoben und 












346 DEUTSCHLAND Nr. 7 



zahlreiche Ortschaften, deren einheimische Bevölkerung heute 
Französisch spricht, waren, wie alte Urkunden, Flurnamen 
und andere Kennzeichen beweisen, früher deutsch, so Hayingen, 
Lörchingen, Dieuze. Zu Dieuze ist ja im Jahre 1497 der 
berühmte Gelehrte Musculus, der so seinen deutschen Namen 
Meusslin (d. h. Mäuslein) nach der gelehrten Humanisten-Silte 
seiner Zeit lateinisch übersetzt hat, als Sohn eines Küfers 
geboren. Dagegen war das benachbarte Vic immer französischer 
Zunge. Allerdings haben Bischöfe von Metz deutscher Her¬ 
kunft im 15. Jahrhundert Deutsche und vor allem deutsche 
Handwerker in Vic und den Französisch sprechenden Teilen 
des bischöflichen Gebietes angesiedelt, und so erklärt es sich, 


daß in dem damals gemischtsprachigen Marsal die Aufschrift 
einer Glocke, die ein Conrat von Vieh (Vic) im Jahre 1508 
gegossen hat, in Deutsch gehalten ist. 

Die Verkürzung des deutschen Sprachgebietes in Lothringen 
war hauptsächlich durch den Dreißigjährigen Krieg verschuldet. 
Zahlreiche Ortschaften waren damals zerstört und verödet. 
Die ausgestorbene Bevölkerung wurde auf Anordnung von 
Louis XIV durch Ansiedler ersetzt, die aus dem inneren 
Frankreich stammten. Infolge dieser Maßnahmen verschwand 
die deutsche Sprache aus der Gegend von Albesdorf und 
Dieuze bis Lörchingen. 

Wie in sprachlicher Hinsicht, so bietet auch land¬ 
schaftlich Lothringen Verschiedenheiten. Denn das frucht¬ 
bare, dicht bevölkerte Moseltal bei Metz, dessen Lieblichkeit 
seit uralten Zeiten gerühmt wird, bildet einen Gegensatz 
einmal zu den heute dünn besiedelten und weithin von Wald 
bestandenen Höhen der nördlichen Vogesen und anderseits 
zu den zwischen Mosel und Vogesen wie auch westwärts sich 
ausbreitenden Hochflächen, auf denen der Landmann mit 
saurem Schweiß dem zähen Boden die Kornfrucht abringt. 

Die Nordvogesen mit ihren herrlichen Waldungen, kühnen 
Sandsteinfelsen, Burgruinen und anmutigen Ortschaften in 
den Taleinschnitten gehören zu den schönsten Gebirgsland¬ 
schaften. Hervorgehoben seien nur im Bitscher Land die 


Burgen Waldeck und besonders Falkenstein, zwischen denen 
sich der Hanauer Weiher, „einer der schönsten Seen der 
Vogesen" ausbreitet, dann Lützelstein, Alberschweiler und 
das Dagsburger Land. 

Doch auch das lothringische Hügelland entbehrt durch¬ 
aus nicht der landschaftlichen Schönheiten, wennschon 
manche Landstriche reizlos sind. Denn die einförmigen 
Hochflächen sind unterbrochen von lieblichen Tälern, wie der 
Orne, der Fentsch, der Kanner, der Rossel, oder belebt durch 
ausgedehnte Laubwaldungen, wie den Forst von Remilly oder 
die Wälder bei Hargarten, Reste des alten, berühmten Reichs¬ 
forstes Warent oder Warant, dessen Name nur noch auf 

preußischer Seite 
umCarlsbrunn fort¬ 
lebt, und durch die 
Lothringen eigen¬ 
tümlichen Stau¬ 
weiher, die zeit¬ 
weise zum Zwecke 
des Fischfanges 
abgelassen werden 
und Ackerfeldern 
Platz machen. 
Angenehme Ab¬ 
wechslung in die 
manchmal einför¬ 
mige Landschaft 
bringen auch die 
Ortschaften mit 
ihren alten, ehr¬ 
würdigen Kirchen 
oder festen Schlös¬ 
sern, die an ent¬ 
schwundene Zeiten 
erinnern. 

Unter den K i r- 
ch e n seien vor 
allem die eigen¬ 
artigen Festungs¬ 
kirchen erwähnt, 
die im Mittelalter 
zu Kriegszeiten der 
Bevölkerung Zu¬ 
flucht und Schutz 
boten, so im Metzer Lund zu Chazelles bei Scy, zu Lessy, 
Norroy-le-Veneur, Mey, Arry, im weiteren Lothringen z. B. 
der Kirchturm von Heckenransbach (Kreis Forbach). Auch 
sonstige mittelalterliche Kirchen sind zahlreich in Lothringen; 
sie sind vielfach, wenn auch romanische Bauteile erhalten 
geblieben sind, in gotischer Zeit umgebaut oder neu gebaut. 
Aus der großen Zahl seien beispielsweise genannt die frühere 
Abteikirche zu Gorze, die Kirchen zu Lorry-Mardigny, 
Diedersdorf, Münster, Vic, Marsal, Finstingen, Hessen, ferner 
die einsame Bergkirche Usselskirch (Lützelkirch d. h. kleine 
Kirche) bei Bust und die „Moderkirche" (Mutterkirche), 
ein inmitten des Friedhofes von Farschweiler stehen ge¬ 
bliebener runder Turm der ehemaligen Dorfkirche, weiter 
die Kirche in Sillegny mit eigenartigen Wandmalereien des 
16. Jahrhunderts, die Kirche in Settingen mit vorzüglichen 
Glasgemälden des 15. Jahrhunderts, schließlich von sonstigen 
kirchlichen Bauten die Reste der berühmten Abtei Stürzelbronn 
mit einer jetzt in der Kirche eingemauerten einzigartigen 
Kalendertafel des 12. Jahrhunderts, sowie das neben der Kirche zu 
Schorbach stehende romanische Beinhaus des 12. Jahrhunderts. 

Von jüngeren Kirchen verdient Erwähnung die im 18. Jahr¬ 
hundert neu erbaute Kirche der Abtei St. Nabor, jener Abtei, 
der die Stadt St. Avold Ursprung und Namen (mund¬ 
artlich : Santeför) verdankt. 


Inglingen im Kanton Metzerwiese, Kreis Diedenhofen-Ost 







Nr. 7 DEUTSCHLAND 347 



Befestigte Kirche zu Chazelles bei Scy im Landkr. Metz. Nach einer Zeichnung von Aug. Migette im Museum zu Metz. 


Zahlreich sind auch die Schlösser. Sie lieg-en jedoch, 
abgesehen von den Burgruinen in den Vogesen und einigen 
anderen Burgresten, wie Frauenberg, nicht auf Höhen, sondern 
im Tal und waren durch vier (auch nur zwei) Ecktürme und 
Wassergräben gegen Angriffe gesichert. Es möge der Hin¬ 
weis auf die Schlösser von Mardigny, Anserweiler, Homburg 
(bei Kedingen) genügen. Von umfangreicheren Befestigungen 
seien Rodemachern und die Bergfestung von Sierck genannt. 

Von alten Zeiten und Zuständen kündet auch das 6 Kilo¬ 
meter von Metz an der Landstraße nach Busendorf noch 
stehende Hochkreuz, dessen nach dem Volksglauben weis¬ 
sagende Kraft von heiratslustigen jungen Leuten, besonders 
Mädchen, durch Steinwürfe befragt wird, das letzterhaltene 
der fünf Kreuze, die ein Edelherr der Reichsstadt Metz, 
Nicol. Louve, im Jahre 1445 im Umkreis der Bannmeile von 
Metz hat errichten lassen. 

In ihrer Zertrümmerung oder Umgestaltung mahnen jene 
alten Bauwerke uns zugleich an die Vergänglichkeit 
und Veränderlichkeit der irdischen Dinge. Noch ein¬ 
dringlicher tritt diese Mahnung an uns heran, wenn uns die 
Altertumswissenschaft oder Geschichte als Helferin der 
Heimatkunde belehrt, daß an jetzt vereinsamten Stätten einst¬ 
mals Leben und Pracht geherrscht haben. So hat an der 
Stelle des heutigen recht bescheidenen Dörfleins Tarquinpol, 
das sich auf einer Land¬ 
zunge eines der erwähnten 
Stauweiher, des Linder¬ 
weihers, ausdehnt, eine 
stattliche, in der Ge¬ 
schichte öfters genannte 
gallisch-römische Ansie¬ 
delung, Decempagi, be¬ 
standen, von deren glän¬ 
zenden Bauten nur die im 
Ort selbst wie im Park 
von Niederlinder und im 
Metzer Museum vorhan¬ 
denen Reste Zeugnis ablegen. Und auf der weiten Rund¬ 
blick bietenden Höhe des Herapel bei Kochern-Forbach ist 
heute „geackert Feld'", doch „eine alte, große Stadt soll 
drunter liegen aus der Heiden Zeit", denn der Boden hat 
Altertumsfunde in großer Zahl geliefert und, durch Grabungen 
geöffnet, auch Baureste gezeigt, die beweisen, daß in den 
vier ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung auf dem 
jetzt einsamen Bergrücken eine bedeutende Ortschaft sich 
ausgebreitet hat, und, wie das Volk sich erzählt, sitzt die 
einstmalige Beherrscherin der verschwundenen Stadt, Hera, 


im Innern des Berges auf der Deichsel eines mit Schätzen 
beladenen Wagens und harrt der Erlösung. Der Dags- 
burger Schloßberg aber, ein merkwürdig gestalteter Sand¬ 
steinfels, auf dem zu Ehren des hier geborenen h. Papstes 
Leo IX. eine Kapelle im vorigen Jahrhundert gebaut ist, trug 
noch vor 240 Jahren ein stolzes, von den Franzosen 1677 
erobertes und 1679 geschleiftes Schloß, das Sitz des 
Dagsburger Grafengeschlechtes war. Die in den benach¬ 
barten Waldungen der Nordvogesen lagernden Steine dagegen 
sind Reste der Siedelungen, Friedhöfe und Heiligtümer, die 
auf den einstmals bewohnten und beackerten, seit 1500 Jahren 
verlassenen Höhen bestanden, auf denen heute nur noch 
wenige Dörfer mit ähnlich angelegten terrassenförmigen Acker¬ 
feldern zu finden sind. 

Während diese dereinst belebten Stätten jetzt vereinsamt 
sind, ist in früher stille Täler und unbebaute Gegenden heute 
Leben und Lärm eingezogen durch die Industrie. Es hieße 
Lothringens Bedeutung verständnislos verkennen, wenn man 
seine industrielle Entwicklung unberücksichtigt ließe. Am 
großartigsten ist der Aufschwung, den die Eisenindustrie 
seit den letzten Jahrzehnten genommen hat und noch dauernd 
nimmt. Lothringen allein fördert mehr als 60 Prozent des 
gesamten deutschen Eisenerzes zutage. Dieser Aufschwung 
ist eine Folge des von dem Engländer Thomas (1878) er¬ 
fundenen, aber in Deutsch¬ 
land ausgereiften Verfah¬ 
rens, das der früher wegen 
ihres Phosphor-Gehaltes 
mißachteten „Minette" 
(so heißt hierzulande das 
eisenhaltige Gestein) zur 
Wertschätzung verhelfen 
hat. Mit der Ausbeutung 
der Minette ging und geht 
die Anlage von ausge¬ 
dehnten Hüttenwerken 
Hand in Hand. Das Gebiet 
dieser hochentwickelten lothringischen Eisenindustrie liegt 
westlich der Mosel: Maizieres, Hagendingen, Rombach, Groß- 
Moyeuvre, Ueckingen, Hayingen, Algringen-Kneuttingen- 
Nilvingen, Aumetz, Deutsch-Oth, Diedenhofen u. a. 

Während die Gewinnung und Verarbeitung der Eisenerze 
in Lothringen recht alt ist und nur ihr mächtiger Aufschwung 
der neuesten Zeit angehört, reicht die Gewinnung der Stein¬ 
kohle nicht über die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück, 
nimmt aber in den Kreisen Forbach und Bolchen immer 
größere Ausdehnung an. Denn zu den älteren Kohlengruben 



Schloß zu Mardigny, Gemeinde Lorry-Mardigny im Landkreis Metz 










348 DEUTSCHLAND Nr. 7 


von Karlingen, Spittel, Merlenbach und von Kreuzwald sind 
in jüngster Zeit weitere Betriebe getreten. 

Auch die lothringische S al z ge winnung ist bedeutend. 
Die reichen Salzlager finden sich im oberen Tal der Seille, 
die diesen ihren Namen (Salia, Saille = Saale, d. h. Salz¬ 
fluß) eben jenen seit uralten Zeiten ausgebeuteten Salzlagern 
verdankt. Die Gewinnung könnte noch heute eine unbegrenzte 
sein, wenn nicht die Salinen auf Grund einer Vereinbarung 
die Herstellung des Salzes aus der Sole eingeschränkt und 
dem Absatz angepaßt hätten. 

Eine alte lothringische Industrie ist auch die Herstellung 
und Verarbeitung des Glases. Die Glashütten, die in 
Rodungen des Forstes Warent im Bereich der Grafschaft 
Saarbrücken und anders¬ 
wo entstanden waren und 
denen die Ortschaften 
Kreuzwald-Huf (eines der 
drei Dörfer, aus denen 
Kreuzwald zusammenge¬ 
wachsen ist), Merlenbach 
(ursprünglich „Glas- 
hütte'^ genannt) und an¬ 
dere ihre Entstehung ver¬ 
danken, bestehen lange 
nicht mehr. Dagegen 
hat sich die seit dem 
16. Jahrhundert in der 
Gegend von Bitsch be¬ 
triebene Glas-Industrie 
zu Münzthal - St. Louis, 
einer der bedeutendsten 
Kristallfabriken Europas, 

Meisenthal(Kunstgläser), 

Götzenbrück (Brillen-, 

Uhrgläser, Glasglocken) 
zu großer Blüte ent¬ 
wickelt. Erst seit dem 
19. Jahrhundert (1836, 

1848) aber besteht die 
bedeutende Glasindustrie 
zuDreibrunnen-V allerys- 
thal im KreisSaarburg i.L. 

(Uhren-und Brillengläser, 
verziertes Hohlglas). 

Diel754 begründete 
Fayencerie zuNieder- 
wei 1er, deren Erzeug¬ 
nisse (insbesondere auch 
die von hervorragenden 
Künstlern entworfenen 
Figuren und Gruppen) 
sehr hoch geschätzt 
werden, stellt heute nur 
noch gewöhnliche Alltagsware her. Dagegen hat sich die 
1780 entstandene, sehr ausgedehnte Fayencerie von Saar¬ 
gemünd durch ihre neben einfachem Geschirr erzeugten 
Kunstfayencen wohlberechtigte Achtung auf dem Weltmarkt 
errungen. Hier werden auch die bekannten und vorzüglichen 
„Saargemünder Platten" aus Ton angefertigt. 

Von den sonstigen zu Saargemünd betriebenen Industrien 
ist noch die 1829 hier aufgekommene Herstellung von 
Hutplüsch durch Huber & Cie. zu rühmen, die (mit einer 
Zweigstelle in Püttlingen) bis in die neueste Zeit den Vorrang 
auf dem Weltmarkt behauptet hat. Eine gleiche hervor¬ 
ragende Stellung nimmt Lothringen ein mit der Fabrikation 
von lackierten Pappwaren durch Adt zu Forbach, wo 
die 1844 begründete Herstellung von Tabaksdosen aus Pappe 
sich zu einer außerordentlichen Mannigfaltigkeit entwickelt hat, 


die mit ihren Gebrauchsgegenständen aller Art wie Luxus- und 
Phantasiewaren für den Weltbedarf tonangebend geworden ist. 

Die seit den 1870er Jahren stetig gesteigerte Bautätigkeit, 
insbesondere Festungsbauten und Bahnanlagen in Lothringen 
haben die Ausdehnung und Anlage großer Ziegeleien sowie 
den bedeutenden Steinbruch betrieb gefördert. Daß der 
Kalkstein der Metzer Gegend seinen seit römischer Zeit 
bewährten Ruf auch heute behauptet, sei nebenbei gesagt. 

Schließlich muß noch von lothringischen Hausindustrien 
die Herstellung von Perlenkränzen und Stickereien erwähnt 
und die in Metz und Umgebung blühende Konserven-Fabri- 
kation und Gartenkultur (Spargel, Blumenkohl, Erdbeeren, 
Mirabellen usw.) gebührend hervorgehoben werden. 

Zur Hebung der Indu- 
strie wie überhaupt zur 
Förderung von Gewerbe, 
Handel und Verkehr sind 
Kunststraßen uner¬ 
läßlich. Schon unter fran¬ 
zösischer Verwaltung 
sind vorzügliche Staats¬ 
straßen angelegt ; auch 
war Lothringen seit den 
1850er Jahren von meh¬ 
reren Eisenbahnlinien 
durchkreuzt, die Privat¬ 
gesellschaften gebaut 
hatten. Schließlich besaß 
Lothringen von künst- 
lichenWasserstraßen den 
1853 vollendeten Rhein- 
Marne-Kanal mit dem 
Saar-Kohlenkanal, von 
welchen der erstere im 
Kreis Saarburg i. Lothr. 
die Schiffe auf Brücken 
über Landstraßen und 
Wasserläufe hinwegführt 
und in zwei Tunnels die 
Vogesen durchbricht, im 
größeren Tunnel (2,306 
Kilometer), zwischen Arz- 
weiler und Lützelburg in 
Lothringen, neben der 
Eisenbahn, diese jedoch 
im Bergesinnern über¬ 
kreuzend. 

Von Kanal anla gen 
hat die deutsche Verwal¬ 
tung nur die von Frank¬ 
reich begonnene Kanali¬ 
sierung der Mosel bis 
Metz fortgesetzt (1876). 
Die Rufe nach Weiterführung der Moselkanalisation, die für 
die Entwicklung der lothringischen Eisenindustrie von größter 
Wichtigkeit ist, sind bis jetzt unerhört geblieben. Dagegen 
hat die deutsche Verwaltung in den vergangenen 40 Jahren 
ihrer Wirksamkeit Hervorragendes geleistet für Vermehrung 
und Verbesserung der übrigen Verkehrsstraßen. 

Von Eisenbahnen durchquerten Lothringen im Jahre 
1870 die Strecken (Frouard — )Noveant — Metz — Saarbrücken 
(1850, 1852), (Paris — Frouard — Nancy — ) Avricourt — Saar¬ 
burg — Straßburg (1851, 1852), Metz — Diedenhofen — Luxem¬ 
burg (1854, 1859), Diedenhofen — Fentsch — Longwy (1863), 
Avricourt — Dieuze (1864), Karlingen — Beningen (1866) und 
Beningen — Saargemünd — Bitsch — Niederbronn — Hagenau 
(1865, 1869), auch zum kleinen Teil Saargemünd—Saar¬ 
brücken (1. Juni 1870 eröffnet). Alle übrigen Eisenbahn- 



Louve-Kreuz 






Nr. 7 DEUTSCHLAND 34Q 


Verbindungen sind erst durch die deutsche Verwaltung ge¬ 
schaffen oder fertiggestellt. So laufen von Metz statt der 
drei im Jahre 1870 vorhandenen Linien und einer vierten, 
damals schon im Bau begriffenen, 1873 vollendeten Linie 
(Metz —Amanweiler—Verdun) heute insgesamt neun Eisen¬ 
bahnen aus. Dazu sind die Gleise vermehrt und an die 
Stelle der alten Barackenbahnhöfe sind würdige, umfang¬ 
reiche Steinbauten getreten. In Metz ist sogar der als Nach¬ 
folger des älteren Bahnhofes neuerbaute, 1878 eröffnete 
Hauptbahnhof nach 30 Jahren (1908) durch einen gro߬ 
artigen zweiten Neubau an anderer Stelle ersetzt. 

Die Landstraßen werden immerzu verbessert und 
vermehrt. Vom Verkehr verstoßene Ortschaften, z. B. in 
entlegenen Gebirgsgegenden, sind unter deutscher Ver¬ 
waltung durch Kunststraßen an die Verkehrsadern an¬ 
geschlossen, denn es ist seit vielen Jahren Grundsatz, jähr¬ 
lich durchschnittlich 20 Kilometer neue Kreisstraßen zu 
bauen und durch diese alle abseits von den Hauptstraßen 
gelegenen Dörfer an diese anzuschließen. Zu den Kunst¬ 


wesen, in der Erhaltung der geschichtlichen Baudenkmäler 
und überhaupt der Pflege der geschichtlichen Vergangenheit 
des Landes, wie sie die vom Bezirkspräsidenten geleitete 
Gesellschaft für lothringische Geschichte und Altertumskunde 
seit 1889 in gemeinsamer Arbeit Einheimischer und Ein¬ 
gewanderter sich angelegen sein läßt, so muß man bekennen, 
daß Lothringen seit 1871 entschieden fortgeschritten ist. 
Wer dies leugnet, zählt zu den Geistern, die stets verneinen, 
da sie bewußt oder unbewußt als ihre Lebensaufgabe 
betätigen, Unzufriedenheit zu säen und mit Mäkelsucht zu 
prunken. 

Anhang: Der Weinbau in Lothringen. 

(Hierzu vergleiche das Bild im Heft 5, Seite 249.) 

In Lothringen wird seit uralten Zeiten Wein gebaut. Dies 
beweisen bildliche Darstellungen aus der Zeit der Römer¬ 
herrschaft, insbesondere Steinbilder des Weingottes Bacchus, 
den in einer auf dem Herapel gefundenen Nachbildung des 
berühmten Marmorbildes des griechischen Meisters Praxiteles 



Dagsburger Schloßberg bei Dagsburg, Kreis Saarburg i. L. 


Straßenbauten gehören aber auch Brücken, und da sei 
bloß hervorgehoben, daß innerhalb der Grenzen Lothringens 
die Mosel — von ihren Nebenarmen ganz abgesehen — statt 
der früheren fünf festen Brücken heute deren sechzehn 
besitzt (darunter vier ausschließlich oder vorwiegend für den 
Eisenbahnverkehr). Zu den neuen Brückenbauten zählt auch 
eine Ueberbrückung bei Moulins, wo gelegentlich eines 
Unwetters am 14. März 1614 die Mosel sich ein neues Bett 
gerissen und die sehr alte, noch vorhandene Brücke außer 
Dienst gestellt hatte: also hat hier die deutsche Verwaltung 
einen uralten Verkehrsweg, der in der Geschichte der Reichs¬ 
stadt Metz eine große Rolle spielt, nach fast 300 Jahren wieder 
geöffnet. 

Rechnet man zu diesen Verkehrsmitteln die kräftige 
Förderung auf anderen Gebieten, wie z. B. im Unterrichts- 


der Gott des Handels und Geldgewinnes Mercurius auf seinem 
Arm trägt. Daß die Weingärten im Mittelalter und noch im 
18. und 19. Jahrhundert Flächen eingenommen haben, die 
heute durch Wohnhäuser und andere Anlagen dem Weinbau 
entzogen sind, lehren alte Namen (z. B. nach einstmaligen 
Weingärten benannte Straßen in Metz) und Flurkarten. 

Wenn nun aber auch heute mitten in der lothringischen 
Hochebene an günstigen Hängen Weinberge anzutreffen sind, 
so beschränkt sich doch das eigentliche Weinbaugebiet auf 
zwei Gegenden: das Tal der Mosel mit den anstoßenden 
nächsten Seitentälern und das Tal der Seille. Denn hier 
liegen, hauptsächlich in den Kreisen Metz-Land und Chäteau- 
Salins, dann auch in der Gegend von Diedenhofen und 
Sierck, die wirklichen Weinbauorte, von denen 33 Gemeinden 
mehr als 50 Hektar bis zu 280 Hektar Weinbaufläche mit 











350 DEUTSCHLAND Nr. 7 




ihren Banngrenzen umschließen. Leider ist in neuerer Zeit 
der Weinbau durch die Reblaus, deren Bekämpfung aus¬ 
gedehnte Weinbauflächen geopfert wurden, und durch anderes 
Mißgeschick schwer geschädigt. — Die besten Weinlagen 
finden sich bei Metz und moselaufwärts bis zur Grenze um 
Vallieres,Augny,Lorry- 
Mardigny, Dornot, Scy, 

Lessy, dann Plappeville, 

Longeville, Rozerieulles, 

Ste. Ruffine, Jussy,Vaux, 

Noveant, Corny und 
Arry, außerdem im Tal 
der Orne am Just- 
berg, den einstmals ein 
Klosterbau krönte (die 
mächtige Klosterkelter 
ist noch zu Wallingen 
bei Rombach vorhan¬ 
den), um Gentringen bei 
Diedenhofen und um 
Oberkontz auf der linken 
Moselseite gegenüber 
Sierck, schließlich im 
oberen Seille-Gebiet bei 
Vic,Marsal,Harraucourt 
und Salival. 

Mit Ausschluß der 
Gegend von Sierck, wo 


Mädchen in lothringischer Tracht 
an den Ruinen der römischen Wasserleitung bei Ars an der Mosel 


Weißwein gezogen und in neuerer Zeit zur Weinbehandlung' 
nach Altdeutschland ausgeführt wird, werden mit ganz ver¬ 
einzelten Ausnahmen (so des vorzüglichen Dornot blanc) blaue 
Trauben gepflanzt, aus denen ein Rotwein nebst seiner Abart, 
dem Vin gris (d. h. Grauwein), einem leicht gefärbten Rot¬ 
wein, gewonnen werden. 
Doch wird vielfach aus 
dem Saft der blauen 
Trauben ohne Schalen 
einWeißwein („Clairet'O 
hergestellt, der, gleich 
dem Vin gris mit seinem 
Gehalt an natürlicher 
Kohlensäure, sehr be¬ 
liebt ist und neuer¬ 
dings zur Bereitung von 
Schaumwein viel ver¬ 
braucht wird. Schon vor 
mehr als zehn Jahren 
machten die von der 
deutschen Schaumwein- 
Industrie in Lothringen 
aufgekauften Mengen an 
Clairet einDrittel desge¬ 
samten zu Schaumwein 
verarbeiteten Rohstoffes 
aus. Seitdem hat aber 
dieSchaumweinindustrie 



Befestigte Kirche zu Arry im Landkreis Metz. Nach einer Zeichnung von Aug. Migette im Museum zu Metz. 















352 DEUTSCHLAND Nr. 7 


reichlich Gebrauch gemacht hat, daß sie rechtzeitig daran 
gedacht hat, die Fabrikquartiere, die naturgemäß nirgends 
schön und sauber sein können, von den Zier« und Schmuck¬ 
vierteln zu trennen. Auf dem weiten Plan, der sich von den 
Mauern der alten Stadt bis zu den grünen Hängen des 
Kaiserberges dehnte und der mit dem friedlich weidenden 
Vieh gewissermaßen ein Ingrediens der niederrheinischen 
Landstadt war, erhebt sich heute eine ganze neue Stadt 
im Feiertagsgewand. Noch ist da draußen nicht alles 
zur Wirklichkeit geworden, was geplant wird, — um so besser 
kann man dort aber eine moderne Villen- und Gartenstadt 
im Werdezustand studieren. 

Schon heute stößt die Stadt 
Duisburg unmittelbar an ihren 
herrlichen Wald, der mit 
seinem sanft gewellten Auf 
und Ab, den stundenweit 
sich erstreckenden schattigen 
Wegen, den romantisch- 
träumerischen Plätzchen, wie 
dem Heiligen Brunnen, an 
den sich manche pietätvolle 
Sage knüpft, dem idyllischen 
Steinbruch und endlich dem 
eigentlichen Kaiserberg mit 
dem hochragenden Wasser- 
türm und dem Reiterdenkmal 
unseres alten Kaisers für 
jeden Besucher stets neuen, 
unerschöpflichen Reiz bietet. Eine kleine, nur halbstündige 
Wanderung durch die parkortigen Waldungen des Kaiser¬ 
bergs bringt uns an die reizvoll gelegene Pferde-Rennbahn, 
wo sich jährlich achtmal ein in sportlicher und mondäner 
Hinsicht interessantes Leben entwickelt. In unmittelbarer 
Nähe der Rennbahn befindet sich das modern und zweck¬ 
mäßig eingerichtete Solbad Raffelberg, welches sich 
eines von Jahr zu Jahr steigenden Besuches erfreut, und 
dessen lediglich für erholungsbedürftige Kinder bestimmte 
Dependance ebenfalls außerordentlich frequentiert wird. 

Wenn man vom Plateau 
des Kaiserberges nach Westen 
blickt, sieht man vor sich die 
regelmäßigen Straßenzüge 
der großen Stadt, die von 
einem weiten Kreis rauchen¬ 
der Schornsteine eingesäumt 
werden. Es sind das die mah¬ 
nend emporgehobenen Zeige¬ 
finger von Wanheimerort, 

Hochfeld, Rheinhausen, Ruhr¬ 
ort, Meiderich, Hamborn und 
Oberhausen, die uns daran 
erinnern, daß wir uns in einer 
Gegend befinden, in der man 
nicht müßig geht, in der an¬ 
haltend, mit Anspannung aller 
Kräfte gearbeitet wird. Das 
wird übrigens der Fremde, den die Eisenbahn herbeigeführt hat, 
schnell gewahr. Die Hauptstraße der Stadt, die Königstraße, 
zeigt sich im Bahnhofsviertel von ihrer nüchternen Seite. Die 
Zweckmäßigkeits-Bauten triumphieren durchaus. Aber schon 
ist man dabei, auch hierin Wandel zu schaffen, und in Bälde 
wird die Königstraße im Verlauf des ganzen Straßenzugs die 
elegante, vornehme Großstadtstraße sein, die sie bereits heute 
von der traulich im Grünen gelegenen Tonhalle bis zum 
Kuhtor, wo die Altstadt ihren Anfang nimmt, darstellt. 
Hier erhebt sich unter anderen der imposante Neubau des 
Landes- und Amtsgerichts, hinter dem sich binnen 


kurzem die monumentale Front des im Bau begriffenen 
Stadttheaters bemerkbar machen wird. In diesem Viertel 
finden wir auch zwei schöne, moderne Schulgebäude: das 
Königl. Gymnasium und die Städtische Mädchen¬ 
mittelschule. Zur linken Hand, gleich am Beginn der 
Düsseldorfer Straße, befindet sich die Getreidebörse mit 
ihrer in wuchtigem archaisierenden Stil erbauten Fassade. 

Die Altstadt Duisburgs ist im ganzen nicht allzu reich 
an pittoresken Gebäuden und malerischen Winkeln, aber diese 
fehlen wiederum auch nicht ganz. In der Gegend des Alten 
Marktes, der Johanneskirche, der Niederstraße kommen 

Freunde eines altertümlichen 
Stadtbildes voll auf ihre 
Rechnung. Durch die Altstadt 
ziehen sich zwei der wichtig¬ 
sten Geschäftsstraßen Duis¬ 
burgs : die Münzstraße 
und die Beekstraße. Hier 
ist in großen Geschäfts¬ 
häusern der modernsten Art 
alles zu haben, dessen man 
zum täglichen Gebrauch oder 
zum verfeinerten Leben be¬ 
darf. Manches des Inter¬ 
essanten bietet ferner dem 
Fremden der im Herzen der 
Altstadt gelegene Burg¬ 
platz. Zunächst erhebt sich 
hier das mit mittelalterlichen 
Formen in anmutiger Weise kokettierende Rathaus, ein 
ausgezeichnetes Werk des Professors Ratzel (Karlsruhe), mit 
einem höchst sehenswerten Sladtverordneten-Sitzungssaal und 
den hübschen Sammlungen des städtischen Museums. Rechts 
vom Rathaus sehen wir die alte Salvatorkirche, ein 
Wahrzeichen der Stadt. Auf dem Burgplatz erinnert das 
vornehme Mercatordenkmal an den berühmten Gelehrten, 
der sein Lebenswerk in Duisburg geschaffen. 

Vor sechs Jahren sind die Städte Ruhrort und 
Meiderich mit Duisburg vereinigt worden, und es ist 

klar, daß in der verhältnis¬ 
mäßig kurzen Zeit aus diesen 
drei verschieden gearteten 
Kommunen noch nicht eine 
homogene Stadt erstehen 
konnte. Aber die Anzeichen 
eines innigeren Zusammen¬ 
schlusses mehren sich doch 
von Jahr zu Jahr. Schon ist 
das Projekt einer neuen, zeit¬ 
gemäßen Straßenverbindung 
Duisburgs mit Ruhrort, quer 
über die Häfen weg, der Ver¬ 
wirklichung nahe, und wenn 
erst der ebenfalls geplante 
Durchbruch vomKuhtor durch 
die Münzstraße und die Gäß- 
chen der Duisburger Altstadt 
zustandegekommen ist, wird ein imposanter großstädtischer 
Straßenzug vom Hauptbahnhof stracks bis nach Ruhrort 
führen. Die Hauptsehenswürdigkeit des letztgenannten Stadt¬ 
teils sind natürlich die grandiosen Hofenanlagen, die 
ja an anderer Stelle dieser Nummer eine besondere Wür¬ 
digung erfahren. Aber von Ruhrort aus schwingen sich 
auch die gewaltigen Bogen der neuen Brücke über den 
Rhein, einer wahren Meisterleistung der Brückenbaukunst. 
Ueberwältigenden Eindruck erwecken — namentlich zur Zeit 
der Dämmerung — die heroisch dräuenden Brückenköpfe des 
gigantischen Bauwerks. Am besten begibt man sich auf die 



Solbad Raffelberg: Kurhaus 



Solbad Raffelberg: Badehaus 








Nr. 7 DEUTSCHLAND 353 


Brücke und läßt das Panorama der rechten Rheinseite an sich 
vorüberziehen. Dann hat man das ganze Leben und Treiben 
auf dem mächtigen Strom vor Augen, und dann fällt einem 
u. a. der ragende Giebel der Schifferbörse auf, die daran 
gemahnt, daß der riesige Schiffahrtsverkehr — 1910 wurden 
287-2 Millionen Tonnen umgeschlagen I — Ruhrorts nationale 
Bedeutung ausmacht. Die Bedeutung von Ruhrorts Schwester« 
Stadtteil Meide rieh hingegen beruht ausschließlich auf der 
Industrie, — doch davon wird weiter unten noch die Rede sein. 

Wenn man, von Crefeld kommend, über die Rheinhausen- 
Hochfelder Brücke fährt, gibt die Industriestadt Duisburg 
gleich ihre Visitenkarte ab. Ragenden Burgen gleich erheben 
sich am Duisburger Ufer enorme Fabrikanlagen: die 
Niederrheinische Hütte, das Kupfer- und Messingwerk, die 


nalem Ruf, die in der nach amerikanischem Muster empor¬ 
gewachsenen Stadt an der Ruhrmündung domiziliert sind. 
Eine Reihe von Riesenfirmen weist die Eisenindustrie 
auf. Da sind zunächst einmal die Rheinischen Stahl¬ 
werke zu nennen, die mit ihren drei Walzwerken, den fünf 
mächtigen Hochöfen, zwei Martinstahlwerken und einem 
Thomasstahlwerk eine maßgebende Rolle spielen. DieA.-G. 
Phönix, ein Unternehmen, das von Ruhrort unzertrennlich 
ist, verfügt gar über sechs Hochöfen, zu denen sich binnen 
kurzem ein neuer gesellen wird, ein Thomas- und ein Martin¬ 
stahlwerk. Die Niederrheinische Hütte, eines der 
ältesten Werke am Platz, gehört zu dem großen Konzern des 
Industrie-Fürsten Henckel-Donnersmarck. Erwähnung ver¬ 
dienen an dieser Stelle noch das HochofenwerkVulcan 



Duisburg: Brückenkopf der Rheinbrücke 


Fabrik feuerfester Produkte, die Duisburger Kupferhütte, die 
Brückenbauanstalt Harkort, die Gelsenkirchener Bergwerks 
A.-G. haben sich hier im Fabrikviertel Hochfeld, niedergelassen. 
Hier glüht es in den Essen und Hochöfen, hier stampfen in 
donnerndem Rhythmus die Hämmer, hier qualmt die ernste, 
bedeutungsvolle Zeile der Riesenschlote zum Himmel empor. 
Hier gewinnt auch der Besucher, der Duisburgs wirtschaftliche 
Bedeutung an Ort und Stelle zu studieren beabsichtigt, einen 
trefflichen Eindruck von dem temperamentvollen Pulsschlag, 
der das industrielle Leben unserer niederrheinischen Industrie- 
und Handelsmetropole so entscheidend beeinflußt. 

Vielleicht ist im Anschluß an diese Betrachtung und im 
Zusammenhang mit dem flüchtigen Spaziergang durch das 
neue Duisburg nicht ohne Interesse ein kurzer Ueberblick 
über jene industriellen Anlagen von internatio- 


(Gelsenkirchener Bergwerks A.-G.) und die Meidericher 
A.-G. für Hüttenbetrieb, eine neuere Gründung. 

Der florierende Stand der Duisburger Eisenindustrie hatte 
bald bedeutende Eisenverarbeitungswerke hierher 
gezogen. Weltruf genießen u. a. die Harkort’sche Brücken- 
bau A.-G. und die Schiffswerft, Kessel- und Ma¬ 
schinenfabrik Ewald Berninghaus, eine jener deut¬ 
schen Werften, die erfolgreich den Kampf mit der holländischen 
Konkurrenz aufgenommen haben. Genannt seien ferner das 
Blechwalzwerk Schulz-Knaudt und die Vereinigten 
MaschinenfabrikenAugsburg-Nürnberg, die gegen¬ 
wärtig im Begriff sind, einen Teil ihres Betriebes an die 
Peripherie Duisburgs, nach Großenbaum, zu verlegen. 

Ein Unternehmen, das hierhin zu rubrizieren ist, sind 
wir in der Lage, einer eingehenderen Würdigung zu unter- 


















354 DEUTSCHLAND Nr. 7 


ziehen. Es ist dies die Deuts che Maschinenfabrik A. G. 
Entstanden durch Zusammenschluß dreier früher selbständigen 
Werke, bildet die Deutsche Maschinenfabrik A. G. heute ein 
Riesenunternehmen, dessen Erzeugnisse in die ganze Welt 
versandt werden. 

Arbeiter und weit 
über 800 Beamte. 

DerjährlicheUm- 
satz an Fabri¬ 
katen schwankt 
zwischen 30 und 
40 Milk Mark. 

Schon wer die 
riesigen Bureau¬ 
gebäude an der 
Werthauserstraße 
sieht, die aus 
einem Vorder- 
und einem Hinler- 
flügel mit je fünf 
Stockwerken bestehen, wird die Bedeutung dieses Unter¬ 
nehmens zu würdigen wissen. Es verlohnt sich wohl, einen 
kurzen Ueberblick über das ausgedehnte Tätigkeits¬ 
gebiet der Deutschen Maschinenfabrik A. G. zu geben, 
zumal angenommen werden kann, daß schon vielen Lesern, 
sei es bei der Besichtigung von Werksanlagen, sei es 
auf Ausstellungen oder sei es endlich auf irgend einer 
Reise an die Wasserkante der Name dieser Firma vor Augen 
oder zu Ohren gekommen ist. Wer erinnert sich z. B. nicht 
von Reisen an die Wasserkante her jener Kranrieson 
von ungeheuren Abmessungen und Tragfähigkeiten, die weit¬ 
hin sichtbar ihre mächtigen Auslegerarme in die Luft streckten, 
mit denen sie, sagenhaften Riesen gleich, unheimlich große 
Gewichte mit spielender Leichtigkeit zu heben vermögen! 
Fast ausnahmslos sind diese Riesenkrane aus den Werk¬ 
stätten der Deutschen Maschinenfabrik A. G. hervorgegangen. 
Wenngleich der Bau von Riesenkranen für sich schon ein sehr 
weites Arbeitsfeld darstellt, so bildet er doch nur einen geringen 
Teil des gesamten Tätigkeitsgebietes der Firma. Daneben 
nimmt der Bau von Einrichtungen für den Bergbau und 
den Hüttenbetrieb einen sehr weiten Raum ein. Es sei nur 
an die Auslührung von Bohr- und Schrämmaschinen und von 
Fördereinrichtungen für Bergwerke, von Hochofen-, Stahl- und 
Walzwerken jeglicher Art mit sämtlichen zugehörigen Hilfs¬ 
einrichtungen für die Hüttenindustrie erinnert. Schon 
die günstige Lage inmitten des rheinisch - westfälischen 
Industriebezirks gibt der Deutschen Maschinenfabrik A. G. 



Zwei Magnelkrane zum Träger transport 
gebaut von der Deutschen Moschinenfobrik A. G,, Duisburg 


zum Bau derartiger Werksanlagen Gelegenheit in Hülle und 
Fülle. Da es der hier zur Verfügung stehende Raum nicht 
gestattet, das ausgedehnte Arbeitsgebiet dieser Firma er¬ 
schöpfend zu behandeln, so sei es nur noch erlaubt, auf die 
in beigegebener Abbildung dargestellte Klappbrücke für 
den Duisburg-Ruhrorter Hafen hinzuweisen. 

Duisburg liegt, wie wohl allgemein bekannt ist, inmitten 
einer Gegend, in der eifrig Bergbau getrieben wird. Auf Duis¬ 
burger Gebiet selbst befindet sich die Zeche West ende (Eigen¬ 
tum der Phönix A. G.), die i. J. 1910 3200 Arbeiter beschäftigte 
und 870000 Tonnen Kohlen förderte. Im Kohlenhandel 
spielt eine dominierende Rolle das sogenannte Kohlenkontor 
(„Rheinische Kohlenhandels- und ReedereigesellschafT")^ 
vor 8 Jahren durch einen wirtschaftlichen Zusammenschluß 
des Kohlensyndikats mit interessierten Großhändlern und 
Großreedern entstand. Wenn man an Duisburgs Handel und 
Verkehr denkt, muß man wohl auch des blühenden Getreide- 
und Holzhandels Erwähnung tun, der für die Geschäfts¬ 
lage im deutschen Westen von ausschlaggebender Bedeutung 
ist. Natürlich sind in Duisburg auch eine Reihe wichtiger 
Rheins chiffahrts re edereien ansässig. Im ganzen 
schwimmen 139 Duisburger Schleppdampfer und 474 Duis¬ 
burger Schleppkähne auf dem Rhein; eine recht . stattliche 
Flotte! Die größten am Platz arbeitenden Firmen sind 


_ 



Feststehender Hammerdrehkran von 150 t Tragfähigkeit 
gebaut von der Deutschen Maschinenfabrik A. G., Duisburg- 

Mathias Stinnes (22 Schleppdampfer und 83 Kähne 
mit zusammen über 82000 Tonnen Ladefähigkeit), Harpen er 
Bergbau A.G., Abteilung Schiffahrt (18 Dampfer, 76 Kähne, 
65 000 Tonnen), Karl Schroers (18 Dampfer, 36 Kähne, 
45000 Tonnen). Mit die älteste Duisburger Industrie ist 
schließlich die T a b ak i n d u s t r i e. Wenn sie heute auch 
nicht die maßgebende Rolle wie früher spielt, so haben doch 
die Firmennamen Böninger und Carstanjen weit und 
breit geachteten Klang. — 

Also das ist Duisburg: eine uralte Stadt, in lebhafter 
Weiterentwicklung begriffen, bis zur Weißglut eifrig und 
arbeitsam, ein Wahrzeichen niederrheinischen, — nein, deut¬ 
schen Fleißes. Wer die Gegend des rheinisch-westfälischen 
Industriebezirks aus informatorischen Gründen zu bereisen 
hat, kann dort schlechterdings keine Stadt finden, die ihm 
alles das, was er in diesem Bezirk nur suchen kann, derart 
im Extrakt zu bieten vermag, wie gerade Duisburg. Die 
Tage, die der auswärtige Besucher hier verbringen darf, wird 
er nie zu den verlorenen zählen. 


Das Werk beschäftigt mehr als 6000 



Klappbrücke 

gebaut von der Deutschen Maschinenfabrik A. G. 
für den Duisburg-Ruhrorter Hafen 





















































Nr. 7 DEUTSCHLAND 355 

Von den Duisburg-Ruhrorter Häfen und der Ruhrorter Hafenfähre. 

Von Dr. Schröter, Duisburg-Ruhrort. 


„Wer nach Duisburg kommt und die Häfen nicht sieht, 
kennt Duisburg nicht“; dieser Ausspruch besteht zu Recht. 
Wohl birgt die zu beiden Seiten der Ruhrmündung am 
Rhein und am Ausgang des rheinisch -'Westfälischen In¬ 
dustriegebietes gelegene Stadt manch Sehenswertes in 
ihren Mauern, wohl zieht der Duisburger Wald alljährlich 
viele Tausende von Besuchern an, aber seine Größe und 
Bedeutung hat Duisburg vor allem durch seine Häfen 
erlangt. Sie sind die größten Binnenhäfen der 
Welt. Zur Kennzeichnung des Riesenverkehrs, der sich 
in den Rhein-Ruhr-Häfen vollzieht, bedarf es der An¬ 
führung nur einer Ziffer: nicht weniger als 28,5 Mi 1- 
lionenTonnen sind 1910 in ihnen umgeschlagen Worden. 

Die Wichtig¬ 
keit der Schaf¬ 
fung von Hafen¬ 
anlagen istin 
Ruhrort, das 
seit dem Jahre 
1905 in Duisburg 
eingemeindet ist, 
schon vor zwei 
Jahrhunderten 
erkannt worden; 
man hat dort von 
1715 bis 1753 
ein Stück von 
einem alten 
Ruhrbett zu 
einem Hafen 
ausgebaut. Als 
dannumdieMitte 
des 18. Jahrhun¬ 
dertsein König¬ 
liches Kohlen- 
Magazin in 
Ruhrort errichtet 
wurde, da war 
der weiteren 
Entwicklung des 
Platzes der Weg 
gewiesen. Es bedeutete einen wichtigen Schritt auf dieser 
Bahn vorwärts, daß Friedrich derGroße die Ruhr, 
die bis in die 70er Jahre des 18. Jahrhunderts nur auf 
kurze Strecken zu befahren war, für die Kohlen¬ 
abfuhr schiffbar machen ließ; war das in erster 
Linie eine Maßnahme zur Förderung des märkischen 
Steinkohlenbergbaus, dem am linken Niederrhein und in 
Holland gegen den Wettbewerb der englischen Kohle 
neue Absatzgebiete erschlossen werden sollten, so wurde 
damit zugleich Ruhrort in seiner Stellung als Umschlags¬ 
platz wesentlich gefestigt. 

Im 19. Jahrhundert haben sich fast ohne 
Unterbrechung Hafenbauten und Hafenerwei¬ 
terungen im jetzigen Stadtgebiet Duisburgs 
aneinander gereiht. In Ruhrort wurden der alte Hafen, 
der Schleusenhafen, der Nord- und Südhafen, sowie der 
Kaiserhafen vom Staate, und zwar vom Ruhrfiskus, ge¬ 
schaffen; die finanzielle Grundlage für diese kostspieligen 


Bauten bildete der Ruhrschiffahrtsfonds, dessen Ein¬ 
nahmen früher vornehmlich aus Ruhrschiffahrtsabgaben 
und jetzt aus den Hafenerträgnissen bestehen. In Duis¬ 
burg schufen zwei Aktiengesellschaften den Außen- und 
Innenhafen; die Stadt, die 1889 diese Anlagen übernahm, 
nachdem sich 1860 beide Gesellschaften unter dem Namen 
„Rhein-Ruhr-Kanal-Aktien-Verein“ vereinigt hatten, baute 
den Parallelhafen dazu. Von der Köln-Mindener Eisen¬ 
bahngesellschaft war der Ruhrorter Eisenbahnhafen, von 
der Rheinischen Eisenbahngesellschaft der Hochfelder 
Hafen erbaut Worden; beide Häfen sind in den 80er 
Jahren des vorigen Jahrhunderts verstaatlicht worden. 
Seitdem standen sich nur noch Fiskus und Stadt 


als Eigentümer der Häfen gegenüber. — Da 
erweiterte der Staat bei dem stetig wachsenden Ver¬ 
kehr seine Ruhrorter Hafenanlagen um mehr als das 
Doppelte durch den Bau des Hafenkanals und der Hafen¬ 
becken A, B und C. Noch war diese Erweiterung nicht 
vollendet, als 1905 im Zusammenhang mit der Eingemein¬ 
dung von Ruhrort und Meiderich in Duisburg zwischen 
dem Ruhrfiskus als Eigentümer des Ruhrorter Hafens 
und der Stadt Duisburg als Eigentümerin des Duisburger 
Hafens eine Hafenbetriebs- und Interessen¬ 
gemeinschaft abgeschlossen wurde, in die demnächst 
auch der Ruhrorter Eisenbahnhafen und der Hochfelder 
Hafen aufgenommen werden sollen, nachdem diese beiden 
Häfen 1907 bezw. 1908 von der Eisenbahnverwaltung auf 
die Wasserbauverwaltung übergegangen sind. Die Ver¬ 
waltung der vereinigten Häfen wird vom Ruhr¬ 
fiskus geführt, dem ein von der Stadt Duisburg 
gewählter Hafenbeirat zur Seite steht. 



Eisenbahndrehbrücke in ausg'eschwenkter Lag-e 










356 DEUTSCHLAND Nr. 7 




Die vier öffentlichen Häfen, die amtlich als Duis- 
burg-Ruhrorter Häfen bezeichnet werden, haben einen 
Flächenraum von 632 ha. Ihre Wasserfläche be¬ 
deckt 184 ha. Die Umschlag- und Lagerplätze um¬ 
fassen 225 ha, die Wege- und Eisenbahnanlagen 223 ha. 

Die nutzbare Uferlänge beträgt 44 km, die Gleislänge 
265km. In diesen öffentlichen Häfen stellte 
sich 1910 der Schiffsverkehr auf 19 Mill.Tonnen, 

In unmittelbarer Nähe der Duisburg-Ruhrorter 
Häfen befinden sich eine Anzahl privater Umschlag¬ 
stellen, zu denen in den letzten 20 Jahren mehrere 
Zechen- und Hüttenhäfen bei Duisburg hinzugekommen 
sind, insbesondere die Häfen der Friedrich-Alfred- 
Hütte (Krupp), der Zeche Rheinpreußen (Haniel), der 
Gewerkschaft Deutscher Kaiser (Thyssen) und der 
Gutehoffnungshütte (Haniel). Der Bau eines Hafens 
der Gewerkschaft Diergardt wird zurzeit vorbereitet. 

Nach wie vor steht in den Rhein-Ruhr-Häfen 
unter den Umschlagsgütem die Steinkohle nebst 
Steinkohlenbriketts und Koks an bei weitem erster 
Stelle. Zwar ist der Verkehr auf der Ruhr schon seit 
zwei Jahrzehnten Völlig erloschen, dafür sind aber in 
immer wachsendem Umfange die Eisenbahnen die Zu¬ 
bringer für die in den Häfen auf die Wasserstraße um¬ 
zuladenden Kohlen geworden. 1910 stellte sich in den 
Rhein-Ruhr-Häfen die Kohlenabfuhr auf 15V4 Mill. 
Tonnen. Als zweitwichtigstes Massengut ist Eisen¬ 
erz zu nennen, das in der Anfuhr 7,2 Mill. Tonnen be¬ 
trug. Eisen wurde 1910 zu l,4Mill. Tonnen versandt. 

Die Getreide- und Holzzufuhr hatten einen Umschlag 
von 840000 Tonnen bezw. 707000 Tonnen aufzuweisen. 

Daß Tausende, namentlich aus dem rheinisch-west¬ 
fälischen Industriegebiet, alljährlich diese Riesenhäfen 
mit ihren großzügigen Einrichtungen: den Kohlenkippern, 
Erzverladebrücken, Kranen, Ladebühnen, Elevatoren und 
Lagerhäusern kennen lernen und den Verkehr zu Wasser 
beobachten mochten, ist leicht begreiflich; aber wenige 
hatten dazu Gelegenheit. Man konnte wohl vom Ufer und 
von den Brücken aus dem rastlosen Treiben zuschauen, 
aber inmitten des Verkehrs auf den Wasserflächen der 
Häfen zu weilen, war nur einem kleinen Teile der Besucher 
beschieden. Wer nicht das Glück hatte, etwa anläßlich 


Schifferbörse mit Kaiser-Wilhelm« und Bismarck-Denkmal 


Die Duisburgf-Ruhrorter Häfen aus der Vog-elschau 

der Tagung eines größeren Vereins auf einem Dampfer 
der Hafenverwaltung oder auf dem Boot einer großen 
Hafenfirma in die Hafenanlagen fahren zu können, war da¬ 
von ausgeschlossen. Es fehlte an der erforderlichen 
Verkehrsgelegenheit, es fehlte ein Unternehmen 
zur Vermittlung des Personenverkehrs in den Häfen. 

Diesem Mangel ist mit der 1909 erfolgten Er¬ 
richtung derRuhrorterHafenfähr-Gesellschaft 
m. b. H. zu Duisburg-Ruhrort abgeholfen Worden. Von 
der Schifferbörse aus, der einzigen Börse dieser Art 
in Deutschland, deren Zweck die Erleichterung des Ab¬ 
schlusses von Schiffsfracht- und Schleppgeschäften ist, 
unterhält die Gesellschaft regelmäßige Fährver¬ 
bindungen im Duisburg-Ruhrorter Hafen und 
bietet damit allen im Hafengebiet tätigen 
Personen wie den Schiffern und nicht zum 
wenigsten den Fremden bequeme Ge¬ 
legenheit, die einzelnen Hafenteile 
und umgekehrt von dort aus Alt-Ruhr¬ 
ort zu erreichen. Hat so auf der einen 
Seite außer den unmittelbar Beteiligten und 
den Besuchern der Häfen die Hafenverwaltung 
und die Stadtverwaltung ein erhebliches Interesse 
an dem Bestehen der Hafenfähr-Gesellschaft, so 
kommt sie auf der anderen Seite auch dem 
Geschäftsleben Duisburg-Ruhrorts zugute. 

Das ganze Unternehmen ist von vorn¬ 
herein als gemeinnütziges aufgefaßt worden. 
Das Stammkapital von 77600 Mark haben vor¬ 
nehmlich Ruhrorter Hafen-Interessenten aufge¬ 
bracht, und die beteiligten Behörden haben die 
Hafenfähre nach Kräften unterstützt. Die 
Schifferbörse hat mit einen Teil des Gesell- 

























Nr. 7 DEUTSCHLAND 537 




* Bedeutet die Linie der Hafenfähre 
** Kennzeichnet die Mündung des Rhein-Herne-Knnals 

Schaftskapitals eingezahlt, die Stadt Duisburg hat sich 
zur Deckung eines gewissen Fehlbetrages bei den Ge¬ 
schäftsabschlüssen der Gesellschaft bereit erklärt, und die 
Hafen Verwaltung hat, außer einem Zuschuß für die 
Herstellung und Unterhaltung der Fähranlegestellen sowie 
der Befreiung vom tarifmäßigen Hafengeld, dem Unter¬ 
nehmen das alleinige Recht zur Ausführung der regelmäßigen 
Fährverbindungen in den von den Booten der Gesellschaft 
berührten Teilen des Duisburg-Ruhrorter Hafens, wie auch 
das alleinige Recht zur entgeltlichen Personenbeförderung 
auf Besichtigungsfahrten im Duisburg-Ruhrorter Hafen in¬ 
soweit, als diese Fahrten von einer Anlegestelle des Hafens 
oder der Rheinstrecke zwischen der Essenberger Fähre 
und Haus Knipp ihren Anfang nehmen, auf eine 
Reihe von Jahren zugestanden. Ohne eine solche 
Unterstützung hätte sich das Unternehmen nicht 
schaffen lassen, weil es, um dem Verkehr voll¬ 
kommen zu dienen, die Fahrpreise auf das Min¬ 
destmaß festgesetzt hat; für die r e g e 1 m ä ß i g e n 
Dampferfahrten, die von der Schifferbörse 
aus durch den Kaiserhafen zum Becken C des 
Hafenkanals ausgeführt werden, beträgt der Fahr¬ 
preis nur 10 Pfennig pro Person. Um namentlich 
dem auswärtigen Publikum den Besuch und die 
genaue Besichtigung der Duisburg-Ruhrorter 
Häfen zu ermöglichen, veranstaltet die Gesell¬ 
schaft auch Run,'d- und Sonderfahrten durch 
die Hafenanlagen. Die Rundfahrten werden täg¬ 
lich nach Bedarf bei hinreichender Teilnehmerzahl, 
die Sonderfahrten, die auf Wunsch auch auf 
die rheinaufwärts und rheinabwärts 
gelegenen benachbarten Ausflugsorte 
ausgedehnt werden, nach besonderer Verein¬ 


barung über Ziel und Preis ausgeführt. — Das mit dem 
31. März 1911 zu Ende gegangene Betriebsjahr hat noch 
wesentlich dem Ausbau des Unternehmens gegolten. 
Zu dem Dampfer „Ruhrort 1“, der 50 Personen auf¬ 
nimmt, wurden die Dampfer „Ruhrort 2“ und „Ruhr¬ 
ort 3“ hinzuerworben, die je 150 Personen fassen. Seit¬ 
dem haben die Boote von der Schifferbörse aus regel¬ 
mäßig im Sommer von 5.30 Uhr früh, im Winter von 
6.30 Uhr früh bis 10.30 Uhr stündlich, von da ab halb¬ 
stündlich bis abends 5.30 Uhr, sodann wieder stündlich 
bis 8.30 Uhr abends im Sommer und bis 7.30 Uhr im 
Winter verkehrt. In umgekehrter Richtung sind die 
Boote vom Becken C aus in den gleichen Zeitabständen 
Während des Sommers von 6 Uhr früh bis 9 Uhr abends 
und im Winter von 7 Uhr früh bis 8 Uhr abends gefahren. 

Unterwegs legen die Boote an mehreren Stellen 
an. Die Dampfer „Ruhrort 2“ und „Ruhrort 3“, die 
von der Firma Christoph Ruthof in Kastei bei Mainz 
erbaut worden sind, sind recht gediegen ausgestattet 
und auch mit Kabinen versehen. Sie zeichnen sich 
durch besonders ruhigen Gang aus und sind für Be- 
sichtigungs- und Vergnügungsfahrten von Schulen, 
Vereinen und Gesellschaften recht geeignet. Dem¬ 
nächst Wird die Hafenfähre noch ein viertes Boot, 
und zwar ein Motorboot, in Dienst stellen. 

Ihre Daseinsberechtigung hat die Hafenfähre im 
abgelaufenen Geschäftsjahr schon vollauf erwiesen. 
Sie hat auf den regelmäßigen und Rundfahrten 
85000 Personen befördert, von denen sicherlich 
die Mehrzahl auswärtige Besucher gewesen sind, 
und es ist nicht daran zu zweifeln, daß, je mehr das Unter¬ 
nehmen bekannt wird, seine Benutzung entsprechend 
zunimmt. Das ist auch notwendig, denn das seitherige 
finanzielle Ergebnis War ungünstig. Bisher haben die 
Betriebseinnahmen die Betriebsausgaben nicht decken' 
können; für das verflossene Geschäftsjahr liegt ein 
Verlust von rund 7000 Mark vor, und wenn vielleicht auch 
für die nächsten Jahre für die Gründer und Förderer des 
Unternehmens ein geldlicher Erfolg ausbleiben wird, 
so haben sie doch für immer das Verdienst, daß 
sie die Duisburg-Ruhrorter Hafen-Anlagen 
dem allgemeinen Verkehr erschlossen haben. 


Boot der. Hafenfähre 
























Mechanischer Kohlenkipper im Kaiserhafen 


Rhein-See-Dampfer am Kohlenkipper 





























































Nr. 7 iB88 QO Q QQ9 Q G QQQQQQa3QQ88B8@ DEUTSCHLAND iB eeeeeeeeoee€»eeoeeeoeeeeeeq i 35d 


Eine Wanderung nach den Masurischen Seen*^ 

Von C. E. Lack. 


Masurens Seen, nächst dem Bodensee die größten Binnen** 
seen Deutschlands, bilden steigend das Wanderziel erholungs** 
bedürftiger Touristen. Die märchenhafte Ruhe, die über dieser 
einzigen, 100 Kilometer langen Wasserstraße lagert, das stets 
wechselnde, von der modernen Kultur fast noch unberührt 
gebliebene Landschaftsbild vermag den Besucher wohltuend 
anzuregen und zu fesseln. 

117 Meter überragen die blauschimmernden Seen die Ost** 
see. Das Bild des Himmels und der hohen, schön bewaldeten 
Ufer spiegelt sich in ihnen ungetrübt wider. Das Zusammen** 
fließen der verschiedenen Abtönungen von blau und grün 
verleiht diesen Spiegelungen unbeschreibliche Schönheit. In 
9 bis 10 Tagen kann man ab Berlin (Friedrichstraße) nicht 
nur die Seen bequem besuchen, sondern auch noch die Haupt** 
Sehenswürdigkeiten Ost** und Westpreußens kennen lernen. 

An einem Mittwoch (1. Reisetag) geht's 9.26 mit dem 
D**Zug nach Marienburg; 4.54 angekoramen, begibt man sich 
sofort zum Hochmeisterschloß. In seltener Pracht 1280 vom 
Deutschen Ritterorden erbaut, dann aber mit dem Niedergang 
des Ordens mehr und mehr in Verfall geraten, zeigt es sich 
heute wieder in alter Schönheit und Größe. Die Restaurations** 
arbeiten nahmen nahezu 50 Jahre in Anspruch und dauern 
noch an. 7.21 abends gehTs nach Danzig; Ankunft 8.41 abends. 

Donnerstag (2. Tag) wird durch die Besichtigung der 
Sehenswürdigkeiten von Danzig voll in Anspruch genommen. 

Am Freitag (3. Tag) erfreuen wir uns der schönen Um** 
gebung: Langfuhr, Oliva, Westerplatte. 

Sonnabend (4. Tag) ist für Zoppot zu verwenden und 
daselbst 5^2 Dhr nachmittags der Salon**Schnelldampfer zu 
einer Seefahrt nach Pillau—Königsberg zu besteigen. 

Sonntag und Montag (5. und 6. Tag) wird die alte 
Krönungsstadt Königsberg i. Pr. (Paradeplatz, Schloßteich** 
Promenade, Tiergarten usw.) und die samländische Küste 
(Rauschen, Georgenswalde, Warnicken) besucht. Noch am 
Montag geht's 6.21 abends vom Südbahnhof Königsberg ab 
nach Lötzen, das nach 2V4Stündiger Bahnfahrt erreicht wird. 

Dienstag (7. Tag) müssen wir 10.50 am Wendehafen sein, 
um auf den inselreichen, 110 Quadratkilometer großen Mauersee 
hinausfahren zu können. 12.20 wird der Dampfer an der Insel 


Upalten verlassen und 2.15 wieder bestiegen, denn es gilt 
jetzt zum Eichenpark von Steinort zu gelangen. 7.30 abends 
bringt uns der Dampfer wieder nach Lötzen zurück. 

Mittwoch vormittag (8. Tag) ein dreistündiger Spaziergang 
nach dem Tabaksberge (Ausblick auf 7 Seen) und dem Tafel** 
berg mit dem Brunokreuz. Nachmittags Besuch des schönen 
Stadtwaldes (Karpfenteiche, Schützenplatz, Aussichtsturm, 
Wilhelmshöhe). 

Am Donnerstag (9. Tag) 8.00 vom Bahnhafen aus Fahrt zum 
Niedersee. 3.51 ab Bahnhof Rudczanny nach Cruttinnen (Bahn** 
hof). Von 4.13 bis 4.25 Spaziergang zur Murava, dannTalfahrt 
auf dem idyllischen Cruttinnafluß. Die Kähne müssen vorher im 
Gasthaus Söcknick, das sich jetzt Kurhaus nennt, mit Zeitan** 
gäbe bestellt werden (Fernsprecher Altukta 5). Daselbst Logis. 

Am Freitag (10. Tag) zu Wagen über Eckersdorf zum 
Philipponen**Kloster und nach Rudczanny. 3.52 mit der Bahn 
nach Allenstein (Ankunft 6.05 abends). Eventuell am 11. Tage 
Allenstein und das liebliche Alletal, dann heimwärts. 

Will man die Reise um einen Tag kürzen, so fährt man 
Freitag 9.04 ab Bahnhof Cruttinnen nach Allenstein, kommt 
daselbst 1.10 an, besichtigt das Alletal und fährt nachts über 
Thorn—Schneidemühl heimwärts. (D**Zug ab 8.51 abends, 
Berlin an 6.16 früh.) 

Wer zur Ostpreußenfahrt 14 Tage verwenden kann, wird 
nicht versäumen, von Königsberg aus auch die hochinteressante 
Kurische Nehrung zu besuchen, auf der sich die höchsten Dünen 
Europas erheben, und zu diesem Besuch mindestens einen 
Tag verwenden. Ab Königsberg 6.49, an Cranzbeek 7.47, an 
Nidden 11.20; ab Nidden 5.20, an Königsberg 9.50 abends. 

Von Lötzen aus ist ferner der Besuch des Kruglinner Sees 
und des Rothebuder Forst (1 tägige Bahn** und Wagenfahrt) recht 
genußreich. Bei weiter verfügbarer Zeit würde das kaiserliche 
Jagdschloß Rominten und der es umgebende schöne Forst 
nicht unbeachtet gelassen werden dürfen. (Bahnfahrt bis zur 
Station Rominten, dann 12 Kilometer Wagenfahrt.) 

Ja, Ostpreußen ist, wenn auch kein Gebirgsland, doch schön 
und besuchenswert. Reisezeit vom 8. Mai bis 2. September; 
später ist der Besuch der Seen nur mit Benutzung von Sonder** 
Dampfern möglich, die jedoch bereitwilligst gestellt werden. 


•; Der Führer „Masurens Seen" und die grofee zugehörige Pharuskarte vom Seengebiet gewähren weiteren Aufschlulz und können für 50 Pfg 
postfrei durch die Masurische Dampferkompagnie E. Riech & Co. in Lotzen bezogen werden. 


Touren-Zusammenstellungen 


in zwangloser 

(Unsere Mitarbeiter und Leser bitten wir, sich dieser Rubrik zur 
Bekanntgabe interessanter Touren und Erteilung praktischer Winke 
bedienen zu wollen. Die Red.i 


Neuntägige Tour durch den Harz. 

(Besonders für Naturfreunde und gute Fußgänger.) 

1. Tag: Bad Harzburg — Radaufall—Riefenbachtal—Käste 
—Hexenküche—Mausefalle—Romkerkall—W aldhaus—Go s 1 a r. 

2. Tag: Goslar — Steinberg — Hohekehl — Hahnenklee — 
Bockswiese—Auerhahn—C1 a u s t h a 1. 

3. Tag: Clausthal — Altenau — Magdeburger Weg — Steile 
Wand—Torf haus—B r o ck e n. 

4. Tag: Brocken—Goetheweg—Oderbrück—Achtermanns** 
höhe—Königskrug—Braunlage—S ch i e r k e. 


Reihenfolge. 

5. Tag: Schierke—Hohneklippen—Ottofels—Steinerne Renne 
— Bahnfahrt von Station Steinerne Renne nach Wernigerode. 

6. Tag: Wernigerode — Hartenberg—Hüttenrode—Toten- 
rode—Roßtrappe—T reseburg. 

7. Tag: Treseburg—Rübeland — (Hermannshöhle) — Bahn** 
fahrt nach Sorge — Hohegeiß — (dicke Tannen) — Wieda — 
Stöberhai. 

8. Tag: Stöberhai (früh aufbrechen)—Bad Sachsa—Bahn** 
fahrt nach Kelbra—Rotenburg—Kyffhäuser—Roßla—Bahnfahrt 
bis Rottleberode—Stolberg. 

9. Tag: Stolberg — Josephshöhe — Lindenberg — Bahnfahrt 
nach Alexisbad — Mägdesprung — Victorshöhe — Suderode. 

(Vorgeschlagen von Mittelschullehrer a. D. Schräder in 
Wernigerode.) 


r 




Wer verreisen will 


der lese die reich illustrierte Zeitschrift 
„DEUTSCHLRMD'', die in eingehender 


Weise die deutschen Städte, Kur- und Badeorte, Sommerfrischen und Wandergebiete durch 
Wort und Bild würdigt und in ihrem Reklameteil zahlreiche Rnkündigungen empfehlenswerter 
Hotels und Sommerfrischen enthält. Die Zeit- C ■■ L J L« ^' 

Schrift „DEUTSCHLRHD^^ ist somit der beste rUlirCr dUrCll ul6 

deutschen Städte und Landschaften. 

-- 1 



360 B BQOCXiQOQ C KaaOQ QQCO O Q Q Q Q Q Q Q Q^ DEUTSCHLAND 


Nr. 7 





WIRTSCHAFTLICHER TEIL 


Die Bedeutung der Verkehrs-Vereine für Staat und Stadt. 

Aus dem Vortrag des Herrn Oberbürgermeister Köhler, Worms. 


Die Tätigkeit der Verkehrs-Vereine bei uns in Deutschland 
ist ja noch eine verhältnismässig junge. Ein sehr grosses Re¬ 
gister ihrer Taten ist deshalb noch nicht vorhanden. Das aber 
kann man wohl sagen, dass sie hervorgegangen sind aus der 
Not und aus dem Bedürfnis der Zeit. Zunächst sind sie auf¬ 
gebaut — das sagen wir ganz offen und ehrlich — aus ledig¬ 
lich materieller Grundlage. Sie sollen den Verkehr, der nach 
und nach aus unseren deutschen Gauen gewichen war, inner¬ 
halb der deutschen Gaue und vom Ausland her nach den 
deutschen Gauen hin wieder heben und fördern. Es gab eine 
Zeit, da hatte man im Ausland für die deutschen Lande mehr 
Interesse, als das heute der Fall ist. Nach dieser Richtung zu 
wirken und zu arbeiten, das ist mit die Aufgabe der Verkehrs- 
Vereine, und ich glaube, dass wir heute sagen dürfen, selbst 
nach dieser kurzen Spanne Zeit, dass sie diese Aufgaben ge¬ 
löst haben, und dass sie auf dem Wege nach noch besserer 
Lösung dieser Aufgaben begriffen sind. 

Ich sagte ja schon, dass die Bestrebungen der Verkehrs- 
Vereine in erster Linie in materieller Grundlage wurzeln, 
dass sie den Verkehr innerhalb der einzelnen Städte, innerhalb 
def einzelnen Landesteile heben wollen, dass sie für das wirt¬ 
schaftliche Fortkommen der Bewohner und dafür sorgen wollen, 
dass zahlungsfähige Fremde in möglichst grosser Zahl in die 
Städte und einzelnen Landschaften kommen. Ich darf aber hinzu¬ 
fügen, dass dieses Bestreben zu gleicher Zeit getragen ist von 
einem idealen Gedanken; und welches Streben wäre bei uns 
in Deutschland, und sei es noch so materiell festgewurzelt, nicht 
auch von idealen Gesichtspunkten getragen. Dieses Ideal finde 
ich darin, dass man durch die Verkehrs-Vereine dem Deutschen 
sein Vaterland zeigt. Greifen wir uns doch einmal an die 
eigene Brust und geben wir doch offen und ehrlich zu: Wieviel 
Menschen gibt es eigentlich, die ihre Vaterstadt gründlich 
kennen, und die all die Schönheiten und herrlichen Städtebilder, 
die wundervollen Reize der Umgebung kennen, die wissen, 
welche mächtige und grosse Vergangenheit Uber diese Stadt 
hingebraust ist, und die wissen, welche und wieviele Zeugen 
grosser Vergangenheit bis auf unsere Tage noch zu uns reden? 
Es ist die Aufgabe der Verkehrs-Vereine, den Bürger der Stadt 
darüber aufzuklären, was ihn umgibt, was ihm eigentlich das 
Leben in dieser Stadt lieb und wert macht. Und wieviel 
Menschen gibt es denn, die das Land kennen, in dem sie leben, 
wieviel gibt es, die in diese oder jene Provinz einmal hinaus¬ 
gegangen sind und die dieses oder jenes Städtchen in ihrer 
Nähe kennen lernen und wissen, was darin alles Schöne zu 
sehen ist. Es sind verschwindend wenige! Woher kommt 
das? Zum grossen Teil, weil die Wege dahin den Leuten un¬ 
bekannt sind, weil sie nicht wissen, was sie da suchen sollen. 


weil sie der Anleitung bedürfen, um das zu gemessen, was 
alles an Schönem und Grossem geboten wird. Auch hier ist 
es wieder die Aufgabe der Verkehrs-Vereine, helfend einzugreifen 
und dem, der hinausgehen will, der die Natur und die Reste grauer 
Vorzeit sehen, sich an ihnen erheben und sie gemessen will, die 
Wege zu weisen. Und ich darf wohl weitergehend sagen, wie 
wenige gibt es, die unser grosses, mächtiges deutsches Vaterland 
kennen; denn die Grossstädter, die in den D-Zügen hin- 
und zurücksausen, aussteigen, dann in die Wagen eingepackt 
werden und in ihre Wohnung oder ins Hotel gefahren werden, 
sehen wenig von dem, was sie durchfahren haben, sie sehen 
wenig von dem Wertvollen in den Städten und Landschaften. 
Auch hier ist es wieder die Aufgabe der Verkehrs-Vereine, 
helfend einzugreifen und zu sagen: Weile doch hier einmal 
an diesem Platz, steige einmal aus, aus dem hahinsausenden 
Zuge, es ist der Mübe wert, einmal hier eine Stunde zu voll¬ 
bringen. Oder bleibe an dieser Station und wandre einmal in die 
Täler hinein, die sich da ausbreiten. Du wirst zurückkommen 
und fühlen, dass du nicht umsonst einmal Halt gemacht hast. 

Ich darf wohl sagen, wer uns unsere Heimat zeigen 
will, sei es die Stadt, das Land, das Reich, der 
erfüllt eine grosse und gewaltige Aufgabe! Der 
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine besteht noch 
nicht lange, und er blickt auf eine schwere Entwicklungs¬ 
zeit zurück, aber er darf sich doch sagen, dass er, wenn 
er sich von diesem idealen Gedanken weiter tragen lässt, 
ein mächtiges Ziel erreicht, denn die Liebe zur Heimat, auf die 
er sich beruft, sie ist es, die in jedem Deutschen tief wurzelt. 
Und mit diesem idealen Gedanken wird ihm auch die Zukunft 
auf diesem Gebiet gehören. Wenn es ihm erst gelungen ist, 
alle diejenigen, die es wollen, gründlich durch die Heimat zu 
führen, ihnen Stadt, Dorf, Land und Reich in all ihrer Schön¬ 
heit und Pracht, in ihrer mächtigen und grossen Vergangenheit 
recht zu Gemüte zu führen uni dadurch die Liebe zur Heimat 
zu wecken, die nur da wirklich und dauerhaft bestehen kann, 
wo die nötige Erkenntnis vorhanden ist, dann kann er auch 
vor das Ausland hintreten und kann sagen: Ihr da draussen in 
der Fremde, die ihr an unserem Deutschland seither vorüber¬ 
gegangen seid, kommt einmal her zu uns und seht, wie pracht¬ 
voll sich die Natur ausbreitet, wie mächtig sich die Städte 
erheben. Da kommt einmal her, wie hier alles arbeitet und 
schafft in neuer Kraft, und kommt hierher in den prachtvollen 
deutschen Wald, um Erholung zu suchen, oder auf dem Rhein¬ 
strom dahinzu fahren, der die Pracht der Ufer euch zeigt. 
Dann wird es ihm gelingen, auch das Ausland wieder erneut 
auf Deutschland und seine Schönheiten aufmerksam zu machen 
und mehr und mehr zu erreichen, dass das Ausland zu uns kommt. 


Verkehrspropaganda in kleineren und mittleren Städten. 

Nach einem Vortrag von M. Weber, Vorstand des Stadtverkehrsamtes Cassel, auf dem Hessischen Städtetag in Gudensberg. 


Nach einer geschichtlichen Einleitung über die Entwicklung 
des modernen Fremdenverkehrs und einer Betrachtung seiner 
wirtschaftlichen Vorteile im allgemeinen beleuchtete der Redner 
eingehend die einschlägigen Verhältnisse im ehemaligen Kur¬ 
hessen. Der Niederhessische Touristenverein mit dem Sitz in 
Cassel habe durch die Herausgabe und Verbreitung von „Rat¬ 
schlägen für die Wirtschaftsführung“ vorbildlich gewirkt und 
sich den Dank aller Interessenten verdient. Hieran schlossen 
sich folgende Ausführungen über kommunale Fremdenverkehrs¬ 
politik: Mit der Schaffung günstiger Unterkünfte- und Ver- 
pfleg^ngsverhältnisse, die nach dem Vorhergesag^en die not¬ 
wendigsten Voraussetzungen tÜr die Entwicklung des Fremden¬ 
verkehrs in kleinen und mittleren Städten bilden, darf es 
natürlich nicht sein Bewenden haben. Der Verkehrspolitik 
fallen noch eine Reihe anderer Aufgaben zu, als da sind: 
Schaffung günstiger Bahnverbindungen, Regelung des lokalen 
Verkehrs, Reklame u. dergl. Da im Plenum der städtischen 
Körperschaften derartige Fragen meist vor anderen zurück¬ 
treten müssen, empfiehlt sich die Einsetzung von besonderen 
Verkehrsausschüssen, die sich am zweckmässigsten aus 
Vertretern des Magistrats, der Stadtverordneten und der Bürger¬ 


schaft zusammensetzen. Bei letzteren müssen auch Angehörige 
des Wirtestandes berücksichtigt werden. Sollte am Platze ein 
gemeinnütziger Verkehrs - Verein, Verschönerungs-Verein oder 
ein in diesem Sinne arbeitender Wanderverein bestehen, ist auf 
eine Verständigung und ein Zusa mm e n gehen mit diesen 
Vereinen Wert zu legen. Eine Menge örtlicher Verkehrs¬ 
fragen lässt sich auf diese Weise sachgemäss erledigen. 

Der Fremdenverkehr ist aber nicht lokal; wenn irgendwo, 
so ist besonders bei den Bestrebungen zur Hebung des Fremden¬ 
verkehrs jede engherzige Kirchturmpolitik verwerflich. Das hat 
uns wieder das Ausland, namentlich die Schweiz, Oesterreich, 
Ungarn und Schweden lehren müssen; die genannten Länder 
sind schon vor Jahren dazu übergegangen, Auskunftbureaus 
im Ausland zu errichten. Dieses Beispiel befolgt jetzt der 
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. Wenn es auch nicht leicht 
ist, mit den genannten, durch Naturschönheiten und Kultur 
ausgezeichneten Ländern in Wettbewerb zu treten, so kann 
doch Deutschland durch zielbewusstes Vorgehen den inter¬ 
nationalen Verkehr horanziehen. 

In den deutschen Gressstädten und Badeorten hat man die 
wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs nach und nach 







Nr. 7- P9QQaGQQ93Q a e8 9 083 9 QaGQQQ ( l l DEUTSCHLAND § 006000066 0 000066060066666666 8 361 


einsehen gelernt und besondere Einrichtungen geschaffen, die 
von den Stadtverwaltungen oder Vereinen mit städtischer 
Untersttttiamg unterhalten werden. In der Erwägung, dass eine 
einzelne Stadt in der Verkehrspropaganda, in der Verbesserung 
der Eisenbahnverbindungen und dergleichen wenig ausrichtet, 
haben sich in den deutschen Gauen eine Reihe von Einzel¬ 
verbänden nach geographischen, politischen oder sonstigen 
Gesichtspunkten gebildet. Diese stellen zum Teil machtvolle 
Organisationen dar, wie beispielsweise der Mitteldeutsche Ver¬ 
kehrsverband, der Verkehrsverband für Westfalen, der Nieder¬ 
ländische Verkehrsverband, der Thüringische Verkehrs verband, 
der Rheinische Verkehrs-Verein, der Badische Landesverband, 
der Bayerische Verkehrs verband usw. Nur im Gebiet des 
hessischen Städtetages scheint man die Vorteile eines Zusammen¬ 
schlusses der in gleicher Richtung arbeitenden Organisationen 
noch nicht zu würdigen. Auch hier gibt es zahlreiche Verkehrs-, 
Verschönerungs- und Wandervereine, die teilweise Erfolge zu 
verzeichnen haben, die aber ein einheitliches, zielbewusstes Vor¬ 
gehen vermissen lassen. In den „Touristischen Mitteilungen** 
aus beiden Hessen bedauert ein Besucher der Internationalen 
Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr mit Recht, dass 
ausser den auf einem kleinen Raum vorgeführten Bildern von 
Cassel und Marburg vom ehemaligen Kurhessen und von 
Waldeck nichts zu entdecken ist, und dass dadurch noch der 
Eindruck verstärkt werde, die genannte Gegend habe dem 
Fremden nichts zu bieten. Für die Beschickung derartiger 
Ausstellungen müsse in Zukunft eine Verständigung gefunden 
werden. Ein gemeinsames Vorgehen wäre auch sehr zu 
empfehlen beim Inserieren in Zeitungen und Zeitschriften; 
die einzelne Stadt kann sich nur bei Aufbringung bedeutender 
Mittel zur Geltung bringen; ein grösseres Sammelinserat dagegen 


Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 

Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof. 

✓ 

Wie wir bereits inNr.5 (II. Jahrg.) des Bundesorgans „Deutsch* 
land** berichteten, wurde der Geschäftsführer der Auskunftstelle des 
Leipziger Verkehrs -Vereins, Herr Kirsch, zum Besuch unserer 
Auskunftstellen in Oesterreich-Ungarn auf Reisen geschickt. 
Das Resultat dieser Reise ist ein recht befriedigendes. Den Bundes- 
mitgliedem wird noch davon Kenntnis gegeben werden. 

Es wurden bei Gelegenheit dieser Reise Abkommen mit 
folgenden Firmen wegen Uebernahme von Auskunftstellen des 
Bundes getroffen: 

Wien, Nagel & Wortmann, Operngasse 6, 

Fiume, Chiosk Mayer, Buchhandlung, Piazza Dante, 

Triest, P. Christofidis, Hotel de la Ville, 

Abbazia, Nagel & Wortmann, 

Pr e s s b u r g. Städtisches Verkehrsbureau, Hutterergasse. 

In einem Rundschreiben wurden die Bundesmitglieder um 
Angabe von Einrichtungen, welche der Aufnahme der 
Fremdenverkehrsstatistik dienen, ersucht. 

An die Mitglieder des Gesamtvorstandes ging ein aus¬ 
führliches Zirkular betr. die nächste Vorstandssitzung. 

Der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine ist am 5. Juli 1911 
in das Vereinsregister des Kgl. Amtsgerichtes in Leipzig 
eingetragen worden. 

(Das Bundesorgan, die Verkehrs-Zeitschrift 
„Deutschland**, liegt in sämtlichen Auskunftstellen des 
Bundes auf). 

Aus den Bundes-Vereinen. 

Der Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs 
in München und im bayerischen Hochland 

hat mit dem Verein für hauswirtschaftliche Frauenbildung ein 
Abkommen getroffen, demzufolge dieser in seinem Vereinshaus 
in München im Auftrag des Fremdenverkehrs-Vereins gastwirt¬ 
schaftliche Kochkurse veranstaltet, die speziell für Teilnehme¬ 
rinnen, welche der Fremdenverkehrs-Verein namhaft macht, 
bestimmt sind. Der Fremdenverkehrs-Verein gibt jeder Kurs¬ 
teilnehmerin als Beitrag zur Deckung der Kurskosten, die sich 
einschliesslich der Kosten für Unterkunft und Verpflegung auf 
150 Mk. stellen, ein Stipendium von 20 Mk. Ausserdem erhalten 
Schülerinnen, die den Kurs mit besonderem Erfolg absolviert 
haben, eine Erinnerungsgabe vom Fremdenverkehrs-Verein 
zuerkannt. 

Verkehrs-Verein Mannheim. 

Mehr und mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn, dass für 
Propagandaschriften die illustrative Ausstattung neben der 
äusseren Gestalt von höchster Wichtigkeit ist. Namentlich ist dies 
für* die Propagandaschriften der Verkehrs-Vereine 


lenkt die Aufmerksamkeit der Fremden auf die Gegend über¬ 
haupt. Da die Ansprüche der Vergnttgungsreisenden und der 
Erholungssuchenden verschiedenartig sind, wird Stadt und Land 
aus einem derartigen gemeinsamen Vorgehen gemeinsam Nutzen 
ziehen können. Als Beispiele wirksamer Kollektiv¬ 
anzeigen sei auf die Empfehlungsanzeigen verschiedener 
Verbände in* der Verkehrs-Zeitschrift „Deuts chla n d**, die im 
Saale ausliegt, verwiesen. Die Bekanntmachung eines Ortes 
durch die Veröffentlichungen eines grösseren Bezirkes gibt 
auch die Möglichkeit, etwaige eigene Drucksachen an die 
richtigen Adressen gelangen zu lassen. Ein derartiger Zusammen¬ 
schluss, der für die Wandervereine im Gebiet des Städtetages 
nach vielen Bemühungen erreicht worden ist, wird den Bestre¬ 
bungen dieser Vereine keinen Abbruch tun, sie vielmehr er¬ 
gänzen. Die Wandervereine suchen gute Vorbedingungen für 
den Passantenverkehr zu schaffen; die Verkehrs-Vereine und 
dergleichen haben unter Ausnützung dieser Vorraussetzungen 
durch zielbewusste Werbetätigkeit den eigentlichen Fiemden- 
verkehr zu fördern. Damit soll aber durchaus keine scharfe 
Abgrenzung vorgezeichnet werden; in der Natur der Sache 
liegt vielmehr ein fortgesetztes Hand-in-Hand-Arbeiten. — Der 
Vortrag über die Bedeutung des Fremdenverkehrs in mittleren 
und kleineren Städten klang in einem doppelten Wunsche 
aus. Einmal, dass jeder an seinem Platze an einer Verbesserung 
der VerpÜegungsVerhältnisse, der ersten Voraussetzung für eine 
Entwicklung des Fremdenverkehrs, wirken möchte; zum andern, 
dass die jetzt noch getrennt arbeitenden Organisationen zur 
Hebung des Verkehrs zu einem Verkehrsverband für Kurhessen 
und Waldeck sich zusammenschliessen sollten, um vereint dem 
Vereinsgebiet die ihm zukommende Stellung im Verkehrsleben 
und einen grösseren Anteil an dessen Segnungen zu verschaffen. 


zutreffend, die jetzt, während der Hochsaison, in Massen in die 
Sommerfrischen hinausgehen, vielfach aber unbeachtet bleiben 
können, wenn nicht durch irgend eine Eigenart das Auge fest¬ 
gehalten wird. Der Verkehrs-Verein Mannheim wählte deshalb 
seit 2 Jahren für seine dreisprachigen, vornehm illustrierten Pro¬ 
spekte, wie auch für seine weitverbreiteten Inserate die interessante 
Turmsilhouette Mannheims, deren Wirkung durch teilweise 
Verwendung von Negativschrift noch erhöht wurde. Er geht 
nun noch einen Schritt weiter, indem er beabsichtigt, seine nächst¬ 
jährigen Propagandaschriften mit farbenphotographischen 
Reproduktionen auszuschmücken. Zu gleicher Zeit liess 
der Verkehrs-Verein etwa 70 photographische Aufnahmen 
gewöhnlichen Herstellungsverfahrens fertigen, um für Klischees, 
Postkarten, Ansichtsalbums usw. wieder neue Motive zu besitzen. 

Verkehrs-Ausschuss der Bergstrasse. 

Der „Engere Ausschuss** des Verkehrs-Ausschusses der 
Bergstrasse hielt am 5. August eine Sitzung in Jugenheim im Hotel 
zur Krone unter dem Vorsitze des Herrn Rentners Sieben (Auer¬ 
bach) ab. Der Vorsitzende schilderte die Finanzlage des Aus¬ 
schusses in eingehender Weise, welche trotz der erheblichen 
Aufwendungen in diesem Jahre für Beschaffung des Panoramas, 
Beteiligung an der Berliner Internationalen Ausstellung für 
Reise- und Fremdenverkehr und grosse Kosten für Annoncen 
usw. eine gesunde genannt werden könne. Der Voranschlag 
sei nirgends überschritten worden. Dem Vorstande stehen 
jedoch Mittel aus früheren Zeiten im nächsten Jahre nicht mehr 
zur Verfügung. Es sei deshalb wünschenswert und bei der 
intensiven Arbeit, die geleistet würde, auch sehr notwendig, die 
Beiträge reichlicher fliessen zu lassen. Zu Punkt 3 der Tages¬ 
ordnung machte der Vorsitzende Mitteilung von der seitens der 
Grossh. Kurdirektion von Bad Nauheim beabsichtigten Aus¬ 
stellung des Dioramas der Bergstrasse in der neuen Trinkkur¬ 
anlage in Bad Nauheim. Es handelt sich hier um das Diorama, 
welches auf der Berliner Reiseausstellung vom i. 4. bis 20. 6. 
ausgestellt war. Zu Punkt 4 gab der Vorsitzende Kenntnis von 
der Absicht der Preuss. Hess. Eisenbahn-Verwaltung, in den 
Abteilen der D- und Personenzüge künstlerischen Bildschmuck 
zur Empfehlung landschaftlich hervorragender Gegenden anzu¬ 
bringen. Trotz erheblicher Kosten, die diese Empfehlung unserer 
Gegend verursachen wird, beschloss die Versammlung, eine An¬ 
zahl Bilder von der Bergstrasse anzumelden und wählte eine 
Kommission von 4 Herren, sowie Herrn Professor Metzendorf 
(Bensheim) als künstlerischen Beirat zu dem Zwecke, die in 
Frage kommenden Bilder zu bestimmen. Zu Punkt 5 der Tages¬ 
ordnung wurde Kenntnis gegeben von dem Erscheinen illustrierter 
Artikel von der Bergstrasse in der Zeitschrift „Deutschland**. 
Die Versammlung fasste den Beschluss, falls die Ausgabe er¬ 
folgen sollte, die Bergstrasse ihrer Bedeutung entsprechend be¬ 
handeln zu lassen. Der Vorsitzende machte Mitteilung von dem 
erheblichen Zuschuss, den die Preuss. Hess. Eisenbahn-Ver¬ 
waltung dem Bund Deutscher Verkehrs-Vereine von 





DEUTSCHLAND iB oeeceoeeeeo ecoo eoooooceecB Nr. 7 


362 


Inhalts - Verzeichnis 

zum I. Jahrgang der Zeitschrift 
„Deutschland“. 

Vielfachen Wünschen entsprechend, haben wir 
ein ausführliches Inhalts-Verzeichnis zum 1. Jahr¬ 
gang unserer Zeitschrift herstellen lassen, das aus 
folgenden Abschnitten besteht: 

1. Chronologische Inhaltsübersicht der 

15 Nummern, 

2. Alphabetisches Sachregister, 

3. „ Ortsregister, 

4. „ Jllustrationsregister, 

5. „ Personenregister. 

Das Verzeichnis umfaßt 28 Seiten und kenn¬ 
zeichnet beredter als Worte den vielseitigen Inhalt 
des 1. Jahrganges, in dem nicht weniger als 11ÄO 
deutsche StÄdte nnd Orte Erwähnung ge¬ 
funden haben und 590 Jllastrationeii deutscher 
Städte-Ansiehten, Kunstsehätze und landschaftlich 
schöne Punkte im Bilde wiedergegeben sind. Was 
die „Deutschland“ in diesem Zeitabschnitt zur Pflege 
von Heimatkunde und Heimatliebe, zur Förderung 
der deutschen Verkehrs-Interessen geleistet hat, 
beweisen schon die vorstehend genannten Zahlen. 
Der Wert des nicht nur auf manchem Familien¬ 
tisch, sondern auch in so vielen Bibliotheken und 
Lesezimmern aufliegenden Jahrganges wird durch 
die Ausführlichkeit des Inhalts-Verzeichnisses noch 
erhöht. 

Unseren verehrliehen Abonnenten wird das 
Inhalts-Verzeichnis mit der vorliegenden Nummer 
kostenlos geliefert. Gleichzeitig machen wir 
darauf aufmerksam, daß wir zum Aufbewahren des 
I. Jahrganges 

eine Einbanddecke 

in gefälliger Ausstattung hersteilen Hessen, die 
zum Preise von 1 Jflark, zuzüglich 25 Pfg. für 
Versand, von unserer Geschäftsstelle bezogen 
werden kann. (Bei portofreier Einsendung der sämt- 
Uchen Nummern des Jahrganges übernehmen wir 
auch das Einbinden. Preis für Einbanddecke und 
Einbinden Iflark zuzüglich Porto.) 

FehlendeNummern des I. Jahrganges werden, 
soweit der Vorrat reicht, zum Preise von 40 Pfg., 
zuzügUch Porto, naehgeliefert. Vollständige Jahr¬ 
gänge fertig eingebunden liefern wir zum Preise 
von Mark 8.50, zuzügUeh 50 Pfg. für Porto. 


DÜSSELDORF 
Postfach 444 


Verlay der ZeiM „Deutidiland“. 


jeUt ab, jedoch unter ihrer Mitbestimmung, zu Reklamezwecken, 
vornehmlich im Auslande, jährlich zur Verfügung stellen werde. 
Ist hierin nicht eine erfreuliche Anerkennung der vielseitigen 
und betriebsamen Tätigkeit der deutschen Verkehrs-Vereine 
durch die staatlichen Behörden zu erblicken? Bayern tut dies 
schon lange mit einem sehr hohen Betrage! Sollte dies nicht 
auf den enormen Fremdenverkehr in Bayern förderlich ein¬ 
gewirkt haben? Nach dem Bericht des Vorsitzenden Uber die 
hervorragende Tätigkeit des grossen Rheinischen Verkehrs- 
Vereins — Sitz in Coblenz —, durch den auch die Interessen 
unserer Gegend zur Vertretung kommen, und nachdem dieser 
sich bereit erklärt hat, unseren Vorsitzenden in seinen Gesamt¬ 
vorstand aufzunehmen, wurde beschlossen, dem Rheinischen 
Verkehrs-Verein einen Jahresbeitrag zuzuweisen. Es wurde 
ferner beschlossen, an das Ministerium des Innern eine Eingabe zu 
richten, betreffs Erlass einer Polizeiverordnung zwecks Entfernung 
der missständigen Plakate an der Eisenbahnlinie, wozu der § 35 
des Denkmalschutzgesetzes genügende Handhabe bietet. Der Vor¬ 
sitzende gab noch Kenntnis von dem überaus lebhaften Fremden¬ 
verkehr an der Bergstrasse im laufenden Sommer, von der grossen 
Zahl der eingelaufenen Anfragen, von dem Versand und der 
Verbreitung des neuen Panoramas in Uber 10 000 Exemplaren und 
dem lebhaften Zuzug von Ansiedlern in unseren herrlichen Orten. 


Der Verband mitteldeutscher Verkehrs-Vereine, 

dem auch der Halberstädter Verkehrs-Verein angehört, ver¬ 
sendet jetzt den von der zweiten Mitgliederversammlung auf 
dem Verbandstag in Kösen am ii. September v. Js. gutgeheissenen 
Verbandsprospekt. Die in geschmackvollem Zweifarbendruck 
von der Faberschen Buchdruckerei hergestellte Propaganda¬ 
drucksache „gewidmet zur Erinnerung an die provinzial¬ 
sächsischen, anhaltinischen und nordthUringischen Lande vom 
Verbände mitteldeutscher Verkehrs-Vereine“ bringt auf der 
Vorderseite eine Elblandschaft, vom Weinberge bei Hohenwarthe 
aus gesehen, während die Schlussseite mit einer Saaleland¬ 
schaft, beides für Mitteldeutschland charakteristische Titelbilder, 
geschmückt ist. Zwei Seiten enthalten eine mitteldeutsche Eisen¬ 
bahnkarte mit Angabe der kürzesten Eisenbahnverbindungen in 
Stunden. Auf den übrigen 12 Seiten sind Namen der 40 Städte, 
meist mit Bilderschmuck und kurzen Beschreibungen versehen, 
aufgeführt, in denen die Mitglieder des Verbandes, Magistrate, 
Bürger-, Verschönerungs-, Verkehrs- und ähnliche Vereine ihren 
Sitz haben. Auch der Harzer Verkehrs-Verband mit seinen 
56 Mitgliedern, Magistraten, Kurverwaltungen, Eisenbahn¬ 
direktionen, Harzklubs, Verkehrs-Vereinen usw. in 53 Ort¬ 
schaften und „Thüringen“ sind mit schönen Abbildungen 
vertreten. - Für die Zukunft ist an Stelle des jetzigen Karten¬ 
formprospektes die Herausgabe von Propagandabroschüren ins 
Auge gefasst. Der diesjährige Verbandstag soll im September 
in Wernigerode oder Halberstadt abgehalten werden. 

Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine. 

Die Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Gebirgs- 
und Wandervereine findet zu Bad Wildungen im Theatersaal 
des Kurhauses Samstag, 9. September, nachmittags z'/j Uhr, 
statt. Anmeldungen zur Teilnahme wolle man möglichst bis 
zum 15. August an Herrn Rechtsanwalt H. Wenning, Cassel, 
Hedwigstrasse 12, richten. Freitagabend ist in Bad Wildungen 
im Bayerischen Hof Gelegenheit für die Vorschwalben zum 
Beisammensein, wo auch von 6 bis 8 Uhr abends eine Vor¬ 
besprechung über Jugendwanderungen abgehalten wird mit Licht¬ 
bildervorträgen Über Jugendwanderungen, sowie über Winter¬ 
sport und seinepflege in denDeutseben Mittelgebirgen, 
letzterer vonDr. med. Jaeger, Vorsitzendem des Leipziger Schi- 
Klubs. Die mit der Hauptversammlung verbundene Ausstellung 
(in der Schulturnhalle) von Einrichtungen, Gebrauchsgegen¬ 
ständen und Werbemitteln für Wandern und Reisen soll auch 
bodenständige und künstlerisch wertvolle Reiseandenken vor¬ 
führen, für deren Schaffung jüngst der Harzklub besonders tat¬ 
kräftig eingetreten ist. Anmeldungen und Anfragen wolle man 
an Herrn Max Seidinger in Bad Wildungen richten. 

Der kürzlich gegründete Rheingauer Verkehrs-Verein 
tritt zum ersten Male mit einem Rundschreiben in die Oeffent- 
lichkeit. Herr Bürgermeister Dr. Keutner aus Eltville, der vor¬ 
läufig die Geschäfte führt, erklärt in dem Schreiben, dass der 
Verein beabsichtigt, noch in diesem Jahre mit einer Reklame 
herauszutreten. Es ist geplant, einen Führer durch den 
Rheingau herauszugeben. 

Gründung eines niederrheinischen Verkehrs- 
Vereins. Am Samstag hatten sich in Xanten im Schützen¬ 
hause Vertreter einer Anzahl niederrheinischer Orte zusammen¬ 
gefunden, um über niederrheinische Verkehrsinteressen zu be¬ 
raten. Anwesend waren Vertreter aus Mörs, Sonsbeck, Goch, 
Kalkar, Emmerich, Wesel und Xanten, im ganzen 28 Herren. 
Nach der Begrüssung sprach Oberingenieur Rütter (Cleve) über 
die Gründe der Zusammenkunft. Im Anschluss hieran be¬ 
antragte Bürgermeister Dütz-Josum (Goch) die Gründung eines 
Niederrheinischen Verkehrs-Vereins. Der provisorischen Vor- 
standsgründung pflichtete man bei. Der anwesende Geh. 
Kommerzienrat Deussen, Vorsitzender der Handelskammer 
Krefeld, sagte den Bestrebungen des Vereins seine Hilfe zu. 
Aus den anwesenden Herren wurde zunächst eine aus 16 Herren 
bestehende provisorische Geschäftsleitung gewählt. Die Ver¬ 
sammlung schloss mit dem allseitigen Wunsche, dass die ge¬ 
steckten Ziele erreicht werden möchten. Nach Schluss fand eine 
Besichtigung der Ausgrabungen auf dem Fürstenberge bei 
Xanten statt. 

Schüler- und Studentenherbergen in der Eifel. 
Die vom E i f el V e r ei n eingeführte und von fast allen Gebirgs- 
vereinenWestdeutschlands übernommene Einrichtung der Schüler- 
und Studentenherbergen hat sich im Laufe der letzten Jahre einer 
derartigen Beliebtheit unter der wandernden deutschen Jugend, 
namentlich bei den Gymnasialschülern der grossen Städte des 
Rheinlands, zu erfreuen gehabt, dass die Aufbringung der be¬ 
trächtlichen, alljährlich viele Tausende betragenden Mittel auf 
nicht unerhebliche Schwierigkeiten stösst. Der Eifelverein hat 
den durch Zuschüsse der Behörden, Stadtverwaltungen und 




Nr. 7 ■B GQCXWQQQQQQQQQCK^^^ DEUTSCHLAND 363 


einiger Einzelxnitglieder nicht gedeckten Kostenbeitrag in diesem 
Jahre auf 2000 Mark erhöhen müssen. Bereits der durch das 
besonders günstige Pfingstwetter gegen das Vorjahr wiederum 
stark gesteigerte Verkehr in den Herbergen lässt jedoch be¬ 
fürchten, dass der Verein nach Schluss der Herbstwanderzeit 
mit einem Fehlbetrag schliessen wird, wodurch der Fortbestand 
der für unsere Jugend so überaus segenswerten Einrichtung in 
Frage gestellt werden könnte. Der Hauptvorstand des Eifel¬ 
vereins hat daher unlängst in seiner Hauplvorstandssitzung in 
Montjoie die Hoffnung ausgesprochen, dass hochherzige Freunde 
der Jugend dem Verein Stiftungsbeiträge zur dauernden 
Beibehaltung der Einrichtung zuwenden möchten. Erfreulicher¬ 
weise hat hierauf der Fabrikbesitzer J. Th. Weber zu Eus- 
kirchen dem Eifelverein den Betrag von 3000 Mark zum 
Zweck der Förderung des Herbergswesens übermittelt. Wir hoffen, 
dass dieses Beispiel noch viele andere, die für die körperliche 
und geistige Kräftigung der wanderlustigen deutschen Jugend 
Herz und Interesse haben, zur Nachahmung veranlassen wird. 

Eine neue Bahn im Riesengebirge ist am 8. August 
feierlich dem Verkehr übergeben worden. Es ist dies die von 
der Hirschberger Talbahngesellschaft gebaute elektrische Strassen- 
bahn von Warmbrunn nach Giersdorf. Mit dieser neuen Bahn wird 
endlich die grosse Mitte des Gebirges, die sehr reich an land¬ 
schaftlichen Schönheiten ist, dem allgemeinen Verkehr er¬ 
schlossen. Bisher gingen Bahnen nur an die beiden Flügel 
des Gebirges, nach Schreiberhau und Hermsdorf im Westen 
und Krummhübel im Osten, so dass die Ortschaften in der Mitte 
von dem Aufschwung, den der Fremdenverkehr in den letzten 
Jahren genommen hat, nur einen sehr geringen Anteil hatten 
und in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zurückblieben. Auch 
wurde wegen des Mangels einer Bahnverbindung die Mitte 
des Gebirges, besonders Giersdorf und Hain, fast gar nicht zum 
Anfangs- und Ausgangspunkt von Gebirgstouren benutzt. 

Die Walhalla bei Regensburg. Tausende, die der 
Reiseweg aus Norddeutschland gegen Süden führt, sehen kurz 
nach Verlassen der alten Reichsstadt Regensburg den mächtigen 
Bau der Walhalla flüchtig herübergrüssen, aber nur wenige 
nehmen sich Zeit, diese hochinteressante Schöpfung König 
Ludwigs I. näher kennen zu lernen. Und doch genügt hierfür 
ein geringer Aufwand an Zeit und Geld. In nicht ganz einer 
Stunde führt die Walhallabahn zum Fuss des Hügels, auf dem 
der gewaltige Marmortempel, deutschem Ruhm und Heldentum 
geweiht, in höchster künstlerischer Vollendung thront. In Stein 
gehauen Anden wir hier die Grössten unseres Volkes ver¬ 
sammelt, hehre Fürsten des Blutes und Geistes, Fürsten des 
Krieges und Friedens. Nähere Auskünfte sowie Prospekte gibt 
kostenlos die Amtliche Auskunftstelle der Königlich Bayerischen 
Staatseisenbahnen im Internationalen Verkehrsbureau in Berlin, 
Unter den Linden 14. 

Eine nachahmenswerte Einrichtung. Um das oft 
genug unangenehm empfundene Zusammentreffen von Konzerten, 
Vorträgen und Vereinsfestlichkeiten, wie auch anderer Veran¬ 
staltungen möglichst zu vermeiden, hat der Verkehrs-Verein 
in Münster folgendes Mittel zur Abhilfe gefunden: Er lässt 
in seinem Geschäftszimmer eine Liste auf legen, in die angesetzte 
Festlichkeiten, Versammlungen, Konzerte, Vorträge und sonstige 
Veranstaltungen eingetragen werden können. Machen die Vereine, 
Behörden und sonstigen Veranstalter den gewünschten Gebrauch 
von der Liste, so wird sie, da sie eine bequeme Uebersicht aller 
geplanten Veranstaltungen gibt, bestens ihren Zweck erfüllen. 


Eisenbahnwesen. 

Direkte Fahrkarten Berlin — B a de n w ei le r. Wie 
die Königl. Eisenbahndirektion Berlin bekannt gibt, sind ab 
15. August direkte Fahrkarten Berlin — Badenweiler erhältlich. 
Preis I. Klasse Mk. 70.45, II. Klasse Mk. 43.05, III. Klasse 
Mk. 27.90. Die Einführung dieser Karten wurde durch die stets 
zunehmende Zahl der Kurgäste aus der Reichshauptstadt er¬ 
forderlich. Das altrömische Thermalbad Badenweiler gehört 
zur Gattung der Wildbäder und hat wegen der doppelten Eigen¬ 
schaft als Thermalbad und Luftkurort und infolge der hervor¬ 
ragenden Heilerfolge bei Nerven- und Herzkrankheiten, sowie 
bei Gelenkrheumatismus, Gicht, Krankheiten der Atmungsorgane 
usw. einen jährlich beträchtlich steigenden Besuch aufzuweisen. 

Reiseerleichterungen für die Ausstellungen in Italien 
im Jahre 1911. 

(Mitgeteilt von der Königl. Eisenbahndirektion Cöln.) 

Während für die Ausstellungen in Rom und Turin Karten 
zu ermässigtem Preise von der italienischen Grenzstation ab 


bis 31. Oktober igii ausgegeben werden, sollte die Veraus¬ 
gabung derartiger Karten für die Ausstellungen in Florenz mit 
dem 31. Juli eingestellt werden. Diese Anordnung ist auf Ver¬ 
anlassung der Italienischen Staatsbahnen dahin abgeändert 
worden, dass die Karten nach Florenz bis auf weiteres auch 
noch nach dem 31. Ju 1 i d. Js. ausgegeben werden können. 
Auskunft erteilen auf Verlangen die amtlichen Fahrkarten¬ 
ausgabestellen der grösseren Bahnhöfe. 

Zollamtliche Behandlung des nach Italien und Süd¬ 
frankreich über den Gotthard abgefertigten Reise¬ 
gepäcks in Chiasso und Luino’*’). 

(Mitgeteilt von der Königl. Eisenbahndirektion Cöln.) 

Die zollamtliche Behandlung des über den Gotthard — Chiasso 
oder Gotthard—Luino nach italienischen und südfranzö- 
sisehen Stationen abgefertigten (eingeschriebenen) Reisegepäcks 
vollzieht sich in den Bahnhöfen Chiasso und Luino in folgender 
Weise : 

I. Nach italienischen Stationen. 

1. Das mit SBB Zügen Nrn. 127 und 103 in Chiasso 
eintreffende, direkt nach italienischen Stationen abgefertigte 
Reisegepäck (mit Ausnahme desjenigen nach Como) wird, sofern 
sich der Aufgeber oder Eigentümer im Zuge beflndet, in den 
Anschlusszügen FS Nr. 63 und 69 während der Fahrt von 
Chiasso bis Mailand im Zuge selbst durch mitreisende italienische 
Zollbeamte revidiert. Wenn der Aufgeber oder Eigentümer 
nicht mit dem gleichen Zuge wie das Gepäck reist, so wird das 
letztere in Chiasso ausgeladen. Ist das Gepäck nach einer 
italienischen Station mit Inlandszollamt abgefertigt, so erfolgt 
die Weiterbeförderung unter Zollverschluss mit dem ersten auf 
den direkten Anschlusszug folgenden Zug. Hiervon ausge¬ 
nommen ist das nach Mailand C abgefertigte Gepäck, das in 
allen Fällen, ob der Gepäckscheininhaber mitreist oder nicht, mit 
den F S Zügen 63 und 69 an den Bestimmungsort geleitet wird. 

Das direkte Reisegepäck nach Como der Züge SBB 
Nr. 127/FS 63 und SBB 103/FS 69 wird je nach Umständen 
(Umschlagszeit, Anwesenheit oder Abwesenheit der Reisenden) 
entweder in Chiasso oder in Como zollamtlich abgefertigt. 

2. Bei allen andern Zügen wird in Chiasso in der 
Regel das direkt nach italienischen Stationen abgefertig^e Reise¬ 
gepäck im Bahnhofe selbst zollamtlich revidiert, ebenso bei 
allen Zügen in Luino. Das nach den Stationen Mailand C, 
Genua PP, Turin PN und San Remo abgefertigte Reisegepäck 
wird indessen, wenn sich der Gepäckscheininhaber zur Zoll¬ 
revision nicht meldet, oder wenn er die Zollrevision auf der 
Bestimmungsstation verlangt hat, unter Zollverschluss an den 
Bestimmungsort weitergeleitet, und zwar ohne Gebührenberech¬ 
nung. Der nämlichen Behandlung unterliegt dasjenige Reise¬ 
gepäck, das nach einer der nachstehend genannten Stationen, 
in deren Städten sich italienische Zollämter 1. Klasse 
befinden, direkt abgefertigt ist. Für dieses Reisegepäck ist 
aber auf der Bestimmungsstation für das Verbringen der Gepäck¬ 
stücke vom Bahnhofe in das Zollamt eine angemessene Gebühr 
zu entrichten. Es sind dies folgende Stationen: Ala, Ancona, 
Arona, Bari, Barletta, Bologna, Brindisi, Catania, Como, Civita- 
vecchia, Domodossola, Florenz, Livorno, Luino, Messina, Modane, 
Neapel, Novara, Oneglia, Palermo, Pontebba, Porto Empedocle, 
Porto Maurizio, Ravenna, Reggio di Calabria, Rimini, Rom, 
Salerno, S. Giovanni Manzano, Sampierdarena, Savona, Siracusa, 
Spezia, Taranto, Torre Annunziata, Trapani, Udine, Venedig, 
Ventimiglia und Verona. 

Reisegepäck, das nach einer italienischen Station 
ohne Inlandszollamt abgefertigt ist und das an der Grenze 
wegen Abwesenheit der Gepäckscheininhaber nicht zollamtlich 
revidiert werden kann, bleibt in Chiasso bezw. in Luino liegen, 
bis die letzteren sich zur Zollrevision melden. 

II. Nach südfranzösischen Stationen. 

1. Das mit den Zügen SBB 127 (63), 103 (69), 125 (65), 109 
(75) in Chiasso ankommende Reisegepäck nach südfranzösischen 
Stationen wird mit den in Klammern beigesetzten italienischen 
AnschlusszUgen unter Zoll rerschluss bis Ventimiglia weitergeleitet. 

2. Das mit den SBB Zügen 105, 115 und 129, die keine 
direkte Fortsetzung nach der französischen Riviera haben, in 
Chiasso ankommende Reisegepäck nach südfranzösischen 
Stationen wird mit den italienischen Zügen 63 bezw, 69 unter 
Zollverschluss weiterbefördert, 

3. Den mit dem Zollverschluss in Chiasso verbundenen 
Förmlichkeiten braucht der Gepäckinhaber nicht beizuwohnen. 


*) S B 15 —- Schweizerische Bundesbahneu; 
r S - Ferrovie Stato (llalienisclie Staalsbahiiea) 








'.-f ■ i • 




364 P9QQQQ0QQQQ000QQQ(>QQQQ90Q0( M1 DEUTSCHLAND (gCCCC)OO06OO0€)000€)OOO€)0000€I l Nr. 7 


Die grössten Bahnhöfe der Welt. New York besitzt 
bereits seit kurzem den grössten Bahnhof der Welt, den Bahn¬ 
hof der Pennsylvania-Bisenbahn, der elf Hektar Raum für sich 
in Anspruch nimmt. Diese riesige Anlage wird aber trotz 
ihrer ungeheueren Ausdehnung an Orossartigkiet von dem 
Bahnhof der beiden Eisenbahngesellschaften New York Central 
und New York-Newhaven-Haven-Hertford, der 1915 fertiggestellt 
sein soll, überlroffen. Während der Pennsylvania-Bahnhof keine 
Wagen beherbergen kann, wird die Grand Centralstation 1149 
Wagen aufnehmen können. Zu der Erbauung dieses neuen 
Riesenbahnhofs werden 80000 Tonnen Stahl verwendet, d. i. 
das Doppelte der Menge, die bei dem Pennsylvania-Bahnhof 
verbraucht wurde. Die Anlage kostet gegen 800 Millionen Mark, 
und die Kosten würden noch um ein Beträchtliches grösser 


sein, wenn nicht die Gesellschaften bereits drei Fünftel des 
Terrains vorher besessen hätten. Ausserdem wird der Bahn¬ 
hof eine ganze Reihe von Verbesserungen aufweisen. Die 
Güterwagen werden sogleich beim Eintreffen der Züge von 
den Passagierwagen getrennt. Die Reisenden ünden beim 
Aussteigen Toilettenzimmer vor, in denen sie ihre Kleidung 
wechseln und ihre Toilette machen können; auf grossen 
Balkons können die Freunde auf die Ankommenden 
warten und die Einfahrt der Züge beobachten. Der Bahn¬ 
hof wird ganz unterirdisch angelegt, und Uber ihm werden 
sich Wolkenkratzer von 20 Stockwerken erheben, Hotels, 
ein grosses Varietötheater, sogar eine Kirche, so dass für 
die in New York Anlangenden sogleich in jeder Beziehung 
gesorgt ist. 


Mitgeteilt von der 

Königl. Eisenbahn-Direktion Breslau. 


Die D-Zuge 18/19 


zwischen 


Berlin—Breslau— 


Oderberg 

Kättöwitz 


haben die aus nebenstehender Zusammenstellung 
ersichtlichen Verkehrszeiten und Anschlußgelegeu- 
heiten. Besonders hervorzuheben sind die günstigen 
Anschlüsse in Berlin von und nach Paris, London, 
Christiania, Stockholm, Kopenhagen, in Kandrzin 
nach und von dem Oberschlesischen Industrie¬ 
gebiet, in Oderberg nach und von Wien, Budapest, 
Bukarest, Constantza, Belgrad, Konstantinopel, 
Krakau, Lemberg und Odessa. 

Die Züge führen: 

Personenwagen; 

i.—3. Kl. Berlin—Breslau—Kattowilz, 

1. —3. Kl. Berlin— Breslau—Oderberg, 

1.—2. Kl. Berlin—Oderberg—Wien Nordbahnhof. 
1.—2. Kl. Berlin—Oderberg—Budapest Ostbahnhof 
und zurück. 


Schlafwagen: 

1.—2. Kl. Berlin—Oderberg—Ruttek—Budapest— 
Belgrad—Sofia—Konstantinopel. 


Die Reisedauer beträgt: 

von Berlin Schlesischer Bahnhof nach 
Wien Nordbahnhof rd. 12 Std. 
Budapest Ostbahnhof „ 17 „ 

Konstantinopel „ Gl „ 

nach Berlin Schlesischer Bahnhof von 
Wien Nordbahnhof rd. 12 Std. 
Budapest Ostbahnhof „ 17 „ 

Konstantinopel „ 68 „ 

von Breslau Haui)tbahnhof nach 
Paris rd. 21 Std. 

London „ 26 „ 

Kopenhagen „ 14 „ 

nach Breslau Hauptbahnhof von 
Paris rd. 23 Std. 

London „ 24 „ 

Kopenhagen „ 16 „ 


Die Zeitangaben entsprechen der für die Fahrpläne der verschiedenen Länder 
vorgeschriebenen Zeit. 


! 

1 

^545| 

1 

: *6^Ö 
108 

6^ 

^ ab Christiania. 

^ „ Stockholm . 

„ Kopenhagen. 

„ Saßnitz. 

„ Warnemünde. 

an Berlin Stettiner Bahnhof . 

an i 

n 

11 

n 

»» 

ab 

ktl200 

t 868 
t 64* 

1260 

849 

863 

334 

945 

*1200 
* 868 

438 

1109 

1 

1 

3»o 

ab Heringsdorf. 

an 

217 

\ nur vom 

1 

1 

7^ 

an Berlin Stettiner Bahnhof . 

ab 

1036 

j 1. 7.—19. 8. 


416 

ab Stettin. 

an 

1030 

1149 



6H11 

an Berlin Stettiner Bahnhof . 

ab 

831 

940 



1124 

ab Kiel. 

an 

242 





26^ 

„ Lübeck. 


106 





314 

„ Hamburg. 


j08 



i 

707 

an Berlin Lehrter Bahnhof 

ab 

900 



♦ 

♦111 

ab Bremen. 

an 

139 

201 


' 7li» : 

707 

an Berlin Lehrter Bahnhof 

ab 

8*0 

843 ab 16. 6. 

— 

~ 

„ Berlin Schlesischer Bahnhof 


— 

— 


1 — 

1000 

ab Paris. 

an 

736 

— 


1 _ 

8*6 

„ Oüln . 


9*0 

— 


462 

402 

„ Magdeburg . 

M 

1067 

1006 



600 

au Berlin Potsdamer Hahnhof 

ab 

835 

816 


1 _ 

1116 

ab Paris . 

an 

llso 

— 

— 

§S30 •845 

§830 

„ London . 

» 

kbi» 

— 

4538 

— 


„ Amsterdam . 


— 

— 

748 X 

— 

— 

„ Brüssel . 

11 

800 

— 

945 

— 

1(»I0 

„ Cöln Hauptbahnhof . . . 

11 

363 

648 

548 


160 

320 

,, Hannover . 


11*7 

1217 

12»6 


536 

710 

an Berlin Schlesischer Bahnhof ab | 

744 

763 

843 


711 

ab Cliarlotteiibiirg .... 

an 

867 




710 

„ Berlin Zoologischer Garten 


769 





733 

„ „ Fried rieh Straße 

11 

745 





746 

,, „ Schlesischer Bahnhof „ 

7.36 




1 

„ Frankfurt (Oder) .... 

11 

6*8 





887 

ab Görlitz . 


— 





1100 

au Liegnitz . 


— 



i !llii 

ab Liegnitz. 

1 



1 

1230j 

an Schönau (Katzbach) . . . 

. 

— 




IM 

„ Frankenstein (Schlesien) 


— 



1 

1200 

an Breslau Uauptbahnhof 

ab 

330 



1 

1208 

ab ,« ,, 

an 

3*4 



! 

2*1 

an Glatz. 

. 

— 




648 

„ Kaliscb. 

ab 

9M 





1128 

„ Lodz Kalischer Bahnliof . 

11 

660 





3*5 

„ Warschau Brester Bahnhof 


210 





113 

ab Oppeln. 


1 





150 

„ Kandrzin. 

an 

1« 





2*9 

an Gleiwitz. 

ab 

112 





24K 

„ Zabrze. 

?) 

1250 





261 

„ Beutheii. 

11 

1260 





813 

„ Kattowitz. 

11 

12*6 





218 

ab Ratibor. 


1 





2^ 

an Oderberg. 

ab 

106 





64* 

an Krakau. 

ab 

9W 





130 

„ Lemberg. 

»1 

246 





920 

„ Odessa. 


860 





810 

an Wien. 

ab 

746 





1260 

„ Budapest üstbahnhof . . 

11 

300 





960 

„ Constantza. 

» 

, 630 





747 > 

f „ Konstantinopel ■ . . . . 


1 8*3 




♦ Uber Trelleborg. 
f „ Qjadser. 

♦ „ Hannover. 

♦ „ Hamburg. 


§ über Hoek van Holland—Harwlch. 
• „ Vllsaingen—Box-tel—Ober- 

hausen oder Crefeld. 

4 „ Ostende oder Calais. 


X Umsteigen in Easen Uber 
Wesel—Emmerich. 

■ über Budapest—Belgrad 
-Bofla. 









































Nr. 7 BaoQGOQQQQaQQoaQ eaeeee^^aoi DEUTSCHLAND i BöBeoeeeeoeeeeeGeoococcsoocaB 365 


Cin neuer Zentralbahnhof in Berlin. Im Mini¬ 
sterium der öffentlichen Arbeiten werden Pläne für einen grossen 
Zentralbahnhof ausgearbeitet, die erkennen lassen, dass die 
jetzigen Zustände unhaltbar sind und keine Steigerung des 
Verkehrs mehr vertragen. Der Anhalter Bahnhof ist über¬ 
lastet, der Potsdamer ist der Schrecken aller Reisenden, der 
Stettiner trotz des Ausbaues zu klein, der Görlitzer veraltet, der 
Schlesische mit dem Wrienzener vollständig unzulänglich, der 
Lehrter eine reine Sackgasse. Die neuen Pläne sehen eine 
Verbindung der Bahnhöfe und eine wesentliche Entlastung 
derselben vor. Der Lehrter und alte Hamburger Bahnhof 
sollen vollständig verschwinden, ebenso das alte Zellengefängnis 
an der Lehrter Strasse, die Haidestrasse mit dem Hamburger 
GUterbahnhof usw. Dadurch würde das grosse Gelände des 
Lehrter Güterbahnhofes an der Paulstrasse für den Eisenbahn¬ 
fiskus überflüssig und kann für andere Zwecke nutzbar gemacht 
werden. 


Automobilwesen. 

Das Preisaussch reiben zur Erlangung eines 
Geschwindigkeitsmessers für Kraftfahrzeuge, das 
seinerzeit vom Mitteleuropäischen Motorwagen-Verein erlassen 
wurde, hat jetzt durch den Spruch des Preisgerichts seine 
Erledigung erfahren. Die Entscheidung des Preisgerichts war 
aufgehalten worden durch die erforderlich gewordene Klärung 
einer von den abgeschlossenen Arbeiten der Preisrichter unab¬ 
hängigen Frage. Es waren, wie seinerzeit mitgeteilt, 83 Be¬ 
werbungen eingelaufen, die 
bekanntlich in der Aula der 
Königlich Technischen Hoch¬ 
schule in Charlottenburg zur 
Aufstellung gelangten. Aus 
der Prüfung gingen sechs 
Apparate zum engeren Wett¬ 
bewerb hervor, die danach 
einer Erprobung im prak¬ 
tischen Betriebe an den Fahr¬ 
zeugen der Verkehrstruppen 
unterworfen wurden. Trotz 
der überraschend guten Lö¬ 
sungen in manchen Einzel¬ 
heiten, welche die Anforde¬ 
rungen gefunden haben, die 
an einen für die Preisver- 
teUung geeigneten Apparat 
gestellt waren, kam das Preis¬ 
gericht doch zu der Entschei¬ 
dung, dass keiner der vor¬ 
geführten Apparate den Be¬ 
dingungen des Preisausschrei¬ 
bens ganz entspreche. Es war 
daher gemäss den Bedin¬ 
gungen des Preisausschreibens 
der zur^ Verfügung gestellte 
Preis von 6000 Mk. auf die¬ 
jenigen Bewerbungen zu verteilen, die der Lösung der Aufgabe 
am nächsten gekommen waren. Hiernach wurden i. der Firma 
G. Hasler in Bern für den Apparat „Tel“, dessen Herstellung 
und Vertrieb die Firma Seidel & Naumann in Dresden über¬ 
nommen hat, 3000 Mk., a. dem Apparat der Firma Gebrüder 
Junghans in Schramberg 2000 Mk. und 3. dem Apparat „Protektor“ 
der Firma H. Grossmann in Dresden 1000 Mk. zuerkannt. 
Die Apparate dieser Firmen haben in der weiteren Folge 
erhebliche Vervollkommnungen erfahren und infolgedessen im 
Kreise der Automobilisten vielfach Verwendung gefunden. 


Luftschiffahrt. 

Dr. jur. H o o s, der seinerzeit als Erster in Köln Flüge 
ausführte, ist nunmehr endgültig von Berlin-Johannisthal nach 
Köln übergesiedelt. Dr.Hoos beabsichtigt, hier eine Flieger¬ 
schule zu gründen, und hat auch bereits mehrere Schüler an¬ 
genommen. Es stehen ihm für die Fliegerschule vier Eindecker 
zur Verfügung, die schon in Köln eingetroffen sind und jetzt 
in dem Flugzeugschuppen bei Merheim montiert werden. Dieser 
von dem Kölner Klub für Luftschiffahrt gepachtete Schuppen 
toll in nächster Zeit wesentlich vergrössert werden. 

Düsseldorfer Flugsportklub. In der zweiten Hälfte 
September findet in der Luftschiff halle zu Düsseldorf eine Aus¬ 
stellung für Luftschiffahrt statt, verbunden mit einem 
Plugzeug-Modell-Wettfiiegen. Es können Flugzeug- 
Modelle und andere die Luftschiffahrt betreffende Modelle, 


auch wenn solche am Wettfliegen nicht teilnehmen, zur Aus¬ 
stellung angemeldet werden. Anmeldungen nimmt der D U s s e 1 - 
dorfer Flugsportklub entgegen, von dem auch die näheren 
Bestimmungen für die Ausstellung und für die Ausschreibung 
zum Flugzeug-Modell-Wettfliegen zu erhalten sind. Um die 
Konstrukteure von Flugzeug-Modellen usw. zu unterstützen, soll 
für diese eine Ausstellungs- bezw. Platzmiete nicht erhoben 
werden; es sind Preise in Aussicht genommen für die Her¬ 
steller der Apparate, die die besten Leistungen erzielen im Ent¬ 
fernungsflug, Schnelligkeitsflug, Kreisflug und Belastungsflug. 


Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

23. August: In Düsseldorf grosses Rheinfest im Anschluss 

an den 12. deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag. 
Im September: In Cassel Kurhessischer Lehrertag. 

2. —IO. September: In Görlitz Kochkunst-und fachgewerblicho 

Ausstellung für Gastwirts- und Hotelwesen. 

3. September: Fernfahrt der Deutschen Automobil-Vereine nach 

Posen, veranstaltet vom Berliner Automobil-Klub. 

3.— 8. September: In Heidelberg Hauptversammlung der 
Internationalen Vereinigung für vergleichende Rechts¬ 
wissenschaft und Volkswirtschaftslehre. 

September: In Coblenz Tagung des Westdeutschen 

Verbandes selbständiger 
Konditoren. 

7. -9. Sept.: In Osnabrück 
XXVI. Wanderversammlung 
des NordwestdeutschenForst- 
vereins. 

8. —n. Sept.: In Danzig Kon¬ 
gress der deutschen Eisen¬ 
bahnärzte. 

9. —IO. September: In Bern- 
burg Jahres-Versammlung 
des Stenographen - Bundes 
Sachsen - Anhalt — System 
Stolze-Schrey. 

9. — II. Sept.: In Bad Wil¬ 
dungen (Waldeck) Haupt¬ 
versammlung (24. Deutscher 
Wandertag) des Verbandes 
Deutscher Gebirgs- und 
Wandervereine. 

10. Sept.: In Mainz Jahres¬ 
fest der Mittelrheinischen 
Vereinigung evangelischer 
Gesangvereine. 

10. —12. September: In Mainz 
Tagung des Verbandes 
Deutscher Bierverleger 

11. —12. September: In P o s e n 
Tagung des Deutschen Städtetages. 

14. —17. September: In Coblenz Tagung des Vereins Deutscher 
Eisengiessereien. 

16. September: In Coblenz Beleuchtung des Ehrenbreitsteins. 
16.—25. September: In Barmen Bergische Gartenbau-Aus¬ 
stellung, verbunden mit der Dablienschau der Deutschen 
Dahlien-Gesellschaft 

17 — 18. September: In Heidelberg Bund Deutscher Architekten. 
21.—22. September: In Posen Besuch der Ostdeutschen Aus¬ 
stellung durch den Verein Deutscher Eisenhüttenleute. 

21.—24. September: In Münster 40. Abgeordneten-Versammlung 
des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. 

24. September: In Breslau Hauptversammlung des Vereins 

Deutscher Eisenhüttenleute und Einweihung des Hütten¬ 
männischen Instituts. 

24. September: In Düsseldorf Schaufliegen des Düsseldorfer 
Flugsportvereins. 

28. —30. September: In Osnabrück Jahresversammlung des 

Niedersächsischen Vereins der Gas- und Wasserfachmänner. 

29. September: In Heidelberg Naturforschertag. 

30. September bis 2. Oktober: In Leipzig Hauptversammlung 

des Verbandes sächsischer Gewerbeschulmänner. 

I. Oktober: In Leipzig 16. Hauptversammlung des Sächsischen 
Lehrervereins. 

I. —3. Oktober: In Düsseldorf Herbstrennen des Düsseldorfer 
Reiter- und Rennvereins. 

Anfang Oktober: In Düsseldorf Ausstellung von Flugsport¬ 
apparaten in der Zeppelin-Luftschiffhedle und Wettfliegen 
von Flugzeugmodellen. 


4 .- 5 - 


Die 

RMERIKR-MÜMMER 

(diesjährige grosse englische Ausgabe 
der „ Deutschlandist einzeln zu 
beziehen zum Preise von 1 Mark 
(zuzüglich 30 Pfg Porto); lurAbon- 
nentender „ üeutschland“ermässigter 
Preis 50 Pfg:. (zuzüglich Porto). 

Verlag der Zeitschrift „Deutschland^^ 

Telephon 8757 Düsseldorf Postfach 444. 




366 


DEUTSCHLAND l^ ^XX ) Ot)OO OCOO £ l OOeeO 


Nr. 7 


Bis zum 8. Oktober einschl.: In Düsseldorf Grosse Nationale 
Kunstausstellung und Internationale Aquarellausstellung im 
Städtischen Kunstpalast. 

g. —13. Oktober: In Köln VII. Internationaler Kongress für 
Kriminalantropologie in der Handelshochschule. 

12.—15. Oktober: In Cassel Jugendbund-National-Konferenz. 
22.-25. Oktober: In Heidelberg 47. Tonkünstler-Versammlung 
. (Lfiszt-Fest). 

9.—15. November: In Osnabrück Wanderausstellung Münchener 
Künstler in der Stadthalle. 


Ausstellungen. 

Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911. 

Mit der am g. August erfolgten Eröffnung des spanischen 
Pavillons ist nunmehr der Kreis der internationalen Aussteller 
vollständig geschlossen. Da sich die letzten Arbeiten hinter 
verschlossenen Türen abspielten, war man sehr gespannt zu er¬ 
fahren, welche Gebiete der Hygiene in Spanien besonders ge¬ 
pflegt werden, und ist nun über die Proben seiner Kultur und 
und seiner hygienischen Bestrebungen aufs höchste überrascht. 
Ausser den Ministerien des Innern und der öffentlichen Arbeiten 
und einiger hygienischer Institute Spaniens befinden sich die 
Städte Madrid, Bilbao, Sevilla und Carthagena unter den Aus¬ 
stellern. Ein illustrierter Prospekt über die gesamte Ausstellung 
kann durch die Amtliche Auskunftsstelle der Kgl. Sächsischen 
Staatsbahnen im Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in 
Berlin, Unter den Linden 14, kostenlos bezogen werden. 

Posener Ausstellung — Autofahrt. Der Berliner 
Automobilklub veranstaltet in der Zeit vom 2. bis 4. September 
eine Posener Ausstellungsfahrt, zu der Einladungen an sämt¬ 
liche Kartellklubs im Osten ergangen sind. Es werden Auto¬ 
mobile kommen aus Berlin, Breslau und dem übrigen Schlesien, 
Bromberg, Stettin, Danzig, Königsberg usw. Die Abfahrzeiten 
werden so geregelt, dass die Autos ungefähr gleichzeitig in 
Posen eintreffen. Das Programm ist folgendermassen festgesetzt: 
Sonnabend, den 2. September, abends 8 7*2 Uhr Begrüssungs- 
abend; Sonntag, den 3. September, vormittags 9V2 Uhr, Be¬ 
sichtigung der Ausstellung; mittags i2V.i Uhr, Abfahrt von dem 
Haupteingange an der Glogauer Strasse zum Korso durch die 
Stadt; mittags 2 Uhr, gemeinschaftliches Essen im Weinrestau¬ 
rant mit anschliessender Preisverteilung; abends 8 Uhr zwang¬ 
loses Zusammensein im Restaurant Ober-Bayern. Montag¬ 
nachmittag wird dann die Rückfahrt angetreten. 

Eine Ausstellung der Darmstädter Künstler- 
Kolonie. Die Darmstädter Künstler-Kolonie rüstet sich wieder 
zu einer Ausstellung. Bei einer Besprechung der Künstler und 
einiger Sachverständigen, die kürzlich unter Leitung des 
Geheimrats Römheld stattfand, ist mit Genehmigung des Gross¬ 
herzogs beschlossen worden, im Sommer 1913 eine Künstler- 
Kolonie-Ausstellung zu veranstalten. Diese soll zeigen, dass 
die Kolonie über allen Wechsel der Personen hinaus ihrem 
alten künstlerischen Programm treu geblieben sei. Die Stadt 
Darmstadt ist gebeten worden, ihr Ausstellungshaus auf der 
Mathildenhöhe zur Verfügung zu stellen. Ausserdem wird man 
von den Etagenhäusern, die am Olbrichweg östlich des Aus¬ 
stellungsgebäudes nach dem Projekt von Professor Albin 
Müller bis zum Frühjahr 1913 errichtet werden, zwei für die Aus¬ 
stellung in Anspruch nehmen, um hier künstlerische Wohnungs¬ 


einrichtungen zu zeigen, wie sie für Mietwohnungen von 
Familien mittleren Einkommens geeignet sind. In dem städtischen 
Ausstellungshaus dagegen sollen u. a. verschiedene grössere, 
zum Teil mit dekorativen Malereien zu schmückende Räume 
in reicher Ausstattung vorgeführt werden. Zur Auszeichnung 
solcher Firmen, die mit hervorragenden industriellen oder 
gewerblichen Leistungen auf der Ausstellung vertreten sein 
werden, ist eine Anzahl von Staatsmedaillen von der Regierung 
erbeten worden. Die geschäftliche Leitung der Ausstellung hat 
die Kabinettsdirektion übernommen, die zu ihrer Unterstützung 
ein Komitee bilden wird. Auskünfte werden von der genannten 
Behörde erteilt. 


Deutschland und das Ausland. 

Ein deutsches Institut für Ausländer in Berlin. 
Am 16. Oktober ds. Js. wird unter dem Namen „Böttinger- 
Studienhaus*^ das erste deutsche Institut für Ausländer unter 
staatlicher Autorität in Berlin ins Leben treten. Der Gedanke, 
der bei der Errichtung dieser Anstalt leitend war, ging dahin, 
ein Institut zu schaffen, das der grossen Masse gebildeter Aus¬ 
länder und Ausländerinnen Gelegenheit gibt, deutsche Sprache, 
deutsches Geistesleben und damit deutsche Kultur kennen zu 
lernen. Der frühere Ministerialdirektor Althoff war der erste, 
der aus diesem Gedanken heraus mit Hilfe des um die 
Förderung wissenschaftlicher Bestrebungen verdienten Herrn 
Dr. von Böttinger das „Böttinger-Studienhaus“ in Göttingen 
gründete, das jene Ideen verwirklichen sollte. Jedoch konnte 
diese Anstalt dort nur einer verhältnismässig geringen Anzahl 
von Ausländern zugute kommen. Man kam daher zu dem 
Entschluss, das Institut nach Berlin zu verlegen. Das neue 
Studienhaus ist darauf berechnet, seinen Mitgliedern die Möglich¬ 
keit zu geben, die deutsche Sprache zu erlernen sowie sich 
einen hinreichenden Ueberblick über die Entwicklung des 
deutschen Geistes- und Kulturlebens zu verschaffen. Der Ver¬ 
wirklichung dieses Programms dienen praktische Uebungen im 
mündlichen und schriftlichen Gebrauche der deutschen Sprache. 
Vorträge über deutsche Literatur, Kultur und deutsche Ein¬ 
richtungen, Diskussionsabende, Ausflüge in die Kulturstätten 
Deutschlands, Führungen durch die Kunstschätze, gesellige 
Veranstaltungen usw. Mit dem Institut, das in der Neuen 
Königlichen Bibliothek (Universitätsstrasse 8) sein Heim ge¬ 
funden hat, ist eine eigene Bibliothek verbunden, die weitere 
Orientierung über die behandelten Wissensgebiete ermöglichen 
soll. Der Lehrkörper besteht aus Dozenten der Berliner 
Universität und Oberlehrern Berliner höherer Lehranstalten. 
Direktor der Studien anstalt ist Professor Dr. Wilhelm Pasz- 
kowski. Zu dem Kuratorium gehören u. a. ausser dem Stifter, 
Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. von Böttinger, die Herren: 
Geheimer Mcdizinalrat Professor Dr. Rubner, derzeitiger Rektor 
der Königl. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Geheimer 
Regierungsrat Professor Dr. Erich Schmidt, Geheimer Regierungs¬ 
rat Professor Dr. Diels, Geheimer Regierungsrat Professor 
Dr. Brandl. Mit der Begründung des deutschen Instituts für 
Ausländer in Berlin ist ein neues, wertvolles Glied geschaffen 
worden, die geistigen Beziehungen Deutschlands zum Auslande 
weiterhin zu fördern und damit deutscher Sprache und deutscher 
Art ausserhalb des Mutterlandes die ihnen gebührende Stellung 
in der Weltkultur zu sichern. Das Institut reiht sich damit den 
durch den Professorenaustausch und das Amerika-Institut 
schon so erfolgreich gepflegten Bestrebungen zur Förderung 


✓ A 

BERUM HRMBURQ 

HOTEL ESPLANADE 

Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 







DEUTSCHLAND B eeeeee g »ee € )8 e e6 8 eaoee€»eo t ^ 36f 


Nr. 7 

s 

des gegenseitigen Verständnisses unter den Nationen im Aus¬ 
tausch der modernen Errungenschaften der Kultur viel¬ 
versprechend an. 

Deuts cheAckerbau-Kolonien in Mexiko. Welchen 
Wert die Regierungen fremder Staaten auch heute noch gerade 
auf die Gewinnung deutscher Kolonisten legen, zeigt erneut 
eine Nachricht, welche die Mitteilungen des Vereins für das 
Deutschtum im Ausland mexikanischen Blättern entnehmen. 
Danach plant die mexikanische Regierung die Aufteilung grosser 
Ländereien zur Besiedelung durch deutsche, österreichische und 
Schweizer Bauern. Eine Privatgesellschaft mexikanischer Gross¬ 
kapitalisten will ausgedehnte, fruchtbare und grösstenteils be¬ 
wässerte Landstriche parzellieren und vorzugsweise an deutsche 
Siedler mit geringen Mitteln za günstigen Bedingungen abgeben. 
Die neugegründete Gesellschaft Compania Agricola Colonizadora 
de Mexiko will zunächst die Parzellierung von 62000 Acres am 
SUdufer des Chapala-Sees wegen ihres gemässigten Klimas und 
der guten Verbindungen mit grösseren Märkten in Angriff 
nehmen. In der Leitung der Gesellschaft und als Auskunft- 
quelle für deutsche Bewerber zeichnet ein Herr Artur Thielheim 
in Mexiko. Zweifellos harrt in Mexiko noch eine ungeheure 
Menge fruchtbaren Bodens der Erschliessung durch eine Siedler¬ 
bevölkerung, die tatkräftiger und üeissiger ist als der indolente 
und bedürfnislose Mexikaner. Immerhin erscheint aber bei der 
gegenwärtigen Unsicherheit der ganzen politischen Verhältnisse 
Mexikos und den sehr verschiedenartigen klimatischen Verhält¬ 
nissen des Landes eine vorsichtige und genaue Erkundung an 
zuverlässiger Stelle geboten. Es sollte daher niemand sich auf 
Abmachungen einlassen, ehe er eine eingehende Auskunft ein¬ 
geholt hat. 

Hotelwesen. 

Hotelbesitzer-Kongress in Berlin. 

Vom 16. bis 21. Oktober findet in Berlin der zweite 
Kongress der im Jahre igo8 in Rom gegründeten 
Föderation Universelle des Sociötös d’Hoteliers 
in Verbindung mit der Generalversammlung des Internationalen 


Hotelbesitzervereins (Sitz Köln) statt. Für den Kongfress, der 
es sich zur Aufgabe gemacht hat, die sich aus der rapiden 
Steigerung des internationalen Reiseverkehrs für das Hotel¬ 
gewerbe ergebenden Aufgaben und sonstige berufliche Fragen, 
deren Bedeutung über die Grenzen eines einzelnen Landes 
hinausgeht, zu erörtern und zu lösen, und der seinen vor¬ 
läufigen Sitz in Köln hat, werden umfassende Vorbereitungen 
getroffen. Dem Ehrenpräsidium, an dessen Spitze der preussische 
Minister für Handel und Gewerbe, Exzellenz Dr. Sydow, steht, 
sind auch die Botschafter und Gesandten der Länder, aus denen 
sich nationale Berufs Vereinigungen der Föderation Universelle 
angeschlossen haben, beigetreten. Angeschlossen haben sich 
bisher die bedeutendsten Verbände in Deutschland, Frankreich, 
Italien, Oesterreich-Ungarn, der Schweiz, Belgien und Holland. 
Die Vorarbeiten für den Kongress und seine Leitung liegen in 
den Händen des zeitigen Präsidenten O. Hoyer (Köln). Die Vor¬ 
bereitungen für die festlichen Veranstaltungen hat der Verein 
Berliner Hotelbesitzer übernommen. Aus den Verhand¬ 
lungen des Kongresses und des Internationalen Hotelbesitzer- 
Vereins sind hervorzuheben die Fragen der Erleichterung der 
Zollrevisionen für Reisegepäck, der Schaffung einer 
internationalen Hotelordnung, der Vereinheitlichung 
der gesetzlichen Vorschriften Über die Haftpflicht des 
Hoteliers, des Schmiergelderunwesens, der Haft¬ 
pflichtversicherung. Nach dem Festprogramm findet am 16. Ok¬ 
tober die Eröffnung des Kongresses im preussischen Abgeordneten¬ 
hause und abends Empfang in den Räumen des Zoologischen 
Gartens statt, am 17. Oktober die Generalversammlung des Inter¬ 
nationalen Hotelbesitzervereins im Rathaus und abends ein 
Empfang durch die Stadt Berlin, für den kürzlich die städtischen 
Körperschaften 10 000 Mark bewilligten. Es folgen am nächsten 
Tage verschiedene Veranstaltungen im Restaurant des Zoo¬ 
logischen Gartens, in den Hotels Adlon, Bristol, Kaiserhof, im 
Metropoltheater, am 19. Oktober die Tagung des Kongresses 
im Kaisorsaal des Rheingold und abends Festbankett im Zoo¬ 
logischen Garten. Der letzte Tag ist für Ausflüge in die 
Umgebung Berlins bestimmt. Zu den Veranstaltungen haben 
nur die geladenen Gäste, die Mitglieder der der Föderation Univer¬ 
selle angeschlossenen Verbände und deren Angehörige Zutritt. 


“^2 ^itteimeer 

zur gilnsUgsten Jahreszeit, mit 8000 tons grossen, modernen Doppelschrauben- 

Schnellpostdampfern nach: 

'S^nua-J^lgier- *:§ibraltar- Tanger (ßarokko)- 

= ^tääaSon (Portugal) — j^materdam I 

am 1. Oktober und am li. Oktober in Genua beginnend. 

Preis für die ganze Reise ortn einschl. aller 

von Genua bis Köln §£%,» bis e/vv#"“ Unkosten, 

wie: Dampferfahrt und Eisenbahnfahrt, vollständige erstklassige Verpflegung, 
Land -Ausfüge, Wagen, Reittiere, Jxvtos und Aufenthaltskosten in Genua. 

Ausführliche Programme kostenlos durch 

T{eisebureau Sehnkering 4 Cie., uisburg. 


363 DEUTSCHLAND laaeeeeeeee^eee esec e eecee aB Nr. 7 


l^ap fcC^äLDJct daiiixi^ fitwa aopö attia dätri 

obeD g^nanptep t^äpde?p aus Aplpts (^9 Dach 

Bertm kcunmeci- ’ v.■ 

Bäd^r und Spmmerfmchen. 

S 5 ä, d H a Tf if £» u r g- V : 0ie Sai^:) h hat. ihren H^Shepta pkt er¬ 
reich L Bia Aofang .August hsneti ij5 öop in dem Mfald- 

hm rausch len Bad Hararl^ii^ Ethotuhg g’Äsücbt utid gefUßdeii. 
Infplge der grossirft Api^ihi fi*ueh lat anderer Hptils uaid VlUen 
fand jeder Gast het|Ufrm eift« ihm Jtusageiid^f Wohiautig. 
bcsQnders artgcnehTO wuTäwi der groaaftri Hitse die triebt 
kühlen Ahende nn.d Näehte empfünden, die dlin Gr^ißsstiidtem 
ein ungeahntea t^hsat Dj^ Hpchquehwasscrleitungeii 

.hahftn si^ tadellon bewährt, Trota wochenlangor Trockenheit, 
war siets Äm iUeberi'lüss an kühlem, krlstahklarem QuellwAsser 
vorhanden. Die Cdoiitfte Auj^st und September sind die eigent- 
iiehan ÖlunJsmt5nÄte HaiKburgSv. Im Wald md auf den 
Prömepadep wM ee eljtl.er, daun die SchuUerien sind meiÄt au 
Upd eihe^ h^ kräftige Gebirgsluft durchflutet Tal 

und bloh'th^ ifVergl. auch den Artikel Hariburg*S Seite 313). 

B ad U d d! w a . Küralkh wurde hier mit d^r Aufführung 
d ^ Ä'.hen Märchenüpieles TTKinSommefttachtätTa^in*'': 
d ’sch'p li gep I s n t e N athrtlieate r erö ffrie t, B im Vp tetei fu ng. 

WÄf -iÄSti; Jppa PereoDcti besucbt und bat deti eii ad 

VUJr orho 1 ung derartlger Vorstellunjm' Freien^ 

diii^ hhch 6f^€^^5 in diesem Sommer erfolgen ^joUetj^ irjpr dankbar 
wefiiä ter i. kö nnDer zu ei n er zw ecke n tspre ch^nde n N äf ii r ^ 

bübhc iVUi&gcstaUetc PisiTa hititstr ^fachtba^: dea Charloiten“ 
bsdes eignet hierfür vor^ÜgUiiii^ Öle BöhwÄ wird von 
atifi ß irii eo ü h a. fe« steh^ den ; feah «igruppe Jbu 

Während wtfit dahimer der In dflß: f^^chthih^ hineinragetide 
SchltJi&abcre: eiae u v omÜ gti tdt un H Ahgiia* B er iwiec toi 

WuHhobeTiprächiigen Kiefemund "t'Ab.htf.b der Kudowaer 

K UT p ärk fii &&l tun g h n ta.tr Sch ö ishiit >i u« dartaa aufjjuw eise n 
bat — bei hau er raum siet gt von duf Bühne ans an, 

so dass man selbst von den hmierejn PJätÄWT ftus bequem daa 
a'kh auf derNht^utbühne Abwickclode Shhaü^jpid Verfoigen kann. 


Verschiedenes* 

^ i m Korort gibt 

le^hÄhd , der ,^,Vo^£5kctltt^ ^«ireng“. ' Er schheiht’; Aerger« dich 
bi&hf / ü Der, yerndiiftijgte begegnet sdpnlosen 

4 iA rikh »h^«rxi mit liumof und 

äidh auch hkM lihet dJeKurmusik* Si« 
erfretit die stätidigon Eitiiw'obher des Kurorte^, und. hilft brnven 
Musikern Über die erwerbslose Sohttrter/reit hinweg,*: ,Ahej^ richn* 
dein Tagewerk in der Sommerfrische gfö ein, dss?s du ,di^ ffw*: 
tonzerten weislich aua dem Wege igeihesb Üetiii woiio dit ihtJdi 
heiwotmst, hast du keiti Vergnügen d^voo und raubst dbn Iiob^li 
Einwohnern des Kurorte*, den-en die Müfeik Gequss bereiiet, d<ta. 
Pbii£- Musst du gleichwohl Widerwillig eituDil aioi^pQ Kotiert 
beiwohnen, «o wiege dein Haupt nicht etwa in Gedatiken naett 
dem Takte dar Mtistk. Mati iahme sonst du sei« 

ebftnfalls musikalisch» - Aer^er^i- dich fiidjt, wenn du deinen 
Namen nicbi in 4cr KurUste findeflL atebt Tnei^ er^ darin, 
wenn man den Kurort verlm^pfth ^hnb 
des Namens in dm KuriiMij für viel« .äi^ einiig* G 4 
ihran Nanieo gedmekt «u m bei 

manchen Mehschcii th\ beglüCkcfidcar Gefühl erwedefp Indessen 
ist cs noch erfretilkhet., man findet, ^ftnett NÄmen 

: öhAfh^upi; okAii man :iJhn verdrückt. fiindcL ; tlnd das 

isf bei ;dÄn' tneiSVdO'Nain-e*o :m; Lter KürHste der EsiU Dalinr 
; nui.h itar keihÄO ifwi^cki. jn der iCnrtiste ndch Namen 

von . preundeni' Vjerw.iir*dtch üüti fi^kaiuiten zu forschen. Sie 
-.sind mekt die Tit^i sind richtige >n.tnal wenn 

es - hodhklmgenda sind.. Ühd ein^ richng^ 

g^dtutkieo. Namen eines Heben Mensthen eikdeckt ihn 

stihneli ^rUlsuchen wiH, so ist etf, wcho man in ä^ucin i-og 
nacH ihm fra,gt, sicherlich ab gereist. ^ Man 
onen von anderen Ditjgen ak nnr von seinen J^den. — 

Krage niem^a» wenn du einen BeVitntiten anf der Küt^jrqmenade 
trifft»!, öh i,5eine Hebe Frati“ auch da ßr künntd inaswischÄn 

gegehkden und mit Seiner folgtüideh Krad ^uf der Hoch^eitS’- 
reise sein und weiss dann nithti welche hebe Eraü“ du mein$t^ 
— Das Tragen von EhOTiagen hei einem Baarhi .mit dem du tra 
Kuion bekautit wüst, bewesär mcht, daas daa Paar eia EhapÄ^f: 





;■- ---- 








Bliek alif Guifeliani luH IS^ltlaß in W^jas^tutr^rr 


eOCBEW 

.Kr^|ssi:ü.dt Eb;rW0hrfer!;l^-' 

■-•■ÄAgbA t-ftJid e'f;: 

triff f; 

AnsM . 4v ii; Qy Cochem 

fies AIMIIS11 Vereirtüp 


Union-Hotel 

AltrehpmmiMe^ erstes H^ßs 

arHi JH irejer 

üfge am Mctseiüimit' 

LitnÖf^r 'l%^jrrßssep:-.'^ähäi^' 


-== Erstktassis^es , - , 

Wein-Ikstsurafit; 

- Qhini’i>bs ;AjTv^ ^ 

AuiO'Garfige, Tdeplioii HK iU 

-"-:---v- ;Bej£ttZl^rT ..' = 

Qebr.ti off mann. 


Scbloß-H&tel 

.• .EifWCfÄi^if ■■ 

UrbolwjupttkmiQkidt.. 

■ ii ^'j, 

. V ;■ 

b M'rti ! t n 


Hotel Ho» 

L ftHf H 

Dnl b&rffBrUeipÜtiitif- 

. ...,.■ i'‘lhU.Uwv ll vwf v. 

[^f1 tü :\\, \ 

'.Plh.iWpr 

1f iirWttW I Eifcji? ^‘Vr.-^ iir.frv 
JlbH'JdfiinflT- : 

Ü;'tJtft.lsl.TI f j >-■ bh;! iV, 
■.'IVIfisUcti '?fr: 

:' Toni 


ill .0 &c- il3 

ISmi. 

''d•.^dv■:•:'i^i.^(l^&^'. .iv 
■ IKt,. ■ 


Mol 



id.gtf hbr K 'C^! i'ri% 
• vJiVl^iüidn ,Nr. du/ 


Reitaurotion 

larWinneimrs 

DrakosfilL 

i W;\y:j[t^i r.uiürfl 1.. 
'ikifiU.'iyrri *,t' k.. Ji 

■ 1 . ■ 'VV t rf 

■ d^jt'.if: ..ü; d-irr ^ 1' r 

tu. ift'tiK r, ■ 

-irüjii;? '■ 

>r«kwerte F^nsleap 

Toltiküiiti . 


HOTEL STJIDT CÖLH 

Er^t^s Haus am .Platte 
in irßsunt^Ar, fi^ölop Lag^B- 

>4pe»5^.ifl l- H iUi tfte ij 0 11eii Gö- 

<ol [ ji fifsts^Q ü>n u iid Tounstön, 

iiltHiltre, ivjkricni 

T e h. p UI,? 11 - :V (ter |l Ly ^ .>..r. .; f! ft,tf ü ßi 


. A j'äjtJ I'rifl ., diM ' U f :. 

TiiJ- Nfp S;Vlibirrl'id! y 
'V^kY r:w 3 fl 13 fL M fift el ti f . 

Tora . ^ ^ BT LSkehBr 

IVficrr^v Itigf r KvUtöreLL 
He stsar ut*. fi. t-i ^rari tSr 
p^siief OH vtia 4 3kl^ m. 



ToniNDHer 

HetiH bärfterlkirBi 


H« Mgtkr 

ifArr ft .in r,t 

Aii;Si^|,v 4 H' !^'! t|f< M^iaOFi'-: 

däj.J.' ■'■ 

■ - .■:•■■■•; 
•:kl i-il lisi-iitk 


WHttkiil Weit!' 
kftildlutttH' 

Weid ' K e 




ji*. ... ... ... . 

n.(iloJi'f:i^ Eirf:' 

'HfL't rbiJi c .-■ 


Wilti. Jk*]gU5 
. t <k Tk .it;- 

jiT ■ 

. %} ü: .: t:’.: 

: ,■; ■ ik - 

: b? 

■'AllV 4'Wu:- ’ 


MHa 

H V 4 II L 

hül Cüdiniü (Muoij'b 

AltbfikBiintfl& Batts 
Augeitelutior 
SoiBlUBrSIltBDitlAlL 




S 11 a Xi 

k €n>'it>it£' 3 Vi d,’jSü^el 

Si:. SIL, 

Dal 

nva. 4 k^i 3 TfeiSFfpftp 

• 



































Nr. 7 iB 9GOQOC»3OQOQQQQ90e o Q Q Q QQ QQ agi DEUTSCHLAND i§8 ec)ö0e o eeee8eceoc»eeeooeeq i 36Q 


ist. Selbst ein Streit zwischen den beiden kann in dieser 
Beziehung täuschen. — Verabrede mit Leuten, die du im Kur¬ 
orte vor einer Stunde kennen gelernt hast, nicht gleich Tages¬ 
partien, oder fordere sie gar auf, dich daheim zu besuchen. 
Wenn du auch ein Recht hast, dich für einen grossen Menschen¬ 
kenner zu halten, so kannst du dich doch täuschen. Und man 
täuscht sich meist Uber seine Reisegefährten. Denn in der 
Fremde gibt sich jeder anders als daheim. Auch du erscheinst, 
losgelöst von deinem Beruf, von deinen Alltagssorgen und All¬ 
tagspflichten» jenen anders, als sie dich daheim wieder¬ 
finden, und auch du kannst enttäuschend wirken. — Glaube 
alles, was dir auf Reisen vorgelogen wird. Wenn du Zweifel 
in das Reiselatein irgendeines modernen Münchhausen setzest, 
birg ihn tief in deinem Busen, denn es hat gar keinen Zweck, 
solchen Zweifel zu äussern. Du wirst nur für unhöflich 
gehalten, und der andere, der dich angelogen hat, hält sich 
durch solche vermeintliche Unhöflichkeit berechtigt zu der 
Grobheit — auch dir dein Reiselatein nicht zu glauben. 

Die Städter auf dem Lande. Ueber dieses Thema 
schreibt der Pfarrer Nuzinger in den Süddeutschen Blättern für 
Kirche und freies Christentum beherzigenswerte Worte. Er 
teilt die Menschen, die im Sommer aus der Stadt als Kurgäste 
aufs Land ziehen, in zwei Klassen. Die einen, die in ihrer 
städtischen Umgebung nicht ihrer vermeintlichen Bedeutung 
entsprechend zur Geltung kommen, wollen wenigstens auf dem 
Lande eine Rolle spielen und suchen so viel als möglich aus 
sich zu machen. Die andern werfen alles, was sie in der Stadt 
plagte und einengte, hinter sich, sie wollen Herz und Gemüt 
auf leben lassen und kommen nicht, um über alles zu kritisieren, 
um über alles „Ländlich-Sittliche*' die Nase zu rümpfen, sondern 
um neue Eindrücke in sich aufzunehmen. Indem nun Pfarrer 
Nuzinger die beiden Arten von Menschen ausführlicher be¬ 
schreibt, rührt er ein Thema an, das jedem Menschen, der als 
Städter auf das Land kommt, von Wichtigkeit sein sollte. Denn 
leider sind die Unterschiede zwischen städtischem und ländlichem 
Empfinden heute mehr denn je auseinander geraten. Daran 
ändert die erleichterte Verkehrsmöglichkeit nichts oder nur sehr 
wenig. Der Bauer nimmt vom Städter dies und das an, aber 


der Städter nimmt sich nicht die Mühe, sich in Wesen und Art 
des Bauemvolkes zu versetzen. Daher kommt es dann, dass 
mancher Städter sich einbildet, Kultur auf das Land zu bringen 
und nur grobe Unkultur hinausträg^. „Man glaube nicht, dass 
der Bauer für die städtischen Ungezogenheiten keine Empfindung 
habe. Er hat oft viel feinere Empfindung, als diese aufge¬ 
blasenen Städter, die kein Gefühl haben für das Unschickliche 
ihres Benehmens, weil es ihnen überhaupt an Herz und Gemüt 
fehlt.** Zum Schluss erhebt Nuzinger die Mahnung: „Habt 
Achtung vor den ländlichen Sitten! Denkt doch daran, dass 
ihr nur Gäste auf dem Lande seid! Gäste haben die Pflicht, 
die Ordnung des Hauses zu respektieren, in dem sie Unterkunft 
gesucht und gefunden haben. Glaubet nicht, weil ihr manchem 
im Dorf etwas zu verdienen gebt, dass ihr deshalb das Recht 
habt, das Leben des Dorfes zu verwüsten! .... Habt Achtung 
vor unsern Bauern und ihrer Eigenart, die für unser Volksleben 
von unschätzbarer Bedeutung ist. Freut euch, dass ihr auf dem 
Lande noch urwüchsiges, starkes Volkstum und Heimatgefühl 
antrefft, dass dort noch eine andere, rauhere — und bessere 
Luft weht, als in der Stadt. Darum, wer aufs Land geht, möge 
auch sein Herz mitnehmen für unser Landvolk!“ 

Was ist Reisegepäck? Das Reichsgericht hat über die 
Frage eine Entscheidung gefällt, die besonders jetzt zur Reise¬ 
zeit zur Verhütung vieler unbegründeter Beschwerden von all¬ 
gemeiner Bedeutung ist. Aus Anlass eines Einzelfalles — aus 
einem Behälter wurde Geld gestohlen — bestimmte das Reichs¬ 
gericht, dass eine Sache nur dann als Reisegepäck angesehen 
werden könne, wenn sie sich auf dem Beförderungsmittel 
(Eisenbahn, Schiff usw.) offenbar zu dem Zweck befindet, um 
durch dieses Beförderungsmittel von einem Ort zum anderen 
gebracht und in dem Zielort verwendet zu werden. Es werden 
dazu Koffer und Gepäckstücke gehören, die einen derartigen 
Inhalt haben. Eine Beförderung von Geld durch die Eisen¬ 
bahn oder das Schiff komme im allgemeinen nicht in Betracht. 
Trotzdem könnte auch Geld als Reisegepäck angesehen werden, 
wenn der Reisende cs in einem Behälter verfrachte, um es von 
einem Ort zum andern befördern zu lassen. Dann darf es aber 
nicht vorher benutzt werden (z. B. bei längerem Aufenthalt eines 


Althistorischcs Städtchen mit prächtigerhaltenen 
Baudenkmälern des Mittelalters. Stützpunkt zu 
reich lohnenden Ausflügen nach der sog. Bern- 
casteler Schweiz (bedeut. Natursehenswürdigkeit 
des westl. Deutschlands), Burg Landshut; von 
hier der unvergleichlich bezaubernde Blick in das 
weingesegnetö Tal der Mittelmoael, unmittelbar 
auf die berühmten Weinberge Berncastels, als: 
I)oktor,Badstube,Lay,Kosenberg,Schwanen etc., 
auf die blühenden Weinorte: Graach, Wehlen, Zeltingen, Liesor, Mülheim, Dusemond mit dem Brauneberg, landeinwärts in die 
waldreichen Schluchten und zerklüfteten Felspartien der Borncasteier Schweiz. — Dieses Fleckchen Erde hat sich den Charakter 
eines romantischen Idylls bewahrt und eignet sich deshalb sehr zu längerem Sommeraufenthalt für Erholungsbedürftige sowohl 
wie für weingrüne fröhliche Zecher. — Spezielle Auskunft erteilt bereitwilligst der Vorstand des Gewerbe -Vereins. 



ander 

Mosel 




MMM 



(Lucas), Inh.: P, Dabm. 


I 


neben der Burg Lands¬ 
hut. Schönster Punkt 
an der Mosel 275 Meter 
Über dem Meere. 


Pension 6.— Mark. 
Prospekte durch den 
Besitzer J. Blau. 


Erstes und größtes Haus 
am Platze. 

Prachtvolle Lage am 
Moselufer. 

— Auto-Garage — 
Weinbau, Weinhandel. 


Hebegasse. 

Inhaber: 

Jos. Franz Popp, 


Fernsprecher Nr. 39. 


Altbekanntes, beliebtes 
Haus. 

Logis mit Frühstück 
Mark 2.60. 

Pensionspreis Mark 5.—. 
Bäder im Hause. 


Inh. 


lymiiuji 

Wwe. A. Lauer. 


42Betteu. Solide Preise. 
Logis mit Frühstück 
Mark 2.50. — Pension. 
Bäder im Hause. 
Großer Saal. 


Fernsprecher Nr. 27. 


Fernsprecher Nr. 11. 


Fernsprecher Nr. 70. 


Hotel-RßtBunint 

Helene lieü. „Zum Bflhnhor 

Pension. Vorzügliche Küche. 

Peter Köhns 

= Konditorei und Cnfd ^ 

Klreh- und Moselstraße. 


liastliaas„zumHosell)lfimtlien“ 

Inhaber: N. Ball. :: Fernsprecher Nr. 35. 
Logis mit Frühstück Mk. 2.—, Pensions¬ 
preis Mk. 3.— bis 4.—. Kein Weinzwang. 

^ Konditorei und Cofd — 

Hansen 

am Marktplatz. 


^ Restoumnt Zchlofibttiu = 

gegenüber der Mosel talbahn. 

— Spezialität: Naturreine Weine. — 

ff. Sohloßbräu, Berncastel. 

dostwlrtsdioR l Schneider 

AMDGJL bei Berncastel. 

— Beliebtester Ausflugsort — 

15 Minuten von Berncastel. 













DEUTSCHLAND 


Schiffe» im yjiii «ä darf ^mch nicht jbü dem ^^»ck 

beföi'd^Tt weiöfcn, uih; Unterwegt /trerwendet au wctderi. In diesem 
^*^11 ist ein GtgenetÄÖd vßi^tit.alij ReisegepRck bcir^tihtenH Und 
es ki^mtnen auch tiScbt äiö ^eHet^liciiäii ßeaiimmtiDgen 

iji Betracht* die flk Reisegepäck g;eiten. Dadürcb wird die 
allg^Stticihe Ansicht difiSE jeder Gegenstand, der sieh aut 

eine m B efä rderu ' gt«ttc3iigi5 1 ü g ni weich ein 2! wecVi :he-' 

a߻U'^ehcn -s:ei* -,weU e& ^'ich' 
ih der» khrh d esi d«ff beö ffuie a B«t'ö x de r be fih d^t; 

F r .nupx de S|; ra^che » *m ,d ihre E r 11 r u u n g. So heüteli 
istfh tSnsr Br^jsiihUjre,. die von beUkbntc'ff l^arsgenschiiidtsoheff: 
Vdacla^a^feuthH^uidihne I^gemcijddt) m Beriin-Sch^^nt- 

hevg: itur ,Ar;MÄrung der S^racbcuejrktnun^ her- 

. ä -. ■ WiT^,:' ■ I>]^r ' • Viä?|ia^ser ■ b.a t; jpä;' ■ Ve rs ia ri detj-, einem; ' an ■ 

»ich eFTiSt^> 1» i s sei?3cb^|Ij Thema f'reo nd^ i che^' | otcr^äs a 

Scheiß öbitige‘?Viüiatiß> PopUj-br V;fi:rfaftfttet Tes^t Wietch^U aU TF^i| 
tjbei;SfiChüiiheti+ er jf.r lü. vbrküglichLeilü Fätbeiti^- 

druck, feuietj lUüst^at^isüeis und trsiercsaanier Statistik, Guts n; 
sehhessi sistK sine BtiäthrftiTbwjig der wichtigeten Hilf^mUiel iör 
den Se^tumeTricht Xti ft^mskh Wer an 

eiJi'e -Foi^tfeark ■ dtae j^chr^t, Ve.rläog^V:yftr^^^ 

sofoTt 


im sogenaniiten aktuellen Tetlr der rf^ten Biiilage, di© wöcheftit* 
lieh neu fsrecheiuii alle VeVanstaithtigun der Woche übersichtlich 

jrüsammeugefitELllh 

BtriebtägüKk; ln 'iftm ^n(auli hta-t IftTO 4ii Heft jir', fl* &h SöS" 

{Sp'Lllji iinkaK sind i^PHü Uuff^fftch^a aiiDgü,* F01 U«t hlnBlng^riitea: Es ma ft 
baiil^n: AntreSsü^Igi?!!.: «nwleT[tlJr?rp-Titfltj?i!f ü^tca^ir 1, Ivqrps 

amius^ öea redajttkirtPii*n i 


Ufid htr fiaa ail^aci. f (tU 


-... _______ -- Jtt.-^etEieüu.maeil^^- 

Tät U-Oft ixn]U1c.bi0.i]: Ti$U der 

eaebti«S sy;f ä r t* ftUlTtir Jeä Ösüdips l}i!>iikciisr Vnrlt^h«- 

bftip^ikr fUf 'Bx-ü ^ Kivr l.‘lij BttBaelfJoirn 
J}.riq.elS U.a^ Tj^TFJ»; üi-l .d o r- f af Vn rt* ^ a k nMn. 11 -Ö. la A. »tf.; 


Bücherschau, 

• . ^ Pa4' ift-' s t h .tt t'si d e t . s u 1 -d'c ■ h. I* »t p j: i g r 

M e: v tf/t k e:h r.efl- -.B iftk ä u f «■ -fdite. Mäthaelk-' 

xgtt dts pk^^j-V’O^iTs^s&t iijri, dtt M(rssi~AüssCliu|h 
Han deiakam mst ; Le j ähf^ i eh her a usgibt and d eii ibr m 

hckantiten MesÄ-Au5^ti?Üem unentgeltlicli jusendetr isi zur bovor- 
Btehendeo |VlichaeUs^Mcs»Mii; iBv^inri- Sonutag, den 27, August X 
in >S» Autisge ersChitin^t^^ Buch bringt die Narncti aller 

bekannt gewordenen Mess^^Eihksutstirrjien, alphabetisch geordnet 
Utl'tcr Angf^be des WohnVlties, der Artikel, die eingckaxift werden, 
der Me^ch, denen die. l£iiflkMttfer in Leipzig aniutreffen sind, 
desT Messwohnung^ äsr Läntiec, für die si© «nkaufeti UnSW, Pie, 
Zahl der F1 r m 0 n j keraFnis^ohe. Metall-^ 

ferie-, Spietwaren und vetwuadte ßtanchen) weist äudTi 
wieder einen erheblichen auf und beträgt jeijrt tj 

Nachstehende TJebersicht, die wir dem' Vorwort de*£ Buches 
entoehmtn, veran{3chauh'clu das Anwsschsen der tm ETokAtitsT- 
Vefzeic hoi s aufgeiührtcin F tr m^. wähtehii d^s Je ■ ^zihfzth nia i; 

t 9. Auflage) 6401 jgö7 (t4* Anfligej ta ßiß : 
±903 -ito. ,■■■■ ■ ■ ■ '■r. 75'$4 ■ ^ ■ <>5'.' ■•. :-H ■ ' ■ > '’ii'ü54 

r^b4 i H. » 9*5 ) ^^v. 

xgnj „ > 5105 , , 

jtjoh 15 eÖ?> . r 13 JS? 

vH ?Th b bt r g e r W o ett^^ ti p: ^ p g v ^ icji kine :Bifostdiöre 

bftuflftfft; ‘ d^: dfis F^fderuug de? 

P’rpöi d^»h V^T kehrs i h f jii^mbdr® usg &gfebsh I ?tff V er tag van 

Thhodor W, BfaridV e^chied^u isu Pis Öüchiein soll dem 
Ff^rudßh zsigenv was KäUftbufS ih m meinet) Sehens wür dig- 

;:^4iien Bonst noch ah VetgAo^^Age^h Uisw* bietoti Eä sind deshalb 


ll&s Jalir ^eöflTwet, —-— 

Afatf Laitüff A rCanfmäuTi L^^ifurtg 

Df, med. Staehly; DlrektoF Butin- 


i ' ■ ■■■: ■.■ 




Zeitschrift 


qtii i c f ii 5 U und ijc k s^ n ste Zc 11 s cb Ti ft 
|| ;iü' .^^rdcnuig :dc.T totiditn Verkehrs^ 

j| lftfm 5 strri;fiir u* BÄtletpropAeaiuüi 

*• ■■ 

I SäbrUdB 15 Pmitniern 

ii in fi ]chcT «ffd k 1 instkrisdj11 

II [llüstrkTUüfl 


I P bei ßifhl äh^arhuttsmas, 

, '^ y I i dto^/yaspyA'/z«« fehlte 

iiiiiiMMi1mMi,'i hf ■ m Frauen HranHi^eitmjiaa 

illustergülttöc Baöeemridiiungeii 1 Hen»önrögm^ staiieSöIe 
3SS ^mcksodm uProspeefe dufth dm Hufdirectiofi, 3w 
Diibbu*^ (Bahinl.ac)aof 70 Q£iqMüihetrn‘|^uhr'Sp^!clorf(B^hr!ib'k>s^ 


s| Di« öesdjäfts^^ der Dcuisäjtätid,: 
n Dn53eld6n. Postfact; nisinm«r ?t V4, 

|| : : tmÄ| kMlenlös ;flUÄkiihtr M 
II Prsspiirtt (ftutsiäjer' $t;idtc ; oJttt SJjdtr. 


eine iarte* leeifje iiaut, rc^fig^s jü^£nhfrtfd7C& 
Ztusfel^en nnb ein iBefid^e öline Sommetfprpjicn utiö rtflut- 
unmnisFeitvItsHtl, batjer gebrauctien fietiurM« atlein cditc 


» Cba Batffbiaf a St Söpfg. febett 


itirn 

1 £411 

Iji 



Llt iM 





.'. w. . 4 





















a ■ otson fOr die deutschen Uerkehn-lnteressen a a 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Oerkehrs-Oerelne 



Möwen an der Nordsee 










^orddeich 


fEmden 


Hapbur 


Bremen 


Hannoven 


Münster) 


Düsselaorf 

•Elberfeld 


Northeim 
sfidttingen y 


Köln 


Frankfuf 


Cassel 


[/IltoKa 


^becK 

^atzeburg 

.^Haqcnow 


Tambupg 


^irtenbepg« 




[aim schweig 


t^ebupg 




\£/sferßreräa 


Eichenber 


Lei PIK 


Schnellzug vepbindungen j 

nach Westerland. 

Sommepfahpplan 1911. 

/ Zi/sammengesfeJ/f yonder/Cön/g//{j7e/7l/se/}&ahnaf/reJ(f/onß/fo/73j 


Dres^ 



..;i.Ki. 

1. n.Ki. 

300 i 


^513 

8<2 

G15 

910 



Anschluß von Hamburg-Altona siehe nebrnstehend. 
Zuschlagpflichtige Schnellzüge sind durch eine punktierte 
Linie bezeichnet. 


Von Rostock . . . 
„ Lübeck 
an Hamburg Hbf, 


Von Berlin LehrterBf. --- 

an Hamburg Hbf. . | 

Altona „ . I 66i> 56 g lois 135 

l.-S.Kl Kl. 1.-8. Kl. i.-:i. Kl. 

Von Dresden Hbf. . . : Tio ? — ^ 3ü e 

„ Leipzig Berl.Bhf. 102^2? 1005 w — ^ ^ 

„ Magdeburg Hbf. 1‘212| 12121 90® ^ 

an Harburg „ 6021 —l ? — ^ 

„ Hamburg „ 521 £ 960^ IO8 ^ 

„ Altona „ 66ii 65i ? lOi»? 135 ^ 

* Außerdem 530 über Berlin. Diese Verbindung ist 536 
von Dresden Hbf., 8®® an Berlin Anh. Bhf., von Berlin 
Lehrter Bhf. 900^ an Hamburg Hbf. l“3. an Altona Hbf. 135. 


„ Cassel. o 122£ o | 1222 o 212 o 

„ Göttingen ... 1221 ^ 12 *!: 400 437 400 

„ Hannover . . ßis 3;14 313 3li 652 822 552 

an Harburg Hbf. . . 560 0*3 — I: — — — — 

„ Hamburg Hbf. . G«» Qn GOSM 6^1 8*2 1123 8 ** 

„ Altona Hbf. . . G30 705 G3o| 705 8^2 höo 8 ^'-^ 

t Die Verbindung 827 von Frankfurt besteht ab Kreiensen 
nur vom l. Juli bis 31. August, 
o über Bebra. 


Von Cöln Hbf. . . 
„ Düsseldorf Hbf. 

,, Elberfeld ,, 

„ Münster „ 

„ Bremen „ 

an Harburg „ 

„ Hamburg „ 

,, Altona ,, 


l.-J.KI. 

1.-8.Kl. 

1.-8.KI. 1.-8.KI. 

t.-4.10.1 

1J27 

461 8Hg 

— llli 

— 

1217 

627 _ S 

— 1217 

— 

1220 

652 9^ 

— 1220 

— 

232 

76S :11S~ 

— 232 

514 

: 5 O 8 

1031 420- 

758 50 H 

1003 

; G3G 

: - ;- 

— ^ — 

— 

G55 

1200 GS3 

951 655 

109 

719 

1227 659 

1013 719 

130 


Von Hamburg St. 
Pauli Landungs¬ 
brücke ohneHalt 
^ in Altona . . . 

g.voii Cuxhaven . . 

Q 

an Hörnum 

„ Westerland 

f j Von Hamburg Hbf. 
> [ ,, Altona ,, 

^ I au Ho^^erschleuse 

I ab Hoyerschleuse 
|||an Westerland 


Dampfer der 
Hamburg- 
Amerika 
Linie 

800 vorm. 
12*0 

zwischen 
515 u. 700 

Zug¬ 

verbindung 

über 

Itzehoe 

Zug- 

verbindnng 

Uber 

Itzehoe 

zwischen 
G25 u. 745 

662 

1000 


71c 

1026 


1120 

019 


1145 

245oder300 


200 

öoo „ 610 

Tliglich in 

Nur am 

Nur am 

den .Monaten 

7., 8., 23., 24. 

1.. 9.-17., 

Juli bis Sept. 

Juli; 

25. .31. Juli; 


6 , 7., 21.. 22. 

8 -16., 23 -30. 


August; 

August; 


4.. 5 Sepibr 

6.-14. Septbr. 


Zug- 

TerbinduDg 

Uber 

Neu- 

münster- 

Jübeck- 

Husum 


Nur vom 
2 -6., 18.-22. 
Juli; 


I I I |l.-3. Septbr. 

Der Eilzug Altona —Hamburg—Cuxhaven verkehrt täglich von 
Altona Hbf. 9‘0^ von Hamburg Hbf. 10^5^ von Harburg Hbf. 10*^, 
au Cuxhaven Hafen 120®. 

Fahrpreise nach Westerland 

(für einfache Fahrt, oinschl. Schnellzug-Zuschlag). 

I. Kl. II. Kl. in. Kl. . ___ 


Von Lübeck . 

, Lehrter Jlhf. 

„ Berlin ,, - . .— 

SiMdthahn 

„ Dresd.Hbf u.-Neust. 

Leipzig Berl. Bf. . 
„ Magdeburg Hbf. . 
Frankfurt a. M. . . 

„ Cassel. 

„ Göttingen .... 

„ Hannover . 

„ Cöln Hbf. 

„ Düsseldorf Hbf. . . 
„ Elberfeld Hbf. . . 

„ Münster (Westf.) . 

„ Bremen. 

„ Himburg-Altona . 


11. Kl. 

III. Kl. 

22.30 M. 

15.C.0 M 

32.70 „ 

22.40 

41.40 ,. 

27.80 „ 

37.00 „ 

24.90 „ 

31.10 „ 

21.20 „ 

45.20 „ 

29.80 

36 70 „ 

24.10 „ 

32.50 „ 

22.10 „ 

27.90 „ 

19.10 

40.70 „ 

27.40 „ 

38.90 „ 

20.20 „ 

38.30 „ 

25.80 .. 

32.80 „ 

22.00 „ 

25.00 „ 

17.10 „ 

19.20 „ 

13.50 „ 

17.20 „ 

15.60 „ 


W 7 : EJ-1-CO i W CO 

•-« •# ® «J 3 3" ,2 ^ £3 

77 .- 


p- 3 - 

O C ^ ^ c P® ^ 2 


N X-£ ® I ® 


® I 9 O. ^ 


(c 

^ S rS ? *7^2 

Uber den Landweg 
„ „ Seeweg 

(L Kil- od. P«rs.-ZUge) 




































DEUTSCHLAND 


Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln 


♦ ♦ 

X Bezugspreis pro Jahr 6 M.,viertel- X 

♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦ 

♦ 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦ 
X eines jeden Monats (im Juni, Juli X 

♦ und August monatlich zweimal) ♦ 
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦•♦♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦« 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 


♦ ♦ 

X Anzeigenpreis 40 Pfennig die X 

♦ viergespaltene Kolonelzeile t 

♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦ 
X Breite. — Bei Wiederholungen X 

♦ entsprechende Ermälzigung t 
♦♦♦♦♦♦♦#♦«♦♦««♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«# 


Nr. 8 


Düsseldorf • Zweite August-Ausgabe 1911 II. Jahrg. 


Von der Mosel. 

Traben-Trarbach;, mit Rückblick auf seine Geschichte. 

Von Prof. Ad. Plathner. 


Die Doppelstadt Traben-Trarbach — seit dem 
T. April 1904 sind die bis dahin getrennten Orte in einen 
verschmolzen — gehört nach der Zahl ihrer Einwohner — sie 
beträgt nach der neuesten Zählung 5242 — noch nicht ein¬ 
mal zu den mittelgroßen Städten; es ist auch kein Ver¬ 
waltungsmittelpunkt eines größeren Bezirkes. Das war es 
in früheren Jahrhunderten, als Hauptort des sogenannten 
Oberamtes Trarbach. Aber trotzdem führte es damals, in 
jenen Zeiten, wo das ganze Deutsche Reich durch seine Zer¬ 
splitterung so klein und schwach war, abseits von den 
wenigen großen Verkehrsstraßen ein bescheidenes Stilleben. 
Wenn heute der Name Trarbachs weit über die Grenzen der 
Rheinprovinz hinaus einen guten Klang hat, so verdankt es 
das einmal seinem hochentwickelten Weinbau und Wein¬ 
handel, ferner derHeil- 
kraft seiner warmen 
Quelle und endlich — 
nicht zum mindesten 
— den wunderbaren 
Reizen seiner Lage 
und Umgebung. 

Freilich die ersten 
Ansiedler unserer Ge¬ 
gend hat das alles 
nicht herbeigezogen; 
vielmehr lockten die 
große Fruchtbarkeit 
des Bodens und das 
günstige, milde Klima 
schon in grauer Vor¬ 
zeit zur Bebauung. 

Die ältesten, sicher 
nachweisbaren Be¬ 
wohner gehörten zu 
dem großen Volke 
der Kelten, die jahr¬ 
hundertelang nicht 
nur das heutige Frank¬ 
reich, sondern auch das ganze südliche und mittlere Deutsch¬ 
land erfüllten. Sie haben wahrscheinlich auch Traben, dem 
älteren der beiden Orte, seinen Namen gegeben. Die Bedeutung 
desselben bleibt wegen der geringen und unsicheren Grund¬ 
lagen, die wir zur Erklärung keltischer Worte haben, dunkel. 
Klar dagegen liegt die weitere Entwicklung, die sich an ihn 


anknüpft, vor uns. Nach der linksseitigen Ortschaft haben 
nämlich Deutsche später dem gegenüber einmündenden Huns¬ 
rückbach den Namen T r abener Bach gegeben (der heutige 
Kautenbach), und danach hießen sie dann auch die in 
der Talöffnung entstehende rechtsseitige Ortschaft zunächst 
Travendrebach (so in einer Urkunde vom Jahre 1143), 
später zusammengezogen Trarbach. Aber die Deutschen 
waren nicht die unmittelbaren Nachfolger jener Kelten. 
Dazwischen liegt die Römerherrschaft. An sie erinnern in 
unserer Gegend Münzfunde sowie die Römerstraße, die von 
Traben den Berg hinansteigt, um das Moselufer mit der großen 
Heerstraße Trier —Kaisersesch zu verbinden. Das wertvollste, 
noch heute blühende und labende Erbe aus Römerzeit ist 
aber der Weinstock, den sie an unseren Bergabhängen zuerst 

pflanzten. Wie dieses 
staatsgewaltige und 
kriegserfahrene, aber 
auch wirtschaftlich 
hochgebildete Volk, 
als seine Stunde ge¬ 
kommen war, von den 
jugendfrischen Ger- 
manen-Stämmen 
auch an der Mittel¬ 
mosel, und zwar hier 
von den Franken, ver¬ 
drängt wurde, das 
entzieht sich im ein¬ 
zelnen unserer Kennt¬ 
nis, ebenso, wie der 
große Karl, der in der 
Pfalz zu Aachen und 
Ingelheim Hof hielt,an 
dem lieblichen Mosel¬ 
flusse gewaltet hat. 
Von seinem minder 
tüchtigen Nachfolger 
Ludwig demFrommen 
(814—840) jedoch hören wir, daß er bedeutende Güter und 
Einkünfte in und bei Traben der Aachener Marienkirche 
schenkte. Auch das Kloster Corvey an der Weser und 
Himmerod in der Eifel haben dort Besitzungen erworben, aber 
die maßgebenden Herren wurden im Laufe der Zeiten nicht die 
geistlichen Stifter, sondern weltliche Herren, die Grafen von 



Trarbach mit Grevenburg 










372 DEUTSCHLAND Nr. 8 


Spanheim (so lautet der Name im Mittelalter immer, erst 
g-egen dessen Ende Sponheim). An der Nahe mit einer breiten 
Basis anhebend, zog sich ihre Grafschaft über den Hunsrück, 
allmählich schmäler werdend, und endigte in dem Uferstreifen 
Enkirch—Trarbach—Wolf. Keiner der Spanheimer ist so 
bekannt wie die Spanheimerin, Frau Loretta, eine geborene 
Gräfin Salm. Sie geriet zu der Zeit, wo sie für ihren Sohn 
Johann die Vormundschaft führte, in Streit mit dem Erz¬ 
bischof Balduin von Trier, einem der zielbewußtesten, 
geschicktesten und tatkräftigsten Fürsten dieses Stiftes, der 
wie kaum ein anderer im Mittelalter das Gebiet des Erz¬ 
bistums Trier abgerundet und seine Macht gemehrt hat. 
Während dieser Fehde fuhr im Frühsommer 1328 der Kirchen¬ 
fürst ohne starkes, wohlbewehrtes Gefolge die Mosel hinab — 

Die Mär zu Sponheims Herrin drang^. 

Wie lachte Frau Laurette f 
Quer durch den Fluß zu seltnem Fang^ 

Ließ spannen sie die Kette. 

Und als Herr Balduin zog heran. 

Kein Warner war vorhanden. 

Da lag er bald mit Maus und Mann 
In Frau Laurettas Banden. 

An der Portswiese, unter¬ 
halb der Starkenburg, wo die 
Gräfin residierte, geschah es, 
was hierein begeisterterVerehrer 
des Mosellandes nach dem Be¬ 
richte alter Chroniken vermeldet. 

Doch wenn eine verbreitete 
Ueberlieferung nun weiter be¬ 
richtet, von dem Lösegelde, das 
der Bischof in der Höhe von 
n 000 Pfund Heller tatsächlich 
bezahlen mußte, sei die Burg 
oberhalb Trarbach gebaut und 
nach der mutigen, rasch ent¬ 
schlossenen Gräfin die Gräfin¬ 
burg genannt worden, so hat 
sie sich in dem frei und üppig 
sprossenden Garten derSage ver¬ 
loren. Die richtige, ursprüng¬ 
liche Schreibung ist vielmehr 
Grevenburg, und Greve ist 
(wie Grebe, Grabe, Grave) nur 
eine andere Form für Graf. Also 
„Grafenburg"'bedeutet derName, 
und höchstwahrscheinlich hat 
Lorettos Sohn Johann III., der 
von I33T—1399 regierte, einer¬ 
seits Trarbach zur Stadt erhoben, anderseits und im Zu¬ 
sammenhang damit das Schloß erbaut, denn 1357 wird die 
Grevenburg in einer Urkunde zuerst erwähnt, und 1359 heißt 
es zuerst: zu Trainrebach in der stad. 

Schon mit Johanns Enkel Johann V. erlosch 1437 der 
Mannesstamm der Spanheimer Grafen; Erben ihrer Lande 
wurden die Markgrafen von Baden und die Grafen von 
Veldenz (bei Mülheim oberhalb Berncastel) und nach deren 
baldigem Aussterben die Pfalzgrafen aus der Simmernschen 
Linie. Laut einer Abmachung regierten die Erbfürsten die 
Lande, wenigstens die sogenannte hintere Grafschaft, zu der 
auch Trarbach gehörte, gemeinsam. Zu den Pfalzgrafen von 
Simmern gehört Friedrich III., genannt der Fromme, eine 
ungemein sympathische und charaktervolle Fürstengestalt des 
16. Jahrhunderts. Dieser begann 1557 auch in der hinteren 
Grafschaft mit der Einführung der Reformation. Als er zwei 
Jahre darauf nach dem Tode Otto Heinrichs, der den ent¬ 
zückenden Ottheinrichsbau im Heidelberger Schlosse aufführte, 
zum Kurfürsten von der Pfalz erhoben wurde (1559), über¬ 
trug er dem Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken 
seinen Anteil an der hinteren Grafschaft Sponheim. 


Fortan waren die Herzöge von Zweibrücken bezw. eine 
Nebenlinie von diesen, die Pfalzgrafen von Birkenfeld, und 
die Markgrafen von Baden Gemeinsherren in den Landen 
von Birkenfeld über den Hochwald und wieder hinab zur 
Mosel nach Trarbach, bis sie im Jahre 1776 das Gebiet 
teilten: Baden erhielt den Süden mit Birkenfeld, Pfalz-Zwei- 
brücken den Norden mit Trarbach. 

Inzwischen hatten die furchtbaren Kriegsstürme, die über 
das gesamte deutsche Vaterland dahingebraust waren, auch 
das Moseltal nicht geschont. Im Laufe des 30jährigen 
Krieges besetzten nacheinander Spanier (1620), Schweden 
(Sommer 1632), Kaiserliche (um Johanni 1635), Franzosen 
und wieder Kaiserliche (im letzten Abschnitt des Krieges) die 
Stadt. Als diese Drangsale, Einquartierungen, Plünderungen, 

Seuchen eben notdürftig über¬ 
wunden waren, erklärte (April 
1681) Ludwig XIV. die hintere 
Grafschaft Sponheim für einen 
Bestandteil des französischen 
Reiches, und nach den Plänen 
Seb. Vaubans, des berühmten 
Festungsbaumeisters, wurde auf 
dem Sattel des Königsberges, 
zwischen Cröw und Cövenig, die 
Festung Montroyal aufgeführt, 
die 1692 ungefähr fertig war. 
Zwar mußte der skrupellose Er¬ 
oberer 1697 seinen Raub wieder 
herausgeben und die Festung 
schleifen lassen, aber dem Berge 
oberhalb Traben hat sie doch bis 
heute seinen Namen gegeben. 

Auch in den spanischen Erb¬ 
folgekrieg (1701—1714) wurde 
die Grafschaft hineingezogen. 
Zuerst nahmen die Franzosen 
(November 1702) Stadt und 
Schloß; Anfang 1703 eroberte 
der auf seiten der Verbündeten, 
des Kaisers, der Niederlande, 
Englands u. a. stehende Erbprinz 
Friedrich von Hessen-Kassel zu¬ 
nächst die Stadt zurück; kurz 
vor Weihnachten 1704 zwang er 
dann auch den Kommandanten 
der Grevenburg, den Königs¬ 
leutnant, zur Llebergabe. 

„Verletzt bin ich, aber nicht vernichtet" konnte bisher 
noch jedesmal das Schloß getrost von sich sagen, nachdem 
das Wetter vorübergezogen war; da fiel es einem Kriege 
zum Opfer, der das Rhein- und Moselland, aber auch das 
gesamte Deutsche Reich seinem Gegenstände nach gar nichts 
anging, nämlich dem Kampfe um die polnische Krone (1733 
bis 1735). Im Laufe dieses Erbfolgekrieges nahmen die 
Franzosen am 9. April 1734 zunächst durch Ueberrumpelung 
die Stadt ein, und dann begann die Belagerung und Be¬ 
schießung der Burg, die am 2. Mai damit endigte, daß der 
Kommandant von Hohenfeld, von der Aussichtslosigkeit eines 
weiteren Widerstandes überzeugt, dem Generalleutnant Grafen 
von Belle-Isle das Schloß übergab. Im Juli darauf wurde 
es in die Luft gesprengt. Seitdem gibt es nur eine Ruine 
Grevenburg. 

Von da ob herrschte bis gegen Ende des Jahrhunderts 
Friede. Aber die aus der französischen Revolution sich ent¬ 
wickelnden Kriege fegten auch die alten Regierungen an 
Nahe und Mosel und auf dem Hunsrück fort, und nach dem 
kurzen, aber in seinen Wirkungen tiefgreifenden und nach¬ 
haltigen weltgeschichtlichen Drama der Nopoleonischen Zeit 

















Nr. ft E^EÜTSGH LAN D 375 


«TW'f:-- ?,.,i^-:,- t 

. iVVvf ,. 

:.iA : r 


üA^i SiöiA^ Umg'cgeAd sIä 

dÄS^ Kreises 7isli A St^ck 4^5^ K Ö nigr e i th is P re u ß tü und 

i>ekön^ 4sdtn'eK Anteil en dem S^en, der in der Zag'ehdrig^keiT 
tu fff* l^rt Staats wes^\ j^ehdrt;^ dös uuf nj Km volle 

GesithitdLie Z^tfö^blickf und flöhe ÄufiTqben V^r sUh lud.^ dejt^i: 
Im eng'en Kfei^ vtueofi^en Mfh -Sinm 
Es wächst der m ^ P ^ grd^etn citeA 1 

Nach dieser 

ernillt von Krieg Aind Krit^^ei^rhreh Wll unii . rh^ 
d urrJi d j e St ä die, v f>4> ^ heA bfe t udi; uen 

Bqde iA Trarbach 5Ttir44reinem Hdda de4t-pTiedehs 
nd nu^str^l;behde< wirii;clKahhcherHT>rw ht^ketinci^mthen^ 

Die An.^chluöstiecke ön die Sf^iä;tsb^h;n 
Wiirde im ^^ahre t6Ö2 de?: 

■ dem- Vjftrkehr- uböt-gebeni-'. Denk-^. ': ■ ■'■' . 

irtßlfr der sKen Vergönnen beit 
d&g^^n Wieist dfir Stndit'eiS links 
von der Mösef j)ör spärlich äuT 
DeJ Äacber^iV imd 
dem Hotei Ctncß*'Eeiüi 4®|3rt;n- 
über# deutet hbch Pdh aüf 
jene Sih«nku%^ Ludm^B di^s 
FfonimeA nK das, Aach ertej Denn-* 
si ifh Des k^^ütt^e Wdling^bäu dr? 
erdiiä 1 1 ei h bäh seji^^s Renäis^ s ance\ 

Porta h dfffäsen lid^<sr\ ?auj> fee tt" 
i fort en S t e i n e n t>esl eh t j hesor 14 er s 
m ft I eri ^>ch wirkt- das 

hoh^j wi^chtlig« Hüftpr. gesehen/ 
per rh eii^sch ö ■¥ hc (vwi^rksbl mit 
sehxeii jtntinnigrXnlTigr^n 

5 i raben rn u S de w pt äcb f 

4clüiii;®jefL^^rfenster,n und der^ 

Htke; 4i^: d weeb selntk* 

Form ühd ^"<f^feHieden^trtJEfe; 
fögtjng die Fnss/Hb^?i äußar^ 
örden tl ich be! e hepJ /w nr bhem«J^.: 
d-utch" efn \g ö b<^ ry.ü>^j).Jt^^pdh- Bii\i-^: ■ -' 
tv":n ih. Tr^ib^ 'V^jnret^e.rif rifeJfdf- 
d^s rthf-f 

d öTe n Sch rnuck w^cr *, v ol Üe CHms- 
niftlereicin an den F^VtÄtGTVf trug* 
und d as Söge A ann te Sie a-^rip: f t 
Häus, das eis Muiterbea^j>iel in 
ver-schifedenen : .■ ' i 

h ch ^ti W prkfth Äliltiäb mt« ^ 
ftindah ha l. 8e id e h ß 1 tler Brat jd 
■•.vöh TB7Ö .'Seriit^t'h erlvnhen ist :-' 

dfjgogeh hü?5 it^hrF^jchwerk-bJih ; d 1 e 

h^i ft llcjn fei cb t hm bft fmon iiitba ünd- ühersiediT I Ic i i ^ A A o rd “ 
hu nj^^, Verlsi hdu n g und V ftrsch {h \g nng- <i>>r H ö Ü i e J oii 1 o cl i 
lange duich Veqfeij tfe> Bfek^jn 

■. Die. VC ih'.' Bob nho f ■ nm, : n en ■ föis.d i.tmv,. ;3:tpa - - rl t p-1 ütj... 

führende. feäinihdt^trölSe wird üehs fetd ^ jurch , die ; 

von der frVftn^eJbthbh Küche bsheitbsn^i^ehdeS^^ 

das FK*ßurer er reicht diese kü :in- I'^iOJi bk: 

100$ 3thfi ut^n neimn V t b^ As■ «hh( yprbet 

war bißt dl e: B ti c k e rh-lftgetdie mit' i b rje n v^inr Bog c n 

eui t}i ei Ffp)]eki rü ht^ 237,0 Met(,4 tang: ^füd 0/5 3 Mt?t er bryiP 
ist. PJä K d e & Bo u ft be t r ug vm i b *■, rund 7Ck. 

Mark^ Gerd wit^^ der Wüitderer# wj^nu seirie ZcjF mtht 
jü ka rjgr b:etni>ssün ist, verwi?1)cn» UTi\ .fhi t M o £c dh^ 1P 
3 : ü ckier fe t rach bl hg d OS wu 0 r vp! i e Lau jfeb fh f sh (I d i Jj , fi;'i c j x 
aürtnnehmeAi f\fi% sich auf der IVücke vor s^inpu; Apg;€n 
exLt rnlil.'. dg raitscb (. in sId iz em: Bp^geii die: Muspl vot bCh 
Wie tpewdKidicli fnlipn nhclt (kr Aufenscitg der K^ÜthfeDg, 
die f hjfK^n ?>ted ü^b, wöhrehd sich die;Ahlmngc^fe : 

seit^ in mehreren Stufeu ^um Flnh^f- 


Q Q-no’öü an;0;ci i^ia oao-^? a ö p paa-D dQöQonda 


ip 

- -vH 



N feh- ' , . • .. *: •- ■ ■ 

Tr ft t hti c b r Tufi* F c K lur V-^ei sc h \ I n u s ea 


jene gehören ium Hunsrück# diese tt? dern fehöh genetnnteri 
Kö ni g$ he rg oder M on irhytiJ r der Oben ei n : brei t : £I e ch 
P] a tea u i rag t üu d e:i ri ^?ä 7^ ^tslö u fer der Eifd rl n rfe l j t/ N 
der tingleicb^Ä ßesemntmß' ^^i'ddönge irfelgu der Himniieliä-’ 
riehtung und nftcli ihrer ^ilärkereti ridef schwächet-en Neigung 

V er {eil en aic h, a bgese b en it 4 i^f -iiö denbe^reb affe nh t t.Wsl 4^ 

Wemberg/ ;Weide, Felder und Biiuinwlej^4t- 
VeÜ3hbt^d^bUei;t des «jibf -feh, 

VQU Tkh' '^^^4 Si-ha11ai\ im Vef4yA tüfidot 

skh die/ tihetidllch wntvde'lhntjc^ 

Ffitbai>g«i und BekUchiöngeft . in- .d^n emEefen 4fer 

Jöhres^eiten. 

Ifi die Isen lahdschükhchen Rnlimen schmmgl sich nun die 
Sfelt- :b.ine!n 1 Am oheren Rande voh Traben "steigt.<].ör spt tzo 

Tinm der 

K t r ch a nuf; hltdii W«3?ii dftvpn 
der Tum? dc£ .bald 
k «t h Q I i s ch e rv K i r cK e, der 
hol sein ein Satteldach an schwär^, 
bische Kirebön eHnnerb Ven 

den beiden Trarbaciier Kirebeti 
:ist j>tir d IC. ktfi hol iic he «n d a c 
A ustn ü ndun g d^ Kaii tan hach ös 
z:« stliem dibi^f ihr 4tli^hf tiicb 
am /ihharigA fes Wdlfe feügeü 
V V) ft fi S^'^b Ä äße h*n ^Tf di e yi ?Js deis 
Hi^rnv Amtsgent htsiftTs Mülli^ts 
p§n re ebife tmd Ü nk^ n Ul er sa u m 
begleife ehie Reib» sta i (1 feber 
. G 4bH großen T ®41 ePpvaf- 

wöhntingcn^ äb^r aiiib feilex^en 
und ktiufmJifiiiischü 
endlich ^inigc Kot^is,. lAsgeSötiit 
legen sm Zeughl^ ab yoh feiu 
glüftzcfidtm Aufebwurig^ des 
IVb-^sekWeihbönd^H in den. ver- 
gangan^iu dah rtehniem Besän- 
dex5: w^öbliuend wirkt auf dem 
finken Ufe erste HaiJi& nri 
der Brikke öufwärEs durch seine 
schlichte Vornehmheit, fern^ir 
das' leiste, dem Wol fer Berg^ 
gjegcrtübörp aina Schöpfung 
I g ef V : S tcft ß b fj rger S t ad iv- 
böneutais Bö^b!ow, durch die 
let ( •1 k 4 4 eher ä LirJenrü h rü rrg (. 
dk wahUibgemeÄsafe>wia^41bsi- 
. Vf^rstimdliCfe.Ffe.hatvve-rtftjibfag 
1 : tviid^[ t* rlmfi c Fü fi fügung m diö gnnsr? wniniftülbere 

’ ,fed: n mg^loing - Dnzwi$chen trit t hervor da^ij im 

V efefeifchon Jahrzehnt n a cb 4i n g m ■ Br ft nd e neu uufge füh r t e 

11 r> f, n I C i ft üF e (t ^ das äUd? ii^ Firi^n ynd Farben 
tdi g J^l£#it^^fy: glh k h (rli n.a dia a Iren M ov^Ih a i isft r 4 n Iah nh n nd 
fl.cftsajy 1 ritattuhg .kün.'^iiei : ünd; bc-bag!kh zogleich 
fe Auf di?m fehfe Ufe kann- /skh die die BHlayu 
Mi:her ein Hotd; W Ibir^r aUftttetiischnn Gediegt^bek, 
-yd t Ih rfiliiü. - ih ä<htl|£i4fV. Aiadj^nrdrütdache.'- tmiii.er . 'hö.cjV;. s4hen ■ 
lassen. Wrtrdig und ferrsebofdich lie^ aufwärts; ,an 

der e rs t e n a u Trft tbft.ch' ! r d ■; bh-rö b f übtendi? n S tra Be, 

V o ti d e re n F n i rtph'^f di ei; T * nbjrh h ft C^ b : T rübeh äiisginjf, je t z\ 

die DunvpfehiÜf' öbfhbtvh* düs B.Ödki n g-sche befef^ 

kenbwert c! iLrch ein kri'dtigifs Barockrpofe) nach rfe Kc^iho^* 
s l raße zu u n4 in die f /flernttifgCacbiuh U verPocbten durch 
dii?.n AüiejnthQlt Goeihes# der «wf voä. Frankreicb 

fiii Jrii ^ re 1702 do n ehv kehrt e- Pt^': Ecfe an der näc h^tä ti 
Ä 1 Vfn Fi iT sse ,s enk r g 1 1 u f; e *j! ft n d en $ tfd b Whd d i j reJt d ös K o s i; n 4/ 

ml?>g:e|vjUh welches FMO das fKiädertjähngeh 

strihtms feierte* In diesem Wüfd^; esL ubejr 







374 DEUTSCHLAND Nr. 8 



die Grenzen von Traben-Trarbach hinaus besonders bekannt 
durch sein Preisausschreiben für das beste Mosellied im 
Jahre 1845 und 1898; dem des erstgenannten Jahres ver¬ 
danken wir das noch jetzt am meisten gesungene und tat¬ 
sächlich auch von allen nach Text und Melodie volkstümlichste 
Mosellied: Im weiten deutschen Lande zieht mancher Strom 
dahin, von Pfarrer Reck aus Feldkirch bei Neuwied, kompo¬ 
niert von G. Schmitt. An den Fuß des Wolfer Berges endlich 


Grevenburg vom Wolfer Wald aus gesehen 

lehnt sich die neue Kellerei des Herrn Jul. Kayser an. Sie 
verzichtet auf reiche Ornamentik und nähert sich in ihren 
wuchtigen Formen und der übersichtlichen Gliederung dem 
Charakter einer Burg. Die eben genannte Kellerei ist wie das 
Hotel Clauß-Feist, der Brückenkopf der Moselbrücke und 
verschiedene andere größere Gebäude Traben-Trarbachs nach 
(len Plänen des Architekten Bruno Möhring (Berlin) ausgeführt. 
An diesen sämtlichen Gebäuden entlang führt die im August 
1905 eröffnete Moseltalbahn, die eine sehr erfreuliche neue 
Verbindung zwischen Trier und Bullay herstellt und die 
Mosel von Berncastel aufwärts überhaupt erst erschlossen hat. 

Ob der Wanderer, der alle diese Eindrücke in sich auf¬ 
genommen hat, nun an dem Brückenköpfe des rechten Ufers, 
der Brückenschenke, glücklich vorbeikommt, oder ob es 
ihn lockt, in einem der verschwiegenen, originell angelegten 
und ausgestatteten Turmstübchen, umspielt von den Geistern 
des Moselweins, der Fülle der Bilder nachzusinnen und ein 
Weilchen zu träumen? Aber dann müssen wir auf der Brücken¬ 
straße weiterziehen. Sie ist zum größeren Teile neu, enthält 


aber auch ein Gebäude mit alter, wechselvoller Geschichte, 
das alte Oberamtshaus, im 18. Jahrhundert Regierungs¬ 
gebäude für das Trarbacher Ländle, nach dem Beginne der 
preußischen Herrschaft dem Progymnasium, später Voll¬ 
gymnasium, überwiesen, jetzt Amtsgericht. Die Brückenstraße 
hat einen schönen Prospekt durch das Kaysersche Haus, 
erbaut in den letzten Jahren vor 1760. Die Bearbeitung des 
Steins wie die Ausführung des Geländers auf dem Balkon 
hält sich in feinen Rokoko - Formen; am reichsten 
und zierlichsten aber sind diese entwickelt an der 
Tür, die in ihrer Art einzig an der ganzen Mosel 
dasteht. — Rechts von hier führt die Straße an dem 
vorhin erwähnten Böckingschen Hause vorbei zu der 
Landungsstelle der Dampfer, links langsam steigend 
zum Marktplatze, wo wieder links die Schott 
Straße abzweigt. Diesen Straßen fehlt das An 
mutig - Abwechslungsreiche und das Mannigfach - 
Charakteristische leider ganz, das die Straßen und 
Gäßchen anderer Moselorte, besonders die von En¬ 
kirch, so überaus und immer von neuem anziehend 
macht. Schuld daran ist der furchtbare Brand, 
der 1857 einen großen Teil der Stadt in Asche legte 
darunter auch den Marktplatz. 

Die jetzige Apotheke steht etwas weiter aufwärts, 
dem Eingänge der Weihertorstraße gegenüber, die 
ihrerseits wieder den Namen von dem ehemaligen 
Weihertor hat, ebenso wie der Weihertorplatz. 
An diesem beginnt die Wildbadstraße, zunächst mit 
einem Enggaß, aber bald in offener Fluchtlinie. Sie 
kündet an, daß wir uns dem Badeorte Trarbach 
nähern. Nach einigen Minuten zweigt rechts ein 
Weg nach Berncastel ab, in IV 4 Stunden führt er 
hinüber, während der Talweg der Mosel über 20 
Kilometer lang ist. Kurz darauf tritt an der Berges¬ 
halde ein größeres Gebäude hervor, das neue Gym¬ 
nasium, in seiner Lage vielleicht vor allen höheren 
Lehranstalten der Rheinprovinz ausgezeichnet. Das 
Alumnat Lutherhaus daneben bietet etwa 60 
Schülern gute Unterkunft, sorgfältige Pflege und ge¬ 
wissenhafte Ueberwachung. 

Noch etwa eine Viertelstunde weiter — und zur 
Linken taucht mitten im Grünen, umkränzt von wohl¬ 
gepflegten Anlagen, deren mannigfaltige Ziersträucher 
von kunstgerechter, fachmännischer Auswahl zeugen, 
dos Kurhaus auf, gewöhnlich das „Neue Bad" ge¬ 
nannt, zum Unterschiede von den etwa ^4 Stunde 
talaufwärts liegenden Badehotels. Sie alle verdanken 
ihre Entstehung dem Wildsteinsprudel. Dessen 
planmäßige Erschließung und Verwertung datiert erst 
aus dem letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts, während 
eine warme Quelle in einem Stollen des oberen Kautenbach¬ 
tales längst bekannt war. Im April 1883 schlug der Tror- 
bacher Bergwerksverein durch einen 400 Meter langen Stollen 
in einem 2—3 Meter dicken Quarzgange eine Therme von 
28® R = 35® C an. Nachdem ein Seitenstollen eine zweite 
Quelle erschlossen hatte, hob sich die Wassermenge von 
738 auf 876 Kubikmeter innerhalb 24 Stunden. An die Stelle 
des Bergwerksvereins trat seit dem 25. Mai 1899 die neue 
Gesellschaft zur Hebung und Neugestaltung des Bades unter 
dem Namen; Trarbacher Immobilien-Gesellschoft m. b. H. 
Der Gesamtbesuch betrug: 


Jahr 

Kurgäste 

Passanten 

1908 

3424 

6300 

1909 

3520 

6500 

1910 

3800 

5200 


Besonders heilkräftig erweisen sich die Bäder bei rheu¬ 
matischen und gichtischen Leiden. Auch eine radio-aktive 
Kraft wird dem Wasser zugeschrieben. 











Nr. 8 DEUTSCHLAND 375 


So sehr auch der murmelnde Kautenbach lockt, ihn in 
alle seine Seitentäler, bis in die letzten Verzweigungen hin, 
zu verfolgen, und so sehr auch die ihn einschließenden Berges« 
hänge mit ihren malerischen Ausblicken winken, uns zwingt 
die nicht allzureich bemessene Zeit zur Auswahl und Be« 
Schränkung. Und die unmittelbare Umgebung der Städte 
bietet auch noch Schönes genug, was sich rasch erreichen 
läßt. Vom Anfang der Schottstraße steigt links zunächst eine 
Treppe hinan, dann führt ein Pfad durch die köstlichen Reben« 
hänge des Schloßberges zunächst auf das Kriegerdenkmal, 
den tapfern Söhnen Traben«Trar« 
bachs geweiht, die für ihr großes 
Vaterland, aber auch für ihre 
liebe, schöne Heimaterde, für 
„die grünen Berge, 
den Fluß im Tal" 
mutig in den Tod gingen. 

Der weitere Aufstieg zur 
Grevenburg und zu dem Berg« 
grat über ihr macht es erst be« 
greif lieh, wie schwierig die 
Belagerung und Einnahme des 
Schlosses ohne unsere weittra« 
genden Geschütze war. Schon 
umfassender als vom Krieger« 
denkmal ist der Blick von den 
verschiedenen Winkeln und 
Warten der Ruine, aber das 
reichhaltigste Panorama eröffnet 
sich noch weiter oberhalb von 
der Bismarck höhe, welche 
zwischen der „Hecke" (Eichen« 
schälwald) hervorlugt, nachdem 
uns der dunkle Tannenwald aus 
seinem feierlichen Schatten ent« 
lassen hat. Die lange Mosel« 
schleife erscheint in ihrer ganzen 
Ausdehnung, der Königsberg 
mit seinem flach hingestreckten 
Plateau, dem breiten vorderen 
Rande und dem schmalen Sattel weiter zurück; zur Linken 
tauchen die Ruinen des Wolfer Klosters auf. Zu unseren Füßen 
ragen aus Weinbergen die Trümmer des alten Zollturms hervor, 
weiter rechts dehnt sich am Bergeshange Enkirch aus, und 
dahinter reihen sich und schieben sich ineinander, in mannig« 
fachem Farbenspiele, Berge und Bergvorsprünge. 

In dem Umfange der Fernsicht wird dieser Punkt noch 
übertroffen von den „Graach er Schanzen". Sie wurden 
rechts von dem Wege nach Berncastel, oberhalb des Wolfer 
Waldes, in den Jahren 1795/96 von dem französischen 
GeneralJourdan ange« 
legt und nehmen den 
höchsten Punkt der 
näheren Umgegend 
ein (430 m). Doch 
schon beträchtlich 
tiefer führt ein rieh« 
tiger,Guckkastenweg' 
am Bergesabhang ent« 
lang, ausgehend von 
der Wildbadstraße, 
oberhalb des Schlöß« 
chens, bald durch 
Wald und bald durch 
Lichtungen. Im Süden 
ruht waldumkränzt, in 


seinem ersten Teile noch mit Häusern besetzt und von Wein« 
bergen eingefaßt das Kautenbachtal. Von dem letzten Ausläufer 
des Bergrückens, der dieses vom Schottal trennt, schaut die 
evangelische Kirche herab, die seit den Zeiten, wo eine 
schlichte Nikolaus«Kapelle auf dem Felsen stand, mannigfache 
Veränderungen erfahren hat (besonders 1509—1513 und nach 
dem Brande von 1857). Rechts in der Nähe davon deutet ein 
Ueberrest die Linie der alten Stadtmauer an. Flußaufwärts 
senkt sich der Wald mit verschiedenartigem Grün zur Mosel 
und jenseits dehnt sich bis zum Fuße der Weinberge, Lagen 

von gutem Klang, ein frucht« 
bares Garten« und Wiesenland, 
der Kartenich, durchzogen von 
einer schattenden Nußbaum« 
allee, die nach den Häusern von 
Rißbach führt; ob sie mehr 
dem Landschaftsbilde einen 
reizenden Mittelpunkt geben oder 
durch ihre ganze Umgebung ge« 
hoben werden, läßt sich schwer 
sagen. Ihre architektonische 
Schönheit, besonders das reiche 
Holzwerk an dem einen, kommt 
erst in der Nähe zur Geltung. 
Julius Wolf hat diesen Platz 
in seinen „ Landsknecht von 
Cochem" verwoben. 

Von dort ist’s nicht mehr weit 
bis zur Höhe des Montroyal 
und bis zu einem Pavillon an 
seinem Rande oberhalb Traben. 
Dieser schenkt uns den schön« 
sten Ueberblick über Trarbach, 
über die verschiedenenBerggrate, 
die, mehr oder minder tief mit 
Grün umkleidet, hier zusammen¬ 
laufen, und die Häuserreihen und 
Häusermassen mit ihren blau« 
grauen Schieferdächern, welche 
die Talgründe und den Mosel« 
uferrand ausfüllen. — Fast den ganzen durchlaufenen Weg 
durch die Städte, von Traben zu unsern Füßen über die Brücke 
bis zum Kurhaus Wildbad und über die Berge der näheren 
Umgebung, können wir von diesem Schauinsland noch einmal 
verfolgen. Die Fülle der Bilder war für die kurze Spanne 
Zeit fast zu groß, und erst die ruhige Betrachtung eines 
längeren Aufenthaltes vermag die ganze Schönheit voll« 
kommen zu erschließen. Freilich, je mehr Reize sich nach 
und nach offenbaren, um so schwerer wird es wiederum 
sein, sich loszureißen. Doch —, wenn auch der erste 

Besuch das Verlangen 
nach einer baldigen 
und häufigen Wieder« 
holung weckt, und 
wenn dann mit jedem 
Mole die Anziehungs« 
kraft immer unwider¬ 
stehlicher wird — 
„Was tut's? — Ich 
wag ins Verderben, 
Ins süße mich lachend 
hinein I 

Will gerne für Leben 
und Sterben 
Dem Zauber verfallen 
sein 1" 



Rißbach b. Traben a. d. Mosel 



Gesamtansicht von Berncastel-Cues 






376 DEUTSCHLAND Nr. 8 


Radium-Solbad Kreuznach, 



Am 5. August fand unter Beteiligung der Staats¬ 
behörden sowie einer großen Zahl von Vertretern der 
medizinischen Wissenschaft sowie der auswärtigen Presse 
die Einweihungsfeier des neuerbauten Badehauses für 
Radiumtherapie — wohl das erste seiner Art in Deutsch¬ 
land — statt. Nach 
einer Besichtigung 
der Kreuznacher 
Radium-Fabrik im 
Salinental sprach 
Bürgermeister Dr. 

S ch 1 e i ch e r im 
Kurhaussaal über 
die neue Entwick¬ 
lung, welche Bad 
Kreuznach durch 
dasRadium erlebe, 
und begrüßte die 
Festgäste. Sodann 
hielt Professor Dr. 

K i o n k a (Jena) 
vor einer zahl¬ 
reichen Versamm¬ 
lung einen äußerst 
interessanten Vor¬ 
trag über „Die 
Entwicklung der 
Radiumtherapie", 
in welchem er hervorhob, daß Kreuznach bis jetzt der 
einzige Badeort Deutschlands sei, der seine Radium¬ 
salze aus den eigenen Quellen gewinne. Es folgte 
darauf die Einweihung der neuen Quellenhalle für Trink¬ 


zwecke, bei welcher Gelegenheit Dr. Karl Aschoff 
Erläuterungen gab über die neu gefaßte Elisabeth- und 
Viktoriaquelle, die jetzt derart zum Auslauf gebracht 
sind, daß ein Gasemanations-Verlust ausgeschlossen ist. 
Die geschmackvolle und vornehme Ausstattung der 

Quellenhalle er¬ 
regte allgemeinen 
Beifall und Bewun¬ 
derung. 

Von hier aus 
begaben sich die 
Festgäste an das 
neuerbaute Bade¬ 
haus für Radium¬ 
therapie, vor dem 
der Erbauer des¬ 
selben, Architekt 
Oskar Schütz 
aus Köln, den 
Schlüssel an den 
KurdirektorHaupt- 
mann Fernow 
übergab, der mit 
einigen Worten 
den Eingang öff¬ 
nete. Das neue 
Badehaus, ein im 
Renaissance - Stil 
erbautes Gebäude von vorzüglicher Wirkung, mit einem 
Säulenvorbau und Kolonnaden für Verkaufsläden, ist 
auch im Innern von ausgesuchtem, vornehmem Ge¬ 
schmack. Es enthält 56 Badezellen, die in zwei Etagen 


Radium-Solbad Kreuznach: Neues Badehaus für Radium-Therapie, Schmuckhof 


VV 

V 


A 

AA 

n 

W 

V 


A 

AA 


Kreuznach: Kurgarlcn des Radium-Solbades 


A 

AA 


VV 

V 


A 

AA 

































Nr. 8 DEUTSCHLAND 377 



in hellen und luftigen 
Korridoren, die den 
Lichthof einschließen, 
untergebracht sind. In 
der Mitte des Ge¬ 
bäudes befindet sich 
ein Schmuckhof. Außer 
den Zellen, die, ge¬ 
räumig und hell, alles 
enthalten, was von 
einer modernen Bade¬ 
einrichtung heute ver¬ 
langt wird, und bei 
denen besondere Vor¬ 
richtung für Radium¬ 
bäder getroffen sind, 
gibt es noch Ruhesäle 
für Herren und Damen 
sowie einen elegant 
eingerichteten Warte- 
und Lesesaal. Außer den neuen Radium-Inhalatorien 
sind auch neue Inhalations-Einrichtungen für Sole, ferner 


Radium-Solbad Kreuznach: Ruhesaal im neuen Bäderhaus 


elektrische Vierzellen¬ 
bäder und kohlensäure 
Solbäder vorhanden. 

Nach der Besich¬ 
tigung vereinte die 
Gäste ein Festessen 
im Kursaal, bei dem 
allgemein die freu¬ 
digen Gefühle über die 
neue glänzende Ent¬ 
wicklung, die Kreuz¬ 
nach jetzt erlebt, in den 
Reden zum Ausdruck 
kamen. Am 6. August 
wurde der Betrieb im 
Badehause eröffnet und 
wurden die Zellen so¬ 
fort stark in Anspruch 
genommen. — Der Be¬ 
such des Bades ist ein 
so glänzender, wie er seit 20 Jahren nicht erlebt wurde, 
und beträgt die Frequenzziffer bis heute 10898 Personen. 



Wieder ist der Herbst gekommen, 
Und mit ihm der Wein gereift. 

Was kann Grillenfang da frommen, 
Wenn, soweit das Auge schweift. 
Wir auf allen Bergeshöhen 
In der Sonne goldnem Strahl 
Erntefroh die Winzer sehen. 

Jubelnd laut hinab ins Tal. 

Grüßt nicht lachend auch die Sonne 
Uns auf rebumrankter Flur, 

Ladet nicht zu Lust und Wonne 
Ringsumher die Vollnatur? 

Frisch, genießt das schöne Leben, 
Trinkt den feurig goldnen Wein, 
Beides uns von Gott gegeben 
Zum Genuß und Seligsein. 


Hier an altgeweihter Stätte, 

Wo die Väter einst gezecht. 

Laßt auch zechen um die Wette 
Heute uns nach Fug und Recht. 
Schwärmen wollen wir und singen 
Bei dem duftenden Pokal, 

Daß die alten Lieder klingen 
Weithin durch das grüne Tal. 

Und wenn einst der Herbste Reihe 
Uns gebleicht hat Haar und Bart, 

Dann gedenkt in stiller Weihe 
Mancher schönen Burschenfahrt. 

Träumt im jungen Enkelkreise 
Euch zurück in sefge Zeit. 

Summt noch einmal leis' die Weise 
Von der Burschenherrlichkeit. 

Verfasser: Bünger. 


Auf der Internationalen Hygiene^Ausstellung in Dresden. 


Der Fremde, der heute nach Dresden kommt und 
die große Weltausstellung der Hygiene besucht, wird 
vor allem das wunderbare Gelände, in dem die Aus¬ 
stellung liegt, bestaunen. Die warme Sympathie, die 
der König von Sachsen, der Protektor der Ausstellung, 
der großen Idee entgegenbrachte, zeigte sich auch darin, 
daß er in hochherziger Weise ein gewaltiges Stück von 
dem altberühmten Königlichen Großen Garten für die 
Zwecke der Ausstellung zur Verfügung stellte. Und 
hier in diesem riesenhaften, prachtvollen Gelände er¬ 
heben sich die gewaltigen Gebäude, welche die Aus¬ 


stellung beherbergen. Eine besondere Sehenswürdig¬ 
keit bildet die Herkulesallee, eine Völkerstraße von 
nie gesehenem internationalem Reiz. In dem tiefen 
Grün dieser Allee, zwischen sagenhaft alten Bäumen, 
breitästigen Linden und Buchen liegen die Paläste der 
fremden Nationen, und das große internationale Leben, 
das jeder Weltausstellung eigen ist, hat sich diese 
herrliche Promenade als Mittelpunkt ausgesucht. Man 
glaubt sich auf einer Promenade eines großen Welt¬ 
bades zu befinden. Kein staubiges, lärmendes Gedränge 
herrscht hier, an grünen Wiesen entlang wandelt man 




















378 DEUTSCHLAND Nr. 8 


unter den Klängen erstklassiger Konzertkapellen zu 
beiden Seiten dieser prächtigen Allee in erquickender 
Luft, und das Gewirr der Stimmen aus den Sprachen 
aller Erdteile vermischt sich mit der Musik, mit dem 
herrlichenVogelsang und 
dem Rauschen der Bäume 
zu einer eigenartigen, 
stimmungsvollen Harmo¬ 
nie. Beim Dunkelwerden 
aber flammt es unter den 
Bäumen auf. Tausende 
von kleinen Lichtern 
blitzen zwischen den 
Zweigen hervor, und bald 
ist die ganze Promenade 
in ein strahlendes, feen¬ 
haftes Lichtmeer ge¬ 
taucht, dessen grandiose 
Wirkung geradezu unbe¬ 
schreiblich ist. Im Innern 
der Paläste der fremden 
Nationen ist alles das 
ausgestellt, was die ein¬ 
zelnen Völker im Laufe 
der Zeiten auf dem ge¬ 
waltigen Gebiete der 
Hygiene erfahren und 
erprobt haben, und es ist 
kein Zweifel, daß dieser 
gegenseitige Austausch 
an ideellen Werten, die dem Glück der Menschen 
dienen, von weittragendster Bedeutung sein wird. 

Was in den einzelnen großen Hallen untergebracht 
ist, kann unmöglich im 
Rahmen eines kleinen Ar¬ 
tikels aufgezählt werden. 

Alles, was auf der Aus¬ 
stellung vorgeführt und 
gezeigt wird, ist für den 
Besucher eine Quelle der 
Belehrung und der Auf¬ 
klärung, jeder einzelne 
Gegenstand in den vielen 
imposanten Gebäuden 
zeigt dem Besucher mit 
eindringlicher, überzeu¬ 
gender Deutlichkeit, was 
für die Gesundheit dien¬ 
lich ist, durch welche ein¬ 
fachen Mittel man seinen 
Körper kräftigen, stählen 
und verschönern kann 
und von welchen Schäd¬ 
lichkeiten man sich fern¬ 
halten muß. Die Industrie 
ist in 15 Abteilungen in 
die Ausstellung einge¬ 
gliedert, und zwar tritt sie 
in allen ihren Zweigen 
möglichst umfangreich und vollständig auf. ln großen 
Hallen sind die einzelnen Gebiete, wie Ansiedlung und 
Wohnung, Ernährung, Verkehr und Krankenfürsorge, 


Armee- und Marinehygiene usw. vollständig getrennt und 
für sich behandelt, und gerade diese Anordnung macht 
es dem Besucher kinderleicht, sich rasch und gut zu 
orientieren und sich in das für ihn besonders Wichtige 

in Ruhe zu vertiefen. — 
Das Hauptinteresse kon¬ 
zentriert sich wohl auf die 
große Halle für populäre 
Hygiene, den „Palast 
des Menschen". In 
diesem gewaltigen, mit 
hohen Säulen gezierten 
Kuppelbau ist dem nicht 
über wissenschaftliche 
Kenntnisse verfügenden 
Laien das gesamte Gebiet 
der menschlichen Ge¬ 
sundheitspflege in klarer 
Weise vor Augen geführt. 
Nicht in toter Form wird 
der Stoff gezeigt. Alles 
wird an instruktiven, der 
Natur getreu nachgebil¬ 
deten Modellen und Prä¬ 
paraten und in möglichst 
lebendiger Art vorge¬ 
führt. Was den Menschen 
im Laufe seines Erden¬ 
daseins betrifft,von seiner 
Geburt bis zum Grabe, 
wird hier in gründlicher, fast rücksichtsloser Weise dar¬ 
gestellt. Wir lernen die Entwicklung des menschlichen 
Körpers, seinen Bau und seine Organe in ihren 

einzelnen Funktionen 
kennen, werden belehrt 
über nützliche und schäd¬ 
liche Kleidung, gesunde 
und gesundheitsschäd¬ 
liche Wohnungen werden 
uns vorgeführt, anfan¬ 
gend bei den Bauten der 
Ameisen und Hamster, 
endigend bei den großen 
Versorgungs - Anstalten, 
Asylen und Heimen. Die 
Ernährung wird gründ¬ 
lich durchgenommen. Mit 
Ueberraschung sieht der 
Besucher eine Reihe von 
billigen Nahrungsmitteln, 
von deren hohem Nähr¬ 
wert er bisher noch nichts 
wußte; er wird in die Ge¬ 
heimnisse der Nahrungs¬ 
mittelfälscher eingeweiht 
und gewinnt eine schier 
unerschöpfliche Fülle 
wertvoller Anregungen. 
Der Pflege des Körpers 
ist ein großer Raum gewidmet, die Bedeutung von Wasser- 
und Luftbad für den Körper wird dargetan, wir werden 
über den Wert der Massage belehrt, an Atmungs- 



Geh. Rat Dr. Beutler, Oberbürgermeister von Dresden 



Geh. Kommerzienrat K. A. Lingner, Präsident der Ausstellung 





Nr. 8 DEUTSCHLAND 379 



Dresden: Hauptplatz der Ausstellung" mit Halle für populäre Hyg-iene „Der Mensch' 


messern kann der Besucher seine Lunge prüfen und 
üben; Tabellen, Bilder, Präparate und vergrößerte Nach¬ 
bildungen veranschaulichen die Zahnerkrankungen und 
belehren über die Pflege der Zähne — kurz, kein Gebiet 
der menschlichen Gesundheitspflege, von den Regeln 
für die Hut und Pflege des Säuglings bis zu den Vor¬ 
schriften für das Greisenalter ist hier vergessen, so daß 
schon allein die „Populäre Halle" dem Besucher 
einen dauernden Gewinn 
für das Leben bietet. 

Eine 20000 Jahre alte 
Kultur zieht an dem Be¬ 
sucherderhistorischen 
Ab t e i 1 u n g vorüber. Zum 
ersten Male wird hier die 
Geschichte der Hygiene 
vom frühesten Altertum 
bis auf unsere Zeit zur 
Darstellunggebracht, und 
an hochinteressanten Ob¬ 
jekten,zumTeil täuschend 
nachgebildeten Ausgra¬ 
bungen und Funden wird 
gezeigt, was frühereZeiten 
und Völker auf dem Ge¬ 
biete der Gesundheits¬ 
pflege aufweisen konnten. 

Und da die Gesundheits¬ 
pflege zugleich in das 
allgemeine Leben voll¬ 
ständig eingreift, so bildet 
die historische Abteilung 
ein großes, lebendiges 
Lehrbuch der Kulturge¬ 
schichte, wie es in gleicher Vollständigkeit und An¬ 
schaulichkeit wohl kaum jemals einem größeren Publikum 
geboten wurde. Eine mit der historischen Abteilung ver¬ 


bundene Ethnologische Unterabteilung führt uns 
die heutigen Naturvölker vor und zeigt ihre Lebens¬ 
weise und ihre zum Teil seltsame, primitive Auffassung 
von Krankheiten und Tod. Der Teil des Geländes, auf 
dem sich der Sportplatz der Ausstellung befindet, ist 
geradezu ideal zu nennen. Er bildet durch seine wunder¬ 
hübsche Lage und die ganze Anordnung der einzelnen 
Gebäude beinahe den schönsten Platz Europas, der 

trotz seiner Größe eines 
gewissen intimen Reizes 
nicht entbehrt. Außer 
dem Sportlaboratorium 
und der Musterturnhalle 
enthält er noch ein großes 
Undosa-Wellenbad (nach 
dem Muster des Undosa- 
bades am Starnberger 
See), welches während 
der Dauer der Ausstel¬ 
lung auch als Familien¬ 
bad eingerichtet ist. 

Einzigartig ist für die 
Erholung sowie für Ver¬ 
gnügungen und Belusti¬ 
gungen desPublikums ge¬ 
sorgt. Nach dem Grund¬ 
satz, daß Frohsinn der 
Seele auch den Körper 
frisch und gesund erhält, 
hat man auf der Hygiene- 
Ausstellung einen Er- 
holungs-Park ge¬ 
schaffen und dafür ge¬ 
sorgt, daß dieser Teil des 
Ausstellungsgeländes zu einem Platz echter Fröhlichkeit, 
zu einer Stätte wirklicher Erholung wird. Ohne wilden, 
aufdringlichen Jahrmarktsrummel, ohne wüsten, ver- 



Prof. Dr. Renk, Zweiter Präsident der Ausstellung 















380 DEUTSCHLAND Nr. 8 


wirrenden Lärm entfaltet sich hier ein buntes, frohes 
Leben, das zu dem ernsthaften Zweck der Ausstellung 
eine liebenswürdige, heitere Folie bildet. Dabei ist für 
jeden Geschmack, für jede Laune und Stimmung gesorgt. 
Ein künstlerisches Marionettentheater zeigt uns rei¬ 
zende Puppenspiele und Operetten; wer mehr die gro߬ 
städtische Eleganz und Unterhaltung liebt, begibt sich in 
das Trocadero oder nach dem Sekt-Pavillon und 
der American-Bar; ein großer Wurstelprater mit 
Thomasbräuausschank gibt Gelegenheit zu einem heitern 
kleinen Imbiß. Eine Künstler- und Studenten¬ 
kneipe, aus deren Innerem fröhliche Studentenweisen 
erschallen, ladet zu frischem Trünke ein; orientalisches 
Leben herrscht in der ostasiatischen Ecke: ein 
Theater bringt Vorstellungen 
echter Geishas, die durch den 
Reiz ihrer Schönheit und die 
Grazie ihrer Bewegung all¬ 
abendlich das Entzücken der 
Zuschauer bilden, chinesischer 
und indischer Gaukler, Kunst¬ 
handwerker, Zauberer und 
Schlangenbeschwörer und in 
einem orientalischen Restau¬ 
rant wird von einheimischen 
Köchen ein indisches Früh¬ 
stück serviert. Wer reiten will, 
findet in einem großen Hippo¬ 
drom eine hübsche Manege, 
um die sich die Zuschauer¬ 
tribünen reihen, während ein festlicher Tanzsalon 
nebenan der Jugend seine Pforten geöffnet hat. Ein 
reizender Biedermeiergarten, in dem muntere Herren 
in der stimmungsvollen Tracht aus Großvaters Zeiten ser¬ 
vieren, lockt zu einem stillen Gläschen. Daneben ragt 
das zierliche Minarett eines marokkanischen Cafes 
hervor mit seinem im reinsten maurischen Stil er¬ 
richteten Säulenhof, in dem echter arabischer Mokka, 
von Eingeborenen bereitet, serviert wird, während die 
schönsten Tänzerinnen des Morgenlandes, Fakire und 
ein orientalisches Orchester für Unterhaltung sorgen. 
Eine Anzahl vornehmer Terrassen-Cafes und Wein¬ 
restaurants schließen sich an, eine oberbayerische 


Bierschenke, in der die Alpenlandschaft so echt ist, 
daß man sogar die Berge hinaufkraxeln kann, ein 
Freudenrad, eine Schieß halle und anderes. In 
dem zweiten Teil des Ausstellungsgeländes, zu dem 
zwei große, mit Rollbahnen versehene Straßenüber¬ 
brückungen führen, setzt sich der Vergnügungs¬ 
park fort. Eine Reihe von Theatern, Cafes, Volks¬ 
restaurants und Konzerthallen sorgen auch hier für 
Ergötzlichkeit und Abwechslung; Rodelbahnen, Kasperle¬ 
theater, Taifunrad, ein von nahezu 100 eingeborenen 
Aethiopiern bevölkertes Abessinierdorf, Musik-, Gesangs¬ 
und Tanzvorführungen bringen Frohsinn und munteres 
Leben in die Massen, und bei allem Jubel und aller 
Lustigkeit keine Roheit, kein schreiendes Jahrmarkts¬ 
treiben, nichts von dem vogel¬ 
wiesenartigen Johlen und 
Lärmen, überall eine echte, 
frohe Stimmung, wie man sie 
bis jetzt noch auf keiner Ver¬ 
gnügungsstätte gefunden hat, 
eine Stimmung, die sich auf 
den freudigenGesichtern wider¬ 
spiegelt und die Menschen ein¬ 
ander näher bringt, wie die 
Glieder einer einzigen, großen, 
fröhlichen Familie. 

Wie groß das Interesse ist, 
das man allgemein der Aus¬ 
stellung entgegenbringt, ergibt 
sich schon aus der Zahl der Be¬ 
sucher. In der ersten Woche haben 336 000 Personen 
die Ausstellung besucht, heute hat die Zahl der Aus¬ 
stellungsbesucher bereits die dritte Million über¬ 
schritten, und es ist zu erwarten, daß sich diese Zahl 
in den kommenden Wochen noch um ein bedeutendes 
erhöhen wird. Bietet doch Dresden im Sommer 1911 
die seltene Gelegenheit für den Fremden, seinen Sommer¬ 
urlaub zu mäßigen Preisen in einer Großstadt zu ver¬ 
bringen, die ihm alle Bequemlichkeiten und alle Vorteile 
eines vornehmen Kurortes gibt ohne die hohen Bade¬ 
ortspreise, und die ihm zugleich durch den Besuch der 
Internationalen Hygiene-Ausstellung einen 
wertvollen Gewinn für sein Leben bringt. M. H. 




Aus dem Undosa-Wellenbad 




















Nr. 8 DEUTSCHLAND 381 


Die deutsche Nordsee. 

Von Paul Damm-Etienne. 


Erst eine kurze Spanne Zeit ist ins Land gegangen, 
seitdem die Wirtschaftspolitiker auch die den Fremden¬ 
verkehr belebenden Faktoren als wertschaffende Mo¬ 
mente anzusehen gewillt sind. Vorher war für die 
Beurteilung der wirtschaftlichen Bedeutung eines Landes 
lediglich der Umstand maßgebend, ob der Grund und 
Boden einen landwirt¬ 
schaftlichen Ertrag lie¬ 
fert, ob Bergbau, In¬ 
dustrie und Handel ein 
reichlichesEinkommen 
schaffen.Daß aber auch 
„abstrakte" wirtschaft¬ 
liche Werte geschaffen 
werden können, die für 
manche Gebiete ge¬ 
radezu von ausschlag¬ 
gebender Bedeutung 
sind, wurde vielfach 
nicht anerkannt. Ein 
wirtschaftliches Gut 
mußte eben gefühlt 
und gesehen werden 
können. Und doch hätten die tatsächlichen Verhält¬ 
nisse anders lehren müssen. Schon im Altertum gab 
es Orte, die infolge ihrer klimatischen Vorzüge, durch 
das Vorhandensein heilsamer Quellen und durch be¬ 
sondere Naturschönheiten das Reiseziel vieler kranker 
und erholungsbedürftiger Personen waren. Im alten 
Griechenland und Rom waren die Badereisen keine Un¬ 


wesens prägnant in die Erscheinung. Denn erst mit 
der Verbilligung der Reisemöglichkeiten konnte der 
Bade-, Erholungs- und Reiseverkehr einsetzen, wie er 
sich heute in so bedeutendem Maße vor unseren Augen 
abspielt. Ein Blick nach unseren deutschen Badeorten, 
nach der Schweiz, nach Italien beweist zur Genüge, daß 

Klima, Schönheit und 
Kunst wertschaffende 
Momente in der Form 
derBelebung desReise- 
verkehrs von nicht zu 
unterschätzender Be¬ 
deutung sind. Viele 
Hunderte Millionen 
Mark werden jährlich 
in Deutschlands Kur- 
und Badeorten umge¬ 
setzt, Summen, welche 
lediglich als Einkünfte 
aus der Fremdenver¬ 
kehrsindustrie als die 
Werte schaffende Ur¬ 
sache anzusehen sind. 
So können demnach Gebiete, die vom Standpunkte der 
Landwirtschaft, der Industrie und des Handels als arm zu 
bezeichnen sind, reich sein, wenn sie durch Vorzüge der 
Natur den Fremdenverkehr anzuziehen vermögen. 

Die deutsche Nordsee, arm an Bodenschätzen, 
an Industrie und Handel, und doch so reich! Reich, weil 
sie so unendlich viel Gaben besitzt. Kranke und Erholungs- 



Liegehallen der Nordsee-Kuranstalten Föhr-Südstrand 



Borkum: Obere und untere Promenade mit Wandelhallen 


gewöhnliche Erscheinung, freilich konnten nur reiche 
Leute sich diesen immerhin nicht geringen Luxus 
gestatten. 

Daß Klima, Naturschönheiten und heilwirkende 
Wässer wirtschaftlich von großer Bedeutung sein können, 
trat erst mit der Entwicklung des modernen Verkehrs- 


bedürflige zu kraftvollen Menschengestalten zu bilden. 
Die alten Friesen, sie waren ehedem kühne See¬ 
fahrer, Walfischfänger, Handwerker zur See, weil ihr 
Boden nicht reich genug war, das zum Leben Nötige 
hervorzubringen. Und heute? Wenn auch viele noch 
nach alter Ueberlieferung übers Meer gehen, nach der 

















382 DEUTSCHLAND Nr. 8 




Neuen Welt, um drüben einer glückverheißenden Zukunft 
entgegenzugehen, so sind doch viele schon boden¬ 
ständig geworden. Mag es sein, daß sie es unbehaglich 
empfanden, daß, wie oft der Fall, die Frau im wohl¬ 
geborgenen Friesenhaus dem Gatten nur in Gedanken 
nahe sein kann, der Mann fern vom eigenen Heim, 
meist ungekannt von den Kindern, sein Brot in der 
Fremde verdient. Gewiß, ganz ohne Einfluß mögen 
diese Umstände nicht gewesen sein, aber das bewegende 
Element war die Umgestaltung in den Erwerbsverhält¬ 
nissen. Die ehemaligen Seefahrer sind Industrielle 
geworden. Ja, eine richtiggehende Industrie hat sich 
auf der Nordsee entwickelt. 

Es ist noch nicht so lange her, da kannte man 
noch nicht das allgemeine Bedürfnis, den Körper 
einmal im Jahr in die Reparaturwerkstätte zu schicken, 
ihn aufzufrischen für neue Arbeit und Taten. Es war 
nicht nötig; denn früher, als keine Großstädte Lärm, 
Nervosität und Straßenstaub entwickelten, wo noch nicht 
der hastende, das heutige Leben beherrschende Geist 
die Gemüter unbehaglich aufrüttelte, da war auch das 
Bedürfnis nach einer körperlichen Erholung recht gering. 
Aber heute, wo Großstadt an Großstadt sich reiht, wo 
Fabrikschlote fast in ununterbrochener Reihe die Lande 
durchqueren, da bedarf der Körper einer periodischen 
Auffrischung dort, wo Licht, Luft und Wasser ihre 
heilsamen Kräfte in reichlichem Maße spenden. 

Und wo wäre das mehr als am Meer! Diese Natur¬ 
kräfte, sie sind die Maschinen, mit deren Hilfe die Ver¬ 
edelung am menschlichen Körper vorgenommen wird. 

Und so ist die Fremdenindustrie auch eingezogen 
auf der deutschen Nordsee, weil gerade hier wie kaum 
an einem zweiten Ort die naturheilwirkenden Bedin¬ 
gungen in so überaus reichem Maße vorhanden sind. 


Helgoland, von der Düne aus gesehen 

Die deutsche Nordsee, sie vermag mehr zu geben, 
als meist bekannt. Sie bedeutet in ihrer Eigenschaft 
als Riesenheilanstalt für Erholungsbedürftige einen der 
kostbarsten nationalen Schätze. Und diese Bedeutung 
muß der Staat zu würdigen wissen; denn in der Heran¬ 
ziehung gesunder Staatsbürger leistet das Meer unbe¬ 


zahlbare Dienste. Wenn manchmal der Binnenländer 
es scheut, nicht nur während der Sommerzeit seinen 
Aufenthalt an der Nordsee zu nehmen, dann trägt der 
Name „Nordsee", der vielfach falsche Begriffe auslöst, 
die Schuld. Westsee müßte sie heißen analog der Be¬ 
zeichnung Ostsee für die östlich von Schleswig-Holstein 
gelegenen Gewässer. Und daß dies der richtige Aus¬ 
druck wäre, beweist, daß schon vor etlichen Jahrzehnten 


Trudi 

die Westsee der allgemeine Ausdruck war. Nordsee 
wird so leicht zum nordischen, kalten Meer gestempelt, 
und dem ist nicht so. Die Nordsee hat unter dem Ein¬ 
flüsse des Golfstromes, der die Wärme aus der äqua¬ 
torialen Gegend mit sich führt, und auf Grund der 
Eigenschaft des Meeres als großer Wärme-Regulator 
viel gleichmäßigere Temperaturen als das Binnenland. 
Im Sommer ist es hier durchweg bedeutend kühler und 
im Winter unvergleichlich wärmer 
als im Binnenland. DieNordsee- 
inseln sind im Winter die 
wärmsten Orte Deutschlands. 

Die „Westsee" ist daher hervor¬ 
ragend zu H e r b s t - u n d W i n t e r- 
kuren geeignet. — Die Bedeutung 
der Nordsee für den Erholungs¬ 
aufenthalt spiegelt sich am besten 
in den Besuchsziffern wider. Nach 
der am Schlüsse des Artikels folgen¬ 
den Verkehrsstatistik hat die Zahl 
der Besucher sich in den letzten 
zehn Jahren nahezu verdoppelt. 
Wohl der beste Beweis, wie sehr die 
Erkenntnis von der Heilkraft der See 
in immer weitere Kreise dringt. Und 
wenn die wirtschaftliche Bedeutung 
der Nordsee-Fremdenindustrie an 
dem erzielten Umsätze gemessen 
werden soll, ergeben sich folgende 
Zahlen bei einemdurchschnittlichen 
Aufenthalt von 21 Tagen und einer täglichen Ausgabe von 
10 Mark: Aufenthaltstage Umsatz in Mark 

1900 .... 2223963 22239630 

1905 .... 3318630 33186300 

1910 .... 4051614 40516140 

Die Ziffern sind aber in der Wirklichkeit sicher noch 
















Nr. 8 DEUTSCHLAND 383 




größer, da einmal eine Reihe kleinerer Bäder unberück¬ 
sichtigt blieben und dann auch die durchschnittliche 
Aufenthaltsdauer sehr gering angenommen wurde. 

In einem Halbkreis gelagert, von der Grenze Hollands 
bis zu Dänemarks Gestaden, bevölkern die deutschen 
Nordseebäder das Meer. Getrennt durch die Mündung 
der Elbe, bilden sie zwei Wirtschaftsgebiete, von denen 
ein jedes infolge der Lage zum Hinterland 
und der dahin führenden Eisenbahnlinien 
sein eigenes Verkehrsgebiet besitzt. 

Die ostfriesischen Bäder Borkum, 

Juist, Norderney, Langeoog, Spie¬ 
keroog, Wangerooge und Cux¬ 
haven bilden die Reiseziele mehr 
aus Hannover, Oldenburg,Rhein¬ 
land und Westfalen, während die 
nordfriesischen Bäder Büsum, 
Amrum,Wyk,Föhr-Südstrand und 
Sylt von Kurgästen aus Schleswig- 
Holstein, Hamburg, Brandenburg 
und den benachbarten Gebieten 
hauptsächlich besucht werden. Zwar 
greifen diese beiden Verkehrsgebiete 
infolge der verbesserten Verkehrsverhält 
nisse und insbesondere auf Grund der von 
den deutschen Großreedereien betriebenen 
Nordseelinien allmählich ineinander über, aber sie bilden 
doch immerhin heute noch für die Beurteilung des Be¬ 
sucherkontingents der Nordseebäder die Richtlinie. 

Was vor allem die Nordsee so wertvoll für den 
Erholungsaufenthalt macht, das ist die große Ver¬ 
schiedenartigkeit unter den Bädern. Jedes besitzt seine 
besonderen Vorzüge, seinen eigenen Reiz. Die ost¬ 
friesischen Inseln zeichnen sich durch frische Wiesen 
und Weiden aus. 

NichtmitUnrecht . _ 

bezeichnet des¬ 
halb Borkum sich 
als die „grüne 
Insel". Die nord¬ 
friesischen Inseln 
sehen ihren Stolz 
in den herrlichen 
Dünen, die Ge¬ 
birgszügen gleich 
die Inseln be¬ 
grenzen. Wer sich 
nach Unterhal¬ 
tung und Amüse¬ 
ment sehnt, wird 
Borkum, Norder¬ 
ney oder Wester¬ 
land bevorzugen, 
wer still und un¬ 
gestört von Tages 
Last und Sorgen 
sich erholen will, 
dem wird haupt¬ 
sächlich Juist, 

Wangerooge mit 
seinenSchwester- 
Inseln, Amrum 


oder Föhr das willkommene Reiseziel sein. Wer die 
tosende Brandung liebt, der wird auf Sylt sein Meeres¬ 
sehnen stillen, und wer die Vorzüge der ruhigeren See 
zu schätzen weiß, der wird am Wattenmeer auf Föhr 
seine Zelte bauen. 

Soll die Nordsee eine Gesundungsstation sein, dann 
muß auch der Tätigkeit des Arztes ein weites Arbeitsfeld 
eingeräumt werden; denn jede Kur kann nur 
dann von dauernder Wirkung sein, wenn 
sie sich unter ärztlicher Leitung voll¬ 
zieht, die unrichtige Anwendungen 
unter Berücksichtigung der indivi¬ 
duellen Veranlagungen vermeidet. 
Mit der Nordseekur ist der Name 
eines Mannes verknüpft, der zu 
den Begründern und den tat¬ 
kräftigsten Förderern der Meeres¬ 
heilkunde zu rechnen ist. Der 
Arzt Karl Gottfried Gmeli n, ein 
geborener Württemberger, hat das 
große Verdienst, in jahrelanger 
Arbeit den Beweis für die hervor¬ 
ragenden Erfolge der Nordseekur an 
erster Stelle erbracht zu haben. Seiner 
Arbeit nicht zuletzt sind die steigenden Be- 
süchsziffern zu danken, seiner ärztlichen Tätig¬ 
keit, daß die Nordsee als Jungbrunnen zum Gemeingut 
der Nation geworden ist. Mit der zähen Energie, die 
den Schwaben eigen ist, hat er seine Ideen auch als 
Unternehmer verwirklicht. Unter seiner Leitung ist am 
Südstrande von Föhr eine Gartenstadt, ein neues Seebad 
erstanden. Wo vor 13 Jahren weder Strauch noch Haus 
stand, da blicken heute freundliche Häuser drein, um¬ 
geben von Gärten und Wald. Inmitten dieser Kolonie 


Westerland 


Gehöft in Westerland 





384 DEUTSCHLAND Nr. 8 


liegt ein großes Sanatorium, das mit den dazugehörigen 
Villen und Blockhäusern Hunderten von Erholungs¬ 
bedürftigen Aufnahme gewährt. Da das Nordseeklima 
vor allem die Entwicklungsjahre des Menschen günstig 
zu beeinflussen imstande ist, sind daselbst für Kinder 
besonders ausgedehnte Einrichtungen vorgesehen. Um 
es denselben gleichzeitig zu ermöglichen, neben der Kur 
dem Schulunterricht obzuliegen, wurde das Nordsee- 
Pädagogium geschaffen, an dem außer einem Professor 
von Ruf 16 Oberlehrer die Erziehungstätigkeit ausüben. 
Daß Gmelin für seine Gründungen gerade Föhr auser¬ 
wählte, hat seine guten Gründe. Keine andere Insel 
besitzt ein derartig mildes Klima, das eine reiche Vege¬ 
tation erstehen ließ. Sie wird deshalb nicht mit Unrecht 
die deutsche Insel Wight und die Riviera der Nordsee 
genannt. Selbst im Winter 
blühen die Rosen. Nicht 
der Hochsommer, sondern 
Frühjahr und Herbst bieten 
die schönsten Tage, und 
die Wintermonate sind 
meist so warm, daß das 
Liegen im Freien ermög¬ 
licht wird. Infolgedessen 
ist der Betrieb das ganze 
Jahrhindurch geöffnet,und 
die Winterkuren gewinnen 
von Jahr zu Jahr neue 
Freunde in großer Zahl. 

Wie aber jede für den 
Fremdenverkehr geeignete 
Gegend von den zu ihr 
führenden Verkehrswegen 
abhängig ist, so sind auch 
die Nordseebäder begreiflicherweise in ihren Lebens¬ 
bedingungen festgekettet an Eisenbahn- und Schiffahrts¬ 
linien. Schienenstränge führen nach allen Ueberfahrts 
plätzen. Im Sommer verkehren direkte Badezüge, und 
auch im Winter läßt sich die Reise ohne jegliche Be¬ 
schwerden ausführen, da mehrere Schnellzüge im Tage 
die Verbindung mit den Küstenplätzen aufrecht erhalten. 

Den Seeverkehr von Hamburg und Bremen aus 
beherrschen Hamburg-Amerika Linie und Norddeutscher 
Lloyd. Beide Großreedereien haben in richtiger Er¬ 
kenntnis von der hervorragenden Bedeutung der Nord¬ 
see frühzeitig den Seebäderdienst aufgenommen und 
damit die deutschen Nordseebäder, aber auch die ganze 
Nation zu großem Danke verpflichtet. Unterstützt werden 
die Großreedereien durch die Wattdampfschiffahrts¬ 
gesellschaften, die auf den von den Großreedereien 


nicht befahrenen Strecken den Verkehr aufrecht erhalten. 
Die Aktiengesellschaft „Ems" stellt die Verbindung des 
Festlands mit Borkum und Norderney her, die Reederei 
Esens—Langeoog verbindet die in ihrer Firma ent¬ 
haltenen Orte; die Sylter Dampfschiffahrtsgesellschaft 
hält den Verkehr der Insel Sylt mit der Festlandsstation 
Hoyerschleuse aufrecht, und die Wyker Dampfschiff¬ 
reederei verbindet Föhr und Amrum mit dem Festland 
und seit kurzem direkt Sylt mit Föhr im Anschluß an die 
Dampfer der Hamburg-Amerika Linie mit Hilfe des Motor¬ 
schiffes „Albert Ballin". Dieses Schiff, das mit Bolinder- 
Rohöl-Motoren ausgestattet ist, bedeutet für die Nordsee¬ 
fahrt einen außergewöhnlichen Fortschritt. Die Schiffs¬ 
verbindungen zwischen dem Festland und den Inseln sind 
nicht feststehende, jeden Tag zur selben Stunde ausführ¬ 
bare, sondern sie wechseln 
beinahe täglich, weil in¬ 
folge der unregelmäßig ein¬ 
setzenden Flut und Ebbe 
auch der Wasserstand, der 
für die Schiffahrt ma߬ 
gebend, ein verschiedener 
ist. Da das Motorschiff 
jedoch nur einen Tiefgang 
von etwa 60 Zentimeter 
besitzt, kann es fast immer 
unabhängig von Flut und 
Ebbe verkehren. Seine 
Einstellung bedeutet den 
Uebergang zur regelmäßi¬ 
gen Linienfahrt im Watten¬ 
meer, und es ist zu hoffen, 
daß dieser technische Fort¬ 
schritt bald in größerem 
Maße Verwertung findet. — Sind so alle Voraussetzungen 
gegeben, die für einen angenehmen Aufenthalt und für 
gute Verbindungen bedingt werden, so bedarf es nur 
noch der stets weiteren Verbreitung von der Heilkraft 
der Nordsee, damit sie alle, die müd und abgespannt, 
wissen, daß der Nordseestrand ihnen Gesundung ver¬ 
spricht. Sie sollen aber auch wissen, daß Herbst und 
Winter gleich der übrigen Zeit für die Nordseekur 
geeignet. Und damit ist vielen Kreisen, die während 
des Sommers an die Arbeit gebunden, ein Dienst 
erwiesen. Deutscher! Denke aber auch daran, daß 
Deine Mitbürger auf den Inseln keine Kosten gescheut 
haben. Dir den Aufenthalt so bequem wie möglich zu 
gestalten, damit Du in der Lage bist, neue Kräfte an 
der See zu sammeln; denke daran und zeige Deinen 
Dank: Geh' an das deutsche Meer! 



Dr. Gmelins Sanatorium a. Föhr: Pädagogium 


Verkehrs-Statistik. 


Jahr 

Borkum 

Juist 

Norder¬ 

ney 

Langeoog 

Spieke¬ 

roog 

Wange¬ 

rooge 

Helgo¬ 

land 

Cux¬ 

haven 

Büsum 

Amrum 

Föhr 

Wyk und 
Südstrand 

Sylt 

Summe 

1900 

16 474 

3 451 

25 927 

3 528 

1337 

3 545 

18 763 

10 260 

2156 

ca. 2000 

4 823 

13 639 

105 903 

1905 

20439 

5 001 

37 874 

4 890 

1783 

7 706 

26707 

20033 

3 252 

ca. 2300 

5 893 

22152 

158030 

1910 

26386 

7 003 

42 590 

5 361 

1880 

13 813 

31 856 

23100 

5 298 

2675 

6788 

26184 

192 934 





































Sturm- und Spring-Flut am Nordstrande von Juist 






















































386 DEUTSCHLAND Nr. 8 


Nordseebad Juist 


lieber den großen sanitären Wert der Seebäder ist 
man sich heute allgemein klar. Der vom Hasten und 
Jagen des modernen Erwerbs- und Berufslebens mit¬ 
genommene Großstädter weiß, daß er an der Meeres¬ 
küste die erwünschte Erholung findet, daß sich in der 


reinen Seeluft, in dem ausgezeichneten Klima seine 
abgespannten und überreizten Nerven am ehesten wieder 
stärken, er weiß, daß dort seine frühere Leistungs¬ 
fähigkeit wieder zurückkehren wird, die ihn befähigt, 
den schweren Kampf ums Dasein neuerdings und mit 
größerem Erfolg aufzunehmen. Diese Erkenntnis hat 


sich immer mehr Bahn gebrochen, und nach den neuesten 
Forschungen, namentlich nach den umfassenden Unter¬ 
suchungen, die im Sommer 1909 durch die Professoren 
Dr. A. Loewy, Dr. Franz Müller, Dr. W. Cronheim und 
Dr. A. Bornstein*) in großem Maßstabe an der Nord¬ 
see angestellt worden sind, hat sich 
der große Einfluß gezeigt, den See¬ 
klima und Seebäder auf den mensch¬ 
lichen Organismus ausüben, und wie 
durch diese beiden Faktoren der 
ganze Organismus angeregt, be¬ 
lebt und regeneriert wird. Deshalb 
nimmt auch von Jahr zu Jahr der 
Besuch der Seebäder und nament¬ 
lich der Nordseebäder zu, bei denen 
im Vergleich zu anderen Bädern viel 
intensiver diese beiden Heilfaktoren 
ihre Wirkung äußern, und von diesen 
wiederum haben besonderen Vor¬ 
zug diejenigen Bäder, die ihrer Lage 
nach diese Wirkungen gehörig zur 
Geltung kommen lassen. 

In dieser Beziehung verdient 
ganz besonders das Nordseebad 
Juist hervorgehoben zu werden; 
denn die Insel Juist, auf der der 
Badeort gleichen Namens liegt, be¬ 
findet sich in der glücklichen Lage, weitab vom Fest¬ 
lande zu liegen (30 km) und bei der nicht unbeträcht¬ 
lichen Längenausdehnung von 17 km nur eine Breite 
von 500—700 m aufzuweisen. 

*) Einflufz des Seeklimas und der Seebäder auf den Menschen von 
Prof. Dr. A. Loewy, Berlin. Verlag von A. Hirschwald. 



Langeoog: Blick vom Kurhaus Hotel Falke auf den Strand 



Nordseestrand von Juist 

































Nr. 8 DEUTSCHLAND 387 


Infolgedessen zeigt Juist 
auf das deutlichste den Cha¬ 
rakter des Seeklimas. Die 
Luft ist rein und milde, wirkt 
belebend und erfrischend. 

Das Klima ist nicht plötz¬ 
lichen Temperatur-Schwan¬ 
kungen unterworfen. Fast 
gleichmäßig bleibt die Tem¬ 
peratur, und weder macht 
sich eine drückende Schwüle, 
wie so oft auf dem Fest¬ 
lande, unangenehm bemerk¬ 
bar, noch sind die Abende 
und Nächte kalt. 

Hervorzuheben sind in 
Juist die schönen Dünen¬ 
partien, die zu lohnenden 
Spaziergängen einladen, die 
eigenartige Flora, die Ge¬ 
legenheit zu Bootfahrten so¬ 
wie die Jagd auf Seehunde, 
die auf den Sandbänken im 
Wattenmeer sich aufhalten. 

Hervorzuheben ist ferner der 
herrliche Strand. Derselbe 
ist in seiner ganzen Aus¬ 
dehnung gut zu begehen, 
fest, feinsandig und frei von 
spitzen Steinen, dabei jedoch 
so durchlässig, daß er gleich 
nach zurückgetretener Flut wieder gangbar ist. Aus 
diesem Grunde können auf dem Strande, wo sich 
immer ein frohes, bewegtes Leben abspielt, und im 
Schutze der malerischen, hohen, steilen und mannigfaltig 
gestalteten Dünenketten interessante Fußwanderungen 
und Wagenfahrten unternommen werden, wie sich auch 


Gelegenheit zu Spielen der 
verschiedensten Art bietet. 
Zur Ebbezeit sieht man Herren 
und Damen Tennis, Croquet 
und andere Bewegungsspiele 
auf dem durch die Flut ge¬ 
härteten Strande spielen, 
radeln, reiten oder fischen, 
die Kinder dagegen finden 
Lust daran, aus dem feinen 
Sande Dämme aufzuwerfen, 
an denen die Wellen ihre 
zerstörende Kraft hinlänglich 
beweisen. 

Außer zu Seebädern ist auch 
zu Luft- und Sonnenbädern 
Gelegenheit geboten. Neben 
dem getrennten Herren- und 
Damenbad ist ein Familien¬ 
bad eingerichtet, um den 
Eltern Gelegenheit zu geben, 
mit den Kindern gemein¬ 
schaftlichzubaden. Daß diese 
Einrichtung sehr viel Anklang 
gefunden hat, beweist ent¬ 
schieden der Umstand, daß 
gerade das Familienbad im 
Vergleich zu dem getrennten 
Herren- und Damenbad an 
Frequenz unverhältnismäßig 
stark zugenommen hat. Von 
sonstigen Einrichtungen des Nordseebades Juist ver¬ 
dienen die vorzüglich eingerichtete Warmbadeanstalt, 
eine Wasserleitung, die den Ort mit tadellosem Trink¬ 
wasser versorgt, Beachtung. Mit diesen Anlagen ent¬ 
spricht Juist allen Anforderungen, die an Kur- und 
Badeorte ersten Ranges gestellt zu werden pflegen. Für 


Langeoog; Kurhaus Hotel Falke 




Altes Insulanerhaus im Nordseebade Juist 




























388 DEUTSCHLAND Nr. 8 


Unterkunft und Verpflegung sorgen mehrere Hotels, Pen¬ 
sionen, sowie zahlreiche Privatwohnungen. Ein Prospekt, 
der von der Badeverwaltung bereitwilligst und kostenlos 
auf Anfordern eingesandt wird, gibt in dieser Beziehung 
ausführliche Auskunft und ermöglicht es, daß ein jeder, 
der die Absicht hat, Juist zu besuchen, schon daheim 
an der Hand des Wohnungsverzeichnisses und des Lage¬ 
planes sich eine Woh¬ 
nung wählen und mit 
den Vermietern in Ver¬ 
bindung treten kann. 

Das Nordseebad Juist 
genießt als ruhiges, 
ländliches Bad, das 
seinen einfachen deut¬ 
schen Charakter be¬ 
wahrt hat, einen Welt¬ 
ruf und wird dasselbe 
durchweg von einem 
vornehmen, guten Badepublikum besucht, das der Mehr¬ 
zahl nach aus alten Stammgästen sich zusammensetzt. 

Die Verbindung von Juist mit dem Festlande, die 
bisher infolge einiger Untiefen, die im Wattenmeer 
passiert werden müssen, nur zur Zeit der Flut und bei 
täglich wechselnden Fahrzeiten möglich war, hat eine 
wesentliche Verbesserung erfahren durch die Neu¬ 


einführung der Dampferlinie Emden (Außen¬ 
hafen)— Juist, die, unabhängig von der Flut, die 
Fahrten nach regelmäßigem Fahrplan ausführen kann. 

Diese und die seit Jahren bestehende direkte und 
kürzeste Dampferlinie zwischen Norddeich und Juist 
sorgen für eine schnelle Ueberfahrt. Ohne Zweifel 
wird diese Neuerung dem Badeorte neue Freunde 

erwerben und von den 
alten mit Freuden be¬ 
grüßt werden, denn 
wer Je auf hoher Düne 
in Juist die Sonne 
in das rotglühende 
und schäumende Meer 
untersinken sah, dem 
wird Juist unvergeßlich 
bleiben. Wer es vor¬ 
ziehen sollte, mit der 
Fahrt nach oder von 
Juist aus entweder mit der Hin- oder Rückfahrt eine 
lange Seereise zu verbinden, um Helgoland und die 
beiden Welthandelshäfen Hamburg und Bremen oder 
den Kriegshafen Wilhelmshaven kennen zu lernen, dem 
ist durch die Linie des Norddeutschen Lloyd 
oder der Hambu rg-Amerika Linie mit deren Salon¬ 
dampfern erwünschte Gelegenheit geboten. 



Strand-Hotel Kurhaus Nordseebad Juist 


Sol- und AVoorbad Bernburg*, 


Erst seit dem Sommer 1Q02 ist die an der Saale 
grünem Strande gelegene, vom Herzoglichen Schloß 
überragte Stadt Bernburg in die Reihe der Solbäder 
eingetreten, doch hat sie sich seitdem nicht nur als 
Solbad behauptet, sondern auch eine der ersten, ja 
der allerersten Stellen einzunehmen gewußt. Denn 
wie aus den vergleichenden Analysen hervorgeht, außer¬ 
dem aber auch von vielen Patienten und Aerzten bezeugt 
wird, steht die Bernburger Sole nicht nur an Salzgehalt, 
sondern auch an Heilkraft mit an allererster Stelle, so 
daß es kein Wunder zu nennen ist, wenn sich das 
Solbad in glänzender Weise weiterentwickelt. 

Die Badeanlage hat inzwischen eine große Erweite¬ 
rung erfahren, da der rege Verkehr die Neueinrichtung 
einer Anzahl von Sol- und Moorbadezellen und eines 
elektrischen Lichtbades notwendig machte. Im Bade¬ 


hause kommen zur Verabreichung: Wasserbäder, Brause¬ 
bäder in allen Formen, Solbäder, Malzbäder, Fichten¬ 
nadelbäder, Kohlensäurebäder, kohlensaure Bäder, 
Dampf- und Heißluftbäder, elektrische Lichtbäder und 
Moorbäder, außerdem aber auch Inhalationen von Sole 
oder sonst verordneten Medikamenten. 

Das eigentliche Solbadehaus besitzt eine Reihe von 
Wannen- und Brausebädern, und zwar sind die Zellen 
auf das vornehmste eingerichtet und mit elektrischer 
Beleuchtung und Dampfheizung versehen, im übrigen 
aber entspricht die ganze Einrichtung in jeder Hinsicht 
allen Anforderungen der Hygiene und des Komforts. 
Näheres über die Einrichtung, über Kurmittel und Heil¬ 
anzeigen enthält der Bade-Prospekt, den die städtische 
Kurverwaltung Interessenten bereitwilligst und kostenlos 
zusendet. An dieser Stelle sei jedoch noch erwähnt. 



Bernburg: Städtisches Kurhaus 


Bernburg: Villenviertel für Kurgäste, gegenüber dem Kurhaus 
























Nr. 8 DEUTSCHLAND 389 


daß das Sol- und Moorbad Bernburg während des ganzen 
Jahres — also auch im Winter — geöffnet und jetzt 
besonders von Gicht- und Rheumatismuskranken lebhaft 
besucht ist, die hier sämtlich wesentliche Besserung, 
in vielen Fällen auch gänzliche Genesung finden. 

Bernburg ist eine schöne, auch landschaftlich reizend 
gelegene Stadt mit sauberen, fast durchweg mit hoch¬ 
gewachsenen Bäumen gezierten Straßen, großen Plätzen, 
herrlichen Anlagen und zahlreichen in geschmackvollem 


Villenstile gebauten Häusern. Die Lebensverhältnisse 
sind billig, so daß sich Bernburg besonders auch für 
dauernden Aufenthalt und Ansiedlung eignet. Kurgäste 
finden zum Teil Unterkunft im Kurhause selbst, dessen 
Logierzimmer mit ausgesuchtem Geschmack ausge¬ 
stattet sind, außerdem aber ist für sonstige Unter¬ 
kunftsgelegenheiten bestens gesorgt, wie auch an 
Unterhaltung, reizenden Spaziergängen und Ausflügen 
kein Mangel ist. Eine Kurtaxe wird nicht erhoben. 


(Nachdruck verboten.) 


Die Lüneburger Heide. 


Ein Gesamtbild von Albert Schmidt, Hamburg. — Mit Aufnahmen vom Naturschutzpark*) in der Lüneburger Heide. 


Durch dreierlei zeichnet sich die Lüneburger Heide aus: 
erstens durch eine Reihe springlebendiger Flüßchen, zweitens 
durch unendlich große Strecken Waldes und drittens durch 
die unermeßlich schöne Heide selbst. Zwischen allem aber 
haben sich noch lebenslustige und von blühender Gesundheit 
strotzende Städte und Dörfer ausgebreitet und der ganzen 
Gegend mit zu Dutzenden von farbenfrohen Bildern verhelfen. 
Nirgends haben diese sich auch eindrucksvoller entwickeln 
können. Keine Großstadt, kein weitmaschiges Eisenbahnnetz, 
keine übermäßig große 
Industrie hat bis auf den 
heutigen Tag das Idyll 
zerstören können, das wir 
in der Heide besitzen. 

Was uns Nord¬ 
deutschen die Heide vor 
allem sehr angenehm 
macht, das sind ihre Wal¬ 
dungen, die sich anmutig 
durch sie hinziehen und 
stets zu freundlicher Ein¬ 
kehr laden. Wir stoßen 
in der Nähe von Ham¬ 
burg zuerst auf die Haake 
und Emme, die eine zu¬ 
sammenhängende Wal¬ 
dung bilden. Sie gehören 
zum Forstrevier „Die 
schwarzen Berge" und 
leiten, wie auch bekannt 
sein wird, ohne Unterbrechung zum Rosengarten über. Man 
kann also, wenn man in Hausbruch den Bahnhof verlassen hat 
und dann zur Höhe des Bergpavillons hinaufgestiegen ist, ohne 
den Fuß aus dem Walde heraussetzen zu brauchen, stunden¬ 
lang, ja tagelang im Walde herumspazieren und sich des 
längeren an einem schönen Buchen- und Eichenbestande 
ergötzen. Weiter bietet sich vom Höhenzuge hier und da 
Gelegenheit, interessante Ausblicke zu halten auf das vor¬ 
liegende platte Land und auf das jenseitige Elbufer. An 
interessanten Punkten bieten Haake und Emme u. a.: den 
Reiher Berg, die majestätische Aussicht, den Vereinsweg, 
den Kaiserstuhl und die dicke Buche. 

Der Forst Rosengarten, der in seiner Art wohl der Haake 
und Emme gleicht, sonst aber durch seinen herrlichen Wald¬ 
bestand imponiert, birgt an Sehenswürdigkeiten den rühmlichst 
bekannten Karlstein und die Karlsquelle. 

Während in der Haake, Emme und im Rosengarten an 
der Hand verschiedener Wegweiser auch die ortsunkundigen 
Wanderer größere oder kleinere Ausflüge unternehmen können, 
ist der an den Rosengarten grenzende Stuvenwald (wenn man 


nicht die den ganzen Wald der Länge nach durchquerende 
Hauptschneise benutzen will) schon schwieriger zu bewundern. 

Je weiter man sich nun in die Heide verliert, desto 
prächtiger werden die Waldungen. Und desto massiger hebt 
sich auch der Komplex von der Gegend ab. Aber trotz des 
Massigen machen sich nirgends reizlose und uninteressante 
Partien bemerkbar. Ueberall, wohin man nur zu schauen vermag 
wird das Auge grenzenlos gefesselt durch die Eigenarten der 
Gegend. So bietet — um nur zwei vollwertige Beispiele aus 

der Menge der vorzüg¬ 
lichen Aussichtspunkte 
der näheren Umgegend 
zu nennen — der Flidder- 
berg in den Lohbergen 
und der Brunsberg in der 
Suerhopheide weite Aus¬ 
sicht auf die umliegende 
Landschaft, namentlich 
aber gewinnt man bereits 
dort Bilder von cha¬ 
rakteristischen Heide¬ 
flächen. Bevor nun der 
Fuß die eigentliche Lüne¬ 
burger Heide berührt, 
stößt er noch auf eine 
Anzahl kleinerer Wal¬ 
dungen, wie den Sünder, 
den Kleckerwald, den 
Buchwedel und die Loh¬ 
berge. Alle vier tragen 
einen klangvollen Namen und sind in hiesigen Wanderkreisen 
als Ausflugsorte sehr beliebt. Der Sünder und die Lohberge 
sind sehr bergig. Sie bieten dadurch viel des Sehenswerten. 
Täler und Höhen, dazwischen Schluchten, wechseln beständig. 
Und zu alledem bieten die Lohberge an der Westseite noch 
einen Hochwald, wie er schöner und romantischer selbst nicht im 
Gebirge auftreten kann, und ein Wässerchen, den Büsenbach, 
wie es meines Erachtens reizvoller in der ganzen Lüneburger 
Heide nicht wieder auftritt. Der Kleckerwald, der, was Wald¬ 
schönheit anbelangt, bei weitem nicht an den Sünder und die 
Lohberge heranreicht, ist zwar auch hoch gelegen, doch tritt 
die hohe Lage weniger scharf hervor. Dem aufmerksamen Be¬ 
obachter wird es auffallen, daß an einigen Stellen das Terrain 
nach der Seite zu gering abfällt und so leichte Abhänge gebildet 
werden, die an den Ufern der Seeve enden. In dem Baum¬ 
bestände des Kleckerwaldes ist das Nadelholz vorherrschend, 
doch treten hier und da auch herrliche Buchen mit in den 
Vordergrund des Interesses. Den Hauptanziehungspunkt des 
Kleckerwaldes bilden natürlich die Hünengräber. Das dort- 
selbst sich im Jagen 22 befindende größere Hünengrab ist 


rv • 



Lüneburger Heide: Wilsede 


•) Die schönsten Teile der urwüchsigen Lüneburger Heide sind bekanntlich durch die Initiative des Vereins Naturschutzpark in Stuttgart, 
Pfizerstralze 5, ferner durch die reichlich zur Veriügung gestellten Mittel der preufzischen Regierung, der Stadt Hamburg usw., sowie durch 
die Unterstützung verschiedener Privatpersonen dadurch vor dem Untergang gerettet worden, dalz man sie zum ersten Naturschutzpark in 
Deutschland auserwählte. Wer dieses großzügige Werk noch unterstützen möchte, der wende sich mit Anfragen umgehend an obigen verein. 




390 DEUTSCHLAND Nr. 8 



das älteste seiner 
Art und jetzt wohl 
annähernd 4000 
Jahre alt. Es be¬ 
steht heute noch 
aus 7 3 erratischen 
Blöcken, die einen 
mächtigen etwa 
40 Meter langen 
Steinkreis bilden. 

Zwei geöffnete 
Grab Kammern 
sind es nament** 
lieh, die dem Be¬ 
sucher sofort in 
die Augen fallen 
und ein beredtes 
Zeugnis ablegen 
für vorgeschicht¬ 
liche Begräbnisse 
mächtigerFürsten. 

Das zweiteHünen- 
grab findet sich 
im Jagen 13 vor. 

Auch hier wird es 
durch einen Kreis 
von Granitblöcken 
gebildet; jedoch 
steht es an Schön¬ 
heit und Größe 
weit hinter jenem 
zurück. 

Der Buchwedel 
in der Nähe von 
Stelle, ungefähr 
250 Hektar groß, 
zeichnet sich auf 
seinem Höhen - 
rücken durch einen 
mächtigenBestand 
an schönen hoch- 
stämmigenBuchen 
aus, während die 
sanften Abhänge 
von Föhren geziert 
werden. Sonst ist 
der Buchwedel weniger berühmt. Sein Nachbar, der Forst 
Pattensener Dieke, drei Kilometer südlicher gelegen, der aber 
in einem Atemzuge mit dem Buchwedel genannt werden darf, 
macht durch eine große und sehenswerte Reiherkolonie sehr 
viel von sich reden. Auf Wälder von sehr großem Umfange 
stoßen wir dann noch zwischen den Bahnkörpern Lüneburg — 
Buchholz und Uelzen — Soltau. Wer die Waldpracht der Lüne¬ 
burger Heide nicht kennt, der wird sicher über sie erstaunt 
sein. Beispiele markanter Art bieten schon der Garlstorfer, 
Hanstedter und Toppenstedter Wald, von denen der erstere 
wohl der größere und zugleich der schönste ist. Die drei 
Waldungen sind von den Stationen der neueröffneten Heide¬ 
bahn Winsen—Hutzel sehr leicht und bequem zu erreichen. 
Nadel- und Laubholz wechseln beständig in ihnen ab und 
bieten teilweise in Verbindung mit einer guten Forstkultur 
Bilder von bezaubernder Schönheit. Einer Zaubersladt gleicht 
beispielsweise der kleine Ort Hanstedt, der, umgeben von den 
eben genannten Wäldern, anmutig daliegt und neuerdings wie 
Müden sehr oft von Malern zu Studienzwecken aufgesucht 
wird. In der Umgegend von Hanstedt reizen der Höllenberg, 
der Moorkuhlenberg, die Farenkuhle und die Harfentanne in 
den Olserkuhlen zu Ausflügen. 


Von ungefähr 
gleichemUmfange 
wie der Garlstorfer 
Forst ist die unweit 
Munster sich aus¬ 
dehnende Raub¬ 
kammer, welche 
im Laufe der Zeit 
ein sehr beliebter 
Ausflugsort der 
Heide geworden 
ist, weil sie auch 
zu den bedeutend¬ 
sten und umfang¬ 
reichsten Nadel¬ 
holz - Waldungen 
imLüneburgischen 
gehört. Man kann 
stundenlang in 
der langausge - 
streckten Föhren- 
Waldung umher¬ 
wandern, ohne 
jemals fürchten 
zu müssen, dem 
Rande der Raub¬ 
kammer zu nahe 
zu kommen. Men¬ 
schen trifft man 
auf Streifereien 
dort fast nie. Nur 
Raubwild, oft so¬ 
gar in größeren 
Trupps,kreuzt,auf- 
gescheucht durch 
das Sprechen und 
Singen der Wan¬ 
derer, scheu die 
Wege. 

Sehr hübsch in 
der Raubkammer 
gelegen ist die Be¬ 
sitzung Lopau, die 
durch herrliche 
Fischteiche und 
namhafte Fisch- 
züchtereien und durch die von dort aus unternommenen Auf¬ 
forstungen mittels moderner Maschinen sehr interessant wird. 

Noch einige Schritte sind wir gezwungen weiter landein¬ 
wärts zu machen, um zum Unterlüß und Breitenhees zu gelangen. 
Beide Waldungen liegen ziemlich nahe der Grenze der 
Lüneburger Heide im Süden, sind jedoch wiederum durch die 
Station Unterlüß sehr leicht zu erreichen. Während über 
den Breitenhees Bemerkenswertes nicht zu sagen ist, ist der 
Unterlüß durch den im Innern (Jagen 3496, 342a und 335a) 
sich erstreckendenUrwald in Wanderkreisen bekannt geworden. 
Sehenswert ist auch die Wetterfichte im Jagen 342a. 

Die letzte größere Waldung der Lüneburger Heide, die 
nun noch ihrer Erwähnung harrt, ist die Göhrde an der Bahn¬ 
station selbigen Namens. Die Göhrde ist berühmt geworden 
durch unsern Kaiser, der in jedem zweiten Jahr zur Jagd 
hierher kommt und sich dann auch regelmäßig einige Tage 
dortselbst aufhält. Das Jagdschloß liegt von der Station 
Göhrde nur etwa 5 Minuten entfernt, bietet aber, was die 
Einrichtung anbelangt, nichts besonders Auffallendes. Der 
Königliche Forst Göhrde, der des Wildreichtums wegen rings 
von einem Wildgatter umgeben ist, ist etwa TO Kilometer 
lang und an verschiedenen Stellen wohl an 7 Kilometer breit. 


Heide im Herbst: Hoher Wacholder mit Blick auf den Wilseder Berg 

(Photograph Kofahl) 









Nr. 8 DEUTSCHLAND 391 


Am meisten vertreten sind die Wildschweine und das Rot¬ 
wild. Körungsplätze befinden sich an verschiedenen Stellen 
der Waldung*. Der Baumbestand der Göhrde setzt sich 
zumeist aus prächtig-en alten Eichen, Föhren und Birken 
zusammen. Infolge der verschiedenen Baumgattungen bietet 
denn auch die Göhrde durchweg reizvolle Waldbilder, wenn 
auch hier und da sich leider die moderne Waldkultur durch 
parkartige Anlagen störend bemerkbar macht. Wie die 
Göhrde selbst, so ist auch ihre Umgegend reich an male¬ 
rischen Punkten; u. a. ladet das Bad Hitzacker erholungs¬ 
bedürftige Personen zur Einkehr und zu längerer Rast ein. 

Außer den aufgezählten Waldungen birgt die Lüneburger 
Heide noch eine Menge kleinerer Waldungen, die zwar 
sämtlich auf diesen oder jenen Wanderungen gestreift werden 
müssen, die aber durch ihre weniger hervortretende Größe 
und ihre nichts Besonderes bietende Bodenbeschaffenheit und 
Waldschönheit nicht von sich reden machen, also hier nur 
der Vollständigkeit halber erwähnt zu werden brauchen. So 
finden wir bei Radbruch noch den Radbrucher Forst, den 
Forst Langeloh bei Wintermoor, die kleine, rings von Heide 
umgebene Waldung Tobs bei Schierhorn, den Wisselforst 
bei Bomlitz, unweit Fallingborstel, den Süsing bei Bevensen usw. 
Betont werden muß hier aber doch, daß selbstverständlich 
auch die letztgenannten Waldungen des Aufsuchens wert sind 
und Freunden unserer niedersächsischen Waldungen nur warm 
empfohlen werden können. 


Mehr noch als durch die Waldungen besticht natürlich 
die Lüneburger Heide durch sich selbst. Wer sie namentlich 
zur Blütezeit aufsucht, dem wird sich ein stimmungsvolles 
Landschaftsbild bieten, wie es keine andere Gegend unseres 
Vaterlandes auch wohl nur annähernd aufzuweisen hat. 
Weithin dehnt sich zur Blütezeit das rosenrote Heidemeer. 
Und gleichsam aus seinen Fluten steigen der Wacholder, 
Birken und Kiefern viel. Wohin man schaut, atmet die 
Gegend Ruhe und schenkt sie uns Erholung. Kein Geringerer 



Lüneburger Heide: Fallingborstel 


als unser unlängst verstorbener Detlev von Liliencron hat 
dieses auch rückhaltslos anerkannt. Er singt: 

Tiefeinsamkeit, es schlingt um deine Pforte 
Die Erika das rote Band. 

Von Menschen leer, was braucht es noch der Worte, 

Sei mir gegrüßt, du stilles Landl 

Aber auch während der übrigen Jahreszeit ist die Lüne¬ 
burger Heide eine Landschaft von eigenartigem Reiz. Ohne 
daß übermäßig viel Reklame für sie gemacht zu werden 
braucht, wächst der Strom von Fremden, der sich an Sonn¬ 
tagen sowohl als auch an Wochentagen nach ihr ergießt, 
von Jahr zu Jahr ins Unermeßliche. 

Wir teilen heute im allgemeinen die Lüneburger Heide 
in drei große Gebiete ein, und zwar: in die Ost-, die Zentral- 
und in die Südheide. Vergessen darf man bei dieser Ein¬ 
teilung jedoch nicht, daß diese Heidedistrikte noch von 
kleineren, weniger in die Augen stechenden Heideflächen 
begrenzt werden. Wir Hamburger suchen z. B. die nörd¬ 
lichen Grenzdistrikte der Lüneburger Heide, die Neugrabener 
und Fischlaker Heide, auf, weil sie uns am gelegentlichsten 
liegen und von den Bahnhöfen Neugraben und Hausbruch in 
nur wenigen Minuten zu erreichen sind. Die Neugrabener 
Heide besitzt in dem Falkenberge eine reizvolle Unter¬ 
brechung und gewährt im übrigen noch durch den welligen 
Boden angenehme Bilder. Weitere großartige Fernblicke 
gewähren der Schein- und Bredenberg. Vermöge ihrer Höhe 
ist man in der Lage, das jenseitige Elbufer von Nienstedten 
bis Schulau und nach rechts hinüber bis auf das Häusermeer 
von Hamburg und Altona bloßen Auges zu schauen. Welch 
ein herrliches Panorama sich einem dort bietet, läßt sich 
kaum beschreiben. 

Alles in allem entwickeln schon die Neugrabener und 
Fischlaker Heide trotz ihrer geringen Ausdehnung recht an¬ 
schauliche Heidebilder, die, was betont werden muß, 
selbst von der zwischen Lüneburg und der Göhrde sich 
erstreckenden Ostheide an Naturschönheit nicht übertroffen 
werden. Sonst ist aber die letztere bedeutend größer und 

bietet auch be- 
’ deutend mehr Ab¬ 
wechslung als jene. 
Lüneburg mit den 
vielen altertüm¬ 
lichen Bauten, die 
Göhrde mit ihren 
prachtvollen Wal¬ 
dungen und ihrem 
reichen Wildbe¬ 
stand, das als Kur¬ 
ort sehr zu empfeh- 
lendeHitzacker, das 
romantisch schöne 
Kloster Medingen, 
die für Lüneburg so 
wertvolle Illmenau, 
alle tragen sie ihren 
Teil dazu bei, den 
Wert der Ostheide 
insgesamt zu er¬ 
höhen. Dennoch 
muß hier gesagt 
werden, daß die 
Ostheide viel von 
ihrem früherenCha- 
rakter verloren hat, 
wozu namentlich 
die überaus gün¬ 
stige Lage an der 


Haupt-Bahnstrecke 





392 DEUTSCHLAND Nr. 8 


Hamburg—Hannover und die Nähe der Elbe viel beigetragen 
haben, so daß sich nach und nach eine lebhafte Industrie 
und ein rühriger Handel hat breit machen können und noch 
heute die Bevölkerung stets zu neuem Fleiß anspornt. 

Was die Ostheide an ihrem Charakter durch Handel und 
Industrie verloren hat, das hat die charakteristische Zentral¬ 
heide durch die vielen in den letzten Jahren Hals über Kopf 
betriebenen Aufforstungen eingebüßt. Ueberall machen sich 
bereits die Neuaufforstungen schädigend breit und versuchen, 
der Zentralheide auch noch das letzte bißchen von ihrer 
ernsten Eigenart zu nehmen. Ein Bild von berückender 
Schönheit bietet sie denn auch nur noch in der Gegend von 


Berg jederzeit umgibt. Hier ist eine jener Stätten, von 
der Benzmann so schön sagt: „Hier bin ich Mensch, hier 
darf ich's sein."^ Und wer dann noch den Berg und den 
Totengrund im Lichte des Mondes gesehen hat, der wird 
begreifen, daß man bei solchen Punkten sich länger als 
gewöhnlich aufhält. 

Auch den Vorteil hat die Zentral- der Ostheide voraus: 
sie ist waldreicher. Der Garlstorfer, Hanstedter, Toppenstedter 
Wald, bei Munster die Raubkammer, sind prächtige Stätten 
echter Waldeinsamkeit. Die Landes - Versicherungsanstalt 
Hannover hat sich diese zunutze gemacht, indem sie für ihre 
Rechnung in der Nähe des Klosterforstes Lüneburg ein Heim 



Lüneburger Heide; Schnuckenheerde auf der Hatung, 
bestanden mit selbstangesamten Föhren, Tannen, Wacholder 


Wilsede. Hier entfaltet sie gleichsam zur letzten, entschei¬ 
denden Abwehr gegen die heranziehende Forstkultur all ihre 
Kraft. Der Totengrund zur Blütezeit gleicht einer großen 
Vase, angefüllt mit einem Strauß herrlicher, rosenrote Blüten 
tragenden Blumen. Wer sich durch das immense Blumenmeer 
hindurchwindet und seine Augen sich weiden läßt an dem 
Herz und Gemüt erquickenden Bild, der wird den Totengrund 
Zeit seines Lebens lieb gewinnen müssen. In allernächster 
Nähe des Totengrundes, jenseits Wilsede, wächst auch der 
Wilseder Berg aus dem Erdboden heraus, um gleichsam treue 
Wacht zu halten über seine Mutter, die Zentralheide. Die 
Fernsicht des Berges ist über alles Lob erhaben. Sie reicht 
bei gutem, klarem Wetter bis zum Harz. Viele wollen sogar 
schon den Brocken aus dem Bergmeer des Harzes heraus¬ 
ragen gesehen haben. Was unter allen Umständen auch 
noch sehr zu loben ist, das ist die lautlose Stille, die den 


(Photograph Kofahl) 

hat erbauen lassen, um Rekonvaleszenten wieder zu ihrer 
vollen Gesundheit zu verhelfen. Der Hauptort der Zentral¬ 
heide ist Bispingen. Dieser Ort hat sich vornehmlich durch 
die zunehmende Wanderlust der Großstädter und durch die 
Entwickelung zum Kurort einen Namen erworben. Doch ist 
auch die Umgegend von Bispingen infolge der mannigfachen 
Heide- und Waldbilder überaus geschätzt. Noch schöner als 
das Dorf Bispingen liegen meines Erachtens die Bockumer 
Mühle und das romantische Gut Lopau. 

Der letzte Teil unserer Schilderungen umfaßt die Südheide 
unterhalb der Bahnlinie Uelzen—Langwedel. Diese übertrifft, 
was malerische Gegenden, was Wald und Heide anbetrifft, 
die geschilderten Rivalen noch um ein beträchtliches. Wer 
die Böhmische Schweiz an der Lieth, das prächtige Müden, 
das kirchenreiche Hermannsburg, die malerischen Gegenden 
bei Lutterloh, den wunderbaren Forst Stuk, den 150 Meter 











Nr. 8 DEUTSCHLAND 393 


hohen Falkenberg, wer weiter die romantisch schönen Täler 
der Oertze, Böhme und Aller in der Südheide nicht gesehen 
hat, der kann sich überhaupt keinen Begriff von dem machen, 
was Heideschönheit bedeutet. 

Die Heidelandschaft bei den „Sieben Steinhaufen" ist die 
markanteste, die ich je in meinem Leben gesehen habe und 
überhaupt wohl sehen werde. Gleich einer Schlange windet 
sich der Weg zu ihnen durch düsteres, halbmannshohes 
Heidekraut und den hier üppig wachsenden Ginster. Hier und 
da gesellen sich zu Heidekraut und Ginster die in der Heide 
nie fehlenden, prächtig 
gedeihenden Wacholder. 

Zur Blütezeit läßt sich 
das Bild, welches die 
Südheide gerade hier 
bietet, nicht im entfern¬ 
testen beschreiben Dann 
singt sie ein schlichtes 
Lied voll echter Harmonie 
und zu Herzen gehender 
Töne. Nirgends wieder 
habe ich die Heide so 
warm und begeisterungs¬ 
voll singen hören. 

Unvergeßlich bleibt 
mir auch der Anblick 
der „Sieben Steinhaufen". 

Das größte Grabdenkmal, 
das wir aus vorgeschicht¬ 
licher Zeit in Deutsch¬ 
land besitzen. Fünf Stein¬ 
haufen zieren noch heute 
den Platz. Der größte 
von ihnen — von geradezu 
imponierender Gestalt I — 
hat eine Länge von etwa 
5 Metern und eine Breite 
von 4 V 2 Metern. Die 
übrigen sind ein ganz 
Teil kleiner, aber auch 
noch von ziemlich gros¬ 
sem Umfange. Von den 
,Sieben Steinhaufen" kann 
man dann endlich in 
reichlich 4 Stunden beim 
Falkenberge (mit dem 
Sanatorium Achterberg) 
anlangen, von dessen Um¬ 
gegend Dr. R. Linde, der 
treffliche Heideschilderer, 
so schön sagt: „Die Landschaft zwischen Manhorn und dem 
Falkenberge gehört zu dem eigenartigsten, was die Heide 
überhaupt bietet. Eine solche Wacholderwildnis gibt es so 
leicht nicht wieder. In langen Wänden, dicht aneinander 


geschmiegt, sind sie aufgewuchert, beschnittenen Taxushecken 
vergleichbar. Ueber der purpurnen Heide mit ihrem grau¬ 
grünen Anflugwald hebt sich ein Berg des Südens in schöner 
Linienführung lichtblau ab, der Falkenberg (150 Meter). Und 
da jeder Maßstab fehlt, so scheint er weit mächtiger als er 
ist, wie ein fernes, hohes Gebirge." 

Die Schönheit Hermannsburgs und Müdens — beides Glanz¬ 
orte der Südheide — habe ich bereits erwähnt. Müden ist eine 
aufblühende Malerkolonie und im Laufe der Zeit wohl im¬ 
stande, Worpswede erfolgreich zu schlagen. Die Umgegend von 

Müden bietet den Malern 
nämlich auch — genau 
so wie die von Worps¬ 
wede — Bilder von wahr¬ 
haft üppiger Pracht. Her¬ 
mannsburg hat sich dahin¬ 
gegen durch Missions¬ 
arbeit in allen Teilen der 
Erde einen ruhmvollen 
Namen gemacht. Einige 
Worte seien hier auch 
noch über die Umgegend 
von Fallingborstel, die 
„Lieth", genannt: „Die 
Böhmische Schweiz", er¬ 
laubt. Sie liegt unmittel¬ 
bar bei Fallingborstel und 
besteht aus einer grös¬ 
seren Buchenwaldung, die 
das saftige Wiesental auf 
der Höhe umschlingt. 
Diese bewachsenen Ab¬ 
hänge, Gruppen von 
Laub- und Nadelholz, 
umsäumen in wirksamer 
Weise die Böhme selbst. 
Der Höhepunkt, zugleich 
aber der schönste Aus¬ 
sichtspunkt der ganzen 
Gegend, ist die „Belle¬ 
vue". Ein Panorama von 
überwältigender Schön¬ 
heit bietet sich hier dem 
Wanderer, das schönste, 
meines Erachtens, in der 

ganzen Lüneburger Heide. 

* ♦ 

* 

So bietet denn die Lüne¬ 
burger Heide, wohin man 
auch seine Schritte lenkt 
oder seine Blicke wendet, in den Wald oder in die Heide, 
Bilder von üppigem, landschaftlichem Reiz, die das einmal 
geprägte Wort: „Die Lüneburger Heide sei der beste Natur¬ 
schutzpark Deutschlands" nur zu wahr erscheinen lassen. 



Lüneburger Heide: Weg zum Wilseder Berg (von Witthöfts 
Wirtschaft zur Berghöhe) 


Was soll und will der Verein Naturschutzpark?*^ 


Wer offenen Auges um sich schaut, wird sich der schmerz¬ 
lichen Erkenntnis nicht verschließen können, daß gerade das 
gepriesene Zeitalter der Naturwissenschaften die Natur ver¬ 
unstaltet und entvölkert hat, wie kein vorhergegangenes es 
getan. Unfraglich ist ja unsere moderne Wirtschaft, die jeden 
Zollbreit Boden sich dienstbar zu machen sucht, der größte 


Feind der natürlichen Lebewelt. Dazu kommt dann die immer 
weiter sich ausdehnende Industrie mit ihren verheerenden 
Wirkungen, ihrem betäubenden Lärm, ihren giftigen Gasen 
und Abwässern. Selbstredend wäre es unsinnig zu verlangen, 
der Mensch solle seine Kultur zurückschrauben und unsere 
Landwirtschaft, unsere Industrie sollten Stillstehen, der Tier- 


*) Durch geringe Höhe des Jahresbeitrages (mindestens Mk. 2.—; zur Erlangung 1 ebenslänglicher Mitglied¬ 
schaft einmalige Zahlung von mindestens Mk. 100.—) ist es auch dem Minderbemittelten möglich gemacht, bequem sein 
Scherflein beizusteuern zur raschen Durchführung des gemeinnützigen Unternehmens. Die Geschäftsstelle des Vereins Natur¬ 
schutzpark in Stuttgart, Pfizerstr. 5, versendet auf Wunsch Werbematerial, darunter eine anziehende, reich illustrierte Schrift 
„Naturschutzparke in Deutschland und Oesterreich" (Preis Mk. 1.—), erteilt Auskünfte und nimmt Beiträge entgegen. 






394 DEUTSCHLAND Nr. 8 


und Pflanzenwelt zuliebe. Um so mehr aber erwächst uns 
auf der anderen Seite die heilige Pflicht, das harmonische 
Ganze in der Natur zu bewahren, soweit es sich irgend mit 
den Interessen jener Kultur verträgt, und wenigstens bestimmte 
Teile des heimatlichen Bodens mit allem, was er trägt und 
hegt an Tieren und Pflanzen, in ihrem landschaftlichen 
Charakter unversehrt zu erhalten, um sie unseren Kindern und 
Enkeln als köstliches Erbe zu hinterlassen. 

Um diesen Gedanken durch die Schaffungvon Natur- 
schutzparken*) in Deutschland und Oesterreich 


weisen die zahllosen begeisterten Zuschriften, die auf jenen 
Aufruf hin eingelaufen sind, und noch immer einlaufen, selbst 
von Stammesgenossen aus Nord- und Südamerika, aus Ost- 
und Westafrika, aus dem Orient und aus Ostasien. Gerade 
der im Auslande lebende Deutsche weiß ja am ehesten die 
Schönheit unserer heimischen Natur, die Wunder unseres 
herrlichen Waldes zu schätzen und zu würdigen, weil er sie 
eben schmerzlich entbehren muß. 

Daß es unerläßlich sei, für die praktische Durchführung- 
jenes großen Planes eine eigene, unabhängige Or- 



Quellteich in der Lüneburger Heide (Photograph Kofahl) 


zu verwirklichen, wandte sich die Kosmos-Vereinigung in Stutt¬ 
gart, gemeinsam mit dem „Dürerbund" und dem „Oesterr. 
Reichsbund für Vogelkunde und Vogelschutz, Wien", unter¬ 
stützt durch eine lange Reihe klangvoller Namen, mit einem 
Aufrufe an alle Naturfreunde. Soll die Naturschutzbewegung 
nachhaltige Erfolge zeitigen, dann muß sie vor allem eine 
vaterländische, volkstümliche Bewegung werden. Daß die 
Idee der Schaffung von Naturschutzparken aber in der deut¬ 
schen Volksseele allenthalben freudigen Widerhall findet, be- 

*) Der erste deutsche Naturschutzpark ist bereits in der 
Lüneburger Heide entstanden und zu seinem größten Teile auch 
schon Eigentum des Vereins „Naturschutzpark" in Stuttgart. 


ganisation zu schaffen, stand außer allem Zweifel, und 
zu diesem Behufe wurde nach eifriger, in der Stille ge¬ 
förderter Vorarbeit für den 23. Oktober 1909 eine Zu¬ 
sammenkunft Gleichgesinnter in München anberaumt. Das 
Ergebnis der Sitzung, die zweifellos einen Markstein in der 
Geschichte der deutschen Naturschutzbewegung bilden wird, 
war die Gründung des Vereins „Naturschutzpark", als 
dessen Sitz Stuttgart gewählt wurde. Derselbe hat in 
Deutschland die Rechte einer juristischen Person erworben, 
doch soll der gemeinsame deutsch-österreichische 
Charakter des Unternehmens allzeit betont und fest¬ 
gehalten werden. 

















































































Nr. 8 DEUTSCHLAND 395 



Schloß Wernigerode im Harz 


In dem idyllisch gelegenen Harzstädtchen Wernigerode tagt am 9. und 10. September die Hauptversammlung des 
Mitteldeutschen Verkehrs-Verbandes, dem auch der Harzer Verkehrs-Verband als rühriges Mitglied angehört. 
Auf der Tagesordnung der diesjährigen Mitglieder-Versammlung stehen interessante Beratungs-Gegenstände. 
(Vergl. auch den Artikel auf Seite 400 des wirtschaftlichen Teiles in der vorliegenden Nummer.) 

















396 DEUTSCHLAND Nr. 8 


lieber die Beischläge in Danzig*l 

Von Gerichtsassessor Dr. Otto Loening. 


Wenige deutsche Städte können sich mit der alten 
Hansastadt Danzig messen. Herrlich gelegen, nicht fern 
von der Mündung der Weichsel, im Nordwesten um¬ 
geben von den prachtvollen Olivaer Wäldern mit ihren 


an den Thüringer Wald erinnernden Tälern und Höhen, 
vereinigt Danzig die Reize des Seestrandes und die 
Ruhe des Waldes, während in ihr selbst sich ein emsiges 
Leben abspielt, das zugleich die Geschäftigkeit eines 
Seehafens mit dem fröhlichen Treiben des Flußlebens 
verbindet. Doch nicht die Umgebung und die eifrige 


Tätigkeit der Bewohner allein ist es, was Danzig zu 
einer der schönsten Städte Deutschlands macht. Nach 
Nürnberg und Rothenburg a. T. ist Danzig die Stadt, 
die sich am stärksten ein historisches Stadtbild 
bewahrt hat. Zwar ist das eigenartige Bild, das Danzig 
im Schmuck seiner Wälle von außen her bot, zerstört. 


aber im Innern finden wir noch überall das schmale 
und hohe Zwei- oder Dreifensterhaus, mit dem Giebel 
der Straße zugewendet, das seine Entstehung längst 
vergangenen Zeiten verdankt. Dies altertümliche Bild 
wird erhöht durch den gewaltigen Bau der weithin 
sichtbaren Marienkirche, durch den mit der Ge¬ 
schichte Danzigs eng verknüpften Artushof, durch 
das von emsigem Bürgerfleiß zeugende pracht¬ 
volle Rathaus mit seinem hohen, schlanken Turm, 
durch das Franziskanerkloster, den Stockturm, 
das Zeughaus und die vielen, namentlich am Ufer 
der Mottlau noch wohlerhaltenen, teilweise sehr 
charakteristischen alten Stadttore. Was aber 
Danzig einen ganz besonderen Reiz gewährt, das 
sind die sog. Beischläge. Zwar finden wir 
Beischläge auch in anderen Städten, z. B. in 
Elbing, Chester, Bern, aber in keiner anderen 
Stadt treten sie uns in solch lückenloser Reihe 
wie in Danzig entgegen. Leider mußten in den 
letzten Jahrzehnten viele Beischläge dem stärker 
werdenden Verkehr weichen, so daß wir von 
den im Jahre 1865 noch vorhanden gewesenen 
1741 Beischlägen, Vorbauten und Treppen heute 
nur noch etwa 120 zählen können; und auch 
diese wenigen werden vielfach von den Hauseigentümern 
als lästig empfunden. Während noch in den 60er 
Jahren des vorigen Jahrhunderts auch in den Haupt¬ 
straßen, wie in der Langgasse, an allen Häusern Bei¬ 
schläge vorhanden waren, sind sie jetzt meist nur noch 
in den weniger verkehrsreichen Stadtteilen erhalten 
geblieben. Will man heute eine Anschauung 
von der architektonischen Physionomie des alten 
Danzigs gewinnen, so muß man von der sog. 
Langen Brücke an der Mottlau durch eins der 
alten Stadttore die Brotbänken-, Frauen- oder 
Heilige Geistgasse betreten. Hier ist der Mo¬ 
dernismus noch nicht zu seinem Recht gelangt, 
hier lernen wir noch die Beischläge und Vor¬ 
bauten kennen, die dem Danziger Stadtbilde 
seinen charakteristischen Stempel aufgedrückt 
haben. Ihre Entstehung liegt noch im dunkeln. 
Man streitet darüber, ob das Bestreben, das Erd¬ 
geschoß trocken zu legen und das Grundwasser 
von den Kellern fernzuhalten, den Anlaß zu ihrer 
Ausbildung gegeben hat, oder ob die Beischläge 
nur als erweiterte Sitzplätze vor dem Hause an¬ 
zusehen sind; genug, die ungleich hohen und 
mit ihren Stufen verschieden weit in die Straßen 
eingreifenden Beischläge und Vorbauten geben 
dem Straßenbilde etwas überaus Reizvolles, das 
noch vermehrt wird, wenn man seine Phantasie 
spielen läßt und sich in frühere Zeiten versetzt: Die 
Brüstungen der Beischläge sind mit grünen Blumen¬ 
kästen bestellt, aus denen allerlei altmodische Gewächse 
emporranken; um den sauber gedeckten Tisch mit 
messingenem Geschirr sitzen vergnügte Danziger Patrizier 
in ihren reichen Trachten in eifrigem Gespräch über die 



Danzig: Beischlag in der Frauengasse 



Danzig: Beischlag in der Frauengasse 


') Veryl. auch den Aufsatz „Danzig" von Jos. Bvichhorn in Nr. 11 (1010) der „Deutschland". 






























Nr. 8 DEUTSCHLAND 3Q7 


Stadt- und Weltbegebenheiten; und das alles beschattet 
von dem Grün der noch heute vielfach, meist schief in der 
Straße stehenden Bäume. Die bekannte Handzeichnung 
von Chodowiecki, der selber ein Danziger Kind, von 
dem Beischlag vor dem sog. Englischen Hause von 1775 
und eine ganze Reihe köstlicher Radierungen des um 
seine Vaterstadt hochverdienten Danziger Künstlers 
Johann Wilhelm Schultz (geh. 1801) geben uns 
höchst reizvolle Einblicke in das Leben, das sich 
auf den Beischlägen im Freien abgespielt hat. 

Die Beischläge sind nicht Teile des be¬ 
wohnbaren Hauses, sondern vielmehr unge¬ 
deckte, die ganze Fassadenbreite des Hauses 
einnehmende Plattformen von etwa 3 und 4 
Meter Tiefe, die mit oder ohne Treppenstufen 
den Zugang zu dem Hause vermitteln und in 
der Höhe der Türschwellen liegen. Sie bilden 
eine Terrasse vor dem Hause, auf der sich in 
früheren Zeiten bei gutem Wetter die Haus¬ 
bewohner aufhalten konnten. Die Brüstungen, 
welche die überall verschieden hohen Beischläge 
von der Straße abschlossen, enthalten vielfach 
interessante, wenn auch weniger künstlerische 
Abbildungen biblischen, allegorischen oder auch 
dekorativen Inhaltes. Sie sind der Haupt¬ 
schmuck der Beischläge. Ueberall verschieden 
gestaltet, bieten sie in ihren Einzelheiten 
dem Künstler manches lehrreiche Motiv, dem vorbei¬ 
wandelnden Fremden immer von neuem Stoff zur Unter¬ 
haltung dar. Ursprünglich war wohl immer eine Tren¬ 
nung durch massive Scheidewände zwischen den ein¬ 
zelnen Beischlägen vorhanden, heute sind z. B. die 
Beischläge an der Nordseite des Langenmarktes gleich 
hoch, die Zwischenwände gefallen. Interessant sind 
übrigens auch die Abdeckungen, die als Rinnen 
dienen und die Niederschläge aufzunehmen be¬ 
stimmt sind, die sie durch reich als Delphin¬ 
oder Fischköpfe ausgebildete Mundstücke der 
Straßenrinne zuführen. Eine gewisse Bedeutung 
kommt auch den steinernen Pfosten zu beiden 
Seiten des Treppenantrittes zu, die dem Ge¬ 
länder als Stützpunkt dienen. Anfangs nur große 
steinerne Granitkugeln auf niedrigem quadra¬ 
tischen Sockel, wie z. B. an dem Beischlage 
Jopengasse 5Q, werden diese Pfosten seit dem 
17. Jahrhundert aus hohen quadratischen oder 
rechteckigen Pfeilern gebildet, die je nach dem 
Geschmack der Zeit ausgeführt worden sind. 
Namentlich die Rokokozeit hat diesen Pfeilern 
öfters eine sehr geschmackvolle Form gegeben. 

Diesen Zeiten gehören auch die schönsten Bei¬ 
schläge selber an, die uns noch erhalten sind, 
unter denen wieder der Beischlag Jopengasse 1 
besonders unser Auge fesselt. Seine Brüstungsplatten 
zeigen schön gebildete Idealarchitekturen in Flachrelief. 
Bemerkenswert sind auch die Brüstungsplatten am Bei¬ 
schlag Brotbänkengasse 14, die figürliche Darstellungen 
der vier Jahreszeiten enthalten. Auch die Beischläge 
Frauengasse 6 und 17 mit biblischen Darstellungen 
sind beachtenswert. 

Die Brüstungen geben uns gleichzeitig die Mög¬ 
lichkeit einer ziemlich genauen Zeitbestimmung für die 


Entstehungszeit der Beischläge, bei einzelnen ist uns 
auch auf den Treppenpfosten das Baujahr angegeben. 
Der bei weitem größte Teil der noch erhaltenen Bei¬ 
schläge stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert, doch 
gehen einige noch in die zweite Hälfte des 16. Jahr¬ 
hunderts zurück, so die mit gut geschmiedetem Brüstungs¬ 
geländer versehenen Beischläge vor dem Pfarrhause der 
Katharinenkirche und der an dem Hause Frauengasse 13. 


Und wenn auch das Bild von Anton Möller im 
Rathause ,,Der Zinsgroschen" von 1601 noch frei¬ 
liegende Wände an Häusern, die später mit weit aus¬ 
liegenden Beischlägen bedeckt sind, und erst kleine 
Ansätze zu solchen kennt, so wissen wir doch, daß die 
Beischläge bereits viel früher bestanden haben. Bereits 
die alte Danziger Willkür von 1454 kennt sie. Aus 


ihr können wir auch weiterhin entnehmen, daß bereits 
in dieser Zeit der Rat der Stadt gegen diese Ausbauten 
eiferte und sie nach Möglichkeit zu verhindern suchte. 
Wie wenig allerdings die Bestrebungen des Rates Erfolg 
hatten, zeigen alle späteren Redaktionen der Willkür. 
Sie alle kennen in mehr oder minder geänderter Form 
ähnliche Verbote. Nachdem Danzig sodann 17Q3 
Preußen einverleibt wurde, nachdem es weiter nach der 
kurzen freistaatlichen Zeit von 1807 bis 1814 unter 



Danzig: Beischlag in der Brotbänkengasse 


























308 PBUTSCH^L^ Nn ö 


^^anJEÖs^schem SthutJ ani 2, Ja5 ix^r 1814 wiederum an \.lundeh hat. Jn dirfi Sinn e hatauch das Landgericht 
Preußen kam, U'urd^^j}: deißrlig^e Bestlmrnujiin die Dcsririg iilicl. dö$ Öbi^riandeSgerichl Madenwerder aus 
verschiedenen Büuördni:ingen aufgenommen* Bereit^ eient^chlederi. Ob die Beischlags- 

die Bekanntmachung <}.esPdlizetpräsitlenteh der hiesigen ; parieUe lin öhindW^h eingetTögeh, ^ lediglich 
Seer und Handhmgs-Stadt Dähzig vom 0. Mal 1814, TatirageT» die im eth7;elneh dyreh das Gmndbuck 
betirefft^nd Bauten und Rt^pamturen/ bestimmt das: GntscheuiEn Ist Ist tUeS; wie hsTnentlich bei den Par- 
partbrigichen der baufälligen Beischläge und verbietet zellen, auf deneh die in den JOßr Jahren abgebrochenen 

ihrts NduanlageL Emetn wurde dann die Frage ein - Beischläge gestanden haben, nicht Üer Fall, so spricht 

gehfehcl behandelt btJi Geleg^nhdil der Vörarbeiten ^wi- die VerrTUilung fdr stSddsches' Eigentum* Nun har man 

S:äüö rd n ü ng v on T8G8, d re in 17 dann auch ä h nli ch e gern eint, da ß der Gr u fi d, uh d -Boden d er Beisc h läge 

Bestimmungen enthielt. Nach der beute in Cieltung schon deswegen mcht im Pnvöielgentufa der Beischlags^ 

st ehe n den uord n u n g sm4 ' cin au r Bew^a hf ung besit t^r steheh köhnhr WeBes s£ch be 1 ih m un\ Bürger- 
des archriektonjscheh Aassefiens^ dar Straßen^ steighind hahdeley das a^ orfenthchen 


soweif es. die Verkcdfrerh^Uhüberhaupt 
jiulassen, beizubelmlten, llebferh® Ux\ Gegen-’ 

sat 2 J zti d^ri 60er und 7Öer Jahmn cle^t vorigen Jahr- 
hirndeuris dse; S besfrebl* die Rtifste 

der Blthh Bauweise, nömenthch, dje ’ BeiÄChlöge, soviel 
wie-in.dglicb äu erhaltenV 


Eig ent i mv Vi er G e m e i n d e s e i * Do ch t r i f f t di e s er Ge si g h ts - 
punkt nlclh ;!5u^ . Bnmöl ist es sehr ttB^ichy ph 
jähials^^^^d zwhchön d^r-OiebeHVi^nt.^ 
vmd.dem Rinnstein hiniaufende Tefi dcr hi lSönyig 

, früh »^f eis Füßgän gei wog benm ?i. w^orden isf; «dönn 

aber bf^trchV man tiur die 


Zu diesem Zwecke.isi aiich 
auf G r u i iä sog' Vgr ^ 

un'^daUbrigfs-GeNetzes ein 
Orfestahtt^riassen worden, 
i n yi el ^Ive m ii ^ § 4 be s o n “ 
ders hEtvnrge hoben wird/ 

d ß ß. ä ] s getvO h m ig 11 ngs:-^ 
p ß i e lihge b a id ic he Seh - 
der ung i uj c i \ de^ "Um b^u 
öder die BeiseMghitg vöu 
BeigcfJägeri rit geltcrihab?.^ 
so 4 a.ß heb i ^ b e t e ine r ti c h- 

tig eil H andh a h ii ng d i t?;: 
s t g in n i chl ^ u h^ fö r c. h i e n 
s t e 1 dr d ö ß : W' e d e riV4 h d äs 
artrhiiektcitu^theÄussehea 







Dfu^iiigi BdsvhUsg in :dhf 

der S t vii ße ri dureh Bösei t ig>in g de f Büjsc 1 üä go leidcn wh li 
In terei^fin t sip d tib rlge ns die jtüc Kt ii c n V e r h al lii is>; e 
an den dje^^ in>tx rmm&r wiederkehrfcnder 

Strehlg.ked^A auch heatti noch'hicht völlig gckblrt sind. 

aus .dem ^oVt d<^T D-ai Willküren 
ge h t utyct, wi i ii eir>i&eiuen Sslä)äaReh h 1 xy V(j\d wiedei 
nathgü^wd^5sen ist, gehörte d^(är: ördnÄ hnd Bodeiv, auf 

dem tlifi Bmschiäge m der Smdt/ 


Pxöueh gas^exudtirchwan* 
dem, um 50 fort eihzusehem 
daß hier tatsächlich Ketite 
ein Bi i rg er ste i g Ti i c ht tu e hr 
existierU Dadurch/daß das 
Terra in durchgängig W- 
batii worden liQt es 
heute seine Bestimmung 
aU Bürgerte lg zu dlenijn 
verdreh, es 'M tät^atehlicK 
und r^^chUich meines Ge^ 
m ei rr gebrautdyes ent kiei ^ 
Wörden. 

fit nach dem bisher Ge¬ 
sagten ein PrJvatei gen tum 
ö n. dem Be iich \ ags!and 


hicbt 0 usgesßhiosseny Jtn vi4*F^ll en vorha nden,, so 
ist dan^H m>ch hix^hi: gesagt, daß der einzelne Privat- 
eigent t\me f: hiebt ha Interesse des öffentlich an V erkehre s 
oder aus feu^?Tpohzedk:hen Gründen gezwühgen werden 
kapn, seinen abzu brechen* ge hindert werden 

kann, eir'e n s )n iu ^errichteh* oder daß,ihm sogor aus 
ä ütl i e titschen Grün den d\ e. Gen ehmigung: ^um Äb brucK 
^elne^ Bäischläges -Versteigert wi^rdert Auf eine 


AJIävähUch iät jedoc nameiuych durch die den heutigen Hlörtefung aller dieser den/ öffentlictiep Rechte iinga- 


Grtindbücharn entsprech e nE) b^?hücher im ä du rtK 
die Bede lUuhg d erselben füt^ die EigärvhdhsVethäBnisse» 
eine Ve rsch Ie b un g d er Bi g^n t u m $ verhli ftn isse zii gtm s l en 
der er: eih^etictaTT- Heu !t^ hahgl das 

Bigehtumg recht der Gfü hdfltiche da yon ab; ob d ie Bei-' 
scblägsparz^ 1 le Bes-l mdbe\\ in dem Gründbuche ein- 

getrsgeh ,:Isi und. t*b 1 ;ü den letzten Jahrzehnten e in 
rechfej^esrhüfthuher G.mi-idäigentumS" Erwerb stattge-^ 


hadgeii Fragen, tu denfen tibrig^hs auch die ä mit 
Unrexht in deri öOär JahTäh von den Gerichten stets 
Verneinte Enischndigungispflicht ge-hÖirt, sott jedoch hier 
nicht weiter cingegöngen/werdeip. Sie hängen teilw'eise 
mit den sch wi engsten tmd - ümsh-ittdnsten Fragern des 
gesamten öfientlichien Rechtes iusammen. Man mußte 
weit ausholerü um hüT einigerm die eine oder 

die andere Frage In feeftiedlgender Weise zu lösen* 


Wer verreisen 


der lese die reich fllustrierie Zei{s<NriH J^ÖEÜTSCHLflliD“, die 


in eingell eil der Weise die deutschen Slädle^ Kyr- und Badeorte^ 


Sömmerlrischen und Wandergebiete durch Wort und Bild würdigt und la Threni Rektameteil zahlrekhe Rn 


kühdigyngen empfehlenswerter Hotels und Sommerfri.sriieh en!^ Die Zeitschrift ^^DEUTSCHIRMD'^ ist somit 


der beste Führer durch die deutschen Städte und Landschaften. 
















a.! 

LT 


Lt 


S'Jr 


ir : 


r-: 


L.' 




deo'!« 

tsc'J 


feil'' 

tfSS^ 


Nr. 8 


DEUTSCHLAND 


399 


Die Amerika-Nummer der „Deutschland“. 

Ein großer Teil der in 50000 Exemplaren hergestellten diesjährigen großen Sonderausgabe der „Deutsch¬ 
land“ in englischer Sprache (American Travellers' Edition 1911) hat ihre Verbreitung bereits in Amerika und England 
gefunden, während ein kleinerer Teil zur Propaganda für die nächstjährige Reisezeit zurückgestellt ist. Soweit 
sich jetzt schon übersehen läßt, werden die Erwartungen, die an die Herausgabe dieser Sondernummer gestellt 
wurden, sich in vollem Maße erfüllen. Zahlreiche Anfragen aus dem Ausland zeugen von der Wirkung der Amerika- 
Nummer, die auch in der Ausland-Presse eine sehr günstige Beurteilung findet. 


Die “Daily Mail“ schreibt: 


For Travel in Germany. 

A publioation of great interest and value to Engliah- 
speaking tourists about to visit (Terinany is ‘‘Deutschland'’, 
the Organ of several unions for the promotion of international 
intercourse. The purpose of this publication is to afford 
soine idea of the natural beauties and art troasures of Ger¬ 
many, and to provide a now incentive to visit the great 
country. The object could not he berter oarried out, inasmuch 
as the artjcles are interesting. the typography, paper and 
illustrations are superb, and the viewa of ([uaint mediaoval 
buildings, houaes, frowning castles, rivera and lakos make 
one want to pack one’a bag and take the first train to 
Germany. 

An additional induceinont is an ariiole by Baron von 
Hesse-Wartegg, pointing out the ease wiib which the tra- 
veller ignorant of the language of the country caii travel 
throughout Germany. “D e u t scb 1 a n d” i a p u b 1 i s h e d, in 
E n g l i 8 h, a t D ü a a e 1 d o r f. 


Zum Reisen in Deutschland. 

Kin .sehr nützliches und wertvolles Werk für Englisch 
.spn*ohende Touristen, die beabsichtigen. Deutschland zu 
besuchen, ist «lie Zeitschrift ,,I)eutschland‘*, das Organ von 
mehre! en internationalen Verkehrsverbäudon. Der Zweck dieser 
Schrift ist, die Naturschönheiten und Kunstschätze Deutsch¬ 
lands in weiteren Kreisen bekannt zu machen und neue 
Aufmunterungen zum Besuch dieses großen Landes zu geben. 
Besser könnten diese Ideen unni(»glich ausgeführt werden, 
da die Artikel interessant sind, di(? Typographie, das Papier 
und di«' llln.strati')non alle prächtig sind und die Ansichten 
von mittelalterlichen (Udjäuden. Häusern, alten ISchlüsseni, 
Flüssen und Seen derart anziehend sind, daß der Leser sofort 
Lust bekommt, seinen Koffer zu packen und mit dem ersten 
Zug nach Deutschland zu fahren. 

Eim* weitere Veranlassung dazu bildet ein Artikel von 
Baron von IIes.se- Wartegg, wodurch die Benuemlichkeit an¬ 
gedeutet wird, mit welcher ein Tourist ohne Kenntnisse der 
düulsc.lien Sprache durch ganz Deutschland reisen kann. 

Die Zeitschrift ,,Deutschland“ wird in Düsseldorf in eng¬ 
lischer Sprache ausgegeben. 


Die amerikanische Zeitung “The Altoona" schreibt: 


Interesting Publication. 

American Travelers’ Edition of Deutschland Now Out. 

The States raihvays of (Termaiiy have issued a largo 
volilme of special interest to American travelers in the 
current numher of “Deutschland”, a magazine published at 
Düsseldorf. The magazine is splendidly ))rinted in English 
and will prove an oxcellent gui<lo to any one traveling in 
the Fatherland. 

It is profusoly illustrate«! with scenes in historical (»er- 
many; photographs of the Kaiser an«l leading statosmen, 
and many of the famous structures of ita citios. Ii^vcn to 
those who do not contemplal«^ a visit beyond soas, t ln» book 
is full of interesting informati«)!! and its general gotup 
explains wh}’ .so many American dollars are lunid to Euro])e 
axinually, for peoplo witli inoney to spen«! are boiind to be 
attracted by the way in which the heautioa of the conntiw 
are portrayed. 


Interessante Zeitschrift. 

Die Amerika-Nummer von „Deutschland“ soeben erschienen. 

Die doutschon Staats-Eisonhnhnen hahen soeben einen 
großen Baml von l)<‘s«»n«bu’em W('rt für amerikanische Reisende 
auHgeben las.sen , uml zwar «lie Amerika - Nummer der 
,.Deutsc,hlau«l“, einer in Düsseldorf orschoinondon Zeitschrift. 
Das Heft ist in engl isolier Sprache prachtvoll gedruckt und 
ausgestattet und wir«! allen denjenigen, die (las Vaterland 
durchreisen, als au.sgtvzoiclmeter Führer di(}nen. 

Die Nummer ist mit Bildern aus der deutschen Geschichte 
reichlich illustriert, dazu mit Photographien des Kai.sers, der 
leitenden Staatsmänner und vielen der berühmtesten städti¬ 
schen (J(‘l)äudo. Aiicdi für diejenigen, welche ni(iht boab- 
.sichtigen, über das Meer zu fahren, hat das Bncih seinen 
W<*rt. denn es enthält vieles, wa.s interessant und lehrreich 
ist. Soine ganze Ausstattung erklärt auch die Art und 
W«‘i'^e. wodurch so viele ..Dollars“ jährlich nac-h Euro])a 
gelockt w«*rden. (b'im jeder, welcher Geld in den Taschen 
hat, muß durch die Weise, in welcher Deutschlands Sohön- 
heit(Mi hier ahgehildet sind, sich nach dort hingezogen fühlen. 


Auch von maßgebenden Perscuilichkeiten wird der Wert der Amerfka-Nummer anerkannt. So äußert 
sich z. B. Professor Hugo Münster!)erg, der amerikanische Austausch-Professor und erste Direktor des in 
diesem Jahre eröffneten Amerika* Instituts, wie folgt: 


Die Amerika-Nummer «hsr ,,Deutschland“ ist mir eine Quelle aufrichtigster Freude. Das Buch erfüllt 
meines Eracliteris nach seine .Aufgabe in hervorragendsten* Weise, und da der Verteilungsplan in hohem Maße 
geeignet ist, «las .schöne Heft .so wirklich in die Hände aller derer zu bringen, für die es in erster Linie 
bestimmt ist, so verspreche icdi mir ungewöhnlichen Erfolg von der Wirksamkeit dieser Nummer für die 
Kräftigung der Beziehungen zwischen Deutschland uml den Vereinigten Staaten. Es kann hier kein Zweifel 
obwalten, daß die Sclifinlieiten Deutschlands noch lange nicht genügend von den Amerikanern gewürdigt 
werden. Der Hauptstrom der Europaroisendeii geht «loch noch immer nach England, Frankreich und der 
Schweiz und berührt h«>chstens die Rheing(?gend. Die .scliöiien Bilder und Beschreibungen Ihres Buches 
können so manches dazu beitragen, diesen Hauptstrom auch zu den deutschen Hauptkulturstütten im ganzen 
liande hiiizuieiten. 

Mit bestem Wunsche für den Erfolg Ihres Werkes 
Ihr ^ehr ergebener 
Hugo M ii n s t e r h e r g 
Direktor des Amerika-Instituts. 





400 m3G f a f aoooc3OQG0c*X3(^^ DBIITSCHLAND iB e ooc e cg eeoocceoeeee e eeee fli Nr. 8 



Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 

Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof. 

Auskunftstellen des Bundes im Auslande. 

1. Abbazia, bei Nagel & Wortmann, Hotel Stefanie. 

2. Amsterdam, bei Lisson & Zoone, Singel 155. 

3. Aussig, bei dem Oeffentlichen Fremden-Verkehrsbureau, 
Stadthaus. 

4. Budapest, bei dem Fahrkarten- und Reisebureau der 
Fremdenverkehrs- und Reiseunternehmungs-Aktien-Gesell- 
schaft, IV. Vigadö-tör i. 

5. Fiume, bei Herrn Meyer, Buchhandlung, Piazza Dante. 

6. Franzensbad, bei dem Auskunftbureau des Landes¬ 
verbandes für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Isabellen¬ 
promenade. 

7. Göteborg, bei dem Nordisk Resebureau, Palace-Hotel. 

8. Haag, bei Lisson & Zoone, Prinsestraat 18. 

9. Helsingfors, bei Alex F. Lindberg, Agentur des Nord¬ 
deutschen Lloyd. 

10. Karlsbad, bei dem Auskunftsbureau des Landesverbandes 
für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Mühlbrunnstrasse. 

11. Kiew, bei A.Schlesinger, Agentur des Norddeutschen Lloyd. 

12. Konstantinopel, bei M. Mewes, Generalagentur des Nord¬ 
deutschen Lloyd. 

13. London, bei der Great Rastern Railway, West-End’Office, 
Regent Street 12 a. 

14. Lüttich, bei Fran9ois Brimbois, Passage Lemonnier 18 

15. Mailand, bei Giov. Corr. Meiss, Agentur des Norddeutschen 
Lloyd, Galleria Vittori Emanuele. 

16. Malmö, bei dem Nordisk Resebureau, 2 Ostera Hamngaten. 

17. Marienbad, bei dem Auskunftbureau des Landesver¬ 
bandes für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Stephan¬ 
strasse, Haus „Goldener Falke“. 

18. Moskau, bei E. Garbell, Agentur des Norddeutschen Lloyd. 

19. Nagyvärad (Grosswardein), bei dem Fahrkarten- und 
Reisebureau, Filiale der Budapester Gesellschaft 

20. Odessa, bei Mac. Nabb, Roug^er & Co., Agentur des Nord¬ 
deutschen Lloyd. 

21. St. Petersburg, bei Ad. Reddersen, Agentur des Nord¬ 
deutschen Lloyd, Newski Prospekt 28. III. 12. 

22. Prag, bei dem Auskunftbureau des Landesverbandes für 
Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Graben, Deutsches Haus. 

23. Pressburg, Städtisches Verkehrsbureau, Hütterergasse. 

24. Reichenberg, bei dem Reisebureau des Landesverbandes 
für Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Schückerstrasse 3, 
Reisebureau „Anker“. 

25. Riga, bei W. Goltz & Co., Ecke Kl. Sand- und Kl. Schmiedestr. 

26. Rom, bei J. E. Anniser, Agentur des Norddeutschen Lloyd, 
Via del Tritone 145-146-147. 

27. Stockholm, bei dem Nordisk Resebureau, Operahuset. 

28. Tdtrafüred (Schmeks), bei dem Fahrkarten- und Reise¬ 
bureau, Filiale der Budapester Gesellschaft. 

29. Tomesvär (Josefstadt), bei dem Fahrkarten- und Reise¬ 
bureau, Stadthausgasse 2, Filiale der Budapester Gesellschaft. 

30. Teplitz, bei dem Reisebureau des Landesverbandes für 
Fremdenverkehr in Deutschböhmen, Königstrasse. 

31. Tiflis, bei Drachenfels Kutzschenbach, Agentur des Nord¬ 
deutschen Lloyd. 

32. Tokio, bei der Deutschen Gesellschaft für Natur- und 
Völkerkunde Ostasiens, Imagwa-kochi, Itchome. 

33. Triest, bei P. Christofidis, Hotel de la Ville. 

34. Westende b. Ostende, bei Robert Hoffmann, Deutsche 
Villen-Kolonie. 

35. Wien, bei Nagel & Wortmann, i. Operngasse 6. 

36. Yokohama, bei der Redaktion der „Deutschen Japan¬ 
post“, Yamashita-cho 60. 

37. Zägräb (Agram), bei dem Fahrkarten- und Reisebureau 
der Fremdenverkehrs- und Reiseunternehmungs-Aktien-Ge- 
sellschaft in Budapest, Ulica Marije Valerije 6. 

(Das Bundesorgan, die Verkehrs-Zeitschrift 

„Deutschland“ liegt in sämtlichen Auskunftstellen des 

Bundes auf). 


Aus den Bundes-Vereinen. 

Der Verband Mitteldeutscher Verkehrs-Vereine 

hielt in den Räumen der Magdeburger Handelskammer eine gut 
besuchte Ausschusssitzung ab, zu der sich Vertreter aus Halle, 
Kösen, Aschersleben, Wernigerode und anderen Städten einge¬ 
funden hatten und die der Vorsitzende, Stadtverordneter Karl 
Miller, mit begrüssenden Worten eröffnete. Dann besprach er 
die Stellung des Verbandes und der deutschen Verkehrs-Vereins- 
Verbände überhaupt zu dem Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine 
und führte aus, dass der Bund finanziell durchaus auf eigenen 
Füssen stehen und zur Erreichung seiner grösseren Ziele Zu¬ 
schüsse aus Staatsmitteln zu erhalten suchen müsse; er 
müsse auch lediglich die Interessen des Inlandes am Verkehr im 
Auge haben. Die Verbände müssten sämtlich zu dem Programm 
des Bundes Stellung nehmen. Die Aufgaben der Verkehrs-Vereine 
und -Verbände hätten durch Erhöhung des Reiseverkehrs auch 
eine Vermehrung der Einnahmen der Eisenbahnen zur Folge, 
deshalb läge es im wohlverstandenen Interesse des Staates, die 
Vereine und Verbände und besonders den Bund finanziell zu 
unterstützen, wie das seitens anderer Staaten bereits geschehe. 
Die Finanzfrage sei die wichtigste. Man beriet weiter^ein^ehend 
u. a. über folgende Punkte: Es soll die Lokalpresse mehr für 
die Zwecke des Verbandes interessiert werden, es soll immer 
wieder auf Dezentralisation der Schulferien und Ausdehnung 
auf 3 Monate im Interesse der Eisenbahnen, Erholungsorte, 
Hotels und des gesamten Publikums hingewirkt werden. Dr. Wolfif 
tritt für Einschränkung der kleinen Ferien ein und befürwortet 
die Einrichtung zweier gleich langer Ferienhälften für den 
Sommer und den Winter. Ueber bessere Propaganda in den 
Eisenbahnwagen erhob sich eine längere Debatte. Man will dem 
Reisepublikum auf jede zulässige Art zur Kenntnis bringen, dass 
es einen Verkehrsverband gibt, der seine Interessen wahraimmt, 
ebenso wie Reise- und Verkehrsbureaus, die kostenfrei üen 
Reisenden mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ueber die Jahres¬ 
rechnung von 1910 II berichtete für den dienstlich abgerufenen 
Schatzmeister eingehend Herr Beyerlein, der sich auch über den 
Verbandsprospekt und die Verteilung der Kosten (1850 Mk.) auf 
die Mitglieder verbreitete. Schliesslich zollte der Vorsitzende 
der durchaus entgegenkommenden Haltung der Eisenbahn¬ 
behörden auf Verkehrsverbesserungsvorschläge des Verbandes 
volle Anerkennung. 

Die 3. Mitglieder-Versammlung findet in Wernigerode 
am 9. und 10. September 1911 statt. Der Hauptversammlung 
geht eine Vorstands- und Ausschusssitzung im Hotel „Gothisches 
Haus“ voraus mit folgender Tagesordnung: i. Geschäftsbericht; 

2. Kassenbericht; 3. Festsetzung des Voranschlags; 4. Beratung 
über Zeit und Ort des nächsten Verbandstages. Die Tages¬ 
ordnung der Mitglieder-Versammlung am 10. September, 10 Uhr 
vormittags, weist folgende Beratungsgegenstände auf: i. Geschäfts¬ 
bericht des Vorsitzenden; 2. Kassenbericht des Schatzmeisters; 

3. Genehmigung des Kassenvoranschlags; 4. Besprechung des 
Verbandsprospekts, Vertrieb desselben; 5. Bericht des Geschäfts¬ 
führers über die Anträge und Referate des Verbandes laut Akten¬ 
auszug; 6. Mitgliederwerbung; 7. Entgegennahme von Verkehrs¬ 
wünschen; 8. Vortrag des Universitäts-Privatdozenten Dr. WolfT 
(Halle a. S.): „Wie ich durch deutsche Gaue wandere“ 
(Betrachtungen eines Volkswirtes); 9. Referate des Vorsitzenden 
über: a) die Finanzierung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine, 
b) Einrichtung sogenannter Verkehrsecken in den Provinzial¬ 
zeitungen, c) die Dezentralisation der Schulferien im 
Interesse des Verkehrs und der Volkswirtschaft; 10. Stellung¬ 
nahme des Verbandes zur Anbringung von Propagandabildem 
oder Plakaten in den Eisenbahnwagen oder Bahnhöfen; ii. Ver¬ 
billigung des Abonnements auf die Zeitschrift „Deutschland“ 
für die Verbandsmitglieder; 12. Drucksachenverteilung durch die 
Zentralgeschäftsstelle; 13. Wahl des nächtsjährigen Vorbands¬ 
tagungsortes; 14. Allgemeines. Auf dem Beg^üssungsabend im 
Hotel „Monopol“ wird der Vorsitzende des Verbandes, Herr Stadt¬ 
verordneter Miller (Magdeburg), einen Vortrag halten Uber; 
„Die Bestrebungen und Ziele des Bundes Deutscher 
Verkehr8-Vereine, der Verbände und Vereine im 
Interesse des Verkehrs“. An die Hauptversammlung 
schliesst sich ein Mittagessen im Hotel „Deutsches Haus“ und 
ein gemeinschaftlicher Spaziergang durch den Lust- und Tier¬ 
garten zum Fürstlichen Schloss und in das Christlanental an. 





Nr. 8 a»Q 0 QQ 0 Q 90 QQ 000 Q 0 ß 930 Q 0 QQ ilB DEUTSCHLAND 


Der Fremdenverkehrs-Verein Nürnberg 

hat vor kurzem an eine sehr grosse Anzahl von Hotels und 
Gasthöfen des In- und Auslandes eine Verkleinerung des Plakates 
von Nürnberg von Professor Bek-Gran unter Glas und Rahmen 
verschickt. Wie die eingelaufenen Bestätigungen zeigen, ist 
das Plakat, das zum Teil auch mit russischem Text versehen 
ist, allerorts als ein künstlerisch wertvoller Wandschmuck gern 
angenommen worden und an geeigneten Stellen zum Aushang 
gekommen. 

Verband Bergischer Verkehrs-Vereine. 

Im Hotel Kaiserhof in Lennep fand die Jahreshauptver¬ 
sammlung des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine statt. Einen 
breiten Raum im Jahresbericht nahm der Abschnitt „Studenten- 
und Schülerherbergen“ ein. Der Berichterstatter führte 
u. a. aus: „Schülerherbergen erfreuen sich überall grosser Beliebt¬ 
heit. Sie lenken nicht nur den Wanderstrom auch nach kleineren 
Orten, sondern tragen unendlich viel dazu bei, dass deren Vorzüge, 
ihre landschaftlichen Schönheiten, ihre Industrie usw. weiteren 
Kreisen bekannt werden. In Ründeroth ist eine vom Lehrer 
Kronenberg geleitete Studenten- und Schülerherberge vom 
besten Erfolge begleitet.“ An die Ausführungen schloss sich eine 
rege Aussprache an. Rektor Spratte (Radevormwald) will auch 
Herbergen für Volksschüler errichtet wissen. Gerade die Kinder 
aus den minderbemittelten Kreisen hätten das Wandern in Gottes 
freier Natur am nötigsten. Er verwies auf die von ihm bereits 
vor mehreren Jahren ins Leben gerufene Schülerherberge, die 
sich bestens bewährt habe. Die Versammlung sprach sich all¬ 
gemein auch für die Errichtung von Volksschüler-Herbergen aus 
und wählte eine fünfgliedrige Kommission, welche die Frage 
näher prüfen und über sie in der nächstjährigen Hauptversamm¬ 
lung berichten soll. Eine lebhafte Erörterung entstand bei dem 
Punkt „Eisenbahnwesen“. In Zukunft sollen sämtliche Eingaben 
an die Eisenbahndirektion vorher dem Verbands Vorstand ein- 
gesandt werden, der dann in eine Vorprüfung eintritt und 
gegebenenfalls die erforderlichen Erhebungen anstellt. Ueber den 
Stand der Wegebezeichnung berichtete Direktor Artur Gunkel 
(Elberfeld). Der Arbeitsplan für igii/iz wurde angenommen. 
Es lag eine Anregung des Theaterdirektors Friedrich Schiffer¬ 
müller betr. Städtebundtheater vor, der, wie Bürgermeister 
Dr. Barth aus Gummersbach berichtete, dort einen Zyklus von 
Vorstellungen gegeben hat. Hierzu teilte Bürgermeister Stos- 
berg (Lennep) mit, dass der Städtebund in der nächsten Zeit 
Stellung zu der Frage nehmen werde. Die Angelegenheit wurde 
hiermit vorläufig als erledigt angesehen. Die Einnahmen des 
Verbandes betrugen 3187 Mk., die Ausgaben 1365 Mk. In einem 
fesselnden Vortrage, verbunden mit Lichtbildern, zeigte Dr. 
Brandt (Elberfeld) den Versammlungsteilnehmern die Schön¬ 
heiten des Bergischen Landes. 

Der Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens] 
und angrenzender Gebiete 

hat einen umfangreichen Geschäftsbericht erscheinen lassen. Nach¬ 
dem im ersten Teil über die Sitzungen, den Vorstand und die Mit¬ 
glieder gesprochen ist, werden im zweiten Teil die Arbeiten und 
auch die Erfolge eingehend dargelegt. Man sieht aus diesem Teil, 
dass für alle seine Mitglieder ein direkter oder indirekter Nutzen 
daraus hervorgeht. — Als Anhang sind diesem Bericht die beiden 
letzten Vorträge des verstorbenen Schatzmeisters, Herrn Flörch- 
heim (Dortmund), über die „Postverbindungen des Industriegebiets 
mit Süddeutschland“ und über „den Wegfall des Ankunftstem¬ 
pels“ und des Herrn Alfred Meyer (Dortmund) über „das ab¬ 
gelehnte Schnellbahnprojekt Dortmund —Düsseldorf und die 
Ausgestaltung des Eisenbahnnetzes im rheinisch-westfälischen 
Industriegebiet“ beigefUgt. Das Mitgliederverzeichnis weist zur¬ 
zeit X09 Mitglieder auf. 

Württ.-Hohenzollernscher Fremden-Verkehr. 

Die Württemb.-Hohenzoll. Vereinigung für Fremdenverkehr» 
derenTLeitung in den Händen des Vorsitzenden des Stuttgarter 
Vereins für ^Fremdenverkehr, Stadtrat S t ü b 1 e r, liegt, hat sich 
auch im letzten Jahr weiterhin entwickelt. Ihre Mitgliederzahl hat 
sich gegen 1909 um mehr als die Hälfte vermehrt. Es gehören 
ihr nunmehr loi Mitglieder, nämlich 22 Amtskörperschaften, 47 
Gemeinden, 18 Verkehrs- und 10 sonstige örtliche Vereine, der 
Schwäbische Albverein, der Württembergische Schwarzwald¬ 
verein und 2^Hotels an, die zusammen rund 5000 Mk. Beiträge 
bezahlen, so dass der Vereinigung mit dem jährlichen Beitrag 
der Königlichen Generaldirektionen der Staatseisenbahnen mit 
xoooo Mk. jährlich X5000 Mk. zur Verfügung stehen. Sie ent¬ 
faltete auch im Jahre i9io''.eine lebhafte Reklametätigkeit durch 
Anzeigen und Veröffentlichung beschreibender und illustrierter 
Aufsätze in in-*und ausländischen Zeitungen und Zeitschriften, 
durch Ausleihen von Lichtbilderserien zur Veranstaltung von 


il 401 

Vorträgen über das Schwabenland usw. Aus der übrigen Tätig-' 
keit der Vereinigung im Jahre xgxo sind besonders hervorzuheben 
die Arbeiten für die mit Farbenphotographien ülustrierte Schxift 
„Das Schwabenland in Wort und Bild“ (Auflage 30000 Stück) 
und für den Reiseführer durch Württemberg und Hohenzollern 
(Verzeichnis der Sommer- und Winterunterkünfte für Erholungs¬ 
bedürftige und Sportsfreunde, Auflage 20000 Stück), die beide 
zur Ausgabe kamen und eine sehr weitgehende Verbreitung im 
In- und Auslande finden, ferner für die Schwäbische Landes¬ 
ausstellung auf der Internationalen Ausstellung für Reise- und 
Fremdenverkehr in Berlin 1911. Ein ungewöhnlich starker 
Besuch der württembergischen Bäder- und Luftkurorte aus 
Norddeutschland zeigt, welche Erfolge dieje Ausstellung zeitigte. 
Am 15. März 1912 wird die Schwäbische Landes-Ausstellung für 
Reise- und Fremdenverkehr in Stuttgart eröffnet. 

Verbandstag der Eulengebirgs-Vereine. Der 
Verband der Eulengebirgs-Vereine beschloss, seinen diesjährigen 
Verbandstag am 23. und 24. September in Breslau abzuhalten. 


Leipziger Messe und Wohnungsfrage. Wie die 
städtischen Behörden Leipzigs seinerzeit bei der Neuregelung 
der für die Musterlager in Betracht kommenden Messen sich 
der Aussteller angenommen und im Kaufhause wie auch später 
im Handelshofe mustergfültige Ausstellungsräume geschaffen 
haben, so sind sie jetzt im Verein mit dem Messausschuss der 
Handelskammer Leipzig und dem Verkehrs-Verein bemüht, für 
die Unterkunft der Messbesucher Sorge zu tragen. In der 
Hauptsache handelt es sich dabei um die Einkäufer, für die das 
Auffinden einer geeigneten Unterkunft zur Messe mit grösseren 
Schwierigkeiten verbunden ist als für die Aussteller. Letztere 
besuchen meist schon seit Jahren die Messen, haben sich des¬ 
halb an bestimmte Hotels und Privatwohnungen ge¬ 
wöhnt und dort rechtzeitig eine Unterkunft gesichert. Aber auch 
soweit dies nicht der Fall ist, finden sie, da sie, um das Aus¬ 
packen und Aufstellen der Muster zu überwachen, einige Tage 
eher als die Einkäufer nach Leipzig kommen, nicht schwer 
Wohnung. Die Einkäufer dagegen treffen in der Regel erst zu 
Beginn oder gar erst im Laufe der Musterverkehrswoche ein. 
Da sind fast alle Hotels voll besetzt. Privatwohnungen 
sind zwar in der Musenstadt Leipzig, deren Musensöhne 
(Sommer 1911; 4888) während der Mustermessen in den Ferien 
sind, reichlich vorhanden, aber vielfach nicht bekannt. Deshalb 
hat der Rat sich veranlasst gesehen, vorzuschreibon, dass, wer 
zu den Mustermessen Fremden ausserhalb der Gasthäuser gegen 
Entgelt Unterkunft gewähren will, die zu vermietenden Räume 
spätestens eine Woche vor Beginn der Messe, für die vermietet 
werden soll, bei dem Verkehrs-Verein (Handelshot am 
Nasch markt), der bis auf weiteres als Anmeldestelle 
bestimmt ist, anzumeldon hat. Der Verkehrs-Verein als amt¬ 
licher Messwohnungsnachweis weist kostenlos die Mess¬ 
wohnungen nach. Die Angaben, die der anmeldende Vermieter 
über die ihm im Anmeldebogen vorgelegten Fragen macht, sind 
so lange für ihn bindend, bis er sie unter Aenderung der An¬ 
meldung widerruft. Ohne gleichzeitige Aenderung der Anmeldung 
darf kein höherer Mietzins gefordert, auch dürfen nicht sonstige 
erschwerende Bedingungen hinterher gestellt worden. Auch 
Uber den Inhalt des Mietvertrages sind einige Bestimmungen 
getroffen, die als vereinbart gelten, wenn nicht ausdrücklich 
etwas anderes vereinbart wurde. Sodann findet er in der ge¬ 
mieteten Wohnung einen Abdruck der Ordnung aushängen. 
Um Streitigkeiten leicht und schnell erledigen zu können, hat 
der Rat Schiedsrichter ernannt, die in der obengenannten 
Anmeldestelle ständig anwesend sind. Dieser neu eingerichtete 
amtliche Nachweis von Messwohnungen tritt bereits für die am 
27. August d. J. beginnende Michaelismesse in Wirksamkeit. 
Ganz wesentlich hängt allerdings der Erfolg davon ab, dass 
rechtzeitig die Vermittlung in Anspruch genommen wird. 

Der Fremdenverkehr an der Mosel nimmt von Jahr 
zu Jahr zu. Namentlich sind es Belgier, die mit Vorliebe 
Ausflüge an die Mosel und den Rhein machen. Mehrfach sind 
im letzten Sommer schon grössere Reisegesellschaften mit 
Sonderzügen aus Belgien hier eingetroffen. Unlängst kam spät 
abends ein Sonderzug aus Brüssel mit 200 Touristen in Trier 
an. Die erforderlichen Quartiere waren schon im voraus bestellt 
worden, sonst würde es schwer gehalten haben, die Leute alle 
in Gasthöfen unterzubringen. Auf dem Bahnhof fand die Ver¬ 
teilung der Quartierbillette statt, dann löste sich die Gesellschaft 
in kleinen Gruppen auf. Die Belgier blieben bis zum folgenden 
Tage in Trier, dann ging die Reise weiter moselabwärts nach 
dem Rheine zu. 

Vom Schwarzwald. Blättermelduogen zufolge plant eine 
grosse leistungsfähige Gesellschaft eine elektrische Bahn auf 
die Hornisgrinde.. Ausgehend von Achern soll sie Saabach, Ober- 
sasbach berührend, zunächst nach Sasbachwalden geführt werden. 



DEUTSCHLAND 


D Nr. 8 


402 


DerkünftigeRundreiseverkehrum den Erdball. 
Aus Stockholm wird geschrieben, der Generaldirektor der 
japanischen Eisenbahnen, Herr Riutaro Nomura, hielt sich kürz¬ 
lich in der Begleitung von vier Ingenieuren der Staatsbahnen¬ 
verwaltung von Tokio in Schweden auf, wo die Herren unter 
anderem die Kraftanlagen am Trollhättawasserfall und die Vor¬ 
aussetzungen für einen elektrischen Eisenbahnbetrieb auf längeren 
Strecken studiert haben. Die Herren hatten unlängst einen 
Eisenbahnkongress in London besucht, wo eine für den direkten 
Verkehr Europa—Japan, wie für den „Rundreiseverkehr um die 
Erde“ gleich wichtige Frage gelöst worden ist. Einem einüuss- 
reichen schwedischen Pressorgan gegenüber hat sich der japan¬ 
ische Generaldirektor über die Ergebnisse der Londoner Ver¬ 
handlungen wie folgt ausgesprochen: Bisher ist der Eisenbahn¬ 
verkehr Europa -Japan mit der sehr unangenehmen Seereise 
von Wladiwostok bis zum nächsten japanischen Hafen verbunden 
gewesen; diese Schiffsreise nimmt 36 Stunden in Anspruch. 
Künftig sollen nun durchgehende Fahrkarten verkauft werden, 
die für die Fortsetzung der Eisenb.ihnreise aut der Linie des 
„South Mandschurian Railv/ay“ bis zur Südspilze Koreas gültig 
sind; diese Eisenbahn ist, seitdem sie in japjiuschen Händen 
ist, von einer schmalspurigen in eine normalspurige umgewandelt 
worden und kann also leicht mit dem europäischen Eisenbahn¬ 
netz in Verbindung gesetzt werden. Mittels dieser B\hn wird 
man künftig mit einem einmaligen Uinsieigen in Kuan Tschen 
Tsee bis Port Arthur und Dalny, oder bis Fusan kommen künneri: 
Fusan ist derjenige Hafen des Festlandes, welcher Japan am 
nächsten liegt. Von dort kann man mittels einer nur sieben- 
stündigen Seereise die japanische Stadt Moji erreichen. Wenn 
diese Verbindung benützt wird, erspart man bei einer Reise von 
Europa nach Japan oder umgekehrt nicht weniger als 24 Stunden, 
ln demselben Zusammenhang plant man auch die Einrichtung 
eines Rundreiseverkehrs um den Erdball, worin die genannte 
Route das erste Glied sein soll. Die Reise soll dann weiter 
Über den Stillen Ozean und durch das amerik mische b'estiand 
gehen. Auf diese Weise wird man künftig bedeutend billiger eine 
Reise um die Erde vornehmen können wie bisher, da es üblich 
ist, von Japan aus den Seniffsweg nach Europa z\i benützen. 
Mit der neuen europäisch-japanische»! Verbindung als Ausgangs¬ 
punkt sollen mehrere in den Einzeihciien verschiedene Reisen 
um die Erde arra.igiert werden; eine dieser Routen wird in.m 
über Skandinavien, eine andere vielleicht über Deutschland l«*{>en. 

Der Fremdenverkehr in Wien. Kim* interessante 
Statistik des Magistrats stellt iolgeiide, den i*'reindenver!:ehr 
betreffende sehr interessante Daten zur Verfügung: Seit dem 
Jahre 1884, in welchem man in Wien 182887 in Hotels 
angekommene Fremde gezählt hat, ni.> zum bcalu;en Tage ist 
die Zahl der Fremden von Jahr zu Jahr ohne Unfcrbicv liung 
gestiegen und hat im Jahre 1910 die Zahl 00388] erreicht. Dio 
Kaiserjahre 1898, 1908 und 1910 rage»i bcuondei.» hervor; doch 
weisen die darauifolgenden Jahre stets Tause»ule mehr Fremde 
nach, als die den Kaiserjahren vorausgegangenen Noimal/uzugs- 
jahre. Selbst das Jahr 1909, in dem wegen lier unsicheren 
politischen Lage und der drohenden Kiiegsgefahr der Freuiden- 
zuzug nicht nur in Wien, sondern überall ins Stocken »-.erict, 
weist noch Uber 8000 Fremde mehr auf als das Jahr 1907. 
Das erste Halbjahr des J..ihre3 1911 hat bereits 200 3O1 Hotelgäste 
nach Wien gebracht, das ist um 6000 mehr als das er.sle Halb¬ 
jahr 1910, in dem mit beginnendem Mai die Jagdausstellung 
eröffnet wurde. Diese Zilfern zeigen klai und deutlich, welchen 
Anziehungspunkt Wien immer mehr und mehr für den Fremden 
bildet. Zieht man v/eiter in Betracht, das.s in den letzten 
fünfzehn Jahren zahlreiche Fremden-Pensionen entstanden sind, 
deren Insassen bei der Zählung sl.ilistisch iiicht berücksichtigt 
wurden, die aber gewiss eine sehr stattliche Zahl lepräsenliorcn, 
so stellt sich die Situation noch güiisliger. 


Eisenbahnwesen. 

Für die w i 111 e r 1 i ch e n L u x 11 s z U g e nach dem Süden 
sind bis jetzt folgende Verkehrszeilen zwischen den bcleiliglen 
Verwaltungen vereinbart worden. Der Gotth.nd-Kxpiess gehl in 
der bisherigen Weise von Beilin über K irisruhe bis zum 20. No¬ 
vember. Vom 30. November bis zum 27. April verkehrt er ala 
Riviera-Express über Strassburg und Genua nach der Riviera. 
Vom 30. April an gehl er wiedei als Golth.ird-Expiess über 
Karlsruhe. Als Gegenzug verkehrt der Golthard-lixprcss bis /um 
30. November über Karlsruhe, am i. und 2. Dezember Uber 
Strassburg. Als Riviera-Kxpresa kommt dieser Zug vom 3. De¬ 
zember bis zum 30. April über Strassburg zurück. Die AbJahil- 
und Ankunftzciten von Berlin usv.^ bleiben die.selbeti wie l>isher. 
Der Berlin - Neapel-Express verkehit vom 4. Dezember an Mon¬ 
tags und Donnerstags ab Berlin 9.40 Uhr. Zuilick kommt er 
am Sonntag und Donnerstag 9.13 Uhr abends. 


Die Behandlung erkrankter Eisenbahnrei¬ 
sender wird durch folgende Verfügung geregelt: Wenn fest- 
gestellt worden ist, dass Reisende unterwegs erkrankt und hilflos 
geworden sind, so ist bei genügendem Aufenthalt der nächst 
erreichbare Arzt für die erste Hilfe heranzuziehen. Ebenso ist 
zu verfahren, wenn ein Reisender im Bahnhofsbereich ausserhalb 
des Zuges erkrankt. Der Arzt ist durch den betreffenden Bahn¬ 
hofsvorstand oder Vertreter zu ersuchen, seine Rechnung 
möglichst umgehend der Eisenbahndirektion einzusenden. Der 
Bahnhofsvorstand hat der Eisenbahndirektion von dem Vorfälle 
unter genauer Angabe der Personalien des Erkrankten unver¬ 
züglich Anzeige zu erstatten. 

Schiffahrt. 

Dampfer „Wiegand“. 

Unter dem Namen „Wiegand“ ist vor kurzem von der 
Bremer Roland-Linie ein neuer Dampfer in Dienst gestellt 
worden, der für den Verkehr zwischen Bremen und der West¬ 
küste Südamerikas bestimmt ist. Es handelt sich hier um einen 
Frachtdampfer von 418 Fuss Länge und von etwa 8000 Tons 
Tragfähigkeit, der aut der Werft des Bremer Vulkan in Vegesack 
erbaut und mit allen modernen Einrichtungen als Frachtdampfer 
versehen ist. Die Prob:rfahrl dieses Dampfers wich äusserlich 
wesentlich von der sonst üblichen Art der Frachtdampfer-Probe- 
tahiten ab, und zwar waren sowohl der Name, wie auch die 
Bestimmung des neuen Dampfers dafür massgebend. Dadurch, 
dass die Roland-Linie einem ihrer Schiffe den Namen des 
verstorbenen Generaldirektors des Norddeutschen Lloyd bei¬ 
legte die Taute erfolgte durch Frau Regierungsrat Petzet, 
die einzige Tochter Wiegands vollzog sie einen Akt pietät¬ 
voller Dankbarkeit. Bei ihrer Gründung stand Dr. Wiegand der 
Roland-ln'nie mit seinem Rat stets treu zur Seite. Mit gesundem 
Optimismus wies er ihr den V/eg. der zum Ziele führen sollte. 
Obgleich er offi/iel! nicht der Verwaltung dieser Gesellschaft 
angchürte, widmete er ihr, so lange er lebte, sein warmes und 
foiilernJr*-. Intciessc mit ganzer Hingabe, so dass sein Name 
anfs eIlg^U• mit d.'r RolanJ-Linie verknüpft ist. Während diese 
Bczifhungen /.wischen der Gesellschaft und Wiegand beim 
Stapellaut von beruiener Seite hervorgehoben wurden, gab die 
Probeiahrt des neuen Dampfers Gelegenheit, noch einmal 
Wivgando Verdienste um Bremens Handel und Schiffahrt sowie 
a.icb in eisici Linie um den dcviischen Schiffbau zu betonen. 
Bei einei.i i oainahl. das im Konveisationshause auf Helgoland 
von der Roiand-Linie voianst.iUcl war, wies der Leiter des 
Breinei Vulkan in Vcge.sack, Herr Direktor Nawatzki, mit 
waii.ien Worten aut di*‘-.e Verdienste besonders hin. In erster 
Linie habe Wiegan.l den Schittbau an der Weser in hervor- 
rag<*.idv;i Weise gctördcri. Kr sei es gewesen, dem auch der 
Bremer Vulkan zu eiueiu grossen Teil seine ausserordentliche 
Entwicklung und Ausdelinuu'; verdanke. Von Wiegand sei die 
Anlegung zi.i Ausdehnung des Unternehmens ausgegangen, so 
dass es imsi i.ide sei. Schifte zu bauen, wie sie die Neuzeit ver¬ 
lange. Der Bremer Vulkan sei gern auf die Ideen Wiegands ein¬ 
gegangen un»l gegen Ende des letzten Jahrhunderts zur erhob- 
liihen Vcigrösserung seiner Anlagen geschritten, deren Areal 
in der Zeit von 1898 bis 1911 von 90000 auf 360000 Quadrat¬ 
meter gestiegen sei. wähieuil das arbeitende Kapital von i* .» auf 
IO Millionen Mark angewachsen sei. 

Korfu als Aul.iiit hatcii des Norddeutschen Lloyd. 
Dei Norddeutsche Lloyd hat beschlossen, vom März nächsten 
Jahies ab d.ie Dampfer der l.mie Genua Neapel Alexandrien 
auch Korfu aiilaiifen zu lassen und dadurch seinen Passagieren 
Gelegenheit >11 geben, auch die Insel, auf der der Kaiser im 
Fiühjahr längeren Aufenthalt zu netimen pÜegt, kennen zu 
lernen. Du* Damptfr weiden vorläufig jedoch nur in den 
Monaten Mäiz, Apiil, Mai uni Juni Korfu berühren, und zwar 
sowohl auf der Ausreist* als auch auf der Heimreise. 

Kurze Ferienreisen zur See. 

Zur Zeit der grossen Ferien wird in vielen Familien, die 
niv hl im Seebade oder in der Sommerfiische Aufenthalt nehmen, 
der Wunsch nach kürzeren, ein- oder mehrtägigen Ausflügen 
rege, um sich die Tage der Freiheit abwechslungsreich zu ge- 
st.illen und sich, sei cs 'u Wasser oder zu Lande, an der Natur 
zu erfreuen. Die deutschen Seebäder mit ihrem mannigfaltigen 
Leben und Treiben auf den Promenaden und dem bunten Durch¬ 
einander an dem mit Sandburgen übersäeten Strande gelten 
vielen nicht mit Unrecht als das erstrebenswerteste Ferienreise¬ 
ziel, seitdem Eisenbahnen und Dampfschiffe sie auch für den 
wcilenlfernten Binnenländer in greifbare Nähe gerückt und ge¬ 
steigerter Komfort sie den ausländischen Modebädern gleich¬ 
wertig gemacht haben. Vielen aber genügt es nicht, tage- oder 
gar wochenlang sich mit einem bescheidenen Plätzchen am 





Nr. 8 müeGOOÜ&Ü(X^&d&3&^^ DEUTSCHLAND I lC iOO OOOe e OOOÖO^ 403 


Strande zu behelfen, sie sehnen sich hinaus in die unermess¬ 
liche Weite des Meeres, hinaus an die Küsten ferner Länder, 
die ihnen neue Eindrücke bieten. Mit einem Reichspostdampfer 
des Norddeutschen Lloyd fahren sie für billiges Geld um halb 
Europa herum und besuchen in zwölf bis vierzehn Tagen nicht 
nur die alten Hauptstädte Hollands und Belgiens, sondern lernen 
auch die Küsten Englands, Frankreichs, der Iberischen Halb¬ 
insel, die malerische Stadt Algier, die liebliche Riviera auf der 
Fahrt nach Genua kennen, um dann vielleicht in Italien oder in 
der Schweiz Aufenthalt zu nehmen oder auf schnellstem Wege 
wieder heimzukehren. 

Nicht jeder aber ist in der Lage, über eine drei- bis vier¬ 
wöchentliche Ferienzeit zu verfügen oder sie ganz auszunutzen. 
Wer nur einige Tage Zeit hat, braucht nicht zu glauben, dass 
für ihn Seereisen nicht in Frage kämen. Im Gegenteil! Die 
Küsten Englands und Frankreichs, die Insel Wight oder die 
normannischen Inseln im englischen Kanal bilden Reiseziele, die 
mit den grossen transatlantischen Dampfern des Norddeutschen 
Lloyd, den nach New York fahrenden Schnelldampfern wie Post¬ 
dampfern, auf allerbequemste Weise zweimal wöchentlich von 
Bremen aus zu erreichen sind. Vier bis acht Tage reichen 
schon aus, um eine derartige Reise nach England oder Frank¬ 
reich und zurück zu unternehmen. Wer z. B. an einem Sams¬ 
tag mit dem Lloyddampfer „George Washington“ die Reise 
Uber Southampton nach Cherbourg antritt, erreicht am Sonntag¬ 
abend Cherbourg, wo er übernachtet. Am Montagvormittag 
ist Zeit genug vorhanden zu einem Rundgang durch die Stadt, 
oder, was vorzuziehen ist, zu einer Fahrt in die Umgebung. 
Nachmittags kann dann die Rückfahrt mit dem fahrplanmässigen 
• Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd erfolgen, der am 
Dienstag in Bremerhaven eintrifft. Wer sechs Tage zur Ver¬ 
fügung hat, benutzt den Dienstags von Bremerhaven abgehenden 
Schnelldampfer und tritt am Samstag mit dem von New York 
kommenden Postdampfer von Plymouth oder von Cherbourg 
aus die Rückreise an. Für achttägige derartige Fahrten bieten 
die Dienstags von Bremerhaven abgehenden und am folgenden 
Dienstag dort wieder eintreffenden Schnelldampfer die beste 
Gelegenheit. Wer sie auf einer Fahrt nach und von England 
benutzt, verfügt über genügend Zeit, um die Hauptpunkte Süd¬ 
englands, die Insel Wight oder London zu besuchen, während 
er, falls er Cherbourg als Reiseziel nimmt, Ausflüge nach Paris, 
St. Michel, den normannischen Inseln u. a. unternehmen kann. 
In neuerer Zeit sind derartige kurze Seereisen, die mit inter¬ 
essanten Ausflügen ins südliche England oder in Frankreich 
leicht zu vereinigen sind, sehr in Aufnahme gekommen. Ein 
vom Norddeutschen Lloyd herausgegebener Prospekt „Nach 
dem englischen Kanal“, der allen Interessenten auf Wunsch 
unentgeltlich zugesandt wird, enthält alles Nähere über sie. 

Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

Die Grosse Woche in Baden-Baden, 25. August 
bis 3. September. Auch in diesem Jahre ist das Programm 
der grossen Badener Rennwoche mit besonders glanzvollen 
Veranstaltungen ausgestattet. Frankreich und Belgien entsenden 
ihr bestes Pferdematerial, so dass sich auf dem grünen Rasen 
von Iffezheim schwere, an spannenden Momenten reiche Kämpfe 
abspielen werden. Die Gesamtzahl der Gewinne beträgt über eine 
halbe Mill. Mark. Das anwesende Zeppelin-Luftschiff „Schwaben“ 
wird dem Rennen sowie dem Blumenkorso usw. sein besonderes 
Gepräge verleihen. Ab Karlsruhe, Baden-Baden und Strassburg 
verkehren nach dem Rennplätze Sonderzüge zu ermässigten 
Preisen. Ausführliche Programme sind kostenlos durch die amt¬ 
liche Auskimftsstelle der Grossh. Badischen Staatseisenbahnen im 
Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin W. 8., Unter 
den Linden 14, zu beziehen. 

Sommer-Schikurse. Die amtliche Auskunftstelle der 
Königl. Bayerischen Staatseisenbahnen im Internationalen öffent¬ 
lichen Verkchrsburoau, Berlin, Unter den Linden 14, teilt uns 
mit: Seit Mitte Juli Anden in den Oetztaler Alpen unter der 
bewährten Leitung des bekannten Münchner Schilehrers Karl 
Kress Sommer-Schikurse statt. Den Abschluss dieser Ver¬ 
anstaltungen bildet ein hochalpiner Lehr- und Wanderkurs, der 
in der Zeit vom 20. August bis 3. September abgehalten wird, 
und der die Teilnehmer in das gewaltige Hochgebiet der Oetz¬ 
taler Alpen, Uber prachtvolle Pässe und auf hochragende Gipfel 
führt. Diese Veranstaltungen werden in Sportkreisen sicher 
lebhaften Anklang Anden. 

Im September: ln Berlin Internationaler Kongress für Säug- 
^ j lingsschutz. 

jm September: ln Cassel Kurhessischer Lehrertag. 


I. —a. September: In Z o p p o t Generalversammlung des Ver¬ 

bandes preussisch-deutscher Vororte. 

3. September: Fernfahrt der Deutschen Automobil-Vereine nach 
Posen, veranstaltet vom Berliner Automobil-Klub. 

3.—5. September: In Dresden Generalversammlung des Bundes 
der Industriellen. 

3. — 8. September: In Heidelberg Hauptversammlung der 

Internationalen Vereinigung für vergleichende Rechts¬ 
wissenschaft und Volkswirtschaftslehre. 

4. —5. September: In C o b 1 e n z Tagung des Westdeutschen 

Verbandes selbständiger Konditoren. 

5. -6. September: In Eisenach Deutscher Pfarrertag. 

7.-9. September: ln Osnabrück XXVI. Wanderversammlung 
des Nord westdeutschen Forstvereins. 

7. — XI. September: In Würzburg XXVI. Deutscher Weinbau- 

kong^ess. 

8. —10. September: In Frankfurt a. M. V. Deutscher Impf¬ 

gegner-Kongress in Verbindung mit dem II. Weltkongress 
gegen die Impfung und dem I. Deutschen impfgegnerischen 
Frauentag sowie einer Zusammenkunft des Vereins impf¬ 
gegnerischer und des Vereins vivisektionsgeg^erischer Aerzte. 

8. —IX. September: In Danzig Kongress der Deutschen Eisen¬ 

bahnärzte. 

9. September: In Würzburg Generalversammlung des Deut¬ 

schen Weinbauvereins. 

9.—lo. September: In Bernburg Jahres-Versammlung des 
Stenographenbundes Sachsen-Anhalt (System Stolze-Schrey)» 

9. —n. September: In Bad Wildungen (Waldeck) Haupt¬ 

versammlung (24. Deutscher Wandertag) des Verbandes 
Deutscher Gebirgs- und Wandervereine. 

10. September: In Mainz Jahresfest der Mittelrheinischen Ver¬ 

einigung evangelischer Gesangvereine. 

10.—12. September: In Mainz Tagung des Verbandes Deutscher 
Bierverleger. 

II. —12. September: In P o s e n Tagung des Deutschen Städtetages. 

12.—13. September: In Dresden II. Deutscher Richtertag. 

14. —17. September: In C o b 1 e n z Tagung dos Vereins Deutscher 

Eisengiessereien. 

15. —16. September: In Dresden Konferenz des Deutschen 

Komitees für Internationale Sozialversicherung. 

16. September: In Coblenz Beleuchtung des Ehrenbreitsteins. 
17—18. September: In Heidelberg Bund Deutscher Architekten. 

17. —19. September: In Dresden VI. Tagung Deutscher Berufs¬ 

vormünder; zugleich Mitgliederversammlung des Archivs 
Deutscher Berufsvormünder E. V. 

21.—22. September: In Posen Besuch der Ostdeutschen Aus¬ 
stellung durch den Verein Deutscher EisenhUttenleute. 

21. —24.September: In Münster 40. Abgeordneten-Versammlung 

des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. 

23. —25. Septbr.: In Dresden I. Deutscher Reichsmittelstandstag. 

24. September: In Breslau Hauptversammlung des Vereins 

Deutscher Eisenhüttenleute und Einweihung des Hütten¬ 
männischen Instituts. 

24. September: In Düsseldorf Schaufliegen des Düsseldorfer 
Flugsportvereins. 

24.-27. September: In Dresden IV. Internationaler Kongress 
für Neumalthusianismus. 

24.—30. September: In Rom VII. Internationaler Kongress gegen 
die Tuberkulose. Mit dem Kongress wird eine Ausstellung 
verbunden. 

24. —30. September: In Karlsruhe 83. Versammlung Deutscher 

Naturforscher und Aerzte. 

25. -28. September: In Stettin 36. Kongress für Innere Mission. 

28. —30. September: In Osnabrück Jahresversammlung des 

Niedersächsischen Vereins der Gas- und Wasserfachmänner. 

29. September: In Heidelberg Naturforschertag. 

30. September bis 2. Oktober: In Leipzig Hauptversammlung 

des Verbandes sächsischer Gewerbeschulmänner. 

30. September bis 4. Oktober: In M ü n chen Deutscher Gemeinde- 
Beamtentag. 

I. Oktober: In L e i p z i g 16. Hauptversammlung des Sächsischen 
Lehrervereins. 

I.— 3. Oktober: In Düsseldorf Herbstrennen des Düsseldorfer 
Reiter- und Renn vereine. 

5.—8. Oktober: In Dortmund 24. Generalversammlung des 
Evangel. Bundes. 

Oktober: In Köln VII. Internationaler Kongress für 
Kriminalantropologie in der Handelshochschule. 

12.—15. Oktober: In Cassel Jugendbund-National-Konferenz. 
16.—21. Oktober: In Berlin Kongress der F^döration Universelle 
des Sociötös d'Hoteliers in Verbindung mit der General¬ 
versammlung des Internationalen Hotelbesitzervereins (Sitz 
Köln). 

22. -25. Oktober: In Heidelberg 47. Tonkünstler-Versammlung 

(Liszt-Fest). 





404 i iPQQ 9 OOQQQQQ 9 0 e QOQa 89 O 9 OQOQ(«i DEUTSCHLAND aeeo e eooeo e ec e oeeeoooeoee ai Nr. 8 


Ausstellungen. 

Internationale Ausstellung von Neuheiten und 
Patenten der Eisen- und Maschinen-Industrie in 
Budapest. Das Prämiierungsergebnis ist, wie die 
„Ständige Ausstellungskommission für die deutsche Industrie** 
mitteilt, für die von ihr organisierte Deuts che Abteilung 
erfreulich günstig ausgefallen. Obwohl die Zahl der deutschen 
Aussteller nur rund lo^/^ der Gesamtzahl betrug, sind von den 
bewilligten lo goldenen Staatsmedaillen 4 auf Deutschland ent¬ 
fallen (Gesellschaft für Hochdruck-Rohrleitung G. m. b. H., Berlin; 
Heinr. Lanz, Mannheim; Mühlenbauanstalt und Maschinenfabrik 
vorm. Gebr. Seck, A.-G., Dresden; R. Wolf, Magdeburg-Buckau) 
sowie 7 von den 20 ferneren goldenen Ausstellungsmedaillen, 
ferner 4 silberne Staatsmedaillen, xi silberne Ausstellungs¬ 
medaillen, 3 bronzene Staatsmedaillen, 3 bronzene Ausstellungs¬ 
medaillen und ein Anerkennungsdiplom. Dieses Resultat bedeutet 
einen für die deutsche Industrie in Ungarn hervorragenden 
Erfolg. Auch soll die Ausstellung finanziell für die deutschen 
Teilnehmer ein sehr günstiges Ergebnis gebracht haben; man 
spricht davon, dass deutsche Firmen bereits für etwa zwei bis 
drei Millionen Kronen Aufträge erhalten hätten. 

Ueber die Vorarbeiten für die „Grosse Japa¬ 
nische Ausstellung Tokio 1917** erfährt die „Ständige 
Ausstellungskommission für die deutsche Industrie“, dass nach 
einer Nachricht der in Tokio erscheinenden Zeitung „Jiji“ im 
Budget des laufenden Rechnungsjahres der Betrag von 420 000 Yen 
(i Yen gleich 2.09 Mark) für die Veranstaltung ausgeworfen ist. 
Der Gesamtplan ist zunächst dem Finanzministerium zur Ge¬ 
nehmigung unterbreitet worden. Als sicher gilt, trotzdem der 
Voranschlag noch geheim gehalten wird, dass der ursprünglich 
in Aussicht genommene Betrag von 10 Millionen Yen infolge 
der allgemeinen Preissteigerung nicht ausreichen, sondern auf 
15—20 Millionen erhöht werden wird. Der Voranschlag soll 
dem Parlament in der nächsten Session vorgelegt und die Ver¬ 
teilung der Kosten auf 5 Jahre beantragt werden. Inzwischen 
ist kürzlich im Japanischen Staatsanzeiger ein Ausschreiben zur 
Erlangung von „Allgemeinen Plänen für die Baulichkeiten der 
Grossen Japanischen Ausstellung“ veröffentlicht worden (An¬ 
ordnung der Haupt- und Spezial-Gebäude, Flächenverteilung, 
Gruppierung von Gärten, Teichen, Wasserfällen usw. sowie die 
wichtigsten Erdarbeiten). Für den Wettbewerb, der auch Aus¬ 
ländern offen steht, sind drei Preise ausgesetzt, und zwar einer 
von 3000, zwei von 2000 und drei von 1000 Yen. Eine Ueber- 
setzung der Ausschreibung sowie die bezüglichen Pläne sind 
an der Geschäftsstelle der Ständigen Ausstellungskommission 
(Berlin NW., Roonstrasse i) einzusehen. Die Entwürfe sind 
bis zum 30. September 1911 dem Bureau für die Grosse Japa¬ 
nische Ausstellung, Ministerium für Ackerbau und Handel, in 
Tokio einzureichen. 

2.—10. September: In Görlitz Kochkunst-und fachgewerbliche 
Ausstellung für Gastwirts- und Hotelwesen. 

16.—25. September: In Barmen Bergische Gartenbau-Aus¬ 
stellung, verbunden mit der Dahlienschau der Deutschen 
Dahlien-Gesellschaft. 

29. September bis 12. Oktober: ln E 1 b e r f e 1 d Rheinisch-West¬ 
fälische Ausstellung für das Baugewerbe und Wohnungs¬ 
wesen, veranstaltet von der Freien Baugewerke-Innung. 

Bis zum 8. Oktober einschl.: In Düsseldorf Grosse Nationale 
Kunstausstellung und Internationale Aquarellausstellung im 
Städtischen Kunstpalast. 

Anfang Oktober: In Düsseldorf Ausstellung von Flugsport¬ 
apparaten in der Zeppelin-Luftschiff halle und Wettfliegen 
von Flugzeugmodellen. 

9.—15. November: In Osnabrück Wanderausstellung Münchener 
Künstler in der Stadthalle. 

Mitte Dezember: In Berlin Ausstellung verkäuflicher Hand¬ 
arbeiten im „Berliner Frauenklub von 1900**. 


Deutschland und das Ausland. 

Eigenhändiges SchreibenTafts. Der amerikanische 
Kongressdeputierte Richard Bartholdt, der am 2. September in 
Potsdam die Steuben - Statue des New Yorker Bildhauers jÄger 
übergeben wird, ist vom Präsidenten Taft beauftragt, dem Kaiser 
ein eigenhändiges Schreiben zu überreichen. * ^ 

Deutsche Kolonisation in Bosnien. Die 30. Haupt* 
Versammlung des Vereins für das Deutschtum im Ausland hat 
durch die dort im Vordergrund stehende Behandlung der Lago 
des Deutschtums in Bosnien das öffentliche Interesse auf diese 
deutschen |Volkssplitter gelenkt. Etwa 8000 deutsche Bauern, 
zum Teil südungarische Schwaben und reichsdeutsche Siedler 
aus Niedersachsen und Preussen bilden dort eine Anzahl deutscher 
Dörfer, die hier und dort schon zu schöner wirtschaftlicher Blttte 
gelangt'sind. Das gibt Anlass, davon Notiz zu nehmen, dass 
die starke Auswanderung der mohammedanischen Bevölkerung, 
die vor 2 Jahren mit der Einverleibung Bosniens in Oesterreich- 
Ungarn einsetzte, neue, sehr günstige Kolonisationsmöglichkeiten 
erschlossen hat. Polnische und tschechische Banken haben die^^ 
günstige Gelegenheit beim Schopf gepackt, türkische Rieseng^ter 
gekauft und mit grossem Gewinn an polnische und tschechische 
Bauern parzelliert. Auch für Deutsche böte sich hier noch sehr 
viel, sowohl im Parzellierungsgeschäft, wie als Ansiedler. Zumal 
abwanderungslustige südrussische deutsche Bauern beider Kon¬ 
fessionen täten besser, hier neue Wohnsitze im Anschluss an 
die bestehenden protestantischen und katholischen deutschen 
Sprengel mit deutscher Kirche und Schule zu suchen, als sich 
in den Steppen Sibiriens und Turkestans zu vergraben. Der 
Seeweg von Odessa zur Adria bietet eine bequeme und billige 
Fahrgelegenheit, der Boden ist fruchtbar und trägt Weizen, Mais, 
Wein und Obst. 

Vaterland und Muttervolk. Dass sich mit der Liebe, 
der Pflichttreue und dem Stolz auf das neue Vaterland im 
Herzen der Ausländsdeutschen auch die treue Anhänglichkeit 
zum alten Mutterlande innig verbinden lassen, zeigen in be¬ 
sonders schöner Weise die Worte, die der frühere Gouverneur 
des südbrasilischen Staates Sa. Catharina und brasilianische 
Staatsminister, der jetzige Senator Dr. Lauro Müller, ein in 
Brasilien geborener Sohn deutscher Eltern, in Berlin als Gast 
der deutsch-südamerikanischen Gesellschaft sprach. Dr. Müller 
nannte sich mit Stolz Mitglied dieser Gesellschaft und erwähnte, 
dass seine Eltern von der Mosel rheinabwärts nach Brasilien 
gezogen seien, und fuhr dann fort: „Die stets grosse Liebe jener 
Auswanderer für ihr Vaterland war wie die Sehnsucht des in 
der Ferne weilenden Sohnes nach der daheim gebliebenen 
Mutter, nur gemildert durch die Liebe zur neuerwählten Scholle, 
der Heimat ihrer Kinder. Daher kommt es, dass wir Brasilianer 
deutschen Blutes mit dem Stolz auf unseren Amazonenstrom 
eine kindliche Ehrfurcht tür den Rhein unserer Väter verbinden. 
Sie sehen also, meine Herren, dass, wenn Ihr Werk zur grösseren 
Annäherung Deutschlands und der Länder Südamerikas den 
Beifall von Südamerikanern und Deutschen verdienen muss, 
kein Beifall freier, offener und begeisterter sein kann als der, 
welcher Ihnen von denen ontgegcngebracht wird, die wie ich 
stolz sind auf ihr Vaterland und das edle Volk, von dem ich 
abstamme.** 


Bäder und Sommerfrischen. 

Nordseebad Langeoog. Als ein Platz, der den Kur¬ 
gästen zu längerem Aufenthalt angelegentlichst empfohlen werden 
kann, ist das KurhausFalke (siehe Bild Seite 387) zu nennen. 
Ein grosser Bau mit weiter Fernsicht auf das Meer und mit allem 
nötigen Komfort ausgestattot, bietet neben ausgezeichneter, auf¬ 
merksamer Verpflegung die Annehmlichkeiten eines gutgeleiteten 
Hotels in ruhiger Umgebung. Ein grosses Lesezimmer, Schreib¬ 
zimmer und Billardzimmer sorgen für Ruhe und Abwechslung; 


Düsseldorfer Verlags-Anstalt Aktien-Qeseiischaft 


Graphische Kunst - Anstalt 

Kasernenstraße 18 — Fernsprecher 8766 , 8767 



Buch- u. Akzidenz-Druckerei 

Telegramm-Adresse: KUNSTDRUCK 


Beistelluni sfiintl.DnicksiicheR f.il.Vnkehr$-Ptopa$onda,Stii(lte-,Biiler- u. Hotel-Reklame. 


Drack und Verlag der Verkehrs-Zeitschrift „DEUTSCHLAND“, Organ für die deutschen Verkehrs-IntereaMUr. 








Nr. 8 DEUTSCHLAND l aeee e eceeeeeoeoeceoee^jceööeq i 405 


ausgezeichnete, seit Jahren beliebte Künstlerkonzerte sind für 
viele Kurgäste eine angenehme Zugabe. Wie die Einfachheit 
und Ruhe der Gnindcharakter Langeoogs, die Möglichkeit 
sich zurückzuziehen jederzeit gegeben, so auch im Hotel Kur¬ 
haus 'Falke. Wer nicht gemeinsam mit den übrigen Hausgästen 
leben und essen will, findet auf den um das Haus laufenden 
Veranden die Möglichkeit, sich jederzeit in beschaulicher Ruhe 
zurUckzuziehen, und hat dabei doch die grossen Vorteile des 
Seeklimas. Das in jedem Jahre wiederkehrende Stammpublikum 
beweist wohl am besten, dass man dort gut aufgehoben ist. 
Fahrpläne, Prospekte, Führer von Langeoog werden jederzeit 
kostenlos versandt vom Hotel Kurhaus Falke, Nordseebad 
Langeoog. 

Nordseebad Juist. Ueber dem Dorfe Juist thront auf 
den höchsten Dünen das prachtvolle Strand-Hotel und 
Kurhaus Juist. Es lieg^ in selten schöner Lage, gleich wie 
ein Schloss am Meer. Das ganze Strand- und Badeleben kann 
man von seinen Fenstern aus beobachten, und die Gäste, die 
einmal dort gewohnt haben, kehren gern wieder in dieses 
schöne, ruhige Hotel zurück. (Siehe auch den Spezialartikel, 
Seite 386 und die Abbildung Seite 388). 

Besuch der Ostseebäder. Recht erfreuliche Ziffern 
weist in diesem Jahre der Besuch unserer Ostseebäder auf. 
Dank der warmen Witterung suchen Tausende Kühlung und 
Erholung an dem schönen Ostseestrande. Es zählen Ahlbeck 18 671, 
Binz 18 671, Cranz 12 045, Heringsdorf 12 000, Kolberg 23 000, 
Misdroy 12075, Sassnitz 14600, Swinemünde 32442, Warnemünde 
x6 295,^ Zoppot 15726, Glücksburg 1503, Travemünde 9302, Nien¬ 
dorf 4521, Timmendorf 4529, Scharbeutz 1971, Boltenhagen 2633, 
Arendsee 6913, Brunshaupten 12396, Heiligendamm 1545, Graal 3842, 
Müritz 4667, Prerow 3000, Zingst 3000, Lohme 2117, Sellin 11472, 
Baabe 2262, Göhren X1240, Carlshagen 1657, Zinnowitz 9288, 
Zempin 1286, Koserow 2587, Uckeritz 1006, Bansin 6525, Ost- 
Dievenow 2012, Berg-Dievenow 3224, Stolpmünde 3248, Oliva 2892, 
Westerplatte 850, Kahlberg 3396, Rauschen 7917 und Schwarzort 
2400 Kurgäste. 

Bad Salzbrunn. Das in dieser Saison eröffnete Licht- 
Luft-Bad erfreut sich bei seiner idyllischen Lage einer grossen 
Beliebtheit bei den Kurgästen. Die hiesigen hygienischen Ein¬ 
richtungen haben auch bei den abnormen Witterungsverhältnissen 
dieser Saison, der grossen Hitze und Dürre, glänzend bestanden. 
Die Wasserleitung liefert ein einwandfreies Quellwasser aus dem 
Riesengebirge in beliebiger Menge und unsere neue Kanalisation 
mit biologischer Kläranlage bewährt sich ausgezeichnet. Beide 
bieten wohl für den Ort die beste Gewähr für das Fernbleiben 
von Epidemien. Die Zahl der Kurgäste und deren Begleitung 
betrug bis zum 14. August: 9000 Personen, der gemeldete 
Fremdenverkehr 8180 Personen, zusammen 17180 Personen. Das 
bedeutet gegen 1910 mit 16122 Personen ein Mehr von 1058 Per¬ 
sonen. Ausserdem wurden 54363 Tagesbesucher gemeldet. 

Frühjahrs- und Herbstkuren in Bad Münster 
am Stein. Durch das neuerbaute heizbare Brunnen- und Bade¬ 
haus ist die Kurverwaltung in der Lage, die Kurzeit bis zum 
15. Oktober auszudehnen und den Gästen auch noch die Kur¬ 
mittel in der für Bad Münster besonders empfehlenswerten Zeit 
im Frühjahr und Herbst zugänglich zu machen. Im Frühjahr 
bietet hier das romantisch-idyllische Tal im Blütenschmuck einen 
besonderen Anziehungspunkt. Im Herbst ist bei der schönen 
Herbstfärbung der Bäume die günstigste Gelegenheit zur Trauben- 


Die 

RMERIKn-MÜMMER 

(diesjährige grosse englische Ausgabe 
der „Deutschland“) ist einzeln zu 
beziehen zum Preise von 1 Mark 
(zuzüglich 30 Pfg. Porto); für Abon¬ 
nenten der „ Deutschland “ermässigter 
Preis 50 Pfg. (zuzüglich Porto). 

Verlag der Zeitschrift „Deutschland“ 

Telephon 8757 Düsseldorf Postfach 444. 


kur. Die Kurkapelle spielt bis zum i. Oktober. Besuchszahl der 
Kurgäste ohne Passanten bis 23. August: 7038. 

Bad Pyrmont. Von dort wird geschrieben: Ueber den 
Brand des Pyrmonter Kurhauses sind vielfach übertriebene 
Nachrichten verbreitet. Fremde, die nach Pyrmont kommen, 
sehen sich meistens erst suchend nach den Spuren des Brandes 
um, ohne sie finden zu können. Die Kurdirektion hat es ver¬ 
standen, in ausserordentlich kurzer Zeit wieder alles in Stand 
zu setzen. Schon zwei Tage nach dem Brande bot das Bade¬ 
leben wieder das gewohnte Bild. Der Badebetrieb und die Folge 
der täglichen Vergnügungen haben kaum eine Unterbrechung 
erlitten. — Die Fürstliche Brunnen-Direktion Bad Pyrmont 
teilt uns mit, dass am 23. August die Zahl der Kurgäste 10981 
und die der Passanten 22516 Personen betrug. Die Bäder- 
Abgabe betrug 11397 Moor-, 39617 Stahl-, 18199 Misch-, 194x9 
Sol-Bäder, X019 Elektrische Bäder, 5027 Inhalationen, zusammen 
94678 Kurformen. 


Verschiedenes. 

Ein neues Tätigkeitsfeld für die Schau- 
spielergenossenschaft. Die „Kommunale Rundschau**, 
das Organ des Reichsverbandes deutscher Städte, wird einen 
Artikel des Generalsekretärs der Genossenschaft Deutscher Bühnen¬ 
angehöriger, Dr. Osterrieth, bringen, der sich eingehend mit der 
Frage der Städtebundtheater befasst und zur Leitung solcher 
Theater die Genossenschaft der Bühnenangehörigen in Vorschlag 
bringt. Er weist darauf hin, dass durch Beschluss der Delegierten¬ 
versammlung vom Jahre X910 das Präsidium der Genossenschaft 
beauftragt sei, für die Schaffung von Städtebundtheatern 
einzutreten und sie eventuell innerhalb der Grenzen der vor¬ 
handenen Mittel in eigene Regie zu übernehmen. Nachdem 
er kurz die wirtschaftlichen Vorteile berührt hat, die die Ueber- 
nahme von Städtebundtheatern durch die kapitalkräftige Genossen¬ 
schaft den kleinen Städten bringen müsse, setzt er zum Schlüsse 


/ A 

BERLIN HRMBURü 

HOTEL ESPLAHADE 

Das Vollendetste auf dem üebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 






DEUTSCHLäND ^eeeeseeeeeeeeeeaeee^eeeai Nr. 8 


jioch, kiänAllerischen un4 eolch^ 

Instituts er hetantT da&a die 

Gewinn erst r*be und «j n e n et waigen, jR einigewj nn 4 tp n 

ihrer I>ensi6»eanstain ?tl9ö den invaiiden und den Veierij^en 

dca SchauepiekraiÄU des au/Ühre n w ürd e, ^; Hel bhsiretbä h d 

deutgcher Städte wird ■v^ieüeicht hö<rh :in, stirnei ; toijähiri^ 
Qenecilverssimtntung ßhet dies« Prnjekt beenden; ^Frkh Ztg.i 

B i fc E f h si 11 u n g d c r a H c fl M a i n b r ü Ck e Kar le d e ä 
G rcasetSi 8eit jahfen ist Eranfcftlrt am Mäiu vejv eirJei» 
s chwcr en Vertust e bed r ohl, 4er dein elterHlm Hc hie u Ghara kie r 
des Südibildes unberectititit-aren Schaden jcufügep würde: dte 
aUe ßdain h röckei die tnit iUren irßt aigen, roden Sanditeinpfeile tn 
und -Bogen Fränkratt am Mättj beherrscht, hat ^t'ch ixv den 
letale» Jahrein immer mehr als em schwere* yerkebf&UinfJenvts 
erwiesen. Die frÜbmitifelaJlerJicbLdn Eagitn iind schön seit Jahr^ 
jtehnten tiir den gewaltsig an wachsen den Flttasi?erkebr an eng 
iind aum Teil ^rind sie durch dtfe Sehiffe SfStg&f bis :sur Ema^r^' 
g efahr beecha dtg b Üu n, 4^ miebdf e 70 -Mit 11 iö n c □" Ba u d es 
grossen gntuitteihif vnr der Völbndüng siebt, 

I äs^t ^IcJi tf Ver E nt^^betdu d« f Brb c^ke^fV ige n i r ht n g e f 
hinausKChiebiiitti Unekiij^keferer) <w*scb^^^ dem preussisc'hen Staat 
und d:er Stadt Frtthk/wrt haben bieher die Losung der Praf* 
Ver^ 0 gerh 4e tm ^ndn 91 t tithx e fiainrgemä bs d an ach, 4an iür jdl<> 
aite cbÄr^ktefj^iiach und in seiner gEdruneeneü 

Sifetjge sö tmpüshj^t^ l^AuW^rfe ^u erhaben und striübte sicE 
mit Hecbi gegen de^; ^edankeny der Stelle dtr PlHkke Kaxj« 
des Of osAen eine iiföderße Eiseukönsuultiiön erstehen *U aehen.- 
Nub hat fiais StadtbaVi^^ti s^o berichtet der ;,Ci^et:öfiä''^j duKlh 
den TietbanVorstsfid kbelle eitieti Plan lertigstcUcu 'fassen, der 
im weacmikheri die Erha.ltutjg, dieses hisiorischen 
alter Baukünei, gäwährkl^tÄt^ das neue Bfückenmbdeil brirtgt 
durch VcrritigtTiirrg der Arj^abd der Flutbögen bei |g;leKbielliger: 
Verfareiteruiig und Erhöhung eiüe Bcibehaliung des bisheVigen 
baulFcbftn Chnrdkter^ iihd ^chäjfFt damit ein Bild, dai^ siuch TÜr 


da)i ^sdh^scL vefwdhtite Auge keine Schädigung der maiefi^chen 
/restmtWirkung bietet. Der Flbn Isi s^wöbl vt?m preDMtsclien 
S^ate als von der Stadt Prunkfuft hb^tts und j|fer»de 

}etEt. wird , ein Preiaau sschteiheri: ert*s tjeo, das FrankfUtter 
öröc^enfejaukün stier n dir djfese^t IdbiicäMtn Öftdankdnia 

Überweist. 


Aücb drt re^ireiide kjlein^ M^uiusel mit 
vb^lett öaüwefiten Wird d^^ufcb Wöhl .erbhlieu 


Biicherschau. 

Die Verein i g u n gr; 1. hternatinnÄler Pe t? ä i o ut e n 
Gross- B e 1 1 ? 4 s ' versendet beteiiwjilffgsi einen Stadfp^u von 
Etrtin nebst et nein Vera cjCFsniÄ der Ängefichlösseöea Pedaißtien, 
Der Plan ist aü :-beJ!ihery 44^^^ von MoseW Bediib W öa, 

Keithstr, t ^ Fi m, ^JSch4l/i -H 24 , K«ed4ebstr. töS; Hrau R, 
Riedel, tJW 40^ Hibdef$trt 9 tr/i 4 . 

des fedAttdSG^^ TeUes, 


jk^K rarwu wwtlitdr UU dtu iüitftäfls. ttfil ; J öb« f dcHuia ae b ■ r 
Th für tib4 sisutieliflü Tiii äei &tiftd*»- 

aarlific^lUsQ l Ür. ft «7 ^* f i i U^ÄchaftVilößut( 48 k Üaotfitbet Varirefers* 
ia ; fÜT Üsii r ü a & 7^ 8 r k in I>e*fl«ldqrr, 

Diuek y iMrlaflü tlar i> U a s a I a tfht t U.j; a a «* • U fs Dn»eldbfr. 


i-i|;ia^W.L^r:uj 


Kaufmünn. Leitung 

Direktor EatLn, 


ÄfittL I.eiMing 
BK hiEeä, Stäehlj^. 


^ürd, bttvut ftiv-* iti di^h ItÄiUimL VbT^vfbtlfr itureh KtKihon 

bä vo^ ’^V i' 1 vr^ ht^' 1 lü. ; 11V -t MlWIrw h fy tU ih l». 1 €t di d 

cTiMn^iiftiti^iäslbfK dltise beiidibn 

fbi11«fl r 1 hluiiHtv 0{fl Vrij 1 TT ?^I if 1 1 ti" n 1 iiiftntier’l^uoifti 

Nt öf ' i ^:r ivi 11 ui (i ?.] i ^ rl t ■ u >, > ■ o Lil ^ ^ ^ ^ 1h 1 <1 l>e, 

1 4 ii^.j;!T?it'u-' t 4 1u\ 4 “ fbuI IV1 i^l i pffV.y n! bbdu, K 5 ^.t(e 
>iU!'-ur?i j;^* ■'iV^^nnvT!. >LuT: (d^M^ ♦ib.lti . w^döt 

jhijyl) 4Ef' 1 birbtt; btu'ff ■ in iT b ji hcd ivii* 
k lrn 4 p ^H r. jMi 1 '1V t bi** 'i I . f 1 ^"b v! U x»tTNri 1 ( 

1 f«Ir , ttUfh Ti-if 't i: viVit;. ydl‘ nh irb»‘:' :.' • ■' 

danii »rtrite! "Wt 

Wflir- ufipliüuj dt'^A >i'AVMt!'ifällt:, N t''t:»pi-A^>iit*'^ifj -.Uibij Äw^efce 

111*r Rfh:i h i11#1 f: h4tm .THraitktr b. i rditu ist iiek ann t- 

!] brl f 'Aii* r ':, ^ 'i ■ a ■>t. [* ^ if' I* VTdxrnu ii 11 v\ fit r Krünkd 

.inT'ä^ tfi'irJHiJlfHfi», ■■iVlä'ti'',:Tfiv. Lbuitg.:inTriRUiiiit JCüfeitiiudp Üit ribfen 
;.^ ^ i'll’-'Ti d Ll M l rvv i: > f 1 J -H li \ 1 1 - ^li \ X*’ 1 ' -V i*f i Ifl flX Ul^fR' 

ly%fs 4 ^ 4 jo'b- • dvi' 4 -^^ eich 

. 14^; ^1 '.'r f tibd>T wh 1 i t 1 1 ktii 14i Vn Ic \ i» m neu 

4 h:hJI K-iViiiip^fr., ht vtfti jE^i^uulrlti^r RnM^ii'r Mtieii 

i vi.b'iii’ >t ihil. tft’niVSiUJT aber t?le. 

-'Tmirrt :fjbft V(b'bkNTA‘iu 3TfrttktlteH und 

p-E**?/• Iifi^fI'■■■[■tMf‘.'7'b i i'pPf11* ^‘■ 1 tb'h j:.h r :Vb ■ liisi.l tfUjt;. sh Ue TJ 4 cU 

i!■■ ^ -i "'< ■ ih»^ - ^>T^t;4i !.d4rb‘ >* i 1 i^ tni v^«fi rbl^flü*tUl 

' . N i \>h' ■ tj (- 7 1 ■ idJl ^ in J d.tpf '■ 

4t4 Ub I i r ix >f v4 1 i ^ Hi ^idt^n ^ii: K wf f4?t>' 
T pLt rVj ^ t%? i ? [ b 4 in VI i b ■ li, dj e iJi nee 

i; 41 fi f ^ ^ ^ f fk'-.- Ab 


0r. BlEil. UBniflilii'S VegetablIc ffllleh 


{f*tlisriEr.eiitiiit4>tf>. iir Ei«Ht« Ifisali xhr Entoll^^K Bm tfle«t 
tQr SäBiilliiet Bild )li4!itii»cliik^Bclii var^Bfittfrli %n m^^heiL 

UftkfmufÜHi l*^t ti/>r votlWinHE-p ffif 

diA MiilteTTiiikii und svlrd :iuvU vVübwliHirilTp’b iir Immer 

idMiin‘iiT du*'t'ivruiUt>h tKidi- iifid ydT'tJiiifiwU'lM- 1 Ht^i^tihr ii*i nifK^-. 

. w«iK> tDKdv i vnlTliJiit. .SfEriiilütg 8t'bvver >iftd fdf nuutrhpfi 

biutn Äti viudmtiui, dt^r kEmid^iilnn Ti+'miHt tCLtt^ix’vn ^ 

mi kindlirTiPu Vbifrt^n in ftclnvt^r y^fpluttUtriieh fristen Kbiuppp?! 
ii^Tinnt haiittrrli uird div 

btvd ^iJT Zfi'häi/mig ÄLij^rnt-ruiil dnd 

Ätpjiiil (i fp V'orri 11 l;i&tFuüpf ä^H !iitlndl\>djrut TjtiH brnrj^f.^l EVruni^i'n 
nbd dii'btT Fxdjj:pni, iVk*? IbVtybdürtdifiii t. Ivris'mf'r« lUjsjbP^Tirvif rjuik- 
bt' ii. Sk tt h, ■ ..V U rH d iM j I i J *, , J f b i b' • ■ ’ >’ il't k i W i^ 
'rid-Tint kii :^'iVfbi 4 d>‘ fiv^ti rddnntil. nji i’i v‘^nt|i id i ■ wejLo'f i ->Jr*f» 

J "id■!■ p*If*>iif'HM':i F'f; ■ i h ■ ulti*t i\ T:^ IkTIc^■,, As 1 i•^ 

iTxi/HlrfL^Ei>'lrk*'].lt'ifi, und' 

:fttf^ndknitiTV k}>i4id/b;un^:^ Uui>i D.t. i;fjfi<»^t. L’duibiMb- IV'idUit^T tltrr^fh- 

•iKiT flirrmlith dBö SkÄgSlas 

VtrdBviiflb d u >ft#nrerBkr&aB vidfmetfüit. >h n4,^^' 

t‘i-tiil:i|i'bTiuxpijrätViLl.■it'^rlit^btifi y.u Int^.rä.i^ tb!'''^'';k;'p.d5;>.VtTiff' Vx'rp.bi'nr-T. 

pIoT l+f, LjfbrjiiinJT^elii'n- 

h iii j r. 1 . 9 : t: Vt'dt ix j 4 it* > tti ü i i 11 * P-f ii ;. ■• li l.d \ Itjphxrjs. ■bT'frA’i iidTk t"U ■ J ‘i-.etj fix. 

■ 4^1 rh) -.n-i-.i rü kiT •■ Man Tvfi 1 nt: n w Wt ’ 4 n n:Afi-t ti' i::-r. it u l7iI t.. 

pij 1 Li,■ fi^ti Mik!' t liyx - jfj 3,4 H rl?i-.b ^ Fp ir.i i Uh r \ 11rtit f Idirf t Vdpi ■ 1 y tJ jW i't i >>(* y' ■ 
LdrMiä ididit, u.dJtrliiVli nnlh ^-pi^rnfii^rTyi 

udt rh;T Dt 5yiihim>h>iVüh<*Ti vfi^iiidrd^ITr Ainch/ ixi'srb-. 

\ uf ^;' Ati. fijAii ;• f? d^Tv..iiy. ki-Uit’r W nfsj-' 

tjiindi di*^ voNj hrfudlu'ben V'xndiuuvn^jiftjiinrfiTi' nur sidivvitr 7.11 
hrnvn 111‘u d El 1 Meh Iprll ftfi f slt' t K i nd nn 1 J idd 1 ^ r ^drr I:'t H ^ nnd 1 7,0 
f U3vhijit£:>ujienf;:e ntip\t rh Jshid. nir ilp'n SHu|i^Vlb^£ pbn 

f^ö^bhuiok 'löi' mit ye^öiahllui^sSJ lIp'U verRel /dMn Timniltii i-ni 

4*^r Mnttenfiilffb «ehr hhitneh^r^ pfi^ äijin iUe Annitiuuit db'Sb»^ Gi* 
miBcheH voa ifitt Sinder» wfel sia wwBiQiFf viril, mf^ v» i:oUink' 
HilA h, der E«tttiark>tf Wi^gti-isj ih koiv ^ iniöl e rte Fon 11 vi;?' b ra ch t, 


1 ■. Si^il rth ■ p; nnH 

b?T?,.p ? t-T ■'.' ■ j i--f ^ ^ ■ r; V'f tx’ir- tVi- 
■■>.^ 1;.\ bh'f :■. ■ ■;; htt ’f U U tl 
, ATixiST'n bdi ' juT:- .li.biDiL ■.• 

- . m ; TW* 

wATian, ib Jfitvd; ...i-i:,. 

lih- M*hd.ii :% 
X /tlvrxv* 'Tt; ■ ;■. TT lil t tld l : ’ I 
.diy' ■ .Hi.MEb'T .. fbjitirlDs^idr 
■ ‘ . ... vt ffftru. • '. '■' : ^■. 
Dt. mea; XnbmaB», 


\i.i ra p I p ^ ii> 3 Mi Ji 'IV t t 

uhiji'ii , Vii 

hitfjpT*, itUr h Ti-if't 


m- »^r*El 




















Hr.9 


B n or$on fOi die deutschen oerkehrs-lntetessen ■ m 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher verKehrs-Verelne 


Sept. 1911 



Burg Cochem an der Mosel 


IMiot. Aufii, I). Klisscrath. Coohriu 















Schnellste Uerblndungen zulschen Hnmhn rg und den nonllschen Hauptstddten. 

(Zusammengestellt von der Königlichen Eisenbahn-Direktion Stettin ) 




__cJor-ftxv»ei6»vuiv» 

I o o o «9 Sc^iÄpft y ct.Ävvici'Mw^en. 


Sfoclv^o -V/V 


1 


Berlin-Stockholm. 

Fahrpr.: 1. 72.30, 11.49.00, III.31 COM. 
D Lire Illaufende Wagen I.—III. Kl. 
Schlafwagen. 

1109 j-iiö ab herlin an 835 6^ 

047 i‘205 ^ Stralsund A 503 305 

458 217 Saßuitz Hafen 3io 108 
9iji 035 y Tiälleborg ^ 10^ 


9^ 710 au Malmö 
1010 730 ab Malmö 
853 0 ^ an Stockholm 
Fahrzeit 22'23 Std. 


ab lOoi 756 
an 943 732 
ab 1027 830 






O a o V^«***'® 





6«p~tJC.flvv 


94 ?atvv 4 *rvU.vi^e 






Berlln-(«»oiei.b.rD)-Rristianla. 

Fahrjir.: 1. 89. h), 11. 59 30, III. 38.70 M. 
Einmal umsleigen zwischen Saßnitz 
Hafen und .Malmö während der Fahrt 
im Durcligangszuge. 

1109 8i5 ab Berlin an 835 034 

047 12115 IR Stralsund A 503 305 

458 212 Saßnitz Hafen j 3io 108 


910 035 y Trälleborg 
9^ 710 an Malmö 
1015 738 ab Malmö 
4^ 21 ^^^ an Gotenburg 
1200 1010 an Kristiania 


10^ S-Js 
ab 1001 766 
an 938 736 
ab 333 
ab 734 545 


Fahrzeit: Berlin —Gotenburg 18/19Std. 

Berlin - Kristiania 26/27 Std. 


Berlin-Kopenhagen. 

Fahrpr.: I. 37.00, 11. 27.40, III. 17.70 M. 

Einmal umsteigen in Malmö. 

1109 815 ab Berlin an 835 6^ 

458 212 o,b Saßnitz Hafen ab 3io IO 8 

950 716 an Malmö ab lOoi 756 

1002 815 ab Malmö au 9^ 7^0 

1127 950 an Kopenhagen ab 822 6®^ 

Fahrzeit: 12/13 Sld. 




Berlin-Kopenhagen. 

Fahrpr.: I. 36.30, 11.25.50, 111. IG.OOM. 
Durchlaufende Wagen 1. — II. Kl. 
Schlafwagen. 

8‘i9 1108 ab Berlin an 855 (;38 

1236 302 CK Rostock A 500 222 

^102 3 ^ AVarnemünde 45i 222 

315 5 ^ y Gjedser 230 1 222 

042 944 an Kopenhagen ab 11^5 822 

Fahrzeit: 10/11 Std. 

Hnrnhurg-Stochholm. 

Fahrpr.: 1.70.60, 11.48.20, 111. 31.10 M. 
Einmal umsteigen zwischen Saßnitz 
Hafen und Malmö während der Fahrt 
im Durchgangszuge. 

913 7m ab Hanihurg an 958 8‘£1 

1012 822 ^ Lübeck A 904 729 

1238 1018 : Rostock ' 655 519 

247 1205 Stralsund 522 

458 222 Saßnitz Hafen 1 322 1^® 

1022 730 y xMalmö 1022 756 

853 Stockholm ab 10^7 830 

Falii-zrii; 23 Std. 


Hamburg - (Gotenbnro)— Kristiania. 

Fahrpr.: 1.83.40, 11. 5(;.50. HI. 36.20 M. 
Durchlaufende Wagen 1.—III. Kl. 
Schlafwagen. 


913 710 

ab 

Hamhiirg an 

958 

8H 

10*2 822 

R 

Lübeck Ji 


901 

7-9 

1238 l()is 


Rostock 


()55 

5*9 

247 1205 


Stralsund 


522 

322 

458 217 


Saßnitz Hafen 


3*0 

108 

1015 73« 


Alalmö 


1001 

75G 

4^ 218 

y 

Goten bürg ^ 


333 

13:4 

1200 1010 

an 

Kristiania a 

b 

734 

545 

Falii'zeit 

: Hamburg -Gotenburg 19 bis 

19 St., Hamburg —Ivristiaiiia 

26/27 St. 


Hamhurg-Kopenhngen. 

Fahrpr.: 1.30.30, 11. 22.70, III. 13.50 M. 
Durch laufen de Wagen I.—II. Kl. 
Schlafwagen. 

913 11 ^) ab Hamhiirg au SH 6>5 

102 332 m Warnemünde 1 159 222 

310 553 t Gjedser A 230 1222 

642 944 an Kopenhagen ab 1165 822 

Fahrzeit: 9/10 Std. 


Hamhurg-Kopenhngen. 

Fahrpr.: I. 28.20, 11. 21.40, III. 12.70 M. 

Zweimal umsteigen. 

705 1108 ab Hamburg an 1050 723 

915 1^ m Kiel 1 850 527 

ßto 863 A Korso r ? 244 IQOO 

448 1005 an Kopenhagen ab 1245 750 

Fahrzeit: 10/11 Std. 

Hamburg -(Fredericia)— Kopenhagen. 

Fahrpr.: 1. 30.30, H. 22.70, III. 13.50 M. 
Durchlaufende AVagen I.—II. Kl. 
Schlafwagen. 

838 822 al) Hamburg an 1142 844 

149 1 ^ 4^ Vamdrup A 642 ßn 

302 ojo Frederica | 542 222 

ßm ß28 y ICorsör 155 9^ 

836 8*3 an Kopenhagen au i 2 oo 750 
Fahrzeit: 11/12 Std. 



DEUTSCHLAND 


Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln 


♦ ♦ 

X Bezugspreis proJahröM.,viertel- X 

♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦ 

♦ 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦ 
X eines jeden Monats (im Juni, Juli X 

♦ und August monatlich zweimal) ♦ 
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦««♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 


♦ ♦ 

♦ Anzeigenpreis 40 Pfennig die X 

♦ viergespaltene Kolonelzeile ♦ 

♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦ 
X Breite. — Bei Wiederholungen X 
X entsprechende Ermälzigung ♦ 
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦#♦♦♦♦♦♦♦♦ 


Nr. 9 


Düsseldorf • September 1911 


II. jahrg. 


Der Cochemer Krampen. 

Text und photographische Aufnahmen von Prof. Ad. Plathner. 


Als im Mittelalter im süd¬ 
westlichen Deutschland das weit¬ 
verzweigte und reich ausgebildete 
System der Römerstraßen all¬ 
mählich verfiel, und bevor die 
neuere Zeit ihre Kunststraßen 
anlegte, die mit geschickter 
Ueberwindung der Steigung auch 
Gebirgs-Landschaften durch¬ 
queren, bildeten die Flußtäler 
die natürlichen und fast ein¬ 
zigen Verkehrswege. Auch die 
moderne Eisenbahn folgt in 
bergigem Gelände soweit als 
möglich den Flußbetten. Aber 
manches Gewässer zieht wie in 
toller Willkür, nach eigenen 
Launen seine Bahn, ohne sich 
darum zu kümmern, ob die ge¬ 
rade Linie nicht vielleicht die bequemere und zweckmäßigere 
wäre. So kennt schon der römische Dichter Ausonius (4. Jahrh. 
n. Chr.) die Schalkhaftigkeit der Moselle, die sich darin gefällt, 
dem Wanderer durch ihre fast auf den Ausgangspunkt zurück¬ 
laufenden Windungen zu necken. Dadurch hat der Fluß auch 
bis in die Neuzeit hinein auf weite Strecken den Schienen¬ 
strang von sich ferngehalten. Erst im Jahre 1905 wurde die 
Moseltalbahn vollendet, welche die Ortschaften zwischen Trier 
und Bullay mit einander verbindet, und der ganze Talweg von 
Bremm (oberhalb Eller) bis Cochem ist noch heutzutage von 
keiner Bahnlinie durchzogen, eine sicher an einem bedeutenderen 
Flusse seltene Erscheinung. Kurz hinter Neef tritt der von 
Trier nach Coblenz fahrende Zug in einen kleineren Tunnel 
ein, überschreitet darauf die Mosel, um nach einiger Zeit 
wieder in einem Tunnel, dem 4,2 Kilometer langen Kaiser- 
Wilhelm-Tunnel, dem längsten von Deutschland, zu ver¬ 
schwinden. Braust er aus diesem in Cochem wieder hervor, 
so hot er eine Krümmung von 22 Kilometer Länge, den sog. 
Cochemer Krampen, abgeschnitten. Dieser verdient es 
keineswegs, so beiseite liegen gelassen zu werden: Denn 
abgesehen davon, daß er die charakteristischen Eigentümlich¬ 
keiten der Mosellandschaft ausgesprochen und in reichem 
Maße darstellt, enthält er einige der schönsten Punkte des 
gesamten Moseltales. 

Der ganze Krampen läßt sich gliedern in zwei Schenkel, am 
Anfang und am Ende, der erstere von Eller bis Nehren fast 
östlich, der letztere von Ernst bis Cochem im ganzen west-süd¬ 
westlich gerichtet, dazwischen drei nach Osten gekrümmte 


Bogen, der größte und am weitesten vorspringende der von 
Beilstein, dazwischen eine tiefere Einbuchtung nach Westen 
oberhalb Beilstein und eine flachere unterhalb davon. Schon 
unterhalb von Bremm, dessen Moselfront unter anderem 
ausgezeichnet ist durch ein zweigiebeliges Fachwerkhaus 
(von 1670) mit reichem Schnitzwerk, besonders an den 
Fensterbrüstungen, beginnt jene erste nach Osten gerichtete 
Strecke. Die linke Seite, wo Rebenterrassen den steilen 
Abhang des Calmund erfüllen, bildet einen wirksamen 
Kontrast zu den weicheren Formen des rechten Ufers. Jetzt 
ist das grüne Wörth mit diesem ganz verwachsen, früher 
war es vom Flusse umrauscht, und die Trümmer der Kirche, 
die es trägt, sind die Ueberreste des Augustinerinnenklosters 
Stuben, das 1136 hier gestiftet, 1790 in ein freies Damen¬ 
stift umgewandelt und in der Zeit der französischen Revo¬ 
lutionskriege aufgehoben wurde. An die Au schließt sich 
Buchenwald an und führt langsam zur Höhe hinauf, die von 
der Peterskapelle gekrönt und am Fuße von dem vorher 
erwähnten ersten Tunnel durchbrochen wird. Ihre Fortsetzung 
bildet der Hochkessel (421 Meter). Seine mit Wald oder 
mit grünen Wiesenstreifen bedeckten Abhänge lassen an der 
Mosel nicht einmal für einen Weg Raum, während jetzt auf 
dem linken Ufer ein freundliches Vorland mit Feldern, Wiesen 
und Baumpflanzungen den Fluß begleitet. Es beginnt an der 
Stelle, wo der Ellerbach die linksseitige Bergwand durch¬ 
bricht und der Eisenbahn das Tal schafft bis zu dem Mundloch 
des Tunnels. Bald kommen wir den dicht bei einander 
liegenden Orten Eller und Ediger näher. Letzteres läßt 
sich urkundlich bis ins Jahr 635 zurückführen, und von 
seiner ehemaligen Befestigung sind noch einige Reste vor¬ 
handen. Nicht minder tragen zu der malerischen Wirkung 
der Uferseite bei die in der reizvollen Mannigfaltigkeit der 
alten Zeit aufgeführten Gebäude. Auch das Innere des Ortes 
birgt noch einiges kunstgeschichtlich Interessante. In zwei 
zierlichen, geschmackvollen Türen ist der Rokoko- und 
Empirestil vertreten, der rheinische Holzbau durch ein 
hübsches Haus in der Oberstraße mit Rundbogengesims 
am massiven Erdgeschoß, geschnitztem Eckpfosten und an¬ 
sprechender, in dieser Form oft vorkommender Brüstungs¬ 
füllung und durch das älteste bestimmt datierbare Fach¬ 
werkhaus der Mosel. Die Untersicht des Giebelvorsprungs 
(der Nase) zeigt die Jahreszahl 1549. Das durchbrochene, 
vor dem Giebeldreieck angebrachte Holzwerk (der sog. Zier¬ 
oder Schwebegiebel) kommt in ähnlicher Form in Bruttig 
mehrfach vor. Endlich lohnt die Kirche einen Besuch. Eine 
kräftige Brüstungsmauer mit weit vorgekragten Bögen stützt 
die Terrasse, auf welcher der Chor ruht; rechts daneben 



Beilstein (Mosel): Kirchenportol 












408 DEUTSCHLAND Nr. Q 


steigt unter einem Tor die Straße nach Cochem allmählich 
empor. Die Verzierungen des Turmes, die rote Sandstein¬ 
galerie, die flankierenden Ecktürmchen mit ihren Kreuzblumen 
aus Metall und die Dacherker kehren auch an anderen Orten 
des Krampens, z. B. in Nehren, Mesenich, Briedern und 
Bruttig wieder. Auf dem weiteren Wege bis Senheim bildet 
einen Richtpunkt die etwa eine Stunde oberhalb dieses Ortes 
frei auf der Höhe stehende Linde. Die Straße berührt das 
zerfallene Gemäuer eines viereckigen Turmes, den einzigen 
Ueberrest der ehemaligen Ansiedlung Leimen, und den kleinen 
Ort Nöhren oder Nehren mit seiner alten, schlichten und 
ansprechenden Kirche und erreicht dann Senhals, das Sen¬ 
heim entsprechende Dorf des linken Ufers. Da Senheim im 
Jahre 1838 zum größten Teile abbrannte, bietet es wenig 
Altertümliches; aber schon in der Römerzeit überschritt hier 
eine Straße, wahrscheinlich eine Verbindung zwischen der 
Trier—Binger und der Trier—Andernacher Höhenstraße, den 
Fluß. Späterhin kamen die Warenzüge aus den Nieder¬ 
landen nach Frankfurt hier durch; heutzutage gehen Wege 
oder Straßen nach Bullay, Merl, Grenderich, Liesenich 
und Strimmig (auf dem Hunsrück) von hier aus, und neuer¬ 
dings. ist eine Ueberbrückung der Mosel an dieser Stelle 
geplant, ein neuzeitlicher Beweis für den sicheren Blick 
der Römer in der Beurteilung von Verkehrsmöglichkeiten. 


Gerade die Außenseite der Moselkrümmung bei Senheim 
ist durch steile Rebenterrassen hervorgehoben, unterhalb 
verschwinden sie bald wieder, und in zunehmend breiterem, 
erst hinter Briedern wieder schmäler werdendem Streifen 
übernimmt jetzt das rechte Ufer das grüne, von mannig’- 
fachen Formen des Pflanzenwuchses belebte, sanft abgedachte 
oder ganz flache Vorland, während auf dem linken Ufer 
Weinberge den größten Teil des tiefen, nach Westen ge¬ 
richteten Bogens einnehmen; den steilsten Abhang und damit 
die beste Weinlage bietet der Rüberberg, Briedern gegenüber. 
Auf dieser ganzen Strecke des linken Ufers berührt die Straße 
nur ein Anwesen, einige Gebäude gegenüber Mesenich. In 
Mesenich selbst ist außer einem leider überputzten Fach¬ 
werkhaus (von 1585) mit zum Teil verschiefertem Erker 
und einem früheren Besitztum der Abtei Brauweiler, einem 
Barockbau des 18. Jahrhunderts, eine Einzelheit am Kirch¬ 
turm bemerkenswert. Die romanische Form der über einer 
Mittelsäule gekuppelten Fenster kommt an der ganzen 
Mosel und am Krampen auch sonst vor, aber hier sind 
die Kapitelle als Köpfe profiliert. In Briedern ist die Kirche 
durch einen Fachwerk-Anbau erweitert, eine im Rheinlande 
seltene Erscheinung. Unter den Bürgerhäusern wirkt 
eins sehr anziehend, weil es ohne architektonischen Auf¬ 
wand durchaus eine bestimmte Eigenart aufweist. 

Bald kommt nun eine Burgruine in Sicht, 
die einzige des ganzen Krampens; sie deutet 
die Nähe von Beilstein an. Nur an dieser Stelle 
durchbricht ein längeres Tal vom Hunsrück 
her die Uferhöhen, es mündet aus gerade an 
dem mittleren, größten und am weitesten nach 
Osten vorgeschobenen Bogen des Krampens, 
annähernd gleich weit von Eller und Cochem 
entfernt. Wege und Straßen führen von hier 
nach Zell und Merl an der Mosel, nach Strimmig’ 
auf dem Hunsrück und nach Kloster Engelport 
im Flaumbachtal. Hatte somit die Natur selbst 
dazu aufgefordert, einen solchen Mittelpunkt 
zu benutzen und mit „ihrer Erfindung Pracht" 
den landschaftlichen Rahmen geschaffen, so 
hat nun Menschenhand in diesen ein Städt¬ 
chen hineingebaut, so einheitlich, so mit 
der Umgebung übereinstimmend, als seien nur 
künstlerische Gesichtspunkte dabei maßgebend 
gewesen. Und daß dieses Kleinod weithin 
sichtbar sei, dafür sorgt die Lage im Winkel 
der weitausholenden Krümmung. Der rechte 
Teil des Städtchens (der Ort erhielt 1319 
Stadtrechte und 1322 einen Markt) mit dem 
stattlichen Burghause lehnt sich an den Schlo߬ 
berg, der andere steigt zwischen zwei Bächen 
zu der 1656 errichteten Kirche und dem 
daranstoßenden 1686 gegründeten, 1808 ein¬ 
gegangenen Karmeliterkloster empor. Alles 
überragen die Burgtrümmer, vor allem der 
mächtige Bergfried. Im Innern des Städtchens 
drängen sich die Gebäude, herrschaftliche aus 
Stein und bürgerliche in Fachwerk, neben- und 
übereinander, mit möglichster Ausnutzung des 
engen gegebenen Raumes, und so entsteht 
diese Fülle reizender, ausgeprägter Winkel 
und Gäßchen. Die Bauten sind zum Teil Kunst- 
und Geschichtsdenkmäler zugleich. Den Giebel 
des mächtigen, düsteren Speicher- und Kelter¬ 
hauses, das die Vorderseite mit dem mehr¬ 
seitigen, oben in eine Haube ausgehenden 
Treppenturme dem kleinen freien Platze am 
Rathause zukehrt, während die Längsseite durch 
eine Brücke und eine Anzahl Bögen oben Stütze 



Eckhaus in Fankel 















Nr. 9 DEUTSCHLAND 409 



und Verbindung" mit diesem selbst sucht, ziert eine Wappen- lieh jenseits zwischen Obstbaumhainen hervorschauenden 

tafel in Renaissanceformen mit der Jahreszahl T577. Das Dörfern Po 1 tersdorf und Ellenz. War jenes ursprünglich 

gleiche Wappen und dieselbe Jahreszahl kehrt über dem ein Reichslehen, so waren sie Reichsdörfer; aber nachdem im 

Bogen des Eingangstores wieder. Damals stand die Burg mit Jahre 1309 Kaiser Heinrich von Luxemburg Johann von Brauns- 

Zubehör schon in Lehensabhängigkeit von Trier, im früheren horn zum Richter über beide Orte ernannt hatte, fielen sie 

Mittelalter war sie Reichslehen gewesen, und die Herren von nach dem Aussterben dieses Hauses (1363) mit Beilstein als 

Winnenburg oder Wünnenberg (im Enderttale bei Cochem) Lehen an die Herren von Winnenburg. So vollzieht sich hier 

hatten die Herren von Braunshorn, die von einer Burg ein Stück der Entwicklung, welche die gesamte politische 

nördlich von Castellaun stammten, abgelöst. Als nämlich Geschichte Deutschlands seit dem Mittelalter beherrscht: Die 

im Jahre 1363 der letzte männliche Sproß dieser letzteren Reichseinheit und die Reichsgewalt tritt zurück, Einzelgewalten, 

Familie starb, war Gerlach von Winnenburg durch seine geistliche und weltliche, kommen an ihrer Statt und auf ihre 

Heirat mit Lisa von Braunshorn der nächste Erbberechtigte. Kosten empor. Von älteren Bauwerken ist in Poltersdorf 

Den Winnenburgern folgten 1652 als Lehnsträger die Frei- die Kirche zu erwähnen. Die Turmspitze krönt eine rad- 

herren von Metternich. Auf der oben erwähnten Wappen- artige Metallverzierung, den Fuß der Turmpyramiden beleben 

tafel weisen die drei Hörner auf Braunshorn, die Kreuze auf mehrere Erker, deren Nasen oben in Metallverzierungen über- 

Winnenburg hin; die drei Muscheln der Metternichs finden gehen. Die Fenster sind zu zweit über der Mittelsäule ge- 

sich erst, zusammen mit den eben erwähnten Zeichen, als kuppelt. Die Durchfahrt unter dem Turme war wegen der 

Herzschild auf einem Wappen an einer Mühle im Hunsrück- Beschränktheit des Raumes praktisch notwendig, hebt aber 

tale oberhalb von Beilstein. Etwas mehr als ein Menschen- zugleich das Gesamtbild, wie so oft bei älteren Bauwerken 

alter später erlebten die neuen Besitzer des Schlosses dessen künstlerische Wirkungen und praktische Zwecke in natürlicher 

Einnahme (Oktober 1688) und vollständige Zerstörung (März Verbindung stehen. Am Moselufer in Ellenz erinnert eine 

1689) durch den französischen Generalleutnant Grafen von dem hl. Sebastian geweihte Kapelle an das Erlöschen der 

Montalt, aus der Zeit der glorreichen Verheerungskriege Pest im Jahre 1624; der Turm trägt einen ganz besonders 

Ludwigs XIV., des allerchristlichsten Königs. Wieder ein reichen Aufsatz aus Kunstschmiedearbeit. Noch etwas älter 

Stoß von Westen her, einer der Eroberungszüge, welche die ist ein Fachwerkhaus, das sich mit seinem Giebel quer 

französische Revolution im letzten Jahrzehnt 
des 18. Jahrhunderts aussandte, war der Grund, 
weshalb die Herren von Metternich auch das 
Burghaus am Fuße der Ruine (das jetzige 
Hotel Lippmann mit den großen Wirtschafts¬ 
gebäuden, Speicher usw.) aufgaben. Die Zeit 
der gewaltigen Erschütterungen und Um¬ 
wälzungen um die Wende des 18. bis 19. Jahr¬ 
hunderts ist verewigt durch die Inschrift unter 
dem preußischen Adler am Rathaus: „König¬ 
lich Preußisches Großherzogtum vom Nieder¬ 
rhein". Die Bezeichnung, eigentlich der Name 
für eines der oft so willkürlich zurecht¬ 
geschnittenen napoleonischen Staatengebilde, 
ist hier erhalten geblieben, trotzdem dieses 
selbst nur so kurze Zeit bestand, und der 
größte Teil von ihm schon seit 1824 „Rhein¬ 
provinz" heißt. 

Ehe wir Abschied nehmen von dieser 
romantischen Stätte, steigen wir noch einmal 
die steile, vielstufige Steintreppe zur Kirche 
hinan. Frisches Grün sprießt über dem 
Portal und zu Füßen des Christusbildes in 
der Muschelnische; eine feine geschnitzte 
Kante hebt den Mittelpfosten der Tür hervor. 

Hier können wir die Bilder früherer Tage an 
uns vorbeiziehen lassen, hier können wir 
hinabschauen in das malerische Gewirr der 
Schieferdächer, Häusergruppen und vielver¬ 
schlungenen Gassen, und über den Fluß hin¬ 
über auf das breit und behaglich hingelagerte, 
unten ganz flache, dann sanft ansteigende 
halbkreisförmige Gelände des andern Ufers, 
das mit seinen ruhigen, gleichmäßigen Flächen 
einen wirksamen Gegensatz hervorbringt zu 
den scharf ausgeprägten Formen und den 
mannigfaltig ausgebildeten Umrissen der Land¬ 
schaft und des Städtchens auf der rechten 
Seite. Doch wie heutzutage die Beilsteiner 
Fähre einen regen Verkehr zwischen beiden 
Ufern vermittelt, so bestand auch schon in 
alter Zeit eine Gemeinschaft politischer Zu¬ 
gehörigkeit zwischen Beilstein und den freund- 


Rathaus in Fankel 







410 DEUTSCHLAND Nr. Q 




vor eine Seitenstraße legft. Die 
ausgesprochene Entwicklung in die 
Höhe, mit der die starke Betonung 
der senkrechten Holzglieder und der 
spitze Dachwinkel zusammenhängt, 
die geringe, dem natürlichen Wüchse 
folgende Krümmung der größeren 
Streben weisen das Gebäude trotz 
der Jahreszahl 1611 der Holzarchi¬ 
tektur der älteren, gotischen Zeit zu. 

Die große Heerstraße bleibt 
dauernd auf dem linken Ufer; rechts 
führt von Beilstein nur ein schmaler 
Weg auf steilem Uferrande, neben 
steiler Felswand. Doch bald er¬ 
weitert sich das Tal auf dieser 
Seite, und oberhalb eines früher 
flußumrauschten, jetzt ganz mit dem 
Lande verwachsenen Wörths er¬ 
scheint der Ort Fankel. Mehrere 
Staffelgiebel heben sich schon von 
weitem ab und künden ein höheres 
Alter an. Tatsächlich fühlt sich 
der Wanderer, zumal wenn er von 
Norden, von Bruttig her kommt, 
beim Anblick des Tores in eine mittelalterliche Stadt versetzt. 
Das größere Gebäude, unter dem sich die hier eintretende 
Straße nach kurzer Zeit gabelt, und aus dem sie in mehreren 
dunklen, rundbogigen Toröffnungen hervorgeht, ist das Rat¬ 
haus, in Urkunden auch Tanz- und Spielhaus (Spelhuisse) 
genannt; noch heutzutage dient es als Tanzsaal für Hoch¬ 
zeiten und andere Feste. Das Straßenbild, welches wir jetzt 
überschauen, enthält alle die Eigentümlichkeiten, die ältere 
Städte zum Unterschiede von den modernen so anziehend 
machen: Die gewundenen Linien der Straßen selbst, die 
Verschiedenartigkeit der Höhe, der Giebel und der Dachlinien 
der einzelnen Häuser, die Mannigfaltigkeit in der vertikalen 
Gliederung (Erker und Vorkragungen). Besonders kräftig ist die 

— das 


Haus in Ellenz (1611) 


linke Straßenecke betont durch das 
hoch aufsteigende, mit 2 Türmchen 
oben flankierte Gebäude, nach 
seiner ganzen Anlage auch noch in 
gotische Zeit zu setzen. Renaissance¬ 
formen dagegen zeigt ein hübscher 
Erker, der mit gebräuntem Holz und 
weißem Fenstergitter aus der efeu¬ 
umsponnenen Wand eines Hauses 
am Wege nach Bruttig vorspringt. 
Der eben genannte Ort enthält als 
Hauptsehenswürdigkeit — neben dem 
schönen spätgotischen Turme der 
Kirche, dem alten Schulhause und 
mehreren Fachwerkbauten, zum Teil 
mit dem früher erwähnten Schwebe¬ 
giebel — das Schunk-Feidensche, 
früher Paulische Haus, vom Mosel¬ 
ufer weithin sichtbar. Die Formen 
des massiven Baues (die ornamen¬ 
talen Stücke, wie Fensterrahmen, 
Giebelrand aus rotem Sandstein) ent¬ 
sprechen der Jahreszahl 1659; die 
Renaissance geht allmählich in den 
Barockstil über. In der Raumver- 
teiliing und Innenausstattung finden wir die Grundzüge des 
älteren Moselwohnhauses wieder, nur in größerem Maßstabe 
und in besonders glänzender künstlerischer Ausschmückung. 
Eine ähnliche Behandlung der Decken, Balken mit einfachem 
Schnitzmuster, auf Unterzügen ruhend, kommen auch an 
anderen Orten der Mosel vor, aber die Treppe mit ihren 
prächtigen Gewänden und der in einem Stück durch mehrere 
Stockwerke reichenden Spindel, ein Werk, an dem ein Meister 
der Holzschnitzkunst seine ganze Erfindungskraft und feinen 
Geschmack zugleich offenbart hat, die Rahmen von Türen und 
Wandschränken in ähnlichen Mustern, dazu ein Kamin aus 
gebranntem Ton und ein Ofen, dessen gußeiserne Platten zahl¬ 
reiche Darstellungen aus der biblischen Geschichte enthalten, 
sind Kabinett¬ 


stücke besonderer Art, 
denen auch die weitere 
Umgebung nichts Eben¬ 
bürtiges an die Seite zu 
stellen hat. Von den 
Fenstern auf der Rück¬ 
seite des Hauses füllt der 
Blick auf ein zwar nur 
sechzig Jahre älteres, 
aber weit altertümlicher 
aussehendes Gebäude 
in H o 1 z a r ch i t e k t u r. 
Ein mit einem Helm be¬ 
deckter Turm flankiert 
die eine Giebelseite, ein 
Tor, über dem statt eines 
Gesimses Schwertlilien 
üppig sprießen, vermit¬ 
telt den Zugang zu dem 
Hofe und vollendet das 
ausdrucksvolle architek¬ 
tonische Gesamtbild. 

Unterhalb von Bruttig 
beginnt die letzte der 
drei östlichen Bogen des 
Krampens; wie überall 
fällt nach der Außenseite 
der Krümmung die Berg¬ 
wand steil ab, während 



Ediger an der Mosel 


Bruttig b. Cochem: Fachwerkbau (1599) 






Nr. 9 DEUTSCHLAND 411 



Tor in Fankel 


der sanft abgedachte Kamm gegenüber mannigfache Vege¬ 
tationsformen gestattet und den Ortschaften Ober- und Nieder- 
Ernst, die zwei ziemlich alte Fachwerkhäuser enthalten, 
genügend Raum bietet. Fern in der Richtung auf Cochem 
heben sich schon auf der freien Höhe die Umrisse eines 
mächtigen Baumes ab: Es ist die Löscher Linde, deren 
riesiger Stamm schon an 
250 Jahre zählt. Im Vorder¬ 
gründe aber, am rechten Ufer, 
sucht Valwig zwischen Berg 
und Fluß sich den nötigen 
Platz. In einer schmalen, an¬ 
steigenden Straße ruht hier 
auf massivem Untergeschoß 
ein ansprechender F a ch- 
werk-Oberbau; dieBalken- 
köpfe springen unverkleidet 
vor, das Dach ist durch 
sogenann'te Aufschieblinge, 
wie oft an der Mosel, ge¬ 
knickt. Auf diese Weise er¬ 
hält der Verband des Dach¬ 
gespärres eine größere Festig¬ 
keit, und zugleich wird die 
Dachlinie graziöser. Vorbei 
an einem zierlichen Heiligen¬ 
häuschen aus Holzwerk, durch 
köstliches Rebengelände führt ein Weg zu den Häusern 
von Valwigerberg und seiner Marienkapelle, die in ihrer 
Schlichtheit so charakteristisch, in ihrer Unregelmäßigkeit 
so harmonisch wirkt. 

Von aufopfernder Fürsorge für die Aermsten der Armen 
redet weiter abwärts links ein ausgedehntes einzelnes An¬ 
wesen: Ebern ach, ehemals eine Propstei des Klosters 
Maria-Laach. In den umfangreichen Gebäuden, die nur zum 


Teil aus älterer Zeit stammen, pflegen und behüten Franzis¬ 
kanerbrüder über 300 Geisteskranke. Die ganze Anstalt liegt 
etwas abseits von der Straße, unmittelbar an dieser eine 
Kapelle mit kräftiger, etwas schwerfälliger Barockschnitzerei. 
Mit Entsetzen vermag die dort befindliche Wasserstands¬ 
marke (von 1784) den Wanderer zu erfüllen. Auf dem rechten 

Ufer verdeckt der rote, der 
Lurley ähnliche Felsen der 
Brauseley einstweilen noch 
jeden Ausblick. Aber er 
gleicht einem Vorhang, der 
das Schönste und Prächtigste 
nur verhüllen will, um es 
überraschend und vollständig 
auf einmal erscheinen zu 
lassen. Sobald das Schiff um 
die Felsecke herumgebogen 
ist und sich Sehl, dem jetzt 
mit Cochem ganz zusammen¬ 
gewachsenen Nachbarorte 
nähert, eröffnet sich ein ganz 
einzigartiges Landschafts¬ 
bild: Hinter der vornehm¬ 
ruhigen Mosel - Krümmung, 
über den Häusern von Sehl 
und Cochem, die zum Teil 
den Ufersaum bedecken, zum 
Teil schon den Berg hinansteigen, erhebt sich stolz und 
frei der Felskegel mit dem neu aufgebauten Schloß und 
dahinter rechts in der Ferne die Ruinen der Winneburg 
des Stammsitzes der früher erwähnten Ritterfamilie. Gegen¬ 
über Cochem lagert sich Cond, und im Hintergründe 
zwingen hochragende Bergwände den Fluß von neuem zu 
einer Windung. Unter den tief herabhängenden Zweigen 
der Bäume, welche die Straße freundlich begleiten und 



Bremm a. d. Mosel: Zierfenster mit Brüstung 


















412 DEUTSCHLAND Nr.9 


beschatten, versenken wir uns still, wie g^ebannt, in das 
wundervolle Naturg-emälde vor uns, das „des Abends sanfte 
Röte lieblich malt". Aber indem Gestalten und Geschehnisse 
versunkener Zeiten in unserer Erinnerung- emporsteigen, 
wandelt sich die friedlich heitere Szenerie vor unseren Augen. 
Dunkle Wolken schwärzen den Himmel, die Stadt hallt wider 
von Waffenklang und Kriegsgeschrei, und auf einmal bricht 
mit lautem Krachen die Feuersäule aus dem alten Schloß 
Cochem und der fernen Winneburg hervor. Am 16. und 
19. Mai 1689 war es, wo de Saxis, lieutenant du roi des 
Sonnenkönigs Ludwigs XIV., beide Burgen in die Luft sprengte. 
Noch furchtbarer hauste im August desselben Jahres Marschall 
de Boufflers; nach Erstürmung der Stadt und nach Greueln 
aller Art ließ er sie in Flammen aufgehen. So ging das alte 
Cochem zu Grabe, das auf eine reiche Geschichte zurück¬ 
blickte. In der machtvollen Zeit deutschen Kaisertums war 
das Schloß eine Reichsfeste gewesen; aber die Kaiser des 
späteren Mittelalters, welche die Reichseinheit nicht zu wahren 


Mauerkränzen; er, der einsichtige, willensstarke Vertreter 
moderner Großindustrie das Ritterschloß eines unter** 
gegangenen Zeitalters I Weithin leuchtet, besonders im 
Glanze der sinkenden Sonne, das Mosaikbild des heilige^ 
Christophorus von Salviati, eine der vielen Sehenswürdig¬ 
keiten des Baues. Doch auch in der Stadt zu seinen Füßen 
liegt manches malerische Plätzchen, manches bemerkens¬ 
werte Kunstdenkmal. Den Brand von 1689 hat überdauert 
das Enderttor mit dem hübschen Fachwerkanbau; nach der 
Zerstörung neu aufgeführt wurde das hochliegende Kapuziner¬ 
kloster mit Kirche (1699) und der Turm der Pfarrkirche, die 
dem hl. Martin geweiht ist. Aus noch späterer Zeit (1739) 
stammt das Rathaus, früher kurfürstliches Amtshaus, und 
wahrscheinlich auch die Häuser mit den Wellengiebeln an 
der Moselpromenade. Der neue Bahnhof, der Motive des 
alten rheinischen Fachwerkbaues in reichem Maße verwendet, 
wirkt günstiger von der Stadt als vom Bahnsteig aus. Der 
Haupterwerbszweig ist Weinbau und Weinhandel, dazu treten 




Beilstein (Phot. Aufn. v. Apoth. Klisserath, Cochem) 





vermochten, deren Interesse auch ganz in der Förderung 
ihrer Hausmacht aufging, gaben den Reichsbesitz aus der 
Hand. Karl IV., der Luxemburger, brachte diese Entwick¬ 
lung zum Abschluß, indem er 1346 dem Erzstifte Trier das 
Schloß Cochem als volles Eigentum überließ. Doch dieser 
Einzelstaat konnte sich, wie wir sahen, gegen die geschlossene 
Macht Frankreichs nicht wehren. 

In Paris holte sich damals der Deutsche aus guter 
Familie seine Bildung, französische Sprache, Literatur, Sitte 
und Mode beherrschte Deutschlands Staatengewirr. An¬ 
gehörige des hochgebildeten westlichen Nachbarvolkes ver¬ 
ewigten sich auch durch Cochems Zerstörung; die „blonden 
Barbaren'^ machten es in mühsamer Arbeit von 2 Vo Jahr¬ 
hunderten zu dem, was es jetzt ist, und ein Deutscher mit 
französisch klingendem Namen, der Geh. Kommerzienrat 
Ravene aus Berlin, beseitigte die letzten Spuren ehemaliger 
Zerstörung, indem er die Burg in den Jahren 1871 bis 1877 
nach den Plänen des Königl. Baurats Raschdorff neu auf¬ 
führen ließ, mit allen Türmen und Türmchen, Zinnen und 


Färbereien, Gerbereien, Holzschneidemühlen, Zigarrenfabriken 
und anderes. Dem Personenverkehr und der Warenbeförderung 
sind günstig die Bahnstrecke von Trier nach Coblcnz, deren 
Züge sämtlich hier halten, die Dampferlinien zwischen den¬ 
selben Orten sowie die Posten nach Kaisersesch und Lutzerath 
und die Verbindungen zu Wasser und zu Lande moselaufwärts. 
Diese befriedigen allerdings nur bescheidene Ansprüche, und 
auch die Dampfschiffahrt stockt nicht nur in solchen anor¬ 
malen Sommern wie 1911 oft mehrere Monate. Erst der 
Dampfer „Marienburg" hat letzthin trotz des tiefen Wasser¬ 
standes eine Fahrt von Coblenz nach Trarbach glücklich 
vollendet. Aber auch nach einer Bahnverbindung sehnt sich 
der Krampen mit Recht. Dabei hot der Freund entlegener, 
einsamer Gegenden, die eine unberührte Natur und eine 
am Orte erwachsene Kunst noch leidlich rein und ganz be¬ 
wahrt haben, nur den stillen Wunsch: Möge nicht die Hebung 
des Verkehrs mit einer zu großen Verunzierung der Land¬ 
schaft und einem zu starken Verlust an Kunstdenkmälern 
erkauft werden I 



















Nr.9 DEUTSCHLAND 413 


Berncastel. 


Berncastel im Sonnenglanze 
Jedes Wandrers Herz entzückt, 
Mit des Liedes goldnem Kranze 
Deine Schönheit sei geschmückt. 
Hinter dir die Rebenhänge, 

Von der Sonne überflammt. 
Strahlst du in des Tales Enge 
Ein Juwel auf grünem Samt. 


Schwarzgelb deine Banner flogen 
Einst in manchem Waffentanz, 

Und das Rathaus, seine Bogen, 
Schmückt der Sagen Efeukranz. 
Hoch am Berg des Schlosses Reste 
Künden altes Heldentum, 

Streit und Kampf und frohe Feste 
Und der Minnesänger Ruhm. 


Deines Weines edle Marken, 

Die den besten zugesellt. 

Tragen auf des Ruhmes Barken 
Deinen Namen durch die Welt. 
Doctor, Lay und Badstub', Schwanen, 
Schloßberg auch, der Landshut Zier, 
Zeigen sieggewohnt die Fahnen 
Wohl in jedem Weintournier. 


Drum auf altgeweihtem Grunde, 

Berncastel, blüh' fort und fort. 

Beim Pokal in froher Runde 
Spricht sich erst das rechte Wort: 

— Klingen mag der Heilruf brausend — 

„Schütze Gott den grünen Strand,-" 

Schirm Dich Gott noch manch Jahrtausend, 
Du Juwel im Mosellandl „- 


Georg Barthel Roth. 

Augsburg. ============— 



Man hat nicht mit Unrecht Augsburg die „stärkste 
Individualität unter den ehemaligen süddeutschen Reichs¬ 
städten" genannt. Geschichte und äußeres Bild der 
Stadt rechtfertigen 
dieses Urteil. Ihrem 
ganzen Wesen nach 
tritt sie höchst eigen¬ 
artig aus der Reihe 
derjenigen deutschen 
Städte hervor, die das 
Gepräge einer bedeu¬ 
tenden Vergangen¬ 
heit an der Stirne 
tragen. Es ist wahrhaft 
klassischer Kultur¬ 
boden, den man in 
dieser alten schwäbi¬ 
schen Metropole be¬ 
tritt. Als römische 
Kolonie ist Augsburg 
in der Zeit desKaisers 
Augustus begründet 
worden, von dem es 
noch denNamenträgt. 

Nach dem Zeugnis 
des Tacitus war die 
Augusta Vindelico- 
rum der glänzendste 
Mittelpunkt römi¬ 
schen Lebens in den 
nördlichen Voralpen¬ 
ländern. Und wenn 
auch von dieser 
antiken Stadt heute 
keine Bauwerke, son¬ 
dern nur sehenswerte 
Sammlungen in dem 


städtischen Maximiliansmuseum augenscheinliches Zeug¬ 
nis geben, so hat die spätere mittelalterliche Bischofs¬ 
und Reichsstadt doch aus ihrem römischen Ursprung 

mancherlei kräftige 
Impulse empfangen. 
Aus keiner Epoche 
deutscherVergangen- 
heit kann man Augs¬ 
burg hinwegdenken, 
ohne ein wesent- 


eignisse, als Stätte 
eines hochentwik- 
kelten industriellen. 


Augsburg: Rathaus mit Augustusbrunnen 


liebes und leben¬ 
erfülltes Stück deut¬ 
scher Kultur- und 
Volksgeschichte aus¬ 
zutilgen. Als Sitz 
eines der altehrwür¬ 
digsten deutschen 
Bistümer, als mäch¬ 
tige mittelalterliche 
Stadt-Republik, als 
Mittelsplatz zwischen 
Deutschland und der 
sonnigenWelt Italiens 
in Handel, Wissen¬ 
schaft und Kunst, als 
Brennpunkt eines ge¬ 
waltigen Welthandels 
und Großverkehrs, 
als Lieblingsaufent¬ 
halt deutscherKaiser, 
als Schauplatz glanz¬ 
voller Reichs-Ver¬ 
sammlungen sowie 
welthistorischer Er¬ 


































414 DEUTSCHLAND Nr.9 



künstlerischen und kunstgewerblichen Schaffens, so tritt 
uns Augsburg auf den Blättern der Geschichte entgegen. 
Wessen Herz und Sinn ist noch nicht ergriffen worden 
von den Bildern, die sich auftun, wenn man der be¬ 
wegten Zeiten des Kaisers Maximilian I., des „letzten 
Ritters", und der Reformation gedenkt, in welchen Augs¬ 
burg am meisten im Vordergründe stand? Mit Recht 
spricht man da von einer Aera der Fugger und Welser, 
um die Glanzperiode deutschen Welthandels zu be¬ 
zeichnen, in der Augsburger Kaufleute, Warenzüge und 
Kauffarteischiffe in aller Welt anzutreffen waren und 
die Welser in Venezuela eine deutsche Kolonie be¬ 
gründeten, in welcher 
die Kapitalmacht der 
oberdeutschen Han¬ 
dels-Fürsten, vorab 
Jakob und Anton 
Fuggers, in die poli¬ 
tischen Geschicke 
Europas entschei¬ 
dend eingriff und ein 
Herrscher wie Karl V. 
die deutsche Kaiser¬ 
krone nur mitHilfe des 
Augsburger Geldes 
erringen konnte. Mit 
dieser Stadt ist ja 
auch die unvergäng¬ 
liche Erinnerung an 
die Verkündigung der 
Confessio Augustana 
verknüpft, die 1530 
im Saale der bischöf¬ 
lichen Pfalz am Fron¬ 
hof vor sich ging, ist 
verknüpft die Erinne¬ 
rungen denReligions- 
frieden, der 1555 das 
heroische Zeitalter 
der Reformation be¬ 
endete. Eben in jener 
Epoche hat Augsburg 
der Welt Männer 
der Wissenschaft ge¬ 
schenkt wie Konrad 
Peutinger, den ge¬ 
lehrten Humanisten 
und Freund Kaiser 
Maximilians, und als 
würdige Genossen 
des großen Nürnbergers Albrecht Dürer Künstler wie 
Hans Holbein, Hans Burgkmair, Christoph Amberger, 
neben denen überdies nicht wenige Meister zweiter 
Ordnung Beachtenswertes schufen. Und diesem Boden 
entsprossen auch so duftige Frauenblüten wie Philippine 
Welser, die sich einen Habsburger zum Gemahl gewann 
und deren edle Gestalt Sage und Dichtung verklärt haben. 

Schon diese wenigen Andeutungen dürften dartun, 
welch eine Fülle von bedeutsamen Erinnerungen den¬ 
jenigen auf Schritt und Tritt umgibt, der aufmerksamen 
Auges und Geistes die Straßen Augsburgs durchwan¬ 
dert. Dabei kommt ihm auch die heimatliche Geschichts- 


Augsburg: Alter Wasserturm am Roten Tor 


und Kunstpflege, die in der Stadt sehenswerte Samm¬ 
lungen geschaffen hat, vortrefflich zustatten. 

In der Gemäldegalerie, in dem reichhaltigen 
und reizvoll ausgestatteten städtischen Maximilians¬ 
museum und in dem kleinen, aber hochbedeutenden 
Fuggermuseum, das in den herrlichen ehemaligen 
Fuggers chen Kunstkammern im Fuggerhause 
untergebracht ist, dann im Rathause und in ver¬ 
schiedenen Kirchen, namentlich im Dom, im St.Ulrichs- 
münster und in der Kirche von St. Anna ist Gelegen¬ 
heit geboten, das reiche künstlerische Schaffen Alt- 
Augsburgs kennen zu lernen in zahlreichen schönen, 

zum Teil einzigarti¬ 
gen Erzeugnissen der 
Malerei und der Bild¬ 
hauerei, der Gold¬ 
schmiedekunst und 
der Möbelkunst, der 
graphischen Künste, 
überhaupt so ziem¬ 
lich aller Zweige des 
Kunstgewerbes ver¬ 
gangener Tage. In 
alledem ist die „glanz¬ 
volle Sonne einer 
ruhmvollen Stadtge¬ 
schichte in tausend 
Einzelstrahlen zer¬ 
legt" und doch ein ge¬ 
schlossenes Gesamt¬ 
kulturbild geboten. 

Dazu das Stadtbild 
als solches! Als das 
„Pompeji der Re¬ 
naissance" hat ein 
hervorragenderSchil- 
derer altdeutschen 
Kultur- und Volks¬ 
lebens Augsburg in 
bezug auf sein archi¬ 
tektonisches Aeußere 
angesprochen. Dabei 
dachte er nicht nur an 
so berühmte Bürger¬ 
häuser der Früh¬ 
renaissance, wie das 
fresk enges chmückte 
Fuggerhaus oder 
das mit Erkern ge¬ 
zierte Museums¬ 


gebäude und das Weiserhaus, sondern wohl noch 
mehr an die prächtigen Schöpfungen einer von italieni¬ 
schen Vorbildern stark beeinflußten Straßenkunst im 
Zeitalter der Spätrenaissance. Welch eine bewunderns¬ 
werte architektonische Raumkunst hat diese Zeit mit 
erquickender Selbstverständlichkeit hier entwickelt! Da¬ 
durch vornehmlich ist das charakteristische Aussehen 
der Altstadt bestimmt, wenn auch die Gotik früherer 
Jahrhunderte und das Barock und Rokoko späterer Zeiten 
durch beachtenswerte kirchliche und profane Gebäude 
und allerlei architektonische Details eine reizvolle 
Mischung in das Gesamtbild bringen. Meister Elias 



















416 DEUTSCHLAND Nr. 9 


bayerischen Seen und Alpengebiete, vorab der 
nahe, neuerdings immer mehr geschätzte Ammersee 
zu rechnen sind, sondern auch die nächste Landschaft 
mit ihren Auen und Forsten, namentlich im west¬ 
lichen schwäbischen Hügelland. Wer immer in Augs¬ 


burg für kürzere oder längere Zeit Halt macht, wird 
sonach mit den verschiedensten Ansprüchen auf seine 
Rechnung kommen; niemand, der Augen hat su sehen 
und Sinne Schönes zu genießen, wird ohne Gewinn 
für Geist und Seele von dannen ziehen. 


Deutschland und Amerika*^ 

Von Dr. R. W. Drechsler. Amerika-Institut. Berlin. 


Was liegt an einem Namen? Und doch muß eine 
gewaltige symbolische Kraft in der Tatsache stecken, 
daß die Neue Welt ihren Namen aus den Händen eines 
bescheidenen mittelalterlichen deutschen Gelehrten emp¬ 
fing, jenen weitberühmten 
zaubervollen Namen, der 
durch die Seelen der Men¬ 
schen dieser Welt wie ein 
jubelnder Trompetenstoß 
und eine mächtig stür¬ 
mende Glocke geklungen 
hat. Der deutsche Kosmo- 
graph Martin Waldsee- 
müller, aus Frei bürg 
gebürtig, taufte in seiner 
1507 erschienenen Cosmo- 
graphiae Introductio den 
neu entdeckten Kontinent 
mit folgender feierlicher 

Formel:.und jetzt, 

nachdem diese Erdteile 
gründlicher erforscht sind 
und ein vierter durch 
Americus Vesputius ent¬ 
deckt worden ist, sehe 
ich keinen Grund, warum 
man diesen Erdteil nicht 
nach Americus, seinem 
scharfsinnigen Entdecker, 

Amerige nennen soll, das 
heißt dasLand des Americus, 
oder America, da ja auch 
Europa und Asia ihreNamen 
von weiblichen Wesen ab¬ 
leiten.“ Die Beziehungen, 
die so von Anfang an zwi¬ 
schen Amerika und Deutsch¬ 
land hergestellt wurden, 
sind niemals unterbrochen, 
sondern von Jahrhundert zu Jahrhundert inniger und 
fester geworden, und was für eine gewaltige Ent¬ 
wicklung ist es gewesen, von den Tagen dieses alten 
Geographen an, der über den Landkarten des jungen 
Kontinents brütete und seine Landsleute und die Gelehrten 
aller Welt über das Wenige aufklärte, was damals von 
dieser terra incognita bekannt war, bis zu dem modernen 
Reisenden und Touristen mit seinen erschöpfenden Reise¬ 
handbüchern und ausführlichen Karten! Wieviel größer 
noch ist die Kluft zwischen Tyrker, dem ersten germani¬ 
schen Besucher auf amerikanischem Boden, der im 
Jahre 1000 n. Chr. mit Leif Ericsons isländischer Expe¬ 
dition nach „Weinland“ kam, und seinem heutigen Lands¬ 


mann, der vom Deck eines Hamburger oder Bremer 
Dampfers aus die phantastischen Umrisse des geheimnis¬ 
vollen New York mit klopfendem Herzen grüßt! Tausend 
verschiedenartige Kräfte sind unaufhörlich an der Arbeit ge¬ 
wesen, um solche Wunder¬ 
werke der Gegenseitigkeit 
hervorzubringen. Dann und 
wann konzentrieren sich die 
Ergebnisse solcher Ent¬ 
wicklung in besonders mar¬ 
kanten Erscheinungen, wie 
es z. B. die im Frühjahr er¬ 
schienene deutsch-amerika¬ 
nische Nummer dieser Zeit¬ 
schrift ist, oder äußern sich 
in weithin wirkenden Reden 
bei großen internationalen 
Gelegenheiten. Die wich¬ 
tigste Veranstaltung dieser 
Art in der neueren Ge¬ 
schichte der deutsch-ameri¬ 
kanischen Beziehungen War 
zweifellos die im Dezember 
1910 erfolgte Feier der 
Enthüllung des grandiosen 
Denkmals, das die amerika¬ 
nische Regierung dem An¬ 
denken desBaronsFriedrich 
Wilhelm Freiherr von 
Steuben in Washington 
errichtet hat. Die Reden 
des Präsidenten Taft, des 
deutschen Botschafters und 
des Senators Bartholdt be¬ 
deuten einen Markstein in 
der Geschichte der Bezie¬ 
hungen beider Länder. Die 
ganze Feier war durch¬ 
drungen von dem Geiste 
jenes schönen Grabspruches, der auf Steubens Gedenk¬ 
tafel in der deutsch-lutherischen Kirche in der Nassau¬ 
straße in New York zu lesen ist: „Hochgeschätzt, ge¬ 
achtet und gefördert von George Washington, erfüllte er 
das Volksheer, das nach dem Ratschluß des Himmels 
die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten erstreiten 
mußte, mit militärischer Zucht und Tüchtigkeit.“ 

Die Lektion, welche dieser große Meister des Drills 
den Milizleuten der Revolution beibrachte, kam dann 
durch eine seltsame Fügung einem anderen deutschen 
Offizier zugute, dersiezum Besten seines deutschen Vater¬ 
landes verwerten konnte. Als der junge Gneisenau, 
seines Zeichens Leutnant in der Ansbach-Bayreuthischen 



W. H. Toft. Präsident der Vereinigten Staaten 
von Nordamerika 


') Vergl. den Artikel „Germony and American" in der Amerika-Nummer der ..Deutschland". 







Nr. 9 DEUTSCHLAND 417 


Armee, im Jahre 1782 nach Amerika kam, konnte er 
manches von der neuen Taktik und Strategie des amerika¬ 
nischen Volksheeres lernen, wie Steuben es ausgebildet 
hatte. Zwar blieb er nur ein Jahr im Lande und nahm 
kaum Anteil am aktiven Dienst: doch sicher lernte er 
da manches für die Aufgabe, die ihn daheim bei der 
Reorganisation des preußischen Heeres für die Freiheits¬ 
kriege erwartete. So fand friederizianische Kriegskunst, 
nachdem sie durch das amerikanische Medium gegangen 
war und die junge Republik aus der Feuertaufe gehoben 
hatte, ihren Weg vom atlantischen Gestade zurück nach 
Preußen, um hier den napoleonischen Bann zu brechen 
— ein gewaltiges Beispiel für die Innerlichkeit der 
gegenseitigen Beziehungen! 

Für diejenigen, welche 
heutzutage auf dem Pro¬ 
menadendeck eines der 
schnellen Ozeanrenner des 
Lloyd oder der Hamburg- 
Amerika Linie spazieren 
gehen, mag es nicht ohne 
Interesse sein, sich zu er¬ 
innern, daß das erste Fahr¬ 
zeug, welches eine voll¬ 
ständige Schiffsladung von 
Deutschen nach Pennsyl¬ 
vania brachte. Gravesend 
am24.Juli 1683verließundin 
Philadelphia am 6. Oktober 
1683 eintraf. Dieses Datum 
bezeichnet den Anfang jenes 
wunderbaren Prozesses der 
Einwanderung,der von jener 
Stunde an nie unterbrochen 
worden ist. Die ersten 
Ansiedler in Germantown 
oder „Armentown“, wie sie 
ihren Flecken mit grimmem 
Humor tauften, kamen ge¬ 
rade aus denjenigen Ge¬ 
genden Deutschlands, die 
der moderne amerikanische 
Tourist mit Vorliebe auf¬ 
sucht : es Waren zum 
größten Teil Weber und 
Winzer vom Rhein. Aus 
Krefeld, der Seidenstadt, 
kamen die meisten dieser 
Pioniere, „deren Mühsale 
und Anfechtungen groß waren, übertroffen nur von ihrer 
christlichen Ergebenheit und unermüdlichen Geschäftig¬ 
keit.“ Wenn der amerikanische Reisende den Rhein auf¬ 
wärts zieht und Deutschlands schönste Romantik genießt, 
durchwandert er all die Zeit ein Gebiet, aus welchem 
seine Nation seit den frühesten Zeiten neues Menschen¬ 
material und neue Kräfte gezogen hat. Die P fa 1 z sandte 
zu Anfang des 18. Jahrhunderts nach New York Tausende 
ihrer ,,Gärtner, Schlächter, Maurer, Zuckerbäcker, Brot¬ 
bäcker, Schuhmacher, Silberschmiede, Gerber, Tabak¬ 
pflanzer und viele, die mit der Versorgung des Hauswesens, 
der Land- und Pferdewirtschaft vertraut waren.“ New 
Jersey und Maryland, Virginia, Nord- und Süd-Carolina, 


Georgia und Neu-England nahmen nacheinander ihren Anteil 
an der deutschen Einwanderung, und allen kamen die her¬ 
vorragenden wirtschaftlichen und sittlichen Kräfte dieser 
Ansiedler zugute. Die deutschen Kolonisten nahmen 
sich der Sache der Freiheit mit der ganzen Glut und 
Wucht ihrer patriotischen Herzen an. Peter Mühlenberg 
und Christoph Ludwig Steuben, Hans Kalb und Georg 

Herkimer festigten die Bande der deutsch-amerika¬ 
nischen Freundschaft mit ihrem Blut. Nicht geringer 

war der Anteil der Deutschen an dem großen Vordringen 
nach Westen. Sie Waren gewöhnt an die Beschwerden 
der Pionierarbeit, beseelt von der Sehnsucht nach einer 
dauernden Heimstätte, jener tiefsten Sehnsucht des 

deutschen Herzens; und so 
drangen sie ruhig und un¬ 
widerstehlich vor in das in¬ 
dianische Territorium über 
Kentucky und Tennessee 

und später durch das Ohio¬ 
tal, deutsche Jäger und Mis¬ 
sionare, Handwerker und 
Händler, friedlich Seite an 
Seite mit den britischen 
und anderen Kolonisten. 
Theodore Ro ose Veit hat 
die aufregenden Abenteuer 
dieser großen „Eroberung 
des Westens“ glänzend 
geschildert und auch den 
Deutschen die Rolle zuge¬ 
wiesen, die ihnen in diesem 
Drama gebührt. Vielleicht 
läßt sich hier, aus diesen 
Assoziationen des deut¬ 
schen Stammes mit den 
Schicksalen der Hinter¬ 
wäldler, eine Erklärung auf¬ 
spüren für die merkwürdige 
Vorliebe der deutschen 
Jugend für den Typus der 
Lederstrumpf-Erzählungen. 
Prof. C. Alphonso Smith, 
der Roosevelt - Austausch¬ 
professor an der Universität 
Berlin im Winter 1910/11, 
traf das Richtige, als er in 
seiner interessanten An¬ 
tritts-Vorlesung bemerkte, 
„daß es dem Amerikaner 
schlechthin unmöglich scheint, an Feindseligkeiten mit einer 
Nation zu denken, die mit den Lederstrumpferzählungen 
so vertraut ist wie die deutsche“. Diese Vertrautheit 
ist denn auch keine bloß literarische, sondern wurzelt 
viel tiefer; sie stammt aus der tätigen Teilnahme der 
deutschen Rasse an der Eroberung und Erschließung des 
großen nordamerikanischen Kontinents. — Im 19. Jahr¬ 
hundert schwoll der Strom deutscher Einwanderer be¬ 
ständig an: Wisconsin und Minnesota, Texas, Kansas, 
Nebraska und Kalifornien wurden erschlossen und die 
stärksten Bande deutsch-amerikanischer Freundschaft 
geknüpft. Charles Sealsfield (Karl Postl), der erste 
große deutsche Schriftsteller auf amerikanischem Boden 



D. J. Hill, der bisherige amerikanische Botschafter in Berlin 




418 DEUTSCHLAND Nr. 9 


hat die Wechselfälle und Abenteuerlichkeiten dieser 
interessanten Zeit in einigen seiner oft bizarren, aber 
ungemein fesselnden Novellen und Romane verewigt. 
Doch schrieb sich die amerikanische Geschichte selbst 
das größte historische Dichtwerk mit jenem zweiten 
großen Kriege, der Nord und Süd verschmolz und alle 
widerstrebenden Elemente zu einer glorreichen Union 
verband, die fast zu gleicher Zeit auch das Ideal des 
deutschen Volkes war, um hier nur ein paar Jahre nach 
dem Abschluß des amerikanischen Sezessions-Krieges 
durch die Errichtung des Deutschen Kaiserreiches ver¬ 
wirklicht zu werden: eine andere auffällige Parallele, 
welche die Innigkeit der Verwandtschaften und Be¬ 
ziehungen zwischen Amerika und unserem Vaterland mit 
symbolischer Bedeutsam¬ 
keit zum Bewußtsein bringt. 

Wenn zwei Länder 
gleichen Anspruch auf einen 
Mann Wie Karl Schurz 
erheben können, der als 
Staatsmann und General, 

Schriftsteller und Redner 
die besten nationalen Eigen¬ 
schaften beider verkörperte, 
so kann zwischen diesen 
Nationen nur Sympathie 
und freundschaftliches Ver¬ 
ständnisherrschen. Niemals 
ist die Verquickung sol¬ 
cher nationalen Zweiheit zu 
einer geschlossenen per¬ 
sönlichen Einheit besser 
verwirklicht worden als in 
diesem größten Deutsch- 
Amerikaner, der ein so 
guter Amerikaner war, weil 
er ein so guter Deutscher 
war. Als er im Jahre 1852 
in seine neue Heimat kam, 
hatte er eine Segelfahrt von 
28Tagen hinter sich: trotz¬ 
dem war er voll freudiger 
Entschlossenheit und nahm 
sich vor, „alles von der 
hellsten Seite zu sehen und 
sich durch keine Enttäu¬ 
schung aus dem Gleich¬ 
gewicht bringen zu lassen“. 

Dieser echt amerikanischen 
optimistischen Lebensregel, 
die gerade für Reisende in fremden Ländern Leitspruch 
und Prinzip sein sollte, hat außer Schurz der große ameri¬ 
kanische Reisende und Dichter Washington Irving Aus¬ 
druck gegeben in der Vorrede zu seinem unsterblichen spa¬ 
nischen Reisebuch, der „Alhambra“: „Vor allen Dingen ver¬ 
sahen wir uns mit einem gehörigen Vorrat an gutem Humor 
und dem aufrichtigen Bestreben, die Dinge so zu nehmen, 
wie wir sie fanden, glatt oder rauh, und immer Freude 
an ihnen zu haben.“ Jeder Reisende ist schließlich in 
seiner Art ein Vertreter des Landes, von dem er kommt. 
Ehrliches Bestreben, die Natur und den Charakter des 
fremden Landes zu begreifen mit allen ihren Vorzügen, 


Nachteilen und Eigentümlichkeiten, die Art und Weise 
zu verstehen, wie die Leute im fremden Land ihr Leben 
führen und die Dinge dieses Lebens anfassen, eine be¬ 
sondere Bereitwilligkeit, allen Gelegenheiten die beste 
Seite abzugewinnen: das sind die Grundsätze, die jeder 
Reisende im fremden Lande als wertvollstes Reisegut im 
Koffer führen sollte. 

Abgesehen von dem beständigen Austausch indi¬ 
vidueller Reisender und Auswanderer, die als eine 
lebendige Kette in unaufhörlicher Bewegung von einem 
Ufer des Atlantischen Ozeans zum anderen sind, haben 
sich auch die offiziellen Beziehungen beider Länder 
stets würdigster Pflege erfreut. Kaum eine andere 
fremde Macht hat als amtliche Vertreter nach Berlin 

Männer von so außerge¬ 
wöhnlichen Eigenschaften 
gesandt wie die Vereinigten 
Staaten, Männer, die sich 
durch Charakter und Bil¬ 
dung, Geschäftstüchtigkeit 
und Gelehrsamkeit aus¬ 
zeichneten. Botschafter 
wie George Bancroft, 
Bayard Taylor, Andrew 
D. W hi t e haben dem deut¬ 
schen Volke einen hohen 
Begriff von dem Genius der 
großen Nation gegeben, die 
sie vertraten. Das feine 
Gleichgewicht, auch der 
amtlichen Beziehungen, ist 
stets gewahrt geblieben; 
denn die deutschen Ver¬ 
treter in Washington,wie von 
Holl eben, von Stern¬ 
burg und Graf Bern¬ 
stor f f, haben sich als ihrer 
amerikanischen Kollegen 
durchaus Würdig erwiesen. 

Glücklicherweise hat es 
ebenfalls nie an Einflüssen 
gefehlt, welche die gün¬ 
stigen persönlichen und 
staatlichen Beziehungen in 
kräftigster Weise gestützt 
und gefördert haben. In 
ersterLinieisthierbeinatür- 
lich zu denken an die ge¬ 
waltige Entwicklung der 
Schiffahrt in den letzten 
Dezennien, wie sie die interessante Geschichte der 
Hamburg- Amerika Linie und des Norddeutschen 
Lloyd darstellt. Die Statistik dieser beiden deutschen 
Riesenunternehmungen zeigt besser als alle Abhand¬ 
lungen, Reden und Vorträge die Lebenskraft, die den 
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und 
Deutschland auf allen Gebieten innewohnt. Hier kann 
der Beobachter den mächtigen Puls dieser Wechsel¬ 
beziehungen fühlen, wie er in dem Rhythmus der großen 
Schiffsmaschinen schlägt; hier enthüllen sich dem Blick 
die tausendfältigen Fäden, aus denen die Bande der 
Brüderlichkeit gewoben sind. Verwirrende Ziffern von 



John G. A. Leishmon, der neue Botschafter 
der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin 








Toflnetigf^iistU; unä Dime)iafoneii der SGlaffe^ Vöti^xÄ 
mellen per Sitmde und Pferd&kiäfteb,- die NameTt der 
^öWreiciten; Linten mä Seehäfen,; der Wertetäiien und 
0dck$ bilden ein Itupo^nnfes da^ geeignet 

feine emigermaöen ztdängijche Vprsteiiiing der Qrö^e 
dffe^^^r Oesellsthaften zu gehen, 

' jd;m aber- dOcb . vor ■ 

dfii? Be^ieNüngeu ’ dienen, ihre 

Haridelsflotfe bewältigt fled gröfieran Td^ des Hahdets-^ 

. verkehrt^w^^rschiEn den beiden Lnndern, der zu ungeahntem 
ÖmMfj^e äfigewacbäfeti/ ist. Der Import DeutschIsinds 
ndüv dbu Stu^ted für 1909/10 be- 


Städieii S49555926 Dolleri sts Verkäufer tt/ird 

Deüt?sCllatid mH diesen '-"■ 

iJ^iileni nur Tiocb v-on Grol3^ 
britnunjenaufdem äTnejJM-; ■ 
hlselTon j^'^arkt 
Oi^ Errtcbtiing cW am erb 
kaivL^rhett^ 

IhderdeiiHrten Hauptstadt 
ist fein Ecblagertder BfeWeSs 
für die ftusgedetinten Ham 
del,sbe;&iebub^fefer Bel dem 
F^eslbankeii: dieser 
VeremigMg stellte der 
OirekföT der, Deulsdien 
■Bank'- tfife- Behaupt ubg \,. 

daB;-äufeb ■dte.'de:Ut'schs.'B^.r--'' 

.;" tfeÜlgüni^'r.am ■■ ■■■■■ämerikäfii;' .... 

■kekeu'- fidrsfep ut&kt ■'g.fe^feh"';:'; 
wärtig. endJicH Mtifen Üm- 
fat3g-a^§[€»>n'tufen bat,.der ■ 
den-' iielitfiC'h 
srdü^n Hkndefcbeiriehtmgea. 
fentspfIcbi,:Vüai' u' 

konsuJan$<he Täti^keH in 
den ificbtifetfen Sstödtfeb 
beiderist ein 
Bfötvfeii für dife 
Ht'bendigkWlt üb d Lebens^ 
fühigkdt der Bfe^tehungeti: 

iR' .rlef" .müdernfem.defH^ -; 
schftn ist 

d asB ■ 

.sllm^hikh gj^iicbbed^utfef^xl 
gffe‘worffefmJ^rföI|jre^ : 

Methodj&ri /'irnit' . 

S'panri.tfebin'ükt f ütB 

i rgk dt. lf\ tkt Errfeieliuii^f ■ 2]d im d Zwecli e. 

AnwöbfhiS'die, iwuti't^imer.ikanlscber' Ünt.em 

^ 4eiH$T-(w?’ ■,tndu$.trie .und .dn?. 

^eiHsebe Geschäft vkdfäUfg bfefirmhtet und sHgeteg i ^ 
und srjr hat die Neue Wdt. zum Sdiuicl ab- 

kßßtied der deütjs^rä:! Arbeit m deuisebe 
Lesungen in den 

allen NaOpnen i$i l>^tsclüsb'4’:^äbr.dftiE^5fen 
gewesen amenkbniödie Grrung'eujichaftett ;aütonfei#i"n 
untl von jhüen m lernen. Deuischbmd würde auch, das 
erste Land .sein, wdbg dfe gmfien Beiträge iuf 
sation der Menschheit an^üerkfenhen,. die. ATheHka ixmh 
d^m Äus'^priiieh des eheman^en ..Lkijversiläfsffr^ijidonte^ 


Ghörtes Eliöt geltefeH; bst:- ,Ber F^^rt^dirht; den 
die.;V^ereihTgten Staaten nicht nui in der Theprfe^^^pßdern 
auph in di^r Praxis; öfebtei der 

Schiedsgerichtsfrage gemacht hapenii da? grobe p 
der religiösen TöIerauÄ: di^e EntWjckliing ,-feia^.s um- 
fesepd.j^u >^l^em'feiaen BeWefs; den 

gebfeWl ^; daß sjeb die Vdlker Verschiedenster 
ured bfder günstigen. Uibsti^hdfeti ;aehi 

WM tar pöiffechen Pretbetil. erzlehaa lassen; und endlich 
ibfe-Vferbtfeitbug mai: ferifeh eu ,Wpli Istandes uhier die größt- 
mögliche der Bevölkerung-h Ebenso hat Deutsphland 
: schdPÖ di goldeiiC Lebte des „achfesse : 

Ifeijit,: 'Reiche: dip .großen: ämfertkanisebeü Wohttälfb^r^ 
Wirksam gepredigl nrtd betiitigt \mbtn . ihre hd 

-. /-. ' dater, auch iii Oentkchland 

sprjdhwd^rtiicU- = fdt ■ ■■' größ-^;-- 
üilgige Ff¥gebigkMt gfe^ 
Wonjen. ,,Dhjs EvahgeljiiJTi 
des Reichtums'^ das .sie 
Verbffelteien^ ist aupl ^4 

den besitÄ^bdein K!a$^fen 
Dentschland s gedru pgeriv 
dlfe Sfet^t: au af len Enden 

dein Rufe nach BetätigtU>ä 
Pier böefe staaBbüfget- 
iicfen tugemt imd PfiiclH 
folgen, Ühd: .ukiil phnn 
tiefste B^epkMnrkfeHi i&i. 

daß 4er feuplf ^ciillch^te; 
amerikciui^cbe '., Vertreter 
dieses groÖörrttgfen, offeü- 
I ichen iVor 

kuf^em 
Kaiser \ 

Verf fö.'':':Er 

■'nchtung 

■’S t H t u n er 

fr> Dedtschiüfid, Dieser 
■ leUle.. - Beitrag , zur För^ 
dernng der dentscb-ainerN 
-: kanfschfen Bfe^3ehuiigen er- 
: ü ffnfet ürtgeainite A usbl(cke 
und. Mögficbki^ite 
Gebiete d^r, Völkerfreiind- 
schalt* Am24.^$fefjtfember 
Joü4 schrieb Carnegie au 
den deutsche^ Dpbfe.tsetj^e^^ 

^, , . ^Bvangefiums, .des 

t>T4 f ;■ V'uü fe: rfb. i J V lUscL o r: Bc tsch ■■ Ir Wö s h i n.g ic,r\ eitht u i ui- 1 ■': ■' Wir ''^oIHfe n 

i\k vet4:f£S5en. wie der detHsche Kaiser bfe! einer denk- 
WÜrdigerj Gelegenheit daran erwmrie^ dass, die EngtiscU 
sprfeebfibdeü Rassen, Briten nnrf Am^fik^n^rt Vom gbfekm 
teuiohäsfcheu Urspnmge ün4 'wie die- BetHschen: darum 
WrdlfeB vi^f. .,: 

r ‘.>-, lü d.ie.^etu Freimtiscfcaftsbiirul feajrn Beut^ti- 

fand die Rolfe spfefeu, diV A^nrerlkii .aa Ruderer 

Wip^e m den Augen, Europa« ge^pteff . 

DetH^diland besitatt alle 'hm Etgen^ch^irteir/ i^uricK dje 
eÄ dem aivledküuiscbcm . Gbiste als ein >.Land. unbe- 
gf^pzter .kann mH . seben 

feintighrtigen .^ solfüen 

Ku);turWer!efiL ■ptil; disiä.-'Land^^ 


420 DEUTSCHLAND Nr. 9 


Gegenwart, sondern „das Land der Zukunft“ für alle 
Amerikaner, welche die gewaltige lebendige Seele ihres 
Landes erweitern und vertiefen wollen. In der Ent¬ 


wicklung dieser großen Volksseele kann niemals eine 
Stockung eintreten, solange Deutschland das Mekka der 
amerikanischen Reisepilger bleibt. 


Die Uebergabe des Steuben-Denkmals in Potsdam. 


Die Uebergabe des Steuben-Denkmals durch die Sonder¬ 
botschafter der Vereinigten Staaten Richard Bartholdt und 
Charles B. Wolffram, die zu den bedeutendsten lebenden 
Vertretern deutschen Schrifttums und Vermittlern des deutschen 
Geistes in Amerika zählen, 
fand am 2. September in 
Gegenwart desKaisers, zahl¬ 
reicher Fürstlichkeiten und 
hoher Persönlichkeiten statt. 

Dieser feierliche Vorgang 
lenkt abermals die allge¬ 
meine Aufmerksamkeit auf 
die alten geschichtlichen Be¬ 
ziehungen zwischenDeutsch* 
land und den Vereinigten 
Staaten hin, die bis in die 
Tage der Unabhängigkeits¬ 
kämpfe der Union zurück¬ 
reichen. General Steuben, 
welcher als junger Offi¬ 
zier unter Friedrich dem 
Großen gefochten und sich 
in reifen Mannesjahren dem 
Dienste für den jungen Frei¬ 
staat jenseits des Ozeans ge¬ 
widmet hat, vertritt für seine 
Person und für ungezählte 
nachgefolgte Stammesge¬ 
nossen den Anteil, den das 
Deutschtum zu dem Aufbau 
des großen amerikanischen 
Gemeinwesens beigetragen 
hat, das jetzt als eine Welt¬ 
macht in die Geschicke der 
Völker mitbestimmend ein¬ 
greift. Herr Bartholdt 
übergab dem Kaiser das 
Denkmal mit folgender in 
deutscher Sprache gehal¬ 
tenen Rede : „Ew. Majestät I 
Im Aufträge des Präsidenten 
der Vereinigten Staaten sind 
wir übers Meer gekommen, 
um in Vollziehung eines 
Kongreßbeschlusses Seiner 
Majestät dem deutschen 
Kaiser und dem deutschen 
Volke das von Jägers 
Meisterhand geschaffene 
Standbild des Generals von 
Steuben, eines großen Deut¬ 
schen, Bürgers und Helden 
zweier Welten, als Geschenk 
des amerikanischen Volkes 
darzubieten. Wenn ich in 
Erfüllung dieser ehrenvollen 
Mission der Dolmetsch der 
Gedanken und Gefühle des 
amerikanischen Volkes sein darf, so freut es mich, im 
Namen der Sonderbotschaft des Präsidenten versichern zu 
können, daß das dargebotene Geschenk ein Unterpfand des 
Friedens und der Freundschaft sein soll und zugleich eine 
eherne Bürgschaft für die Aufrichtigkeit des von uns Ameri¬ 
kanern gehegten heiligen Wunsches, daß die Bande tradi¬ 
tioneller Freundschaft, die, gefestigt durch den Kitt der 
Blutsverwandtschaft, das große Deutschland stets so innig 
mit den Vereinigten Staaten verknüpft hoben, sich immer 


enger um die beiden Kulturvölker schlingen mögen. Der 
Name Steuben hat jenseits des Meeres einen gar guten 
Klang. Sein Träger war die Verkörperung deutscher Ordnung 
und deutscher Manneszucht und jener Treue, von der der 

Dichter sagt, daß, wenn sie 
nicht so alt wäre wie die 
Welt, gewiß ein Deutscher 
sie erfunden hätte. Er war 
nicht nur der Ordnung 
schaffende Genius der 
Kolonial-Armee, sondern 
auch der unermüdliche 
Organisator des Sieges. 
In gerechter Würdigung 
seiner großen Verdienste 
errichtete ein dankbares 
Volk, nationale Unter¬ 
schiede hochherzig außer 
acht lassend, seinen Manen 
vor dem Weißen Hause in 
Washington ein Denk¬ 
mal, das jene Ver¬ 
dienste, sowie über¬ 
haupt denrühmlichsten 
AnteilderDeutschenan 
der großen „Frei-von- 
England'" - Bewegung 
versinnbildlicht und 
späteren Geschlechtern in 
dankbare Erinnerung rufen 
wird. Und die heutige Feier? 
Sie ist gewiß ein schöner 
Akt internationaler Höflich¬ 
keit, aber dürfen wir die be¬ 
reitwillige Annahme dieses 
Standbildes nicht auch dahin 
deuten, daß Steubens altes 
Vaterland und sein hoher 
Herrscher gerne diejenigen 
würdigen, welche dem Deut¬ 
schen Namen in der Fremde 
Ehre gemacht haben? Die 
Tatsache, daß das auf 
deutschem Boden errichtete 
Steuben-Denkmal auch 
diese Sprache redet, wird 
von Millionen Herzen jen¬ 
seits des Meeres, die an¬ 
läßlich dieses Aktes heute 
an sich höher schlagen, 
mit hellem Jubel begrüßt 
werden. Von der sach¬ 
lichen zur politischen und 
ideellen Bedeutung dieser 
Feier ist nur ein Schritt. 
Gibt es wohl zwei Völker, 
die, auf der Tradition unge¬ 
trübter Freundschaft fußend 
und einer Zukunft noch innigerer Beziehungen entgegenblickend, 
besser berufen wären, in dem großen Humanisierungswerk 
der Zeit, in der Förderung von Kunst und Wissenschaft und 
in allen auf die Hebung der Volkswohlfahrt gerichteten Be¬ 
strebungen gemeinsame Sache zu machen? Wir leben in 
einer Zeit internationaler Verständigung, welche die Erkenntnis 
gereift hat, daß die friedliche Entwicklung wichtiger ist, als 
alles, was die Völker entzweit, und Deutschlands 40jähriger 
Friede bietet Amerika die Gewähr, daß es nur des Anstoßes 



Das Steuben-Denkmal in Potsdam 
Ein Geschenk der Vereinigten Staaten an das deutsche Volk 











Nr.9 DEUTSCHLAND 421 


bedarf, um die schon bestehende gfeistige Verständigung- zur 
politischen Tatsache werden zu lassen. Möge der heutige Tag 
zum geschichtlichen Markstein solch glücklicher Entwicklung 
werden." — Der Kaiser erwiderte folgendes: „Mit aufrichtigem 
Dank nehme ich das Denkmal in Empfang, das Sie im Auf¬ 
träge des Herrn Präsidenten der Vereinigten Staaten von 
Amerika und in Vollziehung eines hochherzigen Kongre߬ 
beschlusses mir und dem deutschen Volke als Geschenk des 
amerikanischen Volkes übergeben. Als vor einigen Monaten 
das Steuben-Denkmal in Washington enthüllt wurde, hat man 
überall im deutschen Lande mit Interesse die Feier verfolgt 
und mit lebhafter Befriedigung gesehen, wie erhebend und 
eindrucksvoll sie unter regster Beteiligung von Regierung 
und Volk verlaufen ist. Jetzt freuen wir uns, von diesem 
tüchtigen deutschen Mann, der in begeisterter Hingabe und 


vornehm schlichter Pflichterfüllung der Sache des amerika¬ 
nischen Volkes seine Kräfte widmete, ein von Amerika ge¬ 
stiftetes Abbild auch auf deutschem Boden zu besitzen. Die 
Worte, mit denen Sie der Bedeutung des Standbildes und 
der heutigen Feier beredten Ausdruck verliehen haben, finden 
im Deutschen Reich lebhaften Widerhall. Mit Recht haben 
Sie auf die blutsverwandten Beziehungen und die ununter¬ 
brochene Freundschaft hingewiesen, welche die deutsche und 
die amerikanische Nation miteinander verbinden und stets 
und immer enger verbinden sollen. Ich bitte Sie, meinen und 
des deutschen Volkes Dank entgegenzunehmen, daß Sie hierher 
gekommen sind und uns dies schöne Denkmal übergeben haben. 
Ich darf der Erwartung Ausdruck geben, daß Sie sich auch bei 
dem Herrn Präsidenten und bei dem amerikanischen Volk zum 
Dolmetsch dieser unserer Gefühle machen wollen." 


Professor Münsterberg. 


Professor Münsterberg, der bekannte Harvarder 
Psychologe, welcher zwei Semester hindurch als Aus¬ 
tauschprofessor an der Universität Berlin gevdrkt 
hat, hat am 24. August d. J. Deutschland verlassen, um 
sich nach seinem akademischen Wohnsitz in Cambridge 
(Mass.) wo die Harvard-Universität belegen ist, zu be¬ 
geben. ProfessorMünsterberg 
las an der Berliner Universität 
während des Wintersemesters 
IQlO/ll über „Experimen¬ 
telle Psychologie" und „Idea¬ 
listische Weltanschauung", im 
Sommersemester IQll über 
„Einführung in die Philo¬ 
sophie" und „Willensfreiheit". 

In ehrenamtlicher Neben¬ 
funktion war er mit der 
Gründung und Organisierung 
des Amerika - Instituts 
betraut, das unter der be¬ 
hördlichen Leitung desKultus- 
ministeriums eine Zentral¬ 
stelle für die systematische 
Förderung der kulturellen Be¬ 
ziehungen zwischen Deutsch¬ 
land und den Vereinigten 
Staaten darstellen soll. Aus 
Anlaß seines Scheidens und 
in Anerkennung seiner ver¬ 
dienstvollen Leistungen in 
diesem reichen, doppelten 
Wirkungskreise verlieh ihm 
Seine Majestät der Kaiser 
den Roten Adlerorden zweiter 
Klasse. Ein kurzer Blick auf 
den Lebensgang und das 
Schaffen dieser interessan¬ 
testen aller lebenden deutsch¬ 
amerikanischen Persönlich¬ 
keiten magalsEinleitung dem 
vorangehen, was Professor Münsterberg selbst über das 
Institut, diesen krönenden Abschluß seiner langjährigen 
Bemühungen um deutsch-amerikanische Freundschaft 
und Verständigung, zu sagen hat. 

Am 1. Juni 1863 in Danzig geboren, absolvierte 
Hugo Münsterberg das Gymnasium seiner Vaterstadt 


und widmete sich philosophischen, psychologischen, 
naturwissenschaftlichen und medizinischen Studien in 
Genf, Leipzig und Heidelberg. Nachdem er 1885 zum 
Dr. phil. in Leipzig und 1887 in Heidelberg zum Dr. med. 
promoviert hatte, habilitierte er sich 1890 als Privat¬ 
dozent der Philosophie in Freiburg i. B., um bereits 1891 

zum außerordentlichen Pro¬ 
fessor befördert zu werden. 
In dieser Zeit schon traten 
bei dem Schüler Wundts 
diejenigen wissenschaftlichen 
Studien in den Vordergrund, 
die das Hauptwerk seines 
Lebens bilden sollten: schon 
1889 veröffentlichte er „Bei¬ 
träge zur experimentellen 
Psychologie" und erwarb sich 
als experimenteller Psycho¬ 
loge einen solchen Namen, 
daß 1892 ihn die große ameri¬ 
kanische Harvard-Universität, 
an welcher der berühmte 
Psychologe William James 
wirkte, zur Organisierung 
eines psychologischen Labo¬ 
ratoriums berief. Mit be¬ 
hördlichem Urlaub folgte 
Münsterberg der Einladung; 
doch entwickelte sich aus 
dieser nur als vorübergehend 
gedachten Verbindung ein 
dauerndes Verhältnis, und 
so wirkt denn Münsterberg 
seit 1892 an dieser ältesten 
amerikanischen Alma mater 
als ordentlicher Professor der 
Psychologie und Direktor 
des psychologischen Labora¬ 
toriums. Seine Bedeutung in 
der internationalen Gelehrten¬ 
welt zeigte sich, als man ihn im Jahre 1904 mit der 
Organisierung des Internationalen Gelehrtenkongresses 
der Weltausstellung von St. Louis beauftragte, einer 
Riesenaufgabe, die er glänzend löste. Es scheint, als ob 
seine psychologischen Studien und Erkenntnisse ihn 
gerade zu jenem genialen Organisator in der Beherrschung 



Professor Hugo Münsterberg 



422 D E UT SCH LAK D Nr. Q 


von Xlensdt^t und Verhältnissen gemflcHt als 

der er s^jck wieder bei der Gründung des Ain-eTiiciJ^instiniis 
bewä brE i\a b Be so n d e rs b ervo rz u h e b e n ist, daÖ Pro hm ör 
Milbsierberg trotz seines achtsehjnjährigert AdferttbäUei: 
irr deh Vefem^gteb StaeteB; deutscher Reirhsblirg^dr ge- 
b1 1 eheh ;ts L In di e sef B4zii ehung i st sein Buclv -,rA üs^ 
P e ulscK-A m eri ka B er li n 19 OQ, b es önd e r$ e rWa h neri 
wertt Als Miitler größten Stils zwischen deh beiden 


Ländern Kat er sich betätigt niit seinem großen 
bäncligen Werk ,,Die Amerikaner^, Berlin 1904, von dem 
in Kürze eine umgearbeitete Auflage erscheinen, %vird. 
Neben seinen, rem fach wisse n sch aftlich^n Sch ri Mn be¬ 
anspruchen noch be^öndäre Beachtung für den äfJge^ 
meinen Leser seine ^Amerikanische CharakterzügG'^ (eng- 
UschhBoston 1003^ „Das ewige Leben'" (englisch), Boston 
19Q5^ Ond „Psychotherapie" {englisch), New ybrk 1909, 


yOh Mb h S t HaWard-Aust^iisdv^röre^br an der Urtiv$rsil^it in feriin/ 




pätf'ilflE 


Di e S G h Sn eh l< ä ütri^ ' d es h e ue n Am e r i ka -1 n-sti tii ts 
wurden offizieH mit S^gihn -diesfe Jäfe^s eröffnet, Um 
jeder Mißdeutuhg yöFV vArTvh&r yDr^irböugen, seiMlas 
Folgende gesagt : Diese Ahkündigirng ist nichl nur anF 
Ziifassen als eipe mehr oder weniger herzlfchtJ Bih- 
iadung an die arnerikanfsehen Reisenden, das Institut 
als eine neue Sehenswürdigl;eit in der schonerttleuiäcKen 
ffauptstadt lu besuchen; auch soll damit 
n} Cht dev Ein druck erweckt: wenfeh ^ ols ,;v' ^ Vr T'* 
sei £: h ^eb\e Rä uvnti c h kal tp n ä Ik. Ha vtji t~ 
tjuartierÄu beirachteh AmetikaMr 

seih e LähdiaI^dte IreiTen kabh. oder ajs 
in Aus k un ft b u r e mi , wo P a hfp 1 än e und 
1 lpt+’lfüiir?^r auf durchreisendAmeö- 
kaMc; w^jjten ■ .Das Institut hht kcdne“^ 
dienet Ziei^y und- difcv bioß Schötdü^i^G.n 
w »ird e u u ux d e ß rB fei ri feb ■ i'h' d e n st$dhs 

Rddfh ;:d es Ivi^t 1 Ip.i^ ^ to rfeh' Die n ve i st eh 
wefdäh nun dem'ScMuß kdnvmön, daß dh s 

Amerika dnsiiUd wßhviirc Kehn lieh e in&Unter' 
ri cß ^ B in ri c h t u n g ! Sa i : w i e; di e äm e n k<v-' 
n tsc hen Ccd 1 öges fm Ö vie .n ty v>e]Jeic ht fh 
Hferm für Qin.er:äkähi5Che StuMntefh 
Aehniiche^. Nichts von üilddeuv M es. 

Das Ame ri kerl nst itii f in BevKci ist dj e Vev' 
wirkji Ghvu>g ■ ine^ vü [1 jg ne uen, \H^n fe<;, es: 
ist dipv^erÄte UntfethöhrMh seiner- Arb doch 

iiofi'feh tvir feiTi'ri(:luigy dtrS es nur vi?:^^, t;rs;te 

ein e r i öT^ gen. R.el h e Vi feit o r e r s öle her 1 j s ^ 
s i itu tionei 1 sein wird. Der tuts ist; 

shldit^Ölicb, die KuiturbeMhur^gen ’^wL^cMn Dtiutschland 
uncl den A^eLffelnlglen Staät^f^ fordert $tär]tfen 

unrl düdürch in düs/ hlcht^kothiEne^lelfe^^^^ . möht- 
politische Feld jeM GrdnuKlA^^ CXTgäni^^ihöh ^ 
rt5iiö.n^lfer IhtGi essei\ hiheifizutragen, ,d^eh si ich HKutiei 
und Jv^üik :z^r äUen Xeitön^ e 
: : Auf den Kulturgebiete.n , wfes . bisher ntles .deh ge- 
leieFÜli^fc'A -Ern 

dcjnüfifn.tspt^cbehd ein C:h,ao$. Sichcr^kh hai m auf 
deiitsÖfifef Seite: hkfvt hfi Berrtühvvhjgen gfefehlte hirt' dem 
a ri pi^cb eh: L #?e n- a n nt; zu we rdeh d ie 

Betftehm\geK zci fördehm, für die ?ehnMHhonen 
De t j t^c h “ Ata er l k a hJpy t H ^ n ä t ü r liehen V fer nüt t fe w 3 r^n. 
Und ^ noch m e h r 1 ha b e ri s d i e A i ne r 1 kaMn he tu ö ht, 
d ie deivtsc hejv eu itu; t udi er e n im r 1 mi t u tsd lei^ 

i d e en v e rt ra u t V.ü ^ w e rde fi:: . Tü u $ etü 1 fe vö 1 1 antö lik an i - 
sehen Studenten bähen ß deuitsjchen 

Universilöfen übeh derr getfägen, und Hundefb' 

tousende von Reisenden haben unser.Vateriahd kwMh 


gelernt; Und doch wn^sen schheßlkh beiden 

gioBen fortsehntiHehäteri Natmaen nur wenig von; 
ander tmcl sind sieh viel tu wenig bewußt, wieviel sjfe 
von emander fensn können und wieviel mehr jede 
d.9 s B t ü z eu u n d gen |e ü e n k ön n te, was d.k fe nde re b ffetet 
:NeImen. w -1 r ein Beisp 1 e11 D 1 e oberflächllchstfe Ueber- 
sie h £ der llebersetzüngej\ aU s der Literniu f ii^lgt,. daß 


[ /i’i'Ä 



A ni t? r ikfi-l n s t i Ui i in ßej li t\t Di rek t ti ry i W rp v t 

viele der besiten deufecheir Sucher hfembls ins Englische. 

6 heJ'setzt w cu den st hd, w u h rc n d v 1 elem w^ertIosfem 

Gesehreibset die unverdiferne;:BKffe der ep^bschen 

Uebersetzung zuieü geword^ih O^tmu so lii rietn 

petdsdrbfV dk BekahmÄch^k hdt tnöKHkm 

TU 1 nd e rw er t i g en B rz e u gn i sse n de r ä rn e r ik anlsehe n Li t eT*- 

ratur. vmu übelt worde 11 > während viele der:gediegenslen 

und ch^riiikterishstchsten ätnerfkänfehfea Bikher nienißl^ 

bis Deutsche über^e^zt w'urdem s eä; mm ztirn 

B eh ]>kd e Ine de r ZahMi c h fe n Fur^ kd bn en d ^ s A m e r 1 k 

InsÜ tutg .sein, ckfür - .Snrge zh Ir0geh, daß dies p Uu«‘ 

Ordnung aufhöre und, die wertvüüst^n Erzcttgriisse deV 
iäivTaturen auf beulen Sei 1 eh de?^: O 
> ,fefekbhhf werden. Das isol! Tucht heißesi, du S in» i n st iint 
, sei d ^tk e ü i>ef Hfetz l i>r >4 vei ö f 1 ep tl k hi wer d ei n. 

. Oes^LtsÜUii würde gegebf^nen BaUs unter Hera ndehung 
v^On Fa ci'i männern die g^feeignetstUh Biichcr auszuwühjen 
vetsiIcl 1 eh und mit dep Ver Iegerü, Uebe 1 $ w hd 
•Autofeh ;verh«^^^ , imv. m AMn Dienst : dieser 

■hlefafHchbn Khlhnaufgabß zu siellen- Sölth änrügehde 


*! V£Lt|iL Ariik^f nTliw Am^lrpknd^ hV B Wirtin'' jti/fhtr AftWriJüi 














Nr. Q DEUTSCHLAND 423 


und fördernde Tätigkeit ist typisch für das ganze Pro¬ 
gramm des Amerika-Instituts. Es ist da, um zu leiten 
und zu organisieren, um das Bewährte zu stärken und 
das Schädliche zu unterdrücken. 

Das Feld, dem diese administrative Arbeit gewidmet 
sein soll, ist tatsächlich unbegrenzt. Alles in Erziehung 
und Wissenschaft, Kunst und Literatur, Theater und 
Musik, Forschung und Technik, Recht und sozialer 
Wohlfahrt, öffentlicher Meinung und internationalen 
Veranstaltungen gehört dazu. Die bloße Tatsache, daß 
große Scharen amerikanischer Studenten über den 
Ozean kommen mit einem unbestimmten Verlangen 
nach deutscher Bildung genügt nicht, um die besten 
Resultate zu erzielen. Unser Institut hat zum Beispiel 
begonnen, statistische Umfragen zu halten und Material 
zu sammeln mit Bezug auf die Ansichten der hier 
studierenden Amerikaner über Universitätseinrichtungen, 
Bibliotheken, Studentenleben usw. mit Vorschlägen zu 
wünschenswerten Veränderungen. Solche persönlichen 
Aeußerungen bilden eine unschätzbar wertvolle Grund¬ 


lage für die Beurteilung und richtige Behandlung der 
amerikanischen Studenten an deutschen Hochschulen. 
Vor allem ist das Institut auch bereit, jedem Deutschen, 
der nach Amerika mit irgendwelchem Forschungs- oder 
Studieninteresse geht, seine Hilfe anzubieten, ihn mit 
Rat zu unterstützen und ihn in förderliche Verbindung 
mit Bibliotheken und Museen, Laboratorien und Archiven, 
Universitäten und Schulen, städtischen und Regierungs¬ 
behörden zu setzen. Natürlich gilt dasselbe für Ameri¬ 
kaner, die zu Studienzwecken nach Deutschland kommen. 

Als erste handgreifliche praktische Aufgabe hat das 
Institut zunächst den gesamten wissenschaftlichen Druck¬ 
sachenaustausch zwischen Deutschland und den Ver¬ 
einigten Staaten in die Hand genommen, in gleicher 
Weise, wie dies auf amerikanischer Seite schon seit 
langer Zeit durch das Smithsonian-Institut in Washington 
geschieht. Durchschnittlich 1200 Bücherpakete, die ohne 
alle Kosten für Absender oder Empfänger von und 
nach Amerika amtlich befördert werden, passieren 
wöchentlich das Institut. Gleichzeitig wächst auch die 


Amerika-Bibliothek des Instituts stetig: in National¬ 
ökonomie, Politik, Geschichte, Pädagogik und Sozial¬ 
wissenschaft weist sie schon beträchtliche Bestände auf. 

Die besondere Stärke des neuen Instituts liegt 
darin, daß es keinen Rivalen haben kann, noch selbst 
Rivale sein kann für irgend eine gegenwärtige oder zu¬ 
künftige Organisation. Die vielen hundert Einrichtungen, 
welche die Beziehungen zwischen den beiden Ländern 
fördern, sind unserer Arbeit nicht nur höchst will¬ 
kommen, sondern unsere vornehmste Aufgabe ist 
gerade, sie alle anzuspornen und zu kräftigen. Ebenso 
wie eine Handelskammer niemals als die Rivalin einer 
Geschäftsfirma gedacht werden kann, so kann das 
Amerika-Institut niemals in einen Konflikt kommen mit 
jenen zahllosen Gesellschaften und Verbindungen, 
Bureaus und Agenturen, privaten und öffentlichen Unter¬ 
nehmen, die sich zum Ziele gesetzt haben, die Bande 
zwischen den beiden Ländern fester zu knüpfen. Wir 
hoffen, daß immer mehr und mehr solcher Anstalten ins 
Leben gerufen werden, gleichviel ob das Institut direkt 
daran beteiligt ist oder nicht. Wir sind dazu 
da, die Saat auszustreuen und freuen uns, 
wenn andere die Frucht einheimsen. Je 
mehr amerikanische Gesellschaften und 
Klubs, Bibliotheken und Auskunftbureaus 
in Deutschland gegründet werden, und je 
mehr deutsche Auskunft-Bureaus und 
Bibliotheken, germanische Museen und 
germanische Häuser in Amerika entstehen, 
in Harvard, Columbia oder sonstwo, um so 
befriedigter werden wir sein. Nicht eine 
von all diesen Einrichtungen könnte jemals 
in prinzipiellen Gegensatz zu unserem In¬ 
stitut treten, das nur diese tausendfältigen 
Bemühungen organisieren und systematisch 
fördern will. Unsere Hoffnung geht dahin, 
daß auch die amerikanische Regierung 
schließlich dem deutschen Beispiel folgen 
wird. Ja, wir hoffen zuversichtlich, daß der 
Tag kommen wird, an dem eine solche 
zentrale Organisationsstelle in jedem 
Lande bestehen wird, und zwar nicht nur 
für den Verkehr zweier Nationen, sondern für die Kultur¬ 
beziehungen des Landes zu allen fremden Ländern. 
Ein weitgesponnenes Netz internationaler Kulturinstitute 
würde dann dem nicht-politischen und nicht-kommer¬ 
ziellen Leben der Welt dieselbe organisierte Wechsel¬ 
beziehung verleihen, welche die Diplomatie der Politik gibt. 
Mit anderen Worten, wir bedürfen gleichsam einer Schutz¬ 
zollpolitik auf kulturellem Gebiete, aber nicht, um die 
Freiheit zu unterbinden, sondern um Durcheinander und 
Zufälligkeit zu überwinden. Im Handel wird der Grund¬ 
satz der Freiheit reguliert durch die persönlichen Inter¬ 
essen, die Fortschritt und Initiative sichern. In der 
Kulturwelt bedeutet das Fehlen jedes Schutzes, daß 
die wichtigsten Entschlüsse den niederen Instinkten, 
der Trägheit, dem Vorurteil, kurz allem, was dem wirk¬ 
lichen Fortschritt entgegenarbeitet, überlassen bleiben. 
Im Handel mag eine Schutzzollpolitik auch Nachteile 
haben: sie kann nicht eine Klasse stärken, ohne eine 
andere zu schwächen; sie kann nicht eine Nation 
schützen, ohne die Interessen einer anderen zu hemmen. 



Amerika-Institut in Berlin: Bibliothek 











424 DEUTSCHLAND Nr. 9 


Aber in der Kulturwelt ist der Gewinn des einen auch 
der Gewinn des andern. Neue Werke auf dem Gebiete 
der Wissenschaft und Kunst, der sozialen Wohlfahrt 
oder Technik, neue Erziehungs- oder Unterrichts¬ 
methoden, neue Institute, Museen und Bibliotheken, 
neue Bücher, Kongresse und Expeditionen dienen der 
ganzen Menschheit, ohne irgend eines einzelnen Inter¬ 
essen zu schädigen. Schutz der Kulturinteressen ist 
seiner Natur nach selbst international. Er füllt zwar 
niemandes Tasche, aber er bereichert die Schatzhäuser 
der menschlichen Kultur und erzeugt gegenseitiges 
Interesse und gegenseitige Sympathie, aus denen un¬ 
berechenbare ideelle Werte hervorgehen. Und kann 
da noch irgend ein Zweifel bestehen, daß diese gegen¬ 
seitige Sympathie gleichzeitig die günstigste Bedingung 


für die Beilegung aller politischen und kommerziellen 
Schwierigkeiten ist? Es kann keinen Konflikt mehr 
geben, der nicht durch beiderseitigen guten Willen zu 
lösen wäre, sobald die gegenseitigen Gefühle der Sym¬ 
pathie und der Freundschaft da sind. Die Aufgabe des 
Amerika-Instituts, das sich die systematische Förderung 
der Kulturbeziehungen zwischen Amerika und Deutsch¬ 
land zum Ziele gesetzt hat, besteht daher letzten Endes 
darin, indirekt auch für ungestörten politischen und 
kommerziellen Verkehr zu wirken. Es ist ein Friedens¬ 
werk, dessen Einfluß von Jahr zu Jahr stärker empfunden 
werden wird, aber das schon jetzt ein höchst bedeut¬ 
sames und vielversprechendes Pfand ist für die herzlichen 
Gefühle, die unser Vaterland der großen Schwesternation 
jenseits des Meeres darbringt. 


Von Eduard von Gebhardts Art und Arbeitsweise. 

Von Hermann Board. 


Der Großen Kunstausstellung im städtischen Kunstpalaste 
zu Düsseldorf, die am 8. Okt. ihre Pforten schließt, ist vor 
kurzem ein neues Werk Eduard von Gebhardts eingereiht 
worden: „Christus im Hause des Petrus". „Und Jesus kam 
in Petri Haus und sähe, daß seine Schwieger lag und hatte 
das Fieber. Da griff er ihre Hand an, und das Fieber verließ 
sie. Und sie stund auf und dienete ihm". Diese Stelle im 
8. Kapitel des Evangeliums Matthäi hat der Künstler der 
Darstellung zugrunde gelegt, allgemein soll sie aber ein 
Beispiel unbedingten Gottvertrauens wiedergeben. Drei der 
neuesten Staffeleibilder des Meisters sind nunmehr auf der 
Ausstellung zu sehen; zwei davon, das oben erwähnte Bild 
und „Lazare, komm' heraus" (nach Evang. Johannis 11.43) 
sind in diesem Jahre entstanden, während das dritte, „Paulus 
im Kerker", dem vorigen entstammt. 

Die staunenswerte Produktivität Gebhardts, der bekannt¬ 
lich im vergangenen Jahre noch das große Wandgemälde 
„Die Himmelfahrt Christi" in der Düsseldorfer Friedhofs¬ 
kapelle vollendet und außerdem noch eine Reihe von Tafel¬ 
bildern religiösen und profanen Inhalts herausgebracht hat, 
rechtfertigt das Verlangen nach einem Einblick in seine 
Arbeitsweise. 

Eduard von Gebhardt steht im 73. Lebensjahre; da 
mutet es ganz wundersam an, mit jedem neuen Werke fest¬ 
zustellen, wie sich bei ihm Temperament und Ausdrucks¬ 
fähigkeit auf gleicher Höhe halten, ja sich fast zu steigern 
scheinen. Ein klassisches Beispiel dafür ist „Christus im 
Hause des Petrus", ein Bild, das ebenso sehr die geistige 
Vertiefung der Gebhardtschen Kunst, wie auch eine un¬ 
gewöhnliche Kraft des malerischen Vortrags aufweist. Beim 
Lazarus hat er mit Absicht die Farbenskala gedämpft gehalten, 
während er hier ohne Rückhalt in die Farbe hineingeht. Dort 
wohlerwogene Zurückhaltung, hier ein forsches Sichausgeben, 
wo die Vorwürfe scheinbar das Entgegengesetzte erwarten 
ließen — Gegensätze, die in der nimmer rastenden Erfinder¬ 
freude des Künstlers ihren letzten Grund finden. Diese 
geistige Unabhängigkeit und Beweglichkeit macht seine 
Technik frei. Genügt ihm die Skizze, die Impression, um 
das auszudrücken, was er sagen will, so läßt er sie, breit 
hingesetzt, stehen, im anderen Falle „arbeitet er sie aus". 
Nach großen monumentalen Aufgaben, ist es ihm Erholung, 
Frauen- oder Mädchenköpfchen mit spitzem Pinsel bis ins 
kleinste durchzumodellieren, gleichsam, als wenn er sich 
durch diese Versenkung ins Detail ein Gegengewicht zu 
dem Schaffen aus dem Sollen konstruieren müßte. Rastlos 
wälzen sich bei dem sich nie Genüge Leistenden die Probleme, 


die über Tag und Stunde hinaus im Unendlichen schweifen und 
die doch, in irdisches Gewand gekleidet, im künstlerischen 
Niederschlage einen allen verständlichen Ausdruck finden. 

Dank einer seltenen körperlichen Rüstigkeit und einer 
gottbegnadeten Elastizität des Geistes ist Eduard von Gebhardt 
dem von innen und von außen auf ihn einstürmenden Drängen 
gewachsen. Im erschöpfenden Sinne des Wortes beherrscht 
die Arbeit sein Leben, in ihr findet jede seelische Spannung 
ihren Ausgleich; eine weit über menschliches Durchschnitts¬ 
maß hinausgehende Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit läßt 
ihn keinen Tag als verloren beklagen. 

Ein geistlicher Verehrer des Meisters hat von seinen 
Beobachtungen während der Ausmalung der Friedenskirche 
in Düsseldorf einiges ausgeplaudert: Wie der Künstler bei 
Tagesanbruch, ausgerüstet mit dem einfachsten Imbiß, hinaus¬ 
zog zur Arbeitsstätte, wie der damals nahezu Siebzigjährige 
tagsüber auf schwindelnden Gerüsten turnte und wie er bis 
zum letzten Sonnenstrahl das Tageslicht auszunutzen suchte, 
mit einer einzigen Unterbrechung, der halbstündigen Mittags¬ 
rast, neben seiner Arbeit. 

So geleitet ihn auch heute noch das frühe Morgenlicht 
zur Arbeit und die Dämmerung zurück, nur daß unter behut¬ 
samer Kontrolle von seiten seiner Lieben eine regelmäßige 
Mittagspause in das Tagesprogramm eingeschoben wird. 
Seine Werkstatt auf der Akademie, denn von einer solchen 
ist eher zu reden, als von einem Künstleratelier im land¬ 
läufigen Sinne, hält ihn jahraus, jahrein gefangen. Erholungs¬ 
reisen, wie sie der gewöhnliche Sterbliche für notwendig hält, 
sind ihm lästiger Zeitverlust. Unternimmt er sie einmal auf 
Drängen der ihm Nahestehenden, so führen sie ihn ins 
Ryksmuseum,ins Mauritshuis, ins Louvre, ins Kaiser-Friedrich- 
Museum, nach Dresden und Cassel, kurz überall dorthin, 
wo für ihn Anregung aus den Werken der geliebten alten 
Meister zu holen ist. 

Gebhardt wird kunstgeschichtlich unter den Realisten 
geführt. Mit Recht. Aber man wird einem Künstler mit der 
bloßen Klassifizierung nicht gerecht. Gebhardts ausgeprägte 
Realistik ragt weit in das Gebiet der idealisierenden und 
individualistischen Kunst hinein; begnügt er sich doch nicht 
mit einer naturgetreuen Abschrift seiner Modelle, sondern 
formt aus ihnen Typen, Gestalten, voll von intensivem Leben 
und voll Leidenschaft, die Kinder seines Empfindens, Art von 
seiner Art sind. Gewiß ist die Natur für ihn ein nie ver¬ 
siegender Quell, aus dem seine Kunst schöpft, denn nicht 
die nebensächlichste Kleinigkeit findet sich auf seinen Bildern, 
die nicht vor der Natur gemalt wäre, doch, wie alles Irdische 



Nr. Q DEUTSCHLAND 425 


für ihn nur ein Gleichnis ist, so ist ihm auch die äußere 
Form ein Gefäß, in das er den Strom seiner Empfindung 
leitet. Das, was er innerlich durchlebt, was er als Künstler 
von sich geben will und muß, das bis zur letzten Ausgiebigkeit 
des Wortes klar und verständlich zu sagen, ist Ziel und Zweck 
seines Strebens. Die Ausdrucksmittel stehen für ihn dabei 
in zweiter Linie, sie passen sich jeweils der künstlerischen 
Wiedergabe des Gedankens an. Von den alten Meistern hat 
er sie übernommen, aus dem eindringenden Studium ihrer 
Werke hat er sich sein Rüstzeug geschaffen. 

Alle Welt weiß, daß Eduard von Gebhardt den sich 
jagenden Versuchen unserer Zeit, zu einer monumentalen Stil¬ 
kunst zu gelangen, skeptisch gegenübersteht. Nur aus der 
Fortentwicklung des historisch Uebernommenen erwartet er das 


entdecken glaubte, entlockten, Worte, von denen ein einziges 
eine Flut kritischen Unwillens aufwiegt. Wer einen Künstler 
nach seinen kunstkrilischen Aeußerungen beurteilen will, geht 
fehl, denn jeder Künstler und je größer er als solcher dasteht, 
desto mehr, ist Partei, muß Partei sein. Je stärker die Per¬ 
sönlichkeit, desto ausgeprägter die Stellungnahme. Man hüte 
sich aber, daraus Rückschlüsse auf den Künstler und den 
Menschen zu ziehen. Der Künstler will nach seinen Werken 
beurteilt werden und der Mensch nach seinen Taten. Eduard 
von Gebhardts Werke sprechen für sich selbst und seine Taten, 
seine Menschlichkeit wissen am besten die zu beurteilen, die 
mit und unter ihm gearbeitet haben, seine Schüler. Wer 
einmal an seine Tür geklopft hat, vergißt nicht die zwingende 
Liebenswürdigkeit, mit der er aufgenommen wurde, und wer 



Ed. von Gebhardt: Christus im Hause des Petrus 

Heil der Kunst, und nur dann, wenn überragende Kräfte aus 
dem Ererbten und dem Gegenwärtigen die Konsequenz zu 
ziehen wissen. 

An der modernen Freilicht- und Hellmalerei, am Im¬ 
pressionismus und Pleinairismus ist Eduard von Gebhardt vor¬ 
beigegangen. Begreiflicherweise, denn wer könnte wünschen, 
daß ein Mann, der sein Leben lang nur Deutsch, kerniges 
Deutsch gesprochen hat, auf seinen alten Tagen noch lernen 
soll, sich in einer fremden Sprache auszudrücken? Ver¬ 
gnüglich hat man die ungeschminkten Worte kolportiert, 
die seiner impulsiven Natur vor allzu gewagten Experimenten 
entflohen, aber man vergaß auch die Worte der Anerkennung 
zu wiederholen, die ihm künstlerische Werte, wo er sie zu 


(auf der Großen Kunstausstellung in Düsseldorf) 

einmal ein Stündchen in der Werkstatt des Meisters geweilt 
hat und sah, wie freudig und hilfsbereit er selbst in der ärgsten 
Arbeit jedem Rufe seiner Schüler folgt, der nahm die 
Bewunderung der Persönlichkeit dieses seltenen Mannes mit. 

Heftige Frühlingsstürme sind über die Erde gegangen 
und haben am Baume der Kunst gerüttelt. Manches Blatt, 
das ehedem geglänzt und geprunkt hat, ist davon gefegt, 
mancher Zweig, der keck die Arme gen Himmel reckte, 
geknickt worden; aber ein Ast, der so fest gefügt ist wie 
die Kunst Eduard von Gebhardts, der sein Mark mit den 
Wurzeln des Stammes aus dem Boden der Mutter Natur sog, 
hat standgehalten und wird standhalten, — die Stürme der 
Welt gehen darüber hin. 


426 DEUTSCHLAND Nr. 9 


Leipzig- und die Kunst. 

Von Dr. Julius A. Wentzel. 


Leipzig, das hinsichtlich der Einwohnerzahl nunmehr 
im Reiche an dritter Stelle steht, das ferner in baulicher 
Hinsicht mit dem neuen, gewaltigen Zentralbahnhof und 
dem Völkerschlachtdenkmal, 
sowie zahlreichen Neu- und 
Umbauten im Innern der Stadt 
eine große Veränderung er¬ 
lebt, begann auch in letzter 
Zeit seine Beziehungen zur 
Kunst ein wenig zu revidieren. 

Den Anfang machte man mit 
demTheaterwesen. Das Stadt¬ 
theater, einst unter Heinrich 
Laube maßgebend und ein¬ 
flußreich, ging aus der Pacht 
eines einzelnen in städtische 
Hände über. Und Max Marter¬ 
steig, der in Köln und in den 
Rheinlanden wohlbekannte 
Theaterleiter,übernimmtlQl 2 
die Direktion der drei städti¬ 
schen Bühnen. Man erwartet 
unter seiner Leitung einen 
erheblichen Aufschwung. 

Die Kunst schlechthin, die 
Malerei, wurde in den letzten 
Jahren auf dem Leipziger 
Boden immer ein wenig stief¬ 
mütterlich behandelt. Zwar 
leben allererste Künstler hier, 
wie Klinger und Seffner, 
und einzelne Mitglieder der 
Kunstakademie, wie zum Beispiel Walter Tiemann, 
genießen vor allem auch als Buchkünstler großen Ruf, 
und ferner leben eine Reihe schaffensfreudiger jüngerer 
Talente hier, aber es fehlt ihnen einmal der rechte 
Zusammenschluß, um nach 
außen hin eine gewisse Sto߬ 
kraft auszuüben, und dann 
verhält sich das Leipziger ge¬ 
sellschaftliche und geistige 
Leben in vielen Beziehungen 
ablehnend, zurückgezogen 
undkonservativ.EinKünstler- 
verein bestand hier, dann 
löste sich ein Künstlerbund 
aus ihm, und schließlich trat 
tatenfroh die „Sezession" auf 
den Platz. Ihr gebührt un¬ 
zweifelhaft das Verdienst, 
mit der von ihr 1910 veran¬ 
stalteten Ausstellung „Leip¬ 
ziger Sezession"einen Schritt 
nach vorwärts getan und das 
künstlerische Leben wieder 
in Fluß gebracht zu haben. 

War bei dem ersten Vor¬ 
stoß, den die Sezession unter¬ 


nahm, vieles mehr auf Rechnung des guten Willens als 
auf gute Harmonie aller Teile zu setzen, so darf das 
zweite Ausstellungsunternehmen, das organisch aus der 

Sezession erwuchs, als fort¬ 
geschritten und wohlgelungen 
bezeichnet werden. „Leip¬ 
ziger Jahresausstellung 1911 
in Verbindung mit dem Deut¬ 
schen Künstlerbund" lautete 
der offizielle Titel der Aus¬ 
stellung, die in den Räumen 
des eigens hierzu umgebauten 
Städtischen Kaufhauses, wo 
sonst ausübende Künstler 
singen, musizieren oder de¬ 
klamieren, ihr Heim auf¬ 
schlug. An 500 Oelgemälde, 
Radierungen, Zeichnungen, 
Plastiken und Architekturen 
vereinten die Säle, in denen 
manchmal leider recht un¬ 
günstige Licht-Verhältnisse 
herrschten*). An bekannten 
Namen sah man Louis Co- 
rinth, Hermann Gröber 
aus München, dessen flottes 
„Reiterbildnis" im Vorjahr 
in der Sezession Aufsehen 
erregte, den Weimarer, von 
einem antiken, großen Zug 
beseelten Ludwig von Hof¬ 
mann, den Berliner Orlik, 
Max Slevogt aus Berlin, Stuck, der einen „Pan" und 
Hai\sThoma, der „Goldene Wolken" ausstellte. DasWert- 


*) An ein eigenes „Künstlerhaus" ist in absehbarer Zeit leider nicht 
zu denken, wenn nicht die Stadt die Initiative und in den — Beutel greift! 



v. Volkmann: Viehweide 



Rhein (Gewinner des Romanapreises): 
Porträt des Herrn F. 
















Nr.Q DEUTSCHLAND 427 




vollste der Ausstellung bestand darin, daß Altes und Neues 
in reizvollen Einzelerscheinungen vereinigt war und das 
Leipziger Publikum somit auf eine von vielen Künstlern 
geleistete Gesamtarbeit zum erstenmal in diesem Rahmen 
hingewiesen wurde. Es wäre leicht zu sagen, wieviel 
moderne gute Werke fehlten oder wieviele der aus¬ 
gestellten Werke dem Kunst¬ 
kenner längst wohlvertraut 
waren, aber der Hauptvorzug 
blieb trotzdem bestehen, und 
das war ein „kunsterziehen¬ 
der". Um einzelnes heraus¬ 
zugreifen, sei an das ent¬ 
zückende „Knaben-Bildnis" 
von LeopoldGraf von Kalck- 
reuth erinnert, ferner an Max 
Liebermanns „Muschel¬ 
fischer", in denen ein Meer 
von Licht und Sonne flutet, 
an Hans von Volkmanns 
„Felder und blaue Ferne" und 
an dessen „Viehweide". Be¬ 
sonderes Interesse erweckten 
die zwei Preisträger des dies¬ 
jährigen Villa Romanapreises, 

Ludwig Cauer und Fritz 
Rhein. Cauer verdankt seinen 
Erfolg einer Bronze-Figur: 

„Der Speerträger". Straffheit 
spricht aus der Muskulatur 
des jungenKriegers, in dessen 
Ausgestaltung antike, ruhige 
Auffassung sich ausdrückt. 

Fritz Rhein aus Berlin, der 
zweite Preisgewinner, stellte Graf v. Kalckreuth 

Dame und Kind, Porträt des Herrn F., Baby und einen 
Rückenakt aus. In allen diesen Gemälden verrät sich 
ein bemerkenswerter Zug, individuell zu gestalten und 
die innere Eigenart des darzustellenden Gegen¬ 
standes auch auf die äußere Leinwand zu bannen. 


Dabei arbeitet seine Malweise mit durchaus erfreu¬ 
lichen Mitteln und sucht, fern von jeder farben¬ 
blendenden Effekthascherei, nur das auf die Fläche 
zu bringen, was zum Darstellungsobjekt selbst gehört. 
Das neue Werk von Max Klinger bildete den „Clou" 
der Ausstellung. Es stellt eine Marmorgruppe dar, ein 

Material, an dem sich Klinger 
mit immer neuer Liebe immer 
von neuem versucht. Aus dem 
Marmor hebt sich langsam ein 
Mädchenkörper herauf. Sie 
neigt den Kopf zurück und 
greift mit der Linken in ihr 
Haar. Unter ihrem linken 
Arme lugt ein anderer Kopf 
hervor. Was dieses Mädchen, 
die wie verklärt aufschaut, 
bedeuten will im Verein mit 
dem anderen symbolischen 
Kopf, ob man sie Schönheit 
oderBegeisterung oder ideales 
Streben, schließlich „Poesie 
und Gedanke" nennen soll, 
darauf kommt es herzlich 
wenig an. Der Eindruck des 
Zarten, aus dem Stein Heraus¬ 
geborenen blieb dem Ge¬ 
dächtnis innehaften. Von Leip¬ 
ziger Künstlern war vor allem 
Schulze-Rose u. a. mit 
seinem Gemälde „Veteranen" 
zu nennen, Karl Lederer- 
Weida mit „Küstenland- 
schaft"undAlbrechtLeistner 
: Knabenbildnis n^it „Zirkuswolken", Willi 

Specht mit „Herbstlandschaft". Unter den Radierungen 
ragten die von Richard Bessert hervor, von Bruno 
Heroux, von Alois Kolb und von Heia Peters. 
Neben den Plastiken Klingers (Bronze von Karl Lamp- 
recht und von Steinbach) waren die Statuen von Mathieu 
Molitor zu erwähnen, die Lessingbüste von Carl 
Seffner und nicht zuletzt die drei Plastiken von 
Reinhold Carl: „Die Beichte", „Der Bursche", 
„Vor dem Spiegel". — Der neuen, letzten großen 
Jahresausstellung blieb jedenfalls das unleugbare 
Verdienst, auf der Bahn, künstlerisches Verständnis 
immer mehr und mehr in breitere Schichten der 
Pleißestadt zu tragen, einen gewichtigen Schritt 
vorwärts getan zu haben. Auch der rege Besuch 
zeigte, daß aufnahmefähiger Boden vorhanden ist. 
In Zukunft beabsichtigen die Leipziger Künstler 
in drei Gruppen: Verein, Bund und Sezession, 
auszustellen und die anderen, die zu keiner 
dieser Gruppen gehören, sich unter Führung 
Klingers zu alljährlichen Ausstellungen zu ver¬ 
einen. Auswärtige und ausländische Künstler 
sollen ferner eingeladen werden. Der zweite 
Schritt, der somit in dieser künstlerischen Bil¬ 
dungsfrage für Leipzig getan wurde, weist auf 
eine kommende dritte Phase hin, die man schon 
jetzt im Hinblick auf das bereits Erreichte mit 
noch größerer Erwartung begrüßen darf. 


Liebermann: Muschelfischer 




428 DEUTSCHLAND Nr. 9 

Aus dem mittleren badischen Schwarzwald. 

Von J. de Pellegrini, Triberg. 


Intime Städtebilder. 

Des Schwarzwaldes unerschöpfliche Herrlichkeiten 
sind viele tausendemal schon in allen Tönen gepriesen 
worden. Treffliche Schilderungen der tannenumrauschten 
Höhen, der duftigen Täler, der sprühenden Wasserfälle, 
der murmelnden Bäche, der köstlichen Bergluft vermochte 
auch die „Deutsch¬ 
land" schon darzu¬ 
bieten. Diesmal aber 
sei ein Blick hinein¬ 
geworfen in die auf 
grünem Talgrunde, 
auf sonniger Höh' 
hingestellten alten 
Städte und Städt- 
lein. Von stillen, be¬ 
schaulichen Plätzen 
wollen wir in ein¬ 
same Winkel, in 
enge Gassen schlen¬ 
dern, wollen einmal 
des Schwarzwaldes 
intime Slädtereize 
kosten. Aus einem 
gewaltigen Kranze 
pflücken wir nur 
etliche Blumen und 
binden daraus einen 
kleinen, anmutigen 
Strauß . . . Wenige 
Worte sollen be¬ 
redtere Bilder be¬ 
gleiten. Wir folgen 
der Spur der welt¬ 
bekannten Schwarz¬ 
waldbahn, die von 
Offenburg südwärts 
über den mittleren 
badischen Schwarz¬ 
wald bis an die 
Gestade des blauen 
Bodensees führt. An 
derGrenze der wein¬ 
gesegneten Ortenau 
überrascht schon 
von weitem durch 
sein mittelalterliches 
Aussehen Gengenbach, von dem der berühmte 
Schwarzwalddichter Wilhelm Jensen sagt: „Es ist die 
Stadt ein Schmuck- und Kabinettstück nicht nur des 
Schwarzwaldes, sondern ganz Deutschlands, ein reiz¬ 
volles Denkmal der Vergangenheit desselben, gleichsam 
ein erhaltenes Paradigma einer kleinen mittelalter¬ 
lichen Reichsstadt". Neugierig lugen massige Türme 
über die da und dort erhaltene Ringmauer hinein ins 
farbenfrohe Kinzigtal. Einzig in seiner Art ist einer von 
ihnen, dessen fast zwei Meter dicke Mauern in acht¬ 


eckiger Anordnung mächtig zu einem hohen Spitzdache 
emporstreben, unter dem das Wappen der Stadt, die 
halbgekrümmte Forelle, weit über die Lande hinschaut. 
Drei anheimelnde Straßen, zwischen trauten alten Bürger¬ 
häusern, führen zum Mittelpunkt des Städtleins, dem 
Marktplatz mit dem aus dem Jahre 1784 stammenden 
schmucken Rathaus und dem Brunnen-Denkmal Kaiser 

KarlsV.,des Mehrers 
der Zunftrechte der 
Stadt. In stimmungs¬ 
vollen Seitengassen 
wähnen wir uns 
etliche Jahrhunderte 
zurück. Da stehen 
Reih' an Reih' Rie¬ 
gelhäuser mit vor¬ 
springendem Ober¬ 
geschoß, die den 
Gassen die dumpfe 
Kühle geben und den 
gegenüber wohnen¬ 
den Nachbarn ge¬ 
statten, sich zum 
Fenster hinaus die 
Hände zum Morgen¬ 
gruß zu reichen. Eins 
dieser alten Gesellen 
ist das Stammhaus 
Viktor von Scheffels, 
dessen Vater hier 
geboren und dessen 
Großvater Keller¬ 
meister der Abtei 
war. Wappenschilder 
an den Häusern 
geben Kunde von 
Adelsgeschlechtern, 
deren letzteSprossen 
auf dem am Berg¬ 
hang hingeschmieg¬ 
ten Gottes - Acker 
ruhen. An harte 
Belagerungs - Zeiten 
mahnen in alters¬ 
graue Hausfassaden 
eingemauerte Stein¬ 
kugeln. Von hohem 
Kunstwerte ist die 
im Anfänge des 12. Jahrhunderts entstandene drei" 
schiffige Klosterkirche, die als Pfarrkirche wieder instand 
gesetzt wurde. Gar vieles und eigenartiges noch gäb's 
zu erwähnen, so das alte Richtschwert auf dem Rathaus, 
des letzten Henkers Grab an der efeuumsponnenen Fried¬ 
hofmauer; eins aber sei nicht vergessen, das „Bergle" mit 
seiner Kapelle und dem wundervollen Madonnenbilde. Zu 
Füßen liegt Gengenbach, ein Bild aus längst vergangenen 
Tagen, rings umgeben von grünen Fluren und umfächelt 
von der mildesten Luft. Des höheren Schwarzwaldes 



Gengenbach im Schwarzwald: Stammhaus des vaterländischen Dichters 

Viktor von Scheffel 


J 

















Schwarzwaldbahn: Partie zwischen Hausach und Villingen 




430 DEUTSCHLAND Nr. 9 




„Zuo Hasela drin im Schwarzwald hüst 
Ein stamm von g-üoter art. 

Der mann ist mann und keiner zust 
Ihm ung-estraft den hart. 

Wehren kann jedes Kind sich 
Zuo Hasela an der Kinzig-. 

Das schafft und freit, das denkt und schwatzt. 
Wie g-rad sein sinn ihm stät. 

Ja, wer sich hass zum trinken sazt. 

Hat doch ein mul, das g-ät. 

Die maasskrüg- sind nit winzig- 
Zuo Hasela an der Kinzig-." 


Triberg im Schwarzwald: 
Wallfahrtskirche „Maria in der Tanne" 


Bergkuppen türmen sich im Süden auf, und im Westen 
schimmern die blauen Linien der Vogesen, vor denen 
sich des Straßburger Münsters schlanke Gestalt erhebt. 

Inmitten des üppigen Kinzigtales dehnt sich eine 
andere uralte Ansiedelung aus, wohl schon zur Römer¬ 
zeit dahin gestellt, Haslaha, Hasle, jetzt H a s 1 a ch. Ein 
berühmter Sohn dieses Städtchens, der Volksschrift¬ 
steller Heinrich Hansjakob, hat den Namen seiner 
Heimat, die er in kernhafte Schwarzwaldgeschichten 
immer wieder einzuflechten wußte, weiter verbreitet. 
Und mit Recht! Noch ist's das liebe, freundliche Heimat¬ 
dorf, nach dem sich die Söhne und Töchter, die draußen 
in der Welt sind, sehnen, zu dem sie's allezeit hinzieht. 
Deshalb hat sich auch in dieser Gegend noch die male¬ 
rische Volkstracht erhalten, in der Bauer und Bäuerin 
aus ihren verschwiegenen Tälern im Einspänner zu den 
Märkten Haslachs fahren. Die Straßen sind noch 
wenig oder gar nicht angekränkelt von modernen 
Bauten, und wenn auch Haslach Sommerfrische wurde, 
blieb der angenehme Eindruck des sauberen, ein¬ 
ladenden Landstädtchens bis jetzt glücklich bewahrt. 
Ein mittelalterliches Sprüchlein sagt: 


Da wo die Berge näher aneinander 
rücken, wo sie die Schwarzwaldbahn 
zwingen, ihren Weg über schwin¬ 
delnde Brücken und durch den Leib 
der Berge zu suchen, hat Hornberg 
seinen Platz genommen. Wie konnte 
es bei der prächtigen Lage des Städt¬ 
chens anders sein, als daß dies aus¬ 
gesprochener Luftkurort werden 
mußte. Und trotzdem, liebe, alt¬ 
modische Straßenbilder und lau¬ 
schige Winkel sind nicht ganz ver¬ 
schwunden. In der Nähe des Rat¬ 
hauses, am zerklüfteten Ufer der 
geröllereichen Gutach entlang, am 
Fuße des steilanstrebenden Schlo߬ 
berges finden wir sie. Manch protzig 
modernes Haus mit Eisenbaikonen 
und großen Schaufensterscheiben 
unterbricht leider die Reihe gut er¬ 
haltener alter Giebelhäuser in der 
Hauptstraße. Auch der heimliche 
Frieden der Schloßruinen hat im 
geräuschvollen Treiben eines ele¬ 
ganten Hotels einen ungleichen 
Gefährten erhalten. Und doch läßt 
sich oben, den Blick über den Kranz 


Hornberg im Schwarzwald 







Nr. 9 DEUTSCHLAND 431 


der Berge schweifen 
lassend, immer noch 
ein Plätzlein finden, 
an dem in traumver¬ 
lorener Einsamkeit der 
Schwarzwald uns ge¬ 
fangen nimmt. 

Im Herz des mitt¬ 
leren Schwarzwaldes, 
in dem bergumschlos¬ 
senen Triberg, durch 
seine Wasserfälle und 
den Ruf als Sommer¬ 
und Winterkurort be¬ 
kannt, späht man um¬ 
sonst nach alten Bil¬ 
dern. Das Amtsstädt¬ 
chen ist 1826 einem 
verheerenden Brande 
zum Opfer gefallen 
und neu aufgebaut. 
Verschont blieb die 
an steiler Felswand 
klebende Wallfahrts¬ 
kirche „Maria in der 
Tanne" mit ihrem köst¬ 
lichen Glöcknerhäus¬ 
chen, beide den Malern 
eine willkommeneVor- 
lage. Der großartige, 
goldstrotzende Hoch¬ 
altar und die überreich 
geschnitzteKanzel sind 
unübertrefflichePracht- 
werke des späten Ba¬ 
rock, denen mit dem 
ganzen Innern der 
Kirche erst vor kurzem 
ein kunstsinniger Pfarr- 
herr neuen Glanz und 
Farbe verleihen ließ. 

Am Scheitel der 
Schwarzwaldbahn,über 
grüne Hügel der Hoch¬ 
ebene lustig hinge¬ 
zettelt, leuchten die 
roten Dächer von Sankt 
Georgen.Eine rührige 
Industrie hat es ver¬ 
mocht, den Ort zu fröh¬ 
lichem Wachstum und 
erfreulichem Gedeihen 
zu bringen. Umgeben 
von geschäftigem Be¬ 
triebe, behauptete sich 
bis auf den heutigenTag 
in des Städtchens Mitte 
ein friedlicher Platz. 
Aus ihm ragt, hoch 
über die Dachfirste, 
eine gewaltige Linde 
in den blauen Aether, 



T=^ 



Villingen im Schwarzwald: Das alte Rathaus 


gleichsam ein treuer 
Eckhardt aus längst 
vergangenen Tagen. 
Das ist der Klosterhof 
mit seinerKlosterlinde, 
an deren Stelle vor 
mehr als 800 Jahren 
St. Benedikts Söhne 
ihre Behausung auf¬ 
geschlagen und das 
Christentum in die Ur¬ 
wälder des Schwarz¬ 
waldes getragen haben. 
Die Wipfel der Kloster¬ 
linde schauen liebevoll 
nach einem etwa ein 
Stündlein südlich lie¬ 
genden kleinen Kirch¬ 
lein im Dorfe Peter¬ 
zell, ehemals dem 
Kloster Reichenau und 
später jenem in Sankt 
Georgen zugeteilt. Et¬ 
liche wollen wissen, 
dieses Kirchlein habe 
schon zu Karls des 
Großen Lebzeiten ge¬ 
standen. 

Wie Gengenbach 
am nördlichen Ende 
des mittleren Schwarz¬ 
waldes eine mittelalter¬ 
liche Eingangspforte 
darstellt, so hat auch 
die südliche Pforte 
ein stattliches Bollwerk 
in der Altertumsstadt 
Villingen. Noch ist 
fast die ganze Stadt 
mit einer gut erhal¬ 
tenen, von Türmen und 
Toren unterbrochenen 
hohen Ringmauer um¬ 
geben. Die alten tiefen 
Festungs-Gräben vor 
den Stadtmauern sind 
wohl verschwunden. 
Ein breiter Gürtel herr¬ 
licher Anlagen mit 
prächtigen alten Laub¬ 
bäumen aber zeigt an, 
wo sie einstmals waren. 
In die breiten Straßen 
blicken viel hundert 
Jahre alte Hauswände, 
die dann und wann 
mit einem kunstvollen 
Erker, mit Wappen, 
Wasserspeiern und 
Fratzen geziert sind. 

Im alten, bilderge¬ 
zierten Rathaus — aus 




















1 


432 DEUTSCHLAND Nr. 9 



Villingen im Schwarzwald: Inneres der Benediktiner-Kirche 


dem 15. Jahrhundert stammend — ist gar manches aus 
Villingens ruhmreicher Vergangenheit zu sehen; nicht 
minder anziehend ist das von der opferwilligen Bürger¬ 
schaft vor kurzem mit einem großen Aufwand instand 
gesetzte doppeltürmige Münster, wohl das bedeutendste 
der Baudenkmäler der Stadt, die solche in reicher Zahl 
aufweist. Die Altstadt umgibt eine schmucke Kette vor¬ 
nehmer Villen und Wohnhäuser, deren Türmchen und 
Giebelchen zwischen dem üppigen Laubwerk des Ring¬ 
parks neugierig hinüberblinzeln nach ihren Altvorderen, 
die den Kindern der modernen Baukunst gerne den 


Platz an der Sonne gönnen, aber es nicht zu fassen 
vermögen, daß man sie nicht ganz unter sich ließ, daß 
sich in ihren gemütlichen Kreis neumodische Kumpane 
gesellen durften, die gar nicht zu ihnen passen wollen. 
Wenn die unendlichen Wälder Villingens im fahlen 
Mondenschein Heimatlieder rauschen, wenn tiefe Stille 
ringsum herrscht, dann sieht man die Fratzen gar böse 
nach ihren ungebetenen Nachbarn grinsen. Da kracht 
und ächzt es wohl unheimlich im Sparrenwerk der alten 
Häuser, die einander ihr Leid klagen. Und mancher 
Schläfer wälzt sich erschreckt auf die andere Seite. 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 


Weithin schritt ich durch deutsches Land, 
Und was mein Herz gesungen. 

Was ich an Erdenschönheit fand. 

Ist froh hinaus geklungen. 


Meinen Freunden!*^ 

(31. Juli 1911.) 

Der Heimat dienen war mir Glück 
Durch lange Wanderjahre, 

Nun kehrt die Lieb' zu mir zurück. 
Daß ich beglückt erfahre: 


Waltershausen i. Thür. 


Durch Deutschlands grünen Garten hin 
Dir Freundesherzen schwingen. . . . 

Laßt tief bewegt aus treuem Sinn 
Euch meinen Dank still bringen. 


A. Trinius. 


*) Der Dank des Dichters für die Huldigungen zu seinem 60. Geburtstage. 
□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 


Berichtigung; Der Verfasser des Gedichtes „Burschen fahrt im Herbst" in Nr. 8 der „Deutschland" heifzl nicht Bünger, sondern 
Richard Kröger (Friedenau-Wilmersdorf). Die Red. 


A 






























9 


DEUTSCHLAND ügecioeoee e eeeeeeeGs eGeeeeoee flB 433 




Aus den Bundes-Vereinen. 

Niedersächsischer Verkehrs-Verband. 

Der Vorstand des Niedersächsischen Verkehrs-Verbandes, 
vertreten durch Mitglieder der Städte Hamburg, Hannover, 
Braunschweig, Hildesheim, Göttingen und Bremerhaven-Geeste- 
münde-Lehe, hielt kürzlich in Hildesheim eine Sitzung ab, 
in welcher der Vorsitzende, Senator Fink (Hannover), zunächst 
mit anerkennenden Worten des verstorbenen Geschäftsführers 
A. Kiepert gedachte. Nach Mitteilungen über die Jahresrechnung 
und den Haushaltsplan wurde beschlossen, die nächste Haupt¬ 
versammlung im April 1912 abzuhalten, zu welchem Termin 
auch das Wanderbuch durch Niedersachsen fertiggestellt 
sein soll. Die Redaktion des Buches wurde von dem neuen 
Geschäftsführer Krone übernommen, dem die Herren Fink 
(Hannover), Sattler (Braunschweig) und Cassel (Hildesheim) 
als Mitarbeiter zur Seite stehen werden. Als Vorbild wurde 
das prächtig ausgestattete Tiroler Reisebuch bezeichnet, in dem be¬ 
sonders der Reklametitel als mustergültig anerkannt werden müsse. 
Von verschiedenen Seiten wurde dann Klage darüber geführt, dass 
die Verschandelung der Ruheplätze durch Touristen 
überhand nehme, und müsse auch der Verband helfend ein- 
greifen, dass die ästhetische Seite der Touristik mehr und mehr 
zur Geltung komme, dass man also überall der Schönheit mit 
Schonung begegne und nicht die Natur durch Papier, Speise¬ 
reste und Flaschenscherben verunstalte, nicht Bäume, Sträucher 
und Blumen beschädige und kaltherzig vernichte. Professor 
Convenz habe in einem Briefwechsel mit dem Geschäftsführer 
Krone seine höchste Befriedigung darüber ausgesprochen, dass 
die Verkehrs-Vereine sich dieser Seite des Heimatschutzes nach¬ 
drücklich annähmen. 

Der Pfälzische Verkehrs-Verband 

wird bei seiner nächsten Mitgliederversammlung eine Aus¬ 
stellung von pfälzischen Andenkenartikeln ver¬ 
anstalten, um die einschlägige Industrie anzuregen und zu 
fördern. 

Tätigkeitsbericht für 1910 des Fremdenverkehrs- 
Vereins für Strassburg und die Vogesen. 

Der Bericht bringt zunächst die „Verkehrsschmerzen“ des 
Vereins zur Kenntnis, ferner die Vorgänge im Vorstand, die 
veranstaltete Reklame usw. Interessant ist ein kleiner Aufsatz 
von Dr. Eichelmann, Direktor des Statistischen Amtes der 
Stadt Stiassburg, über den Fremdenverkehr in Strassburg im 
Jahre 1910. In diesem Artikel wird bedauert, dass die Anzahl 
der Nächte und Tage, welche die einzelnen Fremden in Strass¬ 
burg zubringen, nicht erfasst werden können. Der Verfasser 
würde es schon für einen Fortschritt halten, wenn sämtliche 
Hotels ein monatliches Verzeichnis darüber führten, wie viele 
Fremdenbetten täglich benutzt würden. 

Jahresbericht des Verkehrs-Vereins Mannheim 
für die Jahre 1908—1910. 

Der Verkehrs-Verein gibt im Einverständnis mit der Mit¬ 
gliederversammlung alle 2—3 Jahre einen ausführlichen Jahres¬ 
bericht heraus. Der vorliegende Bericht ist daher ausser¬ 
ordentlich umfangreich und zeugt von einer grossen Rührigkeit 
des Mannheimer Vereins. Es würde zu weit führen, auf die 
vielseitigen Tätigkeitsgebiete des Vereins einzugehen, die auf 
eine Hebung des Fremdenverkehrs in Mannheim abzielen. Der 
Verkehrs-Verein Mannheim hat sich ausser mit lokalen Fragen 
jedoch auch mit weitblickenden Verkehrsfragen, die auf eine 
allgemeine Förderung des Fremdenverkehrs abzielen, befasst. 
So z. B. mit der Frage der Vereinheitlichung der deutschen 
Eisenbahnen und mit einer grossen Reihe von Fahrplan¬ 
verbesserungen, die nicht nur der Stadt Mannheim, sondern 
auch dem grossen deutschen Durchgangsverkehr zugute kommen. 
(Vergl. auch den Bericht in Nr. 5 der „Deutschland“.) 

Verkehrs-Verein Heidelberg. 

Auch in der heissen Jahreszeit hat der Verkehrs-Verein 
seine Arbeit zur Hebung des Fremdenverkehrs in Heidelberg 
weitergeführt. Diese Tätigkeit bestand hauptsächlich in einer 
wirksamen Reklame durch Zeitschriften und Plakate. In ver¬ 
schiedenen illustrierten Zeitschriften, darunter in der „Deuts ch- 
Isnd“, Organ für die deutschen Verkehrsinteressen, Hess er 


Aufsätze und AbbUdungen über Heidelberg erscheinen. Besonders 
umfangreich wurde die Plakatreklame in verschiedenen Fremden¬ 
plätzen des In- und Auslandes ins Werk gesetzt. Das Schloss¬ 
beleuchtungsplakat, das in seiner zweiten Lieferung durch 
Hinzunahme einer weiteren Farbe noch besser als die erste 
das Lebendige des bengalischen Feuers wiederg^bt, wurde vor 
allem in der Schweiz, die gerade in diesem abnorm heissen 
Sommer eine ausserordentlich starke Fremdenfrequenz hatte, 
in wirksamster Weise verbreitet. In Interlaken, Bern, Luzern, 
Zürich und Basel war das Plakat in 500 Exemplaren mehrere 
Wochen lang zu sehen. Im Inland waren die Fremdenplätze 
Konstanz, Freiburg, Badenweiler, München, Bayreuth (während 
der Festspielzeit), Baden-Baden (Grosse Woche), Homburg 
und Wiesbaden mit zusammen 800 Plakaten gewählt. Man 
darf von dieser Reklame erwarten, dass sie viele Fremde ver¬ 
anlassen wird, zum Schluss der Sommersaison nochmals 
Heidelberg aufzusuchen, das bekanntlich gerade zur Herbstzeit 
besondere Reize entfaltet. Zum Besuch der angekündigten 
Schlossbeleuchtungen am 17. und 29. September, ferner am 
25. Oktober, wird ausserdem durch Inserate aufgefordert werden. 

Verkehrs- und Verschönerungs-Verein 
Bad Niederbronn. 

Vom Ministerium des Innern ist dem Verein für seine 
Bemühungen um die Einrichtung der elsass-lothringischen 
Abteilung bei der Internationalen Ausstellung für Reise- und 
Fremdenverkehr in Berlin der Dank der Landes Verwaltung 
ausgesprochen worden. Das in Form eines geschmackvollen 
Diploms gehaltene Schreiben wurde mit einem passenden 
Rahmen versehen und am Kurhaus ausgehängt. 

Mittelrheinische Ortsverkehrs-Vereinigung. 

An der in Rüdesheim abgehaltenen Versammlung nahmen 
Vertreter nahezu aller einzelnen Ortsverkehrs-Vereine 
teil. Insbesondere waren die Rheinstädte vertreten, die inner¬ 
halb des Vereinigungsbereiches Schülerherbergen unterhalten. 
Es fand eine lebhafte Aussprache darüber statt, ob die Ein¬ 
richtung der Schülerherbergen in bisheriger Weise ferner bestehen 
bleiben kann. Die allmählich steigenden Unkosten für die Unter¬ 
haltung der Herbergen müssen, soweit solche anteilweise von 
den Verkehrs-Vereinen getragen werden, verringert werden. Der 
Anfang September in Leipzig tagenden Vertreter-Versammlung 
der Schülerherbergen wurden dieserhalb geeignete Vorschläge 
unterbreitet. Einige sonstige interessante Anträge fanden sinn¬ 
gemässe Erledigung. Von der Gründung eines Verkehrs-Vereins 
in Bingerbrück nahm die Versammlung freudigst Kenntnis und 
beglückwünschte den anwesenden Vertreter. 

Verkehrs-Verein Mülheim (Ruhr). 

Die Stadtverwaltung hat der Anregung des Vereins folgend 
einen Wegeplan durch unser schönes Broich-Speldorfer Wald¬ 
gebiet herausgegeben, wovon eine grössere Zahl der Bürger¬ 
schaft kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Auch die vom 
Verkehrs-Verein herausgegebenen Postkarten mit dem preis¬ 
gekrönten Bilde des Reklameplakates (Kahlenberg, Bismarckturm, 
Kahlenbergbrücke und Ruhrpartie am Kahlenberge darstellend) 
sind nun fertiggestellt und erfreuen sich ihrer hübschen Aus¬ 
führung wegen des allgemeinen Beifalles. 

Der Verkehrs-Verein Mülheim (Ruhr) hat ein 
künstlerisch ausgerührtes Plakat hersteilen lassen. Zur Erlan¬ 
gung von Entwürfen war ein Preisausschreiben erlassen 
worden. Der Jury gehörten die Professoren Ludwig Keller, 
Willy Spatz und Walter Petersen in Düsseldorf an. Der zur 
Ausführung bestimmte Entwurf stammt von Wilh. Lanken (Essen). 
Das durch die Firma Julius Bagel (Mülheim a. d. Ruhr) her¬ 
gestellte Plakat wirkt besonders durch die vornehme, ruhige 
Farbenzusammenstellu n g. 

Duisburger Verkehrs-Verein. 

Kürzlich fand eine Vorstandssitzung statt, in der zunächst 
durch den Syndikus Herrn Eick von der Gründung des Nieder-, 
rheinischen Verkehrs-Vereins Mitteilung gemacht wurde. Der 
Verein wird von Fall zu Fall mit dem Verband Zusammen¬ 
arbeiten. Als erste Massnahme wird die Verbesserung der Zug¬ 
verhältnisse auf der Strecke Duisburg—Cleve betrieben werden. 
Ferner wurde beschlossen, die Bürgerschaft auf das vom 
Verkehrs-Verein herausgegebene Bach „Duisburg am Rhein“ 






'■•V 



434 i s3OO(3O0ooddSd&i^^ DßUTSCHLAHD BBeeees eeeeeooeeecceoeeeceei i Nr.j0. 


Inhalts -Verzeichnis 

zum I. Jahrgang: der Zeitschrift 
„Deutschland“. 

Vielfachen Wünschen entsprechend, haben wir 
ein ausführliches Inhalts-Verzeichnis zum I. Jahr¬ 
gang unserer Zeitschrift herstellen lassen, das aus 
folgenden Abschnitten besteht: 

1. Chronologische Inhaltsübersicht der 

15 Nummern, 

2. Alphabetisches Sachregister, 

3. „ Ortsregister, 

4. „ Jllustrationsregister, 

5. „ Personenregister. 

Das Verzeichnis umfaßt 28 Seiten und kenn¬ 
zeichnet beredter als Worte den vielseitigen Inhalt 
des I. Jahrganges, in dem nicht weniger als 11ÄO 
deutsche Sthdte und Orte Erwähnung ge¬ 
funden haben und 590 «f llustrationen deutscher 
Städte-Ansiehten, Kunstschätze und landschaftlich 
schöne Punkte im Bilde wiedergegeben sind. Was 
die „Deutschland“ in diesem Zeitabschnitt zur Pflege 
von Heimatkunde und Heimatliebe, zur Förderung 
der deutschen Verkehrs-Interessen geleistet hat, 
beweisen schon die vorstehend genannten Zahlen. 
Der Wert des nicht nur auf manchem Familien- 
tiseh, sondern auch ln so vielen Bibliotheken und 
Lesezimmern aufliegenden Jahrganges wird durch 
die Ausführlichkeit des Inhalts-Verzeichnisses noch 
erhöht. 

Unseren verehrliehen Abonnenten wird das 
Inhalts-Verzeichnis kostenlos geliefert. Gleich¬ 
zeitig machen wir darauf aufmerksam, daß wir 
zum Aufbewahren des I. Jahrganges 

eine Einbanddecke 

in gefälliger Ausstattung hersteilen Hessen, die 
zum Preise von 1 Mark, zuzüglich 25 Pfg. für 
Versand, von unserer Geschäftsstelle bezogen 
werden kann. (Bei portofreier Einsendung der sämt¬ 
lichen Nummern des Jahrganges übernehmen wir 
auch das Einbinden. Preis für Einbanddecke und 
Einbinden Mark 1^.50, zuzüglich Porto.) 

Fehlende Nummern des I. Jahrganges werden, 
soweit der Vorrat reicht, zum Preise von 40 Pfg., 
zuzüglich Porto, nachgeliefert. Vollständige Jahr¬ 
gänge fertig eingebunden liefern wir zum Preise 
von Mark 8.50, zuzüglich 50 Pfg. für Porto. 


DÜSSELDORF 
Postfach 444 


Verlag der Zeltsilirift Jeglidiland". 


erneut aufmerksam zu machen und dessen Ankauf als Nach¬ 
schlagewerk besonders auch den Einheimischen zu empfehlen. 
Um die Zahlung der Mitgliederbeiträge zu erleichtern, wird der 
Verein ein Postscheckkonto einrichten, so dass Einzahlungen 
demnächst durch Zahlkarten erfolgen können. 

Der Verkehrs-Verein Dortmund 

hat seit August im östlichen Anbau des neuen Hauptbahnhofes, 
gegenüber der Fehmlindenbastion, eine neue Geschäftsstelle er¬ 
öffnet, um einerseits den Fremden, die nach Dortmund hinein¬ 
gehen, gleich Gelegenheit zu bieten, Uber Dortmunder Ver¬ 
hältnisse richtige Auskunft zu erhalten, andererseits auch den 
Mitgliedern in ausgiebigerem Masse dienen zu können, da das 
Bureau am Markt aa räumlich sehr beschränkt ist. Letzteres 
Bureau behält jedoch der Verein auch bei. Im Bureau am 
Bahnhof sollen hauptsächlich Auskünfte in Reiseangelegen¬ 
heiten erteilt werden; es werden dort auch Prospekte aus¬ 
gegeben und in Zukunft auch Fahrscheine der Strassenbahn und 
andere Billette verkauft. Eine Lesegelegenheit ist vorhanden, 
um das hiesige Adressbuch, Kursbücher, Zeitungen usw. ein- 
ehen zu können. 


Der neugegründete RheingauerVerkehrs-Vejein hat 
in Eltville ein Verkehrsbureau errichtet, dessen Leitunfif 
Bürgermeister Dr. Keutner übertragen wurde. Zum Geschäfte- 
führer des Bureaus ist der Kaufmann Schuhmacher ernannt. 

Der Fremdenverkehr inWürzburg hat sich wesent¬ 
lich gegen die Vorjahre gehoben; namentlich Passanten vom 
Hochgebirge, von den Bayreuther Festspielen, von den böhmischen 
Bädern und von Bad-Kissingen versäumten es selten, hier 
Rast zu machen und die zwei hervorragendsten Punkte der 
alten Mainstadt, das prächtige Residenzschloss und die ehr¬ 
würdige Festung Marienberg, zu besichtigen. 


Eisenbahnwesen. 

Die neue Eisenbahnbrücke bei Düsseldorf- Hamm. 

Die neue Eisenbahnbrücke über den Rhein zwischen Düssel¬ 
dorf-Hamm und Neuss ist am 9. September in Betrieb genommen 
worden. Mit dem Bau der Brücke wurde am 7. August des 
Jahres 1909 begonnen. Es ist also gelungen, das gesamte 
Bauwerk, das vier grosse Stromöffnungen zu je no Meter Weite, 
drei eiserne FlutöfFnungen von je 42 Meter Weite und zwölf 
steinerne Viaduktbogen von rund 20 Meter Weite aufweist, in 
der verhältnismässig kurzen Zeit von zwei Jahren und einem 
Monat fertigzustellen. Die Senkkästen für die Pressluftgründungf 
der drei Strompfeiler wurden von der Firma Aug. Klönne in 
Dortmund hergestellt. Die Gründungsarbeiten selbst, auch die der 
Turmpfeilcr, sind von der Firma Grün & Bilflnger in Mannheim 
und diejenigen der Flutpfeiler von der Firma Bassier & Gormanns 
in Düsseldorf ausgeführt, während die architektonischen Turm¬ 
aufbauten von der Firma Boswau& Knauer in Düsseldorf vollendet 
wurden. Die Anlieferung und Errichtung der Eisenkonstruktion 
lag zu gleichen Teilen in den Händen der beiden Brückenbau¬ 
anstalten Hein, Lehmann & Co. in Düsseldorf und der Gute¬ 
hoffnungshütte in Oberhausen. Die Leitung der gesamten Bau¬ 
arbeiten erfolgte durch die Bauabteilung Düsseldorf (Regierunga- 
baumeister Woltmann) unter der Oberleitung der Königlichen 
Eisenbahndirektion Elberfeld. Die Baukosten beliefen sich auf 
5 100 000 Mk. 

Die Eisenbahnstrecke Marienberg — Erbach (6,ao 
Kilometer lang) wurde am i. September feierlich eröffnet. 
Damit ist die Eisenbahnlinie Herborn—Erbach fertiggestellt und 
einigen Westerwaldorton ein langersehnter Wunsch erfüllt. 

Ein Erlass über die Raucher-Abteile in de-n 
Eisenbahnzügen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten 
hat folgenden Erlass an die Preussisch-Hessischen Eisenbahn¬ 
direktionen gerichtet: „In der Presse wird darüber Klage geführt, 
dass es in den Zügen oft an den erforderlichen Plätzen für 
Raucher fehlt, während die Nichtraucher- und Frauenabteile nur 
mässig besetzt sind. Insbesondere wird hervorgehoben, dass 
viele Frauen in den Raucherabteilen zum Nachteil der Raucher 
Platz nehmen. Wenn auch nicht in Frage kommen kann, die 
Vorschriften für die Bezeichnung der Abteile in den Zügen 
abzuändern, so sind die Zugbeamten doch anzuweisen, in höf¬ 
licher Form darauf hinzuwirken, dass einzelreisende Frauen und 
Kinder möglichst in den Frauen- und Nichtraucherabteilen Plate 
nehmen.“ 

Ueber 157 Millionen Fahrkarten sind nach der 
soeben erschienenen amtlichen Verkehrsstatistik im letzten 
Rechnungsjahre auf den Stationen des Eisenbahndirektions¬ 
bezirks Berlin verkauft worden; es sind dies über 2,a Millionen 
mehr als im Vorjahre. Von der Gesamtsumme entfallen auf 
den Fernverkehr mehr als 12 und auf den Berliner Lokal verkehr 
über 145 Millionen. 

Aerztliche Sprechstunden in den D-Zügen nach' 
Badeorten. In den D-Zügen, die zwischen Podwoloczyska 
und Karlsbad verkehren, ist auf Verfügung der österreichischen 
Staatsbahnverwaltung ein interessanter Versuch gemacht worden. 
Da nach Karlsbad hauptsächlich kranke Personen fahren, so hat 
die österreichische Staatsbahnverwaltung angeordnet, dass sich 
in den Zügen nach Karlsbad und einigen anderen böhmischen 
Badeorten zweimal in der Woche Aerzte befinden, die hier 
Sprechstunden abhalten sollen. Allerdings dürfen die Aerzte 
nur in dem Falle von den Passagieren in Anspruch genommen 
werden, wenn die Passagiere in der Eisenbahn plötzlich erkranken. 
Der Arzt, der sich in dem Zuge befindet, erhält einen besonderen 
Wagenabteil, der auch von aussen als ärztliches Sprechzimmer 
kenntlich gemacht ist, damit die Reisenden wissen, wo sie sich 
ärztlichen Rat holen können. 

Aussichtswagen auf englischen Eisenbahnen. 
Ein interessanter Versuch ist soeben auf der London und 
North Western Eisenbahn begonnen worden. Die Touristen¬ 
züge, die täglich während der Saison zwischen Llandudno nadtx 





DEUTSCHLAND 


455 


Nr, 9 

BettwB-y-coed und Blaene Festiniog: verkehren, erhalten je 
einen Beöbachtungswagen. Der Wagen selbst ist lang und 
nach allen Seiten zu offen, gut ventiliert und nett ausgestattet, 
ähnlich wie die Wagen auf den amerikanischen Eisenbahnen. 
Ein jeder Wagen hat z6 Sitzbänke für je 4 Personen und einen 
Gang in der Mitte, so dass 64 Personen bequem untergebracht 
werden können. Die Spiegelglasfenster an den Seiten des 
Wagens und vorn und hinten gestatten den Passagieren einen 
guten Ausblick in die Landschaft, durch die der Zug fährt, und 
vom Innern des Wagens aus können ohne jede Unbequemlich¬ 
keit photographische Aufnahmen gemacht werden. Wenn der 
Versuch bei den Vergnügungsreisenden Beifall findet, sollen 
diese Beobachtungswagen allgemein eingeführt werden. 

Schiffahrt. 

Wöchentliche Schnelldampferlinie nach Eng¬ 
land. Die Regierung der Vereinigten Südafrikanischen Staaten 
fordert durch ihren Vertreter in London Angebote auf eine 
wöchentliche Schnelldampferlinie nach England. Ein bestimmter 
Ausgangshafen in England ist nicht vorgesehen, dagegen muss 
unterwegs Funchal auf Madeira an gelaufen werden und in 
Südafrika Kapstadt. Ausserdem steht es der Reederei frei, auch 
noch andere Häfen auf der Route anzulaufen. Wahrscheinlich 
sind Differenzen zwischen den südafrikanischen Staaten und 
der Union Castle Line die Ursache zu diesem Ausschreiben. 
Zu Ratenkämpfen dürfte es wohl nicht kommen. Aber anderer¬ 
seits wird sich der Passagierverkehr noch mehr als bisher der 
schnellsten Linie zu wen den. 

Post nach Ostasien und Australien. Da die 
Dampfer des Norddeutschen Lloyd nach Ostasien und Australien 
trotz der Cholera nach wie vor in Neapel anlegen, wird auch 
die Zuführung der Post Uber diesen Hafen erfolgen. Abgang 
der letzten Post aus Berlin für Ostasien an jedem zweiten 
Mittwoch vom 23. August ab, und nach Australien an jedem 
vierten Montag vom 11. September ab, abends. 

Ueber den Kölner Hafenverkehr schreibt das 
städtische Nachrichtenamt: Der Schiffsgüterverkebr betrug Juli 
igzo: Z02498 Tonnen, Juli zgzz: Z26 694 Tonnen, hat daher gegen 
den gleichen Monat des Vorjahres um 24zg6 Tonnen zugenommen. 
.Im ganzen beträgt die Zunahme in den ersten sieben Kalender¬ 
monaten gegen die gleichen Monate des Vorjahres Z4ZZ02 Tonnen, 
bei 840640 Tonnen Gesamtverkehr. 

Luftschiffahrt. 

Die grosse Fernfahrt der „Schwaben^^ 

Das Luftschiff „Schwaben“ hat am 6. September unter 
Führung von Dr. Eckener mit sieben Passagieren die Fernfahrt 
nach Gotha über K arls ruhe , Mannheim und Frankfurt 
am Main angetreten. „Schwaben“ überflog um 9.05 Uhr Frank¬ 
furt a. Main, begleitet von dem Eulerflieger Leutnant Hiddessen, 
der von Darmstadt ab dem Luftschiff gefolgt war. Um Z2.Z5 Uhr 
wurde das Luftschiff in Gotha gesichtet und landete um 
Z2.30 Uhr. Die 405 Kilometer lange Strecke wurde in rund 
6V2 Stunden mit einer Stundengeschwindigkeit von 
62 KUometern zurückgelegt. Ueberall wurde das Luftschiff 
freudig begrüsst. Am 7. und 8. September wurden Rundfahrten 
ausgeführt, an denen u. a. teilnahmen: der Grossherzog und die 
Grossherzogin von Sachsen und der Herzog und die Herzogin 
von Sachsen-Coburg und Gotha. — Am 9. September erfolgte 
die Weiterfahrt nach Berlin, die eine geradezu glänzende 
Leistung des Luftschiffes und seines Leiters darstellte. Ueber 
diese Fahrt der „Schwaben“ äussert sich Hauptmann Hilde- 
b r a n d t folgendermassen im „Berl. Lokalanz.“ : „Das Luftschiff 
„Schwaben“ hat heute gewissermassen seine Feuerprobe be¬ 
standen! Vom Aerologischen Observatorium zu Lindenberg 
(Direktor Geheimrat Assmann) lagen schon seit gestern un¬ 
günstige Nachrichten Über die heutige Wetterlage vor. Danach 
herrschte sehr böiger Wind mit Neigung zu Gewittern. Die 
Fahrt wurde trotzdem gewagt. Als das Luftschiff in Sicht des 
Potsdamer Luftschiffhafens erschien, wurde vom Meteorologischen 
Institut auf dem Brauhausberge eine Windgeschwindigkeit von 
Z3 Meter in der Sekunde gemeldet und hervorgehoben, dass der 
Wind sehr böig sei. Danach waren in einer Höhe von 200 
bis 300 Metern Z5 Meter in der Sekunde. Hätte die „Schwaben“ 
nicht die für Luftschiffe enorme Geschwindigkeit von Z9,3 Meter 
in der Sekunde, so würde die Fahrt sicher nicht zu einem 
glücklichen Ende gebracht worden sein. Auch Luftschiffe 
anderen Systems, die nur bis zu z6 Meter Geschwindigkeit 
haben, wären diesen Böen nicht gewachsen. Auch die Landung 
vollzog sich sehr schwierig. Nach Angabe des Führers Dr. 
Eckener war diese Fahrt eine der schwierigsten infolge des 


böigen Windes. Die Schrauben mussten nach der Landung 
wieder angestellt werden, damit man gegen den herrschenden 
Wind an die Ankerstelle fahren konnte. Die Leistung der 
„Schwaben“ kann nach alledem nicht hoch genug ver¬ 
anschlagt werden.“ — In sehr anerkennender Weise hat 
sich auch der Fahrtteilnehmer Admiral v. Hollmann über 
die Fahrt von Gotha nach Potsdam ausgesprochen. Er ist 
namentlich erstaunt über die ausserordentliche Ruhe, die dem 
Schiff während der ganzen Fahrt eigen war. Der Führer des 
Luftschiffes teilte mit, dass das Luftschiff von vornherein mit 
2 Motoren gearbeitet hätte. Bei den ausserordentlich ver>^ 
schiedenen Luftströmungen, die sich vom Südwestwind bis zum 
Nordwind wendeten, war man jedoch genötigt, schliesslich mit 
4 Motoren zu arbeiten. Die Fahrt verlief sehr flott. Das Luft¬ 
schiff hielt sich grösstenteils in einer Höhe von aoo Metern. — 
Die Rückfahrt nach Gotha und die Weiterfahrt nach Düssel¬ 
dorf am Z2. September verlief ebenso glücklich. Die Landung 
vor der Düsseldorfer Luftschiffhalle erfolgte gegen z®/4 Uhr. 
Da das Einbringen in die Halle bei dem herrschenden starken 
Seitenwind mit grosser Gefahr verknüpft gewesen wäre, ent¬ 
schloss sich der Führer des Luftschiffes, Dr. Eckener, der 
die „Schwaben“ bereits auf 75 Fahrten erfolgreich geführt hat, 
zu warten, bis der Wind nachgelassen hatte, ehe er das Luft¬ 
schiff in die Halle bringen liess. Gegen 5Y2 Uhr war die Zeit 
hierzu gekommen, und das Luftschiff konnte mit Hilfe der neuen 
mechanischen Ein- und Ausfahrvorrichtung ohne Beschädigung 
in die Halle gebracht werden, wenn dies auch des immer noch 
herrschenden böigen Windes wogen nicht ganz ungefährlich 
war. Das Luftschiff wird, obwohl endgültige Bestimmungen 
hierüber noch nicht getroffen sind, voraussichtlich etwa Z4 Tage 
in Düsseldorf bleiben und nach kurzer Ruhepause von hier 
aus wieder Passagierfahrten unternehmen. (Hier ist 
auch das Luftschiff zu besichtigen. Siehe Bekanntmachung 
Seite 440.) — Das Luftschiff „Schwaben“ hat, wie uns noch 
aus Baden-Baden mitgeteilt wird, bis zu der Fahrt nach 
Gotha einschliesslich der vor Ausführung der Passagierfahrten 
stattgefundenen Probefahrten 74 wohlgelungene Fahrten aus¬ 
geführt, bei denen ausser der Besatzung von durchschnittlich 
IO Personen mehr als 700 Passagiere durch die Lüfte getragen 
wurden. Die Dauer einer Fahrt betrug durchschnittlich 2 Stunden, 
und der auf diesen Fahrten durchmessene Weg dürfte an¬ 
nähernd 7500 Kilometer betragen. Zu bemerken ist dazu, dass 
in der Regel nur mit 2 Motoren gefahren wurde, und dass einige 
Fahrten bei recht ungünstigem Wind und Wetter stattfanden. 

Der Wettbewerb in den Lüften. Als die „Schwaben“ 
auf ihrer jüngsten grossen Fernfahrt von Baden-Baden nach 
Gotha in das Gebiet Eulers kam, konnten „die vom Flugdrachen“ 
natürlich nicht der Versuchung widerstehen, die günstige Ge¬ 
legenheit zu benutzen, dem „ Luftschiff“ als solchem, dem 
feindlichen „Ding an sich“, eins auszuwischen. Ein kampf¬ 
bereiter Recke vom Fähnlein Eulers schwang sich also auf den 
Drachen und propellerte gegen den feindlichen Luftwurm an.. 
In der Luftfestung, wo man nur mit den Windmühlen von zwei 
schnaufenden Teufelsmaschinen dahingebummelt war, steckte 
man die Köpfe zusammen, als man den flinken Luftjäger hinter 
sich sah, und beschloss, die Feste bis aufs äusserste zu halten, 
das heisst, nach Kräften auszureissen. Man spannte also den 
dritten Motor ein und verlegte sich aufs Abwarten. Unter 
diesen Umständen ist nach der Theorie das Luftschiff eigentlich 
mausetot. Warum? Weil der Flugdrache eben schneller fliegt, 
noch höher hinauf kann, wie der Lenkballon, ihn also einfach 
vernichten oder, in Ketten gelegt, mit nach Hause nehmen kaum. 
In der Theorie. Im Kriege — der Praxis — bekommen aber 
selbst die schönsten Theorien durch die besonderen — fast 
könnte man sagen: individuellen — Verhältnisse ihr Loch. 
Muss jeder Flugdrache schneller fliegen als jedes Luftschiff? 
Eine interessainte Frage. Im vorliegenden Falle ist sie, nach 
einer Erklärung Dr. Eckeners, der die „Schwaben“ führte, verneint 
worden. Er sagt nach der „Köln. Ztg.“: „Als ich alle drei 
Motoren mit voller Kraft laufen liess, zeigte es sich, dass der 
Zweidecker nicht nur nicht aufholen konnte, sondern ständig 
am Terrain verlor. Er versuchte sein Glück in verschiedenen 
Höhenlagen, in der Meinung, vielleicht in irgendeiner Schicht 
günstigeren Wind zu bekommen. Vergebens. Die „Schwaben“ 
lief ihm sicher davon. Als wir in Frankfurt ankamen, war der 
Flieger 2 bis 3 Kilometer hinter uns. Erst als wir dann Uber 
der Stadt eine Schleife machten und den dritten Motor wieder 
abgestellt hatten, kam der Flieger wieder nach. Ich möchte 
dieses feststellen, um damit die allgemeine Anschauung zu 
widerlegen, als ob Luftschiffe im Vergleich mit den Aeroplanen 
stets langsamere Luftfahrzeuge sein müssten.“ 

Ein neuer Flieger-Höhenrekord. Der Aviatiker 
Garros in Paris hat einen neuen Höhenrekord aufgestellt, wobei 
er 4200 Meter erreichte. 






Die erste Luftpost. Die Eröffnung der Luftpost 
zwischen Hendon und Windsor fand vor einigen Tagen statt, 
wurde jedoch durch starken Wind beeinträchtigt, der den Start 
verzögerte. Anstatt der angemeldeten vier Piloten flog nur einer 
von Hendon nach Windsor und zurück. 

Die Stadt Mannheim hat mit der Deutschen Luft- 
Schiffahrtaktiengesellschaft in Frankfurt a. M. eine 
Vereinbarung getroffen, wonach dieser ausser dem sogenannten 
Ankerplatz der Gebrauch des städtischen zur Anlegung eines 
Luftschifflandeplatzes bestimmten Geländes auf der Friesen- 
heimer Insel mit einem Durchmesser von 500 Meter zur Vor¬ 
nahme von Luftschifflandungen überlassen wird. Die Gesellschaft 
wird den Platz für ihre Zwecke ausbauen und unterhalten und 
den Betrieb von Landungen selbst in die Hand nehmen. 

Die Errichtung einer Reichsanstalt für Luftschiff- 
fahrt begegnet, wie aus guter Quelle mitgeteilt wird, grossen 
Schwierigkeiten wegen der hohen Summen, die notwendig sind, 
um die erforderlichen Untersuchungen im grossen Massstab in 
unmittelbarer Anwendung auf die Praxis vorzunehmen. Leichter 
durchführbar sind die wissenschaftlichen Einzeluntersuchungen 
in den Laboratorien der technischen Hochschulen und des 
Instituts für angewandte Mechanik der Göttinger Universität, 
mit denen bereits begonnen wurde. Die Technische Hoch¬ 
schule in Aachen hat zurzeit als Spezialaufgabe Modelle von 
Flugapparaten, Ballons und Luftschrauben auf die günstigsten 
Formen hin zu prüfen. Zu diesem Zweck ist ein Luftstrom¬ 
kanal von vier Quadratmeter Querschnitt errichtet, in dem durch 
einen zoopferdigen Ventilator ein Luftstrom von 25 Sekunden¬ 
meter erzeugt wird. 

Automobilwesen. 

Internationale Automobil-Ausstellung Berlin 1911. 
Ein umfassendes Bild von den neuesten Errungenschaften der 
Automobil-Industrie wird die vom 12. bis 22. Oktober statt- 
ffndende, vom Kaiserlichen Automobilklub und dem Verein 
Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller veranstaltete Internationale 
Automobil-Ausstellung geben. Alle in Betracht kommenden 
deutschen Automobilfabriken, Karosseriefirmen und die Zubehör¬ 
fabriken haben ihre Beteiligung angemeldet, und die ange¬ 
sehensten Firmen des Auslandes werden ihre neuesten Erzeugnisse 
zur Schau bringen. Prinz Heinrich von Preussen hat das 
Protektorat über die Ausstellung übernommen. 

Stempel -Rückzahlung in Automobilsachen. 
Bekanntlich hat der preussische Finanzminister kürzlich verfügt, 
dass der Stempel von 3 Mark, der auf dem amtsärztlichen 
Zeugnis bei Erneuerung eines Kraftfahrzeug - Führerscheins 
verwendet wurde, auf Antrag zurückgezahlt werde. Das 
Formular für einen solchen Antrag hat der Mittel¬ 
europäische Motorwagen-Verein in Berlin SW. ii, 
Hafenplatz 5, im Einvernehmen mit den zuständigen Behörden 
drucken lassen und versendet es gegen Einsendung von 15 Pfg. 
in Briefmarken. Das Formular erscheint um so zeitgemässer, 
als die Interessenten vor einiger Zeit in der Fachpresse irrtüm¬ 
lich an eine falsche Behörde gewiesen wurden. 

Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

Kaiserbesuch in Aachen. Zur Enthüllung des Denk¬ 
mals für Kaiser Friedrich III. in Aachen trifft der Kaiser am 

18. Oktober dieses Jahres dort ein. Zuletzt war der Kaiser am 

19. Juni 1902 in Aachen. 

September-Oktober: In Worms Lutherfestspiele zum Besten 
der Lutherkirche. 

14. —17- September: In Co bien z Tagung des Vereins Deutscher 

Eisengiessereien. 

15. —16. September: In Dresden Konferenz des Deutschen 

Komitees für Internationale Sozialversicherung. 

15. —16. September: In Heidelberg Hauptversammlung und 

Kongress der internationalen Vereinigung für vergleichende 
Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre. 

16. September: ln Coblenz Beleuchtung des Ehrenbreitsteins. 
16.—17. September: In Osterode i. Harz 9. Hauptversamm¬ 
lung des Harzer Verkehrs-Verbandes. 

16.—17. September: In Frankfurt a. M. 8. Delegiertentag des 
Zentralverbandes Deutscher Tonkünstler und Tonkünstler¬ 
vereine (E. V.) 

x6.—17. September: In Dresden Tagung des Deutschen Schrift¬ 
stellerverbandes. 

x6.—x8. September: In Berlin 3. Verbandstag des Verbandes 
der Wegebaubeamten Deutschlands. 


X7—x8. September: In Heidelberg Bund Deutscher Architekten ~ 
X7.—19. September: In Dresden 6. Tagung Deutscher Berufs¬ 
vormünder; zugleich Mitgliederversammlung des Archivs 
Deutscher Berufsvormünder E. V. 

19. u. 27. September: In Baden-Baden Grosse Herbst-Konzerte 

des Städtischen Orchesters im Grossen Saale des Kurhauses. 

20. —21. September: In Dresden 31. Jahresversammlung des 

Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit. 

20. —30. September: In M U n ch e n Kongress des Internationalen 

Verbandes zum Studium der Verhältnisse im Mittelstände. 

21. —24.September: In Münster 40. Abgeordneten-Versammlung 

des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. 

23.—24. September: In Eisenach Bachfest der Neuen Bach¬ 
gesellschaft. 

23.—25. Septbr.: In Dresden I. Deutscher Reichsmittelstandstag. 

23.—25. September: In Würzburg dritter Verbandstag der 
bayerischen Wagnermeister. 

23. — 26 . September: In Erkelenz Provinzialausstellung, ver¬ 

bunden mit der Generalversammlung des Landwirtschaft¬ 
lichen Vereins für Rheinpreussen. 

24. September: ln Breslau Hauptversammlung des Vereins 

Deutscher Eisenhüttenleute und Einweihung des Hütten¬ 
männischen Instituts. 

24. September: In Düsseldorf Schaufliegen des Düsseldorfer 
Flugsportvereins. 

24.— 27. September: In Dresden 4. Internationaler Kongress 
für Ncumalthusianismus. 

24.-30. September: In Karlsruhe 83.Versammlung Deutscher 
Naturforscher und Aerzte. 

24. —30. September: In Rom 7. Internationaler Kongress gegen 

die Tuberkulose. Mit dem Kongress wird eine Ausstellung 
verbunden. 

25. —26. September: In München Versammlung des Inter¬ 

nationalen Vereins für medizinische Psychologie und 
Psychotherapie. 

25.—26. September: In Bad Nauheim Hauptversammlung des 
Vereins der Kurorte und Mineralquellen - Interessenten 
Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Schweiz. 

25.-28. September: In Stettin 36. Kongress für Innere Mission. 

28.—30. September: In O s n a b r ü ck Jahresversammlung des 
Niedersächsischen Vereins der Gas- und Wasserfachmänner. 

28. —30. September: In Dresden Internationaler Kongress für 

Mutterschutz und Scxualreform. 

29. September: In Heidelberg Naturforschertag. 

29. -30. September: In Bonn 7. Internationaler Kongress gegen 

die Tuberkulose. 

30. September bis 2. Oktober: In Leipzig Hauptversammlung 

des Verbandes sächsischer Gewerbeschulmänner. 

30. September bis 4. Oktober: In M ü n ch e n Deutscher Gemeinde- 
Beamtentag. 

I. Oktober: In L e i p z i g 16. Hauptversammlung des Sächsischen 
Lehrervereins. 

I.— 3. Oktober : In Düsseldorf Herbstrennen des Düsseldorfer 
Reiter- und Rennvereins. 

5. -8. Oktober: In Dortmund 24. Generalversammlung des 

Evangel. Bundes. 

6. -7. Oktober: In Leipzig 3. Hauptversammlung des Ver¬ 

bandes der deutschen gemeinnützigen und unparteiischen 
Rechtsauskunftstellen. 

9. - IO. Oktober: In Nürnberg Generalversammlung des Vereins 
für Sozialpolitik. 

9. —13. Oktober: In Köln 7. Internationaler Kongress für 

Kriminalantropologie in der Handelshochschule. 

10. - II. Oktober: In B e rlin 2. Mitgliederversammlung des Reichs¬ 

verbandes deutscher Städte. 

12.—15. Oktober: In Cassel Jugendbund-National-Konferens. 

15. Oktober: In Düsseldorf Verbandstag des rheinisch-west¬ 

fälischen Bezirksverbandes der Gesellschaft für Verbreitung 
der Volksbildung. 

16. — 21. Oktober: In B er 1 i n Kongress der F6d6ration Universelle 

des Sociötös d'Hoteliers in Verbindung mit der General¬ 
versammlung des Internationalen Hotelbesitzervereins (Sits 
Köln). 

22. -25. Oktober: In Heidelberg 47. Tonkünstler-Versammlung 

(Liszt-Fest). 

25.—31. Oktober: In Turin 5. Internationaler Luftschifferkongress. 

Ausstellungen. 

Die Deuts che Schutzvereins - Ausstellung iu 
Salzburg. Wer ein wenig nur den Kampf des Deutschtums 
in Oesterreich verfolgt hat, der kennt die grosse, vielleicht aua- 
schlaggebende Rolle, welche die grossen Organisationen der 
deutschen unpolitischen Schutzvereine, Deutscher Schulverelni 
Bund der Deutschen in Böhmen, Südmark, NordmährerbtUi^ 








DEUTSCHLAND 


Tiroler Volksbund und wie sie alle heissen, in diesem Kampfe 
spielen. Es war daher ein wertvoller und glücklicher Gedanke, 
alles das in einer Ausstellung zu vereinen, was diese Organi¬ 
sationen im Lauf der Zeit an Aufklärungs-, Kampf- und Werbe¬ 
material geschaffen haben. Die Deutsche Schutzvereins-Aus¬ 
stellung, die in Salzburg bis Ende September geöffnet sein wird, 
ist prächtig ausgefallen und bietet ein wirkungsvolles Bild ziel¬ 
bewusster nationaler Organisationsarbeit. Ausser den öster¬ 
reichischen Vereinen ist auch der reichsdeutsche Verein für das 
Deutschtum im Ausland mit seinen Schriften und dem Karten¬ 
material vertreten, das ihm auf der Brüsseler Weltausstellung 
die zweithöchste Auszeichnung, das Ehrendiplom verschaffte. 
Wir empfehlen allen reichsdeutschen Besuchern Salzburgs die 
Besichtigung der Ausstellung aufs wärmste. 

Deutschlands Vertretung bei der Internationalen 
Jury in Turin ign. Bei den Anfang September in Turin be¬ 
ginnenden Internationalen Juryarbeiten ist Deutsch¬ 
land unter den ausstellenden 21 Staaten dank den Bemühungen 
des Deutschen Generalkommissars stattlich vertreten. Wie die 
„Ständige Ausstellungskommission für die deutsche Industrie** 
mitteilt, gehören dem aus 35 Personen bestehenden obersten 
Preisgericht 3 Deutsche an, und zwar: der Unterstaatssekretär 
im Reichsamt des Innern Dr. Richter, Exzellenz, der General¬ 
direktor der Siemens-Schuckertwerke Dr. Berliner und Direktor 
Schmidt, Mailand. Den Gruppen-Präsidenten stellt Deutschland 
bei folgenden 4 (von 26) Gruppen: Feinmechanik, Verkehrs¬ 
mittel, Musikinstrumente und Goldschmiedekunst, sowie den 
Vize-Präsidenten in 8 weiteren Gruppen, ln den 126 Klassen- 
Preisgerichten stellt Deutschland für 22 Klassen den Präsidenten, 
für 19 andere den Vize-Präsidenten, ausserdem noch 98 Preis¬ 
richter und 46 Hilfspreisrichter. Insgesamt werden also 188 
deutsche Preisrichter des Amtes walten. 

Warnung! Der notorische Ausstellungsschwindler Berczi, 
vor dem wiederholt, so durch Preussischen Ministerialerlass 
vom 2. Februar igo6, öffentlich gewarnt worden ist, wirbt als 
„Generalkommissar** für eine „Exposition Internationale 
d'Alimentation, Brasserie, Vins et Liqueurs etc.**, 
die im Herbst ds. Js. in Antwerpen stattfinden soll und als 
deren „Directeur-Organisateur** ein von früheren Anlässen gleich¬ 
falls unvorteilhaft bekannter Ausstellungsmacher fungiert. In 
der schon durch den damaligen Ministerialerlass als typischer 
Medaillenschwindel gekennzeichneten Art wird eine Bezahlung 
der Gebühren nur im Falle der Prämiierung mit der Goldenen 
Medaille verlangt. Die „Ständige Ausstellungskommission für 
die deutsche Industrie** warnt hiermit vor diesem Treiben und 
vor dem evtl, strafbaren Gebrauch der „Auszeichnungen**, denen 
ein öffentlicher Wort nicht beizumessen ist. 

Bis zum 8. Oktober einschl.: In Düsseldorf Grosse Nationale 

Kunstausstellung und Internationale Aquarellausstellung im 

Städtischen Kunstpalast. 

16.—25. September: In Barmen Bergische Gartenbau-Aus- 

stelung, verbunden mit der Dahlienschau der Deutschen 

Dahlien-Gesellschaft. 


ax.—22. September: In Posen Besuch der Ostdeutschen Aus¬ 
stellung durch den Verein Deutscher Eisenhüttenleute. 

29. September bis 12. Oktober: In E 1 b e rf e 1 d Rheinisch-West¬ 
falische Ausstellung für das Baugewerbe und Wohnungs¬ 
wesen, veranstaltet von der Freien Baugewerke-Innung. 
Anfang Oktober: In Düsseldorf Ausstellung von Flugsport¬ 
apparaten in der Zeppelin-Luftschiffhalle und Wettfliegen 
von Flugzeugmodellen. 

9.—15. November: In Osnabrück Wanderausstellung Münchener 
Künstler in der Stadthalle. 

Deutschland und das Ausland. 

Eine nationale Rednerliste. Der Verein für das 
Deutschtum im Ausland beabsichtigt im Interesse seiner mehr 
als 300 Ortsgruppen eine Rednerliste herzustellen, die den Orts¬ 
gruppenvorständen die Möglichkeit geben soll, sich für ihre 
Vortrags- und Werbeabende geeignete rednerische Kräfte ohne 
Schwierigkeit zu sichern. Die Geschäftsstelle des Vereins, BerlinW, 
Kurfürstenstrasse 105, bittet daher alle diejenigen Herren, die 
die Aufnahme ihres Namens und ihrer Anschrift in diese Liste 
wünschen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen und ihr genaue 
Angaben über Namen, Stand und Wohnort, über die zur Aus¬ 
wahl stehenden Vortragsstoffe (mit oder ohne Lichtbilder), über 
die Zeitdauer, für die der Vortragende zur Verfügung stehen 
kann, sowie über seine Honorarforderungen für Einzelvorträge 
und zusammenhängende Vortragsreihen zu machen. In Betracht 
kommen als Vortragsstoffe in erster Linie alle das Deutschtum 
im Ausland und die Vereinsarbeit berührenden Fragen, sowie 
Darstellungen der einzelnen Gebiete des Auslanddeutschtums. 
Für letztere sind als Vortragende solche Persönlichkeiten 
erwünscht, die die von ihnen zu behandelnden Gebiete aus 
eigener Anschauung kennen. 

Italienische Handelskammer in Berlin. Um die 
Entwicklung der kommerziellen Beziehungen zwischen Italien 
und Deutschland zu fördern und zu erleichtern, ist in Berlin 
eine italienische Handelskammer für Deutschland errichtet 
worden, deren Ehrenpräsident der italienische Botschafter Pansa 
und deren geschäftsführender Präsident Villa ist. Mitglieder 
des Vorstandes und Vizepräsidenten sind Biraghi und Corbone, 
Schatzmeister ist Falena. Das Institut, das in diesen Tagen in 
das Vereinsregister eingetragen wurde, ist immer bereit, seine 
Dienste allen deutschen Firmen zur Verfügung zu stellen, die 
kommerzielle Verbindungen in Italien haben, oder solche anzu¬ 
knüpfen suchen. Die Beitrittsstatuten stehen Interessenten zur 
Verfügung. 

Das deutsche Schauspiel im Ausland. Zu den 
Mitteln, durch die der Verein für das Deutschtum im 
Ausland in Uebersee die Erhaltung und Sicherung des 
deutschen Sprachgutes, die Freude an deutscher Kunst und die 
fortlebende Gemeinschaft der kulturellen Anschauungswelt hüben 
und drüben pflegt, ist seit einigen Jahren das Theater getreten. 
Mit dem Sitz in Hamburg hat sich aus den Kreisen des 


HUMDERT EMTWÜRFE 

- aus dem Wettbewerb für das == 

Bismarck-hational-Denkmal 

- auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück-Bingen = 

:: Herausgegeben im Aufträge der Denkmals-Russchüsse :: 

Mit 139 jllustrationen und 48 Seiten Tejct, Qroß 4° 

:: mit erläuterndem Tert Künstler-Verzeichnis usw. :: 

Zu beziehen durch die unterzeichneteVerlags-Rnstalt und die Buchhandlungen. 

Düsseldorfer Verlags-Rnstalt R.-Q., Graphische Kunstanstalt. 

- DÜSSELDORF, Postfach 444. — 



; Preis 4 Mark : 

nach auswärts Versand 
gegen vorherige Einsen¬ 
dung von M. 4.50 oder 
: M. 4.80 Machnahme : 















438 !BB BQD i 3 f 30 OC m GO Q a ^^ DEUTSCHLANÖ MKiODOCOOOOOOOOCOOCCK^ Nr. 9 


VereJnÄ- UttW? dtr Firma ^ D e u t £ cli e $ T h« ^at t, r ä a & E(J- 
acaefikÄ-* cittto ^^eUsch^ft mit beschrankter Haftung gebildet* 
die mit; höchst btfreulichcm Erfnig* für dits d«htscbe Sachet 
aber auch auf wirtEchaftiieh gesutidat prtipd^^c; mit guteh 
Biiht^ettkräfcet» ut)ter der künstterischeit Und tachnieche^ t^eitbhg: 
von Gu^stäv Blühm und Philipp Lesing Gaatspiaimattn autjEcbftt 
in Braatiiebi Arg^dbien tmd Chüe unternimmt. Uebarapt wohin 
sie kommen, iti dan grösseren Städten wie ia den Kolonie« des 
Urwalds/werden die Klinstlej mit Btgeiatamng aufgenhiftiinism 
OebrraÜ fmden sie einen Hunger nach etnÄter, ecbtet* wahfcr 
Kuns It wie sie Goethes st‘*, Schill^?tia ,.Räubtl^^^ Leastttga 

„Minna von Barnhelm“ u. a. darbieten. Djie Xheatermge wetdftTi 
da diauäöen iffu Fiisttagen für ah und jung,, ■ Üem Verhebmeti 
naeb. witdf: liachdetn der erste Verauch durchaus geiübgeii ist, 
eine Ausdäfeming des Uni^tnehmene auf andere Gebiete des 
Deutschtums jcuiaeitä des Oseans und xu gicjcbem Zwecke eine 
Kapitaivermebmug gepUrm Vörssituender der GeaeUachaft ist 
Kotar D r, Hatis R^ijeirin Hamburg i. 

Bäder und Sommerfrischen. 

Bad We ste rIiiind. Dite rmt so vieJen Vorsiigon 
KJ i mä 3 ti^d der 1 au ds chafIfi eben Natur au egestattfi* Ui^n\0i t- 
NordseEinäel $yli mit meinem berühmte« Bade Westiriar^if haf ,, di-c Lbä eum t, Öktobfi'»pteib Die Wein¬ 
in diesem jöV*y: ^e^ünstigt^ hertUchsiem Wetieff 'cin.eu berge Hefern inl^r be sonders schöbe Trauben xur Kur. 


werden vemouUmh mabctmTlei VeVajiaauhtJngttn suttßhöent 
unseren WintergäSieu atitfenehme Zs^tretihbrgen bleteir dürften., 
Sch o D :jel 2 1 SSt aus xädiltHficbeu AutVagien nbd' A ome^dongeü jt u 
echlSeasea, dass starker Wkrterbesuch ^4^ erwarten ist. 

Bad Sal zbru ujp.. Die Nachaais«« tmt ihrer 
RitTtejce hat Bad Sal^zbtunn neihe Schfireh: ^ Beaucberti ku- 
geführt, doi Zuaug t. 3«pi*tuber biMiüfijÄt Kiirgä«t«* — 
Vot HUsverkauftem itiima« fHnd iam ii. August W 
eifi Lriedcrabeod «tattj dei von dem Grafen Gottpled vqu iHbbh- 
berg fRobuitotk)i der Breslauer Koueetisäugeriri FtSiulciri Sureck 
und Bf. Flemitünfg <Bad SaVi^brübn) wurd^^ Bor 

erbebUi^he Reinetträg wurde d^m Fonds, .BaXt 

K X a n k * n h a u 3 c s i n B ia. d S o, 1 £ b r u ti n — 0 ie 

Zahl der Kurgäste mit Be^eitu.u^ b®hbg bi» :if* - Sc^f^ber 

g72S, die Z 3 hl der D urch rejsetäd bci 854 ® PefÄ bn fcn * 

IS 576 F erao ucn; -aus^sefd em G Ct a 4 TÄgesbbdöcdxeiy 

B a d M ü ü 31 e r a m S i ttj;,; Mit; deit hb^SlrÜttj^^ R^dtdmluft- 
pcrlbädern und de;m urtmittrfJbar mit Qb&UHnernauHtiCfn geÄpH^Äten 
Flirsanatoriiim sind hervarrägeride tiichti.'.RhehtnaEism'UA 

und Herzleiden efficii wofdem Bm Bea^h^zahi ist uin mehr 
»I3 1:50p gH^legeii. Daa btTr^iRhe ifeibätwettef gestatt*? noch 
bl:e abctida u Ohr im Frel^ bvt siLaen und der Müs|k au lauschen. 



u ogcHhntt^l -r apsne rgt? w uhtil it^h 
s tork*ft Au fs cjiwup g ge ob mm Cn I 
WäbtÄ-nd d&r Monate Jü3i und 
Augus^t^ m d*ii Tage n d et Hoch - 
war W^^a^rland so Über* 

•tMt, dass wiederholt; di* tln-^ 
krfbriuguug der AnkommeiJdeD 
iii MassencjuariteTeri: erfolgeti’ 

Es war vor au shU sehen, 

4b,=s3 die Basuchaiififer dife Zahl 
Vöb ;jo 000 Gäste.n weü über- 
^hreite^o wütd^. Mit groeseer 
Spätiimög wUNt* nun di?i- Aor 
knivft des 30 ouoi Bicuucb^tr^ ent,' 
gegeuge^ehen. Er traf am 3. B&p- 
t^mh*r abends von Hoyer* 

übet Mühkmüräch eihv 
wo er von dem 

Kötvett^nksipitän ä, P, Frhrn. vpri 
DicpchbV.ffick-'GrtJtcr^ empfangen 
W td e. Tm uscfide y u u K b t g äs r ?t? 

Uttd ;Ein w ohr> westerlonda 
W ir eil ftiti Bahnhüf v ersuimnioh. 

AJm^ Vixx^inUiü der Kurkapüllcf 
.dhd wnef ’-,$fabhofte.n. Mem^tChen-' 
men s e w u r de 01? x Ge ehrte 

(H «Tf , Pq, hrika nt Luh r\ a ti ö 
6 arfneh? in -ise■ he Wnhn ung 
gel gI f^ -E's •,.bf ■ ^ü 1 n Schöner 
A nfabg;; -öef bh-h cins^eäL^cfidt;« 

■ Nw.i"t^"8;i8.p.ryi, :dih ' he s q n d ft fs 

äu fsihcTn 

äui Uüiaerer titairi emlfidet D er -r - ▼ .. t», , rr 

H Ä s^h & p m m /i t u n d J ß j 

H e r h PS t n ö r N c r d is e 

aiud tmhescbreihUch schön und fmdifn nkbl die 

gelMihtehde WiiTdifio^ngV^ Pie KufMpeib .htid simthehe Bade- 
e iwrich tue gen . blei ben bis fu m 39,/ ;. he st ehe u, Die 

• §©e bä de r ■ we r tl e n n öc h bi ^tin'i •■■. '■ '.p.^fie 0, g e ha 1,1 c n /, 

O ®:t:i^ ft & b 4(3 Bin ;k , l it s cl R h g« n> Der pisd, 

dn »füf dfrt btffihdhcb^s Ehfepaar HtU: Wests 

ifrt mm i 3 *p tenib e t zu r Anm cl d un g. g cb ugt;' rja d*r ]Ö a de- 

dit*tKtoh Wurde ihm dß fein, nusige^üitetcr Öirui^r Bähftptnspftkt : 

•.W.tdihhi'ns''.''tn StibtrhEpnÄe •.und;-"eine .'Freikarte ., dtifch: • 

Öä d ö: d irekt 01 t) be rfi t Seeim th n u b? f r^icb ty-. Bi o z. ktit^ cifjf,) t >lch;: 
s^tier niehr au . ^me-üi yo^Ytieb1ueo^ bftsdc|it(jp.::.Si{:Ei'4 .. 

b.ad^ während d^ir Saison weilten ßiwä 16 pTO^ent husil^hdisch^ 
Oäit* zur Efholudg in Bdnx. Die Besüchs^iffftf, 'ihi 

'. Je tÄteii • hr^ehnv V er dfei fachn ■' ■ 

Bad Py rniont: Der ßf^hh; Ihi. Byfmönter KufhAu^ bst 
jum Gltjck der dlesjährigen Kurzcit nieht gtschade^ Ogtix■ sijbf 
gh^hhen. ypn dem der durch die -to jh ;^u 

: ffr^heti ist, hat nfeh auch t!eV Badi&beuSfeh auf der Höfaict' efhailteh. 
Es werden Jeut noch. übih JUPu Bäder läglioU abgegeben. Auch 
4 erj Wimor über wird dtr Öahleb j»h Ausnahme der 
bäder trou des Bauena aufrech? efJbaite^ Ebeßs*? kaiin da^ 
t.« 5 *jdTnihet gedlfnet blftjbftn. Dagegen '^fttEd dB 3 H^tel ' am. 

3 ftp fern ber geäChi’P«äöh den, 4 « tu ii dho. .Um - .und N eu * 
b&uun ®ofoft bhgößhhh^ werden aöü: Im h*üJan 


/» j9/p/ -Zink iw4 Kup/^lL 
Jeinste j/fufi^^^j0iu 


Der. Kufbetrieb hlciht bia 15, Ok¬ 
tober unverändert im Gange; dio 
Kura bg^ be. ikt jeut auf df* Hälfte 
ertnaissigt» 

S chl p k 3 ° 4 PA tk 

Wi J h e I.meh dh «v ; 
da H Ka ia e riiehäe Ho flageT seit 
dem S5. Aug^üst von WÜhpItns.- 
lihhe verlegt ief, kann djjt® lonero 
des Schlosses wiedef bps^uthtigt 
werden, Aach dii* äussere Ab- 
jspetruüg itinea Teilfta der Park*« 
en Ipg en isf d ani ll aufg eh phen* 
T f ö t£ 4 ft r Regen a nnli t ftntfHl ten 
die weUberlihmten WausHrkÜns^ 
jeden Mittwoch Und Son ntftg ihr* 
Tätigkeit. Di* alt^ AhJiiehuhga- 
krttii der Wilhelm sh dfoe ajs t^uft- 
kurart zweigt iidb huch In diesen^- 
Scmjrtier* dtün bis Mitte Augusi 
Waren KUrgäHie in cieti Kür- 
soiiialieh, Hotets und Privat^ 
p ROsmuen an wesejaö. Gerade ein 
SpütsohitTieraufenihiii auf- der 
von Kun st und ^ uf reIbh be ^ 
dhdht *tx W ilhe 1 msiiö he hinter^ 
lässvt angetieJime Ennnerungen^ 
.K ■ei & 1 b e r g. Wenn dieae 
Z^iilen erätchciceu, dann int 
Wieder einer jeoer grossen Kpi^- 
g res SÄ vorüber, die unaerft 
Univerfiitäi hierher gezogen hat; 
T T n , 1T,, f TT tt 1 * i 1 ttts ^ Tirguhg der InEejrßadpnalefl 

■ V .fcfe.t rUjgTi i i g ■ ■■■ für vergleichend c 
■: RechtawiSBftnschaji*.-.’.uod ■'Vblka««, 
wirtschaftslehre, Nun zieht jcaan wiftdef die Fhhne« upd;Ffag^ 
ein, freilich auf nicht aliauJangiw Zeit d^htd s^ihon 'Mitte Sep¬ 
tember tagt hier der Bund devnschft^^ dteftftä 

Monats kommen die deutschen Naturfdr^cheFr vori atu 

uii8i herüber und gegen Ende Oktober Wird das tisi^Fest eine 
gvok&e Zdihlj vonjMiaiiikkünaliefn und MusikfroundiiTi In unaerftn 
Mauern vÄrBttmmfilu. — Heidelberg beginnt jodl« 

schön;st« J'fi ht^a. Prächiig sind die Tönuogoo 

des Dflubes in lißs^rm Sch:ips sgarten, der bekanntli^ü rjNch 
an fremdtMndi^GJb^fl Stsüden und Bäumen ist Von hftsifiiidftTcr 
Prsieht aber ist 4 ?« Scfelossruitie, über derfetj gtuhe* G«mäu«!r 
di« feungroten Blätter des wilden Weines sich b weiten. D» 
GiebftJfassade des glSaiU'nen 3 aaJbaues.. der Etker am Spldatcii- 
bau und yor allem der „ G*sp reTigte Turmtra^n 4 lei*Ei 
Schmuck. — Die Saison war In dieaem Jahre nicbi besser^, aber 
auch nie tu schlechter ale^ früher. Wgnn wie mit 14x051 Fremden 
Eud« August um über ^ooo gegen das Votjabr zurück eindf so 
iat tu b«n!t-k 3 ichtigejn, dass uiie gerade der Spätsommer 19jo 
ganze Schwärme von Englarui^rn und Am«rikanern gebraehl 
hat, di« auf d^-t Rückreise Von Ohef-amm^rgau uiiaei« Stadt 
p as aivrt und hi>r 4 eft prpg ra m m äa^ri gen Au f out halt gen otatxt tu 
luibea; Der täglieh*^'ZuE^«^' Fremden beträgt :ru^k«(it U'bch 
fast 5 ou^ von denen di« ; meisten freilich issach yepsuhvräudön, 
obgleich «igentlieh tieÜdeibe.rg. deu DauerboWohhern eitie jgffAJiv 
Mepge von Vorjfr'ügep bifttbb . 










Nr. 0 tBi 0060&(300öoo(3^^ DEUTSCHLAND Beeeeoceoeeeccoooocecoc^ 43d 


Oeffentlicher Meinungs-Austausch. 

Neutrales Gebiet zur Erörterung von Verkchrsfragen und Bundesange¬ 
legenheiten. Die Redaktion trägt nur die pressgesetzliche Verantwortung. 

Zum Artikel „Deutschland** Nr. 8, August igu 

„Oie deutsche Nordsee“. 

Deutscher, „Geh' an dasdeutscheMeer !**, so schliesst 
der Artikel „Die deutsche Nordsee** in der Zeitschrift „Deutsch¬ 
land** Nr. 8, August ign. Gewiss eine durchaus berechtigte 
Aufforderung, aber welche Erwägungen stellen sich hier am 
Rhein ein bezüglich der Wahl des Aufenthalts in einem 
belgischen Seebad oder einem deutschen Nordseebad. Z. B.: 
Von Köln stehen dem Besucher der belgischen Badeorte Blanken- 
berghe. Ostende usw. täglich nicht nur einer oder zwei, sondern 
eine ganze Anzahl der besten Schnellzüge zur Verfügung, 
sowohl am Tage, als auch bei der Nacht, dabei am Tage 
prachtvolle durchlaufende D-Wagen, Speisewagen. Speziell in 
den Zügen zwischen Köln und Ostende lässt die belgische 
Staatsbahn es sich angelegen sein, besonders gute Wagen ein¬ 
zustellen. In der Nacht stehen Schlafwagen zur Verfügung. 
Selbst Luxuszüge, wie der Wien—Ostender und der Nord- 
Express, können benutzt werden. . Die Reisedauer von Köln 
nach Ostende beträgt Stunden, nach Blankenberghe nicht 

viel mehr. Auf dem Wege nach oder aus dem belgischen See¬ 
bad bietet Brüssel mit seinen Sehenswürdigkeiten eine an¬ 
genehme Unterbrechimg. Wie sieht es dagegen z. B. mit der 
Reise von Köln nach Borkum aus ? Es stehen besondere Bade¬ 
züge zur Verfügung, aber welcher Art? Morgens 8.57 von Köln, 
in Emden 2.51, in Borkum gegen 7V3 Uhr abends, also nahezu 
n Stunden unterwegs, dabei von Komfort keine Rede. Für 
die lange Reise einfache Abteilwagen, aber auch noch nicht 
einmal die besten, um wenigstens darin ein Gegengewicht gegen 
die schönen Durchgangswagen nach Ostende zu stellen. Diese 
Wagen schliessen natürlich das Mitnehmen eines Speisewagens 
aus. Dafür ein Aufenthalt in Rheine von einer halben Stunde, 
welche Zeit in der Regel durch Verspätung erheblich reduziert 
wird. Nun aber der Nacht-Badezug: Köln ab 10.50 abends. 
Hiermit gelangt man in 12 Stunden nach Borkum. Der Zug 
verkehrt nach Emden auf dem Umwege über Münster, aber 
nicht genug damit, dass die rheinischen Besucher das Ver¬ 
gnügen der verlängerten Eisenbahnfahrt haben, sie müssen 
hierfür auch einen erhöhten Fahrpreis gegenüber dem für die 
Fahrt mit dem Zuge 8.57 vormittags über Rheine zahlen. Von 
einem Schlafwagen in dem Zuge ist ebenfalls keine Rede. Dass 
viele angesichts dieser Verbindungen die Reise nach Ostende 
und Blankenberghe vorziehen, ist selbstredend. Hier sollte die 
Staatsverwaltung eing^eifen, denn mit vollem Recht ist in dem 
Artikel ausgeführt, dass der Staat die Bedeutung dieser kost¬ 
barsten nationalen Schätze zu würdigen wissen müsste. 

N. N., Köln. 


Verschiedenes. 

Ein Internationales Statistisches Amt. 

Die Frage der Errichtung eines Internationalen Statistischen 
Amtes, die von Präsident Dr. R. van der Borght auf der 
12. Tagung des Internationalen Statistischen Instituts zu Paris 1909 
angeregt und dort einem Ausschuss Überwiesen war, ist in 
einer Sitzung des Instituts im Haag einen wesentlichen Schritt 
vorwärts gekommen. Die Versammlung hat einstimmig den 
Wunsch ausgesprochen, dass unter der Autorität des Instituts 


ein „ständiges internationales statistisches Bureau** errichtet 
werde. Seine Aufgaben sollen u. a. bestehen in der Heraus¬ 
gabe eines Jahrbuchs und anderer internationaler periodischer 
Veröffentlichungen, in der Verwaltung der Bücherei und des 
Archivs des Instituts, in der Vorbereitung der Sitzungs¬ 
programme des Instituts usw. Die Einzelheiten der Aus¬ 
führung, Mittelbeschaffung usw. sind spätem Beratungen Vor¬ 
behalten. Zu dem Zweck soll der Ausschuss bis zur nächsten 
Tagung weiterbestehen. Den Regierungen der Niederlande und 
der Schweiz, die sich beide zur Einleitung der etwa erforder¬ 
lichen diplomatischen Schritte bereit erklärt haben, wurde der 
Dank der Versammlung ausgesprochen. 

Das Naturschutzgebiet im Hohen Venn. Um 
die Erhaltung eines Teiles des Hohen Venns bemühen sich 
bekanntlich seit einiger Zeit der Eifelverein und das Komitee 
für Naturdenkmalpflege im Regierungsbezirk Aachen, von denen 
vor einigen Wochen eine eingehende Besichtigung des in 
Frage kommenden Geländes vorgenommen worden ist. Kürzlich 
hat nun der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten 
dem Komitee auf dessen Eingabe mitgeteilt, dass die Forst¬ 
verwaltung die in der königlichen Oberförsterei Eupen gelegenen 
„Miste** bis auf weiteres nicht auf forsten oder zur Torf¬ 
gewinnung verwerten werde. Für die Zeit der Nichtbenutzung, 
für deren Dauer keine Gewähr geleistet werden könne, gestatte 
der Minister gern den Anbau von Venppüanzen. Ein Verkauf 
der „Miste** liege zurzeit nicht in seiner Absicht. Das neue 
Naturschutzgebiet liegt rechts von der durch den Wald führen¬ 
den Landstrasse Eupen—Montjoie, die vom Forsthaus Neu- 
Hattlich ab über das Hohe Venn geht. Das Gelände steigt 
von der Eupener Strasse aus allmählich an, ist anfangs grasig, 
später moorig, mit meterhoher Torfschicht, und von seinem 
höchsten Punkt aus hat man ein urwüchsiges Vennbild mit 
Fernsicht auf Steling (Kaiser Karls Bettstatt), Botrange, Baraque 
Michel, Hertogenwald, Aachener Wald, Lousberg und die nahen 
Höhenzüge jenseits des Getzbachs und der Weser. Seine Aus¬ 
dehnung beträgt ungefähr 7000 Ar oder 280 Morgen. Erfreulich 
ist die Nachricht, dass auch auf der belgischen Seite, nur 
wenige Kilometer von unserm Gebiet entfernt, ein Naturschutz¬ 
park zur Erhaltung des Venns eingerichtet werden soll. Wie 
dem Eifelverein hierzu aus Brüssel gemeldet wird, hat die natur¬ 
wissenschaftliche Abteilung der Belgischen Akademie bereits 
ein Gesuch an die belgische Regierung und gleichzeitig an die 
interessierten belgischen Gemeinden gerichtet, zwecks Errichtung 
eines Nationalparkes auf dem Hohen Venn im Anschluss an 
das preussische Naturschutzgebiet. 

Weiterer Ankauf für den Naturschutzpark. Für 
den Naturschutzpark bei Wilsede wurde wieder ein Ankauf ab¬ 
geschlossen. Der Verein Naturschutz (Sitz Stuttgart) kaufte von 
dem Grosskätner Ebeling in Wesel (Kreis Winsen) eine Heide¬ 
fläche und einen Teil des Weseler Baches in Grösse von 286 
Morgen. Der Kaufpreis im Betrage von 19 700 Mk. wurde durch 
Vermittelung der Kreissparkasse in Winsen ausbezahlt. 

Goethe-Andenken für Hannover. Eine Reihe von 
Goethe-Andenken werden in kurzer Zeit nach Hannover kommen. 
Wilhelmine Buff in Köln, eine 91jährige Dame, die letzte ihres 
Namens und Nichte Charlotte Kestners (Werthers Lotte), ist im 
Besitze einer ganzen Reihe von Gegenständen, die aus dem 
Buffschen Haushalt in Wetzlar stammen, und zwar aus Lottes 
Zeit. Sie hat diese Gegenstände jetzt für das Kestner-Museum 
in Hannover bestimmt. Es befinden sich darunter mehrere 




BERLIN HRMBURQ 

HOTEL ETOLAHADE 

Das Vollendetste auf dem üebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 









DEUTSCKLAKI) laeeeeeeseeeee GeGEM j eggjoa^ Kr. 9 


DIft: KosteU der Rekördrej^e ü]Rj d‘ie Wtelt Jp 
sföjvüü Taig^ti iq Stunden Minuten Sekunda 'bat ddr 

R*d;dit^ir: i ijea „ Ex c elsiu r* 'j S ch in i d ;seine Reis* tiäv die Erde 
ÄüHict^eldg:t, Die Kosutti betrugen: bi^ Pari» 

aB$b Suppißiucnt für Sebiff 180 Frsusk»!iv Xmxfc^afdet 

ui^ ^OTithtigeB 300^ Franken^ gro (iasa die «jisä» etwÄB 

über ^odo Ffankcn Öle Telegranamkosten natürücb 

nicht gerecimet» . . , 


■■. Bücherschau, 

S Ä u c r i ö d j » ch a W-^ in d e r b ü öhj : Fii türer d>a 

Hauptwegen(ädi des Sauierländisf[hen Gtfeirgüveröiiis, itestaii»- 
gegeben voö H* Kmcbt, ^it "^aillreichfiti Ülu»trau006^ Sperial- 
karten und einer Ueber^iiJhCsUaric des Wandergebietes (24Ü SeitenJv 
Preis 1,70 Mk, Veriag ^un Thaden & Sebme^ 

TuanOj/Bssen^ V V 


Per Kanjpf gegen die R^aehpiagc in England, 
In fegtarid hÄt die Rauchplage, üfitet der VkU induatrie-Zentren 
de» dcÄ iu leiden haben, da^d gefUhri, der Frage der Rauch~ 
vermindoning besDndete Auimerksatnkeit zUauwenden,. Für 
diesen ^weüit haben sich dort bereits grössere InteressenteTi- 
Verpimguragen gebildet, die neuerdings, uw auch weitere Kreise 
dafür iu gawitmen, durch VeranstaUuog von Ausstellungen für 
ihre BeHtrebuogeTi Propaganda machen wollen. So wird, wie 
liie ^Ständige AuBatellungskornmission für die deütsche Industrie*^ 
berichte^ Wit Unterstütziing, der üStuoke Abatetnent League of 
Gfe ai ri i a in' ^ uh ä der >, G öaJ &m nit e Ab ate men i Röck iiß 
WöVjtTubef di. Jst in Mü u ch Vöh dhrtig^h Gösell^chalt 

für Äaupbbekam^^ eine. Abatgruieut Ejtfeibitiöri*^' 

Äusulieb, dk A^ruem^^^^ icigiEri soih 10 welcher Au^dehwir g 
Gms und Elelttri^iÖt aich iiit Küch», Hei/ung, B^iküchtüng übd 
Ventilä|iou vcrwendeii UsseEi und welche Vort^Üü: diese 
Ic ste- p o wer prbduce rs^* fÜt F a btik atib n s ;rwucke üh 4 hesb n d er 3 
ijfj s a u ttär^x Hl n h , Neben e in scbl ägigen Jiid ii slpe^ 

crztugfiisften sollan vpie aUetn neu« ;EfßnduugC(t: ^ 

It o s e n K o h I e n V c r f e u e t y: t) g gezeigt werden, ÄtifeSet dkä^r 

Ä^anchester Aussteliurig iäi aücb. bereis für Iv bil d d u ^ dud ärwkr 

für den Mai jgia* eine jgleichai tlge Vierahst jlidng ih 

die sogar intetnatioiialcti Chäraifit^f kög^rs solL ye(biudun;g 

tnit beiden Aüsstelliirtgä^i werden üb^^iff^^Tl^» ;Favh-Kö 

linden. Auch iu Dauisohlaud, wp ja iwcitt Indiisiricgbhieie von 

der txU ntli ch cu Plag e betr o ifen ein d, ü llr kn d V er a n s Eah u n g e n 

gcwiiises inte resse bCÄnsprucUeü, - 


Die Hohenzoiiem^Brücl^ö ip Köln, 

lu der N.i?iUT?ser s der Ztiuchiift „Deutschlftud“ y^^ut Mai 
dLiesfcs j ahr.e^ bfachten wk einen Aüfsau ttbtr die liohemEoliem- 
briieke.in ICöJiFt, An, dessen Schluss' dk Firiueia 

gehiiiirit} weiche die. KtäeokousifuVdoii der Brücke geliefert upd 
aüfgfcÄtelit hstteEf, Hierbei war vcr>cb;ervt 3 ich unterlassen wqrdeß^ 
die FirtnÄ Aktieugese 11 scha ft fuf,Bis^uiudustrie u ü< ä 
B r Ü ck ^ ti b a u vorm, J Ah^nn H a r t o r t tu P uisbiirg 

iU. .henrien, dih- db lihke • :SeitcuWuüng der \ ersten ' stroro^b 
geieguoen BHenhabtibrückc gitfliek-Ti ; . ' 

■■ Schluss deis ]reda^tbcib^beb/l>äk^ ■ ■' 


riir'iä^fti »llsiütii;' Tyd: J ttsef ä.^k.ptaneb.er^ 
lyfut- .ae ci :^trt!flrhÄni'iE'h^ fl' ütfctheWfin 'Tfrii: i!#t’BaadiW'' 

na Lfi ciitfe u : i 1 ?! • & e f;'^ ü i! sc'.Ej )i fLs f li krß r des 9 üu J e« Ü ^'ü tö e kti? V kekca ■»; 

.7 &r* itie^ in htf ;. f!^ ,upt? Aäi eie fcJUsiU; BrkQo K^lfbäu D össel iorf, 
Druisf üöd Verl.ft^'^ ^ if *rV 0 f U sf eus 1 st11 A,-ß, taDtt b eorA 


! ^♦*■#4 ir *4 4 f 44 ♦**♦* * * *+* t *f * 1 *++ M* ' 4 * * f 


rfnimfiTB fl 


Miniiii»ittfriraii««maiMaaa>aHBnBKaiiaiimiaB 

a : m 

S nikfi lIo^Hel weine S 

i| Rheiit-r nni) IffoKilitfilitAit, ■ 

■ Crt>ÄtreÜÄetk isbtviy natirreJiien WetäwiUeM ■ 

g Liier von T/i Pf^, #i.b; -- PreiiilW^^ i^ern isu Bimsten/ - g 

JJ lla»M KrUnert, Weirihandluhg ■ 

# Tta'fefesi^TpsLirbÄ.tih'^- ® 


1 j u H ii> 1* 11 3 , ; di 0 ■ fl llöik h ^3T■e ■ . ■■ • '■ bijirgthi m. der 

ftitl 16h iedhüp Grecfese, i&t .arU ■ b.-- A ^ g'üfit- ■ ibl;! ti^<ß\ mltia^s;^Iti Ea□ b 
PlÄtnmon Rähsor ilad TerhriihhL 

R&?^o>ieT) siTi^i oltdacliFo^: \KfA :^t>b^kehro lAeldet ana 

ifjeifti^;ajriiro von durt. nicht 

^nJ^hn. JbUi wird er md*>üfeT 5 üAlif 4 ö&ÜÜÖ.Eiou*ö^ 

, .Lrutö v; ur- b^rollfi bi;h^bbratiitr>th:'lit 
ÖttpJb; Tll'tL PxXi^r yol)f*tAui. 1 ?ii yernichteL Rüt das Tiah ist 

EihüU dbf Jtrpven B^rj^^bewbhöeTj üpmn 
Diüh !Tc 1 1 iÄj j: h in >* R? »i n rU a n f A ri le] i b bfhi äht imtS 

bftlh *fii.n dt>f ijüacb af i m) i niei 11 im itisjhipen k 9 Jiutb^ i st tfrenidalöi&v 


Kjt pns 34 iljcbeir Aillbö trif üi A^'if bibdph^ öüi jÄieat 

öHtertaicbiscbun ^fenteclien Sühhi^^Yi'reihen Söer ünd ^et 

iTnbroh dt?«' JitlttbhThlyrt> l,rnji^i*n daVüT ht^wahrt, spvÄehUcA 
KU Aliür An^ftifü üri^wto.htüt iah d^r Qrt bei 

deutafrhf'T 'Sprn?l!c, Siftc und AirE hm hyiit6 e^rbaitevu worden. 
Wir idtrfeA die put Avttlacli otalhnlt Stmaihfta ln tlircr vtrltekült** 
Uthe» nari laUftnaliii Ifiit nicht ihf SiUi^k Usith unü ^IttfR 4taMh 
kirallcbt drlogtnd um RllEi Iftr dli trtuee api^udem 

^rstigti t ij^iit up.!;ttirer atel 1 oi IJ vrC'ktlon 0e V I>Ukonto- 

äcAÖ^U wie 

:öa=Ü0titih _m ÜV 5 ?rw 6 iä<JEK. . : 

liüi^’Uh, Im ÄugUAt nni. 


Vgr'iij3il(ihe& 
iJsäteti^cb"e& T^rgsi 


Sta a 11, aPt f k a^u!^ ie, 




Her Harixpiworvtftiidi 


jiiitftB/.billig 






Rtewstrbyunfiim 

























Totalansicbt ^ 

d(?r Kur-ü WasscrbeilansfaII„Godesberg^ 

in Bad Godesberg a Rhein ^ ^^^0 




iiMirpifui 

\iE giii 


i,^ 


Für Sommer- und 
Winterkuren geeignet. 


Die Anstalt liegt im vornehmsten Villenviertel, 
dicht am Fuße der linksrheinischen Höhen¬ 
züge, geschützt gegen Nord- und 
Ostwinde, mit freiem Blick über 
ausgedehnte Gärten und Park¬ 
anlagen nach dem Rheintal 
und dem nahegelegenen 
herrlichen Sieben¬ 
gebirge hin. 


für 

Tlerööäe 
und '^rho/ungä- 
bedürftige. 

J)as ganze Jahr geöffnet. 



Mit allen Heilfaktoren, 
allem Komfort der Neuzeit ausgerüstet, 
bietet die Kur- und Wasserheilanstalt „Godesberg“ mit 
ihren Parkanlagen einen wirklich behaglichen Aufenthalt. 

Geistesgestörte und Epileptiker sind Von der Aufnahme 
grundsätzlich ausgeschlossen. 

Näheres durch den Prospekt. — Fernsprecher Nr. 32. 

Leitender Arzt: Dr. med. Staehly (3 Aerzte). 
Kaufmännischer Direktor: Aug. Butin. 




















































ESSEN 


die Ifletropole des 

Rheinisch-Westfälischen 
= Industriebezirks = 


Ale? Ranges, Kreuzungspunkt inter- 

I ^ £ 11 Km U Ö L 1 1 C 2^ CI L kontinentaler Eisenbahnlinien, Sitz einer 

—— Eisenbahndirektion, der Weltfirma Krupp 
u. a. und zahlreicher grosser wirtschaftlicher Verbände, Mittelpunkt eines Städtekomplexes von 
mehreren Millionen Einwohnern, in unabsehbarer Weiterentwicklung begriffen, eignet sich 
Essen vorzüglich für Generalvertretungen von Handel und Industrie. 

A I 7^^ Vm ^ 4“ bietet Essen dank seiner klimatisch günstigen Lage 

im I S TV 011 n S LdCH einer Fülle landschaftlicher Schön- 

' ■ ■ heiten ausgestatteten Ruhrtal und seiner wald¬ 

reichen Umgebung im Gegensatz zu anderen Gressstädten mit ausgedehntem Fabrikbetrieb ein 
angenehmes Wohnen in reizvollen und gesunden Wohn- und Villenvierteln im Zentrum des Verkehrs. 

Ale? ®‘snet sich Essen infolge seiner zen- 

/\ 1 ö fV I m L tralen Lage, seines grossartipn Saal- 

baues mit Terrassen und prächtigem 
73 ha grossem Garten, seiner erstklassigen Konzerte, Theater und Vergnügungen, seinen zahl¬ 
reichen guten Hotels in ganz besonderem Masse. 


Als Wohnstadt 


Als Kongressstadt 


Der Essener Verkehrs-Verein versendet seine Broschüre „Essen als Wohnstadt“, welche 
in vornehmer Ausstattung erschöpfende Auskunft über Essen gibt, an jedermann kostenlos. 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 

__ □ 

□ 
□ 
□ 

PARKHOTEL i 

= ESSEN = f 

□ 

Wilhelm Pott g 

□ 

Haus ersten Ranges, neu erbaut, □ 

gegenüber dem Haupt-Bahnhof. □ 

50 Zimmer mit fließendem Wasser □ 

□ 

von 3.— Mark an. — Bäder □ 

□ 

in allen Etagen. — Fahrstuhl. □ 

□ 
□ 
□ 
□ 

-□ 

□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 


DOueldorfer 

StodtMer 


Direktion: 



Ludwig 

Zimmermann 


DÜSSELDORF 


HOTEL GERMANIA 

am Haiiptbahnhof. 

Aufzug, Vakuumentstäubung. Neuzeitlich verschönert 
und vergrößert. — Erstklassiges Restaurant. 


Der Spielplan bringt abwechselnd 

= Oper, Operette = 
Schau- u. Lustspiel 

Operntage in der Regel: 
Sonntag, Montag, Dienstag, 
Mittwoch, Freitag 

FestgesetzteSchauspieltagc: 
Donnerstag und Samstag 

Beginn der Vorstellungen 
in der Regel: 

An Wochentagen 77» Uhr 
An Sonntagen 7 Uhr 

Spielzeit: 1. Sept. bis 51. Mai 

-> 

Kassen-Telephon Nr. 7755 























11 ■ Ot$an Nt die deutschen Verhehrs-lnteressen n ■ 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher VerKehrs-Uerelne 




Photo, von E, Ravenstein, Leipzig. 

Das neue Rathaus in Leipzig. 


Sonder-Numiner. — Herausgegeben unter Mitwirkung des Leipziger Verkehrs-Vereins. 







































]¥ach nnd von Berlin, Stettin, Rostock, Stralsund, Kopenliag^en, Kristiania, Stockholm, 

sowie Danzig:, KOnig^sberg: nnd St» Petersburg» 


400 L5^ 710 830 1200 143 250 603|tG^ 905 

6*6L802 936 1114 262 449 642 8^1*913 1140 


i — I 5 


St. Petersburg . . • ab L740*lli6 
Königsberg (Pr.) Ost „ L123=i= 82o| 
Danzig Hbf.„ L264* lOifj 



Leipzig Eilenb. Bf.ab 4oot- 746-^ loo* 26ot 

Posen .an LI 127* loi UM 

Thorn Hbf. „ L 129. 404 913 _ 

Warschau Wien. Bf.„ L 7i4* 12^ 7^*^ — 

• Nur Dienstags. ■* Ueber Falkenborg—Cottbus, f Uober Berlin. 


Warschau Wien. Bf.ab L12*2« 

Thorn Hbf.„ L 440« 1 

Posen.„ U 6^** 

Leipzig Eilenb. Bf.an tibf 

Itayer.IU It«; 

* Ueber Cottbus—Falkonberg. f Ueber Berlin. 

Xacli und von Rreslan, Krakau» 


L1222. 

612 

_ 

1167 

L 440 • 

1130 

— 

760 

L 6^*» 

20G 

710 

1020 

418t 

943t 

402t 

464* 

1 llaycr.IU | llayer.ltf. | Hayer.l«. | | 

Ueber Berlin. • Nur Sonnabends. 


Leipzig Dresdn. Bf. . . 

. . . ab 

G32 745 

842 

100 

223 825 

1126 

1166 

Krakau . 

. . . ab 

230 

230 

1030 

— 

— 

662 

- 9 

Dresden Neust. . . . 

. . . „ 

863 § 

1030 

§ 

616 § 

§ 

! 145 

Breslau Hbf. 


1103 

1157 

622 

611 

1046 

1129 

366 6 

Breslau Hbf. 

... an 

148 140 

8H 

625 

9^ 922 

4M 

600 

Dresden Neust. . . . 



§ 

§ 

1046 

410 

§ 

§ dC 

Krakau . 

• ■ • n 

gu 

1112 

— 

94Ö 

1169 

245 

Leipzig Dresdn. Bf. . . 

. . . ao 

629 

630 

1216 

1226 

666 

464 

1031 12 

1 


§ über Falkenberg—Cottbus—Sagan. 


über Sagan—Cottbus—Falkenberg. 













































LEIPZIG 


: 

: 


Sonder-Nummer -■= 

der 

illustrierten Zeitschrift „Deutschland“ 

Herausgegeben unter der Mitwirkung 
des Leipziger Verkehrs-Vereins e. V. 



Leipzig: Völkerschlacht-Denkmal 

(Modell der 324 Reiter, welche die 11 Ringe der oberen Kuppel des Ruhmesmales für das 
deutsche Volk schmUcken) 






















Randei und ©enterbe, Wi|Tenfd)aft und Kunfl, die Wurzeln, 
aus denen die :ölüte unferer 8tadt emporgen>ad)fen, in 
i|)rem kraftvollen ©edeil)en ju fördern, muj^ jederzeit das 
Ziel der Stadtverrvaltung fein. D()re ?\rbeit kann aber nur 
Crfolg l)aben, rvenn jie der tatkräftigen Unterflü^ung der 
I3ürgerfd)aft gervi )5 ift, von deren Vertrauen getragen rvird. 

Reip^ig, Oktober 191). 

Oberbürgermei|ter. 


/ Ä 












































DEUTSCHLAND 


Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen 
Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Mitbegründet durch den Internat. Hotelbesitzer-Verein, Köln 


♦ ♦ 

t Bezugspreis proJahröM.,viertel- J 

♦ jährlich 1.50 M., Einzelnummer ♦ 
I 40 Pf. — Erscheint gegen Mitte ♦ 
t eines jeden Monats (im Juni, Juli J 

♦ und August monatlich zweimal) ♦ 
♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦««•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦» 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins^ 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 


♦ « 

t Anzeigenpreis 40 Pfennig die ♦ 

♦ viergespaltene Kolonelz eile ♦ 

♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦ 

♦ Breite. — Bei Wiederholungen J 

♦ entsprechende Ermälzigung ♦ 
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»•♦♦« 


Nr. 10 


Düsseldorf • Oktober 1911 


II. Jahrg. 


Leipzig als Handels^ und Meßstadt 

Von Dr. Hans Kühn, Sekretär der Handelskammer Leipzig. 



Die Stadt Leipzig weist in den letzten Jahrzehnten 
auf allen Gebieten eine ungeahnt rasche Entwicklung auf 
und verdient mit vollem Recht als eine moderne Stadt 
des Fortschritts angesehen zu werden. Nach der Zahl 
der Einwohner — im Jahre 1910 betrug dieselbe 585743 
gegenüber 90967 im 
Jahre 1867 — steht sie 
mit an der Spitze der 
Großstädte des Deut¬ 
schen Reiches. Weit 
wichtiger aber als 
dieses äußere Merk¬ 
mal seiner Größe ist 
für das Gesamtbild 
des modernen Leipzig 
seine gegenwärtige 
hervorragendeBe- 
deutung in Handel 
und Industrie, in 
Kunst und Wissen- 
schaft. Im Stadt¬ 
bild sowohl wie im 
Bauwesen derStadt 
kommt der die mo¬ 
derne Entwicklung 
Leipzigs charakteri¬ 
sierende Zug nach 
neuzeitlicher Aus¬ 
gestaltung aller- 
Wärts deutlich zum 
Ausdruck; den Be¬ 
dürfnissen des mo¬ 
dernen Verkehrs, der 
Bequemlichkeit und 
Hygiene hat manch 
altes Gebäude, be¬ 
sonders im Innern 
der Stadt, weichen 
müssen. Die stetig 
und rasch Wach sende 
Anteilnahme am 
i n t e rn atio nalen 
Fremden verkehr 


beweist, daß Leipzig bereits heute eine internationale 
Verkehrsstadt ist. 

Auf dem Gebiete der Wissenschaft verdankt Leipzig 
bekanntlich seinen Weltruf seiner altberühmten Uni¬ 
versität, an deren vor zwei Jahren gefeierten fünf¬ 
hundertjährigem Jubi¬ 
läum die wissenschaft¬ 
liche Welt des In- 
und Auslandes An¬ 
teil nahm. Durch das 
Reichsgericht ist es 
der Sitz des höchsten 
deutschen Gerichts¬ 
hofes geworden. Als 
Musik-Stadt nimmt 
Leipzig eine hervor¬ 
ragende Stellung ein. 
Die beiden Pfleg¬ 
stätten der musika¬ 
lischen Kunst, das 
Königl. Konserva¬ 
torium und das Ge¬ 
wandhaus, haben 
von jeher eine sehr 
starke Anziehungs¬ 
kraft auf In- und Aus¬ 
land ausgeübt. Leipzig 
ist aber nicht allein 
eine Hochburg der 
Wissenschaft und der 
Musik, sondern auch 
der Kunst. Die beiden 
städt. Theater, 
die von 1912 ab in 
eigene Verwaltung 
übernommen werden, 
stehen auf künst¬ 
lerischer Höhe. Fünf 
städtische Museen, 
das Museum der 
bildenden Künste 
am Augustusplatz, 
ferner die Museen 


Max Klinger: Beethoven, Museum zu Leipzig* 

(Mit Genehmigung der Verlagsbuchhandlung E. A. Seemann, Leipzig) 













444 DEUTSCHLAND Nr.lO 


fürVölkerkunde und für Länderkunde, sowie das 
Kunstgewerbe-Museum, die im Qrassi-Museum 
Unterkunft gefunden haben, endlich das Stadtgeschicht¬ 
liche Museum im alten Rathause enthalten Kunstschätze 
von allergrößtem Werte, so die bedeutendsten Schöpfungen 
eines Klinger, Böcklin, Leibi, Segantini usw. Auch die 




Wert auf Erhaltung der landschaftlichen Schönheit gelegt 
ist. Den Charakter einer öffentlichen Parkanlage hat 
auch der städtische Südfriedhof mit seiner neuen Ver¬ 
brennungsanlage, einer hervorragenden architektonischen 
Schöpfung. Eigenartige DenkmäleralterBaukunst 
hat Leipzig aufzuweisen, so den durch einen neuerlichen 

Umbau verschönten Re¬ 
naissancebau des Alten 
Rathauses. In den 
letzten Jahrzehnten sind 
aber auch zahlreiche 
neue monumentale Bau¬ 
werke entstanden, von 
denen hier besonders das 
Reichsgericht und 
das Neue Rathaus mit 
dem Verwaltungs¬ 
gebäude hervorge¬ 
hoben seien. 

Erwähnt sei ferner, 
daß Leipzig einem für 
sein gesamtes Handels¬ 
und Verkehrswesen hoch 
bedeutsamen Ereignis 
entgegengeht, nämlich 
der Eröffnung des 
neuen Hauptbahn¬ 
hofs, der in seiner 
räumlichen Ausdehnung 
alle anderen Bahnhöfe 
des Kontinents über¬ 
trifft. — Für das Jahr 1915 steht die Vollendung des 
Völkerschlachtdenkmals in Aussicht, das in seiner 
wuchtigen Größe und künstlerischen Ausführung eine 
der hervorragendsten Schöpfungen des Denkmalbaues 
werden wird. Als Ausstellungs- und Kongre߬ 
stadt erfreut sich Leipzig einer stetig wachsenden 

Bedeutung. Im Jahre 
1915 wird eine große 
internationale Bau¬ 
fachausstellung und 
das 12. deutsche Turn¬ 
fest in seinen Mauern 
abgehalten werden. Für 
1914 ist eine inter¬ 
nationalegraphische 
Ausstellung geplant. 
In Aussicht genommen 
ist endlich die Regu¬ 
lierung der in der Nähe 
der Stadt gelegenen so¬ 
genannten Elster¬ 
wiesen durch Anlage 
eines der Hamburger 
Binnenalster ähnelnden 
Wasserbeckens. 

Die Hauptbedeutung 
Leipzigs liegt, wie bei 
jeder modernen Gro߬ 
stadt, auf wirtschaft¬ 
lichem Gebiete, und 
Leipzig: Die Börse, nach vollendetem Umbau der Zweck der nach- 


Leipzig: Altes Rathaus 

Stadtbibliothek mit ihren Kostbarkeiten und ihren 
seltenen Werken ist eine Sehenswürdigkeit. Den Stolz 
Leipzigs bilden die durch zahlreiche plastische Kunstwerke 
verschönten Promenaden und Parkanlagen, vor 
allem aber die bis in die Stadt hinein sich erstreckenden 
herrlichen städtischen Waldungen, bei denen der größte 











































































446 DEUTSCHLAND Nr.lO 




folgenden Ausfüh¬ 
rungen soll es sein, 
in großen Zügen 
ein Gesamtbild 
Leipzigs als In¬ 
dustrie-, Han¬ 
dels- und Me߬ 
stadt zu ent¬ 
werfen. — Der 
Uebergang zur 
Großindustrie hat 
sich in Leipzig auf 
der ganzen Front 
des gewerblichen 
Lebens in raschem 
Lauf vollzogen, in 
einigen Zweigen 
in bezug auf Größe 
und Umfang der 
Betriebe sowie 
auf Leistungs¬ 
fähigkeit bis zur 
höchsten in der 
Industrie bis jetzt 
erreichten Voll¬ 
endung. 

Das Gesamt- 
bild der indu¬ 
striellen Entwick¬ 


Leipzig: Handelshof 


lung Leipzigs tritt in großen Umrissen aus einer ver¬ 
gleichenden Gegenüberstellung der Ergebnisse der Berufs¬ 
und Betriebszählungen aus den Jahren 1882, 1895 und 
1907 hervor. Es betrug in der Industrie Leipzigs: 


die Zahl der 
Hauptbetriebe 


die Zahl der darin 
beschäftigten Personen 


im Jahre 1882 . 9940 42559 

„ „ 1895 17508 96081 

„ „ 1907 20355 146506 

An die in jeder 
Großstadt anzu¬ 
treffenden Indu¬ 
striezweige, die 
vorwiegend dem 
lokalen Bedarf zu 
dienen bestimmt 
sind bezw. für 
einen räumlich be¬ 
schränkteren Ab¬ 
satzmarkt arbei¬ 
ten, und die in 
Leipzig sämtlich 
durch nur erst¬ 
klassige, mit allen 
Errungenschaften 
der modernen 
Produktions- und 
Betriebs-Technik 
ausgestatteteEta- 
blissements ver¬ 
treten sind, reiht 
sich eine Anzahl 
solcher, deren 


Leipzig: Gutenberghalle im Buchgewerbehaus 


Arbeitsfeld das 
gesamte europä¬ 
ische Ausland, für 
einige noch die 
Uebersee-Länder, 
mit einem Wort 
dergesamteWelt- 
markt ist. 

Mit Recht pflegt 
unter den In - 
dustrie - Zweigen 
Leipzigs an erster 
Stelle das gra¬ 
phische Ge¬ 
werbe mit zahl¬ 
reichen Spezial¬ 
branchen (Buch-, 
Licht-, Stein-, 
Kupfer-, Noten- 
Druckerei, der 
Schrift-Gießerei, 
derMessinglinien- 
und der Typen¬ 
fabrikation, den 
lithographischen, 
chromo - lithogra¬ 
phischen, xylogra- 
phischen, galvano¬ 
plastischen und 
Gravier-Anstalten, der Bunt- und Luxuspapierfabrikation 
usw.) genannt zu werden. Alle diese Zweige sind un¬ 
mittelbar verwandt mit dem Leipziger Buchhandel, ver¬ 
danken diesem zum großen Teil ihre Entstehung und 
hohe Entfaltung, Wie sie umgekehrt auch ihn Wieder 
fördern. Auch die Buchbinderei steht den poly¬ 
graphischen Gewerben sehr nahe. Mit der Ausdehnung 
des Verlagshandels im allgemeinen und mit der in Deutsch¬ 
land neuerdings zunehmenden Nachfrage nach gebundenen 

Büchern, wie sie 
inEngland,Frank¬ 
reich und Amerika 
schon seit langer 
Zeit hervorge - 
treten ist, nimmt 
dieZahlundGröße 
der Buchbinde¬ 
reien naturgemäß 
zu. In Leipzig 
befinden sich nach 
der letzten Zäh¬ 
lung 276 Buch - 
binderei - Haupt - 
betriebe mit 7263 
Personen; neun 
dieser Betriebe 
beschäftigen 201 
bis 1000 Arbeiter. 

Besonders her¬ 
vorragend ist in 
Leipzig vertreten 
die Mas chi nen- 
industrie mit 



















































Nr. 10 DEUTSCHLAND 447 


den verschiedenen Spezial- bezw. verwandten Zweigen, wie 
der Eisengießerei, der landwirtschaftlichen Maschinen¬ 
industrie, der elektrischen Industrie, dem Bau von Trans¬ 
missionen, Dampfmaschinen, Motoren, der Herstellung von 
Maschinen für die Textilbranche, Buchdruckerei, Papier- 
und Holzbearbeitungsindustrie und Werkzeugmaschinen, 
dem Drahtseilbahnenbau, der Armaturen- und Baubeschläge¬ 
fabrikation, der Fahrradindustrie, Uhrenindustrie usw. — 
Weltberühmt sind die Erzeugnisse der Leipziger Musik- 
instrumentenindustrie, und zwar sowohl der Piano¬ 
forte-, Orgel-, Harmonium- und Orchestrionfabrikation, 
als auch der Fabrikation automatischer Musik- und Sprech¬ 
apparate; letztere finden zu einem hervorragenden Teil 
ihren sich auf das gesamte In- und Ausland erstreckenden 
Absatz durch die Leipziger Messen. 

Zu hoher Blüte hat es in Leipzig ferner die Textil¬ 
industrie (Wollkämmerei, Wollgarn- und Kammgarn¬ 
spinnerei, die Baumwollspinnerei, die Segeltuchweberei, 
Jutespinnerei und -Weberei, ferner die Strickerei und 
Wirkerei, Stickerei, Spitzen- und Rüschenfabrikation) 
gebracht. Sie umfaßt nach der Zählung vom Jahre 1907 
828 Hauptbetriebe mit 11838 Arbeitern; vier Betriebe 
beschäftigen mehr als 1000 Arbeiter, in acht Betrieben 
arbeiten je 201 bis 1000 Arbeiter. — 

Weitere aus Leipzigs Industrie teils wegen ihrer nam¬ 
haften Vertretung, teils wegen der besonderen Leistungs¬ 


fähigkeit der ihnen angehörigen Firmen erwähnenswerte 
Zweige sind: Aus der Metall- bezw. Maschinen¬ 
industrie: der Wagenbau, die Blechwarenfabrikation, 
der Geldschrank- und Tresorbau; die chemische In¬ 
dustrie; aus der Papierindustrie: die Kartonnagen- 
fabrikation; die Gummiwarenindustrie; aus der 
Industrie der Holzstoffe: die Möbelfabrikation, 
die Rahmen-, Leisten- und Bilderfabrikation; aus der 
Nahrungs- und Genußmittelindustrie: die Bier¬ 
brauerei, Kakao- und Schokoladefabrikation, die Kaffee¬ 
rösterei, Konservenfabrikation, Mineralwasser-, Likör- und 
Essenzenfabrikation sowie die Tabakindustrie; aus dem 
Bekleidungsgewerbe: die Konfektion von Kleidern 
und Wäsche, die Herstellung von künstlichen Blumen 
und Schmuckfedern, die Pelzwarenzurichterei und Schuh¬ 
warenfabrikation. 

Unter den hierher gehörigen Firmen befindet sich 
eine sehr stattliche Reihe solcher, die sich eines Welt¬ 
rufs erfreuen. 

Sein typisches Gepräge erhält das wirtschaftliche 
Leben Leipzigs durch den umfassenden und hoch- 
entwickelten Engroszwischenhandel. Allgemein 
ist zu bemerken, daß verschiedene Zweige des heutigen 
Leipziger Großhandels ihren wirtschaftlichen Ausgangs¬ 
punkt zum Teil unmittelbar in dem alten Leipziger Me߬ 
handel haben, zum Teil wenigstens in ihrer Entfaltung 



Leipzig: Städtisches Kaufhaus, Ansicht Ecke Neumarkt- Kupfergasse 





















448 DEUTSCHLAND Nr.lO 


von den Messen sehr stark beeinflußt ^verden und daher 
historisch mehr oder weniger eng mit ihnen verbunden 
sind. Es gilt dies u. a. vom Leipziger Buchhandel, vom 
Rauchwarenhandel, Lederhandel, dem Borstenhandel, Tuch¬ 
handel, Woll- und Garnhandel. 

Wie in der Industrie Leipzigs dem graphischen 
Gewerbe der erste Rang gebührt, so nimmt im Leipziger 
Handel der mit jenem unmittelbar verwandte B u ch h a n d e 1 
zweifellos die erste Stellung ein. Der Buchhandel hat 
in Leipzig eine Höhe und Entfaltung erreicht, die dieser 
Stadt heute den unbestrittenen Ruf der Hauptstadt 


das sich in Leipzig außerordentlich rasch zu einer hohen 
Leistungsfähigkeit entwickelt hat. Fast alle zum deutschen 
Buchhandel gehörigen Firmen haben heute in Leipzig 
ihren Kommissionär, und Leipzig ist der Haupt¬ 
kommissionär für den gesamten deutschen Buch¬ 
handel überhaupt. — Neben dem Verlags- und Kom¬ 
missionsbuchhandel sind natürlich auch alle übrigen Zweige 
des Buchhandels in Leipzig anzutreffen, so das Barsortiment, 
das Antiquariat, das Sortiment, der Kunsthandel und der 
Musikalienhandel. Zu erwähnen ist noch, daß der Börsen¬ 
verein deutscher Buchhändler, der den größten und 



des deutschen Buch handeis eingebracht hat, dessen 
Interessensphäre ja bekanntlich weit über die politischen 
Grenzen des Reiches hinausgeht und nicht nur das euro¬ 
päische Ausland, sondern auch die Ueberseeländer umfaßt, 
wo sich überall Buchhandlungen befinden, die nach 
deutschem Muster eingerichtet und in dessen Organisation 
einbegriffen sind. Der heutige Ruf Leipzigs als Hochburg 
des deutschen Buchhandels gründet sich teils auf die 
hervorragende Vertretung des Verlagsbuchhandels, 
teils auf das einen Hauptstützpunkt des gesamten buch¬ 
händlerischen Verkehrs bildende Kommissionsgeschäft. 


wichtigsten Teil des deutschen Buchhandels in sich zu¬ 
sammenschließt, seinen Sitz in Leipzig hat. 

Zu internationaler Bedeutung hat sich der Leipziger 
Rauchwarenhandel emporgeschwungen. In seiner Ent¬ 
wicklungsgeschichte weist er manche Berührungspunkte 
mit den Leipziger Messen auf. In der zweiten Hälfte 
des 18. Jahrhunderts waren es vor allem die Leipziger 
Messen, welche die Rauchwarenerzeugnisse besonders 
Deutschlands, Ungarns, Polens und Rußlands an sich zogen. 
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der Rauchwaren¬ 
handel in Leipzig bereits einen solchen Umfang an- 



















































































































450 DEUTSCHLAND Nr.lO 


genommen, daß durch ihn alle übrigen Plätze in Schatten 
gestellt Wurden und sich Leipzig nur noch dem Londoner 
Rauchwarenhandel als dem einzigen großen Konkurrenten 
gegenübersah. Die in Leipzig heute etablierten Gro߬ 
handelsfirmen der Rauchwarenbranche sind die größten 
und bedeutendsten Geschäfte dieses gesamten Handels¬ 
zweiges überhaupt und gelten als die Träger des Welt¬ 
handels in dieser Branche. 

In Leipzig werden alljährlich drei Rauchwaren¬ 
messen abgehalten: die Neujahrsmesse eröffnet die 
Saison im Rauchwarenhandel; auf ihr vollziehen sich 
namentlich Umsätze in amerikanischer und russischer 
Ware. Nachdem sich dann der Leipziger Rauchwaren¬ 
handel in der folgenden Zeit auf den auswärtigen Messen 
bezW. Auktionen mit Vorräten aller Pelzgattungen hin¬ 
reichend versehen hat, findet in Leipzig die Ost ermesse 
statt, die unter den Rauchwarenmessen die bedeutendste 
ist. Unter der Einkäuferschaft ist zu dieser Messe das 
gesamte Ausland vertreten, besonders die russischen Ein¬ 
käufer für amerikanische Produkte und umgekehrt die 
Vereinigten Staaten und Kanada zum Einkauf russischer 
Ware; ferner finden sich 
zu dieser Messe neben den 
Einkäufern aus Deutschland 
noch solche aus England, 

Frankreich, Oesterreich- 
Ungarn, Schweden und Nor¬ 
wegen ein. Die dritte in 
Leipzig zu Michaelis statt¬ 
findende Rauchwaren¬ 
messe wird hauptsächlich 
von deutscher Kundschaft 
besucht. 

Zur Vervollständigung 
des Gesamtbildes des Leip¬ 
ziger Handels sind noch fol¬ 
gende höchst bemerkens¬ 
werte Zweige des Groß- 
handelshervorzuheben: Der 
Wollhandel, Tuchhandel, 

Garnhandel, Manufaktur- 
Warenhandel, Lederhandel, Borstenhandel, Häute-und Fell¬ 
handel, der Handel mit landwirtschaftlichen Rohprodukten 
und Fabrikaten, mit Erzeugnissen der Montan- und 
Maschinenindustrie, der Großhandel mit Uhren und Uhren¬ 
furnituren, mit Farbwaren und Chemikalien, Drogen und 
Vegetabilien usw. Auch der gewerbsmäßige Export- 
z wischen ha ndel, vorzugsweise in der Form des Kom¬ 
missionsgeschäfts ausgeübt, hat in Leipzig festen Fuß gefaßt 
und ist hier durch eine Anzahl namhafter Häuser mit aus¬ 
gedehnten Beziehungen zum gesamten, einschließlich über¬ 
seeischen Ausland vertreten. — Ein bedeutsamer Anteil 
an der Entfaltung des Handels und der Industrie Leipzigs 
gebührt dem hochentwickelten Leipziger Bank- und 
Speditionsgewerbe. 

Die Geschichte der Stadt Leipzig ist aufs engste 
verknüpft mit den schon mehrfach erwähnten Leipziger 
Messen. Das Charakteristische in der Entwicklung der¬ 
selben ist darin zu erblicken, daß mit den veränderten 
wirtschaftlichen und Verkehrsverhältnissen etwa um die 
Mitte des 19. Jahrhunderts für eine große Gruppe Waren 
die alten Warenmessen allmählich übergingen in die 


Form der Mustermessen, die seit Ende der 80er Jahre 
fast ausschließlich den Meßverkehr beherrschen. Auf 
diesen werden nicht mehr die Waren selbst, sondern nur 
Muster, auf Grund deren die Bestellungen entgegen¬ 
genommen werden, ausgestellt. In dieser Form umfassen 
die Leipziger Messen heute vornehmlich die Erzeugnisse 
der keramischen, Glas-, Metall-, Holz-, Kurz-, Papier-, 
Leder-, Gummi-, Korb-, Galanterie-, Spielwaren-, Musik¬ 
instrumenten- und einer Reihe anderer verwandter In¬ 
dustrien. Der Handel mit Rauchwaren, Borsten und bis 
zu einem gewissen Grade auch der Lederhandel sind 
dem Meßhandel bis heute erhalten geblieben, da bei ihnen 
die individuelle Beschaffenheit der einzelnen Stücke eine 
Besichtigung an Ort und Stelle notwendig erscheinen läßt. 
Der moderne Musterlagerverkehr der Leipziger 
Messen, der ausschließlich dem Großhandelsverkehr 
dient, weist nun eine ungeahnt rasche Entwicklung auf 
und ist heute zu einer Einrichtung geworden, die nicht 
nur aufs tiefste in die Phasen des nationalen Wirtschafts¬ 
lebens eingreift, sondern auch das regste Interesse und 
eine stetig wachsende Beteiligung des gesamten Auslandes 

hervorgerufen hat. Die 
Leipziger Messen haben 
einen vollkommen inter¬ 
nationalen Charakter 
angenommen, der sich von 
Messe zu Messe immer 
mehr ausprägt. Sie finden 
alljährlich zweimal, und 
zwar im Frühjahr und 
Herbst,statt und erstrecken 
sich auf je eine Woche (Be¬ 
ginn der Michaelismesse 
1911:27. August, der Oster- 
Vormesse 1912: 4. März). 
— Die folgenden Zahlen 
mögen den Werdegang 
der Leipziger Musterlager¬ 
messen in ihrer neuesten 
Entwicklung illustrieren 
und eine Vorstellung von 
ihrem gegenwärtigen Umfange erwecken. Die Zahl der 
Aussteller betrug: 


im Jahre 

zur Oster- 
Vormesse 

zur Michaolib- 
Messo 

im Jahre 

zur Oster- 
Vormesso 

zur Mlchae 
Messe 

1900 

2517 

2455 

1906 

5159 

5275 

1901 

2654 

2557 

1907 

5558 

5565 

1902 

2659 

2780 

1908 

5501 

5438 

1905 

2658 

2776 

1909 

5444 

56C6 

1904 

2779 

2880 

1910 

5682 

5741 

1905 

2950 

5101 

1911 

5762 

5759 


Die Zahl der bekannt gewordenen Einkaufsfirmen 
der Musterlagerbranchen — die genaue statistische Er¬ 
fassung der Einkäuferzahl bereitet große Schwierigkeiten; 
die wirkliche Zahl der Einkäufer ist erheblich größer als 
hier angegeben werden kann —, von denen ebenfalls die 
größere Mehrheit beide Messen besucht, belief sich 


im Jahre 

1900 

auf 4808 

im Jahre 

1906 

auf 

9886 

>> 

1901 

„ 5595 

11 11 

1907 

11 

1C618 

11 

1902 

„ 6401 

>1 11 

1908 

11 

11054 

11 11 

1903 

„ 7534 

11 11 

1909 

11 

11722 

11 11 

1904 

8332 

11 11 

1910 

11 

12359 

11 11 

1905 

„ 9105 

11 11 

1911 

11 

13387 





I 



Leipzig: Matthäikirchhof 



Leipzig: Naundörfchen 

















452 DEUTSCHLAND Nr. 10 


Von den für die letzte Michaelis-Messe angemeldeten 
3759 Ausstellerfirmen kommen auf das Deutsche 
Reich 3445, auf das Ausland 314, und zwar 215 auf Oester¬ 
reich-Ungarn, 32 auf Frankreich, 13 auf die Niederlande, 
14 auf die Schweiz, 10 auf Großbritannien, 8 auf Belgien, 
6 auf Italien, 4 auf Dänemark, 2 auf Rußland, 2 auf Schweden, 
1 auf Norwegen, 6 auf Nordamerika, 1 auf Asien. 

Von den für 1911 bekannt gewordenen 13387 Ein¬ 
käufern entfallen nach ihrer Herkunft auf das Deutsche 
Reich 10043, auf das Ausland 3344, und zwar auf Böhmen 
557, das übrige Oesterreich 589, Ungarn 186, Holland 
und Luxemburg 313, Großbritannien und Irland 285, Ru߬ 
land 264, Dänemark 218, die Schweiz 178, Frankreich 200, 
Belgien 120, Schweden 100 usw. Absolut genommen 
mag die Zahl der Einkäufer aus dem Auslande gegenüber 
derjenigen der Einkäufer aus Deutschland verhältnismäßig 
gering erscheinen. Da es sich aber bei den von den 
fremden Einkäufern erteilten Aufträgen regelmäßig um 
sehr umfangreiche handelt, so erkennt man, daß die Be¬ 
teiligung des Auslandes an den Leipziger Messen doch 
eine ganz bedeutende ist. 

Werfen wir zunächst einen Blick auf die praktisch¬ 
technische Organisation des Musterlagerverkehrs 
der Leipziger Messen: Die Hauptarbeit für die Leip¬ 
ziger Messen leistet natürlich die Ausstellerschaft, und 
zwar durch die Anfertigung und Zusammenstellung der 
Musterkollektionen, die den Einkäufern vorgeführt werden 
sollen. Von dieser Arbeit hängt ein großer Teil des 
Erfolges der Messe für den Aussteller ab, und es gehören 
große Umsicht und reiche Erfahrungen neben Ausdauer 
und Geschicklichkeit dazu, hier immer das richtige zu 
treffen, um der Konkurrenz gegenüber standzuhalten. 
Für geeignete Ausstellung der Musterkollektionen zur 
Leipziger Messe ist hinreichend Vorsorge getroffen, und 
zwar sowohl durch städtische, als auch private eigens zu 
diesem Zwecke errichtete Meßpaläste: sowie sonstige 
passende Räumlichkeiten, ln städtischem Besitz befinden 
sich zwei große Meßpaläste, das Städtische Kaufhaus 
und der neuerbaute Städtische Handelshof. Alle diese 
Meßpaläste liegen räumlich sehr nahe beieinander, wie 
überhaupt der gesamte Meßverkehr sehr stark konzentriert 
ist; auch einzelne spezielle Geschäftszweige oder ver¬ 
wandte Branchen (z. B. Papier und Schreibwaren, Karton¬ 
nagen, Spiel- und Kurzwaren, Haus- und Küchengeräte, 
keramische und Glaswaren) weisen eine mehr oder weniger 
stark ausgebildete räumliche Konzentration auf. Für die 
Bekanntmachung seiner Beteiligung auf der Leipziger 
Messe in den Kreisen der Einkäuferschaft sorgt teils der 
Aussteller selbst, und zwar durch Versendung von Me߬ 
einladungen, Prospekten, Drucksachen, Annoncen usw., 
vor allem aber der Meßausschuß der Handelskammer 
Leipzig durch die Herausgabe des „Offiziellen Leip¬ 
ziger Meß-Adreßbuches“, das in seinem ersten Teil, 
dem Firmenregister, eine alphabetische Reihenfolge aller 
an der Messe als Aussteller beteiligter Firmen mit An¬ 
gabe ihres Herkunftsortes, Hauptgeschäftszweiges, der 
Spezialartikel und sonstigen wichtigeren Bemerkungen 
enthält. Das „Offizielle Leipziger Meß-Adreßbuch“ als 
Nachschlagewerk für die Meßeinkäufer und das ebenfalls 
vom Meßausschuß der Handelskammer Leipzig heraus¬ 
gegebene alljährlich erscheinende „Verzeichnis der auf 
den Leipziger Messen verkehrenden Einkäufer“ 


stellen das Hauptbindeglied im Verkehr zwischen Aus¬ 
stellern und Einkäufern dar und bilden einen Hauptstütz¬ 
punkt des ganzen Leipziger Meßmusterlager-Verkehrs. 

In der stetig wachsenden Zahl der Einkäufer 
sowohl wie der Aussteller aus dem Inland und 
Ausland findet die in immer weitere Kreise dringende 
Ueberzeugung von der Bedeutung der Leipziger Messen 
als Ein- und Verkaufsgelegenheit numerisch ihren Aus¬ 
druck. Die Vorteile des regelmäßigen Besuchs der 
Leipziger Messen für Einkäufer sowohl wie für Aussteller 
sind mannigfacher Natur. Für den Aussteller, der auf 
der Messe gleichzeitig eine große Anzahl von Einkäufern 
vorfindet, die alle ihren Bedarf decken wollen, bedeutet 
die Beschickung der Leipziger Messen ein vorzügliches 
Mittel der Absatzgewinnung und überhebt ihn ganz oder 
teilweise der übrigen kostspieligen Wege, Wie z. B. des 
Aussendens von Reisenden. Dem Einkäufer bieten die 
Meßmusterlager in ihrer übersichtlichen Anordnung die 
beste Gelegenheit, sich rasch über den Gesamtstand der 
ihn interessierenden Industriezweige sowie deren Speziali¬ 
täten und Neuheiten zu orientieren und sich ein Urteil 
über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Fabrikanten zu 
bilden. Da auf der Leipziger Messe der Hauptteil der 
Firmen der Musterlagerbranchen, ja in manchen sogar 
die Gesamtheit der Fabrikanten überhaupt, und zwar 
nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Italien, 
England, Belgien, Frankreich, Holland, der Schweiz usw., 
gleichzeitig vertreten ist und als Anbieter auftritt, ist 
dafür gesorgt, daß die geforderten Preise keine Monopol- 
und Phantasiepreise werden können, sondern der jeweiligen 
Gesamtgeschäftslage genau entsprechen. Dieses Moment 
ist für den Einkäufer von sehr hoher Bedeutung: Die 
gesamte Konkurrenz ist für ihn dadurch viel übersicht¬ 
licher geworden. Die unmittelbare persönliche 
Fühlungnahme zwischen Fabrikant undEinkäufer 
ist für beide Teile von unschätzbarem Wert und kann 
durch keine andere Institution der Welt in dem Umfange 
gepflegt und gefördert werden. Wie dies durch die 
periodisch stattfindenden Leipziger Mustermessen ge¬ 
schieht. Besonders für den Exportverkehr fällt dieser 
Vorteil erheblich ins Gewicht, weil hier Produktion 
und Konsumtion räumlich sehr weit auseinander ge¬ 
rückt sind. Erwähnt sei an dieser Stelle, daß sich für 
den Exportverkehr besonders die Oster-Vormesse 
entwickelt hat. 

Der vielhundertjährige Bestand der Leipziger Messen 
bietet zugleich auch eine gewisse Sicherheit für deren 
Weiterbestehen; auf wirtschaftlichem Gebiete läßt sich 
das historisch Gewordene und Gefestigte nicht ohne 
weiteres ausschalten oder durch eine andere Einrichtung 
ersetzen. Indes nicht allein an der Erhaltung der 
Leipziger Messen, sondern an ihrem weiteren Aus¬ 
bau haben alle Beteiligten und somit das Inland sowohl wie 
das Ausland das größte Interesse. Die volkswirtschaft¬ 
liche Aufgabe, die hier zur Lösung gestellt, ist von außer¬ 
ordentlicher Tragweite und bietet ein weites Feld viel¬ 
seitigster und zugleich verantwortungsvoller Betätigung; 
gilt es doch ein sehr wertvolles Erbe, das die jetzige 
Generation angetreten hat, der Nachkommenschaft in der¬ 
selben lebensfähigen Form zu übergeben. In diese Auf¬ 
gabe teilen sich der Rat der Stadt Leipzig und der 
Meß-Ausschuß der Handelskammer Leipzig. 



Nr.lO DEUTSCHLAND 453 


Alte Winkel im neuen Leipzig, 

Von Julius R. Haarhaus. 


Wer Leipzig vor zwei Jahrzehnten zum letztenmal 
gesehen hat und die Stadt heute wieder betritt, der 
wird sich erstaunt fragen, ob es denn wirklich das alte 
gemütliche Pleiße-Athen ist, dessen Straßen er durch¬ 
wandert. In der Tat, es dürfte in unserm großen 
deutschen Vaterlande wenig Städte geben, die ihre 
ganze Physiognomie in einer relativ kurzen Zeitspanne 
so gründlich verändert und von den Verjüngungsmitteln 
moderner Kultur und Architektur einen so ausgiebigen 
Gebrauch gemacht haben, wie gerade Leipzig. Besonders 
in der inneren Stadt, dem Kerne des jetzt so aus¬ 
gedehnten Weichbildes, sind nicht nur einzelne alte, 
den heutigen Ansprüchen an Wohn- und Geschäfts¬ 
räume längst 
nicht mehr ge¬ 
nügende Ge¬ 
bäude, sondern 
auch ganze eng 
ineinander so¬ 
wie aneinan¬ 
der geschach¬ 
telte Häuser¬ 
blöcke durch 
die Spitzhacke 
gefallen und 
haben wahren 
Pracht-Bauten 
Platz gemacht. 

Und seltsam: 
diese neuen 
Pracht-Bauten, 
die so viel ge¬ 
räumiger sind 
als die Häuser, 
die sich vor¬ 
dem an ihrer 
Stelle erhoben, nehmen dennoch eine weit geringere 
Bodenfläche ein als jene und haben den einst so 
schmalen Gassen erlaubt, sich in ansehnliche, helle 
Straßen zu verwandeln. Die Erklärung ist einfach: 
Die Baukunst unserer Tage weiß mit ihrer vielseitigen 
Verwendung von Beton, Eisen und Glas den vorhandenen 
Raum weit besser auszunutzen und durch Anlage von 
gutbelichteten Treppen und Fahrstühlen auch die oberen 
Stockwerke der Häuser dem Geschäftsleben dienstbar 
zu machen. Für Leipzig ist es bezeichnend, daß gerade 
die stattlichsten und schönsten Neubauten der inneren 
Stadt Meßpaläste sind, also an alte Traditionen an¬ 
knüpfen und, wenn auch mit völlig neuen Mitteln, das 
alte Bestreben Leipzigs, die berühmten Messen an sich 
zu fesseln und zu erweitern, wirksam unterstützen. 

Schon früher einmal, im 18. Jahrhundert, hatte ein 
bedeutender Aufschwung der Messen eine Revolution 
in der Architektur unserer Stadt hervorgerufen. Dem 
gewaltigen Andrange fremder Kaufleute, die mit ihren 
langen Wagenzügen aus allen Himmelsrichtungen kamen, 
genügten die bescheidenen Herbergen und engen 
Gewölbe nicht mehr, sie bedurften geräumiger Lager 


für ihre Waren, gutbürgerlicher Unterkunftsräume und 
bequemer Stallungen. Um ihnen entgegenzukommen, 
bauten vermögende Bürger die für jene Zeit unerhört 
prächtigen und großartigen „Höfe", von denen sich 
glücklicherweise eine ganze Anzahl zwischen Peters¬ 
straße und Neumarkt, zwischen Hain-, Katharinen- und 
Reichsstraße erhalten hat. Da die Fassaden dieser 
Gebäude mit ihren vornehm-gediegenen Barockformen 
heute leider zum großen Teil durch Firmenschilder ver¬ 
deckt und verunstaltet sind, fallen sie dem flüchtigen 
Passanten kaum noch auf, und er empfängt erst einen 
Eindruck von ihrer architektonischen und wirtschaft¬ 
lichen Bedeutung, wenn er durch die gewölbten Tor¬ 
einfahrten das 
Innere dieser 
Höfe betritt. 
Auchsie haben 
einst beschei¬ 
denere Häuser 
verdrängt, und 
werweiß,obsie, 
die durch die 
Umgestaltung 
der einstigen 
Warenmessen 
zu den jetzigen 
Mustermessen 
ja entbehrlich 
geworden sind, 
nicht über kurz 
oder lang das 
Schicksal ihrer 
Vorgänger er¬ 
eilt. Denn für 
das Geschäfts¬ 
leben der mo¬ 
dernen Großstadt ist nicht nur die Zeit, sondern auch 
der Raum Geld, und unsere auf das Praktische ge¬ 
richtete Gegenwart bringt einer Raumverschwendung, 
wie sie sich die Erbauer der Leipziger „Höfe" noch 
leisten durften, höchstens ein historisch-ästhetisches 
Interesse entgegen. 

Nun — heute stehen, Gott sei Dank, noch die 
schönsten dieser Alt-Leipziger Architekturdenkmäler, 
und es lohnt sich schon, im Vorübergehen einen Blick 
in ihr Inneres zu werfen. Wer es mit Liebe und Ver¬ 
ständnis tut, der wird nicht nur auf wahre Perlen der 
Barockarchitektur stoßen, sondern auch noch eine 
Menge beachtenswerter Reste einer älteren Bauperiode 
und vor allem viele malerische und stimmungsvolle alte 
Winkel finden. Wie prächtig nehmen sich z. B. die 
holzgeschnitzten Galerien in den Höfen des Griechen¬ 
hauses, Katharinenstrasse 4, und des Hauses Reichs¬ 
straße 27 ausl Bei ihrem Anblick fühlt man sich 
geradezu nach Nürnberg oder Rotenburg versetzt. 
Solche Umgänge aus Schnitzwerk scheinen im 17. Jahr¬ 
hundert in Leipzig ziemlich häufig gewesen zu sein; 
wir finden sie nicht nur noch in der inneren Stadt, 



Leipzig: „Thüringer Hof", Burgstraße 19/23; erbaut 1454 






























454 UßllTSClitA^ 1} Nrv.5O ; ’j;:: 


sondern ^tich äuSerbalh der alteh Stadtbe^fe^tiguog; wie 
zürn Bei spie { in fn^inc h e n H o f en : d e ^ Cietb^rst ra U e; 

■ Als -klassisches Beispiel des t-elptiger Bi^rot-fcsUfs 
mitß ^KpcKs Höf*^: (Markt 5) hefVorgehQbe^ Wft Bs 

tSl ein dem, uttg^kehrte 

Halbe reicher und; festlicher ausgest^ffeh öIs^q ;Woht iu 
Reprä^enpdüns^weckeit bestimmt gewesen :wiS,hrehd 
Alü $4}tB nacK der KathirineniJtriße geräuniigifit^fsctiehvl 
ühd einen mehr ge^chäftljch’ntlchterrn&nL Chajr^tktfit hat 
Öss Gebäude ^tainrnt: ädi£ ti^m Jshr^ 't7!5v iirtd bepryd 
sich Isnge fihi GtSfiicK hlohordh^kcheo ftesik, An de^n:; 
$ii fier d*e^r Parfiihden Kauhnand und Ratsherrn 
Pfeter Hobtimpn, minn^jt such der große, als Durchgang 
vk^bertu^^te vdlphmanns :?wi$c.hen Petersstraße und 

bieumsfkt Archhektordseh ikt von dar 

der Pöt^fr^tr^ße; 2 ugewan dien fund dem sechs- 
geschossigen Kranaufbau 
tt bsieh t m^hi besonder k 
bemerkehswert.; sein Rei? - 
heg t in dtjc Unregeimaßig^ ; 
keU der Anlage und in 
rier fibwchsluug&teicii 
/Anördfumg diar Öawolbe^ 
i r i. d u civ SiMl hejuoc U 
eit':: ^ :Be.h'en' ehiföl t e t - ' 

ArcKiTektönj^dh UT?be^ 
öeti Een d ist änch ,, Auer¬ 
bachs UpP, 
rnp fsc h e S {re ß e; l n i d N e ur 
n’iäriff in : hwrh eine^ 

:'spim pX'^r^ •■'. yf^i \ I ke ]x":\ :'■y-e-, ■ 

• bfhde.h'-;;Ah^r- ■ welch&yfe“, • 

innerungen kitupfen s\öi 
Dicht an dfese 
der a hen Meßherr I i chkeil I 

Der Kern der Hof ah fege 
gehi bisy auf dasdahr 1529 
wo Dn H^einritli 
Shoiner aus ÄiierbaCh in 
fichrigei Erkenntnis der 
SeddVfntsse > säiner 
hier eivian ,,Metßpal5^P" im 
darnd ii goo Si nne e rrichlen 
lifößf 5h;h ein 

he i c (lO V G'o! d s t ro m t n s; e iii e f p ^ Gcih 1 h 

viml seirier Nsirlvfeiger TitiKchen ^^^göß. UM hatten 
eiri&t die GbM&chmfede^ dnw^flfeF& und Modewaren- 
h li n d 1 ö.r I Ivre Sta n de. u n d iü ^ ei te rv A o gu^^cs d e s 
Sferkeri* do.r ja auf seine Art auch für die.-Belebung 
der Messen mahd sich hier vpr- 

De!tfü?aeA^eh ein Stelldichein^ Auch heute dteiyt .dieser 
Höf noch Meß^w-ecken^ uhdr seine 'iihd g^?:ühth, 
und es wird nicht lange mehr dati^rh/r tlann wird dieser 
iKenge aus der Pruhxeil der l.eipxiger Messen einem 
Kl pderrren Meßpa Ia st w efehen m üssen; d Iofibnt|irh b Ie i bi 
datiYr'wenigstens als letzter Rest aus vetgahgenen Tagen 
der; w tjbe r ii U rn tc'd u rt: li d i e P a ti s t s a g t? ver k) ö r fe u n d ih i rcl ^ 
tVöefhf.ft rJH ch i m Vg un &1 er bl i t i i ge w' ö nfe ti K e 11 er '^. rh aj t ei i! 
Elt wäre ewig schade^ wemr dieser tciic.hf-lrdhbche Wmke 
mit ^einen;' aIterfii a\ 1 ichen Ciifwö 1 ben uhd ftiminUng&- 
vülfen Eckchen vef^cbwandc oder auch nur datch jr^eih 
g ß e ■ h ß r w e Ite r u n ge h d «öjs g e nip i? • (&£ ? be ra nb t w urde! 




:fc''Jtv^ 


Goethe^Eriiinerungeh sind es auch^ die imfi den 
geräumigen Hof der:>,GTößen Feuerzwischen 
Neum^rkt und Üniversuäbstraße> macherh .-rU; 

Hier wohnte d^t j unge HimmeUsiunner ais Student^ wie : - -; 
z wei dahrrehnf e ^-orberbsin ^p und vOrv hier mag er ,, f 
oft geniig seihe Schrhie n ac b Auerboch« Keller gelenk^ 
ha he n H F? 5 w a r ein gl ü c kl i c h er G ed a n ke^ d e m bUr 
ie>iöD unter F^eip^-igf akadernj^cUen Bürgern gerade 
dfjm 'Kaschmarkt, dem mönürnentslstOA Teile des - 
dnst^re herühergeretteten Alt-Leip>jgi, ein Denteb|;M 
: i U ^rrl ebt en M an weiß wi r kl ich h icM, wa s hier - 
diesem ÄEüfen \XTnkel übef raschen der wirkt : Seffneü^v ’?! 
Meisterwerk Y^der dessen architektorfische Umrahmunjgf 
mit dem Rsihausbau tmd der von den pPleiße-r.A<J 

Schäfern^* Vielbesungenen Afi^n ßörse. Bauwerke'. 
aus deir, haben sich in Leipiig nur wenige y| 

^(halt^npöbertmierdiesen 
^ind ,sweb die' als wahre! Aii 
Mtrsterleistangen bereich- 
net'werden müssen. DaSt /V 
. efsfe. ist das , herrUche^^ ;V 
.ppHthstenbaiis" : -sn der; 

; OrimmaischeH-Stfeßey ein'.:. :• 
,Iiöu aas dieiö Jahre 1556 .A 
M l xir^ l 2lVejrgj e b ein i m. ■ f; 
■hob en Üä c bg^c hoß und ; 

: xwef fBfeb orndmentierien 

r un d e T", E rk e m, das an d ete ^ i ■' 

,3a^'lbcds Höf"^ am Markt ;-; 
beim Emgaug der Hain^ / : 
Straße, einst die :■ 
Schlange-genannt, Eetm. ’ ’- 
ll riibaü .dieses Ela use^. im 
Jöh.re IfiTi hat märr die^ !; 
uDvefg leichJ ich schöKö: 

F"a$sadey die übrigens in : 
einzet he n k^fotiven noch ;i : 
Ankfenge’ do die GoPtk, v 
t iivnen“ 

se ne VWfegt öod dadurch ii 
(lir^ ^pätecfj GeiscKle^^ ;, 

gereitel, Üm stille^ «n ^ 
Somtriertögeh so kirhie 
HoF ist Für den Kunsir^ ; ; 
ft^etind, dor mitten ■ •' 



Sehfll^'i'llu^i!^ 


hfi^tehden Getfibbt? der Großstadt idr ein paar 

blkk^ Ruhe ifhd E?qiK^ .^uebt, ein ZuHucbt&Drt, . ,, 

wie wir deren niebf, alku vfele: b 

Auch die Öurgslfßßev.die ubefhuupt^id^^ ölter-^ 
türnncbeii Chämkfer nocli zum j^rö&tbn 'Teiäe bewahrt ■ : 
ha t im d ni i t i in e n > k ö s 11 i che n Durch btiC k a id de h Turm :. 
der ThOmaftkirc^he ein prSebtiges ArcKiteiaurbdd bletei:^ , 
b^it im fipfe tins t ja it^es Nr. 1 & ni n: beac b^e nsw’ertes : 
Renaisisancegebäiide mit Treppenthnm Eje ’ 

Wird jcdöcb dmcb deh Gebäudt^kötTipfex in dthv ScFiattön - 
gesteiIt* der/ beule iltm ,p fbüHoger fJo 1'^ vereinigh; oine 
imkaruiie Sebensw'urdrgkdif der S^^ Die Geschidl'^te 

t fe s ii tt e Äi en d i e se c 1 i ii n sdr, de s ^ reyh a d s es in d ef . . 

jlufcga5&eji oh der egkan hü dem bötoe geJegerUb geht 
h]?i in den A^fehg dijs JabrKuhd^ zurLick; dai£ 
öi\dere ist 115 ^^ A '"»h Di01ricb voh Btfc Uen §tlprb de 
spöt^en Bisc^b^ von Nftumburg, erbaut. Dii?,hifellaüs- 






Leipzig-: Auerbachs Hof 


Leipzig-: Barthels Hof, Markt 


Pelzold 


Leipzig-: Hof des Griechenhauses, Kaiharinenstraße 4 


Leipzig-: Kochs Hof, Markt 3 


|rwsirinmnnfrBio-i^^^^^^[ 


































































456 DEUTSCHLAND Nr. 10 


kapelle, „Burgverließ" genannt, dient heute den Burschen¬ 
schaftern als Kneipraum. Aber auch sonst ist viel 
Ursprüngliches erhalten geblieben, und das Ganze hat 
der Besitzer mit feinem Verständnis restaurieren und 
im Charakter der Entstehungszeit ausschmücken lassen. 

An Stelle des „Bornes", also jedenfalls eines ge¬ 
mauerten Ziehbrunnens, steht jetzt eine nüchterne eiserne 
Pumpe, wie denn auch die vielen einst vorhanden ge¬ 
wesenen Monumentalbrunnen merkwürdigerweise ver¬ 
schwunden sind. Am meisten dürfte der Verlust des 
berühmten „Goldenen Brunnens" auf dem Markte zu 
beklagen sein, der sich auf alten Ansichten als ein reizen¬ 
des kleines Architekturwerk präsentiert. Die Gegenwart 
scheint übrigens wieder gut machen zu wollen, was 
unsere Väter gesündigt haben, und seit den letzten 
Jahren schmücken außer dem prächtigen Mendebrunnen 
mehrere wirklich schöne Brunnen unsere Stadt, so der 
Märchenbrunnen (Thomasring), der Mägdebrunnen 
(Roßplatz), der Schäferbrunnen (König-Albert-Park) und 


die Zierbrunnen am Neuen Rathaus und am Tröndlinring. 
— Wir haben bis jetzt nur von Häusern und Höfen 
gesprochen, die ihrer kunsthistorischen oder geschicht¬ 
lichen Bedeutung wegen das Interesse des Beschauers 
beanspruchen. Aber es gibt außer diesen noch eine 
ganze Anzahl von Gebäuden und Häusergruppen, die, 
ebenfalls älteren Perioden der Stadtentwicklung ent¬ 
stammend, weder architektonisch noch geschichtlich 
merkwürdig sind, und doch verdienen, daß der Blick 
des Vorübergehenden einmal auf ihnen verweilt. 

Da sind vor allem drei Siedelungsgebiete, denen 
wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen, und zwei 
davon sind bezeichnenderweise altes Klosterareal. Zu¬ 
nächst der sackgassenartige Anhängsel des Thomas¬ 
kirchhofs, wo einst das Thomaskloster stand, sodann 
der Matthäikirchhof mit seiner Umgebung, der, im Be¬ 
reich des 1543 aufgehobenen Minoritenklosters gelegen, 
abseits von den großen Verkehrsstraßen die Merkmale 
eines isolierten Stadtteils treu bewahrt hat, und endlich 


das Naundörfchen in dem spitzen Winkel zwischen 
Fleischerplatz und Ranstädter Steinweg, das übrigens 
ehemals eine Zeitlang unter der Botmäßigkeit des Erfurter 
Schottenklosters stand. 

Der Matthäikirchhof, der so lange ein beschauliches 
Dasein führte und uns heute wie der Markt einer be¬ 
haglichen Kleinstadt anmutet, wo sich die Häuser trau¬ 
lich um die den Platz beherrschende Kirche scharen, 
dürfte die längste Zeit in seiner gegenwärtigen Gestalt 
bestanden haben. Die alten hohen, so überaus maleri¬ 
schen Häuser am Töpferplatz haben längst modernen 
Prachtbauten Platz machen müssen; nun hat man auch 
mit dem Abbruch der Gebäude begonnen, die den 
Matthäikirchhof auf der Südseite begrenzten, und wer 
weiß, ob nicht schon die allernächste Zukunft der west¬ 
lichen Häuserreihe und dem an die Kirche angebauten 
Block dasselbe Schicksal bereitet I 

Das Naundörfchen ist bis heute im großen und 
ganzen noch von dem zur Umgestaltung drängen¬ 
den Geiste der 
- -- - Neuzeit ver¬ 
schont geblie¬ 
ben ; es ist, 
seinem Namen 
getreu, wirk¬ 
lich ein idyl¬ 
lisches Dörf¬ 
chen inmitten 
der Großstadt. 
Davon kann 
man sich über¬ 
zeugen, wenn 
man diese alte 
Niederlassung 
von der Brücke 
beim Zentral - 
Feuerwehr ~ 
Depot aus be¬ 
trachtet. Die 
kleinen Häuser 
treten nicht 
unmittelbar an 
denFluß hinan, 
sondern weisen schmale Vorgärtchen auf, die mit 
ihren grünen Lauben und bunten Blumen einen sehr 
erfreulichen Gegensatz zu dem dunklen Gemäuer 
und dem schwärzlichen Wasserspiegel bilden. Ganz 
eigenartig ist auch das Nachtbild des Naundörfchens, 
von der Frankfurter Brücke aus gesehen, besonders 
wenn das Mondlicht in silbernen Reflexen auf dem 
Wasser spielt, wenn hie und da ein Lichtchen glüht 
und die Dachvorsprünge und Vorbauten ihre Schatten 
in die Tiefe werfen. 

Ein ähnliches Motiv finden wir übrigens auch an 
der Uferstraße zwischen Gerberstraße und Lohmühl¬ 
gasse. Auch hier stehen nicht weit vom Wasser ein 
paar Häuser, wie man sie in Leipzig kaum noch ver¬ 
muten sollte. Daß einzelne Höfe besonders in den 
Vorstädten, und zwar hauptsächlich solche, die seit 
Menschengedenken den in die Stadt kommenden Land¬ 
leuten als „Ausspannung" dienen, den Charakter länd¬ 
licher Gutshöfe bewahrt haben, versteht sich von selbst. 



Leipzig: Palmengarten 










Nr.lO DEUTSCHLAND 457 


Es sei, um nur zwei Beispiele anzuführen, an „Zangen¬ 
bergs Gut"' (Johannisplatz) und an die „Goldene Laute" 
(Ranstädter Steinweg) erinnert. Ein echter „stiller 
Winkel" ist auch das alte Johannishospital mit seinem 
idyllischen Hofe. 

Gehen wir weiter in die Vorstädte hinaus, so werden 
wir des Schönen und Interessanten aus vergangenen 
Tagen noch viel finden. Wer denkt nicht an das winzige 
Häuschen in Gohlis, wo Schiller gelebt und — so be¬ 
hauptet wenigstens der strengen Forschung zum Trotz 


eine alte Ueberlieferung — das Lied an die Freude 
gedichtet hat? Wer denkt ferner nicht an Eutritzsch 
und seine altehrwürdige und doch ewig fröhlich-junge 
Gosenschenke? 

Man sieht: es gibt auch im modernen Leipzig noch 
manchen stimmungsvollen alten Winkel, und wer die Stadt 
mit offenen Augen durchwandert, dem wird sich auch 
heute noch mitten im Großstadtgetriebe der Gegenwart 
das alte gemütliche Pleiße-Athen mit seinen von unsern 
Vätern und Großvätern gepriesenen Reizen offenbaren! 


Der Leipziger Palmengarten. 

Von Gartendirektor Aug. Brüning. 


Der etwa QO Morgen große Palmengarten ist eine 
der Hauptsehenswürdigkeiten Leipzigs und der Stolz und 
die Zierde der Stadt, der Zentralpunkt des Fremden¬ 
verkehrs. Er liegt im Westen der Stadt zwischen der 
Plagwitzer und der Frankfurter Straße und ist durch 
zahlreiche elektrische Bahnen von allen Stadtteilen 
aus bequem zu erreichen. Von einer hiesigen Aktien¬ 
gesellschaft begründet, wurde er nach den Plänen 
des Leipziger Landschaftsgärtners Moßdorf von diesem 
ausgeführt und 1899 eröffnet. Den Mittelpunkt bildet 
das an der Frankfurter Straße gelegene, von den 


Architekten Schmidt und Johlige gebaute vornehme 
Gesellschaftsbaus mit prächtigem großem Konzertsaal 
und anheimelnden Nebenräumen. Den Wirtschafts¬ 
betrieb leitet seit dem 1. April 1911 die Leipziger 
Zentraltheater-Aktiengesellschaft. Durch eine große 
Spiegelscheibe vom Konzertsaal getrennt, doch durch 
Türen von diesem aus zugängig, liegt nach Süden 
das weltberühmte Palmenhaus, das etwa V 2 Morgen 
Fläche bedeckt und Pflanzenschätze aufweist, die nur 
wenig ihresgleichen in Deutschland haben. Oestlich 
des Gesellschafts- und Palmenhauses liegt der etwa 0000 



















Leipzig: Inneres des Palmenhauses im Palmengarten 







458 DEUTSCHLAND Nr. 10 



Sitzplätze bietende Konzertplatz mit Unterkunftshallen, 
separatem Weinhäuschen, Sommerbüfetts, Kiosken usw. 
und einem Musikpodium, das Raum für ungefähr 
60 Musiker bietet. Hier finden im Sommer täglich 
zweimal Konzerte erster heimischer und fremder Zivil¬ 
und Militärkapellen statt, zeitweilig verstärkt durch 
Darbietungen von Gesangvereinen. Diese Konzerte 
üben im Verein mit den anderen Veranstaltungen 
der Gesellschaft stets eine große Anziehungskraft auf 
die Bevölkerung aus, so daß an schönen Sommer¬ 
tagen alles bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Be¬ 
sonders ist dies der Fall bei den großen Gartenfesten, 
die durch auserlesenes Feuerwerk, Illumination der 
Gebäude und des Gartens usw. einen besonderen 
Glanz erhalten und stets mit einem Sommernachts¬ 
ball schließen. Im Winter findet neben den dreimal 
wöchentlichen Konzerten zweimal monatlich Reunion 
statt, wofür Gesellschaftstoilette vorgeschrieben ist, 
außerdem zeitweilig Kostümfeste, Bunte Abende usw. 


Leipzig- Gesellschafts- und Palmenhaus im Palmengarten 

Neben diesen Veranstaltungen ist es aber vor allem 
der Garten selbst, der alljährlich Tausende von Be¬ 
suchern von fern und nah anzieht und auf die Fremden 
mit seinem reichen Blumenschmuck einen bezaubernden 
Eindruck nie verfehlt. Besonders zur Zeit der Messe 
entwickelt sich hier ein ganz internationaler Verkehr. 

Es gewährt auch einen unvergleichlich schönen Anblickr 
wenn man von der Frankfurter Straße den Palmen¬ 
garten betritt und sich das imposante Gesellschafts¬ 
gebäude aus dem Rahmen der Bäume herausheben 
sieht, davor das große Blumenparterre, das mit seinen 
Tausenden von Pflanzen aus aller Herren Länder und in 
seinem Arrangement ein Bild wunderbarster Farben¬ 
pracht in stimmungsvoller Harmonie zeigt. Inmitten 
desselben steigt aus einem mit Goldfischen besetzten 
Bassin ein kühlungspendender Wasserstrahl hervor, die 
Szenerie anmutig belebend. Noch bevor der erwachende 
Frühling das erste Grün an Bäumen und Sträuchern 
hervorlockt, beginnt es hier zu blühen, und in mehr¬ 
fachem Wechsel hält der Flor an, bis die Kunst des 


Gärtners den Frösten nicht mehr Trotz zu bieten 
vermag und der Winter seine Herrschaft antritt. Das 
Gesamtbild würde aber viel von seiner Schönheit ein¬ 
gebüßt haben, wenn nicht dem kraftvollen Bau des 
mit Schlinggewächsen berankten Gesellschaftshauses 
mehrere ebenfalls mit Blumen reich geschmückte Ter¬ 
rassen vorgelagert wären, die mit von Bäumchen zu 
Bäumchen sich rankenden Blumengewinden nach außen 
hin abgeschlossen und an ihren Böschungen mit zier¬ 
lichen Teppichbeeten geschmückt sind. Vom Parterre 
aus gelangt man über den Konzertplatz hinweg nach 
dem reich ausgestatteten Kinderspielplatz, wo sich bei 
gutem Wetter in den Nachmittagsstunden stets ein 
recht munteres Leben und Treiben entwickelt. Von 
hier führt der Weg weiter nach dem herrlichen Rosen¬ 
garten, der mit seinen Lauben, den die Eingänge über¬ 
spannenden Bogen aus zierlichem Gitterwerk in der 
Hauptblütezeit einen geradezu märchenhaften Eindruck 
macht. Am Eingang finden wir zwei japanische Laternen, 
von denen die eine ein Geschenk des 
Admirals Togo ist. Alljährlich, wenn 
der Gedenktag der Schlacht von Tsu¬ 
shima wiederkehrt, an dem die russische 
Flotte von den Japanern unter Admiral 
Togo vernichtet wurde, halten die 
Mitglieder der hiesigen japanischen 
Kolonie hier eine Gedenkfeier ab, bei 
der abends die Umgebung nach japa¬ 
nischer Art durch mit Papierlaternen 
behangene Bambusstäbe malerisch be¬ 
leuchtet wird. Verfolgen wir unseren 
Weg weiter, so gelangen wir nach dem 
Bootshause, dem großen Weiher und 
der Leuchtfontäne, deren wechselnde 
Farbeneffekte immer von neuem Be¬ 
wunderung erregen. Jenseits des 
Teiches zieht, vor allem zur Frühlings¬ 
zeit, der Staudengarten den Blumen¬ 
freund in seinen Bann, und die alpine 
Partie mit ihren blauen und weißen 
Blütenpolstern der Aubrietien- und 
Arabis-Arten lenken schon von weitem 
das Auge des Besuchers auf sich. Auch der übrige Teil des 
Gartens bietet viel des Interessanten. Großen Anklang 
finden auch immer die im Freien aufgestellten Gruppen 
subtropischer Palmen und anderer Pflanzen dieser Zone in 
ihrer eigenartigen Charakteristik. Auf Schritt und Tritt 
begegnet man neuen und interessanten Landschafts¬ 
bildern, die den Park im Verein mit den schattigen, 
sauber gehaltenen Wegen, den lauschigen Sitzplätzen, 
den mit Seerosen, Enten und Goldfischen bevölkerten 
Teichen, den Wasserfällen und Grottenanlagen zu einer 
der vornehmsten Erholungsstätten Leipzigs stempeln. 

Zum Schluß sei noch erwähnt, daß seit dem 
T. April d. Js. einschneidende Aenderungen in der 
Direktion des Leipziger Palmengartens eingetreten sind. 
Zum Betriebs- und kaufmännischen Direktor wurde Herr 
F. C. Stremmel, bisher Direktor des Frankfurter Verkehrs- 
Vereins für Frankfurt und Umgebung, der in Verkehrs¬ 
kreisen wohl bekannt ist, bemfen. Als Gartendirektor 
wurde Herr August Brüning aus Berlin-Fichtenau vom 
Aufsichtsrat verpflichtet. 










Nr.lO DEUTSCHLAND 459 


Der Leipziger Hauptbahnhof. 

Von Paul Benndorf. 




Die erste Anregung zu einem Eisenbahnbau in 
Sachsen ging von dem Tübinger Professor der National¬ 
ökonomie, damals amerikanischer Konsul, Friedrich List 
aus. Er hatte sich 
Kenntnisse von 
englischen und 
amerikanischen 
Eisenbahnen 
erworben und 
machte in Leip¬ 
zig durch eine 
Schrift: „lieber 
ein sächsisches 
Eisenbahn- 
System als die 
Grundlage eines 
allgemeinen 
deutschenEisen- 
bahn - Systems 
und insbeson¬ 
dere überdieAn- 
lage einer Eisen¬ 
bahn vonLeipzig 
nach Dresden" 
für einen imTitel 
genanntenBahn- 
bau Propaganda. 


der die Dampf bahn aus England kannte, Gustav 
Harkort, Karl Lampe und Dufour-Ferance, welche 
zusammentraten und die Genehmigung des Baues vom 


Die erste Fahrt auf der Leipzig-Dresdner Eisenbahn 
Aus Paul Benndorf; ,,Hundert Bilder zur Geschichte Leipzigs", Verlag von A. Schmidt, 


Zweifel, Spott und Hohn der Gegner, 
deren Engherzigkeit und beschränkter Horizont seine 
Pläne als gemeingefährlich und als Ausfluß des Wahn¬ 
witzes hinzu - 

stellen suchten, 
störten den weit¬ 
sichtigen, unter- 
nehmungsfreu- 
digenMannnicht 
im geringsten. 

Im Jahre 1835 
gründete er ein 
„Eisenbahnjour¬ 
nal", um weiter 
aufklärend zu 
wirken. Er ver¬ 
trat den Stand¬ 
punkt, der sich 
später als so 
richtig erweisen 
sollte, daß durch 
ein Eisenbahn¬ 
netz weniger die 
finanzielle, als 
vor allem die 
politische Lage 
eines Landes 
stark beeinflußt 
werde. Mit mehreren gleichgesinnten und gleichslreben- 
den Männern Leipzigs konnte List am 1. März 1836 
endlich den Bau einerEisenbahn vonLeipzig nach Dresden 
beginnen. Es waren der Bankier Wilhelm Seyfferth, 


Leipzig 1910 

Ministerium erlangten. Die Mittel wurden durch ein 
Aktienkapital von zunächst IV 2 Millionen Talern, welche 
Summe sich später mehr als verdoppelte, aufgebracht. 


Aus Paul Benndorf: 


Der Leipzig-Dresdner Bahnhof 1840, Innenseite 

Hundert Bilder zur Geschichte Leipzigs", Verlag von A. Schmidt, Leipzig 1910 

Am 24. April 1837 befuhr man bereits die erste Strecke, 
von Leipzig nach Althen (bei Borsdorf). Die Einweihung 
der Gesamtlinie fand am 7. April 1839 in Gegenwart 
des Königs Friedrich August und des königlichen Hauses 
























460 DEUTSCHLAND Nr.lO 


statt. Somit war die erste größere deutsche Eisenbahn 
in die Wirklichkeit getreten, die vielleicht ein noch 
größeres Aufsehen erregte, zu einer noch lebhafteren 
Bewunderung veranlaßte, als heutzutage das lenkbare 
Luftschiff und das Flugzeug. 

Der sich entwickelnde weitere Eisenbahnverkehr, 
dessen Ausgangspunkt der Dresdner Bahnhof ge¬ 
worden ist, hat Leipzig zur bedeutendsten Handelsstadt 
Mitteldeutschlands gemacht. Nur zweier Jahrzehnte 
bedurfte es seit Eröffnung der Leipzig—Dresdner Eisen¬ 
bahn, um den genialen Plan eines „deutschen Eisenbahn¬ 
systems" zu verwirklichen. In unserer Zeit aber werden 
jene Verkehrszentren, die Bahnhöfe Leipzigs, zu einem 
Gesamtverkehrsmittelpunkt vereinigt; der Zwerg hat sich 
zum Riesen ausgewachsen; wir stehen einem Monu¬ 
mentalbau gegenüber, der sich als größtes Denkmal des 
Weltverkehrs von ganz Europa darstellt. In seiner har¬ 
monischen Gliederung, in der ästhetischen Vereinigung 
von Ingenieurkunst und architektonisch-schönem Baustil, 
der hier seine meisterhafte Lösung erreicht, bringt der 
Leipziger Hauptbahnhof die neuzeitliche Nutz¬ 
baukunst überraschend zur Geltung. Der Laie kann 
sich schwer vorstellen, welche Summe von technischen 
Kenntnissen und von theoretischem Wissen zur Voll¬ 
endung eines solchen Bauwerkes nötig ist. Er fühlt 
allerdings heute mehr wie ehemals den Zusammenhang 
von Form und Konstruktion, er empfindet beispielsweise 
den von gewaltigen Eisenbogen überspannten Raum 
der Halle, die Massenwirkung der Wandungen, Portale 
und Treppenaufgänge und begreift, daß der Ingenieur 
zum Künstler werden kann. 

Am Baue der neuen Leipziger Eisenbahnanlage sind 
die sächsische und preußische Eisenbahnverwaltung, die 
Stadtgemeinde Leipzig und die Reichspostverwaltung 
beteiligt. Die Verhandlungen und Verträge begannen 


im Jahre 1901, die Bauarbeiten 1902. Es umfaßt der 
neue Bahnhof, der Kopfstation ist, das Gebiet des 
früheren Thüringer, des Magdeburger und des Dresdner 
Bahnhofes und dient ausschließlich dem Personen¬ 
verkehr, da die Güterbahnhöfe getrennt bleiben. Nach 
dem Dekret vom 22. März 1904 waren sächsischerseits 
sieben Bauabschnitte vorgesehen, welche die vom 
sächsischen Staate aufzuwendende Gesamtsumme von 
49 V 2 Millionen Mark enthalten, während Preußen etwa 
52 Millionen Mark aufzuwenden hat. Die Stadt Leipzig 
muß ungefähr 17 Millionen Mark aufbringen. Die 
Gesamtbaulichkeiten sollen 1914 fertiggestellt sein. 

Als Sieger im ausgeschriebenen Wettbewerbe vom 
Jahre 1907 zur Erlangung von Plänen für das Empfangs¬ 
gebäude gingen die Architekten Professor William 
Lossow und Max Hans Kühne in Dresden hervor. Sie 
erhielten den Auftrag zur Ausarbeitung des Entwurfs. — 
Das an der Westseite bereits den Gesamtaufbau zeigende 
Empfangsgebäude besteht aus einem 62 Meter langen 
Mittelbau, dem sich zu beiden Seiten Eckbauten und 
rückwärts nach der Bahnsteighalle zwei Seitenflügel 
angliedern. Die Gesamtfront ist 298 Meter lang, die 
Länge der Flügel beträgt je 90 Meter. Der ganze Bau 
umfaßt ein Areal von 15600 Quadratmetern als Grund¬ 
fläche. Dahinter befindet sich die Gleisanlage mit 13 
Personenbahnsteigen und 26 einmündenden Bahnsteig¬ 
gleisen. Westlich mußten der geographischen Lage der 
Landesteile nach die preußischen Bahnabzweigungen, 
östlich die sächsischen zu liegen kommen, was auch 
die Stellen der Verwaltungen bestimmt. Zwischen den 
beiden Eingangshallen im Mittelbau befinden sich ge¬ 
meinschaftliche Räume. Es sind: der Verbindungsgang 
mit der Gepäckannahmestelle, die Wartesäle mit Restau¬ 
rationsbetrieb, die Küchen- und Kellerräume der Bahn¬ 
hofswirtschaft. Die Fahrkartenschalter haben ihren Platz 



Leipzig: Hauptbahnhof (Teil, der im Mai 1912 eröffnet wird) 
















Nr.lO DEUTSCHLAND 461 



Leipzig: Längsbahnsteighalle des neuen Hauptbahnhofes 


rechts und links von den Eingängen der beiden Ein¬ 
gangshallen. In jeder führt eine 10 Meter breite Frei¬ 
treppe nach der 4 Meter höher gelegenen, 270 Meter 
langen Querbahnsteighalle. Die Seitenflügel enthalten 
die Auskunftstelle, das Fundbureau, Posträume und 
die Verwaltungs- und Wohnräume der Beamten; auf 
der sächsischen Seite kommen die Fürstenempfangs¬ 
zimmer hinzu. Außerdem enthält der Bau Bade- und 
Waschräume, Klosettanlagen usw. Die Außen- und 
Innenschauseiten bestehen aus Sandstein; das Dach 
zeigt die moderne rote Ziegeldeckung. Das Hallendach 
der Querbahnsteige und die Bogenwand nach den Ein¬ 
fahrtshallen zu haben als Material Eisenbeton, die 
Einfahrtshallen hinter den Abschlußbogen des Quer¬ 
bahnsteigs sind in Eisen ausgeführt. Die sechs eisernen 
Bogenhallen haben eine Spannung in Weite von 
45 Metern. Der Mittelbau hat eine Säulenanordnung in 
vierteiliger Gliederung; die Fenster zwischen den Pfeiler¬ 
vorlagen haben ornamentalen Schmuck. An dem Aufsatz 
über demHauptgesims sind Wappen, umrahmt von Frucht¬ 
kränzen, angebracht. Die sechs Fensterpfeiler der Ein¬ 


gangshallen zeigen gigantische weibliche Säulenfiguren; 
inmitten ist die Uhr. Die seitlichen Eingänge der Ein¬ 
gangshallen werden mit Atlantengruppen verziert werden. 

Der Raum vor dem Hauptbahnhofe hat sich zu 
einem gewaltigen Platze erweitert, auf dem die Gleise 
der Straßenbahn sich zu einem Knotenpunkte zusammen¬ 
schließen. Droschkenhaltestellen, Fahrbahnen und Fu߬ 
steige sind im Entstehen begriffen; ein größerer Teil 
der Promenade fiel dieser Platzerweiterung zum Opfer. 
In der nächsten Nachbarschaft sind Hotelneubauten ent¬ 
standen, und der Durchbruch zwischen Parkstraße und 
Brühl nach der Nikolaistraße wird bald verkehrsreiches 
Leben und Treiben zeigen. 

Leipzig steht mit seinem Hauptbahnhofe in einem 
neuen Zeichen des Verkehrs; möchte dieser Bau in 
seiner Bedeutung als hervorragender Vertreter einer 
neuen Nutzkunstepoche, als Förderungsmittel der 
Handels-, Gewerbe- und Verkehrsfreiheit nicht jene 
Männer vergessen lassen, welche die Urheber einer 
Einrichtung gewesen sind, die grundlegend für diese 
Neuschöpfung geworden ist. 


Das Völkerschlacht-Denkmal und der Südfriedhof. 

Von Paul Benndorf. 


Im Südosten Leipzigs, etwa 4 Kilometer vom Stadt¬ 
zentrum entfernt, erhebt sich auf einer Bodenwelle ein gigan¬ 
tischer Bau, der in kurzem vollendet sein wird. Das Völker¬ 
schlachtdenkmal steht inmitten derGefilde, die vielenTausenden, 
die vor bald 100 Jahren mit ihrem Blute das befleckte Ehren¬ 
schild Deutschlands wieder rein wuschen, zum Riesengrabe 
wurden. Schon damals hatten patriotisch gesinnte deutsche 
Männer den Gedanken, den Dank für die unvergänglichen natio¬ 
nalen Errungenschaften jenen Helden der Freiheit symbolisch 
und dauernd auszudrücken. Ernst Moritz Arndt, Dannecker, 
Weinbrenner, Schievelbein traten mahnend an das deutsche 
Volk heran, eine nationale Ehrenpflicht durch Schaffung eines 


Denkmals zu erfüllen. Wie anspruchslos klingt Arndts Vor¬ 
schlag, einen mit Feldsteinen bedeckten hohen Erdhügel zu 
errichten, den ein eisernes Kreuz krönt. Ein lauschiger Eichen¬ 
hain sollte seinen Schatten auf den Rundgang werfen und 
einst durch Baumriesen das Sinnbild der Heiligkeit dieses 
Ortes bezeugen lassen. Der badische Architekt Weinbrenner 
entwarf 1874 ein Schlachtendenkmal, das dem heutigen in 
seiner Grundidee schon näher kommt. Auf einem quadra¬ 
tischen Unterbau von Sandstein in Höhe von 50 Metern 
sollte sich ein Tempel erheben, dessen gegenüberliegende 
Eingänge zwei Triumphbogen bildeten. Auf dem Schnitt¬ 
punkte der Zugänge steht das Marmorbild der Germania. 














462 DEUTSCHLAND Nr.TO 


ir'SilM 


Iriflüttftn <le^ TeTDpels^ erhebt sich ein großer Altar mit dem 
Kruiti fixe, von vi ^ t h ol^ an Pelmen b heii: i li> di ah ^ 
mondfdrihigen Niich^n k ömmen 4ieStatuen der drei Mon^rdtarr,. 
Priedktt:!h W4helm' IIL : von^ Preiiöenr Kaiser Preins! P von 
Ofisi^irr^iidr ursd Al^pxander Lr Eitr von JRuiäUndt als Sieger 
:deri. Korsen Nüinoleöb sow|e diejenige^ 

tmd Siäaisaiilhrier jener gfbßen Zeit. pin Viergtj^fjiJtirm nehst 
Trliiwä^en. mit den allöf^orisi4u>n Fi^Hir<'n: der W eishei t* 
Sfib;ki3^ und Uehe Jkroaf den Oberböir 

v/irischaflijche VerhaUtusse mä politiisch^ 
iraten der Änsfükrun^ eines dieser Piime hindantd 
m dah ^ sie die 

Begeisterung erkjälten ließen, 
sm 4sh re vtde an-" 

4e^: Ä , / ' 

deniffeier der Volkferscblatht 
der Gedanke eines DenkmaP 
bftues öuls nadelehandi^. Anf 
ßinladahg d^ rreugegrün; 
damn ^;V(?reinj;7-ur Feier de^ 

Tfh Oktobers^' kamen in dan 
Fest tagen 1500 Veteiöni^.n 
der Befreiung^^Kriege nuji 

a I Ich Teilen D öi 11 s rh i n nds; 
und 500 Vef 1 f ei er detii scher 
S tä^e . 0 vrf:. ■ ■' i'j 4 b?" be i ; 

Stfiiterhir^ .:£x\t iardhdstem 
ie^dng äjnns. Scblncbii^Hderilf- 
mnle gCKftmiinm: P 
geiiliebfi Fdrtl^n-r i.eip^igSiL 
Oberbiir^ef Tne js t tu iV' K ^ c h, 
deir Ütbrtdsunn i*üi 
ti e !i ü b li rlv ef E d 1-Um p\ e 

StddJigerr sowie fplj^ebden 
V? t* rt e r« ^ et e t ss t e h läig 

gilt dem 
sehen VeflkW 

■ anJ ! ■ ’ ßcvi^'liTLsijin^-■•. U ■ ai.Uh' 
d^ nen. d le da fiit ge k ämiif t ^ 
geiit te n uh^: ge bl atef. liß t>en \ 

P^F- ^ w o t StibUh dtm, 

1 ft' u etJ Aus) Vn r rv' rt i n th 
begi^dheiven Arhcdt. für die 
gro^gh - l:n d liel e d öu i ?c 1 i er 
Naiiönl Per tl r i 11 o ilag 
gilb datn :i;ndlid>en iUs deruF 
sehen Vblkes im KihgcTA nach 
fmilottefe: Mnelit urtd Giößetr 
Ftfd|gO_ uM Freiheit des 
hbi%vlUbt*>n Vaterland e51 
bUdi?i trateu au U neu o 
üngliGsiige Zeitverhalmbse 
ein / so W ia d heb ai^ n len 


> >s 



: L e i p 4 tg I V dl krusch la ch t -De rk m nl ( n ugenldic 1 1 ich er 
V' ^; Staad: Ban 


krlegerisehcivBrtiigbisse der 71k^r JahrCj. str daß die iDangritP 
naiimü Hnes Baues xnnetbLiub. Fr st udt der am 26, AprO 1604 

Gründung de^ j^j,pe\Usthcrtvriot^nbuhdes" dtircL 
den Archiinfcu^rt Cleihens Th i eme in Leipzig sedite dse 
li}c^ iitk!'r Verwirkiicl idJlg eri:^grbge! e c>n# iitjd von dabi tir 

JqIw F/i d i e Ttitk räft mb e cht c r pn i tkUlisi. hä i I ?ihg äbä’ im tn e r 
irn^h r t-U t tgk ü da ß t ler 16. (1 k l o }>^ r dä s iA\ 11? s 1 i >X .5 die 

Hrdliü Illing uf r. s niv^ gro ß Um da lit 11 en b?'Bf e n 
ivird^ Der Ertiwnri wnt de vdn PmhYr;^dr in 

. ßerl i A f dc m höf^ Ur ili'& Kyfth^üt;er ^ thxn> g e.lieferi - 
Katrimetröi C'b TbiäJtiiFe ItdieJ de/> MuteV äm dcip^jalbt-n 

g’ingerl dem «.Deutschen Polriotoihond^' tn vcm der Stadl 
Leipzig r vpfi StößB** und Gemeintieheb/jfdef^ f t^bii Kam^'r 
\Xklhelm Ih bnd anderen deutschen Bnndö^fihst^tn K-'nr^^r 
durch jidmbdie GRldsammlungen in den Selmkn, durdi Mkv 


wifktitig V srsx^i g(i^innlet Ft 1 vötper^^^riäp und Vereine 
und durch g\ i\& üeldiptt^^rie. Eä si nd his j*Ut 4 Millionen 
Atark al^s Hansmnme gesamiivdi und auf^^ewendet worden; 
T Million xvird noch verbröüäjtt werdehl Am XÖäQktober 1698 
iivprde der errate 

^ Der Anialböii l^a^lbsr angöhu derselbe drei 

Ged unke n iutrt Äp^tlrdck brmgipni Br i ifcnetst ein BBren** 
m a I für: die gäUUenäri l leiden* dann em Kn h m e s trr a ( fut 4 «ä : 
deutsjche Viojk lind: endli?^h M ähb aelc^^^ ftir 
Ge ^chlecKi je Tr rtälp g der ^ Bedey twrig j en er d tm H4i7virHstr 

schlage heiler TegupS'^ ersien: Grondstei^vesH pa^ Oi&bkJrt^^ 

; ■ ■ s'k.h BX) .Mätär.. ■ 

tmxl hlmbrt ^meiFi Ramm 
beUalie 6% Hektar ein n ii^ 
Auge fäiit zuitärfrsi die: 
7.wi,<t heri den beidener 
holten wd 45 Afetet 
Örbnfi?itüurttö”uerrt 'grelögerte 
40 Meter breite Freitröppe, 
die. tOOO laiifepde Meter 
G fiön tu jhre m Äu fba a 

erCü r dert e. A ti f de m gro ß en ^ 
von der S^adt geschenkten 
Areale erheben sich die 
.wöltlg^Jb^ . der, ^■VeJU• • 

sciTÜiteien Ftodarb^int 
i mV Ge vier und 70 Me tne^ r 

: h y 11 en*: wah n?bd ^ 

d es : Deivk tön 1 i 430 Me 
tra^V Alt dTfiX Sevtem yfin^ 
lyH^en 125 Äleter hohe Er 4 
hügcidt^n KunStbdy' to linier' 
bau bt*fi ixd ^ l sieh eine Kr ypf ö * 
;die ^ich als Ehr e.n m d l ffe 
die gefailenert KVie^r 
3 ielli ^ S krt whd d orch och l 
• F fä U.r-f '4i^- irs; ■ SÄi cks nlsiri e s- 
k^^^ ihrVEpdi; üpden*. gebildet- 
L>ay pr haltea |e ei Krieger 

.diov .Tbt^twacitr Die- ver-. 
^chiedt^n^n M Disken hnbert 

ein^. Br11U: v.on. ■ 3 . und letpe 
ITTläift ■-von V ■;.Alpter^ ■ „tJas •. 

R-V* frftTy^rn äf|:^ ; 

Vcdkä.s' <iber rXl Mat«r 

h teih dSU k t) n d» dyren 

bb p?rer Tei l m U 324 Reiter r b e ■: 
sci^i ist. Aul dem Faßböden 
des Unterteils der KuppeX,. 
g ew ü hn in a n :V Ü p P ^ gjt-öß^ ‘^. 
•sU2^nd^vFjgt4r,Hh.T> Aft'Xi&r- 
hoch.: 5iö stell«»h ßU^görbicfe 
die CharaktVfeigi^nschaf^ 

Vn \k es ährand rv i ungfikritsgi? vor, näimEch 

w^di^r^ijhoreneHf Volkstum nind 


mvseic^s 

ÖpfcrwUhgkdli- Tnpf^rkt-th 
V oi kdx^wi)ßttitii n \j nd f^ianb:en^slj^rkcV OM u h n 2 e i ch s n ftlr 
k omm i?n d 5 Ge jicli 1 e Sdß c r e 0 Ober ha ü n usged r ü ekt 

dorch swbif große, '' 12 . Kri^g^rgeMaifeTTT Holet 

dcf Frej h idt, I ‘ 1 c F ^ M (it innts B on d 5? chui jb u <110 

FfiUvürle-. Bis ^ur Zimve 'td Meti?r hoben Böpwcrk’i fOliton 
in den PleLlern Wend^jlircFpen^ ^tebtU" dtir äiwilbriten FreG 
iteppc- ^Icbr man Gn t'X? breitt'-.s und 16 Ms-ter hohe:» 

ReUej; Auf rjinötn Skige^iiWttirwv fiihjt der ÜeuisrhsiT Kriegs- 
gott St hlichöeh linW iu\d f^ebts von faekeltrönendon Ftmen 
iTber das gr^w^dElgc Schlnchthd^ alles vor ^ch 
nletlerwer(end imd '^i»gboft Stamlhollätvd. D»in Hiblergrtmd 
verscboiit dip liUn dein Ktebse ßufgehonde Sönne de^r Freiheü. 
Itn I mr dem Kn f 11 p fpl a t le %ch w ebem 7nv^‘ Ädiet, dije ä ymböl isch 








Nr.lO DEUTSCHLAND 463 


zeigen, wie „aus der Blutsaat unter dem Donner der Kanonen 
das deutsche Volkstum und das Volksbewußtsein geboren 
ward", so daß 1871 ein Deutsches Reich erstehen konnte. 

Das Denkmal ist in der Achse der „Straße des 18. Oktobers" 
gelegen, die von Westen her (Anfang am Bayrischen Platze) 
den Zugang bilden wird. Durch die Mitte geht ein 25 Meter 
breiter Pfad, der von 15 Meter breiten Grasflächen einge¬ 
grenzt wird. Er führt durch eine geräumige Parkanlage, deren 
Seitenflächen nach Süden und Norden mit Laubengängen 
versehen werden. Am Ende der Hauptallee wird ein großes, 
von 5 und 8 Meter hohen Erdwällen umgebenes Wasser¬ 
becken seinen Platz erhalten, während der Park einen 
geräumigen Spielplatz, umgeben von Buschwerk, enthält. 
Hügel, Wälle und Zugangswege 
sind mitten im Grün versteckt. 

In Uebereinstimmung mit dem 
Monumente und seiner Bedeu¬ 
tung ist, abgesehen von den 
Wegeinfassungen oder Begren¬ 
zungen nach der Peripherie 
hin, durchgehend einheimisches 
Laubgehölz verwendet worden. 

Ueberall tritt an diesem 
Denkmal die Großzügigkeit, 

Erhabenheit und Würde hervor. 

Das gesamte Schlachtfeld wird 
von ihm beherrscht. Weithin 
ragt es in die Lande, gleich 
einer Irminsul des deutschen 
Volkes. Von seiner Zinne wird 
das entzückte Auge ein un¬ 
geahntes, prächtiges Panorama 
sich entfalten sehen. — 

Am südlichen Fußende 
dieses dem Totenkult geweihten 
Monumental - Baues liegt der 
Südfriedhof. Er umfaßt ein 
Areal von 5OV2 Hektar; am 
T. Juni 1886 ist er eröffnet 
worden. Die gesamte Fläche ist 
unter Benutzungder Bodenwellen 
parkähnlich ausgestaltet, und 
die einzelnen Grabbelegungsbe¬ 
zirke sind zwischen den Straßen¬ 
zügen ein- und aufgeteilt. Um 
den Eindruck einer Parkanlage 
hervorzurufen, war es nötig, 
die monoton wirkende Neben¬ 
einanderordnung der Reihen¬ 
gräber durch Rabattengräber 
längs der Hauptwege zu ver¬ 
decken. Buschwerk und Baum¬ 
pflanzungen wechseln in garten¬ 
künstlerischer Anlage mit Grasflächen ab. Die Pflanzen¬ 
dekoration besteht in der Hauptsache aus Koniferen, Rot¬ 
buchen, Kastanien, Pappeln, Linden, Eichen und Birken. 

Wenn wir den Friedhof durch den nördlich gelegenen 
Haupteingang betreten, so führt uns ein 30 Meter breiter, 
mit Rasenflächen eingefaßter Baumgang zu einem großen 
Kapellenbau, in dessen Mitte sich der 60 Meter hohe 
Glockenturm befindet. Nordöstlich ist ein zweiter, von der 
Probstheidaer Straße herleitender 20 Meter breiter Weg zu 
bemerken, so daß die Kapelle im Zentrum des Friedhofes zu 
liegen kommt. Die Gesamtanlage umfaßt 20 Abteilungen, 
die wieder in einzelne Gruppen zerfallen. Je nach ihrer 
Lage sind sie eckig oder halbrund geformt und zum Teil 
von lauschigem Grün umgrenzt. Die Grenzen der Gräber¬ 
flächen bilden sich aus den sich schneidenden Wegen. 


Begeben wir uns nun zu dem Kunstbau der Kapelle, so 
sehen wir an der Rückfront das Krematorium, das von dem 
Urnenhaine und einer Teichanlage begrenzt wird. Ein Rund- 
gang durch einzelne Abteilungen der Erdgräber soll uns vor 
der Betrachtung des Kapellenbaues und der Einäscherungs¬ 
anlage mit den bedeutendsten Denkmälern und Ruhestätten 
bekannt machen. Erstere zeigen die Entwicklung des Kunst¬ 
sinns und die eigenartige Schaffenskraft unserer einheimischen 
Architekten und Bildhauer. Zurzeit wird auf zwölf Abteilungen 
beerdigt. Ein baumbeschatteter Weg führt uns nach Nord¬ 
westen zu zur I. Abteilung, auf der zwei prachtvolle Grab- 
mäler über verdeckten Grüften das Auge fesseln. Es sind die 
Ruhestätten der Familien Ulrich und Sennig vom Jahre 1909. 

In einem Reihengrabe dieser Ab¬ 
teilung ruht die Asche des um 
das Leipziger Turnwesen hoch¬ 
verdienten August Erbes (1909). 
— In der II. Abteilung treffen 
wir auf drei Denkmäler mit 
beachtenswertem architekto - 
nischen Schmuck; die Familien 
E. Müller, Linnemann und Hesse 
(1907 und 1909) haben hier 
ihre Ruheplätze. Nicht weit 
davon erheben sich die beiden 
sogenannten Hünengräber. Ihre 
originelle Dekoration bilden zwei 
mächtige Wanderblöcke, welche 
die Namen Bake und Thiem 
zeigen. Wenige Schritte weiter 
gelangt man in die VII. Ab¬ 
teilung, wo sich an einer Stein¬ 
wand eine eherne Engelsfigur 
befindet, Grabmal der Familie 
Bürklin. Dabei, zur II. Abteilung 
gehörig, ist das Denkmal der 
Familien Jaenisch und Offer¬ 
mann vom Jahre 1908, mit 
Urnen, bemerkenswert. In der 
III. Abteilung suchen wir die archi¬ 
tektonisch prachtvollen Grab¬ 
stätten der Familien Meißner 
(1903), Oelßner (1906) und 
Steingräber (1904) auf. In der 
Nähe befindet sich die Gruppe 
der Professorengräber der Uni¬ 
versität. Wir nennen die bekann¬ 
testen Namen: Birch-Hirschfeld 
(1899), Wachsmut (1905), 
Curschmann und Kapellmeister 
Reinecke (1910). Einen grie¬ 
chischen Tempelbau zeigt in 
Abteilung IV die Ruhestätte 
der Familien Herbst-Mechler (1907). In der folgenden Gruppe 
sind die Familiengrabstätten Weyrauch, Teichmann, Lehnert, 
Dietz, Tietzsch, Bernhardt und Dürr zu nennen. Wir fügen 
noch die Gräber von Schelper, Oehlschläger, Schönlank, 
Wittig und Pappritz hinzu. — Seit Bestehen des Friedhofes 
bis 1. Oktober 1911 — also volle 25 Jahre — stellt sich die 
Anzahl der Beerdigungen auf 51100. 

Die baulichen Anlagen zeigen eine mittlere Hauptkapelle 
und zwei Seitenkapellen. Dazwischen liegt die Leichenhalle 
mit Verbindungsgängen. Nach drei Seiten hin sind Gruft¬ 
arkaden vorgelagert, während hinter der großen Kapelle die 
Feuerbestattungsanlage sich befindet. Die Haupthalle der 
Mittelkapelle ist in Basilikastil errichtet. Wir betreten sie 
durch eine Vorhalle und erblicken dem Eingänge gegenüber 
den Altarplatz mit Baldachin, der auf vier Säulen ruht. 



Leipzig: Völkerschlacht-Denkmal 
(äußere Figur am oberen Kuppelbau, 12 Meter hoch) 





464 DEUTSCHLAND 1^^^868686^^8686668666661 Nr.lO 


Darunter steht der Altar mit gfetriebenem Messingkreuze und 
zwei fünfarmigen Leuchtern, lieber den Altarplatz spannt sich 
ein reich bemaltes Kuppelgewölbe. Zu beiden Seiten des Platzes 
liegen die Versammlungsräume für die Leidtragenden, über 
der Vorhalle befindet sich die Orgel mit der Sängerempore, 
die übrigen Emporen sind zu beiden Seiten des ganzen Raumes 
angelegt. Das Mittelschiff ist mit einer sattelförmigen, ge¬ 
malten Holzdecke überdeckt. Gedämpftes, der Stimmung des 
Ganzen entsprechendes Licht fällt durch die buntverglasten 
Fenster. Die Hauptkapelle faßt 800 Personen. Die Seiten¬ 
kapellen sind ähnlich ausgeführt ; die westliche Kapelle dient 
nichtkonfessionellen Totenfeiern. Diese Seitenkapellen haben 
Raum für je 300 Personen. — In den zwei Leichenhallen 
sind je 38 Zellen, wovon je 6 für an ansteckenden Krank¬ 
heiten Verstorbene bestimmt sind. Außerdem sind hier 
noch Aufbewahrungs- und Sezierräume, ein Aerzte- und 
ein Aufseherzimmer, sowie Aborte vorhanden. Die Fenster 
dieser Räumlichkeiten sind mit weißer Kathedralverglasung 
versehen. Die er¬ 
wähnten Gruft- 
arkaden sollen als 
Grüfte zur Bei¬ 
setzung Verstor¬ 
bener für Erdbe¬ 
stattung dienen. 

Die Beleuchtung 
sämtlicher Räume 
findet durch Gas 
statt. DieKapellen 
haben gleichmäßig 
Versenkungs-Ein¬ 
richtungen fürErd- 
und Feuerbestat¬ 
tung. Unter dem 
Hallen-Fußboden 
ist ein 2,70 Meter 
hohes Geschoß 
gelegen, in dem 
an der Decke der 
Mechanismus für 
den Sargeinfüh¬ 
rungswagen ein¬ 
gebaut ist. Süd¬ 
lich, in gleicher 
Bodenhöhe, be - 
findet sich der 
für drei Oefen be¬ 
stimmte Raum. Es 
sind zurzeit nur 
zwei Oefen nach 
System Schneider (Stettin) ausgebaut. Vor den Ofenöffnungen 
in der Einäscherungshalle liegen Gleise, auf denen der Sarg 
in den Verbrennungsraum gleitet. Der Hallenraum trägt acht 
kreisrunde, buntverglaste Oberlichtöffnungen und ist von einem 
Monierkugelgewölbe überspannt. Der Rauchabzug der Oefen 
findet durch zwei 22 Meter hohe Schornsteine statt, die eine 
günstige Lage insofern einnehmen, als sie wenig zur Ansicht 
gelangen. Die hinter der Einäscherungsanlage gelegene fünf¬ 
teilige Urnenhalle enthält eine große Anzahl Nischen und ähnelt 
den Gruftarkaden. — Wie findet eine Einäscherung statt? 
„Nach Beendigung der Feierlichkeiten in einer der Kapellen 
senkt sich auf ein elektrisches Klingelzeichen der vor dem Altar 
ruhende Sarg durch die hydraulische Versenkungseinrichtung 
zunächst langsam bis zu einem Meter unter den Kapellenfu߬ 
boden. Während einer nach Belieben zu bemessenden Ruhe¬ 
pause wird den Hinterbliebenen Gelegenheit gegeben, ähnlich 
wie beim Erdbegräbnis Blumen als letzten Gruß auf den Sarg 
niederlegen zu können. Auf nochmaliges Klingelzeichen senkt 


sich dann das Plateau völlig in das Untergeschoß hinunter, 
während sich gleichzeitig die Oeffnung im Fußboden durch 
einen seitlich heraustretenden, zweiteilig gewölbten Abschlu߬ 
deckel automatisch und völlig geräuschlos schließt. Durch die 
schon erwähnten Verbindungsgänge werden die Särge im 
Untergeschoß mit niedrigen, gummibereiften Wagen nach der 
Feuerbestattungshalle gefahren, wo der Sarg vor dem Ofen auf 
die im Fußboden versenkten Schienen gestellt wird. (S. Bild.) 
Vom Ofenraume aus werden zunächst die Schienen, die auf 
einem im Untergeschoß laufenden Wagengestell ruhen, durch 
eine Hebevorrichtung etwa 5 Zentimeter über den Fußboden 
gehoben und durch eine handbetriebene Zahnkettenkurbel unter 
gleichzeitiger Mitöffnung der doppelten Verschlußiüren in die 
etwa drei Stunden vorher angeheizten Oefen hineingefahren. 
Durch Rückwärtsstellung des Hebels senken sich die Schienen, 
und die Rückwärtsbewegung des Wagens erfolgt unter gleich¬ 
zeitiger Schließung der Ofen- und Kamintüren durch die er¬ 
wähnte Handkurbel"*). — Der Verbrennungsofen wird mit Koks, 

bei einer erst¬ 
maligen Abgabe 
von 6 bis 7 Hekto¬ 
liter , angeheizt. 
DerVerbrennungs- 
raum enthält einen 
muldenförmigen 
Rost, auf den der 
Sarg zu stehen 
kommt. Er wird 
sofort von einer 
Heizluft von lOOO 
bis!200Grad Cel¬ 
sius umspült — 
nicht von derOfen- 
flammel Nach un¬ 
gefähr 10 Minuten 
ist die Sargasche 
verflogen. Die 
Feuchtigkeit des 
Körpers (567o des 
Gewichtes) ver¬ 
wandelt sich in 
Dampf. Man sieht 
die in sich zu¬ 
sammensinkende 
Leiche von glühen¬ 
den Wirbeln um¬ 
hüllt. Sie wird 
immer mehr und 
mehr verzehrt, 
gleich einer wei߬ 
glühenden Masse. Das Skelett tritt deutlich heraus und sinkt 
auf dem Roste immer tiefer. Zuletzt bricht es vollständig 
zusammen und fällt als kalzinierte Knochenreste durch die 
Rostsläbe in den darunterliegenden Aschensammelraum. Hier 
wird die Asche nach ihrer Abkühlung herausgenommen und 
in eine bereitstehende, mit Nummer versehene Blechkapsel 
gefüllt. Die Knochenasche wiegt etwa 2 Kilogramm. — 

Eröffnet wurde das Krematorium am 13. Jan. 1910. Bis 
l.Okt. 1911 fanden 1126 Einäscherungen statt; es wurden im 
Urnenhaine 453 und in der Urnenhalle 35 Urnen beigesetzt**). 
Die Pläne hierzu verfaßte Oberbaurat Scharenberg, der sicK 
durch diese Ausführung die größte Anerkennung erworben. Ihm 
zur Seite standen Architekt Hacker und Baumeister Dechant. 
Die Gesamtkosten der Friedhofsanlage betrugen 1896410 M., 
eingerechnet die Verwallungs- und Gärtnereigebäude. 

*) Verwaltung-sbericht der Stadt Leipzig 1909 u. 1910. S. 36. 

•*) Als erste Leiche wurde om 2. Dezember 1909 eingeäschert 
Fabrikdirektor Georg Wilhelm Max Wölker in Leipzig. 


























Leipzig-: Südfriedhof, Halle vor den Einäscherungsöfen 































466 DEUTSCHLAND Nr.lO 


Der Dhorm des Bischof Dhilo. 

Änne erbauliche Leg-ende von Edwin ßormann, Leipzig. 


Der fromme Bischof Dhilo sitzt, 

Das Haupt gewaldig understitzt, 

Uf seinen Schloß in Merscheborg 
Un blädderfs Galendarjum dorch. 

Denn er philosophirt gerade 
De saegulorum vanidade. 

„Ja jaa, ne nee," spricht er verwundert, 

„Wie schnell verläbbert ,ä Jahrhundert 
Sich in der Zeiden steder Flucht! 

Noch viermal reift der Flaume Frucht, 

Un dann empfiehlt uf ewiglich 
Das fuffzehnde Jahrhundert sich! 

Da pletzlich heert er — dibbel dabbel — 

In Hofe Ferdehufgetrabbel. 

Mit gildner Sporen Klipp un Klapp 
Steigt was von selw'gen Ressern ab, 

Un zwee Minuden speeder druf 
Gommfs tripps un trapps de Trebbe 'ruf. 
Von siewen Reidern änne Schaar 
Stellt sich des Bischofs Blicken dar; 

Ooch greift mit Ehrforcht allsofort 
Der Vornewegigste zun Wort: 

„Wies du villeicht schon sehen wärscht, 

Bin ich, o edler Gärchenfärscht, 

Den du mit Gnaden reich umwobst, 

Der Leipziger Dhomasklosterprobst; 

Un diese Biedermänner hie 
Das sein de Herrn Ganonici. 

Mir awwer gomm' — de merkst's wohl schon ? — 
Als änne Debendazijohn. — 

'S liegt nämlich seid ä Jahrer värzen 
Den Dhomasstift nicht mehr an Herzen, 

Als dasses Buwligum aufs Neie 
Sich änner Dhomasgärche freie. 

Un schonst erhebt, o Bischof Dhilo, 

Der Neibau sich in goth'schen Stilo. 

Schonst ragt wie ä Granitgebärge 
Das Dach der neien Dhomasgärche, 

Un glorreich trotzt den stärksten Storm 
Der liljenschlanke Dhomasdhorm —! 

Der fillt das Herz voll Stols un Freide 
Un lehnt sich linkswärts an's Gebeide. 

Nu awwer fordet de Räsong 
A zweeden Dhorm als Gombagnong, 
Wodadermit der Archedekt 
De nowle Semmeltrie bezweckt. 

Un selw'ger soll, der Gunst zum Frommen, 
Noch diesen Herbst in Ahngriff gommen. 
Doch weil fer Hochamt wie fer Predigt 
Mer zweeer Dhärme nich beneedhigt, 

So machden heit' mir uns beridden. 

Dich gans inständiglichst ze bidden: 

Du wollest uns behilflich sein. 


Sankt Dhomae immer einzeweihn!" 

Da spricht der Bischof: „Mit Vergniegen 
Will eiern Winschen ich geniegen, 

Un zwart an besten ohne Frage 
An des Abostels Namensdage, 

Der, wie ihr selwer gleichfalls wißt, 

Nich allzefern gelegen ist. 

Bis dahin also: au revoir! 

Bringkt meinen Gruß den Kloster dar; 
Emfehlt mich ooch, ich bidde drum. 

Den hohen Rathsgollegium." — 

Mei Bischof awwer machde sich 
In's Galendarjum ännen Strich, 

Ließ seine Goffer revidiren. 

Sei Prachtornat nei baßbeliren. 

Den Bischofshärdenstab laggiren. 

De goldne Eklebasche schmieren — 

Un ännes scheenen Morgens frieh 
Fuhr Johann ihn mit Hoddehieh! 

Un mit bombeesen Saus un Braus 
Zun Merscheborger Saaldhor 'naus. — 

Un ewend macht de zwelfde Stunde 
Uf Leibzigs Dhärmen ihre Runde, 

Da langkt der fromme Goddesmann 
Vor'n stolsen Dhomaskloster an 
Un wärd' bewillgomplemendirt 
Sofort in Speisesaal gefiehrt, 

Allwo zu ännen Festbankedde 
Mer sich bereits versammelt hädde. 

Mit feingewärzter Hiehnerbrieh' 

Nimmt seinen Ahnfangk das Menie. 

Doch um de Herzen ze erfrein. 

Schenkt mer ä Gläschen Meißner ein; 

Un uf 'en hochverehrden Gast 
Erdeent der erschte Trinkdoast. 

Gaum awwer sin verhallt de Worde, 

So bringkt mer änne zweede Sorde. 

Da spricht bedächdig Bischof Dhilo: 

„Fast dinkt es mir beinah zuvielo!" 

Doch weider beit das Festdiner 
Ä wohlgebratnes Rindsfilet. 

Der Bischof kloppt an's Glas, uf's Kloster 
Hält seinen diefgefiehlden Doost er. 

Gaum awwer sin verhallt de Worde, 

So bringkt mer änne dridde Sorde. 
Gopfschiddelnd spricht der Bischof Dhilo: 
„Fast dinkt es mir beinah zuvielo!" 
Alsbald uf blanken Goldgefäße 
Servirt mer Hummermayonnaise; 

Un eener der Ganonigisse 
Läßt rauschen seine Redeflisse. 

Gaum awwer sin verhallt de Worde, 

So bringkt mer änne vierde Sorde. 





Nr.lO DEUTSCHLAND 467 


Doch seifzend spricht der Bischof Dhilo: 
^Fast dinkt es mir beinah zuvielol" 

Un Schissein wechseln ab un Worde, 

Un Sorde wechselt ab mit Sorde . . . 

Doch als mer bein geschmorden Obst, 

Da fiehrt der wackre Dhomasprobst 
Mit stillvergniegden Biedersinn 
Den frommen Gast bei's Fenster hin. 

„Nu, Bischof," spricht er voller Freide, 

„Was sagste fer dies Prachtgebeide? 

Ragt nich wie ä Granitgebärge 
Das Dach der neien Dhomasgärche ? 

Un trotzt nich glorreich jeden Storm 
Der liljenschlanke Dhomasdhorm? 

Der andre, wo der Archedekt 
De Semmeltrie dermit bezweckt. 

Der soll, wie s du bereits vernommen. 

Noch diesen Herbst in Ahngriff gommen." 
„Was, noch ä Dhorm?" ruft Bischof Dhilo. 
„Fast dinkt es mir beinah zuvielo?" 

Heechst kridisch gukt er in de Heehe: 

„Ich sehe doch schonst ihrer zweee?" - 

Un Dags dadruf in friehster Frieh' 
Versammeln de Ganonici 


So stille un so heemelich 

Als wie nur ärgend meeglich sich. 

„Ja", spricht der Probst, ihr werdhen Herren, 
Des Menschen Dheil is stedes ÄrrenI 
So dachden mir seither verblendet. 

Der Gärchbau weer' noch nich vollendet. 

Bis daß uns Dhilo's Mund belehrt, 

Wie mir so forchtbar wahnbedheert. 

Der fromme Mann sahk in de Heehe 
Un sahk de Dhärme alle zweee — 

Un bauden wir noch een' dernewen, 

Mer gennden's niemals uns vergewen. 

Denn geem' der Bischof dann ufs Neie, 

Er spreech': „„Ich sehe ihrer dreiel"" 

Un dreie von denselw'gen Stilo — 

Das weere fakdisch wohl zuvielol" 


Schon trotzt jahrhundertlangen Storm 
Der liljenschlanke Dhomasdhorm. 
Doch schreitet noch ze heit'ger Frist 
Des Wegs daher ä frommer Christ, 
So gukt er gleiwig in de Heehe 
Un spricht: „Ich sehe ihrer zweeeI" 


Turnen und Sport in Leipzig. 

Von Dr. med. Erwin Jaeger, Leipzig. 


Das alte Leipzig scheint wenig bemerkenswertes Interesse 
an der Pflege der Leibesübungen gehabt zu haben. Ein am 
12. Mai 1714, am Geburtstage des Kurfürsten, zum erstenmal, 
und zwar in Apels Garten, und dann jedes Jahr wiederholtes 
Innungsfest, das sogenannte Fischerstechen, zeigt Kämpfe 


von Mann gegen Mann auf dem Wasser. Das Bild, das wir 
von einer solchen Szene bringen, veranschaulicht uns, daß 
wenigstens in gewissen Kreisen Leipzigs auch schon damals 
Sinn für Leibesübungen vorhanden gewesen ist. Da es hierbei 
darauf ankam, den Gegner aus dem Kahn in das Wasser zu 



Fischerstechen in Leipzig um 1717 
















































ery n n st ilc'' bek armi g«rWor^3«.n^^i>' 


ütn durch 


stoßen, sö fahfte di^Lsen U^hungeh allerding s eih derb komischer 
ßei^eschmöck oicht- liöb&rhoupt schnei nt der Leipziger jeiier 

das AVasser entwictkelt 

h öfen f. dwi ti . ^üb 1 r^ich.^ &i Id e?': a tis dei) \^trrg^ augre ty eü J a K 
htmd^rmn aeig:eri’ ^mSjr; !^^ntitnvs der FfiKntng d^s; 

Kahnes damals bereits verbTeitet wSri 

: Gajyi ^t 1 g^ mutet es tirvs ndt:rs ih hi?utigeru 

iufiftcrhdlg:^n eit tih> ^v-eori wir S eseii, IL^eipÄj ^ b'i?re its i m 

J ah r«t ■Vt.ht ■ mphrertm 'Aftfet i e£T^W ^s; hvitt bol t cs, \v i y 

•ihh,■ 1^h«^r*ST ■ A bh il hß'- vf?rehs c !i m t licht ^ r» dih Oeffen.t 1 i ch 
keh/. g-cter^n, 

,)is htifidelt sich; in 
oll <1 l^S dt> Folie n 
um die NJCuedeT"' 
hob ; tl e i z uc rst: 

V Oivdi^h G !e bru 4c ph 
M ofi t g 0 \i\ erb d. 

17ti 3 e rloi g: r e^b 
d irr ch ge fh f i r t ert 
Vefsuidis^ efoeh 
mU; hclScr Lütt 
f'ül \ Left Bai 1 i n B i e 
Luit itu 

ist für uh.s gewiß 
sehr iiaeressanf> 


seme 

pf. Schr^^bfirr, für die Tumsoche; imd für die Gründ^^og ,deS; 
^;. Al l gfi m ei nen Tu rn vftrßKis'^; ^m J ah re 1845 zu gfe wimiön^ 
ÖieBerA^ereirt hat m der Foig-eizeit eirie segervsrctch«^ Tilllglbeijt 
cotfVilEet zür4i^ Nützen dcF eig^aneo Stadt und nicht ium 
dcstcn ^^rich zum Ntiftcti de.v. ganzen Vaterlandes, ihm SÄt^S^ 
£u dartk-en*, vlis weitsch^i^^^f'de Lehrerschaft Leipzigs^ die 
so h OPrXß 4^L.dh5 Eit^ f ü h ru n g des Schul turnt rn terrii:h Is a n^es tröbt : 
hüfte; ihren dtitchfuhtei’i ihmi, daß aus seineo 

Fethiifn die’ Manrt^^r erstaaderiT. die. 


mit d*^t\ nötigen himeri"^ 

^Jüben Fähigkeiteo 

e'ijtsg e sts ttet un4 
der ßegeistentng' 
für 4fs sch^e 
Sfiche eidiilltt hit^ 
aus^gen: in Stötl^ 
tjitd Land, um 
Tum^StüPcion 
g'ebeti .und ■ ■ 

ölle'tid?:!tfen 


4 -4 V.. 


Pi >U.W 1 i'r-M^^ 




durch 

4 r & t u msa cb ^ i\it 
yerbr^üen. 

Adcb :4h4<n'cl>: 
tristteipz% in 
Votde^rgrunfL daS 
hier din >peuts^he' 
Tum zeit ort m4 

ihm Votr«^ibgeHn; 
et srhmriit; M ‘ 
JätfectlicT &Äßi?ri 

Äum groiäen 
Tcillh das-: 

aikht - .:niif:'. .4:Ujt;ic|t^; 
• die .Btgichpyt 
widtdiber deutse: jh%. 
□otien hmaus euÄ'^ 
g ebr ei t e ten H o n ^ 
d f m si :e so nde ne 
fjuroh seinen inteF"^ 

(t li! i om ül DO . Suchd 
luiAd^l. sbndc^m 
büch durch soin^ 
bi^deü lende 
vcr^itai schon dö"t 
mals eine BavoIk^ 
besalJ, demn 
S^h^^ keinen 
herzigen . ‘Krätzier*^- 
gef^t, dnuemd 
fjchibt auf Sonder^ 
.bii^re an ,:■ kannte^'- 
SOiVmlurn mit \’'ür^ 
liebe Ideen; 
f0 lg te. tv el che 4i ö 
F- rr^l c huug .gro ß *- 

er^ie tulifeilÄ Iii suni 

.■•■:• ■,. m ■ def^ 

di> b / T oirnv meintu L.ci p iig s ■ k^irV tnan noch h eiitOf Fieobachhtng^ 

Vt>.n ■;.' ibrirhcn,. ;4jprß :]Hrf'' '.Mb^hjy.dt?r^ um Arbelicvkr^^^-^’^- 

■ VcT^HOb ;-\t4uen., fetrjatkoÄt^'wyttcn. BOdung be&>i;?eri> 

^ Iwd ch.üb ‘ ' AJfet d ät Agf ■ sitrtk ktdlA \ li 4 fr l.V ei n g ß e r Te i I i m Hu c-ty 

ses- .iyc schüft i-gi .i^Ä - t:.nft d^iyich.tbn geh oben Wird.: ;Offefyb«.r 

^lang : tWiri h öbei^ erri i wl t rüsÄe ^tuc b >^ch ü n i n j ob er 7. ei t, von 4^ ^ w 1K ■ 

re-n Meiistvbcn viKhvri =5t»fffCihi^av, bj^stUTiipb hus^Tpubl 

ItitupK nt\ dt’ir bei t4b. f AijtAahn den harvon'OigeiWh*ri Führern 

r wirk t'q 7 e ln e d A 3 htau ibhW^'^LT.^f4 v'^ b?^fb? Crlb e> l' o w i es m h n 4 och oiTe ot n p.'. 

d or ' m l e r a * n - h ot i e (t 4 e f f mf b t 4 ^ ^ : bi ue bc ^ond ^ ■ Atbl^ijai S<>: 






äSS*!'t. 

















Nr.lO DEUTSCHLAND 459 


war denn Leipzig- der ohne weiteres g-egebene Ort für das im 
Jahre 1863 abzuhaltende 3. Deutsche Turnfest. Begeistert 
wurde dieser Gedanke in Leipzigs Bürgerschaft aufgenommen; 
infolge dieser Begeisterung wurden die dadurch notwendig 
gewordenen Opfer, um das Fest in jeder Weise glänzend 
durchzuführen, gern aufgebracht. Die gleiche Begeisterung 
fand der Gedanke aber auch bei allen deutschen Männern 
in allen deutschen Ländern. Die Zustimmung kam durch 
den glänzenden Besuch, den das Fest erlebte, am sinn¬ 
fälligsten zum Ausdruck. Alte Skizzen aus dem Straßen¬ 
leben Leipzigs zur Zeit des Festes führen uns wohl am besten 
vor Augen, welchen Widerhall in den Herzen deutscher 
Männer aller Stände dieses Turnfest gefunden hatte. Das 
national fühlende deutsche Bürgertum hat in der Festrede 
des berühmten Geschichtsforschers Treitschke auf jenem 
Fest eine jedenfalls bis dahin noch nicht erlebte Verherr¬ 
lichung seiner Bestrebungen gefunden. Und daß die festliche 
Stimmung nicht etwa ein flüchtiger Rausch war, haben die 
Leipziger am besten dadurch bewiesen, daß sie auch in der 
Folgezeit immer an erster Stelle gestanden haben, wo es 
galt, der körperlichen Erziehung unseres Volkes zu dienen, 
Leipzig steht noch heute mit der größten Prozentzahl von 
Turnern, die einer großen Zahl von inzwischen gegründeten 
Vereinen angehören, immer mit an erster Stelle unter den 


Mitteldeutschlands und auch Sachsens weit vorausgeeilt. 
Doch der im Rennsport hochangesehene Klub hat auch 
während seiner ruhmvollen Vergangenheit eine führende Rolle 



Sedanturnen 1911 der Turnvereine und Schulen Leipzigs 



Concours hippique auf dem Innenraum der Radrennbahn des Sportplatzes 


im Rennsport gespielt, zu der ihn 
das opferungsfreudige Eintreten seiner 
Mitglieder für die Hebung des Renn¬ 
sportes befähigt hat. 

Doch wir müssen nunmehr wieder 
bis zum Beginn der 80er Jahre des ver¬ 
gangenen Jahrhunderts zurückkehren, 
um zeigen zu können, daß auch andere 
Gebiete des Sportes in Leipzig ihre 
Pflegstätte gefunden haben. Wir kehren 
damit in eine Periode zurück, die da¬ 
durch gekennzeichnet ist, daß sich die 
günstigen Nachwirkungen des Deutsch- 
Französischen Krieges durch eine Zu¬ 
nahme des Wohlstandes im Verein mit 
einer gesteigerten Arbeitsintensität be¬ 
merkbar machen. Das hat offenbar in 
erster Linie die Jugend Leipzigs beein¬ 
flußt und sie veranlaßt, sich nach ge¬ 
eigneter und besserer Erholung, als 
man bisher gewohnt war, umzusehen. 
Daß die kaufmännische und nicht die 
akademische Jugend auf diesem Wege 


deutschen Städten. Wenn im Jahre 1913 in Leipzig das 
nächste Deutsche Turnfest gefeiert wird, so ist das daher 
nicht nur ein Gedenktag, der berechtigterweise an die Fest¬ 
tage des vor 50 Jahren in den Mauern unserer Stadt statt¬ 
gefundenen Deutschen Turnfestes erinnern soll, sondern auch 
eine wohlverdiente Anerkennung der selbstlosen Arbeit, die 
Leipziger Bürger in der verflossenen Zeit für das Gedeihen 
der deutschen Turnsache geleistet haben. Die Vorbereitungen 
für das Fest, das durch den Hinblick auf die Jahrhundert¬ 
feier der Völkerschlacht bei Leipzig noch eine besondere 
Weihe erhalten wird, sind bereits in vollem Gang und werden 
All-Deutschland zeigen, daß Leipzig auch heute noch einer 
so wichtigen Volkssache, wie es das Turnen ist, das nötige 
Interesse und Verständnis in reichstem Maße entgegenbringt. 

Auch auf dem Gebiete des Sportes hat die Pleißenstadt 
Vorzügliches geleistet. Der Leipziger Rennklub darf im 
Jahre der Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig 
sein 50jähriges Bestehen feiern. Nur wenig deutsche Klubs 
sind älter als er, der im Jahre 1863 gegründet worden ist. 
Mit dieser Gründung ist Leipzig allen anderen Städten 



Turner, Mädchenabteilung 




470 DEUTSCHLAND Nr.IO 


bahnbrechend vorgegangfen ist, darf man wohl neben dem 
Umstand, daß dem Leben der ersteren außerhalb des Be¬ 
rufs nicht in dem gleichen Maße wie dem der letzteren 
durch die historische Entwickelung bedingte Bahnen gewiesen 
sind, der Anregung zuschreiben, welche die kaufmännische 
Welt Leipzigs von 
jeher durch ihre 
regen Beziehungen 
zum Ausland von 
diesem erhalten 
hat. Tatsächlich 
wurde auch die 
weitere Entwicke¬ 
lung des Sportes in 
Leipzig zunächst 
nahezu allein von 
jungen Kauf leuten 
geleitet. 

Es war der Rad¬ 
fahrsport, dessen 
man sich zuerst an¬ 
nahm. Am 24. Juni 
1881 wurde der 
„Leipziger Bicycle* 
klub'^ gegründet, 
der erste sächsi¬ 
sche und einer der 
ältesten Radfahr¬ 
vereine Deutsch¬ 
lands. Ein ganzes 
Jahrzehnt hat das Hochrad seine Mitglieder hinaus in die 
Natur geführt, sie den Unterschied zwischen der Großstadt 
mit ihren Siraßenzügen, deren hohe Häuser Licht und Luft 
mindern, und der ländlichen Natur, die dem Radfahrer 
reiche Abwechslung an Wald, Wiese und Feld bringt, 
kennen lernen lassen. Ihre Begeisterung für das neue Fortbe¬ 
wegungsmittel hat 
ihm in und außer¬ 
halb Leipzigs viel 
neue Freunde ge¬ 
worben, so daß 
allerorten ähnliche 
Klubs entstanden, 
bis schließlich An¬ 
fang derQOer Jahre 
mit dem Einzug 
des Niederrades 
das Rad Allgemein 
gut wurde. Bereits 
im Jahre 1884, und 
zwar bezeichnen¬ 
derweise in Leip- 
zig,wurdederDeut- 
sche Radfahrer¬ 
bund gegründet, 
der damals Bahn- 
und Straßensport 
pflegte. Noch vor¬ 
her hatte der Leip- 
ziger„Bicycleklub" 
schon die Pflege 
von Bahnrennen 
begonnen und hatte im Jahre 1882 auf der Bahn des 
Zoologischen Gartens und im Jahre 1884 in der Moritz¬ 
burg Rennen ausgefahren. Im Jahre 1891 wurde wiederum 
auf Anregung der Mitglieder des genannten Klubs der 
„Verein Sportplatz Leipzig" in der Absicht gegründet, 
den Bau einer Zement-Radrennbahn zu ermöglichen. Tat¬ 


sächlich wurde die Bahn auch schon in dem genannten 
Jahre erbaut und noch im Herbst durch ein Rennen ein¬ 
geweiht. Die Bahn mit ihren Kabinen in der heutigen Aus¬ 
gestaltung gehört zu den besten der Welt. Damit hatte 
Leipzig auf dem Gebiete des Sportes einen gewaltigen Schritt 

vorwärts getan, 
denn der neuge¬ 
gründete Verein, 
dem der Rat der 
Stadt Leipzig in 
Anerkennung der 
großen Bedeutung 
der Pflege des 
Sportes für die Be¬ 
wohner der Stadt 
große Ländereien 
zur Anlage von 
Spielplätzen neben 
der Rennbahn in 
entgegenkommen¬ 
der Weise zur 
Verfügung stellte, 
sollte in der Zu¬ 
kunft eine Bedeu¬ 
tung für den Sport 
bekommen, welche 
weit über Leipzigs 
Mauern hinaus- 
ging. — Da ist zu¬ 
nächst der ruhm¬ 
vollen Mitarbeit Leipzigs an der Verbreitung des Rasen¬ 
sportes, besonders des Fußballspiels, zu gedenken. Be¬ 
reits im Jahre 1888 wurde im „Allgemeinen Turnverein'^ 
eine Spielvereinigung gegründet, die in so großzügiger 
Weise geleitet wurde, daß sie sehr bald nach außen hin 
durch ihre Spieltüchtigkeit zu hohem Ansehen gelangte. 

Während die ge¬ 
nannte Spielver¬ 
einigung später 
ihre Bedeutung ein¬ 
gebüßt hat, haben 
andere Leipziger 
Klubs, deren Grün¬ 
dung mit dem 
Jahre 1893 ein¬ 
setzt, und unter 
denen der Fu߬ 
ballklub „Wacker" 
mit eigenemSport- 
park,der„Leipziger 
Ballspielklub" und 
der „Verein für 
Bewegungsspiele", 
die letzten beiden 
auf dem Gelände 
des „Verein Sport¬ 
platz" ansässig-, 
den Ruhm von 
Leipzigs Fußball¬ 
spielen bis auf den 
heutigen Tag in 
glänzender Weise 
aufrecht erhalten. Die Deutsche Fußballmeisterschaft des 
„Deutschen Fußballbundes", der im Jahre 1900 in Leipzig¬ 
gegründet wurde, ist noch von keiner Stadt so oft gewonnen 
worden, als von der unseren. 

Allüberall sind vorzügliche Spielplatzanlagen entstanden; 
Leipzig dürfte aber der Zahl und der Güte nach auch heute 




Leipzig: Sportplatz, vom Ballon aus aufgenommen 







Nr.io DEUTSCHLAND 471 


noch obenan stehen. Der „Verein Sportplatz Leipzig“" hat mit 
seinen 11 Fußball- und Hockeyplätzen und seinen 37 Tennis¬ 
plätzen eine Anlag-e ohneg-leichen g-eschaffen. Unser Bild, 
das vom Luftballon aufg'enommen ist und damit zeigt, daß 
auch dieser Sportzweig auf dem genannten Gelände seine 
Pflege gefunden hat, zeigt 
einen Teil der ausge¬ 
dehnten Anlage. 

Wie schon der Name 
desVereinsfürBewegungS’ 
spiele und wie die oben 
gegebene Uebersicht über 
die Sportplatzanlage sagt, 
ist die Pflege des Rasen¬ 
sportes keineswegs au das 
Fußballspiel beschränkt. 

Schlagball und Faustball, 

Landhockey und Tennis 
werden eifrig betrieben. 

Seit geraumer Zeit be¬ 
teiligen sich auch die 
Studenten an diesen neuen 
Formen von Leibesübun¬ 
gen. Die Universität hat 
daher seit dem Jahre 1894 
auf dem Gelände des 
„Vereins Sportplatz" einen Universitätspielplatz unterhalten, 
der sich in den letzten Jahren recht reger Benutzung erfreut hat. 

Auch die Leichtathletik wird in den Spielvereinen seit 
etwa einem Jahrzehnt eifrig gepflegt. Die Pause, die be¬ 
sonders das Fußballspiel infolge der Hitze während des 
Sommers verlangt, wird durch die Hebungen dieses Sport¬ 
zweiges in sehr geeigneter Weise ausgefüllt. Die hierzu 
nötigen Anlagen sind wiederum in mustergültiger Weise auf 
dem Sportplatz vorhanden; insbesondere ist die dort an¬ 
gelegte Lautbahn, die sich innerhalb des Zementes der Rad¬ 
rennbahn befindet, eine so vorzügliche Anlage, daß sich der 
Laufsport infolgedessen in Leipzig erfolgreicher Pflege erfreut. 

Für das Tennisspielen 
sind in Leipzig außer der 
Sportplatz-Anlage noch 
eine Anzahl anderer vor¬ 
handen. Besondere Her¬ 
vorhebung verdient die 
eigene Anlage des seit 
TO Jahren bestehenden 
„Leipziger Sportklubs'", 
die wir im Bilde bringen. 

Dieser Klub hat wie kein 
anderer in den letzten 
Jahren Leipzigs Sportleute 
in ganz Deutschland und 
auch im Ausland bekannt 
gemacht. Zu seinen Mit¬ 
gliedern gehören Tennis- 
und Hockeyspieler von 
allererstem Rang. Seine 
Eishockeymannschaft ist 
bisher überhaupt noch 
nicht von einer kontinen¬ 
talen Mannschaft geschlagen worden. Selbst in einem Lande 
wie Norwegen, das in bezug auf Eisverhältnisse so sehr 
begünstigt ist, hat unsere Leipziger Mannschaft nur Siege 
gefeiert. Die in jedem Jahre abgehaltenen Tennistourniere 
des Klubs weisen seit Jahren eine hervorragende Be¬ 


setzung auf. Auch das Landhockeyspiel gehört zu den 
Hebungen des Klubs, die er auf einem Platze des „Vereins 
Sportplatz" abhält. 

Es ist noch hinzuzufügen, daß auch alle anderen Arten 
des Sportes ihre Pflege in Leipzig finden, so der Auto¬ 
mobilismus, dessen eifrige 
Förderung sich der seit 
TT Jahren bestehendeLeip- 
ziger Automobilklub an¬ 
gelegen sein läßt; ferner 
der Luftsport, der in dem 
Leipziger Luftschifferver¬ 
ein einen würdigen Ver¬ 
treter gefunden hat. Auch 
die Ruderklubs, die trotz 
der wenig günstigen 
Wasserverhältnisse Leip¬ 
zigs viel vorzügliche Er¬ 
folge auf Ruderregatten 
errungen haben und bessei 
gedeihen, als manchei 
Fremde glauben mag 
— als Beweis hierfür mag 
das mit künstlerischem 
Geschmack gebaute Klub¬ 
haus des Ruderklubs 
„Sturmvogel" in Leipzig dienen — erfreuen sich großen 
Ansehens in der übrigen Sportwelt. 

Wie das Bild von der Eisbahn auf der Pleiße zeigt, ist 
Leipzig bei günstiger Witterung im Winter nicht nur auf 
Spritz-Eisbahnen und Teiche angewiesen, sondern hat auch 
auf dieser Flußeisbahn eine überaus reizvolle Gelegenheit zur 
Ausübung des Schlittschuhlaufens. Auch anderen Gebieten des 
Wintersportes haben sich die Leipziger mit Erfolg zugewendet. 
Seit Jahren ist der „Leipziger Sportklub" in Oberhof i. Thür, 
durch eine Bobmannschaft vertreten, in Oberwiesenthal im 
Erzgebirge hat sich der „Leipziger Ski-Klub" ein eigenes Klub¬ 
heim, 1000 Meter hoch, am Waldausgang des Fichtelbergs' 

erworben, das Dampf¬ 
heizung und eine behag¬ 
liche Inneneinrichtung zur 
Wohnung für 24 Gäste 
aufweist, und die Ski-Ab¬ 
teilung des„Akademischen 
Sportklubs Leipzig" hat 
sich soeben ein Blockhaus 
norwegischer Art oberhalb 
Johanngeorgenstadt im 
Erzgebirge erbaut. 

Bei dem knappen Raum, 
der zur Behandlung des 
gestellten Themas zur 
Verfügung stand, mag die 
gegebene kurze Skizze ge¬ 
nügen. Sie mag beweisen, 
daß Leipzigs Bürgerschaft 
tatsächlich seit Jahrzehn¬ 
ten Sinn für die Pflege 
aller Arten von Leibes¬ 
übungen gehabt hat. Ihre 
Jungmannschaft wächst daher auch immer wieder mit 
Dankbarkeit für das ihr Gebotene und mit dem Streben 
heran, auch ihrerseits auf diesem Gebiete Ersprießliches 
zu leisten. Daher sind die Leistungen Leipzigs auf dem 
Gebiete des Turnens und des Sportes besonders vorzüglich. 




Leipzig: Eisbahn auf der Pleiße 


o: 


M 























472 DEUTSCHLAND g^^88Q ^»8eee€^^ ^8eee e eegB Nr.io 


Rheinweinzauber 


Goldener Sommersonnenschein, 

Duftiger Zauber vom lachenden Rhein, 
Raunen und Rauschen vom flutenden Strom, 
Glockengeläute vom ragenden Dom, 
Nixenlächeln, Vagantensang, 

Sensendengeln und Waldhornklang, 


Seliger Winzerinnen Mut, 

Kosen und Küssen in heimlicher Glut, 
Dichterträume von Glück und Ruhm, 
Ritterlich Werben um Heldentum — 

Alles schlummert in diesem Wein, 

Trinke, so wird dir's lebendig sein! 

Atz vom Rhyn. 


Oppenheims Weinbau und seine Erzeugnisse. 

Von Dr. Kissel, Oppenheim. 



Ein von Fremden viel besuchtes Städtchen am 
Mittelrhein und in dem rheinhessischen Weinlande ist 
die in Sage und Geschichte wohlbekannte, ehemalige 
Reichs- und nunmehrige Kreisstadt Oppenheim. Mit 
einer Einwohnerzahl von ungefähr 4000 Seelen ist sie 
die kleinste der fünf 
Kreisstädte in der Pro- 7 " 
vinzRheinhessen. Doch 
um so größer ist sie 
dafür an bezaubernder 
Pracht für den fremden 
Besucher. Einen male¬ 
rischen Anblick bietet 
sie besonders für die 
Reisenden, welche mit 
der Eisenbahn oder zu 
Schiff aus der alten 
NibelungenstadtWorms 
kommend sich ihr 
nähern. Anmutig wirkt 
dann nicht nur ihre 
schöne und idyllische 
Lage, sondern auch die 
sie umrahmenden aus¬ 
gedehnten und planvoll 
angelegtenRebkulturen, 
aus denen unter so 
vieler Mühe und Arbeit 
der von den Dichtern 
aller Zeiten besungene 
edele Rebensaft ge¬ 
wonnen wird. 

Oppenheim, ein 
Glanzpunkt und Muster 
rheinhessischen Wein¬ 
baues, liegt angelehnt 
an den östlichen Ab¬ 
hang eines von Norden 
nach Süden ziehenden, 
sanft ansteigenden Reb- Oppenheim a. Rh.: St. Katharinenkirche (Nordostseite) 

hügels. Auf halber Höhe ragt inmitten der Stadt der 
herrliche Bau der Katharinenkirche, eines der schönsten 
Baudenkmäler gotischer Baukunst, majestätisch hervor, 
lieber ihr erblickt man die noch dürftig vorhandenen 
Ueberreste der einstmaligen stolzen Reichsburg, die 


Ruine Landskrone, deren Besuch dem Wanderer durch 
das sich ihm von dort aus bietende, bezaubernde 
Landschaftsbild reichlich verlohnt wird. 

Zu seinen Füßen erschaut er von da das liebliche 
Städtchen in seiner ganzen Größe, vorgelagert den 

sanft ansteigenden Reb- 
■ anlagen, deren köst¬ 

licher Duft zur Zeit der 
Rebenblüte ihm bereits 
einen Vorgeschmack 
des hier erzielbaren 
edelen Produktes zu 
geben vermag. Ihnen 
schließen sich in der 
Niederung Weingärten 
sowie Obst- und Ge¬ 
müse-Pflanzungen an. 
Auch einige dem Acker¬ 
bau dienende Flächen 
leuchten aus der Ferne 
dem Beschauer ent¬ 
gegen ; doch erblickt 
man diese meist nur da, 
wo, wie in der Ebene, 
die Rebe keinen gün¬ 
stigen Boden findet, oder 
im Wechsel mit ihr Feld¬ 
früchte verschiedener 
Art Aufnahme gefun¬ 
den haben, um nach 
einigen Jahren dem alt¬ 
eingesessenen Wein¬ 
stock dort wieder für 
ein Menschenalter Platz 
zu machen. Jenseits des 
wie ein breites Silber¬ 
band dahinfließenden 
stolzen Rheinstromes 
dehnt sich eine weite, 
fruchtbare Ebene (das 
hessische Ried) aus, aus der in saftiges Grün ein¬ 
gebettete Dörfer und Städte hervorleuchten bis dahin, 
wo im Osten die Gipfel des Odenwaldes und im Norden 
die waldigen Berge des Taunus dem bewundernden 
Menschenauge ein Ziel setzen. Das herrliche Natur- 














Nr. 10 DEUTSCHLAND 473 


Panorama erhält nach Süden zu einen würdigen Ab¬ 
schluß durch das alte Worms, kenntlich an seinem 
deutlich sichtbaren, gewaltigen Dom, dem bekannten 
Bauwerk echt romanischen Stiles und bekannt als der 
Nibelungen Wohnsitz, die hier bereits der heimischen 
Rebe Blut zu schätzen wußten. 

Schon die natürlichen Verhältnisse bringen es mit 
sich, daß der Weinbau und mit ihm der Weinhandel von 
jeher eine Haupterwerbsquelle der Bevölkerung Oppen¬ 
heims gewesen ist. 

Wann die ersten 
Reben auf Oppen¬ 
heims Bergen ge¬ 
pflanzt wurden, ist 
geschichtlich nicht 
festzustellen. Aber 
aus den ältesten auf 
uns überkommenen 
Urkunden geht her¬ 
vor, daß neben 
dem Ackerbau auch 
derWeinbau bereits 
frühzeitig in Oppen¬ 
heim ansässig war. 

Denn im Jahre 764 
erhält das neuge¬ 
gründete Kloster 
Lorsch einen Wein¬ 
berg in der Gemar¬ 
kung Oppenheim 
von Kaiser Karl 
dem Großen zum 
Geschenk. Neben 
dem Kloster Lorsch 
war es auch das 
Zisterzienser kloster 
Eberbach im Rhein¬ 
gau, das im nahen 
Dienheim und auch 
inOppenheimschon 
in früher Zeit Wein¬ 
berge besaß. Nach 
einer Urkunde aus 
dem Jahre 1243 
schenkten Reinher 
von Goddelau und 
seine Gattin ihm 
einen Weinberg im 
Kredinburne, heute 
„Kröten - Brunnen", 
einer der besten 
Lagen; am „Kreuz" 
steht ein Kruzifix, 
das uns noch an die Erbacher Mönche erinnert. Auch 
die kurmainzischen Stifte pflegten eifrig die Rebkultur 
auf Oppenheimer Boden. Nicht nur im Frieden der 
Klostermauern und unter der Obhut geistlicher Patronate 
fand so der Weinbau in Oppenheim schon in frühen 
Zeiten eine ausgezeichnete Pflegestätte, auch der Adel 
und die Ritterschaft haben nach urkundlichen Ueber- 
lieferungen dem edlen Weinstock ihre besondere 
Sorgfalt gewidmet und die Bürgerlichen zum Weinbau 


und Weinhandel angespornt. So kam es denn auch, 
daß bis auf den heutigen Tag das gesamte Erwerbs¬ 
leben der Einwohnerschaft Oppenheims diesen Geschäfts¬ 
zweigen gewidmet ist und das Weinbergareal im Laufe 
der Zeit eine große Ausdehnung angenommen hat. 

Heute umfaßt die Gesamtweinbaufläche Oppenheims 
ungefähr 210 Hektar. Rechnet man hierzu noch die 
295 Hektar im benachbarten Dienheim, das weinbaulich 
zu Oppenheim gehört, da die meisten Oppenheimer Wein¬ 
güter nach Dien¬ 
heim übergreifen, 
so findet man hier 
die gewaltige Reb- 
fläche von rund 
500 Hektare2000 
hessischen Morgen 
vereinigt, die zweit¬ 
größte ganz Rhein¬ 
hessens; zum weit¬ 
aus größten Teil 
befinden sich die 
Güter im Privatbe¬ 
sitz, nur ein Areal 
von etwa 50 Mor¬ 
gen ist hessisches 
Domäneneigentum. 

Bedingt wird das 
zähe Festhalten am 
Altererbten ganz 
wesentlich durch die 
für das Gedeihen 
des Weinstockes so 
günstigen klimati¬ 
schen und Boden¬ 
verhältnisse. Das 
Klima Oppenheims 
ist charakterisiert 
durch reichlichen 
Sonnenschein, ver¬ 
hältnismäßig große 
Wärme und mäßige 
Feuchtigkeit, wie 
die meteorologi¬ 
schen Beobachtun¬ 
gen deutlich be¬ 
weisen. Danach be¬ 
trug z. B. im Mittel 
der Jahre 1901 bis 
1908 die Zahl der 
Sonnenscheinstun - 
den für den Monat 
Juli 232, für den 
August 210 und für 
den September noch 140, obgleich der sonnenschein¬ 
arme Monat September 1905 nur 77 Stunden zu ver¬ 
zeichnen hatte. Mit dieser größten Sonnenschein¬ 
dauer stehen die geringere Bewölkung und die nicht 
allzu erheblichen Niederschlagsmengen in Einklang. Dem 
Klima Oppenheims ist also warmer Sommer mit viel 
Sonnenschein eigentümlich und damit sind klimatisch 
die vorzüglichsten Bedingungen für das Ausreifen der 
Trauben gegeben. Ein interessantes Streiflicht fällt 


1 



Oppenheim a. Rh.: Garten an der Fischerbrücke (Hohe Erziehungsart) 



Oppenheim a. Rh.: Weinlese im Oppenheimer Berg 





474 DEUTSCHLAND Hr.lO 


öijfth (iitji Cere.thierjkailt treten uns häufig an Profi len. sehf 
sdvoti en \ g^ger^:> r C ytenenrnerg eI geht ä em Äbhang 
übef vDjöT^^ bi;? Oppenheim über lag ausr auch auf 
ilcim PlfUebu ^3ber der Stadt ist er aufgetttrhto^seh. Oie’ 
C ^rethi h kß 1 k e tit n d i n besä n d er s t iefen Bän ken süd* 
östiioK:;yTder der lÄdsskrone sichlbar Vnr; d^ui Berg-: 
mride lEig6tt stark v^erumeluigter Leb bald armer^:; 

Mid:: dhi^ an K ti]k öioh j;rw eisi. ßr set^t sich ö^ 9>' 
deh Mb ’£i 1 $ atri ym^i d i c ob dirn A b ha n g e d orthlbr 

ge sc h wemnd ^wivrd^bv:-^ 

Gern ä i3 'sei fvei: geol ögi^tih^n Entstehung$weise ifet 
der \V*euibergbüden an verschiedenen. SteUeh der 
Geniarkung sehr v/echselnd. Vorwiegend bestehi er 
Lei ten, ö n njj^hte ri Ste ll e n m;jt Mergo! yer-: 
.turschLletzterer leider mitunter schon in rnäßtger 


und:. Datdihöns; — In der arrgFerL^-^ndöh 
pieh hö i iTi .können die Lagen G ü Id e A tiiö rgen; Tu fe i st ein 
Und Hhre-riht^eli diesen last ebenbüriig sn diS^ste gcv 
siel 1 1 weni eh ^ Neb&n 'X'eähbbrgt^kön^f^Sexen, in w^eflchi^h 
die feinsten. Möfk&ti wachsen, e.^istkren noch eine 
Re^ih^ Lögen^ uAt^r:; der Cnmst des Klirnaä; Chatn 
gäh i he r vo irr d geh de h,: Mi.dff i W ei i \ h rv o r hr i )> g en > w j h 
thngweg, Ftilk^hbhVgv-'^^^M^^ RoßWie^ey: KhndeUv<%^ 
C^üihpen und die OaHi^btägen In der Bbene; 

; ;• öbpl Ogisd h. be.it eht d.er g*;ö ü te Te iV de s L^pp &n? 
heiiner Wemberg^ge|#hdcs ans ergehn hnd Bhlk^n 
T.f^rtibrlornndn.:' ■ .’■ vpf^dtgerifh .ddh;■ 

■Aiac-h. ,•■" Sud^V. ■'. ...ii'ehe'ndeh ■ Kebhugel.. ■.xusamrnprv > ■' .■w.b.b'^V' 
sölierdmgs die Srhichteh nur ^uni. T^ll Ubet Tjag 
gehen/ v^tü^rehd ^.ie drfriuh .die ;Adf- deiri F^hdiitiid 

und auch öu den H^ingeh recht-mfir:küg werdende Löß'^ 
decke vefhidlt werüenr- Sowohl der Cytb^'GntaeF^ei aU: 











Nr.lO DEUTSCHLAND 475 


Die daraus gewonnenen Weine zeichnen sich durch ihre 
Reife, Milde, Reingärigkeit und langjährige Frische 
besonders vorteilhaft aus. Der Oesterreicher überwiegt 
daher mit etwa 607o Anbaufläche bedeutend gegenüber 
der edlen, feinen und aromatischen Rieslingstraube, die 
nur zu etwa 307o vertreten ist. Da der Riesling erst 
später zur Reife kommt, so bedarf er eines besonders 
günstigen Nach-Sommers. Auf Gleichmäßigkeit des 
Ertrages ist bei ihm weniger zu rechnen, aber die Vor¬ 
teile, die schon die mittelmäßigen und ganz besonders 
die guten Jahrgänge bringen, sind hoch geschätzt, liefert 
er doch so manche rheinische Hochgewächse, deren 
Eigenart, Rasse, Aroma und Bukett weltbekannt sind. 
Wenn man diese Sorte deshalb häufiger auch in reinem 


Satze vorfindet, so wird doch vielfach dem gemischten, 
aus Oesterreicher und Riesling bestehenden Satz in den 
meisten Weingütern der Vorzug gegeben, da sich beide 
in ihren Eigenschaften recht gut zu ergänzen vermögen. 

Während die Berglagen fast ausschließlich mit den 
genannten Sorten bestockt sind, trifft man in der 
Ebene in den sogenannten „Gärten" vorwiegend den 
Ruländer und Burgunder an. Bei der großen Frost¬ 
empfindlichkeit dieser Lagen eignen sich diese Sorten 
speziell hier zum Anbau, da man ihnen infolge ihrer 
Wüchsigkeit einen längeren Schnitt zuteil werden 
lassen und durch die Garten-, Lauben- oder Arkaden¬ 
erziehung die Tragruten über die Frostzone bringen 
kann. Die aus ihnen gewonnenen Weine gehören zu 
den Oppenheimer Mittelgewächsen und sind mehr zu 
Verschnittweinen geeignet. 

Von den früher allein gekannten Pfahlweinbergen, 
wo jeder Rebe zur Unterstützung ein oder zwei Pfähle 


beigegeben waren, sind nur noch ganz wenige übrig¬ 
geblieben. Zum großen Teil mußten sie den Draht¬ 
planken weichen, deren weniger kostspielige Unter¬ 
haltung und deren Vorteilhaftigkeit bei der Rebkultur 
und Schädlingsbekämpfung schon früh ihnen Eingang 
und rasche Ausdehnung zu verschaffen vermochte. 

Die Kultur der Rebe wird nach jeder Richtung hin 
intensiv und mustergültig betrieben, was nicht zum 
wenigsten auch auf die bisherige segensreiche Wirksam¬ 
keit der hiesigen Großherzogi. Wein- und Obstbauschule 
zurückzuführen ist. Der fleißige Winzer läßt durch ver¬ 
ständigen Bau und guten Schnitt der Rebe alle Sorgfalt 
angedeihen, während die Besitzer selbst bemüht sind, alle 
wissenschaftlichen Errungenschaften in der Praxis aus¬ 
zuprobieren und 
durch eine regel¬ 
mäßige Düngung 
und energische 
Schädlings- 
Bekämpfung das 
ihrige zum guten 
Gelingen beizu¬ 
tragen. 

Eine besonders 
große Sorgfalt 
beobachtet man 
auch beim Herbst¬ 
geschäft, dem 
Schlußstein der 
ganzen Jahres¬ 
arbeit in den Wein¬ 
bergen. Man be¬ 
gnügt sich nicht 
nur mit dem scha¬ 
blonenmäßigen 
Einsammeln der 
Trauben und ihrer 
raschen Einkel¬ 
terung, sondern 
man sucht durch 
Spätlese, durch 
mühsames und 
kostspieliges Aus¬ 
lesen auch das 
Beste an Qualität zu erreichen. — Auf diese Weise ge¬ 
lingt es, selbst in weniger sonnigen Jahren ein Produkt 
zu erzielen, das dem eines besseren Jahrganges um 
nicht vieles nachsteht, und den guten Ruf, den die 
hochedlen Gewächse überall besitzen, zu erhalten und 
weiter zu verbreiten. 

Nicht nur innerhalb der weiten Grenzen unseres 
deutschen Vaterlandes, sondern auch weit darüber 
hinaus, im Auslande, haben die Oppenheimer Weine 
Beliebtheit gewonnen und das Feld behauptet. Und wer 
einmal einen Original-Oppenheimer gekostet hat, der 
wird immer wieder gerne zu diesem edlen Tropfen 
zurückkehren und es sich auch weiterhin an diesem 
schönen, harmonischen und feurigen Bacchusgeschenke 
gütlich tun. 

Die Oppenheimer Weine besitzen eine saftige 
Frische, große Reintönigkeit und Milde und sind trotz 
ihres feurigen Charakters von guter Bekömmlichkeit. 




DEUT SCH LAM> Nr. 10 


öijtch in Oppeniveim heute nicht mehr die rosigste-, 
Dsah dte Mißernten der feUten Jahre habeh dfe lUen- 
tabi 1 i|ät dieses BnAi-erbsiweiges sta rk : hföraltgextviadört 
nnd tiie ^um NS" ein stock auf eine harte Pr^jbe 

gesteih- die alte Wohlhabenheit ciiar Bervoikerung 

e rhißglic hte es ihr, ub er d ies e K Li p p e n hinweg i ü ko tu tne . 
uhd fHlr die kloffnung auf h eiSere- Z eitern oiiOchte 
die Vei^ti mmimg jeiveÜs zii ? t^hebj^n pb-ä. i>eher 

'Äfbe.h, 5^20300^“^e n. ■ . ■ ^.■. •;.' 

Hrheiditcherweise schämt das jahi; 19J I hach spielen 
Ja hren der E nt lause hung; en dheh. ■ ei timaf wieder em 
Jahr des Segens in werden uihI ein^n Wein zu bringen, 
der als Jubilaimiswein dem berUhmten 181:1er würdig 
jfür Sehe gestellt werden kanri.: Mbgfen die Erwartungen 
und Hoffnitngen der AVelngidi^besitier bezüglich des 
I iQll €r : JahrgartgiJs auch ftit, die tblgenden Jahre 
in BrroUimg geKert, i:um BlÜhisn urtd Gedeihen des 
Oppenheimer W embirvie^, Wöhle und Vorteile der 
0 pp e n h e i r Br^e hg f j i sse 1 


Die einzelnen Lögen haben hervorragende, Adornohme 
Bi gon ert, Di e b e sseren und b este n Ge w a c 1 e n t w i c ke t n 
sich Lottge^eUi zu tbrem Vorteil und bouen sich äuf 
der BJ a^cJi ö ausi^ezei ebne t. Si e werd e b! im) ig> - h nc b - 
edel und, bleiben lange fn^ch. Die Weine der b^st^n 
Lögen Wahlen den vcjrnehmsten Spitzpn der he&^i:':^ 
«Cihen Rheinweine- 

Ungefähr zwei Drittel der .fertigen W'eine 
heims ge!angen freihändig m m; Vtjrkapf und etwa ein 
Drifte! geht auf dem W’ege der Versteigerung in andere 
Hände übexv Die in den: letzten Jahren dabei eriielten 
Pretse hsaben eine ganz ansehnI k;B öhe enerc]i i und 
können ab: recht gunsiig be20.icbf3idt werden. Das Stück 
W *>|n^ -z li f^00 Li t er g e rec hn e b w n r.de d* *tcli äc: Ln it Ö ic h 
nüt fJPO bis 2000 Mark bewertet^ e?; wurden jedoch 
auch Prois<^ gezahti, die jene Sij,infnc weit Übersteigen 
und ftir Edfcigewöthse bis zu. ItiÖOO Mbrk belia^eh. 

GlßichivOhi i&L wie m so \üelen ^jndereh W- eihd^Hehj, 
w 0 Qtfö Ii 1 bQIr be Irieben w?j rd, dle Lby e , des W ein 


Die Z-Luftschiffe am NiMefrheih 


Die Anieilnfllmie an den £i fölgeh uh die Zö’ppelinsche guiö -Sache und 

g e s c hi c k des g rel seh B ez sv \i) g ers d er 1 f [ e i s t b e \ d en 
V e rs c h i e d ens t e ti ■ A \ j ^ £5 h : - Nie d errh ei n ttv it 

he s DU dere r M erz 1 i c h ke 11 z i ttn sd r u ck ge l ä h g t-* Als 

n Etr- K d er K;ü ta s t r nphe vö n Echte rd tJ \gen d BV A ö fm t 
zar Zeichnung einer ZeppeliivSpende an des deutschh 

Vülk erging, da iwollte dieses Gebiet scLwemef 
Arbeit: rdcht: 7 tU rück stehen : in wenigen Tögeri w^sreh 
Htih dferttaias^tid e zusam in engebröc hl. M h der gl E?h h 
hellen BegetsierLmg er- 
wäif tede r: Hi ^ de. ^^^wmggsgjägt^ 

I Ii et h d ß nh . d ^ n e rst e n . 1 

Öe^uch: des Ze^hpe " ^ 

LufHchllTe5i. Jn klarer ^ 

Bnrmenmg stebt der . ^ K ■ | 1 

BevplkerLmg noch der': ' Iö T'^ I 

begeisterte Emplöng/ : r/J.iÄi ^ ^ f 

der dem Lüftschiff öuf ^ ‘ 

■ . ; ■ ■■ -v ■ ■ L"-hi 

sei ne r ersten Lrihrtmrch v ■ "h i'£ 

K ö 1 n ö m 5. Aug. 1909 - i - . ^1 

zuieü wufde^ Wohin groß 

Scfü^ijSpiel wiedethobe y 

sich hl Dti^s eI dort am 
19, September tDfXL in 

BiÄndem R,gen e,- :.v 

w ar lete die ivac iv vielen erdv^^^bine das 

Tßit$ehclen zahlende GdlzKelnter Heide den 

L, Z; lÜ, der mi f ti^ji ffv d ti m öl i ge n Ob erbÜ r ge rm e i r, t e r M n rx 
ah ßofd d^n Kanvpf nnt Sb.atn unil Regeivei'^^^^ 
stand. ^>am^dÄ mülita sieb .dn^ Lunschifi^nordi mH ptöyl:' 

sorischöh Löndung^äVDrKchtnhgen begnögeHj Schau 
böid wurde aber der ßescKloIl gefaßt öUcK m Dü-^seL 
d ü ? [ einen L u f t is c hi f 1 ha f 0 .3 r »^rHch ti u u d lue 

eine BasHfürxukLififtige F’ahrieri m^^chsfföu; Bed.euföfule: 

Opfer wurden von de.r Stadt verlöngtr tTh Veitraiteh auf 


''' ' * ^ ’ Luft$.ch iTiT 

der-.Ah^rafe ous 

fisckil .r ul sI:h I^111 dder f I ö 1 düFCh . jßinen 
W i i idnSt Q 0 de riHIt b e s ch ü d i g.t, öÜ e i n u A b rüs * u ng er folge n 
nvüß.i«. Hei drüsur Köth.-^tvophd zeigte dt^ Be'völktrrung 
wie dh rinn.. d u f ch - ■ i br ^I u'«.hth e',' -wie -s e \ \ f, d a ^ Inte resse*' 
.iiH: düH.^>-^'bLnv‘ 5 iW'eA ;:ht;: dhs. Finis.ch. imd Blut' 

des / Vort.es.' ü.b^rg^rghh^'fe^ ■ *$ t;. • 7 

Weni ge T q ge.v 0 r der zteh Föhri der ,j Deu tschfan 

war es dem Ver aH :;ZelleH ■ vefg^nni,: ern’ eiHer 

der grüßten mul $t:liönsiölv Bshrten des i/Ldi.>cln!Tiidurch 
das Indusintednehmen zU Uwuien.i Mit Rücksicht 











Das Luftschiff ,,Schwaben" in den Wolken 



Düsseldorf: Karlplatz und Rhein vom Luftschiff aus gesehen (Hofphotogrr. J. Henne, Düsseldorf) 













478 DEUTSCHLAND Nr.lO 


auf die nun eintretende Unterbrechung der Passagier¬ 
fahrten mußten wir es uns versagen, die interessante 
Fahrt den Lesern in Wort und Bild zu schildern. Die 
bevorstehende Uebersiedelung der „Schwaben" in 
den Düsseldorfer Hafen und die für die nächste Zeit 
von hier aus beabsichtigten größeren Fahrten geben 
uns Veranlassung, das zurückgestellte Stimmungsbild 
an dieser Stelle einzufügen. — 

Die Leitung des Luftschiffes hatte eine größere Fahrt 
durch das rheinisch-westfälische Industriegebiet ange¬ 
kündigt, zu der die Fahrgäste sich gegen 8 Uhr an der 
Düsseldorfer Luftschiffhalle einfinden sollten. Pünktlich 
waren wir zur Stelle, wo der Riesenleib des Luftschiffes 
sich schon seit einer Weile im Glanze der Maisonne 
wiegte. Geschäftig ging die Mannschaft hin und her, und 
bald war der Luftkreuzer klar zur Abfahrt. Einzeln stiegen 
die Gäste ein, Wasserballast wurde ausgeworfen und 
nach genauer Abwägung geprüft, ob alle Gäste (9 Herren 
und 1 Dame) mitfahren konnten. Inzwischen unterzog 
man die Einrichtungen der Kabine einer Besichtigung 
oder unterhielt sich mit den Zuschauern, die ihre 
Angehörigen zu dem Antritt der ersten Fahrt in die 
Lüfte begleitet und fürsorglich warme Kleidung, sogar 
Pelze mit auf die Reise gegeben hatten, denn „oben" 
müsse es doch mächtig kalt sein und der Wind recht 
scharf wehen. Unter diesen und ähnlichen Beob¬ 
achtungen wird ein letztes Klingelzeichen überhört. 


und schon schwebt in ruhiger Fahrt das Luftschiff 
über dem Exerzierplatz der Düsseldorfer Garnison. 
Der Uebergang von der Erde in das Luftmeer, auf den 
wohl die meisten Fahrgäste besonders gespannt sind, 
wurde nicht bemerkt. Nur das veränderte Landschafts¬ 
bild und das Kleinwerden der Menschen und Gebäude 
zeigt uns, daß die Fahrt begonnen hat. Unwillkürlich 
setzen sich die Fahrgäste etwas fester in die bequemen 
Korbsessel der Kabine, die Mütze wird in den Kopf 
gezogen, und noch etwas ängstlich wagt der eine oder 
andere Fahrgast einen Blick auf die unter uns so 
friedlich und harmlos liegende Erde. Wenige Minuten 
genügen jedoch, um bei den Insassen der eleganten 
Luftschiffkabine ein Gefühl absoluter Sicherheit 
und vollsten Vertrauens zu dem uns durch die 
Luft tragenden Fahrzeug und seinem Leiter Herrn 
Dr. Eckener zu erzeugen. Nicht die geringste Neigung 
zum Schwindel macht sich bemerkbar, auch nicht das 
— wie vielfach irrig angenommen wird — betäubende 
Geräusch der Propeller noch das Stoßen der Maschinen 
belästigt uns. Ruhiger als im D-Zuge oder auf dem 
Deck unserer modernen Rheindampfer zieht das Luft¬ 
schiff seine Bahn. Wir überfliegen zunächst Rath und 
Angermund. Die unter uns exerzierenden Truppen er¬ 
scheinen uns wie Bleisoldaten, einzelne Ortschaften und 
Gehöfte, unter denen besonders das Karthäuser Kloster 
sofort erkennbar ist, kommen uns wie Steinbaukasten 













Nr.lO DEUTSCHLAND 479 




vor, und die riesigen Güterzüge gleichen einer Schlange schwindigkeit, die sich bis zu 70 Kilometer steigert, 
von Streichholzschachteln. Wald und Wiesen, Felder überfliegen wir Hagen, Schwelm und die sich in einer 
und Aecker erscheinen in ihren Abgrenzungen so regel- mächtigen Ausdehnung präsentierenden Schwester¬ 
mäßig, als wenn sie abgezirkelt Städte Elberfeld und Barmen, 

wären. Auch der Unterschied Wuppeitale zeigten sich 

zwischen Tal und Berg ist sehr | inzwischen leichte Gewitter¬ 
gemildert; oben sieht man die neigungen, weshalb das Luft- 

Unebenheiten der Welt und schiff plötzlich von der durch- 

der Menschen weniger: ein schnittlichen Höhe von 250 

großesRiesenspielzeug,indem Meter auf über 500 Meter 

die Menschen sich wie nied- steigt. Leicht und sicher folgt 

liehe Puppen bewegen. der Riese den Bewegungen 

Bald ist Oberhausen er- des Höhensteuers. Aber auch 

reicht. Hier werden die ersten bei der steilen Fahrt wird die 

Postkarten inPergamentsäcken X Situation in der Kabine nicht 

in die Tiefe befördert; ungemütlich. Weder die Br- 

fallen zum großen Ergötzen Schütterungen durch die Moto- 

der Jugend auf den Spielhof ren noch die Höhenbewegung 

einerOberhausenerSchule.wo lassen die Gläser klirren oder 

Jungdeutschland durch Hurra- den Inhalt herausschleudern, 

rufen und Mützenschwenken den der Wirt an Bord kre- 

seiner Begeisterung Ausdruck denzt. Daß es sich in dem 

verleiht.— Gleich hinter Ober- Luft - Restaurant für einige 

hausen ändert sich plötzlich Stunden recht leidlich aus- 

das vor uns liegende Bild. ^ ^ halten läßt, mag die nach- 

Die mächtigen Rauchwolken, ^ stehend abgedruckte Restau- 

die den Schloten der großen r-- t i o i i rations - Karte näher dartun: 

wr 1 ^ ^ • 1 - 1 ^ Ein Imbiß hoch in der Luft 

Werke entsteigen, verdichten SPEISEN: 

sich zu einem fast undurchdringlichen Nebel, der'auf Bester Beluga-Malossol.Port. Mk. 4.— 

kurze Zeit die Spitze des Luftschiffes unsichtbar macht. Franz. Masthuhn, 12—14 Mark.„ „ 3.— 

Diese Ausdünstungen zwingen den Leiter der Fahrt zu Straßburger Gänseleberpasteten.„ „ 3. 

einer Abschwenkung nach der Emscher zu, wo nach Malate.„ „ 1.— 

wenigen Minuten eine durchsichtigere Luft erreicht wird. Erdbeeren nach Melba.. „ 3.— 

Zwar lagert auch über dem weiteren Industriegebiet ein WEINE: 

I . i_. *1 • j u j A Ul- 1 • Ui. •• 1907er Beckmanns Mosel-Treppchen (Hausmarke) . Mk. 4.— 

leichter Dunstkreis, der aber den Ausblick nicht unmog- Mathias Beckmann, Treppchen-Kellerei, Köln am Rhein 

lieh macht. Mit mäßiger Geschwindigkeit, weil wir 1908er Rauenthaler Berg.„ 4.50 

Gegenwind hatten, geht die Fahrt über Gelsenkirchen, _ ,, o 

11^. 1 -i-iryr ir> 19ÜDer bteinberger, Originalabfüllung .. ö.— 

Bochum und Dortmund, wo sich in das Zuruten der Be- wiih. Ruthe, Hofl., Wiesbaden 

völkerung die Signale der Dampfpfeifen und Böllerschüsse 1899er Chateau Ducru-Beaucaillou (Korkbrand) . . „ 6.— 

. I 1 • 1 j d- Buxtorf, Wichelhausen & Co., Bremen 

mischen, bs macht einen geradezu überwältigenden ^ ^ \ 

.. , , , T, . Extra Dry (Gout Amencain).. 17.— 

Eindruck, die fast ineinander ubergehenden Industrie- G H. Mumm & Co, Reims 

Städte mit ihren mächtigen Werken und den scheinbar Stöck Cabinet . . ... 8.— 

Jos. Stock & Sohne, Kreuznach 

fast bis zum Luftschiff hinaufragenden schwarzen Kamin- Courvoisier Cognac *** per Glas „ 1.— 

Schloten, dazwischen die unzähligen Schienengleise der 
Eisenbahn in einer Höhe von durchschnittlich 250 Meter 
überschauen zu können. In Dortmund, dessen Schulen 
und Fabriken die Ankunft des Luftschiffes lebhaft be¬ 
grüßen, wird der Marktplatz überflogen, wo die 
Gemüse- und Obststände große farbige Flecken dar¬ 
stellen, die als Vorwurf für ein riesiges Gemälde im 
Stile der „Neukunst'' dienen könnten. 

Um uns neben den stolzen Werken der Industrie 
auch ein Stück Erde von landschaftlicher Schönheit zu 
zeigen, hatte der Fahrtleiter, der, nebenbei bemerkt, die 
25. Fahrt mit der „Deutschland" ausführte, den Rück¬ 
weg durch das Lenne- und Wuppertal gewählt. Hier 
scheint uns klarer, lachender Sonnenschein entgegen, 
der Dunstkreis, der bislang auf der Erde lagerte, ist 
verschwunden. In schnellerer aber doch ruhiger Fahrt, 
die durch den Wind im Rücken begünstigt wurde, 
macht das Luftschiff einen eleganten Bogen um das 
Denkmal auf der Hohensyburg. Mit wachsender Ge- Das Luftschiff über dem Wuppertal 

















480 DEUTSCHLAND Nr.lO 



Bald nähert sich unsere Fahrt dem Ende. Hinter 
Vohwinkel wird in der Ferne das im Sonnenschein 
glitzernde Silberband des Rheines sichtbar, den wir 
kurz nach IIV 2 Uhr bei Düsseldorf erreichen. Mit 
einer stolzen Wendung fliegen wir über die Königs¬ 
allee und den Hofgarten dem Luftschiffhafen zu. Vor 
der Landung führt das Luftschiff noch eine Schleifen¬ 
fahrt über dem Rhein aus, auf dem die keuchend 
zu Berg kriechenden Schleppkähne einen krassen 

Gegensatz zu unserem leichten Luftfahrzeug bilden. 
Nun drehen wir der Halle zu; im spitzen Winkel 

neigt sich das Luftschiff scharf zur Erde, im Augenblick 
sind die Motore abgestellt und die Leinen ausgeworfen. 
Schon ziehen die Mannschaften das Fahrzeug in den 
Pfafen, ehe die Fahr¬ 
gäste empfinden, daß 
fester Boden unter 
ihnen ist. ln der Halle 
verabschieden sich die 
Fahrgäste, verlassen 
einzeln die Kabine 
und danken Herrn Dr. 

Eckener für die schnei¬ 
dige Führung der inter¬ 
essanten Fahrt. Ein 
Hoch auf Zeppelin er¬ 
klingt, und die große 
Fahrt in das Industrie¬ 
gebiet ist beendet, 
eine denkwürdige Er¬ 
innerung für alle Teil¬ 
nehmer! 


Inzwischen ist der 
„Deutschland'' das 
wiederum wesentliche 
Verbesserungen auf¬ 
weisende neue Luft¬ 
schiff „Schwaben" 
gefolgt, das nach seiner 
glänzenden Fernfahrt 
von Baden-Baden nach 
Gotha und Berlin jüngst 
auf wenige Tage in 
der Düsseldorfer Halle 
einkehrte und von 
Mitte Oktober ab 
Passagierfahrten und 
größere Fernfahrten vom Niederrhein aus unternehmen 
wird. Es verdient vollste Anerkennung, daß die 
Hamburg-Amerika Linie im Einvernehmen mit der 
„Delag" die Organisation dieser Fahrten übernommen 
und dadurch der Luftschiffahrt im allgemeinen wie dem 
Zeppelinschen System im besonderen einen großen 
Dienst erwiesen hat. Dieser Beweis größten Vertrauens, 
das vollauf gerechtfertigt wird durch die Tatsache, daß 
bisher noch kein Menschenleben auf einer Fahrt mit 
dem Zeppelin-Luftschiff verunglückt ist, sollte allein 
schon genügen, um eine stärkere Benutzung der Fahrten 
zu veranlassen. Um so auffallender muß es deshalb 
erscheinen, daß die Beteiligung bisher am Niederrhein 
nicht sonderlich lebhaft war. Wenn die wohlhabenden 


Kreise des Niederrheins das Unternehmen der Deutschen 
Luftschiffahrtsgesellschaft bislang verhältnismäßig wenig 
unterstützt haben, so möchte man annehmen, daß auch 
in diesen Kreisen noch manche Vorurteile herrschen, 
die den einen oder anderen, der an sich gern eine 
Fahrt im Luftschiff mitmachen würde, davon abhalten. 
Da sagen manche, daß ihnen eine Luftfahrt noch nicht 
sicher genug sei; vielleicht haben zu dieser Meinung 
auch die Unfälle der beiden „Deutschland"-Luftschiffe 
beigetragen. Man kann jedoch mit Bestimmtheit sagen, 
daß derartige Unfälle bei dem Luftschiff „Schwaben" 
heute kaum noch möglich sind. Dafür sprechen sowohl 
die großen Verbesserungen dieses Luftschiffes gegen¬ 
über den Vorgängern, wie auch die Erfahrungen, die 

die Luftschiff-Führung 
inzwischen in reichem 
Maße grade aus diesen 
Unfällen geschöpft hat. 
Die auf 19 Sekunden¬ 
meter gesteigerte Fahr¬ 
geschwindigkeit über¬ 
hebt das Luftschiff, 
sobald es in der Luft 
ist, eigentlich jeder 
Gefahr. Dazu kommt 
der verbesserte Wetter¬ 
nachrichtendienst und 
die vermehrte Vorsicht 
der Fahrtleitung. Aber 
auch die Hauptgefahr 
für das Luftschiff, die 
bisher das Ein- und 
Ausbringen aus der 
Halle bildete, kann als 
beseitigt angesehen 
werden, denn die Fahrt¬ 
leitung weiß jetzt auch 
diese Gefahr zu ver¬ 
meiden. Das haben 
die 100 Fahrten, 
welche das Luftschiff 
„Schwaben" bisher 
gemacht hat, zur Ge¬ 
nüge gezeigt. Bekannt¬ 
lich nehmen die Passa¬ 
giere jetzt, wenn Wind 
vorhanden ist, nicht 
mehr in der Halle ihre 
Plätze ein, sondern besteigen das Luftschiff erst, nach¬ 
dem es sicher aus der Halle herausgebracht ist. Ebenso 
verfährt man bei der Landung. 

Einen anderen Einwand hört man häufig, nämlich, 
daß die Fahrten zu teuer seien. Man wird aber nicht 
vergessen dürfen, daß der Luftschiffbetrieb, wie es bei 
seiner Neuheit nur begreiflich ist, vorläufig noch sehr 
kostspielig ist und die Deutsche Luftschiffahrtsgesell¬ 
schaft mit Verlusten arbeitet. Um so mehr ist es eine 
Ehrenpflicht der wohlhabenden Kreise, das Luftschiff 
auch zu benutzen. Damit wächst dann auch die Aus¬ 
sicht, daß die Fahrten im Laufe der Zeit billiger werden 
und das Luftschiff immer mehr zu einem allgemeinen 
Verkehrsmittel wird. J. Sch. 


Zeppelinluftschiff in der Halle zu Düsseldorf 





Nr. 10 


101 DEUTSCHLAND 481 


Die deutschen Eisenhüttenleute in Posen. 


Der Verein deutscher Eisenhüttenleute ist von seiner 
langjährigen Gepflogenheit, die zweimal im Jahre statt¬ 
findende Hauptversammlung in Düsseldorf abzuhalten, 
nur äußerst selten abgewichen. Wenn er diesmal nach 
einer 15jährigen Frist seine Mitglieder zur Fahrt nach 
der Ostmark aufgeboten hat, so war ihm direkter Anlaß 
dazu die Eröff¬ 
nung der hütten¬ 
männischen In¬ 
stitute an der 
Technischen 
Hoch-Schule in 
Breslau, dann 
aber auch die 
sich ihrem Ende 
nähernde Ost¬ 
deutsche In¬ 
dus t ri e-Aus- 
stellung in Po¬ 
sen, der die 
oberschlesische 
Eisen-Industrie 
das Gepräge ge¬ 
geben hat, und 
endlich nicht 
zum wenigsten 
der Wunsch der 
Mitglieder aus 
den westdeut¬ 
schen Industrie- 
Bezirken, mit 
ihren oberschle¬ 
sischen Fach¬ 
genossen in ge¬ 
meinsamen fach¬ 
wissenschaft¬ 
lichen und ge¬ 
selligen Veran- 
staItungen,sowie 
bei technischen 
Ausflügen Erfah¬ 
rungen auszutau¬ 
schen, freund¬ 
schaftliche Be¬ 
ziehungen zu er¬ 
neuern und neue 
zu knüpfen. Die 
Beteiligung aus 
unsern industrie- 
reichsten Provin¬ 
zen Rheinland 
und Westfalen war außerordentlich stark, lieber 200 
Eisenhüttenleute aus dem Westen sind dem Rufe der 
Vereinsleitung gefolgt. Ein von Düsseldorf abgelassener 
Sonderzug brachte die Teilnehmer zunächst nach Posen. 
Ein Ungarnweinabend vereinigte die Erschienenen in 
den Goldenringschen Kellereien, wo auch die schlesi¬ 
schen Eisenhüttenleute sich einfanden. Der Ober¬ 
bürgermeister der gastlichen Stadt, Dr. Wilms be¬ 


grüßte die Versammlung und gab der Meinung Ausdruck, 
daß so viel Eisen noch nicht in Posen vertreten ge¬ 
wesen sei. Kommerzienrat Brügmann (von der Apler- 
becker Hütte) dankte mit herzlichen Worten und brachte 
ein Hoch auf die Stadt Posen aus. Erst in später Stunde 
fand dies vergnügte Fest im „tiefen Keller" sein Ende 

Der Freitag-Vor¬ 
mittag war der 
gemeinsamen 
Besichtigung der 
Ostdeutschen 
Ausstellung ge¬ 
widmet. Beson¬ 
derem Interesse 
begegneten die 
kinematographi- 
schenVorführun- 
gen von Vor¬ 
gängen in indu¬ 
striellen Großbe¬ 
trieben, welche 
die Oberschlesi¬ 
sche Eisenindu¬ 
strie, Akt-Ges. 
in Gleiwitz, in 
demOberschlesi- 
schen Turm dar¬ 
bot —- Während 
des hier stattge¬ 
fundenen Früh¬ 
stücks ergriff Dr. 
ing.Schroedter 
(Düsseldorf), der 
Geschäftsführer 
desVereins deut¬ 
scher Eisenhüt¬ 
ten - Leute, das 
Wort und sprach 
dieBewunderung 
der Eisenhütten¬ 
leute über die 
Ausstellung als 
deutsch - natio¬ 
nales Werk aus. 
— Reichstags¬ 
abgeordneter Dr. 
Beumer (Düs¬ 
seldorf) berührte 
in seiner An¬ 
sprache die Na¬ 
tionalitätenfrage 
und wies auf die Schwankungen in der Polenpolitik hin, 
die er als bedauerlich bezeichnete. Er rühmte die 
Tatkraft der Ausstellungsleitung, die das Ausstellungs¬ 
werk gegen den polnischen Boykott durchgesetzt habe. 
Zum Schluß dankte Kommerzienrat Michalowsky 
im Namen der Ausstellung für den zahlreichen Be¬ 
such und die anerkennenden Worte, welche die Vor¬ 
redner dem Ausstellungswerk und Posen gezollt hatten. 




Blick vom Oberschlesischen Turm auf „Alt-Posen" und die Residenzstadt 














482 DEUTSCHLAND Nr.lO 


Oeffentlicher Meinungs-Austausch. 

Neutrales Gebiet zur Erörterung von Verkcbrsfrageii und Bundesangelegenheiteii. Die Redaktion trägt nur die preßgesetzliche Verantwortung. 


Deutscher, geh’ an das deutsche Meer! 

Der in Nr. 8 erschienene Aufsatz: ,,Die dcutsclie Nord¬ 
see“ von Paul Damm - Etienne und namentlicli dessen 
Schlußsatz hat viclfacli besondere Beachtung gefunden. 
(Vergleiche die Zuschrift aus Köln in Nr. 9, Seite -139), 
Auch den nachstehenden, uns von gescliätzter Seite 
zugehenden Ausführungen wollen wir liiermit gerne 
Raum gewähren. Die Red. 

Die Zeitschrift „Deutschland“ hat sich durch den 
Aufsatz über die deutschen Nordseebäder in der Nr. 8 
ds. Js. ein großes Verdienst erworben. In der Tat sind 
die Vorzüge der deutschen Nordseebäder insbesondere 
im Westen Deutschlands noch nicht hinreichend bekannt, 
und von alters her nehmen die Bewohner von Rheinland 
und Westfalen,.man könnte fast sagen gewohnheits¬ 
mäßig, die belgischen Seebäder zum Ziel ihrer 
Sommerreise. Dabei verdienen die deutschen Nordsee¬ 
bäder nach vielen Richtungen hin den Vorzug vor den 
belgischen. Sie liegen mitten in der See, so daß der in 
belgischen Seebädern oft sehr lästige und gesundheits¬ 
schädliche Landwind fortfällt. Die mit Feuchtigkeit 
gesättigte Luft und der fast stets wehende Wind läßt 
eine Belästigung durch große Sommerhitze kaum auf- 
kommen. Die üblen Gerüche, die fast in allen belgischen 
Seebädern zu bemerken sind und die von manchem als 
ein notwendiges Zubehör zum Seeaufenthalt angesehen 
werden, fallen in den deutschen Nordseebädern vollständig 
fort. Vor allem aber in einem Punkte stehen die deutschen 
Nordseebäder hoch über den belgischen Seebädern, 
nämlich in der Versorgung mit gesundem, in aus¬ 
reichender Menge vorhandenem Trink Wasser. 
Selbst auf den kleinsten der Nordseeinseln ist die Trink¬ 
wasserversorgung gesundheitlich einwandfrei, und in dem 
heißen Sommer 1911 ist ein Wassermangel auf den Inseln 
nicht eingetreten. Demgegenüber ist bekannt, daß man 
in den belgischen Seebädern vor dem Genuß des Trink¬ 
wassers stets gewarnt wird, und in der Tat ist schon 
mancher mit Typhus oder typhusartigen Erkrankungen 
von den belgischen Seebädern zurückgekehrt. 

Was muß nun geschehen, um den Strom der 
Reisenden, der sich aus Deutschland in die belgischen 
Seebäder ergießt, zu den deutschen Nordseebädern 
hinzulenken? Zunächst Wird hier die Presse gute 
Mitarbeit leisten können. Die deutschen Nordseebäder 
unterlassen es nicht, in großen Zeitungen und Zeitschriften 
Anzeigen zu veröffentlichen, auch im redaktionellen Teil 
erscheinen gelegentlich Besprechungen, aber leider noch 
zu wenig; in manchen angesehenen Zeitungen fand man 
bisher mehr Artikel über die Badeorte des Auslandes 
und Reisen ins Ausland, als über deutsche Bäder, die 
jenen nicht nachzustehen brauchen. Es müßte aber Ehren¬ 
pflicht der Redaktionen deutscher Blätter sein, immer und 
immer wieder auf dieVorzügeder deutschenBade- 
orte hinzu weisen. Die Badeverwaltungen werden zu 
solchen Artikeln gern das nötige Material liefern, auch 
Werden manche Besucher eine gelegentliche Mußestunde 
benutzen, um einer Zeitung ihrer Stadt Notizen oder 
Aufsätze zu schicken. In zweiter Linie Wird die Staats- 
eisenbahnverwaltung dafür Sorge tragen müssen, 
daß die Verbindungen mit den Nordseebädern immer 
besser und vollkommener ausgestaltet Werden. In dieser 
Hinsicht ist in den letzten Jahren durch Einrichtung 
direkter Züge viel geschehen, eine Verbesserung ist aber 
doch immerhin noch möglich. Vor allen Dingen dürfte 


in der Ferienzeit für eine Vermehrung und schnellere 
Beförderung der Züge zu sorgen sein. Zu erwägen 
wäre ferner die Einstellung von Speisewagen auch 
in die Eilzüge, da die Fahrten meistens die Mittagsstunde 
in sich einschließen. Sodann dürfte zu prüfen sein, ob 
die Beförderung vom festen Lande zu den Inseln nicht 
verbessert werden könnte. Die Fahrt durch das 
Wattenmeer ist jetzt von Ebbe und Flut abhängig, 
so daß am Endpunkte der Eisenbahn nicht immer direkter 
Anschluß mit dem Schiff vorhanden ist. Um eine Fahrt 
unabhängig von Ebbe und Flut zu ermöglichen, werden 
die nötigen Fahrrinnen im Wattenmeer auszubaggern sein. 
Zu erwägen wäre ferner noch, ob die preußische Staats- 
eisenbahnverwaltung nicht auch den Betrieb der Fähr¬ 
schiffe zu den Inseln übernimmt, so daß die Eisenbahn¬ 
wagen direkt bis auf die Inseln, wenigstens die größeren, 
gebracht werden könnten. Die Lösung dieses idealen 
Gedankens ist zwar sehr schwierig, aber nicht unmöglich; 
namentlich in einer Zeit, Wo unsere Technik so glänzende 
Triumphe feiert. 

Die Aufforderung in dem angeführten Artikel der 
Zeitschrift „Deutschland“: „Deutscher! geh’ an das 
deutsche Meer!“ hat zudem in dem Verhalten der 
belgischen Presse und des belgischen Volkes in den 
letzten Monaten eine kräftige Begründung gefunden. In 
keinem Lande hat bei der Spannung zwischen Deutsch¬ 
land und Frankreich der Haß und die Abneigung gegen 
Deutschland so unangenehme Formen angenommen Wie 
in Belgien. Man kann nichts dagegen einwenden, Wenn 
die Belgier Frankreich und dem französischen Volke 
eine größere Zuneigung beweisen als Deutschland und 
dem deutschen Volke, — obschon ein Grund dazu kaum 
vorliegt — aber diese Abneigung gegen Deutschland darf 
nicht die Form annehmen, die sich in Belgien in der 
letzten Zeit gezeigt hat. Selbst vor offener Beleidigung 
und tätlichen Angriffen Waren die Deutschen, wie die 
Vorgänge in dem Badeorte Wenduyne gezeigt haben, in 
der letzten Zeit nicht sicher. Es dürfte eine Pflicht des 
nationalen Stolzes sein, ein derartig ungastliches Volk 
und Land nach Möglichkeit zu meiden und lieber das 
gute deutsche Geld etwas mehr im eigenen Lande zu 
lassen. — Auf diese Weise ist es vielleicht möglich, auch 
die Pensionspreise in den deutschen Bädern 
niedriger halten zu können. Gerade dadurch würde 
am erfolgreichsten ein Wettbewerb mit den Bädern des 
Auslandes aufzunehmen sein. Wenn wir unsern deutschen 
Bädern eine größere Frequenz zuführen, und Wenn 
namentlich die von den Schulferien Unabhängigen 
sich noch mehr wie bisher dazu entschließen, die im all¬ 
gemeinen nur sehr schwach besuchte Vor- und 
Nachsaison zu benutzen, so erhöhen wir unstreitig 
die Leistungsfähigkeit der deutschen Bäder. Die erhöhte 
Frequenz darf natürlich nicht zu einer Preissteigerung 
führen, sondern muß im Gegenteil eine Verbilligung des 
Aufenthaltes in den deutschen Bädern zur Folge haben. 
Wenn die Badeverwaltungen sich die gegenwärtige 
Stimmung des Volkes zunutze machen und die in weiten 
Kreisen mit großer Sympathie aufgenommene Mahnung 
der Zeitschrift ,.Deutschland“: „Deutscher, geh’ an 
das deutsche Meer“! ausbeuten und durch geeignete 
Propaganda verwerten, so wird sich aus dieser Situation 
eine nicht unwesentliche Hebung der deutschen Bäder 
ergeben können. G .... n. 



Tagung des 2. Rllgem. Hotelbesitzer-Kongresses 


(Federation (Jniverselle des Societes d'Hoteliers) 

und der 


40. General-Versammlung des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins 

vom 16. bis 20. Oktober I9II in BERLIN. 

Sonder-Beilage zur illustrierten Zeitschrift ;;Deutschland^^ 

(Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein.) 


Das Hotelwesen, seine Entwicklung, volkswirtschaftliche Bedeutung und 
die Organisation der Hotel-Unternehmerinteressen. 

Von Dr. rer. pol. Karl Knapmann. 


Die Tragweite der technischen Erfindungen der Neuzeit 
kommt wohl den meisten Menschen am eindringlichsten zum 
Bewußtsein durch die Tatsache, daß die auf ihnen beruhen« 
den modernen Verkehrsmittel in früher ungeahnter Weise 
den trennenden Raum auf unserem Erdball überwunden 
haben. Denn im Inhalte des Lebens des modernen Menschen 
spielt das Reisen eine so große Rolle, daß gerade die in 
dieser Beziehung geschaffenen 
Möglichkeiten zum Staunen 
zwingen vor den gewaltigen Er« 
rungenschaften des Menschen« 
geistes. Auf der Grundlage dieser 
technischen Erfindungen weist 
denn auch keine Erscheinung 
in ungestümem Wachstum eine 
so siegreich fortschreitende Ent« 

Wicklung auf wie der Reisever¬ 
kehr. Zwar hat es einen Reise¬ 
verkehr zu allen Zeiten und bei 
allen Kulturvölkern gegeben, aber 
als Massenerscheinung ist er ein 
Kind unserer Zeit. Was früher ein 
nur den wohlhabendsten Klassen 
vorbehaltenerLuxus war,ist heute 
für die weitesten Kreise ein fast 
selbstverständlicher Anspruch an 
das Leben geworden. Auf die¬ 
ser Tatsache beruht die große 
wirtschaftliche Bedeutung des 
Reiseverkehrs. Es gibt andere 
menschliche Bedürfnisse, die an 
Wichtigkeit diesem neuzeitlichen 
Lebensanspruch naturgemäß vor¬ 
anstehen und in erster Linie die 
Existenzmittel des einzelnen be¬ 
schlagnahmen. Aber wie die 
Ausgaben für Kleidung und Nah¬ 
rung, so bilden im Haushalte 
ungezählter Menschen die Auf¬ 
wendungen für Reisen heutzu¬ 
tage einen regelmäßigen Posten, 
dessen Fortfall gleichbedeutend 
mit dem Aufgeben eines Kulturbedürfnisses sein würde. — 
Man kann in der Tat die kulturelle Bedeutung des Reise¬ 
verkehrs für den einzelnen wie für die Menschheit nicht hoch 
genug einschätzen. Sie geht weit über die anderer Er¬ 
scheinungen hinaus. Nichts ist mehr geeignet, die kosmo¬ 
politischen Ideen im Sinne einer Annäherung der Völker zu 


verwirklichen, als das Kennenlernen fremder Länder, ihrer 
Bewohner und Sitten. Nichts vermag auch den einzelnen 
Menschen aus seinem engen Kreise und seinen kleinen An¬ 
schauungen hinauszuheben und den Blick zu weiten wie 
Reisen, und wenn je in einer Zeit, so lebt heute im Bewußtsein 
der Erlösung von der Gebundenheit an die Scholle durch 
Tausende von Reisemöglichkeiten in weiten Kreisen das Gefühl: 

Es ist eine Lust zu leben I Man 
bringt daher auch allen den 
Faktoren heute ein vermehrtes 
Interesse entgegen, die im Reise¬ 
verkehr eine Rolle spielen, und 
die jeder zu seinem Teile berufen 
sind, an der Erfüllung der dem 
Reiseverkehr obliegenden kul¬ 
turellen Aufgaben mitzuwirken. 

Neben der Vervollkommnung 
der Verkehrsmittel ist es nament¬ 
lich dasBeherbergungswesen,das 
in der Entwicklung des Reise¬ 
verkehrs eine bedeutende Rolle 
spielt. Der moderne Reiseverkehr 
strömt natürlich in erster Linie 
denjenigen Ländern zu, deren 
günstige geographische Lage, 
deren landschaftliche Schön¬ 
heiten und sonstige Vorzüge, 
wie Klima, Heilquellen usw. eine 
natürliche Anziehung auf das 
Publikum ausüben. Aber auch 
die günstigsten natürlichen Vor¬ 
bedingungen vermögen einen 
dauernden Fremdenzustrom nicht 
zu erzielen, wenn nicht derFremde 
die Erfüllung aller derjenigen 
Lebensbedürfnisse am fremden 
Orte gewährleistet sieht, auf die 
der moderne Kulturmensch auf 
die Dauer nicht verzichten kann. 
Die Lösung dieser wichtigen 
Aufgabe liegt in erster Linie 
dem Hotelwesen ob. Ein kurzer 

Rückblick auf die Beherbergungsverhältnisse 

in vergangenen Zeiten mag uns erkennen lassen, in welchem 
Grade auch im Hotelgewerbe Fortschritte gemacht sind, die 
wohl einen Vergleich aushalten mit der glänzenden Ent¬ 
wicklung, die andere sich eines besseren volkswirtschaftlichen 



Otto Hoyer, Köln 

Vorsitzender des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins 
und der Federation Universelle des Societes d'Hoteliers 

















II DEUTSCHLAND Nr.lO 


Ansehens erfreuende Industriezweige in unserem Zeitalter 
erlebt haben. 

Es ist bekannt, daß in früheren Zeiten die Fürsorge für 
den reisenden Fremden wesentlich durch die Sitte der Gast¬ 
freundschaft erfüllt wurde. Als Gewerbe entwickelte sich das 
Beherbergungswesen zunächst hauptsächlich für die Bedürf¬ 
nisse der niederen Stände, weshalb es denn auch in den 
sogenannten Herbergen in früheren Zeiten meist an jeder 
Bequemlichkeit und Fürsorge für den Reisenden fehlte. 
Erasmus von Rotterdam gibt von dem deutschen Gasthaus¬ 
wesen im 16. Jahrhundert eine sehr abfällige Schilderung. 


Tafelsitten jener Zeit, die auf einen großen Mangel an Sauber¬ 
keit schließen lassen, zur Genüge beleuchten. Eine Um¬ 
wälzung des Reiseverkehrs und damit auch eine neue Epoche 
für das Hotelgewerbe leiteten die technischen Erfindungen 
des 18. und 19. Jahrhunderts ein, die die Postkutsche ver¬ 
drängen und an ihre Stelle Eisenbahn, Dampfschiff, Auto¬ 
mobil und bald auch das Luftschiff als Verkehrsmittel setzen. 
Stadt mit Stadt, Land mit Land verbindet ein immer eng¬ 
maschiger werdendes Netz von Bahnen. Als Herren des 
Ozeans, den der Mensch in tausendjährigem Kampfe unter¬ 
jocht hat, vermittelt auf den Hochstraßen des Weltverkehrs 



Der Aufsichtsrat des Internat. Hotelbesitzer-Vereins : 

T. Otto Hoyer, Köln, Vorsitzender. 2. August Stracke (Hotel d'Allemogne), Ostende, stellvertr. Vorsitzender. 3. Carl Landsee (Hotel Tirol), Innsbruck, 
stellvertr. Vorsitzender. 4. W. Spaeth (Bayerischer Hof), Lindau i. B. 5. H. Hotfmeister, Hamburg. 6. J. Friedrich (Hotel du Nord), Köln. 7. E. Metzger, 
Berlin, ö. W. Hauser (Hotel Schweizerhof», Luzern. 0. R.Sendig (Sendig Hotels), Dresden. 10. C. Borgnrello (Eden Palace Hotel), Genua. 11. H. Martens 
(Hötel de l'Europe), Amsterdam. 12. G. Morlock (Hotel Bristol), Paris. 13. H. Haeffner (Hotel Rose), Wiesbaden. 14. A. Ellmer, Heidelberg. 


Ein Bett für den Gast, ein gemeinsamer Aufenthaltsraum für 
alle Gäste, in dem Kaufleute, Schiffer, Fuhrleute, Bauern, 
Weiber, Gesunde und Kranke zusammen hausten, das bietet 
nach seiner Beschreibung das Gasthaus jener Zeit. Auch 
im 17. und 18. und bis in das 19. Jahrhundert hinein blieben 
in den Städten, noch mehr auf dem Lande, die Unterkunfts¬ 
verhältnisse sehr primitiv. Man darf allerdings dabei nicht 
vergessen, daß natürlich auch Kultur und Bedürfnisse des 
reisenden Publikums selbst ganz andere waren wie heute, 
was schon die wohl genugsam bekannten Berichte über die 


jahraus jahrein eine stets wachsende Flotte von Dampfern, 
die die moderne Technik gleichsam zu schwimmenden Hotel¬ 
palästen ausgestattet hat, den Verkehr von Erdteil zu Erd¬ 
teil. Diese Verkehrsmittel führen einen immer stärker an¬ 
schwellenden Strom von Menschen Jahr um Jahr an die See, 
in die Berge, nach Süden und Norden, selbst in die entlegensten 
Teile des Weltmeeres, in den Wüstensand Aegyptens, aus 
der Großstadt auf das Land, von diesem in die Stadt. 

Unter dem Einfluß der Entwicklung des Reiseverkehrs, 
diesen seinerseits wieder belebend, hat auch das Hotel- 

























Nr. 10 DEUTSCHLAND III 


gewerbe seit der Mitte etwa des vorig-en Jahrhunderts eine 
vollständige Umgestaltung erfahren. Es ist der wichtigste 
Bestandteil einer neuartigen wirtschaftlichen Tätigkeit ge¬ 
worden, die sich der planmäßigen Herbeiziehung und Beher¬ 
bergung von Fremden, der Sorge für ihre Bequemlichkeit 
und ihr Wohlergehen und der Befriedigung aller leiblichen, 
geistigen, künstlerischen Bedürfnisse widmet und gewöhnlich 
mit dem Wort Fremdenindustrie bezeichnet wird. Schon in 
dieser Bezeichnung offenbart sich, wenn man sie des Bei¬ 
geschmacks entkleidet, den ihr eine den Bedürfnissen des 
Hotel Wesens oft wenig Verständnis entgegenbringende Presse 


betriebe zu beobachten, wenn auch auf dem Lande wie in 
den Städten sich zahlreiche kleine Hotelbetriebe erhalten 
haben und gerade im Gasthofsgewerbe eine sehr große Ab¬ 
stufung von Unternehmungen vorhanden ist. Wenn darum 
das Hotelgewerbe heute noch vielfach einen mittelständischen 
Charakter hat, so gibt ihm doch mehr und mehr das Gepräge 
die Großunternehmung. Sie ist auch in technischer Beziehung 
vielfach vorbildlich für die Entwicklung des Hotelwesens 
und hat die Wege gewiesen für eine Vervollkommnung im 
Beherbergungswesen, die auch den kritischsten Reisenden 
zur Achtung zwingt. 



Das Comite executif der Federation universelle des Societes d'Hoteliers: 

1, Otto Hoyer, Köln, Vorsitzender. 2. Oscar Hauser (Hotel Schweizerhof), Luzern, Vize-Präsident. 3. Carl Landsee (Hotel Tirol), Innsbruck, 
Vize-Präsident. 4. A. Rössler (Holland Hotel), Baden-Baden. 5. N. Wiser, Lüttich. 6. Vir^tti, Marseille. 7. Th. Kock (Hotel des Pays-Bas), 
Utrecht. 8. D. Deinum, Zandvoort. 9. A. Cainpione (Hotel de Londres), Neapel. TO. F. Chiari (Hotel Victoria), Florenz. TT. L. Moyaerts, Brüssel. 

12. E. Hammerand (Hotel Hammerand), Wien. 


gegeben hat, die große volkswirtschaftliche Bedeutung, die 
dem Hotelwesen als dem wichtigsten Faktor in dieser Ent¬ 
wicklung zukommt. Mit dem Anspruch auf Gleichberechtigung 
tritt das Hotelgewerbe an die Seite der bedeutendsten Industrie¬ 
zweige, die herkömmlicherweise als die Grundsäulen der Volks¬ 
wirtschaft betrachtet werden. Auch in seinem ökonomischen 
Werdegang weist es dieselben Erscheinungen auf, die die 
moderne industrielle Entwicklung im allgemeinen kennzeichnet. 
Wie in vielen anderen Gewerbezweigen, so ist auch im 
Hotelwesen die typische Entwicklung vom Klein- zum Groß- 


Schon in der äußeren Gestaltung kann sich 

das moderne Hotel 

in bezug auf Wahrung künstlerischer Gesichtspunkte den 
meisten öffentlichen Gebäuden zur Seite stellen. Keine Industrie 
hat wohl dem Ringen unserer Zeit nach neuen künstlerischen 
Formen, die dem Fühlen, Denken und der Tätigkeit des 
modernen Menschen Ausdruck geben, in praktischer Betätigung 
ein so großes Verständnis entgegengebracht wie das Hotel¬ 
gewerbe. Sich schon im äußeren Eindruck dem Fremdling 


























LAND Nr.7Q 


gut £:tr pjfeeniifcren «Jijrck Wahrufi^r Ge:^;dunöc)?e$, 

kdpi^tUT a %^urrg aß <)iUingcbdt^j ^$t dri i 

dessen ÄtfW^ä^dtiöi^jftiiariuhp.^s Sl^j^it- 
böä ^ÖÄ» vsrd ö n k f, Irj -<foYD. i?mt1}ieri* dam rem d eri 

adf ^inj®? älla utid i^mi^dmlktikedejrt 

d^-iei^n^d isf .fe ^jfÖ wad über dif> 

fnedigfg^iff gäwülifElii^h^r. Labans^msprü^rbä hinSAiS^^Äö^aä, 
Id Anlög^ ünd AuÄStanuFi^ der till<r?v QÜi>li?.ri V^ 


fin4«?L und mnji. kann ^t>gnr BetkDfcan atjjßerp, ob ^ölter^ 
^FrJT ^fUrb im Hotelgewerbe io 

i? ü iS d M a b^^ [tä t d er a tdittwend ? piitiliea 

miUL vm reg lieb ^iirtd, ■ . 

7 : - / den ohaD g'eschijdait’t^n 

^röf^e nacb der t^dngdrdmrdg^ 

Hoiel^ als audi pach ^emor Utge; in der 
sijid U Ipi Ba^leo n, der See 0 der im Gebirgö-; ßift Gr<? 0 -r 

>taNlthutr4 fef ein Kdr^ 

fetei nder Ab^r die 

Cltynd^Qtze/di^ sjcd iBrnrichtüng* md 

Fdbrtuii^ jSt^Eiüehst bei den er^ikläsBag^^m 
durcbgesreizt Laben, wirked ln 
ein&r ftllg^einftinen VervoJIkommi^j^ desrBolel« 
wasens ht denn auch eibei ?m*r- 

könnte Tfitjsöfibe/ daß in baz^og^ auf bygientscbe 
Emridituag^ AV j^brung der Säübi^rköi{> 
fih 1 gf vo n Eeq ü ejn Hrrhkfii t e n öl b r :^ti: iirr d öis 
rcisende Pijiblik^im im .ge$eKti^rj Hotejwe^it ■ 
großa Fvjrisch riue gtnmdii und awrö 

de m w a n i g-er : U^xi\ i Üel t en jtilik um Leute 

gor & VI u t er k u; di^g^ele^enb ei tan ^ er fügiiii gr 
sleheu, die; 1 brh. mi r^släns dieselbert An^ 
nt5l^:Kfylirda^’ ‘^igebfrr..Heim. 

. j\ixf- ■ •b^.riibi-: ■ die •" beü tige 

gm ßjfS. lumr d 0 s- Ätancbs^.des Hötelwesens 
Rit^dfe Er?t dW' -fe tn ;f^ 7 vem 

LöTtde:;; - ■ m an- ■ .: ;'e:ine->^i 6 ■ 

■ ' • Kdilfi •, m •■ ■dem' mdeb .'Mensrheri 

i^eie.ü de' ■;•. d ft‘X f:aii Öuä- ■ der, 'W y h n wng' ■. tmd,'' der' 
g:es;jintib' ' b n U:\%& '■ ■ K-o in (-prt,;: .sf>i elu ■ sü- ■. - k a bb-- 

cfipe.s^^etb i?lnd 0 d htiti>- 

:iiu]Hge last • überall-■■ein^rf Rrsöt? .dtc ,eigern^n'7 

HüMsbrUkiijr rim-b itl d&^ öDl die ßekbiing; 

des Xi ä \h eV erbeb f> fäb^i b tiüp t dnilö; Hi 4 &j‘ Ü n. tastm edtl ich - 

in der ä<^I five rii r 1 . 3 1 1 Bnd isn ^ 1 ait irbch tdryg d^s fieiseve r- 

kehf äV: trü-.t' die gs-öße' ,; ■ . .' . 

■ypikWimthartiiehe Bedeumiig; d 

Möteigewerbes ;.f 7 : 7 ^^ 

Iicrv<*r. ÜH hüb die Ci tagend ihMge ihreF naf^k^’hchen 

sfD’^Uamendft'n Fremdenmas^eu fest «nd v<E>fanlaßl 
n Ania^n deti vib Hie Sitht^rsreHying aber leihUchie'n Be,'^ 

d drfv der ituch in f^u‘Leu lipgfc^k yhrei fV-Irsedii’img veranlaßt iniEimr 

q D^?tT tI i t:h kTd i e n Ikr AH ■ ge - •''. ■f ■:■’ SkHaimr^ d es dv n- Ort er> t: a / u -st fi ^ meri, \v ö ■tio teF- ■ 

ath rh u>tK f i ^ t ^ g- Den B d d t >s f d Hcd i p ^ m l) a 1 j ^' t s o rg en g f r eii<s d te 11 n t *:b* 

trm>g in den Ximrnefm '.in^*.?rnehmnng’'m dnreh im InlarnJ lAiitd AusWd inmhsiv 

riüt^iDlking Vrnd bedTk^bene ^hie Vir^^kg^e ^ehtfir Siftdl. eines ivur^ 

drnerkijlrmktkt tmt-s Lninh.'“! m dan wsL^^^Jt-n Km-s^^n des reiseiKlek 

Piiblikoms bekitimt k^'i^rden. ^CrVI'chty tÄbfkimg't-n .-in ;dies^r'^ 
gtntTcUt yn wefdm^ Ikd der Beykhupg von tif:sem j^ksg^henv 

r: 11 en 11 pt n^ U Mfih^^jn nnd t d di r^ f nis■?rhe Ltdi^-a» i h>d u,r ki tnnecr intjh xhgt 

d^d'ükI.S^<^.tb^^ht ..g'<?-.n--ftn>.mekv^ J.50O.QO Mark' im': Jah:^v^...efnekib^^ 

ff(rn .-K]} ■ ■ keini.mn:.,: ■: di'id ei'e ,ditt' M’.k.i.ü.F i.FriMirht.h=fakek■:' ■.;: -ii^u jt;' vi.)p ■R*.>h-^ 

im mod^ kloBen, di-e./jh Uktolagv^ dienen kürm)^>i 

Hits;iif“p Dradgejii üegeiki Om^^dkniJ einei eki^lgen 

t su:b#e.rn/.wiE?' n.om^iFi''; ■.H.öi'elhritAfrieh.rDU£i|f- dilphvriirtU ge.wül'if(?n vkui. 

vbffhd^ ^difichevi ^kai, Ät"i>hVsihnd -tk j-i'ddiosi.’^ Orte an den Gestaded: 

ft'iiS mu-ii ln der MögHrhkcil dn^ d^jm mne S|iürti 5 ;be ik^Antlkeiükg dea 

3 ark der Anßpnweli d'jxtb LlklcrbaB abringb tu dife: eudief;im‘it'efd H:^:Ji;bg<i!idrf^stüier ha’b 

lehr ge^itdififten wird, year^r In ,Hotyji^,srite‘i'in;hmnngi;iT den .Frerndntisicou> g iöt^ 

iJieige^eri Gelidvren a| j er iind ;?; ■ j eni b 1 oßer, V diehhodHaji^*?ttlü pHer Vprjüga 

ivt -TS IIkn^ lies im VfotehiI vtnF ri^rjce fi.fwerb*q n e] Ier^ Ri r Ztö h ^fV geseivbjVe 11 . i)ßob 

dkm leisekden FrOfluilin^ der bei w^Rnm ■feildüf ttdt-dm Ak-fnnhme,yori Fl'^mdek 

ihm dk'. Js^tjisif" j^wr et5siehi>t<Ft vefbundf?ne;i A^dgabek ixv 

: gei it d er m d ^ J hilf 1 ^ dVfd di^ 

nlerdfin^kdk heln? an Qri nnpi ArWii^ 

m d4:!!f \ tH.ig:5?:tied .Iis, • isrf■ ’ Ißsilge.sti^dit.-. ■Fbrdeib.^ 4aß luitd. '^riv ültbr.'. Äüsgsbem 






Berlin: Preuß im :Infs A \)goori 





Nr.lO DEUTSCHLAND V 


die ein Hotel für Küche und Keller, Instandhaltung seiner 
Anlagen und für sonstige Betriebsaufwendungen und Unkosten 
zu leisten hat, im Orte selbst den Erwerbstätigen zufließen, 
während nur 20% nach auswärts gehen. Wenige Berufe 
gibt es, die nicht in einer Stadt in irgend einer Weise durch 
das Hotel in Tätigkeit gesetzt werden. Hierzu tritt nun noch 
die Beschäftigung eines zahlreichen Personals, das sich viel¬ 
fach aus der nächsten Umgebung des Hotels rekrutiert. Wenn 
man den Umsatz eines größeren Hotels mit etwa 100 Zimmern 
auf 300000—400000 Mark veranschlagt, so kann man er¬ 
messen, welch befruchtender Strom sich aus diesem Unter¬ 
nehmen allein auf die Gewerbetätigkeit des ganzen Ortes 
ergießen muß. Darin erschöpft sich aber nicht der direkte 
Einfluß des Hotelwesens auf den lokalen Wohlstand. Der 
Aufenthalt der Fremden schafft die Grundlage für Absatz¬ 
gelegenheiten zahlreicher Detailgeschäfte. Bildet doch überall 
das Hotel sozusagen einen neuen Verkehrsmittelpunkt, in 
dessen Nähe sich im Hinblick auf die mancherlei Bedürfnisse 
des Fremden, deren Erfüllung außerhalb der Aufgaben des 
Hotels liegt, zahlreiche Verkaufsstellen für Gegenstände des 
täglichen Gebrauchs, für heimische und fremde künstlerische 
Erzeugnisse usw. ansiedeln. 

Gewiß haben wir es hier mit Begleiterscheinungen des 
Fremdenverkehrs an sich zu tun, aber man darf eben nicht 
vergessen, daß das Hotelwesen an der Belebung und Förde¬ 
rung des Fremdenverkehrs in so hervorragender Weise be¬ 
teiligt ist. Darum hat es sicherlich als Erschließer unentbehr¬ 
licher Einnahmequellen für zahlreiche Gewerbebetriebe, als 
Brotgeber zahlreicher Hände auch vom allgemeinen volks¬ 
wirtschaftlichen Standpunkte aus Anspruch auf eine bessere 
Würdigung, als sie ihm heule noch vielfach zuteil wird. 

Welche Bedeutung das Hotelgewerbe für die wirt¬ 
schaftliche Entwicklung eines Landes gewinnen kann, 
dafür bietet wohl das beste Beispiel die Schweiz, dessen 


Volkswirtschaft in der Hotelindustrie seine Hauptstütze findet. 
Nach einer Statistik des Schweizer Hoteliervereins belief sich 
im Jahre 1905 die Zahl der Hotels auf fast 2000 mit einem 
Anlagekapital von nahezu 800 Millionen Franken. Nach einer 
Statistik, die der Internationale Hotelbesitzer-Verein in Köln, 
die bedeutendste Interessenvertretung des Hotelgewerbes, vor 
mehreren Jahren veranstaltet hat, beträgt der Anlagewert der 
auf Deutschland entfallenden, diesem Verein angeschlossenen 
Betriebe etwa 1 Milliarde Mark, wobei zu berücksichtigen 
ist, daß dem Verein zwar die bedeutendsten, aber bei weitem 
nicht alle deutschen Hotelbetriebe angeschlossen sind. In 
allen dem Verein angeschlossenen Betrieben, d. h. einschlie߬ 
lich der außerdeutschen, stiegen im Jahre 1906 9 Millionen 
Fremde ab, die Zahl der Uebernachtungen betrug 23 Millionen, 
mehr als 200 Millionen Mark wurden von diesen Hotels allein 
für Nahrungs- und Genußmittel verausgabt. Die Zahl der 
Angestellten betrug rund 80000. Leider läßt sich aus der 
amtlichen Statistik zahlenmäßig die Stellung des Hotelgewerbes 
zu anderen Berufen nicht beleuchten, da sie das Hotelgewerbe 
mit dem Schankwirtschaftsgewerbe zusammenzählt. Aber 
schon aus jenen wenigen Ziffern mag erhellen, welch wichtigen 
Faktor heute das Hotelgewerbe im Wirtschaftsleben eines 
Volkes bildet. 

Der glänzenden wirtschaftlichen Entwicklung des Hotel¬ 
wesens, die wir in kurzen Umrissen zu zeichnen ver¬ 
suchten, entspricht es, daß auch in diesem Gewerbe wie in 
allen von dem Gärungsprozeß der neuzeitlichen Wirtschafts¬ 
entwicklung ergriffenen Berufen der Wille besteht, im sozialen 
Organismus eine seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung an¬ 
gemessene Stellung einzunehmen. In den Anfängen des 
Ueberganges vom kleingewerblichen Betrieb zum modernen 
Unternehmertum zunächst mehr unbewußt, dann immer 
sicherer und zielbewußter sind auch die Hoteluntemehmer 
dazu übergegangen, zur Förderung ihrer gemeinsamen 



Berlin: Rathaus 











































VI DEUTSCHLAND Nr.lO 



Berufsinteressen, zur Hebung- des Standesbewußtseins den 
anderen Berufsständen gegenüber, wie zur Geltendmachung 
ihrer Interessen im öffentlichen Leben sich zusammenzu¬ 
schließen. Und auch im Hotelgewerbe haben sich, wie in 
anderen Berufen, Männer gefunden, die mit einem scharfen 
Blick für wirtschaftliche Entwicklungstendenzen und mit Tat¬ 
kraft an die 

Organisation der Hotelunternehmerinteressen 

herangegangen sind. Die Wichtigkeit dieser Aufgabe wurde 
schon verhältnismäßig früh erkannt, kaum daß das Hotelgewerbe 
angefangen hatte, seinen kleingewerblichem Charakter abzu¬ 
streifen und aus engem zünftlerischen Gesichtskreise den Blick 
auf die großen aus dem eben erwachenden Reiseverkehr sich 
ergebenden Anforderungen zu richten. 

Die älteste Berufsorganisation im Hotelwesen ist der 
Internationale Hotelbesitzerverein mit dem Sitz 
in Köln, der heute über 1600 Mitglieder in allen Kultur¬ 
staaten hat. Mehr 
als die Hälfte der 
Mitglieder fällt aber 
auf das Deutsche 
Reich, und aus dieser 
Tatsache und aus 
der geschichtlichen 
Entwicklung des 
Vereins erklärt es 
sich, daß der Schwer¬ 
punkt seiner Tätig¬ 
keit namentlich in 
der Vertretung der 
Interessen der deut¬ 
schen Hotelbesitzer 
ruht. Der Verband 
ist im Jahre 1869 in 
Coblenz unter Füh¬ 
rung des Besitzers 
des Hotels Fürsten¬ 
berg, Remagen, Otto 
Caracciola, als „Ver¬ 
ein der Gasthof¬ 
besitzer" gegründet 
worden. Der ur¬ 
sprüngliche Zweck 
des Vereins war die 
Bekämpfung der Mißstände auf dem Gebiete des Stellenver- 
mitllungswesens, das bekanntlich von jeher ein wunder Punkt 
im Beherbergungsgewerbe gewesen ist. Welche Aufmerksam¬ 
keit man aber auch allen anderen beruflichen Fragen zuzu¬ 
wenden entschlossen war, beweist der gleich mit der Gründung 
des Verbandes auftretende Plan, eine Wochenschrift als Organ 
des Vereins ins Leben zu rufen, die die Interessen des Gewerbes 
wahrnehmen und Besprechungen über Hoteleinrichtungen, 
Erfindungen usw. bringen sollte; auch war Beratung in beruf¬ 
lichen Fragen und Auskunfterteilung in dos Arbeitsgebiet des 
Vereins bezw. des Vereinsbureaus einbezogen. Der starke 
genossenschaftliche Geist, der den Verein ins Leben rief, 
spricht am besten aus den an die Berufsangehörigen gerich¬ 
teten Worten des Statuts: „Wir bitten zu beachten, daß die zu 
gründende Wochenschrift, sowie die von uns zu organisierende 
Stellenvermittlung mit den bestehenden LInternehmungen der 
Privatspekulation in keiner Weise verwechselt werden darf; 
sie sollen unser eigenes Werk sein, gegründet zum Schutze 
unserer gemeinsamen Interessen". Der Verein gewann schnell 
an Boden. Zehn Jahre nach seiner Gründung zählte er 282, 
bei seinem 25 jährigen Bestehen im Jahre 1894 über 900 Mit¬ 
glieder. Mit großer Beharrlichkeit hat sich der Verein von 
Anfang an wichtiger Berufsfragen angenommen, insbesondere 


Rheingoldsaal in Berlin: Versammlungssaal des 1. H. V. 


hat er es durch unermüdliche Agitation, die schon im 
Jahre 1873 einsetzte, erreicht, daß durch das Bürgerliche 
Gesetzbuch die Haftpflicht des Hotelbesitzers, wobei es sich 
geradezu um eine Existenzfrage des Hotels handelte, auf ein 
erträgliches Maß beschränkt wurde. Seinem zähen Eintreten 
für die Besserung der handelsrechtlichen Stellung des Hoteliers 
ist es zu verdanken, daß das Handelsgesetzbuch von 1897 
seine Kaufmannseigenschaft nicht mehr verneint. Schon diese 
Erfolge allein könnten genügen, um die Existenz des Vereins 
zu rechtfertigen. Daß der Verein auch in sozialer Fürsorge 
für die Angestellten viel geleistet hat, davon zeugen seine 
Ausgaben für soziale Zwecke, die sich allein für die letzten 
7 Jahre auf über 150000 Mark beliefen. Auf sein gesamtes 
Arbeitsgebiet einzugehen, ist hier nicht der Platz. Schon 
sehr bald nach seiner Gründung traten dem Verbände auch 
zahlreiche außerdeutsche Hotelbesitzer bei, namentlich mit 
Rücksicht auf den starken geschäftlichen Rückhalt, den der 
Verein seinen Mitgliedern durch Propaganda usw. bot. Er nahm 

daher im Jahre 1882 
den Namen „Inter¬ 
nationaler Verein 
derGasthofbesitzer" 
und im Jahre 1906, 
indem er der wirt¬ 
schaftlichen Ent¬ 
wicklung, die das 
Hotel wesen von dem 
Wirtegewerbe ge¬ 
schieden und seinen 
Angehörigen den 
Charakter eines 
besonderen Berufs¬ 
standes gegebenhat, 
Rechnung trug, den 
Namen „Internatio¬ 
naler Hotelbesitzer- 
Verein'^ an. Bei der 
Vertretung der be¬ 
ruflichen Interessen 
ist der Besitz einer 
eigenen Vereinszei¬ 
tung, der „Wochen¬ 
schrift des Inter¬ 
nationalen Hotel¬ 
besitzer - Vereins^% 
stets besonders förderlich gewesen. Sie hat sich in allen 
Fragen des Hotelwesens zu einem führenden Fachblatte 
entwickelt, das bestrebt ist, nicht nur die Interessen des 
Hotelbesitzers nach außen zu vertreten, sondern auch an der 
Hinaufentwicklung des Hotelwesens zu Nutz und Frommen 
des reisenden Publikums wie des eigenen Standes nach Kräften 
mitzuwirken. 

Von bedeutenderen Verbänden Deutschlands sind noch 
zu nennen: der Verein Berliner Hotelbesitzer, der 
Thüringer Hotelier-Verband, der Verein Schwarz¬ 
wälder Gasthofbesitzer, der Rheinische Hotelier¬ 
verein, die V e r e i n e d e r H o t e 1 b e s i t z e r in Baden- 
Baden, Wiesbaden, München, der Verein der Hotel¬ 
besitzer am Bodensee, der Verein der Hotel- 
Industriellen des Harzes, die Hoteliervereinigung 
des westlichen Industriegebiets. Die diesen Ver¬ 
bänden angehörigen Mitglieder sind vielfach auch Mitglieder 
des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins. Die drei erst¬ 
genannten Verbände haben sich auch der Federation Uni¬ 
verselle des Societes d'Hoteliers angeschlossen, von der noch 
die Rede sein wird. 

Bei dem internationalen Charakter, den das gesamte 
Hotelwesen in allen Ländern infolge der stetigen Ausdehnung 






Nr.lO DEUTSCHLAND VII 



des Reiseverkehrs weit über die staatlichen Grenzen hinaus 
gewonnen hat und der sich schon in der Geschichte des 
vorher beschriebenen Verbandes widerspiegelt, wird es an 
dieser Stelle interessieren, auch einen Blick auf die Berufs¬ 
organisationen der Hotelbesitzer in anderen Ländern zu 
werfen. Das Bestehen solcher Organisationen bietet auch 
für weitere Kreise dadurch ein Interesse, daß es gewisser¬ 
maßen ein Maßstab für den Stand des Hotelwesens in einem 
Lande bieten kann, an dem ja jeder reisende Fremdling 
Anteil nehmen wird. Denn man kann behaupten, daß gerade 
die Berufsorganisationen dahin wirken, Schäden, Mißstände 
oder Rückständigkeiten, die sich ja schließlich überall vor¬ 
finden, zu beseitigen und das Hotelwesen auf eine Höhe zu 
bringen, die ihm im Reisepublikum Beachtung und Aner¬ 
kennung sichert. In 
diesem Bestreben 
muß, wie in keinem 
anderen Stande, 
gerade im Hotel- 
gewerbeSolidarität 
herrschen. Nur ein 
hoher Stand des 
gesamten Hotel¬ 
wesens eines Lan¬ 
des, indes nie der 
Fortschritt eines 
einzelnen Hotel¬ 
besitzers , kann 
den unbedingt er¬ 
forderlichen Ruf 
schaffen, welchem 
das Reisepublikum 
folgt. So haben sich 
denn auch entspre¬ 
chend der Entwick¬ 
lung des inter¬ 
nationalen Hotel¬ 
wesens in allen 
Ländern, früher 
oder später, Be¬ 
rufsorganisationen 
gebildet, welche 
teils einen lokalen 
oder einen regio¬ 
nalen Charakter 


100000 auf Mitglieder des Vereins. Im Publikum hat sich 
der Verein namentlich durch die Herausgabe eines Hotel¬ 
führers bekannt gemacht, der wegen der in ihm veröffent¬ 
lichten Preise jedes Hotels ein erwünschter Berater des 
Fremden ist und sich als besonders zuverlässig in weiten 
Kreisen Anerkennung errungen hat. In der „Schweizer Hotel- 
Revue" hat sich der Verein ein publizistisches Organ 
geschaffen, das als ein führendes Fachblatt im Hotelwesen 
weit über die Grenzen der Schweiz hinaus verbreitet ist. 

Bedeutend später als in der Schweiz ist in einem anderen 
„Reiselande", in Italien, ein nationaler Berufsverband der 
Hotelbesitzer zustande gekommen. Die „Societä Italianä 
degli Albergatori" wurde im Jahre 1899 mit 144 Mit¬ 
gliedern gegründet, nahm aber einen sehr schnellen Auf- 


Berlin: Eingang zum Zoologischen Garten 


haben, oder sich über das ganze Staatsgebiet erstrecken. 

Die Organisation der Berufsinteressen ist natürlich 
namentlich dort erfolgt, wo der Reiseverkehr schon früh 
Bedeutung erlangt hat, wie in der Schweiz. Hier ist es 
der Schweizer Hotelier-Verein (Sitz Basel), der im 
Jahre 1882 gegründet wurde und sich um die Entwicklung 
des Schweizer Hotelwesens überaus verdient gemacht hat. 
Wenn das Schweizer Hotel wesen sich heute eines so großen 
Rufes erfreut und im eigenen Lande als diejenige Industrie gilt, 
die in Verbindung mit dem Fremdenverkehr am meisten zum 
wirtschaftlichen Wohlstand beiträgt, so hat der Schweizer 
Hotelierverein sein gutes Teil zu diesem Erfolge beigetragen. 
Er hat durch Erhebungen und sorgfältig geführte Statistiken 
Klarheit bei Behörden und Laien über die Bedeutung des 
Fremdenverkehrs und der Hotelindustrie geschaffen und 
ebenso wie der Internationale Hotelbesitzer-Verein in eifriger 
Erziehungsarbeit an der Vervollkommnung des Hotelwesens 
mit Erfolg gearbeitet, wovon auch die Tatsache zeugt, daß 
sich der Hotelier in der Schweiz eines höheren sozialen 
Ansehens erfreut, als in irgend einem anderen Lande. Die 
Mitgliederzahl des Vereins ist annähernd 1100. Von den 
etwa 125000 Fremdenbetten, die für den Fremdenverkehr 
in der Schweiz in Hotels zur Verfügung stehen, entfallen 


Schwung und zählte im Jahre 1910 schon fast 600 Mitglieder. 
Der Verein hat in erster Linie sein Augenmerk auf die 
Hebung des Hotelwesens in Italien gerichtet, daneben aber 
namentlich auch anderen genossenschaftlichen Aufgaben, wie 
der gegenseitigen Unterstützung bei besonderen Ereignissen, 
der Versicherung gegen Betriebsunfälle und Unglücksfälle, 
der Stellenvermittlung, dem Fachbildungswesen und anderen 
Aufgaben seine Aufmerksamkeit zugewendet. 

In Frankreich haben sich nach langen Vorbereitungen 
die bestehenden lokalen und regionalen Hotelbesitzer-Verbände 
kürzlich zur „Union des Syndicats des Hoteliers 
de France" zusammengeschlossen, die heute als die 
berufene Interessenvertretung des französischen Hotelgewerbes 
gelten darf. Die Durchführung zweckmäßiger Reformen im 
Hotelwesen und seine Vervollkommnung, Hebung des Fremden¬ 
verkehrs, ist auch hier der Hauptzweck der Organisation, die 
aber namentlich auch für die im Interesse der Hotelbesitzer 
seit langem erstrebten Reformen gesetzlicher Natur in 
Frankreich eintreten will. Von den Unterverbänden der Union 
seien als bedeutendste genannt das „Syndicat General de 
rindustrie Hoteliere et des Grands Hotels de Paris", das sich 
namentlich des Bildungswesens durch Gründung einer Hotel- 
Fachschule angenommen hat, und die „Association Syndicale 













vm DEUTS CH lang Nr.io 


tlj^s H^i^ii ejr^ ■ dte s A! de ■ l^; ’V »üj i du Rh 6n<^" ^ we 1 ^a 

beiden Vereine ihrers^lfs wlt^der der -id"^derstiör» llrviv&tS’^lle; 
des Sacietes d'Hnl^hers'^ sit^d 

Wie in Frahhmth, hat üdch iii Be I ^ i e n €1 st ^ '7, 

SRmmenschiciß äer lcthgl^Ti Berufj^vtirband-d wFdd ß t f ü n 
li B t i o n Q1 e d e Yl n d ^ lE ^ i-e h 3>. s H 51«I s. R e 31 e d r & n 1 s 
et CafBs de Kei^stattg^efuhden* DerVeihrmd, der 
ini; Jfttae 1 ^4 |f^g dde t 

wunde!' und-, sfeincn .'Sit^..-, .— --—^^ 

in Bruitiiiiet halt sn ’ ■MljiBM 

V er itf^i nrig' und Fd rd d« _ 

rung:-riet IrU^reÄsen des- '' : 

H o iel i arst ^nd ^ V ^ n\ em - ‘ ^EBEBBS 

ikh ef^ci:h dadurch. ^BhHi v 

ijVii^r>'.' ':HBSK B 

dieOfti^T-d^eg jökßter . ' «h. ^aWj lB . ^ 

yxn d rBiife. ’ ■ . |W ^ ^ ■.-' . ; ■<*;- ■ SBk ' h 

.viJnd^ H^\^^f e 1 j f,uin ö.'u]■ ■', ^;■ • ■ ^ 

thcse^^OFeise ^elnaUi Wir*- ' ' J ' ^ 

kön einen hasfirideren ^ 

RückiiaiL: ^u verlVihenx . » 


riiscU^n Gruudmg;^!^ und fftterör^sen einen i n t e r n «11n e 1 e n 

C hu ra k t e r/ n knhn es voih \virtschafiJRhen .Standpunktä 

ütis Blieb/ anerkennen, wenn sich das HotelgewepBe betnüHtu. 
in s^n^nt F^etnden von dem Zw^hg" -fuRilHger 

lökaier und yXiBtioheJ^^r Oebreu che und Sitten: kn: befr^feien 
uhd seine Ljei^shedut^^^ in PorrYien iu erfüll erw die fn 
i^ord t,md :Siidv ' M sich g^iaieheri. Dehn auch 

hienn ruh^n, 

-y r- ' Rj^isefide Woldtaten> die 

I grtins-dgr^ Rückwirküng-ert 

T ölen 

R eise-Verkehr fciasüben 

■ '• j . r 'SB:' 

t ^ ij politische i^eprage des 

■;^^"'.i‘ ‘ Hot^lwe^öni; bsiiich 

"i^-^-'' ;|hH der'’ BertJ.htörgeM^i'a'tlon;. 

ITn-te-r.nehmer, eitieh- 

■•• 1''B||jI^‘ '' 5 bestmderen’; ^Äiisdrdck ■ 

I ■}'■■'■ . ■ ', ‘; ^ verschilfe-, duftd^ dm Be“ ^ 

’l ‘;|’|®( • je=nindwi)f.einer'V^ 

IWkL^- -j i ' be- 

M .., S® deutedderWn :natio;nalen 

'i ■'■ - ■ Hoteih^ 

lj| ßo-‘ 

\i - <h|| diVfi für die Brörtenmg: 

^y ■ ^ : I der dös Hotelwesen bö“ 

" ruhTenden allgemeinen 

Ffögen ■ hrid für/.^die 
Forderung ellarmit deul 
.-?«. .t: ., __, 2 , r '!i.--_-_..'f^«^!i!i iLrti. -. < i. se V e T ke h r äü se m men^ 

:^vJfv: 2m^mcr-d^s/FrRsid^:m .,,;■ , htir»gendfrLAu%^^^^ 

:.i r> t rpe'ivo ■ Vereh'i R >.ie n g, 'd 1 e ■. f, F ti. fi, t:^ .fB t i n'FT- U ,n-.fy.c r s e'U e 

doS. d'Hö ;e^ Juhfi^ Iyi)S m Rpm. unter 

d'^ m .IVu h’tkmr1 1 .'. -dt^. :K^ju.tg:|S> ■-■ vciö . yfethbn ;geg:furid et' -vvorden* 
Angcschlos^^^st -si'rd ditr- Fc>d^rai:mh/''di«y ftric'üimten: 
verbünde. Den Voc^Ui ]i »t '|nt<?:rn^tioriaR i'iolBiy 

b esi t z er-' V ciei n'. beiW-' ..der- Pf ö hit-.V^t b e n d K d’ y je f • 

. - iKdhiK Seir+e AdfgatRh 

1 ' deren zweite in dies^rii 

Kühl: KfUiltmcnÄ^^imnier v. . »» i ■ 

Jahre in Berlin stötN 

findur Mnn whd nbwüricu mü^isen.^ welrlm BrfoRe diesem 

iiiicrimimnuRn ßm-idp ijejirhicden sein w^e.fden^ Bs hegt in d^t 

TSaViiFd*' döllsi^^ wpii Beslröbi^ ng en manch^p Hinde 

;riiSs:e .WeXihüri e'mgegef^sieVI >i> melit-.^lös sichdn 

dtfr Xiriin düng tfes Jim idt?3 «f osd^ k^^htfe id enle S irehen an»r^ 

kehrj^ipr mü^uwtijf^niah der BfRsUhng it^iner Kultursufi^iihe, als die 

hcmi^i ■.iihif>'rftll dle':'Fhrd0rt!tigyR.y-l|firiscveykfhrS nngesehen wird^. 



:>lü 



m 

'i-V^Hk 




















Nr.lO BaQQQ0QQQQ0Q0 8 3QQQQQ93Q8Q3 ai DEUTSCHLAND 10 00000080000 0 6306000 0 0068686^ 483 



Der Fremdenverkehr und seine Bedingungen. 


Die Schweizer Hotelrevue schreibt: Fremdenverkehr 

im engeren Sinne entspringt Antrieben, die mit den Bedürfnissen 
der Kultur, des geistigen Lebens, des Gemütes, der Gesundheit, 
kurz mit subjektiven Neigungen idealer Natur im Zusammen¬ 
hang stehen. Die Wanderlust schlummert in jeder Menschen¬ 
seele. Schon im Altertum unternahm man zum Besuche von 
Kultusstätten weite Reisen; religiöse Begeisterung und Aben¬ 
teuersinn führten zu den Kreuzzügen. Dann wurde Italien, die 
Geburtsstätte der Renaissance, die die geistigen Fesseln des 
Mittelalters sprengte, das Wanderziel aller Gebildeten, und seit 
einem Jahrhundert führt der Natursinn und das Bedürfnis nach 
Erholung unseren Bergen, den von den Römern einst ver¬ 
abscheuten Alpen, jeden Sommer immer zahlreichere Gäste zu. 

Der Fremdenverkehr entspringt subjektiven Antrieben 
idealer Natur, die in einem bestimmten Orte oder Lande 
Befriedigung finden. Der Ort oder das Land zieht aus diesem 
Verkehr grossen Nutzen, und es liegt im Interesse der Be¬ 
völkerung, die lokalen Mittel zur Befriedigung des Antriebes 
zu erhalten und wenn möglich zu steigern. Ausserdem aber 
knüpft sich der Fremdenverkehr an gewisse allgemeine Be¬ 
dingungen. Solche sind die leichte Erreichbarkeit der Reise¬ 
ziele, gute Unterkunft und Verpflegung. Sicherheit des Lebens 
und Eigentums, Komfort, Zerstreuung, Anregung, mit einem 
Wort: ein angenehmer Aufenthalt. 

Die Intensität des Antriebes hängt bezüglich eines be¬ 
stimmten Ortes oder Landes von der Erfüllung dieser Be¬ 
dingungen ab, d. h. günstige Verhältnisse in bezug auf Erreich¬ 
barkeit und Aufenthalt wirken für den betreffenden Ort als 
Förderung des Fremdenverkehrs, ungünstige als Hemmung. 
Es ist daher keine zufällige Erscheinung, sondern in der Sache 
begründet, dass man gerade in den Ländern, deren Natur¬ 
schönheiten die Ursache des Fremdenverkehrs sind, wie 
z. B. in der Schweiz, überall das lebhafte Bestreben sieht, die 
Hemmungen zu beseitigen, dass hier eine besondere Tätigkeit 
zur Förderung des Fremdenverkehrs entwickelt wird, während 
in Ländern, die wegen ihrer Kunstdenkmäler, Museen 
und Sammlungen besucht werden, eine solche Betrieb¬ 
samkeit gar nicht, oder doch nur in schwachen Ansätzen wahr¬ 
zunehmen ist. So hat sich vorzugsweise in allen Alpenländern 
eine besondere Fremdenindustrie — wenn wir uns dieses häss¬ 
lichen Wortes bedienen dürfen — entwickelt, die in der Er¬ 
haltung der Bedingungen des Fremdenverkehrs bezw. in der 
Beseitigung seiner Hemmungen sich betätig^. In erster Linie 
daran beteilig^ sind die Anstalten für Personentransport und 
die Hotelerie; dort, wo das Gemeinwohl an dem Fremden¬ 
verkehr genügend interessiert ist, wie dies in der Schweiz der 
Fall ist, bildet dessen Pflege gleichzeitig den Gegenstand gemein¬ 
wirtschaftlicher Tätigkeit, und es sollte dieOekonomik und 
PolitikdesFremdenverkehrs geradeso wie die Förderung 
der Landwirtschaft, die Gewerbeförderung, die Handelspolitik 
in den Wirkungskreis der öffentlichen Verwaltung 
gehören. 

In den Alpenländem ist der Fremdenverkehr durch einen 
Antrieb in Fluss gebracht worden, der sich zunächst gerade 
jenen Gegenden zu wandte, in welchen er den grössten Hem¬ 
mungen begegnen musste. Dieser Antrieb war der Bergsport. 
Wie Forschungsreisende die wirtschaftliche Besitzergreifung 
eines bisher unbekannten Landes vorbereiten, so drangen die 
Alpinisten, den Pfaden der Jäger und Hirten folgend, oder 
selbst die Wege sich bahnend, in unsere Berge. Indem sie 
Weg und Steg erkundeten und kennzeichneten, sich die Ein¬ 
geborenen zu Freunden machten, Unterkünfte und Aussichts¬ 
warten bauten und die Schüderung von Land und Leuten ver¬ 
breiteten, wurden sie in diesen Ländern die Pioniere des 
Fremdenverkehrs. Erst später folgten diesen „Landeroberern** 
die Talwanderer und Sommerfrischler, die grossen Scharen der 
Lustreisenden, die jeden Sommer alle Alpentäler bevölkern. 
Die Alpen- und Touristenvereine sind heute noch die kräftigsten 
Pfleger dieses Antnebes. Zum Schlüsse dieser kurzen Be¬ 
trachtungen mögen noch einige Angaben über die Touristen¬ 
klubs Platz finden. Der erste Touristenklub wurde im Jahre 
1857 in London gegründet. Ihm folgte im Jahre 1862 der öster¬ 
reichische Alpenverein in Wien, 1863 der Schweizerische Alpen¬ 
klub und der Club Alpino Italiano in Turin, 1864 der Schwarz¬ 


wal dverein, 1866 der Club Jurassien in Neuenburg, 1868 der Taunus¬ 
klub in Frankfurt a. M., 1869 der steirische Gebirgsverein, der 
deutsche Alpenverein in München und der österreichische 
Touristenklub in Wien. Der deutsche und österreichische 
Alpenverein entstand im Jahre 1874 durch Vereinigung des 
österreichischen Alpenvereins in Wien und des deutschen 
Alpenvereins in München.** — 

Soweit die schweizerische Zeitschrift. Zu grossem 
Teil lassen sich die vorstehenden Ausführungen 
auch auf den Fremdenverkehr in Deutsch¬ 
land übertragen. Wir möchten jedoch hinzufügen, 
dass die Bedingungen für einen lebhafteren 
Fremdenverkehr in Deutschland, obwohl es mit den 
gigantischen Naturschönheiten der Schweiz nicht 
in Wettbewerb treten kann, die denkbar günstigsten 
sind. In Deutschland finden wir eine Fülle von 
Naturschönheiten vereinigt mit den Kunstschätzen 
und Baudenkmälern alter und neuer Zeit. Unsere 
Verkehrsmittel sind gut und billig, auch für die 
Sicherheit des Lebens und des Eigentums ist ge¬ 
nügend gesorgt, und bezüglich des Komforts, der 
Zerstreuungen und Anregungen steht Deutschland 
hinter keinem Touristenland zurück. Und doch kann 
der Fremdenverkehr in Deutschland die sich der 
Förderung der Verkehrsbestrebungen widmenden 
Stellen noch keineswegs befriedigen. Wenn Deutsch¬ 
land trotz all der Vorzüge den Wettbewerb mit 
manchen anderen Ländern noch nicht erfolgreich 
bestehen kann, so mag dies zum Teil daran liegen, 
dass die Propaganda zur Heranziehung des Fremden¬ 
verkehrs bei uns in Deutschland verhältnismässig 
erst spät eingesetzt hat und vor allem aber 
noch bis in die jüngste Zeit eine straffe Organi¬ 
sation und den unbedingt erforderlichen Zu¬ 
sammenschluss aller auf diesem Gebiete tätigen 
Behörden, Vereine und sonstigen Korporationen 
vermissen Hess. Es wäre ungerecht, wenn man 
nicht rückhaltlos anerkennen wollte, dass namentlich 
die deutschen Verkehrs-Vereine bereits recht 
Erspriessliches geleistet und besonders zur Förderung 
der Propaganda rein örtlicher Art beigetragen haben. 
Und doch möchte man wohl behaupten, dass trotz 
dieser Erfolge unsere Verkehrsvereins-Politik erst 
am Anfang einer aufsteigenden Linie steht, die 
Hand in Hand mit der Entwicklung des Bundes 
Deutscher Verkehrs-Vereine in neuerer Zeit ein 
erfreuliches Bild des Fortschritts zeigt, namentlich 
hinsichtlich der Organisation. Wer Gelegenheit ge¬ 
habt hat, die Verkehrspolitik der Vereine und Ver¬ 
bände etwas näher zu verfolgen, wird zugeben 
müssen, dass doch noch vielfach eine Zersplitterung der 
Kräfte, eine Verzettelung von Arbeit, Zeit und Geld 
wahrzunehmen war. Häufig konnte man sogar be¬ 
obachten, dass am gleichen Orte mehrere Vereine 
bestanden, von denen jeder für sich und unbekümmert 
um den anderen Verkehrspolitik trieb. Namentlich 
auf dem Gebiete der Reklame wucherte diese 
leidige Verzettelung häufig derart, dass sie fast ins 
Komische ausartete. Es wären Beispiele anzuführen, 
wo der Verkehrs-Verein, die Hotelier-Vereinigung, 
die Stadtverwaltung, die Kurverwaltung und schliess- 


484 S M99 9 Q9 9 3a990QQQQ(»0O30gxw^ DEUTSCHLAND w oeeüooseooeceoce^^ Nnl^ 


lieh noch der Landesverband das gleiche Gebiet 
mit der Reklame behandeln. Welch ein grosser 
Erfolg würde hier erzielt werden können, wenn 
all diese Stellen ihre Mittel und ihre Kräfte sammeln 
würden zu einem gemeinsamen Vorgehen, eventuell 
unter Benutzung von grossen, wirkungsvollen 
Kollektiv-Anzeigen! 

Noch ein weiterer Uebelstand stand der Ent¬ 
wicklung der Verkehrs-Vereine bisher hindernd im 
Wege: die geringe Fühlung mit den staatlichen 
und kommunalen Behörden und das geringe 
Verständnis, das mancherorts für die Bestrebungen 
der Verkehrs-Vereine vorhanden war. Auch hier 
macht sich in letzter Zeit ein erfreulicher Wandel 
bemerkbar. Insbesondere ist es dem Bund Deutscher 


Verkehrs-Vereine gelungen, das Interesse der 
Staatseisenbahnen für die Aufgaben des Bundes 
und die Unterstützung durch staatliche Mittel zu 
gewinnen. Wird es dadurch dem Bunde möglich, 
seine Aufgaben in grosszügigerer Weise zu lösen und 
seine Bestrebungen von einer unabhängigeren, 
höheren Warte aus zu leiten, so darf erwartet 
werden, dass das Vorgehen der Staatseisenbahnen 
auch auf andere behördliche Stellen befruchtend 
einwirken wird. Nur durch das Zusammengehen 
aller am Fremdenverkehr interessierten Kreise ist 
eine wirklich erfolgreiche Verkehrspolitik möglich, 
die zielbewusst und mit Ausdauer dahin streben 
muss, Deutschland den Fremdenverkehr zu ver¬ 
schaffen, der ihm gebührt. 


Ein nationaler Katechismus für Deutsche in Südafrika. 


Dem „Deutschen evangelischen Volksboten für Südafrika** 
entnehmen die Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum 
im Ausland die folgenden kernigen Gebote, die ein volkstreuer 
Deutscher auf afrikanischem Boden befolgen soll: 

„Als deine Vorväter oder du selbst an der Südspitze Afrikas 
ans Land gingst, hattest du einen deutschen Familien¬ 
namen, den deine Vorfahren in der Heimat bis weit in die 
Jahrhunderte zurück mit Ehren getragen haben. 

• Trage ihn getrost in Ehren weiter und fange nicht an zu 
ändern. Wenn Uber dem a, o, u ein paar kleine Striche stehen, 
so lass sie ruhig dableiben. Oder andernfalls — du weisst ja! 
Erst der kleine Finger, dann die ganze Hand und zuletzt auch 
das deutsche Herz. 

Du hast einen ehrlichen Vornamen mitgebracht, behalte 
den ruhig weiter und werde nicht plötzlich zum John oder 
Charles oder zu sonst wem. Sieh dir den Ausländer in Deutsch¬ 
land an. Er hat Rückgrat und bleibt, was er ist, allezeit. 

Vielleicht hast du auch Kinder. Gib ihnen schöne deutsche 
Namen mit auf den Lebensweg. Sie werden dir vielleicht einmal 
dankbar dafür sein. Gertrud, Hildegunde, Ingeborg, Irmgard, 
Ilse, Sigrid, Harald, Helmut, Heinrich, Rudolf, Thorwald, 
Günter usw. Was gibfs da für herrliche Namen! 

Lass dein Haus zu einer deutschen Burg werden! 
Lass nur Deutsch sprechen! Sei unerbittlich streng darin, 
lieber zu viel als zu wenig. Draussen und in der Schule 
lernen deine Kinder schon sowieso Holländisch und Englisch, 
besser als von dir, der du die Sprachen vielleicht erst als 
Erwachsener gelernt hast. 


Mit jedem deutschen Landsmann sprich nur 
D e u t s ch. Sonst verachtest du deine Heimat. 

Sprich möglichst ein reines Deutsch. „Holländere** oder 
„Engländere'* nicht. Die deutsche Sprache ist doch so reich! — 
Rede auch nicht von Mr. oder Mrs., wenn du von deinem Mann 
oder deiner Frau sprichst. Das ist gar nicht Deutsch. 

Die Liebe fällt auf gar verschiedenen Boden. Aber, 
deutscher Mann, deutsche Frau! Sollte das nicht besonders 
fest verbinden fürs Leben? 

Man sagt, wir Deutschen seien das liederreichste Volk der 
Welt. Du kennst sie ja alle, unsere herrlichen Volkslieder; 
„Am Brunnen vor dem Tore", „ln einem kühlen Grunde**, „Ich 
hatt* einen Kameraden“, „Wem Gott will rechte Gunst erweisen***). 
O sing sie alle in deinem Hause, im Kreise deiner Familie, und 
auch deine in Afrika geborenen Kinder werden lernen, unser 
Deutschtum von Herzen lieb zu haben und begeistert einstimmen 
in ein: „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der 
Welt**. Tust du dies alles, so bist du treu. Vor 2000 Jahren 
hat ein römischer Schriftsteller namens Tacitus ein kleines 
Büchlein, „Germania** betitelt, geschrieben Über unsere alten 
deutschen Vorfahren, die damals noch in tiefem Urwald hausten 
und Auerochsen und Bären mit langem Speer erlegten. Treue 
sei die Haupteigenschaft der Deutschen, der „Germani**, sagt 
Tacitus und ruft es mahnend seinem sittenverderbten Volke zu. 
Auch wir hier im Ausland wollen treu sein, treu unserem 
Deutschtum, und darüber wachen, dass der deutsche Eüirenschild 
allezeit blank bleibt.** 

*) Vcrgl. auch den Artikel: „Wandern und Reisen im deutschen Lied“ 
von Rektor llaminelrath in Nr. 7 (Seite 3:i4), II. Jahrg. der „Deutschland". 


Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 

Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelahof. 

Am 7. September hielt der Ausschuss für Ferien¬ 
sonderzüge eine Sitzung in Leipzig ab, in welcher Herr 
Dr. Kuckuck (Dortmund) das Referat erstattete. Es wurden 
eine Reihe Beschlüsse gefasst, die den zuständigen Stellen 
mündlich unterbreitet werden sollen. In Ausführung des Be¬ 
schlusses betr. Einführung von SonderzUgen von den Grenzen 
nach dem Innern des Deutschen Reiches wurde eine Rundfrage 
an die Verbände gerichtet. 

Der Bund war auf der Haupt-Versammlung des 
Verbandes Mitteldeutscher Verkehrs-Vereine durch 
Herrn Professor Dr. Roth und auf der Haupt-Versamm¬ 
lung des Verbandes Deuts ch er Gebirgs- und 
Wander-Vereine durch den Geschäftsführer, Dr. Seyfert, 
vertreten. 

Der Verband Deutscher Gebirgs- und Wander-Vereine trat 
dem Bund als korporatives Mitglied bei. 

Den geschäftsführenden Ausschuss beschäftigte ferner vor 
allem das Programm der vom 6. bis 8. Oktober in Leipzig statt¬ 
findenden Vorstandssitzung, auf deren Tagesordnung überaus 
wichtige Beratungsgegenstände stehen, z. B. Finanzen, Aus¬ 
kunftstellen im Auslande, Kollektiv-Annoncen, Fremdenverkehrs- 
Statistik, Bildschmuck in den Eisenbahnwagen u. a. m. 


Aus den Bundes-Vereinen. 

Verband Mitteldeutscher Verkehrs-Vereine. 

Der Verband Mitteldeutscher Verkehrs-Vereine hielt am 
IO. September in Wernigero de, der „bunten Stadt am Harz**, 
seine 3. Mitgliederversammlung ab. 

Nach einer Begrüssungsansprache des Ersten Bürger¬ 
meisters Ebeling und einigen prächtigen Gesangesgaben des 
Doppelquartetts des Sängerklubs „Eintracht** hielt der Verbands¬ 
vorsitzende, Stadtverordneter Fabrikant Miller (Magdeburg), 
einen längeren Vortrag über die „Bestrebungen und Ziele des 
Bundes, der Verbände und Vereine im Interesse des Verkehrs**, 
der die in so uneigennütziger Weise von den Verkehrs-Ver- 
bänden und Vereinen im allgemeinen nationalen Interesse 
geleistete gewaltige, erfolgreiche Arbeit beleuchtete. Der Abend, 
der auch durch ein phantastisches Festspiel „Ein Gruss vom 
Vater Brocken'*, musikalische Darbietungen usw. verschönt 
wurde, verlief in angenehmster Weise. 

Der Sonntag galt ernster Arbeit. Schon um g {Uhr 
fanden sich die Mitglieder des Vorstandes und Ausschusses 
des Verkehrs-Verbandes im Hotel „Gotisches Haus** zur 
Sitzung ein, an der u. a. auch Prof. Roth aus Leipzig als 
Vertreter des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine teilnahm. Bald 
nach 10 Uhr wurde die gut besuchte Mitgliederversammlunj^ 









Nr. 10 Be99 0aQQQ0GQ30Q0CI00Q(X >e9effll DEUTSCHLAND ■ 6000000000000000000000^^ 485 


durch den Verbandsvorsitzenden Miller (Magdeburg) mit Be- 
grüssungsworten eröffnet. Er teilte mit, dass die Verkehrs- 
Vereine in Stolberg und Seyda, Bezirk Halle, dem Verbände 
als neue Mitglieder beigetreten seien, und dass die erneut auf¬ 
zunehmende Werbetätigkeit sicher zu dem dringend nötigen 
Zusammenschluss aller Verkehrs-Vereine der 
Provinz Sachsen und Anhalts führen werde, nachdem 
das Verständnis von den Zielen und erfolgreichen Arbeiten 
der Verkehrs-Verbände und des Bundes in immer weitere Kreise 
gedrungen sei. Der Vorsitzende erstattete sodann den Ge¬ 
schäftsbericht, besprach die Herausgabe und den Vertrieb des 
kürzlich bereits erwähnten Verbandsprospektes, die Finanzierung 
des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine, der nach dem Vor¬ 
bilde anderer Staaten bei seinen in erster Linie dem Staate 
und den Staatsbahnen zum Vorteile gereichenden Bestrebungen 
die finanzielle Förderung durch den Staat in ganz anderer 
Weise wie bisher erfahren müsse und der unabhängig von den 
Verbänden dastehen müsse, die Dezentralisation der 
Schulferien im Verkehrs- und volkswirtschaftlichen Interesse 
und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, wie in so kurzer 
Zeit die Verkehrs-Verbände zu einem bedeutsamen Faktor im 
Verkehrsleben geworden seien, mit dem die Behörden gemeinsam 
die Aufgaben des ins Riesenhafte gewachsenen Verkehrs zu 
erörtern und zu lösen sich bemühten. 

Im Anschluss hieran teilte der Geschäftsführer Beyerlein 
(Magdeburg) einiges aus dem gedruckt vorliegenden Akten- 
auszuge über die von Erfolg begleiteten Bestrebungen des 
Verbandes im abgelaufenen Geschäftsjahre mit, das die Ver¬ 
sammlung mit Befriedigung zur Kenntnis nahm. Den Kassen¬ 
bericht erstattete der Schatzmeister Branddirektor Prölss 
(Magdeburg). Auf Grund des Berichts der Kassenprüfer wurde 
Entlastung erteilt. Auch der Voranschlag für das neue Ge¬ 
schäftsjahr wurde genehmigt. An der Besprechung des Ge¬ 
schäftsberichts beteiligten sich die Herren Privatdozent Dr. Wolff 
(Halle), Prof. Roth (Leipzig), Bürgermeister Kelp (Zeitz), 
Kretschmann (Kösen), Kirchhoff (Weferlingen), die Stadträte 
Grau (Halberstadt), Cassier (Zerbst) u. a. — Auf Vorschlag des 
Bürgermeisters Kirchhoff wurde der bisherige Verbands Vorstand 
auf weitere zwei Jahre wiedergewählt. — Dann hielt Dr. W ol ff 
einen Vortrag: „Wie ich durch deutsche Gaue wandere*', 
wobei er das Wandern in deutschen Wäldern und Bergen vom 
nationalen und volkswirtschaftlichen Standpunkte aus betrachtete 
und würdigte. -Er hob u. a. hervor, wie etwaaoo Millionen 
jährlich an barem Gelde aus Deutschland allein 
nach der Schweiz gingen, ganz von Italien und den 
nordischen Ländern abgesehen, wie dieser gewaltige Export 
deutschen Geldes, insgesamt etwa 1 Miiliarde, nach dem 
Auslande nicht zu billigen sei, wie es den deutschen Inter¬ 
essen weit mehr entspräche, dass die Erholungsuchenden die 
deutschen Gebirge und die See aufsuchten, so dass das 
Geld im Lande verbliebe. Die Einfuhr fremden Geldes nach 
Deutschland und die Hinderung der Ausfuhr deutschen Geldes 
nach dem Auslande würde hoffentlich auch eine Folge der so 
kräftig einsetzenden Tätigkeit der Verkehrs-Verbände und des 
Bundes sein. Reichen Beifall zollte man den interessanten 
Ausführungen des Redners. Prof. Roth regte an, dass der 
Vortrag, wenn irgend möglich, in der „Deutschland“, dem 
Organ des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine, veröffentlicht 
werden möchte. Dr. Wolff stellte dies in Aussicht. Der 
Vorsitzende Miller empfahl den Vereinen und Mitgliedern, 
auf die „Deutschland“ zu abonnieren, die die Annähe¬ 
rung der einzelnen Verk ehrs-Vereine nachhaltig 
fordere und ihren Interessen diene. Der nächste 
Verbandstag findet in Halberstadt statt. 

Ein gemeinsames Mittagessen im Hotel „Deutsches Haus**, 
mit Damen, schloss sich an. Dem Ersten Bürgermeister Ebeling 
und dem Leiter des städtischen Verkehrsamtes Schulze wurde 
der Dank der Teilnehmer der Tagung für die herzliche Auf¬ 
nahme und die Fülle des Gebotenen ausgesprochen. 

Verkehrs-Verein Leipzig. 

Der diesjährige Schaufenster-Wettbewerb vom 19. 
bis 22. Oktober verspricht bei der allgemein zustimmenden 
Aufnahme eine besonders umfangreiche und grossartige Ver¬ 
anstaltung zu werden. Dank der Bereitwilligkeit hiesiger grosser 
Firmen und der unermüdlichen und regen Tätigkeit des Arbeits¬ 
ausschusses kann dieses Fest der Kaufmannschaft, denn als 
solches muss man nach den Erfahrungen des vergangenen 
Jahres diesen Wettbewerb bezeichnen, auf eine kulturelle und 
zugleich künstlerische Höhe gebracht werden, die bisher noch 
nicht erreicht worden sein dürfte. Dem Preisrichterkollegium sind 
bereits mehrere Ehrenpreise von privater Seite zur Verfügung 
gestellt worden und sollen diesmal, laut Beschluss, von dem 
eventuell zu verzeichnenden Ueberschuss auch Geldprämien an 
die Dekorateure der besten prämiierten Fenster verteilt werden. 


Um den Anfragen nach guten Dekorateuren gerecht zu 
werden, ist es im Interesse derselben, ihre Adresse, eventuell 
einige Referenzen, an die Geschäftsstelle des Verkehrs-Vereins 
zu Leipzig gelangen zu lassen. 

Oer Harzer Verkehrs-Verband 

hielt am 18. September in 0]s t e r o d e seine 9. Jahreshauptver¬ 
sammlung ab, an der 50 Vertreter von Harzorten und Verkehrs- 
Vereine teilnahmen. Der zweite Vorsitzende, Eisenbahndir€ktor 
Glanz (Blankenburg), gab seiner Freude Ausdruck, dass die 
Ziele des Verbandes vielfach erreicht sind und man gelernt 
habe, Erfolge darin zu sehen, dass alle Mitglieder an einem 
Strange ziehen. Erfreulicherweise wären wieder zwei Neu¬ 
anmeldungen zu verzeichnen, nämlich vom Kur-Verein Alexisbad 
und Verkehrs-Verein Eckertal. Nur wenige Harzorte ständen 
leider noch immer den gemeinnützigen Bestrebungen des Ver¬ 
bandes fern, der ihnen so grosse Vorteile brächte. Ein erfreu¬ 
liches Bild gab der Bericht der Berliner Auskunftei von Gsellius, 
die sehr stark in Anspruch genommen worden ist. Dem Schatz¬ 
meister, Bürgermeister Dr. Hessel, Osterode, konnte Entlastung 
erteilt werden. Die Ausgaben betrugen 5622.40 Mark. — Als 
Vorsitzender der Eisenbahnkommission berichtete der Herzogi. 
Badekommissar Major Dommes (Bad Harzburg) über die durch 
das Entgegenkommen der Königlichen Eisenbahndirektionen 
Magdeburg, Cassel, Hannover, Halle stattgefundene Aussprache 
über unsere Verkehrs wünsche und die Erfolge. — Der Geschäfts¬ 
bericht, erstattet vom Verkehrsleiter Schultze (Wernigerode) 
zeigte, dass rege Reklame unterhalten ist Von der Werbeschrift 
„Der Harz** wurden 16 000 Exemplare, von der Winterbroschüre 
4000 Exemplare verbreitet, ferner 550 Harz-Wandkarten in 
deutschen und ausländischen Verkehrsbureaus zum Teil mit 
englischem Text ausgehängt, 10000 englische illustrierte Pro¬ 
spekte durch Th. Cook & Son versandt usw. — Eine interessante 
Besprechung brachte der Antrag des Herzogi. Badekommissars, 
Major Dommes, für den Wohnungsnachweis bestimmte Richt¬ 
linien aufzustellen. Es wurde einstimmig folgender Beschluss 
gefasst: Den Mitgliedern des Harzer Verkehrsverbandes wird 
empfohlen, den Wohnungsnachweis nach folgenden Grundsätzen 
auszuUben: Anfragen allgemeiner Art nach Wohnung usw. sind 
mittels möglichst ausführlicher Drucksachen (Prospekt, Woh¬ 
nungsnachweis, Ortsplan) zu beantworten. Bei Spezialwünschen, 
welche durch den Inhalt der Drucksachen nicht erschöpfend 
beantwortet werden können, ist besondere mündliche oder 
schriftliche Auskunft zu erteilen. Wenn irgend möglich, sind 
stets mehrere passende Wohnungen vorzuschlagen. — Ver¬ 
schiedene Eisenbahnwünsche gelangten alsdann zur Besprechung, 
z. B. ein Feriensonderzug von Holland, ein solcher von Bayern 
nach hier und weiter, eine bessere Verbindung von Hamburg 
mit dem Harze u. a. — Der Voranschlag für 191a wurde auf 
5950 Mark festgesetzt. Major Dommes und Schulinspektor 
S attl e r (Braunschweig) zollten derVerkehrs-Zeitschrift„D e u ts ch- 
land** anerkennende Worte und richteten die dringende Bitte 
an alle Vertreter, für die hervorragende schöne Zeitschrift 
tüchtig zu werben. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, 
Eisenbahn-Direktor Glanz, Oberbürgermeister Dr. Contag (Nord¬ 
hausen), die Gemeindevorsteher Barner (Ilsenburg), Hein (Hahnen¬ 
klee) und Schönermark (Thale), sowie Kurdirektor Becker 
(Braunlage) wurden wieder-, Buchhändler Werneburg (Franken¬ 
hausen) neugewählt; den Vorsitz behält Erster Bürgermeister 
Ebeling (Wernigerode). Als Ort der nächsten Hauptver¬ 
sammlung wählte man Thale. 

Hauptversammlung «les Verbandes Deutscher 
Gebirgs- und Wander-Vereine. 

Zum 24. Male hielten die Vertreter des Verbandes Deutscher 
Gebirgs- und Wander-Vereine ihre Jahresversammlung ab. Am 
Vorabend (8. September) wurde eine Versammlung abgehalten, 
auf der die wichtige Frage der Jugendwanderungen und Jugend¬ 
herbergen vorbesprochen und vorberaten wurde. Der Vor¬ 
sitzende, Pfarrer Löscher (Zwönitz) erstattete eingehenden Bericht 
über die Bestrebungen der Stutenten- und Schülerherbergen 
unter Hinweis auf die Hauptversammlung am 3. September in 
Leipzig. Um in den praktischen Betrieb dieser Jugendwande¬ 
rungen einzuführen, schloss sich an diese Beratungen die Vor¬ 
führung von 70 Lichtbildern an: „Wie man in Dresden die 
Jugendwanderungen betreibt!** Der Vorabend schloss mit einer 
Vorführung von Lichtbildern über den Wintersport und 
seine Pflege in den deutschen Mittelgebirgen durch 
Dr. med. Jaeger aus Leipzig, den bekannten Führer in der 
Wintersportpflege. Die Hauptversammlung begann am 9. Sep¬ 
tember, nachmittags 3 Uhr, im Theatersaale des Kurhauses in 
Bad Wildungen. Sie wurde geleitet vom i. Vorsitzenden, 
Seminar-Oberlehrer Möckel (Dresden), und vom 2. Vorsitzenden, 
Pfarrer Löscher (Zwönitz). Nach üblichen Begrüssungen er- 







486 B$0Q3Q0Q99Q 0 0 9 0QQQ99Q99Q0QQCW i DEUTSCHLAND 1 1866006006000000000006 6 608 181 Nr40 


stattete der verdiente Geschäftsführer und Schriftleiter Kabisch 
aus Leipzig den Jahresbericht, dem zu entnehmen war, dass 
der Verband am i. Januar 19x1 67, jetzt 69 angeschlossene 
Vereine zählt, die von den kleinen Einzelvereinen bis zu den 
grossen Verbänden mit über 30 000 Mitgliedern reichen. Im 
ganzen bestehen die Verbands-Vereine aus 2140 Zweig-Vereinen 
oder Ortsgruppen, die über 228 400 Mitglieder in sich schliessen. 
Den Kassenbericht für 1910 trug der Rechner Dr. med. Jaeger 
aus Leipzig vor. Die Rechnung, die mit 2611.90 Mk. Bestand 
und einer weiteren Zahlung von 700 Mk. von seiten der Vereins¬ 
zeitschrift abschloss, war geprüft und richtig befunden worden. 
Auch der Haushaltplan 1912 mit 2960 Mk. Einnahme und Aus¬ 
gabe fand Genehmigung. Eine sehr lange Für- und Gegenrede 
entfesselte der vom Vorsitzenden des Hauptausschusses selbst 
vertretene Antrag, eine Austauschstelle für touristische Ver¬ 
öffentlichungen, insbesondere für die Vereinszeitschriften, zu 
schaffen. Einen Versuch freiwilligen Anschlusses an diese 
Mittelstelle will man alsbald unternehmen. Der Antrag des 
Hauptausschusses, die Mitgliedschaft im Bunde Deutscher 
Verkehrs-Vereine zu erwerben, damit die Vereine die 
Auskunftstelle dieses Bundes im ln- und Auslande zur Aus¬ 
breitung ihrer Propagandaschriften benutzen können, wurde 
nach einem Referat des Geschäftsführers des Bundes, Dr. Seyfert, 
angenommen. Nachdem zuvor Pfarrer Löscher über die Er¬ 
gebnisse der Vorberatungen, Jugend Wanderungen betreffend, 
berichtet hatte, begründete Dr. med. Jaeger den dritten Antrag 
des Hauptausschusses, dass die Verbands-Vereine überall die 
staatlichen Bestrebungen der Jugendpflege, namentlich des 
Wanderns, unterstützen möchten. Der Kölner Eifelverein 
liess seinen Antrag begründen, dass die Vereine in ihren Be¬ 
zirken neben den Schülerherbergen auch solche Unterkunfts¬ 
stellen für Lehrlinge dos Kaufmanns- und Gewerbestandes ein¬ 
richten sollten. Man nahm diese Anregung freundlich auf, 
ebenso wie die Einrichtung allgemeiner Jugendherbergen nach 
Odenwälder Muster. 

Der Verband der hessischen Verkehrs-Vereine 

tagte unter dem Vorsitz des Notars Stahl in Bad Nauheim, 
15 hessische Städte waren durch ihre Delegierten vertreten. Den 
Verhandlungen wohnten ausserdem Reichsrat Schliephake, Kur¬ 
direktor von Frankenberg und Bürgermeister Dr. Kayser bei. 
Die Beratungen über den Bilderschmuck in Eisenbahnwagen 
endeten mit Annahme eines Antrages Bad Nauheim, nach dem 
die Beseitigung den einzelnen Vereinen überlassen bleibt. Im 
nächsten Jahre soll die in diesem Jahre in Berlin stattfindende 
Dioramen-Ausstellung in Bad Nauheim zur Auf¬ 
stellung kommen. Wegen des Kostenpunktes soll noch mit der 
Hessischen Regierung verhandelt werden. Es wurden weiter 
noch eine Anzahl Wünsche zur Sprache gebracht. 

Der Verkehrs-Verein von Kiel und Umgebung 

veröffentlicht den Bericht über die letzten fünf Jahre seiner 
Tätigkeit. Dem Bericht, der zwar nur in gedrängter Kürze das 
Wesentlichste enthält, doch ein Bild von der vielseitigen und 
erfolgreichen Tätigkeit des Verkehrs-Vereins für die Stadt Kiel 
gibt, entnehmen wir: Durch freundliches Entgegenkommen der 
Stadt Kiel, die kostenlos einen Platz auf dem Grundstück der 
Feuerwehr anwies, und durch verschiedene Kieler Firmen, die 
kostenlos Material lieferten und die Arbeiten ausführten, war 
es möglich, eine Auskunftei zu erbauen. In der Auskunftei des 
Verkehrs-Vereins, wo Zeitschriften, Tageszeitungen, Führer und 
Adressbücher ausliegen, befindet sich dauernd eine Dame, 
die Auskunft erteilt und hier die schriftlichen Arbeiten des 
Vereins erledigt. Gegen Erstattung der Auslagen werden im 
Verkehrs-Verein auch die Geschäfte für den ,»Verein zur Förde¬ 
rung der deutschen Motorbootfischerei“, für den „Verband 
Schleswig-Holstein-Lauenburgischer Bäder und Sommerfrischen“ 
und teilweise für die Rennkommission ständig erledigt. Die 
im Sommer 1911 veranstaltete Flugwoche und das 39. Nord¬ 
deutsche Bundesschiessen wurden dadurch unterstützt, dass der 
Verkehrs-Verein für diese beiden Veranstaltungen eine gemein¬ 
same Reklame in die Wege leitete und hierfür 500 Mk. zur 
Verfügung stellte, welche Summe dem Verein aber, nachdem 
die Flugwoche sehr günstig abgeschlossen hatte, zurückerstattet 
wurde. Es war leider nicht möglich, eine 1912 in Aussicht 
genommene Wassersport-Ausstellung durchzuführen, da der 
erste Vorsitzende, Branddirektor v. Moltke, durch Krankheit 
behindert war, im Vorstand tätig zu sein; vorbereitende Schritte 
waren getan. Der Verkehrs-Verein war mit Erfolg bemüht, 
das Abhalten von Kongressen in Kiel zu fördern. Auch bei Kon¬ 
gressen, die in Hamburg abgehalten wurden, z. B. dem Deutschen 
Bundesschiessen und der Landwirtschaftlichen Ausstellung, 
glückte es ihm, Sonderfahrten nach Kiel in die Wege zu leiten. 
Dom Verein gehören 22 Korporationen und 950 Mitglieder an. 


Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs 
in Ostpreussen. 

Der Vorstand des Vereins hielt im September in Königsberg 
eine Sitzung zur Beratung verschiedener wichtiger Verkehn- 
verhältnisse ab. Aus der umfangreichen Tagesordnung seien 
folgende Punkte erwähnt: Die Verhandlungen mit der Direktion 
der Kaiserpanoramen in Berlin wegen Herstellung eines Zyklus 
von ostpreussischen Glasstereoskopbildern für die 250 Filialen 
des Kaiserpanoramas sollen fortgesetzt werden. Für das vom 
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine herauszugebende Propa¬ 
gandaheft „Deutschland“ sollen charakteristische Ansichten 
aus unserer Provinz geliefert werden, ebenso werden der 
Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung von den dem 
Verein gehörigen 300 ostpreussischen Lichtbildern die ge-- 
wünschten zur Verfügung gestellt werden. Zur Erlangung einer 
besseren Dampferverbindung mit den grösseren Ostseehäfen 
werden Unterhandlungen angeknüpft werden. Die Eisenbahn¬ 
verwaltung hat auf das Gesuch des Vorstandes, in dem Ferien¬ 
sonderzug nach München auch die zweite Wagenklasse zu führen, 
erwidert, dass solle im nächsten Jahre versuchsweise geschehen. 
Folgende weitere Anträge werden bei der Verwaltung eingo- 
bracht werden: i. Ablassung von Feriensonderzttgen nach Berlin. 

2. Wiedereinführung von Gesellschaftsfahrten; die Ablassung von 
Extrazügen zu besonderen Gelegenheiten, z. B. zu Ausstellungen, 
bietet keinen Ersatz für die früheren Gesellschaftsfahrten, denn 
die für einen Extrazug erforderliche Teilnehmerzahl von 250 
Personen ist selten zu erreichen. Das hat sich auch wieder bet 
dem wiederholt missglückten Versuch, Extrazüge zur Posener 
Ausstellung abzulassen, erwiesen. Auf Vorstellungen des Vor¬ 
standes hat das Königsberger statistische Amt zugesagt, in 
gewissen Zwischenräumen Mitteilungen über den Umfang des 
Fremdenverkehrs in Königsberg zu veröffentlichen. Die Heraus¬ 
gabe eines neuen kleinen Führers durch Königsberg wurde 
beschlossen. 

Königsberger Fremdenverkehr. Dem Statistischen 
Amt werden allmonatlich die Ergebnisse der Fremdenverkehrs- 
Statistik mitgeteilt. Jeder Gast-, Krug- und Herbergswirt ist 
verpflichtet, der Polizeibehörde die bei ihm eingekehrten Fremden 
an- und abzumelden, so dass auf Grund dieser Meldezettel das 
Königliche Einwohnermeldeamt allmonatlich die Zahl der zu- 
und abgegangenen Fremden feststellen kann. Es ist nun sehr 
interessant, an Hand einer solchen Statistik zu erfahren, wie 
sich der Fremkenverkehr unserer Stadt seit den letzten sechs 
Jahren gestaltet hat. Trotzdem Königsberg durch seine geo¬ 
graphische Lage nichts weniger als eine Fremdenstadt ist, 
weist doch der Fremdenverkehr steigende Zahlten auf. 
Die Statistik für dieses Jahr ist im August abgeschlossen. Bis 
dahin betrug der Zuzug 34 525, der Abzug 33 163. Diesen Zahlen 
zufolge kann man am Schluss des Jahres wiederum mit einer 
Steigerung des Zuzuges rechnen. Was die Zahl der einzelnen 
Monate anlangt, so ist auf Grund der Statistik festgestellt, dass 
die Zahl der Fremden von Mai bis Oktober zunimmt und im 
Dezember auf den niedrigsten Stand herabsinkt. Im August igzo 
wurde die höchste Zahl der Fremden festgestellt, die 5534 betrug, 
was durch die Anwesenheit des Kaisers erklärt ist; in dem¬ 
selben Monat wurden daher auch 5379 als abgezogen gemeldet. 

Fremden-Verkehr in Wernigerode am Hars. 
Nach der vom Städtischen Verkehrsamt soeben herausgegebenen 
Verkehrsübersicht wurden hier 9371 Kurgäste und 28096 
Fremde mit einem Aufenthalt bis zu 5 Tagen gezählt. Der 
Gesamtbesuch belief sich somit auf 37467 Personen mit 
233866 Logiertagen. Davon entfallen auf die Stadt 6656 Kur¬ 
gäste und 25720 Nachtfremde, auf den Vorort Nöschenrode und 
den Schlossbezirk 2715 bezw. 2376. Gegen das Vorjahr hat die 
Besucherzahl um 5939 zugenommen. — Veranstaltet wurden 
50 Kurkonzerte, 4 Blumen- und Illuminationsfeste, 4 Theater- 
und 10 Tanzabende, i Lichtbildervorführung und 9 Gesellschaits- 
ausflüge. 

Herbsttage im bayerischen Ho ch lande. Gross 
ist die Zahl der Reisenden, die nach arbeitsreichen Hoich- 
sommermonaten erst zu einer vorgeschritteneren Jahreszeit 
Erholung auf dem Lande suchen können. Sehr geeignet als 
Herbstaufenthaltsgebiet für den RuhebedUrftigen sowohl als auch 
für den wanderfrohen Touristen ist das bayerische Hochland. 
Berg- und Talwanderungen sind gerade zu dieser Zeit .bei dem 
fast immer beständigen Wetter ausserordentlich lohnend. Bin 
besonderer Vorzug dieses Gebietes besteht darin, dass München 
mit seinen reichen Kunstschätzen, Museen und Sammlungen 
bequem und in kurzer Zeit zu erreichen ist, so dass auch 
etwaige Regentage anregend verbracht werden können. Nähere 
Auskünfte und Prospekte kostenlos durch die Auskunftstelle ; 
der Königl. Bayerischen Staatseisenbahnen im Internationalen '* 
öffentlichen Verkehrsbureau, Berlin, Unter den Linden 14. 

• b/‘ 


r -K 





■ »äi.. 








Nr.'IO BiQ8QQQQQQOQ9QQOOQQQOQQQQO ® DEUTSCHLAND @ 6S86e8666686e^gg38OO8O e OO0g H 487 


Metzer Schlachtfelder-B esuch. Um den auswärtii:en 
Krieger-, Militär- und Soldaten-Vereinen den Besuch der 
Metzer Schlachtfelder in jeder Beziehung zu erleichtern, hat der 
Vorstand des Kriegervereins Metz Ende Juli igu beschlossen, 
die Vorstände der Kriegervereine aufzufordern, eine beabsichtigte 
Fahrt nur dem Vorstand des Metzer Kriegervereins mitteilen 
zu wollen, der das ganze Arrangement betreffend Empfang, 
Unterkunft in Hotels usw., Wagenbestellung, Erteilung von 
Ratschlägen zum Besuch der Schlachtfelder, auf Wunsch 
Führung über dieselben usw. übernimmt. (Auskunftstelle zum 
Besuch der Metzer Schlachtfelder, Metzer Stadt- und Schlachtfeld- 
Verlag Rud. Lupus, Hofbuchhandlung, Metz, Goldkopfstr. i6, I. 

Schaufenster-Wettbewerb und Verkehrstage 
in Braunschweig. In den Tagen vom 23. bis 25. September 
wurde seitens der Kaufmannschaft auf Anregung und unter 
Leitung des Verkehrs-Vereins in Braunschweig ein S ch a u - 
fenster-Wettbewerb abgehalten, verbunden mit sogen. 
Verkehrstagen. Ein grosszUgiges Programm war allen 
Veranstaltungen zugrunde gelegt. Imposant war besonders 
der grosse Fackelzug der jungen „Lustigen Braun- 
schweiger^S an dem etwa 2500 Schüler und 150 Erwachsene 
als Begleiter teilnahmen, die festliche Erleuchtung der Strassen, 
Plätze und öffentlichen Gebäude, an denen sich der von 
Herolden eröffnete Zug vorüberbeweg^te, und die Erleuchtung 
des Altstadtrathauses, des Altstadtmarktbrunnens, der 
Martinikirche, des Gewandhauses und der umliegenden Ge¬ 
bäude. Täglich wogte eine vieltausendköpfige Menge durch 
die Strassen. Tausende von Fremden waren herbeigeeilt, um 
den Veranstaltungen beizuwohnen. Für die Besichtigung des 
Herzogi. Residenzschlosses waren allein über 7000 Karten aus¬ 
gegeben. Die Schaufenster waren durchweg prächtig dekoriert, 
so dass das Preisgericht eine schwere Arbeit hatte. Auch 
wurde viel gekauft und vor allen Dingen ist viel Geld um¬ 
gesetzt worden. Alles in allem ein voller Erfolg. Zur 
Orientierung bei allen Veranstaltungen trug die vom Verkehrs- 
Verein Braunschweig unter Verantwortlichkeit seines rührigen 
Vorsitzenden, Herrn Schulinspektors Sattler, herausgegebene 
Festzeitung „Braunschweiger Verkehr“ wesentlich bei, 

Zeitungsverkehr mit Frankreich. Im Anschluss an die 
Eingabe des Deutsch-Französischen Wirtschafts Vereins 
bctr. Zeitungsabonnement im deutsch-französischen Verkehr hat 
auch der Verein Deutscher Zeitungsverleger dem Staatssekretär des 
Reichspostamtes durch eine Eingabe die Bitte unterbreitet, der 
französischen Postverwaltung die Anregung zum Abschluss 
eines Uebereinkommens über wechselseitiges Zeitungsabonnement 
zu geben, damit der gegenwärtige Zustand in irgendwelcher 
Weise beseitigt würde. Der Verein legt dar, dass bei selbst 
nur einmaliger täglicher Versendung nach Frankreich das Jahres¬ 
porto bei grösseren Zeitungen 50—60 Mark, bei mittleren und 
kleineren mindestens noch das Doppelte des Abonnementspreises 
beträgt, dass dies ein schweres Hindernis für die Verbreitung 
deutscher Zeitungen in Frankreich und damit eine Ursache 
direkter und indirekter, materieller sowie ideeller Verluste sei. 


Eisenbahnwesen. 

Minister von Breitenbach über die Kleinbahnen. 

In der Hauptversammlung des Vereins Deutscher 
S t r a 8 s e nb a h n - und Kl e i n b a h n v er wal t u nge n in 
Berlin am 19. September führte der Minister für öffentliche 
Arbeiten von Breitenbach u. a. folgendes aus: „Wenn man 
die Entwicklung des Vereins in den letzten 15 Jahren über¬ 
blickt, so ergabt sich das staunenerregende Resultat, dass die 
Vereinigung in der verhältnismässig kurzen Zeit sich von 
kleinen Anfängen zu einem machtvollen, die meisten deutschen 
Strassenbahnen und Kleinbahnen umfassenden Verbände ent¬ 
wickelt hat. Das will viel sagen, wenn man weiss, dass jetzt 
in Deutschland über 4000 Kilometer Strassenbahnen und mehr 
als 9000 Kilometer nebenbahnähnliche Kleinbahnen vorhanden 
sind. Das siegreiche Vordringen der Elektrizität 
als Betriebskraft und die staatliche Fürsorge für öffent¬ 
liche Verkehrsunternehmen haben zu diesem Erfolge wesentlich 
beigetragen. Wie sollte die Wohnungsfrage, eins der 
wichtigsten Probleme für die Gressstädte, ohne Stadtbahnen 
und Vorortbahnen gelöst werden? Ebenso haben sich die 
Wohltaten der auch dom Güterverkehr dienenden Kleinbahnen 
immer mehr gezeigt. Dadurch, dass Ihr Verein diese Unter¬ 
nehmungen verschiedener Art zusammenzufassen sucht und 
an ihrer weiteren Entwicklung arbeitet, übernimmt er nicht 
nur eine wichtige kulturelle Aufgabe, sondern er bietet zugleich 
den Staatsbehörden einen erwünschten Stützpunkt, um 
bei schwierigen allgemeinen Massnahmen sich eines praktisch 
erfahrenen Ratgebers bedienen zu können. Dass dies wieder¬ 


holt und, wie ich glaube, mit gutem'Erfolge geschehen ist, 
erfüllt mich mit Dank und Genugtuung. Ich vertraue, dass 
das Zusammenwirken der Staatsregierung mit Ihrem Verein 
auch in Zukunft zu einer gedeihlichen Erfüllung der staat¬ 
lichen Aufgaben auf diesem wichtigen Gebiete beitragen und den 
Interessen der von Ihnen vertretenen Verwaltungen dienen wird.** 

Eisenbahnbrücke Stralsund—Rügen. 

Es wird uns geschrieben^ Am 23. September d. J. fand in 
Stralsund eine von etwa 800 Personen besuchte Bürger¬ 
versammlung statt, in welcher über die UeberbrÜckung 
des Strelasundes verhandelt wurde. An der Versammlung 
nahmen die Landtagsabgeordneten Freiherr von Maltzahn und 
Graf V. d. Groeben, der Vorsitzende des Rügenschen Ostsee- 
bäder-Verbandes Oberst a. D. Seelmann, Vertreter der Handels¬ 
kammer und zahlreiche markante Persönlichkeiten der Stadt 
Stralsund und des Kreises Rügen teiK Die fragliche Angelegen¬ 
heit ist von höchster Bedeutung, nicht nur für Stralsund und 
Rügen, sondern für den gesamten internationalen Verkehr. Die 
Bahnlinie Berlin—Stockholm wird bei Stralsund durch den 
Strelasund unterbrochen, von Sassnitz nach Trelleborg (Süd¬ 
schweden) durch die Ostsee, an beiden Stellen bewirken gewaltige 
Fährschiffe den Transport der Eisenbahnzüge. Der Schweden- 
und Nordlandsverkehr hat sich in den letzten Jahren schnell 
entwickelt, an einem Stillstand dieser Entwicklung ist nicht zu 
denken; durch den fahrplanmässigen Ausbau der Verkehrs¬ 
strecke Hamburg—Schweden steht, wie Graf v. d. Groeben 
hervorhob, eine weitere, in ihrer Bedeutung nicht annähernd zu 
übersehende Steigerung bevor. Die Königl. Eisenbahnverwaltung 
hat bereits im laufenden Jahr dem Abgeordnetenhause eine Denk¬ 
schrift zugehen lassen, in der neben anderen Vorschlägen auch 
das Projekt der UeberbrÜckung des Strelasundes enthalten ist. 
Wenn sich auch für dieses noch mancherlei Schwierigkeiten 
ergeben, besonders auf finanziellem Gebiet, so ist doch nicht 
zu bezweifeln, dass die Lösung dieser wichtigen Verkehrsfrage 
im Sinne des Brückenbaues wohl bald erfolgen wird. Die 
Stralsunder Versammlung beschäftigte sich mit dem wünschens¬ 
werten Ausbau dieser Brücke und nahm einstimmig eine Reso¬ 
lution an, die betont: dass die Eisenbahnbrücke, wie sie bisher 
geplant ist, für die Stadt Stralsund und die Insel Rügen einen 
schweren Rückschritt bedeutet; dass die zwischen Stralsund 
und Rügen geplante Eisenbahnbrücke auch für den Fussgänger-, 
Wagen-, Automobil- und Kleinbahnverkehr eingerichtet werde; 
dass die künftige Eisenbahntrace Stralsund (Hauptbahnhof) — 
Rügenbrücke soweit wie möglich an die Stadt herangerückt und 
am Kreuzungspunkte dieser Trace mit dem Frankendamm als 
Ersatz der für den Personenverkehr in Fortfall kommenden Halte¬ 
stelle Stralsund (Hafen) eine neue Haltestelle errichtet werde; 
dass am Ufer auf Rügen eine Haltestelle für den Personen¬ 
verkehr geschaffen werde; dass der am Fuss der Rampe auf 
Rügen geplante Güterbahnhof nach Stralsund komme, als dem 
Ort, der die Güter abnimmt und weitergibt. Die Resolution lässt 
erkennen, dass die Bahnverwaltung aus finanziellen Gründen 
nur eine Brücke für den Bahnverkehr geplant hatte. 
Würde diese allein erbaut, so hob der Vorsitzende des 
Rügenschen Ostseebäder-Verbandes hervor, so würde Stralsund 
aus der Reihe der irgendwie nennenswerten Orte überhaupt 
verschwinden. Das muss natürlich aus nationalem Interesse 
verhindert werden. Die Brücke mit Fahrbahn für Wagen, 
Automobile, den Bahnhöfen in Stralsund bedeutet einen 
Aufschwung für den nationalen Verkehr, der dieselbe Bedeutung 
hat, wie die Begünstigung des internationalen, ohne letzteren 
im geringsten zu schaden. Diese Ueberzeugung kam in über¬ 
wältigender Weise in der Versammlung zum Ausdruck, die nur 
dadurch restlos zu erklären ist, dass eben bei der ganzen Frage 
die nationale Bedeutung selbst die lokalen Interessen weit über¬ 
flügelte. Rügen wird Festland! Deutschland erhält seine erste 
imposante Seebrücke, Stralsund seine alte Bedeutung als Hansa- 
stadt, der internationale Verkehr eine neue Bahn, die Insel 
Rügen wird dem Reiseverkehr völlig erschlossen, für den es 
noch vielfach Neuland war, von nicht mehr als lokaler Bedeutung, 
unser geliebter Wasserkopf Berlin und die nassfrohen Wiener 
erhalten in Binz, Sassnitz, Göhren, Sellin und den anderen 
Badeorten der lieblichen Insel neue „Wannseebäder“ resp. 
„Gänsehäuflbäder“ für das beliebte „Baden im Familienkreise“. 

Zur Erschliessung des Westerwaldes. Für die 
Erschliessung des Westerwaldes durch Nebenbahnen ist in den 
letzten Jahren viel geschehen; allein in diesem Jahre wurden 
drei neue Strecken, die vor kurzem eröffnete Strecke Marienberg— 
Erbach sowie die Strecken Westerburg —Montabaur und Höhr — 
Hillscheid, dem Verkehr übergeben. Wie zuverlässig verlautet, 
hat der Eisenbahnminister jüngst auch die ausführlichen Vor¬ 
arbeiten für zwei neue Strecken angeordnet, und zwar von 
Haiger (an der Strecke Betzdorf — Giessen) über Breitscheid nach 





N 





I. 



488 B39QQQ0Q098 9 9 Q QQQ 9 9 9eQ Q3 Q00Q@i DEUTSCHLAND BBoecae e eoo c eoeeGe ooeeeeoeta i-Nr^O 


Gusternhain und von Stockhausen (an der Strecke Giessen— 
Coblena) nach Beilstein. Eine spätere Verbindung dieser beiden 
Strecken steht zu erwarten. Allgemeine Vorarbeiten sind im 
Gange für eine Strecke Selters—Neuwied, die statt des zwei¬ 
gleisigen Ausbaues der Strecke Siershahn—Engers geplant ist. 
In Kürze wird die Nebenbahn Seifen — Linz in Betrieb genommen. 

Lokomotivbestellungen der Preussisch-Hessi¬ 
schen Staatseisenbahn. Das Eisenbahnzentralamt in Berlin 
ist beauftragt worden, wegen Uelfernahme der Herstellung von 
510 Lokomotiven verschiedener Gattungen für die bestehenden 
Bahnen und Neubaustrecken der Preussisch-Hessischen Staats¬ 
eisenbahnen, sowie von 15 Lokomotiven für die Reichseisen¬ 
bahnen in Eisass-Lothringen mit den beteiligten Lokomotivbau- 
anstalten in Verhandlung zu treten. Die Lieferungen sollen bis 
zum 30. September 1912 abgeschlossen sein. 

Bei Unterbringung des Handgepäcks in den 
Personenwagen soll, wie die „Dtsch. Tagesztg.“ mitteilt, 
nach einer Verfügung der Staatsbahn - Verwaltung auf die 
persönliche Sicherheit der Mitreisenden die erforderliche Rück¬ 
sicht genommen werden. Es ist wiederholt vorgekommen, dass 
schwere Gegenstände während der Fahrt aus den Gepäcknetzen 
herabgefallen sind und die daruntersitzenden Reisenden verletzt 
haben. Den Stations- und Zugbeamten ist diese Verfügung 
jetzt mit dem Ersuchen in Erinnerung gebracht worden, dass 
sie auf ordnungsgemässe Unterbringung des Reisegepäcks in 
den Abteilen zu achten haben. 

Riviera-Expresszug. Der holländische Teil des Riviera- 
Expresszuges wird vom 30. November ab nicht mehr über 
Wiesbaden—Frankfurt a. M., sondern mit dem Lloyd-Expresszug 
vereinigt über Wiesbaden—Mainz direkt nach Worms geführt. 


Luftschiffahrt. 

Die Deutsche Flug-Ausstellung Berlin igix wird 
vom 19. Dezember d. J. bis zum i. Januar n. J. in den Aus¬ 
stellungshallen am Zoologischen Garten statthnden. Sie wird 
veranstaltet vom Verein deutscher Flugtechniker zusammen mit 
der Flug- und Sportplatz Berlin-Johannisthal G. m. b. H. Die 
Ausstellung erstreckt sich auf folgende Gebiete: i. Flugzeuge, 
Kraftflugzeuge, Gleitflugzeuge, Drachenflugzeuge, Schraubenflug¬ 
zeuge, Schwingenflugzeuge, Eindecker, Mehrdecker, Flugzeug¬ 
teile und Modelle, a. Motoren für Flugzeuge und Motorteile. 
3. Materialien für Flugzeuge. 4. Flugzeugschuppen und -zelte. 
5. Flugplatzanlagen. 6. Aeronautische Karten, Flugstrassen- 
bezeichnung und Signaldienst, 7. Drahtlose Telegraphie. 8. Photo¬ 
graphie und Photogrammetrie. 9. Hilfsinstrumente für die 
Luftfahrt. 10. Wetterdienst. ii. Brieftauben. 12, Ausrüstung 
für Luftfahrer. 13. Bekämpfung der Luftfahrzeuge. 14. Histo¬ 
rische Abteilung und Literatur. 15. Ornithologische Abteilung. 
16. Kunstgegenstände und Abzeichen. 17. Spielwaren mit Bezug 
auf Luftfahrt. Ein Reinertrag der Ausstellung ist bestimmt, in 
voller Höhe als Preise für aviatische Veranstaltungen des 
nächsten Jahres Verwendung zu finden. 


Automobilwesen. 

O Statistisches. 

Am I. Januar 1911 fand die vierte Zählung der Kraftfahr¬ 
zeuge im Deutschen Reiche statt, die nach den „Vierteljahrs¬ 
heften zur Statistik des Deutschen Reiches“ einen Bestand von 
insgesamt 57805 (am i. Januar 1910: 49941) solcher feststellte. 
53 478 (46 92*) dienten zur Personenbeförderung, 4327 (3019) vor¬ 
zugsweise zur Lastenbeförderung. Eingeschlossen in die Gesamt¬ 
zahl sind 20 584 (22 283) Krafträder für Personen- und 121 (196) 
für Lastentransport. Das Kraftrad scheint demnach mehr und 
mehr vom Auto verdrängt zu werden. Von den preussischen 
Landesteilen wies der Landespolizeibezirk Berlin (d. i. Berlin 
mit Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf, Wilmersdorf, Lichten¬ 
berg, Rummelsburg und Stralau) den grössten Bestand mit 6397 
Kraftfahrzeugen auf, ihm am nächsten kommt die Rheinprovinz 
mit 5349. Die kleinste Zahl besitzen Ost- und Westpreussen 
mit 555 und 621. Von den Bundesstaaten kommen Bayern mit 
6230 und Sachsen mit 5978 Berlin am nächsten, Eisass-Lothringen, 
durch seine vorzüglichen Landstrassen gut geeignet, steht mit 
3232 an dritter Stelle. Ausser dieser Zahl inländischer Fahr¬ 
zeuge belebten noch 15 309 ausländische die deutschen Strassen. 
Bei also insgesamt 73114 Fahrzeugen kamen zusammen 7158 
„schädigende Ereignisse** vor, also ungefähr eins auf jedes zehnte. 
Von dem sich nach und nach steigernden Verantwortlichkeits¬ 
gefühl der Besitzer zeugt, dass 96 Prozent aller hierbei Be¬ 
teiligten festgestellt werden konnten. Schwieriger war die Fest¬ 
stellung der unmittelbar beteiligten Führer, da nur 91 Prozent 


sich dieser nicht entzogen, während die übrigen 9 Prozent Flucht¬ 
versuche machten, die auch 7 Prozent gelangen. Insgesamt wurden 
607 (549) Polizeistrafen festgesetzt, die Strafsumme betrug 4594 
(4360) Mk. Gerichtliche Strafverfahren schwebten in 1931 (1467) 
Fällen. Der Vermehrung der Kraftfahrzeuge entsprechend stieg 
auch die Zahl der Getöteten und Verletzten. Während 1909 
194 Personen durch Kraftfahrzeuge ihr Leben einbüssten, waren 
es 1910 278! Auch die Zahl der Verletzten ist stark gestiegen-; 
von 2945 auf 365X. Von den Getöteten entfallen 23 (13) auf 
Führer, 32 (3X) auf Insassen von Kraftfahrzeugen, den Löwen¬ 
anteil haben dritte Personen mit 223 (X50). Letztere Zahlen 
zeigen, dass die Vorsicht auf der modernen, stark befahrenen 
Strasse noch recht oft ausser acht gelassen wird. Das gleiche 
Verhältnis zeigt sich bei den Verletzten: 245 (225) Führer, 64z 
(487) Insassen und 2765 (2233) dritte Personen. Der grösste 
Prozentsatz an Verunglückten entfällt natürlicherweise auf 
Personen bis zu X5 Jahren, zu ihnen gehören 32 (3X) Prozent 
aller Getöteten und xg (xg) Prozent der Verletzten. Von 25 bis 
40 Jahren alt waren 25 (20) Prozent der Getöteten und 30 (31) 
Prozent der Verletzten, 40 bis 60 Jahre x8 (26) Prozent Getötete 
und 22 (ao) Prozent der Verletzten, über 60 Jahre 16 (n) Prozent 
Getötete und 6 (6) Prozent Verletzte. Der Rest mit 9 (ii) 
Prozent Toten und 2x (2x) Prozent Verletzten entfällt auf das 
Alter von X5 bis 25 Jahren. Auch die Höhe des entstandenen 
Sachschadens ist gestiegen, von x 004 885 Mk. xgog auf i 220 950 Mk. 
im Jahre xgxo. Allerdings entfällt hier der Hauptanteil auf die 
Besitzer der Fahrzeuge: x009844 (785504) Mk. gegen 21x106 
(X84466) Mk. Schaden, der auf dritte Personen entfiel. Ein 
schädigendes Ereignis rief einen Schaden von 252 (224) Mk. 
hervor. Diese hohen Zahlen geben doch zu denken und lassen 
wünschen, dass VorsichtundSelbstzucht sowohl bei den 
Wagenführern als auch beim Publikum mehr Beachtung finde ! 

Automobilstrassen. 

Prinz Heinrich von Preussen hat anlässlich eines 
jüngst erlittenen Automobilunfalls in der Berliner „Allgemeinen 
Automobilzcitung“ folgende beachtenswerte Bemerkungen ver¬ 
öffentlicht; „So fern es mir auch lieg^, behaupten zu wollen, 
dass der vorliegende Unfall eine Folge unserer schlechten 
Wegeverhältnisse ist, so fühle ich mich anderseits doch ver¬ 
pflichtet, darauf hinzuweisen, dass schlechte Wege, wie solche 
ganz besonders im Hannoverschen (z. B. Strecke Harburg— 
Bremen) bestehen, einem Materialschaden einerseits Vorschub 
leisten, andererseits geeignet sind, einen solchen zu verursachen. 
Da ich vielfach in der Lage bin, gerade die schlechten, mit 
altem ausgefahrenem Kopfsteinpflaster versehenen hannoverschen 
Strassen zu benutzen, bin ich meist gezwungen, meine Achsschenkel¬ 
bolzen ein- oder zweimal im Jahre erneuern zu lassen, weil 
sie vollkommen ausgeschlagen sind. Man überlege doch, mit 
welcher Sorgfalt die Schienengeleise und Bahnkörper in Ordnung 
gehalten werden und vergleiche dann, wie wenig für die öffent¬ 
lichen Fahrstrassen geschieht. So mancher Automobilunfall 
bleibt unaufgeklärt, weil die Insassen ihr Leben haben lassen 
müssen; wer weiss, ob nicht in manchen Fällen Materialbruch 
infolge Ueberanstrengung durch schlechte Strassen der Grund 
für solche Vorkommnisse ist? Dass gute Strassen einer kost¬ 
spieligen Unterhaltung bedürfen, ist ebenso klar, wie, dass man 
Gemeinden, Kreisen usw. nicht noch höhere Lasten auferlegen 
kann: Was aber wird aus der Automobil- und Benzinsteuer? 
In England werden diese Einkünfte lediglich zum Strassenbau 
verwandt, und zwar mit dem allerbesten Erfolge. Ein Aehn- 
liches Hesse sich meines Erachtens auch bei uns erreichen, 
wenn man diese, seinerzeit leider zur Reichssteuer gestempelte 
Einnahme, zur bundesstaatlichen Steuer umwandeln und in 
jedem Bundesstaate die Einnahmen, je nach der Frequenz, auf 
die einzelnen Provinzen verteilte mit dem ausdrücklichen Hin¬ 
weis, dass diese Einkünfte nur für den Wegebau verwandt 
werden dürfen. Nicht nur der Automobilbesitzer, sondern jeder 
Fuhrwerksbesitzer würde hierdurch in den Genuss besserer 
Verkehrsmöglichkeiten versetzt werden. Fuhrwerke jeder Art 
würden geschont, der Verkehr würde sich heben. Diese Frage 
ist eine meiner Ansicht nach so dringliche, dass sie einer 
gründlichen Prüfung bedarf.** 

Im Anschluss an diese Ausführungen hat Beigeordneter 
Dr. Matthias, Düsseldorf, einen Aufsatz Uber Automobilstrasaeh 
in Nr. 51 des Preussischen Verwaltungsblattes erscheinen lassen, 
dem wir folgendes entnehmen: Prinz Heinrich berührt mit diesen 
Darlegungen einen Gegenstand, der mit dem ständigen Wachsen 
des Automobilwesens die grösste Aufmerksamkeit, ja man kaxm 
wohl sagen, die Sorge aller Beteiligten erregt. Beteiligt ist aber 
ein bedeutender Kreis. Die Regierungen bemühen sich seit einiger 
Zeit, das Automobilwesen in geordnete Bahnen zu lenken, und 
in neuester Zeit hat die Königliche Regierung des Düsseldorfer 
Bezirks den Versuch gemacht, durch gütliche Einwirkung «uf. 



1 

r 

V: 

'i' 

f;. 

4 " ' 

f ! 

ii: 

I.!- 

li 







Nr. IO m saoocK i aKKK i QooQcoQOQia^^ DEUTSCHLAND laeeeeeeee e eo ee see ooccecooe eei 489 


die Gemeinden bessere Verhältnisse zu schaffen. Indessen wird 
dieser Versuch leiderkeinenErfolg haben, sobald leistungs¬ 
schwache Gemeinden in Betracht kommen. Ein praktischer 
Fall ist bereits eingetreten. Zwischen den Städten Duisburg 
und Düsseldorf sollte die Führung einer Strasse, die fUr den 
Automobil verkehr besonders geeignet sein würde, durch Fest¬ 
stellung im Fluchtlinienplane gesichert werden. Die beiden 
Städte waren sofort bereit. Dagegen lehnten der zwischen 
ihnen liegende Landkreis und seine Gemeinden eine Mitwirkung 
ab mit der Begründung, die Lasten der Strasse würden allzu¬ 
schwer wiegen, ausserdem bringe die Strasse für die Anlieger 
keine Vorteile, sondern nur Nachteile. Ob letzteres richtig ist, 
mag dahingestellt bleiben. Dagegen wird man zugeben müssen, 
dass die finanziellen Opfer von kleineren Gemeinden nicht ge¬ 
tragen werden können, zumal den Anliegern nicht so viel au 
Beiträgen auferlegt werden kann wie den Eigentümern städtischer 
Miethäuser. Nun hat allerdings die Bezirksregierung ein Mittel 
die Einfügung von breiten Strassen in die Fluchtlinienpläne 
der Gemeinden zu erwirken: sie weist die Bürgermeister oder 
Gemeindevorsteher an, als Polizeiverwalter eine entsprechende 
Pluchtlinienfestsetzung herbeizuführen. Aber dieses Verfahren 
ist wegen der unklaren Bestimmungen des Fluchtliniengesetzes 
praktisch schwer durchführbar. Soll deshalb etwas erreicht 
werden, so müssen andere Wege eingeschlagen werden. Strassen, 
die lediglich dem Kraftwagenverkehr dienen, wird man — 
wenigstens auf grossen Strecken — nicht herstellen können. 
Die» würde zu kostspielig sein. Man wird vielmehr davon 
auszugehen haben, die üblichen Verkehrswege in solcher 
Breite auszugestalten, dass neben dem Kraftwagen- der 
sonstige Fuhrverkehr und der Personenverkehr sich entwickeln 
kann. Als Masse wird man etwa anzunehmen haben: ausserhalb 
der Ortschaften 5 Meter für den Kraft wagen verkehr, 5 Meter für 
den sonstigen Fuhrverkehr und 2 Meter für den Personenverkehr, 
also insgesamt 12 Meter, innerhalb kleinerer Ortschaften 5 Meter 
für den Personenverkehr, also insgesamt 15 Meter. Daneben 
wird man nach Möglichkeit Vorgärten von je 5 Meter Tiefe zu 
wählen haben. Diese Vorgärten bleiben im Eigentum der An¬ 
wohner, verteuern also die Strasse nicht. Falls eine Strassen- 
bahn verkehren soll, ist die Strasse um 5 bis 6 Meter breiter zu 
nehmen und darauf zu achten, dass die Strassenbahn eigenen 
Bahnkörper erhält. Regelmässig wird auch dies die allgemeinen 
Strassenunkosten nicht vermehren, da die Mehrkosten der Bahn¬ 
unternehmer zu tragen hat. Endlich ist Vorsorge zu treffen, 
dass bei den für den durchgehenden Automobilverkehr vor¬ 
gesehenen Strassen durchlaufendeQuerstrassen vermieden 
werden. Vielmehr sind diese Strassen so zu ordnen, dass sie 
auf den Hauptstrassen enden und die nächste auf der anderen 
Seite liegende Querstrasse erst etwa 100 Meter entfernt mündet. 
Dadurch wird eine ungünstige Kreuzung der Hauptstrasse durch 
Fuhr- und Personenverkehr vermieden. Derartige Automobil¬ 
strassen erfüllen ihren Zweck nur, wenn sie über weite Ent¬ 
fernungen hin angelegt werden. Daher wird die Mitwirkung 
des Staates notwendig sein. Was zunächst ihre Anlage an¬ 
betrifft, so könnte folgendes Verfahren gewählt werden, was 
allerdings gesetzlicher Regelung bedarf. Eine besondere für ganz 
Preussen zuständige Zentralbehörde hat die Fluchtlinien 
nach einer Mindestbreite von 12 Metern ausserhalb und 15 Metern 
innerhalb der Ortschaften festzusetzen. Zweckmässig würde die 
Behörde ein Kollegium sein, das aus einem vom Minister des 
Innern zu ernennenden Vorsitzenden und mehreren Beisitzern 
zu bestehen hat, von denen durch die beteiligten Kreise 
(also die kreisfreien Städte und die Landkreise) und ^j- durch 


eine Vertretung der Automobilbesitzer gewählt werden. Vor der 
Fluchtlinienfestsetzung sind die Gemeinden zu hören. Diese 
können eine grössere Breite verlangen, wenn sie die Mehrkosten 
übernehmen. Die Fluchtlinien werden durch die Kreis Vorstände 
offengelegt. Einspruchsberechtigt sind die Anlieger und die 
Gemeinden. Die Einsprüche erledigen die Bezirksausschüsse, 
in zweiter Instanz die Provinzialräte. Nach der Fluchtlinien¬ 
festsetzung, die durch die Zentralbehörde erfolgt, erhalten die 
Kreise ein gesetzliches Enteignungsrecht. Ihnen liegt auch 
die Ausführung und Unterhaltung der Strasse gemäss den An¬ 
weisungen der Zentralbehörde ob. Die Offenlegung der Strasse 
hat binnen 2 Jahren nach der Fluchtlinienfestsetzung zu erfolgen. 
Die Kosten derartiger Automobilstrassen werden, wie schon 
Prinz Heinrich ausführt, den Gemeinden in voller Höhe nicht 
auferlegt werden können. Andererseits entspricht die Beteiligung 
der Gemeinden durchaus der Billigkeit, weil die Strassen den 
sonstigen Fuhr- und Personenverkehr aufnehmen sollen. Um 
eine zu verwickelte Regelung zu vermeiden, wird man indes 
zweckmässig die Beteiligung zu Lasten der Kreise gehen lassen 
und ihnen die Unterverteilung auf die Gemeinden überlassen. 
Bei der Kostentragung wird man etwa davon auszugeben haben, 
dass der Staat und die Kreise je 50 Prozent tragen. Im 
einzelnen wird der Staatsbeitrag in Kreisen mit günstigen Steuer¬ 
verhältnissen auf 25 Prozent herabgesetzt und in leistungs¬ 
schwachen Kreisen auf 75 Prozent erhöht werden können. Die 
Kreise müssten berechtigt und verpflichtet sein, von den An¬ 
bauenden Anliegerbeiträge zu erheben. Dem Staat dürfte, wie 
Prinz Heinrich vorschlägt, der vielleicht zu erhöhende Stempel 
für Kraftfahrzeuge zu überweisen sein. Ob aus dem Etat der 
Heeresverwaltung ein Beitrag abgeführt werden kann, dürfte 
gleichfalls zu erwägen sein. Die Gesamtkosten, die durch der¬ 
artige Automobilstrassen entstehen, werden erheblich gemindert 
werden, wenn man bestrebt ist, weniger neue Strassen anzulegen, 
als vielmehr vorhandene zu erbreitern. Der Vorschlag will 
eine radikale Durchführung von Automobilstrassen ermöglichen. 
Er verträgt, wie jedes Radikalmittel, Aenderungen und Ein¬ 
schränkungen. Insbesondere wird überall da, wo Provinzial¬ 
strassen in Frage kommen, statt der Kreise eine Beteiligung der 
Provinzen notwendig sein. Auch ist es gewiss der Erörterung 
wert, ob nicht mit Rücksicht auf die hohe Bedeutung des 
Automobilverkehrs eine Rückkehr zur ehemaligen Staatsstrasse 
sich empfiehlt, zumal auch die Schienenwege der Eisenbahn 
staatlich sind. 

Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

Das Zentrallandwirtschaftsfest (Oktoberfest) 
in München, das alljährlich zu Beginn des Herbstes 
abgehalten wird, übt weit über die Grenzen Bayerns hinaus 
grosse Anziehungskraft aus. Um den Besuch dieser volks¬ 
tümlichen Veranstaltung zu erleichtern, gewährt die Bayerische 
Staatseisenbahn-Verwaltung alljährlich erhebliche Fahrpreis- 
ermässigungen auf ihren Linien. Wird die Rückreise mit einem 
Schnellzug ausgeführt, so ist der tarifmässige Schnellzugzuschlag 
zu entrichten. Nähere Auskünfte erteilt kostenlos die Amtliche 
Auskunftsstelle der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen im 
Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin, Unter 
den Linden 14. 

In der 63. Versammlung deutscher Naturforscher und 
Aerzte wurde Münster i. W. als nächster Tagungsort gewählt. 


/ . \ 

BERUH HRMBURü 

HOTEL ESOLAHADE 

Das Vollendetste auf dem fiebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 







490 JMB& deeoGoeQ Q e&3 o ^^ DEUTSCHLAND BB 0eeeee e ecoceoeeea)eeeeo e M Nt.io 


Oktober—April: In Leipzig grosse philharmonische Konzerte. 

(Siehe Ankündigung des Leipziger Verkehrs-Vereins.) 
Oktober—Februar: In Leipzig Veranstaltungen des Schiller- 
Vereins. (Siehe Ankündigung d. Leipziger Verkehrs-Vereins.) 
12,—15. Oktober: In Cassel Jugendbund-National-Konferenz. 

14.—15. Oktober: In Köln Hauptversammlung des Rheinisch- 
Westfälischen Presse-Verbandes. 


15. Oktober: In Düsseldorf Verbandstag des rheinisch-west- 

fälischen Bezirksverbandes der Gesellschaft für Verbreitung 
der Volksbildung. 

16. — 21. Oktober: In B e r 1 i n Kongress der F^döration Universelle 

des Soci^t^s d'Höteliers in Verbindung mit der 40. General¬ 
versammlung des Internationalen Hotelbesitzervereins (Sitz 
Köln). 

20. Oktober: In Essen Sonderkonzert des Essener Musikvereins. 


20.—22. Oktober: In Elberfeld Jubelfeier des Elberfelder 
Gesang-Vereins (x8ii—ign) und der Elberfelder Konzert- 
Gesellschaft (1861—1911). , 

22.—25. Oktober: In Heidelberg 47. Tonkünstlor-Versammlung 
verbunden mit der Zentenarfeier für Franz Liszt und der 
Erinnerungsfeier des 50jährigen Bestehens des Allgemeinen 
Deutschen Musikvereins. 


mehr in ihrem engeren Vaterland zu bleiben und dieses erst^ 
richtig kennen zu lernen. Ausser den Verkehrs-, VerschönerungS" 
und Touristenvereinen des Landes wird sich auch die in Be» 
tracht kommende Industrie an der Ausstellung beteiligen, j 
Wie wir hören, haben sich bereits verschiedene Firmen ange¬ 
meldet. Die Württ.-Hohenz. Vereinigung für Fremdenverkehr,. 
die in diesem Jahre durch ihre Beteiligung an der Internationalen 
Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin, Heraus¬ 
gabe von drei Reklameschriften über das Schwabenland, Ver¬ 
anstaltung von Lichtbildervorträgen, eine umfassende Zeitungs¬ 
reklame usw. eine besonders lebhafte Tätigkeit entfaltete, wird 
durch dieses neue Unternehmen zweifellos in wirksamster Weise 
den Fremdenverkehr im Schwabenlande fördern. Mögen die 
verschiedenen Kur- und Badeplätze und sonstigen Verkehre¬ 
interessenten sich diese vorzügliche Gelegenheit zu wirksamster 
Reklame nicht entgehen lassen und sich möglichst zahlreich an 
der Ausstellung beteiligen. > 


25.—31. Oktober: In Turin 5. Internationaler Luftschifferkongress 
29. Oktober: In Essen 50jährige Jubelfeier der Männer-Kongre- 
gation St. Joseph. 

29. Oktober: In Essen Verbandstag der Kreuzbündnisse der 
Erzdiözese Köln, Vereine abstinenter Katholiken. 

9. November: In Essen Einweihung der Königlichen Maschinen¬ 
bau- und der Königlichen Baugewerkschule. 


Die „Magdeburger Kunstschau xgxi** wird am 
X. Oktober d. Js. eröffnet. Wie aus den bisher eingegangenen 
Anmeldungen hervorgeht, wird sich an ihr eine grosse Anzahl 
der hervorragendsten deutschen Maler und Bildhauer durch 
Beschickung meist neuer repräsentativer Arbeiten beteiligen. 
Der Magdeburger Kunstverein will mit dieser Veranstaltung sein 
neues Ausstellungsgebäude einweihen. Der Direktor des Kaiser- 
Friedrich-Museums, Professor Volbehr, hat seine seit vielen 
Jahren versehene verdienst- und arbeitsvolle Tätigkeit- als 
Geschäftsführer des Kunstvereins an den aus Düsseldorf an die 
Spitze der Kunstgewerbeschule neu berufenen Bildhauer Professor 
Bosselt abgetreten. 


Ausstellungen. 


Schwäbische Landesausstellung für Reise - und 
Fremdenverkehr Stuttgart 1912. Der Erfolg, den die 
Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr, die 
im letzten Frühjahr in Berlin stattfand und bei der das Schwaben¬ 
land durch eine eigene, von der WUrtt.-Hohenz. Vereinigung 
für Fremdenverkehr veranstaltete Landesausstellung vertreten 
war, auch dem Schwabenlande durch eine fühlbare Steigerung 
des Touristenverkehrs und des Besuchs der Bäder und Sommer¬ 
frischen in diesem Sommer brachte, zeigt, wie zeitgemäss und 
nutzbringend dieses Unternehmen war. Es ist deshalb ein 
glücklicher Gedanke, dass die genannte Vereinigung beschlossen 
hat, die Schwäbische Landesausstellung für Reise- und Fremden¬ 
verkehr im nächsten Frühjahr in Stuttgart in erweitertem Um¬ 
fang und noch vollkommenerer Ausgestaltung zu wiederholen. 
Zu diesem Zweck sind ihr von der Königl. Zentralstelle für 
Gewerbe und Handel bereits die Parterreräumlichkeiten des 
Ausstellungsgebäudes in der Schlossstrasse zur Verfügung ge¬ 
stellt. Diente die Berliner Ausstellung mehr dem Zweck, die 
Fülle von Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Schönheiten 
sowie die heilkräftigen Bäder und herrlichen Sommerfrischen 
des Schwabenlandes und seine Bedeutung für die Touristik und 
den Wintersport ausserhalb seiner Grenzen bekannt zu 
machen, so soll die Stuttgarter Ausstellung hauptsächlich den 
Einheimischen zeigen, was das eigene Land in dieser Rich¬ 
tung alles zu bieten vermag, und die vielen Vergnügungs¬ 
reisenden, Sportsfreunde und Erholungsbedürftigen, die seither 
in die Ferne schweiften und zum grossen Teil nicht wussten, 
dass das Gute und Schöne ihnen so nahe liegt, bestimmen. 





- ^ 


. 3 

i- r 




■ 4 . 

Ti 




Düsseldorfer Ausstellungen 1912/13. Im kommenden 
Jahre wird der Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen 
im städtischen Kunstpalast eine grosse Frühjahrs-Aus¬ 
stellung der Düsseldorfer Künstler veranstalten, die 
im Monat Juni beendet sein wird. Vom Juli ab wird dan n 
der Kunstpalast eine von der Stadt Düsseldorf veran¬ 
staltete Ausstellung aufnehmen, die für den Kommunalpolitiker 
von besonderem Interesse sein wird. Es wird eine Art Städte¬ 
bau-Ausstellung sein, in der besonders die Pläne gezeigt 
werden sollen, die für die Preisbewerbung um einen Be¬ 
bauungsplan für Gross-Düsseldorf eingegangen sind. Ausser 
diesen Plänen wird die Ausstellung auch eine grosse Anzahl 
anderer Objekte enthalten, die für den Städtebau von Wich¬ 
tigkeit sind und die von privaten Firmen ausgestellt werden. 
Schliesslich wird der Verein zur Veranstaltung von Kunstaus¬ 
stellungen im Jahre 1913 eine grosse intern ationale Kunst- 
ausstellung im Kunstpalast veranstalten. 




'41 




1 / 








Flugsport-Ausstellung in Düsseldorf. Die im 
November d. J. in Düsseldorf stattfindende Flugsport-Aus¬ 
stellung wird nicht in der Luftschiffhalle, sondern in der 
Städtischen Flora veranstaltet. 


Ab September: In Flensburg Spitzen-Ausstellung des Vereins 
Frauenwohl E. V. in den Räumen des Gewerbemuseums. 


Oktober—November: In Köln Jubiläums - Ausstellung im 
Wallraf-Richartz-Museum. 


Oktober: In Berlin Internationale Automobil - Ausstellung. 
Veranstalter: Kaiserl. Automobilklub und Verein Deutscher 
Motorfahrzeug-Industrieller. 

November: In Osnabrück Wanderausstellung Münchener 
Künstler in der Stadthalle. 

















Nr,io «xiQaociooQoq^^ aB 08 aBeefee^e 0 e <a ^ ^ m 

F19 k a t«s W e t tt? ft ^ isrl^^ Zi 3 ,t ’-^tm PJakat- muss man uatÜtUc^li !fit& die ^TtTiii^üspbafteti tlerjeuil^ian Mtitkiin 

«at^Ürfen schreibt die ^.Internatio b al< Bauf^tir »«nütze machen^ die ea darin atn ii^eiteistea g'ebrae^t hat. Hebt« 

«teituug; niit SoodexauaateJluta^tt JLeVp it^g liaben 4ber ia fast allen; exakten Wissenachaftett^ in der 

im vpevtseheb keicJ^ wohnhaften K^öaüerp eipen Wetthewö^b Od«r ChemSff^ der Techno der Mathematik dto 0eutacheti ilen 
Üli3v FtSi «inen i. Preis amd abop ^i^. fili tfp^ttere den Vorrang abgewonoetj. 0aa lyerden mir die 

1300 Mir. auageaelzt. Das; F^larichteramt haben tüh^jmommttn Kdmificaden in Saläntki, die Dentsch Yerateheiii bestMtigeh kdatien^ 

(Sie Herrohl ProT^ Beter Behrens iöedin):), r Pf&,fi iuUüa \yehn tnäh einen jungen Mann bei una fragt, warum er eine 

(Mlinchen)^ Obe^bamut Kurt FaHan Geh^ Hofiat ^roifi gelernt hat, aq wird er sicher nicht an geh eh 

Öf, Max ihfoge^ <l^pzig)* Pmf, Wiheim tCxeis ^Üüsseidort kömieni wrutn er Französisch gelernt hat, V^enn wir eine 
Gfttu Prof, ür- JLichl (Lefp^ig), Mattar Sprache nur dairüm iemen wollum^ wed eie "von mbgüchst Vielea 

(l^eipÄtg)/ prbf. Mäb SeHgerJfLpipxi^ und PrbL Hugo Steiner Mbn^chen gesprochäh Wird, sd mussten sch Jernbn- 

{Prag-Le|p»igj; Eiutiftferu^ der SniwUrfe Mitt- Meute sind Engtiach und Spanisch !{?y dt« vsfbreitftfcslieh SptachfiUi. 

woch, ^r :X. N 19G- Wir lernen sie aber deshalb nichts 'wil Wh dda Studium ein« 

A m eTii A b 10 X- e h r bii ^ e 11 e r, D a s ,,Dcp ajle- Spruche «töte vo m SUndpun kt& "dais ; t4uti«iLft aus b etrachtisn, 

mem of; Comnj^Tt* add iigbhfi' ^urdiu o in Damrn behÄÜple kh, dass wir dm d€;htfö:h^ Spradhe aliwn ariaoren 

Waahinftt^n sich fti einem tinlin^ hber die Handels- vor^riehbn mUsiäeni weil beute dte dftötache Nation am wfthastftn 

ftniwickclbog , «t Argentimeiv veroffefillichteo mrüfangreicbeTi foitgescbritieH ist und dift Dftüis^h*« diiftrh ihre Charakter- 

StmdirbiTicIn auch mit den wo.pjghrigtn Z^satectar-Ausstellungen ftigcn^üaaHijö w>^d soaiaien Tugwiden die äridürftn Völker Uh«- 

io BüÄOosrAfffts. Das ßrgebnia der cm gehen den Betrachtung, ttftffeo* ^ Förtschritt der DftütBcheo im Vergleich 

io derftii V c riaül ü brigens besonders die deutsche B e t e i M g u n g FrÄüiOfteo sdll te sch on genii um uns anautreibeor 

und hiemnter vor allem dieieniÄft des Stahl we r k s v c r b a n de 5 ^ ^ d« deutacbef) Sumche; io unserm Luanda m 

hervargehoben wird, iat nach ein« Mitt*Üühg der „Ständigen iOfgetJ. Das beete Mittrf* eine Sprach ft; 

Aussiftauogekdmmissiöij für die deuiscUa Industrk'* in gruad^ävs- hait ih; dem iUtid«^ wo dies« Sprache gesproahen wird, Wir 

lichfio Ahsführuog»0 über ,,dic Beteiligdhg an WfcfxauasSftUungen, haben in Genf auf diftsft Weise FraOiidfitaftb gelernt Jetzt lebeti 

xu^mmftugftfaast« wovon die folgeüdcb a-u^h io hier io DeutsebUpd acn dem ’ man daa reioet^ 

d fttitsclbefn Auaatftll erkreiseo lote resse «nd Beachtung verdien ^O r Deute ch spf ich t W ir löj den Dmitaoh im Sp aiiereogehen, 

,,Aüsstenungfto sollten mehr nach ihi^r aUgemomftn Bedeutung dütchau« gratis. Ich Mfe, d^aa m;in^ d*e 

gewürdigt werden, wie nur ala Mittel itir den unmitteibAreo Hutirena bewusst wird, deh ditsv Mftihisdft bringt, 

Absatz; mit au dsrum Worten: die Beb^Üigüngswokoste^i^Bohlfto Deutsche Schul prüfungcji im A ti»l«ii dft, Dte 

auf das edlgemeino Bropagandakonto vert.ticht wftcäen,. Leiteoaer ^,blorda. Ahg, schreibt? Die iiahi der Schüler, dlÄ EfcJIjükthch 

Qftdanke ixnm sein, den Ruf der oürdamerikauischen War^o d^utöcheo Au^Uiiasächuleu das Eiojäbdgr^Frü^iliigenxftügute 

Öbe«iB dort au verbreiten, wo sie bisher noch unbekaum siud; ^ Reifezeugnis erwftrbm, wSchat, erfrfturicherWeise von 

sie müssen so to xUe Munde seiUj dass die HHadler eich geradjeKU ja,h,r ^u Jahiri So bestanden die Fiujäbrigeä-pröfiiiig iu diesem 
geawmigeo aehen, sie au führen. Darum gilt es, ^^sse in Antwerprö V4. p^rcelona a, BexhiU -z, Brüssel xj. 

Puhliküm ämr m iuieressierftri, und gerade deshalb Üa-rf rtne ^^^003 Aires jo, BuVarest ,^7, Davos e, Genua 5. Jerusalem 7» 

AuaateHuog tiichlbVoaaemft Anhäufung von Waran sein, sondarq K^^ist^ncinopel 19, Mailand 5; M«iikö 1, Rigai 4» ihsgea^mt 13$ 

sie mhss darüber hinaus wftithfti Interesse und BelahFüng schÜler. Feroftr «1 äugten ^o Schüler das R^fe^eugniff. nämlich 

D« Gesichtspunkt de^ ZurschaUäldlens verlangt aorgsame Be- jn Antwerpen fOfeartftalachulej n, EriSssiSl (ftftatgyinna^um> 3 

achlcung und, wie für alle anderen Formen der Reklame, Rbni^umopG} (ÖbbrrtaWchulüf 5. BriUungeo in Aut- 

raüS'^tftu di« gleißten Anstrengungen auch für dm moderne BrÜs^aL leitete als Halehskominfeur: 

ujüd besoudtris suggestive Propaganda der Aüastellangen gfttnach! , ■ . ■ • • ■ •'• - ' .• ^•.. ’ • ' ■ , .~ • ; . '■■•■ ■•:: 

werdftu, von denen mau übiirdias ^u gleich mapch nUtztichc Au-: ' '■ ■; ■ - -^ -;7^—r.“- 7. . - -. ; - ^ 

regüngftu heimbfriiigb Iftrheien ist auf gute Vnrpa diung 

und einwandfreie Qualität. ^er W^reri gesteigerte Auftnerksamkait 
2£u verwftndftm damit weder dftr geiegentUche Beschaufcx tioch 
dae Auge dfts Fschmaiifts irü BtsÄU^n düngen Anlass hat. Auch 
in bezug Auf SSussäte Aufmachung und letzten Schliff muss den 
Ans^suuhgftn Laßdes HechUung getragen werden, Nicht 
nur brauchbar mhaten dift^ ausgeiitellten Waren sein, JSondern 
sie ftqlleu ih: gteivhem Miisse wie die Erzeugnisse der aaderen 
NatioBep4se^Süskft des Besuch ft rs auf eich ziehem Was fUr 
d«tn ILadSen vielleicht noch gut und anscholicli gennj^ Ist, taugt 
deshalb n och lii chi für ein t i nte m a ti oiral e A ues tel I ' ttUdli cU 
sollli^ mitn sich für eine zlelbewusateAiis i$; t e 1 i U g S * 

P r ö p, a g d h d a zürn allgemeinen Nutzen der nationaXeiri: 

W t r k ft a m «re r M i 11 e l b e d i e n e n» Gerade hierin 
ÄOch, kfttßft etbXigft. Nation vorhandene MoglichkeiLeu VöH ui/t; 

So hatte f. B, in Buenos-Aireä keine der ver3ch.iedftiieTi: fifÄSJsd:- 
laudiechea Sektionen ausretcheiid für die Orientieiung dfts 
Publiktnna unter nationaleo GefeirJitsphukieü gftsDTgi, Die hc^te 
Leittung in dieser Richrnng Wiirefi die v&h Dftd^ heraus- 

gegebenftu Kataloger plehl hin'j^ie VerjeicbÄ^^ der AussteUunga- 
gfitec^ sondern gleichmtig^ auch iTriormiftrende Angaben Uber 
Deiilschiaud und Äc4 nft:.Und 50 e[aE notwendige 
Brgäasung für die Bcbau^steilang geibötr Freilich wurden die 
d ftutschen Kstal ojgft o i cht k osi enfver (eil Sr 0 n de ra v erk j uft, 
und toft Wirk un g auf da« osa e Pu hl ik Uro W h tdc m cb d p f cb. 
den Üntfanf Uwd die Schwierigkeit "Ötoffeü bftftinträchtLg^r 
ganze G ft ti £ ft f d e r R fr k I m ej nait Fl UgbiÄtlcrn, • 
zßttfrln» Plakaten uftiv. ijjt jetzt n^jr Au^t*11 ung^^ noch wertig 
fthtwiftfeftlf und. aücb H1 "^h t g fth Üjg ft o d . b ft a f b ft i t fr t- Dift 
ForlachriUft. üjft das gerade in den Vereinigten 

Staaten in den Ifttzteti J(3h^^ftQ gftfnatrht hau pprechen dafür, 

;3.hch bei ausländischen Aoa&ttijlußgfrn wßitgvhftn^ hiftrvon , Ge¬ 
brauch zü machen,, und dift Verftmtgiewt Slai-ten sollen dabei 
.Wegweiser sein/*: 

Deutschland und das Ausland. 

Ein lü r ki s ch ft s D r lei 1 U b«r die d eUt s.t'he Sp rach«V 
Einem Brief, d«n ftiri in Hannover junger TUtlte 

an die Süloniker ,,Rum.ili'’‘gftrioüfcet .hhti. ftötnehmen die 

Mittftiluagen dftft VereißB für da^ Dfttxte.rtilu m im Äüs^ 

Imnd folgende bÄtberkenawerte Au^dhniAgfth tfitWenti man sich 
iiiit.ftmer exakten Wrasenschaft eiögehftJ54 bfts^Iiäftigftn will, so 


Pel Avärenhaüs zu Üen^^5^ 

Her mann Pfeiffer 

Petersstr., 34 LEIPZIG Petersstr. 34 


Erstklassiges ' 

SpMdi'GescMft 

fOr feine 


Reichhaltiges !■ 


Anfertigung nach -^^z; 
MaÜ 

. /■ 


gegen Aufgabe Z; „ 
von Referftnsen^.. 


sandt. 



■p-feWfete:';r 

mit 'AbbiitJiitigefi- ,p|r 
-winl .frei Züge- tel,... 

■‘^^!iTf,‘ --'.7^ ■.■,' '>r;.j .1' ’ >-' • 






















m DEUTSCHLAND 



Nr. 10 


Schulrat Nelson aus Darmstadt, in Bexhill Generalkonsul 
Johannes, in Buenos Aires Gesandter Freiherr v. d. Bussche- 
Haddenhausen, in Bukarest Professor Schmidt vom Auswärtigen 
Amt, in Davos Geheimer Rat Oster aus Karlsruhe, in Genua 
und Mailand Ministerialdirektor von Ableiter aus Stuttgart, in 
Jerusalem Generalkonsul Schmidt und in Konstantinopel Schulrat 
BrUtt aus Hamburg. 

Bäder und Sommerfrischen. 

In Bad Salzbrunn gelangte der loooo. Kurgast 
dieser Saison am 15. September zur Anmeldung, eine bisher 
noch nie erreichte Zahl. Der Zuzug ist noch andauernd gut, 
so dass die Kuranstalten auch über den eigentlichen Saison¬ 
schluss, den I. Oktober hinaus geöffnet bleiben, solange bei 
dem anhaltend schönen Wetter eine genügende Anzahl von 
Kurgästen zur Herbstkur sich aufhält. 

Warnemünde zeichnet sich durch einen ganz hervor¬ 
ragend gelegenen und gross angelegten Tontaubenschiessstand 
aus. Vor der Halle breitet sich ein entzückendes Panorama 
aus, das zur Linken von den jungen Uferwaldungen begrenzt 
wird, während geradeaus der Blick über grüne Wiesen, den 
blauen „Breitling“ nach dem wildreichen Hochwalde und zur 
Rechten nach den Türmen der altehrwürdigen Hansastadt Rostock 
schweift. Der Schiessplatz selbst hat fünf Deckungen mit Wurf¬ 
maschinen, so dass die Tauben bald rechts, bald links, bald 
steUer und bald flacher und nach verschiedenen Seiten geworfen 
werden können. Der Platz gehört heute zweifellos zu den 
günstigst gelegenen und best eingerichteten. Am 18. und xg. 
September hatte sich daselbst eine grössere Anzahl Schützen 
zu einem Preisschiessen eingefunden, das von der Badeverwal¬ 
tung ausgeschrieben war. Der erste Tag brachte ein Haupt¬ 
schiessen, ein Ehrenpreis- und ein Serienschiessen. Zu dem 
Hauptschiessen auf 40 Tauben (je 10 auf 12, 14, 16 und 18 Meter) 
hatte die Neubuckower Schützenvereinig^ng eine prachtvolle 
Fruchtschale als Ehrenpreis gestiftet. Ausserdem waren für 
jedes Schiessen drei Preise bestimmt. 

Verschiedenes. 

Akademische Kurse für allgemeine Fortbildung und 
Wirtschaftswissenschaften in Düsseldorf. 

Das erste Verzeichnis der „Akademischen Kurse für all¬ 
gemeine Fortbildung und Wirtschaftswissenschaften in Düssel¬ 
dorf“, das sich auf den kommenden Winter bezieht, ist soeben 
erschienen und beweist, dass es sich hier um eine gross an¬ 
gelegte Einrichtung handelt, die der Unterstützung weiter 
Kreise wert ist. Das Vorlesungsverzeichnis gibt zunächst die 
„Satzungen“ der Kurse wieder, die nur fünf Paragraphen 
umfassen. Der erste Paragraph betont Art und Zweck der 
Kurse, die dahin gehen: „auf hochschulmässiger Grundlage 
den Gebildeten und Bildungsdurstigen aller Stände Gelegenheit 
zur Vertiefung und Erweiterung ihres Wissens auf allen Ge¬ 
bieten, insbesondere aber hinsichtlich der Wirtschaftswissen¬ 
schaften zu bieten.“ Dass diese Betonung keine Beschränkung 
in der Zulassung der Hörer nach sich ziehen soll, ergibt 
sich aus dem § 4, der ausdrücklich betont, dass die Veran¬ 
staltung der Akademie jedermann ohne Unterschied des 
Geschlechts offensteht, sofern nur das 18. Lebensjahr vollendet 
ist und gültige Hörerkarten gelöst worden sind. Die Hörer¬ 


karten kosten, je nachdem die Vorträge einmal oder zweimal 
wöchentlich stattfinden, insgesamt 5—10 Mk. Für diese HÜrer- 
karte hat der Inhaber das Recht, an einem der nebeneinander 
herlaufenden Vortragskurse teilzunehmen. Die Vorlesungen 
beginnen am 30. Oktober 1911 und endigen am 17. Februar xgzä. 
Die Gebühr für die Vorlesungen muss als eine sehr mSssxge ' 
bezeichnet werden. Sie hält sich im Rahmen des an den Uni«, 
versitäten Üblichen und bietet zweifellos auch den Minder-' 
bemittelten eine gute Gelegenheit, ihr Bildungsbedürfnis in 
der ihnen passend erscheinenden Weise zu befriedigen. Aus <. 
den Vorlesungen im Wintersemester ign/12 erwähnt der Vor¬ 
lesungsplan folgendes: i. Die Kunst der Griechen und Römer 
(mit Lichtbildern); Dozent: Direktor Howe; Freitag nachmittags' 
von 5 V4 bis 7 Uhr. 2. Kirchliche Kunst (mit Lichtbildern); Do¬ 
zent : Prof. D r. B o a r d; Mittwoch nachmittags von 6 ^/^ bis 7 Uhr« 

3. Streifzüge durch die deutsche Dichtung der Gegenwart; Dozent: 
Beigeordneter Prof. D r. Herold; Montag nachmittags 5V4 bis 
6 Uhr. 4. Neueste deutsche Geschichte (seit 1870); Dozent: Ober¬ 
lehrer Dr. Meier; Mittwoch nachmittags 5Y4 bis 6 Uhr. 5. Phy¬ 
siologie des Zentralnervensystems und der Sinne (Gehirn und 
Seele; mit Experimenten); Dozent: Prof. Dr. Müller; Samstag 
abends 8V4 bis 10 Uhr. 6. Technische und wirtschaftliche Haupt¬ 
fragen des Eisenhüttenwesens (mit Lichtbildern); Dozent: Dr. ihg. 
Schrödter und Dr. ing. Petersen; Mittwoch abends 8Y4 bis 
g Uhr. 7. Die Organisationsformen der modernen Industrie; 
Dozent: Syndikus Dr. Tschierschky; Mittwoch abends‘9Y4 
bis IO Uhr. 8. Die deutsche Stadt und ihre Verwaltung; Dozent: 
Beigeordneter Dr. S ch o 1 z; Montag abends 8Y4 bis 9 Uhr« 
g. Politik; Dozent: Beigeordneter und Privatdozent Dr. Most; 
Montag abends bis xo Uhr. Die Hörerkarten sind bei der 
Handels- und Handwerkskammer, im Bureau des Verkehrs- 
Vereins, Graf-Adolfstrasse gx, bei den Kastellanen der Königl« 
Kunstakademie und der Luisenschule, sowie im Bureau der 
akademischen Kurse (im Rathaus) zu haben. Nach auswärts ver¬ 
sendet das Bureau der akademischen Kurse Karten gegen Nach¬ 
nahme oder vorherige Einsendung des Betrages. 

Ministerialerlass zur Förderung des Städtebaues« 
Einen dankenswerten Runderlass, der besonderes Interesse für 
Gross-Berlin besitzt, hat der Minister des Innern an die unter¬ 
stellten Provinzial-Regierungen gerichtet. Der Minister betont 
darin die Wichtigkeit der Reform des Bebauungsplanes und 
führt weiter aus, es sei bereits wiederholt auch von amtlicher 
Stelle darauf hingewiesen worden, dass die noch nicht überall 
durchgedrungene Erkenntnis, dass Planlosigkeit im Städtebau 
oder in der Bearbeitung der Bebauungspläne durch nicht 
hinlänglich befähigte Kräfte die Entwicklung der Städte nicht 
nur in ästhetischer und wirtschaftlicher, sondern vor allem 
auch in gesundheitlicher Beziehung schwer schädige. Der 
Minister steht auf dem Standpunkte, dass die Grundbedingung^ 
für eine günstige Entwicklung einer Stadt in hygienischer 
Beziehung die Aufstellung eines der nächsten Zukunft voraue- 
eilenden, wenigstens in den Hauptfragen festzulegenden Be¬ 
bauungsplanes ist. Er hat daher die zuständigen Stellen an¬ 
gewiesen, bei Prüfung und Bearbeitung von Bebauungsplänen 
für Städteanlagen geeignete Kräfte (Architekten, Ingenieure, 
Hygieniker, Volkswirte) zur Mitarbeit heranzuziehen. 

Gehälter der Bürgermeister in deutschen Groas- 
Städten. Das Statistische Amt der Stadt Strassburg i. B. hat 
sich der Mühe unterzogen, auf dem Wege der Umfrage die 
Verwaltungskosten der grösseren deutschen Städte nach ihrem 


C. R. Hlssmodel, Leipzig 


Cacao-Dampfmühle und Chocoladenfabrik Gegründet isss 

Fabrikant der bestbekannten und beliebten ]ä/l ä 

Cacaos und Chocoiaden: iTlS.! 1C0 


■■■■"- nach D. R.-Patent Nr. 217288 ' 

in naturreinem Geschmack und unübertroffener Feinheit. 










Nr.io HiQ e Q e QQ0098 9 QQQQ0QQQQQQQ0 @ DEUTSCHLAND iBe ee8eee€3eeooceeoecoe8cec eeffl 403 


neuesten Stande vom i. April igu zu ermitteln. Es interessieren 
davon namentlich die Mitteilungen Ober die GehaltsbezOge der 
ersten Bürgermeister, wobei bemerkt sein mag, dass in der 
folgenden Zusammenstellung Dienstwohnungen, Repräsentations¬ 
kosten in die Gehälter eingerechnet sind. In Klammern sind 
die Einwohnerzahlen der Städte beigefügt. Es bezog sonach 
der Oberbürgermeister von Berlin (2 06^ 153 E.) 36 000 Mk., 
München (595 053 E.) 33 900 Mk., Leipzig (585 743 E.) 25 000 Mk., 
Dresden (546 882 E.) 20 000 Mk., Breslau (5U 891 E.) 30 000 Mk., 
Frankfurt a. M. (414 406 E.) 36 000 Mk., Düsseldorf (357 000 E.) 
31000 Mk., Nürnberg (332 651 E.) 27 20a Mk., Charlottenburg 
' (304 722 E.) 30 500 Mk., Hannover (30a 384 E.) 24 000 Mk., 
Essen (294 629 E.) 27 000 Mk., Chemnitz (286 455 E.) 20 000 Mk., 
Magdeburg (279 644 E.) 25 000 Mk., Königsberg (245 963 £.) 

22 000 Mk., Rixdorf (237 378 E.) z8 000 Mk., Stettin (236 145 E.) 

23 000 Mk., Duisburg (229 478 E.) 20 000 Mk., Dortmund (214 333 E.) 
21 000 Mk., Kiel (21X 044 E.) 18 000 Mk., Mannheim (193 379 E.) 

20 000 Mk., Halle a. S. (180 551 E.) 18 000 Mk., Strassburg i. E. 
(178 891 E.), Schöneberg (172 992 E.) 22 000 Mk., Altona (172 553 E.) 
25 000 Mk., Elberfeld (170 118 E.) 22 000 Mk., Barmen (169 loi E.) 

21 000 Mk,, Posen (156 996 E.) 20 000 Mk., Aachen (156 044 E.) 

23 000 Mk., Kassel (153 078 E.) 19 000 Mk., Braunschweig 
(143 319 E.) 17 000 Mk., Karlsruhe (124 677 E.) 16 000 Mk., 
Plauen i. V. (121104 E.) 16 750 Mk., Mainz (iio 624 E.) 17 000 Mk., 
Deutsch - Wilmersdorf (109 729 E.) 21000 Mk., Wiesbaden 

(109 033 E.) 20 000 M. Von den deutschen Städten mit mehr 
^s ZOO 000 Einwohnern sind in dieser Uebersicht nicht berück¬ 
sichtigt die Städte: Hamburg, Bremen, Stuttgart, Augsburg, 
Gelsenkirchen, Bochum und Mülheim (Ruhr). Es ergibt sich 
übrigens aus der Statistik, dass die Grösse der Stadt nicht als 
Massstab gelten kann für die Höhe des Gehalts. Das ersieht 
znan am besten, wenn man z. B. die Gehälter der Oberbürger¬ 
meister von Dresden und Wiesbaden berücksichtigt. Dienstalter, 
Repräsentationspflichten, kommunale Leistungsfähigkeit usw. 
spielen jedenfalls eine erhebliche Rolle. 

Dr. Edmund Renard, Direktor des Denkmäler-Archivs 
in Bonn, ist zum Provinzialkonservator der Rheinprovinz bestellt 
worden und erhielt den Titel Professor. 

DerbekannteTierhändlerHagenbeckin Hamburg 
weilte kürzlich bei dem Kaiserpaar in Cadinen. Hagenbeck 
wurde vom Kaiser zur Mittagstafel befohlen. Kurz vor der¬ 
selben teüte der Kaiser ihm mit, dass er ihn zum Königlich 
Preussischen Kommerzienrat ernannt habe. Hagen¬ 
beck überreichte der Kaiserin mehrere schöne Straussenfedern, 
die aus seiner Straussenfarm in Stellingen bei Hamburg stammen. 
Der Kaiser schenkte Herrn Hagenbeck sein Bildnis in Cadiner 
Porzellan, und die Kaiserin schenkte Hagenbeck ein Paar 
siamesische Katzen, welche von den Katzen abstammen, die 
seinerzeit dem Kronprinzen von dem König von Siam geschenkt 
worden waren. 

Stiftungen. Die Waggonfabrik van der Zypen 
& Charlier in Köln gibt aus Anlass der Fertigstellung ihres 
zooooo. Wagens folgende Stiftungen bekannt: 200000 Mk. für 
die Ferdinand-Albert-Stiftung für Arbeiter, 300000 Mk. für eine 
neue Beamten - Stiftung, ferner bestimmte Zuwendungen an 
sämtliche Angestellte und Arbeiter. Der Teilhaber Max Charlier 
stiftete Z50 000 Mk. - für eine Volksbibliothek. Kommerzienrat 
Paul Charlier erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse, Prokurist 
Hermann Kattwinkel, Oberingenieur Robert Hartmann erhielten 
den Kronenorden 4. Klasse. Sieben Meister und Arbeiter erhielten 
das Allgemeine Ehrenzeichen. 

Ein Jubiläum der deutschen Post in China, ln 
diesen Tagen konnte das deutsche Postamt in Schanghai auf 
sein 25 jähriges Bestehen zurückblicken. Nach Subventionierung 
einer deutschen Postdampferlinie nach Ostasien konnte die 
^jOder“, das erste Schiff der neuen Reichspostdampferlinie, am 
z6. August z886 die Reichspostflagge in Schanghai, dem inter¬ 
nationalen Handelszentrum, zeigen. Die Folge war die Er¬ 
richtung einer deutschen Postanstalt in Schanghai Ende August 
z886. Dieses von einem Postdirektor verwaltete deutsche Post¬ 
amt, dem die übrigen Postanstalten in China unterstellt sind, 
ist für die deutschen Verkehrseinrichtungen in Ostasien und 
insbesondere im chinesischen Reich vorbildlich gewesen. 

Eine Reise nach Paris für einen Schulaufsatz. 
Die in Berlin herausgegebene französische Zeitung Journal 
d'Allemagne macht ihr zweites Preisausschreiben für französische 
Schüler-Aufsätze bekannt. Wie im vergangenen Jahr, sind 
als Preise wieder 50 kostenlose Reisen nach Paris mit freiem 
achttägigen Aufenthalt ausgesetzt. Das Journal d’Allemagne 
hatte im vorigen Jahre einen grossen Erfolg mit seinem Preis¬ 
ausschreiben. Die Ausführung der Reise hatte das Komitee 
für internationalen Schüleraustausch, an deren Spitze Stadt¬ 


schulrat Dr. Michaelis und Provinzialschulrat Prof. Dr. Engwer 
stehen, übernommen. Die Kosten der Veranstaltung, die sich 
auf etwa 10 000 Mk. belaufen, trug das Journal d'Allemagne; 
Wie erinnerlich, wurden die jungen Deutschen in Paris sehr 
gefeiert, sie wurden vom Unterrichtsminister und vom deutschen 
Botschafter empfangen, mehrere grosse Boulevardblätter ver¬ 
anstalteten einen Empfang, ein grosses Warenhaus hatte sie 
zu einem opulenten Frühstück eingeladeo, an der Sorbonne 
wurde ihretwegen eine Konferenz in französischer und deutscher 
Sprache veranstaltet. 

Bücherschau. 

Taschenbuch des Statistischen Amtes. Das 
„Taschenbuch des Statistischen Amtes der Stadt DüsseldorPS 
herausgegeben vom Beigeordneten Dr. Most, ist in einer neuen 
Auflage für das Jahr xgzz erschienen. Das Heft enthält in über¬ 
sichtlicher Weise die Hauptziffern aus der Reichs-, Staats- und 
Stadt-Statistik und gibt in deutlicher Weise eine Auskunft über die 
am meisten im öffentlichen Leben interessierenden statistischen 
Fragen, wie Flächen und Bevölkerung, Grundstücke und Be¬ 
bauung, Gewerbewesen, Verkehrswesen, Geld-, Kredit- und 
Steuerwesen, Nahrungsmittelpreise und Konsum, Volks- und 
Stadtvertretung usw. Das statistische Taschenbuch ist im 
Buchhandel zum Preise von 75 Pfg. zu beziehen. 


nkademische Kurse 

[Qr ollgemelne Fortbildung und Virtschnfts- 
vlsseuscbunen in DOsseidort 

veranstaltet von der Stadtverwaltung und der 
Handelskammer. 

Winterprogramm 1911—1912; 

1. Direktor How0: Die Kunst der Griechen und 
Römer; Freitajrs, 5 bis 7 Uhr (mit Lichtbildern). 
2. Professor Dr. Board: Kirchliche Kunst; Mittwochs, 
6 bis 7 Uhr (mit Lichtbildern). 3 . Beigeordneter, 
Professor Dr. Horold: Streifzüge durch die deutsche 
Dichtung der Gegenwart; Montags, 5 bis 6 Uhr. 4 . Ober¬ 
lehrer Dr. nolor: Neueste deutsche Geschichte; Mitt¬ 
wochs, 5 bis 6 Uhr. 5 . Professor Dr. ntUler: Physiologie 
des Zentralnervensystems; Samstags, 8 bis 10 Uhr (mit 
Experimenten). 0. Dr.ing. Schrttdter u. Dr. ing. Potfrson: 
Technische und wirtschaftliche Hauptfragen des 
Eisenhütten Wesens; Mittwochs, 8 bis 9 Uhr (mit Licht¬ 
bildern). 7 . Dr. Taehierachky: Die Organisationsformen 
der modernen Industrie; Mittwochs, 9 bis 10 Uhr. 
8. Beigeordneter Dr. Scholl: Die deutsche Stadt und 
ihre Verwaltung; Montags, 8 bis 9 Uhr. 9 . Bei¬ 
geordneter, Privatdozent Dr. Oloit: Politik; Montags, 
9 bis 10 Uhr. 

Dauer des Semesters: SO.Okt. 1911 bis 17 .Febr. 1912 ; 
die Vorlesungen Nr. 1 bis 4 finden in der Aula der 
Luisenschulo, Nr. ,5 bis 9 in der Aula dos Gymnasiums 
an der Klosterstraße statt. Preis der Hörer karte zu 
den Vorlesungen Nr. 1 und 5 (wöchentl .2 Stunden) 
10 Mark, Nr. 2 , 3 , 4 ,6, 7,8 und 9 (wöchentl. 1 Stunde) 
5 Mark. 

Alles Nähere ist aus dem ausführlichen Vorlesungs¬ 
verzeichnisse (unentgeltlich) zu ersehen. 
VorloinngsveriotchBliio vnil Hfirorkorton lind in hnbon: 

an den Vorlesungsabenden selbst, am Saaleingang; 
ferner im Vorvorkanl: im Bureau der Akademischen 
Kurse, Rathaus Zimmer 47 , in den Geschäftsztellen der 
Handelskammer sowie der Handwerkskammer während 
den Dienststunden; im Bureau des Verkehrs-Vereins, 
Graf Adolfstraße 91 , bei den Kastellanen der Kgl.Kunst- 
akademie und der Luisenschule, sowie in folgenden 
Buch- und Musikalienhandlungen; Julius Baedeker, 
Schadowstraße 37 , Bayrhoffer Nachf. F. Jäger, Ton¬ 
hallenstraße 6, Emil Bierbaum, Oststraße 55 , W. Deiters, 
Alleestraße 15 , Louis Kinet, Königsallee 72 , Arthur 
Modes, Alleestraße 43 , Ernst Ohle, Köni^allee 54 , 
0 . Schaffnit, Bismarckstraße 56 , Schaub Nachf. Max 
Pflaum, Alleestraße 23 , Schmitz & Olbertz, Elberfelder- 
straße 5 , Adolf Schneider, Marienstraße 38 , Schrobs- 
dorff (Walter Peters), Königsallee 22 , W. Wörmbcke, 
Schadowstraße 25 . 

Nach auswärts versendet das Bureau der Akademischen 
Kurse Karten gegen Nachnahme oder vorherige Ein¬ 
sendung des Betrages. 




494 ^B©e000eaa08a880900800a00a©8i® DEUTSCHLAND öoeeBeeeseeeeeeeeeeeeeeeee«! Nrjo 


Ei OHO nftu« öÄi IVIUni:b»bat dt^f Vftrftsa 

FÖf Ff ftni^iftnveriieferft in MüntiiiftR tind int 

H^eeiüftji d ;s oftbi»» uiiusr TiicJ: „ MlS oclwfii «iu JP'ti tu ftr nj nd 

Rfttg^ftbftf jSTüf daufttntot Anatfcdlung*' bftraijBt 

difti wift dieser Tiifti: äU deoeti wilE- 

koiKfj^ isftto ^^'elcibe: dift Atj*ficht: babttij ibr tUini am 

tgiftf3ir*ßd I>er Verein täai ftkb für diftse Jisf-or* 

nasttoi^BB^ibrtft dcj; Mhwipfe\*ti!Sf btrvciTxagftnöeF Aii^^nwt veTfti:cbftri, 
S« 3 i. schUdftft im l['eii Dt. E« W, Brftdi^ der trelflicbe 

Kiab!Btj|fhrMs'eUet+ ^iMUticbep^ die ic^nsderiacbe JSradVY 
Coixift ScapmftlU l 3 f/Aiftxandft^ biU* 

mann, der bek«nntft Müüsikktiiikfti:, dic^ M^aikstsdr-v 

Gcörg Fdehs, dftf Sebfepfer Müt^ebener KiifiSfEiftr- 

eheaitfft, plftudefi Über ah Tbft^ ÖeuiJib 

Riiiteivauftf^ pfftiet ihi bftTodteri Womd Iftndscbjttüicbe 

StrbbnbftU von Ör» A* ÖreyerT de^ßv Vorsiand der 

^enuaJbibWoibeü 4 >e 5 D. u, O«^ mmmi 

,tftÄdncb^ii4 dh ÜUdt des J. Lüthef «ine 

Afehäbdlttog : dbcf ..Sport und irt M.ünoiieni der jvifciift 

i 3 tr«kiof des «tatistischen d^ Münchchv 

, T 5 r^ A T ^ückj fttblldent,,Oie ir ffen(Einrfebtangeja MUnCitie^i. 
0tje3rWifir A. Kei-i^e^tel^ier „Bai Biiddn^-ivftseo^^ Br. H. 
ipisn^c 4 gjbt ivpsTVi&ik W die WobrtungBfrage* llbtt 

Äwdftrb ^ dem Kapitel HMühtjhftn ferne 

fftsfliSjdii lät*df' 3^0IM miieri iwet Kiiparitä le n dei' nS 

Bum Wntty dfti Dr; Matt, v<?Ä trüber 

der itliftiktr Ffofeö Btr Fnedrich von Hnll^sx-i.. - 
Teil dftr Hrisft g list J n l^beraich üi che r 0^ fsie 11 nn Peiudä nf - 

st!^IUiae über 4 k Bilddirtgsstätten in Müochipn, dVc VitrJeft^ 
eiAficbtd ng vn-r Gfteaod te c b aften n ud K 0 pau 1 ai«, Kuhu% n 

Sfebe^sWürdlAHfeikiif Heil* ttpd tCnrapsiftlieinf JAadftjr ü. 
dfepiJti ftkb AdrtSBfen der FfnsiQb<tni Kektaüfi^iUj 

Sp^sftreine lisw^ Wink* über AusPii^ft, ein VejifelchTila der 
KftdfaHrvfrftgft tifid Reitwege^ Angabeji Übep 
Dureicttangf dur Fischweireents in 4ftn; gr^^seren öbirrbAyepischen 
Seen ai: 5 CiiÜes«ft> Die* wte schon die^e kurae ip>WJt^ani^abe : 
erköppon it^iy praktisebe nnd wertvolle Schrift ist mit ^ah] 
rftiL^hftn Virtlfftfhicbcn iUpanfttioA*p geschmUiiki ^r\d in ' 

thi e F ije dieuette h A uSBtattn og den a H e r p El n drnök 1 0 er 

TileJ eirifachtm Giyjdaafdruck nur das Wön „M n n ch c 

»lit nod wirkt gerade d^f^ib yornehm Eipfachhftit^ NatU aus* 
wläHs wi^rd da* Werktbea; tniit dem der Bdöpcheper Vfefkehr*-'; 

* eine miiaiergltlJigft Saru in 1 urig vbu DruckäiphrtfrtEn iim 
1 wer inieresaarite Bände beffti^ihftri h.*t, ^egein Einiiftndung 4 es 
Piöt t oif (j o Ffep oige) vom V e rfti« : adr F b rdeVn n^ 4 es F r eni d en 
Verkfibrs m Mhnc.b e n nnd im baytTii^?:hei 5 la ti d, M ü nchen, 

Hi'upttmhfihnf^ Vniteblcfi ver^aifdv. |ttdrr T*d der Sctirift k^nn 
fttf »i.eh. ftVlelfü .'hei^gen ■’wefdepi;:. -'- -^'.- 

Rutid üTfi Äftrh*^Ö- jbSpatiergSögft, gaojte vifrö batbe 
Tiigftstöuren^ nebst Plan, Be^^tihreib uog iiüd HündbH d. :^bsatTi?non^ 
geprellt vam Ver^chbofttut»^* und Eu^verein Auerhao:ti t Heeseit). 
*, Auflage ^ Daft Bueb ist hfergasteUt i. kür den Geb ran cb 
im Öeiando mit leatem Decket vnd Pa|iiet: kosi^cV sn 

50 Pfg,i a. für 4 en pfopagaA d ajs e bra u c Ji init ^ ci^h 
IiihAJt «ut Mchtem Papier -und Einband ^ graiia, 

E» Teranse haut ich! die limgebung iVue^baclis in mn^Lergliltigef 
Wetsft* ein Jeder Ru^dsprhrergftng durph ein btffiuudercs 
Planchen für 4 eb Ftemdeh leicht ftöfhndbaf und 

fhhtt iHta der kurgnet WOät meiüt c^ijl bei 

längerem Aiiftmtbali: Stenhen lerni; es öreht somit iHr Kurorte 
unfterftft Wisöen« einft Aftüft^ fast vr^rbÜdUche Art der Ver- 
ÄbürrhftULriChung der Bftodfch^h^ Der Verj^r^i^tierUngs^ lind 

Kuirverftin ist iisin: Unterverbend de* .Verkehr^ftuSi 5 c^usseB der 
§ 4 u in Auerbsclii eHevecnl- 

■'>.:••, i'ffft n''y t ü;r- d nt .■ ii e w e.'.d e:h t e ch e Th r.-p e n h n 4 

d ie: b e u e; 4 «:ht «h e Ö y rb n a ä iik von XlA:]ohftnües hn, 

IVt;t: 4 Verlft g v on • OUsStütv Lim pitCs^ ^ niihen * 

PreiH Lid Wk. -- Br; JöUap^ics Uiibeb^unv dftr frÖhfef als/Türn- 
lehrftr an höheren Schulen tätig ueWiisto tihd in dtn letzten 
JahrfttT ttiit dem TurriJebreäf iu Soinmof* Frisnlcf'Lf'i, 

ein Syirtem 4 i?r haltet Cihd dieses im Lriufe 

d ftf leiaten WftcHftd ü 0 d M nTi ate Wie 4 esttfiil i ueH ftüf der 
B 3 p«sdjtnftr’ Hy^i>nft^AüS?jtdlwiig uniet groseem 

Bftifftb ftanftT sachfeunaiged j^uhörei^ehÄit viifgeführt hat, iei auf 
den Gfthtjöfceu de* Turn^ JeL «Is KapsLrltat 

fthiusfthem ' Itt dftr vor ime‘ Hegenden Bjokchijre rmdiÄti W(r 
iBöni grosifiA: Teil e'aw neun^ i ormuh«fte Wci« mt gen, 

sowohl für die weiter« Äitssg^ÄUlmnis im Gftineinb et Heb von 
Turnen udiS Spoit^ wj« fhr Ün :irah0üell«i Und pfiyiiTes 

TraiPiftron Hftüä qdftT besset iffl Büfthade,. .Die Dar* 

Btftllittig, reich an pyüewi ideeh und öftdftnkftPj erfolgr in 

der ^onst üblichen Ftirm dm A^hah^^ungi Ät^ndern durt^ «Wapig:' 
lose» Ahftinandcfreihen kleiherer Abscbhitlft und Aphofiftme 


An stau crmüdftndftr ^ edachW^ihg 1 ( 4 it ißodfth i»tr 

«€iae und', ^Fheseh;';dk atif . 4 «ti Kopf 

treffem klare, ftiofache^ nftltiflkte der wkhügftiftti 

aktuellftH- Sucitfragen^ tüt viele Suchende ft^dd« dofr «rRSeendft 
Wort. Binige Utoirat^ofleh öbftf^d^^ Neue BÄUtsche Gytssoajiiik 
und augUieJ:! dfts Nadittürtieia und 

ftio e be w äh rt« pi u kl Ib ch* hygiehte che Tui nklftidimg für FrÄuen 
aftigeirjy erhöhen den Wert des BÖchldokA De es von 

ebbt vfttcrjäp dl sehe fp Geist©, und in seihftO Schl'iftBfol^erijiigftKi 
bftdeuiiäthrtt iii für uosfepc heranwachseit 4 ö jitgend* für unfter» 
lüpgüuge und MKnrreyH, picht ai^dets ahoh IlSr uiwerft Hädeheci 
Mud Fv 4 Stion^ sollt« es bei allttp, Sthiehren der BevtUkerutiE 
prftküsohft finden/ 

Lpsiige dergftÄChlchi»f n und allerlfti Humor«, ße- 

isiei^hja^ich ti hd Ge dichfeie s von Wf l h e I b/ '0 ü s c h.- Äwoiie; um einen 
■■ 4 rftmftti!ichfrti S[chftra erwbi.iicrw Auflage,, t'jEeraitsgegftben voh Rud. 
W dl. Pr« bhöd ö n tu Lein cp - P pftth rband i^r^ssen Fortn at») 

6 Mftfk. Verl^ag :v^»ri WÄ^ier^^ Xfeiiiftig. — Pieftfts vor 

uHnigeu Mbnaiftp; ftfUmhSig frtsqhlenftme Bu^k wiA bereite 
y Husche Vmhter wis 4 t d wa jil etit e i ne re ich c S^m ml u ng 

■ öI thtf- "■ u Bdderge^efaithten'ü 'd >^''■ den ■'W;ftrkfto de« 

. .jgto;? ift n ^■;. :H un vwriateh ■': ÄoTidhit ••■; . siin A : U nd ■ agt..: un beka ant 

.^•■'dass B uftoh' .-seübftr ■ iß-deti’ .im': bfc' 190 , 0 ;. ftageö ■.könnt©; 

i 4 V Vöh ersteh wftis&. woM hs'Ute äuftiftt mir 

■ kem.er- /•:. ■ .Sic:.■ ■sind; Vkrgeiäißiehi'.. 'Teilkreise faufftn 

fii- gar ii nter 4 « f^ P der Weh b e r u m.*" Und 

'ete, obw.'Jhi _ -tJii.fti^c ■ kmxhch^ .'v^Je^ch'n upgftn' 'fbeiniOi* 

aöo .der vmr 

«ud voa ihm. -Ägi gferftf^hnei: wetdeui was er 

gftthhqüt pftT Hcrau'sgtb^f lal mh otfc nsichi ti thftm Erfolg 

bemtiliL den vOTt , ihm gehobenen nur luach jeder 

Richitii>g hin %\ eheJitustelti!a Imümin der Äuacferftibufig: 

hält ft?T- bftü;ift für ahsgeachloftuftii , c Söndent auch weiter tu 
VCTmthf cft. Upd tekrtBres 1 jst ihm Ift der jetet »cito p, vorH«gcnden 
jaweittn Aijniig;e in eiiper Weise gelupgem die aitgemtdö die 
gr bs^ie UftbtrrrAschung sein dürfff:< Er hat tiämltch jetei den 
b ;1 J ft 1 i n d i g e P T ft a: i e ^ ^ y u ü B h a cb ge d i ft* fe o 
I 1 O jrft 114" piittftU&n können/ die 4tn Jdahcimer Hoftheater 
ti p d aiii I Bftf 1 mftf F r k drluh *Wilbebnif ädlisc h e n Effölg in 

den Äftchf^er jahrtn aufj^efUhtT und -/ da Boschs Aütorsch*ft 
picht gftUawt/W’ftf - völlig vcfgftafttn wurde 
;.'Tj-lft;l .pennen■ dir.-.Ejlyrn-,.und. Bio'gfftphftn von-. Bhaich riftblig. 
Dift Ojptmte, die eiTi erStter Busch in ihrcQ Vrfwiclciuhgeci, in 
der Mjrjiömrficbftft Jhrer Vcirsc und ao^usügep ^itx 4 ramAiivierter 
Siidcj'bggftn ist. -ffftnütl /schon dem Umfiivgft tu den 

grö s 5 tft u .Sditop fii p g des Dichters, 

döa redaktionellftn Tftilcaii 


>ietTWi\LQiWt >iäd' Jur Ci'ii äugend- Tfld ? J c a-st f u oiftea e r- 

!ü ijflü ^viri^t bfcnWh^h uiiii tlvr Saad««- 

äj«*tirirfii^i5; L>r. ä « u r L 4»» ShsiI** Deatfichilr Yarrkehra- 

tPreiv^ fö Uft-ptisi ml Ah±i 6 k 3 JrBatei|: Brune K.^rb ta UH^aftUnrr. 
Ü ru r» ^d Y trUe 4 4 r IX Ei ä a 4i> r f © t r i i. g » k u n 1 41 1 a . • Ö. U f> «tttAlderf. 



loivh etn vciwSläffH^t juscnnvt|%ä9ttt)8ft§ett, 

tpeSjjf, .|irtiiiiik'f|i.'!(ut)('^wt unit i.in MiPwbcitS Witni« $CÜtt. fSCcg 
t>(cä tr^ciint »ie nllein 

$U(l(tnpfer(l*Cincnmiicl)>$tife 

v>L‘iiB«r(«natinJife«..Ra(lcfe«ul. ?v 2 t.r>n'^f 9 j|i»mia,vdw&e«. 


HENSftR 

Hiliirslbrunnen 

ftm Kpt)ig$sruiit tu Aliens 



.SföfVIJöhkii^rt'^ ! 


Vy^i^ügbebet. 
l di fi »chftk T- 

»Xi-lrUnk 


IMSgtimcreihioeeHe 

tli ■ lOÄlf ü i»*n q ’ 


f ^ fftaK aytft.flc’ ta^ | 














DEORaiUHD 

„ : Zelbthrlft fflr Helmotkanile und Helmntliebe 

' Oisnn für die deutschen Berkehrs-Interessen =^== 




Wintersport in den Deutschen Qebirgen 


Weitsprung am Feldberghügel im Schwarzwald 

□ (Phot. Mayer & Schladerer, Feldberg) □ 



















Die besten Zugverbindungen nach den Wintersportplätzen 
Hundseck, Ruhstein, Triberg u. Feldberg im badischen Schwarzwald. 

(Mitgeteilt von der Grossherzogi. Generaldirektion in Karlsruhe.) 

— Die entsprechenden Fahrpläne siehe dritte Umschlagseite. — 


. ^msf^erd&m 


Bremen 


Hamöurg 


/rb/ABrx/a) 


Münster 


^Hännouer 


I Arnheim 


3er//n^ 


Magdeburg 


f Düsse/dort 


Gasse/ ^ 


^ac/ien 


Marburg 


\Coö/enz 


, Mainz ^ 


du^^möurg 


rrank/urt 


\ Darmstadt 


> Bebra 


Brturt ' 


'lirzburg 


7 ''öefha 

Dreien 

BefaienOech 

J^oF 

JjLichtenFe/s 

Jßamberg 


Mannmetm < 


Metz 


^ßaarbrüchen 


Neust-adh 


^neide! berg 


* Osterburken 


(Hei/bronn 


6rdben\ xBrnc/isai ^ 

srlsruhe^^y-OG^ Mühi^ker Bietigheim 


dürnoerg 


sßaarburg \ Magenau^ 


Rastd/tr 


^Pforzheim 


^ancy 


. 3 tungärh 


Huncourt 


Bbden-Oo 3 ^ 


Strass bürg \ 


r^OObertai / 

•Hundsed^ 

/ ^ Ottenhöten / 

/ •Ruhsl-ei^ / 

/ Bdiersbronn/ 

ikppenire/er Q hochdort 

V Ctrreudenstad/ 


Mü/hausen 


/Co/mar 


^ Mul/heimlQ^^,^ 


/ xfHausadi 

/ 4 Triberg 

^r^burg \^ll'ngen 

Ti/isee^ Q^onajjdschmgen 

^ •Feldberg ^Jmmendingen 
^lodtnäu L 


\Smgen 


Baser 


Friedrichs/iatcn 


y^onstanz 


yBugsöurg 


München 


. Lindau 


"^Zürich 




Der Wintersport — 
in den deutschen Gebiröen! 



Wintermorgen am Feldberg 

Copyright bei Grauert & Zink, Berlin — Der 1 inzelv» rkauf diesea Blattes lat untersagt 












1 



llIuetratlonsdrucTt aus „Doutschland“, Dllsseldorf 


(ri»oti)gr. A[aycr & Scliladcror, Foltlberg) 


Wintersport im Schwarzwald 


Rufstieg zum Herzogenborn 

















DEUTSCHLAND 

Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe 


Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen a Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher 
Verkehrs-Vereine n Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein e.V., Köln 


«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 
♦ ♦ 

X Bezugrspreis proJahr6M.,viertel- X 
t jährlich 1.50 M., Einzeliwrmmer ♦ 

♦ 40 Pf. — Erscheint geg-en Mitte ♦ 
; eines jeden Monats (im Juni, Juli X 

♦ und August monatlich zweimal) ♦ 
«»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 


♦ ♦ 

X Anzeigenpreis 40 Pfennig die X 

♦ viergespaltene Kolonelzeile t 

♦ Reklamen 1.50 Mk. die doppelte ♦ 

♦ Breite. — Bei Wiederholungen X 

♦ entsprechende Ermälzigung ♦ 


Nr. 11 


Düsseldorf • November 1911 


II. Jahrg. 


Die deutschen Gebirge im Winter. 

Von Dr. med. Erwin Jaeger, Leipzig. 


Deutschlands Klima zeigt im Westen ozeanischen, 
je mehr wir nach Osten gehen, aber kontinentalen 
Charakter, d. h. die jährlichen Temperaturunterschiede 
nehmen in der Richtung nach Osten an Schroffheit zu, 
der Winter ist in Ost-Deutschland härter als in West- 
Deutschland. Würde man vermuten, daß auch in der 
Richtung von Süd nach Ost ein 
gleiches Verhalten zu beobachten 
sei, so würde man sich täuschen. 

Da der Norden Deutschlands 
Flachland, Mittel- und Süd- 
Deutschland das mitteldeutsche 
Bergland und die deutschen Alpen 
charakterisieren, so findet in der 
Richtung von Süd nach Nord eine 
Ausgleichung der Wärmeunter¬ 
schiede statt: München ist im 
Jahresdurchschnitt kühler als 
Schleswig. Infolge der Erhebung 
der Landoberfläche nach Süden 
zu zeigen weite Strecken Süd- 
Deutschlands ein Nord-Deutsch¬ 
land ähnliches Klima. DerWinter 
ist daher ein in ganz Deutschland 
regelmäßig beobachteter Gast, 
der eigentlich nur an vereinzelten 
Stellen, die geschützt von um¬ 
liegenden Gebirgen niedrig ge¬ 
legen sind, wie z. B. Wiesbaden, 
mild auftritt. Aber auch an diesem 
Orte bedarf es in der kalten 
Jahreszeit nur kleinerer Reisen in 
die anliegenden Gebirge, um den 
frostigen Gesellen kennen zu 
lernen. Daher ist auch mit Rück¬ 
sicht auf die kalte Jahreszeit 
ein unentbehrlicher Bestandteil 
deutscher Wohnungen der Ofen 
und ein unentbehrlicher Bestandteil deutschen Familien¬ 
lebens der Aufenthalt indertraulichenWohnstube während 
vieler Stunden des winterlichen Tages und Abends. 

Sind damit die klimatischen Verhältnisse Deutsch¬ 
lands in Umrissen skizziert, so kann es schon von 


vornherein nicht mehr Wunder nehmen, daß eine relativ 
neue Erscheinung modernen Lebens in der kalten 
Jahreszeit, die Pflege des Wintersports, dessen Voraus¬ 
setzung der Winter und das Gebirge sind, zuerst in 
Süd-Deutschland Fuß gefaßt hat und dort auch heute 
noch in besonderem Maße Förderung findet. Der 
Schwarzwald, die bayerischen 
Alpen und daneben auch noch 
das Riesengebirge sind seit dem 
Ende des vergangenen Jahr¬ 
hunderts schon von Freunden zur 
Winterszeit aufgesucht worden, 
um dort Sport zu treiben. Von 
ihnen hat sich diese Bewegung 
auf alle deutschen Mittelgebirge 
in nur kurzer Zeit verbreitet, da 
ihr ein anderer, die deutschen Ge¬ 
birge charakterisierender klima¬ 
tischer Zug, zugute kam. Inunsern 
Gebirgen sind nämlich nicht nur 
westliche, mit Feuchtigkeit ge¬ 
sättigte, Winde vorherrschend, da 
sie südlich von den Zugstraßen 
liegen, denen die meisten baro¬ 
metrischen Minima auf ihrem 
nordöstlich oder östlich gerich¬ 
teten Laufe folgen, sondern unsere 
Gebirge zeigen außerdem auch 
noch keine so bestimmte Kon¬ 
zentration des Maximums an 
Niederschlägen auf den Sommer 
wie die Ebene, sondern eher die 
Neigung, den Winter, der den 
Ebenen die geringsten Nieder¬ 
schläge bringt, reicher auszu¬ 
statten. Das Klima der Mittel¬ 
gebirge Deutschlands unter¬ 
scheidet sich von dem der Ebene 
weniger durch niedrige Temperaturen — gerade im 
Winter ist die Wärmeabnahme nach der Höhe am 
geringsten — als durch viel stärkere Schneefälle, 
deren Temperaturoptimum nur um wenig Grad unter 
Null liegt. 



Größter und kleinster Skiläufer im Ski-Klub 
Schwarzwald 









498 DEUTSCHLAND Nr.II 


Schnee, reichlich Schnee ist das Kennzeichen 
unserer deutschen Gebirge zur Winterszeit. Hast du 
dir schon einmal die Mühe genommen, die Schnee¬ 
flocke, das zarte Gebilde der Frau Holle, näher zu 


sonstigen Leben und Treiben der meisten Menschen 
ruht in solch herrlichem landschaftlichem Gebilde! Die 
Farbenpracht der Schneelandschaft ist sehr abwechs¬ 
lungsreich. Die sächsische Gebirgsstrasse, die unser 



Feldberg im Schwarzwald: Belchenblick, Sonnenuntergang 



betrachten? Hast du dir schon einmal die Mühe 
gegeben, die verschiedenen Formen der Schneeflocke 
zu betrachten? Aber wie erstaunt würde mancher Städter 
und Flachlandbewohner sein, wenn er die Wunderpracht 
erschauen könnte, die dieses kleine, zarte Gebilde 
durch die Vereinigung mit gewaltigen Scharen anderer 
Schneeflocken hoch 
oben im Gebirge 
unter dem Einfluß von 
Wind, Sonnenwärme 
und Frost hervor¬ 
zaubert. Der Formen¬ 
reichtum, den sich 
die Schneelandschaft 
leistet, scheint uner¬ 
schöpflich zu sein. 

Das Auge weidet sich 
an diesem Wunder¬ 
land, ohne zu er¬ 
matten, weil immer 
neue, fesselnde Bilder 
auftauchen. Und wenn 
man das Auge noch 
über weite Schnee¬ 
flächen schweifen läßt! 

Jede Gebirgs-Land- 
schaft wird durch den Kammweg im 

Schneebelag großzügiger. Der gewaltige, einheitliche 
Reflex der Schneefläche fesselt die Menschen im Verein 
mit der Ruhe, die zumeist den schneebedeckten Boden 
auszeichnet. Welch wohltuender Gegensatz zu dem 


Bild bringt, zeigt uns den bezaubernden Reiz einer von 
der Sonne beleuchteten, frisch gebildeten Rauhreif¬ 
landschaft. Dann flimmert alles im Gold und man kann 
sich leicht vorstellen, daß solche Bilder der Phantasie 
unserer Vorfahren reiche Nahrung gaben und sie ver- 
anlaßten, ihre wunderbare Sagen und Märchen zu 

schaffen. Aber nicht 
immer wölbt der 
Himmel sein Blau 
über die Schneege- 
filde, recht häufig sind 
Wolkenbildungen, die 
als Hintergrund das 
landschaftliche Bild 
beleben, auch dann 
wenn sie düstere Stim¬ 
mungen hervorrufen. 
Sie verursachen in 
der Landschaft den 
Wechsel vonLichtund 
Schatten und geben 
dem Schnee Farbe 
evtl, bis zum Dunkel¬ 
violett. Selbst der 
Nebel hat seine Reize, 
wenigstens solange er 
Erzgebirge Sonnen- oder Mond¬ 

licht durchläßt. Dann entstehen oft ganz besonders 
farbenprächtige Bilder auf dem Schnee. 

Nun ist die Schneelandschaft durchaus nicht etwa 
in jedem Gebirge gleich. Die Rauhfrostbildungen, 




















Nr.ll DEUTSCHLAND 4Q9 


die ein besonderer Reiz für den Wintertouristen sind, finden 
sich besonders schön in hoch gelegenen Gebirgen, denen 
viel feuchte Luft zuströmt. Die bizarren Formen, die der 
Sturm als Resultat seines Wirkens zurückläßt, finden sich 
naturgemäß am vollkommensten auf der Höhe solcher 
Gebirge, die die Baumgrenze erreichen oder über¬ 
schreiten. Daher ist das Wandern im Winter in den 
verschiedenen Gebirgen nicht zum mindesten infolge 
der gebotenen Abwechslung anregend und interessant. 

Beginnen wir im Westen Deutschlands, so sind 
zunächst die Vogesen zu nennen, die zwar auf französi¬ 
scher Seite, also der den Westwinden entgegenliegenden, 
den Winterschmuck in besonders prächtiger Weise 
zeigen, aber auch auf dem deutschen durch die Höhe 
des Gebirges ein hervorragendes Skigelände besitzen, 
das sich auch heute bereits regen Zuspruchs erfreut. 

Doch konkurriert für die Bewohner der Rheinebene 
erfolgreich mit den Vogesen der Schwarzwald, der als 
die Wiege des deutschen Wintersportes angesehen 
werden kann. Das herrliche Feldberg-Plateau sucht 
seinesgleichen in Deutschland. Gleich ausgezeichnet 
durch die Dauerhaftigkeit seines Schnees und durch 
die Schönheit und Vielseitigkeit seines Geländes, ist 
er längst der bedeutendste Ort für die Pflege des Ski¬ 
sportes in Deutschland geworden. 

Schwaben befindet sich in der glücklichen Lage, 
nicht auf den Schwarzwald allein angewiesen zu sein. 


Die schwäbische Alb zeigt herrliche Hochflächen, die 
sich in der Gegend der Münsinger Heide trotz ihrer 
relativ geringen Höhe doch vorzüglich zur Ausübung 
des Wintersportes eignen. Wer einmal die Burg Lichten¬ 
stein im Winter geschaut, der vergißt diesen Anblick 
nicht wieder. 

Gehen wir zunächst einmal nach Norden, ehe wir 
weiter ostwärts wandern, so ist die Eiffel, der Taunus, 
das Sauerland und die hohe Rhön zu erwähnen. Hier 
erreichen die Berge zwar an keiner Stelle 1000 Meter, 
doch werden die genannten Gebirge bei genügender 
Kälte infolge ihrer sehr nach Westen vorgeschobenen 
Lage derart stark mit Schnee versorgt, daß sich auch in 
diesen Gebirgen in den letzten Jahren ein reger Winter¬ 
sportverkehr entwickelt hat. 

Schon seit Jahrzehnten hat der Wintersport seinen 
Einzug in Thüringen und im Harz gehalten. Oberhof 
darf sich als der bedeutendste Wintersportplatz Deutsch¬ 
lands bezeichnen. Seine idyllische Lage, sein vorzüg¬ 
licher Eisenbahnanschluß, seine ausgezeichneten Hotel¬ 
verhältnisse und eine zielbewußte Propaganda haben 
nach dort einen Winterverkehr gebracht, der nur noch 
von Plätzen des Auslandes übertrumpft wird. Neuhaus 
am Rennstieg, das zu seinen Bewohnern den deutschen 
und österreichischen Meisterschaftsskiläufer des ver¬ 
gangenen Jahres zählt, ist neben Brotterode, Friedrich¬ 
roda u. a. auch unter den Wintersportplätzen Thüringens 



Rauhfroststudie Garmisch-Partenkirchen (Phoiogr.: Gebr. Heckei, Berlin) 


500 DEUTSCHLAND Nr.ll 


zu nennen. Im Harz spielen die Rolle von Oberhof 
Schierke, daneben Braunlage, Andreasberg und Harz¬ 
burg. All die genannten Orte sind im Winter mit ihrem 
prächtig verschneiten Nadelholzwald, der sie wirksam 
gegen die Unbill des Winters schützt, auch für minder¬ 
kräftige Naturen geeignet. Und der Brocken, mit seinem 
kahlen, nach Westen frei hinausschauenden Gipfel, wird 
durch die eigenartige Vereisung und Verschneiung, die 
er sich fast stets im Winter leistet, seine Anziehungs¬ 
kraft immer wieder von neuem auf alle Freunde des 
Winters ausüben. 

Rauher als die genannten Gebirge und deshalb 
auch durch längeren Winter ausgezeichnet ist das Erz¬ 
gebirge, dessen besondere Eigenart eine Kammstrecke 
von etwa 140 Kilometer ist, die stets während mehrerer 


Monate des Winters für den Verkehr mit Skiern geeignet 
ist. Südlich und nördlich liegen dem Kamm eine Reihe 
hervorragender Wintersportplätze an, die überall herr¬ 
lichen Nadelwald aufweisen. Da das Klima an diesen 
hoch gelegenen Orten eine Bevorzugung des Wiesenbaues 
erheischt, die in weiter Ausdehnung zwischen den 
Wäldern gelegen sind, so sind diese Flächen schon bei 
geringer Schneebedeckung sehr geeignet für die Pflege 
des Skisportes. Altenberg—Geising, Kipsdorf, Ober¬ 
wiesenthal und Johanngeorgenstadt sind im besonderen 
die Orte, die sich schon seit Jahren regen Zuspruchs 
im Winter erfreuen. Da eine größere Zahl Bahnen auf 
der sächsischen wie auf der böhmischen Seite sich zum 
Kamm hinaufziehen, ihn zum Teil auch überschreiten, so ist 
es möglich, die große Zahl von Abfahrten vom Kamm hinab 
in die Täler zu benutzen und sich dann mühelos wieder 
nach oben durch die Eisenbahn befördern zu lassen. 


Das rauheste, aber in seiner Natur auch einzig 
dastehende Mittelgebirge Deutschlands ist das Riesen¬ 
gebirge. Das was die anderen Gebirge an einzelnen 
Orten an hervorragenden Winterlandschaften haben, das 
zeichnet das Riesengebirge in seiner ganzen Ausdehnung 
aus. Für unerfahrene Touristen ist dieses Gebirge sicher¬ 
lich kein geeigneter Aufenthalt, aber für Kenner ist der 
Aufenthalt zur Winterszeit dort oben nahe der Kamm¬ 
grenze oder jenseits von ihr ein unbeschreiblich schöner 
Genuß. Aber auch die Talfahrten vom Kamm des 
Gebirges sind einzig schön. Hat man den häufig ver¬ 
harschten Kamm hinter sich, dann nehmen den Skiläufer 
dichte Nadelholzwälder auf, deren Wege zwar meist eine 
reichliche, häufig aber auch unnebene Schneedecke 
aufweisen, die den Läufer gleich einer Wellenbad¬ 
schaukel zu Tal 
fahren läßt. 

Zum Schlüsse 
müssen wir uns 
noch einmal nach 
dem Süden wen¬ 
den. Im Bay¬ 
rischen Wald 
hat der Winter¬ 
sport auch be¬ 
reits seine Pflege 
gefunden. Das 
Gebiet Bayerns, 
das sowohl von 
Einheimischen 
als auch von 
Fremden bereits 
seit Jahrzehnten 
besucht wird, 
sind die bay¬ 
rischen Alpen. 
— Das Schlier¬ 
seegebiet, das 
Wetterstein-Ge¬ 
birge und der 
Allgäu sind der 
Tummel - Platz 
Tausender und 
Abertausender 
von Menschen 
geworden, die hier im Winter sich nicht nur an der 
beständigen Winternatur der näheren, sondern auch der 
weiteren Umgebung erfreuen. Auch für die vielen, die 
jene trotzigen Riesen, die in den bayerischen Alpen 
allüberall zu uns herniederschauen, nicht bezwingen 
hönnen, bieten diese doch ein unvergleichlich schönes 
Naturschauspiel, das den Reiz der näheren Umgebung 
erhöht. Wem aber die Kraft der Nerven und der 
Muskeln erlaubt, in jene Riesenwelt einzudringen und 
ihre Spitzen auch zur Winterszeit zu meistern, der genießt 
das ungetrübte Glück, sich frei von den Fesseln gemacht 
zu haben, die den Menschen sonst niederzwingen, er ge¬ 
nießt ein Glück, das er sich durch eigene Kraft erworben. 
(Vergleiche auch die besonderen Aufsätze über „Winter¬ 
sport in Süddeutschland'' in vorliegender Nummer.) 

Möge diese kurze Uebersicht zeigen, daß es in 
Mittel- und Süd - Deutschland nicht an Gelegenheit 



Der Brocken von der Heinrichshöhe aus 
(PhotogT.: Bergmann & Co., Fabrik photogr. Papiere, Wernigerode) 







Nr.ll DEUTSCHLAND 501 


gebricht, Wintersport zu pflegen. Möchten daher auch 
recht viele Männer und Frauen diese ihnen gebotene 
Gelegenheit benutzen. Denn man muß die Herrlich¬ 


keiten der Winterlandschaft in unseren Gebirgen selbst 
geschaut haben, um einen Begriff davon zu bekommen, 
welche Wundertaten die Natur da draußen vollbringt. 



Das Sportliche beim Skilauf im Schwarzwald. 

Von A. Fendrich, Littenweiler bei Freiburg. 


Es ist heutzutage nicht mehr so einfach, über die Ent¬ 
wicklung eines Sports zu schreiben, und als die Redaktion 
der „Deutschland" mich um einen Aufsatz bat, der Zeit¬ 
gemäßes zur Entwicklung des Skisports im Schwarzwald 
sagen sollte, hatte ich zuerst meine Bedenken. Es wird heute 
sehr viel über Sport und Kultur geredet, ohne daß man sich 
darüber klar geworden wäre, was unter Sport und was unter 
Kultur zu verstehen ist. 

So viel ist sicher, daß bei denkenden Sportsleuten immer 
mehr die Frage in den Vordergrund tritt, ob denn der Sport 
in Wirklichkeit so kulturfördernd wirke, wie man im allge¬ 
meinen annimmt. Welche Tiefe diese Erörterungen schon 
jetzt erreicht haben, das mag man aus den Aufsätzen 
Dr. Steinnitzers in der „Deutschen Alpenzeitung"' ersehen. Da 
ist die Philosophie bei der siebenten Großmacht, beim Sport/ 
hoffähig geworden. 

Aber der Leser sei unbesorgt. Ich werde ihn nicht mit 
den dialektischen Wurfschlingen und den Enterhaken der 
Logik zu fassen suchen. 

Es geht auch ein¬ 
facher. — Ich hatte 
einen jungen Freund, 
einen Deutsch-Ameri¬ 
kaner, welcher eine 
geradezu schauder¬ 
hafte Mischung von 
schlechtem Englisch 
und Schwarzwälder¬ 
deutsch in den ersten 
Monaten seines Auf¬ 
enthalts in Europa 
redete. 

Das Schwarzwälder¬ 
deutsch hatte er 
von seinem Großvater, 
einem ausgewander- 
ten Wiesentäler Dorf¬ 
schmied und sein 
schlechtes Englisch 
war die Sprache seiner 
Eltern, schwer reicher 
Leute drüben in einer 
kleinen Stadt in Indiana. Außer seinen Berufsstudien trieb 
er mancherlei, z. B.: Nachts im Walde schlafen; die Mäuse 
in seinem Zimmer füttern; ohne einen Pfennig Geld in der 
Tasche in den Heimatstälern seines Großvaters umherstreifen 
und sich das Essen und Uebernachten damit verdienen, daß 
er den Bauern auf dem Felde half. Fast niemand wußte 
etwas von seinen Liebhabereien und als ich ihn einraal fragte. 


warum er das tue, lächelte er über das ganze Gesicht und 
meinte: „Well, es macht mir halt Sport." 

Sport bedeutete für ihn alles Vergnügen und alle harm¬ 
lose Freude an nichtberuflicher Tätigkeit. „Wir haben sehr 
viel Sport dabei gehabt" — sagte er, wenn er aus heiterer 
Gesellschaft nach Hause kam. Er war ein ganz prachtvoller 
Kerl und, wie man heutzutage sagt, eine objektive Natur. 
Die Freude an einer Sache selbst und seine Tätigkeit dabei 
wurde nie durch Erwägungen darüber getrübt, ob nun die 
Mitwelt etwas von seinem Tun erfuhr oder nicht. Er brauchte 
den Sport nicht, weder beim Tennisspielen noch beim Ski¬ 
läufen, um „Sport" zu haben. Das unverbindliche Spiel 
seiner Kräfte mit den Widerständen der Außenwelt, ob es 
nun hohe Bäume waren, auf die er kletterte, oder Bauern, 
die ihn für einen Landstreicher hielten und ihm kein Nacht¬ 
quartier geben wollten, kurz, das Ringen, das Gelingen 
und hinterher das frohe Singen darüber, ganz für sich allein 
Schwierigkeiten überwunden zu haben, das war ihm „Sport"» 

Vergnügen, Lebens¬ 
freude. — Er war 
einer der glücklichsten 
Menschen, die ich 
kannte. Trotz seiner 
reichen Eltern war er 
sehr anspruchslos und 
fleißig und bei einer 
großen Begabung von 
einer ehrlichen, unge- 
künsteltenBescheiden- 
heit. Wo er auch sein 
mochte, überall wirkte 
er wie Sonnenschein 
und die Ueberlegen- 
heit seiner Persönlich¬ 
keit wirkte besonders 
deshalb so stark auf 
die Umgebung, weil 
er weder überlegen 
sein wollte,noch wußte, 
daß er es war. 

Ein anderes Bild. — 
Vor Jahren war in 
einem damals sehr modernen Sport ein Preis für eine Leistung 
unter ganz besonders schweren Bedingungen gestiftet worden, 
und die Nachricht davon brachte in einem kleinen Kreise er¬ 
lesener Sportsleute nicht wenig Aufregung hervor. Ich saß 
gerade dabei, als bei einem Glas Bier über die Möglichkeit, den 
auch höchsten sportlichen Ehrgeiz befriedigenden Preis zu 
holen, gesprochen wurde. Da sagte einer, der alle Rekords der 



Erstes bad. Bobsleighrennen in Triberg um den „Pokal vom Schwarzwald" 
am II. Februar 1911 — Sieger: Bob Kandel 











502 PEITSCH LAN D NrAl 


letzten Jöhre hi$^ aüf die Sejkiirrdßftj&^\lf!n. flüswehdt^ 

A i*; St^fL*P d S e; h wiidif t5i d er i n Be irsch t k Ofn.d 0/) 

Peräoheri gedad kirntue^ sd eiiiem der K 0 rfieFjadef\: ^^Es- ■ ^ihi in 
gani Dbmischlend huf dar diieaBn^^L 

leitht hölei? kehh- Vi^HeMcLt sng^ rchvdas i>j^t * v-^ Oisr 
. ddL^W G&,Sj?rabK tailganerttiHT^eh hatte^ ^ö 

4a* %'ßt . ihi^ hicht kähnti&^Lh-^t^®^: 

bescheii^^h Hel tah könneh^ Keirve M iena iyh .'{&,L 

d>i]l er schön löng'it dachuS: ^jas der andere Ein^sr 

eifrevi^djich^h/ aniprucHsl<)isert \X^esen -si^hr:<^iri 

b ren tw n ^^^^^ ß 1 1 rg d ®ir /war ein Mens t b nd f ^vieleh';-Öhh-eö 

iiöd fi^lgetBem be^iehtv aber niefntind liebie ihn^ ver kliiiri. 

e h^ir^iiä c h 4bd V ofS ef kdb ne n PL^r^e. S e iri e UJ»g eh; 

V erirtiKi eä en eh ß ebietch : ware^n g nsebnlich r .t Um Teil bcrtr^t/ 

ragendv aWr hinter öUehv er tat* iluarlö erbe gJtiher^die 

Sebnsuchi nhth föuhm*' dia er- fast" imhiiei; 

bergen wuS te., Hs war mms aekene Erdgleisttn^ ihm, 

daß «f-gflfiK spät äm Abenth rrech $sfw 

Si t n g' h ö ch: da m Gc sprüt h M rlt Haus c. g in ge 'H}-H- ^ -Mit 

dar: f^üüsi aber mii rii:rüickgt^hBltenet Kröfh J^hg;5öTTi 

auf duh fnsl wie zu sich: selbst^ itagte: 

^DönnurweU^r^Avenh ich auch }^is bnle^ dann ke 

mhh: 

> Hih dtitie s^' B iJ d^ 7 r Ä uf a i,h eb jnh^a ni en ki ndn fu ng be-"* 
gegnef^ ’H'bf ai|^ $tundö von. dein gprdSoh ^V^nlf^^^' 

sponbotei, euHeimi in^lne Ontifit^* did iU. einer 
•1 j cb .atng:;& H -^.i m r vb rituteifife 1 i spiX äfe 1 gk^it d '^f. uT elema rk scb -^v : 

ubt>; hhjf^dtil a LwitWs 01 )dUteSj nis uin tiüfes Bad im Sch P^ä 

zü x^rr^hap. H Jfi G espräcb kp vi p iH e si cli miu ndt ;i^t^ d 


si« rriir das Motiy ihrer selitsafhi^Ti Pössion, Sie lerschien trgtiS 
g^SUldnkt^r ■ Toiietlö, h Is; Vierzigerin> Wör Oiiijiiersgattirt und 
mit eUmr. kleinen 3Nxchi^/, ;dj^ G)>öi>eöard^rfiii K&|te^ in, 

dem gräii&ö ’ ^zxir Erhötuhg Nichte 

^kijnhte; d^ Xbl^mbrj^i Vh^d ihfi: hicbL ^lis bei 

ibfer ger^d& dt^t ^&föbrubg i m SkÜauf ■ hicbi ganit 
unye rst äpdTtbh vv b fv X>aft >r.^Ghü ti e irte 3 krer A hsicbi iiir-ft 

AtiiöHi bei der. Ihr eh^ertrau teh. Ski mäiddornig.. meinte. 
sie, w^hn [Tian diesen, ailern^^uesteri ^nsintt^d®f 
einhiöl jmHm pichen: hiüß.te/:Sö wölle sii; ihn: 

Und si& begann ^ nöchdem ich außpF war, 
:Wh?dar Von vornp/jtu ritigi^d/ , 

ich häb^ btH&r -ä^fm Leben drpJ TypVh vbh SkdGUreifn 
gTeifiVcbnC'L: ^ rnftriich^a Lesern mehr-oder wcrd!ger an 
eigene Frieuhde und B^k^innt? au deth Wintersport e^inhem 
werden, ßs grbV nhidrlich zahllose 7nvisGhmstüiteh i^V-dschen 
diVs^^b drei Fä tt , (V?Wn n dies e r A us 6 rock Wintih t ist) —^ 

ühd Sü teih yrabden/stch ,d^ Typen S^hen finden* Aber 

■jcde.t' M>^s0i>V/dpr..S.ptSr^/ vvön' dtes.^p■ drei 

Seei^^n in sela^L 'Vi^nponer^^ . 

Dem jujj^.en Dc.hisctr-ATnerihaöer wör alles Sport, was 

ihm ein tVbhtoü^sir' luifmiörse^ mir sich selber, 

d^r Netür odj&r. mit bndpreü Mej vif eben ^JlGobte,. ohne dcB er 

dub^r ■ ondefi^: -S^isi'd^griir.dö .e ffi'e ’ !■ e:h 'e n s f r is ch 

Ah if: k h/ g ;S e i. n e: r ■ 'I^. :r ii T t e* 

tte. SpprtsTnnnn benutEtfe' dei^ Sport in der Hauptsache 
:äl:s ^ fe s eiT[e F erson t p;hd s Iteg: ^ w er eirei chte^ er** 

irj? tch itt >:h T tnr gs^ Hi st' ti t v ottI ' -B h r g e 1 1. Jenem w er 

SpöU immer pvir eino LiTSt;^. diejjmk wurde er aUn\ahlicTi 






y.'^iy.sdV! 


T etem arks eh wu n g n ach Uriks: 


:S teile n H^ng t? ti ^ 1 , I ^ P;r*^ibw rg f 














Nr.ll DEUTSCHLAND 503 


zur Last. Und er hat sich seit Jahren mürrisch von allen 
Wettbewerben zurückgezogen, weil schließlich doch einer 
kam, der seine Rekorde schlug. 

Die um den Telemark ringende Gardedame ihrer Nichte trieb 
Wintersport keuchend und ohne jede innere Anteilnahme aus 
Mode, aus Pflicht sozusagen zum gerade nötigen Hausgebrauch. 

Wenn man nicht außer Acht läßt, daß alle Vergleiche hinken, 
so repräsentieren diese drei Persönlichkeiten die drei ver¬ 
schiedenen Etappen in 
der Entwicklung des 
Skilaufs im Schwarz¬ 
wald, so weit es sich 
um dessen äußere 
Ausdehnung handelt. 

Die ersten Jünger 
des Schneeschuhlaufs 
waren Menschen, die 
zunächst gar nicht 
das Sportliche an 
der neuen Kunst, auf 
zwei langen schmalen 
Brettern über tiefen 
Schnee zu gleiten, 
reizte. Sie waren In¬ 
dividualitäten, die 
besonders empfäng¬ 
lich waren für den 
abenteuerlichen Reiz, Höhen zu erreichen, die im Winter 
unbekanntes Land für den Städter waren. Meist junge Leute, 
zumeist Studenten, deren Sinne offen waren für die stille 
Sprache der weißen Wunderwelt des Winters, trugen sie 
auch alle das Stigma, welches die Jünger jeder großen 
neuen Sache zu tragen haben: sie wurden verlacht und 
wohl auch für verrückt gehalten. 

Diese Periode, welche mit dem Erscheinen des fran¬ 
zösischen Konsuls in Mannheim, Pilet, auf dem Feldberg im 
Februar T889 begann, 
umfaßt die ganzen 
neunziger Jahre des 
letzten Jahrhunderts. 

Der alte Feldberger¬ 
hof mit dem gemüt¬ 
vollen Stilleben eines 
kleinen eingeschneiten 
Gasthauses im hohen 
Schwarzwald, war das 
Ziel einer zuerst winzig 
kleinen und auchspäter 
nicht übergroßen An¬ 
zahl von Skiläufern, 
die auf eigene Faust, 
auf eigenen Brettern 
und nach eigenen 
(manchmal sogar sehr 
„eigenen"') Methoden 
sich in dem Schnee¬ 
paradies tummelten, 
das nun einmal der See - 
buck, die höchste Erhebung des Feldbergs, ist und bleibt. Es 
gring ziemlich lang, bis sich in diesem Paradies zu den Adams 
auch die Evas einfanden. Wenn ich nicht irre, waren die 
„Maidle" auf dem Feldbergerhof die ersten Skiläuferinnen im 
Schwarzwald. Mit wieviel feinem Verständnis und kluger 
Schmiegsamkeit die Besitzer des damals unscheinbaren Gast¬ 
hauses, Herr Karl Mayer und seine weitsichtige Schwester 
Fanny, den neuen Gästen im Winter eine Hütte bauten, in 
der gut sein war, das habe ich schon in meinem letzten 
Aufsatz im vorigen Jahr angedeutet. 


Man kann die Periode der Neunziger Jahre diejenige der 
enthusiastischen Dilletanten nennen, wo der Mangel 
an technischer Beherrschung des norwegischen Wanderbretts, 
das in seiner Art ein verborgenes Wunderbrett war, durch 
ehrliche Begeisterung und eine unpersönliche Hingabe an die 
Sache selbst ausgeglichen wurde. 

Die zweite Periode, welche etwa die ersten zwei 
Drittel des vergangenen Jahrzehnts, also ungefähr die 

Jahre 19(X) —1907 
umschließt, wurde ein¬ 
geleitet durch ein Er¬ 
eignis, das sich in 
aller Stille vor einer 
Anzahl am Seebuck 
zwar mutig, aber nicht 
übermäßig elegant ab¬ 
fahrender Skiläufer 
vom echten Schwarz¬ 
wälder Autodikdakten- 
schlag vollzog. Es 
war auf dem Feld¬ 
bergerhof ein nor¬ 
wegischer Student, der 
am Darmstädter Poli- 
technikum studierte, 
angekommen. Schon 
die leichte, souveräne 
Art, mit der er ohne Stockhilfe seine hölzernen Rappen 
lenkte, erweckte stummes Staunen. Als er aber nach 
einer raschen Abfahrt an einem Seebuckhang mitten im 
Sausen mit einer verblüffenden und namenlos leicht aus¬ 
sehenden Wendung anhielt und plötzlich Stillstand, da kannte 
das Entzücken der Zuschauer, für welche das plötzliche Halten 
bei rascher Abfahrt immer das verborgenste Rätsel aller Ski¬ 
technik war, keine Grenzen. Man bekam eine Ahnung, was 
Skilaufen heißt und wurde sich klar darüber, daß die Schnee¬ 
schuhe für die kleine 
tapfere Schar am 
Feldberg bis dahin 
nur Kinderschuhe ge¬ 
wesen waren. Bjarne 
Ni Ilsen zeigte zu 
seinenSch wüngen auch 
das Springen. Und 
nun war das Signal 
gegeben zu einem bei¬ 
spiellosen Kampf um 
die Eroberung der 
Technik. Die „Tücke 
des Objekts"" ist dem 
Ski ganz besonders 
eigen. Ihre Ueber- 
windung war die Arbeit 
des größten Teils des 
ersten Jahrzehnts im 
neuen Jahrhundert. 
Der erste Norweger 
auf dem Feldberg hatte 
viele Nachfolger. Sie waren alle, ob sie wollten oder nicht, 
unsere Lehrer. Sie zeigten den Stil I Sie wirkten inmitten der 
breitspurig und unbeholfen auf den schweren Eschenstab sich 
stützenden Schwarzwälder als beschämende Vorbilder, welche 
das Geheimnis der Eleganz auf ungeschlachten Brettern auf¬ 
deckten und das Rätsel des geringsten Kraftaufwands ad oculos 
demonstrierend lösten. Mit der Eroberung der eigentlichen 
Skitechnik einher ging die rapide Zunahme der Zahl der 
Skiläufer. War für die Hebung der Technik insbesondere die 
im akademischen Skiklub Freiburg vereinigte, skilaufende 



Abendstimmung bei Schonach (Baden) 



Hintergarten: Weg zum Sprunghügel 






504 


Nr* T I 


öl^ 


51 u den EtCt . töt j Ä0 h fit g rsiße tdieirvit am 

: h\ p^riode tmn tler SfeiJM t ■ Ä tu Sf j orf im 

W’pHs' ■;iEi.!fist-'tj:Sil4e5T£:.-' .4v -li*;.' aart> -Kj^äfti^ 
det; an öffest-^ 

llrhf'ö Siiitjtc^jiSi:hüt^weUl^nltyn. d\a ^spezifische 

SpoT'ispföcire^. ■.' Die■, ■ 6:^ 

1 i chen Öüd ln^nu^^Tiy. -eJ er 'VC''cü f<>i^der 5lr^'t. iirft 

^entiire DefmUioT^ be^ond^rer F^ideraj^^^nj. d^>r 

Bed^jdtyihg ;'defd^es Süfs'. tövSpKirxj^eni: di^Sppiir-' 

cii)i> das; BeltörintT^'erdeh der Leistung«« dsr edhÄsdjifeh 
Steger fc ei dt>n WeitlÄtjfe.n zur Ah^^^^J:j^^ iiatt r^n. 
.. I" nl widd ch e ri T^i t- .de^ dli.iU' 

.d^n Stadium eii^er F'asslOi^ yörv f4utur^ 

•. fretaiiii e n in d j e.- P <>riTi': ■ .i^inaa .•• ;• !• iS'pt> rtsheirUdjÄ;.; 

d^er. iSkfkiufb ScKwarz ^1td 
jfi^er J.^^b^en gffi^öttdex worden vif ixt ^ d.fis 

Moment ia ihm fiocU , .^^ ■ 

nur eine sehr sriivfäche 

Die äri t ta P ^Ih 
der .em die; 

w^i^iscK^n S^hiiJuh'^' dufch dr^ 

Al 1 j 5 f } niie it I i iiekf w erd^ h: 

Pilft etwa 

■ bftii 'd<^Ä rj^i.TBn' ^vidfer:^.^ 

hi3ti?5e$:- :d:u:r9K.'.:den - '. 

^«samurcni 

>ucttlich. Ofiiv Sk i\ JV'wsfr4^ 

: M od c?. Un d so -: b*Äi : ö:IPvh:. 

geistif^jsru kdfe 

tar.dien. . ahd midieräfr Her 
■XA^-jsgitrtg-lf rx;,mit •: 

ijhxe V.öri !^ii;:hitjng._ 

..wfif. öiieh l>cd>n ^5kikiu|;d-w'::. 

Sri (wer Z w öl d ^ ö bx^ b hl 4dV t h-:: ■ 
nischo K<iaf^ivv VtUr .-%fhrV ;px 
Jabra^rtimmV . 

beziiiht sich viahtivhj 
dßÖ Iri di?n Skilauf ti^d ih dßft 
W^t1^'frwün^^^^^f\ ntKS d^r lilmxe 
jjfxd- rjLiiv.iiEm;''Siddtöh- so iidehim -' 

kxuv; iisti 
• bekdhnfi?^' jtPbrd^rhiA>^rf^'h;"'-db^ 

. *'‘:'Ttdf:.:.b>:.dfe'Bur^ef’Ak'cd;' 

. der 

d ßß' ■' >it - ’^v'elr'hd ' \mi^ r ' 

SpGtjt:;; QKd^C.Hd^ri die 

"yr^.*dxbnj' fLirhdlfi'.^jftl^r^^'r.- 

■ nieijve'! : 4 ß^^' 'gr*ö;s^i.dj|^; •■■ 

bei^i cb'G b>, Äpriieb erist'hetL !i%d esd* e tist’he n Wa U des S Is i I d u b^, 
.:^kh fafrs'rbjp'licdu wri? die- v-on Uer^ 

Otbfan vftr^’e$st*T( Wordtia, 

-■^■' ölli+ytftn .'diVrh'^ ■h'f;i:vj^n|)f»ha-a_, Ptlr^e de^Ti^'io 

S|iorUft:baii Sjtildui" r^rr ^W?4r5:Wbid im3Mr nur di=p Ah^ 

' ^^^l_e^Ti*nh*li:, leirieic 'khjiiiei KreS^'öf!;:- d'^r'^ibcfV' tm}e. ?^^i.r^f^■, 
riiitamoUvendi^eji idaädili^mid'^Fv .vj;id Teu- 

dehr ^'ärarlr, ^ -diö .bih^hYWx^klt*'.- ■ - Bs: 

>f^;t Q;pst,fiy3hijit> d/iß H-ia 

bKtsrte'ß ja &i^entUL-U hpjxir^f -- die Vet^r+^T.^r 

■ beitferx-,WitJkiHT^Sbi.ftgiljc' die ■ ii)ad 

m ^iifr Ejc}^^rr m Skikhaii^ ^t.hwir^Wld schuri - antdufvjfidßr 
. Akm-; ■■. :;A f "■■ü.%it h' d er. :$'l«du u t- - ii:eM’;- 


tung^en. abo die 4äffeTit^]ehWxA^^ Or^ahis&ribh; 

upd m Ibtem g s nttn V§riq it^ h:%H£ evoh ?:portlichetn Emst 
mehr diifclmehten öebi tra^^n ablHeb/ £(b :dös im alj^eni^ine 
bei dem roßen alljaiirHrheff f^eldb^rgrentim der Fall ist*. 
Hs i^f t . r kiem, Zm, driÖ . 7 -1JÖ r 4^^ vtSchwar ztvälder^ im . 

Sprup aiih hv Sp te: rixid Std g ehii Eted eo t en d es gi&loistet 
j V ?ib ^r d was ^ narCh 4.$£C a 11 er ^ cbö.iJß'r bei 

Spt upglöxjfeh fr^ppiettj die rmg^esfiinie Wuc^b t 
. 4te DtaxilTös^ebi?A&. ur>d die: Vom lefittitm b-kfi^Iidhen ßijst 
Küfmh^tt 4^ Abesprühd ernste Hing'üb'e 

Sbehe^ das lassen unsere 

" .tTEil g:an35 w'^enig'ep AxtiihßhmGfi^^'yem 

^erhalt es ^Icb rn.h rmsem Wotddui^^jrt. 

l&p^jfthrii^t:: maß oft Bory^hni^'- 

^»e. -kirebiecriw^ imefbitdtche SicH^d^f k.^btei 4*=^ 

. höl myhr als emmat. atä 

: Ziffern ;^ttTig^evi l'as^ian weichen^ tmd mehr4ft ei^i HpiTteir 

' Z WL-^tdi.e 6f 





r.. . 


.w«s mflif tn>rXJarMfi '■iitii|itf;;«afi'.4<>r 


Sfii «boh b|jüfäU,= Vft’ er .'.als •Sb’oftgerät airfiriir-öiärti tuy'itfjeh 
iiinzi^üs Verki?füstniiiet btx $d44??rtJ: wai? 4u^:4 woiil jEtui d^itf 
$(f 11 wfifzwüldisrcht^n r^üss^htdinrßki t'r ■ ^pshmtjxej il uin^^u :&ö ist 
dajuti boplv yvlr;hb rein ?por4iclun\ Vt^rä^sial- 


(taeb .^Shi. " -dfin 'Ij&ici^^rW-. 

' d^4: For'^^vlidbk^i'teB selHstf .S6! 
•.ilpc;h:;/tdha5cbH ■.■■■!Na%.-: pfxd 

Zimt Bi>wußt^ 

■ ; • ■ .4^4 ■ ■: tths^feir': ■ 2 &! t 

:sk4i riecht lün^ö^ such nicht aiif 
Äi^hwer verdfeptitm jLötbc^w 
ä Lt^rulien nn 4 th sp 0 1 eren Jaht^ 
n ichry ^0 : fLetmxhcf betr^ibep 
dii fh a^ 1P ä n ib d er - Jugrer4 mit 
\g^än?er 4er 

_ fz ly J ^ 

&k4t wo4iB daß 

dW A.lWmann«:-. an ;4.t.h . kem 
. Drmilyfiitafrer'l^i* und die tlEnge 
hiebt l^^h,■^b^’ tfüi^bch 
f udtd tijfi I: i h m 

4i^i^}mi}^'gptb ndu rt/Ai^Fe^lii '■. ^ei n e n 
Wipg 3ür’üebx44^e>iteli4hd die 
•tdi by chi^ti' ■ F s| hfl B nt*r 

scbliö ßu iki b ^^i ;1 hm fin|f^tfte!hrTi 

RT^^IftkrihTekdi fitjrVit-4?*" Blässej 
t eti lldmyr:sl' ■■ ’> -Xliis is t 
^sitdier. .kcm.-hln^bi-ckj.-'Ä . me^ 

'Ite,■ von,' 4xhcr- su'• ^üti^iigert^ 
■dpeh ■ nicht, '.fllfza:; 

• Gohr axitb ■ 'mfi che it* 

\ ■ W- • 

' SkisporE.^;'>j; .Wi^Kn ■ 

txvdiV. Vjf'm S^irgv. do^b 

-:A^iifi!vyykkj&;asifcidx^^^ 'üifcird^^.;'04^ 

.■ ki'lh' h Altirt ^ : 

' - ■- x_ ^ dertk^lre 1 1 »xd. deri 

; ’fHtUti ■akkcdu.Tii'tdv dte 

. . Sache I^kht rpmbit ibxd <;||ö EtivsEhafu^keft eiwajjt, 

'■■'-biß'h' JVT:^tmd nli^rfbü^xpt*. sonJejrtv. 

■/ .:ghn'^-'yc^44erS' 4<n^--'^kihbrk'nden Ji'lifciid; 'so i^tii QTXst^tt E-s. 
- ’Ut- uir.Ui .^'4 gi^iicriw-arttsj aber 

,'' ■^fhiksK^ri ::ld \ .■' ii at; '■! t c; Sajt]?, Sn. war das Br - 
■ sebeinep. d 0r gj:ürßev.>':; -Skiir^'tikTd'lui '.Irp.- ■■ hohen....' Schwör iwo Id 
.;,- V4r ö i>l nhg ;■ .'•A« ■ - 4 1 - 4 ■ JrH.Htn i": ".■ Kfelxic ■' V^E:Ä'%ithgf 

ypn SluHihfmn ealcliteten siichuA ibr 

eigehc^ kleine^ Winii>rh<?imr:v, Ich: iveUkTjk’ht wfeifiei 

■■ Mut toxi,. j.yh''4'. tl l'^ oin; ■ am- ■ Pis 1 . '.3»cb^'>p:, lK^!S Jtwtj - etber ein 

Datzcf^d iyrrd cs wohl stdii^ Nk'hb niA db^. ^ sich 

h'irtg^sani za ^jniwkkcl.pdim Feld^ 

. b^ fg-er h nf der, kf fr<*lik chkiei i 4 nd dB 0 ^ 

, htiizhdie Bexie.buh^ , rdx,^lchir. He^xts , xmd . F^e^onril 

ge*td,jwimdci> waiel Ergibt mi4h Infbie nö’ch Iroii ddr w 






^::ryi:WA 


y* 

■■-■ .Ti-/,l:.' 





Hlit:k' ap ^ rwd tmoo s- .^,^'ho^^>^ x^.i' fk-.'- iU^)iiii;x^.;M 


r:?:S®@ 

•_:.. . y^Y-■- " 








.\Li:-. 5 'iyiyi: :■' 








Sonnenunterg-ang auf Seebuck mit Feldbergturm (Photogrr.: Mayer & Schladerer, Feldberg) 







Blick vom Spießborn ins Tal von Bernau (Photogr.: Dr. Biehler, München) 







506 DEXIIfSCH UAN D Nt. ll 


Iminer neu^fn Hunderten steigenden. 1 ImTbifrr; nd^iih 

■keU'LerKP.orUe^r ynd der- Vöa^-der 

JtingfemJtrjan^ der ^?MaidW;^^ blahi ^ücK im ütten 

]6?; terrscHt ■ eiß ■;wt^ri.rT etj.üriv ^öUvrr KaifVi^it ttef öltj^i 

Gä$te\ nt^\ dem'' hU^n Tön.,' und aA; 

■ der,: ln. slä d lis^l mn „; B i e rlo Ire 1 e ii ii^iicKi^it; ■; .'^-i:?.'-:. detfj.'■ -Jltj il'^ed 

weiiig ■ passenden d^fv.aiien^ Wj^lde.rr^cl^ Iß'.; 

iacVdmif urtd "Z:ler Stf bl dieT^üdltuib im 

K4rd nnclrnid^t !snfr<?gt^Ö'env: 

’'iC^enn hier.spejMl d^st-Sl^Uauf im FddUer 4 f];:El>loit-Ir* ^eWr 
HntwAHmg iiespröeJten würdsj sto ge-^thrib iiTEil-Tfiütati^ 
mudgtidi 5 - die'. SiStfe^icfeifLin^ ■: tm--^ir) z-en' SthWtir^S-W^ntrjj.'il.d;.>s1id- 
lithen ivie im n^irdtkbefi teil %\ch unter dettv Ei 
Feidijergs long^söm dKnikl* Wu^. ön .werdg^flrifrire'j- 

lidien ßrseh^mirttg^n imi di's SViknfs mit 

besji r:of:Tien Krildt ■ -/^^iGlidcrn’ 

nur Kon äi ü t f & rii t\^ v nn tinve lliH tidd t*iJiEbsfi >; I>?i5i 

in.^dörn^J-T-fifen 'idKi 'ndf äSien^GeMeten 'n-ftc1v eig<&nez:v' 

O^Tsef^en.f - die'’det 'kidturelten-. Habe der nu. de'rjHn.fiiyj^t'^ ' 
luTfjg^ tedne^vm.Ejiden l.ie^?‘ijlkei>;ng^s&cbii;litüt\ , tmhi 

Sentim^miÜdt^n Äjnd bexii^i iveniget am Plölze^.ijsK Däj.* 
gesmidHeittichtf..Wütt d«^i: d^«r A fisb roitn rb^.; de?; Sjfiierdls 


md' alle iiegl l^edenterurtgebeusr viel 

m eiir i^s die : d er Oejiih le v iei^r ,Bijiiäin erjr die 

sir^h jetst ;dij£;?ds det ■wintedichen. flerg'f 

einsümkeH > 

W j e dl e EriJ wi t;3ri vmi^^ vv^eKer ^eirön; wirdr m t :§^wßr 

^ögrerw jVqj;; ;d:et viejer sdderßr Spor teerten ist: 

H d f' .X l# F1 Ul I l'i ft.V'i-L^F r» ;k 4 . F^öc.P' tifji t ff *•': « R At" ■■■ fifV*'' r;K < 



wl$ es im siefei^n dÄiih tindert tn Sieierrriark irpta Ji oher 


Die FlutH’eile TASrd also Immer nöcb st eignen ^ 
jederdülk-. t<ö ^d^js^ die :E■ntyid^'H^ng•■■de;r•,$'iä . 

antreibenden l.eben leiivfiötliige Ävd-s\]tPhen d*r t^^ötu^^ 

: für dfc Stndt>:r immer ipd^r eine:«* . iebensIbedarftiEs 
mfi.bb t ; tim ■iivpr si^het.rt. Mist je v--eben.. neben. msn-di em Uti-.'-, 

e F Mi nsclileiV üü e L iJ. * po j l i i t bem Snob15^n v^\ düüh überall ifi 
ünjjeri; sM vt^{ Lf^be^n^äfreude imd^^ S g^br^rcbt^ 4b0 

tvfr fiufb; in den^ Tn^^en. dtd'^V.’prpi^bEiimg'^ d^et Kdnst .aüf; 
dir^jn imjrp^r nocH, vollem Herren 

riü'en 'düMen 'i , ^ ' , .\ ’ Skf MelM- :',_ ■•■ -' 


Die Wintersportplätze des badischen Schwarzwaldes. 



7 




Vo n Bii rgpfm-föl SM' t■' d ^ P 

.fn ’u'ek'tt'ön'i. -Xlpfol 
r Jt:: 01 s cbbn ijis tr Hi <?r,r^. 

fir bes.: . 

wo ^irb d^G -SiaVHb^muit?’ 
r a' rl> 1 etv F ü ; Cm 

{f f) s.ttoi> Sdi w & 

nrlmbGnr erfj^br^n 

jt ■ KlndtU:'^ sotLfdd;d>i?'-F^ 

WKmBjUgm ■.•odivr::iler- 

ersütdi:m-’-b.'?'ipn.n 
. -..■.•■von 'den ,:-tj:i. ri. ■■ C;' 

n ftii^;e.röKV.'ö-V^?d?jndi^tf44t 
w-tt--... mwh t:-:';gX'.i:l^'■ 

■ . ; :• Tidor'Tt-Ar^-dlk-KCc'nH^ö^^ 

■. -. 0.'; U e %C,'' ■ - 

'. V n l Inn W rTtdem, dfe'Ä-bni >J’ 
;vt?iwlrn e>n-St^ 

;•;. iidkn ' nrtd;.' 

p [ii i ;^'die;rfidsn.Öütfi^jen pnhniin n\] ■lEif;m''\tl.dd- . 

gisbirgev tvenn er V 6 u aW tlr^i^eni \iM\ 

f jfio Sefm^uchC d riiditdteu mü eigtmcm Äy^i-a ?.ir fe 

Mif^i '^wb nWM una^idmcken lVrd tS^rdlp 
' T’i.b'^jbm' . 0-li^r'' d'Or' Sdi Wdti wal t ■'. -.d'vs^rb 

personUcbo Bd«nonlts^^tArt.. gciretez* den . tviiir nr 
’ywi ■■ eip '., A .ug:^^:nis1irfe' .iim "£^,m ■ i rc vn- ?s tr-n. F rx- 'ütid VifE-vtfu Kn o \p- 


ttF 


fiod^l rtims tersici <ift 
i h - iVi i >e ' AI e e rsr-h dit^-rpd 3 öt 

, ■H^ns'ler,A> -v.. 



a Üje ■ -s-ef.n^ G&.dcb. vp r .ke.n n ^n.. D«.r, 1 rt.iM:' n' 

so li'tuVr Kült/i^rüil dx-f ons i^ji2 


; üm\ ein 

wi ,r fwjrm e Öekö Fto c l m. K; m b t d\CnI: , D < ir 01 1 j. SOl 1 td t- 

Men b'i^WU:hen. Sonunt’-r^i^^dil, ii« Ntj; 

dem FrjMitvdn Jang und tirl ins .Üxi 

wird■ *i'äieifi# ■'W.ie h ei’'dorr:'inni u^n" älJe.trft'idd n ■■ d-ür^ 

di^-ron ■..'rn^.t^'• ■ ■ 11'•■ fn titiviC-. Se.bnvdddi^n■ . 

■ intirn.•;■ d_ö';3^nger ■ innie.IrndTielten^--.Jp"nEFg^Ki.K’diicEren: 21 ag.n.' 
.ic^:t ' 4 '^^ip :a>-c i'vr-. ^^tie'fvv \\ ■ ':: vn'- 4 e ■ t. 4 i^bt>i tu 

Auch 'd«?^ Süb iytir FOnend.^; 


; \y ej vtv d i e fn r n I dntt q n f w &i ßg ede ckt en 6 

in. 'xM ;■ ^k-n?i-t^| lejK '-iwSi ' We t\i\ ■' kü's; ;.. 

lip? did Wülder ifeo rjeicbbes^Ulfen 

M^,iFnelir\^nnbd wenn is\ hu ntbew^ie^m Spiel 

ef.p l Ijen rnivrj tx\ l Um snnis;sel t 

■ Wr-'^vb^nkaffesvidl Jhf\^ tnrüf, t>der. ivx^on em'. 

ifeli’-^';iT^^Ji^ibrrrr*.:.A1*?^-' -^dfe-e.rsr^-rr^ridßiv ': 

l ftiln;>n i:, nuk1 1 li gt* -sd’ir j.i.d/itie ., N abelfetvor sürii 

3treiIsi; di?n 5chnoe in Sm lii• ihrfwjrbe^lt. die altetsi 
*u dl lern mada. 

■ |?p ■::^^■ .m im ; (.4it.i rbar! ....s'icb;-,v.elb eV'5dvori-heiv ■'■ 'V.o-n .■■ übeT>-. 

;.;' >' ii) p'^okdCt';.. A T Ly. D er ' t« «i^:-b t. ^isfHj; ’. skb r', ' ' m ei n tf.. W j nioi-’- 

:'•;. r■ eii •' w:citig jl' ■■'^-^In l ■ ■ s'*in,.- ■' :6r '%ä \ane di i* 

Fe r be n i nnu n fj 1 b m»Wil^ .irn; b-öllsteil A 2 n r, d ü s F lirnm em 

dtis Lidits und dfis Bjit2en des tvafVbrtübs, i^r SieKnu^r wie 
■ w (j ndfctfer ipirbi^t ■ {HeU ^ kl ScltäU ^pi di p gi t k-. 

gebende nnd Sfmbtruituf d-eu. msLöroien* gelben,, 

vi o ie u o n S<:hb eei ep i>ii |f inu bt?f t ^ n nd - nu rd s t n un e n d: b e-i' 
WnndErri >di e 3u^:iejriinkt*b:iinf M alkn t>s t des W {n lers, tlnd We 
. :ui I e, welch k ostHc hv. 11Fft Jv^rt;, unsi-.d.?? r W b'i t e r>.- 

. IfkTf f nil 'ci tn fc'' l kn 4^t t*rri kein o A in t>?i mf4 ir -, DeHe^y ige un d 
tkm ^bncld i t ’i&n t sctm’ lfn*e ^ yio W^d ^Ti icb n)tni n 1 Ans d e rti 
, w^ühbg kjtdi^n ^ Sttitkender Geruclii*^ 

r ucj ^ t vo^fi iC! on Si ln) F pih d iM:|ii^pts s * Im 1 e 1 cb 1 e 11 Rq c k, 
öbob ^5idi w?im wd bein nnl iJen mit 

, ■ ■ -Oie. ■iiii(C-I|s.l'.s o kl ar, der Hüume t 

bW', sifnl SrO nnb.aritJ dondklb ^Is 

r^{:( itm Sjf^hneobnirnj+YcnEp sli? ^^JpNi^^£h^:;v kbmvtö. 

■dti'S: c sWr mt -mn Hy^>otfender 

khd . tdx 4 bb.'mlner^;;- s'ei 5 n,^^ • 

onlUtz dE-S e<i ein jedef^ dfer iix:l;iönen jjnd 

: V- mp fm dort: y t^r ;erk^h her w ir d. i’ vxm 11 i ge 1 .e ule habe n 

eher nöch tnehr bgb tsevidneki>; Lönm^ enen Spad^reögeheri 
AJnd diiFWek nicht g.enügfe. Sin wallte 

sic h im IVp -1 cMihfterw egi 1 n g v ersehn ffen, wäll t^iv ih r« 
Kärpe rk riifte |rdli jldhpn SpioJ ünd: Spopl enttaitom Da äu 

gr.bT dmen d^r #ijvT.d^ rf?T?. Zustimmung^, Der 

wird -rfen Säbn^^i^säh dem Rodel und 
11T djskdgb Kn r ^5= iä.acK i - F^ef S ch ^WeüchuK ist Herrscher. 

Br k e liisi kein ä: Gf;Oi a äuu , hi (i dCih b i tiihexi: und wo ion 







Nr. 11 DEUTSCHLAND 507 




Sommer keines Menschen Fuß einen dichten Jungwald durch« 
dringen kann, saust er im Fluge darüber hinweg. Sein 
Gebiet sind die baumlosen Kuppen und Abhänge der Berge, 
die Wiesenmatten der Täler. Der Rodel ist wählerischer. 
Ihm passen nur gefällreiche, krumme Wege mit hartgetretener 
Schneelage oder kräftiger 
Eiskruste, gleichviel ob's irri 
Wald oder Feld ist. Die findet 
man leicht und häufig. Aller« 
dings, wenn der Rodel seine 
Kunst zeigen soll, dann stellt 
er besondere Anforderungen 
an Gefälle und Kurven, Kurven¬ 
überhöhungen, an An« und 
Auslauf der Bahn. Diesen ist 
man da und dort gerecht ge« 
worden. Anders verhält es 
sich mit dem Mannschafts« 
schlitten, dem Bobsleigh, dem 
Grandseigneur der Winter« 

Sportgeräte. Der will sein 
unbeschränktes, ganz seinen 
unbescheidenen Ansprüchen 
hergerichtetes Reich, in dem 
nur er verkehrt und das ein 
Anderer auch gar nicht zu 
betreten begehrt. Gerät der 
Bobsleigh auf Abwege, läßt er 
sich herbei, dorthin in rasen¬ 
dem Lauf zu kommen, wo er 
nicht hingehört, so gibt's 
meistens ein Unglück. Ein 
paar geknickte Knöchlein oder 
gequetschte Rippchen leicht¬ 
fertiger Menschenkinder sind 
mindestens das Opfer unver¬ 
antwortlichen Handelns. So 
eine Bobsbahn ist gar teuer, 
und selbst wenn sie billig kommt, verschlingt sie zum aller¬ 
wenigsten zehn braune Lappen. Die erste im Schwarzwald 
und ganz Südwestdeutschland wird gerade jetzt in Triberg 
gebaut und vor Winter noch fertig. Aus diesen Schilderungen 
ergibt sich so ungefähr, welche Gegenden für den Schnee¬ 
schuhlauf, zum Rodeln oder Mannschaftsschlittenfahren, in 
Betracht kommen können. Seit der Wintersport an Umfang 
zugenommen hat, seit er Mode geworden, in der er hoffent¬ 
lichbleibt, bilden sich 
gar viele große und 
kleine, wirkliche und 
angebliche Luftkur¬ 
orte und Sommer¬ 
frischen ein, Winter¬ 
sportplätze zu sein 
oder mit aller Gewalt 
werden zu müssen. 

Wo ein leintuchgroßer 
Schneeflecken liegt, 
ist „vortreffliches Ski- 
gelände^% ein Schnee¬ 
hügel in der Größe 
eines Stiefelziehers ist 
eine„Sprungschanze", 
und ein Weg, auf dem 
das Rodeln polizeilicli 
verboten ist, das soll 
die Rodelbahn sein. 

An solchen Winter¬ 
sportplätzen nehmen 


einstweilen nur die aufrichtigen Anteil, die Reklamegelder 
dort einheimsen können. Bald aber fallen auch die ab, 
denn nach ein oder zwei Wintern weiß es die Welt, wo 
wirklich Wintersport getrieben werden kann und wo er nur 
in der Einbildung Einzelner besteht, die gern auch zur kalten 

Jahreszeit einen warmpul¬ 
sierenden Geldbeutel hätten. 

Ein wirklicher Wintersport¬ 
platz muß haben: Als Christ¬ 
geschenk reichlichen Schnee, 
der noch unter den Sohlen 
des Frühlings knirscht, wenn 
dieser den kalendermäßigen 
Einzug hält, volle Gunst 
strahlender Sonne, die keinen 
feuchten Nebel aufkommen 
läßt, eine den Anforderungen 
des Wintersports gerecht 
werdende Formation der 
Erdoberfläche, ausreichende 
Wintersport - Einrichtungen, 
anständige Unterkunftstätten. 
Das Skigelände darf nicht zu 
weit vom Ort entfernt und muß 
recht abwechslungsreich sein. 
Man braucht etliche Uebungs- 
hänge, an denen sich auch 
ein Sprunghügel anbringen 
läßt, und weitausgedehnte Ski¬ 
felder, über die kleine und 
große Skimärsche ausgeführt 
werden können. Die Rodel¬ 
bahn muß tatsächlich eine 
solche sein. Auf ihr darf nur 
gerodelt, nicht gegangen oder 
gar gefahren werden. Ihre 
Länge sollte nicht unter 1500 
Meter betragen, ihr Gefälle 
nicht gar zu groß sein. Etliche schwache und scharfe Kurven, 
die überhöht sein müssen, dürfen nicht fehlen. Die Bahn 
muß stets gebahnt, mit beiderseitigen Schneeböschungen 
versehen und gut unterhalten sein. Führt kein Beförderungs¬ 
mittel vom Ziel zum Start, wie z. B. eine Drahtseilbahn, dann 
ist ein hart neben der Rodelbahn herziehender Aufgangsweg 
nötig. Bergauf wollen die Rodler die Bahn übersehen und 
sich an der schneidigen Fahrt ihrer Sportgenossinnen und 

Genossen erfreuen, 
bergab aber lieben 
sie es, wenn ihre 
eigene Geschicklich¬ 
keit und Gewandtheit, 
die Eleganz und Ge¬ 
schmeidigkeit ihres 
Körpers und so fort, 
gebührend bewundert 
wird. Daß eine vor¬ 
züglich gepflegte Eis¬ 
bahn verlangt wird, 
versteht sich von 
selbst. Eine Bobsleigh¬ 
bahn kann der großen 
Anlegungs- und der 
fast noch größeren 
Unterhaltungs-Kosten 
wegen nicht Jeder Ort 
besitzen. Die wird 
wohl an vielen guten 
Wintersport - Plätzen 


Winteridyll bei St. Blasien 


Zum Start des Damen-Skiwettlaufs in Triberg 














508 


m pBUTSCHLAND Nf. IT 


vermiet Mi^erden. t\\ 50 rg^i^ j.st ti?i& 2«i=^ir4xi^r 

«tbrtte Zugänge: ?u äm Spo-np iätgea. h ^hm\ Io ilm 

beim isicher^ Gös^häti^n tfi ttä W b tfirrspurtgemit^ iind 

p üs ^its^ de Klei dwtrg ä U iit Titi gn^xic^ss^fiti Pf!^is k h ul k 0 nh 1 ^ 

Gele^eirhe^it zMm l-idWrt VUA ßob*^ 

lei^h m u ß gr^bü tcia $ pdrt leb r^r iW I> eA^< öV^.VI'b ^ 

de 1 V Gäk ih äii^f4\ SVd^ üiid R£jtjftl ^bl0gen:^ Klc^id er- 

■ ^«ifc mi^r uiidergle^cli m AlicIfeitFiri. J: 1 ö! 
',. n Wm tt?f'vfbf!g^lß-t Ä- . sitfe -:.tie) t t^Xkm . -ei nijf ^ 

■ ^stcbftHidh eiß ■'.bessonder^ >□ 

Urtser Scivwftt^/ßM #lbeHrt edUu rjIWf^ndigkell 1?^» 
lind Bmrith4un^ß^ te su 15tJt) 

Me*:^r ftru l>k' l^erüiuftte Sdrivurj^aldl^ubif. und die 
usthp Hdlf^niklbakb t-bka döf, tl^dVfr^(:es. iind 

■*ÄMes^<t Iflj" ^ •'Bb bte;r.: Ac.K^n« I b fib u ^tfi d e rb.. :brÄubt i e.öe n 

diß Täli?r *bd m\ duA dj?r 

Mit grufl Geldi^vxTwo t id stri(l dp ttnd. dori t>fit!i^e 
W:TTitörs;jfi!?j!l'£vt>jkehrüngeri getJ■ 4 :^^feiv/'Wo.^ 4 .^?■tv. I.^ie -Sdiiv^ur^- 
wdld \^ib Kl ^iTei 1 ren im boufe n -,J librjvf>r- 

'\V''lntr*r.^p»TTi;leuier ' I 

s r b ubiVtx i U fi l-s dei S ki - Kl ub ^ S cb wur ^iv ftld; r Xu$i r35>g dip t 

Radei-MtijilfffrsCfiärt Vipt\ 

B/idenj. bnbweil i.dier 
dlt* G F<.*ni 5 i>i I turt^ üeirt-' 

Ndi f?H \ uitrfUiiuks 

iung ^ulunden. 

Wd^bdl^ö ^Ud da,< 


Stijw 


.^Sbigplun de"' i! ef bf>v?^ 
IkBelnrnk-'-de^ .ScUwbf^. ■ 




'V? . 





I if {T be rg : $cbw :.i i ä h ^ kl b e b n i ib \X ■ i ß 3 e r 
V'f el e f i bbd e t 1 Ji 7 Id rin f b h ie i 


vyiddes, de?!^ l '^rXl Mftt^f 
Irobeti ndldbdrgd^, der 
Äm: ieirbi£!>4<ijv v^m der 
Slttliarr Tä-ilsiei? dsr blüllen^ 
erroicju iivirdv in-’ 

■ eili iieT^ dbi 'gTe-^ßiu nc ft l ägen 
bn4 ^A^&blgb^^^iJXfigten i iprlw 
il^rbert ;: i^hdidjv..’ ■vOffTeFl“’'. 
de b»j. Visp h k'i b b; e fiel \ t c 

G ß ?if. I k ly Sä3 v, ö w.i d i^fu-n 

TiiU'Ui - niii 

.^tUiXh h m b’ ttö nitm i ttßllui r 

. Ji ibir' bieg tr? adöTi I .bd^ w. kei seyi. 

Ejwl den sub m edint ijreJ:liei«"i ■ stehegisbeTtr Inl It^rw yrheijorn 
V- endpi^ b t ott*h. Dn ^ i min \< is in vinein Biwru."n ^ 
k^fb. f%jrWiiKiibun ^iditVbf skii' dxtJt|,T en^d TV’At+rT 

Gb.ri^?iinnj<j>'i:; l>.wrg ‘k^J. IdTilfun: tKf' 

subufic? ifi iiiCTiieb g;&bogeneni ÄJuk l-Rdter dl6 kuldn^T 

B;*?iigrdt1ii;'i4 binWeg iUlken prAfdbvolUn nkt MnTkf«Sria(j^‘ft^ 
^tckrtif b:;: V^r?ebene Äkiwegir uä^tJi ülb>n Rii bnuTgijuV t 
deiti U )f’ r I ^1 gve n K t> r it t^tid der G r 5 i e n ni h 11 e ^ nhdh den\ 
S ck b Urb ?s j ü n d,. : dein T ö d tn n li b y r g tu\d tipdericrn 
4idh'ükek' PmVfeu .■■■■ ■ 

-vAnldk-k :igk^väbrf»n edl vii'e- wHß-^ 
B imd TtVliSir, :d^?r itlQbd^iPTde T‘''irUpnkrftix;ft 

dtr ituf >dem dit* iibitr(>Ad:^kii^^ ynlVdit. Aid 

pr.Fj'^fLlVojW.Ti ■ Abftdihini.»: -.-ijt^db''und iliicK yliteT' w+'jit.c - Hfd'dur 
• uAif durch ^ Vrv.iiti. 

iu .■ den ■ Bab£(pne-ji^Viiuf: ■ ui v< l^>.,■ ■ Kipnl i }' id':vB.b i«Wt'tr-* 

. gleitrbikfiu' ScbwPHwfild^t'ndt'. ;.F f f'. i faiir g* : .Öbiur .i Huf 
Fuklbeilg v^t^Hi^vlnUet dur iifbtn ^i3Ö(.> 

Ski-Klwfj S4rhwRr5^.^äid: rstijßbrlirli :;&e!TT gf^lAlsK 
fest, zu A f* in ^ T^i u? e rj du ä usi y i 1 e r r ren S kd ä b dßr:; rlÄ/ 

Tstvb^pöh: IW. .tWuei* dus peldb^irgs W 

dg xi\ l k'dfd ,fb>!,Vf'ifI qs seiTen Jnbr' tdin ge.r^iyTrii ^i 
rxij^fibtA^. ,s?r!rKbtei v/erdWmnßit^' Ävd (kiiriF bjritjsi.ddj-srtcfr 


H e r z o g n h o f n ijsf diesseä: Jöhr gv'jßer Hat^Jliaa ln 
Arigntf ^Btittimen vrarden. 
vdHiäBmsser wie da^ E 
der Kähu Freihur^s geUjgö'h^^ SiC^h ^ u insf .^i;i dem 

bei Srihäntiu $it:h Äicnl ^fbiibpnd^ft BelcbirH i Öi&m bei 

Bniiirnwcdf^r, flern Kä n d ^,1 Wi iTK^b* bäd^bsten 

Hrbebuu^ejr des ;^adli;clien Schwatswaldes st^lUn älle breite 
Hatbrdcken: dar^ ftuf tlone« der lW«twudis ip^tbclL ist'oder 
z menge 11. Kidnum IViü t etb irefiii cbes Üntirituriftbau 
Zwer isT Gems^tridö der Breynde dteer sdBer^n P!i?t 2 ^ noch 
nird 1 1 s0 griJi^.wie^ |^e des Feldbergjs, a be?• i*?dTTunt 
re md in-. AWfa gHf ^11 laTtgkf Znt wifd's eifi 4*1" düb:Bergen 
ati^ ihit d<?f idyfH^itheb Ryb^f und tlum jUhgiläubchen 
^b womväid belmuptet die 12Ö0 Aleter 
bot^4 bt^itii-?gr i u de ifir Recht, bes-iet und 
beUiibte^ite SMbdfg, ^ $ wSjd votV dör Staijon Bühlertal 
£m bequetnsWi Ijm neuer baut er ?\ysdi;htsturm mit 

Gnterkyniisrayrtiv SfcibiilJeh eflkrher KUibs sind oben. Gute 

VcTfitlc^^ Ul , bei?en nngsuru nu den ^ RHndero der 

K ü Pt>i^, d Uf £ h 14 ^ Äbfiibrien oyt e.ich böt i TM u m fü. e 1 s e 

M^N:^r^"tJnatG pilt'hbim Ai'bt»rhd. AH Näcbbür tlör 
litirm^gnnde kifd der ß>idünef Hdbi^kift ^n iür 

den W in it^c^fkß'hr l:^U>kinib^>ud-s ? I o 111 ,g ^ S ß n d, 

■ IJ Vth d i a ck^ e d e n 
(e iS’P; h ^ Bä r e^nt e i n 
Hj^Trent^ ie^.und 

besurblv Der Ayf^ 

' .ei'tolgt vyn JB a 4 e n” 

■ s&ß, .4« n oder, von ; 

Siß (U jn B i! k i u f-1 a 1 laü;^ 

iTefBicber V^rpife-^ 
^ibt'sdort oben blfe^ 
der SchneesebuK^ 
iaUl^r hugebn: leierlUe wntf 
l iu'c'f er Skkibü ng5 w 
A *is,v¥i '3 r^ich ^nb i. i n 

• T.^|d|:er ■•Au?i;wß SpTÜn^^ ■ 

■ .bi‘äf<^bTrdag' 4 b> 'Al.ebung"^^ 
'rV■ ■ h'yiyi^'ß^ . "HiUr. Ündcn 'j^dTen 

■'" .Xfe'i dte- 

: (ji tir.. ■ hkMüt)- :SchWär.t'Wrald. 
oder dl« in 4^31 benacb'" 
bari en Städ fen K ö r Is ’* 
r u b M n n n h n i m 
biidülnn großen Qtt^utiippc^h des Klubs terän&töften:. fm 
iT) i UI y rei T Sr h zw n \ d h > e n ti i n p ^ a n /.e R e i b e bt^kaniiter 

-SoniTne.Tkurorte: lebluvken \XVirer\- erbebr erbültem An dar 
SefTwni's^wrddlujlij^ ist Alltni ?kis Skhh^’^^.riv Ttip 

du«/ i IV' • \<-^r\ [g-ert ■ • 7 yb.ren;_,. xiu^> k. 'sem.e r irün^d:g3(?4 ■ ..'Ij^'^!^--.'’ UFi.d. 
•fsrhafiyng vori^iigürb^^^ XXbnTyrspofteinrkhttinTT^^n,^- wh'eiöipii 
AvÜs^c^^ ^4ivW 3ü Höüjrt 

efna Viert(^1 stlin Mud' Skinb^irrgsksiri^r^^ Und über 

dotn Triberg \imgtii t enden \Vnldkrani;; U ein Huc iiplateau 
uyi^ 1 ri.viOk^Uer VW eigen scKi^tbpg.^üm äki tau n Kßeh ulle^v 
Ri r b t y n ge i\ d^ f W in d r g d ^ F ^ i ^ ^ f 

Li n l er n e1 1 i n r* n. \X'e i\) g ü KÜo ivt 1 1 tr rfir i S Ä ä Ü ^ ch 3Tdi 
d e n\ l)eka n rxieo S idgtd an de: *m:v id kf sf fWstrk'" ? Im ^Hoh'V üft 
W j f t a n Ej bei i** f ^V‘. in er a ü sg 4 r> «it bn a tub Bt'St b n fTün Ü wc-g e n 

dex F'elrilterg'’' gen nun li: l-hd>ttr dtiv nüt Sebhte? und 

Bis. aingcdvUlUeo, 1 ribnrger Kranit<5in di» t^vd- 

kiSCtÜ .5kifekl*^^ Sdbo nw äf ds Jitüs, aii sie bi&ßt d^jts: ebionso 
: V t\t tre^fßlkl*a Ge 1 und*: P u r t w n g s nn: Dk 0rt© v on 

J ribarij obae Seil wierigki^iK' i:v, äh t- mit 

(-bij I mn; od hr m i t P f.e t sdil Mi efv iVfi üf r* / F \i r i- 

Wingen ist ^:udum Station dar von r>oüflu*^schirigW 
zw cigenden Jir^albali tv Üic ^) r i s g r u pt.i an RtiPtwu pigeb ^ Sidiou r 
WinId, Schonfkdo Tribarg deti Ski--KI ub^ 3bwü?zw fildjj ieix 

0 U vvi n t erli c It ^ ß:ojt r^« am n r v ev flanä 4 €?r v i e. r CVte, en ret cB « 









Erstes badisches Bobsleighrennen in Triberg um den ,,Pokal von Triberg 


Baden-Baden: Eis-Hockey-Spiel auf der Eisbahn an der Lichtentaler Allee 
















510 DEUTSCHLAND Nr. II 


haltig*en Schneeschuhwettlauf mit Sprungflauf ab, der großen 
Zulauf hat. Der an der Schwarzwaldbahn liegende Weiler 
Sommerau und das auf luftiger Höhe gebettete Städtlein 
St. Georgen gehören mit in den Kreis der Wintersportplätze 
des mittleren Schwarzwaldes. Mit Vorliebe wird die Bahn 
bis dorthin benützt, um dann auf den langen Hölzern hin¬ 
zuwandeln über das Wogenmeer des Hochplateaus, oder in 
nächster Nähe den Skilauf zu üben. Auch die an den Rändern 
des Schwarzwaldes gelegenen Orte der Schwarzwaldbahn 
Villingen,Donaueschingen haben ganz nahe in einer Höhe 
von 800 Metern und darüber nette Wiesenhänge, auf denen 
die Brettlein heimisch sind. 

An der Höllentalbahn, die Freiburg mit Donaueschingen 
verbindet, herrscht fast überall reger Winterverkehr. Da sind 
Hinterzarten, Titisee, Neustadt, zu denen allwinterlich 
Scharen von Skibeflissenen wandern. S t. B1 a s i e n hat sich nicht 
nur zum Winterkurort, sondern auch zum beliebten Wintersport¬ 
platz entwickelt. Der Turner, Schollach, St. Märgen, 
Schluchsee, Saig, Breitnau, Höhenschwand und 
Menzenschwand, Todtmoos, Todtnau, Todtnauberg, 
Oppenau, haben alle ihre treuen Freunde und Besucher. 

Noch manch anderes Städtlein, Dörflein oder auf stillem 
Bergkamm gelegenes Wirtshaus wäre zu nennen. Der Schwarz¬ 
wald ist so reich gesegnet mit Schneegefilden, daß olle auf¬ 
zuzählen, unmöglich ist. 

Befriedigen wir nun die Neugierde des Rodlers nach 
seinem Revier. Schon einmal wurde gesagt, daß es fast so 
groß ist, als der Schwarzwald selbst. Besondere Rodelbahnen 
besitzen meines Wissens Baden-Baden vom 700 Meter 
hohen Merkur herunter, auf den eine Bergbahn gebaut werden 


soll. Fr ei bürg beim Jesuitenschloß und an verschiedenen 
anderen Orten, Triberg im Hofwald von 1000 auf 800 
Meter herunter, Furtwangen auf der Rabenstraße, Donau*- 
eschingen am Schillerstein, Hornberg am Schloßberg, 
der Feldberg bei der Jägersmatte, Hinterzarten, Saig, 
St. Blasien, Todtmoos und andere. Auf der Hofwald¬ 
rodelbahn in Triberg wird jeweils die Rodelmeister¬ 
schaft von Baden zum Austrag gebracht. Triberg ist 
gegenwärtig auch Sitz des südwestdeutschen Rodlerverbandes. 
Größere Eisbahnen werden unterhalten auf dem Titisee 
und Schluchsee, in St. Blasien, Baden-Baden und 
Frei bürg. Kleine Eisflächen sucht man, wie gesagt, an 
keinem der Schwarzwaldwintersportplätze vergeblich. Eine 
Kunstbobsleighbahn baut, um es nochmals zu wiederholen, 
gegenwärtig auf dem Sterenberg in Triberg der Bobsleigh- 
Klub Schwarzwald. Die 1600 Meter lange Bahn wird mit 
allen technischen und sportlichen Einrichtungen mit einem 
Kostenaufwand von etwa 12 000 Mark erbaut. Noch diesen 
Winter sollen darauf internationale Rennen veranstaltet werden. 

Das sind die Wintersportplätze des badischen Schwarz¬ 
waldes, soweit ich sie kenne. Sollte ich den einen oder 
andern namentlich zu nennen vergessen haben, so sei's mir 
verziehen. Allen gönne ich eine wohlgesinnte Frau Holle, 
die recht kräftig und ausgiebig ihr Bett über sie schüttelt, 
fröhliches Sportleben und eine große Schar neuer Freunde. 
Die schönen Leserinnen und freundlichen Leser aber lade ich 
ein, jetzt schon das Sportwämslein zu richten, Schneeschuhe 
und Rodel aus der finsteren Kammer zu holen, die Schlittschuhe 
blank zu halten, denn bald wird der Ruf erschallen: 

„Auf in den schneebehangenen, eiserstarrten Schwarzwald". 





Karlsruhe: Friedrichsplatz mit Eisfontäne 

















512 DEUTSCHLAND Nr. 11 




sich zwei Eisbahnen, von denen auch eine am Abend 
benutzbar ist. Die Kapellen der verschiedenen in 
Karlsruhe garnisonierten Regimenter werden öfters zu 
Eisfesten herangezogen. Es bietet für den Kultur¬ 
menschen und noch mehr für den Arbeitsmenschen, der 
nur den Abend frei hat, auch 
einen eigenen Reiz, sich bis 
TO Uhr bei Walzerweisen auf 
der strahlend hellen Eisbahn 
zu tummeln. Für größere 
Massen stehen die Eisbahnen 
auf dem Rennplatz des Karls¬ 
ruher Reitervereins bei Rüppurr 
und die Albniederungen bei 
Mühlburg und Grünwinkel be¬ 
reit. Der Schlittschuhlauf hat 
an Beliebtheit allerorten un¬ 
leugbarnachgelassen. Anseine 
Stelle ist der Rodel- und Ski¬ 
sport getreten. Auch hierfür ist 
in Karlsruhe gesorgt. Und dann 
noch eins. Es gibt, vornehm¬ 
lich ältere Leute, die weder 
Schlitten noch Ski sich mehr 
anlegen wollen. Die können 
herrlicheWinterwanderungen 
unternehmen. Im bläulich¬ 
schimmernden Schnee auf den 
Schwarzwald-Vorbergen über 
dem Dunst der Fabrikschlote 
in die klare Winterluft zu 
wandern, welch’ herzerfrischender Genuß. Auch den 
schneebehangenen Tannenforst des Hardtwaldes in 
seiner Wintereinsamkeit zu durchschreiten, bringt große 
Freude. „Die Sauen, Reh und Hirsche" im großherzog- 
lichenWildparksind zutraulich wie im Märchen und zaubern 
für den, der zu sehen weiß, Bilder voller Anmut. — Die 
Krone alles Wintervergnügens ist und bleibt allerdings 
das Schneeschuhlaufen. Darüber auch nur ein 
Wort zu verlieren, erübrigt sich. Man braucht nur die 
interessanten Winternummern dieser Zeitschrift zu 
durchblättern. — Komm' einmal Sonntags morgens 


Skihütte an der Hornisgrinde 


zwischen 5 und 6 Uhr auf den Karlsruher Hauptbahn¬ 
hof. Er ist zum starren Wald von Skiern geworden. 
Wie Fabelwesen oder fröhliche Gespenster sehen die 
Sportmänner und Sportfräulein aus, die da im Zwielicht 
der Morgendämmerung und der elektrischen Bahnhof¬ 
bogenlampen munter plaudernd 
herumhuschen. Die vielen 
hundert Harrenden kommen 
alle mit. Die Eisenbahn hat 
sich vorgesehen und beson¬ 
dere Wagen, ja Züge, bereit¬ 
gestellt. Alle Bevölkerungs¬ 
schichten sind vertreten. Ist es 
doch auch ein unschätzbarer 
Vorzug des Sports, daß er so¬ 
genannte Standesunterschiede 
schnell und schmerzlos be¬ 
seitigt. Den du dort siehst, mag 
ein Schreibgehülfe sein, und 
der mit ihm über die Abfahrt 
am letzten Sonntag debattiert,, 
ist vielleicht ein Vortragender 
Rat im Ministerium. Eine große 
straffe Gestalt, die ehrfurchts¬ 
voll, aber doch mit einer der 
Liebe entsprungenen Zuneigung 
begrüßt wird, ist auch öfter an 
einem solchen Frühmorgen in 
schlichten Skikleidern zu sehen: 
Prinz Max, der künftige Gro߬ 
herzog von Baden! — Auf den 
verschiedenen Haltestellen der Rheintalbahn und ihrer 
Abzweigungen lösen sich nun überall Gruppen. Die 
gehen nach dem Dobel, der Teufelsmühle, zu den 
Badener Höhen hier finden zu Zeiten die Rennen des 
akademischen Skiklubs statt, dem ein Bahnbrecher und 
eine Autorität wie Paulcke angehört), zum Sand, zum 
Plättig, zur Herrenwies, zur Hundseck und endlich 
zur Hornisgri nde. Für den Kenner und Liebhaber klingt 
diese Folge von Schwarzwaldnamen wie ein jauchzendes 
Lied. Anton Fendrich, der Skidichter, nicht Skischrift¬ 
steller, denn er kennt und besingt die Seele des Skilaufs, 
hat in dem diesjährigen Januarheft der „Deutsch¬ 
land'' auch dem nördlichen Schwarzwald, dessen 
höchste Erhebung eben die Grinde ist, wohl¬ 
verdientes Lob gezollt. Er sagt: „Im unteren 
Schwarzwald ist noch ein viel zu wenig bekanntes, 
in seiner Schönheit sehr unterschätztes Gebiet, 
das der Hornisgrinde und des Ruhsteins. Eine 
Skitour auf die Hornisgrinde mit ihrer alpinen Land¬ 
schaft, der Biberkesselwächte und der schönen 
Abfahrt zum Ruhstein, wo noch echte Schwarz¬ 
wälder Gemütlichkeit zu finden ist, das ist einer 
der Genüsse, den sich unsre Residenzler an 
schönen Wintersonntagen gestatten". — Die 
Hornisgrindegegend macht in jeder Jahreszeit 
einen überwältigenden, sozusagen urschöpfe- 
rischen, Eindruck. Sie liegt trotzig, wie am ersten 
Schöpfungstage da mit ihren Ursteinen, welche 
noch die große Flut gesehen haben mögen, als 
der Herr Erde und Wasser schied. Ein schnee¬ 
bedeckter Bergkoloß, von wettergebeugten Föhren 


Karlsruhe: Schloßgarten mit Schloßturm im Winter 










Nr. 11 DEUTSCHLAND 513 


umrandet, raunt er dem besinnlichen Schneefahrer 
manches Geheimnis ins Ohr. Der beste Aktzeichner 
Deutschlands in den letzten Jahrzehnten, Schmid- 
Reutte an der Karlsruher Akademie der bildenden 
Künste, der nun drunten im Illenauer Friedhofgarten 
von schwerem Schicksal genesen ist, hat ein mächtiges 
Bild gemalt, wie Kain seinen Bruder Abel erschlug- 
Dazu nahm er die Landschaft der Hornisgrindekuppe 
als Studie! — 

All das steht dem Karlsruher oder dem, der Karls¬ 
ruhe besucht, mit Herzlichkeit und — für wenige 
Groschen offen. 


Dampft und stampft dann gegen 7 Uhr wieder der 
Zug in die Bahnhofhalle, so ist der Abend ja noch 
nicht zu Ende. Ein Blick auf die Plakatsäule, auf dem 
das großherzogliche Hoftheater, die Konzertdirektionen 
aller Art ihre Darbietungen verkünden, die Gasthäuser 
freundlich einladen, bringt durch die große Auswahl 
große Qual. De gustibus non est disputandum! Nun, 
eines ist unbestreitbar: Der Besucher wird, wie er sich 
auch entschließen mag, mit freudiger Erinnerung an 
die einst — um Karlsruherisch zu reden — „argver¬ 
schrieene" badische Residenz denken und wiederkommen. 
Auch im Winter ist in Karlsruhe schön leben. 


Der Wintersport im bayerischen Hochland. 

Von J. A ch e n a u e r. 


In unserer Zeit ist der Winter kein unwillkommener Gast 
mehr wie einst, da man sich vor ihm in den warmen Stuben 
verschloß und es ausschließlich der Jugend überließ, auf 
der Schlitten- und Eisbahn sich zu tummeln. Heute 
ist der Winter ein 
bedeutender Heil¬ 
faktor, dessen sich 
jeder moderne Arzt be¬ 
dient, wenn es gilt, den 
durch Arbeit und die 
unbarmherzige Hast 
unseres Städtelebens 
geplagten und über¬ 
reizten Nerven seiner 
Patienten neue Spann¬ 
kraft zu geben. Nichts 
— ja nicht einmal 
die schönste Sommer¬ 
frische — ist mehr 
geeignet. Erholungs¬ 
bedürftige zu stärken. 

Nervenleidende zu ge¬ 
sunden, als ein mehr¬ 
wöchiger Aufenthalt 
in der „Winterfrische", 
draußen in den wind¬ 
stillen, von der klaren 
Wintersonne durch- 
wärmtenBergtälern mit 
ihrer völlig staubfreien, 
reinen, kräftigen Luft 
und im Kreise fröh¬ 
licher Menschen, die 
das Schönste und 
Beste, was der Winter 
zu bieten vermag, 
in der genußreichen 
Geselligkeit vereint: 
der körperstählende, 
muskel- und nerven¬ 
stärkende Wintersport. 

Da gibt es nun keine Stadt weit und breit, die als 
Wintersportzentrum auch nur annähernd so gut liegt 
wie München. Von hier aus sind die schönsten 
Wintersportplätze des bayerischen Hochlandes in andert¬ 


halb bis zweistündiger Eisenbahnfahrt bequem zu er¬ 
reichen. Liegt doch das Gebirge vor den Toren 
Münchens, auf das an klaren Tagen die firnglänzenden 
Gipfel greifbar nahe herniederschauen. — In den her¬ 
vorragenden Winter¬ 
sportorten der baye¬ 
rischen Berge weiß 
man die Wintergäste 
längst zu schätzen und 
bereitet ihnen überall 
ein gastliches Will¬ 
kommen. Für gute 
Unterkunft ist wohl ge¬ 
sorgt, und was den 
Sport selbst betrifft, 
so beweisen die von 
München aus ins Ge¬ 
birge gehenden, stets 
vollbesetzten Winter¬ 
sportzüge, daß der 
Sportfreund draußen 
auf seine Rechnung 
kommt. Besonders die 
bevorzugteren Rodel¬ 
bahnen im bayrischen 
Hochland aber können 
sich, was sportliche 
Beschaffenheit und 
landschaftliche Schön¬ 
heit betrifft, mit den 
großartigsten anderer 
Wintersport - Gebiete 
wohl messen, einzelne 
übertreffen sie weit. 

Wenn wir nun 
die hauptsächlichsten 
Wintersport-Stationen 
des bayerischen Hoch¬ 
landes nennen, so 
müssen wir ebensoviel 
Orte aufzählen, die den 
vielen Tausenden, welche im Sommer das schöne Bayer¬ 
land heimsuchen, als seine berühmtesten landschaftlichen 
Perlen wohl bekannt und lieb geworden sind. — Da ist 
vor allem Tegernsee. Rodel- und Skisport teilen sich 

















514 DEUTSCHLAND Nr. 11 



-•.i^*vr 




Bei Garmisch 



Bei Partenkirchen 







\ i 


\ 


. TTT 

^ • } -' 


hier friedlich in das 
ungemein abwechs¬ 
lungsreiche Terrain. 
Vom bewirtschafteten 
Unterkunftshaus auf 
dem Wallberg geht 
eine Rodelbahn zu 
Tal, die zu den schön¬ 
sten im bayerischen 
Gebirge gehört. Sie 
ist das Ausflugsziel 
ganzer Scharen froh¬ 
gemuter Rodler und 
Rodlerinnen. Rodel¬ 
schlitten stehen im 
Unterkunftshause zur 
Verfügung. — Auch 
von der benach¬ 
barten Neureut und 
vom aussichtsreichen 
Hirsch berg führen 
schöne Rodelbahnen 
zu Tal. Die Neureut 
ist außerdem ein viel 
besuchtes Skigebiet. 

Ein andres präch¬ 
tiges Wintersport- 
gebiet ist die Land¬ 
schaft um den lieb¬ 
lichen Schliersee 
und in den Schlier- 
seer Bergen. Hier 
wird besonders der 
Skisport fleißig ge¬ 
pflegt. Standquartier 
ist das behagliche 
Hotel Finsterlin in 
Fisch hausen und 
tiefer in den Bergen 
Bayrisch-Zell und 
Birkenstein, wo 
überall Skikurse ab¬ 
gehalten werden. 

Vom Schlierseer 
Gebiet aus lassen sich 
nach allen Richtungen 
hin Touren unter¬ 
nehmen, leichtere und 
schwierigere, je nach 
der Leistungsfähigkeit 
des einzelnen. An 
den Hügelhängen in 
der Nähe des Sees 
ist ein vortreffliches 
Uebungsgelände. Der 
See selbst bietet eine 
schöne Eisbahn, auf 
der sich an schönen 
Wintersonntagen ein 
außerordentlich reges 
Leben und Treiben 
entfaltet. 


Tegernsee im Winter 






















Nr. n DEUTSCHLAND 515 


G a r m i s ch-Pa rten- 
kirchen bietet dem 
Sportsman ein grade- 
zu ideales Bewegungs¬ 
feld. Skitouren und 
Rodelfahrten können 
hier nach allen Rich¬ 
tungen hin unter¬ 
nommen werden. — 
Rodelbahnen führen 
vom Kramerberg, 
Kochelberg, Gudi- 
berg, am Risser- 
s e e und vom E i b s e e 
nach Untergrainau 
talabwärts. AmRisser- 
see vereinigen sich 
sämtliche Sportarten 
auf einem ganz aus¬ 
gezeichneten Terrain. 
Hier besteht eine vor¬ 
treffliche 1800 Meter 
lange Bobsleighbahn. 
Der Kochelberg, von 
dem ebenfalls eine 
schöne Rodelbahn 
herabgeht, ist ein 
prächtigesSkigelände, 
auf dem der Anfänger 
üben, der Geübte 
sich trainieren kann 
für größere Fahrten. 
Aber auch für jenen, 
der nur Ruhe und Er¬ 
holung sucht, ist das 
Tal von Garmisch- 
Partenkirchen geeig¬ 
net, wie nur wenige 
andere. Seine windge¬ 
schützte Lage gewähr¬ 
leistet ein warmes, 
beständiges Winter¬ 
klima, und seine reine, 
kräftigeHöhenluft eig¬ 
net Garmisch-Parten¬ 
kirchen zu einem be¬ 
vorzugten Winterkur¬ 
ort. Was die beiden 
Orte, die auch von 
Augsburg aus be¬ 
quem zu erreichen 
sind, an landschaft¬ 
lichen Schönheiten zu 
bieten vermögen, ist 
weltbekannt. 

Wohl die berühm¬ 
testen Rodelbahnen 
des bayerischen Ge¬ 
birges neben jener 
am Wallberg sind die 
vom Hochgern bei 
Marquartstein und 



Oberstdorf im Winter 

























516 DEUTSCHLAND Nr. 11 



vom Brünnstein bei Oberaudorf im Unterinntal, Orte^ 
die in bequemer Eisenbahnfahrt leicht zu erreichen sind. 
Das Brünnsteinhaus ist wie das Wallberghaus derSammel- 
punkt unzähliger Rodler, die von hier aus auf prächtiger 
Bahn zu Tal fahren, lieber 200 Schlitten stehen im 
Hause zur Verfügung. Die Bahn vom Hochgern ist nicht 
weniger als 8,5 Kilometer lang. Im Unterkunftshaus 
am Hochgern sind 80 Schlitten vorhanden. Sehr schöne 
Rodelbahn ist auch 
auf der Maisalpe bei 
Aschau; ebenso sind 
die Skigelände auf 
den Spitzstein, Geipel- 
stein, Hochneß und 
Kampenwand sehr be¬ 
kannt und besucht. 

Neuangelegt ist die 
schöneRodelbahn am 
Blomberg bei Bad 
Tölz, die sehr viel 
befahren wird. Ein 
Sportzentrum für sich 
ist Bad Kohlgrub 
(zwischenMurnau und 
Oberammergau). Es 
hat eine famose Rodel¬ 
bahn vom aussichts¬ 
reichen Hörnle und 
ein geradezu ideales 
Skigelände. — Weiter ab von den gewöhnlichen Heer¬ 
straßen der Wintersportler bringt uns eine Fahrt hinein in 
die gewaltige Eiswildnis und die grandiose Bergschönheit 
des Berchtesgadener Landes. Alle Arten von 
Wintersport werden hier gepflegt. Auf der imposanten 
Eisfläche des herrlichen Königsees entfaltet sich zu 
regem Treiben der anmutvolle Schlittschuhsport. Von 
Vordereck und von Vorderbrand aus ziehen wundervolle 


Rodelbahnen zu Tal, besonders die von Vorderbrand, 
die eine Länge von 6,5 Kilometern und ein kräftiges 
Gefall hat, ist sehr beliebt. 

Damit ist aber die Reihe der von München aus mehr 
oder minder rasch zu erreichenden Wintersportplätze 
noch lange nicht erschöpft. Allüberall fast im ganzen 
bayerischen Hochland schafft das auch in stilleren, 
vom großen Verkehr weniger berührten Gebirgstälern 

erwachte Interesse 
für den Wintersport 
gute Sportgelegen¬ 
heiten. Der Sports- 
man ist nicht ge¬ 
bunden, wochenlang 
an einem einzigen Ort 
zu verweilen. Immer 
wieder nach München 
zurückkehrend, kann 
er von da aus immer 
wieder neue Sport¬ 
plätze aufsuchen und 
so sein Erholungs¬ 
und Sportprogramm 
so abwechslungsreich 
und interessant ge¬ 
stalten, wie nirgend¬ 
wo anders. Da sind 
in allernächster Nähe 
Münchens, im roman¬ 
tischen Isartal, treffliche Rodel- und Skibahnen, vor 
allem in Ebenhausen und Icking, bei Mühltal, Wolfrats¬ 
hausen; weiter am Herzogstand und auf der alten Kessel¬ 
bergstraße am Kochelsee, der selbst eine großartige 
Schlittschuhbahn bietet; dann in Deisenhofen, Fürsten¬ 
feldbruck, bei Miesbach, in Murnau usw. usw. Ein sehr 
besuchenswertes Sportgebiet ist der Hohe Peißenberg; 
nach Bad Hohensulz führt dort eine gute Rodelbahn 


Gipfel des Rifferkogel, im Hintergründe der Tegernsee 
(Photogr.; Gebr. Heckei, Berlin) 



Skikursus in Garmisch-Partenkirchen (Photogr.: Gebr. Heckei, Berlin) 














Nr. 11 DEUTSCHLAND 517 


hinab, und das Skigelände ist vortrefflich. All das liegt 
sozusagen vor den Toren Münchens. — Ein Sportgebiet 
für sich ist das Allgäu. Der Wintersport wird hier in 
allen seinen Arten fleißig und ernsthaft betrieben, und 
Oberstdorf selbst ist wohl der bedeutendste Winter¬ 
sportplatz des Allgäu. Viele gutgepflegte Rodelbahnen, 
darunter eine 4 Kilometer lange am Höllrücken, ermög¬ 
lichen eine an Abwechslung reiche Entfaltung dieses 
Sportes. Der Skilauf findet günstiges Terrain in näherer und 
weiterer Umgebung, und viele bekannte Skiläufer geben 
sich hier allwinterlich Rendezvous zu kühnen Bergfahrten. 

Noch einer besonderen Sehenswürdigkeit des baye¬ 
rischen Winters muß hier gedacht werden: das sind die 


So leicht man all die Wintersportplätze im baye¬ 
rischen Hochland von hier aus erreicht, so schnell ist 
man, wenn draußen schlechtes Wetter einfällt, wieder 
in der bayerischen Residenz und kann sich an der 
reichen Tafel ihrer winterlichen Genüsse schadlos halten. 
Das ist ein Vorzug, den das bayerische Hochland 
voraus hat und der für viele entscheidend sein mag, 
den Winteraufenthalt in Bayern zu wählen. München 
im Winter hat seine ganz besonderen großen Reize. 
Was die Stadt an der Isar vor allen anderen Städten 
auszeichnet: die innige Vereinigung von Kunst 
und Geselligkeit — das kommt erst im Winter so 
recht zur Geltung. Den Höhepunkt aber des geselligen 




m 

Pli 






s 





mH 


y 





läülraläHllfllll 


ü 

B 


mm 

illMBiiii 


Wallraf-Richartz-Museum: Saal der Altkölner Malerschule (siehe umstehenden Artikel) 


großartigen Wildfütterungen, die an zahlreichen 
Orten stattfinden und dem Tierfreunde ein unverge߬ 
liches Schauspiel bereiten. Die berühmtesten sind die 
Wildfütterungen in der Hinterriß und in St. Bartholomä 
am Königssee. In stattlichen Rudeln versammelt sich 
hier das prächtigste Hochwild um die von den Wild¬ 
hegern sorgsam bereiteten Futterstätten. Wer in 
schweigender, winterstarrer Bergeinsamkeit dies Bild je 
geschaut, wird seiner nie mehr vergessen. 

Der überaus günstigen Lage Münchens, die die 
Winterflucht in die bayerischen Berge, sei es zur Er¬ 
holung, sei es zur Ausübung des Sports, fast mühelos 
ermöglicht, ist schon mehrfach gedacht worden. Eines 
muß nun aber noch besonders hervorgehoben werden: 
Und das ist, was München selbst im Winter bietet. 


Lebens im winterlichen München stellt der Fasching 
dar. Die glänzenden Karnevalsfeste, die München feiert, 
stehen im Zeichen der Kunst. Veranstaltungen, wie 
eine Künstlerhausredoute in dem grandiosen Prunksaale 
des Künstlerhauses, eine Redoute der Immergrünen, 
die Faschingsfeste der Geselligen Vereinigung, des 
Künstler-Sängervereins, des Orchestervereins, des Kauf¬ 
mannskasinos, dann der Presseball, der Bühnenball usw. 
sind das schönste, was der Fremde in München sehen 
kann. Der öffentliche Münchener Fasching kulminiert 
in den Redouten und Bai parees. Wenn im festlich ge¬ 
schmückten Deutschen TheaterHunderte von Paaren nach 
den berauschenden Klängen eines Straußschen Walzers 
sich drehen, dann erfüllt sich dieWahrheit desWortes von 
dem unvergleichlichen Zauber des Münchener Lebens. 


O Mitteilungen über wintersportliche Veranstaltungen usw. siehe im wirtschaftlichen Teil c 


















518 DEUTSCHLAND Nr. 11 


== Jubiläums-Ausstellungen = 
im Wallraf-Richartz^Museum zu Köln. 


Die Kölner Galerie steht zurzeit im Mittelpunkte 
des künstlerischen Interesses der Rheinlande. Aus Anlaß 
des 50jährigen Bestehens des von Stüler errichteten 
und von J. H. Richartz gestifteten Baues sind eine 
Reihe von Jubiläums-Ausstellungen eröffnet worden, die 
das älteste Museum der Rheinprovinz wieder mal in 
aller Mund bringen. Namentlich ist es die Ausstellung 
der berühmten SeegerschenLeibl-Sammlung, die 
auf alle kunstinteressierten Kreise die denkbar stärkste 
Anziehungskraft ausübt. So darf man sich nicht wundern, 
daß vor allem auch die Düsseldorfer Künstlerschaft, 
die am Orte selbst leider so wenig vorbildliches Studien¬ 
material besitzt, aufs eifrigste die 
Gelegenheit benutzt, um sich im 
Leibl-Saal der Kölner Galerie 
an den höchsten malerischen 
Qualitäten zu erfreuen, die im 
Laufe des 19. Jahrhunderts von 
einem deutschen Künstler dar¬ 
geboten wurden. Leibi ist der 
einzige deutsche Maler der Neu¬ 
zeit, dessen künstlerisches Hand¬ 
werk so vollendet war, daß es 
selbst den gerade in dieser Hin¬ 
sicht so sehr verwöhnten Fran¬ 
zosen begeistertes Lob und hohe 
Bewunderung abzwang. Wenn 
es Köln gelingt, diesen Leibl- 
Saal seiner Galerie einzuver¬ 
leiben — wir hören, daß dieser- 
halb bereits Verhandlungen 
schweben — so sichert es sich 
eine künstlerische Attraktion von 
internationaler Geltung. 

Klar liegt die Entwicklung 
des Künstlers in diesem Saale 
vor Augen. Ein Anfang im Sinne 
Pilotys. Still, echt, ehrlich, be¬ 
scheiden. Keine hochfliegenden 
Künstlerträume, keine nach den Sternen greifenden 
Pläne. Nur der Ehrgeiz, jedes bischen, was getan wird, 
ganz zu tun und schlechthin unübertreffbar. Die zwei 
Meisterwerke der Frühzeit: der Kritiker und das Porträt 
des Vaters. Beide voll liebevollster Detailmalerei. Das 
erste überraschend durch eine ungewöhnlich geschickte 
Komposition, das andere eine Leistung, wie sie nur die 
Kindesliebe eines hochbegabten Menschenschilderers 
vollbringen kann. Dann die Befreiung aus malerischer 
Aengstlichkeit und Kläubelei durch Courbet. Prima 
gemalt, Strich neben Strich, ohne Korrekturen und 
Lasuren, werden die beiden Hauptwerke der Pariser 
Zeit (1869), die Kokotte und die alte Pariserin, immer¬ 
dar als zwei Glanznummern deutscher Malkunst gelten, 
an denen kein Kenner begeisterungslos vorübergeht. 
Gröber dann, aber auch ungleich wuchtiger der geradezu 
verblüffende Pallenberg, der wie eine Personifizierung 
von strotzender Kraft und trotzigem Selbstbewußtsein 


wirkt. Zwei Jahre später (1873) entsteht der in seiner 
silbrigen Gesamthaltung so wundervolle Schimmelreiter^ 
durch den Bäche von Weiß und Grau zu rieseln 
scheinen. Das folgende Jahr gebiert die Tischgesell¬ 
schaft, eine Schöpfung von Rembrandtscher Ausdrucks¬ 
gewalt, glänzend komponiert und von einer unerhörten 
Weichheit des malerischen Klanges. Nun die Kunst 
der achtziger Jahre. Seltsam, wie das Ideal sich da 
auf einmal wandelt. Kaum mehr eine künstlerische 
Uebersetzung des Naturvorbildes; nein, ein ehrgeiziges 
Ringen, es der Natur gleichtun zu wollen. Die Mieder¬ 
studie, die neben der Kokotte hängt, wirkt wie ein 

Kunststück. Man könnte glauben 
(und soll wohl auch glauben), 
ein leibhaftiges Stück Mensch 
habe sich hinter den Rahmen 
des Bildes geschoben. Daß 
Kunst keine Illusion der Wirk¬ 
lichkeit sein soll, hat Leibi dann 
auch wieder eingesehen. Zehn 
Jahre noch hat er nach dem 
Ausgleich gerungen, ihn aber 
nur selten wieder, wie in den 
Kutterlinger Küchenbildern, ganz 
gefunden. 

Von diesen Leistungen des 
größten kölnischen Künstlers 
seit den Ruhmestagen der alt- 
kölner Malerschule sofort zu 
der zeitgenössischen Kölner 
Kunst überzuspringen, bedeutet 
eine völlige Neueinstellung des 
Auges. Und doch lohnt es 
die Anstrengung; denn die 
Sch war z-Weiß - Aus Stellung 
Kölner Künstler, die in 
den Räumen des Kupferstich¬ 
kabinetts aufgemacht ist und 
ein paar hundert Blätter enthält, 
bietet eine förmliche Ueberraschung. Wer kennt aus¬ 
wärts Namen wie Weinzheimer, der hier mit gro߬ 
zügigen Kompositionen auftritt, die einen Monumental¬ 
geist atmen, daß man herzlichst wünschte, die Kraft 
zur Ausführung im großen Maßstab möchte sich als 
so stark erweisen, daß das reiche Maß an Hoffnungen, 
das die Skizzen erwecken, nicht getäuscht wird. Dann 
der lustige, kapriziöse Otto Feldmann, mit seinen 
fein stilisierten Aquarellen, aus denen ein schalk¬ 
haftes Kichern über die Ratlosigkeit des beschauen¬ 
den Philisters klingt. Matthias Jansen und Olga 
Oppenheimer gehen ähnliche Wege; nur scheint der 
literarische Einschlag stärker. Schwartz zeigt sich als 
Karikaturist vom Schlage der Simplizissimus-Zeichner. 
Hoetger geht etwas stark in den Bahnen van Goghs 
und Gauguins. Prött gibt feine Bleistift-Impressionen 
und Deusser rühmlichst bekannte Manövererlebnisse 
von fabelhafter Lebendigkeit. 

















































520 DEUTSCHLAND Nr. 11 



Auch die Ausstellung ^Kunst unserer Zeit in 
Kölner Privatbesitz", die in den Parterreräumen 
zu sehen ist, bietet neue Erkenntnisse, auf die man 
ganz und gar nicht vorbereitet war. Man stellt sich 
das alte heilige Köln so gern als eine Stadt mit durch¬ 
aus konservativen Kunstanschauungen vor, die höchstens 
alle 50 Jahre einmal eine vorsichtige Revision erfahren 
und sieht nun zu seinem Erstaunen, daß hier eine 
Menge Sammler 
existieren, die 
ihrer Zeit bei¬ 
nah vorauseilen. 

Eine Ausstel¬ 
lung der Berliner 
Sezession oder 
des westdeut¬ 
schen Sonder¬ 
bundes könnte 
nicht anregen¬ 
der und quali¬ 
tätvoller sein, 
als diese Vor¬ 
führung moder¬ 
ner Kunst aus 
Kölner Privatbe¬ 
sitz. Man schert 
sich, wiedasVor- 
wort sagt, wenig 
um die War¬ 
nungen ängst¬ 
licher Gemüter, 
interessiert sich 
kaum für lang¬ 
weilige Akade¬ 
mikerbilder, an 
denen alles rich¬ 
tig und nichts 
wichtig ist; nein, 
man schätzt ge¬ 
rade das aus¬ 
geprägt Indivi¬ 
duelle und Per- 
sönlicheimBilde 
hoch, geht star¬ 
ken Eindrücken 
nicht schwäch¬ 
lich aus dem 
Wegeundnimmt 
lieber offenkun¬ 
dige Fehler mit 

in Kauf, als daß Wallraf-Richartz-Museum : Wilhel 

man sich von korrekter Langweiligkeit anöden läßt. 

— Auch in der Ausstellung der Jubiläums¬ 
geschenke kommt dieser Wille zur Bejahung der 
eigenen Zeit stark zum Ausdruck. Namen wie Hodler, 
Deusser, Brühlmann, Weisgerber umschreiben ein 
ganz bestimmtes künstlerisches Programm, das die 
Provinzialgalerien, wie es scheint, um so energischer 
durchzuführen bereit sind, je stärker die Bindungen 
sind, die einer freien Entwicklung der Galerie unserer 
Reichshauptstadt entgegenstehen. Daß dabei in Köln 
die alten Ideale nicht zu kurz kommen, beweist die 


Einreihung einer neuen Serie altkölnischer Bilder, von 
denen drei dem Meister der Verherrlichung zuge¬ 
schrieben werden. Das Ausland scheint man, durch 
aus berechtigterweise, nur dann zu Worte kommen zu 
lassen, wenn es sich um Meister handelt, welche die 
einheimische künstlerische Produktion wesentlich be¬ 
einflußt haben. So ist der große, herrliche Courbet, 
das Picknick im Walde, im Raume neben dem Leibi- 

Saale geradezu 
eine entwick¬ 
lungsgeschicht¬ 
liche Notwen¬ 
digkeit. Köln 
kann sich zu 
diesem magi- 
stralen Bilde be¬ 
glückwünschen. 
Keine deutsche 
Galerie hat einen 
Courbet von 
dieser Pracht. 
Und zu guter 
Letzt die Brücke 
von van Gogh. 
Unserer Kennt¬ 
nis nach eines 
der schönsten 
Bilder des Hol¬ 
länders; rein 
wie ein Edel- 
stein,unübertrof- 
fen von irgend 
einem Land¬ 
schaftsbilde der 
ganzen Galerie. 
— Der Skulp¬ 
turen- und An- 
tiken-Sammlung 
wurden ange¬ 
gliedert eine ent¬ 
zückende köl¬ 
nische Madonna 
um 1430, eine 
fein gearbeitete 
Buchsbaum¬ 
gruppe um 1700 
und als bedeut¬ 
samstes Stück 
ein Fund von 
größter Wichtig- 
m Leibi, Porträt der Sophie Graf keit: ein über¬ 

lebensgroßer marmorner Kopf des Dnisus, der vielleicht 
zu einem Standbilde auf der sog. Ara Ubiorum gehört 
hat, die man unter dem Chorabschluß von St. Maria im 
Kapitol gefunden zu haben glaubt. 

Daß auch das berühmte Spätwerk des Rubens, die 
Kreuzigung Petri, zurzeit leihweise im Museum aus¬ 
gestellt ist, soll zum Schluß noch vermerkt werden. 
Viele Kölner werden das Bild zum ersten Male sehen, 
denn in der Pfarrkirche St. Peter wird es nur ein paar¬ 
mal im Jahre von seiner deckenden Hülle befreit, 
sonst aber ängstlich vor neugierigen Augen behütet. 




Wallraf-Richartz-Museum: Vincent van Gogrh, Die Brücke von Arles 



Wallraf-Richartz-Museum: Gustave Courbet, Picknick im Walde 


























522 DEUTSCHLAND Nr. 11 



Ansicht des Clever Schlosses nach J. de Beyer 1749 


Der Sitz des größten preußischen Regierungsbezirks. 

Von Dr. O. Redlich. 



Am IQ. Oktober d. J. wurde durch einen feierlichen 
und glanzvollen Festakt das neue Heim der König¬ 
lichen Regierung in Düsseldorf seiner Bestimmung 
übergeben. In geistvoller und inhaltreicher Rede wies 
der Herr Regierungspräsident Dr. Kruse die Fest¬ 
versammlung auf eine kurze aber schwerwiegende Reihe 
von Zahlen hin, die von der Größe und Bedeutung dieses 
Regierungs-Bezirks Zeugnis geben. Sie sind wichtig 
genug, um hier wiederholt zu werden: Die Einwohner¬ 
schaft hat sich seit dem Jahre 1885 verdoppelt und 
beläuft sich jetzt auf mehr als öV-i Millionen. Jedes Jahr 
nimmt sie um 80 000 zu. In 18000 der Gewerbe¬ 
inspektion unterliegenden Betrieben ist annähernd eine 
halbe Million gewerblicher Arbeiter tätig. Dazu kommen 
115000 Berg¬ 
arbeiter, 50 bis 
60000 Heim¬ 
arbeiter und 
40000 selb¬ 
ständige Hand¬ 
werker. An 
1800 Volks¬ 
schulen unter¬ 
richten 10000 
Lehrkräfte. 20 
reich ausge¬ 
stattete Fach¬ 
schulen sor¬ 
gen für die 
Ausbildungdes 
Nachwuchses 
in Industrie 
und Handwerk, 

Kunstgewerbe 
und Landwirt¬ 
schaft. Die 

Eisenbahnen 
erreichen eine 
Länge von 

1500 km, die 
Kleinbahnen eine solche von 1000 km. Die Länge der 
Deiche zum Schutz gegen Hochwasser beträgt 450 km. 
Die Ergänzungssteuer beläuft sich jetzt auf 6 Millionen, 
die Gebäudesteuer auf 10 Millionen, die staatliche Ein¬ 
kommensteuer aber ist von 12 Millionen im Jahre 18Q2 


Torgebäude und Spiegelturm des Clever Schlosses 
(Nach dem Kupferstiche von Petrus Schenk) 

Das 


auf 42 Millionen gestiegen. — Welche Fülle von Auf¬ 
gaben einer Regierungsbehörde in einem so gearteten 
Bezirk erwachsen, welches Heer von Beamten sie hierzu 
benötigt, begreift sich leicht und so wird es verständ¬ 
lich, daß in dem Umfang und der Ausstattung des 
monumentalen Neubaues jener Bedeutung nach Mög*- 
lichkeit Rechnung getragen worden ist. 

Erfreulicherweise pflegen heute solche Festtage 
nicht zu verrauschen, ohne ein literarisches Denkmal 
zu hinterlassen. So verdanken wir auch dieser Hausweihe 
eine vornehm ausgestattete Festschrift*), die Rechen¬ 
schaft gibt über Gegenwärtiges und Vergangenes. Der 
fachmännischen Beschreibung und Würdigung des im¬ 
posanten Neubaues ist ein wertvoller und gediegener 

Aufsatz des 
Herrn Regie¬ 
rungsrats Dr. 
Bammel vor¬ 
ausgeschickt, 
in welchem 
es mit Glück 
unternommen 
wird, die G e - 
schichte der 
preußischen 
Verwaltun g 
im Regie¬ 
rungsbezirk 
Düsseldorf 
einmal in ge- 
drängtemÜber- 
blick zu ver¬ 
gegenwärtigen 
und das bis¬ 
her von der 
Regierungs¬ 
behörde Ge¬ 
leistete zusam¬ 
menfassend zu 
würdigen. 

bisherige Regierungsgebäude in Düsseldorf, 
ein äußerlich nüchterner und im Innern unübersicht¬ 
licher Bau, der im 17, Jahrhundert im engsten Anschluß 


*) Die Schrift wird in einigen Wochen in neuer Auflage im Buch¬ 
handel bei Schmitz & Olbertz in Düsseldorf erscheinen. 































Nr.ll DEUTSCHLAND 523 


an die Andreaskirche errichtet worden war, um den 
Jesuiten und ihren Zöglingen als Heim und Schule zu 
dienen, beherbergte schon seit 1785 eine Regierungs¬ 
behörde. Es war noch die Zeit, da die Länder Jülich und 
Berg zu Pfalzbayern gehörten und da Kurfürst Karl Theodor 
von München aus die Geschicke dieser wichtigen nieder¬ 
rheinischen Gebiete lenkte. Erst die 
Stürme der französischen Revolution 
mußten die Kräfte entfesseln, die 
zu einer völligen Umgestaltung auch 
der rheinischen Verhältnisse führten 
und den Einzug einer preußischen 
Regierungsbehörde in Düsseldorf im 
Gefolge hatten. Die Preussische 
Verwaltung war aber im nördlichen 
Teile des jetzigen Regierungsbezirks, 
im Clevischen Lande, längst heimisch. 

In dem 1816 neu geschaffenen Ober¬ 
präsidialbezirk Jülich-Cleve-Berg war 
daher zunächst auch ein besonderer 
Regierungsbezirk Cleve (mit 
216721 Einwohnern) neben den Re¬ 
gierungsbezirken K ö 1 n (mit 338416 
Einwohnern) und Düsseldorf 
(mit 379902 Einwohnern) bestehen 
geblieben. Den damaligen Um¬ 
fang des Düsseldorfer Regierungs¬ 
bezirks veranschaulicht die der Festschrift beige¬ 
gebene Reproduktion einer Karte von Schlungs vom 
Jahre 1817. Der verhältnismäßig kleine Regierungs¬ 
bezirk Cleve bestand jedoch nur wenige Jahre. Die 
Erwägung, daß die Verwaltungsgeschäfte dieses Bezirks, 
in dem bei überwiegend landwirtschaftlichen Interessen 
ein wesentlicher Bevölkerungszuwachs nicht zu er¬ 
warten war, von Düsseldorf aus geführt werden konnten, 
und Sparsamkeitsrücksichten führten schon 1822 zur 
Vereinigung der Clever und Düsseldorfer Regierung, 
wie auch die Provinzialeinteilung bald vereinfacht 
wurde. Somit ist also die Düsseldorfer Regierung 


die Nachfolgerin der brandenburgisch - preußischen 
Verwaltungsbehörden für das Herzogtum Cleve sowie 
für Geldern und Mörs geworden. 

Wenn der Verfasser es aus diesem Grunde unter¬ 
nimmt, diese ältere Verwaltung zu schildern, so ist das 
nur mit Freude und Dank zu begrüßen, denn gerade 
ein solcher Ueberblick, wie er hier 
gegeben wird, fehlte bisher. Und was 
mehr ist: diese gedrängte Darstellung 
gründet sich auf umfassende Studien 
in den Akten des Düsseldorfer Staats¬ 
archivs, der Regierungsregistratur und 
des Berliner Geheimen Staatsarchivs. 

Vor das Tor der herzoglichen 
Kanzlei im Clever Schloß führt 
uns der Verfasser und zurück ins 
Jahr 1609, in dessen Frühlingstagen 
der Glanz der alten clevischen Dyna¬ 
stie erblich. Als Erbe des letzten 
Herzogs Johann Wilhelm ließ hier 
der Kurfürst Johann Sigismund 
von Brandenburg sein Wappen 
anschlagen und in aller Form Be¬ 
sitz ergreifen. Für lange Zeit blieb 
nun das alte Schloß in Cleve, die 
Schwanenburg, der Sitz der branden- 
burgischen Regierung am Nieder¬ 
rhein. Nicht zu vergessen freilich, daß in den Jahren 
1609 bis 1614, solange der Kurfürst gemeinsam mit 
dem Neuburger Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm 
die Regierung sämtlicher Länder der jülichschen Erb¬ 
schaft führte oder führen ließ, auch im alten Düssel¬ 
dorfer Schloß am Rhein die brandenburger Hofräte 
ihre Amtsräume hatten. Aber diese kurze Episode 
kann kaum in Betracht kommen, da die provisorische 
Teilung der Länder Jülich-Berg und Cleve-Mark eine 
definitive blieb, solange das alte Reich noch bestand. 
So bildete also das Herzogtum Cleve und die seit 1398 
mit ihm vereinigte Grafschaft Mark für nahezu zwei 



Regierungs-Präsident von Pestei 









11*» ^ 


£ 


S .11 






Ansicht von Cleve 

(Nach dem Stiche von Jakob van Biesen 1653, links das Kanzleigebäude) 

























524 DEUTSCHLAND Nr. 11 


Jahrhunderte das eigentliche Feld brandenburgischer 
Verwaltungstätigkeit im Rheinland. 

Seit dem 15. Jahrhundert hatten die Landstände 
in Cleve — neben der Ritterschaft sind hier besonders 
die blühenden Hauptstädte Cleve, Wesel, Emmerich. 
Calcar, Xanten, Rees und Duisburg zu nennen — einen 
maßgebenden und verfassungsmäßig festgestellten Ein¬ 
fluß erlangt, der bei finanziellen Schwierigkeiten der 
Fürsten weiter gestärkt und zur Erlangung wertvoller Privi¬ 
legien ausgenutzt wurde. Es bedurfte der ganzen Zähig¬ 
keit und Ueberlegenheit brandenburgischer Regierungs¬ 
kunst, um die Stände zu gefügigen Mithelfern kurfürst¬ 
licher Politik zu gewinnen. Hatte der brandenburgische 
Statthalter Graf Adam v. Schwarzenberg (1612—1641) 
der Macht der Holländer und den Neigungen der 
Stände noch in die Hände 
gearbeitet, so gelang es 
dem zielbewußten Genie 
des Großen Kurfürsten 
und seinen erstaunlichen 
Kriegserfolgen schließlich 
doch, den Widerstand der 
Stände zu brechen, deren 
Erbitterung durch die un¬ 
aufhörlichen Truppenwer¬ 
bungen und Kriegslasten 
recht begreiflich ist. Drei 
Jahre lang (1646—164Q) 
hatte der Kurfürst selbst 
auf der Schwanenburg resi¬ 
diert und dann die Statt¬ 
halterschaft dem Fürsten 
Johann Moritz von Nassau 
anvertraut. Als dieser 
starb (167Q) war der 
Anschluß des clevischen 
Landes an den Gesamt¬ 
staat so weit gefördert, daß 
man von der Erneuerung 
der Statthalterwürde ab- 
sehen konnte. Als erster 
Präsident trat jetzt der 
Landdrost und General¬ 
wachtmeister von Spaen 
an die Spitze der Re¬ 
gierung (1680 — 1692). 

Eine schwere Zeit war für das clevische Land da¬ 
mals eben überstanden, in der sich die Anhänglichkeit 
der clevischen Bevölkerung an das Haus Brandenburg 
doch bewährt hatte. Zweimal, 1672 und 1679, hatte 
das Vorrücken der Franzosen die Regierung zur Flucht 
aus Cleve genötigt. Brandenburg war nicht imstande, 
das Land vor dem Feinde zu schützen. Die finanziellen 
Kräfte des Landes waren aufs äußerste erschöpft. — 
Für die brandenburgische Regierung galt es nun, nach¬ 
dem der Kriegslärm verstummt war, geordnete finanzielle 
Verhältnisse im Lande herzustellen. Die „Redressierung 
des Kammerstaates" (wir würden Domänen- und Staats¬ 
schuldenreform sagen) war daher jetzt die wichtigste 
innere Angelegenheit des Landes, die nach langen Vor¬ 
arbeiten und Verhandlungen zu einem befriedigenden 
Ende geführt wurde. Durch das Eingreifen der Berliner 


Zentralbehörde war hier eine Verwaltungsarbeit geleistet' 
die den vielfach gebundenen und befangenen ein¬ 
heimischen Beamten kaum gelungen wäre. Die Zentrali¬ 
sierung des preußischen Finanzwesens führte um diese 
Zeit zu einer straffen Unterordnung der clevischen 
Amtskammer unter die Berliner Hofkammer. Mit der 
Einrichtung eines stehenden Heeres verlor die Geld¬ 
bewilligung der Stände ihre sachliche Bedeutung. Im 
Zusammenhang hiermit entwickelte sich ein Kommissariat 
als besonderer Ausschuß der Regierung und schließlich 
(1723) die dem Berliner Generaldirektorium unterstehende 
Kriegs- und Domänenkammer. 

Inzwischen hatte sich das niederrheinische Gebiet 
Brandenburg-Preußens durch die Erwerbung von Ober¬ 
geldern und Mörs beträchtlich erweitert. Beide Länder 

behielten zunächst ihre 
eigenen Behörden, jedoch 
wurde später der Amtsbe¬ 
reich der de vischenKriegs- 
und Domänenkammer auf 
Mörs ausgedehnt. 

Das Kollegial - System 
herrschte bei den deut¬ 
schen Verwaltungsbehör¬ 
den des 18. Jahrhunderts 
allgemein und wurde auch 
in Cleve freudig gepflegt. 
Man schlug sogar vor, die 
jährlichen Rheinstrombe¬ 
reisungen wegen des all¬ 
seitigen dienstlichen Inter¬ 
esses kollegialiter vor¬ 
nehmen zu dürfen, was 
aber von dem spar¬ 
samen Generaldirektorium 
ungnädig aufgenommen 
wurde. Die Kammerpräsi¬ 
denten entstammten meist 
dem auswärtigen Adel. 
1791 wurde der lang¬ 
jährige Kammerpräsident 
von Buggenhagen zum 
Oberpräsidenten für 
Cleve - Mark, Mörs und 
Geldern bestellt. Sein 
großer Nachfolger Frei¬ 
herr vom Stein war seit 1796 Oberpräsident der 
sämtlichen niederrheinisch - westfälischen Provinzen. 
Die Beziehungen, in welche Stein (1788) als Kom¬ 
missar zum cleve-märkischen Landtag getreten war, 
sind für die spätere Reform des preußischen Staats¬ 
wesens von Bedeutung geworden. Das Clever Schloß 
hat Stein in den Jahren 1793 und 1794 bewohnt, in 
dessen Westflügel seit 1731 die Kriegs- und Domänen¬ 
kammer untergebracht war. Diese Räume zwischen 
Schwanen- und Spiegelturm sind später verfallen und 
mit Ausnahme der Arkaden und Galerie abgebrochen 
worden. Das gleiche Schicksal teilten ansehnliche 
Schloßteile auf der Süd- und Ostseite. Das vor dem 
Schloßtore belegene Regierungs- und Kanzleigebäude, 
wo die Regierung auch im 18. Jahrhundert ihre Ge¬ 
schäfte fortführte, wurde erst im Jahre 1805 beseitigt. 









Ansicht des Speisezimmers in der Präsidentenwohnung’ 



Das alte Regierungsgebäude, Hofansicht 





























526 DEUTSCHLAND Nr. II 



Wir müssen es uns versagen, an dieser Stelle die 
sachkundigen und übersichtlichen Ausführungen des 
Verfassers über die Wirksamkeit der Kammer, in denen 
auch die wirtschaftlichen Zustände des Landes eine 
vortreffliche Beleuchtung erfahren, hier näher zu be¬ 
rühren. Was die brandenburgisch-preußische Verwaltung 
am Niederrhein geleistet hatte, kam den Bewohnern 
erst recht zum Bewußtsein, als die französische Erobe¬ 
rung und die Fremdherrschaft über sie hereinbrachen. 
Damals zeigte sich doch, welcher Schatz an preußischem 
Patriotismus sich hier angehäuft hatte. 

Im Jahre 17Q8 wurden das westrheinische Cleve, 
Mörs und Geldern dem französischen Roer-Departement 
zugeteilt; das 
ostrheinische 
Cleve undMark 
kamen 1806 
an den fran¬ 
zösischen Va¬ 
sallenstaat das 
Großherzog¬ 
tum Berg, von 
dem freilich 
schon 1808 
Wesel mit dem 
Land nördlich 
der Lippe abge¬ 
trennt und zu 
Frankreich ge¬ 
schlagen wur¬ 
den.Daßneben 
dem schweren 
Steuerdruck 
und den uner- 
träglichenKon- 
skriptionen die 
französische 
Verwaltungauf 
vielen Gebie¬ 
ten Gutes ge¬ 
wirkt hat, ist 
schon häufig 
betont worden. 

Bammel läßt 
auch diesen 
Verdiensten 
volle Gerech¬ 
tigkeit wider¬ 
fahren, wenn 
er schreibt: „Der mühevollen und einsichtigen Arbeit 
der leitenden französischen Beamten während der Fremd¬ 
herrschaft ist hier, wie anderswo am Rhein, ein ehrendes 
Andenken bewahrt worden. Sie haben, als ein Teil von 
jener Kraft, die das Französische will und das Deutsche 
schafft, die preußische Rheinprovinz vorbereitet." 

Was der Verfasser im dritten Teil seiner Abhand¬ 
lung bietet, ist nicht das Geringste: Eine so vortreffliche, 
gedrängte Zusammenfassung alles dessen zu geben, 
was die Düsseldorfer Regierung im Zeitraum von 1816 
bis 1911 geleistet hat, konnte nur aus der Fülle der 
Sachkenntnis geschehen und nach umfassendem Studium 
der Regierungs-Registratur. Seit der erste Präsident 


der Düsseldorfer Regierung, Ph.v. Pestei (1816—1831), 
hier gewirkt, sind die Aufgaben der Behörde ganz 
eminent gewachsen. Zählte das Kollegium damals (1817) 
außer dem Präsidenten und den Regierungsdirektoren 
15 Mitglieder, so ist jetzt die Mitgliederzahl des Kolle¬ 
giums auf 70 gestiegen. Die außerordentliche Zunahme 
der Geschäftssachen (täglich fast 1000 Eingänge!) hat 
eine starke Vermehrung auch des Bureaupersonals not¬ 
wendig gemacht. 1817 waren insgesamt 55 Subaltern- 
und Unterbeamte tätig; jetzt zählt man 230 dieser 
Beamten. Das politisch bedeutsame Jahr 1866 hat der 
Verfasser als Einschnitt und Grenzpunkt für seine 
Schilderung der Wirksamkeit der Regierung benutzt. 

In dem ersten 
Abschnitt be¬ 
rücksichtigt er 
besonders das 
Kommunal¬ 
wesen, sowie 
die Meliora¬ 
tionen, Deich¬ 
wesen,Wasser- 
und Wegebau, 
Eisenbahnen, 
Industrie und 
Handwerk, Po¬ 
lizei-, Gefäng¬ 
nis-, Kirchen-, 
Schulwesen, 
die Domänen, 
Forsten und 
Steuern. Die 
große wirt- 
schaftlicheEnt- 
wicklung am 
Niederrhein, 
die erst durch 
die Begrün¬ 
dung der na¬ 
tionalen Ein¬ 
heit ermög¬ 
lichtwurde, hat 
in Verbindung 
mit der staat¬ 
lichen Verwal- 
tungs - Reform 
das Arbeitsfeld 
und die Eigen¬ 
art der Regie¬ 
rungsbehörde sehr beträchtlich verwandelt. War auch 
die gewerbliche Tätigkeit von jeher im Bezirk vor¬ 
herrschend gewesen, so wurde doch erst durch die 
wirtschaftliche Gesetzgebung des neuen Reiches die 
Bahn frei für die gesteigerte Ausbeutung der Kohlen¬ 
schätze, die eine neue industrielle Epoche heraufgeführt 
hat. Mit der Ausdehnung des Kohlenbergbaues hielt 
diejenige der Eisenindustrie und Gußstahlfabrikation 
gleichen Schritt. Textil- und Kleineisengewerbe haben 
an Umfang zugenommen; die chemische Industrie hat 
sich den Weltmarkt erobert; die Industrie des Nieder¬ 
rheins überhaupt ist gewissermaßen zum Gradmesser 
der wirtschaftlichen Lage Deutschlands geworden. 


Ult 


Ansicht des Hauptportals 

































































528 DEUTSCHLAND Nr. 11 



Bei den also gesteigerten Aufgaben und dem hier¬ 
durch stetig wachsenden Personal der Regierungs¬ 
behörde wurde es für dieses allmählich nachgerade 
unmöglich, in den alten Räumen des ehemaligen 
Jesuitenkollegs an der Mühlenstraße auszukommen. Um¬ 
bauten und Erweiterungsbauten haben zwar in den 
Jahren 1882, 18Q1 und 1900 stattgefunden, konnten 
aber auf die Dauer nicht helfen. Das Ganze war da¬ 
durch nur noch 
unübersicht¬ 
licher gewor¬ 
den. Manche 
Zimmer des 
älteren Baues 
hatten nur eine 
Grundfläche 
von 4 — 5 Qua¬ 
dratmetern! So 
war es er¬ 
klärlich, daß 
alles daran ge¬ 
setzt wurde, 
dieser Regie¬ 
rung ein Haus 
zuschaffen,daß 
Licht und Luft 
verhieß und 
bessere Erwei¬ 
terungsmög¬ 
lichkeiten bot. 


* * 

* 

Am Rhein- 
ufererhebtsich 
imposant und 
wuchtig, der 
lang ersehnte 
Neubau der 
„Regierung". 

Die gewaltige 
Front ist dem 
schönen Strom 
zugewandt, auf 
welchem die 
langen Schiffs¬ 
züge fahren 
zum Oberland 
und zum Meer. 

Nicht in einen 
stillen Hof — 
auf den gewal- 
tigenWeltver- 
kehr blicken 

seine Insassen, Ansicht der 

wenn sie von der Arbeit aufschauen. Das gibt neue 
Gedanken und schärft den Blick. 

ln den Formen eines gemäßigten Barock ist dieser 
Bau ausgeführt worden. Man hat wohl bemängelt, daß 
gerade diese Stilart ohne ausgiebige Verwendung von 
echtem Material, wenigstens an der Hauptfassade, schwer 
zur rechten Geltung zu bringen sei. Anderen haben 
die hohen Dachaufbauten nicht gefallen. Auch wurde 
hervorgehoben, daß der einheitliche Charakter des Bau¬ 


werkes durch die aus Zweckmäßigkeitsgründen vorge¬ 
nommene Verbindung des Hauptgebäudes mit der 
Dienstwohnung des Präsidenten zerrissen worden sei. 
Aber es ist ja eine bekannte Tatsache, daß es ungemein 
schwer ist, mit einem solchen Bau, der doch in erster 
Linie seinem Zweck genügen soll, alle Kritik zum 
Schweigen zu bringen. Es ist daher auch mit Recht 
betont worden, daß besonders der monumentale Mittel¬ 
bau mit seinem 
reichen Portal 
und den durch 
3 Stockwerke 
gehenden ö 
korinthischen 
Säulen, welche 
einen flachen 
Frontgiebel mit 
reichem plasti- 
schenSchmuck 
tragen, von 
starker, großer 
Wirkung ist 
und daß das 
ganzeGebäude 
auch in künst¬ 
lerisch - reprä¬ 
sentativer Be¬ 
ziehung das 
bietet, was in 
Rücksicht auf 
die beschränk¬ 
ten Mittel (3V2 
Millionen) zu 
erreichen war. 

DerSchöpfer 
des monumen¬ 
talen Baues, 
Herr Regie¬ 
rungs-und Bau¬ 
rat von Saltz- 
wedel, hat 
über sein Werk 
in der Fest¬ 
schrift ein¬ 
gehenden Be¬ 
richt erstattet, 
erläutert durch 
eine Reihe von 
Abbildungen 
(nach Photo¬ 
graphien von 
Dr. E. Queden- 
Millelhalle feld, Düssel¬ 

dorf), von denen wir hier einige besonders charakte¬ 
ristische zu reproduzieren ermächtigt worden sind. 
Der erste Entwurf zu dem Bau stammte vom ver¬ 
storbenen Baurat Schmalz. Zur Erzielung größerer 
Einfachheit mußte er aber durch v. Saltzwedel, der 
1906 mit der Bauleitung betraut wurde, ganz von 
neuem durchgearbeitet werden. Die Grundrißanordnung 
für das Geschäftsgebäude wurde zwar im allgemeinen 
beibehalten, da sie durch die Form des Grundstückes 



















Nr. 11 DEUTSCHLAND 529 


von vornherein gegeben war. Die Anordnung der 
Treppen wurde dagegen wesentlich geändert und vor 
allem die Architektur gänzlich umgearbeitet. Im Januar 
1907 konnte mit der Ausarbeitung der eigentlichen Bau¬ 
zeichnungen und mit der Vergebung der ersten Arbeiten 
und Lieferungen begonnen werden. Da die Boden¬ 
untersuchungen einen recht ungünstigen Befund ergaben, 
wurde die Gründung auf Betonpfählen mit Eisenein¬ 
lagen, auf denen die ebenfalls in Beton mit Eisenein¬ 
lagen eingestampften Fundamente ruhen, als die zweck¬ 
mäßigste und billigste Gründungsart gewählt. Zu diesen 
Arbeiten sind insgesamt 1200 Eisenbetonptähle ver¬ 
wandt worden, die zusammen eine Länge von 11 Kilo¬ 
meter ausmachen. Im übrigen wurden für den Bau, 
dessen Fläche 5300 Quadratmeter beträgt, über sechs 
Millionen Ziegel, 3600 Kubikmeter Granit und Sandstein, 
7000 Kubikmeter Mauersand, 3900 Kubikmeter Kalk, 
100 Waggon Zement, für das Dach 650 Kubikmeter 
Holz verwandt. Für eine spätere Erweiterung ist in der 
Weise Bedacht genommen, daß durch Abtrennung zweier 
kleiner Lichthöfe von den großen Seitenhöfen in der 
Flucht der hinter der großen Halle befindlichen Räume 
zwei Flügel zwischengebaut werden können. 

Um an bebauter Fläche zu sparen, sind vier Ge¬ 
schosse zu 4,30 Meter Höhe angeordnet worden. Daraus 
ergab sich die Notwendigkeit, außer den vier elektrisch 
betriebenen Aktenaufzügen zwei Personenaufzüge einzu¬ 
bauen. Die Beleuchtung geschieht in den Bureaus, 
Zeichen- und Sitzungssälen durch elektrisches Licht. 


Das Präsidenten-Wohngebäude ist, wie erwähnt, 
direkt mit dem Hauptgebäude verbunden. Das erste 
Stockwerk enthält die Wohn- und Gesellschaftsräume, um 
eine Diele gelagert; von diesen Räumen ist das Speise¬ 
zimmer auf fiskalische Kosten als Repräsentationsraum 
vollständig, auch mit Möbeln,Vorhängen u. a. ausgestattet. 

Bei der Gestaltung der Außenansichten mußte auf 
die freie Lage des Gebäudes Rücksicht genommen und 
bei der Ausdehnung des Hauptgebäudes von 115 Metern 
darauf gesehen werden, die lange Dachfirstlinie durch 
Aufbauten zu beleben. So wurde der Mittelbau weit 
herausgehoben und mit einem Dachreiter gekrönt, auf 
dessen Spitze ein mächtiger kreisender Adler (eine vor¬ 
zügliche Schöpfung von Josef Körschgen) seine Fittiche 
ausbreitet. Auch die Eckrisalite wachsen mit ihren turm¬ 
artigen ausgebildeten Dachspitzen über die Firstlinie 
hinaus. Nur diese besonders hervorzuhebenden Bau¬ 
teile zeigen reichere Architektur und eine durchgehende 
Sandsteinverkleidung, während im übrigen nur Fenster- 
und Türumrahmungen sowie Gesimse und Unterbau 
aus Hausteinen bestehen. 

Im Innern herrscht größte Einfachheit. Nur auf 
Dauerhaftigkeit und Zweckmäßigkeit wurde Bedacht ge¬ 
nommen. Reicher ausgebildet sind die große Halle mit den 
anstoßenden Haupttreppen und der Plenarsitzungs¬ 
saal, die durch Verwendung von Marmor, Stuck, Bild¬ 
hauer-Arbeiten (von Jos. Körschgen und Herrn. Nolte) 
und Gemälden (von Professor Ad. Münzer) als Repräsen- 
tations-Rräume gekennzeichnet sind. — Zur künstleri¬ 
schen Ausschmük- 
kung einzelnerSäle 
und des Speise¬ 
zimmers in derPrä- 
sidenten-Wohnung 
sind von Düssel¬ 
dorfer Malern M. 
Clarenbach, H. Her¬ 
manns, Jos. Kohl¬ 
schein d. J. und 
der Bildhauer Jos. 
Körschgen heran¬ 
gezogen worden. 
Von Nolte und 
Zieseniß stammen 
die vier Reliefs (die 
Elemente) in der 
Kuppel der großen 
Halle. Dem Kom¬ 
merzienrat August 
Freih. v. d. Heydt 
(Elberfeld)verdankt 
der Bau die Bronze¬ 
büste des Staats¬ 
ministers Ober¬ 
präsidenten Freih. 
V. Rheinbaben auf 
Marmorsockel von 
der Hand des Bild¬ 
hauers B. Hoetger 
(Köln). Nach dem 
Entwurf desGarten- 
direktors Freiherrn 



Ansicht des Plenarsitzungs- und Festsaales 


























530 I« 


DEUTSCHLAND Nr. 11 


V. Engelhardt ist der Garten am Präsidenten-Wohnge¬ 
bäude von dem Kunstgärtner Hoemann angelegt worden. 

Mag der stattliche Bau an des Rheines Ufern auch 
kein Markstein sein in der Entwicklungsgeschichte der 
Architektur, so bildet er doch für die architektonische 


Ausstattung unserer Rheinfront ein bedeutendes, ja be¬ 
herrschendes Glied und ersetzt, wie Herr Regierungs¬ 
präsident Kruse sagte, das „Schloß am Rhein". 

„Stark und schön steht er zur Schau; 
hehrer, herrlicher Bau"I 


Kreuz und quer durch Stadt und Land. 


Der Renatabrunnen in Hildesheim. 

Vor kurzem ist in der alten Bischofs- und Hansestadt 
Hildesheim, deren alte Kunstschätze in dieser Zeitschrift 
wiederholt durch Wort und Bild gewürdigt worden sind, 
ein neues Denkmal enthüllt worden: der am Ende der 
Sedanstraße inmitten reizvoller, vom städtischen Garten¬ 
inspektor Staehle geschaffenen gärtnerischen Anlagen 
stehende Renatabrunnen. Dieser vom Fabrikanten 
Gustav Fränkel der Stadt geschenkte Brunnen ist ein 
Werk des Bildhauers Paul Juckoff (Skopau). Gebildet 
wird der Brunnen durch eine architektonische Rückwand, 
deren seitliche Pfeiler Reliefs tragen, die Szenen aus der 
Hildesheim verherrlichenden Dichtung „Renata" von 
Julius Wolff darstellen. Den Mittelpunkt bildet die über¬ 
lebensgroße Bronzefigur der Renata (den von ihr ge¬ 
schaffenen Maigrafenbecher betrachtend) auf einem 
Sockel, der das Reliefporträt Julius Wolffs als Schöpfers 
der Dichtung „Renata" trägt. An der Rückwand sind zu 
beiden Seiten des Sockels sechs Wasserspeier angebracht, 
die demvorgelagertenWasserbecken dasWasser zuführen. 


Der Bildhauer Juckoff (Skopau), am 2. August 1874 
zu Merseburg geboren, Sohn eines Baumeisters, erlernte 
zuerst zwei Jahre hindurch die Holzbildhauerei und 
widmete sich dann der Stein- und Marmorbildhauerei, 
bildete sich auch in Ateliers für Kirchenornamente und 
Paramente zu Luxemburg, Paris und Lyon, besuchte zu¬ 
letzt noch die Kunstakademie zu Leipzig und siedeltelQOl 
nach Skopau bei Merseburg über, wo er ein Privatatelier 
aufschlug, woneben er noch ein zweites Atelier für Marmor¬ 
arbeiten in Halle a. d. S. hat. Die hervorragendsten Schöp¬ 
fungen seiner etwa zehnjährigen Künstlertätigkeit sind 
das Denkmal des 1809 in Wesel erschossenen Schillschen 
Leutnants v. Wedell, ein Zierbrunnen für Weißenfels, ein 
Christus für die Pauluskirche in Halle a. d. S. ein 
König-Heinrichs - Brunnen für Merseburg, Luther- und 
Gustav-Adolf-Standbilder für Weißenfels, Christus- und 
Paulus-Statuen für Dorstfeld bei Dortmund, ein Marmor- 
Reliefporträt der Kaiserin Auguste Victoria (nach der 
Natur modelliert für das Portal der Kinderheilstätte in 
Halle a. d. S.), Monumentalbrunnen für Stendal und 
Schönebeck und ein Bismarck-Denkmal für Halle a. d. S. 





Der vom Bildhauer Juckoff-Skopau geschatfene Renatabrunnen in Hildesheim 








Nr. 11 DEUTSCHLAND 531 


Veränderungen im Präsidium des Norddeutschen Lloyd. 




Geo Plate. 

Zu seinem Rücktritt von dem Präsidium des 
Norddeutschen Lloyd. 

Kaum sechs Monate sind seit dem Tage ver¬ 
flossen, an welchem Geo Plate vom Präsidium der 
Bremer Baumwollbörse zurückgetreten ist. Nunmehr 
hat ein bedauerlicher Unfall, der den Verlust des linken 
Auges zur Folge hatte, 

Herrn Plate bestimmt, 
auch das Präsidium des 
Norddeutschen Lloyd 
niederzulegen. 

Fast ein Viertel¬ 
jahrhundert hat Geo 
Plate dem Aufsichts¬ 
rat des Norddeutschen 
Lloyd angehört. Am 
15. April 1887 trat er 
in den Aufsichtsrat ein, 
am 23. April 1892 über¬ 
nahm er als Nach¬ 
folger des damals an 
der Spitze stehenden 
Friedrich Reck den 
Vorsitz. Seinem Ein¬ 
fluß ist es hauptsäch¬ 
lich zu verdanken, daß 
an die Stelle des 
kurz vorher verstor¬ 
benen Direktors Loh¬ 
mann, entgegen den 
bisherigen Gepflogen¬ 
heiten des Norddeut¬ 
schen Lloyd, Dr. Heinr. 

Wiegand mit der 
geschäftlichen Leitung 
des Lloyd beauftragt 
wurde. Mit dieser Be¬ 
rufung Wiegands, mit 
der Uebernahme des 
Vorsitzes im Aufsichts¬ 
rat durch Geo Plate be¬ 
gann eine neue Epoche 
in der Geschichte des 
Norddeutschen Lloyd, 
die das Unternehmen 
aus dem eigentlichen 
Rahmen einer Er¬ 
werbsgesellschaft weit 
hinaus zu der Bedeu¬ 
tung eines ganz außer¬ 
ordentlich wichtigen 
Faktors im deutschen 
Staatsleben und zu 
einemSchwergewichtin 
den internationalen Be¬ 
ziehungen aller Länder 
erhob. In ungetrübtem 
Zusammenwirken mit 


Wiegand und nach dessen Tode mit Heineken ist es 
Plate gelungen, in rastloser Arbeit, durch umfassende 
Großzügigkeit, durch volles Verständnis für die Regungen 
des Weltverkehrs und die Entfaltung der richtigen in 
diesem Weltverkehr erforderlichen Mittel, dem Lloyd 
eine in der ganzen Welt geachtete und anerkannte 
Stellung zu geben. — Die Bedeutung, welche der Nord¬ 
deutsche Lloyd unter 
Plates Präsidentschaft 
gewonnen hatte, die 
Anerkennung seiner 
umfassenden organisa¬ 
torischen Befähigung, 
führten im Jahre 1889 
zu der von französischer 
Seite beantragten Be- 
rufungPlates in denVer- 
waltungsrat der Suez¬ 
kanal-Gesellschaft und 
in demselben Jahre zur 
Berufung in den Auf¬ 
sichtsrat der Deutschen 
Bank in Berlin. Die 
Erkenntnis, daß solche 
Aufgaben das Ein¬ 
setzen der ganzen Per¬ 
sönlichkeit erforder¬ 
ten, bewog Geo Plate, 
namentlich auch mit 
Rücksicht auf den zu¬ 
nehmenden Geschäfts¬ 
umfang des Norddeut¬ 
schen Lloyd, im Jahre 
1900 sich von allen 
Privat-Geschäften zu¬ 
rückzuziehen und die 
Firma Gebrüder Plate 
seinem Bruder allein zu 
überlassen. Er hat seit¬ 
dem seine ganze Kraft 
der Präsidentschaft des 
Norddeutschen Lloyd, 
der Bremer Baumwoll¬ 
börse und der Suez¬ 
kanal-Gesellschaft ge¬ 
widmet und deren Inter¬ 
essen unter Einsetzung 
seiner ganzen Person 
mit der ihm eigenen 
Energie und Initiative 
mit großem Erfolge 
vertreten. 

Plate war der dritte 
Vorsitzende des Auf¬ 
sichtsrats des Nord¬ 
deutschen Lloyd seit 
seiner Gründung vor 
nunmehr 54 Jahren. 
H.H.Meier, der Gründer, 


Fritz Achelis, Präsident des Norddeutschen Lloyd 


Geo Plate, bisheriger Präsident des Norddeutschen Lloyd 










532 DEUTSCHLAND Nr. 11 


hatte dieses Amt von 1857—1888 inne, ihm folgte von 1888 
bis 1892 Friedrich Reck, und dann ging das Präsidium 
auf Herrn Geo Plate über, einen Mann, dem der Lloyd 
sowohl wie Deutschland außerordentlich viel verdanken. 
Seit April 1899 führte er den Titel Präsident des Nord¬ 
deutschen Lloyd. 

Der Rücktritt Plates vom Präsidium des Norddeutschen 
Lloyd und der Bremer Baumwollbörse bedeutet für beide 
Institute den Abschluß eines 
inhaltreichen Zeitabschnitts, 
den in seinem ganzen Um¬ 
fange nur die zu würdigen 
vermögen, denen es ver¬ 
gönnt gewesen ist, ihn mit 
Plate zu durchleben und 
Schulter an Schulter mit ihm 
in gemeinsamer Arbeit zu 
wirken. So werden denn 
auch weite Kreise, an erster 
Stelle aber derNorddeutsche 
Lloyd, Herrn Plate nur mit 
Bedauern aus dem öffent¬ 
lichen Leben scheiden sehen 
und seiner großen Ver¬ 
dienste allezeit in Dankbar¬ 
keit gedenken. 

Fritz Achelis. 

Der neue Präsident des Nord¬ 
deutschen Lloyd. 

Fritz Achelis, am 3. März 
1840 in Bremen geboren, 
blickt auf eine 34jährige 
Wirksamkeit im Aufsichtsrat 
des Norddeutschen Lloyd 
zurück. Sein Eintritt erfolgte 
im Jahre 1877, die Be¬ 
rufung zum Vizepräsidenten 
des Lloyd im Jahre 1898. 

Zum Präsidenten wurde er 
am 21. September 1911 als 
Nachfolger des langjährigen 
Präsidenten Geo Plate vom 
Aufsichtsrat gewählt. — In der seit fast zwei Jahr¬ 
zehnten inne gehabten Stellung als Vizepräsident des 
Lloyd hatte Achelis häufig Gelegenheit, den Lloyd 
bei wichtigen Anlässen nach außen hin zu vertreten. 
Seit dem 1. Januar 1882 Mitglied der bremischen Bürger¬ 
schaft und seit einer Reihe von Jahren Mitglied des 
Bürgeramts, wurde Achelis zu mannigfaltigen Ehren¬ 
ämtern berufen. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrats 
der Deutschen Nationalbank, Kommanditgesellschaft 
auf Aktien, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Spar¬ 
kasse in Bremen, Vorstandsmitglied der Schiffbautech¬ 
nischen Gesellschaft in Berlin und Aufsichtsratsmitglied 


einer Reihe von industriellen Unternehmungen, sowie 
der Orientbank und der Neu-Guinea-Bank in Berlin. 

Konsul H. A. Nolze. 

Vizepräsident des Norddeutschen Lloyd. 

An die Stelle des bisherigen Vizepräsidenten, Herrn 
Achelis, ist Herr Konsul H. A. Nolze zum Vizepräsi¬ 
denten des Norddeutschen Lloyd gewählt worden. Herr 

Nolze ist eine in Schiffahrts¬ 
kreisen weit bekannte und 
sehr geschätzte Persönlich¬ 
keit. Er wurde im Jahre 1854 
in Bremen als Sohn eines 
Schlossermeisters geboren, 
besuchte die Realschule und 
trat im Jahre 1869 als 
Lehrling in das Tabak- und 
Reederei-Geschäft von J. H. 
& C. Niemann in Bremen ein. 
Nach beendigter Lehrzeit und 
Absolvierung der Dienstzeit 
fand er im Jahre 1874 An¬ 
stellung bei der Dampfschiff¬ 
fahrts-Gesellschaft ,NeptunL 
Im Jahre 1882 wurde er von 
seiner Gesellschaft zum Pro¬ 
kuranten und im Jahre 1885 
zum Direktor bestellt, wel¬ 
chen Posten er noch heute 
bekleidet. Die Dampfschiff¬ 
fahrts-Gesellschaft „Neptun" 
hat unter Nolze's Leitung 
einen großen Aufschwung 
genommen, was am besten 
durch die gewaltige Zunahme 
der Zahl der Schiffe illustriert 
wird. Die Flotte bestand im 
Jahre 1885 aus 14 Dampfern, 
sie ist gegenwärtig auf 74 
Dampfer angewachsen. Von 
Beginn seiner geschäftlichen 
Tätigkeit an hat Nolze be¬ 
sonderes Interesse für die 
Reederei an den Tag gelegt. Neben seiner umfang¬ 
reichen Arbeit für den „Neptun" ist er seit 10 Jahren 
Mitglied des Aufsichtsrats des Norddeutschen Lloyd. 
Ferner gehört er seit längerer Zeit dem Aufsichtsrat 
des Germanischen Lloyd in Berlin und des Deutschen 
Reederei-Vereins in Hamburg an. Mehrere Jahre hatte 
er das Präsidium des Zentralvereins deutscher Reeder 
inne. Im März 1908 wurde Nolze, der seit 1905 Kgl. 
Württbg. Konsul für Bremen ist, durch das Vertrauen 
seiner Mitbürger zum Präsidenten der bremischen 
Bürgerschaft gewählt, welches Amt er fast drei Jahre 
lang verwaltet hat. 



Konsul H. A. Nolze, 

Vizepräsident des Norddeutschen Lloyd 


Das Luftschiff Schütte-Lanz 

In der Niederung zwischen dem Mannheimer Rheinauhafen wurde zum ersten Male von einem größeren Kreis geladener 
und dem Dorf Brühl an der Strecke Mannheim—Schwetzingen Gäste das Luftschiff in Augenschein genommen. Ein Aufge¬ 
steht die große Luftschiffhalle, in welcher ein neuer Luftriese, bot von Militär- und Feuerwehrmannschaften war für den Fall 
das Luftschiff Schütte-Lanz gebaut wurde. Am 14. Oktober anwesend, daß das Luftschiff aus der Halle gebracht und seine 









Nr. 11 DEUTSCHLAND 533 


erste Ausfahrt antreten sollte. Indessen wehte vom Rhein 
herüber eine sehr kräftige Brise. Man sah deshalb von einem 
Aufstieg ab, zumal die Wetterberichte aus nah und fern wenig 
günstig lauteten. Prof. Schütte erklärte den geladenen Gästen 
die Konstruktion und ließ dann die 270pferdigen Motore 
laufen. Seiner Konstruktion nach gehört der „S L P' zu dem 
starren System. Das 
von einem ockergelben 
Ballonstoff umspannte 
Gerippe besteht aus 
Holz und hat eine 
Länge von 130 Metern, 
einen Durchmesser 
von 18 Metern und 
einFassungsvermögen 
von 20000 Kubik¬ 
metern. Die Gondel¬ 
aufhängung ist un¬ 
starr; die Gondeln 
hängen an Seilen, und 
zwar hat Prof. Schütte 
diese Art der Ver¬ 
bindung gewählt, um 
bei Landungen den 
Stoß zunächst durch 
die Gondel abzu¬ 
schwächen, ohne daß 
er direkt auf den Luft¬ 
schiff-Körper über¬ 
tragen wird. Zunächst sind 2 Gondeln montiert, eine dritte, da¬ 
zwischenliegende, ist als Passagiergondel gedacht. Ferner sind 
für militärische Zwecke vorgesehen, zwei Plattformen für Be¬ 
obachtungsposten und Militärbesatzung, Maschinengewehre 
usw. — Am 17. Oktober ist das Luftschiff zum ersten Male auf¬ 
gestiegen. Es wurde um 4 Uhr 50 Min. aus der Halle gebracht. 
In der Führergondel befanden sich Prof. Schütte, Astronom 
Helffrich, Assistent 
an der Heidelberger 
Sternwarte, der Führer 
Hauptmann v. Müller 
sowie Ingenieure und 
Monteure. Auch in 
der anderen Betriebs¬ 
gondel befanden sich 
fünf Personen. Um 
5 Uhr 21 Min. stieg 
das Luftschiff unter 
den Hochrufen einer 
zahlreichenZuschauer- 
menge in die Höhe. In 
etwa 120 m Höhe an¬ 
gekommen, beschrieb 
das Luftschiff einen 
Bogen und schlug 
darauf eine westliche 
Fahrt-Richtung ein. 

Gegen 6 Uhr 30 Min. 
lief dann die Nachricht 
bei der Luftschiffwerft ein, daß das Schiff in der Nähe von 
Speyer eine Zwischenlandung vorgenommen habe. Professor 
Schütte machte über die Gründe der Landung folgende Mit¬ 
teilung: „Wir sind hier nach sehr schöner Fahrt auf freiem 
Felde auf einer Stelle gelandet, die wir uns selbst ausgesucht 
haben. Es war eine sog. Notlandung, weil wir bemerkten, daß 
an der hintern Steuerleitung wahrscheinlich etwas schadhaft 


war. Das Luftschiff kampiert auf freiem Felde. Zur Hilfeleistung 
ist eine Kompagnie Pioniere aus Speyer herangezogen 
worden. Das Schiff haben wir in der üblichen Weise mit 
Hilfe eingegrabener Ackerwagen verankert. Zur Verankerung 
haben wir Stahltrossen und Seile verwandt. Die Landung 
ging so glatt von statten, daß das Schiff in keiner Weise be¬ 
schädigt wurde. Auch 
die Fahrt verlief sehr 
schön. Die Höhen¬ 
steuer haben vorzüg¬ 
lich funktioniert und 
wir haben eine Höhe 
von 250 m erreicht. 
Bei der Landung haben 
wir die Ventile ge¬ 
zogen. Es muß also 
morgen Gas nachge¬ 
füllt werden. Wenn 
dies geschehen und der 
kleine Schaden in der 
Steuerung behoben ist 
und das Wetter aus¬ 
hält, werden wir nach 
der Halle zurück- 
fahren.“'' Am Vormit¬ 
tag des 1. November 
führte der neue Luft¬ 
kreuzer seine erste 
Fahrt überMann- 
h e i m aus, an welcher sich u. a. Herr Dr. Carl Lanz, Herr Prof. 
Schütte und Herr Hauptmann von Müller, letzterer als Führer, 
beteiligten. Dieser bedeutungsvolle Aufstieg ist durch unsere 
Illustration feslgehalten. Das Wetter war besonders prächtig, 
das Firmament wolkenlos, tiefblau der Himmel. Diese erste 
Fahrt über der Rhein-Neckarstadt verlief in gradezu bewun¬ 
derungswürdiger Weise und hat sicher auch bisherige Nörgler 

zu Enthusiasten ge¬ 
macht. Der Führer des 
majestätischen Luft¬ 
riesen, Herr Haupt¬ 
mann von Müller, hat 
mehrere Aufnahmen 
von der Stadt gefer¬ 
tigt, die wir gleichfalls 
wiedergeben. — Der 
„MannheimerGeneral- 
Anzeiger" schließt sein 
Referat mit folgenden 
Worten, denen auch 
wir uns anschließen: 

„So kann der Er¬ 
bauer des stolzen Luft¬ 
fahrzeuges, Herr Dr. 
Karl Lanz, mit dem 
genialen Konstrukteur, 
Herrn Prof. Schütte, 
mit stolzer Befriedi¬ 
gung auf die Ergeb¬ 
nisse dieser erfolgreichen Fahrt zurückblicken. Wir wissen, 
daß es der sehnlichste Wunsch des Herrn Dr. Lanz war, den 
Mannheimern sein Luftschiff vorzuführen. Dieser brennende 
Wunsch ist nun in einer wirklich imponierenden Weise er¬ 
füllt worden. Mögen sich an diese erste Fahrt über Mann¬ 
heim noch recht viele ebenso erfolggekrönte anschließen 
zum Ruhme der Firma Lanz und der Stadt Mannheim." 



Luftschiff Schütte-Lanz I 



Mannheim vom Luftschiff Schütle-Lanz aus gesehen 










□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 





Luftschiff Schütte-Lanz über Mannheim 



Zweite Tagung des Weltkongresses der Hotelbesitzer im Abgeordneten-Haus zu Berlin am 16. Oktober 19TT 

(Vergleiche Artikel im wirtschaftlichen Teil dieser Nummer) 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 














Nr. 11DEUTSCHLAND 


535 


Der berühmte Erfinder 

Thomas A. Edison 




besuchte kürzlich die Stadt Dresden. Unser Bild zeig^ Edison im 
Kreise seinerFamilienangehörigen, von denen die jüngsteTochter 
die Amerika-Nummer der ^^Deutschland" auf der Photographie 
verewigen ließ. Auf dem 2. Bild finden wir Edison im Gespräch 
mit Direktor Ronnefeld auf der Terrasse des Hotels Bellevue. 




Photogr.: F. Mielert, Sprottau 



Zwei originelle Wegweiser 

finden sich in der Nähe des Badeortes Warmbrunn im schle¬ 
sischen Riesengebirge. Der eine stellt einen im Getreidefelde 
stehenden, seine Sense schleifenden schlesischen Landmann 
dar. Die Sense trägt in schlesischem Dialekt die Aufschrift: 
No Gierschdurf, ene Schtunde (Nach Giersdorf, eine Stunde). 
Der andere Wegweiser befindet sich auf dem Wege nach der 
Füllner-Kolonie bei Warmbrunn und stellt einen im Wiesen¬ 
grase stehenden ländlichen Schulbuben vor, auf dessen Schiefer¬ 
tafel die Wegweisung geschrieben ist. Die Arme der gut 
geschnitzten und buntbemalten Holzfiguren zeigen nach der 
entsprechenden Wegerichtung. F. Mielert, Sprottau. 


EigenartigeWegweiser. 
(Siehe nebenstehende Notiz.) 



Photogr.: F. Mielert, Sprottau 




















536 DEUTSCHLAND Nr. II ' 


An unsere Leser! 


Mit Genugtuung können wir feststellen, dass die Zeitschrift „Deutschland“ 
sich nicht nur als gediegene Fachzeitschrift in den Kreisen der Verkehrs-Vereine, 
Stadt-, und Kurverwaltungen etc. allgemeiner Wertschätzung erfreut, sondern 
auch in Privatkreisen, Schulen, öffentlichen Bibliotheken usw. als interessante 
und reichhaltige Familienzeitschrift in weite Kreise Eingang findet. Besonders 
ist es der reiche, in seiner vornehmen, künstlerischen Reproduktion unüber¬ 
troffen dastehende Bildschmuck, der uns mit jedem Tage neue Freunde von 
Heimatkunde und Heimatliebe zuführt. — 

Einer freundlichen Anregung aus unserem Leserkreise entsprechen wir 
hiermit gerne, indem wir zur Verwendung 

für den Weihnachtstisch == 



einen Gutschein zum Bezug unserer Zeitschrift für ein ganzes Jahr (nebst Ein¬ 
banddecke) hersteilen Hessen. Ein Jahrgang der „Deutschland“ mit hunderten 
von interessanten Illustrationen aus allen deutschen Gebieten dürfte ein sehr 
sinniges und Jedermann willkommenes Weihnachtsgeschenk darstellen. Der 
Empfänger eines solchen Gutscheines, der geschmackvoll ausgestattet ist, kann 
den Beginn des Abonnements 
nach Belieben wählen. 

Der Preis des Gutscheines 
für einen ganzen Jahrgang 
(15 Nummern) einschliesslich 
Einbanddecke (siehe neben¬ 
stehende Abbildung) beträgt 
Mk. 7.50. Bestellungen wolle 
man baldigst an den Unter¬ 
zeichneten Verlag richten. — 


DÜSSELDORF 

Postfach 444. 


Verlag der Zeitschrift 
„DEUTSCHLRMD« 

Zeitschrift für Heimatkunde und 
Heimatliebe. = Organ für die 
deutschen Verkehrs-Interessen. 


Einbundticckc /um I. Julirgang der „Üeulschlund“. 


































Pun5 ®0rft0ljrs=®0r0in(? 

Scohcfucß^äonto: Xcipzig^ 10034 !. 

^an^Aonto: Stll^cmcim 3)a>uhcA9> M^zbiianttaU^ 

SlSUilun^ (Bo.^ Xcipzi^y c6a««3^xajdc. Xctpit^, bctt 4. November 1911. 

®eli^äffa)Iene: 

„]|anlrelar|0f‘s Baldimarltf. 

3f«rttftnrfrfpt 6845 

An 

den Verlag der Zelteohrift .Deateohland*, 

Düsseldorf. 


In der Sitanng des Qesamtvorstandes vom 6.-8. Oktober ds. 
Js. fanden bei der eingehenden Debatte über unser Bandesorgan 
,Deutschland* die hervorragenden Leistungen dieser Zeitschrift 
allseitige Anerkennung. Es wurde gleichzeitig betont, daü es 
angesichts dieser Leistungen und Aufwendungen von Redaktion und 
Verlag eine Ehrenpflicht für alle Bandesmitglieder sei, für di^ 
Förderung und Verbreitung der „Deutschland* mit allem Nachdruck 
einzutreten. Der geschäftsführende Ausschuß wurde beauftragt, 
dem geschätzten Verlag der „Deutschland* den Dank des Qesamt- 
vorstandes auszusprechen. 

Wir beehren uns, diesem Auftrag mit besonderer Freude hier 
durch nachzukommen, und beglückwünschen zugleich den Verlag zu 
den bisherigen Erfolgen. 

Mit vorzüglicher Hochachtung 


cB m/vv 3 ^(lA^XocS^^eA/ 

fl/MoacA/MOO. 









538 DEUTSCHLAND (»^80886^^66666686666666® Nr. II 



WIRTSCHAFTLICHER TEIL 



Förderung des Reiseverkehrs auf den deutschen Bahnen. 


Die Heranziehung des Fremdenverkehrs aus dem Ausland 
nach Deutschland und die planmässige Belebung des alliJemeinen 
Reiseverkehrs im deutschen Inland leiden bisher unter dem 
Mangel, dass es an den zu einer einheitlichen und zielbewussten, 
auf die Förderung des Gesamtverkehrs im Deutschen Reich 
gerichteten Werbetätigkeit erforderlichen Mitteln fehlt. Dieser 
Mangel hemmte auch bisher den Bund Deutscher Verkehrs- 
Vereine, in der vollen Entfaltung seiner Tätigkeit zur Förderung 
des Deutschen Verkehrs. Die von den einzelnen deutschen 
Eisenbahnen und Verkehrsverbänden im Interesse ihrer Ge¬ 
biete schon unternommene Propaganda kann, so wirkungsvoll 
sie auch im einzelnen ausgestaltet sein mag, doch einen voll- 
giltigen Ersatz für eine zusammenfassende Werbetäti«. keit nicht 
bieten, schon weil die Mittel der Einzelnen naturgemäss be¬ 
schränkte sind, und die Verschledenartigke'-t ihrer Bestrebungen 
einer gleichmässigen Ausgestaltung und Verbreitung der Propa¬ 
ganda hinderlich ist. 

Wie verlautet, haben sich die deutschen Slaals- 
eisenbahnen jetzt zusammengeschlossen, um gemeinsam mit 


dem Bund Deutscher Verkehrs-Vereine im Interesse der Förderung 
des Reiseverkehrs auf den deutschen Bahnen eine einheitliche und 
grosszügige Werbetätigkeit, insbesondere im Ausland, einzuleiten. 
Es sind für diesen Zweck namhafte Mittel bereit gestellt worden, 
und es ist zur Ausarbeitung und Durchführung der erforderlichen 
Massnahmen ein „Ausschuss zur Förderung des Reise¬ 
verkehrs auf den deutschen Bahnen“ unter dem Vorsitz 
der Eisenbahn-Direktion Berlin eingesetzt worden, in dem die 
Eisenbahn-Verwaltungen in München (Verkehrsamt), Dresden, 
Stuttgart, Karlsruhe, Strassburg und Köln vertreten sind, und 
dem ferner - als beratende Mitglieder — je ein Vertreter des 
Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine in Leipzig, des 
Bayerischen Landes- Fremden- Verkehrs-Rats in 
München, des Verlages der Zeitschrift „Deutschland“ in 
Düsseldorf und des internationalen öffentlichen Ver¬ 
kehrsbureaus in Berlin, angeb Ören Der Ausschuss hat als 
seine erste Aufgabe die Herausgabe einer zur Verbreitung im 
Ausland bestimmten, künstlerisch ausgestatteten Werbeschrift 
„Deutschland“ in Angriff genommen. 


Der Fremdenverkehr in den deutschen Städten während des Jahres 1910. 


Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Fremden, die in den 
Gasthöfen der Städte Quartier neh nen, sei er, nun. dass sie zinn 
Vergnügen reisen oder sei cs, dass ihr Berri sie von Ort zu 
Ort treibt. Erst in neuester Zeit ist m.m dazu übergega.ngen, 
diesen Reiseverkehr planmässi.g in bestimmte Bahnen und in 
bestimmte Orte zu lenken. Sowohl von priv.itcr als auch von 
amtlicher Seite lässt man sich eine Förderung dr*. krcaiuen- 
verkchrs nach jeder Richtung hin angelegen sein. Den gioosten 
Anteil hieran haben unstreitig die privaten Verkcb t s-Ve reine, 
deren Bedeutung man nicht untersciiätzen d..iif und die zu 
unterstützen jede Stadl sich ungelegen lasseri sein imi.ss. Bisher 
ist leider von den Städten in dieser Hinsicht noch lecht wenig 
geschehen, doch scheint in Zukunft hier eine Waiuilung zum 
Bessern einzutreten. Die 25. K o n f e r e ii z der deutschen 
Städte Statistiker vom Juni 1911 hat nämlich folgenden 
Beschluss gefasst: 

a) Die Konlerenz der Städtcstalistiker v/endet der Fest¬ 
stellung des Fremdenverkehrs in den einzelne,» Städten unter 
Anerkennung der grossen wirtscliattlichen Bedeutung cies l'remden- 
verkehrs für die Städte besondere Aufmeiksainkeit zu. 

b) Sie unterstützt die Bestrebungen zum Ausbau der l'remden- 
verkehrsstatistik, indem sie ihren Mitgliedern empiiehlt, mög¬ 
lichst die Auszählungen der polizeilichen Meluezellcl im Amte 
monatlich vornehmen zu lassen und d.dnei eine Unterscheidung 
mindestens nach Hotel- und Ilerbergegästen, sowie nach Deut¬ 
schen und Ausländern in beiden Kategorien anzuordnen. 

c) das weiter erstrebenswerte Ziel ist die 1' e s t s t c 11 u n g 
der Zahl der Uebernachlungen. Damit käme man der 
richtigen Einschätzung der Bedeutung des Fremdenverkehrs in 
wirtschaftlicher Beziehung v/eit näher und erhielt das einzig 
richtige Moment für die Veigleichbarkeit der Fremdenstatistik 
in den verschiedenen Städten (s. Dr. Eichelmann, statistische 
Monatsberichte der Stadt Strassburg). 

ln einigen Städten ist solche Verkehrsstatislik cingeführt, 
bei welcher Hotel- und Herbergegäsle sowie Deutsche und Aus¬ 
länder getrennt nachgewiesen v/erden. 

Im folgenden wollen wir nun untersuchen, inwieweit die 
Städte und die Fremdenverkehrs-Vereine zur Hebung des Fremden¬ 
verkehrs beigetragen haben: 

Von 61 deutschen Städten^), an welche eine diesbezügliche 
Anfrage gerichtet v/urde, haben im Jahre 1910 nur 39 grössere 
Städte einen Zuschuss an den Verkehrs-Verein gewählt, dieser 
Zuschuss schwankte zv/ischen 100 Mk. und 6600 Mk. Die höchste 
Unterstützung zahlte die Stadt Leipzig mit 6100 Mk., ausser¬ 
dem wurden noch 500 Mk. für zv/ei Preise, sowie als Beitrag 
zu den Kosten des Wettbewerbs im Blumenschmuck gewährt. 
Damit steht Leipzig unerreicht da (freilich geschieht seitens 
des Staates füi den Leipziger Fremden-Verkehr bisher wenig, 

*) ICs kommt hier nur eine ganz ix'stimmic Anzahl gröss(Mvr Städte 
in Hctracht und zwar .solche, rlie zu dem slntislisciicn .lahrhncli Deut¬ 
scher Städte Beiträge über den BevölKcrungswcchsel lictcrii. 


während andere Staaten, z. B. Baden und Bayern, von 
Sti'lswegen für den Kremden-Verkehr auch in ihren Städten 
mehr tun) Den nächsthöheren Zuschuss leisteten die 
Städte Köln Uiid Frankfurt a. M. mit 6000 Mark. Im übrigen 
wurden von allen drei Städten keinerlei Massnahmen zur 
llebun^. des Freuidenverkehrs getroffen. Das ist jedenfalls 
iin InLe.e '.sc der Sache sehr zu bedauern. Wenn auch den be¬ 
treffenden Verkehrs-Vereinen ein solch immerhin hoch zu nennen¬ 
der Zuschuss sehr erwünscht sein wird, so darf eine verkehrs¬ 
reiche Stadt sich damit nicht begnügen. Das hat die Stadt 
Düsseklort wohl erkannt. Auch sie stellt dem Verkehrs-Verein 
einen Bcirag und zwar in Höhe von 4000 Mark zur Verfügung, sorgt 
aber dann durch Massnahmen der verschiedensten Art für die 
Hcianriehung der Fremden, namentlich veranstaltet sic zahl¬ 
reiche I'e.ste, Ausstellungen usw., von denen eine Anziehungs¬ 
kraft auf Fremde angenommen werden darf. Die Stadt Mannheim 
gewährt nicht nur dem lokalen Verkehrs-Verein eine Unter¬ 
stützung von 3000 Mark, sondern gibt auch noch 500 Mark 
geldliche Unterstützung an den Rheinischen Verkehrs-Verein, 
während sie sich sonst zu keinerlei Massnahmen zur Hebung 
dec Fremdenverkehrs versteht. Die Stadt Dortmund dagegen 
hofft durch Anträge betreffs besserer Zugverbindung, Neubau 
von Eisenbahnverbindungen den Verkehr zu heben. Daneben 
•'.ihlt die Stadt noch 3000 Mark an den dortigen Verkehrs-Verein. 
ICs würde zu weit führen, die Zuschüsse der übrigen Städte 
hier einzeln aufzuführen. Interessant sind jedoch die Mass¬ 
nahmen, die einige Städte sonst noch in ihr Programm aufge¬ 
nommen haben. So finden wir z. B. in Magdeburg Unterstützung 
duTch die Veranstaltung von Pferderennen, von Flugwochen, von 
Obstmärklen, von Schaufensterwettbewerben. Andere Städte 
gründeten Hotel - Aktiengesellschaften, (Krefeld), Rennvereine, 
unterstützten Vereine bei der Veranstaltung von Kongressen 
und Ausstellungen usw. Auch suchte man sein Ziel durch 
Zcitungs- oder sonstige Reklame zu erreichen. 

V/ir sehen also, dass einzelne Städte sich mit den ver¬ 
schiedensten Massnahmen zur Hebung des Fremdenverkehrs 
befasst haben. Man vermisst jedoch eins in auffälliger Weise, 
das ist die Einheitlichkeit in allen ihren Bestrebungen (was 
wohl nicht einlreten kann, wenn sich die Städte z. B. nach dem 
Beispiel von Cassel zu Verkehrsämtern entschliessen. D. Red.) 
Hoffen wir, dass der bei der Tagung der Städtestatistiker ge¬ 
fasste Beschluss seine Wirkung nicht verfehlen wird. 

Es bleibt uns noch übrig, die Tätigkeit der Verkehrs-Ver¬ 
eine selbst einer Kritik zu unterziehen und zwar sollen hier nur 
die Massnahmen erwähnt werden, welche direkt auf die Hebung 
des Fremdenverkehrs hinzielen. Hier steht wohl an erster Stello 
die Herausgabe von Führern und zwar je nach der Art der 
verkehrenden Fremden nur in deutscher oder aber auch ia 
mehreren Sprachen. Führer der letzteren Art werden nament¬ 
lich vom Rheinischen Verkehrs-Verein, vom Verkehrs-Verein 
Dresden, München, Köln, Düsseldorf und andere herausgegeben. 











4 







Nn II 


DEUTSCHLAND 53Q 


Auch suchen die meisten Vereine durch Reklame in Zeit¬ 
schriften, Zeitungen auf ihre Stadt aufmerksam zu machen. 
Einzig in dieser Art steht wohl die Stadt Königsberg da, indem 
sie nämlich in a u s'w ä r t i g e n Führern inseriert Einen wesent¬ 
lichen Anteil an ihren Massnahmen bildet ferner die Ver¬ 
anstaltung von Schaufenster- und Blumenschmuckswettbewerben, 
auch suchen einzelne Vereine durch Anträge auf Verbesserung 
der Zugverbindung, durch Unterstützung von Kongressen usw. 
auf den Fremdenverkehr einzuwirken. 

Wieweit nun die Tätigkeit der Städte und der Verkehrs- 
Vereine von Erfolg begleitet und durch ihre Bemühungen eina 
Hebung des Fremdenverkehrs zu verzeichnen war, kann natürlich 
nicht mit Sicherheit festgestellt werden, immerhin kann man 
wohl behaupten, dass auch sie an den nachstehenden Ziffern 
ihren Anteil haben: 

In den 57 in Betracht gezogenen Städten waren im Jahre 1910 
nicht weniger als 8188 290 Fremde angemeldet. Da von mehreren 
Städten über frühere Jahre keine Statistik vorlieg^, kann nicht 
gesagt werden, ob diese Zahl höher oder niedriger ist als in 
den Vorjahren. 43 Städte jedoch besitzen ein vollständiges 
Material, und in diesen Städten wurden Fremde gemeldet: 
im Jahre 1908 = 7053910 
„ „ 1909 = 7319681 -f 265771 

„ „ 1910 = 7906473 -i- 586892 


Trotz der wirtschaftlich ungünstigen Jahre ist also kein 
Rückgang, sondern eine starke Zunahme im Fremdenverkehr 
zu verzeichnen. 

Die absolute Höchstzahl an Fremden ist im Jahre 1910. 
wiederum in der Reichshauptstadt mit 1278 609 zu finden. Es 
folgen München mit 523025, Frankfurt mit 509 547, Hamburg mit 
489778, Dresden mit 440 211 und Leipzig*) mit 307565 Fremden. 
Mehr als 200000, aber weniger als 300000 Fremde weisen auf: 
Breslau, Nürnberg, Hannover, Stuttgart und Karlsruhe. In der 
nächsten Gruppe (100000--200 000) sind zu nennen: Düsseldorf, 
Chemnitz, Bremen, Dortmund,Mannheim, Halle, Strassburg,Mainz, 
Wiesbaden Würzburg, Rostock und Koblenz. Alle übrigen 
Städte (34) haben einen geringeren Fremdenverkehr aufzuweisen, 
davon entfallen bei 17 Städten mehr als 50 000 Fremde auf die 
einzelne Stadt. Der eigentliche Reisemonat ist der August. 
Grade in den Grossstädten und grösseren Mittelstädten weist 
der August den stärksten Fremdenbesuch auf, während einige 
kleinere Städte auffallenderweise im Januar am meisten besucht 
wurden. Der Dezember dagegen zeigt in den meisten Städten 
den niedrigsten Stand des Fremdenverkehrs. 

Es erübrigt sich noch zum Schluss einen Blick auf den 
Fremdenverkehr der Stadt Düsseldorf im Jahre 1910 zu werfen. 
Die Zahl der in Hotels, Gasthöfen, Gastwirtschaften und Her¬ 
bergen angekommenen und logierten Fremden betrug; 


Jahr 


Angekommene und 
logierte Fremde 


Herkunftsland der Fremden 


Deutsch- 

laiul 


ST Bf 






S tD 




< »H 


-Ö 

O C 


1910 


160 926 

159 584 


20 460 
18387 


181386 
177 971 


165 487 
163189 


1542 

1400 


756 

563 


2020 

1904 


5337 

5475 


458 

377 


218 

210 


40 

66 


1937 

1454 


1422 

1329 


458 

395 


47 

61 


417 

321 


676 

587 


571 

640 


In Düsseldorf wurden im Jahre 1910 — 3415 Fremde mehr 
angemeldet als 1909, der grösste Teil hiervon (etwa -/.J entfällt 
auf die aus deutschen Landen zugereisten Fremden, das übrige 
Drittel entfällt auf den Besuch aus dem Auslande. Im Jahre 1909 
wurden nur 14782 Fremde ausländischer Staaten verzeichnet, in 
diesem Jahre hat die Zahl wiederum zugenommen und ist auf 
15889 gestiegen. Mehr Vertreter als im Vorjahre entsandten die 
meisten fremden Staaten. Die grösste Zunahme haben die 
Engländer zu verzeichnen, dann folgen der Reihe nach die Schweiz, 
Russland, Frankreich usw.; eine Abnahme war zu verzeichnen 
bei den Niederländern, den Norwegern, den Spaniern und Por¬ 
tugiesen. Den grössten Ausfall finden wir bei den Niederländern. 

Wir sehen, dass der Fremdenverkehr auch im Jahre 1910 
in den deutschen Städten, soweit sich dieses feslstellen liess, 
eine starke Zunahme erfahren hat. Zum Teil ist dieser Zuwachs 


auf die Anstrengungen der Verkehrsvereine zurückzuführen. 
Doch sind ihre Anstrengungen nicht von demjenigen Erfolg 
begleitet, den sie verdient haben. Die Städte, die doch selbst 
das grösste Interesse an der Hebung des Fremdenverkehrs 
haben, müssen mehr noch als dies bisher geschehen ist, sich 
dieser Sache widmen. Dazu genügt die geldliche Unterstützung 
der Verkehrsvereine nicht, wenngleich auch anerkannt werden 
muss, dass diese in vielen Fällen erst die Existenz des Vereins 
auf eine sichere Basis stellt, nein, die Stadtverwaltung muss 
Hand in Hand mit dem Verkehrs-Verein die geeigneten Mass¬ 
nahmen treffen. Dazu gehören die Veranstaltung von Festen 
aller Art, von Ausstellungen, die Veranlassung der Tagung von 
Kongressen u. a. in. Or. Treniölilen. 

*) l'ür i.eipzig aussi-lilicsslicli der Mess- und Ilerherf^sfremden; diese 
liinzuf'ereclinet, würde sicli die Zahl der Fremden bedeutend höher stellen. 




Bericht über die Sitzung 

des Gesamt-Vorstandes des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 

vom 6. bis 8. Oktober 1911 in Leipzig. 


Anwesend waren die Herren: Conström (Berlin); Eidlitz 
(Berlin); Schumacher (Düsseldorf); Möckel (Dresden); Trumpier 
(Worms); Grebner (Berlin); Stiegler (Chemnitz); Behrens 
(Dresden); Zulehner (Cassel); Pfeiffer (Weimar); Ehlers (Hamburg); 
Mann (Berlin); Kuckuck (Dortmund); Seelmann (Binz); Tonndorf 
(Magdeburg); Friedrich (Leipzig); Sattler (Braunschweig); Thele- 
mann (Stettin); Schellen (Köln); Bigge (Coblenz); Gadegast 
(Leipzig); Roth (Leipzig); Schweninger (München); Winkler 
(Leipzig); Gontard (Leipzig); Zarnke (Ostseebad Cranz); Le- 
brecht (Leipzig); Kelp (Zeitz); Seyfert (Leipzig). 

Sitzung vom 6. Oktober, 

abends 6^/2 Uhr in Leipzig in der „Harmonie“, Rossplatz. 

Tagesordnung. 

X. Ueberblick über die Verhandlungen. 

2. Finanzen (Vorberatung). 

Der I. Vorsitzende Herr Gontard, eröffnete die Sitzung 
6 Uhr 50 Min., und verbreitette sich zunächst über die finanzielle 
Lage des Bundes. Dann besprach er die einzelnen Punkte der 
Tagesordnung in grossen Zügen, erwähnte seine Verhandlungen 
mit dem kolonialen Verkehrsverein, sowie mit dem für den 
Bund besonders wichtigen Verein für das Deutschtum im Aus¬ 
lande und teilte mit, dass angeregt worden sei, man solle nach 
dem Vorbilde von Belgien eine Konkurrenz für gärtnerischen 
Schmuck der Bahnhöfe ins Leben rufen. 

Zu Punkt 2 (Finanzen, Vor beratung). Der Vorsitzende 
regte an, den Versuch zu machen, an die grösseren deutschen 


Städte mit der Bitte um finanzielle Unterstützung heranzutreten; 
er verlas den Entwurf zu einem entsprechenden Rundschreiben, 
in dem insbesondere betont ist, dass Voraussetzung hierbei die 
Beibehaltung der bisherigen Unterstützung der örtlichen Vereine 
durch die Städte wäre. Sodann regte er ein Umlageverfahren 
unter den Verbänden und Vereinen zur Deckung des Bedarfes 
des Bundes an, welches unter Zugrundelegung der festen 
Beiträge nur die Landesverbände und Ortsvereine zu treffen 
hätte, und dessen Maximalgrenze jährlich im voraus zu be¬ 
stimmen wäre. 

Herr Schulinspektor Sattler trat für die Eingabe an die 
Städte ein; man solle jedoch nicht allein an die grossen, sondern 
auch an die kleineren Städte herantrsten. Redner war ferner der 
Meinung, dass die Vereine die finanziellen Mittel des Bundes 
vor allem zusammenbringen und daher höhere Beiträge zahlen 
sollten, nicht die Verbände. Er betrachtete die Verbände als 
Organisationen innerhalb des Bundes, welche ihre eigenen be¬ 
sonderen Ziele verfolgen. 

Herr Oberst Seelmann war in Bezug auf die Eingabe an 
die Städte derselben Meinung wie der Vorredner, er tritt eben¬ 
falls wie Herr Direktor Schumacher für höhere Besteuerung der 
Vereine ein. 

Herr Dr. Kuckuck dagegen wollte nur diejenigen Vereine 
stärker herangezogen wissen, welche ein spezielles Interesse 
am Fremdenverkehr haben. Viele Vereine befassten sich 
nur mit der Verbesserung der Eisenbahnverbindungen und der¬ 
gleichen und nähmen daher weniger Anteil an der Propaganda- 
tätigheit, wie z. B. der Verkehrsverein Dortmund. 









540 iiBQ8 9(Meoo9(»8 9 Q99 9 (M0Q9Q388 ffli DEUTSCHLAND @^^»0oeeeeeeG«»eeeeeee0e qi Nr.ii 


Herr Badedirektor Zarnke sprach gegen eine Erhöhung 
der Mitgliedsbeiträge, da die Einnahmen der Verbände vielfach 
kaum die Verwaltungskosten deckten. Er trat dagegen dafUr 
ein, an die Reichsregierung mit dem Ersuchen um Unterstützung 
heranzutreten. 

Herr Hofrat Behrens befürwortete die Eingabe an die 
Städte; ein solches Schreiben müsse jedoch ausführlich be¬ 
gründet sein und auf die Bestrebungen des Bundes hinweisen. 

Er wünschte ferner, dass die Beiträge der Vereine pro Mit¬ 
glied auf 20 oder 25 Pf. erhöht würden und stellte einen dahin¬ 
gehenden Antrag. 

Herr Direktor Eidlitz beantragte, ah den Deutschen Städte¬ 
tag wegen Unterstützung seitens der Städte heranzutreten. 

Herr Oberst Schweninger hielt die Erhöhung der Mit¬ 
gliedsbeiträge für nicht genügend. 

Herr Direktor Schumacher war der Ansicht, dass die 
gegenwärtigen, auf früheren Verhältnissen beruhenden 
Mitgliedsbeiträge nicht mehr den gegenwärtigen Leistungen des 
Bundes entsprechen. Er stellte den Antrag, die Mitgliedsbeiträge 
auf 20 Pf. pro Mitglied der Vereine zu erhöhen, ausserdem an 
die Städte wegen Unterstützung heranzutreten. 

Herr Stieglcr trat für Erhöhung der Beiträge ein. Er 
will, dass diejenigen Vereine mehr zahlen sollen, welche den 
Bund besonders häufig in Anspruch nehmen. 

Herr Zulehner stellte den Antrag, der Bund möge die 
Schaffung städtischer Verkehrsämter bei den Städten beantragen. 

Sodann wurde über die Erhöhung der Beiträge im Prinzip 
abgestimmt. Mit allen gegen 2 Stimmen (Dortmund und Cranz) 
wurde die Erhöhung der Beiträge prinzipiell beschlossen. 

Die Sitzung wurde 8*74 Uhr auf eine Stunde durch ein Essen 
unterbrochen, zu dem der I. Vorsitzende die Herren des Vor¬ 
standes eingeladen hatte. Bei dieser Gelegenheit drückte Herr 
Gontard sein Bedauern über das Scheiden des Herrn Prof. 
Dr. Friedrich aus und dankte ihm für seine erfolgreiche Mit¬ 
arbeit im geschäftsführenden Ausschuss. Herr Prof. Dr. Friedrich 
erwiderte, dass er schweren Herzens aus dem Anschuss scheide 
und seine Mitarbeit in einzelnen besonderen Fragen, die sein 
Gebiet beträfen, jederzeit gern zur Verfügung stelle. 

Herr Schulinspektor Sattler dankte dem Vorsitzenden. 

Herr Prof. Dr. Roth trank auf das Wohl unseres Ehren¬ 
mitgliedes, Herrn Direktor Winkler, und gedachte dessen Ver¬ 
dienste in den schweren Entwickelungsjahren des Bundes. 

Mit einem kräftigen ,,Heil Deutschland** gelobte man alle 
Zeit auch auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs die Ehre der 
schwarz-weiss-roten Flagge im Auslande zu wahren. 


Sitzung vom Sonnabend, den 7. Oktober, 

vormittags 9Y4 Uhr in Leipzig im „ Burg keil er** (Handelshof). 

Tagesordnung. 

1. Die Auskunftstellen im Auslande. Hierbei sind zu berück¬ 
sichtigen : 

a) Wünsche wegen neuer Einrichtung von solchen; Schaffung 
fremdsprachiger Propagandahefte der Verkehrs-Verbände 
und Vereine. 

b) Kollektiv-Annoncen, im Auslande; insbesondere Wünsche 
unserer Oesterreichischen Auskunftstellen wegen Annon- 
cierens; Bericht des Herrn Kirsch über seine Revisions¬ 
reise nach Oesterreich. 

c) Die Verteilung der Propagandahefte, Drucksachen usw. 
und die deutschen Bestrebungen bezw. Zentralstellen, die 
sich dergleichen Aufgabe widmen, auch soweit das In¬ 
land in Frage kommt. 

d) Gesellschaftsreisen vom Auslande nach dem Inlande, ins¬ 
besondere in Sonderzügen von den deutschen Grenz¬ 
plätzen und bereits bestehende Bestrebungen die, auch 
vom Inlande aus, Gesellschaftsreisen einrichten. 

2. Ferien und Feriensonderzüge. 

3. Antwort des Reichsgesundheitsamtes auf unsere Eingabe 

wegen der Schnakenplage. 

4. Die Grundsätze für die Vorstands wähl. 

5. Presse. 

a) Die „Deutschland** und ihre Ausgestaltung. 

b) Allgemeines. 

c) Einfluss durch Kollektiv-Annoncen der Verbände und 
Vereine auf die inländische Presse. 

6. Statistik. 

7. Unterkunft in deutschen Hotels. 

8. Propagandafonds. 

9. Führerautomaten. 

Herr Gontard eröffnete die Sitzung 9 Uhr 30 Minuten. 

Dauer der Sitzung bis 8 Uhr abends, unterbrochen durch eine 

einstündige Mittagspause. Das Protokoll vom Abend vorher 

wurde genehmigt. 


Zu Punkt I (Auskunftstellen im Auslande). rHerr 
Dr. Seyfert berichtete über die von unseren Auskuiift- 
stellen im Auslande eingezogenen Auskünfte. Die Herichte 
gaben Aufschluss über das in den einzelnen Stellen verlangte 
Propagandamaterial, sowohl in örtlicher, wie in spxachlicher" 
Hinsicht. Referent gab die Mitglied er wünsche wegen neuer 
Stellen bekannt. 

Der Vorsitzende gab hierauf die Anregung, die „FOhre^f^ 
der Bundesmitglieder mehr als bisher in fremde Sprachen*' 
zu übersetzen. Vielleicht könnte daran gedacht werden,. dass 
der Bund die Uebersetzung gegen Vergütung übernimmt 

Sodann gab Herr K i r s ch einen Bericht Über seine Reise * 
zur Besichtigung der Auskunftstellen in Oesterreich-Ungam« 

Zu dem Punkt Gesellschaftsreisen erwähnte Herr Gontard .. 
die Verhandlungen mit dem Verein für das Deutschtum im. 
Auslande, welcher Gesellschaftsreisen von deutschsprachlichen 
Gegenden nach Deutschland, mit Hilfe des Bundes, vecsn-. 
stalten will. 

Nach Eröffnung der Debatte dankte Herr Direktor S ch u-. 
mach er der Geschäftsführung für ihre Arbeiten in bezug auf'^ 
die Auskunftstellen, wünschte jedoch weniger Auskunftstellen 
in kleineren Orten errichtet zu haben, dafür lieber solche in 
grossen Verkehrszentren des Auslandes: in Brüssel, 
Antwerpen, London, Paris und New York. 

Zur Bearbeitung der Auskunftstellen sei ein Beamter bald- - 
möglichst anzustellen. 

Herr Hofrat Behrens hält es für gut, mit den deutschen 
Eisenbahn-Verwaltungen gemeinsame, offizielle Auskunftstelleh 
im Auslande zu errichten. Er wünscht ebenfalls in erster Linie 
Auskunftstellen in Paris, London, Kopenhagen und New York. 

Es erschien hierauf Herr Direktor Weigel vom Statistischen 
Amte der Stadt Leipzig, welcher zu Punkt Frem denverkehrs- 
Statistik eingeladen war. 

Infolgedessen wurde die Debatte über den Punkt Auskunft¬ 
stellen im Auslande abgebrochen und der Punkt 6 (Statistik) 
vorgenommen. 

Zunächst berichtete Herr Dr. Seyfert über die bisherigen . 
Schritte des Bundes in dieser Angelegenheit. 

Herr Oberst Schweninger unterscheidet in seinem Referat 
zwischen innerer Statistik des Bundes und äusserer Statistik. 
Er wünschte durch eine Statistik festzustellen, was der Bund 
leistet und zwar an Arbeitskräften und materiellen Mitteln (Pro¬ 
paganda, Verwaltungskosten usw.). Zu diesem Zwecke müsse 
nach Schluss des Geschäftsjahres ein Fragebogen an die Mit¬ 
glieder herausgegeben und sodann zu einer Tabelle zusammen¬ 
gestellt werden. In bezug auf die äussere Statistik hielt er nur 
die Uebernachtungsstatistik für brauchbar, die Kopf¬ 
statistik dagegen für völlig wertlos. Er unterscheidet Gewinnung 
und Verarbeitung des Materials. In Oberbayern habe bereits 
ein Dutzend Orte das Meldekartensystem eingeführt. In einem 
grösseren Kurorte existiere dieses System bereits seit 4 Jahren. 
Schwieriger als in kleineren Orten sei die Aufnahme der Statistik 
in grösseren Städten. Die grössten Schwierigkeiten lägen bei 
den Hotelbesitzern. Für kleinere Badeorte könnten die Verbände 
die Verarbeitung des Materials übernehmen. In grösseren Städten 
müsste Anschluss des Bundes an öffentliche Statistische Aemter 
genommen werden. Es wird hierauf beschlossen, an die Bundes¬ 
mitglieder einen Fragebogen wegen der Aufnahme einer inneren 
Bundesstatistik zu richten. 

Herr Direktor Weigel vom Leipziger Statistischen Amte 
erblickte die Schwierigkeit für eine Fremdenverkehrs-Statistik in 
der Beschaffung des Materials. Die Verarbeitung biete keine 
Schwierigkeit, hierbei handele es sich nur um eine Geldfrage. 
Die gegenwärtigen Meldeformulare seien wenig geeignet. Der 
Vorsitzende regte an, der Bund möge mit den Städtestatistikern 
Zusammenarbeiten. Herr Direktor Weigel stellte sich hierfür zur 
Verfügung. Die Städtestatistiker, wie der Bund hätten grösstes 
Interesse an der Angelegenheit und könnten schliesslich im ge- - 
meinsamen Zusammenarbeiten etwas erreichen. 

Es wurde hierauf beschlossen, eine Kommission zu bilden^ 
der Herr Direktor Weigel zugezogen wird, sowie Herr Direktor 
Eichelmann-Strassburg, falls dieser sich hierfür bereit erklären 
sollte. Herr Direktor Weigel will sich mit Herrn Dr. Eichel¬ 
mann-Strassburg, welcher sich bereits mit Fremdenverkehrs- 
Statistik befasst hat, in Verbindung setzen, zwecks gemeinsamer 
Vertretung der Angelegenheit auf der Tagung der Städtestatistiker. 

In die Kommission wurden ferner gewählt die Herren:' 
Schweninger, Gadegast und Conström. Die Kommission hat 
das Recht der Zuwahl. 

Herr Gontard gab zum Schlüsse die Anregung, auf der 
nächsten Hauptversammlung die Statistik zu behandeln, nament¬ 
lich im Hinblick auf die notwendige Agitation der Bundesmit¬ 
glieder unter den beteiligten Bevölkerungskreisen. 

Hierauf folgte Fortsetzung der Debatte über die Auskunft-^^ 
stellen im Auslande. 




Nr. IT I BI00(KI90909Q99QQQ99Q989999g l DEUTSCHLAND @80000 00€)6€>Ö060088O6€g60OG 8gB 541 


Herr Oberst Thelemann beantragte, einen Beamten für die 
Bearbeitung der Auskunftstellen im Auslande anzustellen. 

Herr General Bigge trat ebenfalls für Anstellung eines 
Organisators ein, wenn der Bund die nötigen Mittel für die An¬ 
stellung eines solchen besitzt. Andernfalls sollte man sich zu¬ 
nächst auf einige wenige grosse Verkehrszentren beschränken 
und die Auskunftstellen in Verbindung mit den Eisenbahn¬ 
verwaltungen errichten. Es wurde hierauf beschlossen, bei den 
Eisenbahnverwaltungen zu beantragen, in den grossen Verkehrs¬ 
zentren Auskunftstellen zu errichten. Sollte dies nicht bewilligt 
werden, so würde mit Cook, der Internationalen Schlafwagen- 
Gesellschaft, dem Norddeutschen Lloyd und der Hamburg- 
Amerika-Linie in Verbindung getreten. 

Sodann kam der Punkt ib Kollekti v-Anno nc en zur 
Beratung. 

Der Vorsitzende bat um Vorschläge hierfür. Er hält ein 
geschlossenes Vorgehen der Bundesmitglieder im Auslande 
für notwendig. 

Herr Generalmajor Bigge trat für Kollektiv-Annoncen im 
Auslande ein. Man müsse jedoch verlangen, dass die betreffen¬ 
den Zeitungen, denen die Annoncen übergeben würden, auch 
entsprechende Artikel bringen. Es wurde beschlossen, dass die 
Veröffentlichung von Kollektiv-Annoncen im Auslande Sache 
des Bundes sein soll. Für entsprechende Artikel soll Sorge 
getragen werden. Der Bund wird durch Rundschreiben die 
Bundesmitglieder bitten, Abmachungen mit dem Böhmischen 
Landesverband zu vermeiden. 

z c. Herr Direktor E i d 1 i t z beantragte, den Drucksachen¬ 
sammelsendungen Schreiben beizulegen, aus denen der Inhalt 
der Sendungen hervorginge, und gleichzeitig eine Karte für Nach¬ 
bestellung von Drucksachen beizufügen. Dies wird beschlossen. 
Der Bund wird sich ein Lager der Propagandadrucksachen 
anlegen. 

zd. Es erfolgte eine Aussprache über Sonderzüge vom 
Auslande nach dem Innern Deuts chlands. Herr 
Dr. Seyfert verlas die Mitgliederwünsche in bezug hierauf, 
welche nach Beschluss einer Sitzung der Kommission für 
Feriensonderzüge cingefordert wurden. 

Sodann wurde beschlossen, dem Verein für das Deutschtum 
im Auslande zu antworten, dass wir bei Veranstaltung von 
Gesellschaftsreisen vom Auslande nach Deutschland gern unsere 
Mitglieder interessieren würden, dass sie die Führung der 
Reisenden, die Bereitstellung von Drucksachen und dergleichen 
übernehmen. 

Entsprechend der Anregung des Herrn Direktor E i d 1 i t z 
wurde beschlossen, bei der Preussisch-Hessischen Eisenbahnver¬ 
waltung zu beantragen, dass grösseren ausländischen 
Gesellschaften Erleichterungen im Reiseverkehr gewährt 
werden möchten. Der Bund würde sodann die einzelnen Verkehrs¬ 
vereine für diese Gesellschaftsreisen interessieren. 

Es folgte Punkt 2 (Ferien). 

Hierzu referierte Herr Prof, Dr. Roth, welcher auf die 
wirtschaftlichen und hygienischen Nachteile, sowie auf die Ver¬ 
kehrserschwerungen hinwies, welche das teilweise Zusammen¬ 
fallen der Sommerferien der höheren Schulen im Gefolge hätte. 
Nach einem in Worms zu Pfingsten gehaltenen Vortrag bezeichncte 
der Referent die folgende Dreiteilung der Sommerferien als 
erstrebenswert und möglich: 

z. Berlin und die meisten preussischen Provinzen beginnen 
ihre Sommerferien am x. Juli. 

2. Sachsen und die Hansastädte am 21. Juli. 

3. Rheinland-Westfalen, wie bisher, am 10, August. 

Es sind statistische Unterlagen von Bädern und Sommer¬ 
frischen erbeten worden, nach deren Einlauf die weitere Bear¬ 
beitung der Frage erfolgen soll, 

Herr Oberst Seelmann befürwortete nachdrücklich, dass 
der Bund für Verteilung des Beginns der verschiedenen Somraer- 
ferien mit Zwischenräumen von je drei Wochen eintreten 
sollte. Die Erreichung einer derartigen Verteilung der Sommer¬ 
ferien würde eine grosse Werbekraft für den Bund bedeuten. 

Der Vorsitzende meinte, eine Hauptsache für die Propa¬ 
gierung unserer Bestrebungen auf diesem Gebiete sei die Ge¬ 
winnung der Presse. 

Herr Oberst Seelmann stellte einige Richtlinien für die 
Eingabe an die Kultusministerien auf. Der Bund, sowie 
auch seine Mitglieder sollten an die Ministerien herantreten. 
Ausserdem geht ein Rundschreiben an die Mitglieder, um eine 
Besu-beitung der Presse herbeizuführen. 

Unter Punkt 3 (Schnakenplage) verlas der Herr Vor¬ 
sitzende das Schreiben des Kaiserlichen Gesundheitsamtes. Den 
wenigen Vereinen, welche an der Frage ein Interesse haben, 
wird die Beachtung der hierin aufgestellten Gesichtspunkte 
empfohlen. 

Es folgte Punkt 4 (Die Grundsätze für die Vor¬ 
standswahl). 


Der Vorsitzende wies darauf hin, dass vermieden werden 
müsste, dass infolge einer Neuordnung der Wahlordnung für 
den Gesamt Vorstand bisherige Mitglieder des Gesamtvorstandes, 
welche in den einschlägigen Fragen orientiert und tätig wären, 
ausscheiden müssten, dass ferner auch Herren im Gesamtvor¬ 
stand sein müssten, welche ohne Verbände zu vertreten, ledig¬ 
lich um ihrer Erfahrung willen, dem Bunde zur Verfüg^ung Steher. 

Herr Rechtsanwalt Lehr echt würde in einer grösseren An¬ 
zahl von Vorstandsmitgliedern als bisher keinen Nachteil für 
die Tätigkeit des Vorstandes erblicken. Er trat dafür ein, dass 
die territorialen Verbände sämtlich im Gesamtvorstande ver¬ 
treten sein sollten. Nach der freien Wahl der Hauptversamm¬ 
lung oder des Vorstandes sollten auch Vereine zugewählt werden 
können und schliesslich auch eine Reihe von persönlichen Mit¬ 
gliedern. 

Herr General Bigge beantragte, in § 5 der Satzungen die 
Zahl „17“ zu streichen. 

Nach einem Anträge des Herrn Bürgermeister K e 1 p, dem 
Vorstand nur das Recht der Zuwahl von persönlichen Mitgliedern 
zu geben und sonstigen „grösseren** Bundesmitgliedern, wurde 
beschlossen, der nächsten Hauptversammlung vorzuschlagen, 
die Zahl „17** in § 5 der Satzungen zu streichen. Anderweitige 
Anträge wurden abgelehnt. 

Punkt 5 a (P r e s s e). Herr Direktor S ch u m a ch e r wünschte 
mehr Material von der Geschäftsführung des Bundes für den 
wirtschaftlichen Teil der Zeitschrift „Deutschland**. 

Eine Festlegung des Bundes auf eine bestimmte Tages¬ 
zeitung hielt er nicht für zweckdienlich, dagegen eine gleich- 
mässige Bedienung der grösseren Tageszeitungen für unbedingt 
erforderlich. Er teilte mit, dass die „Deutschland** im vergangenen 
Jahre nicht nur in der vertragsmässigen Gesamt-Auflage von 
100000, sondern in mehr als 200000 Exemplaren erschienen sei. 
Die „Deutschland** finde jetzt auch in Privatkreisen grosse Ver¬ 
breitung, dagegen dürfe das Interesse in den Kreisen der Ver- 
kchrsverbände und Vereine noch mehr belebt werden können. 
Sodann wünschte er den Untertitel der „Deutschland** zu ändern 
im Interesse einer allgemeinen Verbreitung der Zeitschrift im 
Privatpublikum. Auf dem Titelblatt soll der Charakter der Zeit¬ 
schrift: neben den Verkehrsinteressen auch die Heimatkunde 
besonders zu fördern, zum Ausdruck gebracht werden durch 
den Untertitel „Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe**. 
Die Zeitschrift „Deutschland** habe auch in den hohen Lehr¬ 
anstalten, Schulen und Volksbibliotheken eine sehr günstige 
Aufnahme gefunden, welcher Umstand ebenfalls auf die bezeich- 
nete Titeländerung hindränge. 

Die Mitglieder des Internationalen Hotelbesitzervereins, auch 
die ausländischen, haben in grossem Umfange auf die „Deutsch¬ 
land** abonniert. Die Bundesvereine möchten wie der Harzer 
Verkehrsverband die Aufnahme der „Deutschland** in Lese¬ 
zirkeln anregen. Der Verlag der „Deutschland** hat einen Wett¬ 
bewerb für künstlerische Photographien in Aussicht genommen. 
Der Vorstand erklärte sich grundsätzlich damit einverstanden, 
dass der Bund deutscher Verkehrs-Vereine in Verbindung mit 
dem Verlage der Bundeszeitschrift „Deutschland** ein Aus¬ 
schreiben erlässt zur Erlangung guter Photographien aus allen 
deutschen Gebieten, die als Wanderausstellung benutzt werden 
können. Es ist in Aussicht genommen, dass ein grosser Teil 
dieser Photographien durch Ankauf ausgezeichnet wird. 

5 b. Herr Gontard stellte hierauf zur Beratung, ob es mög¬ 
lich sei, dass die Provinzialverbände Nachrichten des Bundes 
in ihre Tagespresse bringen könnten. Die Verbände seien aller¬ 
dings sehr interessiert, ihre eigenen lokalen Nachrichten in die 
ihnen nahestehende Presse zu bringen. Infolgedessen habe der 
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine an ein Abkommen mit einer 
grösseren Tageszeitung gedacht, um in der Tagespresse mehr 
berücksichtigt zu werden. Er wies ferner darauf hin, dass 
eventuell eine Aenderung des Vertrages mit der „Deutschland** 
angebracht wäre, indem der Bund noch weiteren Einfluss auf 
dieselbe erlange, während andererseits vielleicht die Bundesmit¬ 
glieder auf die Abnahme einer bestimmten Anzahl Exemplare 
zu verpflichten seien. 

Hierauf erwiderte Dr. Seyfert auf die Ausführungen des 
Herrn Direktor Schumacher wegen Lieferung von Material für 
den wirtschaftlichen Teil der „Deutschland**. Er wies darauf 
hin, dass von dem beim Bunde vorhandenen Material manches 
sich nicht für die breite Oeffentlichkeit eignet, namentlich dann, 
wenn, wie dies zur Zeit der Fall, es an Kräften zur gründlichen 
Durcharbeitung fehle. 

Herr Direktor Schumacher erklärte sich bereit, für die Tages¬ 
zeitungen Material herzustellen, solange der Geschäftsführung 
noch eine Hilfskraft fehle. 

Hierauf stellte Herr Conström den Antrag, an den Verlag 
der „Deutschland** ein Schreiben zu richten, dass der Bund die 
hervorragenden Leistungen der „Deutschland** dankbar anerkenne 
und es angesichts dieser Leistungen als eine Ehrenpflicht 









542 


DEUTSCHLAND 


I Nr. 11 


betrachte, dass die Bundesmitglieder die Förderung und Ver¬ 
breitung der Bundeszeitschrift tatkräftig unterstützten. 

Herr Oberst Schweninger (München) regte an, ob nicht der 
amtliche Teil besonders gefasst und an die Tageszeitungen 
gesandt werden könne. Ferner sollten die Mitteilungen des Bundes 
nach Bedarf gedruckt und an die Bundesmitglieder verteilt 
werden. Weiter bat er, das Preisausschreiben der „Deutschland“ 
für künstlerische Photographien zu unterstützen; der Bund 
erhalte dadurch ein Material, wie es sonst keine andere Kor¬ 
poration bieten könne. 

Der Antrag des Herrn Conström, betreffend das Schreiben 
an den Verlag der „Deutschland“ wurde angenommen. Dagegen 
der Antrag auf gesonderte Herstellung des wirtschaftlichen 
Teiles der „Deutschland“ und Versendung des gesamten Um¬ 
fanges an die Presse abgelehnt. 

Der Antrag Schumacher betreffend Rundschreiben an die 
Bundesmitglieder wegen Wettbewerb für künstlerische Photo¬ 
graphien wurde angenommen. 

Es folgte Punkt 7 (Unterkunft in deutschen Hotels). 

Der Herr Vorsitzende legte der Versammlung verschiedene 
Fragen vor und verlas ein Schreiben des Verbandes reisender 
Kaufleute Deutschlands, welches obige Frage behandelte. Die 
Sitzung wurde 8 Uhr abends vertagt auf Sonntag, den 8. Oktober, 
vormittags gVi Uhr. 

Sitzung vom Sonntag, den 8. Oktober 1911, 

vermittags g'/j Uhr in Leipzig im „Palmengarten“. 

Tagesordnung: 

1. Bildschmuck in den Eisenbahnwagen. 

2. Ausstellungsfrage und Wanderausstellung nebst einem 
Rückblick auf die Berliner Ausstellung. 

3. Finanzen (Schlussberatung). 

4. Neuwahlen. (Ein Vorsitzender eventuell ein Mitglied an 
Stelle des Herrn Prof. Dr. Friedrich). 

5. Ort und Zeitpunkt der nächsten Hauptversammlung. 

Herr Rechtsanwalt Leb recht eröffnete die Sitzung lo Uhr. 

Dieselbedauerte bis nachmittags 5‘/2 Uhr mit einer j ^ stündigen 
Unterbrechung durch das gemeinsame Mittagsmahl. 

Man kam auf Punkt 7 der Sitzung vom 7. Oktober (Unter¬ 
kunft in deutschen Hotels) zurück. 

Herr Direktor Schumacher gab die Ansicht des Herrn 
Hoyer (Köln) bekannt, welcher Vorschlag^, die Angelegenheit in 
einem engeren Ausschuss zu beraten. Herr Direktor Schumacher 
schloss sich dieser Ansicht an* Hierauf wurde beschlossen, die 
Hotelfrage dom geschäftsführenden Ausschuss zur Verhandlung 
mit den Hotelbesitzerverbänden zu überweisen. 

Zu Punkt 9 (Führe raut omaten), welcher in der Sitzung 
vom Tage vorher vertagt worden war, referierte Herr Pfeiffer. 
Er wies darauf hin, dass ein Führerautomat eine erhebliche 
Einnahmequelle für die Verkehrs-Vereine darstelle. Die An- 
schaffungskosten des Automaten würden in einem Jahre gedeckt. 

Herr Hofrat Behrens hielt die Automaten in kleineren 
und mittleren Städten vielleicht für angebracht, dagegen nicht 
in grösseren Städten, da hier die Vereine vielfach die ver¬ 
schiedenartigsten Drucksachenformate innerhalb kürzerer Zeit 
herausgeben, wie dies z. B. in Dresden der Fall sei. 

Herr Baurat Schellen bestätigte den Nutzen der Automaten. 
In Köln habe sich der dortige Automat gut bewährt. Er gab die An¬ 
regung, der .Bund möge bei den Eisenbahnvcrwaltungen bean¬ 
tragen, die Automaten unentgeltlich auf den Bahnhöfen zuzulassen. 


Herr Direktor Schumacher stellte hierzu den Zusatzantrag, 
bei den Eisenbahnverwaltungen zu beantragen, dass in den 
Verträgen mit den Bahnhofsbuchhändlern eine Aenderung dahin 
eintrete, dass von dieser Seite der Aufstellung der Automaten 
nichts entgegenstehe. 

Herr Baurat Schellen bat sodann, diesen Antrag beim 
preussischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten zu stellen 
und regte gleichzeitig an, der künstlerischen Ausstattung 4 dr 
Führer und Druckschriften mehr Beachtung zu schenken. 

Dies wurde beschlossen. 

Sodann folgte Punkt 8 (Propagandafonds) der Tagesr 
Ordnung vom 7. Oktober. 

Herr Rechtsanwalt L e b r e ch t machte vertrauliche Mit« 
teilungen über diesen Punkt. 

Sodann wurde zunächst Punkt 3 der heutigen Tagesordnung 
Finanzen (Schlussberatung), vorgenommen. 

Herr General Bigge beantragte, der geschäftsführende Aus¬ 
schuss möge Richtlinien für den Ausbau der Finanzen aus^ 
arbeiten und dem Gesamtvorstande unterbreiten. 

Ferner trat er dafür ein, an die Städte wegen finanzieller 
Beihilfe heranzutreten. Nach längerer Debatte wurde sodäUn 
gegen 3 Stimmen der Antrag des Redners angenommen. 

Der Gesamtvorstand beschloss: 

1. Der nächstjährigen Hauptversammlung eine Erhöhung 
der Mitgliederbeiträge vorzuschlagen und beauftragte den ge¬ 
schäftsführenden Ausschuss, auf Grund der in der Debatte zum 
Ausdruck gekommenen Gesichtspunkte genau formulierte Vor¬ 
schläge hiefür auszuarbeiten und dem Gesamtvorstande zur Be¬ 
schlussfassung vorzulegcn. 

2. An diejenigen deutschen Städte, welche an dem Fremden¬ 
verkehr ein besonderes Interesse haben, und die Selbstverwal- 
tungsköiper der preussischen Provinzen und die entsprechenden 
Behörden der übrigen Bundesstaaten mit dem Antrag auf Ge¬ 
währung von Zuschüssen heranzutreten, und beauftragte mit der 
Ausführung auch dieser Massregel den geschäftsführenden 
Ausschuss. 

Unter Punkt 4 (Neuwahlen) wurde beschlossen, die Wahl 
des neuen Mitgliedes des geschäftsführenden Ausschusses dem 
letzteren zu überlassen und es demselben zu überlassen einen 
Vorsitzenden an Stelle des Herrn Prof. Friedrich vorzuschlagcen. 

Sodann soll schriftliche Abstimmung erfolgen. 

Punkt 5 (Ort und Zeitpunkt der nächsten Haupt¬ 
versammlung). 

Der Vorsitzende und Herr Direktor Schumacher betonten 
den Wunsch des Internationalen Hotelbesitzervereins, die Haupt¬ 
versammlung des Bundes nicht zu Pfingsten oder an sonstigen 
verkehrsreichen Tagen abzuhalten. Der geschäftsführende Aus¬ 
schuss wurde beauftragt, die Hauptversammlung in der ersten 
Hälfte des Juni einzuberufen. Als Ort wurde einstimmig Cassel 
gewählt, dessen Verein die Beteiligung der dortigen Behörden 
in Aussicht stellte. (Punkt 2 ist streng vertraulicher Natur). 

Sodann stand Punkt i (Bildschmuck in den Eisen¬ 
bahnwagen) zur Beratung. 

Herr Rechtsanwalt Leb recht referierte über den Stand der 
Angelegenheit. Man sei sich darüber einig, dass die zum Aus¬ 
hang gelangenden Bilder bunt sein müssten, um in dem Halb¬ 
dunkel der Eisenbahnabteile Wirkung zu haben. Es könnten 
daher nur Künstlerlithographien in Betracht kommen. 

Sodann wurde der Antrag des Herrn Rechtsanwalt Lebrecht 
angenommen, die weitere Verfolgfung der Angelegenheit dem 
geschäftsführenden Anschuss zu übertragen. 


Berliner Weltkongress der Hotelbesitzer. 


Um das Hauptergebnis vorweg zu nehmen: Die grosse und 
glanzvolle Kongresstagung, die die Föderation Universelle des 
Soeiötes d’Höleliers, dieser über ganz Europa verbreitete Verband 
von Hotelier - Vereinen, gemeinsam mit dem Internationalen 
Hotelbesitzer-Verein im Oktober in Berlin veranstaltete, hat ein 
höchst beredtes Zeugnis abgelegt von der Bedeutung und Grösse 
unseres neuzeitlichen Hotelgewerbes. Sie hat besonders auch 
bewiesen, dass man in deutschen und ausländischen Regierungs¬ 
kreisen, in der organisierten Kaufmannschaft und in der ganzen 
öffentlichen Meinung heute erfreulicherweise dem modernen Be- 
herbergungawesen gern die Beachtung und Würdigung zuteil 
werden lässt, die es als wichtiges und ganz unentbehrliches 
Glied unseres Reiseverkehrs, ja unseres ganzen Kultur- und 
Wirtschaftslebens beanspruchen darf. 

Eingeleitct wurde die Tagung nachdem ihr ein gemein¬ 
samer Besuch der Stadt Dresden und der Dresdner Hygiene- 
Ausstellung vorangegangen war, am Montag, 16. Oktober, durch 
eine grosse Eröffnungsfeier im preussischen Abgeordneten¬ 
hause. Nahezu tausend Kongressteilnehmer füllten den ge¬ 
räumigen Sitzungssaal. Der Vorsitzende des Kongresses 


O. Hoyer (Köln) hiess die Anwesenden willkommen, unter 
ihnen besonders die Gäste der Tagung. Aus der grossen 
Zahl der erschienenen Ehrengäste seien nur genannt: der 
preussische Handelsminigter D r. Sydow, der das Ehren¬ 
präsidium des Kongresses übernommen hatte, ferner der Staats¬ 
sekretär des Reichspostamtes, Krätke, eine Reihe von Bot¬ 
schaftern und Gesandten der auf dem Kongresse vertretenen 
Nationen, Geh. Ober-Regierungsrat Neu mann vom preussischen 
Handelsministerium, Geh. Ministerialrat S ch i n d 1 e r aus Wien, 
der sich als Vertreter des österreichischen Vekehrsministeriums 
eingefunden hatte, der Berliner Bürgermeister Reicke, der 
Direktor des preussischen Abgeordnetenhauses, Geheimrat Plate, 
der Vizepräsident der Berliner Handelskammer, Geheimrat 
Ravöne und der Stadtälteste, Reichstagsabgeordnete Kämpf. — 
Ihre Anwesenheit, meine Herren, so rief der Präsident den 
Gästen zu, ist von hervorragendem Werte für die Hotelindustrie. 
Sie wird dazu beitragen, manche bisherigen Vorurteile zu be¬ 
seitigen, sowie dahin zu wirken, dass die gfrosse Bedeutung des 
Hotelgewerbes in richtiger Weise gewürdigt wird. — Der Redner 
gab sodann in grossen Zügen ein Bild vom Werdegange des 




Nr. 11 




modernen Hotelwesens und einen Einblick in die Entwicklungs¬ 
geschichte der Organisationen, die sich 2ur Berliner Tagung 
vereinigt hatten. Zum Schlüsse gedachte er vor allem noch 
des segensreichen, völkerverbindenden und Gegensätze Uber¬ 
brückenden Einflusses, der sich für die Vertreter des Hotel¬ 
gewerbes daraus ergibt, dass sie fortgesetzt in die vielseitigsten 
Beziehungen zu den Angehörigen anderer Länder treten müssen. 

Handelsminister Dr. Sydow, dessen Rede hiermit im Aus¬ 
zuge wiedergegeben sei, hiess im Namen der deutschen und der 
preussischen Regierung die Kongressbesucher herzlich will¬ 
kommen. 

„Sie treten heute“, so führte Exzellenz Dr. Sydow aus, „in der 
Hauptstadt des Deutschen Reiches zusammen, dessen Bevölkerung 
die Trägerin des alten germanischen Wandertriebs ist und das 
weit über seine Grenzen hinaus einen besonders grossen Teil 
der reisenden Menschheit herg^bt. Aber es gibt nicht blos, es 
empfängt auch. Seit dem ungeheuren politischen und öko¬ 
nomischen Aufschwung, den Deutschland in der zweiten Hälfte 
des vorigen Jahrhunderts genommen hat, wendet sich ihm der 
Besuch der Ausländer in stetig wachsendem Masse zu, aus der 
alten Welt wie aus den Ländern jenseits des grossen Wassers. 
So ist es an dem modernen Fremdenverkehr in beiden Richtungen, 
gebend wie empfangend, stark beteiligt. Es nimmt auf diese 
Weise teil, sowohl an dem allgemeinen kulturellen und sozialen 
Nutzen, den die Entsendung der Volksgenossen zu anderen 
Nationen die Kenntnis ihrer Sitten und Gebräuche bringt, als 
auch an dem volkswirtschaftlichen Gewinn, der den Ländern 
zuwächst, in die sich der Fremdenverkehr ergiesst. Niemand 
aber hat auf seine Entwicklung einen grösseren Einfluss, als 
der ehrenwerte Stand, dessen Mitglieder sich zu Ihrem Kongresse 
hier vereinigen. Mag ein Land noch soviel des Anziehenden 
bieten, die Menge der Fremdlinge wird zögern, seine Grenzen 
zu überschreiten, wenn sie in Sachen der Unterkunft und des 
Unterhalts sich nicht hinreichend versorgt weiss, wie anderseits 
Stätten, die die Natur mit nur mässigen Reizen bedacht hat, 
durch die VortrefFlichkeit der Fürsorge, die sie dem Kommenden 
bieten, zu beliebten Reisezielen geworden sind. So zeigt sich, 
dass die Entwicklung des Reiseverkehrs eng zusammenhängt 
mit der des Hotelwesens. Die wirtschaftliche und kulturelle 
Bedeutung dieser Ihrer Arbeit erkennt die Regierung dieses 
Landes gern und dankbar an. Sie bringt den Bestrebungen 
Ihrer Vereinigung vollste Sympathie entgegen und wünscht den 
Arbeiten dieses Kongresses, die Ihre Aufgaben weiter zu fördern 
bestimmt sind, den besten Erfolg“. (Lauter, lang anhaltender 
Beifall.) 

Es sprachen sodann noch im Namen der Stadt Berlin 
Bürgermeister Reicke, dann Geh. Kommerzienrat Raven 6 im 
Aufträge der Berliner Handelskammer, Reichstagsabgeordneter 
Kämpf für die Aeltesten der Kaufmannschaft und Direktor 
Waldschmidt für den Berliner Zentralausschuss für Handel 
und Gewerbe. 

Beschlossen wurde der erste Kongresstag durch einen 
geselligen Empfangsabend, der in den Festräumen des Z o o 1 o- 
gischen Gartens stattfand. Der grosse Marmorsaal ver¬ 
mochte nicht die reiche Fülle der Festteilnehmer zu fassen, 
80 dass auch noch in den Nachbarsälen serviert werden musste. 

Am Dienstag, 17. Oktober, tagte im Kaisersaale des Wein¬ 
restaurants „Rheingold“ die Generalversammlung des grössten 
korporativen Mitgliedes der Federation Universelle, nämlich des 
1869 begründeten Internationalen Hotelbesitzer-Vereins 

Die Verhandlungen der Versammlung befassten sich, ab¬ 
gesehen von vereinsgeschäftlichen Angelegenheiten und von 
Statutenänderungen, die den Fernstehenden nur wenig inter¬ 
essieren, vor allem mit zwei wichtigen Punkten. Der eine betraf 
die Bekämpfung des Bestechungswesens im Hotelgewerbe, das 
hauptsächlich im sogenannten Schmieren von Gepäckträgern 
und Droschkenkutschern in Erscheinung tritt und einen Krebs¬ 
schaden darstellt, unter dem die besseren Hoteliers, die derartige 
Geschäftspraktiken verschmähen, an vielen Orten schwer zu 
leiden haben. Das neue Gesetz gegen den unlauteren Wett¬ 
bewerb scheint durch seinen § i (Verbot von Konkurrenz¬ 
massnahmen, die gegen „gute Sitten“ verstossen) dem organi¬ 
sierten Hotelgewerbe die schon so lange sehnlichst herbei¬ 
gewünschte Handhabe zur Bekämpfung dieses Missstandes 
gebracht zu haben. Doch ist es vorläufig noch nicht gelungen, 
eine gerichtliche Verurteilung herbeizuführen. Die Versammlung 
beschloss daher, den Heidelberger Hotelier-Verein, 
der in einer solchen Bestechungssache gegenwärtig einen 
prinzipiell recht wichtigen Prozess führt, durch Uebernahme der 
Prozesskosten zu unterstützen. — Einen weiteren Verhandlungs¬ 
punkt, der ebenfalls allgemeineres Interesse besitzt, lieferte das 
Vorgehen des Verbandes reisender Kaufleute, der in 
Broschüren, behördlichen Eingaben usw. mit Bezug auf die Ein¬ 
richtung von Hotels eine lange Reihe von Wünschen geäussert 
hatte. Teilweise handelt es sich dabei um Forderungen, die 


schon in ganz Deutschland erfüllt sein dürften — wenigstens 
in allen „Hotels“, die diesen Namen verdienen. Ein anderer 
Teil der erhobenen Forderungen aber verkennt vollkommen die 
Tatsache, dass man Uber die Zweckmässigkeit dessen, was hier 
verlang^ wird, sehr wohl streiten kann, und dass es sicherlich 
noch sehr breite Schichten des Reisepublikums gibt, die es 
keineswegs als angenehm empfinden würden, wenn z. B. infolge 
der Agitation des Verbandes reisender Kaufleute plötzlich alle 
Tapeten aus den Hotels entfernt und die Wände mit Oelfarbe 
bestrichen, alle grossen Teppiche fortgenommen, alle Menüs 
bedeutend „vereinfacht“ werden sollten. Die Generalversamm¬ 
lung des I. H. V. erhob deshalb in einer einstimmig gefassten 
Resolution Einspruch gegen das Vorgehen des genannten Ver¬ 
bandes und wies dabei nachdrücklich darauf hin, „dass in den 
angeschnittenen Fragen auf das gesamte reisende Publikum 
Rücksicht zu nehmen ist, nicht aber nur auf die Wünsche eines 
einzelnen Standes“. 

Für Dienstag abend hatte die Stadt Berlin den Kongress 
zu einem festlichen Empfange ins Rathaus geladen. Sie 
Übte dort schönste und vornehmste Gastlichkeit. Die üppigreiche 
Blumendekoration des mächtigen Treppenhauses, der ruhig¬ 
vornehme Rathaussaal mit all den festfrohen Menschen, die er 
umschloss, die gehaltvollen Reden und Trinksprüche, das er¬ 
lesene Mahl, für das Oberbürgermeister Kirschner gewiss 
nicht erst nötig gehabt hätte, die „Nachsicht“ der fachkundigen 
Gäste zu erbitten — alles das vereinte sich zu einem würdig 
schönen Gesamteindruck, der allen Teilnehmern unvergesslich 
bleiben wird. Unter den Rednern des Abends sind neben Ober^ 
bürgermeister Kirschner noch zu nennen der Stadtverordneton- 
vorsteher Michelet und sein Stellvertreter Geheimrat Cassel, 
ferner von den Kongressteilnehmern die Herren H o y e r (Köln), 
Campione (Neapel), Moyaerts (Brüssel) und Suckfüll 
(Baden bei Wien). 

Am Mittwoch vormittag fanden zwei V orstandssitzungen 
im Hotel Adlon statt. Von 11 Uhr an wurde unter sach¬ 
kundiger Führung der innere Betrieb verschiedener grosser 
Berliner Musterhotels und -Restaurationen besichtigt, wobei sich 
den Kongressbesuchern Gelegenheit zur Sammlung wertvollster 
fachlicher Anregungen bot. Nachmittags trafen sich die Teil¬ 
nehmer mit ihren Damen dann zum Fünfuhrtee in den eleganten 
Räumen der Hotels Adlon, Bristol, Esplanade und Kaiser¬ 
hof. Der Abend wurde durch eine Festvorstellung des Metropol¬ 
theaters ausgefüllt. 

Der Donnerstag, 19. Oktober, war zunächst wieder ernster 
Arbeit gewidmet. Die geschäftlichen Verhandlungen des 
Kongresses fanden an diesem Tage statt. Als Beratungsraum 
diente abermals der Kaisersaal des Rheingold. Aus der Tages¬ 
ordnung der Versammlung sind besonders die folgenden Punkte 
hervorzuheben: 

Ueber die gesetzliche Regelung der Haftpflicht des 
Hoteliers für alles Gepäck und sonstige Gut, das der Reisende 
ins Hotel mitbringt, hielt Moyaerts (Brüssel) ein gründ¬ 
liches Referat. Auf Antrag des Referenten beauftragte der 
Kongress seinen ausführenden Ausschuss, an die deutsche 
Regierung heranzutreten, damit diese die Initiative ergreife zur 
Schaffung gemeinsamer und übereinstimmender Haftpflichtgesetze 
für alle Staaten, die am internationalen Reiseverkehr beteiligt 
sind. Die rechtlichen Grundsätze, deren allgemeine und inter¬ 
staatliche Verwirklichung der Kongress dabei als wünschenswert 
erklärte, entsprechen im grossen Ganzen den schon in Deutsch¬ 
land geltenden Gesetzesbestimmungen. (Beschränkung der Haft¬ 
pflicht des Hoteliers auf eine angemessene Wertgrenze, Be¬ 
freiung des Hoteliers von der Haftung, falls der Schaden vom 
Reisenden oder von dessen Begleitern verursacht ist — so¬ 
fortige Anzeigepflicht für den Reisenden etc.). 

Ueber die Zollrevision von Reisegepäck und ihre 
noch vielfach sehr notwendige Erleichterung und Vereinfachung 
berichtete Alfredo Campione (Neapel). Seinem Anträge 
gemäss stellte der Kongress verschiedene Forderungen auf, 
deren wichtigste auch hier eine gleichmässige — und zwar eine 
gleichmässig kulante — Behandlung der Reisenden und ihres 
Gepäcks an allen Grenzen aller Kulturstaaten verlangt. Die 
Revision des Handgepäcks soll stets im Bahnwagen erfolgen. 
Bei sogenanntem Passagiergut dagegen soll dem Reisenden 
tunlichst überall die Möglichkeit geboten werden, sein Gepäck 
erst an der Ankunftstation revidieren zu lassen. 

Ueber die Notwendigkeit der allgemeinen Einführung einer 
internationalen Hotelordnung, die das gesamte Verhältnis 
zwischen Gast und Hotelinhaber regeln und dabei in billiger 
Weise die beiderseitigen Interessen berücksichtigen soll, referierte 
A. Rössler (Baden-Baden). Wichtige Vorarbeiten sind 
zwar schon im Schosse des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins 
geleistet, doch will dieser Verein den von ihm geschaffenen 
Entwurf noch einer eingehenden Durchsicht unterziehen. Der 
Verein hat zu diesem Zweck bereits eine Hotelordnungs-Kom- 







mission gebildet, und der Kongress beschloss, erst das Ergebnis rege Interesse und die lebhafte Unterstützung, die sie der 

der Arbeiten dieser Kommission abzuwarten. Die Angelegen- Tagung entgegengebracht und durch die sie so ausserordentUclr 

heit soll dann auf dem nächsten Weltkongresse erledigt werden, viel zu ihrem erhebenden Verlaufe beigetragen hätten. Der 

der im Jahre 1914 in Paris tagen wird. Vizepräsident des Kongresses, Landsee (Innsbruck), sprach 

Am Donnerstag abend vereinigte noch ein glänzendes auf die Stadt Berlin, in deren Namen Bürgermeister Reicke. 

Schlussbankett, dem ein Festball folgte, zum letzten Male die in humorvoller, von feierlichem Wohlwollen erfüllter Rede ant- 

Teilnehmer des Kongresses. Weit Uber tausend Gedecke waren wertete. Rudolf Sendig, der g^rosse Dresdener Hotelunter¬ 
aufgelegt und die grosse, aus allen Ländern zusammengeströmte nehmer, gedachte der anwesenden Damen. Ringel (Berlin), 

Festgesellschaft bot im lichtdurchfluteten Saale des Zoologischen der Vorsitzende des Deutschen Gast wirte verban des, sprach in 

Gartens ein höchst interessantes, malerisch schönes Bild. dessen Namen. Von den ausländischen Gästen toasteten 

Handelsminister Sydow, der sich’s nicht hatte nehmen lassen, Hauser (Luzern), Virgitti (Marseille), und Campione 

auch dieser Festlichkeit beizuwohnen, er öffnete die stattliche (Neapel), dieser temperamentvollste, stets lebhaftenBeifall er- 

Reihe formvollendeter Tafelreden durch ein begeistert aufge- weckende Redner des Kongresses. 

nommenes Hoch auf den deutschen Kaiser, den er als vornehmsten, Nach Aufhebung der Tafel hielten Musik und Tanz noch 

vorbildlichen Förderer des modernen Reiseverkehrs und als lange die Festteilnehmer zusammen. Erst gegen Morgen endete 

Schirmherrn des Weltfriedens feierte. Kong^esspräsident Hoyer die Festlichkeit, die einen selten schönen Abschluss der gemzen 

dankte dem Minister und allen übrigen Ehrengästen für das imposanten Programmfolge des Kongresses darstellte. R. S. 



VII. Haupt-Versammlung des Nordbayerischen Verkehrs-Vereins. 



Zur 7. Hauptversammlung des Nordbayerischen Verkehrs- für Propaganda und für die Verschönerung der Orte“ hervorgellt, 

Vereins, welche am 15. Oktober in A n s b a ch tagte, halten sich haben die darin verxeichneten Vereine und Gemeinden in diesem, 

überaus viele Vertreter von Städten und anderen gemeindlichen einen Jahre für Inserate insgesamt 34 741 Mk. verausgabt. Für 

Verwaltungen, Handelskammern, Fremdenverkehrs-, Verschöne- die Plakat-Reklame haben die Mitglieder des Nordbayerischen 

rungs-, Gebirgs- und Wald-Vereinen und andere auf dem Verkehrs-Vereins in diesem Jahre 23760 Mk. verausgabt. 

Gebiete des Fremdenverkehrs tätigen Korporationen eingefunden; Alsdann erstattete der i. Schatzmeister des Vereins, Korn¬ 

es mögen gegen 100 Herren gewesen sein. Neben den Mit- merzienrat Kugler (Nürnberg) den Kassenbericht, 
gliedern des Vereins waren erschienen Vertreter des Königlichen Herr Kommerzienrat Zahn (Nürnberg) berichtete über 

Verkehrs-Ministeriums und des Ministeriums des Innern, der Nordbayerische Verkehrsfragen und Verkehrs¬ 
mittelfränkischen Kreis - Regierung, der Eisenbahn-Direktionen wünsche und streifte zunächst die bekannte Tauernbahnfrage 

Nürnberg und Würzburg, der Ober - Postdirektion Nürnberg, und die Umleitung der Züge über München, als dem längeren 

Vertreter von Bezirksämtern, Forstämtern usw. Mit besonderer Weg. Redner beantragte, dass neuerdings zu dem Punkte 

Freude wurde die Teilnahme des Herrn Regierungspräsidenten Stellung genommen werde. 

Dr. von Blaul und des Herrn Landtagsabgeordneten Hofrat Herr Redakteur und Schriftsteller Max Eck-Troll (Stutt- 

Weissenfeld begrüsst, gart) berichtete dann über das Thema: Naturschutzparke. 

Herr Rechtsrat Weigel (Nürnberg) eröffnete die Beratungen Zwei Naturschutzparke seien sichergestellt und zwar der Tiefland- 

und führte aus, dass es dem Verein gelungen sei, die Aner- park in der Lüneburger Heide, dessen Grundstock im September 

kennung von der Bedeutung seiner Tüchtigkeit immer weiter vorigen Jahres durch den Ankauf des Wilseder Berges und des 

zu verbreiten, die Anerkennung seines inneren Wertes in alle Totengrundes gelegt wurde. Des weiteren gesichert sei der 

Kreise hinauszutragen und die Beachtung sich zu erwerben, die Altonaer Naturschutzpark in einem Umfange von 150 Quadrat- 

er sich als notwendige Grundlage für seine Tätigkeit vorgestellt hat. kilometer im Steiermärkischen. Das schwierigste Problem für 

Herr Regierungspräsident Dr. von Blaul sprach im Namen die Bestrebung sei die Schaffung eines Mitteldeutschen Natur- 

des Königlichen Staatsministeriums des Innern und der Kreis- schutzparkes, aber auch diese Aufgabe werde voraussichtlich 

Regierung von Mittelfranken, wobei er betonte, dass die Hebung bald in einem Gebiet des Bayerisch-Böhmischen Waldes seiner 

des Verkehrs nicht nur grosses ethisches Interesse beanspruche, Verwirklichung entgegengehen. Der Redner schloss seine bei¬ 
sondern auch materielle, finanzielle und allgemeine kulturelle fällig aufgenommenen Ausführungen mit der dringenden Auf- 

Interessen. Herr Regierungspräsident Dr. von Blaul schloss mit forderung an die Anwesenden, für diese gute Sache nach 

dem Wunsche, dass die Beratungen des Vereins von guten Möglichkeit einzutreten. 

Erfolgen begleitet seien. Sodann sprach man über die Bedeutung der Auskunft- 

Herr Oberbürgermeister Rohmeder (Ansbach) begrüsste die stellen ausserhalb Bayerns. Der bayerische Landes- 

Versammlung namens der städtischen Kollegien von Ansbach fremdenverkehrsrat betrachtet als eine seiner Aufgaben die 

und bat, der Stadt auch fernerhin das Wohlwollen zu bewahren. Förderung des Auskunftwesens, wie es der Bund Deutscher 

Hierauf erstattete der Vorsitzende, Rechtsrat Weigel Verkehrs-Vereine bereits für das ganze Deutsche Reich durch 

(Nürnberg), den Jahresbericht für das Jahr 1910/11. Die Motor- seine Auskunftstellen erstrebt. 

postlinien Nordbayerns, deren Mehrung in der letzten Für künstlerische photographische Aufnahmen 

Hauptversammlung des Vereins von verschiedenen Seiten als wurden auf Antrag des Herrn Kommerzienrats Zahn (Nürnberg) 

dringend wünschenswert bezeichnet wurde, sind in einer erfreu- aus dem Voranschlag 1000 Mk. bewilligt. 

liehen Zunahme begriffen. Der Förderung des Wintersp orts Herr Magistratsrat Förster (Nürnberg) berichtete dann 

hat der Verein im vergangenen Winter wieder erhöhte Beachtung Uber die Beteiligung an der Gewerbeschau München igza. 

geschenkt. Die Herausgabe von Propagandaschriften 1912 wird bekanntlich in München die „Bayerische Gewerbeschau“ 

für Nordbayern hat im letzten Jahre leider nicht in der stattfinden. Der bayerische Landesfremdenverkehrsrat hat die 

gewünschten Weise Fortschritte machen können, da die verfüg- Beteiligung an der Gewerbeschau empfohlen. Es ist eine ais¬ 

baren Mittel dies nicht gestatteten. In Vorbereitung und zum baldige Entscheidung Uber die Beteiligung notwendig. 

Teil schon im Druck befinden sich die Schriften über den Als Ort der Tagung für 1912 wurde Kitzingen vor- 

Spessart, den Steigerwald, den Frankenwald, das Fichtelgebirge geschlagen. 

und das Naabtal. Wie aus einer „Zusammenstellung der von Nach Dankesworten an die Regierung, die Presse und die 

den Mitgliedern des Nordbayerischen Verkehrs-Vereins im Jahre Stadt Ansbach wurde die Versammlung mit einem Hoch auf 
1910 im Interesse des Fremdenverkehrs gemachten Aufwendungen den Prinzregenten Luitpold geschlossen. 


Aus den Bundes-Vereinen. 

Sächsischer Verkehrs-Verband. 

Der Sächsische Verkehrs-Verband (Sitz Leipzig, Naschmarkt, 
Handelshof) beabsichtigt am Sonnabend, den 16. De¬ 
zember ds. Js. eine Mitglieder-Versammlung abzuhalten, in 
der hauptsächlich Veikehrsfragen zur Besprechung gelangen. 
Die Anträge sind bis zum i. Dezember 1911 an die Geschäfts¬ 
stelle einzusenden. Nach diesem Termin einlaufende Anträge 
können nicht mehr berücksichtigt werden. Es wird wiederholt 
darauf aufmerksam gemacht, dass der Verband Anträge auf 
Verkehrsverbesserungen usw. nur insoweit zu befürworten und 
zu vertreten vermag, als sie im Einklang mit den Interessen 
der Fremden-Verkehrsbeförderung eines Ortes oder Gebietes 


sich befinden. Wünsche rein lokaler Natur geltend zu machen» 
muss den einzelnen Vereinen und Gemeinden überlassen bleiben. 

Der geschäftsführende Ausschuss des Sächsischen Verkehrs- 
Verbandes gibt bekannt, dass Ende November oder Anfang 
Dezember d. Js. eine Mitgliederversammlung, in der häuptsäch- 
lich Verkehrsfragen erledigt werden sollen, stattfindet. Anträge 
sind bis zum 15. November an die Geschäftsstelle, Leipzig, 
Handelshof, Naschmarkt, cinzusenden. Gäste sind willkommen. 

Der Verkehrs-Verein Leipzig 
hielt am 26. Oktober und 2. November 1911 im „Burgkeller*' 
Gcsamt-Vorstands-Sitzun.;en ab. Der Geschäftsführer H. Kirsch ■ 
berichtete über die Arbeiten seit der letzten Sitzung vom 
27. August 1911. Herr Garten direkter Hampel referierte über den 


Cd 










ISJr.ll 

Wettbewerb „Leipzig im Blumenschmuck** und dem Schaufenster¬ 
wettbewerb der Blumengeschäfts - Inhaber. Aus dem Bericht 
ging hervor, dass sich an dem diesjährigen Wettbewerb nur 
165 Bewerber, und beim Schaufenster-Wettbewerbe nur 31 Be¬ 
werber beteiligten. Ueber den allgemeinen II. Schaufenster- 
Wettbewerb berichtete Herr Otto Hirschfeld. Die Beteiligung 
war in diesem Jahre nicht so stark, da diesmal nur 88 Firmen 
mit 179 Fenstern, gegen 151 Firmen mit 280 Fenstern im Vor¬ 
jahre zu verzeichnen waren. Trotzdem dürfte die Veranstaltung 
als überaus gelungen bezeichnet werden, besonders in künst¬ 
lerischer Beziehung war ein grosser Fortschritt zu verzeichnen. 
Weiter wurde die Anschaffung von 2000 Exemplaren der Zeit¬ 
schrift „Deutschland** zu Agitationszwecken beschlossen. 
Die Leipziger Nummer der „Deutschland** fand in der hiesigen 
Tagespresse eine überaus günstige Beurteilung. Als Beihilfe 
zur Herausgabe der Schrift „Sachsen im Winter** wurden 75 Mk. 
aus Vereinsmitteln bewilligt. Anstelle des verstorbenen Vor¬ 
standsmitgliedes Herrn C. Mühlberg, wurde der Direktor des 
hiesigen Palmengartens Herr Stremmel (früherer Geschäftsführer 
des Verkehrs-Vereins, Frankfurt a. M.) gewählt. Herr Rechts¬ 
anwalt Lcbrecht berichtete über den „Bildschmuck im Eisenbahn¬ 
wagen**, es ist in Aussicht genommen, drei Bilder beim Bunde 
deutscher Verkehrs-Vereine vormerken zu lassen. Der Sächsische 
Verkehrs-Verb and ist von der Generaldirektion der sächsischen 
Eisenbahnen angegangen worden, für die telegraphische Weiter¬ 
gabe der Wetterberichte von den sächsischen Wintersport¬ 
plätzen zu sorgen. Der Verkehrs-Verein Leipzig erklärt sich 
mit der Besorgung dieser Telegramme bereit. Es wird beab¬ 
sichtigt, in diesem Winterhalbjahre mehrere Vorträge mit Vor¬ 
führung von guten Lichtbildern sowie Besichtigungen des 
Aquariums im Zoologischen Garten, des Krematoriums etc. 
vorzunehmen. Der amtliche Mess-Wohnungsnachweis, welcher mit 
Hilfe von Beamten des Rates der Stadt in den Räumen der 
Geschäftsstelle stattündet, hat sich bei der letzten Michaelis- 
Engrosmesse, als ganz vorzüglich bewiesen. Der Rat der 
Stadt hat folgedessen beschlossen, die Miete für diesen Raum, 
wofür der Verkehrs-Verein bisher 2000 Mk, zahlte, in Wegfall 
zu bringen. 

Bayerischer Fremdenverkehrsrat. 

Der Fremdenverkehrsrat des Vereins zur Förderung des 
Fremdenverkehrs in München und im bayerischen Hochland 
hielt im magistratischen Sitzungssaale seine 12. Tagung ab. Es 
wurde einstimmig beschlossen, zu den künftigen Tagungen die 
Presse einzuladen. Apotheker Byschl (Garmisch) erstattete an 
der Hand von graphischen Darstellungen ein ausführliches 
Referat über die durch den Landes-Fremdenverkehrsrat für 
Bayern angeregte Durchführung einer Kapitalienstatistik der 
Fremdenverkehrsbetriebe, durch welche dargetan werden soll, 
welche Summen in allen dem Fremdenverkehr dienenden Ein¬ 
richtungen investiert sind. In der Diskussion wurde der Wunsch 
ausgesprochen, solche statistische Erhebungen zu graphischen 
Darstellungen möchten unter staatlicher Beihilfe von allen 
bayerischen Fremdenorten gemacht werden. Die bisherige 
Statistik hat ergeben, dass in Garmisch-Partenkirchen über 
24 Millionen, in Berchtesgaden 6 Millionen, in Oberammergau 
5 Mülionen in derartigen Betrieben angelegt sind. Die Vor- 
. sitzende des Vereins für hauswirtschaftliche Frauenbildung, 
Baronin von Horn, erörterte die Einrichtung von gastwirtschaft¬ 
lichen Kochkursen, die nach dem Muster Oesterreichs von ge¬ 
nanntem Verein mit finanzieller Beihilfe des Fremdenverkehrs- 
Vereins veranstaltet werden. Frau Kreisschulinspektor Ziegl- 
wallner richtete noch das Ersuchen an die Versammlung, für 
die Kochkurse in allen Orten des bayerischen Hochlandes zu 
agitieren. 

Fremdenverkehrsverein Karlsruhe. 

Am 27. Oktober hielt der Ausschuss des Verkehrs Vereins 
eine zahlreich besuchte Versammlung im Stadtratsitzungssaal ab. 
Der Vorsitzende, Herr Stadtrat Kölsch, eröffnete sie mit einem 
eingehenden und interessanten Vortrage an Hand der von dem 
hochbautechnischen Referenten des Grossherzoglichen Finanz¬ 
ministeriums, Herrn Professor Moser, ausgearbeiteten Entwurf 
über die Projekte für die Stadterweiterung, insbe¬ 
sondere für die Ueberbauung des durch Verlegung 
des Hauptbahnhofes frei werdenden Geländes 
und des Geländes des Festplatzes. Nach einem 
Rückblick auf die städtebauliche Geschichte Karlsruhers, vor¬ 
nehmlich die Weinbrennerrsche Bauperiode, besprach er die Pro¬ 
jekte, die nunmehr ihrer Lösung harren, die Verwertung des 
Bahnhofsgeländes, die Errichtung staatlicher Neubauten (Landes¬ 
gewerbeamt und Landesmuseum) und städtischer Bauten 
(Kunstausstellungshalle und Sommertheater mit Konzertsaal) 
auf dem Gelände des Festplatzes. Er ist mit Professor Moser 
der Ansicht, dass das Gelände des Bahnhofplatzes einschliess¬ 
lich des Festplatzes im Hinblick auf den grossen, sich steigern¬ 


den Verkehr, in baulicher Hinsicht zwar möglichst vorteühaft 
zu verwerten, im übrigen aber als ein monumentaler Platz 
mit einheitlicher und architektonisch einfacher Bebauung 
in einer Weise zu behandeln sei, die den Anforderungen der 
Weinbrenner'sehen Strassenentwicklung einigermassen gerecht 
werden. Die grossen Werte der öffentlichen, staatlichen und 
städtischen Gebäude sollten durch Zusammenfassung in 
künstlerisch eindrucksvolle Gruppen gesteigert werden. „So 
steht**, schloss Redner seine interessanten Ausführungen, „Karls¬ 
ruhe, dessen baugeschichtliche Entwicklung manche Schwierig¬ 
keiten bereitet hat, die aber sprungweise doch überwunden 
worden sind, vor grossen und schönen Aufgaben, die durch 
unermüdliche Arbeit aller beteiligten Faktoren seit vier Jahr¬ 
zehnten vorbereitet worden sind, deren glückliche Lösung aber 
nunmehr erhofft werden dürfte.** Die Versammlung nahm den 
Vortrag mit lebhaftem Beifall auf. Sodann wurde in die 
Tagesordnung eingetreten. Der Vorsitzende verlas zunächst 
ein freundliches Schreiben Seiner Exzellenz des Herrn Staats¬ 
ministers a. D. und Grosshofmeisters Dr. von Brauer, das sich 
über den neu aufgelegten „kleinen Führer durch Karls¬ 
ruhe** anerkennend ausspricht und mit dem Wunsche schliesst, 
dass der Verein in der Stadt für seine so sehr erspriessliche 
Tätigkeit immer mehr Anerkennung und Freunde gewinnen 
möge. Die Versammlung nahm von dem Schreiben mit grosser 
Freude und Dankbarkeit Kenntnis. — Die in der öffentlichen 
Auskunftstelle des Vereins (im Rathaus) aufgelegten Adress¬ 
bücher der grösseren deutschen Städte sollen auch 
Nichtmitgliedern zugänglich gemacht werden. Für jede 
Einsicht in die Bücher wird eine Gebühr von 10 Pfg. er- 
erhoben. — Mit den bedeutenderen deutschen und ausländischen 
Reisebureaus wurde ein Uebereinkommen dahin getroffen, dass 
sie bei der Zusammenstellung von Reisen auch Karls¬ 
ruhe in den Reiseplan aufnehmen. — Für Frühjahr 1912 ist 
wieder ein deutscher Zuverlässigkeitsflug durch das 
Kartell der südwestdeutschen Luftschiffahrtsvereine, dem auch 
der Karlsruher Luftschiffahrtsverein angehört, geplant. Der 
Verkehrsverein wird das Unternehmen nach Kräften zu fördern 
suchen. — Der Schaffung weiterer Eislaufplätze hat der 
Verein auch in der letzten Zeit seine Aufmerksamkeit geschenkt. 

— Die Vorschläge des Vorstandes, für die schon jetzt aufzu¬ 
nehmende Propaganda für das im Jahre 1915 in Aussicht ge¬ 
nommene 200 jährige Stadt jubiläum wurden gut geheissen. 

— Die Veranstaltung weiterer Schaufensterwettbewerbe 
in Verbindung mit dem Karlsruher Detaillisten-Verein wird für 
die nächsten Jahre ins Auge gefasst. — Nach mehrjährigen 
Bemühungen ist nunmehr zu erwarten, dass die Eisenbahn¬ 
verwaltungen der Ausschmückung der Eisenbahn¬ 
wagen mit Landschafts- undStädtebildern, die eine 
sehr wirksame Reklame darstellt, nähertreten und dass diese 
Sache in einer auch für die badischen Verkehrsvereine und 
Kurorte erwünschten Weise erledigt wird. Hierwegen und 
wegen der Einlegung von Feriensonderzügen nach 
Baden steht der Verein mit dem Bund deutscher Verkehrs¬ 
vereine und mit dem badischen Landesverband zur Hebung 
des Fremdenverkehrs in Verhandlungen. — Zur Gewinnung 
von Unterlagen für ein im Laufe des nächsten Jahres aufzu¬ 
legendes neues Kunstdruck-Reklameplakat soll im 
Frühjahr 1912 in der städtischen Ausstellungshalle eine Aus¬ 
stellung von Reklameplalcaten deutscher und aus¬ 
ländischer Verkehrs- und Verschönerungsvereine veranstaltet 
werden. — Für die Wintersportausstellung, die im 
Laufe des kommenden Winters im Gebäude des Grossherzog¬ 
lichen Landesgewerbeamts dahier stattfinden soll, übernimmt 
der Verein die Propaganda. Die Ausstellung soll in der Haupt¬ 
sache eine Sammlung von Wintersportgeräten und sonstigen 
Sportartikeln, auch Sportbekleidung, bringen und wird voraus¬ 
sichtlich lebhaft beschickt werden. — Schliesslich macht der 
Vorsitzende noch einige Mitteilungen über den Fremden¬ 
verkehr in 57 grösseren deutschen Städten im Jahre 1910 auf 
Grund einer Zusammenstellung des Strassburger statistischen 
Amts. Darnach zählt Karlsruhe zu den Städten, 
deren Verkehr in den letzten Jahren ausser- 
gewöhnlich stark angewachsen ist und einen 
Fremden b esuch von aooooo bis 300000 Personen 
jährlich aufzuweisen haben. 

Verkehrs-Ausschuss der Bergstrasse. 

Im Hotel „Löwen** in Zwingenberg an der Bergstrasse 
hielt am 28. Oktober der Verkehrs-Ausschuss der Bergstrasse 
unter dem Ehrenvorsitz von Provinzialdirektor Fey (Darmstadt) 
seine 7. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Verkehrs- 
Ausschusses, Rentner Paul Sieben (Auerbach) erstattete den 
Jahresbericht, wonach im Berichtsjahre 29122 Propaganda¬ 
schriften über die Bergstrasse mit gutem Erfolge zur Verteilung 
gelangten. Der Kassenbericht schliesst bei einer Einnahme von 





546 I SaOQQQCXiQQQQQQQOQQQQQQQQQOOCW a DEUTSCHLAND liB eeC)C€)0C)e0C3ee0ee0eeC€»0e0Q i 




5741,45 Mk. mit einem Saldo von 680,79 I^^ni Kassen- 

ftt^er, I^andtagsabgeordneter Auler, wurde Entlastung erteilt 
und der Voranschlag für zgn/ia in Einnahme und Ausgabe auf 
5117,79 Mk. festgesetzt. Darauf wurde der Vorstand durch Zuruf 
vollzählig wiedergewählt; als Tagungsort für die nächstjährige 
Generalversammlung wurde Seeheim bestimmt. Den wichtigsten 
Punkt der Tagesordnung bildete die Besprechung über das 
Projekt einer elektrischen Bahn an der Bergstrasse. Dieser 
schon seit Jahren bestehende Plan ist in ein neues Stadium 
eingetreten. Der Referent, Herr Deonhardt (Auerbach), empfiehlt 
demzufolge, da die Ortschaften der Bergstrasse längst die 
erforderlichen Garantien geleistet hätten, das Projekt von der 
Elektrizitätsquelle Heppenheim aus zu beginnen, also von der 
anderen Seite der Bergstrasse aus, und zunächst eine gleislose 
Bahn auf der Strecke Auerbach—Bensheim zu legen. Bürger¬ 
meister Ehret (Weinheim) erklärte, dass die Oberrheinische 
Eisenbahngesellschaft sofort nach erfolgter Elektrisierung der 
Nebenbahn Mannheim — Weinheim beabsichtigt, diese nach 
Laudenbach weiter zu führen, eventuell sogar auch bis Heppen¬ 
heim, so dass der Anschluss an die elektrische Bahn der Berg¬ 
strasse bis nach Darmstadt zu erfolgen könnte. Stadtrat Zinkgräf 
fügte hinzu, dass der i. Direktor der A. E.-G. zugleich der 
a. Vorsitzende der Oberrh. A.-G. ist, so dass beide Gesellschaften 
später wohl sowieso in dieser Sache Zusammengehen. Provinzial¬ 
direktor Fey und Stadtverordneter Stemmer (Darmstadt) 
erklärten schliesslich, dass sie von jetzt an alles aufbieten 
werden, um das Vorgehen Darmstadts in dieser Angelegenheit 
zu beschleunigen. 

Der Pfälzische Verkehrs-Verband 

begann am 23. September seine Winterarbeiten mit einer Aus¬ 
schusssitzung mit reichhaltiger Tagesordnung. Zunächst kon¬ 
statierte der Vorsitzende Herr Rechtsrat Dr. Müller den Mitglieder¬ 
zugang der Städte Bad Dürrheim, Deidesheim, Wachenheim und 
des Wirtevereins Landau. Der Verband zählt nunmehr 53 Kor¬ 
porationen. Eine eingehende Erörterung fand der Punkt betr. 
Herausgabe einer Reliefkarte der Pfalz. Es wurde beschlossen, 
die Karte, die in der Grösse 8o/io8 sowohl zum Aufhängen, wie 
in Taschenformat herausgegeben wird, im kommenden Frühjahr 
erscheinen zu lassen. Von der Notwendigkeit gastwirtschaftlicher 
Kurse zur Hebung des Fremdenverkehrs ist man allseitig über¬ 
zeugt und auch die zur Sitzung zugezogenen Vertreter des Pfäl¬ 
zischen Gastwirte-Verbandes sagten nach entsprechender Auf¬ 
klärung über Zwecke und Ziele solcher Kurse ihre Unterstützung 
zu. Es soll sich nicht um die Abhaltung von Kochkursen handeln, 
sondern mehr um etwa Stägige Unterrichtskurse über Führung 
eines modernen Ansprüchen genügenden Fremdenhotelbetriebs. 
Zum photographischen Wettbewerb sind 240 Arbeiten eingegangen, 
zur Auswahl wurde ein Preisgericht eingesetzt. Die Punkte „Bilder¬ 
schmuck der Eisenbahnwagen“ und „Feriensonderzüge“ wurden 
besprochen und es soll die Stellungnahme des Bundes Deutscher 
Verkehrsvereine abgewartet werden. Der 2. Verbandstag findet 
Mitte November in Speyer statt, es wird mit ihm eine Besich¬ 
tigung des historischen Museums der Pfalz, der Kaisergräber im 
Dom und eine Ausstellung der zum photographischen Wettbewerb 
eingegangenen Bilder verbunden sein. Auch hat Herr Dr. med 
Hoenes(BadGei8 weiler) die Übernahme eines Vortrages zugesichert 

Aachener Verkehrs-Verein. 

Der Verkehrs-Verein hielt kürzlich unter dem Vorsitze des 
Herrn Stadtverordneten M e n g h i u s eine Vorstands-Sitzung ab. 
Man schreibt uns darüber: Von der beabsichtigten Aufstellung 
eines Verkaufs-Automaten für Aachener Stadtführer am Haupt¬ 
bahnhof wird abgesehen, weil in der Bahnhofsbuchhandlung 
Führer in allen Preislagen erhältlich sind. Der Verein schloss 
sich der Propaganda des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 
an und stellte die erforderlichen Führer zur Verfügung. Die 
Geschäftsstelle der Verkehrs - Zeitschrift „ Deuts chland“ be¬ 
absichtigt im Anfänge des nächsten Jahres mit Unterstützung 
der städtischen Kurdirektion eine Sondernummer Aachen 
herauszugeben. In Anbetracht des Nutzens für unsere Stadt 
glaubt hier der Verkehrs-Verein fördernd einwirken zu können 
und stellt den Betrag von 1000 Mk. zur Verfügung. Der Verein 
glaubt, dass auch noch andere Interessenten, wie technische 
Hochschule, Handelskammer, Grossindustrielle, die geplante 
Veröffentlichung unterstützen werden, der die städtische Ver¬ 
waltung ebenfalls Sympathien entgegenbringt. Von ärztlicher 
Seite wurde angeregt, in den Ankündigungen über Aachen die 
hier zur Anwendung gelangende Douche-Massage mehr wie 
bisher in den Vordergrund zu stellen, da gerade diese lediglich 
in Aachen übliche Heilmethode manche Gichtiker zum Besuche 
des Bades Aachen veranlassen dürfte. Von der Gesellschaft 
zur Errichtung von Kaufmanns-Erholungsheimen wurde auf 
einen diesbezüglichen Antrag die Errichtung eines Heimes im 
hiesigen Stadtwalde in Aussicht genommen. Aus Anlass des 


Kaiserbesuches wurde an sämtliche in Frage kommenden |>el-;! 
gischen und holländischen Zeitungen fortlaufend geeignete • 
Artikel übermittelt, die in fast allen Fällen Aufnahme gefundes^ 
haben. Der Verkehrs-Verein bedauert, dass durch Nachrichten' 
in der auswärtigen Presse, anlässlich der Aufstellung des Ledexer- 
brünnchens auf dem Fischmarkt, welche die Stimmung der ' 
Aachener Bürger falsch wiedergeben, seine Bestrebungen zur 
Hebung des Verkehrs erschwert bezw. vereitelt werden. 

Kölner Verkehrs-Verein. 

Im Oktober fand unter dem Vorsitze des Baurats Schellen 
eine Beiratssitzung des Vereins statt. Den interessanten Ver- , 
handlungen entnehmen wir die MitteUung des Vorsitzenden, dass 
sich aus dem deutschen Rundfluge, der in den Tagen vom 
28. bis 30. Juni stattgefunden, ein Ueberschuss ergeben hat. Der 
Beirat behandelte weiter die Neuauflage der Kölner Woche 
1912, die wiederum in einer Auflage von 100 000 Stück heraus¬ 
zugeben beschlossen wurde. Nach dem Vortrage des Vorsitzendeoi 
fand die Frage des Aushanges von Bildern in Eisenbahn¬ 
wagen auf der unlängst stattgehabten Sitzung des Bundes 
Deutscher Verkehrs-Vereine in der Hauptsache eine Klärung; 
auch die behördlichen Kreise brachten dem Aushang solcher 
Bilder Sympathien entgegen. Der Beirat stimmte der Auf¬ 
fassung des Vorsitzenden zu, dass auch Köln durch den Aushang 
guten Bildmaterials vertreten sein müsse. Für die Gewinnung 
geeigneter Motive, die in Farben und zwar mit Hülfe der Farben- 
Lithographie hergestellt werden sollen, sind die Verhandlungen 
noch nicht zu einem endgültigen Abschlüsse gekommen. Zur 
Gewinnung guten Bildmaterials für den Aushang und für die 
Druckzwecke des Vereins ist ein Wettbewerb beabsichtigt, der 
Material für farbige Bilder, Schwarz-Weiss-Zeichnungen und 
Photographien liefern soll. Nach den Beschlüssen des Beirats 
wird vorerst ein Betrag von Mk. 3500 zur Verfügung gestellt. 
Einer Anregung auf „Herausgabe von Reklamepostkarten“ ent¬ 
sprach der Beirat durch einen Beschluss, vorläufig zwei Serien zu 
je sechs Bildern in einer Auflage von je 2000 Stück heraua- 
zugeben. Für die Beschaffung von weiteren 3000 Stück der 
Sondernummer Köln der Zeitschrift „Deutschland“, die 
gelegentlich des Kaiserbesuches herausgegeben wurde, wurde ein 
Kredit bewilligt. 3000 Exemplare einschliesslich eines besonderen 
Beiblattes betitelt „Der Gürzenich im Festschmucke“ sind zur 
Verteilung an die Schüler der oberen Klassen, sowohl der 
höheren Lehranstalten, wie Volksschulen, Fortbildungsschulen usw. 
bestimmt. Der Vorsitzende, welcher an der jüngsten Tagung des 
Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine teilgenommen hatte, ver¬ 
breitete sich noch über die erfreulichen Fortschritte des Bundes, 
insbesondere darüber, dass die Arbeiten des Bundesvorstandes 
im Interesse der Hebung des Fremdenverkehrs einen nicht zu 
unterschätzenden Fortgang genommen und auch die Staats¬ 
verwaltungen, namentlich die Eisenbahnverwaltung, den Bestre¬ 
bungen des Bundes grosses Interesse entgegen brächten. 

Der Niederrheinische Verkehrsverband 

beschloss in einer Gesamtvorstandssitzung, zu der Vertreter aus 
Emmerich, Wesel, Rees, Elten, Wissel, Xanten, Geldern, 
Kempen, Sonsbeck, Issum, Rheinberg, Mörs, Repelen und Kleve 
erschienen waren, die Stellung eines Geschäftsführers auszu¬ 
schreiben. Ein vom Vorsitzenden, Oberingenieur Rütter (Kleve), 
verfasster Werbeaufruf wurde genehmigt. 

Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens und 
angrenzender Gebiete, Vorort Dortmund. 

Der Umfang der Arbeit, die dem Vorstande des Verbandes 
unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Eich¬ 
hoff (Dortmund) in seiner Sitzung im Oktober vorlag, wurde 
äusserlich schon dadurch gekennzeichnet, dass die Tagesordnung 
20 selbständige Punkte aufwies; in dreistündiger Arbeit wurden 
die einzelnen Punkte bis auf den Bericht Uber die Bundea- 
Hauptversammlung der deutschen Verkehrs-Vereine, der in der 
nächsten Sitzung nachgeholt werden soll, erledigt. — Der 
Verkehrs-Verein Dortmund, welcher den geschäftsführenden 
Vorstand satzungsgemäss zu wählen hat, wählte diesen wieder 
und setzte an Stelle des verstorbenen Herrn Flörsheim den 
früheren ständigen Stellvertreter, Herrn Strohn (Dortmund), 
als Schatzmeister ein. — An Mitgliedern wurden die Städte 
Minden, Winterberg, Kamen, Haltern, Gronau, die Verkehrs- 
Vereine Horst-Emscher, Paderborn und die Gelsenkirchener 
Bergwerks-Aktiengesellschaft auf ihren Antrag hin aufgenommen, 
so dass die Gesamtzahl der Mitglieder heute 117 beträgt. Da« 
Anwachsen der Mitglieder ist sehr erfreulich zu nennen, wenn 
man in Erwägung zieht, dass am Schluss des ersten Geschäfts¬ 
jahres 56, des zweiten 85 und des dritten 109 Mitglieder dem 
Verbände angehörten, so dass er heute eine der grössten Mit« 
gliederzahlen unter den bestehenden Verbänden aufweist» . 
In Rücksicht hierauf soll dem nächsten ordentlichen Verband««' 













Nr. II M a a OOQOQQQaaKMQQQQQQQOOO a DEUTSCHLAND Ba CBBOCBCC e BBBgaf^^ 547 


tage der Vorschlag gemacht werden, die Zahl der Vorstands¬ 
mitglieder um fl auf 15 zu erhöhen. — Die Mitglieder waren 
durch Rundschreiben aufgefordert, ihre Wünsche auf Ab¬ 
änderungen aus dem Sommerfahrplan dem Vorstand 
mitzuteilen, damit dieser in der Lage sei, Anträge auf Ver¬ 
besserungen zu stellen, oder die bereits gestellten Anträge nach 
sorgfältiger Prüfung zu unterstützen. — Unter den Eisenbahn¬ 
angelegenheiten handelte es sich zunächst darum, die Her¬ 
stellung verschiedener Anschlüsse von Schnellzügen den zu¬ 
ständigen Eisenbahndirektionen zu empfehlen; diese Wünsche 
betrafen die Dz 51 (Frankfurt—Köln) mit D 25 (Paris—Berlin) 
in Köln, des E 197 (Bünde—Cassel) mit P 776 nach Frankfurt a. M. 
in Cassel, des D 128/156 von Hamburg mit D 176 (Krefeld— 
Frankfurt) in Hagen und der P 414 und 560 in Hamm an E 2 
nach Köln und der Nachmittags-Pz von Bielefeld in Hamm nach 
Soest. An Wünschen für Einlegung neuer Züge wurden ein 
Ez-Paar auf der Strecke Dortmund—Witten—Hagen, die Ein¬ 
legung beschleunigter Züge auf der Strecke Recklinghausen— 
Essen und durchgehender Züge Recklinghausen—Bochum über 
Wanne und andere vorgebracht. Die eingegangenen Antworten 
der zuständigen Kgl. Eisenbahndirektionen auf frühere Anträge, 
welche die Einlegung neuer EilzÜge Berlin—Dortmund—Köln, 
die Schaffung einer Ez-Verbindüng Essen—Cassel—Leipzig und 
die Verbesserung der Anschlüsse Warburg—Frankenberg— Mar¬ 
burg betrafen, wurden zur Kenntnis gebracht. Für den Dz 171 
Holland—Osnabrück soll in Bünde, als Mittelpunkt der Tabak¬ 
industrie, ein Haltepunkt beantragt werden, ebenso für die Klein¬ 
bahn Ermelinghofif—Werne in Zeche Radbod. — Hinsichtlich 
der Sonntagsfahrkarten lagen verschiedene Wünsche vor; 
es soll beantrag^ werden, dass auch am Karfreitag und an 
dem allgemeinen Buss- und Bettage Sonntagskarten zur 
Ausgabe gelangten. — Die Verbesserung der Einrichtung 
der Feriensonderzüge, welche auf Betreiben des Verbandes 
vom Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine in Leipzig 
übernommen wurde, ist soweit gediehen, dass eine Kommission 
diese Vorschläge dem Ministerium für öffentliche Arbeiten nach 
Möglichkeit in mündlichem Vortrage unterbreiten soll. — Auch 
die Ueberlassung der graphischen Fahrpläne, welche die Eisen¬ 
bahn-Direktionen bisher nur für ihren inneren Dienst gebrauchen, 
die Regelung des Abrufens der Züge in den Wartesälen und 
die Einrichtung einer Wander-Ausstellung in Westfalen riefen 
schliesslich noch eine längere Besprechung hervor. 

Gründung des Verkehrs-Verbandes für Pommern 
und die Insel Rügen. 

Am 30. September wurde auf die Anregung des Stettiner 
Verkehrs-Vereins hin unter zahlreicher Beteiligung von 
Vertretern aus pommerschen Städten und Vereinen ein Verkehrs- 
Verband gegründet, der nach einstimmigem Beschluss den 
Namen Verkehrs-Verband für Pommern und die 
Insel Rügen führen wird. Von auswärts waren u. a. ge¬ 
kommen die Bürgermeister Sasse (Neustettin), Knitter (Demmin), 
Unglaube (Anklam), Pracht (Schivelbein), Dr. Vigelins (Gollnow); 
von sonstigen auswärtigen Interessenten bemerkten wir u. a. 
Kurhausbesitzer Schütz, i. Sekretär des Rügenschen Ostseebäder- 
Verbandes. Ausserdem waren aus Stettin u. a. anwesend: Stadt¬ 
schulrat Professor Dr. Rühl; Dr. Lüdtke (Verkehrs-Verein); 
Dr. Tewaag, Regierungsassessor beim Oberpräsidium; Dr. Bischoff, 
Bevollmächtigter der Landwirtschafts - Kammer für Pommern; 
Dr. Bräunlich; Gartendirektor Schulze; Oberlehrer Saar (Wander¬ 
vogel D. B., Ortsgruppe Stettin) und Dr. Buschan (Bund Heimat¬ 
schutz, Pommern). Der Vorsitzende des StettinerVerkehrs-Vereins, 
Oberst a, D. Thelemann, wies in seiner Rede über die Zwecke 
des Verbandes darauf hin, dass vor allem eine intensive 
Werbetätigkeit in den Vordergrund treten müsse. Die 
Verkehrs-Vereine folgen meistens wirtschaftlichen Zwecken; 
diese wirtschaftliche Seite sei aber nicht die Hauptsache, sondern 
man müsse auch die ideellen Ziele im Auge behalten und zwar 
möge man durch Hebung des Verkehrs das deutsche Vaterland 
noch mehr als jetzt bekannt machen. Leider ist es heutzutage 
Sitte, fuhr der Redner fort, dass man, wenn es sich darum 
handelt, in die Welt zu ziehen, gar nicht weit genug gehen 
kann, Asien, Afrika, Indien, das sind die anständigen Ziele, 
höchstens kommt noch allenfalls Schweden, Norwegen und die 
Schweiz in Betracht. Aber viele von diesen Herrschaften, die 
so in die Feme schweifen, wissen in ihrer eigenen schönen 
Heimat nicht Bescheid. Ich halte es nicht für gerechtfertigt, 
wenn auf unsere Anfrage eine Gemeinde schreibt, sie liege in 
einem so ebenen Lande, dass sie an den Bestrebungen der 
Verkehrs-Vereine kein Interesse habe. Hebung der Heimat¬ 
kunde und Heimatliebe wollen wir durch Hebung des 
Verkehrs erreichen. Nachdem die anwesenden Vertreter sich für 
die Schaffung eines Verbandes ausgesprochen hatten, wurde in die 
Beratung der einzelnen Punkte der Verbandsstatuten eingetreten, 
die schliesslich genehmigt wurden. Zum Vorstand des 


Verkehrs-Verbandes wurde einstimmig der Stbttiner 
Verkehrs-Verein gewählt. Dann erfolgte die Wahl von 
zwölf Beisitzern für den Vorstand, die aus folgenden Orten 
bezw. Vereinen genommen wurden: Gartz, Polzin, Neustettin, 
Gollnow, Rügen, Misdroy, Schivelbein, Cammin, Naugard, 
Köslin, Stralsund und Verein Heimatschutz. Die Rechnungs¬ 
prüfer stellen Altdamm und Rummelsburg. Als Ort für die 
nächste Tagung wurde wiederum Stettin bestimmt und dann 
die Sitzung geschlossen. 

7 ^ E i f e 1 -V e r e i n. In Waxweiler, dem freundlichen Eifel-Städt¬ 
chen im Kreise Prüm, fand am Samstag eine Haupt-Vorstands¬ 
sitzung desEifel- Vereins unter Leitung des Vereinsvorsitzen¬ 
den, Landrat Dr. Kaufmann (Euskirchen) statt, zu der Uber 
fünfzig Vertreter der Ortsgruppen und u. a. auch die Landräte der 
Kreise Mayen, Daun, Prüm und Schleiden erschienen waren. Auf 
der Tagesordnung stand zunächst die Frage der Jugendwande¬ 
rungen. Ewertz (Köln) berichtete über die günstigen Erfahrungen, 
welche die Kölner Ortsgruppe des Eifel-Vereins mit Halbtags¬ 
und auch Ganztags- Wanderungen der Volksschüler gemacht hat. 
Kümmel (Düsseldorf) legte dar, dass es nicht Aufgabe des Gesamt¬ 
vereins sein könne, das grosse Gebiet der Volksschüler- und Lehr¬ 
lings-Wanderungen in eigene Hand zu nehmen. Für das Rhein¬ 
land würden in der Hauptsache auch nur die niederrheinischen 
Gressstädte in Betracht kommen, die zum Teil von der Eifel zu weit 
entfernt lägen. Dagegen würde es den Ortsgruppen dieser Gress¬ 
städte zu überlassen sein, lokale Bestrebungen zur Hebung der 
Jugendwanderungen zu fördern und auch bei Bildung solcher 
Vereine für Volksschüler-Wanderungen rege mitzuhelfen. Der 
Eifel-Verein leiste in seinem mustergültigen Schüler- und Studenten- 
Herbergswesen ausreichende, mit viel Kosten und Arbeit ver¬ 
bundene Tätigkeit auf diesem Gebiet Die Versammlung stimmte 
den Ausführungen zu und beschloss, die Bestrebungen der Vplks- 
schüler-Wanderungen durch Stellung von ortskundigen Führern 
und praktischen Rat in Unterkünfte- und Verpflegungs-Verhält¬ 
nissen seitens der betreffenden Ortsg^ppen zu fördern. Für die 
Erhaltung des Strohdaches in der Eifel trat Proffessor 
Schürmann (Düren) nochmals warm ein, indem er die ästhetische 
und wirtschaftliche Bedeutung dieser Frage anschliessend an seinen 
Vortrag auf der letzten Hauptversammlung nochmals hervorhob. 
Die Hauptversammlung beschloss ferner eine wesentliche Aus¬ 
dehnung der Propaganda, um weite Kreise im Inland und 
im nahen Ausland mehr als bisher auf die Eifel und deren 
Schönheiten hinzuweisen. Der Vorsitzende wurde ermächtigt, 
mit dem Verlag der Zeitschrift „Deutschland** in Düsseldorf 
die Herausgabe einer Eifelnummer zu vereinbaren. Auch wird 
die Herausgabe eines Wer bebüch lei ns in Farbenphotopraphie 
in Aussicht genommen, ebenso die Verleihung von Erinnerungs¬ 
medaillen an verdiente Mitglieder gelegentlich der Feier des 
fünfundzwanzigjährigen Bestehens des Eifel-Vereins im Jahre 19x2. 
Dem Regierungspräsidenten in Aachen wurde für die Förderung 
des von der Ortsgruppe Eupen ausgegangenen Antrags auf Bildung 
eines Naturschutzparkes im Hohen Venn gedankt. 

Der Eifel-Verein (Ortsgruppe Düsseldorf) hielt 
kürzlich eine Hauptversammlung ab, um an Stelle des nach 
Münster als Provinzialschulrat berufenen Herrn Gymnasial¬ 
direktors Dr. Gramer, des Gründers und hochverdienten För¬ 
derers der Düsseldorfer Ortsgruppe des Eifel-Vereins und be¬ 
kannten Forschers der Eifelgeschichte, einen neuen Vorsitzenden 
zu wählen. Die Wahl flel auf Herrn Landesrat Adams, einem 
Eifelaner, während zum Schatzmeister Herr Polizeikommissar 
Ulrich und zum Schriftführer Herr Professor Gassmann wieder¬ 
gewählt wurden. Herr Direktor Dr. Gramer wurde in An¬ 
erkennung seiner unvergesslichen Verdienste um den Düsseldorfer 
Eifel-Verein zu dessen Ehrenvorsitzenden ernannt und ihm von 
den vielen Wanderern, die unter seiner Führung die hervor¬ 
ragendsten Eifeltouren machen konnten, ein Ehren-Wanderstab 
überreicht. 

Eine Hauptversammlung des Rheinischen 
Vereins für Denkmalpflege findet am 2. Dezember zu 
Düren in der Harmonia statt. Im Anschluss an die Haupt¬ 
versammlung, in der geschäftliche Angelegenheiten behandelt 
werden, wird Herr Provinzialkonservator Professor Dr. Renard 
einen öffentlichen Vortrag mit Lichtbildern halten über „Denk¬ 
malpflege und Heimatschutz in Dü r en - Jülich er 
Land**. Vorher findet eine Rundfahrt durch die Stadt zur 
Besichtigung von interessanten Bauwerken statt. 

Bergischer Landes verein. Im Hotel Kaiserhof fand 
die diesjährige Hauptversammlung des Berg^ischen Landes vereine 
statt, an der ausser den Vertretern der einzelnen Verschönerungs- 
Vereine auch der Landrat des Kreises Lennep, Dr. Hentzen teil¬ 
nahm. Der Vorsitzende, Professor Kleinschmidt, erstattete den 
Jahresbericht, in dem er u. a. mitteilte, dass zwar Dabringhausen 
noch nicht den Anschluss an den Landesverein vollzogen habe. 





548 ■ D e QooQCOQCK3eoQCKiQ8QOQQQQ33 9ffl DEUTSCHLAND p ee€ceeeociooocec»ec^^ Nr, 11 


dass ihm aber dort Herr Sichelschmidt als Mitglied beigetreten 
sei und durch seine tatkräftige Wirksamkeit schon vieles im 
Dabringhauser Gebiete zuwege gebracht habe. Der Bergische 
Landesverein habe im abgelaufenen Vereinsjahre hauptsächlich 
für die Wegebezeichnung Sorge getragen. Sie sei jetzt allent¬ 
halben erneuert und dadurch auf die Höhe gebracht worden, auf 
der sie stehen solle; sie sei nunmehr so ausgeführt, dass sie mit 
derjenigen des Verbandes Bergischer Verkehrs -Vereine überein- 
sdmme. Auch in Remscheid sei im Berichtsjahre tüchtig ge¬ 
arbeitet worden, namentlich in den Aussenbezirken. 

Berlin im Zeichen des Fremden-Verkehrs. Der 
Fremdenverkehr der Reichshauptstadt hat in den letzten Tagen 
einen bisher noch niemals erreichten Höhepunkt zu verzeiclinen 
gehabt Der Weltkongress der Hotelbesitzer brachte mehr als 
looo Fremde nach Berlin, die sich fast sämtlich eine Woche 
lang hier aufhielten; die Automobil-Ausstellung hat auch eine 
Menge von Fremden nach Berlin gelockt, und der Schaufenster¬ 
wettbewerb zog die Geschäftswelt des Reiches in die Metropole. 
Dazu kommt noch, dass der Monat Oktober an und für sich 
ein beliebter Fremdenmonat ist. Deshalb war cs nicht zu ver¬ 
wundern, dass die Berliner Hotels seit mehreren Tagen voll¬ 
ständig ausverkauft sind und Reisende abweisen müssen. 
Namentlich in den späteren Abendstunden konnte man viele 
Autos und Droschken sehen, die, hochbeladen mit Gepäck, von 
Hotel zu Hotel fuhren; die Reisenden mussten stundenlang nach 
Unterkommen suchen. Ein bekannter westdeutscher Gross¬ 
industrieller z. B., dessen herrliche Schloss-Villa berühmt ist, 
musste sich, wie die „B. Z. a. M.** meldet, drei Tage lang in 
einem ersten Hotel mit einem Badezimmer, das durch das Hinein¬ 
stellen eines Bettes bewohnbar gemacht war, begnügen, weil er 
verabsäumt hatte, Zimmer zu bestellen. Auch die Theater waren 
gut besucht, und die Geschäftswelt Berlins wird gleichfalls von 
dem reichen Fremdenzustrom profitiert haben. 

Ostseebad Ahlbeck. Die Kurlisten der diesjährigen 
Saison sind geschlossen. Sie zeigen, dass Ahlbeck zu den ersten 
deutschen Seebädern gehört. Die Frequenz hat in den beiden 
letzten Jahren wieder um 4—5000 zugenommen. Obgleich es 


bei den hiesigen örtlichen Verhältnissen nicht leicht möglich 
sein dürfte, die grosse Zahl der Passanten in die Fremdenlisten 
aufzunehmen, so wird in den letzteren doch bald das 95. Tausend 
wirklicher Kurgäste erreicht werden, eine Zahl, die von wenigen 
deutschen Seebädern übertroffen wird. 


Eisenbahnwesen. 

Eisenbahnverkehr. Nach den vorliegenden Fahrplänen 
der sächsischen Staatseisenbahn verkehrt auch den Winter hin¬ 
durch der direkte Wagen von Eger nach Aachen, Amsterdam, 
Oberhausen und Köln mit dem Schnellzuge, der Eger um 6.35 
abends verlässt. 

Grossfürstenwaggons hat der Pariser Volkswitz die 
neuen Luxuswagen benannt, die von der Eisenbahngesellschaft 
der Paris—Lyoner M6diterrann6e mit Beginn der Riviera-Saisoii 
eingestellt werden sollen. Der Name ist charakteristisch nicht 
nur dafür, wie viele Mitglieder der hohen russischen Aristokratie 
ihr Hauptquartier in Paris haben und während der grossen 
Saison nach Monte Carlo reisen, sondern auch für die Wagen 
selbst, die wohl das Reichste, Bequemste und Eleganteste dar¬ 
stellen, was die Eisenbahn bisher geschaffen hat. Die äusserlich 
anspruchslosen Wagen enthalten je zwei Schlafzimmer und einen 
Salon, dazu ein Badegemach, und sind mit dem Speisewagen 
durch einen Harmonikagang verbunden. Die innere Einrichtung 
ist aus den kostbarsten Holzarten Frankreichs, die Vorhänge 
und Möbelbezüge stammen aus Lyoner Seiden- und Samtfabriken, 
die Teppiche sind französischen Fabrikats. Sie bedecken in 
weicher Fülle jedes Eckchen des Fussbodens. Tiefe Klubsessel 
bilden das Hauptmeublement des Salons, von dessen Mitte eine 
elektrische Krone nie der sch webt, deren Lichtfluten die Aquarell¬ 
malereien an den Wänden beleuchten. Ein Schreibtisch, ein 
Spieltischchen, eine kleine Bibliothek und auf speziellen Wunsch 
des Mieters eines solchen Luxuswagens auch ein Klavier voll¬ 
enden die Einrichtung. Die Schlafzimmer sind vollständig im 
Wohnungsstil mit bequemen Betten und Möbeln ausgestattet. 
Alle Metallteile hier und im Badezimmer sind aus Silber. Dabei 



Skizze zu nebenstehendem Fahrplan. 







Nr. II Hi9 9 9GQQQ8908QQQ9Q0Q0QC3QQ9 ei DEUTSCHLAND 0 Beeeeeeee€g»eeeeeeeeee6eee ea 549 ' 


sind die Wagen selbstverständlich nach dem Muster allemeuester 
Technik so gebaut, dass möglichst wenig von der Erschütterung 
der Bewegung su fühlen ist. 


Schiffahrt. 

Erneute Ausdehnung der Ham bürg-Amerika- 
Linie. Die Hamburg-Amerika-Linie steht vor einer neuen 
Ausdehnung ihres Unternehmens. Die Gesellschaft hat sich an 
der Gründung der Atlantic Fruit Company in New York beteiligt. 
Die Atlantic Fruit Company hat zwölf Bananenplantagen-Ge- 
sellschcdten in Westindien erworben und wird in der Versorgung 
der Vereinigten Staaten von Nordamerika mit Bananen also in 
Zukunft eine hervorragende Rolle spielen. Zwischen der Atlantic 
Fruit Company und der Hamburg-Amerika-Linie ist ein lang¬ 
jähriger Vertrag geschlossen worden, wonach eine Anzahl von 
Dampfern der Hamburg-Amerika-Linie für den Transport der 
Bananen von Westindien nach New York der Atlantic Fruit 
Company ausschliesslich zur Verfügung gestellt werden. Der 
Direktor der New Yorker Niederlassung der Hamburg-Amerika- 
Linie, Herr Emil L. Boas, und der Vorstand des Frachtgeschäfts 
der Gesellschaft in New York, Herr Sickel, werden in den 
Aufsichtsrat der Atlantic Fruit Company eintreten. Gleichzeitig 
hat die Hamburg-Amerika-Linie mit der Verwaltung der Ham¬ 
burg-Columbien Bananen-Aktiengesellschaft Verabredungen ge¬ 
troffen, welche, wenn sie die Genehmigung der demnächst ab¬ 
zuhaltenden Generalversammlung dieser deutschen Bananen¬ 


gesellschaft finden, eine enge Verbindung zwischen der Hamburg- 
Amerika-Linie und der Hamburg-Columbien Bananengesellschaft 
herstellen. Nach diesem Vertrage wird die Hamburg-Amerika- 
Linie in Gemeinschaft mit dieser deutschen Bananengesellschaft 
schon vom nächsten Jahre ab mehrere Schiffe, welche mit den 
nötigen Kühlvorrichtungen versehen sind, für den Transport 
von Bananen von Westindien nach Hamburg in Fahrt stellen. 
Die Herren Ballin, Thomann und Dr. Hopff werden in den Auf¬ 
sichtsrat der Hamburg-Columbien Bananen-Gesellschaft eintreten. 

Neue Reisewege nach Sizilien. Durch das Anlaufen 
der Amerika-Dampfer des Norddeutschen Lloyd in 
Palermo ist Gelegenheit geboten, die Seestrecke Genua— 
Sizilien in angenehmster Weise zurückzulegen. Die Dampfer 
„Berlinds „Prinzess Irene“, „König Albert“, „Friedrich der Grosse“, 
die auf den Mittelmeer-Amerikadienst eingestellt sind, verlassen 
Genua je Donnerstags (9. November, 7. Dezember, 22. Februar, 
7. März, II. April, 2. Mai usw.), halten sich Freitags in Neapel 
auf und erreichen Samstags früh Palermo. „Prinzess Irene“ 
wird verschiedentlich auch auf der Heimreise von New York 
und Gibraltar kommend, in Palermo Halt machen. Ausser diesen 
Verbindungen wird auch dieses Jahr der Hafen von Syrakus 
an der Ostküste der Insel durch Salondampfer „Schleswig“ der 
Marseille-Alexandrienlinie eine regelmässige Verbindung erhalten. 
Der Dampfer „Prinz Heinrich“, der die neue Linie Genua— 
Neapel—Aegypten befährt, wird Catania anlaufen, von wo aus 
die Reisenden in kürzester Zeit mit Durchzügen nach Taormina, 
Palermo und den anderen Zentren der Insel gelangen können. 


Zusammenstelluiig der wichti^steu Ziigverhiudang;eu nach den bayerischen Wintersportplätzen. 

Mitgetoilt vom Verkehrsamt der Künigl. Bayerischen Staatseisenbahnen in München. 




rra 



Ea 

E-Z 


L-Z/D-Z 



0-Z 

D-Z 

D-Z 

D-Z 

EF3 

D-Z 

Cöln Hbf. 

. ab 


1005 

1127 

1213 

633 

800 

1168 

Bremen Hbf. . . . 

. ab 

807 


353 

940 

1159 


Wiesbaden . . . 

* » 

612 

127 

236 

320 

1008 

lüw 

118 

Hamburg Hbf. . . 


717 

835 

439 

906 

1104 

1133 

Frankfurt Hbf 

• V 

C16 

218 

336 

436 

1106 

12*1 

334 

Hannover Hbf. . . 


1033 


641 

UM 

218 

4^ 

Aschaffenburg . 

• » 

733 

310 

428 

533 

1220 

120 

4*7 

Cassel. 

• n 

11*0 

• « 

® 

12« 

241 

d 

Würzburg . . . 

n 

9*6 

442 

556 

7^ 

208 

251 

610 

Würzburg .... 

• » 

4 « 


-s? 

010 

9*6 

*4 .S 

München Hbf. . . 

. an 

200 i 

8^ 

1026 1240 

7201 

920 

1048 

Nürnberg Hbf. . 

• V 

1 

936 

416 

1 

( 











München Hbf. . . 

. an 

852 

1240 


10« 

200 

618 



D-Z 

D-Z 

L-Z 

EOS 

ms 

m 

ES 






L-Z 


E-Z 

D-Z 

D-Z 

moB 

rsi 

m 

D-Z 

E-Z 

E-Z 

Paris.ab 

1212 

616 

71 s' 905 _ 

1015 

— 

900 

Hamburg . . 

ab 

1133 

— 

— 

— 

— 

- 

— 

866 

314 

_ 

610 

_ 

— 

8*5 

— 

— 

Stradburg Hbf. „ 

1107 

130 

3^ 668| 716 

900 

122 

622 

Berlin Anh. Bf.. 


7 I 6 

846 


940 

1030 

8*0 

146 

846 


102P|1030 

— 

1230 

— 

— 

Karlsruhe Hbf. „ 

102 

2M 

603 

7191 925 

1046 

2*8 

643 

Halle. 


1 

1 


1 

1284 

1041 

353 

1061 


1 

1 

— 

1 

616 

— 

Cäin Hbf. 

800 

— 

1034 

160 — 

— 

93*1213 

Leipzig Bayr. Bf 


951 

1236 


1210:^1210 

♦1100 

♦816 

♦1013 

8001126 » 

106 

106 

714 

♦616 

847 

Frankfurt Hbf. „ 

1049 

1145 

— 

662, 716 

— 

1260: 410 

Dresden Hbf. 


8461111 


— 

1 



1 

600 

6001100 1100 

1100 

910 

— 

720 

Stuttgart Hbf. „ 

316 

600 

644 

919'1136| 1264 

455 

845 

Hof . 


103 

351 

366 

246 

1 




— 

1126 

328 

428 

417 

1030 

— 

1168 

Ulm .„ 

457 

637 

818 

1068 117 

252 

71410^ 

Bamberg . . . 


M 

M 

1 

fi 

450 

5 

06| 828 

31 * 

166 

M 

u> 

66* 

M 

1166 

266 

Kempten . an 

844: 

9*0 

145 

314 , - 

748,1044 

— 

Nürnberg Hbf. . 


3 

S 

Xi 

936 

a 0 

<2 SS- 

649 

713 

936 

416 

3 I 6 

3 

X3 

3 

Xi 

810 

3 

-3 

12* 

420 

Reutte • • • „ 

12*012*0 

— 

6*6 — 

1131 

— 

— 

Augsburg 

an 

a 

« 

a 

V 

!ll29j 


t 

93 * 

11*9 

618 

611 

a 

V 

d 

• 

1010 

d 

® 

600 

646 

Oberstdorf . „ 

1118 1118 

368 

528 - 

§10^ 

— 

— 

Kempten . . 

77 

tu 


133 ! 

(4 94 * 0 



IM 

940 



12«; 

M 

866 

— 

Augsburg ... ab 

6*6 

746 

926:1204! 233 

412 

8411161 

Reutte . . . 


U 

u 

— 

01 ^ 

l| 


a 

d 

— 

1220 


u 

§346j 

*- 

1134 

— 

München Hbf. . an 

720| 836 

1016,12581 326 

509 

937,1240 

Oberstdorf . 


Xi 

s 


— . 

^•3 

u 


u 

— 

1118 


Xi 

ä 

§1»3 

.0 

§1068 

— 








1 

München Hbf. . 

an 

6 i 8 | 943 

— 

780 

834 

10^1240 

714| 720 

803,10001116 

368 

5 I 8 

760 




D-Z 

P-Z 

EB 

E-Z 

BQ 

L-Z 


s-z 

L-Z 

D-Z 

S-Z 

E-Z 

L-Z 

S-Z 

D-Z 1 D-Z 1 

München Hbf. . . . 

ab 

12M 

§500 

♦700 

7O6 

745 

816 

845 

940 

1028 1146 

1200 

640 

7^ 

917 

1040 

1060 

Rosenheim. 



§557 

♦765 

810 

u 

— 

942 

1039 

1 

1243 

102 

637 

— 

Y 

1134 

1141 

Aschau . 

an 

% 

t 

731 

— 

§9« 


— 

— 

1201 

1 

— 

501 

811 

— 

•o 

— 

— 

Brannenburg . . 

» 


§616 

— 

843 

g 

— 

— 

1183 

ca 

9 

— 

§1*9 

70» 

— 

s 

1150 

— 

Oberaudorf . . . 


m 

§6« 

— 

903 

u 

— 

— 

1163 


— 

§149 

HE 

— 


mn 

— 

Kufstein. 

n 

« 

§700 

♦8*6 

920 


939 

iTilH 

1210 


120 

§206 

781 

906 

.0 

:3 

1216 

— 

Freilassing . 

V 



— 

— 



— 

12*6 

d 

s 

— 

2*8 

8^ 

.£.fl 

^ d 

1144 

— 


Bad Reichenhall . 

n 

1 

84* 

— 

— 

1037 

li 

— 

109, 

u 

, 0 

— 

326 

917 

SP 

11265 

— 

— 

Berchtesgaden . . 


00 

968 

— 


1149 

rä ^ 
0 1 

— 

mm 

1 

— 


fm 

J 

— 


— 

Salzburg . 

1» 

mm 

817 

— 


iTilH 


— 

1236 

1245 

— 

240 

8^ 


116» 


119 


Zeichenerklärung. 

§ Sonn- u. Feiertags. ♦ v. 2-1. 3. bis 20. 4. 
t In der Nacht nach Sonn- u. Feiertagen. 
* An Sonn- u. Feiertagen bei günstiger 
Witterung. ! Werktags. • Bis 1. 11. u. 
ab 24. 12. Sonn- n. Feiert. ♦ Bis 1. 11. 
u. ab 3. 3. Sonn- u. Feiertags bei gutem 
Wetter. ? bis 1. 11. u. ab 1. 3. täglich, 
sonst Sonn- und Feiertags. ■ Ab 31. 3. 
tiigl., sonst Sonn- u. Feiert, b. gut. Wett. 
X Bis 1. 11. ♦ Leipzig Thür. Bf. ab. 

% Vom 24. 12. bis 8. 4. an Sonn- u. Feiert. 
Fette Ziffern Schnell- oder Eilzug, 
magere Ziffern Personenzug. 




E-Z 

D-Z 

S-Z 

E-Z 

D-Z 



P-Z 

P-Z 

P-Z 

P-Z 

P-Z 

E-P 

P-Z 

P-Z 

P-Z' E-P 

München Hbf. 

... ab 

726 

1010 

1250 

6 :^) 

llio 

München Hbf. 

. . ab 

1500 

505 

S635 '§700 

*764 

855 

1126 

120 

410 

735 

Buchloe . . . 

... an 

8*5 

117 

158 

743 

1219 

Holzkirohen . . 

. . an 

— 

630 

— 

— 

— 

945 

1243 

266 

5*9 

8*6 

Füssen . . 

. . „ 

1104 

§159 

540 

1007 

— 

Schliersee . . 

• * 11 

S640 

743 

§810 

— 

•932 

1049 

201 

!56i 

643 

940 

Kempten . . . 

• • • 11 

940 

1213 

313 

860 

133 

Bayrischzell . 

• • 11 

17*7 

837 

§858 

— 

*962 

1143 

266 

— 

746 

— 

Reutte . . 

. . „ 

12*0 

§345 

6*5 

1134 

757 

Schaftlach . . . 

11 

— 

7 O 6 

— 

§813 

— 

1013 

118 

!434 

6 M 

866 

Immenstadt . . 

. . . „ 

1006 

1239 

341 

9*4 

200 

Tegernsee . . 

• • 11 

— 

747 

— 

§847 

— 

1061 

166 

— 

640 

934 

Oberstdorf . 
Lindau . . . 

, . . „ 

1118 

1123 

§163 

160 

528 
503 1 

§1068 j 
1050' 

310 

Bad Tölz .... 

• • 11 

— 

726 

— 

§829 

— 

1032 

137 

1542 

6*1 

916 


München Hbf. 
Starnberg . . 
Tutzing 


Mumau . . . 
Kohlgrub . . 
Oberammergau 
Garmisoh-Partenk. 



P-Z 

P-Z 

P-Z 

P-Z 

E-Z 

P-Z 

P-Z 

E-Z 

P-Z 

P-Z 

E-Z 

E-Z 

E-Z 

P-Z 

P-Z 

P-Z 

P-Z 

E-Z 

P-Z 

P-Z 

ab 

•546 

566 

•716 

7SO 1 ^00 

♦ 930 

10*9 

1130 

♦ 110 

120 

V146 

♦205 

■280 

346 

420 

:56o 

600 

730 

916 

1130 

an 

•620 

648 

•760 

8*4 

83* 

♦1011 

1116 

1203 

♦ 160 

214 

?217 

♦288 

■30* 

42c 

509 

:626 

666 

803 

1007 

1216 

11 

•638 

719 

•809 


854 

— 

1146 

1226 

— 

244 

— 

— 

■326 

447 

— 

— 

727 

8*6 

1034 

:i22! 

11 

— 

842 

•869 


— 

— 

137 

137 

— 

— 

— 

— 

— 

603 

— 

— 

938 

938 

— 

— 

11 

•729 

844 

— 

— 

941 

— 

113 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

609 

— 

— 

900 

9ii 

— 

— 

11 

•819 

938 

— 

— 

1031 

— 

206 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

668 

— 

— 

1006 

1005 

— 

— 

11 

•846 

1006 

— 

— 

1067 

— 

232 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

7*6 

— 


103* 

103* 

— 

— 

n 

•869 

943 

— 

— 

1016 

— 

218 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

707 

— 

— 

— 

1006 

— 

— 






























































550 g3QOQQ Q QQQ888QQQQ QQQ Q QQQQOQQei DEUTSCHLAND iB oeeeeoeec3ceeeoeocx30oeeeo M Nr. ft 


Luftschiffahrt. 

Die Fahrt des „Schwaben** nach Berlin. Auf einer 
Fahrt, die zu den schönsten und erfolgreichsten aller Zeppelin¬ 
fahrten gehört, hat am 19. Oktober das Luftschiff „Schwaben** 
Berlin auf dem Wege Uber Hamburg erreicht. Die Abfahrt in 
Düsseldorf erfolgte schon 4,47 Uhr früh, während die Stadt noch 
im tiefsten Schlafe lag. Einschliesslich der Besatzung nahmen 
an der Fahrt, die, wie immer, von Dr. Ecke ne r geleitet wurde, 
ao Personen teil. Darunter waren nur einige wenige Passagiere, 
da die Tragkraft des Luftschiffes von Benzin und sonstigem 
Material beansprucht wurde. Man hatte sich mit Betriebs¬ 
vorräten für eine Fahrtdauer von 20 Stunden ausgerüstet, wenn 
in Wirklichkeit auch die Strecke in erheblich kürzerer Zeit 
zurUckgelegt wurde. Die Route war bei der Abfahrt noch nicht 
bestimmt, unterwegs entschied sich dann die Fahrtleitung über 
Hamburg. Ueber Berlin traf das Luftschiff etwa um 3^2 Uhr 
ein, so dass es für die ganze Strecke stark 10 Stunden gebraucht 
hat. Da der zurückgelegte Weg mit ungefähr 650 Kilometer 
angenommen werden kann, hat das Luftschiff etwa die gleiche 
Geschwindigkeit wie auf seinen früheren Fahrten erreicht. Unter¬ 
wegs wurde das Luftschiff, besonders in den Städten, von der 
Bevölkerung überall mit Jubel begrüsst. In Bremen überflog 
das Luftschiff die öffentlichen Gebäude im Stadtzentrum und das 
Verwaltungsgebäude des Norddeutschen Lloyd, ehe es die Fahrt 
nach Hamburg fortsetzte. Gross war die Freude in Hamburg, 
denn die Hamburger bekamen zum erstenmal ein Zeppelin- 
Luftschiff zu sehen. 

Der Ballon „Suchard“, der zurzeit in Augsburg bei 
Riedinger im Umbau begriffen ist, wird Ende dieses Monats 
nach Leichlingen überführt werden, um dort von der 
Traflex-Transatlantische Flugexpedition in der dortigen Halle 
montiert und zur Ueberquerung des Ozeans vom Kap 
Teneriffa aus verwendet zu werden. Es handelt sich um eine 
Gesellschaft aus Amerikanern, Mitgliedern der Rheinisch-West¬ 
fälischen Motorluftschiff-Gesellschaft und andere. Das Luftschiff 
wird etwa gooo Kubikmeter fassen und eine Gondel erhalten, 
die als Motorboot konstruiert ist. 

Das schraubenlose Luftschiff hat am iz. November 
vom Tegeler Schiessplatz aus seine erste Fahrt unternommen, 
die dreiviertel Stunde dauerte. Die Führung hatte Oberleutnant 
Meyer und die Ingenieure Bussy und Schneider. Die Leitung 
hatte der Direktor Wisnewski von der Luftschiffsantriebs¬ 
gesellschaft. Der Flug gelang gut und wurde ausgeführt, um 
die Schnelligkeit und den gleichmässigen Gang des Flugzeuges 
zu prüfen. 

Wintersportliche Veranstaltungen. 

Schwarzwald. 

Der Ski-Klub Schwarzwald macht bekannt, dass die 
grossen Wettläufe auf dom Feldberg vom 9. bis ii. Februar 1912 
stattfinden. In einer Besprechung der Ortsgruppen Triberg, 
Schonach, Schönwald und Furtwangen, die kürzlich in Schön¬ 
wald stattfand, wurde beschlossen, dass die genannten Orts¬ 
gruppen gemeinsam jeden Winter nur einen grossen Schnee¬ 
schuhwettlauf veranstalten sollen. Dieses Sportsfest flndet unter 
der Bezeichnung „Skiwettlauf auf dem hohen Schwarzwald der 
vereinigten Ortsgruppen des S. C. S. Furtwangen, Schonach, 
Schönwald, Triberg** abwechselnd bei einer der vereinigten Orts- 
gtuppen statt und ist zum ersten Male auf den 6. und 7. Januar 
1912 in Schonach festgesetzt. Weiterhin soll die Einführung 
eines Dienst- und Skifahrer-Wettlaufes (Forstbeamte, Brief¬ 
träger usw.) versucht werden. 

Thüringen. 

Der Wintersportverein Ernstthal (Sachsen-Meiningen) 
hält seine grossen Skiwettläufe am 7. Januar 1912 ab. Vom 
25. Dezember 1911 bis 6. Januar 1912 Anden in Ernstthal Skikurse 
für Damen und Herren statt unter Leitung der Gebrüder Böhm- 
Hennes. — Der Sportklub Tambach-Dietharz veröffent¬ 
licht sein vorläuAges Winterprogramm, nach welchem am 
13., 14., 19. und 20. Januar 1912 Übungsfahrten der Skiabteilung 
erfolgen, 28. Januar ist die Einweihung der Bahn für Bob- und 
Hömerschlitten, Wettfahrten. Ende Januar oder Anfang Februar 
Andet ein Skikursus statt. Am 10. Februar ist gemeinsamer 
Skiausflug (Friedrichroda oder Oberhof), 17. Februar Eislauf bei 
Konzert (dasselbe an mehreren Sonntagen), 24. Februar Wett¬ 
rodeln auf der Bahn im Schmalkalder Stieg. 

Der nächste Hauptverbands-Wettlauf des Deutschen Ski- 
Verbandes kommt am 28. und 29. Januar in Immenstadt zum 
Austrag. Die Meisterschaft für 1913 wurde dem Thüringer 
Wintersport-Verband übertragen; als Ort dafür wurde Oberhof 
bestimmt. 


Sächsisches Erzgebirge. 

Wie der Ski-Verband Sachsen (Sitz Dresden) meldet^ 
Andet sein Verbandswettlauf in diesem Winter am 20. und zx. 
Januar 1912 im Gebiete von Schellerhau bei Kipsdorf statt 
Dies Gebiet ist für Skilauf sehr geeignet, die Zug^erbindung 
nach Kipsdorf günstig. — Der Dresdner Ski-Klub plant an 
grösseren Veranstaltungen folgende: Zwei Skikurse; der erste 
für Schüler höherer Lehranstalten imd Erwachsene vom a6. bia 
31. Dezember igzi in Oberbärenberg unter Leitung des Bau¬ 
meisters Igel, der zweite für Erwachsene vom 7. bis 12. Januar 
1912 in Georgenfeld unter Leitung des Herrn Herz. Mehrtägige 
Ausfahrten nach dem Riesengebirge, dem westlichen Erzgebirge, 
Schöneck i. V., Sebnitz, Oberhof und zum Wettlauf des Deutschen 
Ski-Verbandes nach Immenstadt usw. sind ebenfalls vorgesehen. 
Ins Östliche Erzgebirge gehen jeden Sonntag bei günstigen 
Schneeverhältnissen Ausfahrten. 

Auch in diesem Winter Anden auf dem Wintersportgelände 
bei Johanngeorgenstadt Skikurse statt, und zwar: x. vom 27. De¬ 
zember 1911 bis I. Januar 1912 Skikurs des Wintersport-Vereins 
Johanngeorgenstadt, 2. vom i. Januar 1912 bis 6. Januar 19x2 Ski¬ 
kurs des Akademischen Sportklubs Leipzig. Beide Kurse stehen 
unter der Leitung des Skiwarts des Ski-Verbandes Sachsen, Herrn 
Dr. Seyfarth, unter Beihilfe einiger Mitglieder des Akad. Sportklubs 
Leipzig und des Sportwarts des Wintersport-Vereins Johann¬ 
georgenstadt und sind für Anfänger und Fortgeschrittene berechnet. 

Der Rodelsport im sächsischen Erzgebirge dürfte in der 
kommenden Wintersaison insofern neue Freunde gewinnen, als- 
man fast parallel zu der erst kürzlich eröffneten Drahtseilbahn 
Augustusburg—Erdmannsdorf eine längere Rodelbahn anlegt. 
Anfang und Ende der Rodelbahn liegen dicht an den Stationen 
der Drahtseilbahn und beabsichtigt die Verwaltung der Draht¬ 
seilbahn billige Tagesabonnements für Rodler auszugeben. — 
Prospekte über den Wintersport in Sachsen sind kostenlos 
erhältlich bei der Amtlichen Auskunftstelle der Königl. Säch¬ 
sischen Staatsbahnen im Internationalen Öffentlichen Verkehrs¬ 
bureau in Berlin W. 8, Unter den Linden X4. 

Der grosse Hauptwettlauf des Deutschen Ski-Verbandes . 
wird am 28. Jan. 1912 in Immenstadt i. Allgäu ausgefochten; die 
diesjährige Hauptversammlung am 29. Okt. 191T in Erfurt abgehalten. 

Die Wettläufe des Sächsischen Ski-Verbandes gehen 
am 21. Januar 1912 in Schellerhau bei Kipsdorf, des Kreises 
Westerzgebirge, am 14. Januar 1912 in Schöneck i. Voigtl. vor sich. 

Der vom Leipziger Skiklub abgehaltene, nun 4. Brz- 
gebirgskamm-Wettlauf Über eine Strecke von etwa 140 KUometer 
von Altenberg bis Johanngeorgenstadt, Andet gegen Ende 
Februar 1912 statt. 

Während des kommenden Winters wird der Leipziger 
S k i k 1 u b wiederum drei Skikurse in Oberwiesenthal i. Erzgebirge 
abhalten und zwar jeweils beginnend am 12. November und 
26. Dezember 1911, sowie am 2. Januar 1912. 

Bayern. 

Im Dezember 1911: In Partenkirchen Skikurs für Ausbildung 
von Kursleitern; 25. Dezember bis i. Januar: Kurs für An¬ 
fänger und Vorgeschrittene (beide veranstaltet vom Ski- und 
Rodelklub Partenkirchen). 

14.—21. Dezember 1911: Skikurse auf der Rotwand, veranstaltet 
vom Schneeschuhverein München. 

An den Weihnachtsfeiertagen 1911: Ski-Lehr- und Uebungskurse, 
veranstaltet von der Schneeschuhriege des Männer-Turn¬ 
vereins München; Ende Februar oder Anfang März igxx: 
Riegen-Wettkämpfe desselben Vereins. 

25. Dezember 1911 bis i. Januar 1912: In Berchtesgaden Ski¬ 

kurse, veranstaltet vom Deutschen Touring-Klub (München). 

3.—5. Januar 1912: In Oberaudorf Rodelkurs; 7. Januar 19x2: 

Meisterschaftsrodeln für Bayern vom Brünstein bei Oberaudorf. 
14 —21. Januar 1912: In Oberammergau Vierter Alpiner-8ki- 
kurs, veranstaltet vom Alpiner Ski-Klub (München). ^ 

24. Januar 1912 und folgende Tage: In München InternationalST 
Ski-Kongress. 

26. — 28. Januar 19x2: In Immenstadt Hauptverbands-Wettlauf 

des Deutschen Ski-Verbandes, Konkurrenz um die Meister¬ 
schaft von Deutschland im Skilauf; 21.—26. Januar X912: 
Touren woche der Skisportabteilung des Münchener Sportklubs. 
31. Januar 1912: In Oberstdorf i. Algäu Städtewettkampf im 
Skisprung. 

X91X/1912: Ski-Wettläufe der Vereinigten Münchener Ski-Vereine. 

Oberharz. 

Die Ortsgruppe St. Andreasberg des Oberharser 
Ski-Klubs hat den Beschluss gefasst, die Abhaltung der Ver¬ 
bandswettläufe des Oberharzer Ski-Klubs im Winter 19x2 für 
St. Andreasberg zu beantragen. Zwecks Förderung des Ski¬ 
sports beabsichtigt die Ortsgruppe, auch im kommenden Whxter 
zwei Skikurse abzuhalten, .. . 



J: 




\ : 

i - 
' ^ 



i \ 





"‘i 







Nr. II E>QQQQQQ909Q8QQQQQQQQQQQQ aaii DEUTSCHLAND B eeeceeo e e ee ee e eeee e ceoe eeeep 55i 


Schierke. Vom 20.—22. Januar zgia: Winterfest der Kur- 
verwaltuni^, unter Mitwirkung des Harzer Wintersport-Verbandes, 
Grafschaft Wernigerode, des Eishockey- und Skeleton-Klubs und 
des Bobsleigh-Klubs (Schierke); am 3. und 4. Februar 1912: Sport¬ 
fest des Eishockey- und Skeleton-Klubs; vom 17.—20. Februar 1912: 
Winterfest der Kurverwaltung und erstgenannter Vereine; während 
der Weihnachtsferien verschiedene Veranstaltungen (Schneeschuh¬ 
lauf und -Sprung, Eiskunst- und Wettlauf, Eis-Wettspiele, Skele¬ 
tonfahrten, Rodel- und Bobsleighfahrten). 


Braunlage, ln den Tagen zwischen Weihnachten und 
Neujahr: Sportwoche der Kurverwaltung; vom 27.—29. Januar 1912: 
Grosses Winterfest, veranstaltet von der Kurverwaltung und dem 
Ski-Klub; am 4. Februar 1912: Grosses Winterfest, zugleich Wett¬ 
läufe der Ortsgruppe Braunlage des Oberharzer Ski-Klubs und 
Austrag des Rodel-Wanderpreises der Kurverwaltung (Verteidiger: 
Herr cand. med. Bamer, Freiburg in Br.); am 3. März 1912: 

Wettrodeln. Oberharzer Skiklub. 


Der Hauptvorstand des Oberharzer Skiklubs hielt kürzlich 
im Johanneser Kurhaus in Zellerfeld eine Sitzung ab, in der der 
Vorsitzende, Landrat von Lücken, mitteilte, dass das Kultus¬ 
ministerium 2000 Mark für einen staatlichen Skikursus für Lehrer 
und Lehrerinnen des Ober- und Unterharzes zur Verfügung ge¬ 
stellt habe. Der Kursus, an dem auch zu Skilehrern auszubildene 
Mitglieder der Ortsgruppen des O. H. S. K. teilnehmen können, 
findet in Clausthal-Zellerfeld und bei günstiger Schneelage schon 
vor Weihnachten statt. Als Skilehrer für den Kursus sind bis 
jetzt der Norweger Thorleif Aas und der Meisterschaftsläufer 
von Oesterreich, Fritz Miller (Innsbruck) gewonnen. 

Wie aus Berlin gemeldet wird, wurde dort nach längerer 
Debatte ein Deutscher Bobsleigh-Verband mit vor¬ 
läufig 8 Einzelvereinen gegründet. 


Vogesen. 

In der diesjährigen Hauptversammlung des Eisass-Lo¬ 
thringischen Ski-Verbandes wurde beschlossen, im Winter 
Z9n/z2 kein Verbandsrennen abzuhalten, dagegen mit Unter¬ 
stützung der Verbandskasse einen Mannschafts- oder Zuver¬ 
lässigkeitslauf zu veranstalten; ferner sollen von dem sonst für 
das Verbandsrennen angesetzten Gelde 100 Mk. für Markierungen 
und 250 Mk. für einen Skikurs verwendet werden. Die Arran¬ 
gierung bleibt dem Vorstand überlassen. — Der Ski-Klub 
Vogesen (Mülhausen) veranstaltet vom 25. Dezember 191z bis 
I. Januar igz2 einen Skikurs am Lauchensee unter Leitung des 
Turnlehrers Rammler. Die Abfahrten des Klubs erfolgen am 
18. bis 25. Februar 1912. 


Wintersport. In den letzten Jahren tritt der Winter 
mit seinem Wintersport immer schärfer als Konkurrent in bezug 
auf die Zahl der Reiselustigen gegen den Sommer auf. Dieser 
neuen Richtung im Reisewesen Rechnung tragend, hat das 
bekannte Weltreisebureau Thos. Cook & Son eine Wintersport¬ 
abteilung ins Leben gerufen. Diese neu eingerichtete Abteilung 
befasst sich mit allen in das Reisefach einschlägigen Fragen 
in Verbindung mit dem Wintersport. Sie erteilt kostenlos Aus¬ 
künfte über jeden Wintersportplatz, über die stattfindenden 
Sportfeste und Wettläufe und Witterungsverhältnisse der ein¬ 
zelnen Orte, sowie über Unterkunftmöglichkeiten. Die Abteilung 
stellt Reisepläne auf, gibt die Verbindungen an und teilt die 
Preise für Fahrkarten und Unterkunft mit. Desgleichen stellt 
die Wintersport-Abteilung sämtliche Fahrkarten aus, besorgt die 
Reservierung in den Hotels und Pensionen und bestellt auf 
Wunsch die nötigen Schlitten für die Beförderung vom Bahnhof 
zum Hotel und zurück. — Soeben ist eine hübsche illustrierte 
Broschüre, von derselben Firma herausgegeben, erschienen, die 
den Wintersport in Deutschland, in der Schweiz, in Norwegen und 
Tirol eingehend behandelt. Diese Broschüre wird Interessenten 
auf Wunsch gratis und franko zugesandt von Thos. Cook&Son, 
Wintersport - A.bteilung Hamburg, Alsterdamm 39. 

Unter den Bädern des Kontinents erfreut sich Wiesbaden 
als Winterkurort besonderer Bevorzugung, denn die Heil¬ 
faktoren Wiesbadens, unabhängig von Wind und Wetter, stehen 
wie zu jeder anderen Jahreszeit, so auch im Winter zur Ver¬ 
fügung. Von Jahr zu Jahr ist die Zahl derjenigen gewachsen, 
die von Gicht, rheumatischen Beschwerden, nervösen Affektionen 
und anderen Leiden befallen, im Vertrauen auf die sicheren 
Erfolge einer Herbst- oder Winter kur ihre Schritte nach den 
gesundheitspendenden Quellen des alten Römerbades lenken. 
Alle Hotels sind geöffnet und alle Bequemlichkeiten und An¬ 
nehmlichkeiten, die für den Patienten als unentbehrliches Heil¬ 
mittel gelten, stehen in dieser sommerlichen Winterstadt das 
ganze Jahr hindurch zur Verfügung. Der Pulsschlag im Bilde 
des öffentlichen Kurlebens lässt nicht nach, und an geselligen 
Unterhaltungen und Kunstgenüssen wird in den prächtigen 
Sälen und Geselltchaftsräumen des neuen Kurhauses im Winter 


unendlich viel geboten. In den grossen Elite-Konzerten der 
diesjährigen Wintersaison werden berühmte Gast-Dirigenten und 
Solisten mitwirken. Auch die in die Faschingszeit fallenden 
Kurhaus-Maskenbälle stehen wiederum an bevorzugter Stelle im 
abwechslungsreichen Programm der Winterveranstaltungen. So 
vereinigen sich in Wiesbaden die Freuden der Grossstadt mit 
der Heilkraft des Weltbades. 

Der Neubau des Sporthotel in Oberwiesenthal im 
Erzgebirge schreitet, begünstigt durch die Witterung, rüstig 
vorwärts. Die Feier des Richtfestes konnte bereits am 16. Sep¬ 
tember d. Js. unter lebhafter Beteiligung aus den Kreisen der 
sächsischen Finanz und Industrie, den staatlichen und städtischen 
Behörden, vor sich gehen. Ein Festessen bildete den Abschluss. 
Das Hotel, welches 120 Betten aufweisen, im Parterre in einer 
stilvoll angelegten Flucht, Wein-, Bier- und Speisesaal, Billard-, 
Lese-, Schreib- und Musikzimmer enthalten wird, macht heute 
schon einen interessanten Eindruck. Im Souterrain wird ein 
kleines gemütliches Bierstübchen in süddeutscher Art vor¬ 
gesehen, in Sonderheit geschaffen, um die Ruhe der Hotelgäste 
nicht zu stören. Vom Hotel aus bietet sich ein prächtiger 
Ausblick nach dem malerisch gelegenen Städtchen Oberwiesen¬ 
thal, im Hintergründe die zu einer Höhe bis 1240 Meter an¬ 
strebenden Keilberg und Fichtelberg. Nur 5 Minuten vom 
Bahnhof und mitten in dem für Skilauf und Rodeln benutzten 
Terrain liegend, wird sich das neue Sporthotel ganz hervor¬ 
ragend zum Aufenthalt für den Wintersport eignen, nicht minder 
aber auch später für die Sommertouristik. 

Eine Liebenswürdigkeit des Kronprinzen. Fräulein 
Kortum in Halberstadt, Schwester eines Fleischermeisters, verlor 
durch einen schweren Unfall am Fleischwolf eine Hand. Die 
junge Dame, die eine bekamnte Vertreterin des Wintersports 
war und u. a. die Meisterschaft Deutschlands im Schneeschuh¬ 
lauf inne hatte, musste ihrer Passion entsagen. Sie erhielt ein 
eigenhändiges Schreiben des Kronprinzen, das unter Bekundung 
des lebhaften Bedauerns über den traurigen Fall eine Einladung 
zum nächsten Wintersportfest in Oberhof enthielt, dem sie, 
wenn auch nicht aktiv, so doch als sein Gast beiwohnen möge. 
Die Meisterschaft im Schneeschuhlauf hatte sich Fräulein Kortum 
durch einen Sprung von 23 Meter erworben, für eine Dame eine 
höchst beachtenswerte Leistung. 


Wintersportplätze in Deutschland. 


Bayrisches 

AS CH AU b. Prien: Rodelrennen, 
Skikurs am 24. und 25. De¬ 
zember und 8. Januar. 

BAD KOHLGRUB: Ski-Wett¬ 
läufe, Rodelrennen, Bobsleigh¬ 
rennen, Schlittenfahrten, Ski¬ 
kurs. 

BAD REICHENHALL: Rodel¬ 
rennen und Skikurse. 

BAD TÖELZ: Skikurs und 
Rodelrennen im Januar 1912. 

BAYRISCHZELL: Skiwettläufe 
1911/1912 der Ver. Münchener 
Ski-Vereine am Sudelfeld am 
21. Januar. 

BERCHTESGADEN: Ski- und 
Rodelrennnen im Januar und 
Februar; Wintersportfest im 
Spätwinter; Skikurs, 25. De¬ 
zember 1911 bis I. Januur 19x2. 

DIESSEN a. Ammersee: Preis¬ 
rodeln. 

FÜSSEN, 797 m. 

GARMISCH und PARTEN¬ 
KIRCHEN : Skikurse vom 
IO. —20. Dezember, 25. Dezbr. 
bis I. Januar und 2.—5. Ja¬ 
nuar 1912. Anfang Januar und 
Februar Ski-Wettläufe. 

HINDELANG: Preisrodeln und 
Skikurse im Januar. 

IMMENSTADT: Skikurs vom 
23. bis 26. Dezember, Haupt¬ 
verbands-Wettlauf des Deut¬ 
schen Ski-Verbandes vom 26. 
bis 28. Januar 1912. 

KEMTEN: Eisfeste und in¬ 
terne Wettläufe und Skikurse. 

KIEFERSFELDEN: 2 Preisro¬ 
deln und 2 Preis-Eisschiessen. 


Hochland. 

MARQUARTSTEIN: Skikurs 
Tailingfahrten. 

MITTELBERG bei Oy, 1036 m. 

MITTENWALD, 920 m 

MURNAU: Winterfest an den 
Weihnachtstagen. 

NESSELWANG: Allgemeiner 
Verbandswettlauf Anfang Fe¬ 
bruar 1912. 

OBER AMMERGAU: Alpiner 

Skikurs am 14. und 27. Ja¬ 
nuar 1912. 

OBERAUDORF: Meistcrschafts- 
rodeln für Bayern vom Brünn¬ 
stein am 7. Januar 1911, Preis- 
Rodeln vom Hocheck am 
21. Januar; Skikurs am 29. 
Januar und 4. Februar 19x2. 

OBERSTDORF: Städte-Wett¬ 
kampf im Skisprung am 31. Ja¬ 
nuar 1912; Ski-Wettläufe und 
Skikurs vom 26. Dezember 1912 
bis I. Januar 1912; Rodel¬ 
rennen. 

PEISSENBERG: Preisrodeln im 
Januar und Februar. 

SCHLIERSEE: Skikurse vom 
26.—31. Dezember ign und 
6.—14. Januar 1912; 3.—10. 

März Tourenkurs. Auf der 
R o t w a n d: Skikurs am 14. 
bis 21. Dezember igu. Ski- 
Wettläufe, Eisfeste, Rodel¬ 
rennen. 

SONTHOFEN: Skikurs, Ski¬ 

wettläufe, Rodelrennen und 
Eisfeste. 

TEGERNSEE: Skikurse. 

TRAUNSTEIN: Skikurs. 









552 i DQOocKKXjeQQOQocooQoocoxiQQQa B DEUTSCHLAND it eeeeeoeootxjoococccocccee« Nr. ii 


Schwarzwald. 


BADEN-BADEN, 200 m. 
BADENWEILER, 450 m. 
DONAUESCHINGEN, 700 bis 
800 m. 

FELDBERG, 1494,7 
FREIBURG i. B., 298 m. 
FURTWANGEN, 870-1150 m. 
HEIDELBERG. 

HERRENALB (Gaistal), 400 bis 
650 m. 


HÖHENSCHWAND, X015 m. 
HORNBERG, 370 m. 
MENZENSCHWAND, 884 m. 
NEUSTADT i. Schw., 830 m. 
ST. BLASIEN i. Schw., 800 m. 
SCHLUCHSEE, 952 m. 
SCHÖNWALD. 

TODTMOOS, 841 m. 
TODTNAU. 

TRIBERG i. Schw., 700—1000 m. 


Harz. 


ALBXISBAD, 325 m. 

ST. ANDREASBERG, 570 bis 
650 m. 

BAD HARZBURG, 300 m. 
BAD LAUTERBERG, 300 m. 
BAD SACHSA, 325 m. 
BALLENSTEDT, 220—260 m. 
BLANKENBURG, 200-337 m. 
BLEICHERODE, 280—315 m. 
BRAUNLAGE, 600—650 m. 
BROCKEN, 1142 m. 
CLAUSTHAL- ZELLERFELD, 
534—605 m. 

DREIANNEN-HOHNE, 542 m. 
ELBINGERODE, 442 m. 
ELEND, 520 m. 


GERNRODE, 230 m. 
GOSLAR, 280 m. 
HAHNENKLEE¬ 
BOCKSWIESE, 560 m. 
HARZGERODE, 400 m. 
HOHEGEISS, 642 m. 
MÄGDESPRUNG, 292 m. 
QUEDLINBURG, 125 m. 
RÜBELAND, 378 m. 
SCHIERKE, 650 m. 
STÖBERHAI, 719 m. 
STOLBERG, 330 m. 
SUDERODE, 189 m. 

THALE, 225 m. 

TORFHAUS. 811 m. 
WERNIGERODE, 235 — 517 m. 


Thüringen. 


BROTTERODE am Inselberg, 
560—620 m. 

FRIEDRICHRODA, 450—700 m. 
GEHLBERG, 734—750 m. 
GEORGENTHAL, 387-450 m. 
GROSS-TABARZ, 380—408 m. 
ILMENAU, 500— 862 m. 
LAUSCHA (S.-M.), 550—700 m. 
MANEBACH, 550—861 m. 


MASSERBERG bei Oelze (Stat 
Katzhütte), 830 m. 
NEUHAUS am Rennweg, 830 m. 
OBERHOF, 825 m. 

RUHLA, 400 — 500 m. 
SONNEBERG, 385-638 ro. 
SUHL, 430—690 m, 
SCHMIEDEFELD, 720 — 800 m. 


Königreich Sachsen bezw. Sächs. Erzgebirge. 


ALTENBERG i. Erzg, 750 m. 
ANNABERG i. Erzg., 600 m. 
AUE i. Erzg., 349 m. 
AUGUSTUSBURG i. E., 505 m. 
BAD ELSTER, 491 m. 

BAD GOTTLEUBA (Sächs. 

Schweiz), 338 m. 
BÄRENFELS, 700 m. 
BREITENBRUNN, 700 m. 
BRUNNDÖBRA i.V.,6oob.9oom 
BUCHHOLZ, 694 m. 
CARLSFELD i. Erzg., 830 m. 
CHEMNITZ, 308 m. 
EIBENBOCK, 620—700 m. 
FRAUENSTEIN i. Erzg., 662 m. 
GEISING i Erzg., 600 m. 
JOHANNGEORGENSTADT im 
Erzg., 750 - 900 m. 

Riesen- und 

AGNETENDORF i. Riesengeb., 

550 m. 

BAD FLINSBERG i. Schlesien, 
524—970 m. 

BRÜCKENBERG i. Riesengeb., 
705—1252 m. 

HAIN i. Riesengeb., 630 m. 
HERMSDORF i. R., 350—450 m. 


KIPSDORF, 594 m. 

KLINGENTHAL, 555 m; Kame¬ 
runberg, 720 m. 

KÖNIGSTEIN a. d. Elbe. 

OBERWIESENTHAL (Sport¬ 
zentrum), 913—1245 m. 

OYBIN MIT HAIN, 400 - 600 m. 

REITZENHAIN, 778 m. 

SEBNITZ i. S., 520 m. 

SCHÖNECK, 768 m. 

UNTERWIESENTHAL i.Erzg., 
868—1215 m. 

ZITTAU i. S., 244 m. 

ZÖBLITZ i. Erzg., 600 m. 

ZWÖNITZ i. Erzgeb., 520 m 
(Ziegenberg, 651 m). 


Isergebirge. 

HIRSCHBERG i. Schl. 
KRUMMHÜBEL i. Riesengeb., 
650—680 m. 

SCHMIEDEBERG i. Riesengeb., 
440 — 700 m. 

SCHREIBERHAU i. Riesengeb., 
450—900 m. 

WARMBRUNN. 


LÜDENSCHEID. 


Sauerland. 

WINTERBERG, 842 m. 


Eifel 


ADENAU (Hohe Acht, 746 m; 

Nürburg, 678 m). 
BLUMENTHAL, 380 m. 
CALL, 376 m. 
DAUBENSCHEID, 615 m. 
DAUN, 400 m. 

GEMÜND, 338 m. 

HEIMBACH, 220 m. ; 

HELLENTHAL, 400 
HOLLERATH, 6ia m. 


HOHES VENN, 692 m. 
MONTJOIE, 500 m. 
MÜNSTEREIFEL, 350 m. 
PAUSTENBACH, 540 m. 
REIFFERSCHEID (Kreis 
Schladen), 435 m. 
RESCHEID, 630 m. 
SCHNEIFEL, 670 m. 
SCHÜLLER, 557 m. 

\. VOSSENACK, 400 m. 


Die 

RMERIKR-MÜAIMER 

(diesjährige grosse englische Ausgabe 
der „Deutschland“) ist, soweit der 
Vorrat reicht, einzeln zu beziehen 
zum Preise von 1 Mark (zuzüg¬ 
lich 30 Pfg. Porto); für Abonnen¬ 
ten der „Deutschland“ ermässigter 
Preis 50 Pfg. (zuzüglich Porto). 

Verlag der Zeitsclirift „Deutschland" 

Telephon 8757 Düsseldorf Postfach 444. 


Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

Die Bayreuther Festspiele werden, wie aus München 
gemeldet wird, nach endgültiger Feststellung auch im nächsten 
Jahre stattfinden, und zwar in der Zeit vom 22. Juli bis ao. Augueh 
Zur Aufführung gelangen „Meistersinger“, „Parsival“ und der 
„Ring“. Wie man hört, sollen die Preise erhöht werden. 


Ausstellungen. 

Internationale Wi ntersport - Ausstellung in 
Friedrichroda. Die Anmeldungen zu der vom 25. November 
bis 5. Dezember stattfindenden Internationalen Wintersport-Aus¬ 
stellung , veranstaltet vom Wintersport-Verein Friedrichroda, 
gehen so zahlreich ein, dass der grosse Kurhaussaal schon 
jetzt nicht mehr ausreicht und, um die angemeldeten Aus¬ 
steller unterzubringen, die an den Saal unmittelbar angrenzenden 
Nebenräume belegt werden müssen. Es ist recht erfreulich, 
dass Vonseiten der in Betracht kommenden Aussteller dem Be¬ 
streben des hiesigen Wintersport-Vereins so viel Beachtung 
geschenkt wird, der seinerseits auch alles aufbieten wird, dass 
die einzelnen Ausstellungen jede für sich wirkungsvoll ins Auge 
fällt. Die einzelnen Kommissionen mit dem Gesamt-Vorstand 
sind schon rege tätig, um alle mit der Ausstellung zusammen¬ 
hängenden Fragen eingehend zu behandeln und rasch zu er¬ 
ledigen. Während der Dauer derselben sind wieder einige 
Vorträge vorgesehen, die den Wintersport, seine Entstehung, 
seinen gesundheitlichen Einfluss auf den menschlichen Organismus 
usw. behandeln werden. 

Bayerische Gewerbes ch au München 191a. Im 
kommenden Jahre wird in der Zeit vom Mai bis Oktober in 
München eine grosszUgig angelegte Ausstellung stattfinden, die 
dem Besucher die hervorragendsten Werke vor Augen führte 
die Gewerbe, Handwerk und Industrie in Bayern hervorbringen.. 
Schon jetzt sind rege Hände an dem grossen Werke, das unter 
dem Protektorate Sr. Königl. Hoheit des Prinzregenten steht, 
emsig tätig. Die Ausstellungsleitung hat für diese Gewerbeschau 
Siegelmarken anfertigen lassen, die von der Amtlichen Auskunft¬ 
stelle der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen im Inter¬ 
nationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin, Unter- dex^ 
Linden 14, an Interessenten kostenlos abgegeben werden. 

Exzellenz Lingner, der Präsident der Internationalen 
Hygiene-Ausstellung, hat der Stadtverwaltung Dresden seinen 
Entschluss kundgegeben, die drei bedeutendsten Ausstellunge- 
abteilungen: die „Der Mensch“ betitelte, die historische, wissen¬ 
schaftliche und ethnographische Abteilung zu einem grossen 
Hygiene-Museum in Dresden zu vereinigen unter der Voraus¬ 
setzung, dass der Staat und die Stadt Entgegenkommen zeigen. 

Die Halle „Der Mensch“ auf derHygiene-Aus- 
stellunginDresden. Je mehr es nach dem Schluss der Inter¬ 
nationalen Hygiene-Ausstellung zugeht, desto mächtiger wächst 
die Zahl der Besucher an. Aus allen Städten und Ländern 
kommen täglich Tausende nach Dresden zur Ausstellung, Fürsten, 
Staatsmänner, Gelehrte und schlichte Arbeiter, um durch das 
wunderbare Material, das dort zusammengestellt ist, Anregung, 
Belehrung und Nutzen für das ganze Leben zu empfangen, ehe 



59® DEUTSCHLAND ü 


55i 


Nr. 11 

die grosse hygienische Weltschau ihre Pforten für immer 
schliesst. Ganz besonders aber wird die Halle für populäre 
Hygiene „Der Mensch** mit ihrem prachtvollen, nie gesehenen 
Anschauungsmaterial von dem Publikum aufgesucht. Der Zu¬ 
strom ist hier bereits in der zehnten Vormittagsstunde so stark, 
dass die gewaltige Halle täglich mehrmals polizeilich abgesperrt 
werden muss. Ein Passieren durch die einzelnen Gänge ist 
nur dadurch möglich, dass die Besucher angehalten werden, 
nach einer Richtung fortzugehen, und erst wenn eine Anzahl 
Menschen die Halle verlassen hat, werden neue Besucher ein¬ 
gelassen. Vorzüglich bewährt sich dabei die hohe Bauart der 
Halle, durch welche die Ventilation bei dem starken Besuch 
vorteilhaft unterstützt wird. 

Neue deutsche Kunstausteilungen in Südamerika 
Die Gesellschaft für deutsche Kunst im Auslande veranstaltet 
von Mai bis November nächsten Jahres nacheinander in Buenos 
Aires, der Hauptstadt von Argentinien, in Montevideo, der 
Hauptstadt von Uruguay, und Rio de Janeiro, der grossen 
brasilianischen Hafenstadt, je eine Kunst - Ausstellung von 
deutschen Gemälden, Skulpturen und kunstgewerblichen Gegen¬ 
ständen. Ausstellungsberechtigt sind nur die Mitglieder der 
Gesellschaft. Anmeldungen können bis zum i. Dezember d. J. 
beim Vorsitzenden, Geh. Reg^erungsrat Platz in Berlin-Friedenau, 
erfolgen. 

Die Reichs-Regierung hat in die „Ständige Ausstellungs¬ 
kommision für die Deutsche Industrie** ständige Vertreter 
abgeordnet, und zwar das Auswärtige Amt: den Geh. Legations- 
rat und Vortragenden Rat Goetsch, das Reichsamt des Innern: 
den Geh. Regierungsrat und Vortragenden Rat Albert. 

ZI. November bis lo. Dezember ign: In Düsseldorf Flugsport- 
Ausstellung. 

November igii: In Danzig Erzeugnisse der Majolika-Werkstätte 
Cadinen. 

1912: In Oberhausen Westdeutsche Gewerbe- und Industrie- 
Ausstellung. 

23. November ign bis Januar 1912: In Köln Ausstellung der 
neuen Entwürfe für das Bismarck-National-Denkmal. 

X. Januar 1912: In Rom Internationale Ausstellung für soziale 
Hygiene. 

Januar 19x2: In Danzig Neuere Gemälde, Studien und Radie¬ 
rungen von Professor Fritz A. Pfuhle, Arthur Bendrat und 
Berthold Hellingrath. 

Februar xgxz: In D a n z i g Graphische Arbeiten moderner Künstler. 
März xgxa: Handwebereien, verbunden mit Vorführungen der 
Technik. 

Juli xgxa: In Düsseldorf Städtebau-Ausstellung im Kunstpalast. 

Deutschland und das Ausland. 

Zum deutsch-französischen Vertrag. 

Das ComitdFranco-Allemand eröffnete in Paris am 
XX. November seine vierte Jahresversammlung. Der Vorsitzende, 
Ren6 Millet, begrüsste in der Eröffnungsrede mit Genugtuung 
das deutsch-französische Abkommen über Marokko und den 
Kongo vom Standpunkte der gemeinsamen wirtschaftlichen 
Interesse beider Länder, indem er die Ueberzeugung ausdrückte, 
dass es auch für die kontinentalen wirtschaftlichen Beziehungen 
beider Länder von fruchtbarer Rückwirkung sein werde. Von 
deutscher Seite sind zum Kongress gegen 20 Mitglieder des 
deutsch-französischen Wirtschaftsvereins erschienen, darunter 
von seinem Vorstande die Herren Bing (Nürnberg), Vrancken 
(Köln), Manes (Frankfurt) und Borgius (Berlin). Die Haupt¬ 
punkte für die Beratungen des Kongresses sind die von beiden 
Vereinigungen bei Handelskammern und anderen wirtschaft¬ 
lichen Vereinigungen beider Länder unternommene Untersuchung 
über Wünsche und Verbesserungen im Warenverkehr beider 
Länder, namentlich hinsichtlich der bestehenden Zollverhältnisse, 
und die vergleichende Prüfung der auf Veranlassung des 
französischen Komitees ausgearbeiteten Pläne Uber den Vogesen¬ 
durchschnitt. Am Abend vereinte ein Bankett die Kongress¬ 
mitglieder, wobei der Handelsminister Couyba durch ein Mit¬ 
glied seines Kabinetts sich vertreten Hess. 

Der deutsch - französische Handelskongress, 
der vom 10. bis 12. November in Paris getagt hat, gibt in 
einem Telegramm an Herrn Fl in sch (Frankfurt a. M.), dem 
Präsidenten des deutsch-französischen Wirtschafts-Vereins, seine 
einmütige Zustimmung zur Regelung der gegenseitigen Wirt¬ 
schaftsbeziehungen durch Verträge und seine lebhafte Genug¬ 
tuung darüber zu erkennen, dass von den bedeutendsten Ver¬ 
tretern des deutschen Handels eine versöhnliche Kundgebung 
über das Marokko - Kongo - Abkommen erfolgt sei. Im Namen 
des Kongressbureaus haben die Kundgebung unterzeichnet: 


Rend Millet, Gesandter, Präsident; Lucien Coquot, General¬ 
sekretär des Comit^ Commercial Franco-Allemand zu Paris; 
Kommerzienrat Berthold Bing (Nürnberg) und Dr. Borgius, 
Generalsekretär des Deutsch-französischen Wirtschafts-Vereins 
zu Berlin. . 

Der neue amerikanische Austausch-Professor. 
In der Berliner Universität hielt am 4. November in Gegenwart 
des Prinzen August Wilhelm als Vertreter des Kaisers der 
Professor Dr. Reinsch, Staatsrechtslehrer an der Universität 
Wisconsin, seine Antrittsvorlesung über das Thema: „Der 
neue Nationalismus in den Vereinigten Staaten**. 
Der Redner bezeichnete unter dem Namen des neuen Nationalis¬ 
mus jene Bestrebungen, die darauf ausgehen, den gewaltigen 
Industrialismus dieses Jahrhunderts dem demokratischen Geiste 
der im vorigen Jahrhundert entstandenen politischen Formen 
anzupassen. Unter dem Drucke der in den Trusts verkörperten 
grossen Kapitalansammlungen sei im Volke ein politisches Be¬ 
wusstsein entstanden, vor dem die alte individualistische Theorie 
fallen musste. Die Einsicht, dass die Staatsgewalt auch soziale 
Aufgaben habe, verbreitete sich mehr und mehr. Der neue 
Nationalismus wecke und fördere dieses soziale Denken und 
Handeln. Vom Gesichtspunkt dieser modernen Entwicklung aus, 
kam der Redner auf die Aenderung der amerikanischen Zollpolitik 
auf den Bau des Panamakanals und auf die Friedenspolitik der 
Vereinigten Staaten zu sprechen. Zum Schlüsse führte er aus, 
wie dankbar das Zusammengehen Deutschlands mit den Ver¬ 
einigten Staaten auf der Haager Friedenskonferenz und die all¬ 
gemeine Uebereinstimmung der nationalen Zwecke beider Länder 
vom amerikanischen Volke anerkannt werde. Prinz August 
Wilhelm zog den neuen Roosevelt-Professor nach dem Vortrage 
längere Zeit ins Gespräch. 

Eine deutsche Schulgesellschaft hat sich in Port 
au Prince gebildet, welche die Errichtung einer Schule für 
Knaben und Mädchen beabsichtigt. Da die Beiträge reichlich 
zufliessen, hofft man, die Anstalt schon am i. April 1912 eröffnen 
zu können. Der Unterricht soll von deutschen Lehrern erteilt 
werden und als obligatorische Fächer Englisch und Deutsch 
umfassen. 

Sir Frank Lascelles, der frühere Botschafter in Berlin, 
sprach auf einer Versammlung in Hanley mit ernstem Nachdruck 
über die Notwendigkeit, eine bessere Stimmung zwischen 
England und Deutschland zu schaffen. Die jetzt bestehende 
Verstimmung zwischen beiden Völkern könnte die Ansicht ent¬ 
stehen lassen, dass man nicht eher ein gutes Einverständnis 
und herzliche Beziehungen erhoffen dürfe, als bis die Stellung 
beider Völker engültig durch einen Krieg festgelegt sei. Es 
liege kein Grund zu einem Zwist vor, es schwebe keine Frage, 
die sich nicht dazu eigne, durch Verhandlungen beigelegt zu 
werden. Wenn man sich erst einmal von dem Gedanken los¬ 
gemacht habe, dass jedes der beiden Länder sich in Gefahr 
befindet, von dem anderen angegriffen zu werden, dann könne 
vielleicht, wenn nicht eine herzliche Freundschaft, doch 
wenigstens ein gutes Einvernehmen zwischen beiden 
geschaffen werden. Er richte an jede der beiden Nationen die 
Mahnung, dahin zu streben, die andere besser kennen zu 
lernen. Die bessere Kenntnis werde viel von den bestehenden 
Missverständnissen beseitigen. 

Deuts che Ueberseer in der Heimat. Bekanntlich 
hat das deutsche Kolonialinstitut in Hamburg eine Adressen¬ 
vermittlung für Angehörige der deutschen Schutzgebiete in 
Europa eingerichtet, durch die es unseren „Afrikanern** er¬ 
möglicht werden soll, während eines gelegentlichen Aufenthalts 
in Deutschland oder dem übrigen Europa unter einander und 
mit ihren Bekannten in Verbindung zu bleiben bezw. sich zu 
linden und finden zu lassen. Auf den zur Ueberfahrt benutzten 
Schiffen liegen Listen aus, in denen sie ihre Europaadressen 
nebst Zeit und Dauer des jeweiligen Aufenthaltes eintragen 
können. Diese Adressen liegen von nun an auch auf der 
Geschäftsstelle des Vereins für das Deutschtum im Ausland, 
Berlin W 62, Kurfürstenstrasse 105 aus und können von dort 
auf Anfrage mitgeteilt werden. 




# 

# 

# 

Nr. 10 1. Jahrgang 

Mosel (mit Titelbild Burg Eltz) 
der Zeitsehrift „DEUTSCHLAN D“ zu kaufen ge¬ 
sucht« Adressen erbeten an die Geschäftsstelle 
der Zeitschrift „DEUTSCHLAND“ Düsseldorf 
-=— Postfach 444 





554 


DEUTSCHLAND iB €»eeooc»ocxxx»xpoococ i cc ea H 


In Cleveland wurde unter zahlreicher Beteiligung von 
Deutsch - Amerikanern im Edegwater - Park ein Denkmal 
Richard Wagners, ein Geschenk der in Cleveland wohnen¬ 
den Deutschen an die Stadt, feierlichst enthüllt. — Eine zweite 
Denkmalsweihe fand in Syracuse statt, wo ein von Deutsch- 
Amerikanern gestiftetes Goethe-Schiller-Denkmal 
errichtet wurde. 


Verschiedenes. 

Naturschutz. 

Ueber Naturschutz unter besonderer Berücksichtigung der 
deutschen Kolonien sprach in der Deutschen Kolonial¬ 
gesellschaft, Abteilung Köln, Prof. Schillings (München), der 
zunächst ein Bild von der Verwüstung entwarf, die infolge der 
Mo de Verirrungen (Tragen von Federn und Vogelbälgen auf den 
Damenhüten usw.) der Vogelmord und die Jagd nach Pelzzeug 
in der Tierwelt angerichtet hat. Nach einer Feststellung Hagen- 
becks sind allein 50 der seltsamsten und schönsten Vogelarten 
binnen wenigen Jahrzehnten gänzlich ausgerottet worden. Der 
Biber ist in Nordamerika, der Eisbär usw. in den Eisregionen 
eine Seltenheit geworden; eine ganze Reihe von Pelztieren steht 
auf dem Aussterbeetat, wenn nicht bald ein gesetzlicher Schutz 
eingeführt wird. In Amerika, England usw. hat man damit be¬ 
gonnen, Bestimmungen gegen den bisherigen Raubzug in der 
Tierwelt zu treffen, für manche Tier- und Vogelrasse bereits zu 
spät; in Deutschland sowohl wie in unseren deutschen Kolonien 
fehlen noch Gesetzesbestimmugen gegen Vogelmord und Tier¬ 
vernichtung. Der Federhandel verliert nichts an Bedeutung, wenn 
er auf den Handel mit Straussfedern usw. beschränkt werde, die 
von zahmen Tieren in Zuchten gewonnen werden. Wenn die 
Damenwelt der Mode des Federtragens und der seltensten Vogel¬ 
arten entsagen würde, wäre viel für den Naturschutz gewonnen. 
Redner empfahl die Unterstützung der Bestrebungen 
des Bundes für Naturschutz, Sitz Stuttgart. Den 
Schluss des Vortrages bildete eine Reihe von Lichtbildern aus 
der Tierwelt und Flora unserer Kolonien. Lebhafter Beifall 
wurde dem Redner auch von der stark vertretenen Damen¬ 
welt zuteil. 

Naturdenkmalpflege. Der Leiter der staatlichen Stelle 
für Naturdenkmalpflege in Preussen, Geheimer Regierungsrat 
Prof. Dr. Conwentz aus Berlin hielt dieser Tage auf Einladung 
des Berg^schen Komitees für Naturdenkmalpflege in Barmen 
einen Vortrag über „die Erhaltung der natürlichen 
Landschaft, ihrer Pflanzen und Tierwelt**. Zu dem 
Vortrage hatte die Königliche Regierung in Düsseldorf Vertreter 
entsandt; anwesend waren ferner die Vertreter der Stadtverwal¬ 
tungen von Barmen und Elberfeld, die Spitzen der Behörden usw. 
Wie die Köln. Ztg. mitteilt, kann der zahlreiche Besuch als ein 
recht erfreuliches Zeichen dafür angesehen werden, dass die für 
das Bergische Land so wichtigen Bestrebungen der Naturdenkmal¬ 
pflege mehr und mehr anerkannt werden. Der einstündige, von 
allgemeinen Betrachtungen über die Ursache von Veränderungen 
der ursprünglichen Natur ausgehende Vortrag und die Vorführung 
der zahlreichen, zum Teil recht eindrucksvollen farbigen Licht¬ 
bilder gaben ein treffliches Bild von dem, was die Naturdenkmal¬ 
pflege erreichen will, und von dem, was sie in Preussen, Bayern, 
Sachsen usw. sowie dem Auslande schon geleistet hat. Der 
Erhaltung des Waldes in seiner Ursprünglichkeit und der Tier¬ 
welt, besonders der Vogel weit, der gerade neuerdings durch die 


Verwendung der Federn und Bälge als Hutschmuck so erndte 
Gefahren drohten, galten u. a. die warmen, eindringlichen Worte 
des Vortragenden, der mit dem Wunsche schloss, dass die , 
Bestrebungen des rührigen Bergischen Komitees in immer 
weitere Kreise dringen und tiefer Wurzel schlagen mÖdttOb 
und dass es dem Komitee im Verein mit den Behörden und 
der Bevölkerung gelingen möchte, im herrlichen Bergischen 
Lande die Schönheiten und Seltenheiten der Natur zu erhalten : 
zur Freude der ganzen Bevölkerung und zum Segen des Landes. 


Ausgestaltung der Rheinfront in Coblenz. Die 
Rheinseite der Stadt wird demnächst bedeutend verändert und 
verschönert werden. Der grosse, am Rhein gelegene Qasthof 
Bellevue wird abgebrochen und durch einen neuzeitlichen Pracht¬ 
bau ersetzt werden. Zugleich wird der Gasthof Viktoria abgerissen 
und so Platz für eine baldige Erweiterung des Regierungsgebäudes 
gewonnen. 





Der Dank des Kaisers an die Rheinländer. 

An den Herrn Oberpräsidenten wurde nachstehender Erlass 
Seiner Majestät des Kaisers und Königs gerichtet mit dem 
Ersuchen, ihn sofort in geeigneter Weise zur öffentlichen 
Kenntnis zu bringen: 

Magdeburg, den 21. Oktober xgn. 

Bei meinem Besuche der Rheinprovinz sind mir von der 
Bevölkerung in Stadt und Land, alt und jung, hoch und niedrig 
wiederum so schöne Beweise herzlicher Zuneigung gegeben 
worden, dass ich den Wunsch habe, allen, die dazu beigetragen 
haben, meinen Aufenthalt in der Provinz und meine Fahrten 
durch dass Land so angenehm zu gestalten, meinen wärmsten 
Dank zum Ausdruck zu bringen. Die prächtige Ausschmückung 
der Strassen und Häuser vom Palast in der Grossstadt bis zur 
Hütte in den Bergen, der patriotische Jubel der Bevölkerung, 
die stramme Haltung der Krieger- und sonstigen Vereine, wie 
das taktvolle Auftreten der Sicherheits- und Aufsichtsbeamten, 
haben mein Herz erfreut und mit den entzückenden Nator- 
schönheiten des Rheinlandes unvergessliche Eindrücke hinter¬ 
lassen. In dem zuversichtlichen Vertrauen auf die treue Gesinnung 
und Anhänglichkeit der Rheinländer bin ich in diesen Tagen 
von neuem bestärkt worden. Ich ersuche Sie, dies zur öffent¬ 
lichen Kenntnis zu bringen. 

gez. Wilhelm R. 

Die erste deutsche Hochschule fOr Frauen 



ist am 30. Oktober in Leipzig eingeweiht worden. Die 
86jährige Frau Henriette Goldschmidt, der das Zustandekommen - 
der ersten Einrichtung dieser Art in Deutschland zu verdanken 
ist, hielt die Begrüssungsrede. Oberbürgermeister Diedrich über¬ 
brachte die Glückwünsche der Stadt. Der Rektor der Universität 
Prof. Lamprecht, trat für die Notwendigkeit von Frauenschulen 
ein. Für das am i. November beginnende erste Semester, in 
dem Universitätsprofessoren Vorlesungen halten werden, haben 
sich bereits 500 Damen angemeldet. 


Eine weitere neue deutsche Hochschule. 

In Düsseldorf wurde die von der städtischen Verwaltung 
begündete neue A k a d e m i e für kommunale Verwaltung 
durch einen Festakt eröffnet, zu dem die Vertreter der militärischen 
und Zivilbehörden, der Rektor der Universität Bonn, der Rektor 
der technischen Hochschule in Aachen, Vertreter des Studien- 


BERUM HRMBÜRC] 

HOTEL ESPLAHADE 

Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 














Nr. II 83099939098009908000000000 ( 1 1 DEUTSCHLAND B 6eeeceeeeGeeeeeoe8 e) ee eo o o o gii 55S 


Direktors der Handelshochschule in Köln sowie Vertreter staat¬ 
licher und kommunaler Verbände erschienen. Oberbürgermeister 
Dr. Oehler schilderte in kurzen Zügen, wie ausserordentlich 
rasch die Zahl der Aufgaben und Ziele der kommunalen Ver¬ 
waltungen wüchse und daraus die Notwendigkeit einer umfassen¬ 
deren Ausbildung der Kommunalbeamten sich ergeben habe, und 
gab der Feier die Weihe mit einer Huldigung für den Kaiser. 
Regierungspräsident Dr. Kruse überbrachte die Glückwünsche 
der Staatsregierung. Weitere Wünsche für das Gedeihen der 
neuen Hochschule überbrachten der Rektor der Bonner Universität, 
der Rektor der technischen Hochschule Aachen, der Vertreter 
der Düsseldorfer Akademie für praktische Medizin und der Ver¬ 
treter der Handels-Hochschule in Köln, schliesslich die Vor¬ 
sitzenden des Rheinischen Städtebundes, des Rheinischen Ge¬ 
meindetagesund desVerbandes rheinisch-westfälischer Gemeinden. 
Der Vorsitzende des Direktoriums der Akademie, Beigeordneter 
Dr. Most, gab ein Bild der bisherigen Verhältnisse für die Aus¬ 
bildung der Kommunalbeamten, sprach kurz über die Einrich¬ 
tung und die Aufgaben der Akademie und teilte dabei mit, dass 
bis jetzt 123 ordentliche Hörer eingetragen seien, darunter 60, 
die akademisches Studium hinter sich hätten, und dass ausser¬ 
dem noch 32 Gasthörer sich angemeldet hätten. Die Festrede 
hielt der Studiendirektor der Akademie Universitätsprofessor 
Dr. Stier (Somlo) über kommunale Wissenschaft und kommunale 
Ausbildung. — Am gleichen Tage wurden durch eine ent¬ 
sprechende Feier die Akademischen Kurse für Allge¬ 
meine Fortbildung und Wirtschaftswissenschaften 
in Düsseldorf eröffnet, deren erste Lesungen durch die Beige¬ 
ordneten Prof. Herold, Dr. Most und Dr. Scholz vor überfüllten 
Sälen stattfanden. -. .... 

Wie aus Schandau berichtet wird, soll auf dem Hochplateau 
von Neu-Schandau-Ostrau ein Internationaler Welt¬ 
sportplatz im Königreich Sachsen geschaffen werden. Auf 
einem Gelände von 2 Quadratkilometern ist die Ausübung jedes 
Sports mit internationalen Preiskämpfen aller Art vorgesehen. 
Auch sollen für Kur- und Erholungszwecke eine Anzahl Muster¬ 
einrichtungen geschaffen werden und zwar in Verbindung mit 
behaglichen Gesellschaftsräumen. Mit dem Weltsportplatz soll 


ein allen Nationen zugänglicher Internationaler Weltsportklub 
verbunden werden. 


Bücherschau. 

Der Westerwald von Leo Sternberg. Ein stattlicher 
Quartband mit vielen Illustrationen. Der Preis des broschierten 
Exemplars beträgt 4.50 Mk., des gebundenen 5.50 Mk. (Düssel¬ 
dorf, A. Bagel). Mit dieser Monographie wird zum ersten Male 
der Versuch unternommen, die fast unbekannten künstlerischen 
Werte des Westerwaldes aufzuzeigen, die nicht nur lokales, 
sondern das Interesse eines jeden Kunstfreundes verdienen und 
sich infolge der volkstümlichen Form der Darstellung allen 
Kreisen der Bevölkerung darbieten. Unsere besten Kenner und 
Künstler entwerfen ein Bild der bäuerlichen Kultur in Baustil 
und Hausgerät, in Volkstracht, Sitte und Landesart, in Sage und 
Volksgesang. Das alte bodenständige Steinzeugkunstgewerbe 
von Höhr, Grenzhausen und Siegburg, das schon vor Jahr¬ 
hunderten die Prunkgemächer der Fürsten schmückte, wird von 
seinen frühesten Anfängen bis zu dem Zeitpunkte, wo sich 
moderne Kunstgewerbler, wie Professor Riemerschmid und van 
de Velde, Professor Behrens und Albin Müller, in seinen Dienst 
stellten, historisch entwickelt. Die Kruppschen Feingüsse der 
Sayner Hütte, Plaketten, Statuetten und Medaillen, werden in 
Wort und Bild vorgeführt. Die einheimischen Kirchen, zu 
denen baugeschichtlich so bedeutsame Werke der Architektur 
wie die Klosterruine Heisterbach und die zu den berühmtesten 
gotischen Bauwerken Deutschlands zählende Abteikirche Marien¬ 
statt gehören, werden samt ihren wertvollen Schätzen an Stein¬ 
bildwerken, Goldschmiede-, Limoges-, Zellenschmelz-, schmiede¬ 
eisernen und Schnitzarbeiten zur Anschauung gebracht, ebenso 
wie die Schlösser des Westerwaldes, unter denen Friedewalt die 
hervorragende Stellung eines der schönsten Renaissancebauten 
Deutschlands einnimmt und als ein Vorbild höchster Geschmacks¬ 
kultur dasteht. Es werden die geschichtlichen Vorgänge beleuchtet, 
die den grossen Maler P. P. Rubens mit seiner Geburtsstätte 
Siegen und mit dem Hause der Oranier in Dillenburg verknüpfen. 
Die heimatlichen Beziehungen des aus dem Wartburgkriege 


un^ 

Hetfen 5111 * Sec 

na^ 1]ta6etra. Portugol un^ Spanien. 
Italien, Sizilien. (Sne(^enlan6, 
^legppten. Sunefien. 21(gerien. 
na^ 6er €uropaifd)en un6 Ufiatif^en 
Sfiriei. 6etn S^tnar^en ttteere, Palöftina 
un6 Sprien uftn., 

deplon. Por6er- un6 ^(nterin6ten, 
it^ina. 3apan, na(^ Hufiralien. 

2 P«levctfcn 

Beife44td$ :: tPel^KttMtbriefe 

}lu$lunft erteilen 

Hetf^^eutf 4 ^elt 
Cletb ^ttemen 

un6 feine Pertretungen. 




S-Adam, Berlin W. 

Leipzigerstr. 27/28 = Ecke Friedrichstr. 



Ä 



lleiüii-iliig 







556 DEUTSCHLAND iig8@@e0ss^Beee^ee88e^^a8ee@ Nr. 11 


b^kfitmaibtiii l^ioöjea^g^ra Hetonth xpn. m 

a. d* Wiod vrttä^u üftcbgewleserij, : AIIe «oirriit’^gei;^ Dicbier ubd 
Schrift^teUer de^ Gebietes Vöc Reitibiw^ bis JtüT 

Madeira« — BreTit3.no. Simrock/ 

Carmen Sylva fdie Königin von Rumänien). kijtnmen 
WÖlte. SorgtllÖge Repr q diikboneti. Gein3ü4^1^ Vön RoiSt 

B4utigU}r, Böu^bot, Professor Stejtii&auäesst, Turm und 

iC^tiip mUD b p, na ch Schatten fTies^n y da C. iV; iJ ie fenba cli, uaeö 
»iwu Suchen und trolk?auhiiitt<su, naeh Origluaijceichnungtn der 
Maier iJikmewskit Aulm3nll^,/ M (Cassel^ Koch iHonnefi 
sjowic dfc leiche Wiedergabe, vori; bis her gröasiealeils ntnfefdffent* 
ikibteii Bähernh^^n^etn* Bu«i:^nrKtrcbenlandschaftlichen Motiven» 
Kel^uienschfeirient Möbelq^ keraujisebeu £rxe\ig- 

Äiaseoi/Blayfärbe; fOTmeitp TrachteabUdem^ Grabplatten* Holi- 
etÄlüeni Pläketteti/ Stb^napeten und Eläenbeinschnitzereiea 
vereinen ihr eradiöpfend** ^ha*J;hädUfifgstti^teria! mit Texte 

313 einem g^ründfegtadcb. küliurdokumettt^ d^h Reiietlden 

wid .Ftetiiidaf •■ lief' Njtiuri'ich'Önfe’ifti^’; ddt ■ • VuIkai-- 
ubit t-^ft<Jerkdttde gieichetW*!^ fesfr-^n wirit- 

vWibtdtf ib BaTJilgisn/fa/’ HerautE^ge^ben. Von ditrr 
Dabaigei Verfe^H^eiottaJe^ an PfgVSa]batyerlag. DU Brokebürp 
euthäil eine sorgtkltiieft U U.bcT ftÜe Kdii^^ert-, Vöftragfeyr 

Sport- und sonsiigen VeranstaJtongen, die fOj den kommendeö 
Winter in Dauaig: geplant sind. 


EiQ Sodiliag'Morgea am Kölner Hauptbahnbof. 

Bih f?rbebl^r Hovs?a>betworg^^tät. Nftisff ist in der ^.tadt 
, SÜtI. Diij hüt ijP?tmd> boob . hiebt 

itnf|Tfth?;^inmbu, du? toUyu dejn Portal sUf 

ü in cb ^ ol ü f \ tfi; lij ^3 j b b s,h. itröivm’ S to /nhi d l o 

VV^nig^ ?iveb(^>r 

giei eilten ; Hetflt. lEüttt üV^ , Wpd rtnscb^^f oder 

Töu.riiiUyö; djr-detv ib i'eid diiU AVhld 

widmo.h WötIGU, io ki iiiTjCif- G-r^O^ di^ hv.iIgttir, '. 

tj i j t ^;iii tAli liht? fa v.^rj r 1 ^j.}y. rrt I > rv ^ it 

/ r'.j:f# H^yt'r-ein.i^n'■.jdir^yi:Od 

h- 3 .el> d^to' 'Firihivunf-nt 

Oh-iä L n’fh^^uki'brriit;, •. '.,Hbt!r:- ' 0 ^-: 

t'. ;• öi-jh;:':? dpf >e^ I<f'r. t oivit t tdt ii rdv '.iit'l< r-U'o^v' 

I n rh^ ft ph ii u i cb r et i ff cn ^ 11 or, H di < n 

\Vif:'.de^n.V|Uhgt^rv?h • '■ 

^T>a dhh icivAE h ü < ’ j i Jilbn} j bi tttv-1 f tt hin «i: t d^ r .A 1 f p ., d rii n 
in au f l*ni. uni i; n »id ir i brui t, fl iirV^n d 

.d^r ■ddng*n''pf 'V^Hyriuk-.^i' 

,,T >A { ! %l I*■ ^ iM- c 1 i iiiifl ndt ••■ ^jt.tiVd 'J äu^.^nj i.ng nn eJ Wf?Ltiir- j 

ißahtel Tjjifl dryt.’.b V^i i u:sr^io t^i« hEfrcbiek Nybf)^>*, jf! 5 on in di'' I’ jiu*f 11 1 

ft«ifii^.uon. aroUi trahfdi ..ftk:bt- -^ixo^}t,' > U^t■ Erfnhi'un.u b 

b^sj uVu" AnsA:^nth 1 Adj«rfi^rfVoru!''' . ^ ^ ’ j 

Dinii^fh nlUtl i jarninM^rVvtdu V'^ rk ‘Uu iXfdiidiOr j 

aiifltrOthRn, J'’tirchteh diO ildi vt>r ^ 

düxuv .Pio 

j,A<tüAdiiiijit''' t{nil 'y:i?isLdhirt- doo ■^jörb't>!;ftt'C!i'kki- 

hetunnjjfvn^ ■ . ■ .k 

„RifK'n A nnadirnti'' Woji ist %ii« T^Jr tlh eiri: 
l'v tiUt n^huiertp; der dvjtig<d 

^Nij, da bdrt J^iciv dtjch anfü -Ti^vy 

sieb d»no s^port i.^firrdu^n nnd 

und tmti'fknn kdiditrobbi^^^f^en ,A-|uädent' Tiliiit -' ■^)*y. 

den lAffiÄifO' rhsf?,, P.^fd m {.kriUd.Tt.k^: flurrh 'ditr 

■• ■’df!i 5 ,tt?i-i,h-'rft id.rfAnijü tvie i''r'Ejolbfll vor dom giv- 

den KuE^tdier, diuvsq ftdi 

3 p|Jtßisrf^ imd ahdj dEireij flon vhtuiiL -W 

U iVidfl k rdk'rt Völi Et 9 ^ kir:Ub‘ «i aii ke iT d enr :.Ä ii-iirti Uao; ' Ihr 

, VVnt>iP.#»li«^frfi. du ^4 Wi'-ttvrs ‘iAii Hix? vor ibii'Ur Ja^d 

■aaetifrj^ at-hoh lo 1 1 eh^oitj <;r rts vU'^ und uiit h<i 11 vi3 in:^h'r,uA^b ■• 
inu ihrr-' u?rnU 3 t. l>k nainon fiort. dftE 50 frdunt^^^d 

'^divi' ^i^f^i;i^(v■.T^Urf^l^l 3 ln^q:; Nfkti U}\fl^Ux iii^'kJudeirr.W-^Uifcr- 
■'jyai il;: f^: ■ 'd-f’ t- Bi kd 1 i'ial 11. • hsi: .Sk‘-ln,diU''pdrj rg^'^.. ? >i(i 1 [".' • \\n ■• ■j^ch'Wai' 
.tv,ft 4 .Uk,:-ö'-^r;. ■.. ■.itu^ii;, -Rio' fr!>* : uk.’n- ■' 

^ eiursyorui^jn^' ^rift 

nife'iiihifci- .itUrsrka- Li^siih;i"n.n>ii hj.'ir jid-t ifkmü Wnfl'nn. 

.äag^H-, hk ^ ilAhif 4 ^äivar.a; '..A^jhÄdiiht*' 

rei h ejn ?■ r^t. cd nf i f "ni I n kt li txr id 1 ihi &*:Ui?h iktt’e klrktr] t^cli- s.i 

I nftustr^ö ? i loljü ren at ^r w Kf w■’ h IvatdtidkAh duob ts a> irh 

m 11 . noftT»a^ tiE el 3 < iri c!^ t ^ fTfih.b td i ) Aeli^^ 1 n k 

da öT at; n itn rn t. d f;? E*r 1 ( t?f i d m ifdfe sai bdm ^rvVe \ J1' 

ßl^ron imfblnden. 

pvr Äbur hkiu i 3 ^di :^i^5^r7leh Jn^irdTn4iiit.ai 

um -die ^ A'ijn^if: da^ 

r — dkttt.. dar jihh*t Wrk fit höl. m im aa I*ing;, 
daß Bh? hier mn tlvrc^h Jippdtrhisclfen iiflbpü urul 

ci«^ den idnai^en veyntlhftiu^^is VVattiernWftcl darstetlt, aeii r%T 
^aiiifordirlit ntif) trntKdflm porüB^, warm und trot^d^in ieieht jeder 
Btepa^o geWachaC'h und fcrotKden.i i^t. ikdren Sie aut tlCnt 

Ifemrnjirkt i [3 in ICölri .^u keTi.l Sifanü J acoh, doi-eelh* Brnmlor 
der A*|Uftdönt‘l 3 t?kleliibhU. tlej" thh^ji di«? Bhtailö besaex cTklSren 
kAhü, ttis. f<^f^. 


Noue Führ»f durch Cbemitit;« hat dar Vereiu ftlt 
Fremdem.-Verk^tLf iu ^hemniU; hesratusgegeb^Ti. Pie Idwsier* 
Reklsme^ctnift uvie aoeb der grosse Führer zeichnen sich diircli 
gute lÜustratiorreh und geechmackvone. kÜhstlecische Aud*: 
smUnng aus, — 

Driebens R ei se-S.pr aebf ü hrer j,D 15 ut^ dEt -* Hol¬ 
land iscb'k 6, Auflage p Mark). V'erlagsbnchhfttiiälung Albbri 
Goldachriendt, ÖctHe/ W,. SfS- Dass von diesem Sprachführer bereit# 
die S. Atdlage eTscheihtj beweist bei der nitiit gii^ögeo A]hsatit 
ähnlicher Werkchen iü^ Gehilge* dass «Ich dH&es Vadethfcum 
besondere auszeichneh Pie vorhegende Aufgabe bi «J# eia 
üeue$ Buch ^ bettacbleti ^ der: XlmfAhg hat ttm Seiten eu^ 
gKsnommeiy. Öie awehe Ksifte des jfiticlies WihfaBit ein# 
SarnraJüng vou Gesprächeo htAhf der PhiVk 
einer Wäsch«riu** hsw*) sowie ein iicmlich suiftihiliSche# alphA' 
betiijche^Wbrtexvefieichb Eine v0lU;Äadige hoh^dikche Speissc- 
kari®: vervoiiÄtähdigi den Inhalt- 

Schluss des i'ed-alrti'e^elten , 

mr .jUtJgftt)!-. Ti^'l ; J v a « r ^ c b c m se he r 
'hif. ijflfi wi-rtHckäfilrcb^ii c^yä/. )iiiiükbta.Teh'.4«r.ßiiüde»- 
• B y f ed*& Öu&d^^ü O'ÄüüjfkefV^fSteihf**' 

ifl Lsäpiig ; f|ir Ö- Cilh y 0^«>k m 

ufld VftMijÄ iörB ftkgyVa« v4-h A-ö; io pbaseldert 


} vIj iUii\n i \mm\ fehr itm aügyb, daß tler 

011 1 ■ f SVsi p.so c uu ft h eHU' fr^lt4i .l^st. %y ist m ceIo «totttt Ba- 

vmftlbOT.Er.' bitrtVt'n.y^jtij .Ltjgoir ih der 
irhi^ih K:o|[dkt?sew heifl v >li<t.äiti**öiiiah!heß im: Walde 
■^i{.F-yf fihd. TfiT'k-iitfijrig, .. viiür'' R.e^n/ 

hftoia: ^ n d • W'b; 1 1 - '■ B obh' doh. -k b'rjV«« bft ■■ Kbt 1 trgAS ..li^ÄSMi 

, 'H'ftv'ASf:h U'h Zivi^y k V iUÄdia«tk^rxä'hiy’U.v'st4’Wlaeeii 

''. -.) nfy^ . ■ >;'d ■{i'IA ui'.terfi.' «nn t t fT?f A oaviesj V ‘ l hn dh. IM thiß 

jt.fifgifi.;.^jy’^-iiii,'bbd üuoiit•. 

';. ■■.■;:■;..:Aui Pros^i KT in S'r. ■ ■ 1’'1. ^D^ 5 b 


Slu 0 end 

iTffties iBelidit iu^en^frifdre^ 

jilfnmfipretdie liant iinb tfn(blenb^n>- 

tftint, ?*We# öies btt ett^te 

Sl^impfiiNpnrätnikli • $tik 


Überaa ju baben 



für neroise und EHiolungsbudtrfibe. 

g;a«Ät^ «lalir Beisirn^t. -— : . , ■ ■ ■ - 

Aorztk THttiiig: Kniifiiijitih Li3itiing; 

Dr. med, Staehly, Direktor Butiöi 



unöero Lßser, hiermit be&ouderäi hinweiBen, 





















Zeltschfift fOr Helniatkunde und Helmdtllebe 
Orian (Qr die deubchen Verkehrs-interesen 

















Mag(fdurß 



oh,in ^ Mämkrg 


Zusammenstellung 
günstiger Zugverbindungen 

nach und von 

den im Bereiche der König!. Sachs. 
Staatseisenbahnverwaltung gelegenen 

W intersportplätzen. 


Nach und von der Sächsischen Schweiz. 


70 £|lli 6 | 
1161 213 ! 
§352t610| 
710 91 » 

. . . ' 92l\ 
821|10-l| 
952 11^ 

nii\ i± 


. 1 . 


805 

1106 


tim i§252| 

326 51b 650| 

. 36 6 I 610 71 Oj 
410 . 743 810 
!620 632, 842 930| 
813, 856|1026112o| 


. |1 )lu l'^O . 430 . 
245 415 . . 656 . 


§ 361 ;t 758 | 




910 

1107 



1032 

1246 

..1010 

1137 

223 

106 230 

431 


§1120 

228 

120 

325 

447 

626 


71 ü 

1011 

t 246 

612 

611 

730 

812 

1006 


I U) Ikriin Vuh. Bf. . »0^725 . . . 1(J18 
I \ii Krevden llb^. . 4b j 212 . . ! 720 

ib Cassel .4d | tll41 t242 

,, Erfurt .... 


,, UaKdfburfT Hbf.. 

,, Halle (Saale) Hbf. 

,, LeipiiK Brrsd Bf. 4n ! 521'. 
io Dresden Hbf. . . 4b j 311L 


! 822 
750 . 
630 


1107 

1220 

1042 

853 

715 






Winter 

1911/12 


1243 

1 

531 

651 

.. 102c ... 

1211 



1000 .., 


212 

420 

...|7il ... 

912 



+fi26 S750+111^ 



. § 2111638 



§935 

246 f 556 

TOt 


9il 

1212 221 



334 554 

fti 1 


812 

?1210 . . . 



706 

135 327 

517! 


712 

.. 1021 . .. 




421 

1225 146 

403 

531 

555 

!904 1108 


1211 

312 

1035,1113 

1216 

225 

400 

712 75‘ 


lOii 1211 


12161 212 600 624 707 830 1000 1045 1130 1248 2201 308j 500 615 705 31211052 1106 | jb Dresden l'br.. 

m| 3121714 737 7571^26 1049,1156,1209, 146,318| 42l| 556 769 7119io|ii27|i2ie^in Schandau .. 4b=^li35^! 632755 856 935|ll13,1251 1257 227i313522;6l6! 6i3i7^1 9211110 
, Ucher Dessau. t Ueber Bebrn-Erfurt. § Ueber Nonlliaiisen. ! Uel)or Halle (Saale) 532. ? Ueber Rödcrau-Falkeiiberfr-Zei bst llli. 


I 221655 705910 939104811210 140 206342350621,611j 710 82110211206 


Nach und von Zittau, Oybin, Jonsdorf und Reichenberg. 


112 

616 

845 

R58 

1019 


126 


336 

1011 


41 


743 


830 


1032 

1111 


632 

842 


1010 


1137 

111 


848 

1017 


1256 


220 

111 

627 

863 

909 

1030 


135 


346 


925 

1048 

1261 



425 


619 

630 




1259 





1121 

12121 . . . 

655 

1036 




xm 

636 


940 

1230 




X411 

848 


1156 

206 




1121 

611 


630 

1045 


1217 


1212 

711 


815 

1144 

1 

202 


412 

852 


1048 

1511 

‘ ' 1 

418 


411 

856 


1208 

1 213 


4241 


511 

956 


104 

318 


520 


0 

1005 

nno 116 

□ 



71« 

74ft 

1030 

*1127 

140 

»419 



Roe 

827 

1109 

*1200 220 

«458 



811 

830 

1111 

^1212 

222 

»501 



811 

649 

1100 

137 


530 


7411 

1161 

233 


611 





Ab Halle {''aale) Hbf. An 
Ab Leij'zif^ Dr. Bf. . .. An 
An Dresden^Neust. . . .Ab 

Ab DresdeiuNeust.An 

An Zittau ü.Bisehofxw.-WilihenAb 
An Zittau ümt Lolau-Ilennlii i Ab 


nter 1911/12. 
lOil 1201 “311 
421 630 
1211 312| 52£ 
lOio 122l| 311 
. . 11021 1111 312 
811 .. . 
811 1112 


Ab Berlin »>örl. Bf. 
Ab Cottbus 
An Görlil/. 


AbZinau . 

Ab Zittau Vorst. 

An OybIn. 

An Jonsdorf. . 


.An 
. An I 
.Ab I 
Ab I 


932 


1230 

0 

910 


1209 

3091 

836 


1136 

236 

835 


1132 

236 

9151 


1128 239 

8261 


1038 160 


I m I 611 | 611 *7111 
* 543 ' 611 611 I 
>520i 600 600 *7121 
. 1 560 j 550 


□ 

-1912 

t 906 

t 811 


Wintersportzug 


I 8211 
I 922 ! 
verkehrt nur 


Zittau und Zittau Vorst. X Ueber Sorau-Kohlf 


Ab Zittau. 

An Reichenberg.. 
und Fe.stta^^s nach 
w — W(Mktngs. § U( 


.An 1 
• Abffe 
Bedarf nach 


607 738 


tscuari nacii vorbori^er Bekanntmachung. 0 
*bcr Ijöbau. f Nur Mittwochs, Sonnabends, Sonn 


.1 711 i 921 

. I 621 ! 812 

Fußübergnng zwisclien 
und Festtags. 


Nach und von Eibenstock. 


w 


inter 1911/12. 


•7601 . . . 



1206 


700 


•805 

805 


120 

•430lItAl> Berlin Anh. Bf_An^ 

fvl248 






5011... 



lOllI. . . 

•726 





7U1 


911 



1147 


404 

6M 

Ah Riesa.An 

1028 






220' . . . 

711 


711 


1216 

... 


720| . . . 

845| . . . 

111111226 

... 1 300 

7£6 

Ab Dresden HI)f...An 

9481 . . . 


103| . . . 

410 

... 1 611 

...| 9M|... 

121 

425 




919 


1045 


1252 

300 


62» 

921 

Ab Chemnitz Hbf.An 

800 


955 


1127 


106 


422 


611 


im 

626|. . . 



1108 


1217 


227 

448 


811 

HM 

An Alle (Erzgeb.'. .. .Ab 

632 


803 


1010 


1116 


234 


454 


91» 

X648 


§711 


Xll*8 


§2 2 



X758 


X826 

§1126 

Ab Cassel.An 

§250 


X6^6 




xim ... 



§211 


§935 

919 



326 


511 


660 

1049 


1225 

424 

Ab Erfurt.An 

?1240 


246 




7M 

911 


1212 


*822 

906 


1216 


€)3M 


610 


710 

910 


HO 

428 

Ab Magdeburg Hbf. ..An 

1220 


334 




559 . . . 

811 


11211 


706 

lOll 


260 


5M 


743 


830 

1044 


229 

550 

Ab Halle (Saale) Hbf An 

1101 


135 




444 


711 


911 


425 

1030 


1126 


1230 




715 

845 


1250 

450 

Ab Berlin Anh. Bf.An 



262 




8’9 


811 


1140 


626 

IM 


466 


714 


847 


961 

HO 


408 

8M 

Ab Lei) zig Bayer. Bf.An 

955 


1141 




324 


567 


711 

. . . 

1211 

m 


569 


749 


918 


1042 

166 


504 

1 8M 

Ab Altenburg.An 

920 


1107 




243 


524 


720 


121a 

411 

630 

♦716 


836 


958 


1246 

311 


621 

916 

.\b Werdau ..An 

831 


1019 




127 


300 


621 


iiia 

5io 

652 

*730 


858 


1116 


110 

340 


721 

939 

[ Ab Zwiekiiu (Sa.).An 

743 


926 




1217 


239 


6M 


1017 

621 

761 

*814 


1003] 


1221 


214 

444 


811 

1011 

An Aue lEr/.geb.).Ah 

642 


816 




1115 


139 


502 


918 

633 

818 


1130; 


1226 


240 

5061 


“826| 

IIM 

1 Ab Aue ( 1j /gt’b.) . .An 

623 


"74 3 


10041 . . . 

1104 


~129 

... 443 


921 

706 

851 


12071 


1252 


315 

543! 


9M 

im 

An Eil>eii>loek unt. Bf. Ab 

511 


707 


930 


1030 


1266 

410 


811 

726 

907 

1 ...- 

12261 


1 m 


335 

6031 . . 

91« 

1200> 

^An Eibenstock ob. Bf.Abif^ 511 

...i 647 


912 


1009 


1233 

... 350 


821. 


4 

Wintersportzug, verkehrt 

nur 

Sonn- und Festtags nach Bedarf nacli vorheriger Bekanntmachung. 






e 

Uber Dresden. X Uber Bebra-Erfurt. § Über Nordhausen. @ Über Dessau. 

? Über Halle (Saale). 

! Über Bitterfeld-Zerbst: 1111. 






































































































































































□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□QgQQQQggggggQggQQQQQQQQQQQQQaDDaQaQQQQQQQQQQgggggg 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 


Der Wintersport in den deutschen Gebirgen! 



□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 


□ 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 


Fernblick auf die Tafelbergformen bei Königstein 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 



Nachtwandel im Erzgebirge (Oberwiesental) 












Phot.: E. Ijjel, Dresden) 


Sonniger Wintertag im Erzgebirge 



















DEUTSCHLAND 


Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe 


Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen □ Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher 
Verkehrs-Vereine □ Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein e. V., Köln 


♦ ♦ 

t Bezugspreis für Deutschland X 
X und Oesterreich-Ungam 6 M., X 
X vierteljährlich 1.50 M,, für das X 
t Ausland TOM. pro Jahr zuzügl. X 
X Postbestellgebühr — Erscheint X 
X Mitte eines jeden Monats Um X 
X Juni, Juli und August je zweimal) X 
• ♦ 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 

Druck und Verlag: Düsseldorfer Verlags-Anstalt A.-G. 


X Anzeigen - Preis 40 Pfennig X 
I die viergespaltene Kolonelzeile X 
X -- ■ Reklamen 1.50 M. - X 

X -die doppelte Breite- X 

X Auf der Umscnlagseite erhöhte X 
X Preise — Bei Wiederholungen X 
X eine entsprechende Ermälzigung X 


Nr. 12 


Düsseldorf • Dezember 1911 


H. Jahrg. 


König Winter. 


E r ist lange ein heimlicher König gewesen und sein 
Reich, das wie ein weißschimmerndes Eiland zwischen 
Z^!J den grünenden Inseln der drei anderen Jahreszeiten 
liegt, mußte erst entdeckt werden. Jahrhunderte lang redeten 
die Städte vom Winter, aber sie kannten ihn nicht. Sie redeten 
von ihm, wie von einem etwas mißratenen Bruder seiner drei 
stolzen Geschwister, des Frühlings, des Sommers und des 
Herbstes. Aber der Winter tat nur so. Wie der Kalif in 
Bagdad, so ging er, als schmutziger Bettler verkleidet, in 
den Straßen der Städte umher und hörte mit der gelassenen 
Geduld aller wirklichen Majestäten, wie die Menschen über 
ihn schimpften und fluchten. Er wußte, sie würden ihn ein¬ 
mal nötig haben und zu ihm kommen. Und dann würde er 
ihnen, den Müden und Gehetzten, Ruhe geben und Schönheit 
und Kraft und königlich Gleiches nicht mit Gleichem vergelten» 
So kam es denn auch. 

Die Entdeckung des Winters als eines für die körperliche 
und geistige Gesundheit der in der Lichtarmut und dem 
Luftmangel der Städte sich schleppenden Menschheit wird 
einmal in einer Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts als 
eine Tat von weittragender Bedeutung gewürdigt werden. 
Erst spätere Jahrzehnte werden überschlagen können, was 
für weite Schichten an Volkskraft gewonnen wurde durch 
eine intelligente Ausbeutung der von der winterlichen Gebirgs- 
natur gebotenen und solange verschmähten Gesundheitsquellen# 
Was staubfreie, wie ein prickelnder und stählender Trank 
dem Körper belebende Luft ist, das lernten die Hygieniker 
von Beruf erst wieder auf den schneebedeckten und im Sonnen¬ 
glanz leuchtenden Höhen. Da war die Jagd auf Bazillen 
weder so bequem noch so erfolgreich, wie in dem Gemisch 
von Straßenstaub, Fabrikrauch, Atmosphären und Tausenden 
von Gerüchen und Düften, das der Städter seinen Lungen 
während des größten Teils seines Lebens zumuten muß. Wer 
nicht schon einmal auf tiefem Schnee im Wintersonnenschein 
fast mit inniger Dankbarkeit die Lungen vollgesogen hat mit 
der köstlichen, herben, reinen Atmosphäre, der weiß nicht, 
was bei der Schöpfung unter Luft eigentlich gemeint war. 

Was unsere Jugend beim leichten Gleiten über den weißen 
Sammt des Schnee's an Elastizität und Ausdauer wie an 
Schlagfertigkeit des Geistes gelernt hat, das wissen am besten 
diejenigen Freunde des Wintersports, welche schon als ältere 
Semester das nordische Scheit oder den einheimischen Rodel 
zu meistern begannen. 

Für die deutschen Mädchen und Frauen, deren körperlicher 
Tätigkeitsdrang sich im besten Fall auf dem sandigen Tennis¬ 


platz oder im staubigen Tanzsaal ausleben durfte, war die Ent¬ 
deckung des Winters fast gleichbedeutend mit einer Rettung. 
Anders ist die in jedem Winter stärker werdende Massenflucht 
aus Konzerten, Bällen und sonstigen „Vergnügungen" hinauf 
in die reine, weiße Einsamkeit der Berge nicht zu erklären. 

Die Bereicherung des inneren Lebens der Menschen durch 
ästhetische Genüsse, wie sie der Winter, dieser als Plastiker 
und Maler, in Form und Farbe gleich große Künstler, seinen 
Gästen verschafft, ist nicht bei allen Menschen gleich groß. 
Aber auch solche, deren Augen wohl sehen können, aber 
noch nicht künstlerisch schauen gelernt haben, was die 
Wunderwelt des Winterwalds an Herrlichkeiten birgt, die 
kehren immer erfrischt, gereinigt und mit neuem Lebensmut 
erfüllt von den weißen Bergen wieder hinab in die grauen 
Täler und Städte. 

Die Entdeckung des Winters geschah gerade zur rechten 
Zeit. Nämlich in einer Periode des Kulturlebens, wo in 
Deutschland ein hochentwickeltes Verkehrswesen es auch 
Städtern mit nicht sehr großen Börsen ermöglichte, für kurze 
Zeit, oft nur über Sonn- und Feiertage, das Neuland einer 
unbekannten und unberührten Natur von kraftvoller Gro߬ 
zügigkeit und stiller Schönheit aufzusuchen. 

Es ist dem einstigen heimlichen König und der jetzt an¬ 
erkannten Majestät ein Hofstaat treuer Vasallen erwachsen 
in den Vertretern des von rein sportlichem Geist erfüllten 
Skilaufens, Schlittenfahrens und Eislaufens; aber auch in den 
Leitern der rein sportlichen wie auch der illustrierten Zeit¬ 
schriften. Was auf diesem Gebiete die „Deutschland", durch 
ihre Eigenschaft als großes Verkehrsorgan wie dazu geschaffen, 
in den letzten zwei Jahren an Arbeit geleistet hat, wurde an 
vornehmer Einfachheit, künstlerisch geläutertem Geschmack 
sportlichem Ernst und wissenschaftlicher Tiefe von keiner 
ähnlichen nicht ausschließlich dem Sport oder der Natur¬ 
betrachtung gewidmeten Zeitschrift übertroffen, und das steht 
nicht nur in allgemeiner Erinnerung, es liegt uns auch hier 
vor Augen. Die „Deutschland" darf sich rühmen, nicht die 
Geringste unter des heimlichen Königs Vasallen zu sein. Und 
jede Nummer, die jetzt in den Tagen der sinkenden Sonne auf¬ 
ruft zu einer Fahrt in die neuentdeckte Welt des Winters, tut 
ein Stück Kulturarbeit im Kampfe gegen die Verweichlichung 
des deutschen Volkes. Was uns not tut, ist Ruhe, Kraft, 
Bedürfnislosigkeit. Einer der größten Erzieher zu diesen 
Mannestugenden ist aber unser herber, großer Freund, der 

König Winter. a. f. 








V ‘Vii“ 


K 


560 


DEUTSCHLAND ig K%3e€gjes 6 ^!eeee ^ ^?eeee£^g äi Nr. 12 



Auersberg'haus i. Erzg. (Phot.: Franz Landgraf, Zwickau i. S.) 


Wintersportplatz Altenberg i. Erzg. 



Von sächsischen Wintersportgebieten. 

Von Dr. Kuhfahl, Dresden. 



Unter den deutschen Wintersportgebieten stehen 
die Gebirgszüge, die das Königreich südlich gegen die 
böhmischen Kronländereien abschließen, wegen ihrer 
leichten Zugänglichkeit, 
wegen ihres langanhal¬ 
tenden Schneereichtums 
und ihrer weiten Aus¬ 
dehnung mit an erster 
Stelle. Die dichte Be¬ 
siedelung Sachsens, die 
sich nicht allein mit 
kleinen ländlichen Ort¬ 
schaften, sondern mit 
wirklichen Städten und 
größeren Industrienieder¬ 
lassungen bis hoch ins 
Gebirge hinauferstreckt, 
hat seit Jahrzehnten den 
Ausbau von zahlreichen 
Eisenbahnen und son¬ 
stigen Verkehrsmitteln 
zur Folge gehabt. Auch 
Unterkunft und Ver¬ 
pflegung steht fast überall 
infolge des industriellen 
und kommerziellen Ver¬ 
kehrs seit altersher auf 
einer besseren Stufe als 
in anderen einsamen 
Waldgebirgen. Alle diese 
Umstände kommen heut¬ 
zutage den Wintersport- 
freunden ganz von selbst 
zugute und ermöglichen 
es namentlich, auch 
aus größerer Entfer¬ 
nung rasch und bequem 
nach den hochgelegenen 
sächsischen Gebirgsge¬ 
genden zu gelangen. Dazu tritt ferner die weitblickende 
und wohlwollende Haltung, die gerade hier in Sachsen 
der Staat und die Bahn-Verwaltungen von Anfang an 


gegenüber dem Wintersport eingenommen haben; so ver¬ 
kehren bereits seit einer ganzen Reihe von Jahren durch¬ 
laufende bequeme Sportzüge und selbst auf den schmal¬ 
spurigen Gebirgsbahnen 
hat man große schöne 
Durchgangs-Wagen ge¬ 
schaffen, die mit beson¬ 
deren originellen Vorrich¬ 
tungen zur Beförderung 
der Skier oder Rodel¬ 
schlitten versehen sind. 

Die sächsischen Sport¬ 
gebiete lassen sich für 
den Besuch aus größeren 
Entfernungen in drei 
Haupt-Gruppen zusam¬ 
menfassen, in die Lau¬ 
sitzer Berge mit der 
StadtZittauals Ausgangs¬ 
punkt, in die Sächsische 
Schweiz und das östliche 
Erzgebirge südwestlich 
von Dresden und in das 
Gebiet um den Fichtel- 
bergin derNähe der Berg¬ 
stadt Annaberg. Jede 
dieser Gruppen trägt in¬ 
folge ihrer geologischen 
Gestaltung, ihrer Höhen¬ 
lage oder ihres Besiede¬ 
lungscharakters ein ganz 
anderes Gepräge, und in¬ 
folgedessen kann eigent¬ 
lich jedermann hier je 
nach seinen sportlichen 
Ansprüchen und finan¬ 
ziellen Mitteln das Er¬ 
wünschte mit Leichtigkeit 
auswählen. 

In der Lausitzer Gebirgswelt, südlich von Zittau, 
lernt man eine malerische Verbindung von Sandstein¬ 
formation und hochragenden edelgeformten Granitbergen 


Hörnerschlittenabfahrt von der Peterbaude nach Agnetendorf 





















■12 



























































562 DEUTSCHLAND Nr. 12 



kennen, die dem Schlittenfahrer und Wanderer ebenso 
wie dem Skiläufer die verschiedenartigsten Winterbilder 
darbietet. Das liebliche Tal von Oybin und die pracht¬ 
volle gothische Klosterruine auf dem Oybinberge sind 
als Perlen sächsischer Landschaft bereits vom Sommer 
her genügend bekannt und gewinnen durch Schnee und 
Rauhreif natürlich erst recht an künstlerischem Reiz. 
Während die Ruine und das benachbarte Gasthaus auf 
dem Oybin jedoch auch im Winter nur auf der einen 
Felsentreppe zu erreichen ist, finden Rodler und Freunde 
des Hörnerschlittenfahrens an dem 795 Meter hohen 
Hochwaldberg und beim Dorfe Hain ausgezeichnete 
Schlittenbahnen, die bis zur Eisenbahn herabführen. 
Da das Hörnerschlittenfahren hier bereits seit ein paar 
Jahrzehnten gepflegt wird, so stehen selbst für ängst¬ 
lichere Gemüter stets sichere Schlittenführer in reich- 


Im Elbtal bei Eisgang (i^hot.: J. 

lieber Zahl zur Verfügung. Auch an Uebungshängen und 
Ausflugsgebieten für Schneeschuhläufer ist kein Mangel. 

Wer über solchen winterlichen Vergnügungen die 
Annehmlichkeiten der großen Stadt nicht ganz meiden 
und nicht in Oybin, Hain oder anderen hochgelegenen 
Gebirgsorten selbst wohnen will, den bringt die Schmal¬ 
spurbahn, die infolge ihres starken Verkehrs dem¬ 
nächst sogar zweigleisig ausgebaut werden muß, binnen 
25 Minuten nach Zittau herab. 

In der Sächsischen Schweiz, die im Sommer mit 
ihren romantischen tiefeingeschnittenen Felsschluchten, 
ihren seltsamen Sandsteingebilden und ihren hoch¬ 
ragenden Tafelbergen das Ziel vieler Tausende von 
Fremden ist, kann von eigentlichem Wintersportbetrieb 
zwar kaum die Rede sein, zumal es hier bei dem gleich¬ 
mäßig milden Klima des Elbtales selten zu einer reich¬ 
lichen langanhaltenden Schneedecke kommt. Um so 
mehr wird aber den Spaziergänger, ähnlich wie am 


Oybin, auch in diesen weitgedehnten Sandsteinregionen 
die winterliche Veränderung des Landschaftsbildes 
reizen. Alle Terrassen, alle Felsbänder und alle die 
kleinen Unebenheiten der Sandsteinkolosse zeichnen 
sich durch den anhaftenden Schneebelag deutlich ab 
und lassen somit gerade diese Eigenartigkeit des viel¬ 
zerklüfteten Elbsandsteingebirges besonders hervor¬ 
treten. Gelegentlich kann man jedoch selbst bei 
geringer Schneehöhe die steilen Straßen, die das Elb¬ 
ufer z. B. beim Städtchen Königstein mit den Hoch¬ 
flächen verbinden, als ausgezeichnete Schlittenbahnen 
verwenden; der Fahrweg vom Unterkunftshause am 
Großen Winterberge (550 Meter) nach dem Elbdorfe 
Schmilka weist sogar auf kurzer Strecke einen Höhen¬ 
unterschied von mehr als 400 Meter auf und zählt für 
Rodler bereits zu den schwierigeren Bahnen. In all den 

Berg-Gasthäusem 
herrscht deshalb 
auch während des 
ganzen Winters 
ein lebhafter Ver¬ 
kehr undselbst die 
Elb - Dampfschiff¬ 
fahrt bleibt so 
lange im Betrieb, 
als es die Eis¬ 
verhältnisse nur 
irgendwie gestat¬ 
ten. Kommt dann 
das Treibeis bei 
andauernderKälte 
irgendwo auf dem 
Strom zumStehen, 
so bilden sich 
ziemlich rasch 
meilenlange zu¬ 
sammenhängende 
Strecken, die mit 
Schlitt - Schuhen 
oder nach Schnee¬ 
fall auch mit 
Schnee-Schuhen 
sicher befahren 

Ostermaier) i i .. 

werden können. 

Das eigentliche Ausflugsgebiet der zahlreichen 
Dresdner Wintersportfreunde zählt jedoch nicht zur 
Sächsischen Schweiz, deren senkrechte Felswände und 
tiefe Schluchten wenig Verlockendes für Skiläufer haben, 
sondern liegt westlich davon auf dem höchsten Kamme 
des Erzgebirges. Vier Bahnlinien vermitteln den Verkehr 
nach Altenberg, Kipsdorf, Frauenstein und Moldau; 
länger als vier Monate herrscht hier auf 800 Meter 
Seehöhe zumeist der Winter, und die weitgedehnten 
Wälder und Hochflächen sorgen dafür, daß man sich 
selbst bei stärkstem Massenverkehr sofort in einsamere 
Gegenden zurückziehen kann, wenn man Ruhe und 
ungestörten Naturgenuß sucht. Der tiefverschneite 
Staatsforst mit unberührten weißen Durchschlägen und 
wenigen ausgeschaufelten Fahrstraßen gibt dieser 
Gegend das Gepräge. Einzelne wirkliche Berggestalten, 
wie der Geising, sind in diesem langgestreckten Kamm¬ 
gebirge sehr selten und ebenso trifft man auf städtisch 















Ski- und Ruschelbähn vom Pöhlberge bei Annaberg- im Erzgebirge, Ö42 m (Hofphot.: Albin Meiche, Annaberg i. S.) 



Skigelände am Pöhlberghange bei Annaberg im Erzgebirge, CCO—8C0 m (Hofphot.: Albin Meiche, Annaberg i. S.) 












564 DEUTSCHLAND Nr. 12 



Hain im Winter 


geschlossene Ansiedelungen, wie Altenberg und Frauen¬ 
stein nur in großen Abständen von einander; dagegen 
liegen zahlreiche deutsche oder böhmische Ortschaften 
auf dem Kamme zumeist in weitzerstreuter Form über 
die großen Waldblößen ausgebreitet und geben dem 
Wanderer willkommene Rastplätze, ohne den länd¬ 
lichen einsamen Charakter des Gebirges zu zerstören. 

Während man sich im öst¬ 
lichen Erzgebirge aber immer 
noch im Bereiche der ständigen 
Feld- und Forstkultur befindet, 
und somit die unangenehmeren 
Seiten des Winters nur ausnahms¬ 
weise zu spüren bekommt, macht 
uns ein Besuch des Fichtelberg- 
gebiets südlich von Chemnitz 
mit aller Rauhheit und aller Sturm¬ 
gewalt, dafür aber auch mit der 
vollen zauberischen Schönheit 
des deutschen Winters bekannt. 

Für die Zufahrt von der Nordseite 
her empfiehlt sich die Bahnlinie, 
die durch das landschaftlich 
reizvolle Zschopautal führt; hier 
zwischen Chemnitz und Anna- 
berg verkehren im Anschluß an 
die großen Schnellzugsverbin¬ 
dungen vielfach beschleunigte 
Sportzüge und die alte Bergstadt 
Annaberg selbst, der Hauptort der 
weltberühmten Spitzenklöppelei, 
bietet mit ihren Hotels und dem 
städtischen Gasthause auf dem 
Röhlberge (833 Meter) auch ver¬ 
wöhnteren Gästen gute Unterkunft. Zudem bildet sie 
mit ihren Nachbarorten den Knotenpunkt von vier 
Eisenbahnlinien, die den Verkehr auch mit den weiter 
westlich gelegenen Sportgebieten von Schwarzenberg 
und Johanngeorgenstadt vermitteln. 

Wer zum höchsten Berg Sachsens, zum 1213 Meter 
hohen Fichtelberge gelangen will, bleibt von Annaberg 


aus noch eine kurze Strecke weit auf der Hauptlinie, 
die sodann über böhmisch Weigert und Kupferberg bei 
1100 Meter Seehöhe das Gebirge überschreitet und in 
die Gefilde des Egertales bei Karlsbad hinabsteigt. 
Von der aussichtsreichen Haltestelle Cranzahl an 
benutzt man bis Oberwiesenthal eine Schmalspurbahn, 
die nach einstündiger Fahrt unmittelbar am steilen 
Nordhange des Fichtelberges 
endet. Hier bei Oberwiesenthal, 
dem höchstgelegenen Städtchen 
Sachsens, mißt die Schneedecke 
oft nach mehreren Metern, so 
daß man stets am Bahnwagen 
die Skier anlegen oder als Fu߬ 
wanderer dem lebhaften Treiben 
an den benachbarten Sprung¬ 
schanzen und Uebungshängen 
aus nächster Nähe Zusehen 
kann. Die einheimische Be¬ 
wohnerschaft, die bereits seit 
zwei Jahrzehnten den Skilauf 
pflegt, hat es gleichfalls samt 
ihrem jugendlichen Nachwuchs 
zu einer ausgezeichneten Fertig¬ 
keit gebracht. Rodler und Hörner¬ 
schlittenfahrer finden am Fichtel¬ 
berge, durch die Stadt hindurch 
und weit ins Sehmatal oder zum 
Bahnhof hinab eine besonders 
angelegte, gepflegte Bahn; auch 
die Wege am Nordhange des 
benachbarten böhmischen Keil« 
bergs sind gelegentlich für Rodel¬ 
schlitten fahrbar. 

Neben einigen älteren Gasthäusern im Städtchen 
und dem Unterkunftshause des Erzgebirgs-Vereins auf 
dem Gipfel des Fichtelberges wird von Mitte Dezember 
an auch ein neues großes Sporthotel die Wintergäste 
von Oberwiesenthal mit allen erdenklichen Bequemlich¬ 
keiten aufnehmen können; bei diesem Neubau haben 
die mustergültigen, allgemein bekannten Einrichtungen 

















































































566 DEUTSCHLAND Nr. 12 



des Feldbergerhofes im Schwarzwald als Vorbild gedient. 
— Für Skiläufer ist die ganze nähere und weitere Um¬ 
gebung des Fichtelberges zu Uebungszwecken und 
Ausflügen außerordentlich geeignet. Auf 
deutscher Seite liegen zum größeren Teil aus¬ 
gedehnte alte Wälder mit mäßig geneigten, 
wechselvollen Abfahrten, auf böhmischem Ge¬ 
biete dagegen grenzen kahle Hochflächen und 
niedrige Kuppen unmittelbar an, während in 
kurzem Abstande vom sächsischen Bereiche 
der bekannte Steilabsturz des Erzgebirges nach 
Süden ins Egertal abfällt und Gelegenheit zu 
den schwersten Abfahrten in Menge bietet. 

In mehrtägigen Ausflügen läßt sich schlie߬ 
lich der Erzgebirgskamm nach beiden Rich¬ 
tungen auf Schneeschuhen entlang wandern 
und beispielsweise über böhmisch Gottesgab 
und Platten die Gegend der Morgenleithe 
(813 Meter) und des Auersberges (1018 Meter) 
und weiterhin noch die Umgebung von 
Schöneck (800 Meter) und Bad Elster er¬ 
reichen. An mehr wie einem Dutzend Tal¬ 
oder Scheitelpunkten trifft man dabei auf 
sächsische Bahnstrecken, die nötigenfalls zur 
Heimfahrt benutzt werden können. — Solche Fahrten 
in den sächsischen Grenzgebirgen werden den Be¬ 
suchern also während des ganzen Winters und bis 


weit in den März hinein den winterlichen Zauber des 
deutschen Waldes und den einsamen Frieden der weit¬ 
verstreuten kleinen Gebirgsdörfer in eindringlichster 


Blick vom Fichtelberg auf Keilberg im Erzgebirge 

Weise vor Augen führen und vor vielgenannten Mode¬ 
plätzen den sportlichen Ernst und die Ursprünglich¬ 
keit der landschaftlichen Umgebung voraus haben. 


Wintersport im Riesengebirge. 

Von Walther Dreßler, Hirschberg i. Schl. 



Grau hängt der Himmel über dem Hirschberger Tale. 
Aus den grauen, langsam ziehenden Wolken rieselt es und 
der Novemberwind zieht klagend durch die entblätterten 
Bäume, deren Aeste im Regen glänzen. Ein einsamer Mann 
im Wettermantel und hohen Stiefeln wandert dahin durch 
den November¬ 
regen. Er späht 
ab und zu scharf 
nach Süden, ob 
er nicht die dort 
bis fast zur 

Talsohle nieder- 
hängenden Wol¬ 
ken mit dem 

Blicke durch¬ 
dringen kann. 

Endlich meint er 
zu gewahren,daß 
dort hinter der 
tiefgraublauen 
Wand eine selt¬ 
same Helligkeit 
hervorschim¬ 
mert. Der Mann 
schmunzelt und 
geht zufrieden 
nach Hause. 

Am anderen 
Morgen beim Er¬ 
wachen spürt er, 
fast noch ehe er 
die Augen öff¬ 
net, daß draußen 


Sonne ist. Mit einem Satz aus dem Bett und ans Fenster 
— ein Blick nach dem Gebirgskamm — und jauchzend 
entringt sich der Brust der helle Ruf: Ski hei II 

Wie in rosigem Marmor glitzernd und strahlend unter 
dem ersten Scheine der Morgensonne liegt der Kamm des 

Riesen-Gebirges 
da. Wenn der 
Kamm so aus¬ 
sieht, dann liegt 
der Schnee min¬ 
destens schon 
T Meter hoch, 
und damit läßt 
sich schon etwas 
anfangen. Aber 
soll man nach 
Schreiberhau 
fahren und dann 
im Hinterwinkel, 
im Isergebirge 
oder an der 
Neuen Schlesi¬ 
schen Baude erst 
einmal tüchtig¬ 
üben, um den 
Beinen und den 
Knöcheln lang¬ 
sam das richtige 
Training beizu¬ 
bringen, oder 
soll man vom 
Schmiedeberger 
Paß nach den 


Fichtelberghaus im Erzgebirge 


□ □□□ 





















Nr. 12 DEUTSCHLAND 567 




Grenzbauden hinauf, wo sich so schön üben und durch den 
Hirschgraben so angenehm abfahren läßt, oder soll man gar 
von Krummhübel gleich hinauf über den' Hoserweg und die 


Oybin: Rodelbahn (Phot.: O. Bohr, Dresden-A) 

Prinz-Heinrich-Baude zur Weißen Wiese am Brunnberg, dem 
Haupt-Skigebiet des ganzen Kammes? 

Denken wir aber einmal, wir hätten die Wahl hinter uns 
und ständen nun bereits oben auf dem Brunnberge und ließen 
die Blicke nach allen Seiten schweifen. 

Dort drüben jenseits des gewaltigen Riesengrundes ragt 
das Riesenhaupt der Koppe empor, geschmückt mit einem 
herrlichen Hermelinmantel. Nach Nordwesten erstreckt sich 
der Kamm. Hoch ragen drüben jenseits des Weißwasser- 
und Elbgrundes das Hohe Rad und der Krokonosch empor. 
Zwischen ihm und dem Hochplateau der Teufelswiese ziehen 
sich wie silberblaue Schatten die Siebengründe nach dem 
Elbgrund hinab. Von links schneidet der scharfe Ziegen¬ 
rücken hinein in das Bild. Im Norden liegt fern, aber klar, 
der nördliche 
Teil des Hirsch- 
bergerTales und 
des Boberkatz- 
bach-Gebirges; 
und im Süden? 


sie zwar nicht, aber sie zerfließen, zerflattern in der wärmeren 
Luft der Kammhöhe. Und von oben scheint die Sonne auf 
das milchweiße Wolkenmeer mit seinen langgestreckten 
Wogen. Weit drüben im Westen ragt der steile 
Kegel des Jeschken wie eine felsige Klippe aus der 
weiten Fläche auf. Der Riesengebirgskamm selbst 
aber blitzt und funkelt in Millionen von demantenen 
Lichtern. — — — 

Diese ganze Herrlichkeit, deren Einzelheiten man 
in Jahren nicht auskostet, weil sie immer wieder neu 
sind, hat uns der Schneeschuh erschlossen. An¬ 
fang der neunziger Jahre war es auf preußischer Seite 
der Hauptmann a. D. Vorwerg, der der Riesengebirgs- 
bevölkerung den Schneeschuh förmlich aufzwang* 
Aber noch lange dauerte es, etwa bis zum Jahre 190C' 
ehe ein wirklicher Skisport im Riesengebirge entstand. 
Vorher freilich gab es auch schon einen Sport, den 
des Hörnerschlittens. Früher allerdings, zu der Zeit, 
wo man jemand, der zum Vergüngen ins winterliche 
Gebirge gegangen wäre, für toll gehalten hätte, diente 
der Hörnerschlitten keineswegs dem Sport, sondern 
nur der Holzabfuhr, wie eins unserer Bilder zeigt. 
Erst zu Anfang des vorigen Jahrhunderts werden 
Schlittenparlien erwähnt, und zwar nur auf der Grenz¬ 
baudenbahn. Viel später erst kamen die übrigen 
Bahnen in Betracht. Noch heute ist der Hörner¬ 
schlitten stark im Gebrauch und wird es wohl überhaupt 
bleiben. Einem eigentlichen Sport dient er nicht, denn man 
ist selbst dabei ganz untätig, und der Führer treibt eben¬ 
sowenig Sport, denn das gehört zu seinem Beruf, wobei 
übrigens gleich bemerkt sei, daß man die Leistungen dieser 
Hörnerschlittenführer nicht hoch genug einschätzen kann. 
Aber der Hörnerschlitten kann doch selbst Sportschlitten 
sein, sobald man ihn nämlich selbst führt, und dann macht 
er großes Vergnügen, fast noch mehr als der Rodel. Das hat 
sich im preußischen Gebirge noch nicht recht eingebürgert, 
wohl aber im österreichischen, wo wir bei den Wintersportfesten 
stets Hörnerschlitten-Wettrennen haben, und zwar von Lieb¬ 
habern, während auf der preußischen Seite bis jetzt nur die 
berufsmäßigen Schlittenführer ein Rennen für sich haben. 

Diese erzielen 
dann, ebenso wie 
die österreichi- 
schenLiebhaber- 
führer ganz er¬ 
staunliche Ge¬ 
schwindigkeiten 
und übertreffen 
den Rodel ganz 
erheblich. Bei 
einem der letz¬ 
ten Wintersport- 
feste in Krumm¬ 
hübel übertraf 
zum Beispiel der 
„langsamste" 
Hörnerschlitten¬ 
fahrer immer 
noch den schnell¬ 
sten Rodler. — 
Wirhaben heute 
im eigentlichen 
Riesen - Gebirge 
folgende Schlit¬ 
tenbahnen: Von 
derNeuenSchle- 
sischen Baude 
aus führt eine 


Johanngeorgenstadt im Winter 


Ein einziges 
riesigesMeerbis 
an den Horizont I 
Ein Wolken¬ 
meer, aber von 
einer so gewal¬ 
tigen Größe in 
seiner Ausdeh¬ 
nung und mit 
seinen Wogen¬ 
kämmen, wie die 
See selbst. Nur 
das Brausen der 
Brandung fehlt, 
— diese selbst 
ist da. Langsam 
rollen die mäch¬ 
tigen Wogen¬ 
kämme heran an 
den Kamm und 
hier zerschellen 









568 DEUTSCHLAND Nr.I2 



Eibenstock im Erzgebirge 


doppelgleisige, ständig gepflegte schöne Bahn nach Schreiber¬ 
hau ; ihr entspricht auf der österreichischen Seite die 
Bahn von der Wosekerbaude nach Herrachsdorf-Neuwelt. 
Die Bahn Alte Schlesische Baude—Schreiberhau ist erst 
seit dem Winter 1910/11 angelegt und hat den Vorzug, 
daß kein starker Verkehr auf ihr herrscht, was in der Regej 
störend wirkt. Dann kommt die Bahn von der Peterbaude 
nach Agnetendorf-Hermsdorf (Kynast), an die sich an der 
Peterbaude die Bahn nach Spindelmühle anschließt. Zeitig 
hinauf zur Baude, hinab nach Spindelmühle, wieder hinauf 
zur Baude und hinab nach Agnetendorf, — das ist eine präch¬ 
tige Tagespartie. Es folgt die Spindler- 
baudenbahn, die allerdings nur in ihrer 
oberen Hälfte eine sausende Abfahrt ge¬ 
stattet, die aber verführt zu der schönen 
Rundtour: Aufstieg zur Spindlerbaude, Ab¬ 
fahrt über Leierbauden nach Spindelmühle, 

Aufstieg zur Peterbaude und Abfahrt nach 
Agnetendorf-Hermsdorf. Nun kommt die 
äußerst stark besuchte, landschaftlich und 
technisch prächtige Bahn von der Prinz- 
Heinrich - Baude über den Hoserweg nach 
Krummhübel. Sie erfordert eine Halbtags¬ 
partie, doch steigen viele am Nachmittag 
nochmals von Krummhübel bis zur Schlingel¬ 
baude in der Mitte der Bahn auf, um wenig¬ 
stens diese prächtige Fahrt nochmals zu 
genießen. Und die letzte ist die Grenz¬ 
baudenbahn, die neuerdings wieder sehr 
schön hergerichtet ist. Alle diese Bahnen 
haben die große Annehmlichkeit, daß an 
ihrem unteren Ende Eisenbahn oder Elek¬ 
trische auf den Wintersportler warten, um ihn nach Hause, 
wenigstens nach Hirschberg zu bringen. Aber auch nach 
Breslau und Görlitz gelangt man an demselben Abend. 

Das Rodeln ist sehr leicht zu lernen. Aber die Verhält¬ 
nisse sind manchmal doch schwierig. Es herrscht nämlich 
verhältnismäßig häufig Föhn im Riesengebirge, der die Ober¬ 
fläche des Schnees schmilzt. Bald darauf tritt wieder Kälte 
ein und nun hat man auf einmal vereiste Gebirgswände und 
vereiste Schlittenbahnen. Dann gilts, sich recht sehr in acht 
zu nehmen. Ein „durchgegangener" Sportschlitten ist schwer 


wieder in die Gewalt zu bekommen, wenn Kraft und Uebung 
fehlen. Dann kann es Katastrophen geben, indem man an 
einen Baumstamm oder an einen Felsen geschleudert wird, 
und mit bloßen Kontusionen geht dann die Sache kaum ab. 
Immer mache es sich der Anfänger bei harter Bahn zur Regel, 
die Füße nicht von der Bahn zu nehmen und die volle ge¬ 
nagelte Sohle bei lockerem Knie schleifen zu lassen. Und 
nie sollte der Anfänger eine zweite Person mit auf den 
Schlitten nehmen; er übernimmt damit eine gar zu große 
Verantwortung. Der Schlitten mit zwei Personen saust mit 
viel größerer Wucht zu Tale und ist deshalb viel schwerer 
zu halten als der einsitzige Schlitten, be¬ 
sonders wenn die Bahn hart ist. Es sind 
jeden Winter Unfälle zu verzeichnen, aber 
nur deshalb, weil Ungeübte auf vereister 
Bahn abgefahren sind. Zwar haben wir 
bei den Sportfesten stets Wettfahrten von 
Zweisitzerrodeln, aber dann können eben 
beide gut rodeln. Auch zum Rodeln, so 
leicht es zu lernen ist, gehört eine gewisse 
Uebung im Rodeln selbst und in der Be¬ 
urteilung der Schneeverhältnisse usw., wenn 
alles glatt abgehen soll. Sonst ist im all¬ 
gemeinen das Rodeln die bequemste und 
ungefährlichste von allen Sportarten. 

Aber der König des Gebirges ist nun 
doch einmal der S ch n e e s ch u h. Auf ihm 
kann man dem Gebirge bis in die innersten 
Falten seines Herzens hinein kriechen, und 
zwar erschließen sich seine Schönheiten 
gerade dem, der mehr Tourenläufer als 
Sportläufer ist. Freilich muß der Touren¬ 
läufer auch geschulter Läufer sein, und nicht nur das, sondern 
er muß auch das winterliche Riesengebirge gut kennen, sonst 
kann er unter Umständen in einsamer Gebirgswildnis, in der 
Dunkelheit oder im Schneesturm in Lagen kommen, die recht 
peinlich sind, recht peinlich. 

Zunächst also gilt es, den Skilauf zu erlernen. Da ist es das 
Beste, sich an einen leistungsfähigen, größeren Skiverein anzu¬ 
schließen, der gute Lehrer besitzt, und einen oder zwei Kurse 
energisch durchzumachen, damit man mit der eigentlichen 
Technik vertraut wird. Das Weitere gibt dann die Uebung. 



Rennerbaude 














570 DEUTSCHLAND Nr.l2 


Kresta-Run sind sie allerdings nicht, und hoffentlich wird das 
auch nicht eingeführt werden. Landschaftlich und technisch 
besonders ausgezeichnet ist die Bobbahn „Kronprinz"' in Ober- 
Krummhübel, aber auch die anderen Bahnen liegen schön 
und alle werden von Winter zu Winter je nach den Erfahrungen 
und Vergleichen ständig verbessert. Es liegt eine außer¬ 
ordentliche Schneid in solch einer Bobfahrt. Gelegentlich 
kommt wohl einmal eine Entgleisung vor, wie auf einem 
unsererBildergut zu 
sehen ist, wo der 
Bob über die Ueber- 
höhung der Kurve 
hinausgesaust ist, 
aber passieren tut 
dabei nicht allzu¬ 
viel. Der Bob ist ein 
prächtiges Sport¬ 
instrument, und wer 
das Frohgefühl, mit 
dem man nach 
der blitzgeschwin¬ 
den Fahrt vom 
Schlitten aufsteht, 
noch nicht kennt, 
der sollte sich doch, 
selbst wenn er 
kein richtiger Bob¬ 
mensch werden will, 
ruhig einmal einem 
solchen Schlitten 
anvertrauen, das 
heißt nur dann, 
wenn Lenker und 
Bremser erfahrene 
Leute sind. 

Aber der Bob ist 
ein reines Sport¬ 
instrument. Er ist 
nur geeignet, auf 
einer verhältnismäßig, auch der Länge noch, begrenzten Bahn 
eine rasende Fahrt zu erzielen. Er ist nicht geeignet für den 
Naturgenuß. Er gleicht dem Automobil, daß nur zu ‘mög¬ 
lichst rasender Fahrt verwendet wird. Deshalb gehört auch 
nach meiner Ansicht der Bob nicht auf die Landstraße. Wenn 
auf den geneigten Chausseen, wie sie durch Schreiberhau und 
Krummhübel gehen, ein Bob angesaust kommt, so hat er 
geradezu die Tendenz der Vernichtung alles dessen, was ihm 


im Wege steht. Und das ist mit dem Recht auf Verkehrsmög¬ 
lichkeit, das die übrigen Menschen denn doch schließlich haben, 
nach meiner Ansicht nicht gut zu vereinen. — Skeleton und 
Rennwolf haben sich im preußischen Riesengebirge noch nicht 
recht einbürgern können. Den letzteren sieht man zuweilen, 
aber nicht entfernt so häufig wie auf der österreichischen Seite. 

Ich will gegen den absolut reinen Sport im Grunde nichts 
einwenden, denn auch er wirkt erzieherisch, aber im übrigen 


ist doch wohl das Ideal, daß das Sportgerät ganz allgemein 
die Fähigkeit verleiht, den schwierigsten praktischen Anforde¬ 
rungen gerecht zu werden und zugleich den intensivsten 
Naturgenuß zu ermöglichen. Und in dieser Hinsicht wird 
wohl, wenigstens auf dem Gebiete des Wintersports, der 
Schneeschuh immer an erster Stelle stehen. Gerade im 
Riesengebirge bietet sich dem, der nicht ständig bloß 
an eine möglichst schneidige Abfahrt denkt, Gelegenheit, Dinge 
zu schauen, zu deren Genuß die übrigen Sterblichen 
nicht kommen. 

Schon die Skitouren durch die Vorberge bieten 
hervorragende Genüsse. Die gesamte nähere Um¬ 
gebung von Schreiberhau, die Waldregion oberhalb 
von Hain und Baberhäuser mit Thumpsahütte und 
Brodbaude, die Grenzbaudengegend nach Schmiede¬ 
berg zu, der Landeshuter-Kamm, — überall findet 
man prächtige Gelegenheit zu Skitouren, die beson¬ 
ders als Training für die späteren Kammtouren sehr 
zu empfehlen sind. 

Der Riesengebirgskamm selbst bietet vor allen 
Dingen zwei ideale Uebungsgebiete für den Schnee¬ 
schuh: die Umgebung der Wiesenbaude und die der 
Elbquelle. Hier hoben wir zwei mächtige Hochplateaus, 
die von Kuppen umgeben sind, deren Hänge präch¬ 
tige Uebungsabfahrten ermöglichen, Schwünge und 
Sprünge, Stemmbogen und Bremsfohrt, kurz, alle mög¬ 
lichen Einzelheiten der Skitechnik lassen sich hier 
ausgezeichnet erproben, und die endgültigen Abfahrten 
sind sehr verschiedenartig, aber stets von hervorragen- 




Kleine Schneegrube, Schneegrubenbaude und Hohes Rad (Phot.: R. Neumann, Warmbrunn) 





Nr.l2 DEUTSCHLAND 571 




dem Interesse, sowohl nach der preußischen wie nach der 
böhmischen Seite zu. Der Kamm zwischen diesen beiden 
Gebieten bietet wohl einzelne Stellen, an denen man seine 
Freude haben kann, aber vielfach ist auch das Gegenteil 
der Fall. Deshalb muß man den Kamm mit seinen Abhängen 
sehr genau studieren, ehe man die schönsten Skitouren 
herausbekommt. Jedenfalls läßt sich eine Fülle von solchen 
Touren zusammenstellen. Kennt man das Gebirge gut, so 


Schneekoppe vom Brunnberg aus 

hat man überhaupt die Qual der Wahl. Aber auf einen als Schneesturm 
Punkt muß hier aufmerksam gemacht werden. 

Der Nordabhang des Riesengebirges nach Schlesien zu 
ist im allgemeinen eine ziemlich steile Wand. Als Abfahrten 
bieten sich zunächst die Schlittenbahnen dar, aber auf einer 
Schlittenbahn, besonders auf einer stark benutzten, abzufahren, 
hat seine Schattenseiten, weil der starke Verkehr hindert und 
wegen der Schlittengleise eine richtige Bremsstellung 
selten möglich ist. Da ist es schon besser, wenn 
man sich andere Abfahrten wählt, deren es genügend 
gibt. Immer aber muß man auf der preußischen Seite 
zwei breite Waldgürtel durchqueren. Man muß durch 
den obersten Gürtel, den Urwald, und durch den 
unteren, den Nutzwald, und dazu hat man, wenn man 
die Schlittenbahnen vermeiden will, und das Gebirge 
nicht genügend kennt, einen erfahrenen Skigenossen 
nötig, sonst kann man zuweilen, besonders wenn man 
zu spät abfährt, in die Dunkelheit und damit in ziem¬ 
lich unangenehme Situationen kommen. 

Infolge von Föhn und darauffolgender Kälte sind 
zuweilen die dem Kamme zunächst gelegenen Hänge 
verharscht oder vereist, und dann ist große Vorsicht 
nötig, insbesondere in der Gegend der Teiche, der 
Schneegruben, der Kesselgruben, der Seifengrube, im 
oberen Teile des Klausengrundes, am Brunnberg, in 
der Nähe des Riesengrundes, an der Koppe und auf 
dem Riesenkamm nach der Seite des Melzergrundes 
zu. Dies führt auf gewisse Gefahren, die das Riesen¬ 
gebirge im Winter immerhin bietet. 


In vielen Leuten, die im Winter ins Riesengebirge kommen, 
steckt der an sich keineswegs zu verdammende romantische 
Trieb, anderswo zu gehen wie die anderen. Aber dann sollte 
man sich vorher genau informieren, wie die weniger benutzten 
und ungebahnten Aufstiege zum Kamm, um die es sich dann 
doch in der Regel handelt, beschaffen sind. Da ist z. B. der 
Melzergrund, der, wenigstens in seinem obersten Teile, nicht 
gebahnt und der auch sonst gefährlich ist. Bis in den Kessel 

hinein, unmittelbar 
an die Schneekoppe 
heran, geht es noch 
ziemlich gut. Aber 
beim Aufstieg an 
der Wand, wo sonst 
der Serpentinenweg 
führt, ist schon man¬ 
chem, der sich die 
Sache vorher nicht 
genügend überlegt 
hatte, himmelangst 
geworden.Die W and 
ist überaus steil, 
ist oft vereist, so 
daß der Eispickel 
nötig ist, und je 
höher man kommt, 
desto gefährlicher 
wird die Situation, 
besonders wenn es, 
was oft der Fall ist, 
an guter Ausrüstung 
fehlt. Setzt nun 
noch von oben der 
Sturm ein, der aus 
dem Riesengrunde 
heraufbraust, wohl 
gar noch in der 
besonders unange- 
nehmenEigenschaft 
der nicht nur den Menschen schüttelt und 
niederwirft, sondern auch noch blendet, so kann man fünf 
Minuten von der Riesenbaude sehr leicht ins Wanken geraten 
und in wenigen Augenblicken wieder tief unten im Kessel 
sein, aber in einer anderen Verfassung als eine Stunde zuvor. 
Dazu kommt die Lawinengefahr im Melzergrundkessel. Was 
hier die Lawine vermag, zeigt das Schicksal der alten 


Bobrennen in Schreiberhau 

(Der Bob überschlägt sich, der Bremser stürzt in die Bahn) 





572 DEUTSCHLAND Nr. 12 


Melzergnindbaude, die unterhalb des Lomnitzfalles 1901 
erbaut war und schon im folgenden Winter von einer 
riesigen Lawine weggefegt wurde. Dies ist nur ein Beispiel. 
Im Gebirge gibt es aber noch eine ganze Reihe von Stellen, 
wo Lawinengefahr vorhanden ist, so besonders das Reifträger¬ 
loch, der Südabhang der Kesselkoppe, selbstverständlich die 
Sohlen der Schneegruben, der Südrand des Kleinen Teichs 
und der Riesengrund. Vorsicht ist unter allen Umständen 
geboten, und deshalb erkundigt man sich lieber in den höher 
gelegenen Gasthöfen und besonders in den Kammbauden, 
wie die Verhältnisse gerade liegen. 

Anfänger im Skilauf berücksichtigen auch oft nicht, 
daß sie mit dem zeitigen Hereinbrechen der Dunkelheit 
rechnen müssen. Dieser Umstand hat schon öfters zu ver¬ 
hängnisvollen Situationen mit trübem Ausgang geführt. 

Das Riesengebirge muß 
im Winter — abgesehen von 
dem gewöhnlichen harmlosen 
Schlittensport und nicht for¬ 
cierten und vorher genau 
durchstudierten Skifahrten — 
durchaus ernst genommen 
werden. Aber weiß man ein¬ 
mal Bescheid, kennt man die 
Struktur des Gebirges, ist 
man gut ausgerüstet, kann 
man seinem Körper etwas 
zumuten, dann gibt es auch 
kaum etwas Herrlicheres als 
solch eine Skitour durch den 
majestätischen Winterwald. 

Zwei bis drei Meter Schnee 
decken den Waldboden. Die 
untersten Aeste der Bäume, 
unter denen man sonst hin- 
wegschritt,zwingen oft zu Um¬ 
wegen. Die riesigen Wetter¬ 
fichten, von der Gebirgsbe- 
völkerung „Rautzen" genannt, 
stehen wie aus mächtigen 
Blöcken aufgemauerte Türme 
da, ohne jede Bewegung. 

Auch der Sturm vermag nicht 
an ihnen zu rütteln, es sei 
denn, daß er sie gleich völlig 
abknickt, was allerdings oft 
genug vorkommt. Die kleinen 
Bäume dazwischen, der junge 
Nachwuchs, sind ganz und gar 
vom dichten Schneepelz ein¬ 
gehüllt und nehmen dabei die 
sonderbarsten Gestalten an. 

Bald sind es einfache Zuckerhüte oder tadellose Kegel, bald 
Gnomen- und Tiergestalten in merkwürdigster Verkrümmung. 
Oft glaubt man eine unabsehbare Herde von Tier-Riesen der 
Vorzeit vor sich zu haben, die besonders gigantisch und 
• unheimlich wirken, wenn der Nebel durch sie hindurchzieht. 

Unbeschreiblich ist auch der Anblick, wenn man bei 
klarem Wetter so zeitig aufgebrochen ist, daß man schon 
hoch oben im Urwald steht, wenn die Sonne aufgeht. Ein 
glühendes Rosenlicht verklärt die Bergspitzen, dann den 
Kamm. Immer blendender strahlt das Gebirge auf wie tief¬ 
rosiger Marmor, und auf einmal steht man selbst mitten in 
den herabflutenden Feuerströmen, so daß man geblendet die 
Augen schließen muß. Späterhin, wenn die Sonne höher 
steht, verschwindet die Rosenfarbe und der Wald steht da, 
wie geschmiedet aus blaustrahlendem Silber. Rings tiefste 
Stille, von oben tönt nur ein leises Rauschen, wenn der 


Wind durch die Kronen streicht. Das Wild hat sich tief 
hinabgezogen in die Nähe der Dörfer, so daß man keine 
Fährten von Rot- und Rehwild mehr sieht, nur die Fuchs¬ 
spur und die gewichtigen Tritte des Auerhahns, der sich 
zuweilen knatternd aus dem Dickicht erhebt, sind zu be¬ 
merken, oder die Fährte des Hermelins. Wer solche Dingte 
richtig genießen will, darf nicht blos Sportmensch sein. 

Wer in der Gegend heimisch ist, hat es sich bald zur 
Regel gemacht, kein Wetter zu scheuen. Ist’s auf dem Kamm 
gar zu unangenehm, kann man ihn immer noch meiden und 
im Schutze des Hochwaldes und der Gebirgsmauer trotzdem 
die prächtigste Skifahrt unternehmen. Oft aber ist die Sache 
so, daß die Wolkenschicht und das schlechte Wetter nur 
über dem Tale liegen. Dann taucht man weiter oben aus 
dem Nebelmeere heraus, und nun liegt der ganze Kamm 

in strahlendem Silberlicht 
vor den entzückten Blicken, 
während man zu beiden Seiten 
über Schlesien und Böhmen, 
das unendliche Nebelmeer 
überschaut, aus dem sich der 
Kamm wie eine gewaltige 
langgestreckte Insel aus karra¬ 
rischem Marmor heraushebt. 

Freilich herrscht oft genug 
auch Nebel und Schnee¬ 
treiben. In diesem Falle gelte 
als strenge Regel: „Nicht von 
der Wintermarkierung, dem 
Stangenwege, abweichen I" 
Dabei heißt es aufpassen, daß 
man die nächste Stange nicht 
verfehlt, denn oft ist eine 
solche Stange vom Sturme 
oder von der Last des Rauhreifs 
umgebrochen. Auch durch 
einen Sturz, der dem besten 
Skiläufer passieren kann, hat 
man oft für den Augenblick 
die Richtung verloren. Dann 
ist eine neue Orientierung 
nötig, wobei der Kompaß gute 
Dienste leistet. Alles in allem 
soll man bei wirklich schlech¬ 
tem Wetter nicht die Durch¬ 
führung der Tour erzwingen, 
besonders dann nicht, wenn 
man allein ist und gar den 
Schneesturm im Gesicht hat. 
Man vermeide auch den Alko¬ 
hol, der nur müde macht, so 
daß man bei größeren An¬ 
strengungen mit den Kräften und den Nerven, die man oft sehr 
nötig braucht, schneller am Ende ist, als mancher glauben mag. 

Zum Schlüsse möchte ich noch auf ein Skigebiet hin- 
weisen, das viel zu wenig beachtet wird und doch sehr große 
Schönheiten bietet: auf das Isergebirge. Es bietet nicht 
gerade Gelegenheit zu imponierenden Abfahrten, abgesehen 
von der Flinsberger Seite, aber es ist ein Tourengebiet von 
großartiger Schönheit. Diese langen einsamen Waldrücken 
bieten Winterbilder von unvergleichlicher Pracht, und auf 
den langen breiten Holzschlägen kann man sich stets den Weg 
bequem aussuchen. Die Ausblicke im Isergebirge nach allen 
Seiten bieten Bilder von einfacher Erhabenheit. — Jedenfalls, 
lieber Leser, sehen wir uns zunächst einmal wieder bei einer 
der Sportwochen in Schreiberhau oder in Krummhübel-Brücken¬ 
berg im kommenden Februar. Und was wir von dort aus zu¬ 
sammen für Touren machen, das werden wir dann schon sehen. 



Kleiner Teich mit Baude (Phot.: R. Neumann, Warmbrunn) 






Blick vom Reifträg-er nach der Schneegrubenbaude 


Wintermarkierung im Riesengebirge an der Veilchenkoppe (Phot.: E. Igel, Dresden) 
















574 DEUTSCHLAND Nr. 12 



Die Ostsee im Winterkleide 


Winterbilder aus dem Osten. 


Wenn starke Schneemassen zur Winterszeit unsere 
Höhen und Niederungen einhüllen, oft in einer Mächtig¬ 
keit, daß der scherzhafte Vergleich des Ostens mit 
Sibirien begründet zu sein scheint und wenn auf unseren 
Gewässern die nicht selten meterstarke Eisdecke lastet, 
dann greift auch hier alles. Jung und Alt, Mann und 
Weib, zu den Geräten des vielseitigen Wintersports. 
Rodel und Ski, Eissegel und Schlittschuh, Schlitten und 
Segelschlitten treten in Gebrauch; die ersteren in 
vielleicht noch stärkerem Maße als in den deutschen 
Gebirgen. Wochentags und Feiertags führen die Bahn¬ 
züge Hunderte in die Berge, an die Seen und an die 
Haffe zur Ausübung des Sports und zum Genuß der 
Vergnügungen, die nur der Winter bietet. Am meisten 
aber tritt in unserer wasserreichen Gegend der Schlitt¬ 
schuh in Tätigkeit, 
der hier nicht nur 
Mittel zum Sport 
und zu winterlicher 
Körperübung, son¬ 
dern ein Verkehrs- 
mittel ist. Unsere 
ärmere Niederungs¬ 
bevölkerung, wie 
Fischer, Arbeiter, 

Dienstboten — Alt 
und Jung — sind 
auf den Schlittschuh 
als Beförderungs¬ 
mittel geradezu an¬ 
gewiesen. Fastjeder- 
mann ist im Besitze 
eines Paares soge¬ 
nannter „Holländer" 
und einer Eispieke 
(zu schnellerer Vor¬ 
wärtsbewegung, zum 
Absuchen brüchiger und zum Ueberspringen offener 
Stellen). Die „Holländer" sind Schlittschuhe, die sich 
besonders zu langen Touren auf unebener Eisfläche 
eignen. Auch Sportsleute benutzen diesen Schlittschuh¬ 


typ zu längeren Touren und mit Kompaß und Taschen¬ 
laterne und mit der zwei Meter langen Eispieke, die gar 
nicht so leicht zu handhaben ist, gehts dann hinaus 
auf die viele Kilometer langen Eisflächen. 

Aber noch eine andere winterliche Sportsfreude 
bietet der Osten und diese ist typisch für diese Gegend: 
der Segelschlitteni Der Segelschlitten ist ebenso 
wie der Schneeschuh und die Schlittschuhe eine Er¬ 
findung des praktischen Lebens. Zuerst waren es wohl 
Fischer, die in gewöhnlichen Booten Fahrten auf dem 
Eise unternahmen und erst seit etwa 20 Jahren hat 
sich auch der Sport des Eisjachtsegelns bemächtigt. 
Auf den Haffen im Osten ist die Eisjacht ein unum¬ 
gänglich notwendiges Verkehrsmittel. Während die 
Anwohner der Binnenseen auch im Winter ohne be¬ 
sondere Schwierig¬ 
keiten ihre Bedürf¬ 
nisse heranschaffen 
und ihre Erzeugnisse 
absetzen können, 
sind die Nehrungs¬ 
bewohner von aller 
Welt abgeschlossen, 
sobald der Winter 
seinen Einzug hält. 
Die Haffe sind be¬ 
kanntlich recht tük- 
kische Gewässer so¬ 
wohl im Sommerwie 
im Winter. Bei ihrer 
geringen Tiefe, 4 bis 
7 Meter, erzeugen 
bei eisfreiem Wasser 
Stürme nur kurze 
Wellen, Wellen, die 
nicht weit ausrollen, 
sondern übereinan- 
derschlagen. Dieser kurze Wellenschlag hat schon viel 
Unheil angerichtet; und was schon mancher bitter emp¬ 
funden hat: er macht seekrank. Im Winter frieren die Haffe 
schnell zu. Wenn dann nach erheblichem Wasserzufluß 



Fischer erwarten mit ihren Segelschlitten die Fahrgäste 












Nr.l2 DEUTSCHLAND 575 



aus den Flüssen das Wasser steigt und der Frost 
anhält, so erhält das Haffeis Risse, die sich kilometer¬ 
lang ausdehnen. Mit donnerähnlichem Getöse platzt 
das Eis und die sich bildenden Spalten sind 3 bis 
6 Meter breit. Friert das Haff bei hohem Wasser und 
dieses fällt, so bekommt das Eis ebenfalls Risse und 
die Schollen türmen sich zu langen Barrikaden auf. 
Beides, die Risse wie die Schollenfelder, machen zu 
ihren Zeiten den Verkehr über das 10 Kilometer breite 
Haff sehr gefährlich. Für den einzelnen Menschen, der 
wagemutig und mit den Eis- und Wetterverhältnissen 
vertraut ist, ist das Passieren der Haffe ja auch möglich; 
die Risse werden an den schmalen Stellen mit Hilfe 
der Eispieke übersprungen. Nahezu ausgeschlossen 


anzupassen. Das Boot wurde auf Schlittenkufen be¬ 
festigt, und so jagte es mit geschwellten Segeln vor 
dem Winde mit Schnelligkeit übers Eis, und an offenen 
Stellen tat es als Boot seine Schuldigkeit. Für die 
heutigen Bedürfnisse wird der Segelschlitten natür¬ 
lich besonders gebaut. Das Boot ist flacher als die 
Fischerlomme — etwa 37.2 bis 4 Meter lang und in 
der Mitte 2 bis 2 V 4 Meter breit. Es ruht auf zwei 
je IV 4 Meter langen, starken, mit Eisen beschlagenen 
Kufen. Eine dritte Kufe, am Hinterende ist beweg¬ 
lich und dient zugleich als Steuer. Getakelt ist der 
Segelschlitten wie die Lomme, mit Groß-, Gaffel- und 
Stagsegel. Sieben bis neun Personen kann der Schlitten 
aufnehmen und bis zu 30 Zentner an Last laden. 

Mit den Segel¬ 
schlitten können 
große Schnellig¬ 
keiten erreicht 
werden. Das Haff 
wird bei gutem 
Wind in 8 bis 
10 Minuten ge¬ 
kreuzt. Diese 
Segelschlitten¬ 
fahrten erfreuen 
sich großer Be¬ 
teiligung und von 
weit her kommen 
die Leute, um 
sich den eigen¬ 
artigen Genuß 
einer solchen 
Fahrt zu gönnen 
und einen Tag 
am pittoresken 
Gestade der Ost¬ 
see im Winter¬ 
kleide zu ge¬ 
nießen. Es kann 
aber auch anders 
kommen, so daß 
man im Segel¬ 
schlitten ohne 
WindbeiSchnee- 
gestöber und Dunkelheit stundenlang auf dem Haffe 
kreuzt und froh ist, wieder festen Boden unter den 
Füßen und ein Glas heißen „ostpreußischen Maitranks" 
vor sich zu haben. L. W. 


Die Ostsee im Winterkleide 

aber war ein Transport von Gütern: Fischen, Holz und 
den Bedürfnissen des täglichen Lebens. Was lag den 
Fischern nun näher, als ihr gewohntes Beförderungs¬ 
mittel, das Boot, auch den Forderungen des Winters 


Winterfreuden im Harze. 

Von Dr. Witte, Braunschweig. 


„Freude am Winter“ ist eine Errungenschaft, die sich 
unser Zeitalter — wenigstens für den Bereich Deutschlands 
und in dem jetzigen Umfange des Begriffs — auf das Konto 
setzen darf; denn trotz aller begeisterten Worte Goethes und 
anderer, die in dieser Beziehung ihren Zeitgenossen voraus, 
der rauheren Jahreszeit ihre Vorzüge abzulauschen wußten, 
stand die breite Masse des Volkes doch stets auf dem Stand¬ 
punkte, daß eine Nase, die länger als unbedingt nötig in 
die bitterböse Winterluft hinausgesteckt wurde, als einzigen 
Gewinn einen tüchtigen Schnupfen mit heimbrachte. Un¬ 


verständige Kinder jubelten wohl in der Aussicht auf Schnee¬ 
ballschlachten und Schlittenfahren den fallenden Flocken 
entgegen; solange die innere Glut für ein Mägdlein die 
mangelnden Temperaturgrade ersetzte, tummelten sich wohl 
auch die Heranwachsenden seit Klopstocks Zeiten auf der 
nicht allzufernen blanken Eisfläche, aber das reifere Geschlecht 
flüchtete vor dem grimmigen Mann mit dem weißen ge¬ 
frorenen Bart unter die Fittiche des wohlversorgten Kachel¬ 
ofens. Zu kurzen Spaziergängen rafften sich wohl Freunde 
der schönen klaren Luft einmal auf, aber reisen — I Das 








576 DEUTSCHLAND Nr. 12 


Wort erkältete sich ihnen schon im Halse zu einem heiseren 
Husten, ehe es in der Winterluft völlig’ gefrieren konnte. 
Gereist wurde im Sommer, und die Rucksäcke ruhten in 
verdientem Winterschlafe auf dem Grunde der auf dem 
Boden verstauten Koffer, und niemand hätte es gewagt, die 
friedlich darüber gesponnenen Spinngewebe zu zerstören. 

Gott sei Dankl es ist anders geworden. Unser Geschlecht 
drückt sich nicht mehr an den Fenstern die Nasen breit, um 
den einziehenden Winter vom sichern Port aus zu bewundern, 
sondern drängt hinaus und wirft sich mit offenen Armen 
dem guten schneeigen Alten an die Brust. Mit der Ruhe 
der Eisenbahnbeamten, die einst am Wintersonntagmorgen 
die wenigen Reisenden friedlich gewähren ließen, ist es 
erbarmungslos vorbei; von Jahr zu Jahr mehrt sich die 
Schar derer, die die Sehnsucht nach den winterlichen Bergen 
immer wieder schon früh aus 
den Federn treibt. Freilich, 
unser kurzatmiges Zeitalter, 
das als willenloser Sklave von 
Auto, Fernsprecher, Elektrizi¬ 
tät in allen ihren Formen 
zu intensivster Tätigkeit ge¬ 
peitscht wird, hat einen ge¬ 
sunden Ausgleich durch Reisen 
weit nötiger als eine beschau¬ 
lichere Vorzeit, der ein Reisen 
im Winter ein ziemlich uner¬ 
hörter und unverstandener, 
weil weniger nötiger Luxus war. 

Und gerade die winterliche 
Natur bietet dem modernen 
Kulturmenschen das richtige 
Heilmittel, das ihm die mo¬ 
dische Reise im Sommer nur 
zu oft nicht gewährt. Wie oft 
kehrt der gute Familienvater, 
der Frau und Familie zuliebe 
im Juli oder August ein Bad 
oder eine Sommerfrische auf¬ 
gesucht hat, zerschlagen von 
der Hitze und der nervösen Un¬ 
ruhe des modernen Fremden¬ 
gewimmels wieder heim. 

Zieht mit uns hinaus in 
die winterlichen Bergei Gewiß 
ist der Blumen Pracht und 
manche Zier des Sommers ge¬ 
schwunden, und gar vielerlei, 
das im Sommer eure Augen 
hierhin und dorthin lenkte, 
müßt ihr vermissen. Aber 
macht Herz und Sinne weit, das 
Große in euch aufzunehmen, 
das euch hier beschert wird. Ueber das unruhige Vielerlei, das 
Kleine und Kleinliche, das Plötzliche und Unvermittelte hat 
sich eine nivellierende, weiß blinkende Schneedecke versöhnend 
und ausgleichend gebreitet, und ihre großzügigen Linien über 
Berg und Baum und Hecke und Haus wirken majestätisch 
ruhig auf das Gemüt; das ewige All spricht zu euch mit der 
wunschlosen Größe ursprünglicher Schöne, ohne euch durch 
anspruchsvolle Einzelheiten abzulenken. Hier verschwindet 
Menschenwerk und Kunst, hier spricht eine unberührte Natur 
zu dem inneren Menschen ohne Rücksicht auf Zeitalter und 
Anschauung. Solche einheitlichen, durch Aeußerlichkeiten 
ungetrübten Eindrücke wirken wundervoll beruhigend auf den 
Kulturmenschen. 

Und glaubt nur nicht, daß diese weiße Ruhe das 
Schweigen des Todes sei. Dringt ihr in diesen ehrwürdig 


starren Wald, so glaubt ihr in Schneekönigs wunderbares 
Reich zu kommen. Wie ganz anders wirken die wuchtigen 
Linien der schneebehangenen Tannen, wie tausendfältig 
starren die kleinen und großen Kristalle, die auf der 
Decke des Bodens, auf Zweigen und an den Stämmen in 
unbeschreiblicher Mannigfaltigkeit glitzern und schimmern. 
Mit beklommenem Atem schreitest du durch all diese Pracht, 
von Schneehang zu Schneehang mit seinen gleich ruhigen und 
doch immer verschiedenen Formen, und wenn dem Menschen 
je die Erinnerung an die Märchenwelt seiner Jugend kommt, 
so ist es hier. Ein viel phantasiereicherer Gestalter und 
Künstler aber als die flockenschüttelnde Frau^Holle ist der 
Junker Rauhreif, der die feinsten Verästelungen der Zweige 
mit blinkenden Körnern und Zacken bestreut, aus harmlosen 
Telegraphendrähten armdicke weiße Schlangen macht und 

von der Wetterseite her den 
Dingen meterlange, zackige 
Auswüchse in phantastischer 
Auswahl anheftet. Sein eigen¬ 
stes Reich ist der Brocken; 
da verleiht er den Pfählen und 
der Schneefläche und den ver¬ 
hutzelten kleinen Tannen ein 
Aussehen, daß man immer 
wieder staunt, in wie selt¬ 
same Gesellschaft man da 
geraten ist. Und besonders 
wenn, wie häufig, die Nebel¬ 
fetzen im Brausen des Sturmes 
an einem vorbeifegen und sich 
mit diesen gespenstischen Ge¬ 
stalten paaren, dann wird man 
leicht zweifelhaft, ob unsere 
Altvordern nicht richtiger als 
wir diesen Spuk als Hexen und 
Wodans wilde Jagd bezeich- 
neten. Dann ist man froh, 
wenn man schließlich in das 
weiße Zuckerhaus des Berg¬ 
königs auf dem Gipfel durch 
einen Schneetunnel hineinge¬ 
weht ist. Gewaltig packt auch 
die weiße Landschaft in dem 
bleichen Licht des Mondes, wie 
es nur in kalten Winternächten 
sich fast taghell und doch wieder 
so ganz anders darüber ergießt. 
Lieblich aber, unsagbar lieb¬ 
lich und keusch ist das Bild 
des sonnendurchschimmerten 
Schneewaldes; mit seinem Meer 
von Licht oder besser Lichtern, 
seinen Millionen von Nuancen 
und Reflexen, die zu einer wunderbaren Harmonie zusammen¬ 
fließen. Wer je das triviale verachtende Wort von dem lang¬ 
weiligen Weiß der winterlichen Landschaft gesprochen hat, 
wird hier bekehrt in dieser schimmernden Flut von Farben, 
die nur in der lichtgeschwängerten Atmosphäre nordische 
Mitternachtsonnenbreiten übertroffen wird. 

Das Reisen unterliegt der Mode wie alle modernen 
Lebenserscheinungen; der Menschenstrom wird bald hierhin, 
bald dorthin auf dem Globus umhergezogen. Man steuert im 
Kielwasser der Hohenzollern nach Norwegen und folgt jetzt 
nach Kräften dem Kronprinzen nach Indien. Gerade im Winter 
aber, wo es den wenigsten vergönnt ist, die Flügel so weit 
zu breiten, sollte man sich dem beruflichen und gesellschaft¬ 
lichen Trubel der Wintermonate mit dem ewigen Hetzen so 
oft wie möglich entziehen und in der engeren Heimat die 











Nr. 12 DEUTSCHLAND 577 




Winkel und Ecken suchen, die einem immer wieder um so 
frischere Kraft verleihen können, je tiefer man in ihre 
Schönheit eindringt und je inniger man mit ihr vertraut 
wird. Das flache Land, die Heide kann einem da nicht viel 
bieten, aber wir Ansiedler nördlich des Mains haben ja unser 
prächtiges Mittel¬ 
gebirge, und beson¬ 
ders zieht uns Nord¬ 
deutsche der am 
weitesten vorsprin¬ 
gende Harz von 
allen Seiten zu sich 
heran. Gewiß I so 
überwältigende Ein¬ 
drücke vermittelt er 
uns nicht wie die 
Gipfel und jähen 
Schroffen der Alpen, 
aber man hat Gott 
sei Dank allmählich 
solch unfruchtbares 
V ergleichen verlernt. 

Gerade unsere Zeit 
— das zeigt die Be- 
wegoing für Heimat¬ 
schutz, zeigt die Lite¬ 
ratur und zugleich 
die Entwicklung der , t 

Kunst — hat erkannt, ^ 

daß man dem Charakter der einzelnen Landschaft gerecht 
werden muß, um ihre Reize voll zu erschöpfen. Wer aber in den 
weißen Harzbergen ruhige herzerwärmende Schönheit und 
Kräftigung für Körper und Geist sucht, der kommt sicher auf 
seine Rechnung. Wer einmal liebevoll in ihre Geheimnisse 
eingedrungen ist, den 
lassen die Berg¬ 
geister nicht los. 

Immer wieder flüch¬ 
tet er aus dem All¬ 
tagsgetriebe in ihr 
stilles Reich und 
lacht mit ihnen herz¬ 
befreiend über das 
kleinliche Weh und 
Ach, das hier keinen 
Raum hat. 

Wenn der einge¬ 
rostete Philister sich 
nun damit entschul¬ 
digt — und das ist 
die bequemste Aus¬ 
rede — im Winter 
könne man überall 
so schlecht hin¬ 
kommen, so nehmen 
wir ein Exemplar 
dieser Spezies homo 
sapiens, wie sie über¬ 
all vorkommt, sei 
es in Braunschweig, 

Hannover, Göttingen 
usw., ziehen ihm 

Schierke im Harz: 

seinen reiz an und 

bringen ihn mit tadellosem Zuge nach einem der Einfalls- 
^ore des Harzes: Thale, Blankenburg, Wernigerode, 
Harzburg, Goslar usw. Er wird sich wundem, wie 
schnell und bequem er an dem Fuß der Berge oder mit der 
Querbahn schon weiter hinein gelangt ist. Aber wes sollen 


wir nun mit dem Manne anfangen, der frierend vor dem 
Bahnhofe steht. Eine Fußwanderung ist nicht immer em¬ 
pfehlenswert, wenigstens wenn man sich durch 50 Zentimeter 
Neuschnee hindurcharbeiten muß. Sonst aber sieht man, 
besonders Sonntags, eine große Anzahl von Wanderern sich 

durch den Schnee 
kämpfen; wenn es 
lange nicht geschneit 
und wenn es gefroren 
hat, marschiert es 
sich ganz gut auf 
der festen Decke. 
Richtige Karawanen¬ 
straßen bilden sich, 
auf denen immer 
einer hinter dem 
andern herpilgert. 
Unser Philister aber 
würde nur seine 
Gummischuhe ver¬ 
lieren,und so stecken 
wir ihn in einen heiz¬ 
baren Schlitten, der 
ihn unter lustigem 
Schellengeläute hin¬ 
aufbringt auf die 
Höhen. Ich wette, 
auch dieser Teil der 

Harz: Schulausflug , . c 

^ ungewohnten Expe¬ 

dition wird ihm gefallen, denn selbst im Sommer endlos 
scheinende Chausseen bieten jetzt an Mannigfaltigkeit und 
Abwechslung genug, und gar oben entfalten sich die herr¬ 
lichsten Bilder. Mit Kunst und Tücke führen wir ihn dann 
vielleicht an eine tadellose Rodelbahn, wo er unter 

dem Schutze eines 
sicheren Lenkers teil¬ 
nehmen muß an dem 
lustigen Treiben, das 
hier immer zu finden 
ist. Der echte Harzer 
braucht allerdings 
keine großartige 
Bahn für sein Rodel 
oder Ruschei; jede 
abschüssige Straße 
in den Ortschaften 
gehört dem Rodler 
und wehe dem Fu߬ 
gänger, welcher sich 
sorglos etwa auf die 
Osteröder Straße in 
Clausthal wagt; er 
hat da keine Existenz¬ 
berechtigung. Aber 
für Verwöhntere gibt 
es jetzt mustergiltig 
gepflegte, zum Teil 
mehrere Kilometer 
lange Bahnen, so bei 
Harzburg im Lange¬ 
tal, bei Hahnen¬ 
klee vom Bocksberg, 

Bobsleighbahn-Start ßraunlage vom 

Wurmberg, bei Dreiannen-Hohne, bei St. Andreasberg, Lauten¬ 
thal, Wernigerode u. a. Nicht vergessen sei die neue Rodelbahn 
vom Steinberge nach Goslar hinunter, die durch Länge, Ge¬ 
fälle und landschaftlichen Reiz Vorzügliches zu bieten ver¬ 
spricht. Der Bobsleigh, der größere Bruder des Rodels, 




578 DEUTSCHLAND Nr. 12 


feiert aug’enblicklich seine Triumphe besonders in Schierke, sehnlicher als selbst ein Meister in solchen winterlichen 

aber auch andere Harzorte sind im Begcriff, ihm eine Renn*- Künsten zu werden, aber allmählich erwacht in ihm die Er¬ 
bahn zu schaffen. Es ist keine Fragte, unser Freund hat kenntnis, daß der wahre König' dieser Herrlichkeit der Skiläufer 

sein helles Entzücken an solchem Treiben und wünscht nichts ist, dem er einstweilen noch mit neidischen Blicken folgt. 

(Schlulz folget.) 


Winterliche Brockenbesteigung*en jetzt und einst 

(Nachdruck verboten.) Von Verkehrsleiter Schultze, V^emigerode. 


Die gewaltige Zunahme der Begeisterung für Winter¬ 
sport, Schlittenfahrten und Wanderungen hat den Harz¬ 
orten einen ungeahnten Verkehr in der sonst stillen 
Jahreszeit gebracht. Für manchen Kurort ist eine neue 



Theresienhöfer Stieg bei Goslar 
(Phot.: Bergmann & Co., Wernigerode) 

Saison entstanden, die trotz der Kürze in pekuniärer 
Hinsicht nicht unterschätzt werden darf. Wer es sich 
leisten kann, Tage und Wochen die reichhaltigen Dar¬ 
bietungen eines Wintersportplatzes, wie z. B. Schierke, 
zu genießen, braucht in der Regel nicht mit einem 
Goldfuchs zu rechnen. Während im Sommer viele 
Menschen zu ihrer Erholung reisen müssen, findet man 
im Winter vornehmlich Gäste, die des Sports oder Ver¬ 
gnügens wegen Winterplätze aufsuchen. — Nicht nur 
einmal, sondern häufig werden dann auch 
Brockenbesteigungen vorgenommen; die 
Schierker Gäste betrachten eine solche bei 
klarem Frostwetter als angenehmen Spazier- 
gangl Seitdem das Brockenhaus mit Zen¬ 
tralheizung versehen ist, bietet es in allen 
Räumen einen molligen Aufenthalt, was 
früher nicht immer der Fall war. Während 
jetzt täglich sich Gäste oben einfinden, um 
einige Tage auf der Brockenkuppe die 
eigenartige groteske Winterlandschaft zu 
studieren oder Sport zu treiben, während 
Sonntags häufig an 500 Touristen auf 
Schneeschuhen oder zu Fuß den Berg er¬ 
klimmen, vergingen früher Wochen, ohne 
daß eine menschliche Seele sich zu der 
einsamen Höhe hinaufwagte. 

Das Brocken - Stammbuch gibt den 
besten Anhalt dafür, denn es ist wohl an¬ 
zunehmen, daß niemand vergessen hat, 
seine Tat für die Nachwelt niederzu¬ 
schreiben. Natürlich sind es Besucher aus 


den Nachbarorten, denn zu unserer Großväterzeiten würde 
es ja undurchführbar gewesen sein und als Verrückt¬ 
heit gegolten haben, von weiter her eine Brockenreise 
zu unternehmen. Der Winter 1829 scheint sehr milde 
gewesen zu sein, denn das Fremdenbuch weist vier Ein¬ 
tragungen auf. 4. Januar: Carl Röhrig, Fabrikbesitzer zu 
Wernigerode und H. C. Hahne, Verwalter der Glashütte 
Jacobsbruch waren heute hier oben und fanden ein 
herrliches Winterbild. 20. Februar: Nachstehende Gesell¬ 
schaft als Landschaftsmaler Crola, Hüttenarzt Dr. Nieter, 
Revierförster Haun, Hüttenkontrolleur Brandes, Pastor 
Friedrich, Katechat Nieter, Forstaufseher Haun und 
Rupach, sämtlich aus Ilsenburg, trafen wohlgemutet mit 
kleinen Handschlitten hier ein, erfreuten sich des 
schönen Winterbildes und fuhren auf den kleinen Hand¬ 
schlitten in größester Schnelligkeit nach Ilsenburg zurück. 
26. Februar: Verleitet durch vorbenannte Herren unter¬ 
nahmen heute folgende Personen als Henriette von Hagen, 
Clementine von Landwüst, Auguste Haun (das berühmte 
Heldenmädchen), Revierförster Haun, Forstaufseher 
Haun und Rupach von Ilsenburg eine Brockenreise 
und genossen der herrlichsten Aussicht bei stillem 
heitern Wetter. Machten auf mehrere Seiten des 
Brockens Schlittenfahrten auf Handschlitten und tranken 
im Freien den Kaffee. 24. März: Vom herrlichen Wetter 
begünstigt, besuchten heute den Brocken Auguste und 
Henriette von Hagen, Clementine und Oberforstmeister 
von Landwüst, August von Beyer, Julius Rupach und 
August Hoppe aus Ilsenburg und genossen einen 
sehr schönen Wintertag. — Man sieht aus den Be¬ 
merkungen, daß der Rodelsport, der zurzeit bei uns 
Modesache ist, schon vor 80 Jahren beliebt war. 



Winterkurort Braunlage im Harz 




















Nr. 12 DEUTSCHLAND 579 




Zeitiger als in diesem Winter muß 1834 der Schnee 
gefallen sein, denn Hofrat Steinberg aus Potsdam 
schreibt unterm 24. Oktober: Der Besuch des Brockens 
war dies Mal mit sehr großen Schwierigkeiten ver¬ 
bunden. Wir wateten gestern, von Ilsenburg kommend, 
bis über dem Knie im Schnee; wir hatten die größeste 
Mühe, uns bei dem furchtbar tobenden Winde aufrecht 
zu erhalten. Das Thermometer stand unter Null. Gott 
gebe, daß wir heute, wo das Wetter nicht freundlicher 
geworden ist, namentlich der Wind fortbrauset und un¬ 
geheure Schneemassen uns umgeben, glücklich den 
Fuß des Brockens erreichen. Meine Begleiter waren 
der Herr Postdirektor Schwieger und dessen 
jüngster Sohn aus Wernigerode. 

Der Winter 1837 scheint ein böser Gesell 
gewesen zu sein, denn er brachte dem Brocken 
einen ununterbrochenen fünftägigen Schneefall. 

Auf der Oberfläche des Brockens lag der Schnee 
am 5. April bereits 5 bis 6 Fuß hoch, am Ab¬ 
hange aber 10—12 Fuß hoch. Am Mittwoch 
als den 5. April des Morgens um 9 Uhr war 
der Himmel unbedeckt und das Wetter still; die 
Sonne ging, viele Figuren bildend, prachtvoll 
auf. Bis 10 V 2 Uhr bezog sich aber bei öfterem 
Wechsel des Windes des Abends der Horizont 
ungemein dicht und um 11 Uhr fing das Schnee¬ 
treiben an und währte ununterbrochen fort 
bis Sonntag, den 9. April, abends 6 Uhr, bei 
heftigem Nordost und Nordwestwinde; jedoch 
war das Wetter am Freitag und Sonnabend 
am ärgsten. Auf der Oberfläche lag nach 
diesem großen Schneefall der Schnee nicht viel höher 
als vor demselben, da der Wind ihn vertrieben hatte, 
jedoch war der Pferdestall und der südwestliche Teil 
des Brockenhauses ganz mit Schnee überschüttet und 
es hatte der Wind in der südlichen Richtung von dem 
Brockenhause, zwischen dem Hexenaltare und Gerlachs- 
brunnen, eine Schneewand bis zu 20 Fuß Höhe aufge¬ 
trieben. Am südlichen Abhange des Brockens, zwischen 


demselben und dem Königsberge, hat der Schnee gewiß 
40 bis 50 Fuß hoch gelegen, was daraus zu schließen 
ist, daß von den ziemlich hohen Tannen, die zwischen 
dem Brocken und dem Königsberge stehen, garnichts 
zu sehen war. Die 30 bis 40 Fuß hohen Tannen ums 
Schneeloch und das tiefe Schneeloch selbst waren ganz 
mit Schnee bedeckt und alles eine Glätte und Ebene. 

Unter dem 9. Juni findet sich dann noch folgende, 
gleichfalls von den ungeheuren Schneemassen Kunde 
gebende Eintragung: Da während des ganzen Monats 
Mai der Schnee auf den Wegen garnicht weichen wollte, 
und dadurch die Gäste am Besuch des Brocken gehindert 


t 

Hohegeiß im Oberharz: Wintersportplatz (Phot.: C. Greve. Blankenburg) 

wurden, so ward vom 1. bis 8. Juni durch 30 Arbeits¬ 
leute der vom gelben Brink über die Taternstöße, das 
Brockenbett und die Heinrichshöhe führende Weg von 
10 bis 16 Fuß hohen Schnee befreit und verursachte 
es den Reisenden viel Spaß, in diesen langen tiefen 
Schneegräben den Brocken ohne Gefahr und Besorgnis 
zu ersteigen. — Vom Jahre 1842 waren bereits sechs 
Wochen verstrichen, ehe die ersten Brockenbesucher 
oben eintrafen. Forstaufseher Oberjäger 
Becker, in dessen Begleitung sich noch 
der ehemalige Gardejäger Horn, gleich¬ 
falls aus Ilsenburg, ferner Gymnasiast 
Hoffmann aus Gröningen und Baueleve 
Rost aus Brandenburg befanden, besuchte 
am 13. Februar bei zehn Fuß hohen 
Schnee zum ersten Male den Brocken und 
sie wurden als erste Gäste des Jahres 
1842 oben begrüßt. 

Im Jahre 1844 erstiegen am 17. Februar 
als die ersten Gäste unter den unsäg¬ 
lichsten Mühen und Anstrengungen bei 
heftigem Schneegestöber und Schnee¬ 
treiben oft bis an die Hüften in den 
frisch gefallenen Schnee versinkend, den 
Brocken: O. L. G. Referendar Ziepel und 
von Windheim, sowie Auskultator Klewitz, 
sämtlich aus Halberstadt. Des Herrn 
Brockenwirts Nehse freundliche Aufnahme, 
das schmackhafte Abendessen und das 
wohnige Stübchen gewährten uns indessen 
bald Entschädigung und Erholung in den 


Wernigerode im Harz: Rodelbahn (Phot.: Bergmann & Co., Wernigerode) 




580 DEUTSCHLAND Nr. 12 


gehabten Gefahren. — Einen sehr lohnenden Brocken¬ 
besuch unternahm am 26. Februar 1845 der Hofkunst¬ 
händler Ramdohr, Dr. chir. Ramdohr und Partikulier 
Brandt, sämtlich aus Braunschweig. Bei 13 Grad Kälte 
reisten wir, nachdem vor mehreren Tagen viel Schnee 
gefallen war, ab. In Ilsenburg trafen wir den Brocken¬ 
wirt Nehse, welcher mit uns nach Wernigerode fuhr, 
vorher aber einen Boten nach dem Brocken sandte, der 
Leute beauftragen mußte, 
auf gewissen Stellen Bahn 
zu schaufeln. Sonach war 
es uns möglich, von 
Schierke, wo sich Förster 
Hoefer anschloß, in einem 
Schlitten, mit zwei Pferden 
bespannt, uns durch den 
Schnee zu arbeiten. Der 
herrlichste Sonnenschein 
begleitete uns, ohne er¬ 
heblichen Luftzug; die 
Landschaft bot einen wun¬ 
derbar reizenden Anblick 
dar, vornehmlich entzückte 
uns das Bild des reich in¬ 
krustierten Waldes, dessen Bäume mehr oder weniger 
feenhafte Gestaltungen angenommen hatten. Es über¬ 
raschte uns, zu dieser Jahreszeit eine größere Fernsicht 
zu finden als an gleich heiteren Tagen im Sommer. 
Der Sonnenaufgang war außerordentlich schön. Wenige 
Minuten nachher wurden wir vom Wirt auf das so seltene 
Schauspiel einer Fata morgana — hier Brockengespenst 


genannt — aufmerksam gemacht, das sich uns auf der 
westwärts vom Brockenhause ziehenden Nebelschicht 
von einem regenbogigen Heiligenschein umgeben, deut¬ 
lich darstellte. Wir wünschen allen, die sich durch den 
Winter von einer Brockenreise nicht abhalten lassen, 
gleiches Glück. 

Neujahr scheint auch früher schon, wenn auch in 
bedeutend bescheidenerem Maßstabe wie jetzt, auf dem 

Brocken gefeiert worden 
zu sein, denn der 1. Januar 
1847 weist fünf Eintragun¬ 
gen von Studenten auf. 

Mit einem Kuriosum 
seien diese interessanten 
Mitteilungen beschlossen. 
Am 26. Februar 1850 be¬ 
suchte eine Gesellschaft 
von 9 Personen aus Ilsen¬ 
burg bei heiterem Wetter 
und 18 Grad Reaumur 
Wärme in der Sonne den 
Brocken und trank nach¬ 
mittags 4 Uhr der Selten¬ 
heit und der reinen, ange¬ 
nehmen und windstillen Luft wegen auf dem mit 3—4 Fuß 
hohen Schnee bedeckten Wohnhausdache, gemütlich am 
Tische sitzend, den Kaffee und fuhr nach herrlichem 
Sonnenuntergänge auf kleinen Handschlitten über den 
festgefrorenen 8—12 Fuß hohen Schnee nach Ilsenburg 
zurück. (Im Nehse'schen Brockenstammbuch befindet 
sich die beigedruckte Abbildung dieser Begebenheit.) 



Der Brocken am 26. Februar 1850 



Sportplatz bei der Clausthaler Windmühle (Phot.: W. Zirkler, Clausthal) 
























: 

: 

• 

: 


»••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••« 




••****•• 


••****•• 



• • 

• • 

Blankenburg im Harz: Herzogsweg im Rauhreif 

• • 

• • 

• • 


1 

•••••• 








»••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••»•••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••«•••••••••••••••••••••••••••••••••• 





















































582 D E UTSCH LÄ:N,:D- iä 


NrJ2 


Die Verkehrsffiittel und das Reisen in Deutsehland*’. 

■ ", Von Dr. A. ?, der L.ey^n, Sertiii.' •: v ' . * ’ 

der großen deutschen . wesen ayssieht und dafei\:Vök;;allem wie man 

■ Öampffe des Norddeiitsc^^^^ Lloyd oder der Hiiinbiirg': lieiite. in peutscHlaod auf den EisehlJalineji zii reisen pflegt.. 
Anterlka-Ltnle iwm erstefimsl nacK Deiitsckland reist und . Lieber den Post- und TeiegrapheHverkehr nur wenige 
dort cioeii läageren Aufenthalt silmuit,- springt sofort ein BeinerkurijfeT)'; Das. Briefporto betragt iiir den einfacheB 
großer grundsätjfUchfe CInterscjised fej.det Behandlung der Brief in genz Deutschland 10 Pfg». fm Dctsverfehr S Pfg. 

yerkEi5fS3nsfaiien ih;s 4 ineW^%^ ;iDje Befß'rfehmgivun Pflkefen und QeMernt fesönfet?^^ 

Reich in die fe>t) PcstanWeisiiiigeUtilerner: die: Tclegraphien:': uhd^ Peri»=- 

dtistälienföil*: Aosöaiiörö der Post Pri v.iiünterrreitttiuftgeft,., sprecHgehiiliren sind jn"Deutsrhlahd bedeuteod billiger als. 
die Eisen.balinen) die TdegrajMieiif dfe-Peruspredher sind su den Vereinigten Staaten,:i.t5aß diese VerkelirCiHUster- 


Eigepiuin: /großer,' Aktien-Oe’^^?-; 
. seTlsetinfieOj .fef deren^. V 
waitung.iBtjd Btetrieb derStaat 
einett Janig: .gerifigerä EinfliiB 
ansöbt Nör die . Post ist 
Bsin-fiesanstalL aber , sie he- 
fdrdert aasscliUeSlieh' Briefe 
. ündpfiefähaltcheGegcnsfan^^^ 
die ßeförderung vört Pakedeni 
imt! größeren Wertse^dungeu 
erföigl Wiedennn dnreS Privat* 

: lintenjehBiefi die soig: .E.^reß* 
"Geseilscböfteri, , fn Deütscis"- 
land sind .die größe'n yerk ehrs- 
pnsiälten jjr fen t-iönden - des. 

. Stdais:Pi?rfrtHidTeiegr#fe 
b nst äi ten gidiöreM ^dpi) Reicbi:: 
die ^fedAviegonde : Meiffznhl : 
■dfer Eisenbahnen den Einzi?p.^r: 
sföaten. . nur wenige Privat* ■ 
bahiivn ;'önd ih^istfe idfe 
fUr .den Nahverkehr und d»ai 
Verkehr der Städte Und ihfer 
Vororte besttiuniten Klein*; 
bahnen und Stfafenbahweii 
werden ; Von ^ 

betriebenv: Df«: S ' t. 

auf den Filissen, dew Kanälen 
und den Seen ist ln iböiden 
Irknferh ein frötes, nur IC ; 
vereinzeUen. Fklhsu VJkbgabeA ;; 
pflichtiges OtiWerbe,^ Oer 
Ämerikaßer mit seine« aus¬ 
geprägt irt^'vidjjajistfeoivenAR' 

schauungea steht dem.Siaat.sp* , 
fectrieli mit eiuem''.gewissen 


Ufr preuoisawi tviiiiisiv.r ow oifcttinnien Aroriior) 

- .iStofUstTiiidsler li?(se)UitVf yUn dirtiimribtti'h'. 


bäff geleifttt .werde«, sowohl 
für den großen Goschäfismann 
ais aueh fqr den klaiiieß Ver- 
sendef, wird ;atlgpn.miTj aner¬ 
kannt.-. Im Deutschen Reich 
Waren im .Jahre 1910 40769 
poslaüslfliten; sie beförderten 
iii diesem Jahre rund 5,8 Mfili- 
.^rden Briefe, Werisciuiiingen 
: ini ßetrsge von 19,6 Milliarden. 
vMarltii anPostänweisiitJgen f ür 
I t. MiUiärdew .1?! MUliönen 
Mark, änfgegeben Würde« für 
.ft Millfa.wien7S MillioneuMark,; 
liHpostscbedrVefkehr, der erst.' 
idt kurzer JSeit ftingerkhiet 
-ist, Waren 45929 Kotitö-Iti* 
liaber vorhanden, die Summe 
der Gtitsclirifton betrug 5.9 
.Mitliarden Mark, die der Last- 
schtiften 5.S Milliarde« Markt 
an Paketen ohUg iWertangahe > 
ginge« 248,8 MiWiOncm Stuck» 
an sol chen mit M^ertangalre 
P225.1ÖIX) .Stlick , eia,. Die 
. T efegrapheH^ und pepn'spredt* 
Ihnen iiattftri eine .Länge von 
21t}20(.) Kjiöntetor,, die Läage 
der Drahte betrug 174.1.90p' 
Ktlornefer, Fermtprech-An* 
aÖstnUpB:' Waten:, an SStSSÖ 
' ;Nlfei;'''nU(: .d«den.- 

grofeu 'HäfecB“ 

.ksKriatädteö : amd die Petn? 
sjprech - Ärjstahei! miislfirhHft 
yerWaTfetv söfelnr 


Mitlirauefi gegenüber. Fr hält ihn ftir: tngtierzfg, -'des^Eetiispro-Choe -lÄt .be5täudei'E^S.p)f^fuii»:auEhi;aittI- 

«iLlCkstaödtg . nftd ftieiat.-.-fer Staat, se? wenig gendgt. zu .' detfi. Lilride ZUgewendet, 

VerbessenrngeH, zu Portsclifilteiv im Verkehr, Wor ; .v Der Wasserslraßetiverkehr bewegi .itch .auf de« 

•sfcii länger «ßs aiifhöH^-vifid’fvmfefafi^ die Tatrt-. -grdßert StrPmeh. det« Rirein, der .Wesef, der.'Eibe, der“ 
Sachen beträditelt überzeugt sich allerdings, bald seihst, .Qdev, ..der VVeithsei, im Süden atich -aiif der Donau, 
daß solche Aflscliaumigco wefligsteiiß hetjtrutaigo^: all diri^eti, zimi Tvil mit erheblichen Koste« voni 

mehr bpreebitgt. sind. Aber viciieicht ist es flöik uicht Staate verbosscrlCB SiröiUäii: findet 'Efin fegör ößter- 

ganz pberftiissig, wemi wir an dieser Sfelte iittiseren Verkehr slattv. Aotfdem Rhein, ilrizelhen Strecken 

Frenfiden ieuseits des >Veltinemts ein gedritrigles Bild PlbeV fRlur loid AVesürr viele« tierrlidi getegeueö 

davon geben, wferes |W/:0eol5ciifaßti tnif dem AfOrkefirs- Bi tiiierfseejr daneben lein lebhafter Personenverkehr. Be- 

• *> •; AKfBc. uio.i);, "fr-AX ■ '■ ii y-^ : r • 4 in- ^ r i W tt in tst- üi ‘ii.K ■■ Ü - A ti F.nd t ta dü r /' a dia rllr»- 

Vsi' Btijf*!* trh'ttvÄ iUf'-Tj.itJ'.-BtV'J-n il'ft'Ä tJtijtffchidtidt’A-ergllcJa^ii 

iffA ilfl-n .4rJbt|flkAfjj'Sit;.bi5i3. -liC*! « ur- iilIw.'» "IrriSt^p sl&d kübi 3VÜ äureb- 








Nr.l2 


DEUTSCHLAND 583 





sonders stark ist der Per¬ 
sonenverkehr entwickelt an 
den deutschen Küsten zur 
Verbindung der Inseln der 
Nordsee (Helgoland, Norder¬ 
ney, Borkum, Sylt usw.) und 
der Ostsee (hauptsächlich 
Rügen) mit dem Festlande. 

Große und kleine Schiffahrts- 
Gesellschaften vermitteln 
diesen Verkehr hauptsächlich 
in den Sommermonaten, in 
denen die Inseln von Bade¬ 
gästen und Erholungsbedürf¬ 
tigen aller Art stark besucht 
sind. Von allen größeren 
Verkehrspunkten im Binnen¬ 
lande werden direkte Fahr¬ 
karten für Eisenbahnen und 
Schiffe nach den Inseln aus¬ 
gegeben, während der Ferien 
eineReihe von Sonderzügen zu 
ermäßigten Preisen gefahren. 

Doch dieser Verkehr ist 
verschwindend, wenn man ihn 
vergleicht mit dem Reise¬ 
verkehr der deutschen Eisen¬ 
bahnen. Die deutschen Eisen¬ 
bahnen hatten am 1. April 1909 
einen Umfang von 58216 Kilo¬ 
metern. Hiervon Waren 54578 
Kilometer Staatsbahnen und 
vom Staate verwaltete Privat¬ 
bahnen und 3638 Kilometer 
Privatbahnen in eigener Ver¬ 
waltung. Dazu kommen 
9643 Kilometer neben¬ 
bahnähnliche Klein - 
bahnen und 4132 Kilo¬ 
meter Straßenbahnen. 

Das größte Staatsbahn¬ 
netz ist das vereinigte 
preußisch-hessische,das 
am 1. April 1911 einen 
Umfang von ungefähr 
38000 Kilometer hatte. 

An der Spitze steht der 
Staatsminister,Minister 
deröffentlicheArbeiten, 
gleichzeitig der Chef 
der Verwaltung der 
Reichs - Eisenbahnen, 
von Breitenbach, 
dessen Bildnis S. 582 
wiedergegeben ist. Das 
Staatsbahnsystem besteht außerdem in den Königreichen 
Bayern, Sachsen und Württemberg, den Großherzogtümern 
Baden, Mecklenburg-Schwerin und Oldenburg und dem 
Reichslande Elsaß-Lothringen, dessen Bahnen Eigentum 
des Reiches sind. Die deutschen Mittel- und Klein¬ 
staaten werden größtenteils von den preußischen Staats¬ 
bahnen durchzogen. Die Privatbahnen haben nur wenig 


bedeutende Netze. Sie liegen 
innerhalb der Staatsbahnen 
verstreut und können eine 
selbständige Verkehrspolitik 
nicht führen. Bei dem 
überwiegenden Umfang des 
preußisch-hessischen in Ver¬ 
bindung mit dem Reichs- 
Eisenbahnnetz liegt es auch 
im Interesse der übrigen 
Staatsbahnen, mit den preußi¬ 
schen nahe Fühlung zu halten. 
So sind denn auch Verein¬ 
barungen getroffen über die 
Leitung desVerkehrs, die ein¬ 
heitliche BenutzungderGüter- 
wagen (Deutscher Staats¬ 
bahnwagenverband) und eine 
einheitliche Gestaltung der 
Tarife für Personen, Gepäck, 
lebende Tiere und Güter. 
Die großartigen Leistungen 
der deutschen Eisenbahnen 
bei der Beförderung der 
Güter scheiden von unseren 
Betrachtungen aus, die sich 
nur mit den Einrichtungen der 
deutschen Eisenbahnen für 
den Personen- und Gepäck- 
Verkehr beschäftigen sollen. 

Diese Einrichtungen sind 
einheitlich für das ganze 
Deutsche Reich. Die Beför¬ 
derung der Personen erfolgt 
in vier Wagenklassen, deren 
Preise betragen für die 
Person und das Kilo¬ 
meter: 7 Pfg. in der I., 
4,5 Pfg. in der II., 3 Pfg. 
in der III. und 2 Pfg. 
in der IV. (in Bayern 
und Baden als III b be- 
zeichneten) Klasse. Zu 
diesem Preise tritt noch 
die vom Reiche für die 
drei obersten Klassen 
erhobene Fahrkarten¬ 
steuer. Für die Be¬ 
nutzung von Schnell¬ 
zügen sind feste Zu¬ 
schläge im Höchst¬ 
betrage von 1 Mark für 
III. und 2 Mark für I. 
und II. Klasse zu zahlen. 
Die meisten Personen¬ 
züge führen nur die II., III. und IV. Klasse, die Eil-und Schnell¬ 
züge teils die I., II. und III., teils nur die I. und II. Klasse. 
Schnellzüge, die nur die I. und II. Klasse führen, sind indes 
nur in geringer Anzahl vorhanden. Die auch auf den deut- 
schenBahnen verkehrenden internationalen Luxus (L-)Züge, 
deren Wagen der internationalen, in Brüssel und Paris 
ansässigen Schlafwagen-Gesellschaft gehören, führen nur 


Stromleitungc Strecke Dessau—Bitterfeld der A.E. G. 


Schnellzug Dessau—Bitterfeld der A. E. G. 


Schnellzug-Lokomotive Dessau—Bitterfeld der A. E. G. 





























584 DEUTSCHLAND Nr. 12 


die I. Klasse. Für ihre Benutzung ist ein besonderer 
Zuschlag zu zahlen. Die Wagen der I. und II. Klasse 
haben Polstersitze, die der III. Klasse Holzbänke, die der 
IV. Klasse Bänke nur für einen Teil der Reisenden, für 
die übrigen sind Stehplätze vorhanden. Diese Klassen¬ 
einteilung hat für den Amerikaner vielfach etwas auf¬ 
fallendes. Sie hat sich in Deutschland und den meisten 
europäischen Ländern den Bedürfnissen des Verkehrs 
und den sozialen Gewohnheiten der Bevölkerung ent¬ 
sprechend entwickelt. Nur bei einer derartigen Teilung 
ist es möglich gewesen, für die minderbegüterten Volks¬ 
kreise, insbesondere die Arbeiter, so billige Preise zu 
erheben, wie sie in der IV. Klasse bestehen. Ein Einheits¬ 
preis dieser Klasse von 2 Pfg. für das Kilometer entspricht 


eine billigere, die aber, soweit bekannt, nur für die 
Einwanderer eingerichtet ist. 

Die meisten deutschen Wagen der drei oberen Klassen 
sind solche mit geschlossenen Abteilen. In Schnellzügen 
sind jedoch die Wagen jetzt fast ausschließlich Durch¬ 
gangs- (D-) Wagen, die die Annehmlichkeit geschlossener 
Abteile mit der Möglichkeit freier Bewegung in den 
Wagen und im Zuge verbinden. Mehr und mehr wird in 
Deutschland auf Verbesserung dieser Wagen Wert gelegt. 
Sie sind durchweg vierachsig gebaut, mit sauberen Aborten 
und bequemen Wascheinrichtungen (getrennt für Männer 
und Frauen) ausgestattet, teils mit hängendem Gasglüh¬ 
licht, teils elektrisch beleuchtet und in den Wintermonaten 
vortrefflich geheizt. Die D-Züge führen Speisewagen, 



Drei Lokomotiven der A. E. G. im Bahnhof Bitterfeld 


einem Einheitspreis von 0,78 c für die Personenmeile. 
Für den regelmäßigen Verkehr der Arbeiter zwischen 
ihrem Wohnsitz und ihrer Arbeitsstelle wird sogar nur 
die Hälfte dieses Preises, d. h. 0,34 c für die Personen¬ 
meile erhoben. In den Vereinigten Staaten von Amerika 
stellt sich dagegen der Durchschnittspreis für die 
Personenmeile auf etwa 2 c. Es ist bekannt, welchen 
Widerstand einzelne der dortigen Eisenbahnen der Er¬ 
hebung dieses Satzes als Mindestsatz für den gewöhn¬ 
lichen Verkehr entgegengesetzt haben. Die Einrichtung 
einer Einheitsklasse Würde bei uns schon aus dem Grunde 
nicht möglich sein, weil dann sehr weite Kreise der 
Bevölkerung auf Eisenbahnreisen verzichten müßten. 
Uebrigens besteht auch in den Vereinigten Staaten 
neben der regelmäßigen eine teurere Klasse für die 
großen durchgehenden Züge und auf mehreren Strecken 


in denen man für mäßige Preise gut ißt und trinkt, in 
die größeren Nachtzüge sind Schlafwagen eingestellt, die 
jetzt in der Regel sechsachsig gebaut werden. Daß die 
deutsche Schlafwageneinrichtung vor der amerikanischen 
den Vorzug verdient. Wird kaum bestritten werden können. 
Das Bestreben, den Aufenthalt in dem Zuge möglichst 
angenehm zu machen und die Wagen immer mehr zu 
Verbessern, beschränkt sich aber nicht auf die Wagen der 
beiden teuersten Klassen. Auch in dem Bau und in der 
Ausstattung der Wagen III. und IV. Klasse sind wesent¬ 
liche Verbesserungen eingetreten, die — nebenbei — zur 
Folge haben, daß ein großer Teil auch der wohlhabenden 
Bevölkerung wenigstens für kurze Reisen gern die IIL, 
ja selbst die IV. Klasse benutzt. 

Für die Beförderung von Reisegepäck wird auf den 
deutschen Bahnen besonders bezahlt. Für Gepäck- 

















Nr. 12 DEUTSCHLAND 585 


Sendungen bis zum GeAVicht von 25 kg ist die Gebühr wie schnell er von einem Ort zum andern gelangen kann, 
eine geringe (im Höchstbetrage für das ganze Reich d. h. wie der Fahrplan ausgestaltet ist. Man unterscheidet 


1 Mark). Außerdem sind die deutschen Wagen so ein¬ 
gerichtet, daß man viel 


in Deutschland für den Personenverkehr Personenzüge 

(die wesentlich dem Ver¬ 


mehr Handgepäck mit- — 
nehmen kann, als dies 
in den amerikanischen 
Wagen möglich ist, und 
bei uns haftet die Eisen¬ 
bahn für allen Schaden, 
den der Reisende durch 
Verlust, Beschädigung 
oder verspätete Lieferung 
des Gepäcks erleidet. 

Es liegt mir fern, 
die amerikanischen Reise¬ 
einrichtungen herabsetzen 
zu wollen. Sie haben ge¬ 
wiß auch ihre Vorzüge, 
schon indem sie sich den 
Gewohnheiten des Landes 
anpassen, aber in Amerika 
wird so häufig, auch von 
Personen, die in Europa 
gereist sind, über unsere 
Verkehrseinrichtungen die 
Achsel gezuckt, daß es 
immerhin angebracht er¬ 
scheint, auch einmal die _ 
Vorzüge der deutschen 
Einrichtungen hervorzuheben. 


MAGDEBURG 

(AmO.oJ 


-5-kehr der kleinen und mitt- 

• toaoM _ 

. ' ‘ leren O rte dienen), Eilzüge 

und Schnellzüge. Für den 
Geschäfts- und den Ver- 

^ gnügungsreisenden sind 

wichtigsten die Eil- 
und die Schnellzüge, und 
(34,*) gji dleseu ist kein Mangel. 

Die Fahrpläne, beson- 
ders die für den großen 

, / / , Jr mitteleuropäischen Ver- 

lers/cnfsp/an , r . . 

.... ^ F / kehr werden auf einer in 

der Sfreche | / 

jedem Jahre einmal zu- 

'burg-Leipzig-tial/e. sammentretenden mittel- 

europäischen Fahrplan- 
Ä"' J / / Konferenz beraten. Eine 

jede dieser Konferenzen 

jj^ Unterwerft ^ 

(86,34)/ bringt Verbesserungen. 

X \ Besonderer Wert wird da- 

I M l . o t 

rauf gelegt, daß die Fahr- 
pläne der durchgehenden 
Züge ineinandergreifen, 
daß die Züge tunlichst 

Lutischen» Wtpren VÄ ^ 

J/ ohne größeren Aufent- 

__fialt Anschluß aneinander 

finden. Eine große An- 

Für den Reisenden zahl von Schnellzügen verbinden die europäischen 


übersichfsplan 
der strecke 

Magdeburg -Leipzig -ifa/fe . 


^ZttrbsK' 42 , 69 ) 


vjallefitihafen V 

/P Dessau ( 60 , 76 ) 

y 22,36 


w eaguhn / 

Jeßmtz % 27 / 

40.90 , 

Greppin Ä Oreppji A 

Unterwerft ^ 

JT BftterrekJ ( 86 , 34 ) / 

/l\ 43 .S 2 


Lifttschena wanren 


kommt es nun nicht allein darauf an, daß er bequem Hauptstädte miteinander, z. B. Berlin—Wien, Berlin— 
und für mäßigen Preis fährt, sondern auch wie oft und Paris, Berlin—Rom, Berlin—London, Berlin—St. Peters- 


Vhfsdorf 


L 


UnterstationA 


\ Barmbirck 


Kraftwerk 


friJc/r/c/is 6 er^ 


m ^HAMBURG ^^^^s6e%erai,etrssee 

o. iU=^\ 

u L! ßahrefife/d / C A 

--- nochkamp m | rWi ^^Bammfo? j^Zandrvehr ^^—^ 

Hofst^nstrarse 


^Ber/tner Tor 






_ji 5 s Vorortsve kehr B'ankenese-Ohlsdorf 
LLLuu Kaltenkirchener Bahn 

-Projekrierfe CjüteruTigehungsbshn 

- 80 000 Voltleitungen Vom Kraftwerk RItona 

zum (JmformerWerk Barmbeck 
—.— Grenze 



X 








586 DEUTSCHLAND Nr. 12 


bürg, Paris — Berlin — Petersburg, Hamburg — Basel — 
Genua, Paris—Straßburg—Stuttgart—München—Wien— 
Konstahtinopel usw. Eine Reihe schnellfahrender Züge 
laufen auch zwischen Berlin und Hamburg, Kiel, Bremen, 
Köln, Frankfurt, Straßburg, München, Dresden, Breslaui 
Königsberg usw. Neuerdings ist besonders auch die 
Anzahl der Züge vermehrt, die weite Strecken ohne 
Aufenthalt durchfahren. Daneben wird seit einigen Jahren 
der Lokal verkehr gepflegt durch Einstellung von Trieb¬ 
wagen. Die Fahrpläne sind 
tunlichst so gestaltet, daß 
gute Zugverbindungen auch 
für die abseits von der großen 
Heerstraße liegenden mitt¬ 
leren und kleineren Provin¬ 
zialstädte bestehen, er ist 
nicht, wie mehr oder weniger 
in den Vereinigten Staaten, 
allein zugeschnitten auf den 
Verkehr der großen Haupt¬ 
städte untereinander. 

Seitdem der Wissen¬ 
schaft der Nachweisgelungen 
ist, daß die elektrische Kraft 
auch für die Beförderung auf den Eisenbahnen ver¬ 
wendet werden kann und die Ergebnisse der wissen¬ 
schaftlichen Untersuchungen sich praktisch bewährt haben, 
spielt im Verkehrsleben die Frage des Ersatzes der 
Dampfkraft durch die elektrische Kraft eine von Jahr 
zu Jahr wichtigere Rolle. Auf den Stadtbahnen ist allmäh¬ 
lich der Pferdebetrieb durch den elektrischen Betrieb 
ganz verdrängt worden. Die preußische Staats-Eisen- 
bahnverwaltung hat alsbald Versuche gemacht, den elek¬ 
trischen Betrieb zunächst auf den Stadt- und Vorort¬ 
bahnen einzuführen. Von 
größter Wichtigkeit für 
die Entscheidung der 
Frage der Einführung 
dieses Betriebes auf 
Fernbahnen waren die, 
wiederum mit Unter¬ 
stützung der preußischen 
Staatsbahnen unternom¬ 
menen Versuche der 
Schnellfahrten mit elek¬ 
trischen Wagen auf der 
Strecke Berlin—Zossen, 
bei denen es gelungen 
ist, eine Fahrgeschwin¬ 
digkeit von 210 Kilo¬ 
metern in der Stunde 
zu erzielen. Ein höherer 
Beamter des preußischen 
Eisenbahnministeriums hat das große Verdienst, den Nach¬ 
weis geliefert zu haben, daß für den elektrischen Betrieb 
der Fernbahnen der einphasige Wechselstrom das beste 
System sei. Nunmehr hat sich die preußische Eisenbahn¬ 
verwaltung, auf Anregung und unter hervorragender Mit¬ 
wirkung des gegenwärtigen Eisenbahnministers, mit allem 
Nachdruck der Aufgabe einer weiteren Ausbreitung der 
elektrischen Zugförderung gewidmet. Die erste, im Jahre 
1905 eröffnete, noch mit Gleichstrom betriebene Bahn, 


war die 9 Kilometer lange Vorortbahn vom Potsdamer 
Bahnhof in Berlin nach Lichterfelde. Es folgte in Hamburg 
das im Jahre 1907/1908 dem Betrieb übergebene Netz 
elektrischer Bahnen für den gesamten Stadt- und Vorort¬ 
verkehr (vergl. den Lageplan, Abb. S. 585 und die Ab¬ 
bildungen S. 585). Auf diesen wurde der einphasige 
Wechselstrom angewandt, der sich glänzend bewährte. 
Der Verkehr hat sich nach Einführung des elektrischen 
Betriebs in einer Weise entwickelt, die niemand voraus¬ 
gesehen hat. Die Einführung 
des elektrischen Betriebs an¬ 
stelle des Dampfbetriebs auf 
den Berliner Stadt-, Ring- 
und Vorortbahnen wird vor¬ 
bereitet. Durch die in Ham¬ 
burg gemachten Erfahrungen 
ist die Betriebsfrage soweit 
geklärt worden, daß nunmehr 
die Einrichtung des elektri¬ 
schen Betriebes für den Per¬ 
sonen- und Güterverkehr auf 
einer Hauptbahnstrecke, der 
Strecke Magdeburg—Bitter¬ 
feld—Leipzig— Halle a. S., 
in Angriff genommen werden konnte. Die Teilstrecke 
Dessau—Bitterfeld ist im Jahre 1910 bereits fertiggestellt 
(vergl. den Lageplan, Abb. S. 585). Die mit den durch 
elektrische Lokomotiven beförderten Zügen angestellten 
Probefahrten haben ein über Erwarten günstiges Ergebnis 
gehabt. In dem im Jahre 1911 erlassenen Eisenbahnanleihe¬ 
gesetz sind daher die Mittel angefordert und bewilligt für 
die Einrichtung elektrischer Zugförderung auf der Strecke 
Lauban — Dittersbach — Königszelt und einigen Zweig¬ 
strecken. Die Abbildungen S. 585/89 veranschaulichen 

die neuen elektrischen 
Lokomotiven und Züge. 

Alle diese Einrichtun¬ 
gen haben die Entwick¬ 
lung eines sehr lebhaften 
Personenverkehrs geför¬ 
dert. Der dem preußi¬ 
schen Landtage vorge¬ 
legte Bericht über die 
Betriebsergebnisse des 
Jahres 1909(1. April 1909 
bis 51. März 1910) ent¬ 
hält hierüber beachtens¬ 
werte Zahlen, von denen 
einige hier eine Stelle 
finden mögen. Es wur¬ 
den auf den preußisch¬ 
hessischen Staatsbahnen 
im Jahre 1909 befördert 
1059 657 616 Personen, die mehr als 24 Milliarden Per¬ 
sonenkilometer zurückgelegt und (einschließlich ihres 
Reisegepäcks) eine Einnahme von mehr als 580 Millionen 
Mark gebracht haben. Auf die einzelnen Wagenklassen 
verteilte sich dieser Verkehr in runden Zahlen wie folgt: 

Personen Personenkilometer Einnahme 

I. Klasse 1,6 Millionen 214 Millionen 16 Millionen Mk. 

II. 99 „ 2645 „ 104 „ 

III. „ 456 „ 9380 „ 250 „ 

IV. „ 470 „ 10795 „ 197 „ 



Wiesentalbahn, Wechselstrom-Lokomotive 
von Siemens-Schuckert Werke G. m. b. H., Berlin 














Nr.l2 DEUTSCHLAND 587 


Man sieht, vs?elche Rolle der Verkehr in der 111. und IV. Klasse 
gegenüber dem der beiden höheren Wagenklassen spielt. 
Ganz gleichartig, wie in Preußen, sind die Verkehrs¬ 
verhältnisse auf den übrigen deutschen Eisenbahnen. 

Damit genug von Einzelheiten. Kam es doch nur 
darauf an, einige Hauptzüge aus dem Verkehrsleben des 


Deutschen Reiches zusammenzustellen. Ist bei uns auch 
vieles anders als in dem großen amerikanischen Freistaat, 
so werden sich die in Deutschland reisenden Amerikaner 
doch davon überzeugen, daß auch die Staatsregierungen 
die sorgsame Pflege des Verkehrs mit Erfolg in die Hand 
genommen haben^ 


Der Rosenkavalier und Direktor Zimmermann. 

(Ein Beitrag- zum 40jährigen Berufsjubiläum des Düsseldorfer Theaterleiters.) 

Von Dr. Otto Neitzel, Köln. 


Von allen offiziellen und prunkhaften Huldigungen, 
als da sind Adressen, Deputationen, Bankett mit Toasts*) 
und Toasten hatte der 40jährige Jubilar Ludwig 
Zimmermann, Leiter der Düsseldorfer Städtischen 
Bühne, abgesehen. Natürlich 
konnte er einen Platzregen 
vonTelegrammen und Briefen, 
die ihn beglückwünschten und 
ihm eine weitere Dekade von 
Bühnenjahren in frohe Aus¬ 
sicht stellten, nicht verhin¬ 
dern. Neben dem Künstler 
Zimmermann schätzt man ihn 
als liebenswürdigen, hülfsbe- 
reiten, vornehmen Charakter 
viel zu sehr, als daß sich seine 
Freunde vonNah und Fern bei 
diesem Anlaß nicht zu einem 
vollstimmigen Akkord herz¬ 
licher Wünschev ereinigt 
hatten. — Ein freundlicher Zu¬ 
fall sorgte dafür, daß der Jubel 
tag mit einer Aufführung, die 
von den Theaterfreunden aller 
Schattierungen, von denFach- 
leuten der Kunst und der 
Presse als die bisher wert¬ 
vollste Leistung des Düssel¬ 
dorfer Stadttheaters ange¬ 
sehen werden darf, zeitlich 
beinahe zusammentraf, mit 
der Aufführung des Straiiß- 
schenRosenkavaliers.Und 
insofern bei aller Anerken¬ 
nung der Bemühungen der Einzelkräfte, die sich zu dem 
Gelingen dieser Aufführung vereinigten, doch in diesem 
Falle hauptsächlich die künstlerische Intelligenz, die 
Bühnenerfahrung, der Theaterblick, der geläuterte Ge¬ 
schmack Zimmermanns die treibende Kraft dieser Auf¬ 
führung bildete, so darf mit Recht der Rosenkavalier 
auch als der Gipfelpunkt des Kunstschaffens unseres 
Jubilars gelten und zugleich als die würdigste Feier an¬ 
gesehen werden, die Herrn Zimmermann zu bereiten war. 

Immer mehr hat sich im Laufe der Aufführungen 
des Rosenkavalier und seines Siegeslaufs über die 
deutschen Bühnen herausgestellt, daß die Dresdener 
Uraufführung nicht ganz die höchste Wirkungsfähigkeit 
des Werks zu erreichen vermochte. Das lag an seinem 

•) Für den Leser, der die englischen Elzgewohnheiten nicht kennt, 
sei bemerkt, dalz man mit Toast geröstete Weifzbrotschnitten bezeichnet, 
zu denen der Kaviar gar herrlich mundet. 


vielfach neuartigen Stil, namentlich auch an der Art 
seiner Komik. Es wird heute auch von den eifrigsten 
Freunden des Textdichters v. Hofmannsthal zugestanden, 
daß seine Komik des natürlichen Humors entbehrt, daß 

ihr Schlagfertigkeit und Witz 
fehlen, daß sie leicht ins 
Possenhafte gerät. Diese 
Schwäche hat den Kompo¬ 
nisten Richard Strauß nicht 
gehindert, durch seine Musik 
das wieder beizuholen, was 
Hofmannsthal am Texte ver¬ 
säumte. Ferner läßt sich der 
Hofmannsthalschen Komik 
wenigstens der Vorzug nach¬ 
rühmen, daß sie den Charak¬ 
teren ein weites Feld der 
Eigenbetätigung an der Hand 
der Musik übrig läßt. So 
zeigte sich denn weiter, daß, 
je mehr man den Darstellern 
freien Willen ließ, sie ihre 
Aufgaben desto bühnenwirk¬ 
samer zu gestalten vermocht 
haben. Mit Ueberraschung 
gewahrten die Zeugen der 
Dresdener Uraufführung, daß 
in der komischen Hauptfigur, 
dem Ochs v. Lerchenau, weit 
mehr Komik steckt, als in 
Dresden zum Vorschein ge¬ 
kommen war. Wenn man 
Herrn v. Hofmannsthal mit 
dem Manne vergleichen darf 
der den Wein zur Bowle und dazu ein Porzellan¬ 
gefäß aus Sevres oder Meißen hergegeben hat, so 
dürfte Strauß etwa den Champagner dazu, der Darsteller 
aber die Pfirsiche oder Ananas geliefert haben, wodurch 
die Bowle erst den würzigen Geschmack gewinnt. Welch 
dankbare Rolle der Ochs eigentlich ist, und was selbst 
ein Künstler daraus machen kann, der nicht die oberste 
Sprosse seiner Kunst errungen hat, beweist der Fall 
eines größeren Stadttheaters, das soeben erst einen 
neuen Baßbuffo engagiert hatte. Diesem Herrn gelang 
es nicht, in den üblichen Rollen eine ganz einwandfreie 
Leistung zustande zu bringen. Die allgemeine Erwartung, 
als er mit dem Ochs betraut wurde, ging dahin, daß 
die Oper darunter zu leiden haben würde. Das gerade 
Gegenteil ist eingetreten. Der Künstler schien gerade 
in dieser Partie sein Herz entdeckt zu haben, er ent- 



Richard Strauß 





Sö3 DEUTSCH tÄND 


Virj ekelte.;, ^(ne.n so urwüchstgen,; iÜTidende Hür^or* dsS 
alsbald Sw fftod. Döß die Röll^ 

; f^li^ei'v.yöilendeji^n & Ver]angt> hat öußßif^:; 

dem not-h nSeiTiand heBanptetj wißf;itlenn Stmyß^^bge^tebt^n : 

jyffeeben I^fti lÄchr Oewiebt adlden ■ 

itn eiit^n S j>r echtes a rv g^s ^ &d i e K u ast des G e^an gs g e I e gt ha a •; 

’ ‘Waa s hat n an Z i m m e rm ö i da m ? l. tu tu n% wohnte 
der/’E^rödCiihrnng in Dresden bei* Ijfi^wiscKeh hst er. 
kel.b# vetssamh , Auf0hTUnger^^ > 

anderer BüInnen gnzuti^hön, ^ wöbei er: wöhl' 
die: w äch e n, ebenso ^ lidfe ■ di e F ^ b ri 11 e 

beoba chteta^. ■: i :dK^ jede&mah^e; .Aiatfahmrig. dem 

Werk- zuteil ^^erdßn ließ. Seine Beobachtungen trug 
ör ti nd ta t sein e ei ge neu An schau an g e n u rv;d • 


yerhahnk^en heraus und verschaffte derb Werk eini^ 
begeisfctt^n’sBrfölg, der eugenblicWich noch andauert.' 

; : Die ■ Nameh zu denen skh noch : 

Hi^r Ö ds ch e k ’ a 1 & Ober regi^siseuF des Scbausp tets und " 
endlich als Bütiiauyofsland Herr ^ ey e r ^eseSk be-- : 

:wn ■: wie kt iig und vörsichtig Zimm erntann bei Ge 
Witihuhg, sein er Mftarbeit er yarlahit^ äbet ä ach wie tjeu 
er ^uThheii hältv- weütt er ihre Brauchbar hat, 

Pk ganze; seihet Böhnehl^dtui^^ wk das ganze . 
Tmgrsmm,. dss -Zimmermatvn hh jetzt .absolviert hat, -' 
beweis 1; da fi e r wed e r etn Mrn s t i-U? 1 er h öt h ^ in Fr in z l pi eii- 
refter sein wilb sondern daß er seine pberste Auigabb ' 
aruf dem ihm; arwertrhüten Platz,, nacli 
: iM a b e de r vor handele ti Mit t el, d i e rein s t e und ah“ ; 


Äu tos&'un gen da £U> UÄi sie nun mebr in b e;za g t» üf Üü s$ ei - " i:reh e n dste Kan st z ü p fleg e-.n ^ die nu r e rrei ch b a r ish 
dorr ^u Aus- . An der Wiege wurde es ihm iMcht gesungen^ daß hh'- 


S.Uttung durchaus nkht hac h 
detnpresdenht Vp nhehr 
ge ^h TU E, S üie n w i r ehr)j hh; 
daß. djese;etwa^'kftU mtd bei 
after PfBcht nucUterh w^irföiCü 
pitreh dfe V 

!erer Fa rbenne haf Z1 m m e 
ttianh von'Anfang eine 
Wörm^re/ behögbeher^ ;Sltm- 
rrijdhg, beim ^uschtju^r au^i- 
getöst-. Die' ^lÄhtichambre''. 
irbMeisttth Äkt^ di^ Szene ’im 
. Sepärftiamnier inv dritteh> die 
: mi tHüife lies ausgeze!ckriet;eH 
RegissetJFS. Leffl-er 1 ebenso 
y£?U: bdsg^sdtbeitet Wurenj 

ii fe S e n e r kb n n e b ^ wa ^ Zim m e r-, 

.manrv MSi den ßeispietem: der 
übrigen Bahnen gelerni hatte^ 

, ^;._ab et.-', d uch,' wie.- '■’eyd Qi -:' -0'^^ 

; 1 p rn te ■ m -stfeäh h d ig er 
gung dem Kunstwerk Zfigute 
kommen ließ. Aiit: Le trk*f 
teilte.; Stdi iri.dk* Verdienste 
: ■deriVorli^rGftung-::^ ’.^erk^' 

KupeHmeist^r Frphil^h;^ 

, mh sicherm rhuBikdlisrhen 
"tod Ihestrslische^h. Gefühl 
^ dem B ei M q ga by w a ^ n e t 
w-ürdig war and Spruche 
geffähg^ ,wa^ 

^ ^foFdert^ Die lyid^ch-dramatfacheh Hdhtpbnktbr wje? 

jdiii Öu feite i W'is fcb%ü: .C und rl er Mar sch« üin> die 

Sii’e ne ^ zw i Sc; h eu Ok ta v i ö n : U h d' Sb pj) i da 5 ^ b erirh m1 c 
Ttef-z^tt un^L der.- ^an^^ StKIilß cie.s dritten Akts waten 
in musikalische! ;Schönbeft g^ftiur Bel allen Steiliätr* 
wo; elfe; W üftid.N riönißni lieh ö urh; hti dfe d 

r^;d£eiig^ri;;;ik« sk^den, in d^kPn p ch ;yr 1 iö fma nn^ ■ 
tfel mehrfach gefäliL .w.mde auf Schürfe .der Aus^fptgr he 
das Hßuptg^wfdit gbfegt j die wahllosen chör&kferiBti.^^cimp 
Lichleiv die iU>c,r die örutidlinfeA der Partitur hinüber- 






■m 


’ Vhea t trrd f ns|i.l'ßr ■ Zt i y ;fU-(itirj ifCi fiv;' I ) u -' 


d e f fe i n st e i n Th ea te f sch i ff ,7 ft :: 
sfeberft hätte* Zimmermantp;- 
ent^tainrht einer sach^ischf!; 

■ ögranschen Faniilie- Ef wurda ^ 
in Lic blen berg bei Ffeibe^; ,!* 
mr^ 5* ianuöf 1S54 geboren'Ä. 
■^Ti^-deub-;ächori nach Fausts/.. 
w it ii ge m Wo £i' d er ge i st l i ch e 
und der St;h^u^pfeferstan4: 
gafhlchf' s'bwbit fei handle-^'f 
versahted b lnd. ■ a i$ tpan ge^ : 
wöhn Sich 3 Ti n imin L Sb wu rde \ rt 
d isr S ! e d es j u h g en tim m e r - 
omnB^fels er sich gelehr tan 
S i kd fe n a ti t d e nv fee aJg ym- 
Hasiilfe; m Dresden hin gab, 
--.baiil!-.;'d-ii?- ' Ftög^.; ;'.--bfenn&t\(ä^;:' ■'. 
Prife*tt^. öder Schauspifefer 1 
. Ab^irbaid wär.efeihm kbr* daß 
seiner inimTsten NatufeWfifät 
mehr entsprach, Mehschfe'h ‘ 
d ö fz pst e 1 1 eR, als sie: 7ti 
b f? kfe h 16 n * Der Drang zuift 
SchÄUspielerberuf erwachte 
mächtig in ihrb/daß er, mcht 
g t a d e s^ur F rei t d e sei n e r spi e 
. bürgerlich wack ern FamBte, 
als jüngstMitglied bei eirver ; 
regfelrfechtbn Scfitni pre Unter*- 
kuhfl fand,, dje damals däs 
Erzgebirge durchzog* Für; 
iö Tälel Mpn^tsgfetp^ spiehe er heftle feen August in 
AlpfeisfeuT 11 erichi es --- : morge n . ;fien ßtackepbnrfe lin 
Fgfeaht, übetmorgen den Nachtwochter m den Mattetv^ 
b ftrg.fe rh ifsw, ln Be rn war“s {spritfl P knafe wp ihm 

dfe. Erkenntnis äurdummertie/ das Stidsdand Rückschn^tt: 

iihd daß er fehv ai Izu. unverfälscht es ^äbhsisch 
Da A k ^Encrgl e vtnd sj&inem Klangsin n bntwickel te 
sieh immfermauri von: m Säe hsel er in wenigen 

feahfeny wüiir^cL derer er m Cöthen itnd Halle wirkte*^ zu 
eiMm; wöhten Spröchköfr'dfen Seine völlige Ausreirutig^ 


: husehen, straKlien 11, Jedöcb nieht gt elifeervbr. Dfe Be^-Üin der Kunstgewann et in Mölntrigen; wo der Herzog selbst 

set^^ung mit: Micliael Bahnenfe 1 s Ochs, Rtch.ärfe.Hedfer als in .Kftftsi zu fdfeeh ufid zit inäzervieren das leitchtende 

Fahirial, mit PraU: Fmhlfeh-Förster als Sophfe;, Jöhanna - Vorbiki ww. Hier erhielt Z-irnmermänri feifejeriige kirnst- 
Leisner als Fi^ldmarsc:hallin, Prl Wedek,fe4-KfeSfi els^ ferische DurChbilclaivg, die Ihn dann ^ait ISfeS zu einem 
Oktavianusw.ätfelftfe sich als di eheste unter denfeegebenen der vörnöhmsteri. Mitglieder des Kölner Stadtthea tetst 








Der Rosenkavalier (I. Akt) im Düsseldorfer Stadttheater 



Der Rosenkavalier (III. Akt) im Düsseldorfer Stadttheater 

Sophie Octavian Marschallin Faninal 

(Hermine Fröhlich-Försler; (Agnes Wedekind-Klebe) (Johanna Leisner) (Richard Hedler) 











590 


DEUTSCHLAND 


Nr. 12 


gemacht hat. Noch unvergessen dort sind sein Wallen¬ 
stein, Goetz, König Philipp, Nathan, König Leao Hagen 
Tronje (Hebbel), Erbförster (Otto Ludwig), sein Dr. Stock¬ 
mann, Konsul Bernick, sein Oberstleutnant Schwarz, wo¬ 
bei er auch im komischen Fach reiche Lorbeeren erntete. 

In Köln veranstaltete er, als Künstler ebenso ge¬ 
schätzt wie als Mensch, literarische Vorträge, in denen 
er seine Hörer in die Kunstwerke eines Ibsen, Maeter¬ 
linck, Hofmannsthal, Tolstoi, Oskar Wilde, einführte. Hier 
auch erweiterte er seinen Horizont,indem er sich mit dem 
Musikdrama beschäftigte, das ihn, wie eine späte 
Liebe, dauernd anzog und dessen Kenntnis ihm ja bei 
seiner direktorialen Tätigkeit in Düsseldorf nicht wenig 
zu statten gekommen ist. Es hatte sich in Köln heraus¬ 
gestellt, daß viele Künstler der Hofmannschen Aera aus¬ 
gezeichnet zu singen, aber weder gut auszusprechen 
noch auch sich sinn¬ 
gemäß auf der Bühne 
zu bewegen verstanden. 

Des guten Ockert Blicke, 
der als Bürovorsteher 
undOberregisseur nicht 
auch noch die Zeit fand, 
den Künstlern Sprach¬ 
unterricht zu geben — 
was auch seinen Haken 
gehabt hätte, da er 
genau so sächselte, wie 
Zimmermann vor seiner 
Meininger Zeit — fielen 
auf Zimmermann. Nun 
ist, wie an dieser Stelle 
nicht näher ausgeführt 
werden kann, zwischen 
der Schauspiel- und der 
Operngebärde, nament¬ 
lich der im Wagnerschen 
Musikdrama, doch ein 
gewaltiger Unterschied. 

Im Musikdrama muß 
sehr häufig die Gebärde 
aus dem Orchesterspiel 
gradezu herausgelesen, 
das heißt für die Praxis, 
abgelauscht werden. 

Es war zu verwundern, 
wie schnell sich Zimmermann in diese Kunst des 
Gebärdenlesens aus der Musik hineinfand. Selbstver¬ 
ständlich wurde er sehr bald zum gesuchten Berater 
der Opernsänger und -Sängerinnen, die bei ihm um 
so freudiger studierten, als sie den Nutzen davon bald 
„am eigenen Leibe" das heißt, an dem verstärkten 
Erfolge ihrer Leistungen spürten, und dann auch, weil 
sie ihrem uneigennützigen Mentor nichts zu bezahlen 
brauchten. Es läßt sich denken, daß Düsseldorf, das 
im Jahre 1903 eines neuen Theaterleiters benötigte, 
gern und schnell Zugriff, als sich Zimmermann meldete. 

Die Taten der Direktion Zimmermann sind noch in 
aller Gedächtnis. Ein neueinstudierter und inszenierter 
Tannhäuser machte am 1. September 1903 den Anfang. 
Fidelio, Tristan, Figaro folgten in würdigster, der 
steigenden Bedeutung der Stadt und dem fortschreitenden 


Kunstgeschmack des Publikums angepaßter Aufmachung. 
Stücke, wie Kaiser und Galiläer, Tantris der Narr, Ibsens 
Brand bedeuteten denkwürdige Neuinszenierungen. 
sehr hat Zimmermann Kohlen auf die Häupter derjenigen 
gesammelt, die sein Interesse für die Oper, ja sogar 
sein Verständnis dafür, bezweifelten. Die Tosca erschien 
kurz nach der Dresdener deutschen Uraufführung in 
vorzüglicher Wiedergabe. Richard Strauß kam mit der 
Salome, Elektra immer gleich nach der Uraufführung 
an die Reihe. Unzählig sind die Erstaufführungen, unter 
denen sich manche Uraufführungen befanden, wie 
Mahadeva von Gotthelf, Leroux' Vagabund, Massenets 
Gaukler unsrer Lieben Frau, de Laras Moina, Fausts 
Verdammung von Berlioz, Flauto solo von d'Albert, 
eine Vorstellung, die der deutsche Kronprinz mit seinem 
Besuche beehrte, die Neugierigen Frauen von Wolf- 

Ferrari, Robins Ende 
von Künnecke, Stella 
maris von Kaiser, der 
Vogt auf Mühlstein 
und Baldurs Tod von 
Cyrill Kistler. — Einen 
ordentlichenRingzyklus 
hat ja manches Stadt¬ 
theater herausgebracht. 
Aber auf den Mozart- 
Zyklus Zimmermanns 
darf das Publikum mit 
hoher künstlerischer 
Befriedigung zurück¬ 
blicken. Vor allem 
zeichnete sich dieser 
Zyklus durch Vollstän¬ 
digkeit aus. Die sonst 
„undankbare"OperCosi 
fan tutte wurde eine 
Glanznummer des Zyk¬ 
lus, und weder Bastien 
und Bastienne noch 
auchderTitus fehlten.— 
Dem menschenfreund¬ 
lichen Organisator 
sei unser Schlußwort 
gewidmet. Zimmermann 
gab den Anstoß dazu, 
daß die Chormitglieder 
ganzjährig angestellt wurden, sodann führte er die 
(an den meisten Stadttheatern noch nicht übliche) 
Bezahlung der Vorprobentage für das Solopersonal 
ein. Die leidige Kostümfrage der Damen wurde dahin 
geregelt, daß die Kostüme für die weiblichen Chor¬ 
mitglieder, nachher auch die für die Solomitglieder 
vom Theater zu stellen sind. 

So wirkt Zimmermann als der künstlerische Ver¬ 
trauensmann der Stadt, eifrig darnach trachtend, sein 
Institut auf künstlerischer Höhe zu halten und es zu 
vervollkommnen, künstlerisch wie sozial, nicht als eigen¬ 
williger Despot, sondern als weiser Führer und Berater. 
Mag ihm auch fernerhin die verdiente Anerkennung nicht 
fehlen, mag ihm seine geistige und körperliche Rüstigkeit 
treu bleiben zum Nutzen des ihm anvertrauten Instituts, 
und der deutschen Bühnenkunst zu leuchtendem Vorbilde« 



Der Rosenkavalier (II. Akt) im Düsseldorfer Stadttheater 







Nr. 12 DEUTSCHLAND 591 


Die Denkmalpflege in der Rheinprovinz. 

Von Dr. Erwin Hensler, Bonn. 


Zwanzig Jahre sind in diesen Tagen verflossen, 
seit die Dezentralisation der Denkmalpflege in Preußen, 
die bisher in der Hand einer Zentralstelle, des König¬ 
lichen Konservators der Kunstdenkmäler zu Berlin, lag, 
in die Wege geleitet Ward. Durch Ministerialerlaß vom 
31. Oktober 1891 wurde die Schaffung von Kommissionen 
für die Wahrnehmung der Interessen der Denkmalpflege in 
den einzelnen preußischen Provinzen sowie die Einsetzung 
von Provinzialkonservatoren angeordnet und damit den 
Bestrebungen, die sich seit einer 
Reihe von Jahren zum Schutz der 
heimischen Kunstdenkmäler geltend 
gemacht hatten, ein starker Rück¬ 
halt und neuer Antrieb gegeben. 

Was man von der im folgenden Jahre 
erfolgten Gründung der Provinzial¬ 
kommission für die Denkmalpflege 
in der Rheinprovinz erhoffte, hat 
sich in den letzten zwei Dezennien 
in überraschend glücklicher Weise 
erfüllt. Unsere Provinz, die durch 
ihre Geschichte und dank ihres über 
alle Epochen gleichmäßig reich ver¬ 
streuten Denkmälerbestandes als 
erste unter allen deutschen Landen 
steht, hat dieses Ehrenplatzes sich 
durchaus Würdig gezeigt. Hinsicht¬ 
lich ihres Eifers zur Erhaltung und 
Hütung dieses durch die Gunst der 
Zeiten überkommenen Schatzes 
darf sie die fürsorglichste genannt 
werden. — Aus kleinen Anfängen hat 
die rheinische Denkmalpflege sich zu 
ihrem heutigen Umfange entwickelt. 

Der Wunsch, eine Uebersicht über 
die Kunstdenkmäler der Provinz zu 
besitzen, war zuvorderst und in 
erster Linie rege. Nachdem schon 
um die Mitte der siebziger Jahre auf 
Veranlassung der Provinzialverwal¬ 
tung die ersten Vorbereitungen in 
dieser Richtung getroffen waren, er¬ 
schienen im Jahre 1886 Paul Lehfelds 
„Bau- und Kunst-Denkmäler des 
Regierungsbezirks Koblenz“. Die 
Fortsetzung der Inventarisations¬ 
arbeiten stockte dann, bis im Früh¬ 
jahr 1890 Dr. Paul Clemen mit der 
generellen Durchführung der Denk¬ 
mälerstatistik und des auf dieser 
bedeutend breiteren Grundlage sich 
aufbauenden Werkes über die „Kunstdenkmä 1er der 
Rheinprovinz“ beauftragt Wurde. Im Sommer des 
nächsten Jahres konnten bereits die „Kunstdenkmäler des 
Kreises Kempen“ als erster Teil dieser monumentalen Pub¬ 
likation erscheinen, von der seitdem acht stattliche Bände 
vorliegen. Bis jetzt sind die Inventare der Regierungs¬ 
bezirke Düsseldorf und Köln vollständig erschienen — nur 


die Stadt Köln steht noch mit einzelnen Bänden aus —, 
Aachen ist fast vollendet, mit Trier ist begonnen, Koblenz 
wird den Abschluß bilden. In ihrer Anlage, in der 
Gründlichkeit ihrer Bearbeitung und ihrer reichen bild¬ 
lichen Ausstattung haben diese inhaltreichen Bände vor¬ 
bildlich für die entsprechenden Unternehmungen mancher 
anderen Provinz gewirkt. Ein besonderer Vorzug der 
ganzen Serie ist die erschöpfende Heranziehung der 
Literatur wie die exakten historischen Abschnitte, Be¬ 
reicherungen, die beide in der engen 
Verknüpfung der Denkmälerstatistik 
mit der Gesellschaft für rheinische 
Geschichtskunde begründet liegen. 

Die Denkmälerstatistik bildet in 
gewissem Sinne die Grundlage der 
praktischen Denkmalpflege. Sie 
sucht den gegenwärtigen Bestand 
möglichst festzulegen, gibt einen 
Abriß der Geschichte des einzelnen 
Denkmals und seiner Entwicklung, 
stellt die darüber vorhandene Lite¬ 
ratur zusammen und will, unterstützt 
durch zeichnerische und photo¬ 
graphische Aufnahmen, ein mög¬ 
lichst treues Bild des Werkes der 
Nachwelt überliefern. Erst auf 
Grund dieses Materials wird es dem 
berufenen Hüter der Denkmäler der 
Provinz, dem Provinzialkonservator, 
in manchen Zweifelsfällen möglich 
sein, ein wohlbegründetes Gut¬ 
achten abzugeben oder eine Ent¬ 
scheidung zu treffen. 

Die Schaffung der Stelle des Pro¬ 
vinzialkonservators geht auf 
den oben erwähnten ministeriellen 
Erlaß zurück. Als seine Hauptauf¬ 
gabe wird darin „die dauernde Ueber- 
wachung des Zustandes aller unbe¬ 
weglichen Denkmäler der Provinz, 
namentlich der Baudenkmäler, und 
das ununterbrochene Augenmerk auf 
Zustand und Verbleib der Vereins¬ 
und Privat-Sammlungen an beweg¬ 
lichen Denkmälern, sowie inniger 
Kontakt mit allen Geschichts- und 
Altertums-Gesellschaften und Privat¬ 
liebhabern“ bezeichnet. Daneben 
fungiert er als lokaler Vertreter des 
Königlichen Konservators der Kunst¬ 
denkmäler in Berlin und bildet, da 
ihm alle Rechte und Pflichten der staatlichen Zentrale für 
den Umfang der Provinz übertragen sind, das Verbindungs¬ 
glied zwischen der staatlichen und provinziellen Denkmal¬ 
pflege. In Paul Clemen, der zum ersten Provinzial¬ 
konservator der Rheinprovinz gewählt wurde, fand die 
Provinz den Organisator ihres Denkmalpflegewesens, wie 
sie ihn sich besser nicht hätte wünschen können. Dadurch, 



St. Johannisberg: 

Denkmal des Grafen Philipp (f 1521) 


In dem kleinen Kirchlein von St. Joliannisberg^, das sich 
wenige Kilometer unterhalh der Stadt Kirn hoch über dem 
Nahctal erhebt, befinden sich zahlreiche Grrabdcnkmiller 
der Wild- nnd Khcingrafen und deren Nachfolger aus dem 
Hause Salm. Das hier abgebildete Werk steht dom 
Mainzer Bildhauer Hans Backofen sehr nahe, der am 
Mittelrhcin den Übergang von der Spätgotik zur Renaissance 
bezeichnet. Die Wiedcrherstellnng der Kirche und der 
Grabdenkmäler erforderte 8 000 Mk. 








5Q2 DEUTSCHLAND 


daß er die in diesen knappen Sätzen angedeuteten Auf¬ 
gaben in weitestem Sinne faßte und in fast zwanzigjähriger 
rastloser Tätigkeit den Umfang des konservatorischen 
Interessenbereiches immer mehr erweiterte, hat er die 
Denkmalpflege zu einem Faktor in den Rheinlanden 
gemacht, der mehr als in einem anderen Teil der 
Monarchie Berücksichtigung und Beachtung findet und 
das uneingeschränkte Vertrauen der staatlichen, kirch¬ 
lichen, provinzialen und kommunalen Behörden genießt. 
Einen Ueberblick über die in den einzelnen Jahren 
ausgeführten größeren Arbeiten bieten die von dem 
Provinzialkonservator herausgegebenen „Berichte über 
die Tätigkeit der Provinzialkommission für die Denkmal¬ 
pflege in der Rheinprovinz und der Provinzialmuseen zu 
Bonn und Trier“, von denen bis¬ 
her fünfzehn reich illustrierte 
Hefte vorliegen. Einige von den 
in den letzten Jahren zum Ab¬ 
schluß gelangten Wiederher¬ 
stellungsarbeiten zeigen unsere 
Abbildungen. Was daneben an 
kleineren Arbeiten, Anfragen 
und gutachtlichen Aeußerungen 
täglich erledigt wird, davon 
kann nur der sich einen Begriff 
machen, der Einblick in die 
Registratur der rheinischen 
Denkmalpflege besitzt. Durch 
sie ist zugleich, was für keine 
andere Provinz der Fall ist, ein 
Zusammenschluß der sämtlichen 
Geschichts- und Altertums¬ 
vereine der Provinz sowie der 
größeren und kleineren Samm¬ 
lungen, die ja auch der staat¬ 
lichen Aufsicht unterstehen, ge¬ 
geben. Als Ausdruck dieser 
Verbindung erscheinen in ähn¬ 
licher Art und in gleicher Folge 
wie die Jahresberichte der Denk¬ 
malpflege die ebenfalls vom Pro¬ 
vinzialkonservator bearbeiteten 
„Berichte über die Tätigkeit 
der Altertums- und Geschichts¬ 
vereine und über die Vermehrung 
der kirchlichen, städtischen und 
Vereins-Sammlungen innerhalb 
der Rheinprovinz“. Das letzte dieser Hefte enthält 25 Ver¬ 
eins- und 20 Museumsberichte. — Während zunächst der 
Provinzialkonservator allein die Geschäfte versah, ist heute 
der Stab seiner Mitarbeiter auf zwölf, darunter drei archi¬ 
tektonisch und drei kunsthistorisch geschulte Hilfskräfte 
gestiegen. Durch die jährlich wachsende Steigerung des 
Geschäftsbetriebes der rheinischen Denkmalpflege wurde 
seit Beginn des neuen Jahrhunderts die Errichtung eines 
besonderen Verwaltungsgebäudes zu einer brennenden 
Frage. Im Oktober 1908 konnte ein eigenes Haus in 
der Bachstraße zu Bonn bezogen werden, das im Garten 
des Provinzialmuseums und in Verbindung mit dessen 
Erweiterungsbau errichtet wurde. Damit hat die Rhein¬ 
provinz als erste der preußischen Provinzen für die Be¬ 
dürfnisse der Denkmalpflege ein eigenes Heim geschaffen. 


Die wertvollen Bestände des im Jahre 1895 durch 
Professor Clemen begründeten Denkmälerarchivs 
der Rheinprovinz haben im ersten Stock des Verwaltungs¬ 
gebäudes ihren Platz gefunden. Die von Gelehrten und 
Künstlern wie von den Behörden viel benutzte wichtige 
Sammlung umfaßt heute schon mehr als 22 000 Nummern; sie 
enthält Aufnahmen aller Art von den Kunstdenkmälern der 
Rheinprovinz — alte und neue Zeichnungen, Stiche, 
Lithographien, Photographien und Lichtdrucke, Aquarelle 
usw. — von den sorgfältigsten großen Aufnahmen bis 
herab zu Skizzenblättern und Ansichtspostkarten. Einen 
besonders kostbaren Schatz bildet die Abteilung der 
Aufnahmen rheinischer Wandmalereien in meist farbigen 
Blättern, die über 300 Nummern umfaßt und für die in 

den letzten fünfzehnjahren fast 
20000 Mark von der Provinz 
bewilligt worden sind. Ein be¬ 
trächtlicher Teil des Archivs 
setzt sich aus den für die Denk¬ 
mälerstatistik hergestellten oder 
dafür erworbenen Aufnahmen zu¬ 
sammen. Zahlreiche Geschenke 
und Ueberweisungen von Be¬ 
hörden und Privat - Personen 
ergänzen die aus staatlichen 
und provinziellen Mitteln er¬ 
worbenen Bestände in dankens¬ 
werter Weise. 

Seit dem 1. Oktober d. Js. ist 
Geheimrat Clemen von seiner 
Stellung als Provinzialkonser¬ 
vator angesichts des ständig 
wachsenden Umfanges der Ge¬ 
schäfte zurückgetreten, um sich 
mehr seiner Lehrtätigkeit — 
er ist bekanntlich gleichzeitig 
ordentlicherProfessorderKunst- 
geschichte an der Universität 
Bonn — und seinen größeren 
wissenschaftlichen Veröffent¬ 
lichungen Widmen zu können. 
Sein Nachfolger wurde der bis¬ 
herige Direktor des Denkmäler- 
Archivs der Rheinprovinz, Prof. 
Dr. Edmund Renard, der, 
selbst geborener Rheinländer, 
seit mehr als 12 Jahren im 
Dienste der rheinischen Denkmalpflege steht und als lang¬ 
jähriger Assistent und Vertreter des Provinzialkonservators 
mit den Denkmälern der Rheinlande aufs gründlichste ver¬ 
traut ist. Um die reichen Erfahrungen Geheimrat Clemens 
auch fernerhin im Dienste der staatlichen und provinziellen 
Denkmalpflege auszunutzen, ist er zum Vorsitzenden der 
neu geschaffenen Instanz, des Denkmälerrates der 
Rheinprovinz berufen worden, der in wichtigen Fragen der 
Denkmalpflege sich zu äußern hat. Außerdem behält er den 
Vorsitz in der Kommission für die Denkmälerstatistik bei. 

Zur Verbreitung des Interesses an den Aufgaben der 
Denkmalpflege und zur Unterstützung seiner praktischen 
Arbeiten stehen dem Provinzialkonservator in den ein¬ 
zelnen Kreisen die Korrespondenten für Denkmal¬ 
pflege zur Seite. Sie sind ehrenamtlich bestellt und 



Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Paul Clemen, 

Yovsitzeiuler dos Doiikiniilorrntc's dor Rlicinprovinz 























































594 DEUTSCHLAND Nr. 12 



werden je für einen Zeitraum von fünf Jahren ernannt. 

Nachdem in letzter Zeit eine Neubelebung dieser Orga¬ 
nisation statt¬ 
gefunden hat, 
sind heute etwa 
170 Korrespon¬ 
denten aus allen 
Schichten der 
Bevölkerung 
tätig: Geistliche 
und Bürger¬ 
meister, Aerzte 
und Gutsbe¬ 
sitzer, Indus¬ 
trielle und Kauf¬ 
leute, Gymna¬ 
sial- und Volks¬ 
schul - Lehrer, 

Forst - Beamte 
und Architek¬ 
ten. Ihre Auf¬ 
gabe besteht vor 
allem in der 
ständigen Auf¬ 
merksamkeit auf 
die Denkmäler 
ihrer näheren 
Umgebung, auf 
alle Bauten oder 
Einzel - Kunst - 
werke, welche 
in künstlerischer 
oder histori - 
scherHinsicht in 
irgendeiner Be¬ 
ziehung wert¬ 
voll oder cha¬ 
rakteristisch 
sind. Alle Ver¬ 
änderungen, die 
an Kirchen, Ka¬ 
pellen oder son¬ 
stigen kirch¬ 
lichen Anlagen 
bis zu Heiligen¬ 
häuschen und 
Bildstöcken 
oder an Schlös¬ 
sern, Burgen, 

Stadt - Befesti¬ 
gungen, Toren 
und Türmen so¬ 
wie an öffent¬ 
lichen städti- 
schenGebäuden 
und merkwürdi¬ 
gen und inter¬ 
essanten Privat¬ 
häusern Vorge- Zons: Mauertürmchen an der Hlieinfront auf dem Zollturm 

nommen wer- Uie Stadtbcffstij^uns von Zons stellt unter den spiitinittelnlterlielien Weliranla^en Dculsclilands in erster Reihe, 
j Alle übrigen rbeiniseben Bef'esti^^un^'en übeilrit'tl sie dnreb die j,noße Zahl und den un^^ewöbnlieben Reiebtum 

den oder die der selnnuelcvollen Maueranlbauten. Dank der ebenen Laj;e am Niederrbein ist die Ret;elinäßi^?keit des Gnind- 
. , , . risses dureli keine Terrainsebwierigkeit gestört. Die in den lel/ten Jahren ausgei'ilbrten Restanrationsarbeilen 

Deaentenswerte beliefen sieli aut mehr als 42 000 Mk. 


Zons: Der Grütschenturm, von der Siadtseite gesehen, 
vor der Instandsetzung 
















Werke der Malerei, Plastik und des Kunstgewerbes be¬ 
treffen, sollen sie dem Provinzialkonservator zur Ein¬ 
leitung weiterer 
Schritte mög¬ 
lichst umgehend 
melden. Wich¬ 
tiger noch als 
diese Unter¬ 
stützung durch 
Einzelne er¬ 
scheint die Ge¬ 
winnung und 
die Mitarbeit 
weitesterKreise 
für die Be¬ 
strebungen und 
Ziele der Denk¬ 
malpflege, wie 
sie sich der 
am 20. Oktober 
1908 gegrün¬ 
dete „ R h e i - 
nische Ver¬ 
ein für Denk- 
malpf lege 
und Heimat¬ 
sch u t z“ zum 
Zielegesetzthat 
Unterderziel- 
bewußten Lei¬ 
tung seines Vor¬ 
sitzenden, des 
Regierungsprä¬ 
sidenten a. D. 
zur Nedden 
in Coblenz, hat 
der Verein in 
den fünf Jahren 
des Bestehens 
außerordentlich 
segensreich ge¬ 
wirkt und ist 
in vielen Fällen, 
in denen es 
der staatlichen 
und provinzialen 
Denkmalpflege 
unmöglich War, 
mit Mitteln ein¬ 
zuspringen, zum 
Retter gewor¬ 
den. — Neben 
einer großen 
Reihe von Be¬ 
willigungen zur 
Sicherung und 
zur Wiederher¬ 
stellung von 
kleineren Denk¬ 
mälern, zumal 
solchen der bür¬ 
gerlichen Bau- 



























c 


< 



Trier: Ostchor des Domes 

Oer Trierer Dom fieliört zu den uinl'anpreiclien Denkiniileru, bei denen die Unter- 
Imltunpsarbeiten eif^entlicb nie zum Stillstand kommen. Tn den letzten Jahren wurde 
<lcr Ostebor neu ber^jestellt und mit einer diskreten Farbendekoration versehen 


L 































596 DEUTSCHLAND Nr. 12 


kunst, zur Unterstützung 
von Publikationen und für 
kleinere Arbeiten hat er 
sich vor allem der Stadt¬ 
befestigung von ßacharach 
angenommen und in Ver¬ 
bindung damit die über der 
Stadt gelegene Burgruine 
Stahleck käuflich erworben. 
Durch Versammlungen und 
Vorträge, durch Flugschriften 
und Veröffentlichungen an¬ 
derer Art sucht er allent¬ 
halben das Interesse zu be¬ 
leben und das öffentliche 
Gewissen zu schärfen. Die 
in den unter der Redaktion 
von Prof. Dr. F. W. Bredt 
erscheinenden„Mitteilungen“ 
enthaltenen Tätigkeitsbe¬ 
richte zeugen von der er¬ 
folgreichen Erfüllung seines 
Programms. Trefflich illu¬ 
strierte Monographien über 
Bacharach und Coblenz,über 
Trier und Köln, über Elber¬ 
feld und das Bergische Land 
wie über den Hunsrück und 
die Eifel oder über indu¬ 
strielle Anlagen und moderne 
Bauten machen diese drei- 



RegieruDgspriisident a. D. zur Xedden, 

Vorsitzender des lUieiiiiselieii Vereins für l)enkinali)flege und Heiniatsehntz 


Münstereifel: Teile der Stadtbefestigung am Wertliertor 

Zu den l)C 9 t.crlialten 8 ten Bcfcstif^ungsanlaffcn der Rlicinprovinz gehört die kaum an einer Stelle uutcrhroehone Stadtmauer 
von Milnstereifel, die einen Vergleich mit Bacharach und Oberwcsel oder mit Hillesheim und Niddeggen wohl aul'nehmon 
kann. Vor allem die heiden fortilikatoriseh höchst hemerkenswerte Krtt-Ühersetzungen geben ihr charakteristischen Wert. 
Uio während der Jahre 11)07—11)011 ausgcfllhrten Wicdcrhcrstcllnngsarboiten erforderten einen Kostenanfwand von fast 
•12000 Mk., zu dom die Provinz allein 27 .öOO Mk. beisteuerte. 



mal jährlich erscheinenden 
„grünen Hefte“ zu einem 
wertvollen Besitz für jeden, 
der Sinn für landschaftliche 
und künstlerische Schönheit 
hat. Der Verein, dessen 
Mindestbeitrag auf fünf Mark 
festgesetzt ist, zählt heute 
etwa 1800 Mitglieder, da¬ 
runter sämtliche Kreise der 
Provinz mit Ausnahme der 
LandkreiseMerzig,Gummers- 
bach und Eupen sowie der 
Stadtkreise Remscheid und 
Solingen. 

Durch die in Verbindung 
mit dem Rheinischen Verein 
für Kleinwohnungswesen ge¬ 
schaffene R h e i n i s ch e B a u- 
beratungsstelle, deren 
Leitung in der Hand des Re¬ 
gierungsbaumeisters Ernst 
Stahl in Düsseldorf liegt, 
sucht der Verein auf die 
neu entstehenden Bauten im 
Sinne einer bodenständigen 
Entwicklung Einfluß zu ge¬ 
winnen. Wer die verheeren¬ 
den Wirkungen der jüngsten 
Jahrzehnte in dieser Richtung 
beachtet, wirdmit besonderer 
Freude dieses Wirken aner¬ 
kennen. Nicht schematische 
Nachahmungen sind die 
Frucht dieser Bestrebungen, 
sondern schmucke, einfach 
gehalteneNeubauten im freien 
Anschluß an die heimische 
Bauweise. 

Nicht um Hemmung und 
Einschränkung handelt es 
sich^bei Denkmalpflege und 
Heimatschutz, sondern um 
möglichste Beachtung der 
Faktoren, die den Reiz einer 
Gegend bedingen und sie 
wert machen, in ihr zu leben. 
Jedes Denkmal spricht von 
bedeutsamer Vergangenheit 
und hält in eigener Weise 
das Gefühl der Zusammen¬ 
gehörigkeit mit dem heimi¬ 
schen Boden Wach. Wem 
die Heimat lieb und Wert 
ist,der muß auch den Bestre¬ 
bungen der Denkmalpflege 
und des Heimatschutzes von 
Herzen zugetan und ihnen 
ein eifriger Anhänger und 
Freund sein. 
































































































598 DEUTSCHLAND Nr. 12 


Kreuz und quer durch Stadt und Land 

Sitte und Brauch im deutschen Lande. — Allerlei Adventsgäste. 

Von R. Re ich har dl. 


auserwählt hatten, um in 
der Luft über die deut¬ 


schen Lande zu ziehen 


und Mensch und Tier, Feld 
und Gewächs Schaden zu¬ 


zufügen. Als das Christen¬ 
tum kam, versuchten die 
Priester den Glauben an 


die lichtscheuen Geister 


im V olke auszurotten, aber 
der Versuch mißlang. Und 
so sind wir noch heute 


gewöhnt, in den Wochen 
vor Weihnachten, in der 
geheimnisvollen Advents¬ 
zeit, allerlei merkwürdige 
Gestalten durchs Land 


ben abends Erbsen an 


die Fenster werfen oder 


mit Ruten an das Haus 


schlagen, wobei Sprüch¬ 
lein aufgesagt werden wie 
dos folgende: 


„Holla, holla, Knöpflins¬ 
nacht I 

Gutes Jahr, gutes Jahr, 
daß 's Korn wohl gerat I 

Kraut und Zwiebel ist auch 
nicht übel. 

Behüt’ uns Gott vorm 
Totengrübell" 


In Wingershausen im 
Siegerlonde führen junge 
Leute an den Advents- 


Wenn im Altgermanentum nach Abschluß des" sommer¬ 
lichen Wirtschaftsjahres die großen, rauschenden Herbstfeste 
gefeiert worden waren, dann begann für den germanischen 


Bauer die ruhige, winterliche Zeit. Wenn er dann mit seiner 
Familie in den dunklen Tagen des Dezember in seiner Hütte 
saß, und der ‘.Wind ächzend durch die Wipfel der Wald¬ 
bäume strich, dann er¬ 
zählte er von dem Umzug 
finsterer Dämonen, die 
sich diese lichtarme Zeit 


Xanten, Dom St. Viktor; Ahasver-Gobelin 

Zum Xantener Gobelin-Diebstahl. 

Die in der Nacht vom 24. zum 25. November d. J. aus dem ob seiner reichen Ausstattung 
weitberühmten St. Viktordom zu Xanten gestohlenen beiden Gobelins, die wir im Bilde wieder¬ 
geben haben sich inzwischen glücklicherweise wiedergefunden. Dank der mit großer Energie 
betriebenen Nachforschungen konnten die wertvollen Stücke, die laut Inschrilt im Jahre 1574 
gestiftet wurden, zehn Tage später in Brüssel festgestellt werden. Dr. Erwin Hensler, der als 
Vertreter des Provinzial-Konservators der Rheinprovinz sofort in die belgische Hauptstadt ent¬ 
sandt wurde, berichtete uns von dort, daß der Dieb, Sohn eines französischen Deputierten, die 
beiden Teppiche bereits am Sonnabendnachmittag, den 25. November, auf der Durchreise in 
Brüssel für 3000 Franken verkaufte und gegen Abend nach Paris zurückfuhr. Er gab sich dem 
Antiquar gegenüber, von dem er kürzlich noch Meißener Porzellan gekauft hatte, als Sammler 
aus und erzählte ihm nach Abschluß des Geschäfts lachend, er habe die Stücke aus der Kirche 
von Herenthals in Flandern für 500 Franken erworben. Man vermutet in ihm auch den Räuber 
der Statuetten und Gemmen des Schreines von Stavelot, der nahe der deutschen Grenze ge- 
gelegenen alten belgischen Abtei. Es steht zu hoffen, daß es in diesem Falle gelingt, endlich 
einmal einen dieser gefährlichen internationalen Diebe zu fassen. 


ziehen zu sehen, die in 
wunderlichem Aufputz in 
die Häuser gehen und 
bei Großen und Kleinen 
als Herolde das lieb¬ 
liche Weihnachtsfest an¬ 
kündigen. — Die letzten 
drei Donnerstags-Nächte 
vor Weihnachten führen 
in Süddeutschland den 
Namen „Rauch - oder 
Rauhnächte". Zur Ver¬ 
treibung schädlicher Dä¬ 
monen werden Zimmer 
und Ställe mit Weihrauch 
durchräuchert. Man nennt 
sie auch „Knöpfei-, An- 
klopf- oder Baselnächte", 
weil umherziehende Kna- 


Xanten, Dom St. Viktor: David-Gobelin 


Sonntagen das Christus¬ 
kind im weißen Kleide, 
einem langen weißen 























Nr. 12 DEUTSCHLAND 


599 


Schleier und einer Strahlenkrone auf dem Haupte aus. Als 
Begfleiter wird ihm der ^Strohmann", der seinen Körper mit 
Stroh umhüllt hat, beigegeben. Das Christuskind spendet den 
artigen Kindern „Weckebrocken" und Aepfel, die unartigen 
werdea von der Rute des Strohmannes bearbeitet. 

In Mecklenburg, West- und Ostpreußen, Pommern, auch 
in einem Teile der Provinz Brandenburg, z. B. in Belzig zieht 
der Schimmelreiter, von den Mythologen bekanntlich als ein 
Anklang an den den Schimmel Sleipnir reitenden Wodan 
angesprochen, auf. Er wird gebildet durch junge Burschen 
die durch übergehängte Laken einen Pferdekörper bilden und 
einen aus Stroh hergestellten Pferdekopf tragen. Auf dem Ge¬ 
bilde sitzt ein Bursche als Reiter. Er besucht alle Gehöfte und 
fordert allerhand Gaben ein. Neben Wodans Schimmel tritt 
der dem Wodan heilige Bock auf. Er zieht auf der Insel 
Usedom als „Klappenbock" herum; eine Person trägt eine 
mit einer Bockshaut behängte Stange, an der ein Widderkopf 
aus Holz befestigt ist. Die Kinnladen schlagen beim An¬ 
ziehen einer Schnur zusammen. In Tirol wird der „Anklopf¬ 
esel" und im Elsaß der „Biggesei" umhergeführt. In Hammel¬ 
stall im Kreise Ueckermünde huschen in den Adventswochen 
weiße Gestalten von Haus zu Haus. Man nennt sie die 
„Vorspuker" oder „Witten". Sie erkundigen sich nach dem 
Wohlverhalten der Kinder. In Elbing kennt man die „Advents¬ 
mütterchen". Sie tragen einen mit rotem Band geschmückten 
Hut mit breitem Rande von altmodischer Form, um die 
Schultern ein schneeweißes Bettlaken, in den Händen eine 
Opferbüchse, einen Korb und eine Schlittenglocke. In sol¬ 
cher Vermummung sammeln sie milde Gaben für die Spitäler 
ein. In der Kinderwelt herrscht große Freude beim Anblick 
dieser weißhaarigen Mütterchen, da ihr Erscheinen den fröh¬ 
lichen Advent und das nahe Weihnachtsfest verkündet. 

Einer der Hauptverkündiger des Weihnachtsfestes ist dej- 
Nikolaus, dessen Heiligentag auf den 6. Dezember fällt. Er 
war Bischof von Myra in Italien und ein Freund der 
Kinder. Bei der Verkündigung des Christentums sollte er, 
der freundliche Heilige, den Glauben an die finsteren Winter¬ 
dämonen verdrängen, aber der Volksglaube ließ sich nicht 
verdrängen, und so hat sich der gute Heilige gefallen lassen 
müssen, daß er noch heute als vermummter Weihnachts¬ 
herold im größten Teile Deutschlands umherziehen muß und 
den Kindern je nach ihrem Verhalten Geschenke oder Ruten¬ 
schläge zukommen läßt. 

Die Namen des Heiligen sind gar mannigfaltig. Er er¬ 
scheint als Niklawes, Nikolo, Sünterklaas, Ruhklaas, Butter¬ 
klaas, Ascheklaas, Kindjes, Pelzmärte, Josef. Als Niklawes 
habe ich ihn in Nordthüringen kennen gelernt. Er ist der 
Schrecken der Kleinen: Mit langem Barte und im Pelzgewande 
einen Sack auf dem Rücken tragend, tritt er, sein Kommen 
vorher durch Schläge an die Fenster verkündend, in die 
Häuser ein und fragt in barschem Tone die Kinder, ob sie 
beten gelernt haben. Die fleißigen und artigen beschenkt er 
mit Aepfeln und Naschwerk, den unartigen gibt er die Rute 
zu schmecken. Aber im allgemeinen ist er nicht so streng. 
Schon durch das folgende Sprüchlein läßt er sich besänftigen 
und tut seine Schätze auf; 

Nikolaus, sei unser Gast, 

Wenn du was im Sacke hast. 

Hast du was, so setz dich nieder. 

Hast du nichts, so pack dich wieder. 

In den deutsch - belgischen und deutsch-holländischen 
Grenzgebieten stellen die Kinder Teller für St. Nikolaus auf, 
in welche dieser allerhand kleine Geschenke legt. Die Kinder 

singen: Laßt uns froh und munter sein 

Und uns heut von Herzen freun; 

Gleich ist unsere Schule aus. 

Dann geh' ich vergnügt nach Haus. 

Gleich setz ich den Teller auf, 

Nikolaus bringt gewiß was drauf. 


Dann geh ich geschwind zur Ruh, 

Schlaf und schließ die Augen zu. 

Wenn ich schlaf, dann träume ich: 

„Jetzt bringt Niklaus was für mich". 

Wenn ich aufgestanden bin, 

Lauf ich schnell zum Teller hin. 

Vater, Mutter, seht einmal. 

Was für schöne Sachen all. 

Niklaus ist ein guter Mann, 

Dem ich nicht g'nug danken kann. 

Am Niederrhein setzen die Kinder ihre Stiefeln und 
Schuhe auf den Herd oder an den Schornstein; sie stecken 
auch Heu in die Schuhe, damit das Roß des Nikolaus etwas 
zu fressen findet. Dieser legt seine Geschenke in die Schuhe 
ein. In den Niederlanden singen die Kinder am 6. Dezember: 

St. Nikolaus, der gute Mann, 

Zieht den besten Rock sich an. 

Er reitet bis nach Amsterdam, 

Von Amsterdam nach Spanien, 

Holt Aepfel aus Oranien. 

Er gibt den kleinen Kindern was 
Und läßt die großen laufen. 

Die mögen sich selber was kaufen. 

Auch in Frankreich ist der winterliche Gast bekannt. Man 
singt dort: Saint Nicolas, bonne homme, 

Donnez-moi des pommes, 

Donnez-moi des macarins, 

Saint Nicolas est mon cousin. 

Bei den Kindern Wiens nimmt „Niccola" während der 
ganzen Adventszeit den herrschenden Platz ein. Er bringt 
ihnen auf dem Platz „Am Hof" einen Jahrmarkt mit Süßig¬ 
keiten und Spielwaren. Unter diesen prangen auch die Figuren 
Niccolas: lebensgroße Heilige mit einem kostbaren Bischofs¬ 
mantel umhüllt und auf dem Kopfe, der mit einem ehrwürdigen 
weißen Barte umrahmt ist, die mit Glasperlen besetzte Mitra. 
Daneben sieht man plumpe Holzpuppen mit blödem Blick, 
um das jugendliche Gesicht ein schlechter Bart; den wei߬ 
seidenen Bischofsmantel ersetzt ein Fetzen buntgedruckten 
Papiers. Nikolaus trägt aber hier keine Rute, sondern sein 
Begleiter, der „Krampus", der Büttel für die unartigen Kinder. 

Dieser strafende Begleiter des Nikolaus wird auch sonst 
in Deutschland angetroffen, so der „Hans Trapp" im Elsaß, 
der „Hans Muff" am Niederrhein, der „Hautauf" und „Rumpanz" 
in Ostdeutschland. 

Der Bruder des Nikolaus ist der Knecht Ruprecht. Woher 
sein Name stammt, ist ungewiß. Manche leiten ihn von 
„ruchtperaht", d. h. der Ruhmglänzende, einem Beinamen 
Wodans ab, andere von „Ruhknecht", d. h. rauher Knecht, 
andere von dem Vornamen Rupert. Im Erzgebirge erscheint 
er als „Hans Ruprich" und spricht beim Eintritt in das Zimmer: 

Flisch, flasch, Flederwisch, 

's ist mir draußen gar zu frisch. 

Will mich in die Stube machen. 

Will sehen was die Kinder machen. 

Ob sie fleißig beten und singen. 

So will ich ihnen was mitbringen. 

Wenn sie nicht fromm gewesen sein. 

Steck ich sie gleich in den Sack hinein. 

Auch noch andere Adventsgäste und WeihnachtsVer¬ 
kündiger besuchen die frohbewegte Kinderwelt, welche die 
Tage vor Weihnachten erwartungsvoll durch Striche in ein 
Brett einkerbt. Im Elsaß kommt der „Müllewitz" oder „Rumpanz" 
oder das „Christkind", begleitet vom „Biggesei". In Nord¬ 
deutschland kommt der „Weihnachtsmann", im ehemaligen 
Kursachsen „der häle Christ". Man erwartet die Ankunft des 
lieben Weihnachtsmannes mit folgenden Versehen; 

Du lieber, frommer, heiliger Christ, 

Komm doch nicht wenn's finster ist. 

Komm zu mir im Mondenschein 
Und wirf Aepfel und Nüsse herein, 
oder: Wenn Weihnacht ist, wenn Weihnacht ist. 

Dann kommt zu uns der heil'ge Christ. 

Er bringt uns eine Muh, er bringt uns eine Mäh 
Und auch eine große Tschingterätätä. 




600 DEUTSCHLAND IS 


g| Nr. 12 


Der Kunstausschuß für das 
Bismarck«Nationaldenkmal, der 
am 4. Dezember in Köln ver¬ 
sammelt war, sandte zunächst ein 
Teleg’ramm an den Geheimrat 
Kirdorf, dem für seine mühe¬ 
volle Arbeit im Interesse des 
nationalen Werkes herzlichst 
g’edankt wurde. Namens der 
Jury berichtete Prof. Dr. Licht- 
wark (Hamburg-), namens des 
Kunstausschusses Geh. Rat Prof. 
Dr. C lernen (Bonn). Nach 
dreistündig-er lebhafter Beratung 
wurde mit 31 : 10 Stimmen der 
neue Kreis'sche Entwurf mit 
der Bismarckfigur von Lederer 
als Grundlage für die Aus¬ 
führung als geeignet bezeichnet 
und gewählt. — Von einem Teil¬ 
nehmer der Sitzung des Ent- 
scheidungs - Ausschusses wird 
der „Köln. Ztg." geschrieben: Es 
war eine der denkwürdigsten 
und nach der Seite objektiver Er¬ 
örterung von Fragen der Kunst 
zugleich unter dem nationalen 
Gesichtspunkt bezeichnendsten 
Sitzungen, die der Denkmalsaus¬ 
schuß bis jetzt gehalten hat. Auf 
beiden Seiten wackere Kämpen 
der Parteien — hie Hahn, hie 
Kreis (Lederer) — Prof. Licht- 
wark (Hamburg) in einem Be¬ 
richt über die Verhandlungen 
der Jury, Geh. Rat Clemen (Bonn) 
mit einem solchen über die des 
Kunst - Ausschusses, daneben 
Dr. Rathenau (Berlin) mit fein¬ 
sinnigen Bemerkungen über die 
Aufgaben der zeitgenössischen 
Kunst, Rechtsanwalt Falk (Köln) 
mit glücklicher Betonung des 
nationalen Gesichtspunktes. Der 


Das Bismarck-Nationaldenkmal 

o o o 



Professor Wilhelm Kreis, Düsseldorf, 

der Sieger im Wettbewerb für das Bismarck - National - Denkmal 


alte Geheime Oberbaurat Franz 
Schultz (Köln), der 80jährige, 
mit dem temperamentvollen 
Wunsche „seinen"^ Bismarck auf 
der Elisenhöhe verkörpert zu 
sehen, Beigeordneter Rehorst mit 
Würdigung der Vorzüge seines 
Freundes Kreis, doch ein Gegner 
des Entwurfs, der die rheinische 
Landschaft schädigen werde. 
Und dann zwei, tiefen Ein¬ 
druck hinterlassende Reden des 
Abg. Dr. Beumer und des Geh. 
Rat Clemen, von denen jener 
Lichtwark und Rathenau gegen¬ 
über die Frage aufwarf, ob denn 
jene „Offenbarungen der höch¬ 
sten künstlerischen Leistungs¬ 
fähigkeit" dem ganzen Wesen 
Bismarcks als Staatsmann, als 
Politiker, als Mensch gerecht ge¬ 
worden seien, was er verneinen 
müsse, während in dem neuen 
Entwurf Kreis - Lederer dazu 
ein glücklicher Versuch gemacht 
werde, der dem Empfinden des 
Volkes durchaus zu entsprechen 
geeignet sei, während Geh. Rat 
Clemen an die Genannten zu¬ 
nächst den feinen Hinweis 
richtete, daß sich auch Künstler 
nicht selten geirrt, um dann 
in der ruhigen und doch be¬ 
geisternden Art seiner Dar¬ 
stellung die Vorzüge des Kreis- 
schen Entwurfs hervorzuheben. 
Und das glückliche Schlußwort 
des Oberpräsidenten Freiherrn 
V. Rheinbaben, dessen vermit¬ 
telnde Rede in die Ueberzeugung 
ausklang, daß man nun mit 
Lust und Liebe an der Voll¬ 
endung des nationalen Werkes 
arbeiten werde. 



Der vom Denkmal-Ausschuß als Unterlage für das Bismarck-Denkmal am Rhein gewählte Entwurf von Professor Wilhelm Kreis 






3800080008991 DEUTSCHLAND B eeeeeeceeeeeceoeeeoeeec i eeotP 60 i 



OefFentlicher Meinungs-Austausch. 

Neutrales Gebiet zur Erörterung von Verkehrs fragen und Bundesangelegenheiteii. Die Redaktion trägt nur die pressgesetzliclie Verantwortung. 


Deutscher, geh’ an das deutsche Meer. 

Man schreibt uns: 

Die „Kölnische Volksxeitung“ nimmt in ihrer Nummer 1046 
vom 8. Dezember igii Stellung gegen den Artikel in Nr. 10 der 
„Deutschland“ vom Oktober 1911, betreffend den Besuch bel¬ 
gischer und deutscher Seebäder; die „K. V.“ muss indessen der 
wesentlichsten Ausstellung gegen die belgischen Seebäder zu¬ 
stimmen, nämlich der mangelhaften Trinkwasserversorgung dieser 
Seebäder. Ja, die „K. V.“ erweitert diese Ausstellung noch dahin, 
dass sie neben der Trinkwassermisere noch auf die Was ch- 
wassermisöre in den belgischen Seebädern hinweist. Wenn 
die genannte Zeitung aber trotzdem glaubt, dass es mit dem Um¬ 
fange der hieraus entstehenden Gefahr von ansteckenden Krank¬ 
heiten, insbesondere des Typhus wohl nicht so bestellt sei, wie 
in unseren Ausführungen gesagt wird, so bleibt sie hierfür den 
Beweis schuldig. Die grösste Gesundheitsgefahr bei Ansamm¬ 
lungen von vielen Menschen auf verhältnismässig kleinem Raume 
droht aus einer mangelhaften Wasserversorgung, wie bei dem 
heutigen Stande der Erkenntnis auf dem Gebiete der Hygiene 
nicht weiter bewiesen zu werden braucht; ebenso steht fest, dass 
schon häufiger Erkrankungen der Gäste in den belgischen See¬ 
bädern an Typhus und typhusähnlichen Erkrankungen vorge¬ 
kommen sind. 

Die „K. V.“ glaubt ferner den Vorteil, den die deutschen 
Seebäder gegenüber den belgischen wegen ihrer Lage mitten 
in der See aufweisen, gering anschlagen zu müssen, da diesem 
Vorteile der Nachteil des bei Ebbe blossgelegten Schlicks im 
Wattenmeer und dessen übler Geruch gegenüberstehe. Nun 
hätte der letzte Sommer wegen seiner grossen, langdauernden 
Hitze einen solchen Uebelstand wohl in besonders hohem Masse 
veranlassen müssen; wir glauben aber, dass wohl kein Besucher 
der deutschen Seebäder unter üblen Gerüchen gelitten hat. Der 
Boden des Wattenmeers besteht nicht aus fäulnisfähigem Schlick, 
er ist vorwiegend sandig und in geringem Masse durch Humus¬ 
bestandteile verunreinigt. Ein Spaziergang bei Ebbe im Watten¬ 
meer ist äusserst anregend und belehrend; zahlreiche Vögel 
beleben den freigelegten Grund und suchen und finden Nahrung 
an den vom Wasser zurückgelassenen Meerestieren, Muscheln 
und Schnecken. Bis auf weite Strecken kann man mit hoch¬ 
rädrigen Wagen in das Wattenmeer fahren und wem das Glück 


gewogen ist, hat Gelegenheit, das Spielen der Seehunde zu be¬ 
trachten. Gerade der Besuch des Wattenmeeres bietet einen 
weiteren Vorzug der deutschen Seebäder. 

Der in den belgischen Seebädern vorkommende Landwind 
mag nun nicht für jeden gesundheitsschädlich sein, unangenehm 
und unbequem ist er auf alle Fälle, was jeder Besucher der 
belgischen Seebäder bestätigen wird. Wenn auch vorherrschend 
Seewinde aus Nordwest wehen, herrscht doch an einer Reihe 
von Tagen Landwind. 

Die „K.V.“ weist ferner darauf hin, dass in den belgischen 
Seebädern grosse deutsche Kapitalien angelegt seien, und 
dass daher eine Schädigung Deutscher entstehe, wenn der Be¬ 
such der belgischen Seebäder zurUckgehe; wir müssen offen 
gestehen dass uns dieser Grund am allerwenigsten stichhaltig 
erscheint; es ist höchst bedauerlich, dass das deutsche Kapital 
ins Ausland geht, wo in Deutschland selbst noch soviel 
Kulturarbeit zu leisten ist. Ein solches Vorgehen zu 
unterstützen liegt wahrlich kein Anlass vor. 

Wenn die „K. V.“ es weiter unangebracht findet, dass 
man die von ihr im letzten Jahre mitgeteilten zum Teil sogar 
tätlichen Beleidigungen, die Deutschen in Belgien widerfahren 
sind, verallgemeinert, so ist das ein Standpunkt, über den sich 
schwer streiten lässt. Tatsächlich sind diese Beleidigungen doch 
vorgekommen und es setzt sich jeder Deutsche, der nach Belgien 
geht, der Gefahr solcher Beleidigungen aus. Der Belgier wird 
ferner der Benennung der belgischen Seebäder als „flämische“ 
sicher'nicht zustimmen; das flämische steht nicht sehr hoch im 
Kurs beim Belgier. Bekannt ist, dass die Bestrebungen der 
Flamen auf weitere Anwendung ihrer Sprache im öffentlichen 
Leben bisher ohne grosse Erfolge gewesen sind, selbst die Ge¬ 
setze Belgiens werden nur in einer flämischen Uebersetzung 
herausgegeben, der offizielle Text ist stets der französische. 

Durchaus zustimmen können wir der„K. V.“, wenn sie am 
Schlüsse ihrer Besprechungen hinsichtlich der Verb esser u ng 
der Verbindungen mit den deutschen Seebädern 
sagt, dass das übliche bureaukratische non possumus vor kauf¬ 
männischen, sozialen und nationalen Erwägungen weichen 
müsse. Hoffentlich finden die auf Verbesserung der Verkehrs¬ 
verbindungen zielenden Anträge des Verbandes der Nordsee¬ 
bäder bei der Eisenbahn-Verwaltung ein geneigtes Ohr. — — 

G . . . . n. 


Verkehrs-Vereine und Stadtverwaltung. 

Man schreibt uns; 

Mit Interesse habe ich die Bemerkungen zu dem Aufsatz 
„Dem Fremdenverkehr und seine Bedingungen“ aus der Schweizer 
Hotel-Revue gelesen. Die prägnante Charakteristik unserer 
heutigen Verkehrs-Vereinspolitik ist Satz für Satz zu unter¬ 
schreiben. So erfreulich der Aufschwung ist, den die Tätigkeit 
der Verkehrs-Vereine und deren Erfolg zu verzeichnen hat, so 
ist doch noch ein weiter Weg zurückzulegen, bis die Höhe 
erklommen ist, und ein recht grosses Feld der Betätigung liegt 
noch vor ans. 

Nach jahrelanger unverdrossener Arbeit hat der Bund 
Deutscher Verkehrs-Vereine die Unterstützung der staat¬ 
lichen Behörden gefunden. Dieser Erfolg ist sehr zu begrüssen. 
Hoffentlich wird dieses Zusammengehen in günstiger Weise ein¬ 
wirken auf das Verhältnis zwischen den einzelnen Verkehrs- 
Vereinen und den Stadt-Verwaltungen. Auch hier 
zeigt sich allenthalben ein erfreulicher Umschwung. Trotzdem 
darf nicht verhehlt werden, dass manche Verkehrs-Vereine 
bei den städtischen Verwaltungen nicht das Ent¬ 
gegenkommen finden, das ihre gemeinnützigen Bestrebungen 
verdienen. Bis noch in die jüngste Zeit — und stellenweise 
heute noch — wurden die Verkehrs-Vereine von den Stadt¬ 
verwaltungen in erster Linie als solche Institute betrachtet, 
die durch recht häufige Anträge auf Bewilligung städtischer 
Beiträge die Aufmerksamkeit der Stadtparlamente auf sich 
lenkten. Wenn die beantragten Mittel bewilligt wurden, so ge¬ 


schah es vielfach mit recht kräftigen Abstrichen. Dadurch 
wurde die Durchführung des lediglich den Interessen der Stadt 
dienenden Arbeitsprogramms nicht nur unmöglich gemacht, 
sondern auch die Schaffensfreude der Verkehrs-Vereine arg 
heruntergedrückt. Es darf nicht verschwiegen werden, dass 
heute noch manche Verkehrs-Vereine durch eine solche kurz¬ 
sichtige Behandlung an ihrer vollen Entfaltung sehr behindert 
werden. Obwohl immer wieder betont wird, welch ein wichtiger 
Faktor der Fremdenverkehr in volkswirtschaftlicher Beziehung 
ist und wie steigerungsfähig der Fremdenverkehr gerade in 
Deutschland noch ist, so kann man es in manchen Städten 
nicht ^überwinden, Mittel zu bewilligen, die gewissermassen als 
werbendes Kapital angelegt, durch die Belebung des 
Fremdenverkehrs reichliche Zinsen einbringen. 

Auch hier heisst es nun, mit zäher Ausdauer weiter gearbeitet. 
Vielleicht dürfte es aber nicht schaden, gleichzeitig mit etwas 
mehr Nachdruck zu betonen, dass es im eigensten Interesse 
der Städte liegt, durch festeres Hand - in - Hand - arbeiten und 
reichlichere Mittel den von den Verkehrs-Vereinen be¬ 
arbeiteten Boden noch fruchtbringender zu gestalten. 
Die Haushaltungspläne der durchweg eine geradezu glänzende 
Entwicklung aufweisenden deutschen Städte gehen in zahllose 
Millionen, unter denen sich die Aufwendungen für Verkehrs¬ 
propaganda recht kläglich abheben. Eine Belebung des 
Verständnisses für diese Seite des modernen Städtewesens darf 
man, wie ^ schon angedeutet, von dem zunehmenden Interesse 
erwarten, das die Staatsbehörden der Förderung der Verkehrs- 
bestrebungen in letzter Zeit an den Tag legen. Dr. M. 





Bund Deutscher Verkehrs-Vereine. 

Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof. 

Dem Bund traten als Mitglieder bei: 

Fürstliche Wildunger Mineralquellen A.-G., Bad Wildungen. 
Allgemeiner Deutscher Pensionsbesitzerinnen-Verband E. V., 
Leipzig. 

Apollinaris-Brunnen A.-G., Neuenahr. 

Auf der letzten Sitzung des Gesamtvorstandes wurde be¬ 
schlossen, die nächstjährige Bundestagung in Kassel abzuhalten. 

An Stelle des infolge beruflicher Ueberlastung aus dem ge¬ 
schäftsführenden Ausschuss ausgeschiedenen Herrn Professor 
Dr. Friedrich wurde Herr Generalmajor z. D. Gadegast 
in Leigzig zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. 

Der geschäftsführende Ausschuss richtete auf Beschluss 
der Gesamtvorstandssitzung vom 8. Oktober ds. Js. an den 
preussischen Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten eine Ein¬ 
gabe wegen kostenloser Aufstellung der Führer-Automaten der 
Verkehrs-Vereine innerhalb der Bahnhöfe. 

Es ist uns darauf die Nachricht geworden, dass auf den 
Bahnhöfen, auf denen sich keine Bahnhofsbuchhandlungen be¬ 
finden, sofern nicht vertragliche Rechte anderer Automaten- 
Unternehmungen entgegenstehen, die kostenlose Aufstellung der 
Automaten der Verkehrs-Vereine zugelassen würde. Dagegen 
kann dies nicht geschehen auf solchen Bahnhöfen, wo sich 
Bahnhofsbuchhandlungen befinden infolge der hohen Pachtbe¬ 
träge, welche dieselben zu zahlen haben. 

Aus den Bundes-Vereinen. 

Der Erzgebirgsverein, 

der in 103 Zweigvereinen gegen 16 000 Mitglieder zählt, hat das 
ihm gehörige Unterkunftshaus auf dem Fichtelberge, 
dem höchsten Berge Sachsens ^1214 m) mit einem Kostenauf- 
wande von 160000 Mk. bedeutend erweitert und auch mit 
eigener Wasserleitung und Gasbeleuchtung versehen. Zu dem 
weiter vorgenommenen Ausbau der nach dem Fichtelberge 
führenden Strasse gewährte das sächsische Ministerium des 
Innern 12000 Mk. und 2 Automobilklubs zusammen 1500 Mk. 
Der Erzgebirgsverein hat zu dem Bau ungefähr 12000 Mk. bei¬ 
zutragen. Damit Fusswanderungen nach dem Fichtelberge 
durch den Automobilverkehr nicht beeinträchtig werden, liess 
die Staatsforstverwaltung auf ihre Kosten einen besonderen, 
schön und zweckmässig angelegten Fussweg herstellen. Das 
Fichtelberghaus (mit 125 Betten) hat auch im Winter einen sehr 
starken Verkehr; die Preise für Uebernachtung und Verpflegung 
sind mässig. Das vom Erzgebirgsverein ebenfalls erbaute 
Unterkunftshaus auf dem zweithöchsten Borge Sachsens, 
dem Auersberge (1020 m), ein wahres Schmuckstück heimischer 
Bauweise, soll ebenfalls vergrössert werden. Der Erbauer des¬ 
selben, Herr Kgl. Finanz- und Baurat Kenslein in Zwickau, 
ist leider in diesem Herbst verschieden. Der Ausbau des Hauses 
muss daher noch verschoben werden. In Annaberg befindet 
sich das so sehenswerte Erzgebirgsmuseum mit historischen, 
volkskundlichen und touristischen Abteilungen. Jetzt wird der 
Plan erörtert, in dem alten Schlosse Augustusburg, der 
Wartburg des Erzgebirges, ein Erzgebirgs-Verkehrs- 
museum zu errichten. Dem Zweigverein Ausprung sind 
500 Mk. zum Ankauf eines Grundstückes mit Aussichtspunkt 
bewilligt worden. Die Errichtung einer SchutzhUtte auf der 
geologisch so interessanten Basaltkuppe, dem Hirtstein bei 
Satzung (der Basalt streicht hier radial) hat sich leider zer¬ 
schlagen. Die Herstellung einer Fremdonverkehrsstatistik 
soll vom Erzgebirgsverein ebenfalls in Angriff genommen werden, 
Der Mitbegründer des Vereins, Herr Betriebsingenieur a. D. 
Prosse in Leipzig, der durch seine touristischen Arbeiten 
bestens bekannt ist, wurde zum Ehrenmitglied des Erz- 
gebirgsvereins ernannt. Den Verein leitet seit Anfang 
dieses Jahres Herr Oberjustizrat Oberamtsrichter Dr. Gilbert in 
Schneeberg; Ehrenvorsitzender ist der frühere langjährige Vor¬ 
sitzende, Herr Seminaroberlehrer i. R. Möckel, jetzt in 
Dresden A. 2x wohnhaft. H. M. 

Württembergisch-Hohenzollerische Vereinigung 
für Fremdenverkehr. 

In der letzten Sitzung des Landesausschusses der Württ.- 
Hohenz. Vereinigung für Fremdenverkehr, unter dem Vorsitz 
des Herrn Gemeinderats Stübler (Stuttgart), fanden die 
Vorberatungen über die für das Frühjahr 1912 geplante Schwä¬ 
bische Landesausstellung für Reise- und Fremden¬ 
verkehr statt. Der Vorsitzende teilte mit, dass von der K. 
Zentralstelle für Gewerbe und Handel bereits das Ausstellungs¬ 
gebäude in der Schlossstrasse mit über 600 qm Bodenfläche zu 


diesem Zweck zur Verfügung gestellt und auch der Betrieb, der 
Schwäbischen Weinstube und der Schwarzwälder Kaffeestübe, . 
die auf der Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremden¬ 
verkehr in Berlin so grossen Anklang gefunden hätten, genehmigt, 
worden sei. Herr Architekt Braun, Teilhaber der Firma 
Schumacher & Braun in Heidenheim, legte einen Plan und ' 
Kostenüberschlag vor und konnte bereits ein Modell für den 
Eingang in die Ausstellung, dessen Entwurf von einem hiesigen 
Künstler, Herrn BUdhauer Frey, herrührt vorfdhren. Die . 
technische Ausführung der Ausstellung wurde der Firma Schu¬ 
macher & Braun in Heidenheim übertragen und ausserdem eine . 
Ausstellungskommission mit 15 Mitgliedern gewählt. Als Er- 
öffnungstermin wurde der i. Aprü 1912 festgesetzt und eine 
Ausstellungsdauer von mindestens 2 Monaten in Aussicht ge-, 
nommen. Die Ausstellung soll wesentlich erweitert und insbe¬ 
sondere soll die einschlägige Industrie für die Beteiligung 
gewonnen werden. Hierauf befasste sich der Landesausschuss 
mit der Frage der Ausschmückung der Eisenbahnr 
wagen mit Landschafts- und Städtebildern zu . 
Reklamezwecken, die die K. Generaldirektion der Staatseisen¬ 
bahnen in Verbindung mit der Württ.-Hohenz. Vereinigung für 
Fremdenverkehr plant. Der Vorsitzende machte die Mitteilung, 
dass der Bund deutscher Verkehrs -Vereine sich mit demselben . 
Unternehmen für das ganze Deutsche Reich befassen wolle und 
in letzter Zeit eine Besprechung mit den Vertretern des Bundes 
stattgefunden habe. Der Bund lege sehr grossen Wert auf 
eine einheitliche Durchführung des Plans, doch sei er für Ver¬ 
wendung von farbigen Lithographien, während die WÜrtt.- 
Hohenz. Vereinigung den natürlichen Farbenphotographien den 
Vorzug gebe. Der anwesende Vertreter der K. Generaldirektion 
der Staatseisenbahnen, Herr Direktor von Leo, äusserte sich 
sehr eingehend über die Frage und teilte mit, dass die K. General¬ 
direktion nunmehr zunächst Versuche mit beiden Arten von 
Bildern mache, von deren Ergebnis die Verwendung der einen 
oder andern abhänge. Der Ausschuss beschloss deshalb, diese 
Versuche zunächst abzuwarten. Als Tag für die Wander- 
versammlung der Verkehrs-Vereine, die in diesem Jahr in 
Hechingen stattfindet, wurde der 19. November bestimmt. Einer 
Anregung des Vorsitzenden entsprechend sprach sich der 
Ausschuss auch für die Förderung der Veranstaltung von 
Trachtenfestzügen anlässlich des Cannstatter Volksfestes 
aus; ferner beschloss der Ausschuss, die von der Vereinigung 
zur Erhaltung deutscher Burgen geplante Sondernummer des 
,,Burgwarts“ über die Burgenfahrt in Württemberg und Hohen- 
zollern mit einem Beitrag zu unterstützen. Der Vorsitzende 
berichtete dann noch über die Ausgabe der farbigen Schrift: 
„Das Schwabenland in Wort und Bild“, die eine ausserordent¬ 
lich gute Aufnahme gefunden habe und von der bereits 13000 
Stück abgesetzt seien, ferner des „Kleinen Wegweisers durch 
das Schwabenland“, der einen Auszug aus der genannten Bro¬ 
schüre darstelle und unentgeltlich zur Verteilung komme. Ausser¬ 
dem erscheine in den nächsten Wochen der Landesführer, eine 
Zusammenstellung der Sommer- und Winter - Unterkünfte in 
Württemberg und Hohenzollern für Erholungsbedürftige und 
Sportfreunde; dessen Ausgabe erfolge aber erst im nächsten 
Frühjahr vor Beginn der Reisezeit. Zum Schluss berichtete 
noch Herr Hofbuchhändler Wildt, der Leiter der Auskunfts¬ 
stelle der Vereinigung, über die wachsende Inanspruchnahme 
der Auskunftstelle, die der beste Beweis für den Erfolg der 
Tätigkeit der Vereinigung sei. 

Verkehrs-Verband für Ost- und Westpreussen. 

Unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Zander 
(Danzig) tagte im Kasino der Ressource Humanitas in Elbing 
der Verkehrs-Verband für Ost- und Westpreussen zu seiner 
Jahrestagung. Herr Bürgermeister Sch all er begrüsste den 
Verband im Namen der Stadt Elbing und widmete den Bestre¬ 
bungen des Verbandes warme Worte der Anerkennung. Der 
Vorsitzende dankte für die Begrüssungsworte. Der Elbinger 
Verkehrsverein sei der grösste in Deutschland und der einzige 
Verein, der einen Naturschutzpark sein eigen nenne. Er sei 
davon überzeugt, dass der Verband hier reiche Anregung 
finden werde. Es wurde darauf in die Beratung der Tages¬ 
ordnung eingetreten. Der Jahresbericht lag der Versamm¬ 
lung gedruckt vor. Der von Herrn Bürgermeister Dr. Stolzen¬ 
berg (Graudenz) vorgetragene Kassenbericht verzeichnet eine 
Einnahme von 2211 Mk. und eine Ausgabe von 1309‘^Mk. 

Personenschiffahrt auf dem Oberländischen Kanal. Über 
die Einführung der Personenschittahrt auf dem Oberländischen 
Kanal referierte Herr Landesrat Küsei (Königsberg). 

Die sach- und fachgemässd Begründung von Eisenbahn- 
verkehrswünschen lautete das Thema des folgenden Vortrages, 
dessen Referat Herr Rechtsanwalt Zander (Danzig) Über¬ 
nommen hatte. Die Tatsache, dass die von den Verkehrs-Ver- > 
einen oder Verkehrs-Verbänden der Eisenbahnbehörde gegen- 








Nr. 12 B DOQOQQQQO Q( X 3 0Cy j O Q(^X^ DEUTSCHLAND 


603 


Über zum Ausdruck gebrachten Verkehrs wünsche auf so wenig 
JBrfolg zurückblicken können, dränge die Frage auf, wie die 
Arbeit der Vereine fruchtbringender zu gestalten und was zu 
tun ist, um den Anträgen^eine 'grössere Geltung zu verschaffen. 
Der Referent verbreitete sich nun darüber ausführlich, wobei er 
seine, im Dienste des Verkebrsvereins gesammelten reichen Er¬ 
fahrungen verwertete und wertvolle Fingerzeige gab, wie die Ver¬ 
kehrswünsche bei der Eisenbahnverwaltung zu begründen sind. 

Verkehrs-Verband für Westpreussen. 

In der letzten Jahresversammlung des Verkehrs-Verbandes 
für Ost- und Westpreussen war beschlossen worden, für jede 
Provinz einen eigenen Verkehrs-Verband zu konstituieren, den 
alten Verband aber formell weiter bestehen zu lassen. Nach¬ 
dem sich inzwischen der „Ostpreussische Verkehrs-Verein“ 
gebildet hat, konstituierte sich kürzlich der „Verkehrs- 
Verband für Westpreussen“. Die Versammlung tagte 
unter ‘dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Zander (Danzig) 
und nahm nach kurzer Beratung die Satzung für den neuen 
Verband an. Die dem Vorstand des Verkehrs-Verbandes für 
Ost- und Westpreussen angehörenden Herren aus Westpreussen: 
Rechtsanwalt Zander (Danzig), Hauptmann Pudor (Elbing), Pro¬ 
fessor Dr. Heidenhain (Marienburg) und Bürgermeister Dr. Stolzen¬ 
berg (Graudenz) wurden für den neuen Verband beibehalten. 
Ferner wurden der Verkehrs-Ausschuss Thorn, Magistrat Deutsch- 
Eylau und Kreis-Verband Schlochau designiert, aus ihrer Mitte 
je ein Mitglied für den Vorstand zu bestimmen. Herr Rechts¬ 
anwalt Zander referierte sodann über die Herausgabe eines 
grösseren Werkes ,,Westpreussen“. Bisher bestehe kein 
einziges zusammenhängendes Buch, das über den Rahmen eines 
Schulbuches hinausgeht und uns in erschöpfender Weise über 
Westpreussen orientiert. Es ist nun vom Verbände geplant, 
mit Hilfe erster Autoritäten ein solches Weik erscheinen zu 
lassen. Im Interesse der gemeinnützigen Arbeit des Verbandes 
wäre es wünschenswert und notwendig, dass alle noch zurück¬ 
stehenden Gemeinden, Verkehrs- und Verschönerungs-Vereine, 
Verkehrsmittel-Unternehmer usw. sich dem Verkehrs-Verbände 
Westpreussen zu gemeinsamer Arbeit anschliessen. 

Der zweite Verhandlungstag. Am Vormittag des nächsten 
Tages wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Der 
Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Zander, gab zunächst bekannt, 
dass der Vorstand des Verbandes für das neue Geschäftsjahr 
an den Verkehrs-Verein Ostpreussen übergehe und Herr Landes¬ 
rat KU sei (Königsberg) den Vorsitz des Verbandes über¬ 
nommen habe. Stellvertretender Vorsitzender ist Herr Rechts¬ 
anwalt Zander. Beide Herren wurden in den Vorstand des 
Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine delegiert. Als Ort für die 
nächstjährige Herbsltagung wurde Königsberg bestimmt. Zur 
Herausgabe einer neuen Werbeschrift, „Ostmarken¬ 
fahrten“, worüber Herr Rechtsanwalt Zander referierte, 
wurden 200 Mk. bewilligt. Herr Hauptmann a. D. Pudor 
(Elbing) referierte über die Mittel zur Vermehrung des 
Fremden-Verkehrs in Ost- und Westpreussen. 
Auf einen Bericht des Herrn Gemeindevorstehers Zarnke 
(Cranz) über die letzte Versammlung des Bundes Deutscher 
Verkehrs-Vereine in Leipzig sprach derselbe Referent über das 
Thema: Staatsbeihilfen für die Verkehrs-Vereine. 
Der Redner betonte die Notwendigkeit zur Beschaffung 
von Mitteln für eine ordentliche Statistik, um an Hand 
dieser Staat und Gemeinden für Beihilfen an die Verkehrs- 
Verbände zu interessieren, wie dies bereits in Oesterreich 
und Frankreich geschieht. Der Referent unterbreitete 
der Versammlung drei Anträge: i. Die Gründung eines 
ostdeutschen bezw. grossen preussischen Bundes von Ver¬ 
kehrs - Vereinen, 2. beim Eisenbahnminister eine stärkere 
Vertretung der Verkehrs-Vereine im Ausschuss zur Verteilung 
der von der Eisenbahnbehörde bewilligten Mittel zu erwirken 
und 3. ein gemeinsames Vorgehen der Verkehrs - Verbände 
Deutschlands bezw. Preussens zur Erreichung von Staats- und 
Reichszuschüssen zwecks Förderung der Fremdenindustrie zu 
beschliessen. Die Anträge wurden der vorgerückten Zeit wegen 
dem Vorstande zur Erwägung überwiesen und^die übrigen noch 
unerledigten Gegenstände der Tagesordnung^für die nächste 
Jahresversammlung zurückgestellt. Herr Stadtschulrat Prof. 
Dr. Stettiner nahm Veranlassung, dem Vorsitzenden Herrn 
Rechstanwalt Zander für seine als Leiter des Verbandes bisher 
geleistete erspriessliche und unermüdliche Tätigkeit warmen 
Dank auszusprechen. 

Der arbeitsreichen Tagung schloss sich ein Ausflug nach 
dem „Haffschlösschen“, der Besitzung des Verkehrs-Vereins 
Elbing an. Die Fahrt bot viel Abwechslung, noch mehr aber 
der Rundgang durch das Gelände mit seinen Forellenleichen, 
Waldpartien und sonstigen Anlagen. Der Elbinger Verkehrs- 
Verein ist in der beneidenswerten Lage, unter allen derartigen 
Vereinen im weiten Umkreis der einzige zu sein, der sich eines 


derartigen Besitzstandes erfreut. Das Festmahl im '„Haff- 
schlösschen“ gab der Veranstaltung einen erfreulichen Ab¬ 
schluss. Die Ansprachen der Herren Pudor (Elbing), Heiden¬ 
hain (Marienburg) und Zander (Danzig) gaben dieser gehobenen 
Stimmung sämtlicher Teilnehmerinnen und Teilnehmer beredten 
Ausdruck. Nur zu früh trieb der Mahnruf an zeitige Rückkehr 
zur gewohnten Arbeitsstätte zum Aufbruch zur Abfahrtsstelle 
nach Elbingen und den weiteren Zielpunkten. Ueber den 
gesamten Veranstaltungen walteten gütige Mächte und alle 
Teilnehmer werden ihnen ein freundliches Andenken bewahren. 
An beiden Abenden wurden in einem Schaufenster des Elbinger 
Marktes Lichtbilder vorgeführt, die Sehenswürdigkeiten und 
Naturschönheiten des Ostens zeigten. 

Der Verband der ost- und westpreussischen 
Ostseebäder 

hielt kürzlich im Hotel Berliner Hof, Königsberg, seine 
Jahresversammlung ab. Dem Verbände gehören sämtliche in 
Betracht kommenden Badeorte beider Provinzen an: Memel, 
Schwarzot, Cranz, Rauschen, Neukuhren, Georgenswalde, Neu- 
häuscr, Kahlberg, Zoppot, Heia und Oliva. Westerplatte ist 
aus dem Verbände ausgeschieden. Es gehört ihm ferner noch 
der Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs Ostpreussen an. 
Der Verbandsvorsitzende Amtsvorsteher Zarnke (Cranz) legte in 
seinem Jahresberichte den Verbandszweck klar, wonach dem 
Hauptverbande deutscher Ostseebäder auf Grund gesammelter 
Erfahrungen neue Anregungen unterbreitet werden. — Bei 
weiterer Erledigung der Tagesordnung wurde zum Punkte 
„Ferien und Feriensonderzüge“ beschlossen, das Mini¬ 
sterium zu ersuchen, es möge die Schulferien staffelweise ein¬ 
reichen, so dass zwischen Osten und Westen 14 Tage Unter¬ 
schied entständen. Der Erfolg wäre der, dass die Saison um 
14 Tage verlängert werden könnte. Dem widerstrebten zur Zeit 
jedoch noch Schulfachmänner. Zur Erhöhung der Zahl der 
Sonderzüge sollen ausser den bisher bewilligten noch ein Zug 
von Dresden und ein solcher von Oberschlesien angestrebt 
werden. - - Die Besprechung der Tagesordnung für die dies¬ 
jährige Generalversammlung des Verbandes Deutscher Ostsee¬ 
bäder in Berlin zeitigte einen lebhaften Austausch mannigfacher 
Erfahrungen. Im Frühjahr wird auftraggemäss ein Photograph 
unsere Badeorte zwecks Aufnahmen bereisen, die zu Licht¬ 
bildern etc. verwendet werden sollen. Die Vorstandswahlen 
erfolgten durch Akklamation. Der bisherige Vorstand: Amts¬ 
vorsteher Zarnke (Cranz), Vorsitzender, Bürgermeister Wold¬ 
mann (Zoppot), Stellvertreter, Direktor Wächter (Danzig), von 
der Danziger Dampfer-Aktien-Gesellschaft Weichsel, Schriftführer, 
Dr. Schumacher (Königsberg), vom Verein zur Hebung des 
Fremdenverkehrs in Ostpreussen, Beisitzer, wurde wiedergcwählt. 
An Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Sanitätsrats 
Henning trat Amts- und Gemeindevorsteher Hecker (Rauschen) 
in den Vorstand. 

Rügenscher Ostseebäder-Verband E. V. 

Am 9. V. Mts. fand in Bergen im Hotel „Ratskeller“ unter 
sehr zahlreicher Beteiligung die 3. Generalversammlung des R.O.-V. 
statt, die vom i. Vorsitzenden, Oberst Seelmann, geleitet wurde. 
Die T agesordnung war allen Interessenten durch den ge¬ 
druckten Jahresbericht schon früher zugegangen, sodass sich 
die Verhandlungen glatt abwickelten. Die Sammlungen für die 
Reiseausstellung in Berlin haben die erfreuliche Summe von 
ca. 13000 Mk. gebracht, sodass dem Verbände auch für die 
nächste Zeit hinreichende Mittel zur Verfügung stehen, '-‘f Es 
konnte für das nächste Jahr eine grössere Zeitungsreklame 
für Rügen und seine Seebäder vorgesehen werden. Ferner 
sollen im Laufe des Jahres auch in fremden Sprachen gedruckte 
illustrierte „Rügenführer“ erscheinen, da nach der Statistik 
in unseren Grossbä lern der diesjährige Auslandsverkehr die 
hohe Ziffer von erreicht hat. Bei dieser Gelegenheit 

empfahl auch der i. Vorsitzende ein Abonnement auf die'all¬ 
seitig gut beurteilte neue Verkehrs- und Heimatszeitschrift 
„Deutschland“ (Düsseldorf), welche das Publikationsorgan 
des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine ist und sich auch vor¬ 
züglich zur Insertion eignet. Um auch .kleineren Orten Rügens 
und sonstigen Interessenten den Beitritt zum R. 0 ,-V. zu er¬ 
leichtern, wurde der Vorstand von der Generalversammlung 
ermächtigt, die Höhe der Beiträge gegenseitig zu vereinbaren. 
Es wurde beschlossen, mit allen Mitteln auf die Verkehrsver¬ 
besserungen hinzuwirken. Zu diesen gehört u. a. die richtige 
Ausgestaltung der Eisenbahnbrücke Uber den Strelasund, die 
Umgestaltung der Bäderbahn in eine Vollbahn, die Einrichtung 
einer neuen Dampfschiffslinie für den westländischen Verkehr 
von Lübeck nach Rügen und die zweckmässige Aenderung des 
Fahrplanes aus Westdeutschland über Berlin zu unseren Bädern, 
Ausgabe zweckmässigerer Sonderzugkarten von Wien nach 
Rügen. Die statutenmässig ausscheidenden Vorstands-Mil- 


604 


DEUTSCHLAND 


Nr. 12 


glieder, der i. Vorsitzende Herr Oberst Seelmann (Binz), der a. 
Sekretär Herr von Pressentin (Göhren) und der i. Beisitzer Herr 
Badedirektor Kruse (Sassnitz) wurden einstimmig wiedergewählt. 
Zu Beginn der Sitzung wurden die Lichtbilder der Berliner 
Reiseausstellung mit erläuterndem Vortrag vom Verbandsekretär 
Herrn Schütz (Babe) vorgeführt. Zum Ehrenmitglied wurde der 
Herr Hauptmann Montanus (Binz) gewählt der sich ganz beson¬ 
dere Verdienste durch die Vertretung der Rügen - Abteilung 
während der Dauer der diesjährigen Reiseausstellung in Berlin 
erworben hat. 

Mecklenburgischer Verkehrs-Verband. 

Die Vorstandssitzung in Waren beschäftigte sich in erster 
Linie mit einem Führer durch Mecklenburg, der im Ent¬ 
würfe vorlag und eingehend in seinen Einzelheiten beraten 
wurde. Die Herausgabe soll so frühzeitig erfolgen, dass der 
Führer für die nächstjährige Reisesaison bereits in nutzbringender 
Weise Anwendung finden kann. Zu erledigen war ferner ein 
der Grossh. General - Eisenbahndirektion zu unterbreitender 
Antrag, für den Vormittags-D-Zug Berlin—Warnemünde in 
Güstrow Anschluss an den Vormittags-D-Zug Stettin —Hamburg 
herbeizuführen; auch einige weitere Verkehrsangelegenheiten 
aus den Ortsvereinen Neubrandenburg und Wismar kamen bei 
dieser Gelegenheit zur Sprache. Die nächste Sitzung soll am 
22 , November in Wismar abgehalten werden. 

Stadt-Verkehrsamt Cassel. 

Einem uns zugehenden Auszug aus dem Tätigkeitsbericht des 
Stadt-Verkehrsamtes der Residenz Cassel für die Zeit vom i. Ok¬ 
tober igio bis 30. September 1911 entnehmen wir folgendes: Ver¬ 
öffentlichung von Empfehlungsanzeigen. Die Saisonreklame ver¬ 
teilte sich auf eine grössere Zahl in-und ausländischer Zeitschriften. 
Da die seither benutzten Anzeigenklischees nicht mehr zweckdienlich 
erschienen, wurden nach künstlerischen Entwürfen neue Druck¬ 
stöcke hergestellt, die abwechselnd Bilder von Cassel und 
Wilhelmshöhe und einen kurzen empfehlenden Text enthalten. 
Illustrierte Abhandlungen über Cassel und seine Umgebung 
wurden regelmässig veröffentlicht. Als Nachrichtenzentrale 
übersandte das Amt an 51 Tageszeitungen und Verkehrs-Zeit¬ 
schriften regelmässig die Allgemeinheit interessierende Notizen 
Uber Cassel-Wilhelmshöhe. In Verbindung mit dem Fremden¬ 
verkehrs-Verein wurde der illustrierte Führer durch Cassel 
völlig umgearbeitet, in einer Auflage von 50000 Exemplaren 
neu gedruckt und in bedeutender Anzahl im In- und Auslande 
verbreitet. Ferner wurde zusammen mit dem Fremdenverkehrs- 
Verein eine Anleitung für Rundfahrten durch Cassel und Um¬ 
gebung herausgegeben und in geeigneter Weise verbreitet. Die 
Notwendigkeit dieser Anleitung ergab sich aus der Tatsache, 
dass die Droschkenkutscher nur bequem erreichbare Sehens¬ 
würdigkeiten den Fremden zu zeigen pflegen, während jetzt die 
Möglichkeit gegeben ist, auf Verlangen auch abgelegenere Kunst- 
und Naturdenkmäler in die Rundfahrten mit einzubeziehen. Auf 
der Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr 
in Berlin und auf der Verkehrs-Ausstellung gelegentlich des 
Verbandstages der Deutschen Touristen-Vereine in Wildungen, 
war Cassel durch bildliche Darstellungen, Literatur und dergl. 
vertreten. Wiederholt wurden Lichtbilder ausgeliehen zur Unter¬ 
stützung von Vorträgen ausserhalb Cassels. An den Vor¬ 
bereitungen der Landwirtschaftlichen Jubiläums- 
Ausstellung nahm das Verkehrsamt grossen Anteil. Die 
Gesamtbesucherzahl belief sich auf 197154. Die Zahl der ange¬ 
meldeten BUrgerquartiere betrug 7240, wovon 1820 an Interessenten 
nachgewiesen wurden. Im Anschluss an die Landwirtschaftliche 
Ausstellung wurde die Kolonialwirtschaftliche Aus¬ 
stellung zehn Wochen im Orangeriegebäude zur Schau 
gestellt. Die Propaganda-Arbeit für diese Ausstellung wurde 
vom Verkehrsamt zusammen mit der Abteilung Cassel der 
Deutschen Kolonialgesellschaft geleistet. Zur Frage der Ferien- 
SonderzUge sind dem Bunde Deutscher Verkehrs-Vereine ein¬ 
gehende Darlegungen zur Weiterleitung an die in Betracht 
kommenden Stellen übermittelt worden, die darin gipfelten, dass 
eine vermehrte Einlegung von Ferien-Sonderzügen auch in den 
Monaten - Juni und September notwendig sei. Auch müssten 
die Ferien - Sonderzüge von der Zielstation zu ermässigten 
Preisen zurückgeführt werden, so dass den Ausländern ein 
Anreiz gegeben wird, Deutschland mehr als bisher zu besuchen, 

Wesergebirgsverein. 

Am 29. Oktober fand unter dem Vorsitz des Senators 
Meyer, Hameln, in Bückeburg die diesjährige Haupt¬ 
versammlung des Wesergebirgsvereins statt, der Sitzungen 
des Vorstandes und des Verkehrs-Ausschusses vorausgingen. 
Die Beratungen erstreckten sich auf FahrplanwUnsche, Einlegung 
von Feriensonderzügen, Weserschiffahrtsfragen u. dergl. Einem 
Bericht von Professor Dr. Diekhoff (Hameln), war zu ent¬ 
nehmen, dass der Führer durch das Oberwesergebiet fast fertig 


gestellt sei und spätestens zu Beginn des nächsten Jahres im 
Buchhandel erscheinen werde. Der von Bürgermeister v. Otto^ 
(H o 1 z m i n d e n), vorgetragene Kassenbericht ergab, dass die 
Finanzlage des Vereins trotz der nicht unbedeutenden Inan¬ 
spruchnahme günstig ist. Die für die Berliner Ausstellung für 
Reise- und Fremdenverkehr zusammengestellte Kollektiv-Aus¬ 
stellung von Bildern aus dem Wesergebiet von Kassel bis 
Minden soll, wenn möglich, vereinigt bleiben, um bei Wander¬ 
ausstellungen Verwendung zu finden. 

Verkehrs-Verein Altenkirchen (Westerwald), 

Der Verein hat im ersten Jahre seiner Wirksamkeit recht 
befriedigend gewirkt; die Zahl der hier Erholung suchenden 
Fremden ist gegen die Vorjahre recht bedeutend gestiegen. 
Kein Wunder auch, die köstliche Reinheit der frischen Höhen¬ 
luft, die auf die erschlafften Nerven äusserst kräftigend einwirkt, 
ist neben vielen anderen Vorzügen wohl dazu geeignet, unseren 
Ort zum Erholungsort zu bestimmen. Ein Beweis für die 
gesunden, klimatischen Verhältnisse hierselbst dürfte sich daraus 
ergeben, dass allein in unserem kleinen Städtchen von rund 
2500 Seelen heute 66 Personen von Uber 70 Jahren und darunter 
sogar 16 von über 80 Jahren leben, die durchweg noch recht 
rüstig sind und ihrem Berufe nachgehen können. Würde man 
die umliegenden Orte noch hinzunehmen, so erhöhte sich die 
Zahl unserer Alten noch bedeutend, sieht man doch nicht selten 
Leute von 84 Jahren, die noch recht rüstig mit Feldarbeiten 
oder dergl. beschäftigt sind. 

Sauerländischer Gebirgs-Verein (Abtg. Dortmund). 

Diese Abteilung, die mit 1600 Mitgliedern die zweitgrösste 
des Sauerländischen Gebirgs-Vereins ist, hielt am 5. Dezember 
im Saale der Kaiserhalle ihre diesjährige Generalversammlung ab. 
Der Vorsitzende, Prof. Schäfer, begrüsste die Erschienenen 
und erstattete den Jahresbericht über das abgelaufene Jahr. 
Er ging auf die Reklametätigkeit näher ein, die der Verein unter¬ 
nommen hatte, um in weiten Kreisen bekannt zu werden, gab 
Kenntnis davon, dass die Touren, auch die sich Uber einen halben 
Tag, und auf einen und mehrere Tage erstreckt hatten, eine gute 
Teilnehmerzahl aufwiesen, und dass neue Wegebezeichnungen 
zur Ausdehnung des Wegenetzes vorgenommen waren. Der 
Kassenbericht zeigte, dass die Einnahmen und Ausgaben den 
Voranschlag, der mit 5000 Mk. balanzierte, nicht weit über¬ 
schritten haben; dem Kassierer wurde Entlastung erteilt und 
der Voranschlag für das näch.ste Jahr in der vom Vorstand 
vorgeschlagenen Form in der Höhe von 5200 Mk. genehmigt. 
Unter der Leitung des 2. Vorsitzenden, Dr. jur. Kuckuck, trat 
man dann in weitere Verhandlung, zunächst in die Besprechung 
der für das nächste Jahr aufzustellenden Touren ein. Es wurden 
30 Touren festgestellt mit der Bestimmung, dass auch die 
Monate November und Dezember hierbei berücksichtig^ werden 
sollen. In Aussicht genommen ist neben mehreren ein- und 
dreitägigen Touren auch eine fünftägige Tour nach Bad Wil- 
dungen und eine achttägige Tour in die Holsteinische Schweiz. 
— Der Zentralvorstand in Arnsberg wird gebeten, dahin zu 
streben, dass die Orientierungstafeln über die Wegebezcichnungen 
der einzelnen Sektionen möglichst in der Nähe des Bahnhofes 
zur Aufstellung gelangen. Ferner wurde bei diesem der Antrag 
gestellt, mit dem Verlage der Zeitschrift „Deutschland“ 
über die Herausgabe einer Spezialnummer des Sauerlandes 
sobald als möglich in Verhandlungen zu treten. 

Verkehrs-Verein Dortmund. 

Neben der Regelung des Wintersportverkehrs aus 
dem Rheinisch-Westfälischen Industriebezirk nach Winter- 
berg und Fredeburg hat die Kgl. Eisenbahndirektion 
Elberfeld in diesem Jahre hauptsächlich den Wintersportverkehr 
nach Lüdenscheid geregelt und bevorzugt. Es ist dieses 
Vorgehen um so mehr zu begrUssen, da die Ausübung des 
Wintersports in Lüdenscheid nicht die hohen Anforderungen 
an die Mittel der Wintertouristen stellt, als wie eine Fahrt nach 
Winterberg und Fredeburg, denn während diese über lao km 
auf der Eisenbahnstrecke beträgt, geht die Fahrt nach Lüden¬ 
scheid nur über 62 km. Die Anschlüsse nach Lüdenscheid an 
die Wintersportzüge von Köln-Elberfeld, Duisburg nach Winter¬ 
berg und Fredeburg, Schmallenberg, sind gesichert. Ausserdem 
sind auch die sonstigen Verbindungen gute zu nennen. Wer 
aus Essen (H.-B.) 6.10 vorm, wegfährt, bezw. 6.31 vorm, den 
D-Zug 176 benutzt, ist bereits um 9.10 in Lüdenscheid. Um 
dieselbe Zeit trifft derjenige ein, der 6.30 vorm, von Dortmund 
und 6.57 vorm, mit dem Eilzug 183 von Elberfeld abfährt. 
Hinsichtlich des Rückverkehrs braucht man an Sonntagen Lüden¬ 
scheid erst um 6.47 nachm, zu verlassen, ist 8.03 abends in Hagen» 
9.27 abends in Essen, 9.15 mit Eilzug 64 in Elberfeld, 9.37 abends 
in Dortmund-Süd und 9.52 in Dortmund (H.-B.). An Werk^ 
tagen fährt der Personenzug 7767 von Lüdenscheid 7.Z0 abends 










Nr. 12 BaQQ9QQOQoeQ93Q9QOQQ ?^^ g 3Q(Moi DEUTSCHLAND it eeeee0ce€»ceeeeooeoo ooooo o < i i 605 


ab, trifft 8.47 abends in Hagen, 10.09 Essen und g.52 in 
Dortmund (ab Witten-West 9.22 abends) Hauptbahnhof ein. 
Sonntags kann man ausserdem diese Verbindungen in BrOgge 
noch durch den Sonntags-Personenzug, Lüdenscheid ab 7.33 
abends erreichen. Nach Elberfeld ist Anschluss durch D-Zug 32, 
an 9.38 abends, oder Personenzug 416, an 10.15 abends. Einen 
neuen Wintersportplatz hat die Eisenbahnverwaltung dadurch 
der Touristik näher gebracht, indem sie auch einen Wintersport- 
Sonntags-Sonderzug III. und IV. Klasse von Siegen nach Lützel 
hin und zurück befördert, bei diesem aber keine Pahrpreisermässi- 
gung gewährt, sondern den gewöhnlichen Fahrpreis fordert. Dieser 
Sonderzug fährt von Siegen mittags 1.30 ab und trifft über 
Creuzthal, Hilchenbach 2.55 nachm, in Lützel ein. 7.14 abends 
verlässt er wieder Lützel und kommt unter Einhaltung derselben 
Fahrstrecke abends 8.29 in Siegen an. Wenn dieser Winter¬ 
sportplatz für das rheinisch-westfälische Industriegebiet auch 
ziemlich weit ab liegt, so hat der eine oder andere Winter¬ 
tourist doch wohl ein Interesse, auch diese neue Erweiterung 
der Unterstützung des Wintersports seitens der Eisenbahn¬ 
verwaltung kennen zu lernen. 

Dem Vorstand des Verkehrs-Vereins lag in seiner 
Sitzung am ii. ds. Mts., der ersten nach den Ferien, ein umfang¬ 
reiches Material zur Bewältigung vor. Der Ausbau der neuen 
Geschäftsstelle am Hauptbahnhof ist weiter vorgeschritten, 
der Oesterreichische Lloyd hat dem Verein seine Vertretung für 
Dortmund übertragen, die Städt. Strassenbahn lässt hier ihre 
Abonnements verkaufen und weitere Einrichtungen werden noch 
getroffen, um das Tätigkeitsgebiet des Bureaus zu vergrössern. 
Der Verkehr war in den beiden Monaten seines Bestehens ein 
guter; es wurden im Monat August 568, im Monat September 
226 Auskünfte erteilt. Dem reisenden Publikum kann nur geraten 
werden, in diesem Bureau im Ostanbau des Hauptbahnhofes, 
gegenüber der Freistuhlbastei, ihre Auskünfte in Reiseangelegen¬ 
heiten einzuziehen, weü hier alle Vorbereitungen getroffen sind, 
um diese zweckmässig erteilen zu können.— Es soll beantragt 
werden, dass eine Nachmittagsverbindung ab Hamm 5.45 Uhr, 
Dortmund an 6.30, geschaffen wird, welche einerseits die Theater- 
und Konzertbesucher aus dieser Gegend nach Dortmund bringen 
kann, andererseits den Anschluss von EZ. 183, Münster ab 5.02, 
in Hamm herstellt.— Hinsichtlich der neuen Bahn Schwerte- 
Iserlohn spricht sich der Vorstand im Einverständnis mit dem 
Iserlohner Verkehrs-Verein dahin aus, dass nicht alle Züge auf 
dieser Strecke an allen Stationen halten, wie es die Anlieger 
wollen, damit schon jetzt einer durchgehenden Verbindung von 
Dortmund über Schwerte nach Iserlohn Rechnung getragen wird.— 
Die Neubaustrecke Dortmund-Münster, Errichtung eines Post¬ 
scheckamtes in Dortmund; die Einrichtung und Bezeichnung 
unseres Hauptbahnhofes und die Ausgestaltung des Droschken- 
und Autoverkehrs riefen noch längere Besprechungen hervor. 

Als Zeitpunkt für die nächstjährige General-Versammlung 
wurde der Monat Februar ins Auge gefasst. Um die General¬ 
versammlung vielseitiger und anregender zu gestalten, soll 
wiederum ein Vortrag über ein aktuelles Thema gehalten werden. 
Unter den Verkehrsverbesserungen wurden die wichtigsten Ver¬ 
bindungen Dortmund mit München, Münster-Hamburg und 
Düsseldorf-Köln besprochen. Zur Verbesserung der Mittagsver¬ 
bindungen von Dortmund nach Duisburg und Düsseldorf soll 
die Einlegung eines neuen Eilzuges, Dortmund ab 2.04, Düssel¬ 
dorf an 3.27, ab 5.00, Dortmund an 6.24 beantragt werden. 
Erfolg hatten die Bemühungen, dass die Schaffung einer Nach¬ 
mittagsverbindung an den EZ 183 Münster-Hamm, von hier 
nach Dortmund seitens der zuständigen Eisenbahndirektion in 
Aussicht gestellt, und dass Dortmund an verschiedenen Stellen 
unter die Anschlüsse im Reichskursbuch aufgenommen wurde. 

Potsdamer Verkehrs-Verein. 

Erhebliche Arbeit brachte dem Verein die im April in den 
Ausstellungshallen am Zoo in Berlin eröffnete Internationale 
Ausstellung für Reise- und Fremden-Verkehr, die von uns be¬ 
kanntlich durch Ausstellung eines Wandelpanoramas bestens 
beschickt worden ist. Gross waren dabei die Kosten, die für 
die Gratisabgabe des Propagandamaterials dem Verkehrs-Verein 
erwuchsen: es wurden rund 45000 Exemplare der Reklame- 
Schriften verbraucht. Mit der Eröffnung eines besonderen 
Geschäftszimmers konnte auch der Auskunftserteilung näher 
getreten werden. Auskünfte wurden in 322 Fällen mündlich 
erteilt, in 230 Fällen wurden die bezüglichen Prospekte ver¬ 
abreicht. Ausserdem gelangten in Einzeln- und Paketsendungen 
16400 Propagandaschriften zur Versendung. Das erforderliche 
Auskunftsmaterial lieferten teilweise der Bund Deutscher Verkehrs- 
Vereine, teilweise auf besonderes Ersuchen, die Verkehrs-Ver¬ 
bände usw. in 79 Paketen. Durch die Internationale Verkehrs- 
Ausstellung angeregt, und durch das andauernde schöne Wetter 
begünstigt, war der Fremdenzufluss in diesem Jahre ein be¬ 
sonders grosser. Unsere Geschäftswelt bemängelt, und wohl 


mit Recht, dass nur ein verschwindend kleiner Teil der Fremden 
hier einen mehrtägigen Aufenthalt nimmt, die meisten aber 
noch am nämlichen Tage nach Berlin zurückkehren. Schuld 
an dieser bedauerlichen Tatsache hat wohl das sich von Mund 
zu Mund fortpflanzende Gerücht, dass das Leben in Potsdam 
besonders teuer wäre. Um diesem, die Entwicklung einer 
gesunden Fremdenindustrie hinderlichen Gerede wirksam ent¬ 
gegenzutreten, beschäftig^ sich der Vorstand mit der Herausgabe 
zweitägiger Reisehefte Berlin-Potsdam, die einschliesslich Bahn-, 
Dampfer-, Strassenbahnfahrt, zweimaligem Mittagessen, Unter¬ 
kunft, Frühstück, Führung usw. weniger kosten, als wie zeitig 
eine Gesellschaftsreise in Autowagen. Beabsichtigt wird, den 
grossen und den kleinen Führern eine kurzgefasste Anleitung 
zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten nebst Zeiteinteilung 
beizufUgen und ihr einen Führer durch die Geschäftswelt 
Potsdams anzugliedern. Der Fremde muss darauf hingewiesen 
werden, dass man auch in Potsdam ausreichende und günstige 
Kaufgelegenheit für Reiseandenken usw. hat. Die Neuwahl des 
Vorstandes führte nach dem Entschluss des Ausscheidens unseres 

1. Vorsitzenden zur Besetzung dieses Amtes durch Rechnungsrat 
Lack. Im übrigen wurde der alte Vorstand: Stadtrat O. Wernick, 

2. Vorsitzender; Hoftischlermeister Ed. Schulz, Schatzmeister; 
Kaufmann M. Winckler, i. Schriftführer; Kaufmann W. Herrmann, 
2. Schriftführer, wiedergewählt. Der Verdienste des ausge¬ 
schiedenen Ingenieurs Stadtrat a. D. P. Artelt um unseren 
Verein gedenken wir an dieser Stelle gern und dankbar. 


NiederhessischerTouristen-Verein (Sitz Cassel). 
In der 29. Mitglieder-Versammlung wurde von Landesrat a. D. 
Klöffler der Geschäftsbericht erstattet, aus dem hervorging, dass 
die Entwicklung des Vereins, der 2133 Mitglieder zählt, sehr 
günstig ist. Infolge der erhöhten Beiträge und der von der 
Stadt Cassel geleisteten Zuwendung ist auch die Finanzlage des 
Vereins durchaus geordnet. Ueber die Entwicklung der Schüler¬ 
herbergen berichtete Rechtsanwalt Wennig, indem er namentlich 
auf die Herbergen als Werbemittel für den Fremden-Verkehr 
hinwies. Durch den Besuch der Schüler werde der Ruf von 
den Schönheiten der hessischen Berge und Wälder weit hinaus¬ 
getragen, so dass der Erfolg sich hauptsächlich in der Zukunft 
zeigen müsse, wenn die jetzt jugendlichen Besucher sesshaft 
geworden seien. Zur Verbesserung des Wirtschaftswesens im 
Vereinsgebiet sucht der Niederhessische Touristen-Verein haupt¬ 
sächlich dadurch beizutragen, dass er den Wirten, die seiae 
Mindestforderungen erfüllen, ein empfehlendes Schild zustellt. 
An Stelle des Landesrat a. D. Klöffler, der den Verein seit 
15 Jahren mit grosser Umsicht geleitet hatte, der aber aus Alters¬ 
rücksichten eine Wiederwahl ablehnte, wurde Stadtrat und 
Major z. D. Henrici als Vorsitzender gewählt, dem Verkehrs- und 
Wirtschaftsausschuss wurde der Vorstand des Stadt-Verkehrs¬ 
amtes, Weber; dem Ausschuss für Schülerherbergen Stadt¬ 
schulrat Bobritz zugewählt. 

Der Verband der Eisass-Lothringischen Verkehrs- 
Vereine hielt seine diesjährige Versammlung in Oberehnheim 
ab. Bürgermeister Gie r 1 i ch hatte den Sitzungssaal des Rathauses 
für die Tagung zur Verfügung gestellt und begrüsste dort die 
Erschienenen. Etwa 30 Delegierte aus Strassburg, Zabern, Nieder¬ 
bronn, Pfalzburg, Münster, Rappoltsweiler, Schlettstadt, Barr und 
Oberehnheim waren anwesend, ferner hatte der Vogesenhotel¬ 
besitzer-Verein einen Vertreter entsandt. Es wurde mitgeteilt, 
dass der Verband für Reklame in 58 in- und ausländischen Zeitungen 
4600 Mark aufwendete. Gedrucktes Propagandamaterial wurde 
reichlich verteilt, darunter auf der diesjährigen internationalen Aus¬ 
stellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin allein 12 000 Exem¬ 
plare. Die nächste Versammlung findet im Januar in Colmar statt. 


Eisenbahnwesen. 

Die Verkehrseinnahmen der deutschen Eisen¬ 
bahnen. Dass das deutsche Wirtschaftsleben sich gegenwärtig 
noch in einer kräftig aufsteigenden Entwicklung befindet, das 
geht nicht nur aus der Zunahme des Beschäftigungsgrades und 
der Gestaltung des Aussenhandels hervor, es ergibt sich auch 
aus der Intensität der Warenbewegung im Inlande, die in den 
Verkehrseinnahmen der deutschen Eisenbahnen zum Ausdruck 
kommt. Es gibt nur wenige Länder, in denen die Einnahmen 
der Eisenbahnen, besonders aus dem Güterverkehr einen so 
sicheren Gradmesser zur Beurteilung der jeweiligen wirtschaft¬ 
lichen Lage bilden, wie gerade in Deutschland. Nach der im 
Reichseisenbahnamt aufgestellten Uebersicht haben die Einnahnen 
der deutschen Eisenbahnen im Monat September noch kräftiger 
zugenommen, als in den vorangegangenen Monaten. Die Summe 
der Einnahmen belief sich im September igix auf 244 83 Millionen 
Mark. Gegenüber dem vorjährigen Vergleichsmonat ergibt sich 
eine Steigerung um 20,50 Millionen Mark. Von den Gesamt- 





606 


DEUTSCHLAND iBee^eoeeeeoeeee oeeeeee eeeB Nr. 12 



Die besten Zugverbindungen nach den schlesischen Wintersportplätzen 

(Flinsberg, Bad Schwarzbaoh, Schreiberhau, Krumnihübel, Schmiedeberg uud Ziegenhals) - 

Zusammengestellt von der Köuigl. Eisenbahn-Direktion Breslau. 



la. Beilia 




Ib. Hirschbg. ab 

400 

9 ^ 963 _ 

1<1. Görlitz ab 

015 

— 

662 _ 

Görl. Bf. 

ab 

U)3f) 

BI 6 813 

Zillertbal-Erd- 



Greiffenberg „ 

360 

— 

808 - 

Cottbus 

,, 


5111011 

maiinsdorf „ 

428 

0^1020 _ 

Friedeb.iQuci«) „ 

426 

— 

837 _ 

Görlitz 

an 

206 

649 1140 

Krummhübel an 

• 153 

9M 1043 _ 

Bad Flinsberg an 

448 

— 

900 _ 


ab 

216 

702 *631* 








Hirschberg 

an 

Böo, 

843i 835 

Ic. Hirschbg. ab 

410 

9 J 8 962 





* Ucbernachtung. 

Ob.-Schreiberh.an 

532 

1040,1107 _ 

1 4a. Breslau | 

S 










Frb Bf. ab | 

630 

7001141512 

Jd. Leipzig 

ab 

842; 

223 _ 

H. Posen ab 

7u(> 

— 7121011 * 

Rull bank „ 

1 

908 

146 7« 

Dresden 

V 


503 __ 

Lissa (Pos«m) „ 

802 

— 8101133 

Hirschberg an 

845 

938 

'J 15746 

Görlitz 

an 

1214 

6 ^ — 

Breslau Hbf. an 

936 

940 206 

S Verkehrt nur 

SonntaiTs vom 

Weiter siehe 

la- 

-Ic 

Weiter sie 

iie 4a—41 

24/12.b.26/2. sowie am 25.U.26/12 


4d. Hirschbg.ab 

Greiffeiiberg „ 
Fricdel).(QueiH),, 

Bad Flinsberg au 


6 . Posen ab 

Lissa i. P. „ 

(xlogau „ 

Sagan „ 

Hansdorf „ 

Kohlfurt „ 

Laubau „ 

. Greiffenberg „ 
Friedeb (Queis; „ 
Bad Flinsberg au 


— 1000 

230 

4e.Rullbank an 

907 

146 

712 

4f. Hirschbg. ab 

637 947 

230 .. 

- 1105 

300 

„ ab 

914 

]65 

7 IG 

Greiffenberg „ 

808 1105 

300 __ 

- 1139 

425 

Landeshut „ 

930 210 

728 

Friedeb.(QuBiH; „ 

830 1134 

/120 _ 

-- 1204i 

448 

Schmiedeb.i.R. an 

1()<2 , 

BO» 

824 

Meffersdorf an 
Entfernung Moi 

849 1165 
Dersdorf 

439 - - 

-Bad 


712 — 

‘jii! 40 *' — 

loni 4 S 9 , — 
116g' 533 .. 
1214 545 _ 

13o| ßlG _ 
B 13 ; 640 
H60 713 _ 
^J 26 7 ^ 

448' Ö03 _ 


7a. Glogau ab 

Raudten ab 

Liegnitz „ 

Goldberg „ 

Merzdorf „ 

Hirschberg au 

7 b. Hirschbg. ab 

Zillertbal-Erd- 
luanusdorf „ 

Krummhübel au 


Schwarzbach 6 km Landweg 


802 1 

120 

300 _ 

7c. Hirschbg. ab 

1113» 

— 

7w _ 

910 

214 

605 _ 

Oh.-Scbreiberh.an 

]17 

— 

9m — 

947 

302 

560 _ 





1105 

.149 

7^ — 

Ha. Liegnitz ab 

722 

1003 

214 _ 

1130 

523 

740 — 

Goldberg „ 

810 

1101 

323 _ 




Greiffenberg „ 

1103, 

3301 

539 — 

1 1200 

630 732 

Friedeb.(Queis),, 

1189 

425 ! 

740 _ 




Bad Flinsberg an 

1204, 

4481 

803,— 


123 » ßoy: 8S0 
108 ■ (332 843 


O.BreslanHbf.ab 

Brieg „ 

Neisse „ 

Deutsch 

Wette „ 

Ziegenhals au 


610 

840 21 * 

10. Liegnitz ab 

5 m 701 906 110 

11 .Kattowitz ab 

666 1200 233 

— 

705 

933; 3 OG 

Königszelt „ 

640' 830 1023 240 

Kandrzin „ 

866 126 4 I 6 

— 

95*11113; 41*3 

Camenz(SclileH.)„ 

821 ;i()09,12*3 440 

Deutsch 

' 

— 



Neisse „ 

921111131 121 637 

Rasselw. „ 

931 2*4! 606' 

— 

946 

11401 446 

Dtsoh. Wette 

946 1140 143j 601 

„ Wette „ 

1140i 3251 601 

— 

935 

116 o| 4 Ö 6 

Ziegenhals an 

966jll60| I 62 ! 613 

Ziegenhals an 

II 60 ’ 338| 613 

— 


Ic. Görlitz ab 

Greiffenberg „ 
Friedeb. ^Queis^,, 
Meffersd'-rf an 


216 _ I 6« — 
350 ' 808 


420 __ 
439; — 


8 *«i- 

8 «i — 


Entfernung Meffersdorf— Bad 
Schwarzbach 6 km Landweg 

s ■ 

b68| 


4b. Hirschbg. ab 

Zillerthal-Erd- 
inaunsdorf „ 

Krummhübel an 

4c. Hirschbg. ab 
Ob.Schreiberh.au 

5. Kattowitz ab 

Kiindrziii „ 

Gimpeln ,, 

Brieg „ 

Breslau Hbf. an 


921 

944 


8601 

96d 


96ij 230 


7M 


1020 ! •:681820 
104*1 3 *s| 84 s 


902 

1107 


287 

410 


755 

9to 


736 66ö,l200j 
1 i 839 i 118 | 

934; 910 
1012; 949 
I063il0»« 


Weiter siebe 4a—4f 


304 


168 _ 

226 — 


8 b.Greiffenb.ab 

Meffersdorf an 
Entfernung Me: 


1106 300 ' 7121 — 
1153 439; 8 og — 
■fersdorf— Bad 


Schwarzbdch 6 km Landweg 


lÄ Ratihor ab 
Leobschütz „ 
Deutsch- 

Rassehv. „ 
„ Wette „ 

Ziegenhals an 
13. Oppeln ab 
Neisse „ 

Dtsoh.Wette „ 

Ziegenhais an 


647 

846 


I 948 
1107 


904 

946 

935 


1161 

148 

162 


9*8 

1116 


1161 

426 


11401 446 
1160| 466 


8«1 

6is 

701 

7n 




.jiiiüsei'. 






Nr. 12 WB e^deOOB^GüeG^^ DEUTSCHLAND 


I 607 


BiDDahmen entfielen im Berichtsmonat auf den Personenverkehr 
7687 Millionen Mark oder 5,40 Millionen Mark mehr als im 
Vorjahre. Der Güterverkehr brachte 16796 Millionen Mark gegen 
15286 Millionen Mark im September 1910. Berücksichtigt man, 
dass die Gesamtlänge der deutschen Bahnen im September 1911 
52809,4 Kilometer oder 6500 Kilometer mehr als im Vorjahre 
betrug, so ergibt sich für x Kilometer eine Einnahme von 4697 Mark 
gegen 4360 Mark im vorjährigen Parallelmonat. Die Einnahmen 
aus dem Personenverkehr sind von 1412 Mark auf 1499 Mark, 
die Erträgnisse des Güterverkehrs von 2943 Mark auf 3198 Mark 
pro Kilometer gestiegen. Nachstehende Uebersicht spiegelt die 
Bewegung der Einnahmen aus dem Personen- und Güterverkehr 
im Monat September der Jahre 1903 bis 19x1 in Mark pro Kilometer; 



Personen- 

(lülerverkehr 

Personen- 

Güterverkehr 

1903 

1103 

2 325 1908 

^ 303 

2 718 

1904 

1133 

2 454 1909 

1331 

2788 

1905 

1185 

2 599 1910 

I 412 

2948 

1906 

I 242 

2 667 1911 

1499 

3 198 

1907 

I 287 

2745 



Demnach ist in 

keinem Jahre seit 

1903 eine so kräftige 


Zunahme der Verkebrseinnahmen zu verzeichnen gewesen. 

Europäische Fahrplankonferenz. In Triest fand 
am 29. November die erste Hauptversammlung der Europäischen 
Fahrplankonferenz statt. Nach der Begrüssung durch den Vor¬ 
sitzenden Staatsbahndirektor Galambos hielt Prinz Hohenlohe 
eine Ansprache, in der er die Konferenz für eröffnet erklärte. 
Die Versammlung beschloss, die nächste Tagung der Vereinigten 
Fahrplan- und Wagengestellungs - Konferenz im Juni 1912 in 
Amsterdam und die der Europäischen Fahrplankonferenz im 
November 1912 in Hamburg abzuhalten. An der Konferenz 
nehmen Vertreter der Eisenbahnen und der Schiffahrtsunter- 
nehmungeu fast sämtlicher europäischer Staaten, darunter 
Deutschland, Dänemark, Norwegen und Schweden, teil, und 
zwar namens des deutschen Reichseisenbahnamts Geheimer 
Oberbaurat Diesel, vom preassischen Ministerium der öffent¬ 
lichen Arbeiten Geheimer Oberbaurat Breusing und Geheimer 
Baurat Schulz, vom bayerischen Verkehrsministerium Ministerial¬ 
rat Ruckdeschel. 


Schiffahrt. 

Neue Verkehrswege zwischen Europa und Nord¬ 
amerika. In England beschäftigt man sich neuerdings mit der 
Wiedereinrichtung einer Dampferverbindung zwischen Galway 
an der Westküste Irlands und Nordamerika, die vor Jahren 
bereits bestanden hatte, mangelnder Rentabilität wegen jedoch 
aufgehoben werden musste. Dieses Projekt wird hauptsächlich 
auch von Kanada unterstützt Galway eignet sich aus ver¬ 
schiedenen Gründen zum Endhafen für den transatlantischen 
Verkehr. Es besitzt eine gute Rhede sowie die kürzeste und 
direkteste Eisenbahnverbindung mit Dublin. Die Ueberfahrt von 
Galway nach Halifax in Neuschottland würde bei normaler Fahr¬ 
geschwindigkeit nur 3V., Tage, nach der Trepassy-Bai an der 
Südostküste Neufundlands gar nur 2^4 Tage in Anspruch nehmen, 
was im Vergleich zu den von Liverpool ausj:;ehenden Verbin¬ 
dungen eine Streckenersparnis von 965 und 1480 Seemeilen 
bedeutet Bei dieser Gelegenheit haben auch noch andere Häfen 
an der Westküste Irlands erneut den Anspruch erhoben, bei der 
Einrichtung weiterer Verbindungen mit Nordamerika berücksichtigt 
zu werden, und zwar Killery-Bai und Blacksod-Bai. Für Killery- 
Bai käme als Endpunkt auf amerikanischer Seite die Notre 
Dame Bai an der Nordostküste von Neufundland in Betracht, 
Reisende und Post würden von dort mittels Eisenbahn nach 
der Bai of Islands an der Westküste und weiter zu Schiff nach 
Gaspö in der kanadischen Provinz Quebec befördert werden. 
Blacksod-Bai wäre mit Halifax zu verbinden. Die Dauer der 
ganzen Reise von London über Blacksod nach Halifax wird auf 
nicht mehr als vier Tage veranschlagt. 


Automobilwesen. 

Amtsärztliche Untersuchung der Führer von 
Kraftfahrzeugen. Den Anträgen um Zulassung als Führer 
von Kraftfahrzeugen ist bekanntlich ein amtsärztliches Zeugnis 
beizufügen, dass der Antragsteller keine körperlichen Mängel 
hat, die seine Fähigkeit, ein Kraftfahrzeug sicher zu führen, 
beeinträchtigen können. In ärztlichen Kreisen machte sich bald 
der Wunsch geltend, im Interesse einer einheitlichen Ausführung 
dieser ärztlichen Begutachtungen eine Anleitung zu erhalten, 
durch die die ausschlaggebenden Fragen möglichst genau fixiert 
werden, beispielsweise eine Präzisierung der an die Sehkraft zu 
stellenden Anforderungen und dergleichen. Wie in Heft 21 
der Zeitschrift des Mitteleuropäischen Motorwagen- 


Vereins mitgeteilt wird, hat jetzt das Reichsamt des Innern 
dankenswerterweise nach eingehenden Beratungen mit Sachver¬ 
ständigen eine solche Anleitung aufgestellt. Die in diese er¬ 
örterten Punkte sind in ein Schema zusammengefasst, welches 
als Muster für die auszufertigenden Zeugnisse dienen soll. 


Luftschiffahrt. 

Flugsportliche Veranstaltung in Cassel. Re¬ 
ferendar Caspar, ein geborener Casseler, führte auf dem Grossen 
Forst vom 29. November bis 3. Dezember seine beiden Flug¬ 
maschinen, System Taube, unter grosser Anteilnahme der ein¬ 
heimischen und fremden Bevölkerung bei Schauflügen vor. 
Bei genügender Beteiligung beabsichtigt Caspar, in seiner Vater¬ 
stadt eine Fliegerschule einzurichten. 

Reichspostamt und Luftschiffahrt. Ueber die 
Stellung des Reichspostamtes zur Luftschiffahrt wird aus Anlass 
der Aufstellung zweier neuer Modelle von Flugzeugen im 
Reichspostmuseum an unterrichteter Stelle folgendes mitgeteilt: 
Im Reichspostmuseum sind soeben zwei neue Modelle von 
Flugzeugen, nämlich der beiden im Deutschen Rundflug 1911 
siegreichen Apparate des Zweideckers der Albatros-Werke und 
des Etrich-Rumpler-Eindeckers Taube (Bauart Rumpler), auf¬ 
gestellt worden. Damit ist das Museum jetzt im Besitz von 
sechs Modellen moderner Flugzeuge, denn es besass vorher 
bereits Verkleinerungen der Eindecker von Grade, Blöriot, 
Antoinette und des Zweideckers der Gebrüder Wright. Die 
Luftfahrtabteilung des Museums umfasst ausserdem noch ein 
Modell eines Lilienthalschen Gleitfliegers, je ein Modell der 
Luftschiffe von Zeppelin, Parseval und Basenach - Gross und 
eine umfangreiche Sammlung von Kupfer- und Staihlstichen 
und Photographien. Die Reichspost betrachtet die Luftschiffahrt 
schon heute als einen neuen Zweig des Verkehrs. Schon vor 
Jahren, als Luftschiff und Flugzeug noch unverwirklichte Pläne 
waren und als der Kugelballon das einzig wirklich vorhandene 
Luftfahrzeug war, wurde der Grundstock zu der Sammlung 
gelegt, die jetzt bereits als selbständige umfangreiche Abteilung 
den Lichthof des Reichspostmuseums füllt. Ein besonders 
enger Zusammenhang zwischen Reichspost und Luftfahrt ist im 
übrigen dadurch vorhanden, dass, wie Graf Zeppelin selbst 
angibt, seine Arbeit auf dem Gebiete durch die Broschüre: 
„Wellpost und Luftschiffahrt“ von Stephan angeregt wurde. 


Wintersportliche Veranstaltungen. 

Winter im Harz. Die Zeiten sind bekanntlich ver¬ 
änderlich, früher mied man den Harz im Winter, besuchte ihn 
nur zum Genuss der „Sommerfrische“, und bedauerte die armen 
Einwohner, die hier auch bei Schnee und Eis aushalten mussten. 
Heute ist man gegenteiliger Ansicht geworden und in hellen 
Haufen strömen die Grossstädter in den beschneiten Harz. — 
Im allgemeinen sind im Winter keine monatelangen Kuren 
nötig; wie Kriegsjahre doppelt zählen, so wirkt eine Winter¬ 
frische im Harz viel intensiver und nachhaltiger, wie z. B. der 
Landaufenthalt während der heissen Tage des verflossenen 
Sommers. Es genügen im Winter in leichten Fällen drei bis 
fünf Tage, bei schärferen Attacken ein bis zwei Wochen Auf¬ 
enthaltsdauer im winterlichen Harz, den man dann meistens 
mit einem grossen gesundheitlichen Plus beschliesst. Der Harzer 
Verkehrs-Verband verbreitet soeben eine kleine illustrierte Schrift, 
betitelt: ,,Der Harz für Winter-Kuraufenthalt und 
Wintersport“, die wertvolle Ratschläge für die Winterfrische 
erteilt. Das ansprechende Büchlein ist kostenfrei zu beziehen 
von der Geschäftsstelle des Harzer Verkehrs-Verbandes in 
Wernigerode, in Berlin von der Gsellius’schen Buchhandlung, 
Mohrenstrasse 52, und durch die Geschäftsstelle der Zeitschrift 
„Deutschland“ in Düsseldorf. 

Skikurse von Amts wegen. Ausser dem staatlichen 
Skikurse im Oberharz werden auch vom Schwäb. Schnee¬ 
schuhbund Skikurse für Lehrer und Turnlehrer in Baiersbronn 
vom 3. bis 7. Januar abgehalten. Ferner werden solche Kurse 
im Sauerlande für Lehrer der Kreise Meschede, Olpe, Brüon 
und Altena abgehalten. 

Bad Flinsberg im Isergebirge. Die hiesige Winter¬ 
sport-Vereinigung gibt folgende Veranstaltungen bekannt; 
Sonnabend, den 30. Dezember 1911, nachmittags 2 Uhr: Grosses 
Bobsleighrennen, PreisverteUung im Kurhaus; Sonntag, den 
4. Februar bis Sonntag, den ii. Februar 1912: Flinsberger Winter¬ 
sportwoche (Sonderprogramm); Sonntag, den 25. Februar 191a, 
nachmittags 2 V2 Uhr: Schluss-Bobsleighrennen. 

Sch reiberhau im Riesengebirge. Der Wintersport- 
Verein E. V. gibt sein diesjähriges Wintersport-Programm bekannt: 
Mittwoch, 27. Dezember 1911, nachmittags 2^/^ Uhr: Eröffnung 












608 « 09900000000900000000«»^^ DEUTSCHLAND i ^eeeeoocooeecceoeeeeec^^ Nr. 12 


der neuen Hochsteinbahn; Montag, x. Januar 1912, nachmittags 
2 Uhr: EröfTnungs-Bobsleighrennen (Festplat^: Hotel Lindenhof); 
Sonntag, 28. Januar 1912, nachmittags 2 Uhr: Ausscheidungs- 
Bobsleighrennen (Festplatz: Hotel Lindenhof); 3.—ii. Februar 1912: 
XIII. Wintersportfest; Sonnabend, 3. und Sonntag, 4. Februar 1912: 
Verbandsfest des Schlesischen Ski-Verbandes; Donnerstag, 

8. Februar 1912, nachmittags a Uhr: Haupt-Bobsleighrennen 
(Festplatz: Am Hotel Lindenhof); Sonntag, ii. Februar 1912, 
nachmittags 2 Uhr: Wettrodeln um die Meisterschaft von 
Schreiberhau (Festplatz: Unterhalb des Zackelfallberges). Vom 
30. Januar 1911 bis 18. Februar 1912 wird auch die erste allge¬ 
meine Wintersport-Ausstellung im Riesengebirge stattfinden und 
veranstaltet diese der Wintersport-Verein E. V. in Schreiberhau. 

Triberg im Schwarzwald. Aus den Wintersport¬ 
veranstaltungen des Wintersportklub Triberg und des 
Bobsleighklub Schwarzwald (Bobbahn Triberg) entnehmen wir 
folgendes: 26. Dezember 1911 bis 6. Januar 1912: Zwei Skikurse; 
7. Januar 1912: Skiwettlauf und Sprunglauf auf dem hohen 
Schwarzwald der vereinigten Ortsgruppen des S. C. S. Triberg- 
Furlwangen-Schönwald-Schonach in Schonach; 31. Dezember 1911: 
Eröffnungsrennen des Bobsleighklubs Schwarzwald auf der neu¬ 
erbauten Kunst-Bobbahn in Triberg; 21. Januar 1912: Bobsleigh¬ 
rennen um den „Pokal von Triberg“; ii, Februar 1912: Inter¬ 
nationales Bobsleighrennen um den „Ehrenpreis Seiner Hoheit 
des Prinzen von Sachsen-Weimar, Herzog zu Sachsen“ und um 
den „Pokal vom Schwarzwald“; 4. Februar 1912: Austrag der 
Rodelmeisterschaft von Baden auf der Hofwald-Rodclbahn in 
Triberg; 18. Februar 1912 (Fastnachtsonntag); Kostümierter Rodel¬ 
korso, abends Ball (Tiroler Volksfest). 

Deutscher Bobsleighverband und Sauerländischer 
Bobsleighklub. 

In der in Berlin abgehaltenen Versammlung zwecks Grün¬ 
dung eines Deutschen Bobsleighverbandes hatte auch der Sauer- 
ländische Bobsleighklub in Winterberg seine Zustimmung zu 
der Begründung eines D. B. V. gegeben. Da der Klub zu den 
mitgliederreichsten gehört, ist weiter zu hoffen, dass eine der 
nächstjährigen Verbandsmeisterschaften oder das Deutsche Bob- 
Derby im Sauerlande zum Austrage kommen wird. Da im 
Jahre 1913 wahrscheinlich die Deutsche Ski - Meisterschaft im 
Sauerlande (Winterberg) zum Austrag kommt, wäre es empfehlens¬ 
wert. die Verbandsmeisterschaft des D. B. V. und das grosse 
Deutsche Bob-Derby vielleicht 1914 in Winterberg auszufahren. 

Neuer westfälischer Wintersportplatz. In Rams- 
beck i. W. hat sich ein Wintersportverein begründet, der bei 
der Bahnstation Bestwig, auf dem Berlarer Hochplateau, am 
Nordabhange des Bastenberges ein Skifeld und eine Rodelbahn 
anlegen will. 

Winterberg in Westfalen. Der Sauerländische Bobs¬ 
leighklub für Rheinland, Hessen und Westfalen, e. V., veranstaltet 
in dieser Saison folgende Winterfeste: 7. Januar: Festliche 
Einweihung der Klubhütte, grosses Bobsleigh-Eröffnungsrennen; 
14. Januar: Jugend - Rodlen (für Personen unter 18 Jahren); 
28. Januar: Internationales Bobsleighrennen und grosses 
Einsitzer-Rodelrennen um die Meisterschaften von Rheinland, 
Hessen und Westfalen (Ehrenpreise, gestiftet von dem Protektor 
Sr. Durchlaucht Fürst Richard zu Sayn-Wittgenstein-Bcrleburg); 
4. Februar: Internationales Bobsleighrennen um den Damen¬ 
preis; II. Februar: Grosse internationale Rodel - Konkurrenz 
a) Einsitzer, b) Zweisitzer, c) Lenkrodel (Zwei- und Dreisitzer); 
18. Februar: Grosses Bobsleighrennen um den Wanderpreis der 
Stadt Winterberg; 4. März: Abschiedsrennen für Bobsleigh. 
(Verteilung des Pokals an denjenigen Bobführer, der in der 
Wintersaison 1911/12 die beste Zeit auf der Bahn gemacht hat; 
sämtliche Klubführer kommen hierfür in Betracht und werden 
alle unter Kontrolle des Vereins gemachten Abfahrten gewertet.) 
Genaue Rennprogramme sowie Rennordnungen werden auch 
an Nichtmitglieder (gegen Einsendung von 20 Pfg. in Marken) 
vom Schriftführer Walter Dicke (Barmen, Wertherstr. 31) gesandt. 

Bayern. 

Im Dezember 1911: In Partenkirchen Skikurs für Ausbildung 
von Kursleitern; 25. Dezember bis i. Januar: Kurs für An¬ 
fänger und Vorgeschrittene (beide veranstaltet vom Ski- und 
Rodelklub Partenkirchen). 

An den Weihnachtsfeiertagen 1911: Ski-Lehr- und Uebungskurse, 
veranstaltet von der Schneeschuhriege des Männer-Turn¬ 
vereins München; Ende Februar oder Anfang März 1911: 
Riegen-Wettkämpfe desselben Vereins. 

25. Dezember 1911 bis i. Januar 1912: In Berchtesgaden Ski¬ 
kurse, veranstaltet vom Deutschen Touring-Klub (München). 
3.-5. Januar 1912: In Oberaudorf Rodelkurs; 7. Januar 1912: 
Meisterschaftsrodeln für Bayern vom Brünstein bei Oberaudorf. 


14.—21. Januar 1912: In Oberammergau Vierter Alpiner-Ski- 
kurs, veranstaltet vom Alpiner Ski-Klub (München). 

24. Januar 1912 und folgende Tage: In M U n ch e n Internationaler 
Ski-Kongress. 

26. —28. Januar 1912: In Immenstadt Hauptverbands-Wettlauf 
des Deutschen Ski-Verbandes, Konkurrenz um die Meister¬ 
schaft von Deutschland im Skilauf; 21.—26. Januar 1912: 
Touren woche der Skisportabteilung des Münchener Sportklubs. 

31. Januar 1912: In Oberstdorf i. Algäu Städtewettkampf im 
Skisprung. 

1911/1912: Ski-Wettläufe der Vereinigten Münchener Sld-Verjsine, 


Wintersport - Sonderzüge. Seit Sonnabend, den 

9. bezw. Sonntag, den 10. Dezember ds. Js. ab werden bis auf 
weiteres an Sonnabenden und Sonntagen, an denen die Witte¬ 
rungs- und Schneeverhältnisse in Winterberg, Fredeburg 
usw. für die Ausübung des Wintersports günstig sind, Verwal¬ 
tungssonderzüge III. Klasse zu ermässig^em Preise nach und 
von Winterberg und Fredeburg-Schmallenberg gefahren. Die 
Sonderzüge gemäss Fahrplan A verkehren bei sehr guten Schnee- 
und Witte rungsVerhältnissen in Winterberg, Fredeburg pp. und 
bei sportlichen Veranstaltungen von besonderer Bedeutung 
und die Sonderzüge gemäss Fahrplan B bei mittelmässigen 
Schnee- und günstigen Wetterverhältnissen in Winterberg, 
Fredeburg usw. Nach welchem Fahrplan (A oder B) gegebenen¬ 
falls Sonderzüge verkehren, wird stets Freitag-Vormittag durch 
Aushang auf den Stationen und durch Mitteilung an die Orts¬ 
gruppen der Ski- und Bobsleigh-Klubs, an die Orts-Ve/eine des 
Sauerländischen Gebirgs-Vereins sowie an die Zeitungen bekannt 
gegeben. Zu den Sonderzügen werden Sonderzug-Fahr- 
karten III. Klasse zu ermässigtem Preise (etwa 40®/o Er- 
mässigung gegenüber dem gewöhnlichen Fahrpreis) nach imd 
von den Zielstationen Winterberg, Steinhelle, Siedlinghausen, 
Silbach, Fredeburg, Gleidorf, Schmallenberg ausgegeben sowie 
auch Sonderzug-Fahrkarten zur wahlweisen Benutzung entweder 
Hinfahrt nach Winterberg und Rückfahrt von Schmallenberg, 
Gleidorf, Fredeburg oder Hinfahrt nach Fredeburg, Gleidorf, 
Schmallenberg und Rückfahrt von Winterberg. Die Lösung der 
Fahrkarten kann, wie im letzten Winter, zu den Sonntagszügen 
bereits Sonnabends erfolgen. 


Wintersportplätze in Deutschland. 

Druckschriften über Wiiilersportplälzc sind, so weit der Vorrat reichti 
durch die Auskunftslelle der Zeitschrift „Deutschland“ zu beziehen» 
deren Inseratenteil eine Heihe von Ankündij^ungen über Winter¬ 
sport enthält und deshalb als zuverlässiger Führer durch die Winler- 
sportplätze gelten kann* 

Bayrisches Hochland. 

MARQUARTSTEIN: Skikurs, 


ASCH AU b. Prien: Rodelrennen, 
Skikurs am 24. und 25. De¬ 
zember und 8. Januar. 

BAD KOHLGRUB: Ski-Wett¬ 
läufe, Rodelrennen, Bobsleigh¬ 
rennen. 

BAD REICHENHALL: Rodel 
rennen und Skikurse. 

BAD TÖLZ: Skikurs und 

Rodelrennen im Januar 1912. 

BAYRISCHZELL: Skiwettläufe 
1911/1912 der Ver. Münchener 
Ski-Vereine am Sudelfeld am 
21. Januar. 

BERCHTESGADEN: Ski- und 
Rodelrennnen im Januar und 
Februar; Skikurs, 25. Dezem¬ 
ber 1911 bis I. Januar 1912. 

DIESSEN a. Ammersee: Preis¬ 
rodeln. 

GARMISCH und PARTEN¬ 
KIRCHEN: Skikurse vom 

IO.— 20. Dezember, 25. Dezbr. 
bis I. Januar und 2.—5. Ja¬ 
nuar 1912. Ski-Wettläufe. 

KINDELANG: Preisrodeln und 
Skikurse im Januar. 

IMMENSTADT: Skikurs vom 
23. bis 26. Dezember, Haupt¬ 
verbands-Wettlauf des Deut¬ 
schen Ski-Verbandes vom 26. 
bis 28. Januar 1912. 

KEMTEN: Eisfeste und in¬ 
terne Wettläufe und Skikurso. 

KIEFERSFELDEN: 2 Preisro¬ 
deln und 2 Preis-Eisschiessen. 


Tallingfahrten. 

MITTELBERG bei Oy, 1036 m. 

MITTENWALD, 920 m 

MURNAU: Winterfest an den 
Weihnachtstagen. 

NESSELWANG: Allgemeiner 
Verbandswettlauf Anfang Fe¬ 
bruar 1912. 

OB ER AMMERGAU: Alpiner 

Skikurs am 14. und 27. Jan. 1912. 

OBERAUDORF: Meisterschafts¬ 
rodeln für Bayern vom BrÜnn- 
stein am 7. Januar 1911, Preis- 
Rodeln vom Hocheck am 
21. Januar; Skikurs am 29. 
Januar und 4. Februar 1912. 

OBERSTDORF: Städte-Wett¬ 
kampf im Skisprung am 31. Ja¬ 
nuar 1912; Ski-Wettläufe und 
Skikurs vom 26. Dezember 1912 
bis I. Jan. 1912; Rodelrennen. 

PEISSENBERG: Preisrodeln im 
Januar und Februar. 

SCHLIERSEE: Skikurse vom 
26.—31. Dezember 1911 und 
6.—14. Januar 1912; 3.—xo. 

März Tourenkurs. Auf der 
R o t w a n d: Skikurs am X4. 
bis 21. Dezember X9U. Ski- 
Wettläufe, Eisfeste. 

SONTHOFEN: Skikurs, Ski¬ 

wettläufe, Rodelrennen und 
Eisfeste. 

TEGERNSEE: Skikurse. 

TRAUNSTEIN: Skikurs. 




-rr ! rn[:' 


\ 


k 

i 

R 

f- 

I ~ 




Nr. 12 I 


90® DEUTSCHLAND Ig^ ee606006€)06e6 0 0^^88 88^^ ^ e8 € g 609 


Schwarzwald. 


Eifel. 


BADEN-BADEN, 200 m. 
BADENWEILER, 450 m. 
DONAUESCHINGEN,7oo/8oom 
FELDBERG, 1494,7 
FREIBURG i. B., 298 m. 
FURTWANGEN, 870 - 1150 m. 


HORNBERG, 370 m. 
KARLSRUHE i. Baden. 
MENZENSCHWAND, 884 m. 
NEUSTADT i. Schw., 830 m. 
ST. BLASIEN i. Schw., 800 m. 
SCHLUCHSEE, 952 m. 


HEIDELBERG. 

HERRENALB (Gaistal), 400 bis 
650 m. 

HÖHENSCHWAND, 1015 m. 


SCHÖNWALD. 

TODTMOOS, 841 m. 
TODTNAU. 

TRIBERG i. Schw., 700—looo m. 


ADENAU (Hohe Acht, 746 m; 

Nürburg, 678 m). 
BLUMENTHAL, 380 m. 
CALL, 376 m. 
DAUBENSCHEID, 615 m. 
DAUN, 400 m. 

GEMÜND, 338 m. 

HEIMBACH, 220 m. 
HELLENTHAL, 400 m. 
HOLLERATH, 612 m. 


HOHES VENN, 692 m. 
MONTJOIE, 500 m. 
MÜNSTEREIFEL, 350 m. 
PAUSTENBACH, 540 m. 
REIFFERSCHEID (Kreis 
Schladen), 435 m. 
RESCHEID, 630 m. 
SCHNEIFEL, 670 m. 
SCHÜLLER, 557 m. 
VOSSENACK, 400 m. 


Schwaben. 


BAD RIPPOLDSAU. 

BURG LICHTENSTEIN. 
FREUDENSTADT. 

ISNY. 

KALTE FELD bei Stuttgart. 


KNIEBIS und RUHSTEIN, 
MÜNSINGEN. 
REUTLINGEN. 
SCHWARZEN GRAT. 
WILDBAD. 


Harz. 


ALEXISBAD, 325 m. 

ST. ANDREASBERG, 570 bis 
650 m. 

BAD HARZBURG, 300 m. 
BAD LAUTERBERG, 300 m. 
BAD SACHSA, 325 m. 
BALLENSTEDT, 220 — 260 m. 
BLANKENBURG, 200 - 337 m. 
BLEICHERODE, 280—315 m. 
BRAUNLAGE, 600 — 650 m. 
BROCKEN, 1142 m. 
CLAUSTHAL-ZELLERFELD, 
534—605 m. 

DREIANNEN-HOHNE, 542 m. 
ELBINGERODE, 442 m. 
ELEND, 520 ro. 


GERNRODE, 230 m. 
GOSLAR, 280 m. 
HAHNENKLEE¬ 
BOCKSWIESE, 560 m. 
HARZGERODE, 400' m. 
HOHEGEISS, 642 m. 
MÄGDESPRUNG, 292 m. 
QUEDLINBURG, 125 m. 
RÜBELAND, 378 m. 
SCHIERKE, 650 m. 
STÖBERHAI, 719 m. 
STOLBERG, 330 m. 
SUDERODE, 189 m. 

THALE, 225 m. 

TORFHAUS. 811 m. 
WERNIGERODE, 235-517 m. 


Thüringen. 


BROTTERODE am Inselberg, 
560 — 620 m. 

FRIEDRICHRODA, 450—700 m. 
GEHLBERG, 734 — 750 m. 
GEORGENTHAL, 387—450 ro. 
GROSS-TABARZ, 380—408 m. 
ILMENAU, 500-862 m. 
LAUSCHA (S.-M.), 550—700 m. 
MANEBACH, 550 — 861 m. 


MASSERBERG bei Oelze (Stat 
Katzhütte), 830 m. 
NEUHAUS am Rennweg, 830 m. 
OBERHOF, 825 m. 

RUHLA, 400—500 m. 
SONNEBERG, 385 — 638 ro. 
SUHL, 430 — 690 m, 
SCHMIEDEFELD, 720—800 m. 


Königreich Sachsen bezw. Sächs. Erzgebirge. 


ALTENBERG i. Erzg, 750 m. 
ANNABERG i. Erzg., 600 bis 
832 m. 

AUE i. Erzg., 349 m. 
AUGUSTUSBURG i. E., 505 m. 
BAD ELSTER, 491 m. 

BAD GOTTLEUBA (Sächs. 

Schweiz), 338 m. 
BÄRENFELS, 700 m. 
BREITENBRUNN, 700 m. 
BRUNNDÖBRA i. V., 600 bis 
900 m. 

BUCHHOLZ, 694 m. 
CARLSFELD i. Erzg., 830 m. 
CHEMNITZ, 308 m. 
EIBENBOCK, 620—700 m. 
FRAUENSTEIN i.Erzg., 662 m. 
GEISING i, Erzg., 600 m. 

Riesen- und 

AGNETENDORF i. R., 550 m. 
BAD FLINSBERG i. Schlesien, 
524-970 m. 

BRÜCKENBERG i. Riesengeb., 
705—1252 m. 

HAIN i. Riesengeb., 630 m. 
HERMSDORF-KYNAST i. R., 

350—450 m- 


JOHANNGEORGENSTADT im 
Erzg., 750—900 m. 

KIPSDORF, 594 m. 

KLINGENTHAL, 555 m; Kame¬ 
runberg, 720 m. 

KÖNIGSTEIN a. d. Elbe. 

OBERWIESENTHAL (Sport¬ 
zentrum), 913—1245 m. 

OYBIN MIT HAIN, 400-600 m. 

REITZENHAIN, 778 m. 

SEBNITZ i. S., 520 m. 

SCHÖNECK, 768 m. 

UNTERWIESENTHAL i.Erzg., 
868—1215 m. 

ZITTAU i. S., 244 m. 

ZÖBLITZ i. Erzg., 600 m. 

ZWÖNITZ i. Erzgeb., 520 m 
(Ziegenberg, 651 m). 

Isergebirge. 

HIRSCHBERG i. Schl. 

KRUMMHÜBEL i. Riesengeb., 
650—680 m. 

SCHMIEDEBERG i. Riesengeb., 
440—700 m. 

SCHREIBERHAU i. Riesengeb., 
450—900 m. 

WARMBRUNN. 


Sauerland. 

BRILON. RAMSBECK. 

FREDEBURG. SCHMALLENBERG. 

LÜDENSCHEID. WILLINGEN. 

LÜTZEL bei Hilchenbach. WINTERBERG, 842 m. 


Hessen-Cassel. 

WILHELMSHÖHE, 550 m. MEISSNER, 753 m. 


Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

Kölner Blumenspiele 1912. Die Literarische Gesell¬ 
schaft in Köln ladet die deutschen Dichter und Dichterinnen 
ein, sich an dem am 5. Mai 1912 in Köln stattfindenden poetischen 
Turnier zu beteiligen. Die Einsendungen sind bis zum 
15. Januar 1912 an das Sekretariat der Kölner Blumenspiele in 
Köln, Alto Wallgasse Nr. 14, zu richten. 

Dezember bis 10. Januar; In Köln Ausstellung der Entwürfe für 
das Bismarck-National-Denkmal am Rhein. 

1912: In Oberhausen Westdeutsche Gewerbe- und Industrie- 
Ausstellung. 

I. Januar 1912: In R o m Internationale Ausstellung für soziale 
Hygiene. 

Januar 1912; In Danzig Neuere Gemälde, Studien und Radie¬ 
rungen von Professor Fritz A. Pfuhle, Arthur Bendrat und 
Berthold Hellingralh. 

Februar 1912: In D a n z i g Graphische Arbeiten moderner Künstler. 
März 1912; Handwebereien, verbunden mit Vorführungen der 
Technik. 

Juli 1912: In Düsseldorf Städtebau-Ausstellung im Kunstpalast. 


Bäder und Sommerfrischen. 

Bad Salzbrunn in Schlesien erfreute sich während der 
verflossenen Saison des stärksten Besuches seit seinem Bestehen. 
Am 15. September konnte zum erstenmal der 10000. Kurgast 
registriert werden. Der Gesamtbesuch der Saison betrug 19326 
Personen, darunter 10066 wirkliche Kurgäste mit Begleitung; 
ausserdem wurden über 70000 Tagesbesucher gezählt. Neben 
der Heilkraft der Quellen und der Güte seiner Kureinrichtungen, 
die technisch und hygienisch das neueste und beste bieten, ist 
der Aufschwung des Bades der zielbewussten, rastlosen Arbeit 
zu verdanken, die innerhalb der kurzen Spanne Zeit von 
wenigen Jahren aus dem guten, alten Kurbade das moderne 
Salzbrunn schuf. Der prächtige Bau des Grand Hotels krönt 
die lange Reihe der umwälzenden Arbeiten, in deren Würdigung 
dem Bade soeben der Grosse Preis der Dresdener Hygiene- 
Ausstellung verliehen worden ist. 

Bad Pyrmont. Der Fürstlich Waldeckschen Brunnen¬ 
direktion des Bades Pyrmont wurde vom Preisgericht der 
Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 der grosse 
Preis der Ausstellung zuerkannt. Diese wertvolle Auszeichnung 
dürfte einen vollgültigen Beweis dafür erbringen, welch aus¬ 
gezeichneter Anerkennung sich die schätzenswerten Indikationen 
des bekannten Bades erfreuen. Die Fürstliche Verwaltung bietet 
Hand in Hand mit den massgebenden Behörden und Ein¬ 
wohnern der Stadt alles auf, um durch Verbesserung und 
Vergrösserung ihrer Kur - Einrichtungen, durch Ausbau der 
hygienischen Verhältnisse und durch Verschönerung des ge¬ 
samten Badebildes Bad Pyrmont in die erste Reihe unserer 
deutschen Bäder zu rücken. Es darf hier noch erwähnt werden, 
dass der Besuch des Bades Pyrmont trotz der grossen Hitze 
dieses Jahres und trotz des grossen Brandes der Fürstlichen 
Kurgebäude vom i. August hinter dem vergangenen Jahre 
kaum zurücksteht. 

Bernburg, eine Stadt von nahezu 34000 Einwohnern, 
liegt reizvoll an den bewaldeten Bergufern der Saale und ist 
mit allem Komfort und hygienischen Einrichtungen grösserer 
Städte ausgestattet. Das 1902 errichtete Kur- und Badehaus 
liegt inmitten des städtischen Parkes. Das Bad ist während 
des ganzen Jahres geöffnet; im Winter ermässigte 
Preise. Kurmittel; Es werden verabreicht Solbäder in jeder 
beliebigen Stärke, Moorbäder (echtes Schmiedeberger Moor), 
Kohlensäure-, Fichtennadel-, elektrische Licht- und sonstige 
medizinische Bäder; Inhalatorium, Massage, Heissluftbäder und 
Dampfduschen. Heilanzeigen: Katarrhe der Atmungsorgane, 
Muskelrheumatismus, Gicht, Skrofulöse, Blutarmut, Nerven- und 
Hautkrankheiten, chronische Frauenleiden, chronischer Gelenk¬ 
rheumatismus, Herzkrankheiten. 




610 g B^8 00 Q QQQQGgxaQQQQQ88e8Q3Qaai DEUTSCHLAND iB eeeeeceeeeeeeeecxKwooccc ai Nr. 12 


Ausstellungen. 

Eine Jubiläums-Kunstausstellung! Durch Ber¬ 
liner Blätter geht die Kunde, massgebende Kreise beschäftig^ten 
sich mit dem Plan, zu dem im Jahre 1913 stattßndenden 
25 jährigen Regierungs Jubiläum des Kaisers eine 
allgemeine grosse Kunstausstellung zu veranstalten. Dass der 
Kaiser diesem Plan wohlwollend gegenUbersteht, darf wohl als 
selbstverständliche Voraussetzung solcher Erwägungen betrachtet 
werden; in der Tat hat ji Wilhelm II. stets ein sehr reges 
Interesse für die Kunst bewiesen. Dass diese Teilnahme nicht 
nur einem Gebot fürstlicher Mäcenaspflichten, sondern innerster 
Neigung entspringt, geht schon daraus hervor, dass er durch¬ 
aus nicht zu allem, was man ihm zeigte, nach Serenissimus-Art 
gnädig mit dem Kopf nickte, vielmehr sehr frei und nachdrück¬ 
lich Kritik Übte. Wenn seine Auffassung manchmal einseitig 
und von Vorurteilen getrübt ist, so hat sie doch in unserer 
Zeit des aufgeblähten, verlogenen und snobistischen Kunstge¬ 
schwätzes den grossen Vorzug, dass sie durchaus ehrlich gemeint 
ist. Wie die Köln. Zeitung schreibt, würde die geplante Aus¬ 
stellung sich ein über ihren nächsten Bereich hinausgehendes 
Verdienst erwerben, wenn es ihr gelänge, die getrennten Heer¬ 
haufen der deutschen Kunst unter einen Hut zu bringen, nicht 
in dem Sinne, dass der zu einer gedeihlichen Entwicklung not¬ 
wendige Zwiespalt künstlerischer Ansichten behoben würde, 
sondern, dass sich die Organisationen zu praktischen Zwecken, 
wie Vertretung der Standes-Interessen, Ausstellungen, die Hand 
reichten. Weitere Schwierigkeiten bereitet die Platzfrage. 
Das grosse Ausstellungsgebäude in Moabit krankt an vielen 
Fehlern; jedes Jahr werden an Reparaturen und Umbauten 
viele Tausende ausgegeben, ohne dass etwas Rechtes dabei 
herauskäme. Der Gedanke, ein neues, der Reichshauptstadt 
würdiges Ausstellungsgebäude zu schaffen, schwebt schon lange 
in der Luft, wenn auch das Schicksal der Ausstellungshallen 
am Zoologischen Garten beweist, dass Berlin nicht alle Welt¬ 
stadt-Hoffnungen kühner Unternehmer rechtfertigt. Nach einer 
Mitteilung des Lokalanzeigers hat Geheimrat Heinrich Kays er 
schon Skizzen für einen Neubau entworfen. Er soll einen noch 
grösseren Flächenraum beanspruchen, als die bisherige Halle, 
indem er beinah bis .an die Strasse Alt-Moabit vorrückt, und 
würde nicht, wie der jetzige Glaspalast, nur im Sommer benutz¬ 
bar, sondern ein massiver, heizbarer Raum sein, so dass auch 
im Winter Ausstellungen stattnnden könnten. In der Künstler¬ 
schaft sowohl wie im Publikum erheben sich schon Stimmen 
gegen die Wahl des Platzes. Wenn einmal ein neuer Bau 
errichtet werden solle, so wäre es verfehlt, an dem Ausstellungs¬ 
gelände in Moabit festzuhalten. In der Tat liegt das jetzige 
Gebäude ausserhalb desjenigen Verkehrs, der für seine Zwecke 
in Betracht kommt, und die Umgebung kann nicht dazu ver¬ 
locken, hier einen Bau hinzusetzen, der die deutsche Kunst 
würdig vertreten soll. Auch der schönste Palast wüide nicht 
zur vollen Wirkung gelangen. Finanzielle Erwägungen sprechen 
freilich für Moabit, weil das dortige, einen Wert von etwa zwölf 
Millionen Mark darstellende Gelände kostenlos zur Verfügung 
stehen dürfte. Sollte es zu einem endgültigen Be.schluss kommen, 
so wird vermutlich ein grosser allgemeiner V/ettbewerb zur 
Erlangung von Plänen ausgeschrieben werden. 

Die Ausstellung: „Die Frau in Haus und Beruf“ 
und der deutsche Frauenkongress in Berlin 1912. 
Der deutsche Lyzeumklub hat die Vorbereitungen za einer Aus¬ 
stellung getroffen, die dem grossen Publikum ein eindrucksvolles 
Bild der augenblicklichen Lage der Frauenarbeit bieten soll. 
Am 24, Februar 1912 wird sie in Berlin in den Ausstellungs¬ 
hallen des Zoologischen Gartens eröffnet worden und vier 
Wochen hindurch zugänglich sein. Alles, was die Frau im 
Hause und im Berufe geleistet hat, wird ausgestellt sein. Die 
Kaiserin hat das Protektorat Uber die Ausstellung übernommen. 
Gleichzeitig wird auch der vom Bunde deutscher Frauenvereine 
veranstaltete deutsche Frauenkongress in Berlin eröffnet werden; 
den Teilnehmerinnen wird freie Zeit zur Besichtigung der Aus¬ 
stellung gelassen, vom 27. Februar bis zum 2. März. Dann 
setzen die Tagungen des Kongresses ein. Die Vorsitzende des 
Bundes, Fräulein Dr. Gertrud Bäumer, bürgt in ihrer Person 
für ein Gelingen des Kongresses. Alle Richtungen der Frauen¬ 
bewegung werden gleichmässig vertreten sein, alle Ansichten 
dürfen ausgesprochen werden, so dass sich ein machtvolles Bild 
der deutschen Frauenbewegung und aller Frauenbestrebungen 
überhaupt entrollen wird. An alle grossen nationalen Organi¬ 
sationen, die ^entweder aus Frauen bestehen oder Frauen¬ 
interessen vertreten, ist die Bitte um Beteiligung ergangen. 

Internationale Ausstellung für graphische Ge¬ 
werbe und Ph'otographie, Leipzig. Unter dem Vorsitz 
von Dr. Ludwig^Volkmar und im Beisein des Vertreters der 
Staatsregierung Kreishauptmann v. Burgsdorff, Geheimrats 
Albert (Berlin) und Oberbürgermeisters D i 11 r i ch versammelten 


sich am 2. Dezember in der Gutenberghalle des Deutschen Buch¬ 
gewerbehauses die Vertreter aller Zweige des Buchgewerbee» 
der graphischen Künste und der photographischen Künste. Die 
Versammlung stimmte vollinhaltlich auf Grund des ihnen vor¬ 
gelegten Programms der Ausführung der internationalen Aus¬ 
stellung für graphische Gewerbe und Photographie im Jahre 19x4 su. 
— Wie jetzt bekannt wird, soll auch München bereits seit 
längerer Zeit den Plan gefasst haben, für 1914 oder 1915 eine 
internationale graphische Ausstellung zu veranstalten. 

Württembergische Kunstausstellung in Stutt¬ 
gart. Eine vom Kultusminister einberufene Versammlung hat 
vorbereitende Schritte für die Veranstaltung einer württem- 
bergischen Kunstausstellung beschlossen. Zu der Ausstellung 
werden die bildenden Künste, Malerei und Bildhauerei, nicht 
aber die Architektur und das Kunstgewerbe, zugelassen. Sie 
wird im wesentlichen einen deutschen Charakter tragen mit einem 
internationalen Einschlag. Die Mittel werden so reichlich be¬ 
messen sein, dass für den Ankauf von Werken etwa 200 000 Mark 
zur Verfügung stehen. 

Den deutschen Ausstellungen in Turin und 
andern Orten stellt die neue Züricher Zeitung folgendes Zeug¬ 
nis aus: „Deutschland — dass muss ihm der Neid lassen — 
hat mit seinen Abteilungen an den grossen Ausstellungen der 
letzten zwei Jahrzehnte tiefsten Eindruck gemacht. Und die Vor¬ 
führung seiner schweren Industrie im Jahre 190a in Düsseldorf 
war zum Staunen. Annähernd ähnliches zeigt Turin auf diesem 
Gebiete nicht. Wenn Deutschland nicht so wenig beliebt 
wäre, woran hauptsächlich die Bewunderung schuld ist, die es 
abzwingt, so müsste eine Weltausstellung in Berlin ein noch 
nie dagewesener Anblick werden. Aber bis dahin wird es leider 
noch gute Weile haben. In Turin kann England von Deutsch¬ 
land jedenfalls wieder lernen, wie ausgestellt werden sollte. 
Wohl hat auch jenes Anordnungen, an denen in dieser Hinsicht 
nichts zu bemängeln ist; aber in anderen Teilen kommt Schön¬ 
stes und Vollkommenstes nicht zur Geltung, weil es entschieden 
verkehrt präsentiert wird. Vielfach wird erörtert, wer von bsiden, 
Frankreich oder Deutschland, in Turin schöner ausgestellt habe. 
Nach meinem Dafürhalten gehört der Preis Deutschland, obschon 
es räumlich hint.^r seinen Leistungen in Brüssel und Paris 
zurückgeht, weil es vermutlich nachgerade auch ausstellungs- 
müde wird. Aber seine Abteilung in Turin (es ist nur von der 
eigentlichen Industrieausstellung auf dem rechten Ufer des Po 
die Rede) ist würdevoll, gibt willkommene Ruhepunkte, lässt 
breite Gänge frei, hat Hallen mit einfachen, modernen Aus¬ 
schmückungen und ist oben in den Höhen von 6 bis 10 Metern 
hell überspannt. Verglichen damit, erscheint die französische 
Ausstellung, abgesehen vom politischen Anhängsel, meist recht 
unübersichtlich und unruhig. Sie zieht sozusagen nirgends 
mit Macht an. 

Die Internationale Kunstgewerbliche Aus¬ 
stellung Paris 1915 nicht verschoben! Jüngst wurde 
die Nachricht verbreitet, die iür 1915 in Paris geplante grosse 
„Internationale Kunst ge werbliche Ausstellung“ 
solle aut das Jahr 1920 verschoben werden, weil die 
französischen Künstler und Kunstgewerbler angeblich die ernste 
Befürchtung ausge-aprochen hätten, das französische Kunstge- 
werbe werde iin Jahre 1915 die getährliche Ko*ikurrenz des aus¬ 
ländischen, besonders des dcutr>chen Kunstgewerbss noch nicht 
ei folg! eich bestehen können. Wie die ,,Ständige Au '»Stellungs¬ 
kommission tür die deutsche Industrie“ demgegenüber erfährt, 
ist in der Abteilung für Ausstellungen des französischen Handels¬ 
ministeriums von einer solchen Verlegung nichts 
bekannt. 

Deutschland und das Ausland. 

Eine deutsche wisse'nschaftliche Station in 
Spitzbergen. Durch die Unterstützung des Kaisers, der 
arktischen Zeppelin-Expedition, des Grafen Zeppelin und anderer 
Förderer der Wissenschaft ist es nunmehr, wie die Norddeutsche 
Allgemeine Zeitung in einem längeren Artikel berichtet, gelungen, 
eine deutsche wissenschaftliche Station in Spitzbergen, und zwar 
an der Adventbai, einzurichien. Den wissenschaftlichen Betrieb 
dieser Station, die unter der Oberleitung von Prof. Hergesell 
steht, leiten Dr. Rempp, Erster Assistent an der meteorologischen 
Landesanstalt von Elsass-Lothringen, und Dr. Wagner, Assistent 
an der meteorologischen Zentralanstalt in Wien. Die beiden 
letztgenannten Stationslciter sind bereits seit Mitte Juli in Spitz¬ 
bergen anwesend. Die Anstalt soll sowohl aerologische Unter¬ 
suchungen wie geophysikalische Studien treiben. Das ganze 
Unternehmen ist unter dem Schutz der Reichsregierung gestellt, 
und der Kaiser, der auch finanzielle Beiträge gespendet hat, 
wird sich fortlaufend Bericht über die Tätigkeit der Station 
erstatten lassen. Der Betrieb der Station ist zunächst auf ein 
Jahr geplant, doch ist zu hoffen, dass bei günstigen Erfolgen 
die wissenschaftliche Tätigkeit noch länger andauem wird* 




Nr. 12 


DEUTSCHLAND 


611 


Eine Jung-Deutschland-Spende. 

Vor einiger Zeit berichteten die Mitteilungen des 
Vereins für das Deutschtum im Ausland, dass die 
Abiturienten des österreichischen Klostergymnasiums Krems¬ 
münster bei ihrem Abgang von der Schule einen Baustein zu 
der Roseggerspende dargebracht hätten. Diese Nachricht hat 
in reichsdeutschen Schülerherzen ein Echo gefunden. Die Prima 
des Gymnasiums zu Ludwigslust in Mecklenburg hat sich soeben 
mit folgendem Aufruf an alle höheren Lehranstalten Deutschlands 
gewandt, der in erhebender Weise zeigt, dass unsere deutsche 
Jugend das Herz auf dem rechten Fleck hat und^die grossen 
nationalen Aufgaben, die unserer Zeit gestellt sind, mit reifem 
Ernst und opferfreudiger Begeisterung erfasst hat. 

Deutsche Brüder! 

ln ernster Zeit wenden wir uns an Euch! 

Wie wir hier, so werdet auch Ihr Alle mit brennendem 
Herzen geharrt haben, ob die schicksalsschweren Entwicklungen 
der letzten Monde unserem geliebten Deutschen Reich das Schwert 
in die Hand drücken würden, um sein gutes Recht gegen fremde 
Anmassung und Willkür zu behaupten. Wir, die deutsche 
Jungmannschaft, sind allzeit freudig bereit, unsere Kraft und 
unser Leben einzusetzen, wenn das Vaterland ruft. Das Be¬ 
wusstsein muss in diesen Tagen besonders stark in uns lebendig 
geworden sein. Wir haben zurückgedacht an die grossen Zeiten, 
da uns mit Blut und Eisen die Kaiserkrone geschmiedet wurde 
auf siegreich behaupteten Schlachtfeldern, und haben uns gelobt, 
sollte das Vaterland rufen, uns nicht schlechter zu erweisen als 
die Jugend, die damals von der Schulbank zur Fahne eilte. 

Als im Jahre 1870 das deutsche Volk auszog zu'^ welt¬ 
geschichtlichem Ringen und Kämpfen, da eilten Deutsche aus 
allen Teilen der Welt herbei, um ihrem Volk die Treue bis zum 
Tode zu wahren. Damals besteuerten die deutsch-baltischen 
Studierenden an der Universität Dorpat sich selbst, um eingedenk 
ihrer Abstammung von der stolzen Mutter Germania zu Hilfe 
und Pflege deutscher Verwundeter beizutragen. Heute wollen 
wir Euch Gelegenheit geben, den deutschen Brüdern im Aus¬ 
lande, die die Träger und Pioniere deutscher Kultur und Wirt* 
Schaftskraft auf der ganzen Erde sind, Treue um Treue zu 
beweisen. 

Deutsche Brüder! Der „Verein für das Deutschtum im 
Ausland“, Berlin W. 62, sieht als eine seiner vornehmsten Auf¬ 
gaben die Unterstützung jünger Auslandsdeutscher an, die reichs- 
deutsche Bildungsstätten aufsuchen, um sich hier für ihren 
künftigen Beruf vorzubereiten und um in Berührung mit deut¬ 
schem Geist und Wesen sich die Kräfte zu erwerben, die sie 
befähigen, nach ihrer Rückkehr ins Ausland in dankbarem Ge¬ 
denken an die genossene Unterstützung, sowie durchdrungen 
von vaterländischer Kultur tatkräftig für des Reiches Interessen 
einzutreten und besonders an den Sprachgrenzen fruchtbringende 
Pionierarbeit zu leisten. Hier liegt unsere Pflicht: Den deutschen 
Brüdern in fremden Landen, die unter slavischen und welschen 
Volksstämmen nur mühsam ihr Deutschtum aufrecht erhalten 
können, zu helfen! 

So fordern wir Euch Alle zu einer gemeinsamen Sammlung 
auf, zu einer „Jung-Deutschland-Spende“, und hoffen, dass Ihr 
Euch freudig an dem nationalen Werke beteiligt. Sodann 
fordern wir unsere Kameraden von der Prima auf, in ihrer 
Klasse einen Abiturientenfonds zu gründen, zu dem nach 
jedem Semester die scheidenden Abiturienten nach ihren Kräften 
ein Scherflein beitragen, so dass ausser der allgemeinen, gemein¬ 


samen Sammlung die deutsche Jugend Jahi für Jahr ihren be¬ 
drängten Brüdern im Ausland eine Spende überreichen kann. 
Mit deutschem kameradschaftlichen Gruss! 

Die Prima des grossherzoglichen Realgymnasiums 
zu Ludwigslust i. M. (Folgen die Namen.) 

Wie wir hören, hat der Aufruf schon an verschiedenen 
Stellen reiche Früchte getragen. Der national erzieherische Wert 
der Sammlung liegt vor allem darin, dass sie nicht indirekt den 
Geldbeutel der Eltern schröpfen will, sondern aueh die kleinste 
Spende willkommen heisst, wenn sie den Sparschillingen der 
Schüler selbst entnommen ist. 

Franzosen als Vortragende in Berlin. Die in 
Berlin erscheinende französische Zeitung „Journal d’Allemagne“ 
veranstaltet in den nächsten Monaten französische Konferenzen 
in Berlin, in denen nur Franzosen zu Worte kommen sollen. 
Mehrere Parlamentarier sowie eine Anzahl bekannter Persönlich¬ 
keiten der Kunst und Wissenschaft haben ihre Mitwirkung zu¬ 
gesagt. Der erste Vortragsabend, an dem Professor Louvrier 
und drei andere Franzosen sprachen, fand am 9. Dezember statt. 

Eine deutsche Obst- und Wald-Farmgesell¬ 
schaft in Aegypten. Die deutsche Unternehmungskraft hat 
auf dem Boden des alten Pharaonenlandes einen neuen Erfolg 
zu verzeichnen. Eine deutsch-ägyptische Gesellschaft hat auf 
Anregung des angesehenen Kairener Kaufmanns Arno Werther 
etwa 60 km von Kairo entfernt ausgedehnte Wüstenterritorien 
am nördlichen Ende der arabischen Wüste erworben, wo diese 
auf der einen Seite vom Ismailia-, auf der andern vom sogen. 
Süsswasseikanal begrenzt wird, um sie der Kultur, unter der 
sie in alten Zeiten gestanden, zurückzugewinnen. Der Besitz 
der Gesellschaft umfasst nach den Mitteilungen des Vereins für 
das Deutschtum im Ausland 6300 ägyptische Feddan (i Feddan 
= 59V.', Gesellschaft nennt sich „Aegyptische Frucht- 

und Waldfarmgesellschaft“. Durch grossartige artesische Brunnen¬ 
anlagen, die in der Stunde 4300 Kubikmeter Wasser liefern, ist 
die ausreichende Bewässerung des ganzen Terrains gesichert. 
Bisher sind bereits 60 Feddan mit tragenden Bananen, 60 mit 
Obstbäumen, 350 mit gemischten Kulturen, darunter Gerste und 
Henna bepflanzt und 600 Feddan für die Aufnahme von 

Millionen schnell wachsender Casuarinen vorbereitet. 

Verschiedenes. 

Der Bund Jungdeutschland, 

Der kürzlich in Berlin begründete Bund „Jungdeutschland“ 
erlässt jetzt den folgenden Aufruf: „Die sichere und glückliche 
Zukunft unseres Vaterlandes beruht auf einer kräftig, gesund 
an Leib und Seele und wehrhaft heranwachsenden Jugend! 
Und gerade der Jugend drohen in unserer Zeit in leiblicher, 
sittlicher und vaterländischer Beziehung die grössten Gefahren! 
Deshalb sind in allen deutschen Gauen von jeher treudeutsche 
Männer und Frauen sowie vaterländische Vereinigungen am 
Werke, unserer schulentlassenen Jugend ein frohes 
Gedeihen zu körperlicher Kraft und sittlicher Tüchtigkeit zu 
erleichtern. Von dieser verdienstlichen Arbeit darf jetzt auch 
eine noch tiefere und umfassendere Wirkung erhofft werden, 
nachdem die daran beteiligten Verbände sich neuerdings in 
einzelnen Bundesstaaten, z. B. in Preussen infolge des Jugend¬ 
pflegeerlasses des Kultusministers vom 18. Januar 1911, in be¬ 
sondere Organisationen zusammengeschlossen haben. Soll aber 


BERUM HRMBURü 

HOTEL ESOLAHADE 

Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 


F 












612 iB OQ OQOQQOQ o a e a GQOODQQQ Qseaeaa DEUTSCHLAND leeeeeeeeeeeeeee eeeoecee efe^ Nr. 12 



ein voller Erfolg erzielt, soll die gesamte deutsche Jugend 
erfasst werden, so bedarf es der Mitwirkung der weitesten Volks¬ 
kreise, vor allem auch der Väter und Mütter unserer heran- 
wachsenden Jugend. Diese allgemeine Teilnahme besonders 
für einen wichtigen Zweig der Jugendpflege gewinnen zu helfen: 
für die Erziehung der Jugend zu körperlicher und sittlicher 
Tüchtigkeit in Haus, Ruf und öffentlichem Leben, hat sich der 
Bund „Jungdeutschland“ zum Ziele gesetzt. Von der nach 
Millionen zählenden deutschen schulentlassenen Jugend treibt 
jetzt noch nicht viel mehr als ein Viertel regelmässig irgendeine 
Art körperliche Uebung. Nahezu Dreiviertel gilt es noch heranzu¬ 
ziehen. Deutsche Väter und Mütter! Wir brauchen ein starkes 
Geschlecht für die Zukunft unseres Volkes! Nur eine wehr¬ 
hafte Jugend sichert den Staaten und Nationen eine glückliche 
Zukunft. Das lehrt die Geschichte aller Zeiten bis in die jüngste 
Stunde. Darum sendet eure Kinder in die Vereine, welche die 
körperliche und sittliche Erziehung im vaterländischen Geiste 
als ernstes Ziel vor Augen haben, und wo es an solchen Ver¬ 
einigungen fehlt, helft neue gründen als Glieder des Bundes 
„Jungdeutschland“ und hütet im Herzen der Jugend die Liebe 
zum Deutschtum und Vaterland!“ 

Die Bundeslcilung. Generalfeldmarschall Freiherr v. d. Goltz, 
Vorsitzender; Geh. Sanildlsrat Dr. Goelz, stellvertretender Vorsitzender; 
Generalkonsul Franz Mendelssohn, Schatzmeister; Generalkonsul 
Landau,^ stellverirelender Schat/.meisler; Oberbür^ernieisler Dominicus, 
Schriftführer; Redakteur Diem, steüverlr Schriftführer; Rechnungsrat 
Atzrott; Konsul Baschwitz; General der Ka^allorie a. l). Freiherr 
V. Bissing; Staatssekretär a. D. Dernburg: Slaatsininister a. D. v Heutig; 
Gottfried Hinze, Duisburg; Generalleutnant v. Jacobi; Staatsministi r a. D. 
V. Moeller; Landlagsabgeordneter Dr. von Schenckendorlf; Prolessor 
Dr. H. Albrecht; Generaloberst v. Lindequisl; Akademischer Sporlbund; 
Altherrenbund des aka<ieinischen Turnbundes; Bund deutscher Jugend¬ 
vereine; Deulschc Schwinimerschaft; DeutscheSporlbehörde für Athleiik: 
Deutsche Tiirnerschaft; Deutsche Zentrale für Jugendlürsorgc; Deutsi her 
Fussballbund; Deutscher Jugendverband; Deutscher Ffadlindei bund; 
Deutscher Radfahrerbund; ueutscher Schwiminerverband; Deutscher 
Verein für das Fortbildiingsschulwesen; Deutscher Verein für ländliche 
Wohllahrts- und Heimatspflege; Kartell der deutschen Jugendwehren; 
Verein Wehrkraft, München; Wandervogel; Deutscher Bund für Jugend- 
wanderungen; Zentralausschuss zur Förderung der Volks- und Jugend- 
spicle in Deutschland; Zentralstelle lür Volkswohlfahrt. 

Architekt Georg Metzendorf, der in Essen lebende 
Erbauer der Margarethe-Krupp-Kolonie, wurde soeben vom 
Grossherzog von Hessen zum Professor ernannt. Herr Metzen¬ 
dorf dürfte manchem unserer Leser durch seine interessanten 
Bauten in der deutschen Abteilung der Brüsseler 
Welt-Ausstellung 1910, besonders durch seine Arbeiter¬ 
wohnhäuser und dem Pavillon des Deutschen Verkehrs- 
Bure a u s noch in bester Erinnerung sein. 

Eröffnung des B ö 11 i n g e r - S t u d i e n h a u s e s zu 
Berlin. In schlichter Form fand die Eröffnung des Deutschen 
Instituts für Ausländer (Böttinger-Studienhauses), Universitäts¬ 
strasse 8, statt. Der Direktor, Prof. Dr. Paszkowski, hielt eine 
kurze Ansprache, in der er auf den Zweck des Instituts einging, 
den zahlreichen gebildeten Ausländern, die sich in der Reichs¬ 
hauptstadt vorübergehend aufhalten, einen geistigen Mittelpunkt 
für ihre deutschen Studien zu bieten und sie zum Studium der 
deutschen Kultur anzuleiten. Er gedachte in Dankbarkeit des 
geistigen Urhebers dieses Instituts, des früheren Ministerial¬ 
direktors im preussischen Kultusministerium, Friedrich Althoff, 
er dankte dem hochherzigen Stifter, Geheimen Regierungsrat 


Dr. von Böttinger, dem preussischen Kultusministerium-für die 
dem. Institut zugewendete reiche Fürsorge und sodann dem 
Kuratorium, welchem der Rektor der Universität und .die 
Professoren Hermann Diels, Erich Schmidt und Brandt äii|fe- 
hören, für seine stets bereite Förderung. — Daran schloss s\ch 
eine ausführlichere Erläuterung des Programms. ' 

Leipziger Herbstmesse. Einige Berliner Blätter 
haben an eine Anzahl Aussteller von Mustern und Musterlagfem 
die Frage gerichtet, ob sie für Aufhebung der Leipziger Herbst¬ 
messe sind. Um nicht die Meinung aufkommen zu lassen, als 
könne ein Verzicht auf die Beschickung der Herbstmesse zu 
ihrer Aufhebung führen, weisen die Handelskammer sowie der 
Rat der Stadt Leipzig in einer kürzlich an die Aussteller er-, 
lassenen gemeinschaftlichen Erklärung darauf hin, dass an 
irgend eine Aenderung der Leipziger Herbstmesse^ 
nicht zu denken ist. Für die Eintragung in das- 
Offizielle Leipziger Mess-Adressbuch, 32. Auflage, 
Oster-Vormesse 1912 (Beginn Montag, den 4. März) ist vom 
Mess - Ausschuss der Handelskammer Leipzig soeben der mass- ' 
gebende Anmeldebogen versandt worden. Die pünktliche 
Rücksendung dieses Anmeldebogens ist allen Ausst^em * 
dringend zu empfehlen, da die Aufnahme oder WeiterfUhrung 
im Buche davon abhängt. Neu hinzugetretenen Ausstellern, die 
das Formular noch nicht erhalten haben, empfehlen wir, sofort *v 
beim Mess - Ausschuss der Handelskammer Leipzig darum 
nachzusuchen. 


Ein alpines Museum ist am 10. Dezember ix^München 
feierlich eröffnet worden. Wie das „Berliner Tageblatt“ mitteilt, . 
hat die Münchener Stadtvertretung dem Alpenverein die Gebäude' 
der seinerzeit mit einem Kostenaufwand von einer Million Mark 
erbauten „Isarlust“ für die Zwecke des Museums vor längerer 
Zeit zur Verfügung gestellt, eine Spende, die den zwischen 
Innsbruck und München lange tobenden Streit um den Museums» 
Standort endgültig zugunsten der letzteren Stadt entschied. In¬ 
zwischen sind in aller Stille die notwendigen Umbauten an der 
„Isarlust“ und umfangreiche Sammelarbeiten durchgeführt worden. 
Bei der Anlage des Alpinen Museums, das dem im Jahre 190^ 
eröffneten „Berner Alpinen Museum“ in der Schweiz würdig an 
die Seite treten kann, ergab sich ein fast unbegrenztes Arbeits¬ 
feld, Vom Alpinen Ausrüstungs-, Verpflegungs- und Rettungs¬ 
wesen angefangen bis zu den Modellen und Abbildungen der 
Weg- und Hüttenbauten, den zahllosen Karten und Reliefs, 
häufte sich eine Unsumme von Material an. Die alpine Fauna 
und Flora, vor allem aber die alpine Geologie, ist ausserordent¬ 
lich reich berücksichtigt worden. Abbildungen der Technik des 
Bergsteigens und der Gefahren der Alpen, Bildnisse hervor¬ 
ragender Alpinisten, Führer usw. nehmen einen weiteren Teil 
der umfangreichen Sammlungen ein. Der interessanteste und 
verhältnismässig grösste Teil des Alpinen Museums umfasst aber 
jene Ausstellungsobjekte, die zeigen sollen, welche Veränderungen 
der zunehmende Fremdenverkehr in den Alpenländern hervor¬ 
gebracht und die „unseren Epigonen ein Bild hinterlassen von 
dem, was der Zeit und dem Kulturfortschritt zum Opfer fiel 
oder fallen kann.“ Hierher sind die Modelle und Abbildungen 
von Naturereignissen, von bemerkenswerten Bauten und Natur¬ 
denkmälern usw., von Volkstrachten und Volksbräuchen, Marteln- 


-1 ' 
1 




1 




Aufruf. 


1 lie UUIUI nUUIWIIDKI-nOldMIUpUl! II 

Protektorin Ihre iVlajestät die Kaiserin und Königin. 

lieber weite Landstriche Siid-Hrasilions, namentlich über das bekanntlich von deutsch-brasilianischen 
Kolonisten dicht besiedelte Miiuizip Bhimenau, hat eine verheerende Wasserkatastrophe namenloses 
Uhgliick gebracht. Der Itajahy-Strom ist plötzlich zwanzig Meter hoch aus seinen Ufern getreten 
und hat Wohnhäuser und StäUe, (»oschäftshäuser und Fabriken, Schulen und sonstige öffentliche 
Gebäude, Pflanzungen und Eisenbahnen zerstört. Der Wohlstand der Siedelungen, der in langen Jahren harter Arbeit aufgebant 
war, ist auf Jahre hinaus vernichtet. — An die Herzen des deutschen Volkes, die aller fremden Not stets offen gewesen, ergeht 
heute der Ruf, der vom Unglück Betrorfenen, unter denen sich so viele unserer Stammesbrüder befinden, werktätig zu gedenken. 
Von ihrer neuen Heimat, deren gute Bürger sie geworden sind, seiner Zeit gastfrei aufgenommen, haben die deutschen Auswanderer 
weit über Brasiliens Grenzen hinaus Khre und Ansehen gebracht hat. Soll vor der Größe ihrc's jetzigen Unglücks ihre Zähigkeit 
und Tatkraft nicht erlahmen, so bedürfen sie uiiseror schmdlen und nüchen Hilfe. — An die oft erprobte Opferfreudigkeit des 
deutschen Volkes wenden wir uns deshalb mit der herzlichen Bitte um Beistand für die Geschädigten in Süd-Brasilien. Das Bureau 

des Hilfskomitees befindet sich in Berlin NW 40, Alseustrafie 10. 

Der Elireiipräiiiideiit: 

Seine Hoheit der Herzog Johann Albreoht zu Mecklenburg, Präsident der Deutschen Kolonial-Gesellschaft. 

Daa Drlisidinm: 

Br, von Bethmann Hollweg, Kiuchskanzler; von Kiderlen-Wächter, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes; Qraf 
Iierohenfeld-Küfering, Königl. Bayrischer Gesandter; Dr. B. Itibere da Cunha, Brasilianischer Gesandter; Dr. Predüfal, j 
Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Präsident des Senats; Dr. Barkhausen, Bürgermeister der Freien Hanse-^ 

Stadt Bremen, Präsident dos Senats. 

Del* Arbeittsanssclinß: 

Emil Selberg, Kommerzienrat, Vorsitzender; GÖtsoh, Geheimer Legationsrat, Vortragender Rat im Auswärtigen Amt; E. SoJljye- 
manu, Direktor der Deutschen Bank, Schatzmeister; Herbert Maz Gatmann, Direktor der Dresdner Bank, Schriftiuhref. 










Nr. 12 H 


3009900® DEUTSCHLAND ® 6 € ?6COG6OOOSO6€g3e088GCCOOOOEll 613 


und Grabkreuzen, von den Verkehrsmitteln aller Zeiten usw. zu 
rechnen. Natürlich ist auch das Heimatschutzgebiet in weitestem 
Masse berücksichtigt worden, und der Kulturhistoriker findet 
hier eine Fülle von wertvollem Material. Nicht unerwähnt soll 
schliesslich bleiben, dass auch die Leistungen und die Ent¬ 
wickelung des deutschen und österreichischen Alpenvereins in 
graphischer Form eine übersichtliche Darstellung gefunden haben. 


Bücherschau. 

H. K. Heiland. „Mit Auto und Büchse um Asien**. 
Zu beziehen durch Buchhandlungen oder durch den Verfasser 
selbst: Berlin, Alte Jacobstr. 23/24, Preis geb. 10 Mk. „Mit Auto 
und Büchse um Asien** so nennt der bekannte Sportsmann 
Heinz Karl Heiland sein neues Werk, dass er dem deutschen 
Publikum auf den Weihnachtstisch legt. Wenn der bequeme 
Vergnügungsreisende entweder im russischen Luxuszuge durch 
Sibirien nach Ostasien gelanget oder auf einem der so behag¬ 
lichen Dampfer unseres Norddeutschen Lloyd, so hat es Heiland 
vorgezogen, seine Fahrt nach der grossen Völkerwiege sozu¬ 
sagen auf dem Motorwagen und mit der Büchse in der Hand 
zu vollbringen. Ihn reizt nicht das, was den Herdenmenschen 
anzieht; er scheint den Zweck seines Lebens nur darin zu 
suchen, im wilden Dschungel sich mit Tigern und Leoparden 
herumzuschlagen, in den Sümpfen Sumatras dem Rhinozeros 
nachzuspüren, auf Ceylon den Elefanten mit der Schlinge zu 
fangen, gelegentlich noch einem Krokodil den Garaus zu machen 
oder irgend einem allerliebsten Orang-Utang von einem Urwald¬ 
baum herabzuschiessen. Eine in unserem „tintenklexenden 
Säkulum** geradezu überraschende Freude an der Gefahr, ein 
stetig wiederholtes Va-banque-Spiel mit dem Tode bildet einen 
Grundzug seines Wesens und wenn er auch mit einer geradezu 
naiven Freude an sich selbst von seinen weidmännischen Helden¬ 
taten erzählt, so gehört er anderseits doch nicht zu jenen Nim¬ 
roden, deren bestes Können das Jägerlatein ist. Denn ebenso 
wie er mit Stolz von seinem Jagdglück berichtet, so verhehlt 
er dem Leser auch nicht, wieviel Fehlschläge ihm beschieden 
waren, wie mancher tückische Zufall ihm die ersehnte Jagdbeute 
vor der Nase wegschnappte oder was für Strapazen und Leiden 
ihm als böse Zugabe zum nervenanspannenden Weidwerk vom 
Schicksal dargeboten wurden. Was Heiland dem Leser in seiner 
durchaus ungekünstelten, oft burschikosen Art erzählt, findet 
eine köstliche Ergänzung in den zahlreichen Textbildern und 


Kupferdrucktafeln, die für das Buch nicht nur ein äusserer, 
höchst reizvoller Schmuck sind, sondern auch genau so wie sie 
mitten in den Text hineingestreut sind, eine organische Er¬ 
gänzung seines Globetrotter-Daseins bilden; denn neben Auto 
und Büchse ist es stets die photographische Kamera, die ihn 
als treue Gefährtin auf seinen Kreuz- und Querzügen begleitet 
hat. Da und dort greift auch die kapriziöse Kunst eines be¬ 
freundeten japanischen Malers ein, um dem eigenartigen Werk 
noch mehr einen Hauch des Exotischen zu verleihen. Wie 
Dichtung und Ton im modernen Musikdrama sich vermählen, 
so sind hier Wort und BUd vereinigt, am Rande der Seite 
oben oder unten, manchmal mitten im Text erscheint fast blitz¬ 
artig wie im Lichtbildtheater der Gegenstand, von dem die 
Rede ist. Mancher schnurrige Einfall dankt dieser drolligen 
Methode seinen Ursprung, die es sogar zuwege bringt, die 
korrekten Buchstabenreihen zu sprengen und mitten in den 
Lettern ein Krokodil herumkrabbeln zu lassen. So wird das 
Werk jedem willkommen sein, der seine Freude am bunten 
Spiel des Lebens hat, besonders aber dem Sportsmann und Jäger, 
der in dem Verfasser einen beneidenswert glücklichen Kollegen 
begrüssen darf. Dr. M. 

Hugo Münsterberg „Die Amerikaner** 4. neu bear¬ 
beitete und erweiterte Auflage. Berlin 1912. E. S. Mittler & Sohn. 
2 Bde. Neben den klassischen Darstellungen der Grundlagen 
und Lebensformen des amerikanischen Volkes, welche de Tocque- 
ville für Frankreich und Botschafter Bryce für England geliefert 
haben, steht Münsterbergs grosses Werk seit seinem ersten 
Erscheinen im Jahre 1904 ebenbürtig da. Noch niemals war ein 
Psychologe von Beruf mit der ganzen Schulung, welche diese 
Wissenschaft zur Erkenntnis des Individuums verleiht, an eine 
solche Darstellung einer nationalen Gesamtheit auf völkerpsycholo- 
g^scher Grundlage gegangen. Daz Ergebnis, welches in Münster¬ 
bergs Buch in die Erscheinung trat, war ein überraschendes: 
es zeigte zum ersten Male, dass die Struktur eines grossen 
Völkerorganismus samt seiner geschichtlichen Vergangenheit 
und seinen gegenwärtigen Lebensäusserungen am besten aus 
der systematischen Erkenntnis seiner seelischen und geistigen 
Grundrichtungen erfasst werden kann. Dadurch, dass Münster¬ 
berg als Deutscher, der über ein Jahrzehnt in den Vereinigten 
Staaten gelebt und gewirkt hatte, seine Beobachtungen ausser¬ 
dem noch vom deutschen Gesichtswinkel aus machte, wurde 
sein Buch die grösste Tat auf dem Gebiete deutsch-amerikanischer 
Kulturvermittlung und hat als solche mehr als die übrige, oft 



werden mit großem Rabatt ansverkanft 


Sport-Itons Böhmer, Düsseldorf 

£cke Wa^naer- and Klosterstrafie. 


Patent 
Aquadent 

Wasserdlobte 

Ideal-Bekleidung 

für ISki-Iiänfer u. jeden ISport 

Absolut, sohnee- snii wasserdicht uuter 7ollBtändiger Beibehaltnng 
der natilrlielien Porösität. — Keino Gummi-, Oel- oder sonstige luft- 
undurchldssige Einlage. 

Glänzend bewährt '"^f| 

Ferd. Jacob in Köln 50 

Xeamarkt 23 

Auch warme, wasserdichte Schlafsäcke. 




-— Gut erhaltene Exemplare ■ 

Nr. 10 1 . Jahrgang 

Mosel (mit TitelbUd Burg Eltz) 
der Zeitschrift „DEUTSCHLAND“ za kaafeii ge¬ 
sackt. Adressen erbeten an die Geschäftsstelle 
der Zeitschrift „DEUTSCHLAND“ Düsseldorf 
•—. — Postfach 444. ■ --■ ■■ 




















614 ■ D e Q 0 CO 3 CK»Q 0 9 3 QQQQQQ 00 QCX 30 ca g] DEUTSCHLAND B eceee o eeeeeeeeeeooococcotB Nr. 12 


allzu reichhaltige deutsche Literatur über Amerika das Ver¬ 
ständnis der beiden grossen im Vordertreffen stehenden germa¬ 
nischen Völkergruppen für einander gefördert. Gerade weil 
die Münsterberg'schen Beobachtungen auf das Absolute und 
Typische im amerikanischen Volkscharakter gerichtet waren, 
konnte das Buch auch in den sieben Jahren seit seinem ersten 
Erscheinen durchaus nicht veralten, was bei allen nur auf die 
äusseren Erscheinungen des amerikanischen Lebens gerichteten 
Amerikabüchern in unglaublich kurzer Zeit der Fall ist. Gerade 
für ein so bewegliches, elastisches Land, das von keiner Tradition 
beengt und dem Entwicklungsdrang allseilig offen steht, genügt 
oft schon ein Jahr zur Verschiebung des Gesichtspunktes in 
der Beurteilung durch ausländische Betrachter, und soweit Tat¬ 
sächliches in Frage kommt, bringt die Neubearbeitung auch 
das vorliegende Werk durchaus auf die Höhe des gegenwärtigen 
Tatsachenbestandes im amerikanischen Leben. Die Neubearbei¬ 
tung, welche zu einem Drittel eine gänzliche Neuschöpfung des 
Textes bedeutet, ist von Professor MUnsterberg während seines 
einjährigen Aufenthaltes als Austauschprofessor an der Universität 
Berlin vorgenommen worden. Gerade durch diesen Aufenthalt 
in der deutschen Reichshauptstadt hat die Behandlung des 
amerikanischen Problems auch eine zeitgemässe Revision des 
deutschen Standpunktes der Betrachtung erfahren. Neuamerika¬ 
nische und neudeutsche Werke konnten mit den alten verglichen 
und in ungemein fesselnder geistreicher W'eise aneinander 
gemessen werden. Besonders die Kapitel Uber die innere und 
äussere Politik der Vereinigten Staaten, über Schutzzoll und 
Trusts, die aktuellen Themata, haben bedeutende Erweiterung 
und Vertiefung erfahren, und in den Kapiteln übes das geistige 
und soziale Leben, über Wissenschaft, Erziehung, Kunst, Religion, 
Frauenbewegung usw. ist der Text Überall bedeutungsvoll bereichert 
und vervollständigt worden. Auch das stilistische Gewand, 
welches einen Hauptreiz der Münsterberg’schen Darstellung bildet, 
ist aufgefrischt worden. Der leichte reizvolle stilistische Fluss, 
welcher dem Schriftsteller Münsterberg in allen seinen zahlreichen 
Veröffentlichungen eigen ist, beraubt die Darstellung aller Schwer¬ 
fälligkeit und Unübersichtlichkeit, ohne ihr etwas von ihrer Gründ¬ 
lichkeit und Materialfülle zu nehmen. Auch in dieser Beziehung 
bedeutet das Werk einen Höhepunkt deutscher darstellender 
Literatur. Ein ausgezeichnetes Namen- und Sachverzeichnis 


am Schlüsse des zweiten Bandes ermöglicht die Benutzung des 
Werkes auch zu Nachschlagezwecken. Die äussere elegante Aus¬ 
stattung hat dieser vermehrten Neuauflage einen würdigen buch¬ 
technischen Rahmen gegeben, welcher dem Werke einen Ehren¬ 
platz in jeder modernen deutschen öffentlichen und privaten 
Bibliothek sichert. 

Winterpracht. Zwölf farbige Naturaufnahmen von 
Hans Hildenbrand. Preis in Umschlag 4 Mk. Verlag Julius 
Hoffmann in Stuttgart. Tausende ziehen hinaus auf die Suche 
nach dem wahren Winter, und auch die Lichtbildner sind eifrig 
an der Arbeit, denen, die noch hinterm Ofen sitzen, des Winters 
Schönheit zu vermitteln. So ist auch Hildenbrand kampffroh 
und beutelustig — auf flinkem Ski — hinausgezogen durch 
winterliche Weiten und schneeschweren Tann, um ein Stück 
Winterzauber, den er draussen erlebt, auf seine farbenempfind¬ 
lichen Platten zu bannen. Wie vollendet ihm dies gelungen, 
dafür sollen seine Bilder zeugen. Winterstimmungsbilder! Bei 
derem Schauen denen, die den Winter kennen, herrliche Stunden 
schweigenden üeniessens und jauchzender Winterlust wieder 
wach werden, und die wohl geeignet sind, denen, so es bislang 
noch nicht vergönnt war, selber solch Wunder zu sehen, die 
Sehnsucht danach zu wecken. Den ganzen Farbenzauber eines 
Wintertags lassen uns diese Bilder durchkosten. Die Hilden- 
brandschen Aufnahmen werden allen Freunden des Wintersports 
eine liebevolle Erinnerung an unvergessliche Stunden in der 
Wunderwelt von Eis, Schnee und Sonne sein. Die Wiedergabe 
der farbigen Aufnahmen ist eine Musterleistung, für Natur¬ 
freunde eine reizvolle Weihnachtsgabe. 

Menschenkenntnis von Heinrich Steinitzer. (Kultur- 
Breviere Bd. 111 .) 8". (108 S.) Verlag von Gustav Lammers, 
München. Kart. Mk. 2.- . Büchern üb^r Menschenkenntnis 
pflegt man mit Recht Misstrauen entgegenzubringen. Was sie 
enthalten sind meist Ansichten und Urteile, von irgend einem 
ethischen Standpunkte aus gewonnen, aber keine Kenntnisse 
von der wirklichen Natur des Menschen. Oder sie bringen eine 
strengwissenschaftliche formale Psychologie, die uns weder die 
Menschen unserer Umgebung, noch uns selbst verständlicher 
macht. Der Verfasser des vorliegenden Büchleins hat sich im 
Gegensätze hierzu die Aufgabe gestellt, die Grundlinien einer 


tttl^ 

Uetfeit 5itir Sec 

nod) nta^eira, Portugal Spanien, 
3taHcn, Sljilien, <Bned|enlan^, 
Hegppten, Suneficii, ^Ugerien, 
nad) 6er €uropäifd}en nn6 }lfiatifd)en 
(Zurfei, 6ein $d)u>ar 5 en nieere, palöftina 
un6 Sprien ufn>., 

(Zeplon, Por6er-- un6 QinterinNen, 
<ZI)ina, 3apan, nad) Iluftralien. 

IDeliveifeti 

Keife*$d)e(f$ :: U)eIt=Krc6ttbricfe 

Husfiinft erteilen 

tlol*^^eutfcber 

^eemcit 

un6 feine Pertretungen. 


Sa Adam, Berlin w. 


Leipzigerstr. 27,28 = Ecke Friedrichstr. 






















^eeaeoeaassQ^eeae^äSSS»^ DEUTSCHLAND öiseeöeeeeeeeeeeee^eeseseseess 6is 


pfaieiisßhen, jcdefitcii anwendbaren. Meaac^enketintnis» tVöbrie 
möfaiisctieo: ansxdarbeften. Waa un« »tn tägUcben 

^ä|i!&;CbHchea ^ncgegefib-iltt Handtbngen lind Aü^taagcn^ 
Folgen van^^ rÄV]sdtucksbeW££fung^ifrn d^r Menachen^ dlc^nt ihm 
d^tkuc/ivi IcU/er u einfacher VS,^eiie peäentun für die 

Kenntni« des Cbarafeifrrs nnd der y orrfifäöge im MensciheG 

iU er>twiC:k*IjfjA Er zeigt, wa^ derjeai^tty de:r nacb MenscJaen- 
k^nmnt* strebet hu leroan ütid ipu yermeidr^in bai; und gibt Im 
^Hsuptkapitel «ine Metbndik dej* Se1btl:erk^nnt&i6, ala der not^ 
Eidigen y otatufc Je de r Me nisc b en kenn tf j der« n Ä n w e nd u ng 
hisber yeradb^ceeene Türen zum eigenen Selbst öffnet. Im : 
Scblusßkapfjtcl werden die Grecueen der Mcöschenkenutnia und 
die Möglicbk^k ihrer Ueberäcbrciiiing durtb den Künstier und 
Dicbter" b^spinebenr ^ S^tlbst in d*rirt MaEseribetrieb d.£r bebtigcn 
JUiieratdr lälb die& Btiublein aU etwas Eigenartiges und Seib- 
Ätäjidiges anf. .tfer Verifaiaef-^ der Über eiae ungewphalfttbe 
Belesei^heit verfügt*, w^*^, was: ;Ä»defe über yeft: Gegeba^talid 
seiner Arbeit gesagt bsbÄU, ibec *i Üäe öueb Aölbki ^was *ü 
. sagen* und: vj^r-Jb nietna]» .aua'ge- 

sproeiten wör.dett f^t. £ir &febt es* äUjtb die $cbwieHgsien 

. Fragen versiälidtK^.^'machen... : ' ' 

B a 4 Q e 11 a n d 1 m W t n i e r. Winierfuden ünd VVinter- 
Zauber will uns dies tei:dich und illuatrattv vorrügiicäi Äiusge^tiUüeitc 
Blödchen v^r Augeu führen. Während dninterfC im feuchten 
Tä|e dfeilte Nebelschwaden dem Äugt dt« Fexöeic h t wvht ea, 
^iegl öben »uf den hochragende« SchwarzWaldb&r^ftn die war*, 
tuchde y/iniexsonne. Bei klfngehüer ScblibtenfabrXv a^ilj^viikeu 
Skiern entwickelt sich bald ein fröhliches Treib.öb^ torij, 
erfrechende X?uft stählt den Körper und das Aöj^fe gläTirt U>j 4 
leutUtftt hn WiedetiSthein der Schörth^it dei Wihtiffs. Ueber- 
rd^cbÄJid ÄchnclJ lisf der V^imiantpöK inri S^^ihw^zw^fd 

w or deo u n d jcahJ reic b rtd di e Ski k >i c: / S Idj M u/ie, H4 ^b l ^ 

korsö?, ßöbsl.fii^iireciGen usw/ Die: brwabnxö Ötos«blu-ft isi u- ä 
adch toi der Oi^sehälts^telje 'Mx- i^P e u t isch 1 ü u d 

ffl DÜ5:s^eidott' erbählieV 

Wüiter im bayer ehen Hochland. I?er Verein aur 
.Fördenirig de;? Freoi 4eo-Verkehrs in Münche n ün d ^ iinj fciay- 
HöbhJÄTsd hat soeben fü» sein VeTkehffjj^tbVet eifje 
Z w si®^ Ul er «teüU ng w i cb t:(g e r A n g h h e .n ti: fc ft V U h i ^ t - 
k gr 5« f i a«r y e> k ff h r s - vj o d S p o r ty e.t li ä i i n i a a a 'hatt^uk- 
gqgöb 1 ^ b ('' d^e ti^ i A u a Wahl ei ne a Wime ra b f e n i haltpl ä tr## uh 4 bc i 
Befeibhung des Reiaeaiifwa^d«s gute Dienste tiit/ piessr pfatk- 
tlache: y/tgweiser/der itiue wertvolle Ergänzitog de^. Merkblatt« 
Uh er d le Wijile raport^ la tre ixn b ä y e risc be n Ho chJan de däratellU 
kaäu mit d^tm vöö d^r A^hll^^hen Äu«kunCtitrlle der Kfirit^lich 


Bayerischen Staataetaeabahnen im Internaiiöhirtlefö dffeiiilijciij&u 
Verkehr«-Büreau in Berlik/;-tf.nii^T 4 'kjostexslok 

b e zogen' w er dCn, — A ueh in d kt Chä f^tetle der, fl 

D e u t a ch t a n 4 " io Busseldörf ; frrfölgi kostenlose Ähg:abc 
dea Materiala. 

B ex gs‘trd> • Ü.d(!t33 !W a ld-•■■un d ■..M'eckaj'rtÄ.l <Woerl^. 
RetsebUGherVeriag Eftipaig^» Freia i Mk. Pie vdrhegend® Neu- 
auftage wurd t von Hebet) Ür. Miit, kappt in Se*heim a. 4^ Serg- 
; uitm^ griifidJich durehgesehen, umgeafbi^i^^ 

^'weitert. Flif weitere Reisen und Ausflüge odftr :ifty längeren 
Äiifehtbalt an ieith*elneu Oiten sei dis^, Wöcrisc^e Spezial^ 

• fübrer:hjö^®wiea 4 ii>- : 

p er V 4 r k e h r s - V e r stl ii. L * * g veranetaUet# vom 
£&Lr^a<>: Öktöher : dr j* II, SchaufeTiSter ^\V«ttbewerb. Im 
Verlage vi>n L. Schbttidnder ^ Cft.* (Der Confectionät). 

ist ein Album eiachienen, in wclcheoi der ech 
fenatef vorgefUhrt werden Duci jpfNichtig' gelühpsöth J^hotö- 
graphlen, denen man «ine kdbsilttr;.$chfi; Au$fdhmüg^^ ^teü 
werden lassen, iet eme Erklärung dar zuf Schftu gestellten 
Ftnstc rn beigegeben. Das V ot o frbm axiageBtaittEtiö A Ibdm i?t 

durch die G^^s^^häftisatÄlie des Verkeh/s-Verein Leipzig^ BÄUdels- 
böI-Nasehmarkt. Duden zum Preise voft s Mk, beziehen- 

, •' Schihe« des' rt-daktj-ooelten 

äflijrhiäitbf und ^»iriiiiiy fJfxhcli Tbj tl^ia »äyjteui. T«h i 
ift rjr Ceii wtn'^h^'x I 

S r ktfli ö : th, H j f b r11 GeBcaMtisfuiif 'rr $Vj£i jiuH i>e.'y rk ö bri - 

vtfftiJiB le httlprtg; ’föi dtin ^t^^iAorCt}rb in 

■ JJriiitiik Ufl';! 0^erfl IJ iJi-.hUBH>Hvrh. 

Diesür Niumrmr jißgt t^iu f^rö-^]i;ükf^Djr V\4'lb^pbdv^h- 
,— - h ö U tj i Lui ^ (i; imü’ü, il Ihr; ht» ti, i jI* i , ui i f !v t'f c 

W i i- b LbsJtl i' h u i t i? n h i ü ö i i* ir u 




iJerfMgi t»ir^ icht llachaljmmi^ het edt^teii 

Stedtenpferd - CiUenmilch - Seife 

i?«n Bträtsänn 4 r i^e„ BstttbinL «Ss if; i'K t»«Stift fur 
eines fitricH, j-eiöiB 4 *?pditfä, rin'igen, jtt3cn&- 
itifstfmJhisfeticnSrein« i»eifritu,fammeHe£idtcn^(ia*ini& 
eisni'Sliifitieueii Seints. ä St. 50 pfö- tlberna fu liaiieit. 


mnsiiiiijKitira 

tut Betoltit and EibdomlidOrfllBL 



Oa« Jahr eeUlfnetn 


, A er^ti> t; ■ •'■ 

Dr, med, ^ 


Kauftniiini. Xoitung: 

Direktor Biutli}« 


Für rt«ii W^ihiirtclitüfiKcbp 

Küh' gnmii'rtü ScjiÜMSfti hlrtld fihn*? I d?tHi «ehaiisti^ 

Siriiiui)ekfä-theb • dr-r Tiif^'f. Kiür.ki.• nihläd i^vieI iiiv\ lVi*irtu'tr' tlK-' 

■ '«JL r.hi'' Hefritelluui^ üHuer ^ I x-Höri1<»rl • 

uhtl f*4Hbii.Dxr^fcfi|:uVii^:k^. 

AtiföriJuriiti^i> u , \vi^\ cbi^ fiii dH^ tiÜet(Hiiv .\ üt-üA fi-r A’--f- 
B c llj-it ttÄ-c h ß*«f E n. i>iIT M i- f det 3-. • k { > 1 »m l■■^^ i W j' f i i>? s *1'. S F.i-’/'i): ft-r.iht?< ' 

Wftg\VCilH)Tfl nhiht Im >; A 41 '“ In C n 

l'4iö is nh I' r -e i t li uÄkdMi - 

vhr 14 n tffI ’ Li Tü. i ti I u Jtpfnt üirre'Fäi?}! n rs 4 M to i. 11 , 

Wirk vyisbiii^rutjf* wti «i^ii 

ft iTti a i' ii^t lUiij liV.hrr/ii.' • hiT-v •■',■) ^-.jn i '4*’^r 

KTi^^hkoh*! .mvl pritai^tittlhnt Krii-iiPUMx-i^f»^!’ £ugea Itrrstaifj, 
uTi ^ .■ W atp . ■■*, Kantl g««itSe tltrnler« UQ ’ van. .■ , 

ffif .iv 1 nü ia '^rst fj m H i e' 11 < \ ri> u* li u t ^ Ü f? A i> I ÜJ t-U> h i\-h4r- It 

AflnhilrfxmTjTtt^ :i;h HJrtt'u Si: fj »t m häI rjtild 

^ciitühii^hl rillt df>ir] Ka;n><D 

JVialiirUk ISttsejülliI gfiMflltüfi Tal'dd, PHJi iÄl.diiiiJ 

E fif^ {1 i II >k säL>i ^3^; I * fft i itUsKill j f) ü) i ftn ?t J > i iv f ft f i i -ii Tnt ff! n a hem 

ftU<S|fczvichhet«iJ* c4t .Arhcib'ti ax ^ UVr s^cb 

ilitisijK ftcbbhi' AVnrkt ain» illirVü(iu#i i>u) Wi'rivfjÜPa ^^^yhufvUiÄ- 
«chflik i 1 nf(i^b vri \ i,•: ivnd p it"ti direkl nn 4f hi ö t> 

be^ftUthhetwi ht^traljr? ilex 

Prbis des In heUblttü'&m huiuüji Köbahd<>ubu Bnadfrfl 10,'-^ Mark. 

: ••■ 4.- :•:.. :-4 .; • •■ •■,v,-> • ;• -••':■ ;• a;.DL ■ •. .• 


hciifsctiei*: nfiil Sciifschc W»p«ii. 

[ h*r ^1 Jet111' uu< I ^ ni' h 1 11 folu«ndft nti)thcIn? Al 11’ 

; Anp^^du^ü J>. yrirtrng mn! 

1 Vlüjtilivtsfvjzr Fnhn.kftf 4'i rdv j1m> v'^ doul - 

JSpüft^irTsk>4|^^^^ i!flL\r>P uhcizmi^f h:tl. ÜjtÜ ilejh 

ii iil li it/ni vis ri Ü dfi r id t d eu I j ü"/ s ji U s! H tu I b ft E r ?; C n^lt ft 

jiii^rrich v.ntKö^jrh ujiiJ dfu 

Itch?irr l^tiAlknuj^ n4riflextvlir^ j^inikhWutUi»' 

eiiid; itmulf«f^ 4«tiiHDbeft rii]lhell«pitjetrfty4»r(ik VerUutiin 
‘mü fi«M9 detttgelier ErtiittJdnae mit tfenisetaitti Mamtö ä«ii 
^ ifeiiUebt i fiewtrbillsDI cn h&ii dadiiriFb das dnafieb« 

inn A«üedrfi$li iU 

' Jn ItlVblfftb ftu*Mk*^hUf*uiff^:^Ayfi;^!> ^iii* 

für EftiektäthfrT ik^j. dvr AtlUrtftnr&N 

h ftnrF uhü iwi tl fti-A A^-rTiriti +\ *v ^ (f :li Ä mi ^; ir * fh? 4 ft il tsc h m 

siif.ortVftE^^lntift iH !mu ü ft r ^ %nlj^iJii 4 yftä"auü^oti^ • 

Avxi.rb fhrvt Schild»4h dftp ^?nTjh>.4il)i*^\vnülHtHH. tiflfiMlbti. 

i Ji» ü 1 ' uf jicTip Sp 03 ' 111 V 51 uKi rie I hrts ivoi^kni n>j ufM Eikeit hi 

iii ] t u Art ik*du b fMi E i«fr ft 1 Fftrfevt.“^ nftjt .hihri&ti ifiulift in»i 

Ah =^tft.n 6 , Vöii wo.wte ;t e 13 w ft untfix* f11 dl iiu 4 i Bc\\ a*r it<cbntniur 

w iedftI nt^l^bbntniiiiMt tu J h 1);^ aUcli 1 n int tfluCf h'4;(bft ¥t?Ttfeti, 

Ouc^^i^rhuUb' lfivbrikimtftu fdhft ntcbT 

türeilt4tu xeierr u iei 1 1 ii iit- die ii«»iseß in ^^ ,^iidferii iin cl i 

Ulü Äusftteiivmg füf jfygU^h^ m Ürcfttieu. , 
















□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 

□ 


□ 

5 


Dresden, Hotel Bellevue 

Vornehmstes Haus der Residenz 

in unvergleichlich herrl. Lage a. d. Elbe, gegenüber d. Kgl. Schloß, Opernhaus, Museen mit Gemäldegalerie 

Umgebaut und mit allen modernen Einrichtungen versehen 

Zum Winteraufenthalt sehr g^eeig^net 

Günstige Pensionsbedingungen während der Wintermonate 
Autogarage. R. RÖNNE FELD, Vorstand und Leiter. 


II 


bllnterspoilplotzJohannseorsenstiiilt 

im Erzgebirge — 750—900 m über dem Meere 

an der Bahnlinie Leipzig—Zwickau—Karlsbad, inmitten prächtiger Waldungen 

=—= Ausgezeichnetes Skigelände - 

Erstklassiger Sprunghügel gegenüber dem Bahnhofe 

In den Weihnachtsferien i^kikurae, veranstaltet vom Wintersportverein Johanngeorgenstadt und Akademischen 
Sportklub Leipzig. Am Sportplatz bei Külliggut Skihütte des Akademischen Sportklubs Leipzig. — Auskünfte 
erteilt jederzeit der Wintersportverein «lolianiigeor^enstadt« 




Elend 


bei Sdiierke 
im Oberharz 

Station derllordhausen'Wernlgerodet Eifenbahn 

—- 520 m fl. d. m. —. 



Winterfportplatz mit 2000 m langer Rodelbahn 
in geldiü^ter üage < Sute Sdineeperhdltnille 
Sdineefdiuhlport • Sdilittenlahrten • Preiswerte 
Peniion in Botels und Prioathduiern mit eleh« 
triidiem Iiidit • Zentralheizung • liOaiierleitung 


Buskünhe hoitenlos: 


Barzklub-Zwelgoerein, Gemeindeverwaltung 


KMsBsmd £nm SKaivsE 

= Hotel Waldhöhe = 

Vollständig renoviert, nächst dein Bahnhofe. Elektrisches Licht, 
Zentralheizung, Pension auch iin Winter. Sportgeräte leihweise. 
Telephon Amt Schierke 22. - ■ --- - — — 


Tribers^ ^*^^*^^**^^^****ho*ci» 

o* i. unniittelb. Nähe <l.Sportplfttzo, Rodelbahn., 
prächt.Skigolände. Neue Sprunghügel an läge, sow. Eisbahnen. Ntn- 
•rbante Knustbobilalghbaitii. Zentralheizung, Telephon 28. Jllustr. 
Prospekto auf Verlangen. — Rodel, Ski und Bobs leihweise. 


1 Einfamilienhaus | 

I in Düsseldorf-Oberkassel § 

□ direkt an der Haltestelle, solide gebaut und fein aus- D 
^ gestattet, enthaltend 9 große Räume, Küche, Bade- 5 

□ Zimmer, Wintergarten und sonstige Nebenräume, mit □ 

□ Zentralheizung, elektr. Licht,Warmwasserbereitung etc., □ 
^ zum billigen Preise von 85000 Mark bei kleiner An- S 

□ Zahlung zu verkaufen. — Offerten an die Geschäfts- n 

□ stelle dieser Zeitschrift erbeten. □ 

□ a 


-. 

DÜSSELDORF V aIa DÜSSELDORF 

Königsallee Nr. 38/40. Königsallee Nr. 38/40. 

Kinematographische Vorstellungen ersten Ranges 

^ . Vornehmstes Lichtspieltheater Deutschlands. .— ■ 

















Zeitschrift für HeimatKunde and iieimatiiebe 
Orion für die deutschen Verkehn-tnteressen 









f 1 vl 

>• 















\ ^ ^ 

r 5k- » 't 














Seine Königliche Hoheit der Herzog von Sachsen-Coburg-Qotha • 
□ am Steuer seines Bobsleigh „Thüringer Löwe'' □ • 

$••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• ••••••••••••••••••••••••••« 


I Wintersport in Thüringen 



















Zugverbindungen nach dem sauerländischen Wintersportplatz 

Wilitei’berg:. 

(Zusammengestellt von der Königlichen Eisenbahndirektion Cassel.) 



1 . Ab 

Dortmnnd Hbf. . . 

630 

926 

119 1 355 

G38 

6 . Ab 

Cassel. 

300 

730 

845 

200 


Essen ........ 

631 

826 

207 243 

624 


W arburg ...... 

4 ^ 

8*5 

1038 

30 ? 

an 

llaceii. 

726 

1004 

258 450 

7^ 


Hannover 






Weiter siehe Nr. 3. 




über Altenbeken . . . 

— 

— 

461 

900 







„ 

Paderborn über Büren 

— 

614 

84* 

234 

«. Ab 

C«ln Hbf. 

6 -^ 

836 

130 ; 222 

6 Si 

an 

Nuttlar. 

6*9 

843* 

1229 

618 


Düsseldorf .... 

606 

827 

123 i 302 

g34 

,, 

Bestwig. 

638 

935 

1239 

417 


Elberfeld. 

667 

930 

226 1 400 

714 

al) 


G59 

950 

1240 

540 


Barmen. 

705 

937 

934 411 

722 


Nuttlar . 

715 

967 

1247 

647 

an 

Hagen. 

7i8 

959 

257 , 462 

747 

an 

Winterberg .... 

826 

1125 

200 

7 O 8 


Weiter siehe Nr. 3. 




Ab Paderborn. 




3. Ab 

Hagen. 

738 

1008 

30G 502 

751 








Arnsberg. 

827 

— 

403 ] 627 

846 

7. Ab 

Hannover. 

— 

630 

— 

— 


Neheim-Hüsten .... 

837 

1059 

413 ! 641 

856 

t) 

Cassel über Warburg 


943 

1160 

— 

an 

Hestivig. 

901 

1130 

445 7^ 

930 


Cassel über Zierenberg 

— 

910 

1157 

— 


Weiter siehe Nr. 6. 




Warburg. 

— 

1039 

1252 

— 








Arolsen. 

— 

1129 

166 

— 

4. Ab 

Hamburg. 

1114 

— 

739 939 

— 

an 

Fraiikeiiberg . 

— 

109 

348 

— 


Bremen . 

Osnabrück . 1 

1^ 

315 

713 

929 11*7 
1116 138 

129 

4*7 


Weiter siehe 

Nr. 9. 




Münster.1 

412 

80('. 

1257 324 

547 







7» 

Hamm. 

6^> 

924 

205 407 

1 644 

8. Ab 

Frankfurt (Hain) 

— 

— 

11004 

1247 

77 

Dortmund. 

637 

8»4 

911 350 

1 615 


Gießen. 

699 

— 

1210 

200 

an 

Fröndenberg . 

668 

lül* 

322 502 

7^ 

U 

Afarburg. 

703 

— 

204 

349 

ab 

77 . 

'*809 

1086 

344 566 

8*6 

an 

Frankenberg . . . 

8*7 

— 

318 

6*1 

an 

Bestwig . 

907 

1180 

445 736 

930 


Weiter siehe 

Nr. 9. 




Weiter siehe 

Nr. 5. 









5* Ab 

Kestwig . 

900 

1240 

1 640 827 

9^ 

9 . Ab 

Frankenberg ... 

836 

127 

318 j 

532 1 

an 

Wiiiterberg . . . . | 

1125 

200 

7O8 947 

10^ 

au 

Winterberg . . . . | 

10*8 

309 

5*6 1 

709 


518 

6t9 

122 

*809 

817 

8£7 

834 

947 


1243 

618 

644 

734 

910 


435 

547 

748 

911 


919 

IOÖ6 


Außer vorstehenden fahrplanmäßigen Zügen verkehren bei günstiger Schneelage noch folgende Sonderzüge : 


Sonnabends: 


( ab Düsseldorf . . 5oo 
\ an Winterberg . 920 


so.»«.*- { 


Anmerkung: Zu diesen SonderzUgen werden nur SonderzugrUckfahrkarten III. Klasse zu ermäßigtem Preise verausgabt, 
SonderzOge gefahren werden und deren Fahrpläne wird jedesmal rechtzeitig durch Aushang auf den Stationen bekannt gegeben. 


ab Düsseldorf . 6*® 
an Winterberg . 10*9 

Ob und welche 



































DEUTSCHLAND 


Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe 


Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen o Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher 
Verkehrs-Vereine a Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein e.V., Köln 


♦ ♦ 

X Bezugspreis für Deutschland X 
J und Oesterreich-Ungarn 6 M., X 
X vierteljährlich 1.50 M., für das X 
$ Ausland 10 M. pro Jahr zuzügl. X 
X Postbestellgebühr — Erscheint X 
X Mitte eines jeden Monats lim X 
X April, Mai und Juni je zweimal) X 
♦ « 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 

Druck und Verlag: Düsseldorfer Verlags-Anstalt A.-G. 


♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦«• 

X Anzeigen - Preis 40 Pfennig X 
t die viergespaltene Kolonelzeile X 
X ■ Reklamen 1.50 M. . X 

X - die doppelte Breite- X 

X Auf der Umschlagseite erhöhte X 
X Preise — Bei Wederholungen X 
X eine entsprechende Ermälzigung X 


Nr. 13 


Düsseldorf ■ Januar 1912 


11. Jahrg. 


^ Friedrich der Große ^ 

Von G. Ho we. 


Mitten in den Winter unseres politischen Mißver¬ 
gnügens fällt die 200. Geburtsfeier Friedrichs II., den 
seine Mitwelt schon den Großen nannte. Das ist ein 
Tag der Erinnerung, der Erhebung und der Hoffnung in 
unserer für den Vaterlandsfreund nicht eben begeisternd 
schönen Gegenwart. 

Der Mann, der das kleine Preußen in den Rang der 
Großmächte erhob, der sich in seinem unvergleichlich 
ausgebildeten Heer ein nie versagendes Werkzeug schuf, 
um mit schlagender Beweiskraft den Anspruch auf seine 
selbsterrungene Stellung gegen jeden Neider zu ver¬ 
teidigen, jener Fürst, der, durch Bildung und Weite 
des Blickes seinem Volke weit überlegen, sich doch 
nur als den ersten Diener des Staates ansah, er bietet 
ein Bild, das uns Nachgeborenen an Geist, Gemüt und 
Gewissen greift. Auf seine Zeitgenossen wirkte er 
überwältigend, und für einen Goethe erschien er „als 
der Polarstern, um den sich Deutschland, Europa, ja 
die Welt zu drehen schien". 

Friedrich selbst hat geringer von sich und seinem 
Werk gedacht. Er gehörte zu den seltenen Machthabern, 
die genügend Selbstkritik besitzen, um sich durch über¬ 
treibende Urteile der Welt nicht blenden zu lassen. „Die 
Nachwelt richtet uns", sagt er, „und wenn wir klug sind, 
kommen wir ihr durch strenge Selbstbeurteilung zuvor." 
Das bedeutsame Werk des rauhen und gewaltsamen 
Vaters hat er fortsetzen wollen. Rechte Fortsetzung aber 
besteht in der Weiterbildung. Des Königs ganzes Sein war 
auf das Handeln gerichtet, und wenn trotz aller Glanztaten 
nicht jeder Blütentraum zur Reife kam, so begründete 
er mit dem preußischen Wertbewußtsein zugleich jenen 
unschätzbaren Geist der kräftigen Initiative, der in 
unserem Heere dauernd lebt, wenn er auch in unserer 
Diplomatie sich leider hin und wieder vermissen läßt. 

Heldengröße im höheren Sinne ist nicht so häufig 
unter den Menschen und Völkern, wie Tradition und 
konventionell geschriebene Geschichte es uns glauben 
machen wollen. Derjenige, welcher Friedrichs Helden¬ 
tum zuerst in seiner ganzen Größe betont, es nicht 
nur seinem Volke, sondern der Welt in überzeugen¬ 
der Weise gewiesen hat, war merkwürdigerweise ein 
Engländer: Thomas Carlyle in seiner an abstrusen 


Sonderlichkeiten sa reichen, dabei aber mit zwingender 
Kraft und lebendiger Begeisterung geschriebenen Ge¬ 
schichte des großen Königs. Ja, Friedrich war ein 
Held! Nicht bloß, indem er, vom Hunger nach Ruhm 
getrieben, den Kampf mit einem übermächtigen Gegner 
aufnahm und ihn mit einer ans Uebermenschliche 
grenzenden Zähigkeit fast gegen ganz Europa erfolgreich 
zu Ende führte. Nicht, weil er bei Kunersdorf, als 
alles verloren war, allein den feindlichen Kanonen 
entgegenritt — das tat Napoleon III. bei Sedan auch —, 
oder weil er fest entschlossen war, wie er an den 
Marquis d'Argens schreibt, seine endgültige Niederlage 
nicht zu überleben. Das Abenteuerliche an sich reizte 
ihn nicht, und ein Karl XII. erschien ihm kaum in 
idealem Lichte. Im Volke freilich lebt in erster Linie 
der Sieger von Roßbach und von Leuthen, der mit 
seiner Potsdamer Wachtparade „die ganze Reichsarmee, 
Panduren und Franzosen" zum Teufel jagt. Und sein 
schnell zugreifender kühner Wagemut wird stets Gegen¬ 
stand größter Bewunderung bleiben, denn 

Was nennt man groß, was hebt die Seele schaudernd 

Dem immer wiederholenden Erzähler, 

Als was mit unwahrscheinlichem Erfolg 

Der Mutigste begann? 

Was aber sein Heldentum über Zeit und Ver¬ 
hältnisse erhebt, das ist nicht allein sein Wille zur 
Macht, zur seltenen Tat, es ist weit mehr der Wille zur 
Pflicht, welcher den von einem reichen Triebleben er¬ 
füllten Mann, der sich doch frei fühlte von jeder Moral- 
fexerei, dauernd zum Sieger über sich selbst machte. 

Friedrich der Große war weit entfernt von jener 
festen Geschlossenheit des Seelenlebens, wie wir sie 
bei bedeutenden Männern der Geschichte konstatieren 
oder doch gerne voraussetzen. Wer Ungewöhnliches 
erstrebt, braucht meist unerschütterlichen Glauben an 
sich selbst und seinen Stern. Friedrich hatte diesen 
Glauben nicht. Philosophie und Heldentum gehen 
schlecht zusammen, und der König war ein Philosoph. 
Sein starkes Empfindungsleben, sein von Grunde aus 
weiches Gemüt machte ihn abhängig von Stimmungen; 
sein scharf analysierender Verstand übte sich gerne 
an einer rücksichtslosen Selbstbeobachtung, die energie- 









616 DEUTSCHLAND Nr. 13 


voller Aktivität nicht günstig ist. Ein Skeptiker war er 
in durchaus modernem Sinne, der zu den konventionellen 
Ansichten über Lebenszweck und Willensfreiheit eine 
kritische Stellung einnahm. Und wenn er den groben 
Materialismus der französischen Enzyklopädisten mit 
seinem ästhetischen Feingefühl auch entschieden ab¬ 
lehnte und das Dasein eines persönlichen Gottes als 
eine Notwendigkeit empfand, so ward ihm die Vor¬ 
stellung des Gottesgnadentums damit noch lange nicht 
zum Glaubenssatz. Dauernd schwankte er zwischen der 
Annahme eines blinden Geschicks und einer allwaltenden 
Vorsehung. Es scheint 
ihm durchaus zweifel¬ 
haft, ob sich „die 
Blicke der Gottheit 
zu menschlichen Er¬ 
bärmlichkeiten herab¬ 
senken", und die irdi¬ 
schen Geschöpfe sind 
ihm vorwiegend doch 
nur „Puppen in der 
Hand Seiner Majestät 
des Zufalls". Das resi¬ 
gnierte Gefühl eines 
trüben „Ignorabimus'' 
geht durch seine Be¬ 
trachtungen und es er¬ 
streckt sich auch auf 
die bange Frage nach 
der Menschenseele 
Vergänglichkeit oder 
Dauer. Was aber die 
Bewertung seines per¬ 
sönlichen Tuns an¬ 
geht, so sollen „die 
alten Einwendungen 
der Hofleute, Eigen¬ 
liebe und Eitelkeit ihn 
nicht beirren". „Das 
Land Brandenburg hat 
gestanden eine lange 
Zeit und wird fortbe- 
stehen nach meinem 
Tode. Die Staaten 
werden erhalten durch 
die Fortpflanzung der 
Rassen,undderHaufen 
wird regiert durch die 
Minister oder Souve¬ 
räne. Etwas klüger, 
etwas einfältiger, das bleibt sich fast gleich; die 
Unterschiede sind so gering, daß die Masse des Volkes 
kaum etwas davon wahrnimmt." 

Nun aber die andere Seite seiner komplexen Natur! 
Seine Skepsis treibt ihn nicht zur kontemplativen 
Passivität, zu einem tatenlosen Pessimismus. Seine 
Entschließungskraft wird nie von des Gedankens Blässe 
angekränkelt. Mag immerhin der Weltengang ein un¬ 
auflöslich Rätsel bleiben; mag sein, daß ihn ein 
Zufall nur an seinen Platz gestellt! Und doch! So lang 
an diesem Platz er steht, will er ihn würdig füllen. 
Denn leben heißt ihm handeln; handeln bei einem 


König aber ist identisch mit der Tätigkeit für andre. 
— So erwächst für Friedrich der starke Begriff der 
Pflicht quand meme. Und keine Verbitterung des 
Alters, kein „Räsonnieren seiner eigenen Lumpen¬ 
hunde" — wie es Goethe gelegentlich eines Berliner 
Besuches mit eigenen Ohren hörte — hat dieses Pflicht¬ 
gefühl im König erkalten lassen. Im Gegensatz zu der 
natürlichen Gefühlsweichheit, die er im Umgang mit 
seinen Freunden, namentlich mit seiner vergötterten 
Schwester Wilhelmine, in seinen Briefen und Poesien 
zeigt, geht durch seine staatsmännische Tätigkeit 

ein harter, trockener, 
prosaischer Zug. In 
seiner Sorge für sein 
Land ist er einer rein 
realistischen Denk¬ 
weise zugetan, und alle 
theoretischen Philo- 
sopheme verlieren bei 
ihm ihren Kurs, sobald 
es sich um die prak¬ 
tische Frage handelt, 
wiedas moralischeund 
materielleWohl seines 
Volkes zu fördern sei. 
Die großen modernen 
Probleme desSchutzes 
heimischer Industrie, 
der inneren Koloni¬ 
sation, der Verbesse¬ 
rung des Verkehrs¬ 
wesens, vor allem 
auch einer Neuord¬ 
nung der Rechtspflege, 
sie werden von ihm mit 
weitschauender Um¬ 
sicht, mit maßvoller 
Besonnenheit und kon¬ 
sequenter Energie auf¬ 
gegriffen. Und wie er 
in einem spezifisch 
pädagogischen Jahr¬ 
hundert lebt, so fühlt 
er sich mit seinem 
sicheren Instinkt für 
die Bedürfnisse der 
Massen als den be- 
rufenenErzieher seines 
Volkes. Ohne daß er 
eine Zeile des großen 
Königsberger Weltweisen gelesen hatte, machte er 
sich zu einem überzeugten Vertreter von Kants kate¬ 
gorischem Imperativ der Pflicht. Dabei wußte er, daß 
er, der seiner Zeit geistig weit Vorauseilende, auf 
Anerkennung, auf mithelfendes Verständnis nicht zu 
rechnen hatte. Ihm genügt das schlichte Selbstzeugnis, 
das er sich im Eingang seines Letzten Willens aus¬ 
stellen darf: „Unser Leben ist ein rascher Ueber- 
gang vom Augenblick unserer Geburt bis zu dem des 
Todes. Während dieses kurzen Zeitraumes ist der 
Mensch bestimmt, zu arbeiten für das Wohl der Gesell¬ 
schaft, deren Glied er ist. Seit ich zur Herrschaft 



Büste Friedrichs des Großen (modelliert von G. Schadow) 






































618 DEUTSCHLAND («] 


Nr. 13 


gelangt, habe ich mit allen Kräften, welche die 
Natur mir verliehen hat, und nach meiner schwachen 
Erkenntnis mich bemüht, diesen Staat glücklich 
und blühend zu gestalten, den ich die Ehre habe 
zu regieren."' 

Was den König frisch erhielt, nicht nur in den 
Tagen der Tafelrunde von Sanssouci, sondern gerade 
auch in den trüben Jahrzehnten der allmählich zu¬ 
nehmenden Vereinsamung nach dem Siebenjährigen 
Kriege, was seinem Geist im Frondienst der trockenen 
Pflicht immer wieder neue Elastizität verlieh, das war 
sein Verkehr mit den Musen. Beklagenswert, wenn¬ 
schon aus Zeitumständen und Erziehung begreiflich, 
kann seine Verständnislosigkeit gegenüber der deutschen 
Literatur erscheinen. Sein ästhetisches Empfinden trug 
hier über das nationale den Sieg davon. Die auf der 
Höhe formaler Schönheit und geistvoller Diktion 
stehende französische Poesie hielt ihn fest in ihrem 
Bann und hinderte ihn, zu der tiefgründigen, jedoch 
von Schwulst nicht freien Sprache Klopstocks, ge¬ 
schweige zu dem kraftvollen, aber unreifen Realismus 
der Sturm- und Drangzeit Beziehungen zu suchen. Der 
Aufstieg zur klassischen Vollendung deutscher Dicht¬ 
kunst kam aber für den König um ein Jahrzehnt zu 
spät. Erst in seinem Todesjahr erschien Goethes 
Iphigenie. Und doch hat er den festen Glauben gehabt 
an die hohe Mission seines Volkes auch auf poetisch¬ 
künstlerischem Gebiete. Wie die Rede eines Propheten 
klingt es, wenn er in seinem Aufsatz „De la litterature 
allemande" schreibt: „Wir werden unsere klassischen 
Autoren haben; jeder wird sie lesen wollen, um von 
ihnen zu gewinnen; unsere Nachbarn werden das 
Deutsche lernen; die Höfe werden es mit Vergnügen 
sprechen, und es wird dahin kommen, daß unsere 
Sprache, verfeinert und vervollkommnet, sich dank 
unseren guten Schriftstellern von einem Ende Europas 
zum andern verbreitet. Diese schönen Tage unserer 
Literatur sind noch nicht da, aber sie nähern sich. 
Ich kündige sie Euch an, sie werden erscheinen; ich 


werde sie nicht schauen, mein Alter versagt mir diese 
Hoffnung. Ich bin wie Moses: von ferne schaue ich 
das gelobte Land, aber ich werde es nicht betreten". 

Friedrich war der reifste Typ des aufgeklärten 
Absolutismus. Die Summe der bewegenden Ideen und 
Bestrebungen des Jahrhunderts der Aufklärung finden 
wir in ihm vereinigt, und es gibt gegen Ende seiner 
Regierung kaum eine der europäischen Monarchien, 
die nicht durch einen Hauch seines Geistes durchweht 
und beeinflußt worden wäre. An eine Aenderung des 
autokratischen Systems hat er nie gedacht, konnte er 
nicht denken, weil sein Volk ihm für eine politische 
Emanzipation nicht reif schien. Er hielt fest an der 
Konzentration der gesamten Verwaltung in seiner 
Person. Das war noch eben möglich in einem Preußen, 
das kaum so viel Einwohner zählte wie heute die eine 
Rheinprovinz. „So wenig", sagt er in seinem politischen 
Testament, „wie Newton sein System in Verbindung 
mit Leibniz und Cartesius hätte zustande bringen 
können, so wenig kann ein politisches System gemacht 
und behauptet werden, wenn es nicht aus einem Kopfe 
entspringt, und das muß der des Fürsten sein". Die 
strenge, vom Vater überkommene Staatsform sucht er 
mit den modernen Kulturbestrebungen zu vereinigen. 
Der großen historischen Entwicklung des Absolutismus 
verleiht er die krönende Form und stellt zugleich 
ihren Abschluß dar, indem er für eine Fortbildung die 
sittlichen Grundlagen zu schaffen sich bemüht. Daß 
die neue Weltepoche zu plötzlich hereinbrach, daß 
Friedrichs Nachfolger sich unfähig zeigten, diese Fort¬ 
entwicklung vorzunehmen und die Politisierung der 
Gesellschaft unter Umgestaltung des Staatsbildes in die 
Wege zu leiten, das war das tragische Moment in der 
Geschichte Preußens. Es führte uns nach Jena. ,rWir 
sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrichs des 
Großen", schrieb die Königin Luise in der Unglücks¬ 
zeit ihres Vaterlandes an ihren Vater. Geben die 
Götter, daß eine neue Weltkatastrophe uns nicht 
schlafend finde auf den Lorbeeren von Sedan! 


Deutsche Winterlandschaften. 

Von Dr. med. Erwin Jaeger (Leipzig). 


Die Natur unseres Vaterlandes, die infolge ihres 
geologischen Aufbaus und der auf ihr befindlichen 
Vegetation eine außerordentlich große Mannigfaltigkeit 
zeigt, die noch durch den Wechsel von vier Jahres¬ 
zeiten erhöht wird, hat bei der Empfänglichkeit des 
Gemüts unserer Vorfahren und ihrem ausgeprägten 
Sinn für die Geschehnisse der Natur die Phantasie der 
germanischen Völker schon in Urzeiten beschäftigt und 
angeregt. Nicht zum mindesten diesem Umstande ist 
der große Schatz an Sagen und Märchen zu danken, 
über den die Germanen verfügen. Sie fanden und 
finden Anklang insbesondere bei unserer Jugend, 
obwohl die ihnen zugrunde liegenden Ereignisse in 
der Natur uns nicht mehr durchaus bekannt oder 
geläufig sind. Das gilt insbesondere von den Er¬ 
zählungen, die in der winterlichen Jahreszeit spielen. 
Und doch muß unserem Volk ein latentes Erinnerungs¬ 
vermögen an diese Jahreszeit und die Ueberwindung der 


sich durch sie ergebenden Schwierigkeiten geblieben 
sein; wenigstens scheint die Schnelligkeit, mit der 
man seit Einführen des Wintersports bei uns gelernt 
hat, vermehrtenGefallen an der winterlichen 
Lands chaftzufinden und ihr Verständnis entgegen¬ 
zubringen, dafür zu sprechen. Daher ist wahrscheinlich 
auch die Begeisterung besonders groß bei unserer 
Jugend. Denn wie sich offenbar in der Jugendzeit 
unseres Volkes der Sinn für die Schönheit des Winters 
entwickelt und daher zu einer Reihe schöner Sagen 
und Märchen geführt hat, also zeigt sich, nachdem in 
neuester Zeit wieder die Neigung zum Aufenthalt in 
winterlicher Natur in ihrer schroffsten Art, nämlich im 
Gebirge, gekommen ist, das Einzelindividuum in seiner 
Jugendzeit zu solchem Treiben am geeignetsten. Das 
Leben des Einzelindividuums wiederholt unter gleichen 
oder ähnlichen Umständen den Lebenslauf der Volkheit. 
Außerdem hat das nüchterne Alltagsleben, dessen 



620 DEUTSCHLAND Nr. 13 


Sklaven die meisten 
von uns sind, und das 
mit seiner bis in das 
kleinste gehenden Spe¬ 
zialisierung im Beruf 
viele zum Teil einer 
Maschine indemgroßen 
Getriebe macht,ebenso- 
viel Menschen die Mög¬ 
lichkeitgenommen, sich 
in ihrem Beruf auszu¬ 
leben und ihre volle 
Persönlichkeit zur Gel¬ 
tung zu bringen. Im 
Gegensatz hierzu bieten 
die Wanderungen und 
sportlichen Beschäfti¬ 
gungen im winterlichen 
Gebirge nicht nur reich¬ 
lich Gelegenheit zur in¬ 
dividuellen Betätigung, 
sondern die Landschaft 
selbst regt die Phan¬ 
tasie ihrer Beschauer in 
hohem Maße an. Ein 
reiches inneres Erleben 
lohnt, man möchte 
sagen, oft allzu reich¬ 
lich alle aufgewendeten 
Mühen. — Da das Klima 
unserer Mittel-Gebirge 
stark maritimen Cha¬ 
rakter zeigt, infolge¬ 
dessen im Sommer das 
Entstehen einer beson¬ 
ders vielseitigen Vege¬ 
tation begünstigt, im Winter aber besonders reichen 
Schneefall herbeiführt, so bietet unser Vaterland für 


die Modellierarbeit des 
Winters ein besonders 
ergiebiges Arbeitsfeld. 
Man vergleiche z. B. die 
überwältigende Gro߬ 
artigkeitalpiner Winter- 
Landschaften, deren 
oft gigantische Gewalt 
uns geradezu gefangen 
nehmen, erschöpfend 
auf uns wirken kann, 
welche aber auch in¬ 
folge ihrer Einheitlich¬ 
keit wohl großzügig 
sind, aber der anregen¬ 
den und unterhaltenden 
Einzelheiten entbehren, 
mit unseren Mittel- 
gebirgs - Landschaften, 
die einen schier un¬ 
erschöpflichen Reich¬ 
tum an Formen und 
Gestaltungen in jedem 
Winter aufweisen, und 
zwar je mehr, je näher 
wir uns der Baumgrenze 
befinden und die Kamm 
höhe der Gebirge oder 
die Bergesgipfel er¬ 
reichen. — Doch das In¬ 
teresse des liebevollen 
Beschauers an der 
Winterlandschaft geht 
weiter, wenn er seine 
Beobachtungen lange 
genug fortsetzen kann. 
Die immerwährende Wandlung des Aussehens der ver¬ 
schneiten und vereisten Gestalten zeigt ihm, daß sie 

















Nr. 13 DEUTSCHLAND 621 


Leben haben, und daß die Darstellung des Winters als 
Würger alles Lebens falsch ist. Die dem Bilde an¬ 
gehörenden Individuen zeigen im einzelnen so gut 
wie jenes im ganzen ein anderes Aussehen in der 
Morgenstimmung bei aufgehender, ein anderes in der 
Abendstimmung bei untergehender Sonne. Dort eine 
sich machtvoll durchringende Kraft, hier der letzte 
Glanz einer Landschaft, deren aufgetürmte Wolken die 
Wirkung der Arbeit der Sonne zeigen. Welche Summe 
verschiedener Farben gibt das Tageslicht einer Winter¬ 
landschaft je nach der Bedeckung des Himmels I Herrscht 
Frost und strahlt die Sonne ungehemmt vom blauen 
Himmel hernieder, dann funkelt und glitzert, unter¬ 
stützt von der an solchen Tagen trockenen Luft, alles 
in der Landschaft. Dann scheint Rübezahl sein Spiel 


Welche Kontraste von Licht und Schatten läßt der 
normal alles reflektierende Schnee zu! Wolken ver¬ 
mindern die Helligkeit der Schneelandschaft und schaffen 
statt dessen Farben auf dem Schnee bis zum blau 
und violett. Außerdem schließen sie herrliche Bilder 
wirkungsvoll ab, sie vereinheitlichen das Bild. Nur 
dichter Nebel macht auch die Winterlandschaft tot: 
die Tarnkappe nimmt ja auch dem Menschen das 
Menschliche. Je dünner der Nebel ist, um so mehr 
beteiligt er sich an dem Zustandekommen prächtiger 
Farbenbilder. Sein dünnes und zartes Gewebe verleiht 
der Gegend unter Umständen sogar einen besonderen 
Zauber, dessen geheimnisvolles Wesen die Phantasie 
der Menschen von jeher angeregt hat. Am bekanntesten 
ist ja die Geschichte von Rübezahl, der durch den 



Großer Sprunghügel und Ziel der Rodelbahn an der Sportwiese in Ilmenau 


zu treiben, er macht aus Laub und Nadeln Gold. 
Oder geschäftige Zwerge und Gnomen sind an der 
Arbeit, den Menschen in ein nie geschautes Zauber¬ 
land einzuführen, in dem Gold und Edelsteine in 
traumhafter Menge zu schauen sind. Wie ganz anders 
wieder sieht die gleiche Landschaft bei gleichem 
Himmel dann aus, wenn die Frühjahrssonne gierig 
Schnee und Eis von Bäumen und Strauchern leckt. 
Welche wunderbaren Gebilde entstehen dadurch, daß 
ihr Wirken zunächst einseitig sein muß! Kampf und 
Sieg, Sorge und Hoffnung versinnbildlicht ein Bäumchen, 
das infolgedessen schon auf der einen Seite das 
trutzige Grün seiner Nadeln zeigt. — An solchen Tagen 
schaut sich auch der Schnee ganz anders an. Er ist stumpf 
geworden, er besitzt bei weitem nicht mehr die Reflexwir¬ 
kung des Neuschnees oder des wieder gefrorenen Schnees. 


Nebel den Wanderer neckt und ihm die Möglichkeit 
der Orientierung nimmt. 

Vereint sich dem Nebel Kälte, dann entstehen jene 
herrlichen Rauhreiflandschaften, die das Entzücken jedes 
Beschauers hervorrufen. Hier wird der Winter zum 
Künstler. Kann es uns überhaupt noch wunderbar 
erscheinen, daß ein Naturvolk, das so plötzliche Verände¬ 
rungen in der Natur beobachtete, von der Allmacht 
ihrer Götter überzeugt war! Ein häufig in der 
deutschen Mythologie wiederkehrender Zug ist der, daß 
solche Verwandlungswunder über Nacht geschehen, 
wie es der Rauhreif zumeist tut. 

Selbst die Nacht hat ihre Reize. Wenn sie nicht 
absolut finster ist, dann mehrt sich ihr Lichtschimmer 
durch den Reflex vom Schnee derart, daß die Gestalten 
der Winterlandschaft von einem geheimnisvollen Licht 











622 DEUTSCHLAND Nr. 13 



umflossen erscheinen. Andere Stimmungen herrschen 
bei Mondenschein — unbeschreiblich schöne — wenn 
sich zu diesem Frost gesellt. 

Schön sieht der Winter¬ 
wald dort aus, wo der Schnee 
ungehindert vom Wind seine 
Decke über alle Gegenstände 
hat gleichmäßig ausbreiten 
können, wenn Frau Holle 
allein ihr Werk getan hat. 

Solch ein Wald wirkt auch auf 
das Auge beruhigend, gibt 
dem Menschen Gelegenheit 
zur inneren Sammlung. Hier 
ist nichts von dem unsteten 
Hasten und Treiben des All¬ 
tagslebens zu spüren. Doch 
mannigfaltiger, unterhaltender 
und darum anregender sind 
die schneebedeckten Wald¬ 
landschaften im höheren Ge¬ 
birge, wo der Wind den Schnee 
entweder gleich bei seinem 
Auftreten wirbelt, oder, nach¬ 
dem er sich ausgebreitet hat, 
wie ein Ziseleur seine Spuren 
in die Schneedecke eingräbt, 
andere Bilder hervorrufend, 
wenn es sich um leichten 
Pulverschnee handelt, andere, 
wenn der Schnee pappt oder 
verharscht ist. Dann entstehen nicht nur auf der 
Schneedecke allerhand Gebilde, die das Wandern auf 


dem Schnee zwar beschwerlicher machen, anderseits 
aber als Produkt der konsequenten Arbeit des Windes 

nicht nur eine interessante 
Erscheinung für den beobach¬ 
tenden Menschen darstellen, 
sondern auch sehr nützlich 
wirken können, da sie die 
Richtung des Windes, der sie 
schuf, sehr charakteristisch 
wiedergeben und daher unter 
Umständen zur Orientierung 
ähnlich der Magnetnadel ver¬ 
wendet werden können. 

Dann schaue man aber auch 
auf die wunderbaren Figuren 
hin, unter denen Bäume, 
Sträucher, Wegweiser, Rain¬ 
steine usw. verborgen sind, 
ln scheinbarer Regellosigkeit 
haben sich hier die vorhan¬ 
denen Arten von Gestalten 
vervielfacht, ln diesen Ge¬ 
bilden zeigt die Natur dem 
Menschen, daß ihre Phantasie 
seiner weit überlegen ist. 
Die Phantasie des Menschen 
ist ja auch tatsächlich nur 
Reproduktion oder höchstens 
willkürliche Kombination von 
schon einmal Erschautem 
oder Erlebtem. 

Die Bilder, die wir hier sehen, veranschaulichen 
uns Wachstumsverhältnisse, die uns fremdartig bedünken 


Röuhfrost im Schwarzwald (Phot.: Dr. Hoeck, Freiburg) 



Kurhaus und Berghotel Gabelback bei Ilmenau, 750 m hoch 
















Nr.l3 DEUTSCHLAND 623 



wollen. Neben den vertikalen sind auch horizontale 
Wachstumsrichtungen festzustellen. Gesetze der Sym¬ 
metrie scheint es für diese 
Bildungen nicht zu geben. 

Und doch steckt auch in 
diesem Spiel ein tiefer, ernster 
Sinn: die Elemente arbeiten 
mit Kräften, die jenseits 
menschlichen Vermögens 
liegen. Das ist Rübezahls — 
das ist der Riesen Reich. 

ln diesen Landschaften 
konnten Erzählungen vom ver¬ 
wunschenen Schloß, von dem 
durch Hindernisse besonderer 
Art ausgezeichneten Schloß 
Dornröschens entstehen, dem 
sich nur ein edler und tat¬ 
kräftiger Ritter nähern konnte. 

Nur ihm war es möglich, 
solche Landschaft ihrem 
Ungekanntsein zu entreißen. 

Wie das Pfefferkuchen¬ 
häuschen in „Hänsel und 
GreteP' muten uns einzeln 
stehende Häuser, besonders 
die Klubhäuser in solcher 
Umgebung an. Tempora 
mutantur. Wer diesen Hütten 
naht, wird nicht mehr auf¬ 
gefressen, sondern im Gegen¬ 
teil dadurch, daß man ihm besonderes Interesse für 
den Sport vermittelt, kräftiger und gesünder gemacht. 


Winterwald im leichten Nebel ^Phot.: Dr. Hoeck, Freiburg^^ 


Schneewälle und ähnliche Gebilde, welche sich zu 
nahezu unüberwindlichen Hindernissen auftürmen können, 

erinnern uns an die Erzäh¬ 
lungen vom Pfannkuchenberg 
und an die Mauer des Schla¬ 
raffenlandes. Wenn der Er¬ 
zähler früherer Zeiten den 
Menschen nur durch Beharr¬ 
lichkeit zum Ziel kommen ließ, 
dabei allerdings in der Wahl 
der ihm für den Menschen 
geeigneterscheinenden Werk¬ 
zeuge seiner kindlichen Vor¬ 
stellungskraft folgte, so hat er 
doch das Richtige getroffen. 
Zwar ißt sich der moderne 
Mensch nicht mehr durch 
solche Schwierigkeiten hin¬ 
durch, sondern er benutzt zu 
ihrer Ueberwindung Schnee¬ 
schuhe, deren Erfindung aber 
ebenfalls das Resultat beharr¬ 
lichen menschlichen Strebens 
ist. Und wer meint, daß man 
damit die Poesie des Ge¬ 
heimnisvollen stören würde, 
der täuscht sich. Der Winter 
baut auch dem, der dieses 
Zauberland bereits kennt, 
immer wieder andere solcher 
Wunder auf und weckt dadurch 
in ihm immer wieder die Sehnsucht nach seinem Neu¬ 
land. Auch das Märchen von der Schneekönigin tritt 




Schneewälle im Erzgebirge (Phot.: E. Igel, Dresden; 









624 DEUTSCHLAND 


Nr. 13 


in unserer Zeit wieder auf. Wie sich dort Karl an ihren 
Schlitten gehangen, von ihrem Wesen angezogen, und 
wie er dann nicht mehr von ihr los kommt, selbst 
wenn er den Versuch macht, weil 
sie ihn nur anzuschauen braucht, 
um ihn von seinem Vorhaben ab¬ 
zubringen, so läßt sie auch den 
modernen Besucher des winterlichen 
Gebirges nicht mehr aus ihrem 
Bann. Gerade wie im Märchen 
nimmt die Fahrt des Skiläufers oft 
eine nicht beabsichtigte Schnellig¬ 
keit an, aber die Schneekönigin 
läßt ihn nicht los, der frische und 
lebenslustige Zwinger des Schnees 
folgt ihr, weil sie sein Herz besitzt! 

.Ja, es will manchmal scheinen, als 
sei sein Herz von ihr so erfaßt, daß 
es wie das des Karl im Märchen vereist und nichts 
anderem mehr zugetan sei. Aber wenn dann das 


sorgende Schwesterlein, die Pflicht, die an den Beruf 
erinnert, ihn aufsucht, dann wird auch er dem arbeit¬ 
samen und sorgenden Leben wiedergewonnen. — Wenn 
aber dann nach der Heimkehr der auf¬ 
gespeicherte Vorrat an Kraft allmäh¬ 
lich wieder zu Ende geht, wenn die 
Spannkraft nachläßt und Körper und 
Seele sich nach neuer Erfrischung 
sehnen, und der aus dem winterlichen 
Gebirge Zurückgekehrte die heimat¬ 
liche Landschaft belauscht, wie sie, 
gleich der Stiefmutter im Märchen 
von Schneewittchen und den sieben 
Zwergen, den Spiegel befragt, wer 
die Schönste im ganzen Lande sei, 
dann wird er zu seiner Freude und 
Rechtfertigung den Spiegel wie zu 
unserer Urahnen Zeiten sagen hören : 
Fruu Königin, Ihr seid die Schönste hier, 

Aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr. 



Zahme Hirschkuh in St. Andreasberg 


Winterfreuden im Harze 

Von Dr. W i 11 e (Braunschweig). 


(Schluß.) 

Es ist noch nicht lange, daß der Skisport aus seiner 
nordischen Heimat in das deutsche Gebirge verpflanzt ist; 
unser Harz hat bei seiner Einführung eine Rolle gespielt. 
Aus dem Jahre 18Ö3 hören wir von den ersten im Harz 
gebrauchten Skiern des Oberförsters Ulrich in Braunlage, 
und im Februar 1884 meisterte ein Braunschweiger mit seinen 
Hölzern den Brocken. T8Q2 wurde der erste Skiklub in Braun¬ 
lage gegründet; damals erkannte man zuerst die Bedeutung 
der Bretter für das Militär, und die 82er (zu jener Zeit in 
Goslar) bildeten zum ersten Male ein Schneeschuhkommando, 
wie es jetzt eine ständige Einrichtung der 165 er und der 
Goslarer Jäger geworden ist. Wenn sich seitdem der Gebrauch 
der Gleithölzer immer mehr im Harz ausgedehnt hat, so ist 
das im wesentlichen 
das Verdienst des 
Oberharzer Skiklubs, 
der 1896 ins Leben 
gerufen ist. Förster, 

Waldarbeiter, Post¬ 
boten, Laternen-An- 
stecker und andere 
bedienen sich dieses 
Verkehrsmittels, und 
auf Faßdauben oder 
einfachen Scheiten 
rutschen die Kinder 
mit Kanne oder Korb 
zum Kaufmann. Aber 
in immer steigender 
Zahl kommen jetzt 
auch die Sportleute 
von nah und fern 
in den Harz. Immer 
weitere Kreise er¬ 
kennen die Bedeu¬ 
tung dieses Sport¬ 
zweiges, der in der 
reinen Luft zu einem 
Born körperlicher Gesundung und Stärkung und, indem er 
die Schönheit der Berge ungebunden an Straßen erst richtig 
erschließt, zu einem Quell des höchsten Genusses wird. 


Der Skilauf stellt gewiß hohe Anforderungen an Aus¬ 
dauer und Geschicklichkeit, aber er lohnt die aufgewandte 
Mühe auch tausendfach. Der Charakter dieses Fort¬ 
bewegungsmittels erfordert gleichmäßige, kraftvolle Be¬ 
wegungen; Muskeln treten in Tätigkeit, von deren Existenz 
der weniger anatomisch Gebildete erst durch ihre Ermüdung;- 
etwas unsanft erfährt. Die Anpassung an das Gelände, 
besonders beim Aufstieg und vor allem beim Abfahren 
erfordert ein harmonisches Spielen des Körpers mit dem 
Schwerpunkt, und in dem königlichen Schwung, der dem 
tollsten Rasen Einhalt gebietet, findet dieses Anpassen des 
Körpers einen eleganten Höhepunkt. Das Auge gewöhnt 
sich an ein richtiges Abmessen der möglichen Steigung-, 

schnell findet sich 
ein Weg, Schwierig¬ 
keiten zu über¬ 
winden, jede Welle 
des Bodens, jede 
Verschiedenheit der 
Schneelage, die den 
Unkundigen unfehl¬ 
bar zu Fall bringt, 
wird auch in sausen¬ 
der Fahrt rasch er¬ 
kannt und durch 
Wiegen des Körpers 
ausgeglichen. Es ist 
nicht möglich, kurz 
zu schildern, was 
den Skiläufer immer 
wieder auf seine 
Bretterzwingt. Wollt 
ihr aber wissen, wie 
reich dieser Sport 
seine Jünger lohnt, 
dann schaut ihnen 
in die Augen, die in 
heller Begeisterung 
über die im einzig schönen Winterwald zurückgelegte Schnellig¬ 
keit, voller Genugtuung über die dem Körper abgerungene 
Leistung mit neuer Kraft und Lebensfreude heimkehren. 



Die Bergstadt St. Andreasberg im Harz 

















Schloß Bällenstedt am Harz 



Fürstliches Schloß Stolberg- am Harz 










626 DEUTSCHLAND Nr.l3 


Gewiß g-ibt es Gebiete, die dem Skisport an sich günstiger 
sind als der Harz, es fehlt vor allem an freien Hängen; dafür 
ist er an Schönheit der schneebehangenen Tannen nicht zu 
übertreffen. Er bietet wundervolle Uebungsplätze; ich erinnere 
nur an den „Verlorenen Berg" bei Goslar, an die Flächen 
von Clausthal und 
Hohegeiß, Altenau 
und Andreasberg, die 
Hänge von Braunlage, 
und die Kurverwaltun¬ 
gen, besonders aber 
die Ortsgruppen des 
Oberharzer Skiklubs 
geben in Skikursen, 
die oft von Norwegern 
und kundigenSüddeut- 
sehen geleitet werden, 
immer wiederGelegen- 
heit zum Erlernen. 

Das Netz der nebel¬ 
sicher bezeichneten 
Wege erweitert sich 
von Jahr zu Jahr und 
vermehrt so die Zahl 
der Strecken, denen 
man sich auch bei dem 
im Winter so häufig 
eintretenden plötzlichen unsichtigen Wetter getrost anvertrauen 
kann. Auch die Anzahl der sportsmäßig genügenden Sprung¬ 
schanzen wächst allmählich. Vor allem sind die von Braun¬ 
lage, Clausthal und Hohegeiß zu nennen; St. Andreasberg ist 
jetzt hinzugekommen. Zum Heben genügen Schanzen wie 
die von Goslar, Altenau, Schierke, Buntenbock u. a. Wer die 
Fortschritte beobachten will, 
die der Skisport in den 
Harzbergen in letzter Zeit 
gemacht hat, braucht nur 
ein paar Jahre hintereinander 
die Wettläufe des Ober¬ 
harzer Skiklubs zu besuchen, 
die alljährlich im Januar 
oder im Februar abgehalten 
werden (in diesem Winter in 
St. Andreasberg). Daneben 
wird bei den Winterfesten 
der Ortsgruppen auch Tüch¬ 
tiges geleistet. 

Welche Gebiete des 
Harzes der einzelne bevor¬ 
zugt, hängt von seinem 
Wohnort und seinem Ge¬ 
schmack ab. Der Harz bietet 
so Mannigfaltiges, daß er 
jedem etwas bringen wird. 

Weicher in den Linien ist der 
Südharz mit seinen meist 
weniger hohen, sanft ge¬ 
schwungenen Höhenrücken, 
die infolge der geringeren Er¬ 
hebung und der weniger kom¬ 
pakten Felsmassive kürzere 
Zeit mit Schnee bedeckt sind. 

Daher ziehen sich die Be¬ 
wohner der dem Südharz 
vorgelagerten Gebiete, be¬ 
sonders viele Harzfreunde 
aus Nordhausen, Göttingen, 

Kassel usw. im Winter mehr 


nach dem Norden, aus dem Laubwaldgebiet in das Reich 
der dunklen Tannen. Für sie kommt in erster Linie die 
Hochfläche von Hohegeiß und Benneckenstein mit den präch¬ 
tigen Weitblicken in Betracht und St. Andreasberg, das zuerst 
durch Winterfeste die Fremden von weither angezogen hat und 

mit den sanften Wöl¬ 
bungen seiner Wiesen¬ 
flächen ein ausge¬ 
zeichnetes Sportgebiet 
bildet. Im Norden 
sind die Umgebungen 
von Harzburg, Goslar, 
Hahnenklee, Clausthal 
und Hohne sehr ge¬ 
eignete Gebiete für 
Ausflüge und Sports¬ 
betätigung und sind 
von allen Seiten leicht 
zu erreichen. 

Das Dorado des 
Winterbesuchers sind 
natürlich die höher 
gelegenen Teile des 
Oberharzes. Da 
seien aus der großen 
Zahl der Orte drei 
Punkte genannt, die 
den verschiedenen Anforderungen in verschiedener Weise 
entgegenkommen. Wem es daran liegt, während des Winter¬ 
aufenthaltes im Harze im Strome eleganter Gesellschaft zu 
schwimmen und wer allem Komfort großer moderner Hotels 
nicht gern entbehrt, der dirigiere seine großen Koffer nach 
Schierke; er wird reichlich Gelegenheit finden, seine mit¬ 
gebrachten Toiletten dort zur 
Geltung zu bringen. Der oft 
gebrauchte Vergleich von 
Schierke mit St. Moritz gibt 
in der Tat ein richtiges Bild. 

Weniger elegant, aberdoch 
nicht allzu Verwöhnten in 
jeder Weise genügend sind 
die Verhältnisse in Braun¬ 
lage. Wie man überhaupt 
im Harze jetzt überall Hotels 
findet, die durch Zentral¬ 
heizung usw. gegen den 
harten Winter vollauf ge¬ 
rüstet sind, so bieten auch 
hier eine Reihe von guten 
Hotels und Pensionen vor¬ 
zügliche Unterkunft. Wie 
er seinen Tag unterbringt, 
braucht niemand zu sorgen, 
der sich der Gastlichkeit 
Braunlages anvertraut, denn 
die rührige Kurverwaltung 
legt ihm einen fertigen Speise¬ 
zettel vor, auf dem jeder etwas 
für seinen Gaumen entdeckt. 
Stets finden recht gut ge¬ 
leitete Skikurse statt. Aus¬ 
flüge mit Ski undRodel,Wolfs- 
jagden, Wettfahrten auf der 
trefflichen Rodelbahn vom 
Wurmberg herab, bald auch 
Eislauf,Bobsleigh usw.bringen 
Abwechslung in den Tag. 
Abends kommt die Gesellig- 




Harzer Winteridyll bei Drei-Annen-Hohne 







Nr. 13 DEUTSCHLAND 627 


keit durch die verschiedenen Veranstaltungen zu ihrem Recht. 
— Den Skiläufer aber, der seinem Sport huldigen, Abfahrten 
genießen will und die winterliche Einsamkeit des Harzwaldes 
sucht, bitte ich, mich nach einem Gebiet zu begleiten, das 
ihm sicher behagen wird und das bestimmt wird durch 
Sonnenberg, Oderbrück, Torfhaus mit Achtermann und 
Brocken. Auf den langen Zügen des Ackers und vor allem 
des Bruchberges bietet sich ihm ein Feld, wie er es schöner 
kaum denken kann. Dort ist er allein mit dem reinen, harten 
Winter und kann nach Herzenslust über die verschneiten 
Moore und durch die reifstarrenden Fichten gleiten. Immer 
wieder zieht es den Winterfreund auch in das Brockengebiet, 
das besonders im Frühjahr, wenn unten die Leute schon 
höhnisch über die Brettelträger die Achseln zucken, im 
tiefsten Winter starrt. Der Gegensatz zwischen dem be¬ 
ginnenden Leben des Frühlings im Flachlande und der Ruhe 
der Schneemassen hier oben berührt immer wieder eigen¬ 


artig und reizt dahin zurückzukehren, bis die unerbittliche 
Sonne auch hier schließlich dem Winter ein Ende macht. 

Es liegt mir fern, mich hier als Harzführer durch alle 
einzelnen Orte des Harzes aufspielen zu wollen. Wer sich 
näher unterrichten will, findet alles nötige in den ver¬ 
schiedenen Schriften wie in dem bei Stolle (Harzburg) 
erschienenen „Weißen Winterführer" und dem illu¬ 
strierten Prospekt des Harzer Verkehrs-Verbandes. Sport¬ 
freunde verweise ich auf den vom Oberharzer Skiklub 
zusammengestellten, unentgeltlich erhältlichen „Wegweiser 
durch das Skigebiet des Harzes", wo er kurze un¬ 
parteiische Angaben über Sportmöglichkeiten, Schanzen, 
Rodelbahnen, Unterkunft usw. findet. — Wer die alte, traute 
grüne Tanne des Harzes im Sommer liebgewonnen hat, der 
bewundere sie einmal im weißen Winterkleide. Er wird 
sicher nicht enttäuscht werden, und wenn ich ihm begegne, 
bin ich sicher, einen frohen Menschen zu treffen. 



Zur harten Winterzeit im Harz: „Motiv an der Chaussee Gernrode-Sternhaus-Mägdesprung 


Auf Schneeschuhen im Sauerlande 

Von H. Großjohann (Lüdenscheid). 


Eine Kammwanderung im Rothaargebirge. 

Wer durch Beruf oder Beschäftigung gezwungen ist, im 
niederrheinisch-westfälischen Industriegebiet zu wohnen, muß 
damit rechnen, daß ihm dort Natur und Landschaft in der 
unmittelbaren Umgebung wenig bieten. Das außerordentlich 
schnelle Wachstum der Industrie in diesem Gebiet und die 
damit verbundene rasche und beständige Zunahme der Ein¬ 
wohnerzahl in Städten und Landgemeinden stellte Staat und 
Gemeinden vor schwer zu lösenden Aufgaben. Geradezu 
barbarisch ist man an manchen Stellen mit den vorhandenen 
Naturschönheiten umgegangen, auf deren Erhaltung oder gar 
Ausdehnung man gar keinen Wert legte. Erst in den letzten 


Jahren haben die Verwaltungen auch diesem, ihrem Stiefkinde 
ihre Aufmerksamkeit geschenkt, und eine große Anzahl von 
Städte und Gemeinden hat erkannt, daß zu einer glücklichen 
Lebensführung doch auch noch mehr gehört als nur Geld¬ 
verdienen, daß Luft, Licht, Sonne, Wald, Wasser, Wohnung 
und Gestaltung des Bebauungsplanes von grundlegender 
Bedeutung für Volksgesundheit, Volksgesittung und Volks¬ 
wohlfahrt sind. Freilich lassen sich die mit den landschaftlichen 
Schönheiten untergegangenen Schätze auch mit den größten 
geldlichen Aufwendungen nicht wiederherstellen. Es fehlt vor 
allem für das ganze Gebiet eine auf dieses Ziel gerichtete ein¬ 
heitliche, gemeinsame und von allen in Betracht kommenden 
Verwaltungen in gleichem Maße kräftig unterstützte Tätigkeit. 







628 DEUTSCHLAND Nr. 13 


Ich konnte es daher meinem Freunde nicht verdenken, 
daß er mit einem g^ewissen Grauen an die — durch seinen 
Beruf notwendige — Verlegung seines Wohnsitzes aus dem 
schönen Frankfurt in das Herz des Industriebezirks dachte. 
Jetzt wohnt er seit Jahr und Tag dort, und wenn er sich 
auch mit der Nüchternheit seiner Stadt, mit dem gänzlichen 
Mangel an Wald in ihrer Umgebung noch nicht völlig 
ausgesöhnt hat: eins bringt einen hellen Schimmer in seinen 
Alltag, das sind seine Sonntagsausflüge in das benachbarte 
Sauerland; für ihn bei guten Eisenbahnverbindungen — leider 
sind sie zurzeit noch sehr verbesserungsbedürftig — in 
einer Stunde Fahrzeit erreichbar. Höher schlägt sein Herz 
vor allen Dingen, wenn der Winter im Sauerlande seinen Einzug 
hält; denn dann kann er seinem über alles geliebten Schnee¬ 
schuhlauf huldigen, und er 
denkt vergangener Zeiten, in 
denen er die flinken Scheite 
am Feldberg im Schwarzwald 
oder in Oberbayerns Bergen 
tummelte. Jetzt liebt und 
schätzt er die Sauerländi¬ 
schen Höhen ebenso wie die 
genannten Gebiete, ja er gibt 
ihnen in manchen Stücken, 
namentlich wasSchneeschuh- 
wanderungen betrifft, den 
Vorzug. 

Lange hatten die Winter¬ 
monate zu Beginn des Jahres 
1911 den Schnee vermissen 
lassen, und so oft auch eine 
ungeduldige Anfrage bezüg¬ 
lich der Schneeverhältnisse 
an mich erging, immer noch 
konnte ich keine günstige 
Antwort geben. Endlich hatte 
aber Frau Holle ein Einsehen 
und tagelang rieselten die 
weißen Schneeflocken zur 
Erde nieder. Schnell wurde 
der Plan zu einer Skiwande- 
runggemacht,das Rothaar¬ 
gebirge sollte diesmal unser 
Ziel sein. In Hagen war Treff¬ 
punkt, und obgleich dort die 
Hänge noch kaum weiß waren, 
stiegen wir doch getrost in 
den Zug, der uns lenneauf- 
wärts tragen sollte, hatten wir 
doch von unserm Freunde 
Wiesein Jagdhausbei Nieder¬ 
fleckenberg die besten Nachrichten: „Skiföhre voizüglich", 
so lautete seine letzte Meldung durch Fernsprecher. 

Vorbei an Hohenlimburg, an den hohen Kalkfelsen Let¬ 
mathes, an dem burggekrönten Altena, an Werdohl, Plettenberg 
und Schwarzenberg brauste der Zug, den wir in Kirchhundem 
verließen. Ein Schlitten brachte uns in kurzer Zeit bis Ober¬ 
hundem, hier war schon Schnee in Hülle und Fülle. Hell 
glänzte die Sonne auf seiner Decke und der Aufstieg durch 
den Ort zum Margarethenstein begann. Freilich brachte die 
scharfe Steigung manche Anstrengung; dazwischen aber ent¬ 
schädigten uns rasche Abfahrten über Waldblößen, Felder und 
Wiesen. Wundersam war der Rückblick von der Höhe ins 
Lennegebiet und ins Milchenbachertal zur Linken. Und es 
dauerte auch nicht lange, so nahm uns der meilenweit aus¬ 
gedehnte und prachtvolle Hochwald des Rothaargebirges auf. 
Auf dem Kammwege ging's weiter, links und rechts strebten 
die schwerbeladenen Tannen in die Höhe, häufig unter ihrer 


schweren Schneelast tief herniedergebeugt. Wie in einer 
endlosen gotischen Halle glitten unsere Schneeschuhe lautlos 
auf dem herrlichen Kammwege dahin. Ab und zu zeigte sich 
ein Stück Wild, das eilig wieder im Dickicht verschwand, 
und mehr wie einmal kreuzte der König des Waldes, der 
stolze Hirsch, unsern Weg. Im Strahl der untergehenden 
Sonne schimmerten die stolzen Gipfel der Tannen in lauterem 
Gold, während sich in das lichte Unterholz tiefblaue Schatten 
mischten. Als wir die stolze Kuppe des Härdlers (738 Meter) 
erreicht hatten und unsere Blicke weit ins Land schweifen 
ließen bis hinüber zum Kahlen Asten, kam eine seltsam fried« 
liehe Stimmung über uns. Stundenweit dehnten sich vor 
unseren Blicken die Wälder, endlos lehnte sich Kamm an 
Kamm, durch scharfgeschnittene Täler getrennt. 

Da der Tag zur Neige ging“, 
überlegten wir: sollen wir den 
Kammweg bis zum Jagdhaus 
anhalten, oder es noch wagen 
bis zum Weinkännchen hinab¬ 
zufahren und dann wieder zum 
Jagdhaus emporzuklimmen. 
Die herrliche Abfahrt, der 
zauberhaft schöne Wald und 
die langsam höhersteigende 
Mondsichel gaben den Aus¬ 
schlag, und ehe wir uns ver¬ 
sahen, ging’s in sausender 
Fahrt von der Kuppe des 
Härdlers hinab zu Tal. Scharfe 
Obacht war nötig, wollten 
wir die Richtung nicht ver¬ 
lieren oder mit den Bäumen 
unangenehme Bekanntschaft 
machen. O welche Lust, 
durch den völlig unberührten 
Schnee hinabzugleiten, bald 
schneller, bald langsamer. 
Ganz leicht war die Fahrt 
nicht, aber es geriet, und 
noch zu rechter Zeit nahmen 
uns die gastlichen Hallen 
des Herrn Wiese auf. 

Dort war mehr Leben. Ist 
es auch im allgemeinen noch 
viel zu wenig bekannt, daß 
das Jagdhaus (680 Meter 
Meereshöhe) sich ganz vor¬ 
trefflich als Standquartier für 
Wintersportleute eignet, so 
mehrt sich von Jahr zu Jahr 
die Zahl derer, die diesen Hof 
zu ihrem eigentlichen Winterlager machen. Fröhlich ging- 
Rede und Gegenrede hin und her; da wurde berichtet über 
allerlei Ungemach bei den ersten Fahrten, da wurde gelacht 
und gescherzt über selbstverschuldetes Ungeschick und 
Ungemach, und nicht am wenigsten schmiedete man Pläne 
für den folgenden Tag, zumal der Wettergott sein günstigstes 
Gesicht aufgesetzt hatte. 

Zeitig gingen wir zur Ruhe, um gerüstet zu sein für das 
Kommende. Ging doch unser Plan dahin, am andern Morgen 
zunächst einige Abfahrten in unmittelbarer Nähe des Jagd¬ 
hauses zu unternehmen (Fleckenberger und Wittgensteiner 
Seite) und dann unsere Wanderung fortzusetzen durch 
Latroptal, Grubental, Schanze, Schmallenberger Höhe nach 
Schmallenberg. 

Eine fröhliche Gesellschaft tummelte sich am anderen 
Morgen auf der weiten Schneefläche. Herrlich waren die 
Rauhreifbildungen im Tannen- und Buchenforst, prächtig die 



Sauerland : Kammweg im Rothaargebirge 






i M 


Sauerland: Uebungfsg’elände am Jagdhaus (im Hintergrund der Hürdler) 




-4 4 . ,4 W i«M ^ ^ * * 


Sauerland: Gasthof Jagdhaus im Winter 












































630 DEUTSCHLAND m 


Abfahrten. Dann noch kurze Rast bei Wiese, und nun hieß 
es scheiden. Schneidige Abfahrt zur tiefverschneiten Sage¬ 
mühle im Latroptal und dann langsam bergauf am murmelnden, 
stellenweise vereisten Bächlein entlang. In verschwenderischer 
Fülle zog die keusche Schönheit des Grubentals an unseren 
Augen vorüber, und ich müßte ein Dichter sein, wo’lte ich 
die Eindrücke dieses Aufstieges auch nur einigermaßen in 
Worte kleiden. Das Grubental gehört zu den schönsten 
Tälern des Sauerlandes; so heimlich, so still, so voll 
Märchenstimmung war der Weg, daß nur selten ein Wort 
gewechselt wurde. Wie blitzte die Sonne, wie zirpten die 
Tannenmeisen, wie schreckhaft klang der Schrei des Eichel¬ 
hähers, der uns fremde Eindringlinge in sein winterliches 
Zauberreich mit verstörtem Blick musterte. 

Auf der Höhe weiter an Schanze vorbei und dann durch 
endlosen Wald in weitem Bogen um das tiefgelegene Kloster 
Grafschaft herum zur Schmallenberger Höhe. Dort hielten 
wir Rast für längere Zeit. Eine ausgedehnte Fernsicht ge¬ 
mahnt zu ruhigem Genießen: Vor uns im Grunde die ehr¬ 
würdigen Klostergebäuden, darüber hinaus Kamm an Kamm, 
einer höher als der andere bis zur stolzen Höhe des 
Asten,dessen wimpel¬ 
geschmückter Turm 
seine Grüße herüber¬ 
sandte. Das Stadt¬ 
bild Schmallenbergs, 
etwas weiter links, in 
seiner ganzen sauer¬ 
ländischen Behaglich¬ 
keit und Eigenart die 
schwarzen Schiefer¬ 
häuser mit ihren 
schweren Schnee - 
hauben und der 
lachenden Sonne dar¬ 
über ergaben ein Bild, 
das man so leicht 
nicht wieder vergißt. 

Und vor uns, jen¬ 
seits des Latroptals, 
unser gastlichesQuar- 
tier, Hof Jagdhaus; 
verloren in endlosen 
Schneegefilden die 
wenigen verstreuten 


^ Nr. 13 

Häuser. Durchsichtige Rauchwolken entsteigen den Kaminen 
und steigen senkrecht zum Himmel. In gleicher Richtung 
mit dem Gehöft der Härdler, die höchste Erhebung am 
Kammwege des Rothaargebirges. Genau vor uns der öst¬ 
liche Steilabfall des mächtigen Bergstocks. Gerade ver¬ 
suchen zwei kühne Schneeschuhläufer ihre Kunst an der 
Abfahrt. In rasender Schnelligkeit glückt es dem einen zu 
Tal zu kommen und mit prächtigem Telemarkschwung hält 
er kurz vor dem Bachlauf. Dem andern Läufer versagen 
auf halbem Hang die Hölzer den Dienst und mit großer 
Wucht findet er nach mehrmaligem Ueberschlagen ein 
weiches Bett im tiefen Schnee. Sonst ist die weite Fläche 
menschenleer. 

Warum ist gerade dieses ideale Schneeschuhgebiet so 
unbekannt? Käme es mehr aus seiner Verborgenheit heraus, 
ganze Scharen aus den großen Städten würden dort die 
Schneeschuhe oder den Handschlitten tummeln und sich 
dabei Gesundheit, Frische und jugendliche Spannkraft holen. 
Aber freilich, mit der köstlichen Waldesstille und Einsamkeit, 
die uns umgibt, wäre es dann auch vorbei, wenn auch auf 
der großen Fläche für viele, viele Hunderte von Menschen Platz 

genug vorhanden ist. 

Doch unsere Zeit 
ist abgelaufen, wollen 
wir den Zug nicht ver¬ 
säumen. Schnell die 
Hölzer an die Füße 
und hinab ins fried¬ 
liche Städtchen. Noch 
ein Blick zurück auf 
die Kämme, Hänge 
und Gipfel und schon 
(ührt uns die Eisen¬ 
bahn heimwärts. Ski¬ 
heil und fröhliches 
Wiedersehen, du Rot¬ 
haar - Gebirge, du 
Härdler, du Jagd¬ 
haus. Lange hält uns 
des Tages Einerlei 
nicht fest und bald 
kehren wir wieder zu 
euch. Dazu lockt 
und gleißt der Schnee 
viel zu sehr! 



Kurhaus Ruhstein, nördl. Schwarzwald (Phot.: L. Schaller, Stuttgrari) 


Vom Winter in Schwaben 

Von P. Dinkelacker. 


Zwei Lande gibt's, da Milch und Honig fließt — so steht's 
in meiner alten, schweinsledernen Chronik zu lesen — das 

eine ist das gelobte Land und das andere ist.das 

vSchwabenland. 

Das ist zwar den Mund ein wenig voll genommen, aber 
dieser Ausspruch beweist, welch stolzes Heimatsgefühl schon 
damals — das Buch ist vor nahezu 200 Jahren gedruckt — 
uns Schwaben beseelte. 

Milch und Honig fließt freilich nicht, Most und Wein 
aber gibt's oft genug in Hülle und Fülle, und wer schon eine 
Flasche Heilbronner Riesling oder gar ein Gläschen Eilfinger 
Berg, wie er beim Kloster Maulbronn gedeiht, kosten durfte, 
der hat ein köstliches Pröblein traubenreifender Sonnenglut 
verschmeckt. 

Mild und weich ist meiner Heimat wonniges Land und 
„seine Luft ist heiter und lieblich'", wie Goethe seinen Reineke 
Fuchs von ihm rühmen läßt, und es ward darob gepriesen 
vor vielen anderen deutschen Gauen seit Menschengedenken. 


Nun kommt mit einem Male zu Beginn des neuen Jahr¬ 
hunderts mit dem kalten Nordwind der Schneeschuh zu uns 
ins Land geschneit, und wenn auch langsam und bedächtig, 
wie s Schwabenart, so finden sich doch auch bald Leute, die 
auf ihn schwören — ich bin auch einer davon. 

Jetzt soll mit einem Schlag sich alles wenden. Kein 
Schnee will uns zu tief, kein Berg zu hoch und kein Winter 
lang genug mehr sein, und die Höhenorte ringen um die 
Ehre, jeder möchte gern der allerwinterlichste sein. Aber 
meine schwäbische Heimat ist gar mannigfaltig und wechsel¬ 
voll geartet, das zeigte sich bei diesem plötzlichen Umschwung 
der Dinge recht deutlich. Neben des Nekartals ertragreichen 
Obstgärten, im Herzen Schwabens, neben den Kornkammern 
des Strohgäus und der Filder krautgesegneten Fluren haben wir 
auch rauhe Hochflächen und an den Grenzen gar gewuchtige 
Waldberge aufzuweisen. Ja, wir können sogar gleich mit drei 
Schneeschuhgebieten glänzen — wahrhaft, der alte Chroniste 
behält doch noch recht: wir leben in einem gelobten Land. 












Tanne in der Morg-ensonne (Schwarzwald) 
(Phot.; L. Schaller, Stutttfart) 


Schwäbische Alb: Reiterles Kapelle 

(Phot.: L. Schalter, Stuttg^art) 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 



Schwäbische Alb im Winter: Rauhreif im Schneeschuhg-elände bei Schopfloch-Donnstetten (Phot.: L. Schalter, Stutt^rart) 







632 DEUTSCHLAND Nr. 13 





Neben den weitgedehnten Hochgefilden unserer Schwaben¬ 
alb gehört uns auch ein gut Stück winterechten Schwarz¬ 
walds und — Skiheil I — seit nunmehr hundert Jahren, droben 
in Oberschwaben auch noch ein schöner Zipfel vom Algäu. 


Schwarzwald-Einsamkeit (Waldweben im Winter) 
(Phot.: L. Schaller, Stuttgart) 

So hat sich denn auch bei uns vor wenigen Wintern 
unter der zielbewußten Führung Vater Schabers eine kleine 
Gemeinde von Schneeschuhjüngern zusammengetan, bis der 
schneereiche Winter im Jahre des Heils 1907 die Schar mehrte 
und mit der Gründung des schwäbischen Schneeschuhbundes 
einen winterwürdigen Abschluß fand. Heute ist unser Bund 
mit 65 Vereinen und rund 5000 Mitgliedern übers ganze 
Land ausgebreitet. 

Unser größtes Schneeschuhgebiet ist natürlich 

die Alb, 

die ja in ihrer ganzen Länge unser Königreich durchzieht. 
Hinter ihrem hohen, burggekrönten Felsenrande, mit dem sie 
ins Neckartal trotzt, zieht sie sich, zur Donauseite mählich 
sich senkend, als leichtgewelltes, hügelreiches Hochland hin. 
Kuppe an Kuppe hebt sich dort und meilenweit dehnt sich 
Heide und Weide mit freiem Auslauf und freiem Ausblick 
auf die glänzenden Alpengebirge der Ferne. Für uns Schnee¬ 
schuhleute ein herrliches Gelände, nur wenig waldbestanden, 
und kein hinderlicher Viehzaun hemmt des Skimanns flüch¬ 
tigen Fuß. Saubere Dörflein finden sich allenthalben zer¬ 


streut mit einfacher aber auch billiger Atzung und Obdach. 
Allerorten winden sich die Bahngleise heute in die stillen 
Täler hinein und erschließen uns so eine ganze Reihe von 
Winterfahrten als lohnende Tagesausflüge. 

Der Landeshauptstadt am nächsten liegt 
das „Kalte Feld'' bei Stuttgart — der 
Name kommt ihm nicht von ungefähr — 
und die drei Kaiserberge Hohenstaufen, 
Stuifen und Rechberg sind ihm als stolze 
Höhen vorgelagert. Auf seiner kahlen Hoch¬ 
fläche bietet es ein gutes Schneegefild mit 
langen Hängen und gerundeten Bergzungen 
mit denen es weit ausladend sich vorschiebt. 
Dort herrscht jetzt an Wintersonntagen 
reger Betrieb. Nicht weniger als vier statt¬ 
liche Ski-Hütten schmücken freundnachbar¬ 
lich seinen breiten Rücken und ein guter 
Sprunghügel ist droben angelegt. Hier 
war auch, von Tausenden besucht, unser 
heuriger Bundeswettlauf. 

Drunten im Tal liegt das uralte Dörf¬ 
lein Degenfeld und jenseits winken die 
waldigen Höhen des Bernhardus, der Lützel¬ 
alb ob Weißenstein und der Kuchalb 
ob Donzdorf. Zur Heimfahrt geht's auf 
mancherlei Wegen, sei's zur Bahn nach 
Schwäbisch - Gmünd, sei's nach Göppingen oder nach 
Geißlingen an der Steig. 

Andere gute Wintergebiete auf der Alb finden sich hinter 
Kirchheim unter Teck, an den Hängen um den Römerstein, 
den ebenfalls eine Skihülte ziert, und auf den Höhen rund 
um den alten Herzogensitz Urach, der vorzügliche Unterkunft 
bietet. Ganz besonders günstig aber ist hinter Reutlingen, 
am Ende des Echatztales, das Gelände um Burg Lichtenstein, 
da hier die Bahn mittels Zahnrad die Albhöhe ersteigt und 
wir gleich am Bahnhof in 700 Meter Höhe anschnallen 
können. Dort lockt auch im Hinterland der Truppenübungs¬ 
platz Münsingen und bietet mit seinem hügeligen 850 Meter 
hohen Gelände einen weiten Wintertummelplatz. Auf seinen 
Hängen wurde der erste schwäbische Schneeschuhkurs abge- 
halien. Ein Gasthaus ladet zu längerem Verweilen. 

Höher und höher reckt sich die Alb, je mehr wir gen 
Süden ziehen, so hinter Tübingen beim Roßberg, beim 
Hohenzollern ob Hechingen, um schließlich beim Lemberg 
eine Höhe von 1000 Meter zu überschreiten. Die Umgebung 
der Stadt Ebingen mit ihren kahlen Bergzügen, ebenfalls für 
unsere Zwecke trefflich geeignet, schließt den Reigen würdig ab. 

Ueberall, wohin wir auch auf der Alb 

_unsere Spuren ziehen mögen, bildet eine 

stimmungsvolle Landschaft unser Uebungs- 
feld, gar oft durch ragendes Burggemäuer 
geziert, durch weite Fernblicke ausge¬ 
zeichnet und verschönt durch Geschichte 
und Sage. Und wenn in dunkler Winter¬ 
nacht die feuchten Nebel aus den Tälern 
steigen und die Bäume mit Rauhreif 
säumen, dann sind sie in „Duft" gehüllt, 
wie ich ihn auf meinen winterlichen Streif¬ 
zügen noch selten anderswo in solcher 
Fülle geschaut. 

Lockt so die Alb mit mannigfachem 
Wechsel, so ist 


der Schwarzwald 


Schwäbische Alb: Schneeschuhgelände bei Donnsletten 
(Phot.: L. Scholler, Stuttijort) 


nicht weniger das Wanderziel unserer 
Zunft. Dort ist es des Winterwaldes 
Wunderwelt, die langen flotten Abfahrten 
durch schmale Waldschneißen, die schwer- 




Nr. 13 DEUTSCHLAND 633 



lastende Voll winterspracht und dann und wann ein Blick 
über das Wäldermeer ins Rheintal und auf die blauenden 
Vogesen, welche er uns als ureigenste Gaben bescheert. 

In Freudenstadt, dem so rasch auf blühenden Winter« 
kurort, beginnt in 750 Meter Höhe das 
weiße Land. Schon vor den Toren der Stadt 
sind geeignete Uebungsfelder, namentlich 
für Anfänger; allwinterlich werden vom 
dortigen Schneeschuh «Verein Kurse ab« 
gehalten, und seine vornehmen, durch« 
heizten Riesengasthöfe vermögen auch die 
Wünsche des anspruchsvollsten Winter« 
gastes zu erfüllen. 

Unten im Tal der Murg, inmitten ver« 
lockender Hänge gebettet, liegt Bai er s« 
b r o n n, das unserer Sache besonders 
gewogen. Dort steht im schweigenden 
Hochwald eine mächtige Sprungschanze, 
auf die wir Schwaben stolz sein dürfen, 
und der dortige Gemeinderat war weit« 
sichtig genug und hat Gelände und Mittel 
zum Bau bewilligt. Zu den Volksjugend« 
läufen aber stellt der stattliche Ort 2—300 
Buben und Mädels —ein zukunftsfrohes Bild. 

Weiter streben die Winterwanderer 
auf den Höhenwegen den Schwarzwaldgipfeln zu — Kniebis 
und Ruhstein — das sind die beiden Glanzpunkte, die uns 
hell am Winterhimmel strahlen. Vom Gasthof Kniebis, den 
man am besten von Freudenstadt im Schlitten erreicht, geht's 
entweder in sausender Abfahrt nach Bad Rippoldsau 
oder auf dem immer gegen 1000 Meter hohen, Stangen« 
bezeichneten Kamme weiter übern Schliffkopf zum Kurhaus 
Ruhstein. Den Höhepunkt aber einer solchen Schwarzwald« 
winterfahrt bildet unsere Hornisgrinde, — ich bitte die 
Karlsruher Zunftgenossen, mir solchen Landraub gnädigst 
zu verzeihen ^ der Gipfelpunkt ist nämlich badisch. Aber 
der vielbesuchte, schöne Weg dorthin übern Seekopf, Wild« 
see und die zünftige Schwarzkopfschneiße geht an den 
Grenzsteinen mit den altschwäbischen Hirschstangen im 
Wappen entlang. 

Auch die Höhen um Schramberg* und die Gegend 
hinter W i 1 d b a d, allwo uns eine Bergbahn mühelos aufwärts 
zum Uebungsfeld und zur großen Sprungschanze bringt, 
sind günstiges Schneeland. 

Wen es aber näher ans Hochgebirge zieht, wer die 
übereiste Alpenwelt aus greifbarer Nähe bewundern will, 
der fährt über Ulm nach Oberschwaben zum 


bachtobel oder über die Schietteralm zum turmbewehrten 
Gipfel des Schwarzen Grats. Ein weiter Rundblick lohnt des 
Anstiegs Mühen. Hier recken sich die Zinken und Zacken 
der Allgäuer Alpen in den frostklaren Himmel, ein wildschönes 


Rehe im Tannenwald (Phot.: L. Schaller, Stuttgart) 

Bild, und dort träumt in Ruhe das Schwäbische Meer, das 
einem Riesenspiegel gleich zu uns heraufglänzt. Immer mit 
leichtem Gefäll zieht sich der Berg bis Kempten hin oder 
man saust in flughafter Abfahrt hinab zum Adler nach Groß« 
holzleute — an dessen Uebungshängen sich allwinterlich 
eine ganze Reihe von Schneeschuhkursen abspielen. 

Dies wären in kurzen Umrissen Schwabens Wintergebiete; 
die räumliche Trennung bietet den Vorteil, sicheren Schnee« 
fall wenigstens in einem derselben zu finden. Es ist, wenn ich 
so sagen darf, ein gemütliches Wintergebiet und gemütlich 
sind auch die Menschen, das werdet ihr bei einem Besuch bald 
merken. Ihr werdet sehen, es herrscht ein flotter Zug in der 
Schwabenzunft, der gute Geist, der alle die beseelt, die für 
eine werdende Sache werben. Zünftig geht es bei uns zu, tags« 
über draußen in Sonne und Sturm und abends bei der Heimfahrt; 
da klingt, was wir an Winterglück und Skibegeisterung in uns 
aufgenommen, allemal in unserem Schwabenliede aus: 

Wir zieh'n auf flinken Sohlen wohl über Tal und Höh'n. 

Wer könnt uns wohl einholen, wo andere mühsam geh'n. 

Zieh n wir durch's Land, am Fuß den flinken Ski. 

Zu Haus' gebannt ist grauer Alltags Müh'. 

Zu Kampf und Sieg reißt uns der Winter fort. 

Drum sei Skiheil auch unser Losungswort. 


Schwarzen Grat. 


Ein Ausflug dorthin fordert aber 
mindestens 2 Tage. Durch die weite Ent« 
fernung von Stuttgart ist uns dieses präch« 
tige Gebiet zuletzt erschlossen worden. 
Aber die Fahrt lohnt sich. Dort oben 
findet der Skimann, wenn Alb und Schwarz« 
wald um die Weihnachtszeit noch nicht 
im Winterschmucke glänzen sollten, alles 
was sein Herz begehrt: ungespurte Schnee« 
almen, mannstief überschneite Halden und 
steilgeneigte Hänge — echtes Voralpen« 
land. In mächtigem Aufbau hebt sich 
dieser schwäbische Allgäubeherrscher aus 
dem Flachland empor, bis zu einer Höhe 
von 1120 Meter ansteigend. Von Leut« 
kirch gelangt man über den Stangen« 
bezeichneten Herrenberg — auf dem die 
zünftigen Leutkircher einen Sprunghügel 
angelegt — entweder hinab zum Eisen- 



Schwarzwald: Vereiste Tannengruppe (Phot.: L. Schallen, Stuttgart) 




634 DEUTSCHLAND Nr. 13 


Cassel-Wilhelmshöhe im Winter. 


Der kritisch veranlagte, lachende Philosoph Weber, 
der Verfasser des Demokrit, ließ sich beim Anblick 
der Casseler Nalurschönheiten zu dem begeisterten 
Ausruf hinreißen: „Ganz Deutschland, vielleicht ganz 
Europa, bietet nichts Herrlicheres". Aehnliche Emp¬ 
findungen beseelen jeden, dem es vergönnt ist, die 
Umgebung der Sommerresidenz unserer kaiserlichen 
Familie in Winterpracht zu schauen. Wenn die schlafende 
Natur in eine warme Schneedecke eingehüllt ist, 
vermag selbst eine schmucklose Landschaft einen 
gewissen Reiz auszuüben; wievielmehr muß dies der 
Fall sein in den berühmten Parkanlagen und Hoch¬ 
wäldern, die die alte hessische Residenz umgeben. 
Es fällt schwer zu sagen, in welcher Jahreszeit die 
unmittelbar an die Stadt anschließende Karlsaue, ein 
wundervoller Hochwald-Park, das größte Lob verdient. 
Das duftige Grün des Frühlings, die dunklere Färbung der 
sommerlichen Schattenspender und die Schattierungen 
des Herbstlaubes verfehlen nie ihre Wirkung auf jeden 
für Naturschönheiten empfänglichen Menschen. Wenn 
aber die Baumriesen unter der Last des Schnees ächzen 
oder die Siräucher im Rauhreif erglänzen, breitet sich ein 
besonders eigenartiger Zauber über die Landschaft aus. 

Wird man schon in der Ebene reich belohnt, so noch 
viel mehr beim Ersteigen der Wilhelmshöhe. 

Allen Stürmen trotzend, hebt sich der Herkules 
aus den Schnee- und Eismassen hervor. Man möchte 
den farnesischen Riesen darum beneiden, daß es ihm 


vergönnt ist, von hoher Warte aus ohne Unterlaß die 
Schönheiten zu seinen Füßen und weit hinaus im 
Hessenland zu schauen. In blauer Ferne erscheinen 
die Thüringer- und Weserberge, sowie die Ausläufer 
von Harz und Rhön. Dazwischen tauchen verschneite 
Dörfer und Städte auf. In stummer Bewunderung 
genießen wir die Werke der unermüdlich schaffenden 
Natur, und der Menschen Kunst scheint uns schwaches 
Stückwerk. Vielzackige Eiszapfen hängen an den 
Kaskaden und erzeugen Gebilde von so mannigfacher 
Abwechslung, daß man ohne kühne Illusion Schöpfungen 
aus dem Tier-, Pflanzen- oder Mineralreich vor sich zu 
haben wähnt. Die grotesken Astbildungen der exotischen 
Bäume vervollkommnen den Zauber dieses märchen¬ 
haften Bildes. 

Einige Stunden derartigen Naturgenusses sind von 
unbezahlbarem Wert. Es erschließt sich jedem, an 
dessen Nerven die Unruhe des Erwerbslebens große 
Anforderungen stellt, eine unerschöpfliche Quelle reiner 
Lebensfreude. In richtiger Erkenntnis dieser Tatsache 
pilgert groß und klein zu diesem Jungbrunnen für 
geistige und körperliche Gesundung und Erstarkung. 
Der Großstädter, der zur Kräftigung seiner Gesundheit 
einige Zeit aus dem drückenden Joch des Berufslebens 
sich ausspannen will, kann sich hier in ungestörtem 
Naturgenuß erholen, auch wenn er keine Neigung und 
Veranlagung zur Ausübung des Wintersports hat. Kränk¬ 
liche und ältere Leute sind in der Lage, sich ohne 



Cassel: Blick auf den Herkules (Phot.: F. Bruns, Cassel) 
















Nr. 13 DEUTSCHLAND 635 



besondere Anstrengung in der reinen Höhenluft zu das Interesse für den Eislauf zwar etwas; immerhin wird 

ergehen. Die elektrische Straßenbahn führt nämlich aus auch ihm auf einer künstlichen Eisbahn inmitten der 

dem Zentrum der Stadt in 20 Minuten mitten in die Stadt, auf der Fulda und dem Bassin in der Kai Isaue eifrig 

Wilhelmshöher Parkanlagen, während die Herkulesbahn ^ gehuldigt. Die landschaftlich reizvollste Gelegenheit zum 


es sogar ermöglicht, 
bis zum Scheitel des 
600 Meter hohen 
Habichtswaldes zu 
gelangen. In Cassel- 
Wilhelmshöhe läßt 
sich auf diese Weise 
ungeschmälerterGe- 
nuß der Naturschön¬ 
heiten mit dem ge¬ 
sellschaftlicher und 
künstlerischer An¬ 
nehmlichkeiten der 
Großstadt vereinen. 

Daher darf es 
auch nicht wunder¬ 
nehmen, daß die 
Umgebung Cassels 
sich zu einer nam¬ 
haften Pflegestätte 
desWintersports ent¬ 
wickelt hat. Neben 


Eislauf bietet un¬ 
streitig der „Lac" zu 
Füßen des Schlosses 
Wilhelmshöhe, der 
gegen rauhe Winde 
völliggeschützt liegt. 
Vom Wintersport- 
Verein sind auf 
Wilhelmshöhe eine 
Reihe guter Rodel¬ 
bahnen geschaffen 
worden,die teilweise 
elektrischbeleuchtet 
werden. Die Höhen 
des Habichts- und 
Reinhards - Waldes 
und des Meißners 
bieten auch den Ski¬ 
läufern günstige Ge¬ 
legenheit zur Aus¬ 
übung des nerven¬ 
stählenden Sports. 


Rodelsport auf Wilhelmshöhe (Hofphot.: Eberth, Cassel) 

den günstigen natürlichen Vorbedingungen ist diese Cassel-Wilhelmshöhe behauptet so als Winter- 

Errungenschaft auf die Bestrebungen des Wintersport- kurort den guten Ruf, der von der Kaiserlichen Sommer- 
Vereins zurückzuführen, der über 2000 Mitglieder zählt. residenz als internationaler Fremdenplatz und beliebter 
Die Anziehungskraft des Rodelsports beeinträchtigte Ruhesitz ausgeht. M. Weber. 


Wintersport in Thüringen 

Von Dr. Tenner (Gera-Reuß). 


„Diesen Winter fahren wir aber auch nach Ober- 
hoP', spricht die gestrenge Frau Regierungsrat zu ihrem 
Gatten, der soeben vom Dienste nach Hause kommt, 
um sich noch rasch für den 37. Gesellschaftsabend der 
diesjährigen Saison umzukleiden. „Bankier Meyers unter 
uns waren nun schon dreimal dort, und meine Freundin 
Wanda hat im letzten Jahre sogar neben den Gemächern 
Seiner Durchlaucht des Prinzen S. von Schwarzburg 
gewohnt, bei Geheimrats spricht man von nichts anderem 
mehr als von Bobsleigh und Kjaelke, und der lang¬ 
geschossene Kammergerichtsreferendar v. K. erzählt 
mir mit konstanter Bosheit, wie schneidig er den großen 
Sprunghügel hinabgefahren und welche Bewunderung 
er mit seinem vollendeten Telemaik bei den Töchtern 
der Gräfin B. erregt hat." Ihre Stimme hat etwas tief 
Gereiztes, das jede Widerrede im Keime ersticken läßt. 
Soll sie denn immer schweigend dabeisitzen, wenn 
die anderen von Schierke, von Oberhof oder gar von 
St. Moritz erzählen, von all der Winterpracht, die sich 
dort um Weihnachten und Neujahr entfaltet? — Für sie 
ist Wintersport allerdings etwas anderes als für die 
ausgelassene heitere Gesellschaft, die auf Bahnhof Rein¬ 
hardsbrunn aus einem Abteil dritter Klasse heraus¬ 
klettert, mit Skiern^ Stöcken und Rucksäcken bewaffnet. 
Dicke Fäustlinge wärmen die Hände, und die Wollmütze, 
die tief im Nacken sitzt, schützt die Ohren vor dem 
eisigen Nordost. Stapfend, Schritt für Schritt, im Kampf 


mit dem Schneesturm und dem feinen Eiskristallstaub, 
den die riesigen Tannen von ihrem weißen Panzer 
herabschütteln, geht es aufwärts, den Herzogsweg entlang 
dem Heuberg zu. Trübe fegen die Wolken über den 
Winterwald, doch drinnen im Herzen ist eitel Sonnen¬ 
schein, jauchzende, wilde Freude. Das Ringen mit 
dem entfesselten Element weckt gärend und brausend 
schlummernde Lebenskraft. Da fällt ein Blick seitwärts 
ins Tal. Von drunten herauf schimmern die weißen 
Dächer von Friedrichroda. Und aller Augen wenden 
sich auf den kurzen Ausruf der Ueberraschung hin 
dem lieblichen Bilde zu. Könnte je dich vergessen, 
wer dich zur Sommerszeit sah, Friedrichroda, eingebettet 
in das herrliche Tal, umrahmt von saftigen Wiesen 
und grünenden Bergen, die sich über dir auftürmen in 
stolzer, schweigender Prachtl Und dich, Reinhards¬ 
brunn, Kronjuwel in grünem Kranze; dein viel¬ 
gerühmter Park liegt jetzt im Winterschlaf, und im 
Rauhreif prangen deine alten Bäume, deine Teiche sind 
erstarrt zu Eis, und ein langer, breiter, weißer Hermelin 
schützt dich vor Frost und Winterkälte. Zähltest du 
die Fremdenschar, die zur Sommerszeit kam, dich zu 
bewundern ? 

Majestätisch liegt auf sanftem Hügel das Kurhaus 
von Friedrichroda. Die weite Fläche seines wei߬ 
schimmernden Daches löst sich auch zur Winterszeit 
scharf aus dem Landschaftsbilde. Mehr als 12 000 




DEUTSCHLAND Nn 13 


Pfifigslen hier öbeti äie Vö gl ein tirilieren und die 
ÖoGhetvhöjlen und Tannenforstie^ die der; Ren ns teig 
d urchscluieidet, in frischem, jung em Gröhe ptangen^ 
we ryn d i ^ Eergriese n in j iin gfra üliche r Pra cht e rgt iihen 
ilii d eiri sü fa r b e n rei c hes Bild d : ;scKör||>,iei ts- 

trunkenen Auge hiet en, da nn rtisten sich' in Hörsel ö n 
der Werra öder in Blankenstein an der Saale die 
Renner m: fröhlicher Kunsh Den ahen Gren^ssteiHen 
folgend oder dem weißen MareUe T,E''Tdes Rennsteig¬ 
vereins wird von ih den in sechstägiger Wanderung 
geh e bte S i ei g b ega n g en Soh te er n i cht h. den S kf- 

lä u so fe rri er Na iu r he und i s t> m i t urnvi d et st e h lic her 

GeValt fe^selrv 


Sömmergaite geheih jährlich durch seina Pforten aus 

und ein^ Und kaum zu zä hl en sind die schmückenj. 

it at ti iche n ■ Ho te Is und Vil I e n, die al s a Üe Be kann t e 

h e fü d fgr ö ß e ru Wie Tan ge is t s w o hl h e r, d a ß Frie d r i c h - 

r öd a d tri : Wl nt er n e üe m L eb e n en tge g e n t räu m X e ? Un d 

wie n d e r s i s l t a l) es' gewör d e n } D u rch die S tra 0 e n 

eilen, mit lustigem Geläut die Sc hinten^ heil klingen 

durch "den Wald die SignaÜaute der RbdeUuipen, und 

vom Spi^ßberg sausen auf der 2450 Meter ‘ längen, 

vorzüglichen Bobbahn die schweren MörmsöHäh^schhUen 

tnihxd^m ,>:BchÖCien" englischen Namen, dj^r ifh Volks^ 

munde .sö sehr an Leicheh eritmert. Wie 

R ek 6 rd d hi er s chon ge b röc h ^h, un d d i ^ FaKr ie i ten 

rücken äsiegesm^ an die von Sb Marhz 

absolut mit seinem Kopfe imrhet voran sein wilL lege 

sich aufs Skeleto Vlelieieht wird ers darin bald 

zur Meisterschaft bringe Auf den 

Reihhardsbritiin ziehe^^ . ' 

Schlitfschl^l^ufer in 

grod'ef 2^ahl kühn' ' 

schwür^geha Uinien/und' - 

ah eich freien Mangen 

übeVv iduFitlerie 

Sp öt th eg eis terien Tä \b-: . ; 

niark - md .: Christ]a niav 

liebereil huiabewegt£.s 

Trohes Lebeov frische, 

gesun d^ Lüst und frei es 

SpieiV- /^hemak-; 'ge^ ... 

blrdtiencif Kr^fto. Der 

Wintefspoil; fuhrt jeEZT: :: 

äuch i n\W\ti ter el dt g^^ 

waidge^ jahraus jahfein 

ä.ich-'mehtehd^' 'Gaste^. .. 

schar- hierher. Und 

keiner dürfte es he- 

teucn^.Priedf jrhroda als 

Winterkurort: ge wohl 1 ' 

zu haben- : Seiner Vor- . 4; 

•Züge ■- ..sind -.m ' ' "fy 

als; daß Äiie hiW rn f- 

wenigen orian au H :; 

gezähU werden könnten, 

Für sie bürgt schon der 

ü bgrn 0 s rü IV rige W3 n t e r spü itv e l em ^ d ein e s ge 1 ü n g en i sirih 
kurzer 2ett 30 trefntche;$poriahtugföa schaife.p;/iuvd für 
das^ v^äs yon ihm geboten wjnl; bürg«?n auch die Tausende, 
die öl Ij^l Vf i ici \ z u ih g ro 0en S p o r i (es 1 1 ; m äc h F r i e d ri ch^ 

rodä lahfcn. VrinW i rderi[KWhl Märfhenwaldes 

füJleO' ! 5 ^ch Serfe imid Augen uikerbf Waiuletet auf 
de m A h s t i eg du ri; h s Kü h I e T hl t uin M eiibe rgs h aus: 
Hier ßh der Üraheri^^ S d^s Renhsteigs 

mit der Frie^drichfotia-ScKmölkdidehef Ghnd steht 
sch dp &6Ü J ^ hrhun derien ein W i rtshöüs, d äs zu Rast 
und D^bung einPädt. Wir beßjvden uni m( der Kämmt 
höhe des Gebirges; üm buf dem' H^^hIbelgsöh 
dings- mir OBB Meie^ betragt.. Nßth Nord-westen imd 
Westen Iduft äk RnnstsiraÖe, dann links- 

äbbmgend, der Rennsteig, über den Großen i^ogdberg 
ha eh dem Größen Inselberg (QTö. Meter). AVec könnte 
der Lockung widefstieh’^n^ dem uralt en, sageuumwofenufv 
Und pöesibverkldrten HöheTTprade z\y folgen f Wenn um 


der/Sfrecke, fetwa 
J5Ö Kl!pmeta r von 168 der Gesäml !a nge) von Oeze^^ber 
bis ; eine z usamm dnhahg Sebbee- 

tltck e aidWe 1 s t'i Al 1 erdings ist b isher: hür efnenai der 
Vö^fsubb worden, den ganzen Kammweg auf 


Rctuismiii (Thüriiir^enj 

SthnceschtThen cibztilflufeiV, and; Versuiih mußte: 

i n fi) 1 ge u n ü b e r sgt e igh dr^r Wi n d b r ü ch c ■; un d j utf h terl ich' 
t obohd en Schn eesturms 30 Kdlometef Vor dem 
hinter der Laubenhamer Ziegelhütte bei Steinbach am 
WäMo äurgegeben W'erden (33,-i^3Ö. Januht 1007), 
Setjtimr ysd. der Plmv eines Kammlaufes nicht wieder 
aufgeTtäutrhi, und erst in dieserp Jahre wurde (vom 

7.:J an ij ar): die; S trecke K1Inse I berg bis B la n ke ns te in 
in dai .Programm einer R^nnste^igw auf Skiern 

.emgesetzh- 

0i0 nvitriete Linie • dö s; gesBrntien SkiRpöils ^ j m 
viellufcht W^hiei-spprt^ in Thüririgen ist 

dä-j Seihen' Anfängen an 

gewi±?;env An Ti.bm öder rechts ujiri Bhks im. Tale Hegen, 
ülle bedevuenderen WinterspörtplätzeXhüririgenSy und e^uf 
setheö Höhen haben sich die vorzüglichen La 
gebildet die puf allen grööeten Sporife^teh B^^'ühderung 

^rregeh; in sHnem südwesthehen^ hari am 



I 





Straße nach Oberhof (Thüring^en) (Phot.: Schüler) 




Blick nach Schneekopf (Thüringen) (Phot.: Schüler) 


















638 DEUTSCHLAND Nr. 13 


Kamme Ernstthal, die Heimat des deutschen und öster¬ 
reichischen Meisterschaftsläufers Karl Böhm-Hennes. 
Bemerkenswert ist, daß schon das erste Sportfest des 
Thüringer Wintersportverbandes (gegr. 22. Januar 1Q05) 
im Jahre 1Q06 als Programmpunkt ein Rennsteigrennen 
über 31 Kilometer vom Inselberg nach Oberhof aufwies. 
Sieger war in diesem wie im nächsten Jahre ein 
Brotterodaer, von 1908 ab wurde das Rennen regel¬ 
mäßig von Köhler (Zella), im letzten Jahre mit einer 
Zeit von 3 Stunden 14 Min. 5 Sek. gewonnen. Auch 
die ersten Anfänge des Skilaufs in Thüringen zeigen 
sich auf der Kammhöhe des Gebirges. Die Forstleute 
bedienen sich des bisher unbekannten Verkehrsmittels 
auf ihren Dienstgängen. Seit 1894 läuft man in Ruhla, 
etwa um dieselbe Zeit in Neuhaus a. R. und Oberhof, 
in der Mitte der 80er Jahre schon in Suhl. Auf 
Touren wird seit den 90 er Jahren der Rennsteig des 
öfteren befahren worden sein, besonders aber seit 1900, 
wo in Brotteroda am Fuße des Inselbergs der Skilauf 
Eingang fand und durch die eifrige Förderung’des Land¬ 
rats Dr. Hagen in der 
ganzen Herrschaft ^ ^ 

Schmalkaldenseinen 
Siegeszug feierte. 

Auf seine Veran¬ 
lassung wurden im 
letzten Jahre an 
die 100 Lehrer in 
Brotteroda in der 
Leitung wintersport¬ 
licher Hebungen aus¬ 
gebildet. Die vor¬ 
züglich organisierten 
Jugendmannschaften 
seines Kreises ver¬ 
sprechen für die 
Zukunft eine ganz 
vorzügliche Klasse 
von Läufern. 

Wenn wir von 
den Anfängen des 
Wintersports in Thüringen überhaupt reden, so dürfen wir 
nicht die Steinbruchsarbeiter vom Nesselberg am Renn¬ 
steig und die Holzhäuer vergessen, die nach Feierabend 
auf langen Holzschlitten mit hoch aufgebogenen Kufen, 
dem sogenannten Hörnerschlitten, schwere Lasten sicher 
zu Tal fuhren. Vorn auf dem Querholz der Hörner saß 
oder lehnte der kundige Lenker. Die linke Hand hatte 
das Horn umklammert, während die Rechte an der 
kurzen Lenkstange den Schlitten in der Bahn hielt. 
So sauste er, die Nagelschuhe bald leise über den 
Boden gleitend, bald kräftig einstemmend, zum Ent¬ 
setzen derer, die solches zum erstenmal sahen, den 
steilen Weg vom Nesselberghof nach Tambach- 
Dietharz hinab. Noch heute ist das Hörnerschlitten¬ 
fahren in diesem liebreizenden Waldnest, dessen rühriger 
Wintersportverein vorzügliche Rodel-, Bobsleigh- und 
Eisbahnen unterhält, als Sport beliebt. 

Folgen wir also dem Rennsteig trotz des müh¬ 
samen Anstiegs von der Grenzwiese über die Reitsteine 
zum Insel berg. Daß sich hier mit der Verbreitung 
des Skilaufs ein reges Winterleben entfaltete, darf nicht 


wundernehmen, denn eine Fahrt zum Rigi Thüringens 
bietet nicht nur den Genuß schönster Waldparlien, 
sondern bei klarem Wetter eine prachtvolle Fernsicht 
mit berückendem Sonnenunter- und -aufgang. Viel 
Reiz gewährt die Kammwanderung nach Oberhof auf 
dem Rennsteig, die doch schon ziemlich oft gemacht 
wird. Und welcher Winterwanderer und Sportfreund 
führe nicht gern nach jenem vornehmen Winterluft- 
kurortl Nicht allein seines Weltrufs wegen; als Winter¬ 
sportplatz hat es den ja, abgesehen von seinen günstigen 
Bahnverbindungen, seinen glänzenden Unterkunftsver¬ 
hältnissen und von seiner heilwirkenden Höhenluft, erst 
durch seine ganz vorzüglichen Sportbahnen gewonnen. 
Durch seine Höhenlage (800 Meter) hat es auch den 
ganzen Winter über reichlichen Schnee, und außer der 
erstklassigen Bob- und der noch viel zu wenig benutzten 
12 000 Quadratmeter großen Eisbahn finden wir hier 
eine ganze Reihe großer Wiesenflächen und herrlicher 
Waldwege, vor allem aber den musterhaften großen 
Sprunghügel für die Ausübung des Skisports. Und 

dann Oberhof, das 
flutende, ewig be¬ 
wegte, das elegante, 
mit seiner Entfaltung 
von Modepracht in 
Schnee und Eis. 
Wo im Sommer die 
leidende Menschheit 
Erholung sucht, da 
drängen sich im 
Winter die Gesun¬ 
den in schäumender, 
brausender Lust. Da 
ist jeder Tag ein 
Fest. Und die so 
griesgrämig und ver¬ 
zagt, so müde und 
abgespannt, so blaß 
und freudlos aus dem 
anstrengenden Be- 
Partie am Heuberg'(Thüringen) rufsleben der Gro߬ 

stadt mit ihrem nervenzerrüttenden Lärm und Gedränge 
heraufkamen, um sich die neue Modetorheit einmal anzu¬ 
sehen, werden angesteckt von dem munteren Treiben, 
hineingerissen in den Strudel. Die dickbeleibtesten 
Herren steigen auf den Bobsleigh und die ältesten Damen 
wagen eine Fahrt auf den zahlreichen Rodelbahnen. Oh, 
sähe man doch immer in den Riesenstädten derNiederung 
so fröhliche, heitere Gesichter, so lebenslustig sprühende 
Augen, so hochgerötete Wangen. Ein Jungbrunnen ist 
aus dem Oberen Hof geworden für Tausende abge¬ 
arbeiteter, matter Menschen, was man auch als Sportmann 
gegen diesen Modeort einwenden mag. Kaum glaublich, 
daß hier vor 50 Jahren im Winter am hellichlen Tage 
die Füchse über die tiefverschneiten Dächer liefen! 

Allerhöchste Herrschaften, vor allem aber Se. Kgl. 
Hoheit der Herzog Eduard und seine erlauchte Gemahlin 
weilen kürzere oder längere Zeit in Oberhof, um den 
Wintersport in allen seinen Arten zu pflegen. Man 
sollte aber erst zur Zeit des großen Verbandsfestes 
des Thüringer Wintersportverbandes, das fast regelmäßig 
Anfang Februar stattfindet, hier heraufkommen, dann 







Nr.l3 DEUTSCHLAND m 


639 


möchte man sich angesichts der ununterbrochenen 
Schlittenkette, die die Gäste vom 170 Meter tiefer 
liegenden und etwa 3 Kilometer entfernten Bahnhof 
heraufbringen, angesichts der unzähligen Fußgänger 
und Sportleute auf Ski, Rodel und Bobsleigh in das 
dichteste Gewühl der Berliner Friedrichstraße oder der 
Pariser Boulevards versetzt glauben. 

Je weiter man auf der Kammhöhe des Gebirges 
nach Südosten vordringt, desto mehr wird man inne, 
wie eifrig sich die Gebirgsbevölkerung des aus dem 
Norden stammenden Verkehrs- und Sportmittels ange¬ 
nommen hat. Am romantischen Gehlberg will man 
mit der Entwickelung Schritt halten, Ze lla-Mehlis 
und Suhl stellen ein großes Kontingent begeisterter 
Sportjünger, die Schmücke bietet dank ihres alpinen 
Charakters für Skiläufer ein gutes Uebungsfeld, ihr 
Gasthaus hat im Winter schon vom frühen Morgen 
an Gäste, der Rennsteig zwischen Oberhof und Schmücke 
scheint uns fast ein wichtiger, vielbefahrener Verkehrs¬ 
weg. Im hochgelegenen Schmiedefeld, das soeben 
seinen neuerbauten vorzüglichen Sprunghügel der Be¬ 
nutzung übergeben hat, herrscht reges Leben, und 
prächtige Ausflüge lassen sich von hier aus nach allen 
Seiten hin, u, a. nach dem Stutenhaus, dem Adlers- 
berg, nach Suhl und nicht zuletzt nach Ilmenau 
und dem an klassischen Erinnerungen reichen Kickel- 
hahn unternehmen. Um 7 Kilometer vom Rennsteig 
ist das berühmte Gabelbach Wirtshaus entfernt. 
Wer mit der Zahnradbahn Ilmenau - Schleusingen bis 
Station Rennsteig fährt, kann von da auf ver¬ 
schiedenen Wegen, nicht zuletzt auf der uralten Straße 
von Ilmenau-Frauenwald-Schleusingen, nach 
Stützerbach, Manebach, Ilmenau in bequemer 
Abfahrt gelangen. Ilmenau selbst weist, gute Schnee¬ 
verhältnisse vorausgesetzt, die denkbar günstigsten Be¬ 
dingungen zur Ausübung des Wintersports auf. Und 
welch anmutiges Landschaftsbild bietet das schöne Tal 
der Ilm! Am Gabelbach, wo in diesem Winter ein 
neues großes Hotel „Kurhaus Gabelbach" in Betrieb 
genommen wurde, ist der 757 Meter hochgelegene Start 
der 2750 Meter langen Rodel- und Bobbahn; daß sie 
eine der besten Deutschlands ist, zeigt, daß die deutsche 
Rodelmeisterschaft, die zum ersten Male Februar 1912 
zum Austrag kommen soll, wahrscheinlich auf dieser Bahn 
ausgefahren wird. Nicht unerwähnt bleibt, daß Ilmenau 
nun auch über eine erstklassige Sprungschanze verfügt. 
Dazu kommt die an 12 000 qm große Eisbahn, auf der 
heuer zum ersten Male das Eisschießen gepflegt werden 
soll. Stadt und Wintersportverein haben große Opfer 
gebracht, um den Winterverkehr in Ilmenau zu heben. 

Von Ilmenau mit der Bahn nach Großbreitenbach 
kann man durch das Tal der Oelze und Masse nach 
dem durch einen prachtvollen Fichten- und Buchen¬ 
hochwald ausgezeichneten und gern besuchten Masser¬ 
ber g (790 Meter) gelangen, das durch seine Höhenlage 
und Wiesenflächen für die Ausübung des Wintersports 
besonders geeignet erscheint. In den interessierten 
Kreisen hat man das wohl erkannt, und der Neubau 
stattlicher Hotels sowie die Anlage von Sportbahnen in 
jüngster Zeit beweisen, daß man in diesem an Oberhof 
erinnernden Luftkurorte auch im Winter mit dem Besuch 
fremder Sportfreunde rechnet. 


Mit Masserberg eröffnet sich die Reihe derjenigen 
Wintersportplätze Thüringens, die abseits von der 
großen Heerstraße liegen und dadurch, daß sie mit 
mehr oder weniger Umständlichkeiten zu erreichen 
sind, einen nicht im entferntesten so starken Winter¬ 
verkehr aufzuweisen haben als die vorerwähnten Oite. 
Und das ist auf das lebhafteste zu bedauern. Denn 
einmal würde durch die Bekanntschaft mit dem Winter¬ 
sport Südthüringens so manches ungerechte und 
harte Urteil über die Größe und Bedeutung der Ge¬ 
samtbewegung innerhalb der Grenzen des Thüringer 
Waldes vermieden worden sein, das nach einseitiger 
Kenntnis dessen, was man in Oberhof oder Friedrich¬ 
roda gesehen, gefällt wurde. Es ist nicht zu leugnen, 
daß dort der Geschäftssport sich in der ersten Zeit 
allzu unliebsam bemerkbar machte, und es ist dies ja 
nicht allein in Thüringen so gewesen. Das andere Mal 
dürfte man erst in Neuhaus, Ernstthal, Igelshieb, 
Lauscha, Sonneberg und vielen anderen weniger 
bekannten Plätzen erkennen, wie sehr der Skilauf in 
den letzten fünf Jahren alle Schichten der Bevölkerung 
ergriffen hat und zum wahren Volkssport geworden 
ist. Besonders aber bei der Jugend! Man möchte fast 
glauben, die Kinder kämen hier mit Skiern zur Welt. 
Kaum kann so ein kleiner Knirps auf den Beinen stehen, 
so hat er auch schon den Ehrgeiz, sich ein paar 
Bretter an die Füße zu schnallen, die in Form und 
Ausführung meist wenig mit echten, fabrikmäßig her¬ 
gestellten Skiern gemein haben. Was dient da nicht 
alles als Sportgerät! Und noch ein drittes. Südthüringen 
bietet in der Umgegend von Neuhaus-Ernstthal ein 
geradezu ideales Skigelände. Nirgends wohl sonst auf 
dem Walde finden wir so weite baumlose Hänge, so 
wechselvolle Schneeflächen, so schwieriges und dennoch 
befahrbares Terrain wie hier. Dürfen wir uns da 
wundern, daß aul den großen Verbandsfesten in Oberhof 
fast nur Igelshieber, Neuhäuser und Ernstlhaler die 
Skirennen bestreiten! 

Glasbläser sind sie zumeist, Leute mit spärlichem, 
zum Lebensunterhalte gerade ausreichenden Verdienst. 
Sind sie nicht reich an irdischen Gütern, so sind sie 
doch glücklich zu preisen um der Ideale willen, die 
ihnen die glückliche Natur des Wäldlers mit auf den 
Lebensweg gegeben. Rührende Bescheidenheit, warme, 
tiefe Liebe zur Natur und Heimat und Begeisterungs¬ 
fähigkeit für alles Edle und Schöne, wie sie anderswo nicht 
reiner und höher zu finden. Und diese Begeisterungs¬ 
fähigkeit hat sich besonders in dem ernsten Eifer gezeigt, 
mit dem sie sich der Pflege des Wintersports ange¬ 
nommen haben. Karl Böhm-Hennes, der deutsche und 
österreichische Skimeister, hat ihren Ruhm in alle Welt 
hinausgetragen, besonders als er am letztjährigen 
Holmenkolrennen vor 40000 Norwegern zeigte, wie 
weit wir es in Thüringen in ihrem Nationalsport durch 
edle, ausdauernde Arbeit innerhalb der kurzen Zeit von 
fünf Jahren gebracht haben. 

Möge das „Deutschland, Deutschland über 
alles" und das Hurra aus 40000 Kehlen, mit dem 
die Norweger sein Erscheinen auf der Holmen- 
kolschanze begrüßten, der Leitstern sein, unter 
dem die Weiterentwicklung des Wintersports in 
Thüringen steht. 



Ö40 DEUTSCHLAND Nr.l3 


Die Photographie als Kunst. 

Von Dr. Erwin Quedenfeldt 

(Leiter der Rhein. Lehr« und Versuchsanstalt für Photog'raphie), Düsseldorf, mit 8 Bildern. 


Es sind über 70 Jahre her, seit der große Physiker 
Qay-Lussac in seinem Gutachten für die französische 
Deputiertenkammer über die soeben erfundene Daguerre- 
otypie den Ausspruch tat: „Sie ist der Ursprung einer 
neuen Kunst inmitten einer alten Zivilisation; sie wird 
Epoche machen und als ein Titel des Ruhmes bewahrt 
werden. 

Hat die Photographie heute diese Prophezeiung wahr 
gemacht? Hat sie die enthusiastischen Erwartungen erfüllt, 
die ihr damals an der Wiege glühenden Eifers gestellt 
wurden? Da War ja 
nun das Wunder voll¬ 
bracht, von dem alte 
Dichter sprachen, daß 
die Menschheit noch 
einmal dazu gelangen 
werde, mit den zarte¬ 
sten Schwingungen, mit 
,Lichtfüßen‘zu schreiben 
und sichtbare Bilder zu 
zeichnen! Dem Maler 
Daguerre entfiel der 
Pinsel vor diesem ent¬ 
deckten Phänomen, dem 
er sich in bitterer Not, 
aber pochenden Herzens 
mit starker Schöpfer¬ 
kraft geweiht hatte. Nur 
wenige seiner Genossen 
sind ihm gefolgt: der eng¬ 
lische Maler Oktavius 
Hill in den 40er Jahren 
und in neuerer Zeit 
der Wiener Radierer 
Hugo Henneberg und 
der amerikanische Maler 
Eduard Steichen. Aber 
der Enthusiasmus der 
ersten Zeit ist verflogen. 

Die gepriesene Licht- 
bildkunst ist recht stief¬ 



Am Strande (Phot.: 


mütterlich behandelt. Zunächst haben die Photographen 
dies selbst verschuldet. Sie waren gar zu sehr Hand¬ 
werker und Geschäftsleute und schmeichelten mit glatter 
Technik dem gröbsten Ungeschmack des großen Publikums. 
Dann aber auch lehnten sich mit voller Kraft die bisher 
anerkannten Künste gegen diesen neuen Eindringling auf 
und noch heute erklingt in ihren Reihen das emphatisch 
gesprochene Wort von der kalten, starren und schema¬ 
tischen Technik der Photographie, die auf wahre Kunst 
keinen Anspruch erheben könne. 

So wird denn der spätere Kultur-Geschichtschreiber 
über unsere Zeit zu berichten haben, daß die Menschheit 
über 70 Jahre lang eins der feinsten Mittel besessen hat, 
um ein neues Eiland in der Kunst zu entdecken, und 
daß dieses Mittel ungenutzt durch Mißgunst und falsche 
Beurteilung liegen blieb. Unverdrossen hat allerdings 


eine verhältnismäßig kleine Schar seiner Anhänger dieses 
Mittel weiter gehegt und gepflegt und künstlerische 
Werte herauszuholen versucht, soweit es ihnen als Auto¬ 
didakten möglich war. In ihren Muße- und Weihestunden 
sind die Amateure allein die Träger der Lichtbildkunst 
geworden und haben in ihren organisierten Ausstellungen 
beachtenswerte Anfänge einer Lichtbildkunst zeigen 
können. Trotzdem ist es verwunderlich, daß sich die 
Photographie noch nicht zu einer selbständigen Kunst 
entwickelt hat, so daß sich ihr wirkliche Künstler aus¬ 
schließlich widmen. Erst 
dann würde sie zu präch¬ 
tiger Blüte kommen und 
die Prophezeiung Gay- 
Lussacs Wahr machen. 

Aber dann müßte erst 
mit dem Vorurteil ge¬ 
brochen werden, daß die 
Photographie mecha¬ 
nisch durch physika¬ 
lische und chemische 
Kräfte das Bild der 
Natur erzeugt. Ich gebe 
zu, daß die Photo¬ 
graphien der handwerks¬ 
mäßigen Photographen 
und der meisten Ama¬ 
teure in ihrem Ausdruck 
alle ein völlig gleiches 
Aussehen haben, so 
daß von einem gleichen 
Produkt eines mecha¬ 
nischen Verfahrens mit 
vollem Recht gesprochen 
werden kann. Wirsehen 
bei der üblichen Photo¬ 
graphie das Bild der 
dargestellten Natur in 
reichen Tonabstufungen 
vom Licht bis zum 
Eisbeth Gropp, Köln) Schatteii mitreaüstischer 

Deutlichkeit Wiedergegeben. Wir finden auch, daß von 
dem gewählten Ausschnitt der Natur alle Objekte, wenn sie 
gleichmäßig beleuchtet waren, auch mit gleicher Wichtig¬ 
keit auf der Photographie zum Vorschein kommen, was 
einer künstlerischen Eingebung und Auswahl nicht ent¬ 
sprechen würde. Das ist gewiß der Fall, liegt aber nur 
daran, daß alle Photographen mit den gleichen Mitteln 
arbeiten. Die photographische Technik hat ihr Haupt¬ 
augenmerk darauf gerichtet, ein möglichst naturwahres und 
objektiv richtiges Bild zu erlangen. Sie hat daher den 
photographischen Prozeß ganz bestimmt geregelt. Sie hat 
die so reich in allen Tonabstufungen arbeitenden Platten 
geschaffen und alle Photographen der Welt benutzen diese 
gleichen Platten. Die photographische Technik hat ent¬ 
sprechende Kopierpapiere geschaffen, die alle Töne der 
Platte wieder mit deutlichster Prägnanz herausholen, und 







Nr. 13 DEUTSCHLAND 641 


alle Photographen 
der Welt benutzen 
diese auf dem inter¬ 
nationalen Markt her 
findlichen gleichen 
Papiere. So hoch 
nun diese Technik 
für objektive Dar¬ 
stellung der Natur 
zu veranschlagen ist, 
so . AVenig geeignet 
ist allerdings für eine 
künstlerische Pro¬ 
duktivität dieser so 
glatt und rein mecha¬ 
nisch geregelte Pro¬ 
zeß. Schon diese 
absolute Gleich - 
förmigkeit derübli- 
chenPhotographieist 
wenig anreizend für 
einen freischaffen¬ 
den Künstler. Wohl 
haben Wir sogen. 
künstlerischeKopier- 
papiere, aber die 
Wirkung wird nur 
durch gröberes Korn 
erzeugt, ohne daß 
der eigentliche Cha- 
rakterder tonreichen 
Photographie ge- 



Häusergruppe (Phot.: Elsbeth Gropp, Köln) 


ändert wird. Und 
doch behaupte ich, 
daß die Photogra¬ 
phie ein ungeahnt 
reiches und viel¬ 
seitiges Ausdrucks¬ 
mittel für jeden 
Künstler, der sich 
ihr hingibt, sein 
kann. Das Licht 
wirkt auf eine so 
große Zahl verschie¬ 
dener Substanzen 
so mannigfaltig ein, 
daß wir es Wahrlich 
nicht nötig haben, 
nur den uns vom 
Fabrikanten vorge¬ 
schriebenen und zur 
Schablone führen¬ 
den Weg zu be¬ 
schreiten. — Wir 
können uns z. B. zur 
Schaffung eines pho¬ 
tographischen Nega¬ 
tivs einer überaus 
hart arbeitenden, also 
sehr unempfindlichen 
Platte bedienen und 
werden nicht mehr 
ausgeprägte Lichter 
und Halbtöne er- 



Westfälisches Bauernhaus (Phot.; Sascha Homann, Essen) 











642 DEliTSCHt>ÄN& Hir 13 


halten; Sandern fast Qiir kötitütedtiljicfeiiujrg/'^ s^ (faß dufch. gJeicfimSSig -Räuiid geseixtt %HVle. 
däiiarcli. sd’Oß ein gfofier Ciegerjsgt7. xur übffchen r^* . teile dfe; Rfsajislik .il«s photographischeti Sifties afefgehoBen. 
Hstischen Phöi.ographie gegeben ist. , Vor. allen Dingen' Daher Jsli, such di« Modatatlös ä» des Halbtönefl des 
Jjabeß wir fo dem . ä^iombtnailöRB-ötimro KepfdS megficiist !ortge%sen und ni^ was «iir Charak- 

tertstik des Medschets nötig ist, zaH ängedeulei. Den 
duükten Fiadieti sölUen rahi^e Tonflächeu^^^ite lieHerer 
Farbe fentgegenäfehen. lui OriginaJ sind durdh besoftdere 
Fürbefi diese'} äoth wehr aLt^etfiandefgebalten, 


aber toabeti wir 
drbck, eteeni-.fCojplerverfstirent däs. gestattet* die, Ton- 
. sitaia ganz beliebig zu yeränderu. ein Mittel an der Hand* 
unseren . kürisderiscfien Impressionen 'öpll, Öenüge zu 
leisten;. . Bisher wurde dieses ITöpfefeeHahren allere' 


diögs sö iin wie die sudefb Papier VerWgndf' ;:p€r Hintergrörid?ist blsb'. das bjasf }^.btett 

ich möchte aber durch efntge Proben belegen, daii e§ und: Kopf und Kteid röllfch gelte Schöri /diircl! diese 

i vöfl den anderen , ist 
iea;:das,Flibtbgtephl^he. 



begabte'Schaler w dieser WeVse arbeiten Jagden, dnd. jaäßig deutlich ader undeutlicte Ein besondefes Vorheben 
bin selbst erstaunt, Wie auSdriick,$fllhig .das- VerFaJt'ren . eibieldte ^dr dUFch Iträftlge .Be¬ 
lieb erwiesen hat. In einer AosssteiteRg ,im Diisseklorfer ' Jeuchtiing des heiöndßP®?: Teiles-« ist 

Kutisfgewerbe-Museiim ;siiTdi ' ; . ^ 

diese: Arbeiten zMerst ge-: s^sts^^^^^ifitSföääscsiiSMiiMMMteßÄissöBfiä^ss^sSBiffltSii oi« »vm ert'^imUtfiisei'teiuvatiAri 


‘‘ eia/ufflsedüfikiererSciiaiieni 
da und idSt die .Unjen 'dort 
/«ertöffed:; :gehett.; ■:' äin .Köm- 
btilationsgumftiicJnic.k kann 
dttfc’b besondere:Weise jed e 
Form' : fdr ■ siete' 'Wirksam: 
lierausgeböl t werden. In der 
Äb.biId« nK; auf rSeile 645 
steht die. Figite.'dfeS iurtgen 
Mädchens^^lftir Sieh dte ob- 
. wobf tftei Auteäbnifi rn: btRe m 
geWölinTicheii ^Älioiner yor- 
ggnOrnfftete |St Bel ' diiteit) 
Druck' äiif jedem ; aftderen 
Kcfpierpqpier'WlirtJddieFigur 
Ini Oufikel des Hintergrundes 
-fast ydilig uer^hwinden., 
üan e be-soUdtrseigeijaHige 
.fteize gibt aber der: St aii'b -- 
farben'g-uwmidruckf der 
auf eteeretetieri'Gfiindlageder 
Technik, bcriibt und ddi^sen 
Erhndimg und etete' An-. 
wdhdud^'': ich in. meiner 
Anstcii t,: vornehmen . konnte. 
■Er W^dii.tltchefi 

.Trt. feider ■ Au fb'rl.n;gü'hg:.von 
. f lltrpde'r iR^rteibtgj}» K^b « 

■ sf aube';.;Suf lidhtetepiindliche 
Chrobi^.mm fsctei.dbien, 
diese; W-ted d^bd ddte^ dä& 

Negatw fimdurcb .gedruckt 



sehlössört ziif Vorführung gg- 
.ikötnmeti. Die kleine BildeT- . 
schau, weJehe. jqh; hier iti; ■, 
dleser^feitschf iftgebe;mußte . 
der SchWarz-WeiS- Reprote' 
duktion isngepaBt ' werdeti, 

Es konnten daher dite' v'teltelif 
farbigen Arbeiten-«iclit sds ^ 
gestidit .Werdefl. .in : denr ; 

Bude Nr, 5 cöii 'SuSebäi 
Homamt fEsädii J ist rferWeH i ^ 
attf . großzügige Ftec-kepr.' 

Wirkung gttegt. Den reindri: 
kräftigen Uclitern steh^ 
sefdossene Schatten gegen» 

Uber. Die$e ftäcklge-Wit‘ .lll.'lOvI;;::.!:,:: . iTib-i 

kong ist ■ noch deHl fte her et- 
refcht ib dem Bt f d e N 
i'Häifsergriippete voiiEtebeth 
örbpR (Köfnite; pas ghöze 
Bild 1 tet, tiVr- eia Spiel von 
mejtf; dder: W?bf fite ü cti 
Fiächea.v rDiese unabge- 
sUiften T6ti.ft.i|chen sind be^'- 
grenzt dur c li K ö b t ti r e tt 
und . dadoreJj ifdeift 

die Flachen, V.ok(.wftat;, er*} 

halten. Es ist dies ein nfiiiea/ 
ifl .der teioderfieit: MateiW 
ängeWaadtes Mitte!vdds:.sftii 
dflrCb .die besöndete 








.SfutliohUnpf d^iyrtt;; 'WtePtcfttiafs, pUt^T-ldofrl 

fidbudg dWs iÖbmmTdmsto'/W iDvirch ' «bd: dureft AVasser das Bild .entwickelt . Wenfi Färb' 

die®« Einfassuög der .FJädteidgile:ffiit'fträfj:lgen Linien wird Uömer iis den reinen Farben irebeiremdndef apf Weflfcia 

dem Bilde eine Bioiiumebtateire Wirknog zugefligL So sind PapiergrunÖe liegen, mische!) $ie sich für unser« Augen 

in dem Straijdbilde.die .Rörper der beiden Kinder .za den efiteprcchetideti Mfschtößen und, Nuancen und 

durchLdi«se5'Mittei-;kyftig k(^v6rgelitibed. .Wie durch es resultiert’ ein ubfemtis farbfcrrretc!ie.s Bild, obwohl 

iwei SätitendÄfirii unssf Blick auf die weite See geriditet. nur die, drei Grimd Farben benutzt ^dpd- Es lassen sich 

Die .glefclittiätttge HoTizdtitelbewegung des Meeres fmdet aber'auch «iözeine Tefie des - Biftles- ktti^l/iait, Farbe 

ihf: ^egetigeWick*star;fen Vcrtiicaiktiien der betdcn etnsUuben, so dab ara'n gattz; nath seinem; Farbenetnp- 
Körperi .fo Wird das feierliche Moment, der stCÜg gieieben finden däi Bikt mehrfatbig behaBileln ksiin. Der ßben- 

Welleühewegting des Meeres bte knr Erhabetilieit erhoben, stöiiei'itfe Studienköpf ist auf diese Weise erzeugt Von 

in dem Porträt der Frau Henkels, SeHc. 644, tst durch einem, gleifchmäßtg beligfüneit'Ifittteritend hebt Sich das 

zarte Anwendung dieser Konturteruag, aber mehr oodi töüiche ffaar «tid der. aarivfolette Körper, des Mädchens 




Nr. 13 DEUTSCHLAND 643 


ab. Dadurch, daß durch das Negativ hindurch auf 
diese mit einzelnen Farben versehenen lichtempfindlichen 
Chromgummischichten kopiert wurde, ist dann bei der 
Entwicklung das neue photographische Bild in den an¬ 
gewandten Farben entstanden. 

Aus diesen wenigen, aber in der einzelnen Wirkung 
so verschiedenen Bildern wird deutlich geworden sein, 
daß die photographische Technik kein schematisches 


Arbeiten bedingt, sondern in wunderbarer Mannig¬ 
faltigkeit sich dem offenbart, der mit künstlerischer 
Einsicht aus dem großen Reichtum diejenige Technik 
zu greifen versteht, die ihm zur Gestaltung seiner 
Impression erforderlich ist. So kann also die Photo¬ 
graphie sehr wohl ein künstlerisches Ausdrucksmittel 
sein, es fehlen nur noch die Künstler, die sich ihr ganz 
widmen und sie zu einer neuen Kunstform umgestalten. 


Pf]eg*e und Erhaltung nationaler Güter. 

Von Gustav Adolf Erdmann (Weißenfels a. S.). 


..Die an^cbornen Bande knüpfe fest; 

Ans Vaterland, ans teure, schließ’ dich au. 

Das halte fest mit deinem ganzen Herzen. 

Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft: 

Dort in der fremden Welt stehst du allein. 

Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt.'• 

Welcher deutsche Jüngling hat nicht einst diese 
Worte, die unser Schiller in seinem „Teil“ dem greisen 
Attinghausen in den Mund 

legt, mit ehrlicher Begeiste- - 

rung nachgesprochen und 
sich gelobt, ihnen zu folgen! 

Welcher deutsche Mann, den 
noch nicht die Wahnidee des 
internationalen Weltbürger¬ 
tums gefangen nahm und das 
Dichterwort vom Vaterland 
als eine Mär „aus uralten 
Zeiten“ bewerten läßt, wüßte 
nicht die tiefeWahrheitdieses 
Ausspruches zu bestätigen, 
hätte sie nicht oft und ein¬ 
dringlich empfunden! Beson¬ 
ders für den im Auslande 
lebenden Deutschen scheint 
es geprägt zu sein als ein 
Panier, das über seinem 
Heim im fremden Lande 
schweben soll, als eine stän¬ 
dige Mahnung, eine ernste 
Warnung. Denn: losgelöst 
vom deutschen Vaterlande 
wird er in der fremden Welt 
wirklich zum „schwanken 
Rohr, das jeder Sturm 
zerknickt“, wohlverstanden: 
innerlich losgelöst, inner¬ 
lich vom Vaterlande, dem 
Nährboden seines Geistes 
und Wesens, getrennt; denn 
die rein äußerliche, d. h. 

die räumliche Trennung be- c u • i i c • du . 
..... o u ... u • Lx Schauspielerin rrl. Seipp »Phot 

dingt diese Schwäche nicht ^ . . . .. , 

. Zum vorstehenden Arlikel „ 

Wir Inlands - Deutsche 

wollen durchaus nicht mit pharisäischer Selbstgerechtig¬ 
keit prunken und anerkennen, daß auch wir — leider! — 
oft genug von der Begeisterung unserer jünglingstage 
uns weit entfernt haben, daß wir deshalb alle Ursache 
haben, uns selber Einkehr und Umkehr zu predigen. 
Ein beschämendes Zugeständnis, aber es spricht die Wahr¬ 
heit. Woher dies kommt? Es bedürfte einer sehr um¬ 
fangreichen, sehr tiefen und feinfühligen psychologischen 
Untersuchung, um die Wurzeln dieser Erscheinung blo߬ 
zulegen. Da greifen ineinander: Nationalfehler und per¬ 
sönliche Schwächen, Erziehungsmängel und politische 
Doktrinen, falschverstandene oder unverdaute Lehren 
und Phrasenblendwerk und noch tausenderlei anderes. 





Es ist leider nicht in Abrede zu stellen, daß unsere 
Erziehung betreffs Betonung der nationalen 
Note noch nicht den Anforderungen entspricht, die im 
Völkischen Interesse an sie gestellt werden müssen; denn 
sonst würde manche beklagenswerte Erscheinung, der 
man Tag für Tag begegnen kann, nicht zu verzeichnen 

sein. Wir sind weit davon 

, „ . entfernt, dem nationalen 

Hochmut, der nationalen 

Ueberhebung, dem häßlichen 
und auch sinnlosen Chau¬ 
vinismus das Wort reden zu 
wollen. Gerade indem man 
diese Eigens chaften 
großzieht und pflegt, 
schädigt man das tiefere 
nationale Empfinden 
am meisten; denn der 

sich überhebende Chauvinist 
glaubt durch sein Bramar¬ 
basieren sein nationales Emp¬ 
finden bereits genügend be¬ 
tätigt zu haben, er fühlt sich 
weiterer Pflichten ledig, 
wenn er recht kräftig sein 
Hurra geschrien hat. Sein 
Element ist die erregte 
Augenblicksstimmung, die 
aber schnell verrauscht, sein 
nationales Wirken besteht 
der Hauptsache nach in der 
Herabsetzung, Verkleinerung 
anderer Nationen und deren 
Kulturbedeutung. 

Liegt in diesem Treiben 
eine Beachtung des Schiller- 
schen Wortes? Gewiß nicht! 
Keine Nation gewinnt da¬ 
durch an innerem Werte, 
daß sie andere herabsetzt, 
keine wird dadurch größer, 
daß sie sich überhebt. Solche 
Erscheinungen sind die bedauerlichen Früchte verkehrter 
geschichtlicher Erziehung, durch die Patriotismus gepflegt 
werden soll, aber infolge des Haftens an der Ober¬ 
flächlichkeit dessen Zerrbild, der Chauvinismus, gro߬ 
gezogen wird. Unsere Erziehung soll nicht darin das 
nationale Element erblicken, daß sie den heran- 
Wachsenden Generationen das Deutschtum wert zu machen 
sucht, indem sie fremdes Wesen diskreditiert; das ist 
eine morsche Brücke, die eines schlimmen Tages zusammen¬ 
bricht. Unsere Erziehungsaufgabe ist es, die 
Jugend eng mit den unschätzbaren Werten der 
nationalen Güter in Berührung zu bringen, sie 
mit ihnen zu erfüllen und untrennbar zu ver- 



: Erwin Quedenfeldt, Düsseldorf) 
Photog-raphie als KunsV' 




644 DEUTSCHLAND Nr. 13 


binden. Das schließt Achtung fremder nationaler Güter 
nicht aus; im Gegenteil: ^ver seine eigenen National¬ 
güter als kostbarstes Eigentum schätzt, 'Wird auch hohe 
Achtung vor fremden Gütern dieser Art empfinden, ohne sie 
indessen durch Preisgabe seines eigenen kostbaren Besitz¬ 
tums für sich eintauschen zu wollen. Denn er weiß, daß er 
hierdurch seiner besten, stolzesten Eigenart verlustig 
gehen würde. Es Wäre dringend zu wünschen, daß alle 
Erziehungsfaktoren in dieser Richtung wirkten. Vielleicht 
würde dann etwas weniger Hurra gerufen, vielleicht träte 
dann auch etwas weniger häufig eine Strohfeuerbegeiste¬ 
rung ansTageslicht; 
dafür aber würde die 
ungleich wertvollere 
„heilige Flamme“,die 
nie erlischt, ganz im 
stillen, ohne äußer¬ 
lichen Lärm, fürs 
Vaterland glühen. 

Durch diese Ver¬ 
tiefung der Wert¬ 
schätzungecht natio 
naler Güter würde 
jedenfalls ein bessrer 
Widerstand gegen 
alle großen und 
kleinen Feinde der¬ 
selben geschaffen 
als durch die Schein¬ 
bollwerke schnell 
verfliegender Mo¬ 
ment - Begeisterung 
sowie der Ver¬ 
kleinerung fremden 
Wesens. 

Erkenne,was 
dir dein Volks- 
tum wert ist und 
sei ein treuer 
Hüter, ein un¬ 
ermüdlicher Er¬ 
halter aller jener 
wertvollenGüter, 
die in ihrer Ge¬ 
samtheit dein 
Volkstum aus¬ 
machen! Wenn 
die Erziehung diese 
ernsteMahnung nicht 
jedem Deutschen 
fest und unverlier¬ 
bar ins Herz und 
Gewissen einprägt 
als das höchste völ¬ 
kische Gebot, das 
zu mißachten eine 
Schande ist, dann 
hat sie ihre 
nationale Aufgabe nicht erfüllt, mag sie auch 
mit allen möglichen anderen Erfolgen prunken, dann wird 
es die höchste Zeit, sie von Grund aus umzugestalten. 

Wenn man von nationalen Gütern in diesem Sinne 
spricht, so pflegt man ausschließlich an die idealen 
Güter zu denken, die den Inbegriff des Volkstums aus¬ 
machen. Solcher idealen Güter gibt es zahlreiche; unter 
ihnen aber ragen doch nur Wenige als ganz besonders 
wertvoll und wichtig hervor, und ihre Pflege genügt, um 
die Hochhaltung aller übrigen zu gewährleisten. Diese 


Wichtigsten Güter sind: nationale Sprache und 
Sitte, von seinen Schlacken möglichst befreiter natio- 
naler Charakter, fester Zusammenhang der 
Einzelpersonen unter sich und enges Zugehörig¬ 
keitsgefühl zum gemeinsamen Vaterlande. 
Hierdurch Wird das gemeinsame Band des National- 
gefühls gewoben, der echte, von jeder Ueberhebung 
freie Nationalstolz, der innere Festigung gegen alle 
fremden Lockungen verleiht, geweckt. 

Man mag einwerfen, daß doch alle diese nationalen 
Güter in der Heimat, in Deutschland, eine sorgsame 

Pflege finden, und 
daß trotzdem der 
Erfolg, Wie auch 
hier gesagt Wurde, 
nicht in vollem Maße 
der erwünschte ist, 
daß also hierin nicht 
die Rettung liegen 
kann. Und doch liegt 
sie in der Pflege 
dieser Güter und nur 
in ihr allein, jedoch 
muß diese Pflege 
eine das Innere 
durchdringende und 
nicht eine rein 
äußerliche sein, sie 
muß von Flitterwerk 
und prahlerischem 
Aufputz frei sein 
und weniger durch 
Wissensballast als 
durch überzeugte 
Empfindungs¬ 
tiefe, durch wahre 
Erkenntnisdes natio¬ 
nalen Wertes wirken 
wollen. In dieser 
Hinsicht wird aber 
bei der Heranbil¬ 
dung unserer Jugend 
noch sehr viel gesün¬ 
digt, und zwar der 
bei uns in hohem 
Maße vorhandenen 
Examenwut zuliebe. 
Positives Wissen 
kann man exami¬ 
nieren, mit ihm kann 
man in der Oeffent- 
lichkeit glänzen. Die 
höchsten nationalen 
Güter gehören aber 
nicht in dieses Ge¬ 
biet, über sie kann 
man vor keiner 
Prüfungskommission 
ein Examen ablegen, ihr Vorhandensein stellt erst das 
Leben fest. Und da zeigt sich eben nur zu oft, daß 
vor der Sorge um die Aneignung großer positiver Kennt¬ 
nisse, die fürs Leben kaum nötig waren, keine Zeit 
mehr zur sorgsamen Pflege nationaler Güter vorhanden 
War. Und wohl jeder wird bedingungslos zugeben, 
daß man sehr wohl alle irgendwie wichtigen Daten der 
völkischen Geschichte kennen, dabei aber dem Volkstum 
fremd und kalt gegenüberstehen kann und umgekehrt. 
— Aber nicht nur an einer übertriebenen Betonung 



Frau Henkels, Düsseldorf (Phot.: Erwin Quedenfeldt, Düsseldorf) 
Zum vorstehenden Artikel „Photographie als Kunst" 











Nr.l3 DEUTSCHLAND 645 


positiven Wissens auf Kosten des tieferen Empfindens 
liegt der häufig zutage tretende Mißerfolg betreffs der 
Wertschätzung nationaler Güter, ein beträchtlicher Teil 
der Schuld ist auf der einen Seite dem noch immer nicht 
überwundenen Standpunkt des Partikularismus, auf 
der andern der traurigen Parteizersplitterung bei 
uns in Deutschland zuzuschreiben. Solange der Süd¬ 
deutsche im Norddeutschen nur unwillig den zu ihm ge¬ 
hörenden Volksgenossen erduldet, solange sich jeder 
einzelne Staatsangehörige nicht in erster Linie als 
Deutscher fühlt und das wesentliche Zusammengehörige 
über das unwesentliche Verschiedene stellt, solange die 
Parteipolitik sich nicht unbedingt den nationalen Forde¬ 
rungen unterordnet, sondern im Gegenteil bestrebt ist, 
diese unter das Joch parteipolitischer Doktrinen zu 
zwingen, solange wird die Pflege nationaler Güter im 
Volke wesentlich erschwert, ja fast illusorisch gemacht. 
Aber die Schwierigkeit darf nicht abschrecken, sie muß 
im Gegenteil dazu anreizen, sie zu überwinden. Zwei 
Beispiele sind unserm Volke in jüngster Zeit in dieser 
Beziehung gegeben, ein abstoßendes und eins, dem man 
seine Bewunderung nicht versagen kann, trotzdem seine 
Spitze direkt gegen Deutschland gerichtet war. Das 
erste bot die jedem nationalen Empfinden hohnsprechende 
Rede des französischen Arbeitervertreters Jouhaux 
(Paris) am 28. Juli ds. Js. in Berlin, in der er das freche 
Wort sprach: „Wir verachten den Dummstolz des 
Patriotismus“ und hierfür ,,stürmischen Beifall“(!) 
erntete. Das erhebende Beispiel aber kam aus England. 
Am 27. Juli ds. Js. hatte der Premierminister Asquith 
im Unterhause seine große Marokko-Rede gehalten, nach 
welcher der Chef der Opposition, Balfour, sich erhob, 
um u. a. folgende Erklärung für die Opposition abzugeben: 
,,Mitglieder beider Parteien des Hauses haben oft gesagt, 
daß wir unsern Parteidifferenzen, so heftig 
sie auch sein mögen, niemals da einen Einfluß 
gestatten, wo dielnteressen des ganzen Volkes 

aufdemSpiele stehen .Wenn es irgendwelche 

Beobachter oder Kritiker außerhalb des Hauses gibt, die 
auf unsere Streitigkeiten gerechnet haben und darauf, daß 
wir von unseren bitteren heimischenZwistigkeiten gänzlich 
in Anspruch genommen sind und darauf gehofft haben, 
daß dadurch eine Politik erleichtert wird, gegen die Gro߬ 
britannien unter anderen Verhältnissen vielleicht Einwand 
erheben möchte, wenn es irgendwelche Leute gibt, die 
annehmen, daß wir von der Karte Europas gestrichen 
sind, weil wir unsere eigenen Schwierigkeiten zu Hause 
haben, so sei es diesen Leuten gesagt, daß sie das Emp¬ 
finden des britischen Volkes und den Patriotismus der 
Opposition völlig verkennen, ob nun diese Opposition 
eine liberale oder eine konservative ist.“ Hut ab vor 
einer derartigen nationalen Gesinnung, die uns Deutschen 
ein leuchtendes Vorbild sein sollte. Das Geheimnis der 
britischen Erfolge in aller Welt ist nicht zum geringsten 
Teile in dieser sich überall praktisch betätigenden Ge¬ 
sinnung enthalten. Es wäre ein Fortschritt von ungeheurer 
Tragweite, wenn das deutsche Volk in dieser Beziehung 
dem Beispiel der Engländer folgen wollte. 

Was isFs, das dem Briten den festen nationalen Halt 
verleiht. Was ist’s, das ihn nie und an keinem Orte ver¬ 
gessen läßt, daß er mit Leib und Seele, mit seinem 
ganzen Fühlen, Denken und Handeln ein Brite ist, der 
zwar für seinen persönlichen Vorteil arbeitet, dabei 
stets aber bedacht ist, die Interessen und das Ansehen 
seines Vaterlandes zu wahren und zu mehren, niemals 
aber gleichgültig oder gar feindselig gegen dieselben zu 
verfahren? Es ist einzig und allein das kraft¬ 
volle Nationalgefühl und die aus ihm entspringende 


Erkenntnis, daß er nur durch sorgsame Wahrung der 
seinem inneren Wesen angepaßten Wertvollen nationalen 
Güter, nur durch treue Pflege und Reinerhaltung alles 
dessen. Was sein Engländertum ausmacht, seine Kraft 
überall in der Welt behalten, die Welt sich untertan 
machen kann. So sehen wir, daß der einzige Welt¬ 
bürger par excellence, der Engländer, überall reiner Eng¬ 
länder bleibt, zu keinen Konzessionen nationaler Art an 
andere Nationalitäten, unter denen zu leben er gezwungen 
ist, sich bereit findet und von dem durchaus ver¬ 
schwommenen Begriff des Weltbürgertums, wie es in 
manchen unklaren deutschen Köpfen spukt, himmelweit 
entfernt ist. Während der unklare Schwärmer unter 
Weltbürgertum ein Mischungsprodukt der verschiedensten 
Nationalcharaktere zu einer farblosen Masse versteht, 
also Preisgabe alles dessen fordert, was die eigene 
Nationalität ausmacht, erblickt der praktische Engländer 
das Weltbürgertum für sich darin, daß er sich überall 
gleich bleibt, und daß er eher die ganze Welt mit 
seinem Stempel versieht, ehe er sich zur kleinsten Kon¬ 
zession herbeiläßt. Und der Erfolg hat ihm durchaus 
recht gegeben, mag man über seine „Anmaßung“ spotten, 
soviel man will. 

Sollen und dürfen Wir diesen Fingerzeig unbeachtet 
lassen ? Wie die Erklärung Balfours im Unterhaus dem 
gesamten deutschen Volke eine heilsame Lehre zu geben 
vermag, so ist im allgemeinen das Auftreten jedes im 
Auslande lebenden Engländers, soweit die Betonung des 
nationalen Standpunktes in Frage kommt, zweifellos für 
jeden Ausländsdeutschen ein nachahmenswertes Beispiel. 

Das soll nicht etwa heißen, daß die Ausländsdeutschen 
ohne Ausnahme nicht ebenfalls nach besten Kräften 
bestrebt wären, die nationalen Güter zu pflegen, für die 
Erhaltung ihres Deutschtums zu ringen und die Interessen 
ihres Vaterlandes unter oft recht schwierigen Verhält¬ 
nissen zu wahren und zu mehren. Die Zeiten sind 
glücklicherweise vorüber, in denen ein beschränkter Blick 
jeden ins Ausland gehenden Deutschen gewissermaßen 
als einen Abenteurer ansprechen zu dürfen glaubte. Es 
hat sich allmählich die Erkenntnis Bahn gebrochen, wie 
außerordentlich viel diese Ausländsdeutschen als Pioniere 
der deutschen Weltwirtschaft für ihr Vaterland geleistet 
haben; hervorragende Geister haben dies mit warmen 
Worten anerkannt, und jeder, der die Verhältnisse genauer 
kennt, wird diese Tätigkeit der Ausländsdeutschen um so 
höher einzuschätzen wissen, als sie meist unter wesentlich 
ungünstigeren — oft sogar unter direkt schwierigen — 
Bedingungen sich vollzog, als sie für den Engländer vor¬ 
handen Waren und sind. Es braucht wohl nur an den 
recht mangelhaften Flaggenschutz, an unpraktische 
Gesetzesbestimmungen für die im Auslande lebenden 
Deutschen, an die anerkannte Reformbedürftigkeit unseres 
Konsulatswesens erinnert zu werden, geradezu Lebens¬ 
fragen für die versprengt im Auslande wirkenden Ver¬ 
treter einer Nationalität, Fragen, die für den Engländer 
bereits längst im günstigsten Sinne gelöst worden sind. 

Mit Stolz darf der Deutsche erklären, daß in der 
weitaus größeren Zahl Von Fällen der Deutsche im Aus¬ 
lande sich seiner nationalen Pflichten vollauf bewußt 
ist, daß er sich ernst bemüht, den Schillerschen Worten 
gemäß zu handeln, so schwer es ihm oft auch gemacht 
wird, und daß er sich als Einzelpersönlichkeit nicht 
hinter dem national empfindenden Engländer zu verstecken 
braucht. Dafür liegen zahlreiche vollgültige Beweise vor, 
dafür spricht mit an erster Stelle das echt nationale 
Leben und Wirken in den Auslands-Flottenvereinen und 
im Vereine für das Deutschtum im Ausland, die sich 
als Wahre Pflegestätten nationalen Geistes und engen 




646 DEUTSCHLAND Nr. 13 


Zusammenhanges zwischen Ausländsdeutschen und dem 
fernen Vaterlande beweisen. 

Es kann und darf aber nicht verschwiegen werden, 
daß es nicht überall so erfreulich aussieht, daß nicht 
überall die im Auslande lebenden Deutschen sich ihrer 
nationalen Pflichten in dem Maße bewußt zu sein 
scheinen, wie d es in ihrem eigenen und im vaterländischen 
Interesse wünschenswert ist. Man darf Wohl annehmen, 
daß dies in der Mehrzahl von Fällen nicht bewußt in 
übler Absicht, sondern mehr aus Gedankenlosigkeit, aus 
Eitelkeit, als Folgeerscheinung der vorher gekenn¬ 
zeichneten falschen Erziehung usw. geschieht. Trotz¬ 
dem darf man über diese bedauerlichen Erscheinungen, 


die geeignet sind, das Ansehen des Deutschtums im 
Auslande zu schädigen, um so weniger mit Stillschweigen 
hinweggehen, als unter ihnen die Arbeit der nationalen 
Kreise leidet, ja sogar aufs schwerste geschädigt wird. 
Weil man im Auslande nur zu geneigt ist, das Deutsch¬ 
tum nach dem Gebaren gerade dieser Leute zu messen 
und zu bewerten. Eine Nation, die ihre kostbarsten 
Güter nicht ehrt und vor jeder Vernichtung zu bewahren 
sucht, wird niemals die Achtung eines fremden Volkes 
erringen, niemals von diesem als groß und mächtig an¬ 
gesehen werden; man wird verächtlich auf solchen Vertreter 
des Volkes herabblicken und — Wenn auch mit Unrecht 
— diese Mißachtung auf das ganze Volk übertragen. 

(Schluß folgt.) 



Eine Neuregelung der Ferien. 

Von Oberlehrer Dr. H e i n z e (Segeberg). 


Variable Sommerferien. 

Die jetzige Lage der Sommerferien im Juli/August 
fängt an, in unserem Verkehrs- und Wirtschaftsleben 
unhaltbare Zustände zu schaffen. Auf den Eisenbahnen 
gehören Verspätungen, Nichterreichen der Anschlüsse, 
Ausbleiben des Gepäckes heute fast zu jeder Sommer¬ 
reise. Am schlimmsten ist es, wenn zwei benachbarte 
Provinzen am selben Tage schließen oder den Unterricht 
wieder aufnehmen. Das müßte unter allen Umständen 
vermieden werden, Aehnlich ist es mit den Hotels. Am 
krassesten aber zeigen sich die Mißstände in den Sommer¬ 
frischen und Badeorten. Nehmen wir als Beispiel Reichen¬ 
hall: Im Juli/August bezahlt man für ein einfaches Zimmer 
mit einem Bett und voller Pension 10—12 Mark täglich, 
im Mai, Juni und September den halben Preis. Die Bade¬ 
anstalten sind im Juli/August überlaufen, Wartezeiten von 
Vi— 1 Stunde vor einem Bad die Regel; ebenso bei den 
Aerzten. Ein Bademeister hat an einem Vormittag 40 
bis 50 Personen abzufertigen. Wie dabei die Abreibungen, 
Duschen, Massagen ausfallen, kann man sich denken. In 
den Hotels und Pensionen ist cs ungemütlich, da die 
Bedienung in der Hochsaison nicht ausreicht. 

Es ist klar, daß bei einem solchen Betrieb die Bade¬ 
gäste nervös werden und die Erholung gleich Null ist. 

Welche Ungerechtigkeit ist es, daß gerade die Familien, 
die mit ihren Kindern reisen, der jetzigen Ferienlage wegen, 
die Hochsaisonpreise zahlen müssen, Während kinderlose 
Familien (sofern sie nicht gerade Oberlehrerfamilien sind) 
es sich in der Vor- oder Nachsaison für billiges Geld 
gemütlich machen können. Nebenbei sei bemerkt, daß 
der Juli, wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, 
gar nicht immer der heißeste Monat ist, dafür aber nicht 
selten der regenreichste. 

An allen oben erwähnten Uebelständen ist fast aus¬ 
schließlich die jetzige Lage der Sommerferien schuld. 
Gewiß, auch die Gerichtsferien tragen zur Ueberfüllung 
der Sommerfrischen im Juli/August bei. Aber doch in viel 
geringerem Maße als die Schulferien, nach denen ein viel 
größerer Prozentsatz der Bevölkerung seine Sommerreise 
einrichten muß. 

Darum sei die Parole für die Neuregelung der Ferien: 
Variable Sommerferien. 

Mag man die übrigen Ferien nach rein schul¬ 
technischen Gesichtspunkten regeln, die Sommerferien 


sollten auf keinen Fall festgelegt werden, ja sie müßten 
sogar möglichst weit auseinandergelegt werden. 

Mitte Mai ist es überall warm genug, auch in den 
östlichsten Provinzen. Man gebe deshalb einer Gruppe von 
Schulen, vielleicht in zwei nicht benachbarten Provinzen, 
von Milte Mai ab die großen Ferien, und zwar 5 bis 
5 V 2 Wochen. Für weitere Reisen, und diese werden 
heute viel mehr unternommen als zur Zeit der ersten 
Ferienregelung (1858), sind vier Wochen, die man damals 
für ausreichend hielt, zu wenig. Eine zweite Gruppe 
von Schulen, vielleicht wieder zwei nicht benachbarte 
Provinzen oder eine Provinz und eine Großstadt einer 
anderen Provinz, lasse man Mitte Juni beginnen, eine 
dritte Mitte Juli, eine Vierte Mitte August. Sollte diese 
Gruppierung nicht genügend Variationen ermöglichen, 
so ließen sich Zwischengruppen einfügen, z. B. von Anfang 
Juni ab, Anfang Juli ab usw. Die Gruppierung der 
Schulen müßte dauernd sein. Großstädte dürften nicht 
an demselben Tage die Schule schließen und wieder 
öffnen wie das platte Land derselben Provinz. Ob eine 
Zuweisung der Berliner Anstalten zu verschiedenen 
Gruppen durchführbar wäre, müßte ein Versuch in der 
Praxis zeigen. 

Damit keine Stadt oder Anstalt sich benachteiligt 
fühlt, müßte stets derselbe Turnus eingehalten Werden. 
Schule A hätte also in einem Jahre Ferien im Mai/Juni, 
im folgenden Jahre im Juni/Juli, im dritten Jahre im 
Juli/August, im vierten im August/September, worauf 
im fünften Jahre wieder der Turnus Von neuem be¬ 
ginnen würde. 

Man wende nicht ein, daß eine solche Variabilität 
den Schulbetrieb stören würde. Die Vorausbestimmung 
ergäbe sich ja immer von selbst. Jeder Direktor, jeder 
Lehrer, jeder Schüler würde wissen, wann im nächsten 
oder übernächsten Jahre große Ferien sind. Allerdings ein 
Abschluß eines Vierteljahres oder, wie manche wünschen, 
gar des ganzen Schuljahres, ließe sich bei veränderlichen 
Ferien nicht mit diesen verbinden. Auch müßten, um 
eine allzulange Ausdehnung des Unterrichts zu vermeiden, 
in den Jahren, wo die großen Ferien in den Mai oder 
Juni fallen, im Oktober noch einige Tage Ferien zugelegt 
werden, die sich in vielen Fällen durch das Zusammen¬ 
fallen der großen Ferien mit den Pfingstferien ergeben 
würden. Umgekehrt würde es sich empfehlen, in den 
Jahren, wo die großen Ferien in den August/September 








’ >. 

Nr. 13 M»^Q9e99 QQ «giQ^ ^ DEUTSCHLAND meeBBeeeeeeees^^^i^eeeGem &47 


fallen, die Pfingstferien um einige Tage zu verlängern, um 
die Unterrichtsperiode zwischen Ostern und dem Beginn 
der großen Ferien nicht zu ermüdend zu machen. Dies 
geschieht übrigens jetzt schon in Rheinland und Westfalen. 

Aber all das sind Kleinigkeiten, deren Regelung 
getrost den zuständigen Schulbehörden überlassen werden 
könnte. Hauptsache ist, daß die ungesunden wirtschaft¬ 
lichen Verhältnisse, die die jetzige Verteilung der großen 
Ferien hat entstehen lassen und die bei der zu erwartenden 
Weiteren Steigerung der Reiselust und der Erholungs¬ 
bedürftigkeit des modernen Menschen noch größere 
Dimensionen annehmen werden, mit einem Schlage be¬ 
seitigt werden würden. Die Badeorte und Sommerfrischen, 
die Eisenbahnen und Hotels hätten dann eine ständige 
Saison, von Mitte Mai bis Mitte September, die Preis¬ 
differenzen zwischen Vor- und Nachsaison einerseits und 
Hauptsaison andrerseits würden schwinden, die Eisen¬ 
bahnen könnten ihren Betrieb ruhiger und gefahrloser 
abwickeln und last not least: alle Ferienreisenden würden 
sich bei dem ruhigen Betrieb viel besser erholen. 

Einer späteren Generation dürfte es Vorbehalten sein, 
die großen Ferien auf das ganze Jahr zu verteilen. 
Warum soll man nicht auch einmal im Winter einige 
Wochen im Gebirge verbringen können? Große Ferien 
im Dezember oder Januar würden Augen und Atmungs¬ 
organen unserer Jugend sehr zugute kommen. Aber 
vorläufig müssen wir uns mit dem Erreichbaren begnügen, 
und der Schreiber dieser Zeilen hofft, daß dieser Vorschlag 
auf seiten der Kollegen nicht nur, sondern auch der Eltern 
der Schüler, der Eisenbahndirektionen, der Hotelbesitzer, 
der Badeorte und Sommerfrischen mit ihren Verkehrs- 
Vereinen recht tatkräftige Unterstützung finden möge. 


Der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine 
und die Ferienfrage. 

Der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine e. V., Sitz 
Leipzig, beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der 
Frage der Dezentralisation der Sommerferien der 
höheren Schulen im Interesse seiner Mitglieder, der 
Bade- und Kurverwaltungen und Sommerfrischen, wie im 
allgemeinen Verkehrsinteresse. Als Uebelstände, welche 
durch das Zusammenfallen verschiedener Sommerferien, 
vom 8. Juli bis Anfang August, verursacht werden, werden 
betrachtet, daß die Unterbringung der Fremden immer 
schwieriger, schlechter, teurer wird, daß die Ueberwachung 
in sanitärer Beziehung erschwert wird, ja kaum noch 
durchzuführen ist, daß auch direkt ungesunde Wohnungen 
vermietet werden, daß ferner in dem kurzen, übermäßigen 
Andrang eine Verführung zu leichtsinnigen Neubauten 
liegt. Es komrht noch in Betracht, daß der Abfluß 
der Sommerfrischler ins Ausland durch obige Nachteile 
begünstigt wird und die Eisenbahnen den übermäßigen 
Andrang kaum noch bewältigen können. 

Der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine hat sich auf 
seiner im Juni 1911 in Worms stattgefundenen Haupt- 
Versammlung eingehend mit diesen Fragen beschäftigt. 
Es hat sich gezeigt, daß der Anfang der Berliner Ferien 
(8. Juli), der der Hansestädte (12. Juli) und der des 
Königreichs Sachsen (15. Juli) zu nahe aneinander liegt. 
Der geschäftsführende Ausschuß des Bundes wurde 
daher beauftragt, sich mit anderen interessierten Körper¬ 
schaften (z. B. dem Verband der akademisch gebildeten 
Lehrer Deutschlands, dessen Vorstand bereits seine 
Mitwirkung zugesagt hat) in Verbindung zu setzen und 
dann an die Kultusministerien der deutschen Staaten 
mit der Bitte um erneute Prüfung der Ferienfrage 
heranzutreten. 


Der geschäftsführende Ausschuß des Bundes Deutscher 
Verkehrs - Vereine hat nunmehr ausführlich begründete 
Eingaben an das Preußische und Sächsische Kultus¬ 
ministerium und an die Oberschulbehörden von Hamburg 
und Bremen gerichtet. Es sind darin die oben bezeich- 
neten Gesichtspunkte niedergelegt und beweiskräftiges 
Material zusammengetragen worden. Es dürfte von all¬ 
gemeinem Interesse sein, einige Beispiele über die Frequenz 
einiger größerer deutscher Bäder seitens der drei oben 
bezeichneten Gruppen anzuführen. 

In der Saison 1910 wurden besucht: 

Binz (Rügen) von 4902 Kurgästen aus Berlin, 
2304 aus dem Königreich Sachsen, 855 aus den Hanse¬ 
städten, dann kommen mit Wesentlich geringerer Frequenz 
die übrigen Provinzen und Bundesstaaten; 

Harzburg (bei in Summa 16857 Kurgästen und 
22 500 Nachtfremden) 

5218 Kurgäste und 4537 Nachtfremde aus Berlin 

993 „ „ 2457 „ „ Hamburg 

836 „ „1116 „ aus Königr. Sachsen; 

Friedrichroda (bei 12 500Kurgästen) 2559Berliner, 
1246 Sachsen. 

Die entsprechenden Zahlen für 1911 ergeben eine 
ganz wesentliche Steigerung der Ueberfüllung, z. B. 

Binz (Rügen): aus Brandenburg bezw. Groß-Berlin 
8438 Kurgäste, aus dem Königreich Sachsen 2725, aus 
Hamburg 806, bei insgesamt 25 678 Kurgästen; 

Harzburg: aus Brandenburg bezw. Groß-Berlin 
14 646 Kurgäste, aus Königreich Sachsen 3228, aus den 
Hansestädten 4817; 

O b e r h 0 f: Groß-Berlin 4772, Königreich Sachsen 1509, 
Hansestädte 675; 

Saßnitz: Groß-Berlin bezw. Brandenburg 10 707, 
Königreich Sachsen 1613, Hansestädte 1029, bei insgesamt 
23439 Kurgästen. 

Der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine hat daher 
bei den zuständigen Kultusministerien bezw. Oberschul¬ 
behörden angeregt, daß 

1. die Sommerferien für Berlin zugleich mit den 
meisten preußischen Provinzen, außer Rheinland-Westfalen, 
am 1. Juli beginnen; 

2. das Königreich Sachsen und die Hanse¬ 
städte drei Wochen später, also auf den 21. Juli, den 
Anfang ihrer Sommerferien verlegen; 

3. Rheinland-Westfalen, wiebisher,am 10.August, 
also wieder drei Wochen später, die Sommerferien beginnt. 

Dadurch Würde erreicht, daß jedesmal jede der drei 
Gruppen einen Zeitraum von drei Wochen für sich hat. 

Nach vielfacher, auch direkt durch die Statistik 
verschiedener Sommerfrischen und Kurorte bestätigter 
Erfahrung begnügt sich eine große Anzahl von Besuchern 
der Sommerfrischen mit einem Aufenthalt von drei Wochen. 
Ganz wesentlich ist, daß die Stadt Berlin mit ihren 
Sommerferien am 1. Juli statt am 8. beginnt. Dadurch 
allein schon würde in Norddeutschland (Nord- und Ostsee) 
und ebenso in Mitteldeutschland (Harz, Thüringen, 
Sachsen usw.) die sogenannte Hochsaison um acht Tage 
früher ihren Anfang nehmen, während sie anderseits 
durch das Hinausschieben der Sommerferien der Hanse¬ 
städte und des Königreichs Sachsen um acht Tage weiter 
verlängert würde. Vor- und Nachsaison würde ent¬ 
sprechende Aenderungen erleiden. 

Die Erreichung unseres Zieles wäre von höchster 
wirtschaftlicher, sozialer und hygienischer Bedeutung. 

Der Vorschlag des Herrn Dr. Heinze, variable 
Sommerferien einzuführen, erscheint uns, unter Berück¬ 
sichtigung der augenblicklichen Stellungnahme der Schul¬ 
behörden, etwas zu weitgehend, ist aber immerhin ein wert- 


648 @B9999^ » 0QQö99Qg»ö9OQQQQO98gi DEUTSCHLAND i TOecoeeeeoooeeeeec)oooo 0 eeq i Nr. 13 


voller Be^veis dafür, wie lebhaft der Wunsch nach weiterer 
Dezentralisation der Sommerferien auch in den Kreisen 
der Lehrer an höheren Schulen geteilt wird. Das ohne 
große Eingriffe in das Schulleben Erreichbare muß 
zunächst unser Ziel sein. 

Dr. Seyfert, 

Geschäftsführer des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine 


Zur Regelung der Ferien. 

Von pädagogischer Seite wird uns geschrieben: 

Solange das Schuljahr zu Ostern beginnt und für 
dieses Fest ein bestimmter Termin nicht angeordnet ist, 
dürfte es sich empfehlen, von der jetzigen Ferienordnung, 
die sich eingebürgert hat, nicht allzusehr abzuweichen, 
und der Vorschlag Heinzes, variable Sommerferien zu 
schaffen, dürfte wohl noch lange ein bloßer Wunsch 
bleiben. 

Ich halte es für dringend notwendig, daß in Rück¬ 
sicht auf das vorausgegangene lange, mit Arbeit stark 
ausgefüllte Winterhalbjahr die Osterferien 3 volle 
Wochen dauern. 

Die lOTage Pfingstferien möchten wir im Westen 
ebenso ungern entbehren, als der Osten seine Kartoffel¬ 
ferien. Sie sind uns, weil in den Osterferien oft noch 
kaltes, winterliches Wetter herrscht, wegen des herr¬ 
lichen Frühlings, der in der Regel um diese Zeit seine 
volle Pracht entfaltet, aus hygienischen und pädago¬ 
gischen Gründen überaus wertvoll. 

Den Vorschlag des Bundes Deutscher Verkehrs- 
Vereine möchte ich dahin abgeändert sehen, daß alle 
Provinzen außer Rheinland und Westfalen ihre 
Sommerferien am l.Juli beginnen, Rheinland und West¬ 
falen aber, die allein fast so viel Reisende stellen, als 
die übrigen Provinzen zusammen (diese Angabe stimmt 
nicht mit der vom Bund Deutscher Verkehrs-Vereine auf¬ 
gestellten Statistik überein; Berlin und Brandenburg übertrifft 
alle anderen preußischen Provinzen bei weitem. Dr. Seyfert), 
am 1. August oder an einem diesem Termin ganz nahe 
gelegenen Tage. Mir scheint der 10. August als Anfangs¬ 
termin schon etwas spät zu liegen, weil das Sommer¬ 
dritteljahr in der Regel 5 volle Monate dauert. 

Zum Schlüsse möchte ich auf eine Erfahrung auf¬ 
merksam machen, die ich im vorigen Jahr gemacht habe, 
nämlich, daß infolge der teuren Lebensverhältnisse viel 
weniger Schüler auf Reisen gegangen sind als die Jahre 
vorher. Das Reisen ist eine kostspielige und, was rechte 
Erholung anbetrifft, oft sogar auch eine ganz zweifelhafte 
Sache. Ich wenigstens habe mit den Meinigen die Er¬ 
fahrung gemacht, daß diejenigen Ferien, die ich in rich¬ 


tiger und praktischer Weise — was allerdings nicht Immer 
ganz leicht ist — in der engeren Heimat verbracht 
habe, zu den angenehmeren und genußreicheren gehören. 
Wenn man sein Geld, das man sonst da draußen auf¬ 
wendet, nicht scheut und fleißig Wanderungen in die 
nahe und ferne Umgebung macht — schön ist es ja 
überall im deutschen Vaterlande —, so erholt man sich 
besser daheim, als da draußen, wo man gemütliche 
Stunden oft teuer erkaufen muß. Allerdings muß Ab¬ 
wechselung sein, und alle paar Jahre eine Ferienreise in 
die Fremde ist schon aus dem Grunde gut, damit man^s 
immer wieder am eignen Leibe erfahre. Wie Wertvoll 
und köstlich das eigne Heim ist. — 

Prof. Masberg, 

Direktor des städt. Beform-Itealgynmaslum* 
in Düsseldorf. 


Einer Verkürzung der Hauptferien 

wird von anderer Seite das Wort geredet, indem uns 
geschrieben wird: 

Auf den preußischen Schulen beträgt die Gesamt¬ 
zahl der Ferientage 74. Diese Zahl ist keineswegs zu 
hoch, vielleicht läßt sie sich noch um ein paar Tage 
ausdehnen, zumal man bestrebt ist, die sogenannten 
„halben Feiertage“ etwas einzuschränken. Indes 
dürfte vielfach die Meinung vertreten sein, daß die 
großen Sommer- bezw. Herbstferien (meistens 
fünf Wochen) manchem zu lange dünken. Tatsächlich 
wird auch nur ein Bruchteil der Schulkinder und deren 
Angehörigen die vollen fünf Wochen durch eineu 
Aufenthalt in der Sommerfrische, an der See, im 
Gebirge oder sonstwo gänzlich ausnutzen. Im Gegenteil, 
nach der dritten oder vierten Woche sehnen sich schon 
recht viele nach dem Ende der Ferien. Wäre es da 
nicht angebracht, Wenn die Hauptferien auf Vier_ 
W o ch e n b e s ch r ä n k t, die so gewonnene fünfte 
Woche aber und etwa drei bis vier Weitere noch 
zu bewilligende Ferientage zur Verlängerung der 
Oster- und Weihnachtsferien benutzt Würden? 
Die Ausdehnung der Osterferien wird vielfach von . 
pädagogischer Seite gewünscht, wegen des anstrengenden 
Winterhalbjahres. Aus den gleichen hierfür maßgebenden 
Gründen wird man nicht gegen eine Ausdehnung der 
Weihnachtsferien sein können, wodurch gleichzeitig der 
gesunde Aufenthalt in Wintersportgebieten 
und die Belebung von Wintersport und Winter¬ 
wanderungen sehr gef ordert würden. Besonders 
nach dieser Richtung hin wäre eine zeitgemäße Reform 
der Ferien zu begrüßen. S, 


. Deutscher Verkehr -■= ■ 

Von Dr. Seyfert (Leipzig), Geschäftsführer des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine. 


Bereits seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts finden wir 
in Deutschland Vereine, welche die Förderung des Fremden¬ 
verkehrs in ihrem Orte auf ihre Fahne geschrieben haben. 
Aber erst nachdem man im Hinblick auf fremde Länder die 
hervorragende wirtschaftliche und volkswirtschaftliche Bedeutung 
des Fremdenverkehrs erkannt hatte, entstanden dieselben in 
grösserem Umfange, und zwar war dies in der Hauptsache 
im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts. Die Tätigkeit 
der Vereine ist je nach den örtlichen Verhältnissen im einzelnen 
verschiedenartig, jedoch erstreckt sich dieselbe im allgemeinen 
auf Anregung der Verschönerung des Ortsbildes, Erwirkung 
von Verkehrs-Verbesserungen, Herausgabe von Führern, Unter¬ 
haltung von Auskunftsbureaus und vieles andere. Die Verkehrs- 
Vereine sind auf diese Weise ein geachteter Faktor in unseren 
deutschen Gemeinwesen geworden. Wir zählen heute im 
Deutschen Reiche etwa 500 solcher lokaler Verkehrs-Vereine. 


Infolge der Gleichartigkeit der Arbeit der Verkehrs- Vefeina 
und infolge ihres gemeinnützigen Prinzips kam man bei dör 
wachsenden Anzahl und ihrer zunehmenden Bedeutung allseitlcT 
zu der Ueberzeugung, dass die Tätigkeit der Vereine nicht auf 
die Förderung rein örtlicher Interessen beschränkt sein könne. 
Es zeigte sich, dass mancherlei örtliche Interessen durcli 
gemeinsames Vorgehen der Vereine innerhalb eines grösseren 
Gebietes mm wirksamsten gefördert werden können. (Hierher 
gehört z. B. die Frage der Dezentralisation der Sommerferien, 
Errichtung einer deutschen Fremdenststistik usw.) 

So kam es zu Zusammenschlüssen der Verkehrs-Vereine 
zu Landes- und Provinzialverbänden und zum Bund 
Deuts cherVerkehrs-Vereine. 

Diese Organisation der Verkehrsinteressenten hat sich seit 
nunmehr zehn Jahren aufs beste bewährt, und zwar nicht nur 
für die Verkehrs-Vereine, Gemeinden, Badeverwaltungen uaw., 






sondern auch andererseits für die Behörden, namentlich für 
die Zentralbehörden, mit denen die Verkehrsinteressenten zu 
verkehren und zu rechnen haben. 

Bevor ,die bezeichnete Organisation bestand, wurden die 
Behörden, ob sie nun zuständig waren oder nicht, von den 
einzelnen am Verkehr interessierten Stellen mit Eingaben, An¬ 
regungen und Beschwerden überschüttet, welche sich teilweise 
von den verschiedensten Seiten wiederholten, teilweise auch 
widersprachen. So ist es z. B. vorgekommen, dass eine ein¬ 
zelne Stadt beantragte, dass bei Umwandlung eines Eilzuges 
in einen D-Zug ihr der Aufenthalt dieses Zuges nicht ge¬ 
nommen werde, während ein ganzes Verkehrsgebiet denselben 
Zug möglichst beschleunigt zu sehen wünschte unter Wegfall 
einer Reihe von Aufenthalten. Etwas Aehnliches stellte sich 
bei einer mündlichen Aussprache über Fahrplanverbesserungen 
bei der zuständigen Eisenbabndirektion heraus. Zwei Verkehrs¬ 
interessenten an derselben Eisenbahnlinie standen sich mit 
widersprechenden Anträgen gegenüber. Der eine hatte nach 
mehrfachen Petitionen eine direkte Verbindung ohne Aufenthalt 
auf Stationen unterwegs durchgesetzt, während von der anderen 
Seite die Bedienung von Unterwegsstationen beantragt wurde. 
Der Hinweis auf die Vorteile einer direkten, aufenthaltslosen 
Verbindung brachte eine Einigung zustande. Es ist ver¬ 
ständlich, dass die Verwaltungen, von denen hier namentlich 
die Eisenbahnbehörden in Frage kommen, sich beim besten 
Willen nicht auf alle widerspruchsvollen Eingaben einlassen 
konnten und auch ermüden mussten, immer wieder auf bereits 
erledigte Angelegenheiten zurUckzukommen, die, mangels einer 
Verständigung der Vereine untereinander, fortwährend von 
neuem auftauchten. 

Den Behörden wurde deshalb durch die Gründung der 
Landes- und Provinzialverbände und des Bundes 
Deutscher Verkehrs-Vereine eine erhebliche Erleichte¬ 
rung geschaffen. Der Verkehr kennt zumeist, abgesehen von 


ganz speziellen lokalen Fragen, keine örtlichen, regionalen 
oder politischen Grenzen. Unser heutiger Verkehr ist national, 
zu einem nicht geringen Grade sogar international und bedarf 
deshalb zu einer im allgemeinen Interesse gedeihlichen Regelung 
grösserer Gesichtspunkte. Die Landes- und Provinzialorgani¬ 
sationen der Fremdenverkehrs - Vereine sammeln heute die 
Wünsche, welche ihr Land, ihre Provinz betreffen, klären 
Widersprüche in ihren Sitzungen und gehen sodann an die 
zuständige Behörde mit einer Eingabe heran. 

Eine grosse Reihe von Verkehrsfragen berühren jedoch 
die Interessen mehrerer Bundesstaaten, mehrerer Provinzen, 
womöglich des ganzen Deutschen Reiches. Hierfür ist der 
Bund Deuts ch er Verkehrs-Vereine die Zentralstelle, an 
welche von den regionalen Verkehrs-Verbänden derartige, über 
ihren Wirkungskreis hinausgehende Angelegenheiten abgegeben 
werden. Auf dieser Grundlage ist nunmehr ein befriedigendes 
Zusammenarbeiten zwischen den Verkehrsinteressenten und 
den Behörden ermöglicht worden. Einen deutlichen Ausdruck 
hat dieses Zusammenarbeiten erhalten durch die Schaffung des 
Ausschusses zur Förderung des Reiseverkehrs auf 
den deutschen Bahnen, welchem die deutschen Staats¬ 
eisenbahnen und der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine, sowie 
mehrere Spezialsachverständige auf dem Gebiete des Verkehrs¬ 
wesens angehören; ferner durch Zuziehung des Bundes auch 
zu Konferenzen, die über interprovinzielle Verkehrsmassnahmen 
abgehalten werden. 

Damit ist der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine als die 
Zentralstelle der deutschen Fremdenverkehrs-Vereine von 
den öffentlichen Behörden anerkannt worden. Wir haben hier 
ein Beispiel dafür, wie eine zweckmässige Organisation der auf 
freiwilliger und gemeinnütziger Tätigkeit beruhenden Vereine 
imstande ist, zu fruchtbarer Arbeit sich mit den öffentlichen 
Verwaltungen zu vereinigen, diesen anregend und beratend zur 
Seite zu stehen und ihnen manche Mühe abzunehmen. 


Bund Deutscher Verkehrs-Vereine, 

e. V. 

Geschäftsstelle: Leipzig, Naschmarkt, Handelshof. 

(Unentgelllirhe Auskünfte über deutsches Verkehrswesen und Reisean- 
gelc^enheiten, Abgabe von Führern und Prospekten ül»er denisclie 
Kur- und Radeorte, Wintersport platze, Städte und Landschaften.) 

Mitteilungen 

des geschäftsführenden Ausschusses. 

ln Sachen der Fremdenverkehrs-Statistik fand 
eine Besprechung mit dem Direktor des Leipziger statistischen 
Amtes statt, wobei über die nächsten Schritte in dieser Ange¬ 
legenheit beraten wurde. Es ist eine Kommissionssitzung bei Gele¬ 
genheit der nächsten Vorstandssitzung ins Auge gefasst worden. 

Der Bund unterstützte zugleich im Namen des Schlesi¬ 
schen Verkehrs-Verbandes, des Sächsischen Ver¬ 
kehrs-Verbandes, des Nordbayerischen Verkehrs- 
Vereins in Nürnberg und des Vereins zur Fördern ng 
des Fremdenverkehrs in München und im bayeri- 
schen Hochland bei den beteiligten Eisenbahnverwaltungen 
die Eingabe schlesischer, sächsischer und bayerischer Handels¬ 
kammern wegen der Verbesserung der Schnellzugs- 
verbindungen zwischen Schlesien — Sachsen — Bayern, 
g Auf eine Anregung aus unserem Mitgliederkreise lenkten 
wir durch eine Eingabe die Aufmerksamkeit Sr. Exzellenz des 
preussischen Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten auf die 
Bestrebungen einer Reihe von Verkehrsintcressenten, neben den 
bisher bestehenden zwei Schnellzugslinien zwischen Berlin 
und München eine dritte Verbindung zu erhalten, 
unter Ausbau der Nebenbahnen Triptis-Auma und Nordhalben- 
Kronach zu Vollbahnen und Bau von Verbindungsstrecken 
Auma-Schleiz und Schleiz-Nordhalben. 

Ferner erging eine Anregung an die beteiligten Verwal¬ 
tungen im Namen der in Frage kommenden Bundesmitglieder 
wegen Verbesserung der Tages-Schnellzugverbindung zwischen 
Böhmen — Dresden — Leipzig—Halle a. S. — Cassel. 
Leider ist die Beschleunigung dieser verbesserungsbedürftigen 
Verbindung vorläufig nicht zu erlangen gewesen, doch soll die 
Angelegenheit im Auge behalten und unsere Anregung bei ge¬ 
eigneter Gelegenheit verwertet werden. 

An Se. Exzellenz den preussischen Herrn Minister der 
öffentlichen Arbeiten gingen ausführliche Unterlagen für eine 
mündliche Vorsprache wegen des Ausbaues der Verwal- 
tungs-SonderzUge zu ermässigten Preisen ab. 

In Ausführung des Beschlusses der letzten Sitzung des 
Gesamtvorstandes stellte der geschäftsführende Ausschuss ein 
Formular zur Aufnahme einer inneren Bundesstatistik 
auf und versandte dasselbe an sämtliche dem Bund unmittelbar 


oder mittelbar angeschlossenen Verkehrs-Vereine, -Verbände, 
Badeverwaltungen, Gemeinden usw. 

In Verfolg der Beschlüsse der Hauptversammlung in Worms 
richtete der geschäftsführende Ausschuss an das Königlich 
Preussische und Königlich Sächsische Kultusministerium und an 
die Schulbehörden in Hamburg und Bremen Eingaben in bezug 
auf eine grössere Auseinanderlegung der Sommer¬ 
ferien in Nord- und Mitteldeutschland. (Siehe auch die ver¬ 
schiedenen Notizen zu dem Artikel „Variable Sommerferien“ 
in der vorliegenden Nummer.) 

Eine Sitzung des Gesamtvorstandes findet am 
3. und 4. Februar in Leipzig statt. Die umfangreiche Tages¬ 
ordnung, in der das Arbeitsprogramm 1912 von beson¬ 
derem Interesse sein wird, ist den Vorstandsmitgliedern bereits 
zugestellt worden. 

Der Geschäftsführer des Bundes, Dr. Seyfert, wohnte 
der Gründungsvcrsammlung des Thüringer Verkehrs- 
Verbandes in Gotha am 12. Dezember igu bei und hielt am 
Anfang der Tagesordnung einen Vortrag über die Tätigkeit des 
Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine und der deutschen Fremden¬ 
verkehrs-Organisationen. 

Der Rügens che Ostseebäder-Verband ist im 
Besitze zweier Lichtbilder-Serien nebst dazugehörigem 
Vortragstext. Es handelt sich um eine grosse, gut ausgeführte 
Serie mit bunten Bildern und eine kleinere Serie mit teils 
schwarzen, teils bunten Bildern. Der Verband ist gern bereit, 
den Vortrag grösseren Vereinen leihweise, gegen Erstattung 
der Unkosten, zu überlassen. 

Der Norddeutsche Lloyd in Bremen verleiht eben¬ 
falls Lichtbilder kostenlos. Interessenten wenden sich an den 
Norddeutschen Lloyd, Bremen, Abteilung R. 

Aus den Bundes-Vereinen. 

Der Pfälzische Verkehrs-Verband 

hielt am 16. Dezember seine letzte Ausschuss-Sitzung für 1911 
ab, die aus allen Teilen der Pfalz zahlreich besucht war. Der 
Vorsitzende, Rechtsrat Dr. Müller (Ludwigshafen) stellte fest, 
dass die Entwicklung des Verbandes weitere Fortschritte macht. 
Neu beigetreten sind die Distrikte Annweiler, Bergzabern, Eden- 
koben, Landau, Ludwigshafen, Neustadt nnd Speyer, die Stadt 
Bergzabern und verschiedene Einzelfirmen. Nach einer ein¬ 
gehenden Besprechung des photographischen Wett¬ 
bewerbes 1911 erfolgte Beschluss, auch für 191a einen 
solchen zu veranstalten, und es wurde als Endtermin der i. Mai 
festgelegt. Gleichzeitig wurde beschlossen, eine Klischee¬ 
sammlung anzulegen zur eigenen Verwendung und zur 
leihweisen Abgabe an Zeitschriften, Firmen usw. Aus der Sitzung 
des Pfälzischen Fremden-Verkehrsrates vom 14. November 
wurde näheres mitgeteilt über das neue bayerische Verkehrs- 




650 


DEUTSCHLAND 


Nr. 13 


buch, über die Frage der Ausdehnung der Sonntagskarten, 
gastwirtschaftliche Kurse und Reklamen, die im Jahre zgia ins 
Werk gesetzt werden. Vom Verkehrs -Verband wird insbesondere 
der jüngst auf dem Verbandstag in Speyer gehaltene interessante 
Vortrag des Herrn Dr. med. Hoenes: „Die Pfalz als Erholungs¬ 
gebiet“ in Druck gegeben und in mehreren tausend Stück an 
geeignete Adressen versandt. 

Ein Thüringer Verkehrs-Verband. 

Der diesjährige Thüringer Städtetag hatte die Anregung 
gegeben, dem Beispiel anderer deutscher Landesteile folgend, 
einen Thüringer Verkehrs-Verband zu gründen. Die 
daraufhin einsetzenden Vorarbeiten wurden so rasch durch- 
gefUhrt, dass jetzt in Gotha die konstituierende Sitzung statt¬ 
finden konnte. Es waren die Orte Gotha, Eisenach, Erfurt, 
Weimar, Jena, Bad Kösen, Bad Berka, Umenau, Altenburg, 
Mühlhausen, Naumburg und andere vertreten. Dr. Seyfert vom 
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine gab ein einleitendes Referat 
über Zweck und Wesen der Verkehrs-Vereine. Dann folgte die 
Wahl der Zentrale. Als solche wurde nach längerer Debatte 
Gotha wegen seiner vorzüglichen Lage im Herzen Thüringens 
bestimmt. Sein Programm hat der Verband in mehreren Punkten 
formuliert. In den Vorstand wurden gewählt: i. Vors. Senator 
Beetz (Gotha); i. stellvertretender Vors. Stadtrat Gensei (Erfurt); 
2. stellvertretender Vors. Baumeister Herr (Eisenach); Schrift¬ 
führer Hotelier Oppermann (Gotha); stellvertretender Schrift¬ 
führer Hoflieferant Rudolf (Gotha); i. Schatzmeister Bankbeamter 
Dr. Deimann (Gotha). — In den Ausschuss wurden gewählt: 
Bürgermeister Altenstädter (Coburg); Stadtrat Crato (Naumburg); 
Bürgermeister Crone (Leuthenberg); Stadtrat Kleeberg (Mühl¬ 
hausen); Hotelier Koschenhascher (Erfurt); Bürgermeister 
Küstner (Friedrichroda); Landrat Leuthäusser (Waltershausen); 
Oberbürgermeister Rössler (Schmalkalden); Bürgermeister 
Zachäus (Ilmenau); Dr. Donndorf (Weimar). 

Verkehrs-Verein Stettin. 

Die städtischen Körperschaften haben beschlossen, 
für den V erkehrs-Verein ein B ur e aug eb äu de zu 
errichten, das nach den Entwürfen des Stadtbauamtes aus¬ 
geführt werden und allen Wünschen des Verkehrs-Vereins 
Rechnung tragen soll. Der sehr hübsche kleine Bau soll auf 
dem Platze hinter dem Berliner Tor errichtet werden, wo er 
in bester Verkehrsgegend liegt und von allen Seiten sichtbar 
ist. Der Platz selbst wird in eine Blumenanlage verwandelt 
und das Gebäude wird nach dem Tor zu eine Säulenhalle mit 
Sitzgelegenheit erhalten, von der man über den Anlagenplatz 
hinweg das Berliner Tor in Ruhe betrachten kann. Das Haus 
selbst wird einen grossen Auskunftsraum, zwei Arbeitszimmer 
und einen Leseraum enthalten, in dem das Publikum ungestört 
die vielen ausliegenden Zeitungen und Zeitschriften einsehen 
kann. Die gute Lage und die vielen Bequemlichkeiten für das 
Publikum, die das neue Haus gestattet, werden den günstigsten 
Einfluss auf die weitere Entwickelung des Verkehrs-Vereins aus¬ 
üben, der in Stettin schon jetzt von vielen Seiten lebhaft in 
Anspruch genommen wird. 

Der Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens 
und angrenzender Gebiete 

halte beim Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten beantragt, 
am Karfreitag und dem allgemeinen Buss- und Bettage auch 
Sonntagsfahrkarten auszugeben und hatte diese Bitte 
eingehend dahin begründet, dass diese Karten auch an den rein 
katholischen Festtagen Fronleichnam und Peter und Paul zur 
Ausgabe gelangen, und dass die an den beiden erstgenannten 
Tagen bestehenden kirchlichen Verpflichtungen nicht hindern, 
die freien Nachmittage zu Ausflügen zu benutzen. Leider traf 
die Ablehnung dieses Antrages mit der Begründung ein, dass 
beide Feiertage in Jahreszeiten fallen, wo ErholungsausflUge 
nur in vereinzelten Fällen unternommen würden. 


Verkehrs-Verein Königswinter. 

Der Verkehrs-Verein Königswinter hielt am 30. Dezember 
vorigen Jahres seine statutenmässige Mitgliederversammlung ab. 
Aus dem Jahresbericht ist hervorzuheben, dass Aenderungen 
im Vorstande nicht vorgekommen sind. Die Stellung zu wich¬ 
tigen Verkehrsfragen ist dieselbe geblieben. Das Verhältnis zu 
anderen Verkehrs- und ähnlichen Vereinen blieb ebenfalls un¬ 
gestört und diente gegenseitiger Unterstützung. Die Beteiligung 
an der Berliner Ausstellung brachte eine grössere Nachfrage 
um Auskunft aus Berlin und Norddeutschland. Die Auskunft¬ 
stellen bei Herrn P. Mirbach und bei Herrn Lahs (Bahnhofstrasse) 
wurden auch in diesem Jahre viel in Anspruch genommen. 
Durch die Post wurden verschickt 2537 deutsche, 205 französische, 
137 englische, 265 holländische Prospekte; ferner 116 Führer und 
48 Wegekarten. Die statutenmässig aus dem Vorstande aus¬ 
scheidenden Herren wurden wiedergewählt. Aus der V^sammlung 
wurden bei Punkt „Verschiedenes“ Wünsche geäussert betrefifend 
ein offizielles Verkehrs-Bureau bezw. Ausbau der städtischen 
Verkehrskommission zu einem städtischen*Bureau; ferner wurden 
Klagen laut wegen Belästigung von Fremden am Drachenfelser 
Weg, Uber die Lage der Schulferien, wegen Mangels an Wege¬ 
bezeichnungen und darüber, dass bei Rundreisefahrscheinen ‘ die 
Königswinterer Schiffslandestelle nicht aufgenommen seL Dm 
einzelnen Wünsche wurden dem Vorstande zur weiteren Prüfhdg 

empfohlen. Eifel-Verein, 

dessen erfolgreiche Tätigkeit für den Aufschluss der Eifel idQr 
gemeine und berechtigte Anerkennung findet, hat die Fahrt 
des Kaisers durch die Eifel in der inhaltreichen November¬ 
nummer seines Vereinsblattes in vortrefflicher Teztdarstellung" 
des Rektors Zender zu Bonn eingehend beschrieben und das Heft 
mit reichem Bildschmuck ausgestattet. Wie jetzt mitgeteilt wird, 
hat der Kaiser die ihm vom Eifel-Verein eingereichten Exemplare 
des Eifel-Vereinsblattes mit besonderem Interesse entg^en- 
genommen. Zugleich ist auf die dankenswerte Befttrwortang 
des Oberpräsidenten der Rheinprovinz und Ehrenvorsitzendi^n 
des Eifel-Vereins, Freiherrn von Rheinbaben, dem Eifel-Verein 
zur Förderung seiner Bestrebungen auf dem Gebiete der Schüler- 
und Studenten-Herbergen, die der Kaiser als ihm sehr sym¬ 
pathisch bezeichnet hat, der Betrag von 2000 Mk. aus der 
Schatulle des Kaisers zugewiesen worden. — Der Eifel-Verein 
hat sich in einer Eingabe an den Oberpräsidenten dazu 
bereit erklärt, in allen Orten mit höhern Lehranstalten, wo ' 
sich Ortsgruppen des Eifel-Vereins befinden, die FÜhrun^g e 
von Jugendwanderungen zu übernehmen und den Bo- 
Strebungen der Schulen auf dem Gebiete der Jugendpflege i 
jedwede Unterstützung angedeihen zu lassen. Daraufhin hat 
das Provinzialschulkollegium in Coblenz die Direktoren der;S 
höhern Schulen seines Bezirks angewiesen, die Bestrebungen ^ 
des Eifelvereins auf dem Gebiete der Jugendpflege zu untere 
stützen und sich bei den gemeinschaftlichen Wanderungen ■ 
erforderlichenfalls der Mithilfe der Ortsgruppen zu bedienen. 

Ein Deutsch-Nordischer Touristen-Verband 
ist dieser Tage in Berlin (Geschäftsstelle: Kochstrasse 14) Ina 
Leben gerufen worden. Nach dem Muster des Deutsch- 
Oesterreichischen Alpen-Vereins stellt sich der Verband die 
Aufgabe, den touristischen Verkehr nach den Ländern dea 
Nordens (Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland) zu fördern 
und seinen Mitgliedern Vergünstigungen bei den Eisenbahn- - 
und Schiffahrts-Gesellschaften, Hotels usw. zu erwirken. 

Mitteldeutsch- Akademie ch er Verband fflr*^ 
Leibesübungen. In Leipzig ist vor kurzem der Mittel¬ 
deutsch-Akademische Verband für Leibesübungen ins Leben 
gerufen worden. Er umfasst die nicht von Prinzips wegen " 
Turnen oder Sport treibenden studentischen Körperschaften an 
den in Mitteldeutschland gelegenen Hochschulen Leipzig, 
Dresden, Marburg, Jena, Giessen, Göttingen, Halle, Breslau, 
Braunschweig, Hannover usw. Der Verband beschränkt sich 


Der Beachtung unserer Leser ■ 

empfehlen wir den Inseratenteil der Zeitschrift ;;Deutschland^f 

Bei Einkäufen, bei Bestellung von Prospekten und sonstigen Druckschriften 
wolle man sich auf die Rnkündigungen in unserer Zeitschrift beziehen. •»» 












Nr. 13 goxoxMOOOOOQcaQQQOQ eeaeeai DEUTSCHLAND 


651 


nur auf die praktische Pflege der Gymnastik und beobachtet 
Fragen ] des studentischen Lebens gegenüber Neutralität. All¬ 
jährlich sollen auf dem Inselberg in Thüringen am Pfingst- 
Samstag studentische volkstümliche Wettkämpfe stattfinden. 
Das erste studentische Inselberg^rnfest wird am 25. Mai 1912 
gefeiert werden. Die turnerische Oberleitung ist dem aka¬ 
demischen Turnabend in Leipzig übertragen worden, der sich 
auch die Abhaltung eines Akademischen Olympia mit dem 
dauernden Sitze in^ Leipzig'zum Ziele gesetzt hat (Mitte Juli) 

Wirkl.^G'eh. Rat Lingner, Exzellenz, empfing kürzlich 
eine Abordnung des Vereins zur Förderung Dresdens 
und des Fremdenverkehrs, die ihm das Diplom der 
Bhr'enmitgliedschaft des Vereins überreichte. In einer 
Ansprache wies der Führer der Abordnung, Hofrat Behrens, 
auf die grossen Verdienste Lingners um Dresden hin und 
sprach ihm im Namen des Fremdenverkehrs-Vereins den Dank 
für die Förderung Dresdens durch die Hygiene - Ausstellung, 
wie durch sein sonstiges Wirken aus. 


Eisenbahnwesen. 

Die westdeutsche Verkehrskommission des 
Verbandes reisender Kaufleute hat an die Eisenbahn¬ 
direktion* Köln einen Antrag eingereicht, worin gebeten wird, 
den Zug D 176 Deutz —Betzdorf—Siegen—Giessen—Frankfurt 
(Deutz ab 8.18 vorm.) ab Düsseldorf abfahren zu lassen; ferner 
den D-Zug 175 Frankfurt—Giessen—Betzdorf—Deutz (Deutz an 
9.Z7 abds.) nach Düsseldorf durchzuführen. 

Ueber die projektierte Eisenbahnverbindung 
Hamburg — Kopenhagen über Fehmarn hat die 
Christianiaer Handelskammer sich wie folgt geäussert: Die 
Bahn- und Fährverbindung über Fehmarn ist von grosser 
Bedeutung für Christiania, sowohl wegen der kürzeren Reisezeit 
nach Hamburg und Westeuropa als auch wegen der schnelleren 
Postbeförderung. Wir empfehlen den Plan auf das wärmste 
und ersuchen den Ausschuss, für dessen baldige Ausführung 
zu wirken. 

Das Projekt einer russisch-indischen Bahn. Das 
lange schon gehegte Projekt einer durch Persien gehenden 
russisch-indischen Bahn ist, wie in Petersburger diplomatischen 
Kreisen bestimmt verlautet, so weit gefördert worden, dass nach 
Beendigung der persischen Krisis an seine Verwirklichung ge¬ 
schritten werden dürfte. Die Bahn wird von Baku bis Astara 
russisch, von dort bis Bender-Abbas persisch und bis Karutschi 
indisch sein. 

Eine durchgehende Schnellzugsvcrbindung von 
Westen nach Osten, und zwar mit dritter Klasse, erstrebt 
die Berliner Verkehrskommission des Verbandes reisender 
Kaufleute. Der gemischte D-Zug soll früh 7 Uhr 24 Min. Köln 
verlassen und nachts 12 Uhr 20 Min. in Königsberg eintreffen. 
Ferner wird ein neues Schnellzugspaar gefordert, das Berlin 
6 Uhr 40 Min. verlässt, in Königsberg 2 Uhr 40 Min. eintrifft 
und in derselben Zeit die Reise von Königsberg nach Berlin 
zurücklegt. Begründet wird der Antrag mit dem ständigen An¬ 
wachsen des Verkehrs von Westen nach Osten, mit der Ueber- 
füllung der dritten Klasse in den Schnellzügen und mit der 
zunehmenden Frequenz der FrUhzüge von Berlin aus. 


Berlin—Neapel-Expresszug. 

(Mitgeteilt von der Königl. Eisenbahndirektion Cöln.) 

Der Berlin—Neapel-Expreßzug wird vom 4. Dez. 1911 
bis Mitte Mai 1912 befördert und verkehrt wöchentlich zwei¬ 
mal von Berlin (Anhalter Bahnhof) über München, Brenner, 
Florenz, Rom bis Neapel und zurück. Der Zug fährt von 
Berlin jeden Montag und Donnerstag, von Neapel jeden 
Mittwoch und Sonnabend in folgendem Fahrplan: 


940 ab 
1206 an\ 
1210 ab/ 
750 an 
712 ab 
1031 an 
lüfi ab 
603 an 
613 ab 
7 M an 
810 ab 
1146 an \ 
1205 ab / 
643 an\, 
6!0 ab /I 
10 » an ^ 


Berlin (Anhalter Bhf.) 
Leipzig (Bayer. Bhf.) 

München (H.-B.) 
Innsbruck 
Verona 
Bologna 
Florenz 

Rom 

Neapel 


an 
' ab 


913 

643 
/ab ILOO 
\an 1030 
' ab 750 
an 74 « 
ab 1246 
an 1238 
ab 1014 
936 
6» 
609 
/ab 1230 
\an . 

I ab 80 


an 

ab 

an 


Wintersportzüge nach der Eifel. 

Die Königl. Eisenbahndirektion Cöln teilt uns mit: 

An den Sonntagen der Wiutermonate werden, sofern die 
Witterung an diesen Tagen für die Ausübung des Winter¬ 
sports geeignet ist, Sonderzüge mit Fahrpreisermäßigung 
von Cöln und Bonn über Euskirchen—Call nach Hellentlial 
und zurück nach folgendem Fahrplan verkehren: 


Sonderzng Cöln—Hellenthal 


a) Hinfahrt: 
Cöln Hbf. 

. ab 

633 

b) Rückfahrt: 
Hellenthal .... 

. ab 

657 

„ West .... 


668 

Call . 

. an 

640 

„ Süd. 

• n 

706 

Euskirchen .... 

W 

734 

Kierberg. 

• 

723 

Kierberg. 

M 

8^ 

Euskirchen .... 

* 

738 

Cöln Süd. 

D 

819 

Call. 

w 

847 

„ West .... 

W 

835 

Hellenthal .... 

. an 

931 

„ Hbf. 

M 

831 


SonderzHg Bonn—Hellenthal 


a) Hinfahrt: 
Bonn. 

. ab 

654 

b) Rückfahrt: 
Hellenthal .... 

. ab 

657 

Rheinbach .... 


729 

Call . 

. an 

640 

Euskirchen .... 

. an 

744 

Euskirchen .... 

>» 

724 

„ .... 

ab 

758 

.... 

. ab 

735 

Call . 

V 

847 

Rheinbach .... 

. an 

751 

Hellenthal .... 

. an 

931 

Bonn. 

• )» 

827 


Die beiden Züge werden auf der Strecke Euskirchen— 
Hellenthal vereinigt. Zu diesen Zügen, die nur die 3. Wagen¬ 
klasse führen, werden in Cöln, Hauptbahnhof, West und Süd, 
Kierberg, Euskirchen, Bonn und Rheinbach Sonderzugrück¬ 
fahrkarten zu nachstehenden Preisen ausgegeben werden: 

Cöln Hauptbahnhof—Hellenthal und zurück 3.10 Mark 


„ West 

11 


11 

3.10 

„ Süd 

11 


17 

3.10 

Kierberg 

11 


11 

2.50 

Euskirchen 

7* 


77 

1.60 

Bonn 

11 


77 

2.90 

Rheinbach 

11 


11 

2.— 


Ferner wird an den gleichen Tagen, unter der Voraus¬ 
setzung günstiger Witterungsverhältnisse, ein Sonderzug mit 
Fahrpreisermäßigung von Düsseldorf nach llontjoie 
und zurück in folgendem Plane verkehren: 


a) Hinfahrt: 
Düsseldorf Hbf. . . 

. ab 

666 

b) Rückfahrt: 
Montjoie. 

. ab 

700 

Neuß. 


712 

Aachen Hbf. . . . 

. an 

808 

M.-Gladbach . . . 

• 11 

733 

Rheydt. 

11 

916 

Rheydt . 

• 11 

740 

M.-Gladbach . . . 

11 

922 

Aachen Hbf. . . . 

11 

864 

Neuß. 

1 « 

940 

Montjoie. 

. an 

1010 

Düsseldorf Hbf. . . 

11 

967 


Die Sportsleute aus Crefeld und Viersen haben an diese 
Züge in M.-Gladbach Anschluß mit fahrplanmäßigen Eil¬ 
und Personenzügen, und zwar: 


a) Hinfahrt: 
Crefeld. 

. ab 

650 

b) Rückfahrt: 
M.-Gladbach . . . 

. ab 

Viersen. 

* )) 

706 

Viersen . 

. an 

M.-Gladbach . . . 

. an 

716 

Crefeld . 

• w 


Zu dem Sonderzuge werden in Düsseldorf, Hauptbahnhof, 
Neuß, M.-Gladbach, Rheydt und Aachen, Hauptbahnhof, so¬ 
wohl einfache als auch Hin- und Rückfahrkarten, in Montjoie 
nur einfache Fahrkarten 3. Klasse zu nachstehenden Preisen 
ausgegeben werden: 

Einfache Fahrt: Hin- und Rückfahrt: 


Düsseldorf - 

-Montjoie 

•J.6U 

Mk. 

6.20 Mk. 

Neuß 


2.40 

)) 

4.80 


M.- Gladbach 

)» 

2.05 

V 

4.10 


Rheydt 


1.95 


3.90 


Aachen Hbf.- 


-.90 

„ 

1.80 

»1 


Die Crefelder Reisenden müssen sich bis und ab M.-Glad- 
bach Fahrkarten zum normalen Preise lösen. Zur Er¬ 
leichterung der Abfertigung werden bei der Fahrkarten-Aus¬ 
gabe Crefeld auch die von der Anschlußstation M.-Gladbach 
geltenden Sonderzugkarten zum Verkauf bereit gehalten 
werden. In den Tageszeitungen wird rechtzeitig das Ver¬ 
kehren der Sonderzüge bekannt gemacht werden. 


Die Schnellbahn Köln—Düsseldorf. 

Das Abkommen der Stadt Köln mit den beiden Elektrizitäts- 
Armen A. E. G. und Siemens-Schuckertwerke wegen Errichtung 
einer elektrischen Schnellbahn zwischen Köln und 


















































INr.I3 


Düsseldorf ist nunmehr abgeschlossen. Nachdem auch 
die Kölner Stadtverordnetenversammlung das Abkommen ge¬ 
nehmigt hat, wird es sich zunächst darum handeln, Klarheit 
darüber zu schaffen, ob die Stadt Düsseldorf jetzt bereit 
sein wird, sich zu verständigen. — Ueber das Projekt 
werden weitere Einzelheiten bekannt. Die Linienführung 
ist linksrheinisch festgesetzt. Bei Neuss wird eine neue Rhein¬ 
brücke gebaut. Die Baukosten sind auf 24 Millionen veran¬ 
schlagt, wovon die Hälfte in Aktien und die Hälfte in Schuld¬ 
verschreibungen ausgegeben werden soll. Der Sitz der Verwaltung 
wird Köln sein. Die Bahn wird als Hochbahn geplant, um 
eine möglichst grosse Schnelligkeit zu erzielen. Deshalb wird 
auch auf jede Haltestelle verzichtet. Ein Zwanzigminuten¬ 
verkehr ist vorgesehen. Zunächst soll die Bahn ausschliess¬ 
lich dem Personenverkehr dienen, voraussichtlich aber 
später auch der Güterbeförderung. Die Bauzeit ist auf zwei 
Jahre festgesetzt. Die neue Bahn soll eine enge Verbindung 
mit der elektrischen Rheinuferbahn haben, so dass also der 
elektrische Bahnverkehr von Bonn ununterbrochen nach 
Düsseldorf durchgeführt wird. 

Aus dem Eisenbahnministerium. Der Präsident des 
Eisenbahnzentralamts, Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Hoff, ist 
zum Ministerialdirektor im preussischen Ministerium der öffent¬ 
lichen Arbeiten ernannt worden. Er tritt dort an die Stelle des jüngst 
verstorbenen Ministerialdirektors Tessmer. Hoff begann seine 
amtliche Tätigkeit 1871 bei der Kgl. Verwaltung der Bergisch- 
Märkischen Eisenbahn und wurde am i. Juni 1882 in das 
Ministerium der öffentlichen Arbeiten berufen und hier bei 
Gelegenheit der Neuordnung der Staatsbahnverwaltung (1895) 
zum Eisenbahndirektor ernannt. Ende April 1897 wurde Hoff 
zum Geh. Regierungs- und Vortragenden Rat und drei Jahre 
später zum Geh. Oberregierungsrat befördert. Endo 1906 
betraute ihn Minister v. Breitenbach mit den Vorbereitungen 
zur Einrichtung des Eisenbahnzentralamts, an dessen Spitze 
Hoff denn auch im folgenden Jahre gestellt wurde. 


XachtsclmellzngYerbindnng Berlin-Dresdeh-Wien 

iZug 1> 19«/») 

mit durchlaufenden Wagen 1.—3. Kl. J „ t -rrr* 
und Schlafwagen 1. und 2. Kl. / -Wien 

(Mitge teilt von der Kgl. Gen.-Dir. der sächs. Staatseisenbälinen.) 

Ab Christiania .... 5^5 ab Dresden-Nenst. -. . lO^o 

„ Stockholm .... 8*2 an Dresden Hbf. ... lOf« 

:: Saßä'!"“*" 5^ ^hemnitz Hbf. . . ^ 

Strahund Bf. . . . 30 S «' Freiberg ... ^ ^ 

an Berlin Stettiner Bf. 6S4 an Dresden Hbf. ... 10g 


ab Stettin. 41 * 

an Berlin Stettiner Bf. 629 

ab Kiel. 1124 

„ Altona Hbf. 2^8 

„ Hamburg Hbf. . . 3^4 

„ Lübeck. 264 

an Berlin Lehrter Bhf. 707 

ab Königsberg (Pr.) Ost 91® 
„ Danzig Hbf. . . . Iloo 
an Berlin Friedrichstr. 718 

ab Berlin Anh. Bf. . . 76o 

an Dresden-Neust. . . 10S9 

ab Görlitz. 865 

an Dresden-Neust. . . 1()24 


546 

8S0 

ab Dresden-Nenst. -. . 
an Dresden Hbf. ... 

1040 

1046 

545 

117 

305 

ab Chemnitz Hbf. . . 

901 

Freiberg. 

947 

634 

an Dresden Hbf. . . . 

10» 


ab Dresden Hbf. ... 


416 

an Tetschen. 

1161 

629 

ff Schreckenstein . . 

12» 


f , Leitmeritz . . . 

JO* 

1124 

„ Groß Wosek . . . 

248 

.< iRlau . 

4*’ 

314 

„ Znaim . 

eo9 

264 

707 

an Wien Nordwestbf. 

746 

*_ 

ab Wien Staatsbf. . . 

860 

913 

an Budapest Ostbf. . . 

ISO 

1100 

„ Belgrad . 

1088 

71s 

„ Sofia . 

12*6 

750 

ff Constantinopel . . 

74T 

1059 

ab Wien Staatsbf. . . 

9 O 6 

an Budapest Westbf.'. 

140 

855 

ff Bukarest Nordbf. . 

1260 

Km 

„ Constantza .... 

960 


Die Reisedauer beträgt von Berlin Anhalter Bahnhof 
nach Wien Nordwestbahnhof rund 12 Stunden 

„ Budapest.„ 17*/, „ 

„ Constantinopel.„ 60 „ 

,, Constantza.,, 60 „ 


Beriin 




hNiedenlahnstein 


iVieshcden 


[Frankfurt 


ßln^erbrück^ 




.Bitterfeld^ 


Ebenhausei 


Meining^^ 


Wurzburg 

}{önigshofe/>j^ 


^hweinfurt 

Uchtenfets^ 


^ Jenai 

Saalfalrl J Seraf ) 


7 burg 

' 


^Jütsrbog 


Dresden^ 


fj'i'rkirrh u fiochspever i, , 1 Msiinhßini 

^ L - —-- kjdwtgsli 6 --^hpj(,jp,(^gfgi(j 

Yydeidelberg 

SrjT^ 'JSad^joerShml 




•VeuenmkrK 
\ WirsbS 
\ ßByreufn 


Reichenb. rLjrf. 
^-^-cmberkotrau 


Marktredwiti 


LandüU^^' 

Karlsruhe^ 

Rösch woog 


ißruchsal 

^'^MüMoCker 


Nürnberq 


Scbnabelwaid 


iBietigheim 

y^acknana 




Saarburg (■ 


Sfrafsburg^^L 

Appenweier^ 

Offejburgj. 


' Wildbad /Stuttgart 
Baiersbronn / /v 


^aibhngen 


?Pleinfeld 


# f \ 

^ Hausach ^ 


peißensfadt 

Horb^ 






s^t^hingen^ 


» ^Aalen 

Weifsenitein 

tKaliFeldl 


d/l/ördlmgen 


Imenstein®^ 
\ Münsingen 


a.d.St. 

^.^^^asensfe/g j 


Tuttlingen 

Mendingen 


\^maringen>>^ 

^"^XE^enberhngen 


oAulendorß 
1 nemn\ 


sMünchen 


friednidtshafenc 
\ a.Bodensee 


Kifslegg i-j 

Jsny (schwartGrat) 


(Mempfen 


Skizze zu nebenstehendem Fahrplan nach den württembergischen Wintersportplätzen 






















Nr. 13 i a Q 8QOOQOGQQ0g3GQ Q QOOOQOOQQ gll DEUTSCHLAND 0088868^686^^^^6686666^ '653 


Die besten Zugverbindungen nach den württembergischen Wintersportplätzen 

Wildbad, Freudenstadt (Rahsteio-Boierslironn, LIchtensteln-HOnsIngen and Geislingen Jsny 


Von Cöln, Frankfart und Mannheim« 

Cöln Hbf.ab 

Coblenz.„ 

Mainz.an 

Wiesbaden .... ab 

Mainz.„ 

FrankfaTt(Main)Hbf.„ 

Darmstadt . „ 

Mannheim Hb£ . „ 

Heidelberg 

Bruchsal.„ 

Mühlacker .... an 

Wildbad.„ 

Stuttgart Hbf. . . „ 

Freudenstad 011 „ 

Baiersbronn „ 

Beutlingen 
Lichtenstein 
Mnnsingen 
Geislingen «.d. 

Ulm.„ 

Aulendorf . . . . „ 

Isny(Schwarz.Grat) an 
“überWorms, § Werktags, ? Sonn- u. Feiertags, * über Karlsruhe, f über Ulm. 

Von Straßbarg. 


Ld.St. J 00 „ 


150 

_ 

6*5 

93* 

1120 

1213 

_ 

1246 

3*9 

800 

_ 

3*5 

— 

833 

1105 

1248 

142 

— 

261 

über 

(Yieder- 

951 

— 

6»4 

— 

1021 

1238 

217 

3I6 

— 

432 

lahnst. 

111« 

— 

620 

'"6*4 

1007 

12*4 

0140 

242 

— 

406 

700 

1054 

— 

5^ 

“643 

10*7 

1247 

0 228 

3I8 

— 

436 

730 

1125 

— 

652 

715 

10*9 

1250 

200 

3>o 

410 

615 

813 

1049 

1145 

_ 

746 

1100 

1*0 

237 

343 

— 

660 

840 

1130 

1215 

707 

8*6 

1168 

203 

401 

436 

624 

686 

912 

1241 

*109 

730 

852 

1212 

231 

428 

5O6 


712 

1002 

108 

IJ 

757 

1003 

100 

3O6 

458 

640 

• ■ 2 

744 

760 

1038 

185 

330 

8*7 

1037 

134 

343 

529 

624 

S3 

— 

8H 

1113 

208 

402 

— 

116 

328 

§657 

717 

837 

8^ 

— 

1143 

— 

— 

809 

910 

11*8 

2*4 

446 

6*8 

718 

831 

867 

1030 

1214 

304 

452 

206 

356 

649 

— 

857 

1139 

1139 

— 

— 

— 

— 

8*3 

? 248 

441 

648 

— 

1002 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

912 

_ 

120 

338 

7n 

819 

931 

1047 

1047 

1235 

168 

435 

723 

t 136 

264 

637 

8*6 

— 

— 

[11^ 

[UH 

— 

663 

653 

850 

11237 

340 

625 

908 

— 

— 

Uonau 

nnl 

Unnau 

mn 1 

— 

742 

t702 

939 

1016 

1234 

328 

616 

7M 

— 

«nj 

960 

«UJ 

11*8 

1225 

— 

417 

658 

1052 

11* 

402 

6M 

8*5 

— 

1026 


103 

— 

450 

680 

1157 

— 

616 

9*7 

938 

— 



_ 

— 

669 

812 

215 

— 

846 

11^ 

1130 

— 

— 

— 

— 

— 

1010 

— 


München Hbf. 

ab 

700 

8** 

1246 

432 

1005 

UM 

Augsburg. 


762 

920 

141 

629 

1101 

440 

Ulm. 

an 

903 

1037 

301 

648 

1217 

74s 

Aulen dorf. 


1042 

1157 

615 

938 

659 

— 

\ sny (Schwarz Grat) . 


215 

215 

846 

USO 

1010 

— 

München Hbf. 

ab 

410 

lUlO 

136 

— 

— 

— 

Memmingen. 

)> 

836 

1235 

646 

— 

— 

— 

Leutkirch. 


930 

135 

805 

— 

— 

— 

Isny (Schwarz. Grat) . 

an 

1010 

215 

846 

— 

— 

— 

Münsingen . . • . 

an 

— 

lv37j 

710 

yo5 

702 

1041 

Lichtenstein . 

Geislingen a.d. St.j ? 


— 

136 

820 

9M 

801 

1161 

» 

946 

1136 

433 

733 

101 

855 

Stuttgart Hbf. 


1044 

1218 

44t 

838 

169 

963 

1 Freudenstadt (Rahstein) ,, 

206 

356 

867 

1139 

8*23 

206 

Baiersbronn „ 


?248 

441 

1002 

— 

912 

?248 

Bietigheim. 


11*1 

115 

— 

916 

— 

1040 

Pforzheim. 


1206 

152 

606 

958 

3I6 

11*5 

Wildbad. 

an 

115 

3*8 

717 

114:^ 

809 

116 


Straßburg. 

ab 

— 


8M 

715 

900 

12»! 

336 

619 

— 


Offenburg. 


— 


615 

8*5 

1002 

138 

433 

724 

— 

— 

Frendenstadt (Rahstein) 

an 

— 


736 

1064 

1159 

350 

646 

921 

— 

— 

Baiersbronn „ 

it 

— 


912 

— 

1242 

441 


1022 

— 

— 

Metz. 

ab 

— 

s 

109 

— 

6»i 

1049 

252 

— 

5*0 

769 

Straßburg. 

n 

130 

p 

344 

668 

900 

122 

622 

626 

840 

1107 

Karlsruhe. 

11 

268 

« 

2 

603 

719 

1046 

238 

643 

8H 

1006 

102 



Bruf'h* 

60 









Pforzheim . 

an 

456 

a 

a 

CQ 

642 

768 

11*9 

315 

722 

917 

1045 

1^ 

Wildbad. 

u 

— 

ce 

h 

809 

915 

115 

§711 

837 

— 

1143 

— 

Stuttgart Hbf. . . . 

an 

4M 

X 

640 

902 

1242 

437 

834 

1035 

1214 

304 

Reutlingen . . 

11 

723 

d 

0 

9*2 

— 

338 

711 

1047 

1225 

168 

4S6 

Liebtenstein . . 

11 

850 

► 

1037 

t 186 

637 

8£6 

[IIH 

— 

653 

653 

Münsingen . . . }|| 

11 

939 

u 

1121 

tl237 

6*5 

908 

Uonau 

•n] 

— 

742 

t702 

Geislingen a.d.St. J« 

11 

658 

H 

738 

1016 

209 

6i« 


12*5 

— 

417 

Ulm . 

11 

630 


813 

1052 

245 

658 

loi 

103 

— 

4M 

Aulendorf. 

11 

812 

9 

1042 

1167 

615 

938 

— 

— 

— 

659 

Isny (Schwarz. Grat) . 

an 

— 

0 

— 

215 

84«; 

1130 

- 

— 

— 

1010 


§ Werktags auch an 6^. 


Von München. 


n 

an 


t über Ulm. 

Von Berlin, Dresden und lieipzlg. 


? Sonn- u. Feiertags. 

Von der Pfalz. 

Metz.ab] 

Saarbrücken 
Zweibrücken 
Landau . . 

Saarbrücken 
Kaiserslautern 
Neustadt . . 

Ludwigshafen 
Mannheim 
Bruchsal 
Mühlacker 
Pforzheim 
Wildbad 

Freudenstadt (Kubstein) 

Stuttgart Hbf. . . . 
Freudenstadt (Ruhstein) 
Baiersbronn „ 

Reutlingen 
Lichtenstein 
Münsingen 
Geislingen a, 

Ulm. 

Aulendorf. 

Isny (Schwarz. Grat) 

§ Werktags, f über-Ulm. 


n . . '1^ 

■ ■ m 


640 

9*4 

11*1 

413 

807 

720 

1200 

1 

1 

1 

801 

1237 

1 

1 

1 

910 

157 

1 

1 

1 

— 

— 

117 

630 

966 

728 

1232 

221 

737 

1103 

828 

125 

255 

814 

1146 

üb. Landau 

327 

847 

1222 

1 

1 

401 

912 

1241 

1003 

3O6 

468 

1038 

136 

1037 

343 

629 

1113 

208 

11*5 

424 

62« 

1141 

3I6 

115 

§GM 

717 

809 

809 

356 

857 

1139 

10*2 

102* 

1128 

446 

628 

1214 

304 

356 

— 

857 

1 

8*3 

441 

— 

lüii 

1 

91* 

120 

7L1 

819 

168 

436 

264 

825 

[1131 

653 

6M 

340 

908 

tlonau 

an] 

742 

t7o* 

1234 

61« 

7M 

— 

417 

112 

6H 

8*5 

— 

450 

615 

9*7 

938 

— 

65» 

84« 

1130 

1130 

— 

1010 


a) über Würzburg. 


ab 


Berlin Anh. Bf, 

Halle.„ 

Dresden Hbf.„ 

Leipzig prov. Thür. Bf. „ 

Erfurt .„ 

Meiningen.„ 

Würzburg.„ 

Heilbronn.an 

Bietigheim.„ 

Wildbad.„ 

Stuttgart Hbf.. 

Freudenstadt . . „ 

Baiersbronn . . /«I „ 
Reutlingen 
Lichtenstein 
Münsingen 
Geislingen a. d. St. 

Ulm 

Aulendorf.„ 

Isny (Schwarz. Grat) an 
• über Hof—Bamberg: Dresden ab 
7*0, L^zig Bayr. Bahnhof ab 8^*^; 
t über Ulm; § Leipzig Berl. Bf. ab 916. 


. . . „ 

■ \h ” 


8*0 

1041 

•716 

•936 

12*6 

232 

459 

7^ 

7w 

1143 

82« 

1139 


1011 

653 

t702 

9^ 

1026 


825 

1033 

7 ^ 

§9*1 

L216 

217 

430 

664 

723 

915 

762 

1022 

1242 

938 

1037 

11*1 

9O8 

941 

1167 

215 


Berlin Anh. Bf. 
Dresden Hbf. . . 
Leipzig Bayr. Bf. 

Hof. 

Bayreuth . . 
Nürnberg Hbf. . . 


b) über Nürnberg. 


Berlin Anh. Bf. . 

Halle. 

Leipzig prov. Thür. Bf. 

Jena. 

Nürnberg Hbf. . 


Nürnberg Hbf. . . . 

Buchloe. 

Memmingen .... 
Leutkirch .... 
Isny (Schwarz. Grat) 


Bietigheim 
Wildiiad . 


Ulm 

Geislingen8.d.st.(srhw.Aib.) „ 

Aulendorf. 

Isny (Schwarz. Grat) 
Stuttgart Hbf. . . . 
Freudenstadt . 
Baiersbronn . . /«5 
Reutlingen 
Lichtenstein 
Münsingen 

f über Ulm; ? Sonn- und Fei 


abl 


ab 


ab! 


an 


7161 

846| 

951 

103 

355 


9O8 

1143 


827 

923 

938 

1180 

832 

113« 

1047 

|[118i 

lonau 

•n] 


♦940| 

1111 

1236 

335 

548 

806 | 


450 

600 

800 

1125 

301 


1030 

1100 

106 

423 

608 

746 


1461 

353 

3I6 

615 

826 | 


1228 

über 

Kemp* 

ten 

830 


12M 

823 

912 

1^ 

653 

742 


8451 

10^1 

1013 

1206 

407 




415 

83U| 

über 

Kemp-j 

ten 

1220 


810 

1116 

1235 

135 

216 


10451 

1135| 

1167 

215 

1006 

206 

?248 

fl30 

11237 


1123 

116 


1139 

118 

260 

618 

1146 

356 

441 

•120 

254 

340 


ertags; • Anschluß in Cannstatt; 
* Berlin—Neapel-Expreß ab 4. Dezbr. Montags u. Donnerstags. 






























































i ltJw.fi -ll ul.! 



Zu£:verbinduns:en nach dem Harzer Wintersportplatz 

st. Andreasbergf. 

•^1 

(Zusammengestellt von der Königlichen Eisenbahn direktion Cassel.) g 



I. 


Ab Frankfurt (Main) IDs 

- , - 

068 

— 

862 

„ Gießen . 

12 ^ 

- 1 - 

7 IÜ 

— 

1016 

„ Marburg. 

. 112691 

— 1 — 

744 

— 

1049 

„ Cassel . 

. .! 262 

_ 1 _ 

1067 

— 1 

211 

„ Münden (Hann.) . . 

■ 312 

- 1 - 

1122 

— 

248 

an ]Vordhansen . . 

li 4«! 

- I — 

100 

— ’ 

527 


Weiter wiehe Nr. 4. 


Ä. Ab Berlin Anh. Bhf. 
„ Dresden Hbf. 

„ Leipzig .... 

„ Halle (Saale) 

„ Sangerhausen . 

„ Erfurt .... 
an Xordlianscn 
ab Erfurt. 


12^, 

332, 

523, 

717 


/Ii - j 806 


il -- 


6261 


1109! 118 
121ö! 021 


1017 


— 1246 
838 1227 


1236 

266; 


Weiter siehe Nr. 4. 


3. Ab Berlin Potsd. Bhf. 

„ Friedr. Bhf. 
„ Potsdam . . . 

„ Magdeburg . . 

„ Sangerhausen . 
an Xordhausen 
ab Berlin .... 




8i8i - 

_ I , 

816! -; 


1 - I - ; - 122o; 

_| _ - 1162: 

-12671 


Weiter siehe Nr. 4. 

4. Ab Wordliausen ... 6i9 Bn 921 

„ Scharzfeld.!j 036^ 920 jii 47 

an St« Andreasberg || 737|l02o|i247 


11 * 

242 

342 


Ab Frankfurt (Main) 

1118 

__ 

— 

668 

862 

„ Gießen. 

12«1 

— 

— 

7 I 6 

101 « 

„ Marburg. 

1269 

— 

— 

744 

1049 

„ Cassel. 

262 

646 

— 

1067 

122 

„ Münden (Hann.) . . . 

3 IÖ 

711 

— 

1122 

160 

„ Göttingen. 

487 

769 

— 

1249 

268 

an üortiieim .... 

605 

817 

— ' 

116 

816 

Weiter siehe 1 

Sr. 7. 




230 

460 

620 

801 


— 826,1(>4ö; 146 

■ 800 ; 814 

- 11026 1216 

11 no' 1 


030 
367 
459 
Boo 

5311 763 
243i 6131 8^ 


410 

030 

658 


— ^ . _ _ .lOü 


124 

300 

429 

531 


300; 5361 832 


429! 660| 
6*11 7mI 


1018 

1012 


— , 102 

— 312 

— ; 402 

— I 703 
-, 711 

—; 840 

— 907 


0« Ab Hamburg 

„ Bremen . . . 
„ Hannover 
„ Hildesheim 

an IVortheim 


Ab Xortheim . . 
„ Scharzfeld . 

an St« Andreasberg 


Ab Berlin Potsd. Bhf. lOiö 

„ Potsdam.illOso 

„ Magdeburg.IjlSio 

„ Braimschweig ... 

An Seesen . 


240! _ 
Weiter siehe Nr. 


9 Ab Bambnrg 

„ Bremen . . . 
„ Hannover . . 
„ Hildesheim . 
au Seesen . . 
ab Hildesheim 


10 « 


Ab COln Hbf. 
„ Düsseldorf 
„ Elberfeld . 
„ Essen . . . 
„ Paderbcuji 
„ Holzniindeii 
an Seesen 


Weiter siehe Nr. 11. 


11« Ab Seesen. 

„ Herzberg. 

„ Scharzfeld. 

an St. Andreasberg 


737 


— 

_ 

717 

9*0 

_ 

— 

— 

807 

1038 

— 

G 30 

800 

1083 

1248 

— 

6*7 

705 

10*3 

1243 

— 

762 

1014 

1160 

230 

— 

Nr. 7 . 

8 * 3 il 038 

183 

834 


92011147 

242 

429 

— 

1 (; 2 o 1 i 247 

342 

6*1 

— 



836 


_ 

— 

— 

902 

— 

— 

— 

800 

1102 

— 

— 

— 

933 

1160 

— 

2*9 

— 

1038 

1*4 

— 

416 

^r. 11 . 

717 

920 


_ 

_ 

807 

1088 

— 

_ 

800'1038 

1243 

1260 

— 

7111061 

1243 

206 

— 

I 02 i;i 260 

218 , 

4*1 

— 

10*1 

107 

1 218 

408 

_ 

_ 

__ 

, 836 

9061 

— 


— 

8*7 

938 

— 

_ 

— 

930 

10 ** 

— 

— 

— 

846 

108 » 

— 


— 

— 

118 

-- 

— 

— 

109 

261 

! _ 

— 

— 

018 

4*1 

r. 11 

1043 

180 

249 

600 

1 — 

1183 

2*4 

4 I 6 

600 


1147 

24 * 

4*9 

6 ÖÖ: 


1247 

84 * 

6*1 

7 m[ 


3M 

600 

600 

7*9 

91* 

1015 

1111 


6« 

889 

809 

88S 

600 

60 * 

841 

860 


855n 

968 

1018 

lUL 
























































1 !BQ0COXM30QQ9GQQQ 998e9 9 3 e 9ai DEUTSCHLAND 18666666686680086 8 666 ^ 86666^ 655 


Auslegung des Reichskursbuches indenSpeise- 
wagen. Nach den Übereinstimmenden Berichten der mit der 
Geschäftsführung der Speisewagenbetriebe betrauten preussischen 
Eisenbahndirektionen hat sich die Auslegung des Reichskurs¬ 
buches in den Speisewagen zur Unterrichtung der Reisenden 
gut bewährt. Die Einrichtung ist nach einem neuerlichen Erlass 
des preussischen Eisenbahnministers daher beizubehalten. Der 
Erlass empfiehlt, das Kursbuch entweder an sichtlicher Stelle 
offen auszulegen oder durch einen Aushang im Speisewagen 
bekanntzumachen, wo es einzusehen ist. 


Die Kgl, Eisenbahndirektion Magdeburg teilt folgendes mit: 
Bei günstiger Witterung werden zu den Wintersport- 

SonderzOge 

ZU ermäßigten Fahrpreisen gefahren werden. 

A. Berlin-Macdebar«—^551^ 

Hinfahrt am 20., 27. Januar, 3. und 17. Februar 1912 
Rückfahrt am 21., 28. Januar. 4. und 18. Februar 1912 


440 nachm, ab 9 Berlin Potsd. Bf. 


an 

1219 vorm. 

606 


„ Potsdam 


M 

1199 nachm. 

641 

n 

„ ! BrandenburgStb. 


n 

in* 

70* 

» 

„ j Magdeburg 


» 

1«®! „ 

81 * 


„ Halberstaat 


ab 

912 

845 

n 

an Wernigerode 


M 

8*9 „ 

1000 


„ ' Schierke 



710 

1058 


y Braunlage 

k 

>* 

6«« 


B« Jüagdebnrg:- 


Braunlag^e 


Schierke 

Hin- u. Rückfahrt am 21. u. 28. Januar, 4. u. 18. Februar 1912 
730 vorm, ab Magdeburg Hbf. A an 936 nachm. 

800 „ „ , Oschersleben (Bode) 1 „ 86 S „ 

8^3 „ „ i Halberstadt ,, 83i 

9*0 ,, an Wernigerode Stb. ab 7öo 

1040 Schierke „ 633 

11*3 „ „ Braunlage ^ „ 437* „ 

* über Tanne—Halberstadt 

ۥ Altona^Schierke 

Hinfahrt am 20. Januar, 3. und 17. Februar 1912 


Rückfahrt 

am 

21. 

Januar, 4. und 18. 

Februar 1912. 

134 nachm. 

ab 

W 

Altona A 

an 

12*1 

vorm. 

206 

„ 

V 



Hamburg Hbf. 

11 

1200 

nachm 

924 


11 



Harburg H. 

11 

1142 


235 

M 

'1 



Lüneburg 

71 

1107 


329 


11 



Uelzen 

11 

1033 

11 

415 

V 

11 



Celle 


946 

n 

51 « 

V 

11 



Hildesheim Hbf. 

11 

845 


616 


an 



Goslar 

ab 

7^ 


636 


17 



Heudeber-D. 

11 

7^0 


718 


11 



Wernigerode Stb., 

11 

645 

„ 

825 

»» 

>1 

Y 

Schierke 

11 

620 

11 


B. Hannover—8clilerke 

a) Hinfahrt am 20 . Januar und 3. Februar 1912 
Rückfahrt am 21 . Januar und 4. Februar 1912 


220 nachm, ab 

^ Hannover A 

au 

11 so naolim. 

300 


1 Hildesbeim Hbf. 

1 « 

llü 

404 

Vf vv 

. Goslar 

ab 

1 (| 2 S 

616 

11 an 

Wernigerode Stb. 1 

ti 

9 ]i „ 

640 

11 71 

Y Schierke j|i 

11 

725 „ 


b) Hin- und Rückfahrt am 21. Januar, 4. und 18. Februar 1912 
ßoo vorm, ab f Hannover A an 11^ nachm. 

640 I Hildesheim „ lli* ,, 

739 „ „ 1 Groslar „ 10** 

814 an j Wernigerode Stb. 1 ab 9Ü „ 

V « Schierke l|l „ 735 

JE. Hannover—Brannlag^e 

a) Hinfahrt am 27. Januar, Rückfahrt am 28. Januar 1912 


2*0 nachm, ab 


Hannover 


an 1234 vorm. 

245 

1 » 

n 


Nordstemmen 


„ 

831 

11 

7? 


Kreiensen 


„ 1131 nachm. 

405 

1« 



Northeim 


„ 1039 

645 

1» 

an 


Walkenried 


ab 1012 

7£9 

1 » 

11 

t 

Braunlage 


„ 80« „ 

Hin- 

und 

Rückfahrt am 28. .Januar und 18. Februar 1912 

550 vorm, ab 

W 

Hannover 

A 

an 12 M vorm. 

6*4 

»1 

»1 


Nordstemmen 


„ 121 ® 

711 




Kreiensen 


, 11*1 nachm. 

743 

11 

1? 


Northeim 


„ 105 » „ 

837 

11 

an 


Walkenried 


ab lOi» „ 

lOio 

>1 

»1 

y 

Braunlage 

ä 

an 809 „ 


F. n.U. 

a) über Aschersleben 

Hinfahrt am 17. Februar 1912, Rückfahrt am 18. Februar 1912 
Ip Halle (Saale) A an IOI 6 nachm. 

Aschersleben „ 9il „ 

Halberstadt „ 8*6 „ 

Wernigerodes tb. ab 730 „ 

Schierke „ 633 

_ Y Braunlage ^ 437* „ 

* über Tanne—Blankenburg mit fahrplanmäßigen Zügen. 

b) über Sang^erhansen 

Hinfahrt am 27. Januar 1912, Rückfahrt am 28. Januar 1912 

an 11^ nachm. 

,, 1152 „ 

„ 1122 ,, 

,, 1036 „ 

„ lOl» „ 

ab 940 „ 


603 nachm, ab 
706 
81 * 

845 
1000 
lOM 


334 nachm, ab 

l 

1 Halle (Saale) A 

839 

V) 

VV 


Oberröblingen 

418 

79 

77 


Eidleben 

439 


77 


Sangerbauseu 

520 


77 


Nord hausen 

643 

77 

an 


Walkenried 

709 


VV 

>1 

r Braunlage ^ 




Außerdem sind Sonderzüge für die Strecken Hannover 
—Clausthal-Zellerfeld, Hannover—St. Andreasberg und Halle 
(Saale)—St. Andreasberg in Aussicht genommen. Die Ver¬ 
kehrstage dieser Züge werden rechtzeitig bekannt gegeben 
werden. 

Die von Berlin abfahrenden Sonderzüge führen die fl. 
und III., die übrigen Sonderzüge nur die III. Wagenklasse. 


Schiffahrt. 

Auf der Sassnitz-Trelleborger Linie tritt in 
kurzem die drahtlose Telegraphie in Kraft, die für den 
Reiseverkehr und die geschäftlichen Verbindungen zwischen 
Deutschland und Schweden einen Fortschritt bedeutet. Sassnitz 
und Trelleborg, sowie die zwischen ihnen verkehrenden Dampf¬ 
fähren erhalten Punkenstationen. Die Sassnitzer Station steht 
fertig, die Trelleborger soll am 15. Januar 1912 eingeweiht werden. 

DieDeutscheLevante-LinieinHamburg hat sich 
in Berücksichtigrung der gegenwärtigen politischen Verhältnisse 
in ihrem Wirkungsbereich veranlasst gesehen, eine geeignete 
Kraft zur Vertretung ihrer Interessen zu suchen. Wie gemeldet 
wird, ist es nunmehr der genannten Reederei gelungen, den bis¬ 
herigen Vortragenden Rat, Wirklichen Legationsrat Dr. von 
Jacobs, Referenten für Deutsch-Südwestafrika im Reichs¬ 
kolonialamt, der als Rechtsanwalt in Hamburg und nach seinem 
1898 erfolgten Eintritt in das Auswärtige Amt mehrere Jahre 
bei verschiedenen deutschen Konsulaten im europäischen Orient 
tätig gewesen ist, für die Stellung eines Direktors zu gewinnen. 

Der Stapellauf des Rheindampfers „Kaiser 
Wilhelm II“. Im Frühjahr 191X wurde der Filialwerft 
der Gebrüder Sachsenbe^g, Aktiengesellschaft zu Köln - Deutz, 
ein neuer Schnelldampfer von der nunmehr 75 Jahre be¬ 
stehenden Dampfs chiffahrts-Gesellschaft für den 
Nieder- und Mittelrhein in Düsseldorf in Auftrag ge¬ 
geben und am 15. Dezember vom Stapel gelassen. Es ist dies 
das achte Dampfboot, das die Werft für die genannte Gesell¬ 
schaft erbaut hat. Der Dampfer, ein erstklassiges Salon-Räder¬ 
boot, ist aus bestem Material hergestellt und hat folgende 
Abmessungen: Länge zwischen den Steven 80 m, Breite auf 
Spanten 8,50 m, Seitenhöhe 2,90 m, Tiefgang 1,18 m. Das Schiff 
besitzt vier Wasserröhrenkessel, System Dürr, mit Einrichtung 
für Dampfüberhitzung. Die Maschine entwickelt 1250 Pferdekräfte. 
Das Schiff, das für die Expressfahrten bestimmt ist, wurde 
für die Fahrgäste aufs bequemste und geschmackvollste in 
vornehmer Ausstattung, allen Anforderungen der Neuzeit ent¬ 
sprechend, eingerichtet und bildet so eine Zierde der Flotte 
der Dampfschiffahrts-Gesellschaft für den Nieder- und Mittel¬ 
rhein bezw. der verbundenen Köln-Düsseldorfer Gesellschaften. 
Der Kaiser hatte der Gesellschaft gestattet, dem neuen Schiffe 
seinen Namen zu geben. 

Vergnügungsfahrt des D op pel schrau ben' 
dampfers „Schleswig“. Einen fortwährenden prächtigen 
Szenerienwechsel bietet die Kaukasusfahrt, die der Doppel¬ 
schraubendampfer „Schleswig“ des Norddeuts eben Lloyd am 
28. April 1912 von Genua aus unternimmt. Die schönsten 
Küstenfahrten an der italienischen und griechischen Küste ent¬ 
lang, durch die Strasse von Messina und den Bosporüs, den 
Besuch berühmter klassischer Stätten wie Athen und Karthago, 
und landschaftlich schöner und ethnologisch interessanter Punkte, 
wie Tunis und Konstantinopel, weite Ausflüge in die gross¬ 
artige Gebirgswelt des Kaukasus, das alles schliesst diese Ver¬ 
gnügungsreise in sich ein. Eine besondere Anziehungskraft 










656 BB os QQOQQaeaaeeoo Q e G ooQQQOQCMffl DEUTSCHLAND iBeeeeeeeeeeeeeee eooe iE KXKXM i Nr.i3 


ttbt die Fahrt dadurch aus, dass sie Gelegenheit bietet, auf die 
bequemste Weise in Gegenden einzudringen, die bis vor kurzer 
Zeit noch dem Strom der Vergnügungsreisenden verschlossen 
waren. 


Luftschiffahrt. 


Ein neuer Flugweltrekord. Einen Flugweltrekord 
der Distanz erzielte der Aviatiker Gobe, der am 24. Dezember im 
Aerodrom von Pau ohne Zwischenlandung einen Flug von 
740255 Metern in 8 Stunden 16 Minuten zurücklegte. Gobe be¬ 
warb sich um den am 21. Dezember ausgeschriebenen Strecken¬ 
preis des französischen Aeroklubs. 

Wintersportliche Veranstaltungen. 

Die Bobsleighbahn des Bobsleighklubs Schwarz¬ 
wald auf dem Sternberg bei Triberg ist noch vor Weih¬ 
nachten fertiggestellt und durch ein Eröffnungsrennen in Betrieb 
genommen worden. An der bekannten Hofwaldrodelbahn 
hat die städtische Kurverwaltung einen unmittelbar nebenher¬ 
laufenden, durch das Grossh. Forstamt Triberg prächtig an¬ 
gelegten Aufgangsweg erbauen lassen, von dem man eine gute 
Uebersicht über die Rodelbahn hat. Die Rodelbahn selbst ist 
mit zahlreichen künstlichen KurvenUberhöhungen ausgestattet 
worden. 

Titisee im Winter. Wer Titisee im Sommer zu seinem 
Aufenthalt gewählt hat, wiid beim Anblick des reizend gelege¬ 
nen Sees und seiner alpinen Umgebung sofort erkannt haben, 
dass hier die Natur für die 
Entwickelung des Wintersports 
einen günstigen Boden ge¬ 
schaffen hat. In der Tat hat 
Titisee nicht nur als Sommer, 
sondern auch als Winterkurort, 
wie auch als Ausgangspunkt 
zahlreicher AusOüge eine grosse 
Bedeutung und einen stets 
wachsenden Erfolg gehabt. Das 
Terrain eignet sich zur Aus¬ 
übung jeglicher Art von Winter¬ 
sport. Der Skifahrer kann sich 
wohl kein schöneres Feld für 
seinen Sport wünschen, als die 
wechselvollen, bald sanft an¬ 
steigenden, bald steileren Ab¬ 
hänge der Umgebung Titisees, 
in Höhen von 900 bis zu 1500 m. 

Die ausgedehnte, unabsehbare 
Hochebene, wie sie gerade dem 
Schwarzwald eigen ist, dürfte 
an die von norwegischen Ski¬ 
fahrern durchstreiften unermess¬ 
lichen Schneefelder erinnern. 

Von den Hängen führt in un¬ 
mittelbarer Nähe des Ortes eine herrliche, gefahrlose, in bestem 
Zustande erhaltene Rodelbahn in einer Ausdehnung von 2 km 
Länge zu Tal. Welch ein Genuss bietet es, auf der spiegel¬ 
glatten Eisfläche des Titisees, inmitten einer bezaubernd schönen 
Winterlandschaft, auf blinkenden Schlittschuhen dahinzu - 
schweben. Die besonders angelegte Schlittschuhbahn in direkter 
Nähe der Hotels bietet dem Kunstläufer reichlich Gelegenheit, 
seine Geschicklichkeit zu erproben. Aelteren Personen, wie 
überhaupt jedem Naturfreund, dürften die wundervollen Schlitten¬ 
partien in Titisees schöner und abwechslungsreicher Umgebung 
empfohlen sein, wie nach dem nahgelegenen Feldberg, Schluch¬ 
see, St. Blasien, Todtmoss, Saig, Lenzkirch, Kappeln, Neustadt, 
Breitenau, Turner und St. Märgen. Ferner durch das roman¬ 
tische Höllental Uber Hirschsprung nach Freiburg i. B. 

Das Sporthotel in Oberwiesenthal. Das nach den 
Plänen der Herren Architekt Professor Baschandt, Diplom¬ 
ingenieur Böhm (Essen) und Architekt Burkhardt (Leipzig) 
von Baumeister Götze (Annaberg) ausgeführte Sporthotel in 
Oberwiesenthal ist Ende Dezember eröffnet worden. Seine 
Leitung wurde in der Person des Hoteldirektors Dippe aus 
Heidelberg einem Fachmann von gutem Ruf übertragen. Die 
Fremdenzimmer, gegen 80 an Zahl, sind mit Zentralheizung, 
Doppelfenstern, elektrischer Beleuchtung, fliessendem warmem 
und l^altem Wasser und sonstigen zeitgemässen Einrichtungen, 
wie Bädern usw., ausgestattet. Vorzügliche elektrisch betriebene 
Entlüftungs- und Entstaubungsanlagen befinden sich im ganzen 
Hause. Zwei breite, feuersichere Treppen, ausser der Servier¬ 
treppe, und ein elektrisch betriebener Personenaufzug führen 
nach allen Stockwerken, und grosse, schöne Hallen mit an¬ 


Die jetzt allenthalben eingetretene 
kältere Witterung und der reichliche 
Schneefall haben in allen deutschen 
Gebirgen ein günstiges Gelände für 
den Wintersport geschaffen. 

Als zuverlässige Führer durch die 
deutschen Wintersport gebiete können 
die drei Wintersporinummern der 
Zeitschrift „Deutschland*^ (Nr. 11, 
12 u. 13) bestens empfohlen werden. 
Preis der einzelnen Nummer 40Pfg. 


schliessenden Lese-, Schreib-, Spiel- und Musiksatons bieten 
den Gästen Gelegenheit zu angenehmer GeseUigkeit. Van 
allen Gesellschaftsräümen aus bieten sich prächtige. Aus¬ 
blicke, einerseits auf das am Hotel auslaufende Winter¬ 
sportgelände, anderseits auf die Stadt mit Umgebung, dem 
Fichtel- und Keilberg. Das Sporthotel ist ferner unter beson¬ 
derer Berücksichtigung des Wintersportverkehrs ausgestattet 
worden. Es ist eine vorzügliche, moderne Trockenanlage für 
Kleider vorhanden, auch fehlen Aufbewahrungsräume für Sld-, 
Rodel- und sonstige Sportgeräte, sowie heizbare Stallungen 
und Autogaragen nicht. Am 22. Dezember folgte ein Er¬ 
öffnungsfestmahl, an dem die Vertreter der Bezirks- und 
sonstigen Behörden des Erzgebirges, der Städte Ober- und 
Unterwiesenthal und benachbarter Orte, des Erzgebirgsveri^s, 
des Skiklubs Leipzig, der in der Nähe sein Winterheim hat, 
teilnahmen. ln zahlreichen Reden wurde das frohe Ereigi^ 
der Eröffnung einer erstklassigen Unterkunft gefeiert und dos 
Königs Friedrich August, des fieissigen Bergsteigers und 
Touristen, gedacht, der mit königl. Prinzen und Prinzessinnen 
im Sommer und Winter schon Oberwiesenthal und die benach¬ 
barten Berge besucht und an den Naturschönheiten und der 
vortrefflichen Gelegenheit zur Ausübung des Wintersports sich 
erfreut hat. Aus Liebe zu unseren Bergen haben Vereine und 
Einzelpersonen bisher schon für den Aufschluss unseres Enr- 
gebirges gesorgt. Nachdem nunmehr aus denselben Beweg^- 
grUnden durch die Sporthotelgesellschaft unter grossen Opfern 
für Schaffung einer Unterkunftsstätte, wie sie in weiter Una- 
gebung nicht ihresgleichen hat, eingetreten worden ist, steht eine 
weitere wirtschaftliche Hebung des reizenden Höhenluftkurortee 
Oberwiesenthal und des gesamten Erzgebirges sicher bevor. 

Preis des Kultus-- 
ministeriums für die 
Eishock eym ei st er Schaft. 
Das preuss. Kultusministeriüm 
hat für die deutsche Eishockey¬ 
meisterschaft (kanadisches Spiel 
mit der Scheibe), deren Durch¬ 
führung dem Eis lauf bezirk 
Berlin für Ende Januar über¬ 
tragen ist, einen wertvollen 
Ehrenpreis gestiftet. Konkurrenz¬ 
berechtigt sind alle deutschen 
Eishockeyvereine. Der Melde¬ 
schluss wird noch bekannt ge¬ 
geben. Als ernsthafte Bewerber 
für den deutschen Meistertitel 
kommen Leipziger Sportklub, 
Dresdener akademischer Sport¬ 
klub, Deutscher Hockeyklub 
Hannover und die Berliner 
Vereine, Berliner Schlittschuh-, 
klub, Preussen und der Sport¬ 
klub Charlottenburg in Betracht. 

Winter im bayerischen 
H o ch 1 a n d. Die Amtliche Aus¬ 
kunftstelle der Königlich Baye¬ 
rischen Staatseisenbahnen im Internationalen öffentlichen Ver¬ 
kehrsbureau in Berlin, Unter den Linden 14, teilt uns mit: Die 
Münchener Skiwettläufe, die zu den hervorragendsten sportlichep 
Ereignissen im bayerischen Hochland zählen, finden am 20. und 
21. Januar ds. Js. am Sudelfeld bei Bayrischzell statt, einem 
für den Skilauf vorzüglich geeigneten Gelände. Sie umfassen 
Junioren-, Senioren-, Damen-, Hindernis- und Sprungläufe. Zu 
den Veranstaltungen werden durch das Amtliche Bayerische 
Reisebureau München für die Hin- und Rückfahrt SonderzOge 
zur Abfertigung gelangen. 


Besondere Eisenbahnwagen für den Winter¬ 
sportverkehr. Nach den Bestimmungen des Deutscheu 
Eisenbahn-Personen- und Gepäcktarifs können Schneeschuhe 
und Rodelschlitten als Handgepäck in die Personenwagen mit¬ 
genommen werden, wenn eine Belästigung der Reisenden und 
eine Beschmutzung der Wagensitze ausgeschlossen ist. Von 
diesem Recht wurde natürlich seitens der Wintersportler aus¬ 
giebig Gebrauch gemacht, so dass sich doch das mitreisendo, 
nicht sporttreibende Publikum oft durch die Sportgeräte belästigt 
fühlte. Um beiden Arten Reisenden entgegenzukommen, ssh 
sich die Verwaltung der Kgl. Sächsischen Staatseisenbahnen 
gezwungen, besonders eingerichtete Wintersportwagen zu baubn, 
zumal der Wintersport innerhalb ihres Gebietes, im Erzgebirge 
und im Zittauer Gebirge, einen ganz gewaltigen Aufschwung 
genommen hatte. Die neuen Wagen, von denen ein Modell in 
Nr. I, II. Jahrg., der Zeitschrift „Deutschland** veröffentlicht 
wurde, unterscheiden sich von den gewöhnlichen vorzugsweise da¬ 
durch, dass an den Aussenseiten Schneeschuhbehälter angcbrac)^ 









Nr. 13 BaQQooQQQOoaa a aaGQaoQQOQQora i DEUTSCHLAND i Beeeeeeeeeee e eeeeeeeeeeee eeffli 057 


worden sind. Ausserdem sind die Bänke derart in die Wagen 
eingebaut, dass ein Rodelschlitten unter dem Sitze Platz finden 
kann. Nach Mitteilungen der Kgl. Generaldirektion der Sächsi¬ 
schen Staatseisenbahnen ist eine Anzahl dieser Wintersport¬ 
wagen schon vor Weihnachten in den Dienst gestellt worden, 
und zwar auf den Strecken Hainsberg-Kipsdorf, Mügeln bei 
Pima-Geising-Altenberg, Grünstädtel-Oberrittersg^n, Cranzahl- 
Oberwiesenthal und Zittau-Oybin. 

Johann ge orgensta dt. Seit dem a. Weihnachtsfeiertage 
herrscht auch in unserer Stadt ein sehr starker Verkehr von 
Wintersportlern und Touristen, 
so dass die Hotels und Privat- 
log^s voll besetzt waren und noch 
sind. Vom 27. Dezember 1911 bis 
z. Januar igia hielt der hiesige 
Wintersport-Verein seinen all¬ 
jährlichen Skikursus mit 80 
Teilnehmern ab, während vom 
z. bis 6. Januar der Skikursus 
des Akademischen Sportklubs 
Leipzig mit zoo Teilnehmern und 
vom a. bis 6. Januar der Ski¬ 
kursus der Königlichen Bezirks¬ 
schulinspektion Schwarzenberg 
für die Lehrer aus ihrem Bezirke 
mit 45 Teilnehmern stattfand. 

Sämtliche Kurse waren trotz 
des manchmal nicht günstigen 
Wetters doch ausserordentlich 
gut besucht. Unter den Teil¬ 
nehmern am ersten Kursus be¬ 
fanden sich auch Volksschüler 
und -Schülerinnen aus Dresden 
unter Führung des Herrn Lehrers 
Artur Viehweg (Vorsitzender des Zentralausschusses für Ferien¬ 
wanderungen der Volksschuljugend), sowie Feldwebel und Unter¬ 
offiziere des zo. K. S. Infanterie-Regiments Nr. Z34 aus Plauen. 
Die Schüler und das Militär fanden freundliche Aufnahme in 
hiesigen Bürgerquartieren. — Aus allen Veranstaltungen hat 
man zur Genüge erkannt, dass der den Körper stärkende und 
erfrischende Wintersport immer mehr Aufnahme in den weitesten 
Kreisen der Bevölkerung gefunden hat. Selbst aus weiter 
Ferne hatten sich Teilnehmer zum ersten Male in unserer 
Stadt eingefunden. 

Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

Rheinischer Goethe-Verein für Festspiele in 
Düsseldorf. In der Hauptversammlung wurde durch den 
Vorsitzenden, Oberpräsident Freiherrn von Rheinbaben, mit¬ 
geteilt, dass der Vorstand der Versammlung vorschlage, auf 
den geschlossenen Shakespeare-Zyklus eine geschlossene Dar¬ 
stellung Schillerscher Werke folgen zu lassen. Man habe auch 
eine geschlossene Vorführung Hebbelscher Werke geplant, 
aber geglaubt, damit dem Publikum eine zu schwere Kost zu¬ 
zumuten. Bei dem Shakespeare-Programm habe Ernst mit 
Scherz abgewechselt, das sei bei einem Hebbel-Zyklus nicht 
angängig. Ueberdies falle auf das Jahr 1913 der hundertjährige 
Geburtstag Hebbels, und deshalb habe man die Vorführung 
Hebbelscher mit einer Kombination anderer klassischer Werke 
für das Jahr 19Z3 zurückgestellt. Zu der Darbietung Schiller¬ 
scher Stücke habe man anlässlich des zoojährigen Todestages 
Kleists in diesem Jahre zwei Stücke dieses Dichters hinzu¬ 
genommen. Es sollen aufgefUhrt werden je dreimal: Schillers 
„W a 11 e n s t e i n** an zwei aufeinanderfolgenden Abenden 
(z. Abend: „Wall ensteins Lager** und „Die Piccolo¬ 
mini**; a. Abend: „Wallensteins To d**), ferner „Turandot** 
von Schiller und „Der zerbrochene Krug** von Kleist 
(zusammen an je einem Abend), „Diejungfrau von Orlean s**, 
endlich ausser Abonnement einmal „Maria Stuart** von 
Schiller, als Schülervorstellung und als Volks Vorstellung zwei¬ 
mal „Der Prinz von Homburg** von Kleist. Falls eine 
Schülervorstellung sich nicht als ausreichend erweise, soll eine 
zweite veranstaltet und das gleiche Stück gegeben werden. Die 
Versammlung stimmte diesem Programm anerkennend zu, was 
der Herr Vorsitzende dankend konstatierte. Als Spielzeit 
sind die Tage von Samstag, den 22. Juni, bis eventl. Freitag, 
den za. Juli zgza, in Aussicht genommen. 

Rheinischer Städtetag. Der am 30. Dezember zgn 
in Köln imter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters Wallraf 
versammelte Vorstand des Rheinischen Städtetages wählte zum 
stellvertretenden Vorsitzenden den Oberbürgermeister v. Bruch¬ 
hausen (Trier) und zum Mitglied des Vorstandes den Bürger¬ 


meister Schroeter (Bergisch-Gladbach). Als Ort der diesjährigen 
voraussichtlich im Monat Juni stattfindenden Tagung des 
Rheinischen Städtetages wurde Saarbrücken gewählt. 

vj. Deutsches Bundes- und Jubiläumsschiessen 
in Frankfurt a. M. Wie das Komitee für des vj, deutsche 
Bundes- und Jubiläumsschiessen mitteilt, hat Prinz Heinrich 
von Preussen das Protektorat übernommen. Das Schiessen 
findet vom Z4.—az. Juli statt. 

Bei der grossen Antwerpener Festfeier aus Anlass 
des 25 jährigen Bestehens des Norddeutschen Lloyd 

daselbst, der vor 25 Jahren An t- 
werpen zum Anlauf hafen seiner 
Reichspostdampfer bestimmte, 
redete der belgischeMinister- 
präsident in längerer Rede 
auf den Norddeutschen Lloyd 
und den deutschen General¬ 
konsul V. Bary, dessen Ver¬ 
dienste um die Hebung des Ant¬ 
werpener Schiffsverkehrs und 
um die Schaffung günstiger 
Exportgelegenheiten für Handel 
und Industrie er mit lebhafter 
Anerkennung hervorhob. 

Der 33. Balneologen- 
Kongress, der vom 7. bis 
zz. März zgza in Berlin tagt, wird 
an seinem ersten Sitzungstage 
die physikalische und diätetische 
Behandlung der Herz- und Ge- 
fässkrankheiten zum Gegenstand 
seiner Besprechung machen. 
Ueber die Bäderbehandlung der 
genannten Krankheiten wird 
referieren Professor G r o e d e 1 (Nauheim), über die Klimato- 
therapie Professor Determann (St. Blasien), über die physi¬ 
kalische Behandlung Geheimrat Brieger (Berlin) und über die 
Diät Professor H. Strauss (Berlin). 

9.—Z3. April 191a: In Giessen Kongress für Familienforschung, 
Vererbungslehre und Rassenhygiene. 

Juni Z9Z2: In Frankfurt a. M. 5. Kongress der Vereine 
deutscher Handelsagenten. 

Bäder und Sommerfrischen. 

40. Schlesischer Bädertag. 

Unter zahlreicher Beteiligung fand in Breslau der 
Schlesische Bädertag statt. Ueber Beseitigung des Staubes 
sprach .Sanitätsrat Dr. Siebelt (Bad Flinsberg). Redner führte 
u. a. aus: Die Quelle des Staubes sei die Strasse mit ihrem 
Verkehr, von ihr stamme auch der Hauptteil des Wohnungs¬ 
staubes. Die alten und neuen Verfahren der Staubbeseitigung 
auf der Strasse, wie Wasserbesprengung, Oelung, Teerung, 
Behandlung mit Apokonin, wurden kritisch beleuchtet. Letztere 
scheine in Verbindung mit Verwendung von gutem Pflasterungs¬ 
material vorläufig das beste zu sein, was geboten würde. Der 
Staub in den Wohnungen würde durch das bisher übliche 
Klopfen, Bürsten und Wischen zum grössten Teile nur zu 
einer Ortsveränderung gezwungen, nicht aber entfernt. Die 
Entstaubungsverfahren, die mit Pressluft arbeiten, wurden be¬ 
sprochen und empfohlen, zumal sie durch geräuschlosen 
Betrieb auch dem Ruhebedürfnis Rechnung trügen. Dann 
sprach Dr. phil. Wagner (Bad Salzbrunn) über Quellen¬ 
beobachtungen. Beiträge zu den Grundlagen moderner 
Quellfassungen gab der durch seine Fassungsarbeiten in 
Ems, Fachingen, Bad Salzbrunn und anderen Orten bekannte 
Ingenieur Scher rer. Einen sehr zeitgemässen Gegenstand 
behandelte dann Sanitätsrat Dr. Sieb eit (Bad Flinsberg) in 
einer wirtschaftlichen, kulturellen und hygienischen Betrachtung 
über Wintersport und Winterkuren. Jeder Sport, auch 
der Wintersport, biete einen Ausgleich gegen allerlei Schädigungen, 
die das Leben des Tages in seiner heutigen überhasteten Form 
mit sich bringe. Durch ihn würden die Tugenden gefördert, 
für welche sonst die lange Friedenszeit wenig Gelegenheit zur 
Uebung böte: Mut, Unerschrockenheit, Umsicht, Verachtung 
von Gefahren. Wirtschaftlich sei er wertvoll, weil er in der 
sonst stillen Zeit im Gebirge Verkehr und Geldumlauf schaffe. 
Da aber in Sportdingen ebenso wie in vielen anderen Sachen 
die Mode herrsche, sollten wir auch die Winterkuren nicht aus 
den Augen verlieren und alle Bedingungen zu erfüllen suchen, 
die uns Gäste zu längerem Aufenthalte zuführen könnten. Der 
Sport könne leicht diesem Zwecke untertan gemacht und förder¬ 
lich gestaltet werden. Hierauf trat die Tagesordnung in praktisch¬ 
wichtige Fragen ein, von denen zunächst die Haftung des 


Das Äbonnemeni 

auf die Zeilschrifi „DEUTSCHLAND“ 

kann mii jeder Hammer begonnen and darch 
die Post oder den Bacbhandel bezogen werden. 

— Einzelne Frobenammern (mii zahlreichen 
künstlerischen Jllaslralionen) werden gegen 
Einsendang von 40 Pfennig in Brielmarken 
darch den Verlag (Düsseldorf, Postfach 444) 
portofrei versandt. 





658 B DQQQOOOOQGQGOQoooG B QQOQQQQQ ffli DEUTSCHLAND ■ Beoeoooocoe e eoeeeoooeoooee i 


Logierhausbesitxers und der Badeverwaltungen 
fttr die durch Diebstahl und Feuer ihren Gästen 
entstandenen Verluste sehr interessierte. Bürgermeister 
Assessor a. D. Je gl in sky (Landeck) gab eine sehr ausführliche 
rechtliche Beleuchtung dieser verwickelten Frage. Weiter folgte 
eine Erörterung über Auskunftsdienst und Wohnungs¬ 
nachweis im Kurort durch Dr. Hermann (Landeck). Ueber 
die Fortschritte der Bahnverbindungen der schlesischen 
Bäder berichtete Dr. Lach mann (Landeck). Sehr bewährt 
habe sich die Einführung alljährlicher Besprechungen zwischen 
den Vertretern der Königlichen Eisenbahndirektion Breslau und 
solchen der Badeorte. 

Zur Nachahmung empfohlen! Aus dem Ostseebad 
Binz geht uns zu den in Berliner und anderen Zeitungen 
enthaltenen Meldungen: „Verschandelung des Ostsee¬ 
strandbildes*' folgende Erklärung zu: Trotzdem sich fast 
alle grösseren Ostseebäder der hannoverschen Reklamefirma 
gegenüber verpflichtet haben sollen, die Strandkorb-Re¬ 
klame einzurühren, hat die Badedirektion in Rücksicht auf die 
unästhetische Wirkung auf jeden normal empfindenden Menschen 
durch vorgenannten Reklameunfug, im Interesse der Gäste, 
zugleich im Sinne des Heimatschutzes, die Einführung für 
Seebad Binz strikte abgelehnt. 


Verkehrs - Propaganda. 

Auf den Hauptversammlungen des Bundes Deutscher 
Verkehrs-Vereine, auf den Tagungen der Landesverbände 
und Ortsvereine, in ihren Jahresberichten und in den Spalten der 
Bundeszeitschrift „Deutschland“ wird dem Abschnitt Propa¬ 
ganda stets ein breiter Spielraum eingeräumt. Von dem 
grossen Wert der Reklame ist man in diesen Kreisen ebenso 
überzeugt, wie von der Tatsache, dass kaum auf einem anderen 
Gebiete so viel Aufwendungen an Geld und Arbeit unsach- 
gemäss verwendet werden, als auf dem Gebiet der Reklame. 

Die Ursache ist sehr leicht zu ergründen. Die Entwicklung 
der Verkehrs-Vereine liegt mit wenigen Ausnahmen in den letzten 
lo bis 20 Jahren. Ihr Aufschwung geht Hand in Hand mit der 
Entwicklung des Verkehrs- und Städtewesens, mit der Zunahme 
des Volksvermögens und der damit zusammenhängenden 
grösseren Neigung zum Wandern und Reisen. In einem Zeitalter 
solch ungeahnter Entwicklung wurden die Verkehrs -Vereine 
geboren. Es bestanden zwar schon lange städtische Ver¬ 
kehrs -Ausschüsse, deren Tätigkeit aber in erster Linie 
der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse galt, ein Arbeitsfeld, 
das ausserdem von unseren Handelskammern sehr eingehend 
bearbeitet wird. Eine eigentliche Werbetätigkeit zur Heran¬ 
ziehung des Fremdenverkehrs und die Benutzung von Reklame¬ 
mitteln, um auf die Sehenswürdigkeiten, Annehmlichkeiten und 
landschaftlichen Schönheiten, kurz auf die besonderen Vor¬ 
züge einzelner Städte oder Gebiete hinzuweisen, war den 
Verkehrs-Vereinen Vorbehalten. Sie haben sich dieser 
Aufgabe mit grossem Eifer unterzogen und häufig mit unzu¬ 
länglichen Mitteln vieles erreicht. Ihr Verdienst ist um so 
höher anzuschlagen, als ihnen eine von mancher Seite entgegon- 
gestellte Verständnislosigkeit den Weg erschwerte; heute wird 
allerdings die Bedeutung des Fremdenverkehrs in wirtschaftlicher 
Hinsicht in höherem Masse gewürdigt. 

Aber noch fast schneller wie die Entwicklung der Verkehrs- 
Vereine hat sich die Reklame selber zu einem mächtigen 
und unentbehrlichen Faktor entfaltet, dessen viel verzweigtes 
Gebiet ein regelrechtes Sonderstudium erheischt. So ausser¬ 


ordentlich grossen Nutzen eine geschickt durchgeführte Reklame 
dem öffentlichen Leben erweisen kann, so nachteilig kann sie bei 
nicht sachgemässer Anwendung wirken. Je mehr aber die Reklame 
an Ausdehnung gewinnt, desto schwerwiegender ist die Fraget 
wie man am zweckmässigsten inseriert. Es ist deshalb nur allatl 
beg^reiflich, dass grosse Unternehmungen, die eine umfang^reiche' 
Reklame betreiben müssen, seien es nun geschäftliche oder 
industrielle Unternehmungen, Stadt- oder Badeverwaltung^eOt 
Verkehrs-Verein? usw. immer mehr dazu übergehen, besondere 
Reklame-Abteilun ;en zu errichten oder sachverständige Berater 
mit der Ausführung der Propaganda zu betrauen. Auch die. 
Art der Reklame-Mittel und bei diesen verschiedenartigen Mitteln ‘ 
wiederum die äussere Form wird immer mannigfaltiger. Werfen 
wir nur einen Blick in die Tageszeitungen und Zeitschrifteut 
deren Anzeigenteil von den Ankündigungen vor etwa ao Jahren 
gewaltig abweicht. 

Hier wird uns eine Form der Anzeigen auffallen, die erst 
in allerjüngster Zeit in stärkerem Masse Anwendung findet: 




c . 


4 

5 


das Sammelinserat. 


Diese Art der Reklame eignet sich zwar nicht für alle Ankün¬ 
digungen, namentlich wird sie bei Geschäftsanzeigen kaum 
durchführbai sein. Dagegen ist das Sammelinserat für die 
Verkehrs-, Städte- und Bäder-Reklame von nicht au 
unterschätzender Bedeutung, ja, man könnte wohl behaupten: 
die beste Form des Inserats. Die Vorteile, die das Sammel¬ 
inserat bietet, bestehen zunächst in dem grossen wirtschaftlichen 
Gewinn, der sich aus dem gemeinsamen Vorgehen ergibt, 
indem sich die Unkosten auf verschiedene Schultern verteilen. 
Vor allem wird aber eine Zersplitterung von Geld, Zeit 
und Arbeit vermieden, die bisher stellenweise recht bedauer¬ 
liche Erscheinungen annahm, während gerade bei Empfehlunga- 
anzeigen von Städten, Kur- und Badeorten sich die einzelnen In¬ 
teressentengruppen in durchaus wirksamer Weise ergänzen können, 
wie manche Beispiele in der Zeitschrift „Deutschland“ recht 
markant zeigen. So wird z. B. ein wirkungsvoller, allgemeiner 
Kopf des Sammelinserates mit wuchtiger Schlagzeile vielfach 
von den Stadtverwaltungen und Verkehrs-Vereinen gemeinsam 
aufgestellt, während sich die sonstigen Interessenten, wie Kur¬ 
verwaltungen, Hoteliers, Verkehrsanstalten, Geschäfts- und 
Gewerbetreibenden anschliessen und nach Massgabe des von 
ihnen beanspruchten Raumes sich an den Gesamtunkosten der 
Sammelanzeige beteiligen. Auf diese Weise wird ein in 
der Wirkung entschieden wertvolleres Inserat 
erzielt, obwohl der einzelne daran Beteiligte weniger Mittel auf¬ 
zuwenden hat. Empfiehlt sich namentlich eine solche Art’ der 
Insertion für einzelne Orte zur Ankündigung in deutschen 
Zeitungen und Zeitschriften, so dürften weiterhin für die 
grösseren Verbände und eventl. auch geschlossen für daa 
ganze Reich besonders Sammelinserate grossen Stfla 
für das Ausland in Betracht kommen. Es ist deshalb au 
begrüssen, dass der Bund Deutscher Ve r kehr s-Vereine 
gegenwärtig bemüht ist, die Führung für eine solche wirkungs¬ 
volle Gesamtreklame im Ausland zu übernehmen und alle 
hierbei in Betracht kommenden Kräfte zur Durchführung eines 
grossen einheitlichen Planes zu sammeln. Jedenfalls bietet 
sich hier dem Bund und den Bundesvereinen noch ein sehr 
weites und dankbares Arbeitsfeld. Nach mancher Richtung wird 
die Verkehrs-Propaganda neue Wege zu gehen haben, bei 
der Bund und Bundeszeitschrift wertvolle Aufklärungsarbeit 
leisten können. (Es dürfte sich empfehlen, wenn die inter¬ 
essierten Kreise sich jetzt schon mit dem Bund in Verbindung 
setzen. D. Red.) ---r. 


4 


/ " A 

BERUM HRMBÜRQ 

HOTEL ETPLAHADE 

Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 






Ni.l5 gB QCOXaCOOQQOQQOQOQQO QOQO O ei DEUTSCHLAND 


659 


Ausstellungen. Deutschland und das Ausland. 


Die Frühjahrsausstellung Düsseldorfer Künstle r 
des Vereins zur Veranstaltung von Kunstausstellungen ist für 
die Zeit vom 3. März bis 14. April im städtischen Kunstpalast 
am Kaiser-Wilhelm-Park festgesetzt. 

Die Wintersport-Ausstellung Karlsruhe. Die 
Ausstellung soll in erster Linie ein Bild von dem Stand der 
einheimischen Wintersportindustrie geben, sodann neben der 
Hebung des Absatzes der einheimischen Erzeugnisse auch an¬ 
regend und belehrend wirken. Was für die Ausstellung zu 
leisten war, ist geschehen, und man darf erwarten, dass sie 
während ihres zweimonatlichen Bestehens — EndeFebruar wird 
sie ihre Tore schliessen — in vielen Beschauern Freude und 
zugleich Sehnsucht nach der eigenen Ausübung des Winter¬ 
sports wachruft. Am vollkommensten ist bei dieser Aus¬ 
stellung der Ski vertreten. Ein Vergleich mit dem Ausland 
führt zu der erfreulichen Tatsache, dass unsere einheimischen 
Erzeugnisse mit den besten ausländischen Fabrikaten erfolgreich 
konkurrieren können. Namentlich die kleineren Gewerbetreiben¬ 
den im Schwarzwald haben prächtige Hölzer angefertigt. Für 
die Rodelsportfreunde sind von dem einfachsten Kinder¬ 
rodel bis zu dem mit allem Raffinement gearbeiteten Rodel 
mit Lenk- und Bremsvorrichtung alle Systeme vertreten. Auch 
der Bobsleigh ist vertreten. Der Schlittschuhsport kommt 
in einer Sammlung der verschiedenartigsten Systeme vollständig 
zur Geltung. Die Ausstellung enthält dann weiter Sportbe¬ 
kleidung, bei welcher die einfarbigen Stoffe stark in den 
Vordergrund treten, Ausrüstungsgegenstände und Fussbekleidung. 
Auch hier ist alles reichhaltig und übersichtlich. Um der Aus¬ 
stellung einen schönen ansprechenden Rahmen zu geben, wurden 
auch Photographien von Wintersportplätzen, historisch 
interessante Sportgeräte usw. zur Ausstellung zugezogen. Mit 
zu den besten und interessantesten gehört die Kollektivaus¬ 
stellung des Ski- und Rodelklubs Triberg. Mit staunens¬ 
wertem Fleiss ist hier eine Sammlung von Geräten aus den 
Anfängen des Skilaufs und Rodeins im Schwarzwald zusammen¬ 
getragen. Ferner haben Ausstellungsgegenstände beigesteuert 
der Akad. Skiklub Karlsruhe und der Skiklub Schönwald. 
Erwähnt man noch, dass die Wintersportliteratur der 
letzten 15 Jahre fast lückenlos vertreten ist und der Landes¬ 
verband zur Hebung des Fremdenverkehrs zahlreiche Prospekte 
von badischen Wintersportplätzen aufgelegt hat, so ist in kurzen 
Umrissen ein Bild der Ausstellung gegeben. Der Veranstalterin, 
dem Grossh. Landesgewerbeamt, dessen Bereitwilligkeit sogar 
so weit geht, dass es einige norwegische Skier ankauft und 
dieselben den bad. Gewerbetreibenden als Modell kostenlos zur 
Verfügung stellt, kann man nicht genug für die Schaffung 
dieser Sonderausstellung danken, die ihre Anziehungskraft nicht 
verfehlen wird und dazu beitragen dürfte, den guten Ruf der 
einheimischen Wintersportindustrie über die Grenzen unserer 
Heimat hinauszutragen und zu verbreiten. 

Januar 1912: In Danzig Neuere Gemälde, Studien und Radie¬ 
rungen von Professor Fritz A. Pfuhle, Arthur Bendrat und 
Berthold Hellingrath. 

Februar 1912: In D a n z i g Graphische Arbeiten moderner Künstler. 
März 19x2: Hand Webereien, verbunden mit Vorführungen der 
Technik. 

3.—14. April 1912: In Berlin Aviatische Ausstellung, veranstaltet 
vom Kaiserlichen Automobilklub, vom Kaiserlichen Aeroklub 
und vom Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller. 

9.— XI. Juni X912: In Harzburg Landwirtschaftliche Wander- 
Ausstellung. 

Juli 19x2: ln Düsseldorf Städtebau-Ausstellung im Kunstpalast. 
1912: In Oberhausen Westdeutsche Gewerbe- und Industrie- 
Ausstellung. 

Der Sonderbund in Köln. Die Verhandlungen des 
Sonderbundes westdeutscher Künstler und Kunstfreunde mit 
der Stadt Köln wegen der Ueberlassung eines Ausstellungs¬ 
raums sind nunmehr zum Abschluss gelangt. Die Stadt Köln wird 
eine grosse Ausste 11 ungshal 1 e (die frühere Halle der deut¬ 
schen Kultus-Abteilung in Brüssel) am Aachener Platz errichten 
und sie für die Monate Juni bis Oktober 19x2 dem Sonderbund 
überlassen, der darin eine grosse internationale Kunstausstellung 
veranstalten wird und für die Ausstattung der Räume zu diesem 
Zweck noch eine besondere städtische Beihilfe von 25000 Mk. 
erhält. 

Wettbewerb. Die Stadt Augsburg hat einen Wettbewerb 
unter den in Deutschland ansässigen Architekten erlassen zur Er¬ 
langung von Entwürfen für einen Saal - und Konzerthallen¬ 
bau der Stadt Augsburg, dessen Bauwert auf Y2 
I MUlion Mark geschätzt wird. Die Entwürfe sind bis zum 
I. Mai 1912 einzureichen. Es sind drei Preise, zu 5000 Mk., 
3000 Mk. und (bei mehr als 10 Arbeiten) 2000 Mk. ausgesetzt. 
Einzelne Entwürfe werden gegebenenfalls zu 1000 Mk. angekauft. 


Deutsche Kurse für Ausländer in Berlin. 

Das Böttinger-Studienhaus in Berlin, das Aus¬ 
ländem Gelegenheit geben will, deutsche Sprache und Kultur 
kennen zu lernen, veranstaltet im Jahre 1912 sechs Kurse, je 
einen achtwöchigen Kursus vom 8. Januar, 13. Mai und 2X. Oktober 
ab und je einen vierwöchigen Ferienkursus vom ix. April bis 
8. Mai, im Juli und August. In dem Kursus vom 8. Januar bis 2. März 
werden Vorträge gehalten werden über Goethes und Schillers 
Dramen, neuere deutsche Romantik, das moderne Deutschland 
(wirtschaftsgescbichtlich und wirtschaftsgeographisch), deutsches 
Leben und deutsche Einrichtunngen, philosophische Grundlagen 
der neueren deutschen Literatur; ferner werden Uebungen im 
Vortrage deutscher Dichtungen veranstaltet. In jedem Kursus 
finden ausser Vortragszyklen aus dem Gebiete der deutschen 
Literatur und Kultur reichliche Uebungen im mündlichen und 
schriftlichen Gebrauch der deutschen Sprache in kleinen Ab¬ 
teilungen statt, und unter sachgemässer Führung lernen die 
Ausländer die Hauptsehenswürdigkeiten Berlins und seiner Um¬ 
gebung, das öffentliche deutsche Leben und deutsche Gesellig¬ 
keit kennen. In den Ferienkursen im Juli und August werden 
mit Rücksicht auf die zu erwartende Beteiligung aus Lehrer¬ 
kreisen auch pädagogische Themen behandelt werden. Ueber 
den Besuch des Kursus wird eine Bescheinigung ausgestellt; 
auch können sich die Teilnehmer auf Grund einer Prüfung ein 
Zeugnis erwerben. Die Gebühren für einen achtwöebigen Kursus 
betragen xxo Mk., die für einen vierwöchigen Ferienkursus 70 Mk. 
Aufgenommen wird jeder Ausländer, ohne Unterschied des Ge¬ 
schlechts und Alters, wenn seine Schulbildung der Leitung die 
Gewähr für einen erfolgreichen Besuch der Anstalt bietet. Als 
Ausweispapiere gelten Schulzeugnisse und Pass oder eine andere 
amtliche Legitimation. Alle Anfragen über Ausländer-Kurse 
sind zu richten an das Bureau des Böttinger-Studienhauses, 
Berlin NW 7, Universitätssir. 8. Von dort sind auch ausführliche 
Programme und ein genauer Bericht über den ersten Kursus 
(vom 16. Oktober bis 9. Dezember X911) unentgeltlich zu beziehen. 
Die Anmeldungen zu den einzelnen Kursen sollten, wenn mög¬ 
lich, stets spätestens 14 Tage vor Beginn erfolgen, da die Teil- 
nehmerzahl beschränkt ist. Die Ferienkurse werden nur bei 
genügender TeUnehmcrzahl stattfinden. Das Kuratorium des 
Böttinger-Studienhauses besteht u. a. aus Vertretern des preussi- 
schen Kultusministeriums, dem derzeitigen Rektor der Universität 
Berlin, Prof. Dr. Max Lenz, und den ordentlichen Professoren 
der Berliner Universität Erich Schmidt, Hermann Diels, Alois 
Brandl. Das Lehrpersonal besteht aus dem Direktor Prof. Dr. 
Wilhelm Paszkowski, Dozenten der Universität und Oberlehrern 
höherer Lehranstalten. 

Der Verein für das Deutschtum im Ausland 
und die deutschen Katholiken. 

Der Verein für das Deutschtum im Ausland stösst bei seiner 
Werbearbeit immer noch hier und da in katholischen Kreisen 
auf ein gewisses Misstrauen, als Hesse er sich in seiner vater¬ 
ländischen Schutzarbeit am Auslandsdeutschtum von kirchlichen 
und konfessionellen Unterschieden beeinflussen. Vor diesem 
Misstrauen sollte ihn schon die Tatsache allein schützen, dass 

Patent 
Aquadent 

Wasserdiohte 

Ideal-Bekleidung 

für Ski-liüufer n. jeden Sport 

Absolut Schnee- nnd wssserdieht unter vollstaudiger Beibehsltiing 
der natürlicben PerSsiUt. — Keine finmml-, Oel- oder sonstige liift- 

nndnrehlftssige Einlage. 

C^länzend bewährt 

Ferd. Jacob in Köln 50 

üfeamarkt as 

Auch warme, wasserdichte Schlafsäcke. 










® DEUTSCHLAND 


! Nr. 13 


der grössere Teil seiner Hilfsmittel seit nunmehr 30 Jahren 
deutschen Schulen und Kindergärten in Deutsch-Oesterreich, ins¬ 
besondere Böhmen, Mähren und Schlesien, sowie Südtirol zu¬ 
geflossen ist, von denen gewiss go Prozent und mehr katholisch 
sind, und dass gerade auf seinem Südtiroler Arbeitsfelde 
katholische deutsche Geistliche seine treuen Mitarbeiter, zum 
Teil direkt seine Vertrauensmänner sind. Immerhin ist es im 
Dienste einer ungehemmten Werbekraft dieser so überaus 
segensreich wirkenden vaterländischen Vereinigung zu begrüssen, 
dass in letzter Zeit die Tätigkeit des Vereins mehrfach auch 
von führender katholischer Seite unumwunden Anerkennung 
gefunden hat. So wurde der Verein bei seiner 30 jährigen 
Jubelfeier in Coblenz in gleich warmer Weise vom evangelischen 
Oberkirchenrat in Berlin wie von einem Vertreter des Bischofs 
von Trier begrüsst. Eine ausdrückliche Betonung der paritäti¬ 
schen Stellung des Vereins und seiner freudigen Hilfsbereit¬ 
schaft auch gegenüber den deutschen Katholiken im Auslande 
findet sich in dem Aufsatze: „Das katholische Deutschtum im 
Ausland**, den der Vorsitzende des grossen Caritasverbandes 
für das katholische Deutschland, der Prälat Monsignore D. 
Werthmann aus Freiburg i. B., in dem Jahrbuch des Caritas¬ 
verbandes über das Jahr igii veröfifentlisht hat. Er nennt dort 
in der Einleitung unter den am Auslanddeutschtum arbeitenden 
Vereinen an erster Stelle den „interkonfessionellen Verein 
für das Deutschtum im Ausland, besonders seine eifrige Ham¬ 
burger Ortsgruppe** und schreibt an einer späteren Stelle des 
Geschäftsberichts: „Aufrichtige Freude hat es uns bereitet, den 
bereits verschollenen deutschen Katholiken auf Jamaika zu Hilfe 
kommen zu können. Auch hier müssen wir rühmend 
hervorheben, dass der Verein für das Deutschtum 
im Ausland unsere Aktion lebhaft unterstützte.** 
Der Verein für das Deutschtum im Ausland sieht mit Recht in 
dem Zusammenwirken aller Deutschen für die Brüder im Ausland 
ohne Unterschied von Konfession und Partei ein besonders 
wichtiges vaterländisches Moment seiner Arbeit. 

Verschiedenes. 

Der Kölner Rosenmontagszug. Um eine künst- 
1 erisehe Umgestaltung des Rosenmontagszuges herbeizuführen 


und das Interesse weiterer Kreise für diese Veranstaltung zu 
wecken, sowie für die Aufbringung grösserer Geldmittel zu 
sorgen, [hatte der Kölner Verkehrs-Verein im Monat 
Dezember eine Versammlung in den Gürzenichsaal einbeirufpn, 
in der die Gründung eines Bürgerausschusses angeregt wurde, 
der von einem Vertreter der Stadt geleitet werden und in den 
je ein Vertreter der 34 Vereine abgesandt werden soll. 

-> " 

Vom neuen Leipziger Stadtgeschichtlich pn 
Museum. Die Eröffnung des Stadtgeschichtlichen Museums, in 
seiner jetzigen Ausgestaltung eine Schöpfung des Museums¬ 
direktors Dr. Kur zwei ly, ist nun vor kurzem in den oberen 
Räumen des alten Rathauses erfolgt. Alle Bestände, die das 
Museum heute in sorgfältiger Ordnung zusammenfasst, waren 
noch bis zum Jahre 1909 weitum zerstreut. Der grösste Teil 
der Altertümer befand sich jahrzehntelang in Händen eines z868 
gegründeten Vereins für die Geschichte Leipzigs, bis er in dem 
Jahre 1909 Eigentum der Stadt wurde. Um diese Zeit begann 
Dr. Kurzwelly mit der Neuordnung des Materials; aus Privat¬ 
besitz und öffentlichen Instituten kamen noch interessante Stücke 
zutage, die einer erfreulichen Ergänzung der Sammlungen dienen 
konnten. 

Naturdenkmalpflege. Alljährlich pflegen die Geschäfts¬ 
führer der verschiedenen Provinzial- und Bezirkskomitees für 
Naturdenkmalpflege zu einer Sitzung in Berlin zusammen¬ 
zukommen. Die vierte fand am 9. Dezember 1911 im grossen 
Saale der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege, im alten^ 
Botanischen Museum, unter dem Vorsitze des staatlichen 
Kommissars, Herrn Geheimen Regierungsrats Professor Dr. 
Conwentz, statt. 33 Vertreter waren erschienen. Die baye¬ 
rische Regierung hatte den Regierungsrat Dr. Reubold, das 
Kammergericht den Kammergerichtsiat Boye, das Kultus¬ 
ministerium Professor Dr. Krüss abgeordnet. — Nach all¬ 
gemeinen Mitteilungen des Kommissars und der Vorlage der 
neuerschienenen Literatur hielt Professor Dr. Eckstein von 
der Forstakademie in Eberswalde einen Vortrag: „Die Er¬ 
hebungen der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege Uber 
das Vorkommen des schwarzen Storches und des Fischreihers 
in Preussen, nach Methode, Ziel und Ergebnis**. Assessor 
Dr. Rudorff sprach „Ueber gesetzliche Massnahmen zum 


T(au!afu 0 ' 

vom 2$. Bprii 

mit dem !>oppeir<^raubendompfec 

no^ dem dfllic^entnitteimeer, 
dem e^morjen tlteec und 
♦ ♦ ♦ ♦ dem Kautorup ❖ ♦ ♦ ♦ 
Seginn und Cnde det $o^tt in Oenua 

Prelfe pon tllort $00.- an 

|lu0Funft erteilen 

ifloird örotnoti 

und feine Vertretungen 


S.Adam,BerlinW. 

Leipzigerstr. 27/28 = Ecke Friedrichstr. 

























mis Deutschland ise^eeeeeeeseeee^eeeeefeaee^ 6oi 


vT 


ScbGU« VOo. TWea und Br. 

übet ■.äi«v:^iOfg(ft^i^B^ion dep- .Watdt-d^ukin«liiflege' tft -V ■ 

Dr. «weitst ypraitiender des Veteiiur jfeuj» - 

Scbutxe dttT Vogeä p o 4 Pf. p * c * Miurbeiter der iSltäitt* 

lieben Stejle iür Nianitd!?;cikmijfpfle^, epr^t^hen Über ü Deo 
wurf ne'ü^ti pteTäfc^iicbcw Fi^cbereige&mÄ^^ cm Xkbte der 
N»turdcnkmäipfiege%v s &df der Tajr&sordnüne die 

Besprflcüüog dtt F'rÄgebügtts. Nicb eanem ^örliegemSen 
SchetTiA «&Uea ypn deb Oei^häft^niliierti ItiventarveTxetdbTii^^ 
der Ptp^iGcbß tngefectigr vferden* Aü» den Besprt^ebuogen 
hem»rt d^sa Äiie:b ib- dksieni Jahre wledbr bedepi^nde 
Erfolge in der NatodBpk0Alpflege erhielt wnd, picht bur 
in dea ein«einen Slawen kiirbpaa, sondern aueb in den Ätiderep 
ErdteHehp uijd ftiap weper; ^etnpst in die Zukunft : HieW 

Icsuan, Bef Fürst Voa Hbüen^oll^rni selbst ein ^frjger Botanilter^L 
tuat ein klein es W wk über die T^ 4 ^ü tdenk Tpelpöe g e Im Fürs ten- 
tum Hnbenenllefn vefjj^öiiät: teiner Be'^itauoi^co 

im BöbiherwÄide tttte* dpf^bjgehe'öden an^eotdDct, 


Veber Winr»pbie* 4a Seiten Teil 
mit ti Vallbildem ^nd ftt TekfeilüBtratipnep* Von Karl |> Lntber* 
Mnnchf^a^ Yeriiig: der Ica, Ak«^ge»eHscb«^t» Bre*deb. Fret» 
3 e f'fg. in fblg* r ffpi dcö Em per bJUb entt des Wintersport«^^ 

hdehaktaf:!!« Thepi^ WipterspGrtpbQtOg^'apbib^^.^w^^ jn diesem 
^oblletlen* im TTaicbeniröiäxÄtä gehalteihen ÖÜcJiieip aum ersten 
^ale ausfübriidh behandelt. Sein Tribut, 4 ^ 
weiraster Kreise ih Anspryph aehmen/ Vt vpn einem 

Fachmannc verfass^ der anwohl aüf dem Gebiete 4 t^ winter* 
lieben Spnrtes Jeder wie öUC*h als Sportphotograpli den 
Rüf einer AatOntüt gentsäst. 

Für Saiäamler^ per ..Rllgeoscbe Oatseebäder^-Verband^' 
hat einline Serien metn^arbiger^ fetögtavierter Reklame - B t lief- 
vcrarchltEKÄmÄTken mit Anaichiep v«^n Stubbtmkämmen wä 
von Biigenbadena bidfaniSgtfgftMn Sammler erhalten kleine 
FoÄ'ibö solcher Marken . C^^ fisaouug dieser ;?eu^brift von der 
fiÄdedirekn'Ph 3 i;eböd Bini giaBs^^ 

Dka k Ä - Kursbmeh^ VcdÄ|tsg6SellÄcbatlt^^;m^ b, BtrUn 
W- a. Das Werk nnten^b«idet ^dh Vori den ilbrige^n K^urs- 
b ü ch er n d tJrch el ne -Ä»^ah£ ssbt m thtiger eue?pn gen r Di e 
wicbtigaitta Strecken äfitid na^h d&nK Aof^tigs-^ dnd Endpdbkt 
alphabetisch geütdtiet,, Änfs4^ben di&rarti^^^ Uten wird 

alvo wesentlich eTlcichtert, Mehrere Reiaewege awischen jiwei 
Orten sind uomittelbaf hiEjicfelGondcr mit entsprechenden Hinr 
Vetffen abgedfrnckt, Verbindungen zwiarcbeia weil atieein and er¬ 
liegen den OrteriT die einen lebhaften Verkehr unter sich haben* 
iind in den sogeuannten ,iDeoka*SPljineo CSeite S79 u. f) aus¬ 
führlich et lä^üiert. Die alphabetisch© Ecibcnfolge erleichtert 
dä» Aiifechlageo. Für daa Statin ns verifeicbnis gilt der Grund- 
aau: .,3lct4 den Bestimtntmgaon der Reite ÄnfauecblÄgfln.‘>. 

PauSBnhndor f Vö llcersc^'acht bei Xeipatg'l ; :^£n 
Bedenkbuch für die hubdertjiihHge Jubelfeier, Verlag von Paul 
Blst^ LrCipzig. Preis geb. Mk. j« D«* 'handlkh*, 146 Selten 
siarke Werkchtn wird ailfcn BiSÄUch^in der B^lpüiget Schlacht- 
felderp deren Zahl init , der hiev or^t eben den Vpiieftdung des 
fimtiicbeii Sane^ de« Vdlkejacbiachtdenbm:alcä 
außerordentlich waebäen wird^ höchst wiiikommeci aem, Daa- 
aef.be gibt nicht nur einen Bepichen ■baatoni^'b^^ 
üfettf di© I-cipriger Schlac hU ^deTn fijd den Besucherh 
der SchJaehtfeldß auch ein wetivplier Führer' semp Zw^ 
vnibtändig neue l^artea geben eine Oreinich© Üebcrsicbt Über 
4 i« TruppeuateUüng om 16: uTvd iSV Oktober 18*3: Oeberaua 

Trib^r^ Sehwarxw«td«Hp|e|« 

pr^öbt. EUsbÄhn^ti. ÄS#*- 

«rfra«*# EsaathobilfliklUltiL. X^blTÄUl^lUu^g^*■yekphOu^/ 'JUu^ät^ 

: :' F:r 3 äpcfet.p mt 4 m 1 ■■ 


inlftrtssaant ett ein Plan der Stadt Ijeipiflg aus dam Jahre lAij* 
Daa nach neaeateu Queüeh beaxBeitete Buch «nthSit «ueserdem 
alte «elfene Stiche. Die Abbildungen ^ihd nadi Biidem äamahger 
AüafÜhi'Uttgeo hergeatfrllb 

E j ö © hÄ u le it un g für Run dt4b pten d u r ch di © 
E#&ide ukttadt Ca.asej mil Kinbeziehü n g der 
W i I hei m 1 b b h cT P © r ka nl a h der Cassder PreEpdeo- 
Yerkehiä^ercEn %rausgegcben» Dies© Fahrteu künnert nach 
polizeilich genehm iglet Tavj? mit Pferde-und Auiömobildroschkon 
nntecamaamen werden. Der bÄodiich^ Prpape^t emhält einen 
überäichiiichcu Stadiplaut iat dem dfe betretfenden Rundfahrten 
uiebst den Hauptsebonfewutdigkelteti tinge^tichrtei aind. Die 
An Jeiru ng, die i o den Hofela and in dem V trkebtsbüi tau . aiäa- 
gegcben Wltä^ bezweckt n e b c a $ « r p A u s n U taü ä g d© r 
den Fremden zür VeirtÜgWpg st.©be!nden und 

steU«rt dem Beetreben der meisteo Drosch kciak Uta eher j dift 
Fremden mÜgLiebat laug© auf heq;uemöo Wegoo^lierürozUfihrÄn* 
die baUtig nichts lutereasantea bieien kön ueta^ Da© Vorgehen 
des Casseler FreindetUverkehr#verein» dürft© .auih für ander© 
/Städie tiachuhiueuswert aein, 

Schlus© de» f© 4 aktiob«lJ«u]Teile#. 

aöti ifffjaörwüntjeb ttfr ßh 
la OttWeldtaH) far de« wirtseiiafHlirk ttftd 
fi hr^Ji.ki«# ^■ .I>r ^ f I r. iSsicüiftsfis-iiref .-ilva. Sa 

■ \ji WpiJgf-.rer ■ßö Aß^^gefeti&lr .Btairc 4?^ 
bntck aad VisrUc Ö U aff ff I d or Tffff Vff H pi lißSÄliörf 



ftnbimc* bk fifie jiiru* mctfjc ^aht; rpfiü^s 
Slusfchth unb ein ©efidTt ok\m B^PmmcriprulkK u«is 
iin(rdntgFcU<t!al>etttfral)er gcbraudri^n fk nur M^alktti bdtte 

Stecktnpferd • Cilitnmilcb > Seife 

».Btranaiilitffo« ^Sl^SOpfa. Ütterall >u liabcn. 



für Henriise und ErholongsbedQrflige. 


I>ii 8 i^fiBze Jalir geölfnot- 


^Aerattb Leitunic!. 

Dp, metj, Staehlj- 


KauimhuÄ; Bpjhixig! 
DlpektoF Biitlii, ' 




Mheniöftkinport Gilt städtischem Soibad* -r Wtater^ 

InhalatfOEeib H^edtltinaP-Bäder jödef Art,: Herrtieh^ Wäidüß^ün mii sch&n äjpa^ie^wegem Eesideni 

des Ftirstan «u Farsteßbergv ^ Eark^r4a&4n^ Füpstlieha Blbllijtheltt ^zemälde- üitd 

Sammiühgv Ftti*3rtt FömeEbp BraneFp^ JuageitAbmer Kü?'- u^d H Pi^lvWö U'ftd 

Swkift» Sekti^ iijßl[ M .i ^ Afsk £t$rip«llA Aerdlükn 

J. fluji- 1 ; ■-y. rf.. iItli^k. ■ ; St=ljff«ytv. ■•• .■ ■■. , im^is . i ■'. • ■ ■ , itß-hw. ..■: ■■ ■■• • ■ ;. Btmjjf ’ 


mtii 4 arirt 4 de» 


10QDn an oö o nau öo gcq-qo og o pd doo □^□Q'onopQo-on'ODDOQa 


^^oaDDpaoö 














































Ebenhauseit 

EQfislll,.btl Cd. Iti^diiu v^ ßahöb; ! 
km 1 g. z, iCl 0 st, S tib k ftt. v ■“ fikP 
selftBAiL WÄlchst-lTiFer'HÜiiiii^; 
Koraoptg^tit (Sitpidbr.,) Eben- 
baufiftai ixt, itreujjf 

cvtsstmaciuSHmC: App* tit 

ni'od. pb yi stk. Thefjipie,. . Winter^ 
rt 3 A^tU^ 

F«ttitiiOö ItüXk^, EtujnMitesfi. ; 
ir^m ] * WiftPin 0 ^ tl d iti m rn * W i n t dt’ 
Vi^> iieh.itrk;gii.tc bfitcrr.«. früo z. 
ICüchA; Ji Ö, J^rHua Siwmffhii iis i h 
PaitK.,S&i»£>dläEi:b«Aj ICiitlshv^. 

1^1»- i fl M > tv^armfb :) Bod Ib, & 
!¥"***a Min vom JirümLof. 

— luuuiiil. -- fiUtris. Isitrltirmb, 

Wolfratshausen 

EodpTb ,SklpeLjS>|riiif t^nftüi»‘i^eo, 

fiattl-Rflst. Eelsfltt», gfQUliftaK« 

Gar m i s c h - 

u<if misbuii ^ 

findflib*. ill.iplit r; tillifflifiÜ'Xpi. 
bülm- siftTi 

Sch 1! tte 0 pflrti en,; i i, dirüitrif JPÜ g; 

Iv«rhAXiÄi'\.- ■■■ ■•,• 
Eipia:btil — ParMct^h.' AfoiWui'e^ ■ 
Film i 1 m i btii» B t R. liv p Vor^ 

pchm, Oö^wilschÄftsrlluttn?, i%i>a,; 
-EihzeJ z. ii* App. m. Ilitd. ii,TöReU(?.! 

r^artenkfrcben 

bv3 \ i V' h; *■ W xm r? t k tki o n ^^rtr. 

platz bAjfm', lioeh^;^rbir^s. 

K:i i H» ros Verkeil rsh n wiVA . - f - 

BdUI IX. Faod. ftbldmr Efm M\ 

EenfiAtr MoU; Kniirii';yi't ^ i'ex.iHhilh^ 

Eaiߣ«al3it Wiü^ferfcbrbiiA« 

i'^poftpljitx ii Mui*. 

’Ji cii i 'fi e i ff.irt n ^ te;'-.' ■'"'' ■' ■ ' ■ •' ■ 

PogX^Eot»] m. D*tu 

Srtklift'’'iip Ä. SNtii^r, k Vo-fttfi 

Beavara p^^sLaü VliU Viklttriitf 

^ 1 mt fic mfort /i'ttt 1 Vtip Pi'P 

00 ftit J OA Wl t n A g. Vbrp r hin i Ik 1 m . 

1>x\ Wigger'A iCitrbeim f lit- 
h fp t n 1t A:j i er A h i oorA 

N w rIT k i rttak p 0 ef^trli li t /1 ^ W- 
ktifd, deglii^bejr Xvoovr^r t f blttAlici? 
-Wbj(dVi^Äptj(f t : ir*:rp>sikJs ii 

OberatnaTergaa 

ÄÄdHb^^ jjilp iLHjb'pu^'f-lp^-f.rl-Ektneb ^ 

.^Cn-i trif'.;: ■ Labyr, Aü httUnf^ 

11 öriilft •' bcitiil t ti6iTiV 1 Itl f UI terg. 
Wal^b&^a Öfcei'a ttsmeröÄtt 
(yOÖ m,).. Vom; kMiy>& 

S1 m rtEröiin fl o irri<J ^ 

f?:| p tiö i] J n 1E ; A 


«Ir te . 

1 pS; .k-^b EkJffc{ * f tT^ b m -; 

twWtcftS’rtk^'b Sli. iClcii.tnri^'atJ ilitor*-: 

. yOfit !■■ 4i r ^:!h T puri;)!i.i ^| aa ■' 

^x\nv4. V<>i^e '■ 

riscfeba 

. -.»TSiiit efi'ep;; ■ i'Egt«! t .:: 

VY Ptii er- 11 inJ Äuiame rbc+ttif? b, äo- 
llett;««, TeJephiitiT3*HHt^6öe 45,! 


im Bayer. 


Obep$tdaf*f 


U:er A i fmft m]. Itedert* i Hül i- 

__ _ f 4 IvhS SklgtlU 

i ; ivnti 'ivsimü , 1 1 ^hl^m. Mt n \ ts>4ap k, ^ ä 

b k<)|? t W t'1 ii (trü o h P, Hl rhö PTi. 3 S kt&ffr itli lü 9 q «U &Q * «t 

tn\:ih .) ^ ti«fl t n. 1 jp fr,. t niliftfld. Wen r« n, Vtii t« Iftkatkfl« (fcit m, 
A^' Ä tIktg* iIDir^: i i 2:.l Saft»>. Z»Ul^r. Po v^x ivprli^i 


ir^0^rit5^0f eilj_Egentt Bdvf&re«, »ä4 


Är^ttth, Wi«ffl«ee, t^L'atmC Iferjtejse 
e VtsrBüHieU, IJübai^lpcsit&iTjitnft tnU 
K if , W al I Uei tr, Sii(1|n^f>f i itiij; |^ | an ken- 

1 ?^i riy' ti (f Ä ölJ 3^ or kÄft 5 tei)!, H W «listtf l a. ^üdSlkalikilL i '* Üre^tÜi 

.^^ kRffAV]til?'hp^T:sx IJ km» nir^atUTprsr 0^5 km^ Imul ein, ICänLsjrPftlp'?, 
\V' äitfl li ii.]^\ A11kE oT I ‘ I s Ti li i1 \y niT erku n F t@ b uine r VV i 11 F e t Vj e trieT\. 


Bad Tgiz ^,. 

tj khy :i'h'n i' iifcV ä jj 

vor^. fitdgtlUlfll £,AofAng»fi 

A k,;; ■ W i ktoa f e rt v erm 

A rn^anehfljs^r WVBrer^nfgn^iiiil^ 

TöEi röii li. A Hai^llDge i& 
eporfgfttiitrt. BTotetS-iiyfei^kltyf^ 
a I Al isf »Tfi A il^rtt«gs 

achRirtd f i 

A u&k : Fretoti**AyerltftUfa-Vy*T^^^_ 

fiSCiiHtt w 

lialftitdt *f. 

Itaba. 7 ^ e 1 taii.tiiy^rbfiii^ 

Traiinstei'ii i,^^_ 

a; kvg^U tnit Äjirö^ 

\, lierrk t>T 

RuhpoldlttaiS^ 

y;>gä^^M"saw Sfiu 

■ nätig^v^iet.p r vv int^r 

i^.knawri n m, Vi] ^ en tu BtjtedÄ | 
j Sfti) trat heia., Aff*iw dr 

eferisit lesgadej 

fiki-j SiihJ i H e il Spor t, Elsl 
A vj!?k IJ Jt i t;; %y inTör?ipt>rtaitafickÄ« 

fiiÜeTiL«: I B.j 

Ski^' a, EüötikÄla* 

; V ’mi Sf 0 rts lib tiji deii 

iliiich 0 r^^i«a&ii ,FiBiJi«tiijr| 

Bevm-2^, /Cf.öle lj?*g^r 

^ Tit+^h. f* i)v gnfiae JaliT, b**aO(tiid 
fv iT.y ^Titer jr, Ft>g, F. Qy 

^»•«shokn 

ipr«“^TOuik^U^^ei)iS.Ö. Sport» 

’i\. M. 

iv AfviijtstfT^TH 
.tp ■: >r* 

UEiid/feiFiiebiröbahnm ^1 
-■Br 3 ^i Iit .e>i n Art W i ü te t^portv^^f »i jfl 

ICaüfbeüi*en 

1 i {} i g^Mi n Ai pe I i k it L l eniid it kltfiiv] 
T Qit-^SQO Fti bneh, _ 

f. ”— 791 ? ui^l 

^ Zwfli EpdüUHiwul 

aktg»iaiillg, Käni^^iif h inp^er, 

ll»mellie.-9 SFl 

ruifrjikii SW- 

jKrlibfttn^heteetjvj 

Pri iSlmntimu | 

Son«l.ofen 'iBa?iS, 

5 li 01 w I f E. f I e t' s ör r, KltigfftJ 
um Senithtjif. S(irriingt^ ; 

ggB Ugbm gpiit| Ccbwta. 

Hindelang 

Fö*riTJ!3^Jx7jT?itiTijE', Eodii1iaha, | 

Sfetgtiiüidd rm tJphung^fkbrreiu | 

Oberstaufen 

n;ir0n*‘9 Stilptlilidfl. Aruikcioft 11 

S k b Kl ivtt O benifitft 0 ?eTt, 


Wintersporizüge der Königl. Bayer. Staatseisenbahnen 

von Münciien nach G^mUch*Partenkifc^ Schlicrsec-Bayrisclizell, Tegemseei Bad Tölz, 


,,WUtfr im Bftfm^' inlt ,,W«gv«ls«r dttrek dit WUilar* 

pportlplfiti:» Üi% 0 afer. Ettc II pailB*^ rliirch dru Trtadinw* 
ICflbrp’VtfCftd Kantlitfl, Higpllialinliaf, imtf dtts EntUokt 
EppflrJftblifl EcHflbpr^klt B: nt. ü. H,» Mlinclioo» Prooienntli^ptFititf iA*>nd If^tnptltAhiiUöf; In EofdlfitliPMüi 

durch die EintUa1i& Eoilntnflpunb der E. Sk Im tflUTSitlpsailtii IFffkfrbrtliiinBB iiiBtrllii, Unt^ den LMeo 34;^ 


Auskunft u. Prospekt 











































































Zeltsthrlft fOr Helmotkunde und Heimotllebe 
Oriun fOt die deutschen OerKehrs-Interessen 
















Zug-Verbindungen Berlin—München. 

I n lierlin—ülünclicii über Kegensburg 

ULmLINa I “Z pz DZ ‘ LZ E 


DZ DZ DZ LZ EZ LZ DZ 

1 1 a 1 3 1 i ;{ i 13 


Bittepfelc 


Hallei 


Weissenfelsj 

Naumburg^ 


Saalfeld 

Probstzellai 

Lichtenfels • 

'"“7 

Fürth/ 

Nürnberg 


Treuchtlingen i 


[Leipzig 


^ Reichenbach 
'Plauen 


Markt .nedwitz 
Wiesau 

, ,W'eiden 

Schwandorf 


Regen^burg 


Oonauwörtt 


Augsburg' 


Jngolstadt 


fLandshut 


MÜNCHEN 


a Bis Leipzig Personenzug. b Berlin —Neapel - Expreß 
verkehrt v. 4. 12. jeden Montag und Donnerstag, c Siehe 
Fahrplan 8 ). d Siehe Fahrplan 1 ). e Zw. Hof und 
Bamberg Eilzug, ab Bamberg DZ. f Bis Halle Personen¬ 
zug. g Bis Leipzig DZ. bis Bitterfeld Personenzug, ab 
Bitterfeld Eilzug. h Neapel—Berlin-Expreß verkehrt ab 
7. 12. jeden Sonntag und Donnerstag, i Siehe Fahr¬ 
plan 4). k Bis Augsburg Personenzug. 1 Ab Halle 
Personenzug. m Siehe Fahrplan 2). 

Fahrpreise Kerliii—^lünclien 

(einschl. Schnellzugzuschlag): 

Luxuszug 1. Kl. 2 . Kl. 3. Kl. 

Mk. 70 80 5840 82.80 2120 


Berlin Anh.-Bf. ah 

al2so 715 

8« b 9«> 


15o| io*n 

1030 

Bitlerfeld 

a 425 856 

1036' 



(03 

1 

1209 

Leipzig Bayer.Bf. „ 

714 , 951 

1236,51210 

1 

500 ' 12H 

in« 

Roichenb. 0 «»pti.' ob.Uf.^^ 

8584136 

2251 


i 

148 

210 

2H 

Plauen (\ ..-fioob.iR. „ 

934 1204 

256 


101 « 



320 

Hof 

1030 103 

356 b 

M6 

jm 


28 

428 

Marktred witz „ 

1121 162 

4621 


c ^ 

i ac 



520 

Wiesan 

1143 215 

5 I 8 






1 

Weiden „ 

1216 1 

553' 






623 

Regensburg „ 

145 419 

7H b 5*9 


1 ^ 

08 

757 

Laudshut „ 

247 610 

8h 


> 

fTi 

1 

857 

Münilieii Hbf. an 

368 618 

9435 

730 


720 

803 

1000 


2 ) sittlichen—Berlin über Regensburg 


DZ DZ LZ DZ DZ LZ DZ 

13 13 1 13 13 113 


Miiliciien Hbf. ab 

Laiidshut ,, 

Hegensburg „ 

Weiden ,, 

Wie^>aii ,, 

Marktredwitz ,, 

Hof 

Plauen (Vopii.)ob. nr. „ 

Reichenb.(Vofrti. t cb.itf. „ 
Lei ))zig Bayer.Bf. „ 
Bitterfeld „ 

Berlin Anh.-Bf. an 


g 7^5 902 hl 100 
815 1012 I , 
915 1111 hl25o 
103511244 
1110 127 

1142 ]54 

1235' 050 h 411 

121 345 I 
200 424 

g 337 003 h OH 
g 012 ow! I : 
g biii h 913 


1230 72o!ioi 4 i 1010 
132 SU'' I I f ! 
2<2 ‘Jli,12i0i g _ , 

lin j I f 

619 1211 i ”4 ' 

619 loi! BI2 508 
705I 1^! ßoo 

7^{ 220j 4^ 643 

905 j 4001 6^ 830 

9H' I I 925 

1140; 020 802 1114 


3) Berlin—^Ittnohen über Nürnberg 


DZ DZ i EZ DZ EZ DZ eDZ j EZ 

1 3 l 3 113 1 3 13 1 .3 1—3 | 1—3 


Berlin Anli.-Bf. ab 

Bitterfeld „ 

Halle 

Weißenfels „ 

Naumburg „ 

Jena ,, 


820 1030 


1041 1234 


145l(l 450 845 

I !dj22, I 

347 ! f lOH 


lOHIlf 1230; 
f f 3L7j 
025 


Saalfeld 



241 

201 

609 

r 

loi 

r 

900 


Prob.stzella 



312 

233 

640 

T 

134 

T 

935 


Lichtenfels 



1 : 

410 

801 

l£3 

1 

614 

1110 


Bamberg 

V 


460] 

5O6 

8^ 

1 wi 

312 

652 

1156 


Erlangen 



1 

547 

859 


1 

728 

1238 


Fürth 

V 


533 

603 

916 

2^ 

3H 

742 

1266 


Nürnberg 

V 


549 

713 

936 

301 

415 

810 

122 


Treuchtlingen 

7? 


1 

830 

1 

466 

1 

906 

247 


Augsburg 



1 

1 

1 1124 

i 611 

618 

I 1005 

1 


München Hbf. 

au 


8H 

lUH 

1240 

' 720' 

714 

1115' 

5I8 


4) ^Vlttiichoii—Berlin ül 

)er Nürnberg 



DZ 

1 

EZ 

1 3 

DZ 

1 ‘ 

EZ 

1 3 

EZ 

1-3 

DZ 

1 .3 

EZ 

1 3 

DZ 

1 3 

EZ 

1-3 


3iiiiichen Hbf. ab k 520 | 805 

Augsburg „ 652[ 91 ij 

Treuchtlingen ,, | 103i” 

Nürnberg ,. 9^o 

Fürth ,. 926 

Erlangen „ 940 

Bamberg „ IOO 8 

Lichtenfels „ 1036 

Probstzella „ | 

Saalfeld „ 1241 

Jena „ 125 

Naumburg „ | 

Weißenfels „ | 1 

Halle „ 246 

Bitterfeld „ 310 , 1 

Berlin Anli.-Bf. an 449 


12401 445i 84 ö| 

IM I I 

254' 7n 11207 
4I6 834 


10471 1155 415 8H 

10681 1207 4291 840 

I 1225 448, 902 

1150 108 544 949 

I , ‘202 617 1026 

I 409 809, ai 

2291 448 840 imL 

3»8 I 940 ! S" 


1266 108 
106 115 
I 122 

163 215 


355 ; 1019 - 

I I kl 

442 820 112^, ^ 

I I 81011 128| 420 
642 1038 1 500 620 


626 ^ 

I 9*6 

826 1114 


DRESDEN □ HOTEL BELLEVUE 

unter persönlicher Leitung des Direktors B. Ronncfeld 
Weltbekanntes vornehmes Haus in unvergleichlich herrlicher Lage mit neuesten Einrichtungen versehen. 
--- Winter 1910/11 umgebaut. -. -- 








I 


DEUTSCHLAND 

Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe 


Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen □ Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher 
Verkehrs-Vereine □ Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein e.V., Köln 


♦ ♦ 

t Bezug-spreis für Deutschland t 
X und Oesterreich-Ungarn 6 M., X 
t vierteljährlich 1.50 M., für das * 
X Ausland 10 M. pro Jahr zuzügl. X 
X Postbestellgebühr — Erscheint X 
X Mitte eines jeden Monats (im X 
X April, Mai und Juni je zweimal) X 
♦ ♦ 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 

Druck und Verlag: Düsseldorfer Verlags-Anstalt A.-G. 


♦ ♦ 

X Anzeigen - Preis 60 Pfennig X 
X die viergespaltene Kolonelzeile X 
X Reklamen 2.00 M. ___ X 

X - die doppelte Breite - { 

X Auf der Umschlagseite erhöhte X 
X Preise — Bei Wiederholungen X 
X eine entsprechende Ermäizigung X 
♦ ♦ 


Nr. 14 


Düsseldorf • Februar 1912 


II. Jahrg. 


Cadinen 


Von Lothar Wende (Elbing). 


Unter den vielen Privatbesitzungen des deutschen Kaisers 
hat in den letzten zwei Jahrzehnten das in Westpreußen, an der 
Südseite des Frischen Haffes gelegene Rittergut Cadinen am 
meisten das Interesse weiter Kreise erregt. Zum ersten Male 
wurde sein Name in der großen Oeffentlichkeit genannt, als der 
Kaiser 1898, kurz nach dem Erwerb des Gutes, bei der ersten 
Besichtigung das drastische Wort sprach: „Hier wohnen ja die 
Schweine besser 
als die Menschen". 

Viele Glossen und 
Kommentare mit 
Seitenhieben auf 
ostelbische Groß- 
Grundbesitzerver - 
hältnisse knüpfen 
sich an das Wort, 
und Cadinen blieb 
dauernd bis auf 
den heutigen Tag 
im Mittelpunkt des 
Interesses. Beson¬ 
ders, da es sich 
der Kaiser ange¬ 
legen sein ließ, 
aus diesem alten 
Herren- und Luxus¬ 
sitz ein Mustergut 
in landwirtschaft¬ 
licher Beziehung 
zu schaffen und 
weil Cadinen seit 
dem Uebergang in 
kaiserlichen Besitz 
in den Sommer¬ 
monaten ein Lieblingsaufenlhalt der Kaiserin und ihrer 
jüngeren Kinder wurde, die hier und in dem nahen Seebad 
Kahlberg Ferienvergnügungen genießen konnten, so schlicht 
bürgerlich, wie es Prinzen und Prinzessinnen wohl selten 
gestattet ist. 

In erster Linie ist es wohl der Reiz der Landschaft, der 
unsere kaiserliche Familie Cadinen so bevorzugen ließ. Wer 
sein Leben lang westlich von Berlin im Deutschen Reiche 
wohnt und auf Geschäfts- und Ferienreisen immer nur die land¬ 
schaftlich großartigen oder reizenden Gegenden des Westens 
kennen gelernt hat, hat natürlich keine Ahnung, daß 
der viel verschrieene Osten, rechts von der Weichsel, in 


(Nachdruck verboten.) 
seinem größten Teile landschaftliche Schönheiten aufzuweisen 
hat, die denen des Westens nicht nur ebenbürtig sind, sondern 
sie vielfach übertreffen. Wald, See, Gebirge wechselt in 
romantischer Weise mit fruchtbaren Niederungsgegenden und 
düstern Torf- und Moorflächen. Die lange ermüdende Bahn¬ 
fahrt von Berlin bis an die Weichsel, durch eine stundenlang 
reizlose Gegend, hat das Gerücht vom trostlosen Osten ver¬ 
breitet und viele 
abgehalten, sich in 
das alte, deutsche 
Ritterordens-Land 
zu begeben. Aber 
dank der fortwäh¬ 
renden Erwähnung 
von Cadinen in den 
Tages - Zeitungen 
schwillt auch der 
Strom der Ver- 
gnügungs -Reisen¬ 
den nach unserem 
Osten von Jahr 
zu Jahr an, und 
wenige nur dürften 
unbefriedigt heim¬ 
kehren. 

Eine der reiz¬ 
vollsten Gegenden 
des Ostens ist die 
Hügel-Landschaft, 
die sich auf der 
Grenze von Ost- 
und Westpreußen 
erhebt und von 
der Niederung des 
Drausensees bis zum Haffe reicht, eine landschaftliche und 
geographische Eigentümlichkeit. Fast in der Mitte dieser 
Hügellandschaft liegt Cadinen. Die Erhebung steigt, einem 
kleinen Massengebirge vergleichbar, bis 200 Meter aus einer 
Niederung hervor, die die Hügel auf fast allen Seiten um¬ 
säumt und darum den verhältnismäßig kleinen Höhen doch 
etwas Imposantes verleiht. Ein Harz im kleinen — dieser 
Vergleich hat sich schon manchem beim Durchwandern dieser 
Landschaft aufgedrängt. 

„Nahezu kreisförmig im Grundriß, mit einem Durchmesser 
von 30 Kilometern, erheben sich diese Berge auf fast allen 
Seilen auf einer Basis, deren Meereshöhe nur wenige Meter 



Cadinen : Schloß, links Orangerie 

















664 DEUTSCHLAND Nr. 14 



erreicht. Daher schon der erwähnte Eindruck des Stattlichen, 
den sie fast auf allen Seiten erregten, und zu dem sich, eine 
Folge der schönen, meist aus Buchenwäldern bestehenden 
Bewaldung, auch der Eindruck des Anmutigen gesellt." Die 
landschaftlichen Glanzpunkte sind einerseits die zwischen 
Dörbeck und Lenzen nach dem Haff sich öffnenden Schluchten, 
die als Dörbecker Schweiz bezeichnet werden, und anderseits 
die zwischen Rehberg und Stellinen liegenden Rehberge. Reh¬ 
berg ist ein an Cadinen grenzendes Rittergut und gehört eben¬ 
falls dem Kaiser. Die Rehberge sind ein wild zerklüftetes Land: 
hohe, steile Waldberge, tief in den Boden gerissene Schluchten, 
in deren Grund Fo¬ 
rellenbäche rieseln, 
hoherWald undAus- 
sichten von gro߬ 
artiger Pracht,einzig 
in ihrer Art in der 
Provinz. Denn von 
allen Höhen sieht 
man nur die kühn 
geformten, jäh zer¬ 
rissenen Waldberge, 
die tiefen Abgründe, 
die weiten Wasser¬ 
spiegel desHaffs und 
der See im Norden. 

Keine Ansiedelei, 
kein Ackerfeld, keine 
Kulturoase. Es ist 
eine wahre Gebirgs¬ 
landschaft, wie man 
sie in diesem Flach¬ 
land kaum vermutet, 
in ihrer Wirkung 
noch gehoben durch 
den weiten Wasser¬ 
horizont. — Wer 
diese schönen Berge 
kennen lernen will, 
hat von Elbing 
aus die beste Ge¬ 
legenheit dazu. Eine 
Chaussee führt ge¬ 
radewegs überTrunz 
nach dem Bischof¬ 
sitz Frauenburg,eine 
zweite über Lenzen 
und Cadinen nach 
der TöpferstadtTol- 
kemit, und die Haff- 
uferbahn bringt den 
Reisenden bequem 
nach dem Ausgangs¬ 
ort Elbing zurück. 

Die Geschichte 
Cadinens ist aus¬ 
serordentlich inter¬ 
essant. Schon in mündlich von Geschlecht zu Geschlecht 
vererbten und später von einem Tolkemiter Dominikaner¬ 
mönch gesammelten Sagen der alten Pruzzen wird Cadinen 
genannt. Und zwar als Wohnsitz der Waidelottin (Prieslerin) 
Cadina. Um 1250 gehörte, wie der Chronist Fuchs erwähnt, 
Cadinen einem Abkömmling der Cadina, dem Preußenfürsten 
Autume. In diesen Jahren hat der deutsche Ritterorden von 
Cadinen Besitz ergriffen, denn 1255 war dieser Fürstensilz 
zum ersten Male urkundlich erwähnt, als der Landmeister 
Dietrich von Grünningen dem Heiligen Geisthospital in Elbing 
40 Hufen Land (die Hu^c hot 66"/;, preußische Morgen) im 


Gebiete von Cadinen (terra cadinensis) schenkte. Wer bis 
1430 Cadinen besessen hat, ist nicht bekannt. T431 besaß 
es ein Hans von Baysen, der in diesem Jahre von seinem 
Gute und Vorwerk Cuddien an sieben verschiedene Personen 
17 Hufen nach kulmischem Rechte verkaufte. Diesem Hans 
von Baysen bestätigte 1432 der Hochmeister Paul von Rußdorf 
den Besitz und gab ihm eine Verschreibung „über unseren 
Hof und Gut Cudynen" mit 20 Hufen, über 8 Hufen und 
eine preußische Hufe bei Scharfenberg, über das Dorf 
Rehberg mit 40 Hufen. Er gestattete ihm freie Fischerei 
mit kleinem Zeuge und einem halben Garn, jedoch nur zu 

desTischesNotdurft, 
verlieh ihm die hohe 
und niedre Gerichts¬ 
barkeit und g-ab 
ihm dieZusicherung, 
daß, wenn er keine 
Namenserben, son¬ 
dern nur Töchter 
hinterlassen würde, 
diese zu Mlagde- 
burgischen Rechten 
erben sollten. Da¬ 
für habe Hans von 
Baysen ein Kram- 
Pfund Wachs und 
einen kölnischen 
oder fünf preußische 
Pfennige jährlich 
„zum Bekenntnisse 
der Herrschaft" zu 
geben und einen 
„Reiterdienst" zu 
Landwehren, Heer¬ 
fahrten und Reisen 
zu leisten. Im Besitz 
der Familie Baysen 
blieb Cadinen bis 
1682. Dann wech¬ 
selte das Gut ver¬ 
schiedentlich dieBe- 
sitzer. 1786 erwarb 
es der Königlich 
Preußische General 
Graf von Schwerin, 
dessenWappen sich 
noch heute an dem 
Vorder-Giebel des 
Herren-Hauses be¬ 
findet. Diesem Be¬ 
sitzer hat Cadinen 
die schönen Garten¬ 
anlagen zu danken, 
die er nach dem 
Vorbilde von Ver¬ 
sailles ausführen 
ließ. 1811 wurde 
Cadinen von dem Elbinger Kaufmann Daniel Birkner für 
40000 Taler gekauft, und im Jahre 1898 erwarb es der 
Kaiser von dem jetzt verstorbenen Landrat a. D. Birkner 
unter Uebernahme aller Schulden und Verbindlichkeiten gegen 
eine Leibrente von je 15 000 Mark an Birkner und seine 
Gattin. Zum Erwerb ließ sich der Kaiser durch den Grafen 
Dohna-Schlobitten bestimmen, um den alten Herrensitz nicht 
in die Hände von Güterschlächtern fallen zu lassen. 

Wenn man von Elbing aus den Landweg über Lenzen, 
Panklau nach Cadinen wählt, so treffen wir zunächst am 
Ausgange der schönen, kurvenreichen und großartige Aus- 


Cadinen: Schlucht in der Dörbecker Schweiz 










k t; 
ffl/i 

'’«« i- 

)iesoj 

mhi: 

JerEsf 

Hnfe: 

das! 
)Fsv 

dl EC; 

isNVir 

ndifh 

iGeic 

ür.d r: 
skic- 
leric 
■beir 
löt¬ 
en li- 

fe¬ 
il Rec 
ItesL! 
fksr. 
in K.T 
adis : 
[ölnisc: 
irenk- 
jit: 

kfllEE? 

diafr“: 
nd e 
mst" : 
en,Ei£' 
ndfef 
ImBec 

lincD - 

iiinirtC’ 

GiHTJ- 

ichdieSf 

JÖenn: 

Königt^ 

lOm 

Schwer: 

ppen^ 

»Bilden 

ebeld*^' 

useslif 

geroßt 

Cadinf 

iGartS' 

d# 

didß: 

on 

jsfüliif 

es d«^ 
ßirbi^ 

j 

Graf«^- 
^ nici^ 

Leni«^- 

ist 8^ 

eA«^' 


Cadinen: Blick aus dem Arbeitszimmer des Kaisers, rechts das Marstallgebäude 

(Phot.: Willibald Zehr, Elbing) 


Cadinen: Rohrhäuschen im Park, auf Wunsch der Kaiserin erbaut 
(Phot.: Willibald Zehr, Elbing) 












666 (3 


DEUTSCHLAND Nr-14 


biIckft gewähren den O ^Ltisee rothter Hand ■ 

erwhhnT e C es d i net Ei ch e, Es ist Üi s f "a rt^i e iew4 ^ : 

Biche estpre.u ß enn un tl ein e 4 e r üt ärlt s Leni t?eTa:t&L;lfihFt^k. 
Sie haf ^inen Vtofartgf ^on ö,ö5 InTiarj^ des 

Stärarna,^ isi hahi : W ein g^lanbwün^igrer 
h^ ri chtot, ji eben j r\ i hin 11 Sj> 14 n inl t y olie^n ti ^ ek Ef:(i ti; 

ifitleS grlint 4är Bu am; drOi:h iöimer mit urtgjeschWfj £?h ter L^^benv- 
hraf t. Wehhre ScBri l te wellet/ tiind xvk s eh eh ^ wt Hnken H öh ä 
e i h en gü t g^ejb amen TJnd. m as siy^en St eil h d e-n S eis wein ä s 1 ,- 
m dem der Kaiser den anfangs etwähnlen AtisHptLmh; g^etan 
haben scrlL X^ahn habeii wir 4«^ Attb f \c k auf ei o^4 ^Jroßejft 
Iteian P(ni t seh dnAnijr^n u n 4 einem Bfuaneh; A n 
SMle Park^s^ helfend $kb imter 4 atn VürheaitTier da*f 

G Mies: ei n Ta ich, au ^ rie m die I’ eij^f^sp ril ge ftil 11 und das 

Vieh gairnnkt wutdav Okser 
PtaU utns^Äiimj vwa dem 
Schloß ödl der Südsehe'r 4f?m 
MaHtoIl im ÖütCri, dein Cadiher 
’^nä der feilit^nygcjve 
i (vt T^oTrl^n Inxlh^u^cf n uri d 
•der.. Gh&i'‘i^htüied.e--• idv ’ Werten; 
ln di e/saf Gti t&scb d^i: sp i ehe n 

irjekamlthch die kei^erhclien 
KiridtT init A^riiabev uad der 
Kaiisdf nann i e den Sebrrimd deEr 
r,Spc ia l^P reim d " ner T och t e c 

Ptintessiri A^HUnrla Luise. 

püi Tlätjpih für de:iEt 

Ba^iü che r w ir d hat d rl Ich tu e Kl 
4 ö Ji S ch i o li h n d 4:df P h f ^ 
hitdfsitVi Wdlif^ud ; die Tnnr>n' 
fä! i ai e 4 i?K Sch cTn e derh 

Gei isc hiTi tick des .■ hoiiCn B esi izei s 

»?htÄprecbcndff Aussioiiuhg er- 
tähren iiaben^ ist äiTlierllch weni|^ 
geändert wörd^t'- Es xeigt jetit 
htjCh den Charükter eine^ vot“' 
ijehia eh/: a b ein fccb en L and-; 
edel^Ö^eSr;:‘^^ T^ OkIdiv Mri i^iy 
verdeckt von Böhmen und Ah'^ 
lägehjr ein Anbau für Ktichc 
und Dienerschaft geschaffen. 

Hi emn sc bli e ßl *icb ä u ich .etwa s 
weiter gelegen imd mit einem 
impashnten EirshiUrt&ior 

s ch lo sse tu d i e g fße A ti (am ob i I - 

halle mit a^isgetj^tAtteter 

WgfkslalL Del ATnötuiobhr^tum 

temc e h s , g r D ße . A 

aelmteh. Ä\i^ ei^cmiisn- 

•BessinN da^> yßuöf sicher 

ei WH 20CX.^ l.ii er ßen^i« hiBl, - ^ 

wi rd d fl fi: Ben ri n mii t e ts Koh)^! n^a u im Be d a rffillc m: di o 

Hohe gedriäc kt und thtrch Zapl hchne in die 
dar Autos 'geJeitev. 

ß(ne tmit-htlifi? hinhiehf^i^^ (dir*- uh^^tr erAtc^ ßMd 
IßT) Stile f te fr über den Hödp tC mganjlf - V <j n liier hi hr t, > w c a 
dem Wcsttlüget des ^cMösscs imd der weirui7ivr^i;iki!i.^n 
Ofai^gerie eilt hriutef ;• Wäg. iir den Iveffhtd'mh ■■Phhki'-ihhe:-.^ 
Sehen ^Würdigkeit . eTsien jL^es. ?wei ät at iEicivC: K hsfen 

Allecm iimrnhmen eiti heheresv; wofdgepllegii^s Pef[err^: ndf 
Otöivgerien., sehchCFi'..' tief bhiLUAeit, ■■ . •Sktdp'iuri^'Ui^;;.; d^ife.rvife Ji,. 
ÜI u m en boske t k und e n d eTtin'r Oar t errfic \ i rn u rk, 4 eSse r> Ah' u n+fe 
punkt ein Xeic'h tbit Sprmgluunnen bildtU- D(h 

ij rsprlmglicli i m öllh-f^h^^^^^hen Geschttiark nng^legtf^ Pür [^. 
breitet mdi eui'ÜCihcr Berg-’ 

wand Ü1I5p und bciaubärt 4ns Augc und 4fis GCTnßt 4 cö 


Besch ötl^rsi d urch : die >-^-ec|ise}ndeR^^ seirtef 

Kiefern-/Sirkchr^ ttn4 Buchishb^tÄTjdeT : Schnur^ Alleeti 

und WCtiigepfJeg te Tfeckcrä-pcij^i^::^ die Weid" und 

Ga.rieftftriIflgCfr. Aber bietet sich martche 

SehenswürtJigkeil dem seien die beiden 

Kanonen aus/fern IB, Auffaiit, siarämend 

vom Schwerin, di^ Stätife eitiCs nth^id^h das 

Mptjsoät'dm/ 4a.4 NfiSufih^amr^^.^to die FiuktcfgCbttä^ die 
s»:>j^eniibnfe Sttidentcnlfluhe tmd 4är>n schheßheh^m höchsten 
:•'Pupkt*':.'■;■ des■ ■:■ .Förkes .. de r ■ Jubi I a1 .^^■,'-h>h,..■''dem ■ von 

jCalabd^llik hlinsteHmnd flUagefOhtten Germahlö.-^Der;kriiial. 
Das nmkmdl/das vofi'klcirtgp Bollern Tferikii^^ft iSt^ ^thebt s?eh 

riuf emif:r g^jadmißcn SteTntciröSäe, die mit einer ßefv^strade 
i Ve^iert Kt: HmliäV dcfit Denkmal schlieSt der und ist 

von dem atihäftgebden Buchenr 
weM durch ftinen mntsch^i Zaim 
getrennt. WcfUEfghuniiert Meter 
\V ö 1 d weg riöch We^tc% vn d wir 
s teh^Tt r den rom^ n i * sch en 
Üeberreiien 
dcienr Anfsnga des 
blindtifts efegej^gebe Franzis^ 
knnerlfJostets, der Kfoster- 
Iqfche ist nur hoch das Seiten^ 
gemäüer rrdt den machtigeti 
Fenstüfhpgetii «fhältöm thid von 
den ubfig^T; len des Klo sie rs 
T?teh t nhr neii h ^ h Gebäude, 
in dein j4tüt 4e f GdKgä rtner 
w 0 1 1 n tr Geh t m n :^Qn hier den 
zurück und bis ah das Ost¬ 
ende des p0fk^?Sp so triIft man. 
fnUten im ursh^n ^faidfeeston 
auf das (Gräh^ta11e 

der FamiUfe Birkn^^rl- der 

Termsse Kapelfet. ln der^ 

wenn dm kaiserliche 
an w *?-^rh4 ish Gfttt esdi^nst e a 
gehnlten Werdum bieietsich d^nifc 
Äuge vln ü hersehe fi d> n 

roma auf das f taff, die Nehrun|f 
ijrul die ßstaee. Möni Bagv däß ; 
dieser Äüssitrhtspunkl fein hi 
lingspjöfz lhr$tf hlfiijesTät Kh uAd 
dös iv ijd ; ye K tähdl i iph, wefi rv 
irtuA vbrv hier auä ari 

einüat Sommer afeehäi 

fypitvi % onnch-ilhterg^ ntit 
ö ng trs e h en: i\a L Der sc: h n u r- 
gyrtme X^feg^ def ybd düf |<apelie 
t n da s Pä 1f: Fa rk es 
fylirt, Kt kp b^fdbh iSciteh 
mit seltefien,. h (>chsi ä mitifgä? n 
Würholdeifeiümcrr bitpflanz-tT die dü?jmr uhd schwe!rmuljst"öÜ 
diesen i!»as Ta4e?< Cintahmen. SehehSWMt is-t 

noch im f'nrk l^ohrhaiA^^äfmm 4o^ avtV Wunsch der Kaiserin 
: nrricluet wurtkf. . 

D i e } e t ? iu# kn^t hf I B i^' !vi v 11 g . mir d ein Vor - 

werk Kickelhoi' und detu v<?rj>nehmten K^thirgiU : 

? 14^^ pt ß isci ü' Mörgen groß nnd 4ü t ßen jfh|^selr&f\ 

'ini;?eriiar lind-ohne Gebäude,- über- awH' Mihmnen 
vvbri iby Ai? di? V Kü i se t du s . Gij t u ö h, Jlfefiexi die 

wifisdud fliehen Vnihaivriisse SlcIic Viel >:iit. whf.KkTixin, ubr^g'* 
fuilirti-ifhi dank 4 er K^pifabem dier'der 
B e>Ai zeT hi ne ] ns [c^ ken k t>n. it.öd d ün)t; dcr Tnt en«ive n Afbeit 
tiK 1 iligVrV Pftri 1 1 eit \e in snt?fkjen|iejiä!>wi:'ner BKft &, u nd es i^v 
nicht Obigen, dnß X'ttdijttm fct ernster Arbeit uh,cl 

Spa r %,ft m k eU soga t noch '^l rirtini efn, tt.)h Tten4 cr Ifesi f t wirij 


t.: WilMbsU iCtlin Erüm^l 





Tdl KecJcfi giifällige Gi^belf 

ßa hübiäc Pd-en tim d s> e V vers chönem 

dsst: ^^^üS^e der "Teii voiy wiMem W«ifi. 

ji^d K^ limtj^nkt Werdert* \\ $q $cfiön diese Häuäer 

tsiKdyt nicht 'Äug^l^ich ein Muster 

fö;r:: PfJeg:^ ^Vi6iTökienäti;£5;hf^n' iidi:^ 

ganDorf -b^Sii hl 
h^it in der Kiich& einen 21apfhiibn, 
von i^wei Zimniern tind 
Küche mü möderneiti 


Den n vjnan b eh stip I ed wi rd^ d a ß C ä^Jiri ^h 6 a 5 Mws t , 

Ostens ,sö iit das nicht g&vit fichtig-* Nichtsde$tQw^ni^]i?r 
tSt dflSj, wüs in tadinen nut sehr V^ld- GeH |&^r^icht WÜ^d 
be’i^i.xn4ernsw0rh;'•■ ■'■v'V’-' 

Der kaiserliche Gntsherr b^^ann sein f^efortnwerk 
dem Am bati der $cW|i: vbiihanderseiv iZiegelei^ ü.m sidi 
M^V^rieii Vjii schöf^^jh fSJngdi^iirenjIrTeg^ für d)e 

^>i|i}rhan ITin^ ^nd Nj?H an4 in■ Hand mit diesei^ 

^ing': 150:10 V*<i:rheserUTi:e: li.es .Wirtsch 0 fi 

b«.triebet ln bföJAig - ■ 

suf Xfttiondi« Bewüj- ■ ^';'.y---w,;v>:i:' ■■■■.■•■-.-. 

sch-nffung des Gutes 

söme, ira Hin- ' ,,/Vt 

Fürsorge fiit 4in ."t* v’-.>.;'.:,, ,-^. ^ >;;'" 

tn den landwinschaft^ ■' '.:■■■</■>'^ 

Jjchen und in den. 
ind u s t ri etII en Bet tie^- 
hen des Gujtt^ ange- 
steilten Afbeiter und 
Be 5 rn t^h r bös ten 

iiirtd fieü asteh Jand“ 
wirfschaflltch^n Mu- 
tschinen wurden anr 
gBsdifiÖt; der Vieh¬ 
bestand Tyurd© er¬ 
neuert und verbessert 
4ür<^K giitfi l^u.Chltle^re. 

d.r^ -älö 

: g5$baüdt; dcmv hetiti^ v ■. ^ 
i^en hüh^ii: Stande der - : fe 
Eandwirtstchöfl • eni^-- f 
sprechahd utn- b^W^ : j 
netJg^Jaut und ^ihr f 
genchtet. Ein Hßiipt" > ■ j 
des köhef 1 ich: i 
•■ Gutsbä'tiF^ ;■. ..isf.: '^ifv^-. ■ ■ ■■:■§ 

W'eltretchende i 

Fiit^brg4 seih;^ S 

.Afbeherr NGheu6irte.r- ■ g 

fj usk örn tti UcKttn; En 1 
IcibnungF in har vhA « 

Depatflt; wurde g 

eht^eJtliclis Krenker^t - S 
fün^orga und ^pflege. : ^ 

. ^^chöff^n ihfd ijftti.’ % 

dfeem Zwßck eth^ | 

■piakohisiSTh Dprfe, : fj 
Auch I 

Art^ebcr erliÄiien ■ i 
;^chtiiiSje m Spar^l| 

; ■.] agem^ trnd ihf e'AlteTs^v, :■,- | 

' Vi^f^rguhg^ötde ■. | 

p He:rv^dr r Ö Sf d ff ■? 

■ Ar beiisiLerstung'en ry{y 
.^^ürd^n pramnerbi^ f 
wer im Jahr^; 

• schda^t^h^H '-Gärteh ^ ^ 

HcrtEhpfltgrtj erhalt eine besondere Belohniihg, ■ ib 

Cadin^h. ötTi Theist^ bewundert wirft, dns sind- die Ätbeit^rf:' 
woKnhduser.. Hier h.at es süch der Kaiser 
Summ ^ {en ' ia s n* v.m d Af br?ii^th - \Vs? hhühlf 

sehäffe;^, ein sdimuckbs vmd behäghches Heittt Hs ist jarst ^ Fabrik van eineoi früheren AngC’ 

bieien^ Ö^^iruhT^ib Architekten Idsien dl^ ^vfghbe/ die der :KfR.t]u^h 4cü Gadihi^r Miijütlk-efabHfc h^Hibiing’ errichtet worden 
geäiteäit K« Be, und. es entstehdeh J^UlejUKtige Hbuser Die Cßdinef ieisten drehte äu| demt Gebietei der Bstv 

im LandK&usstil, Die Hönier .s^ihd fa der Äus^ Keractiik wie auch in GefäÖehV: BSsien Äußer^ 

fuhrtfbg fci- äÜ^. verschieden, und $:^ behefTbcti^eri Teil ord£;htUi:bes_. SiasthckLe^ und Privatgehäude — voi 






roS , '■• vÄ?' i y^: ? v-r ''H^rvi .fi 




668 DEUTSCHLAND Nr. 14 



kurzem erst wieder ein bekanntes Berliner Wein-Restaurant — 
schmücken ihre Innenräume mit der Fabrikmarke ,,Kaiserlich 
Cadinen", und zum Teil haben die Cadiner Fabrikate Welt¬ 
ruhm erlangt. Künstler, wie: Professor von Uechtritz, Professor 
Karl Begas, Professor Baum¬ 
bach, Professor Jaenensch, 

Professor Goetz, Professor 
Manzel und Paul Heydel waren 
oder sind für Cadinen tätig. 

Erneut wurde das Inter¬ 
esse der weiteren Kreise auf 
Cadinen gelenkt, als der 
Kaiser am T 7. Februar vorigen 
Jahres im deutschen Land¬ 
wirtschaftsrat in Berlin einen 
Vortrag über seine Moor¬ 
kulturtätigkeit und seine 
Viehzüchtungsversuche 
in Cadinen hielt. Der Kaiser 
schilderte in diesem Vortrage 
die Kultivierung einer 500 
Morgen großen sumpfigen 
Haffniederung. Cadinen wird 
durch eine Düne, die mit 
einem 20 — 30 Meter breiten 
Gürtel vonKiefern und einigen 
Eichenbäumen bestanden ist, 
von einem niedrigen Gelände 
getrennt, das vom Haffe 
alljährlich überschwemmt 
wurde. Auf diesem Gelände 
gedieh wenig, es war be¬ 
deckt von Moor, Schilf, Sumpf 
usw. Zunächst wurde ein 
Wall von etwa 3 Kilometer 
Länge aufgeworfen. Der Wall 
selbst bestand aus einem in 
den Boden geschnittenen 
Kern aus festgestampftem 
Lehm, damit das Stauwasser 
nicht durchging, und Erd¬ 
schüttung mit flacher Außen¬ 
böschung. Gegen den zu starken Eisdruck des Haffs im 
Winter wurde ein breiter Streifen mit Weiden bepflanzt. Hand 
in Hand gingen mit dieser Arbeit die Bemühungen des Kaisers 
um Hebung der Milchproduktion und dazu um Auf¬ 


frischung der Viehrassen. Durch Empfehlung“ des 
bekannten Herrn Karl Hagenbeck in Stellingen bei Hamburg, 
der durch Kreuzungen von asiatischen Zebubullen mit der 
europäischen Kuh gute Resultate erzielt hat, wird dieser 

Versuch auch zurzeit in 
Cadinen gemacht. Diese 
Kreuzungsversuche sind aber 
nichts neues. In Fachkreisen 
sind sie schon eine längst 
bekannte Tatsache. Und das 
Verdienst, diese Kreuzung 
wissenschaftlich und syste¬ 
matisch durchgeführt zu 
haben, gebührt dem Land¬ 
wirtschaftlichen Institut der 
Universität Halle und be¬ 
sonders dem Direktor, Pro¬ 
fessor Dr. Kühn, der schon 
jahrzehntelang eine große 
Anzahl von Kreuzungsver¬ 
suchen mit verschiedenen 
Zeburassen und Hausrindern 
ausgeführt hat, zu denen 
Hagenbeck die Zebus ge¬ 
liefert hat. Herr Hagenbeck 
hat sich für diese Ergebnisse 
lebhaft interessiert und über 
deren Nutzbarkeit wieder¬ 
holt in den letzten Jahren 
angefragt. Die zahlreichen 
Kreuzungen, durch welche 
die neuen Tiere Hagenbecks 
gezüchtet wurden, haben ge¬ 
zeigt, daß bei Verwendung 
schwerer europäischerRinder 
einerseits und den großen so¬ 
genannten Brahminen-Zebus 
anderseits sehr große Kreu¬ 
zungstiere gezogen werden 
können, die bis 20 Zentner 
schwer werden. Die Tiere 
füttern sich sehr leicht und 
setzen leicht Fett an. Im Milchertrage stehen sie zwischen 
den beiden Elterntieren; er kann selbst bei Kreuzungen mit 
guten Milchrassen, wenn das Zebublut in dieser Hinsicht 
durchschlägt, recht kläglich, wenn das Blut einer milchreichen 


Cadinen: 


Pomehrendorfer Bauerntrachten 



Cadiner Zebu-Bulle 

(Phot.: Theod. Reimers, Hamburg) 


Cadiner Kreuzungs-Bullkalb 
(Phot.: Theod.Reimers, Hamburg) 







Nr.l4 DEUTSCHLAND 669 


Empitli^ 
»is'öt 
4llai( 
% ifin/4 
zur® 
^äät H 
ucliesi^, 
nPdcj^ 

‘ eine^ 
'iifcife; 

« Knt 
®(1^ 
fefölin 
demlt 
^timi 

QDij} 

itori 

dera 

?r- 

iznnj? 

;ciiie(i& 

sosnnör 

ZD (Ie 

ebüs f 
laaoii: 
rgek 
undK 
m 
n Jab 
hlreü 
I vab 
geniei 
labcD? 
wende: 
erRini' 
nßeat 
n-ZeD: 

eKiT; 

wenir 

?enu^ 

; lir 
ht c; 
isdi 
?nc 
nsic' 

'idr 



Cadinen: „Nacht", Relief für die Kaiserliche Majolika-Werkstatt, von Reinhold Felderhoff 

(Phot.: Hermann Boll) 


europäischen Rasse die Oberhand gewinnt, gut sein. Das 
Bild auf nebenstehender Seile zeigt den Zebu-Bullen, der seiner¬ 
zeit, als er nach Cadinen kam, 2‘/2 Jahre alt war und sich 
seitdem sehr stark entwickelt hat. Die bisherigen Nach¬ 
kommen dieses Bullens sind schwarzbunte Bullkälber im Alter 
von 6—8 Monaten, bei denen zwar die schöne weißgelbe 
Farbe des Vaters nicht zum Ausdruck kam, die aber auch 
nicht seine grotesken Schönheitsfehler geerbt haben: den 
riesigen Höcker und die schwammige Wamme. Dagegen 
sind die Beine höher geworden. Im übrigen müssen die Ergeb¬ 
nisse, die Cadinen erreichen wird, erst abgewartet werden. 
— Daß der Verkehr der kaiserlichen Familie mit den Cadiner 


Dorfbewohnern ein recht patriarchalischer ist, weiß alle 
Welt. Aber darüber hinaus interessiert sich das Kaiser¬ 
paar für die Lebensweise, Sitten und Gebräuche der Bewohner 
auch der weiteren Umgebung. In den Bauernhäusern finden 
sich noch viele Möbel, Geräte und Trachten aus Urväter¬ 
zeiten, Erzeugnisse eines reichen und auch künstlerischen 
Hausgewerbefleißes. Alte Sitten und Gebräuche werden 
hier noch vielfach aufrecht erhalten, und die Spinn¬ 
stubenromanlik mit altüberlieferten Gesängen und Tänzen 
blüht noch. Oft wurden Pomehrendorfer Bauernfamilien in 
ihrer alten charakteristischen Tracht nach Cadinen geladen, 
um hier ihre Lieder vorzutragen und Tänze aufzuführen. 


Das Alpine Museum in München. 

Von Dr. A. Dreyer (München). 


Seit dem 17. Dezember vorigen Jahres ist München 
um eine eigenartige Sehenswürdigkeit reicher, um die 
es hundert andere deutsche Städte beneiden dürfen: 
auf der Praterinsel, einem landschaftlich außerordent¬ 
lich reizvollen Punkte der bayerischen Hauptstadt, der 
von den beiden Isararmen umflossen wird und an klaren 
Tagen den bezaubernden Anblick der fernen, duftblauen 
Alpenkette gewährt, ragt ein imposanter Bau, die „Isar¬ 
lust", empor, das Heim des neuen Museums. 

Die planmäßige Erschließung des mächtigsten Hoch- 
gebirgswalls Europas war erst den alpinen Vereinigungen 
in England, Frankreich, Italien, Oesterreich, Deutschland 
und der Schweiz Vorbehalten. Die Bezwingung des Mont 


Blanc (1786 durch Paccard und Balmat, 1787 durch 
Saussure), sowie die Erstersteigung des Großglockners 
(1800) hatte die Augen Europas von neuem auf diese 
eisumpanzerte Gebirgswelt gelenkt, die jahrhundertelang 
für die Umwohner wie insbesondere für die spärlichen 
Durchreisenden eine Stätte des Grauens, abergläubischer 
Schrecken war. Noch Winkelmann urteilt 1768 überTirol: 
„Was für eine entsetzlich schaurige LandschaftI" und der 
Schweizer Historiker Johannes Müller findet für seine 
Heimat keine anderen Worte als: „Ein Landwie SibirienI" 
Die Unwegsamkeit dieses Gebirges trug die Haupt¬ 
schuld an der Scheu vor demselben, und wir, die wir 
auf wohlgebahnten, gut gekennzeichneten Pfaden zu 














mo 


DEUTSCHLAND ^ 


einem mäßig hohen Gipfel empqfstBiEgBO ödef imier 
sicheren Obhut eines behördlich autönsierieh Führers 
die Eis- und Sehneeregiön betteieh Titid Jh bequem eint^ 
g er i ch tel^ n Unte r k p n i\ sh aus e rp d r o b en f m An g esic h i 

majestätischer laben und die niuden 

G lieder. ^ul wphIigen Rast ^treck^hk6nneij ns .kaum 

.mehr yQrsTel!en,.wte es einst fe:iVinen 

Vemriö Her ihre segenbrifigende T^atigkeix 
vdntäijsend und abedausend Bergwarvdbrirn. 



........... .- . . .Äi™ 

die fsarlust als Geschenk üb^fließ. So wurde una 
das Alpin^ Museurn ein ^rmPhuH^entales Urderpfänti 
die 11 n to 3 J ic h en Ba n dei Mtihchen rnit dem Deu ts chie ri ; 

Und pesjteTTeidhischen AI pen -Verei i\ verknüpfen^" ; 

Uji le r der ^ ü h ri g en Le 11 uti g d Le n dg ede Lt sjfät s. 

Karl Müiletr eines bifwäbrten und kundigen Alpinisted/ -| 
in dessen Hände der Hmiptausschuß die Leit 
Museüm^:Äj^Jegt.KätiBr-^e'r-ätend 



Weimus 4el: liührsten: auf didseH : 

: Gebiete kantt sich der der ganjefi - an die Sitte gestellt werden, k^hn. Selbst .das, 

AVelt rlih m &n I. der ml PesteL^L b i^che Alpen- Bern eruf fndtctiwöizBrisc he Aipine Mus^tiifv^ das nun ^ 

Verein, der aus :besr;h^idenen Änfängerl sich erhebheb 


Höhe empqrgesc KWuhg^h (h e ute zahlt er über 94 000 
MhglijBder) uhd fes jUfühsame OrschiießungsweTk der 
gesamipn Osl^Alpeh in einem Zeitmum van m^br 
ölk 4f) Röhren ,: glddkjfbb vtdiendei: L&t / ’Nebeh den 

p räkti]^thiii n' Ai'b ei f n V B t n a c K] 35 5 % H r a ubh von 

••.;•■. ;■.' n.dr>'Weiter; ■ 

’mii die . 

und 

d ^n : Na t.Lfirwi s s ^5 n 
' i'-^c h§fidn;i:; ■ w^e feb 
den- ^ Alpen 


vermag piit dem 


Al ü n ch ep et M di^cU rn nicht i n W ettb e w erb za tre ten * 

V’^o r iS !B f ngang zu m Muse um 1 i n ks I ag e r n ■ 17-4- 44 
I e Me i ■ ’ hob e' ■ u n d en ts p rach,e.n d ’ b r e.ite P et 


große 


stütrke^ w-ejehe .die verschiedenen Gesteinsarteti. 

1 rtP' n v^i’^ n ^tr K ji ( 1 1 1 r h<s* h <itt v 1 i e i> i v rv d mit ri r 7 «irf t . u/ s^Vi 


Alpen veian^chaüllchBhVsüU^h tmd md der ZefL; 

■ ■• ■■■ •■■■■ ■'■■■ ■ '■• ihre Zahl sich 

fü n ff ssfC h en. w i rd,ei h ':V; 


ein reie hes Feld 
ihter jBut^tigüng 
ättchfth> w er 
älkelt mm Ivdfsbe- 
reii^r Freund und 

■ Gönn vir-; 

Darum 

ihu^ auch d^r 10b-. : 
ücho üe danke zuf " 
CuCm(b.ing'.:; .r-ielne^'..; 
MüBdums vor^.^fas . 
die . Entwicklung; 
der alpinenWissen"“ 
schaftem der Berg¬ 
steiger- und seiner 
Vereinstätigkeit In 
lebensvoller Weise 
den .kttnfpgen Ge^ 
schk^chfcrri hber- 
söUie^ Vbrr 



^ mr* #<«*«« W»» ■n*HVPlPr««*V«|r«»VV*VH4>VBB« P«« P P« P pM P« PPP p M « P'pP PiPPP pp* ^ P ^4'#^ *^>*4 pPPPpbPMPpPpPpppPpP 

J A.lpine'i Museum, Mündrert' Iri fk.r Mittil der Älpenv.ereTns j 

i GtOvtimrtit V. PHster, rechts- vnm B^schuut'r rfei; Musetims ; 

; Landg.^rir:.li isTti t. ;Km;l MüllVfV Ünks i-'Tah'fi^'tirhv.b-DtQ nfsthei' t i 


d^olktähdlges ,BUd 4". 
slpiner Geologie ■ ! 
en^fötl$n werden.* v ■ 

fmVe^tibüI ruferi 4 j 
rLakchBn/ künst- 4 i 
dich ft Alpe n ros e n - = 
sowie Edelweiß, ■ ! 

ferner treffliche i 
Gemälde von hoch- ' 4 = 
aip in en G egen d e n 
(Dfe Zugspitze von 4. 
Ddlftcfoix ü- a.) die.- 
rechteStimfnixng"in ; ■ ^- 
d^nBeschauerher- . 
von Z^ei Bronze- . 4 
% u ren i n Leb e n 
große (von Ernst 

dm Ein- ; 
Hoch- 
tbiükt4 und ein 4 : 
SkiiäufBrf beide . 
fn. voller Aus- 


^frci^P4p4P**pp |p*^*P f-nl»«« *^#4 4 i'l^llnpiPHiiw p«»p p k« * *« » 4*t«4 *4'» kr« 4 * P4 ^i^*4pP 




die Spmrüer- und 
WintertouHstik itn 


der: vefmu-^hegi^isten Sekfion Mäntiover* die tmlet det;.,. Ho^^bgebiTge Th wirUimgfSvoller4Vi'^eiseT * 
7-rdb?wußten Leitung ihfes niirimeimadenVöTStdodes,4^5- ' Betreten des eGTeh SaaH?. hanT unser eine freudige 4 
Froh t>r. G ArnoUL ln hoher Bilite steht, g.hVg dfe Idde' Uebetröschuiigv. Atrf ‘v Meter hohem Sockel erhebt sich " 4 
zur ErricKlung ilies.es Museums -zu Hegitin. des JahieÄ im der Saales das nesengroße .Rt^hef der : 

1007 aus und w^eckte. ein freirdiges Edw jn den . Läu. mil Mönch und Hig^r (aul:ä2 Quadratmtiter Boden-i^ 4 

des Deutschicn it.nd Qs^siei'remhisch en ALper* TV^^rcKVB. ’. im vA L 250G), h geoplas;,tisches Mei s ter« 4 ■ 

ln derHaupiversammlung diesesVereijis zu M,ünchen wt^rfc 4 bA. kuallck , verslorh Sclmuieer Ingenieurs 

1 m Juli IO OH wur d e die Au 1 s tel 1 u n g eH es sak hen X. 1 m leid.- , je dies ts.ü m pa n/jer l ,e K ö n i gi n d e s B e r ri e r : l -, ■ 

Musetm^s beschfo^^^eti und auch die OiislVage endgülüg Oberlande.'^ .mit ihr^n beidi^n ,frol^?geh . Naciibsrh .i.h iJ-vT 
gere^eär, ■ Zwei; Städte, hatten sich enl^tlich ,dfinmv strablendx^r Prac^ht hm : der; .ist entJf^Tbkt ;;,i'= 

bewöfbervr. Innsbruck und MuFiChen^, dotb wurde diesem Abbtld, hm deul die SofgfaU des Klrn^tJers diip 4i4r,' 
dieses m^l großer SiimHeum^bTheil.-^ Sftz der neue ä; 4 ^’ä;hirtr€U*ä ins. kte,röste Öeiäil geWahrf Hat- Nieht 0^4> 

öipt n e n Sc hi) p h \n g e rk ot^ n. De n Auss t: hl ug d a h er ga F: w e nigm; > ds GOt) OOi i B aiünc b e n st dd ü u f d ß n Ma tte n uh d 
diö’günstige geögmphls;(:he^ L Mimr>,ens; ^ verstreut, die sich zu Füßen dieseir Bergriesen ;4 - 

fö li r ts ziel^ üi viö ni uh sä hl i gä n B e L^^y n d hn, ds r E Hgäb gs-^ ■; sch m i hg an/ VO' ei che Un s u m m e vo n i^c hn i ^ e t\ . 4' ■ - 

p.fqrte ÄU d eri xX ipe n; t mil ftkht mihd er das Kq thbef ■; upd pemlk h genau er A rbeit dieses ReH^f iii sic h bJrgt, d as T ;:; ;' 
Anerbieten der Suädtgemeindür die dem Alperi-V^^ereU) Vt*rmag selbst der Eingeweihte kaum voll s^u bemessen, 





udei; 

teipt; 

iDcou 

pfei* 

Usus 

«ifc 

Stt; 

risiis: 

ihn!; 

K: 

k 

nii: 

I t: 

te f-, 
to 

sich' 

ifir.' 

ges': 

&o: 

IT; 

Mr: 

, t 

pewj 

iddn 

rf:. 

vori' 

jeft. 

ipitic 

:iLi 

mc: 

laiic."’ 

iBrc:. 
Uh: 
)n l' 
im i 

Hd : 
1 ^. 
r 

rkou^ 

er*' 

isfl 

:h 


ebts^' 
>r Je. 
Boc'^ 

enie- 

ßer: 

larn 

:kt^ 

ers^ 

.Nie' 

rfi^ 

onT'* 

it,c 

,ess« 



Alpines Museum, München: Vestibül und Haupteingang- mit den beiden Fig-uren: Bergsteiger und Skiläufer 

(Geschenk des Münchener Bildhauers E. Geiger) (Phot.: Kester & Co., München) 



Alpines Museum, München: Blick in den oberen Saal 


(Phot.: Kester & Co., München) 
























672 DEUTSCHLAND Nr. 14 




Ein weiteres Glanzstück des Museums bildet eine 
alpine Tiergruppe auf einem künstlichen Felsen. Die 
charakteristischen Vierfüßler und Vögel der Hoch¬ 
regionen sind hier auf engem Raum zusammengedrängt: 
auf hoher Felsenzinne ein mächtiger Steinbock, etwas 
tiefer die flinke Gemse, der raubgierige Luchs, der 
gefräßige Bartgeier, der gefährliche Steinadler mit einem 
erbeuteten Hasen, dann neben bekannteren Typen dieser 
Tierwelt aixh die scheuen Murmeltiere in und vor ihrer 
Höhle, die possierlichen Alpenhasen und das Schnee¬ 
huhn, ebenfalls im blendend weißen Winterkleide. 

Unweit davon ist eine Sammlung von Steigeisen und 
Eispickeln verschiedener Art aufgestellt, die das Interesse 
der Hochtouristen in hohem Grade erregen, während 


Alpines Museum, München: 

Alte Grödner Tracht (Phot.: Kester & Co.) 

bungen hält vielleicht kein anderer alpiner Verein so 
hoch und unterstützt sie so freigebig, wie der Deutsche 
und Oesterreichische Alpen-Verein, ln diesem Trakt 
grüßt die wohlgelungene Büste des größten deutschen 
Alpinisten, Ludwig Purtscheller (dessen bergsteigerische 
Ausrüstung hier pietätvoll aufbewahrt wird) die Berg¬ 
freunde vertraut, umrahmt von einer Serie verschieden¬ 
artiger Eispickel, und die von Prof. Giesenhagen treff¬ 
lich angeordneten Pflanzengruppen in Bild und Natur (die 
Flechten, die Frühblüher der Matten, die Blütenpflanzen 
oberhalb der Schneegrenze, die Kalkpflanzen, die am 
meisten bedrohten Kinder der alpinen Flora usw.) er¬ 
füllen uns mit Staunen darüber, daß die floristische Welt 
selbst in den Hochregionen noch so reich vertreten 


die zahlreichen Hüttenmodelle daneben, die zum Teil 
Einblicke in das Innere dieser alpinen Unterkunftshäuser 
gewähren, auch die Blicke der Nichtalpinisten auf sich 
ziehen. Die Modelle von Hütten alten und neuen 
Schlages (das alte und neue Hannoverhaus, die alte 
und neue Berliner Hütte u. a.) zeigen nicht allein den 
Fortschritt im Bau dieser Herbergen für Alpenwanderer 
in einem Zeitraum von 20 bis 25 Jahren, sondern sie 
veranschaulichen auch, was den Umfang und die Größe 
sowie die komfortable Einrichtung dieser nun beinahe zu 
„Alpen-Hotels" gewordenen Berghäuser betrifft, besser 
als Zahlen die gewaltige Zunahme der Hochtouristik in 
den letzten Jahren und die — Ansprüche der verwöhnten 
Touristen von heute. Mit Milch, Käse und Schwarzbrot 
und einem einfachen Heu¬ 
lager in einer ärmlichen 
Hütte begnügten sich die 
Pioniere der Alpen; die 
jetzige Generation dagegen 
will selbst auf Bergtouren 
nicht allzuviel von ihrer 
Bequemlichkeit vermissen. 

An die stets wachsende 
Ausdehnung des Winter¬ 
sports erinnert das nied¬ 
liche Modell des Schnee¬ 
schuh-Vereins München 
wie auch eine stattliche 
Reihe von Skiern aus ver¬ 
schiedenen Zeiten und in 
mannigfachen Formen. — 

Wie im nördlichen Teil des 
Saales stehen nun auch im 
Südflügel Gegenstände der 
alpinen Wissenschaft und 
derHochtouristik einträchtig 
nebeneinander. Man wollte 
geflissentlich nicht schema¬ 
tisieren, und damit hätte man 
ja auch wider die Entwick¬ 
lungsgeschichte des Alpinis¬ 
mus gesündigt. Männer der 
Wissenschaft waren zumeist 
die ersten Bergeroberer in 
den Alpen, und wenn auch 
heute das sportlicheElement 
hier Oberwasser hat, die 
wissenschaftlichen Bestre¬ 
ist. Was der Bergbau in den Alpen zu Tage fördert, ist 
daneben an einem konkreten Beispiel, der Ausbeute 
vom Schneeberg im Stubai, deutlich versinnbildlicht. 

Gegenüber dieser Gruppe sind die Erzeugnisse der 
Hausindustrie in den Alpen in ansprechenden Gegen¬ 
ständen aufgestapelt, Zeugnisse des Fleißes, aber auch 
der Kunstfertigkeit der Aelpler. Zweifellos wird diese 
Abteilung noch um manche wertvolle Stücke bereichert 
werden. Die beiden Vorräume zu dem Hauptsaal im 
Erdgeschoß bieten für den Freund der Wissenschaft 
wie der Bergsteigerei Anregendes und Belehrendes in 
Hülle und Fülle. Wohl nirgends ist beispielsweise die 
Entwicklung der alpinen Kartographie von ihren ersten 
tastenden Anfängen bis zu ihrer heutigen hohen Stufe 


Alpines Museum, München: Grödner Tracht 
(Phot.: Kester & Co., München) 















(Phot.: Kester & Co., München) 

Alpines Museum, München: Tiergruppe im unteren Saal 









674 DEUTSCHLAND Nr. 14 




so lückenlos dargestellt worden als gerade hier. Zahl¬ 
reiche alte Karten bekunden, daß die Kartenzeichner 
des 16.—18. Jahrhunderts sich mit der Erforschung des 
Namens und der Lage der Berge nicht lange abquälten, 
sondern oft recht willkürlich verfuhren. Ja, selbst der 
Mont Blanc ist in den ältesten kartographischen Erzeug¬ 
nissen nicht einmal verzeichnet! 

Aus den hier und im oberen Saale aufgestellten 
Panoramen und Bildern aus der Frühzeit des Alpinismus 
erhellt ferner, daß die Künstler und Zeichner der 
damaligen Periode bei der Darstellung der Berg¬ 
bilder am Ende ihres Könnens angelangt waren. Den 
einen erschienen sie als 
Maulwurfshügel in ver¬ 
größertem Maßstabe, 
den andern als ein 
Gewirr von Nadeln und 
Spitzen; allein die 
charakteristische Form 
der Berge vermochte 
keiner von ihnen auch 
nur annähernd wieder¬ 
zugeben. Tabellen und 
andere graphische Dar¬ 
stellungen eröffnen uns 
hier dankbare,leicht ver¬ 
ständliche Einblicke in 
dieGeschichte des Alpi¬ 
nismus wie seines vor- 
nehmstenVertreters des 
Deutschen und Oester- 
reichischen Alpenver¬ 
eins. So werden u. a. 
veranschaulicht: Die 

Höhenlage der Schutz¬ 
hütten des Vereins, die 
Bezwingung der be¬ 
deutendsten Ostalpen¬ 
gipfel in chronologi¬ 
scher Folge, das An¬ 
schwellen der Alpinistik 
und des Wintersports, 
lehrreicheMomenteaus 
der Physiologie und 
Technik des Berg¬ 
steigens u. a. mehr. 

Alte Reisehandbücher, 
alpine Beschreibungen 
der vergangenen Tage 
mit charakteristischen Wiesbaden: Der 

Bildern, Karten usw. in Vitrinen ergänzen dieses 
Bild von der Entwicklung der Hochtouristik nach 
der literarischen Seite hin. Alle diese Werke sowie 
die Panoramen und Karten und auch nicht wenige 
alte Stiche und Handzeichnungen (darunter eine Zeich¬ 
nung des Großvenedigers von dem jungen Defregger), 
ferner die Briefe angesehener Alpenfreunde stammen 
aus dem Schatze der 1902 begründeten, nunmehr 
über 42 000 Nummern umfassenden Zentralbiblio¬ 
thek des Alpenvereins, und ihre andern Kostbar¬ 
keiten an Büchern und bildlichem Material werden 
erst jetzt im Museum zu verdienten Ehren gelangen* 


Im Treppenhaus (auf dem Wege zum oberen Saale) 
fesseln den Blick außer kunstvollen Seilknoten und Weg¬ 
markierungen vor allem prächtige Pflanzenbilder, „Leih¬ 
gaben" des nun schon 10 Jahre segensreich wirkenden 
„Vereins zum Schutze und zur Pflege der Alpenpflanzen". 

Im oberen Saal ist eine überraschend große Zahl 
von Reliefs vereinigt, und man hat hier des Guten 
vielleicht etwas zu viel getan. Allerdings liefen gerade 
in diesem Artikel zahllose Spenden ein, von denen 
selbstredend nicht alle zur Schau gestellt wurden. 
Den Preis verdienen hier das Relief des Malaspina¬ 
gletschers in Alaska und des Matterhorns von Imfeld, 

während eine noch 
nicht ganz vollendete 
geoplastische Veran¬ 
schaulichung des alten 
Inngletschers besonders 
lehrreich wirkt. Das 
letztere gilt auch von 
den ausgestellten Gift¬ 
schlangen der Alpen, 
ferner von hervor - 
ragend schönen Bildern 
aus dem Tian Schan 
von Merzbacher und 
anderen Darstellungen 
alpiner Landschaften 
(von Reschreiter usw.). 
Dem Alpenfreund Erz¬ 
herzog Joh. von Oester¬ 
reich (dem ehemaligen 
Reichsverweser), dem 
berühmten Freund des 
österreichischen Hoch¬ 
gebirges, ist hier eine 
eigene Abteilung ge¬ 
widmet: Aquarelle und 
Kopien von solchen 
Bildern, die in seinem 
Aufträge von J. Gauer¬ 
mann, M. Soder und 
Th.Ender gemalt wurden 
und als Vorwurf nicht nur 
Hochgebirgslandschat- 
ten wählen, sondern 
den bergfreudigen Erz¬ 
herzog selbst auf seinen 
Hochlandsfahrten. 

Eine Fülle belehren- 
Kurpark im Winter der Bilder wogt an dem 

Beschauer des Museums vorüber, der hochbefriedigt 
das Gebäude verläßt und es gar nicht empfindet, daß 
diese jüngste Schöpfung des Deutschen und Oester- 
reichischen Alpen-Vereins, die ein neues Ruhmesblatt 
in dessen Geschichte bedeutet, noch im Werden be¬ 
griffen ist. Mit Eifer will der Verein die Vermehrung 
und den innern Ausbau desselben betreiben, und in 
diesem löblichen Bestreben wird er — und das ward 
jüngst offen ausgesprochen — von der Stadtgemeinde 
München kräftigst unterstützt werden, die neben der 
treuen Obhut für die Kunst auch die warmherzige 
Pflege des Alpinismus auf hier Fahne geschrieben hat. 





Nr. 14 DEUTSCHLAND 1^ 


675 


Wintertage in Wiesbaden. 

Von Ludwig Anders. 


Bei meinem Schreibtisch steht im Flitterglanz der 
Weihnachtstage eine breitästige Tanne. Hoch und schlank 
ragt sie vom Boden auf und füllt mit ihrem stolzen Wüchse 
die ganze Höhe des Zimmers. Ich kann sie nicht sehen, 
ohne zurückzudenken, von wannen sie kommt. Gleichsam 
Wurzel muß ich ihr leihen; hinter ihr höre ich den Wald 
rauschen, der meinem Hause nahe ist und den sie mir in 
das Zimmer getragen hat, und der Sinn, der jetzt gerade an 
Haus und Herd haften sollte, er zieht mit dem Harzduft, den 
die Nadeln sehnsüchtig ausströmen, träumerisch in die 
Feme. Ich muß an den Wald denken, dem sie entführt 
worden ist, und der jetzt ernst und schweigend steht im 
winterlichen Tagesweben. Die Vögel sind fortgezogen und 
er hat seine Stimme verloren — es sei denn, daß mit schweren 
Flügelschlägen ein Rabe über die Wipfel rudert oder die 
stämmigen Bäume aufstöhnen im brausenden Sturm, dem sie 
den Eintritt wehren in das friedliche Tal, um das sich der 
Wald, keck den Bergwall emporstrebend, schützend gelegt 
hat. Wie ein treuer Wächter steht er feierlich auf den 
Bergen und Hängen — dieser schöne, wundersame Taunus¬ 
wald, der seit Jahrtausenden mit seinen verborgenen Wundern, 
seinen schönen Heimlichkeiten, idyllischen Tälern und Kesseln 
die Menschen gelockt hat, daß sie schon in grauer Vorzeit¬ 
tagen aus weiten Fernen an den Rhein wallfahrten, sich in 
den Bergtälern des Taunus verloren und die müden und 
bresthaften Knochen in den heilsamen Wässern der Quellen 
stärkten und auskurierten, lieber der Zeiten tobendem Lärm 
haben sie ihre Kraft bewahrt, und wo im Talgrunde das 
heilkräftigste Wasser dem Mutterschoß der Erde entquoll, 
wuchs gemächlich aus römischer Lagerfeste eine wehrhafte 
Stadt empor, die vom Fürstensitz zur Residenzstadt sich 
entwickelte und mit heiterm Glanz und frohgemuter Art 


sich heute kaum der Tage erinnert, da römische Kohorten 
zum erstenmal im Bereiche ihres Wunderquells erschienen. 

Das alles hat der Wald gesehen, aus dem die Tanne 
bei meinem Schreibtisch stammt, der Wald, zu dem in der 
Dunkelheit das flimmernde Lichtmeer der großen Stadt 
hinaufleuchtet, als sollte es ein Gruß und ein Dank sein 
für den Schutz, den er ihr angedeihen läßt. Wiesbaden 
und der Taunuswald — sie sind eng miteinander ver¬ 
wachsen. Die Stadt ist in Tälern und auf Berghängen zu 
ihm heraufgestiegen und in ihn hineingewachsen, und er 
selber schob seine Bäume und Büsche in ihr pochendes, 
frohes, saft- und kraftstrotzendes Herz, so daß man vom 
Kurhaus aus durch den Kurpark und die benachbarten An¬ 
lagen gehend direkt in den Wald gelangen und sich auf 
stundenweiter Wanderung in ihm ergehen kann. 

Es ist das Wunderbare an dieser großen Stadt, deren 
Badequellen und Kurfaktoren weltberühmt sind, daß sie nicht 
nur eine Stadt der Gärten, nein, daß sie eine Stadt des 
Waldes ist — eine Waldstadt, wie es eine andere kaum 
mehr gibt unter den Großstädten der Erde. Andere Gro߬ 
städte haben manchmal Wald, „ihren Wald'^ aber Wiesbaden 
ist im Walde. Der Wald ist zur Weltkurstadt hinunter¬ 
gekommen und sie zu ihm hinaufgestiegen. Zu seinen 
Füßen breitet sich die Bade- und Kur-Großstadt aus, füllt 
den weiten Talkessel zwischen den Taunusbergen, dehnt und 
reckt sich, bis die vorgeschobenen Landhaus- und Villen¬ 
quartiere im Osten und Westen wieder im Walde ver¬ 
schwinden, genau so wie der ganze Norden der Stadt. 

Denn nordwärts reckt sich der Taunus zu riesenhaftem 
langgestrecktem Buckel auf, wird scharf geschnitten von der 
Schlucht des Sonnenbergertales und steigt dann über Bierstadt, 
Kloppenheim zu dem breiten hügeldurchzogenen Hoch- 



Wiesbaden: Paulinenschlößchen im Winter 





















676 DEUTSCHLAND Nr.l4 


plateau des ^goldenen Grundes" auf, an dessen westlichem 
Absturz sich das apfelweinberühmte Erbenheim hingelagert 
hat, der Nachbarort des Wiesbadener Rennplatzes, einer der 
technisch vollkommensten und der schönst gelegenen Europas, 
mit einem Rundblick so unvergleichlich wundervoll wie die 
reizvolle Großstadt zu seinen Füßen. 

Wiesbaden! Mattiacum hießen es die Römer, und es 
geht wie Glockengeläute durch das Wort. Weich und 
lockend, daß man es wohl begreifen mag, die Erinnerung 
daran über dem Portale von Professor Thierschs klassisch« 
schönem Kurhaus«Neubau festgehalten zu sehen. 

Die Römer wußten, wo es sich gut sein ließ, aber ihre 
Nachfolger haben ''auch verstanden, an bequemer Stätte 
Hütten zu bauen. Nun, und wir Gegenwartsmenschen haben 
in dieser Kunst ebenfalls etwelche Erfahrung. Wie sollte 
sich sonst der Aufschwung erklären, den Wiesbaden in 
jeder Beziehung nimmt. Freilich, freilich: Die meisten Zeit¬ 
genossen kennen es nur vom Frühjahr oder vom Sommer 
her — geradeso, als ob seit etwa einem Vierteljahrhundert 
nicht der Winter „entdeckt'^ worden wäre. Neuerdings 
natürlich, denn die „Entdeckung des Winters" ist, was Wies¬ 
baden anbelangt, seit Jahrhunderten schon ein geschicht¬ 
liches Geschehnis. Lesen wir darüber doch in uralten 
Schwarten gelehrter Häupter, daß der Gebrauch der Wies¬ 
badener Bäder zur Winterszeit sich sehr empfehle, „weilen 
die warmen Wasser ihre Vires durch die Kälte nicht ver¬ 
lieren, sondern weilen die kalte Luft verhütet, daß ihr sub¬ 
tiles flüchtiges Wesen nicht so geschwind als bei der 
Sommerhitz ausdünstet, so muß folgen, daß diese warme 
Wasserkur im Winter ebenso gut, wo nicht besser als im 
Sommer zu gebrauchen''^ 

Gewiß, dieser medizinische Lobredner — der Frank¬ 
furter Medikus Dr. Joh. Hellfrich Jünckens war es — spricht 
nur von den Bädern. Aber er lobt eben, was ihm am 
nächsten lag, und Wald und Bergen wird der alte Herr 


vielleicht nicht sonderlich Freund gewesen sein, denn die 
waren der Gesundheit weniger zuträglich — von wegen der 
Raubgesellen, die drinnen hausten. — — 

Lieber Freund! Vor dem Kurhaus hör' ich Schellen¬ 
geläute. Da steht die lange Reihe der Schlitten, die zahl¬ 
reiche Freunde der Winterlandschaft hinausführen werden 
auf hurtiger, täglich von der Kurverwaltung veranstalteter 
Fahrt in das Waldrevier der Taunusberge. Was ist das 
für ein fröhliches Dahingleiten und wie wechselvoll die Fülle 
der Bilder. Erst fliegt die Stadt vorüber, lebenerfüllt im 
Glast sonnenheller Wintertage — ist es doch eine Eigenart 
Wiesbadens, daß sie nur sehr wenig sonnenlose Tage im 
ganzen Jahre hat. Wochen mögen vergehen, ehe ein völlig 
trüber Tag kommt, an dem nicht wenigstens auf ein Stündlein 
die Sonne herniederlacht. Dann öffnet sich bald der Wald 
mit seinen stillen Wundern und heimlichen Schönheiten. 
Und wo sich eine Lücke in seinem Bestände zeigt, wo frucht¬ 
barer Ackerboden breite Felder in den Forst schneidet, da 
bezaubern weite, herrliche Fernsichten das Auge, das nichts 
als schauen mag und sich nicht losreißen will von dem 
zaubervollen Panorama. Dann tauchen aus Wald oder Feld 
hervorwachsend, tief im Talgrunde oder auf der Höhe 
liegend, schmucke, saubere Dörflein und kleine betriebsame 
Städte auf, da und dort schmiegt sich in den Waldesschutz 
auf aussichtsreichem Bergeshange ein stattliches Schloß oder 
behagliches Landhaus, am steilen Felsensturz oder auf 
buckligem Bergkegel ragt trotzig eine verfallene Burg 
empor und erzählt mit ihrem moosbewachsenen, bröck¬ 
ligen Gemäuer von romantischer Ritterzeit, von kühner 
Männertat oder nüchternem Raubgewerbe adliger Schnapp¬ 
hähne. Ja, es war einmal — Anno dazumal — das kommt 
nicht wieder vor. 

Aber so werden tausendfache Erinnerungen lebendig ; 
Märchen, Balladen und Romanzen regen sich, wenn man 
durch die Taunuslande mit der Wiesbadener Kurverwaltung 



Wiesbaden vom Neroberg aus 








Nr. 14 DEUTSCHLAND 677 


fährt. Das eben ist es ja, was diesen Fleck Erde so 
wunderbar anziehend macht; die innige Verschmelzung der 
Landschaft mit der Romantik des deutschen Volkes, mit seiner 
großen Vergangenheit, in der die „Heldenlobebären" durch 
die Lande ritten, der Kriegslärm tobte und in Not und 
Schmerzen die rheinische Kultur geboren wurde, von der 
das heutige Wiesbaden ein leuchtendes Musterbeispiel ist. 

Wiesbaden zur Winterszeit. — Ein neuer Ton in 
einer alten Melodei. Eine Taunusouvertüre. Denn Wies¬ 
baden ist mehr der Taunus, als jeder andere Ort in ihm. 
Seine ganze Eigenart strömt hier zusammen und findet in 
dieser Stadt ihren kräftigsten Ausdruck. Das Lieblich-Herbe 
der Taunuslandschaft, alle seine Heilkräfte finden sich hier 
in gesteigertem Maße und schaffen vereint mit der unver¬ 
gleichlichen Lage, der Größe und dem historischen Wachstum 
der Stadt eine Reihe von Vorzügen, die nirgend wo anders 
zu treffen noch zu erzeugen sind. 

Wie sollte es auch möglich sein. Man kann nicht Berge 
aufschütten, um einen Talkessel zu schaffen, der eine Stadt 
aufnimmt und sie vollkommen schützt gegen alle rauhen 
Winde; man kann 
keine Gebirgsrücken 
hochtürmen,um,nord - 
wärts gelagert, jeden 
kaltenLuftstrom fern¬ 
zuhalten, man kann 
trotz aller chemischen 
Wissenschaft auch 
keine Quelle dem 
Kochbrunnen gleich 
aus den Eingeweiden 
der Erde springen 
machen. 

Wenn es ander¬ 
wärts stürmt und 
unfreundlich ist, die 
Bäder im Norden 
geschlossen und im 
Süden noch nicht offen 
sind, im Hochgebirge 
aber die Wintersport¬ 
saison in den An¬ 
fängen steckt, dann 
lacht im Mattiacum 
der Römer freundlich 
die Sonne, füllt alle 
Winkel mit ihrem hellen Scheine und läßt ein Leben sich 
entfalten, wie es eben nur eine Weltstadt von der vor¬ 
nehmen Vergangenheit Wiesbadens und seiner kultivierten 
Tradition bieten kann. Das milde Klima Wiesbadens ist 
bekannt und berühmt wie seine Heilquellen. Gerade des¬ 
wegen hat die Stadt sich ja als Winterkurplatz so ein¬ 
geführt und ist als Uebergangsstation aus dem rauhen 
Norden zum Süden oder umgekehrt beliebt geworden. Wie 
sollte sie auch nicht mit ihren vielgestaltigen Anregungen 
und Reizen. Neben den großen Veranstaltungen des Kur¬ 
hauses, unter denen die Vortragsabende, die Zykluskonzerte, 
die Ballfestlichkeiten einen ganz außergewöhnlichen Ruf 
erlangt haben, steht das glanzvolle Hoftheater mit einer 
beträchtlichen Reihe hervorragender Künstler im Schauspiel 
wie der Oper, das Residenztheater, berühmt durch die 
Ensemblefeinkunst, die in ihm gepflegt wird, gibt es ein 
bürgerliches Schauspielhaus, ein gutes Operettentheater, 
bieten sich zahllose andere Gelegenheiten zu künstlerischer 
und geistiger Erbauung oder vergnüglicher Unterhaltung. 
Das ganze Leben, das an dem Kurgaste vorüberzieht, zeigt 
einen eleganten vornehmen Zuschnitt, der seine scharfe Aus¬ 
prägung findet in dem täglichen Korso um die Mittagstunde 


oder die nachmittägliche Trinkzeit auf der Kurpromenade 
und der Wilhelmstraße. Die Frühtrinkzeit für das heil¬ 
kräftige Kochbrunnenwasser — in der Trinkhalle^finden auch 
in der kalten Jahreszeit Konzerte statt, wie im Kurhause 
täglich mehrmals von der berühmten Kurkapelle — verschiebt 
sich natürlich im Winter. Man trinkt seinen Brunnen 
zwischen TT und 12 oder nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr 
und promeniert dann ein wenig auf der Wilhelmstraße, einer 
der schönsten Straßenanlagen Deutschlands, von der der 
holländische Kunstmaler van Warning ein prächtiges Oel- 
bildchen impressionistischer Manier gemalt hat. Dabei läßt 
man Wiesbadens elegante Gesellschaft Revue passieren, 
pflegt ein bißchen Kurklatsch, tauscht Neuigkeiten aus und 
trifft Verabredung für den Abend oder die kommenden Tage. 
Wer aus Neigung oder gesundheitlichen Gründen im Freien 
sich ergehen will, dem öffnen sich die nahe Umgebung der 
Stadt wie der weitergelegene Taunus. Mancherlei Unter¬ 
nehmungen allein oder in Gesellschaft können den Tag aus¬ 
füllen. Terrainkuren der verschiedensten Art stählen den 
Leidenden, der ihrer bedarf, wer seine Freude an Wald- und 

Berg - Wanderungen 
hat, kann stundenweit 
im Waldesdom und 
im Gebirge auf be¬ 
quemen und schwie¬ 
rigeren Wegen um¬ 
herschweifen, rasch 
kommt er auch mit 
Wagen und Bahn in 
den hohen Taunus 
oder hinüber zum 
nahen Odenwald und 
Spessart. Fröhliche 
Fahrten in den Rhein¬ 
gau, rheinauf und 
rheinab lassen sich 
machen, und wenn 
dann gar der Winter 
eine dichte Hermelin¬ 
decke über Gebirge 
und Tal gebreitet, 
die Gewässer in 
Banden geschlagen 
hat, juchha, dann ist 
die Hochgezeit des 
sportlustigen Winter¬ 
freundes gekommen. Der Schlittschuh wird an den Fuß 
geschnallt, der Rodelschlitten hervorgeholt und aus der 
Ecke die Skier genommen. Dann geht es hinaus, und auf 
den Eis- und Rodelbahnen, die Wiesbaden in solcher 
Fülle und prächtig angelegt hat, entfaltet sich ein frohes, 
übermütiges Treiben. Dazu die klare frische Winterluft, 
die so belebend, kräftigend und reinigend durch die 
ganze Stadt weht, daß einem das Herz aufgeht und man 
sich nicht trennen will und kann von diesem herrlichen 
Erdenfleck, den ein Gott in glücklichster Laune zur Freude 
der Menschen geschaffen. 

Und sie danken es ihm und wissen es zu würdigen. 
Um mehr als 4000 Köpfe hat im Jahre 1911 die Zahl der 
wirklichen Kurgäste (59 342) bei einer Gesamtfrequenz 
von über 176000 gegen 1910 zugenommen und davon sind 
nicht die wenigsten im Winter gekommen. Viele benutzen 
Wiesbaden als Uebergangsstation, andere wieder suchen es 
sehr mit Recht als direkten Winterkurort auf, recht zahl¬ 
reich aber ist auch schon die Zahl jener, die aus winter¬ 
sportlichen Gründen hier Quartier nehmen. Jedem Geld¬ 
beutel kann hier Rechnung getragen werden; denn daß 
Wiesbaden ein teueres Pflaster wäre, ist nichts anderes 




678 DEUTSCHLAND Nr. 14 


als ein leeres Gerede. Die Fülle seiner Hotels, Pensionen 
wie Restaurants bietet jegliche Gewähr für weislich ab¬ 
gestufte Beherbergungs- und Verpflegungssätze, die schon 
durch den Charakter, Wiesbaden als Großstadt, bedingt 
werden. Der Reiche wie der weniger Bemittelte werden 


hier ihre Ansprüche vollauf befriedigen können. Deshalb 
kommt die Weltkurstadt im Taunus auch als Ruhewohnsitz 
neben ihren sonstigen Vorzügen sehr in Frage, vielleicht 
auch deshalb, weil sie ein Wohnungswesen von so ver¬ 
feinerter Kultur hat, wie wenige andere Städte von ihrer Größe. 


Deutsche Kunst in Belgien. 

Von Julius Wertheimer (Brüssel). 


Die engen geistigen Beziehungen, die zwischen 
Frankreich und Belgien bestehen, und die weniger ein 
Produkt der politischen Verhältnisse als eine Folge der 
Sprachgleichheit sind, haben es mit sich gebracht, daß 
die Geschmacksrichtung der Belgier sich eng an die 
ihrer westlichen Nachbarn anlehnt. Schon aus diesem 
Grunde konnte eine engere Fühlung zwischen dem 
deutschen und dem belgischen Kunstempfinden nicht 
geschaffen werden. Wenn man sich heute der Ab¬ 
stammung der Belgier erinnert und herausgefunden 
hat, daß der Vlame nicht nur Rasse-, sondern auch 
Geschmacksgemeinschaft mit uns haben muß, so ent¬ 
spricht dieser Gedanke der in Deutschland mehr und 
mehr sich breit machenden Expansions-Notwendigkeit. 
Aus diesem Grunde geschah es wohl auch, daß die 
ersten Versuche einer deutsch - belgischen Kunst- 
Annäherung, von denen ernstlich gesprochen werden 
kann, von den Kunstgewerben ausgingen, also weniger 
von den Intellektuellen als von den Kommerziellen. 


Auf der Welt-Ausstellung in Brüssel vor zwei Jahren 
erschien Deutschland mit einer bedeutenden Raumkunst- 
Ausstellung, in der so ziemlich wahrheitsgemäß über 
den heutigen Stand unseres Kunstgewerbes berichtet 
wurde. Für jeden Deutschen, der Belgien und Frankreich 
kennt, war es sofort klar, daß es vorerst ein Problem 
bleiben müsse, mit derartigen Kunstprodukten die 
längst ersehnte belgisch-deutsche Kunst-Annäherung 
herbeizuführen. Die Innendekoration, deren sich der 
Belgier bedient, entstammt immer noch dem klassischen 
französischen Zeitalter, und da, wo die Moderne ein 
wenig mitgesprochen hat, findet man nichtsdesto¬ 
weniger eine Anlehnung an das Zeitalter der fran¬ 
zösischen Könige. Schon aus diesem Grunde bestaunte 
der Belgier das, was Deutschland vorführte, mehr als 
eine Kuriosität, als die Emanation ernst ringender 
Künstler, denen es darum zu tun ist, dem großen 
Deutschen Reich einen eigenen Stil zu schaffen. 
— Während man es unternommen hatte, den Belgiern 



Dorfecke, holländische Landschaft, von Prof. Eugen Kampf, Düsseldorf 















Nr. 14 DEUTSCHLAND 67Q 


die Raumkunst darzubieten, haben es unsere Künstler 
nicht gewagt, sich an der großen internationalen Kunst¬ 
ausstellung zu beteiligen, die im Cinquantenaire während 
der Welt-Ausstellung veranstaltet wurde. Offiziell hat man 
damals gesagt, Deutschland habe große Verpflichtungen 
in Rom zu erfüllen und könne seinen Künstlern nicht 
zumuten, zwei Jahre hintereinander bedeutende große 
Kunstausstellungen zu beschicken. In Wirklichkeit war 
das Fehlen der deutschen Kunst auf jener großen 
Ausstellung zu erklären mit der absoluten Ablehnung, 
die unsere Künstler auf der letzten Welt-Ausstellung in 
Lüttich erfahren haben. Nicht mit Unrecht. Denn damals 
war deutscherseits eine recht wenig passende Aus¬ 
wahl der auszustellenden Werke getroffen worden, und 
was nachher hier und da auf anderen belgischen Kunst¬ 
ausstellungen gezeigt wurde, war wahrhaftig auch nicht 
geeignet, den Belgiern den Glauben beizubringen, daß 
wir ernst ringende und ernst schaffende Künstler 
besitzen, die nicht nur ein Können, sondern auch ein 
Wollen haben. Gewiß muß zugegeben werden, daß die 
belgische Kritik nicht gerade vollständig frei von Vor¬ 
urteil ist. Es erklärt sich das aus der Schulung dieser 
Leute und aus der geistigen Abhängigkeit, in die sie all¬ 
mählich geraten sind. Die belgische Presse ist gewöhnt, 
alles unter dem Gesichtswinkel der französischen Presse 
zu betrachten, und selbst ihre besten Vertreter vermögen 
sich nur erst nach und nach und unter schwerem Ringen 
von den Fesseln vieler Jahrzehnte zu befreien. Man 


konnte das am besten beobachten bei der Beurteilung 
dessen, was Deutschland in der Raumkunst-Abteilung 
der Brüsseler Welt-Ausstellung leistete. Es wurde zwar 
anerkannt, daß hier ernste Künstler nach einer selb¬ 
ständigen Ausdrucksmöglichkeit strebten, das Ganze 
aber wurde doch etwas summarisch als für den 
romanischen Geschmack ungenießbar hingestellt. Selbst 
die vortreffliche Auswahl von Bildern, die Professor 
Clemen (Bonn) getroffen hatte und die in dem Raum 
eines Kunstfreundes vereinigt war, fand nur bedingte 
Anerkennung da, wo sie überhaupt beachtet wurde. 

Es lag deshalb allen ehrlichen Freunden deutscher 
Kunst — und es gibt deren in Belgien — nahe, einmal 
den vollgültigen Beweis zu liefern, daß unsere Kunst 
sich der belgischen nähert, zum mindesten aber neben 
ihr bestehen kann. Man trug sich eine Zeitlang mit 
dem Gedanken, im Jahre 1913 in Brüssel eine große 
deutsche Kunstausstellung zu veranstalten, aber es 
scheint, daß die leitenden Kreise diesen Gedanken 
wieder aufgegeben haben, denn trotz des Entgegen¬ 
kommens der belgischen Regierung, die sich bereit 
erklärte, ein derartiges Unternehmen tatkräftig zu unter¬ 
stützen, hat man bis zur Stunde über den Plan nichts 
mehr vernommen. Da kam urplötzlich die letzte große 
Aquarell-Ausstellung der Belgischen König¬ 
lichen Gesellschaft der Aquarellisten, die mit 
einer deutschen Abteilung aufwartete. Die Auf¬ 
nahme, die unsere deutschen Künstler schon am Firnis- 



Holländische Stadt, von H. Cassiers, Brüssel (Phot.: V. Hennebert, Brüssel) 



















V 






haben f überttiiä v mah erkan nte 
Erfolg, der Wn]^^hr.’.erzkU ^ w 
hätte ersliy;:S^6fd^ert,kö wenn 
hätte^. eiViö Kurt^it^er zur 

ßiiäii^^^ßiner der bedeutcrUfe^fi; foöt^schea 
ausstel iii hgen zn animiereu' uhd Wefvh- man, hny ^ie 

hier verstanden hätfe die richtige " Auswahl iu treflen, 
Die Anregung m dieser deutschen !^vd^^ön"^ Isft 
ghicklieherweise von bel^ds^^her Seite /rui^^g^ngen. 
Mb n h at es nicht b ereut, do 13 man unse reii ’ Kühstäeri \ 
gßstlic he Aufn ahrrie gewärtev ynd it/tn: GJüc:k wdßte siciv 
auch die Krltik von den Eessidh.; pniitischet B rwag\rngen 
zu befreien. Der beste Beweli? htörfuir ist. daß es der 
belgisthh: Staat wsgeh konnte; 004 deutschen Ab¬ 
teilung hir idai moderne : : 

Mush 11^3 - in üsshs 1 - an- 
EtikauTaiC ;■: :pB Ist ein 
DusseWörfeir- dem ■ 

Ehre fül^i i w itd; n un m e h t ''':-^. 
im Belgischen Nötibnai:^ 

SJds^uin-■■ ^dnrctöh^' 

söln.:'-'■ ¥h^['ä$sör:;;:ßugen' 

KämpTs >^0orießi^öwar 
js;e, : di^ riet belgt^izhe 
dWitiistöt der [s-'j^höncn 
JKilnstö ausgesutht; 

Auf der Au^steduhg 
;SelhäJt :vW‘6'r. .i-ln... ferner;.- 
feihe die DlXss^ldorfer 
KönStJer i Köjonie vfe** ■ 
traten/ : d^nn bbsöhdftr^ 
stark München P dÖr 
auch Berlin utnt fetls^ ' 

T u h e. D le An zb hl der 

ausgestellten Bilder war 
eine best hm n hie: n bet; ^ 
die. :A|j^ .lidhieW itn 
S Sund des ; td d e r 1 ä n d j - 
Äci^h':': GM'bhmöC.ks':; g cA' ' 
worden, tii sein ^ 

Jeti en felis.; : hatten d ie 
tfelgief- 

die -Earben ^ Zusiimmhn- 
stell u n g M n siä rer Kü ri s i l er 
zu loben und sie ^digten 
sichgewls^ermaßend-ai> 
ilbererstaunt.daß unsere- 

. I'elte. t-on rwl 

ebensöteh^T ihngen dt^tn; CVescisi^ -der 

Hanno i * le 0 cnvu g e , zu 1 e i s t e n i de r La g e si n d;. p e r J5r* 
öfftumg der Auisteihmg wohj\te ouch Knnig^ Albert 
beiv^i^der die deutsche Abteilung unter |?(iKKtu 
Hfeefi Prdfeasör Bugen Kampf rmd de^ Gt^schä 
i'ührera . dcsf pßsseldoil'er Kunst/'Au>ssteHüTtgen> Hoh 
Ktniisth^indiürs liismeyer btjsöüdet'i, eingehend; bezieh'" 
UgEe. V.0n bedeutenden Kuustl^jm, d?^ AUsslölfahg,' 
beschit^ktietr nennen wir die beiden K^^rvpf fBe.rbu 
und Diisseidorf), Max Liebermönn (ßeUiri); Liefoerhmh'n 
(M ß n c h e h )y Ha h s v o n föa r le 1 & (M u nch e n), M a x Uth 
(Berlinb die tHisseldorfer BröFessor Schü), Fritz Ißausingy 


ß^~ ~s^ßVk: jlemer 
F^fes/spr;; ^ 


Vdft der ^Htner 


- öhgren Pigurt^Ä 41 ^ JVöletatierstand. fae'^' 

sonders beaGhtib weil sie in ihrer -ilhi^Uch- 

dfer . M^Ufiier^hhj^n Kippst ähneln), 
fV o fe t>r H erm^nu^s' (D iise e! d 0 r f), 

ProFeissoi f L ;Ev Pohfei Professor 
Hadke r ti hd AfeShfrt'h. erwahh t. 

Kolonie .sind SaVfdmfeks Martnesfücke ' rmd Proffessör 
Hans JfermVamA nennen,y Eine gewisse 

Arrfmerksamkelt Jj^uktetv die. Dakar adv-des ■ 
Alünchners Paui-A"$iienborh euf sich. Bg'.&f .dte^ eine 
fMächenkunst; fdr die- ^er’bd^^'- die Befgie i d oriK die 
.KKhüpffsebe Ärt eipe -gewisse Schulung besitzen.: 
Die deh liefefer die der 

Deutschen 741 std%Pr tr^diCe ein(?h gewissen , Reiz 
V..:h d b e ri, w en n m an d a voti 
nrchl aus ganz begtirinrn* 









tetv Gründen 

vorerst 


nocli Äbfetaod 

nehmen 


sollte; trotzdem durfte 


es uyteiessant 

seih, die 


,- Biider Henry 

Dossiers 


dem he,$er durch etn 


hiEbi^V vUhd. die beiden .Kohbeheih (harnentHcb des. 


kleiriöS >St;hiti ' S^spiel 

■ vorzu,h|thr'&ml.:;'^^ ' 

i b": iielv h r e r 

der' beig,hlt.he'Ä3"Äqua- 
t’elhi'en^urn.f seine vlatnl^ 
Ät-befi uhd hoUandist^ 

mit:; fein.er .solchen Hvj>^= 
d'^ivü 4he: Ra&5engemeiri> - 
Schaft def Vlämeh^ urid 
pß(^1tiSchen, daß tnan es 
, hIch t be s o n de rs v e r- 
wui^derlich HndeR darf, 
i-vhmv grade dieser:MaIer 
der lelzten. DüsseD 
tljdM^r AquarelFAuSstel” 

: timg die geistigen Be-- 
t i:eh u ri ge üy, die z>vFs c h e n 
dev^^^elgischen und der 
ciehrlichen,, Kunst be^ 
S tG h e i \: h erau :sg e f un den 
h bt r Di e ses V er s te h e r> 
hat :4} ß kun s tl en scKe 

■ Anhöhe tü n g -tw jsc h en 

, ÜeiuSchlund und Belgien. 

X.'uchbütrx, geboren. Wir hoffen und 

-Wüusc h daß - bß I di em ei nen ersuche u n 5 erä r 
•döüUcheii Krln^ifep;Art Bel^^ Wurzel fassen, ntcht, 
bleiben wirth Aber. wäun Immer wir aLicdi, dßn Verbuch 
/ erneuern, dann wölfeu vvir auch tlßlur euuretenf daß es 
nicht eJT\.^^hm fife zwecks Eroberung die Grerv^en 

uhtpschfoil^tvr es muß Inismer eme. Gemeinschafl sein*. 

, dfe, ‘^K\i ^ii ein(?r Bes^lui^kPhg belgischer KuhsGAitä’-; 
, lltvu geri : ^ni^eidife ßh rmd über tli eset G ememscheft 
mü^Ü mit sc.hülzetKfe Hund die ernste xmd tmerbittlicH 
■strenge Kritik ^ dies jetzt tatsächjitk ger- 

5 t:hehGn izu Sjein/^ch^fht, Dann braucht es uns nicht 
b, lim di Äu kühft ?u sein/ dün n wird die deutsche 
:^c,hfe und wahre Kirnsh wie in früherer auch in der 
fef neren 2ükLffift uuiverselle Anetkennung finden. 





□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 



□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 


Markt, von Prof. Hans Herrmann, Berlin 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 




















Lln ifttisleJiend.iä A 4jf5bct Cjtjfc-^enheit der ELn^ 

weih un g 4e? lip Kt?h^ triJ:: 1 r> 2?. Mai 7011 

voü dOT Herrn Stadl- 

v^ero rdfi &ten Ö^^lir eicH iui - VeTeirtTt mj i Hr n Ö b p rm e i s t ejrn 

Pi^g'e’ \ PT\ci' Sch W/inclt;;;r4s:.'Vien'röt^.f:l;en Inn \i p ä' 
oiiid Hjjmiwef t^rjrv>5r^?ittß • KdiV'^r ;tiberr^ 

relehlii Piö'fe 11 jö;^ ^v ö■' -P iiilö.p' ■' ö:flVlj T-lisi.i; M r tri’]'i'-.b 

■ (!nh w '■■ .r j d''' K 6\ b. y>vrd^-^öbrn” 

i.md.''^d^^i^I:i4ivfl •i^t.v/;. ■ .. • ■ ' ■ 

. Öie. ti^H dies ■ ö-esc K s'n k ■ W-^ö f ■ iT>hi%!?.'i. i-ii f. '■. d? e; 

Wirhl'. dü'S.-. ■ ;Sti \0^ ■ PPid d le -; Artotdntf^ vg •" dsSsü:. G ü rs.ietii .;•,•■: 3E)ef; 

P r pffiisS^>r :pr. H ix tv.^: v? r) verfJaXi^-s . 1 e.tr- ^ Ap: •-.(ki:tn ■' ■’ 

wdrdhit'iT dd dur^ h ^'rlb^irÄS Jb 

Ci h 6 '\i ejrhbr« r- k^. dxre. • W ■ ^icap riih^^tr ^ f ■■' dt.ff': 
vereini t ^rr fri (ty^b g u tid \ ;Umd tv^ f;>T ki>T ihe >. f^ r S«ü \\i K ü,irj 

Vdr :■: d^rt';/IwliMdbeb:' S'd hartri .■ ■ • de^’ ■ Itd-ti; Hrj^rW. 

d 4 rLkt‘^i;k£ii.t^jj.;Her 3 ir^vÄ vriU:, /|eXcFrHt^)'f^ift’^Gtdc>b i.dp-. 
E ci t■ Xjs\i Vj. ästeb.^p. m■ Kiilüfrr■.nd ;.; ,i.■ Jikij avt 'CiT 

^orf>ijs 5 K:ive>Jüs^ 4 p Stüii^swe-iäUeit ivoch wallvti tdiif^r derfi 

de \i tSA^^vi^Vi f '\ i^ir^ ti WC rfc ■ . m> d ■ über d ^"Ottze a: ’. V'iiU^f f* f 

■&>:jiirv;^2i hkb ■•(0| Eb . C>ir-WKJmpn^ ■ki ü^f’einer.gjffj.ß^h ’S^^^ 


üi Bnjiail. ZAjr DÄt^tellimg gf^bfüchtj^von dersichdiö mof>U“^ 
tßl gbh alt^eh siIbt-itven ß ucbslöbea sehr .wirkimgrsV ^M 

li n d db th de z tirn t i»ri F dem b Sa \i e th nilj Lerten G rund öbbpb 6n *: 
^lilMsfeld irnir^htrU ein lein prbfilierter ktthrDeTir 

ftik belebt s^ind* 

befAv.. .Kmb.lt tne- d.^r iisw..’ Q.ben. irv 

■deir Ur'i^.tahj^o.tit'i:.^- Pirnöraitia 

der brrfrd { Kbhi/ w^bt ^ bi:4fV \5C' öppen^^r gehal ten 

■tf^^riV^.-K-blrsef'Bt-iüer'’’' bhd. der''^^vb^frii»j;'^,m. pmc^ Emai^ 
ÄChiiVack aA.isg^eliliVi t* e.i bbn jgdöcklKber^ Abschluß biideL Das 
G V ^ t d^- F Kpserk r <5 in -Go t d mit 

.■'weitk-Anv: ■ß^rbiU' ■ -r^:■:-Di?t£-'• Ge^t;l>enk. diirf mH .•.■ sls.’.ieine 
■Vbb5^|^T-i^r4bP>?‘'t^ • :berv=örra!^ebd^? ■’.bÄG'tung^ 

vd^^..^üi^^;• bezeichnet ■ werden, ■ ■ 

. .;t ;l>i-i'^ .Pj-.ike,¥Uv ■^T\ü\P itx. eihenv von .'buicbbimier--. öus't„ 

.•JBi|j<cb-ie')f;,lK^;4jr4 teiift en Lederetui, öb mnerenv 

■&Kkat ^ ■• iS ine . ■ v.f>rr;:; Mwit^;' •■.■ ■ P □ .5 s' 0^ V u Ti'li ' scbÜn;: gez-ei chn a te 

Atb e.'jse die NUit 3eri d am G escKenk nabar beteiUgten 
Per^oheii^. krvLUtj^en,: Ven^ine Eei^t^ so daii aue^K 41« eixßere 
UmluiUiifi^: m l|tVe:jr -T^ijcSi^^A ziifb Inhalt paßb 






. M > 










Nr.l4 DEUTSCHLAND 683 



Die städtischen Gartenanlagen in Köln. 

Von Gartendirektor Fritz Encke. 


Wenn man statistische Zusammenstellungen über die 
öffentlichen Gärten der Großstädte betrachtet, so findet man 
die Stadt Köln nicht unter den ersten, was die Größe der 
Grünanlagen anbetrifft. Statistische Zahlen sind aber unge« 
recht, will man daraus ohne weiteres Schlüsse auf die größeren 
oder geringeren Leistungen der Städte ziehen. Hierzu gehört 
vielmehr die Kenntnis der geschichtlichen Entwicklung der in 
der Statistik verglichenen Städte. Glücklich so manche Stadt, 
die ihre Wohnstraßen bis an das Waldesgrün der benach¬ 
barten Höhen heranschieben kann; glücklich manch andere, 
die als Vermächtnis einer früheren Zeit die weiten Park¬ 
anlagen einer ehemals fürstlichen Residenz überkommen 
hat! Glücklich auch solche, die als Erinnerung an die 
napoleonischen Stürme vor 100 Jahren einen grünen Gürtel 
prächtiger Baum- 


an die erhaltene alte Stadtmauer mit dem Graben, ein reich 
ausgestatteter Schmuckplatz entstehen, für dessen Ausgestal¬ 
tung ein hochherziger Bürger der Stadt 200000 Mk. ge¬ 
stiftet hat. Besonders schön sind die Alleestraßen in der 
ältesten Villenkolonie Kölns, der Marienburg. 

An größeren Anlagen innerhalb der Umwallung sind der 
15 Hektar große Volksgarten und der 6,4 Hektar um¬ 
fassende Stadtgarten zu nennen. Letzterer ist die älteste 
Kölner Parkanlage. Sie besteht bereits, wenn auch anders 
gestaltet, seit 1827 und zeichnet sich deshalb durch male¬ 
rische alte Bäume aus. 

Der Volksgarten ist in den Jahren 1887/90 auf ehe¬ 
maligem Festungsgelände von Kowallek geschaffen. Diese 
beiden Stadtparks, zumal der Volksgarten, sind vorbildlich 


anlagen an Stelle 
der früheren Be¬ 
festigung besitzen. 

Von alledem 
kann die Stadt Köln 
nichts aufweisen, 
vielmehr bleibt sie 
noch immer in der 
ehemenUmarmung 
der Festung, auch 
wenn ihr der Panzer 
demnächst etwas 
erweitert werden 
wird. Und dennoch 
erfreuen sich die 
Kölner öffentlichen 
Anlagen einer ge¬ 
wissen Beliebtheit 
in den Rheinlanden, 
ja vielleicht gerade 
deshalb,weil sie ihre 
Entstehung eigener 
Kraft verdanken. — 
DerWald liegt viele 
Kilometer von Köln 
entfernt. Aber die 
städtischen Bahnen 
bieten häufige so¬ 
wie schnelle und 
bequeme Gelegen¬ 
heit, die schönen 


Köln: Klettenberg-Park, Restauration 


Waldungen des Vorgebirges und des Bergischen Landes zu 
erreichen. So ist für die weiten Fußwanderungen gesorgt. 
Freilich noch reizvoller ist die Verbindung der Fußwande¬ 
rung mit der Fahrt auf dem Rheine, die nun einmal für 
uns Kölner zu den schönsten Erholungen gehört. Auch 
ein Spaziergang am Rheine und seinen Hafen-Anlagen 
ist außerordentlich lohnend, um so mehr, als schattige 
Alleen den Strom in einer Länge von etwa 9 Kilometer be¬ 
gleiten. An wohlgepflegten Baumpflanzungen ist überhaupt 
kein Mangel. Sowohl die Wallstraßen, wie in engerem Bogen 
die Ringe, bieten zusammenhängende, schattige Spaziergänge 
um die linksrheinische alte Stadt. Dabei sind die Alleen 
der Ringstraßen hie und da zu grünen Schmuckstücken 
und blühenden Gärten erweitert, wie am Ubierring, Sachsen¬ 
ring, Kaiser-Wilhelm-Ring und Deutschen Ring. Auch am 
Kunstgewerbe- und Schnütgen-Museum grenzt die Ringstraße 
an größere Gartenanlagen. Hier soll demnächst nach Voll¬ 
endung der neu zu errichtenden Kunstgewerbeschule, angelehnt 


geworden für zahlreiche Gärten, die in den letzten Jahrzehnten 
im Westen Deutschlands ausgeführt worden sind. Rasen¬ 
flächen, auf denen kulissenartig Baum- und Strauchgruppen 
angeordnet sind; ein buchtiger Weiher mit Springstrahl oder 
wasserfallartigem Zulauf; an bevorzugter Stelle ein Garten¬ 
restaurant, von dem die Hauptsicht durch den Park ausgeht; 
ein ziemlich kompliziertes Wegenetz, von dem aus die eben 
skizzierten Landschaftsmotive in möglichst mannigfaltiger 
Behandlung dem Auge sich darbieten: das ist in kurzen 
Worten die Art dieses Parktypus. Freilich haftet diesen 
Gärten wie allen ihrer Art etwas Konventionelles an, was in 
den sauber begrenzten, in schlanken Kurven geführten Wegen, 
in den sorgfältig gehaltenen, kurz geschorenen Rasen¬ 
flächen, in den mit allerlei Strauchwerk in die Rasenbahnen 
sich vorschiebenden Gehölzgruppen zum Ausdruck kommt. 
Es lag deshalb nahe, auch einmal einen Park zu schaffen, 
der sich nicht nur sozusagen im Frack präsentiert, sondern 
der ein bescheidenes Gewand trägt, dafür aber der in keiner 












/ 


684 DEUTSCHLAND Nr. 14 



Köln: Vorgebirg*s«Park 


Weise in Fesseln g'eschlagenen Natur sich nähert. Als solcher 
ist der in den Jahren 1905/06 von dem Verfasser geschaffene 
7 Hektar große Klettenberg-Park (Abb. 1) anzusprechen. 
Bei seiner Anlage ist ein zirka 10 Meter tiefes, ausgeziegeltes 
und ausgesandetes Gelände, das für die Bebauung wenig 
brauchbar war, anderseits aber gerade durch seine Höhen¬ 
unterschiede zu reizvollen Bildern Gelegenheit bot, benutzt 
worden. Stehende und fließende Gewässer mit üppiger Ufer¬ 
vegetation, Wiesen mit schwankenden Gräsern und bunten 
Blumen, für die Heide charakteristische Pflanzengemein¬ 
schaften, an sonnigen wie an schattigen, an trockenen wie 
an quellenreichen Abhängen heimische Vegetationsbilder sind 
hier die wesentlichsten Motive für die Parkgestaltung. 

Die Neuzeit stellt aber noch andere Anforderungen an 
einen öffentlichen Park, als sie hier dargeboten werden. Sie 
ordert die Benutzung des grünen Rasens zu ungezwungenem 


Spiel von jung und alt und zur Lagerstätte für Familien 
und Gesellschaften. Sie verlangt Plätze für Ballspiele, 
Laufen und Springen. Diesen Bedürfnissen trägt das 
Programm zweier jetzt in Ausführung begriffener Parks in 
vollem Maße Rechnung, von denen der eine im Süden, der 
andere im Norden, zwischen den volkreichen Stadtteilen 
Ehrenfeld und Nippes liegt. 

Der erstere (Abb. 2), der 13 Hektar umfaßt, besteht im 
wesentlichen aus großen Rasenflächen, auf denen einzelne, 
locker ausgestreute Baumgruppen den nötigen Schatten bieten. 
Dem Spielen kleiner Kinder im Sand und am Wasser dient 
ein etwa 30 bis 40 Zentimeter tiefes, größeres Wasserbecken, 
das von einem sandigen Strand umgeben ist, so daß die 
Kleinen dort ihre Burgen bauen, Kuchen backen oder im 
Teich ihre Schiffchen schwimmen lassen können. Um aber 
den Wünschen des ruhebedürftigen Teiles der Besucher zu 





























Nr. 14 DEUTSCHLAND 685 


entsprechen, ist ein Teil des Parkes zu reizvollen Rosen« und 
Blumengärten mit Wasserbecken und Springbrunnen, mit 
Lauben und Sitzplätzen aller Art eingerichtet. Sie sind von 
den freigegebenen Parkflächen durch Mauern und Hecken 
getrennt, welche die in solchen Gärten notwendige Aufsicht 
erleichtern. Seine Herstellungskosten betragen ohne Grund« 
erwerb 195000 Mk. 

Der andere, 17 Hektar große Park, für dessen Herstellung 
415 000 Mk. bewilligt sind, hat außer Spielwiesen, Tennis« 
plätzen, verschiedenen Sandspielplätzen und Blumengärten 
einen Teich, der im Sommer zum Kahnfahren, im Winter zum 
Schlittschuhlaufen dient. Auch wird er ein Gartenrestaurant 
mit schattigen Terrassen aufnehmen. Im Gegensatz zu allen 
anderen Volksparks in Köln und wohl auch in den meisten 
anderen Städten, ist er in streng regelmäßiger Linienführung 
nach architektonischen Grundsätzen aufgebaut. Die ver« 
schiedenen, oben angeführten Teile gliedern sich einer 
großen Längsachse an und werden durch schattige gerad« 
linige Alleen von einander getrennt. Die langen Baumreihen 
und regelmäßig ge« 
pflanzten Haine, die 
in die waldartige 
Pflanzung einge« 
schnittenen Plätze, 
die weiten Sichten 
über die geradlinig 
begrenztenWasser« 
und Rasenflächen 
(Abb. 3) erinnern 
an die fürstlichen 
Gärten der Barock« 
zeit. Gleichwohl 
bezwecken die An« 
lagen nicht, hÖfi« 
scher Repräsen« 
tation zu dienen, 
wie diese, sondern 
sie verdanken ihr 
Entstehen den ver« 
schiedenen neuzeit¬ 
lichen Bedürfnissen 
einer großstädti« 
sehen Bevölkerung. 

Neben den auf« 
geführten Parks 
besitzt Köln noch 
zwei kleinere, den 
Römerpark und 
den S ü d p a r k* 

Außerdem sind längs des Rheines, sowohl am rechten wie am 
linken Ufer langgestreckte Grasflächen der Bevölkerung zur 
freien Benutzung übergeben und erfreuen sich eines ausgiebigen 
Besuches aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten. Im 
Zusammenhang mit der rechtsrheinischen freigegebenen 
vUferstrecke, die allerdings öfters vom Rhein überflutet wird, 
sind, einige Meter höher gelegen, umfangreiche Spielplätze 
eingerichtet worden. Plätze für Tennis, Hockey, Fußball, 
Schlag« und Schleuderball, sowie für Leichtathletik sind hier 
vorhanden. Im Sommer wie im Winter herrscht darauf ein 
buntes Treiben, und dies um so mehr, als im Winter die 
Tennisplätze in eine Eisbahn umgewandelt werden. 

Der größte Stolz des Kölners ist jedoch der „S t a d t wa 1 d". 
Da, wie schon eingangs erwähnt, die nächste Umgegend 
von Köln ganz ohne Wald ist, wurde in dem Jahre 1895 
im Vorort Lindenthal ein zirka 104 Hektar großes Gelände 
für beinahe 2 Millionen Mark angekauft und darauf für 
abermals 700 000 Mk. ein großzügiger Waldpark geschalfen. 
Spazierwege in dem, wenn auch noch jungen, doch schon 


Schatten spendenden Walde, Fahrstraßen und Reitwege, große, 
stets freigegebene Volkswiesen, Radfahrbahnen, ein Radreigen« 
platz, sowie zahlreiche Tennisplätze (Abb. 4) stehen hier der 
Bevölkerung zur Verfügung. Ein aus Wald und Wiesen 
bestehender Teil ist zu einem Wildpark eingerichtet, den 
Damwild und Rehe, sowie viele Fasanen bevölkern. Ein 
4 Hektar großer Teich dient zum Kahnfahren und Schlittschuh« 
laufen; kleine Teiche, die hierzu nicht benutzt werden dürfen, 
zeigen eine reiche Flora von Wasser« und Uferpflanzen. 

Auf der rechten Rheinseite hat der Lindenthaler Stadt« 
wald, allerdings viel weiter vom Zentrum der Stadt ent« 
fernt, ein Gegenstück in dem Gremberger Wäldchen 
erhalten. 

Dienen diese größten städtischen Grünanlagen als das 
Ziel weiterer Spaziergänge zu längerem Aufenthalt, so sind 
für die Bevölkerung gleich wichtig die kleinen, grünen 
Oasen, die innerhalb der verschiedenen Stadtviertel zahlreich 
anzutreffen sind. Der baumbepflanzte Platz, auf dem sich 
die Jugend ungezwungen tummelt, ist die einfachste, trotz« 


dem aber sehr schöne Art solcher kleinen, für die nächsten 
Anwohner berechneten, öffentlichen Anlagen. In Gegenden, 
in denen zu jedem Hause ein Garten gehört, so daß ein 
Bedürfnis für öffentliche Spielplätze nicht vorliegt, wird an 
Stelle des Spielplatzes der Schmuckplatz treten, der durch 
Baum und Strauch, Gras und Blumen das Auge des An« 
wohners und Vorübergehenden erfreut. Eine Vereinigung 
beider Platzarten ist der Platz, der sowohl eine größere ode*" 
kleinere Spielfläche, als auch gartenmäßig behandelte Teile 
aufweist. An Beispielen gerade für diese Ausgestaltung 
fehlt es in Köln nicht. Es sei auf den Leipziger Platz, 
Königin«Luisen«Platz, Manderscheider Platz, DeNoel«Platzund 
Lortzing«Platz (Abb. Seite 686) als Beispiel verwiesen. Sollen 
diese Plätze dauernd einen gepflegten Eindruck machen, so 
ist ein Haupterfordernis der strenge Abschluß der Spiel« 
flächen gegen die gartenmäßige Umgebung. Als ein 
gelungenes Beispiel dafür dürfte der Spielplatz am Deutschen 
Ring gelten, der, mitten im reichsten Blumenschmuck gelegen, 
dennoch keinerlei Zerstörungsmöglichkeit bietet. 



Köln: Sportplatz im Stadtwald 













686 


DEUTSCHLAND 


m Nr. 14 


Mit der Besprechung* von Baumpflanzung*en, Parks, Stadt¬ 
wäldern und Platzanlag*en ist die Schilderung städtischer 
Grünanlagen nicht erschöpft. Vielmehr gibt es noch vielerlei 
kleine Gartenanlagen im Zusammenhang mit öffentlichen 
Bauwerken, wie Kirchen, Museen, Torgebäuden usw., die oft 
ür das Städtebild von großer Bedeutung sind. 

Um von dem . Umfange der Kölner öffentlichen Garten¬ 
anlagen einen Begriff zu geben, seien zum Schluß einige 
Zahlen angeführt. Die städtischen Grünanlagen umfassen im 


ganzen 263^Hektar, darunter 19 Anlagen über 1 Hektar 
Größe und 95 kleinere, von denen etwa 40 Spielplätze sind. 
Die Unterhaltung der Anlagen erforderte im Etatsjahr IQIO 
einen Kostenaufwand von rund 400000 Mk. ohne Ver¬ 
zinsung der Grundstücks- und Anlagekosten, sowie ohne die 
Unterhaltung der Gebäude. 

In diesen Angaben sind nicht berücksichtigt die Fried¬ 
höfe, sowie die der Bevölkerung nicht zugängigen Gärten 
der Krankenanstalten, Konvente und Schulen. 


Aus den Anfängen des Schaufelrades. 

Von Dr. Otto Dresemann. 


Ob bewußt oder unbewußt — das Mühlrad hat in den 
Anfängen der Dampfschiffahrt den Erfindern und Erbauern 
als Muster für ihr äußeres Triebmittel vorgeschwebt; sie 
kehrten nur den Weg, den die Kraft nahm, um: gab die 
Welle dem Mühlrad den Antrieb, den es nach innen weiter 
zu vermitteln hatte, kam die Kraft beim Schaufelrad von 
innen und stemmte 
sich gegen die 
Welle. An diese 
Art von Schiffs¬ 
bewegung dachte 
man schon zwei 
Jahrhunderte vor 
derEinführung der 
Dampfkraft. „Es 
kann ein Schiff 
getrieben werden 
ohne Segel, wenn 
man eine gewisse 
Anzahl Räder an 
derAußenseite des 
Schiffes anbringt 
in der Art, daß 
die Schaufeln der 
Räder ins Wasser 
tauchen und diese 
durch irgend eine 
Kraft gedreht wer¬ 
den; dann werden 
diese Räder das 
Schiff fortbewe¬ 
gen." So schrieb 
schon 1578 der 
Engländer William Bourne. Daß man 1543 in Spanien im Hafen 
von Barcelona Karl V. einen Raddampfer vorgeführt habe, ge¬ 
hört wohl zu den mannigfaltigen technischen Märchen. Als 
dann der Dampf die „eine Kraft" wurde, mittels deren man 
Maschinen zur Bewegung der Räder betreiben konnte, stießen 
der Plan und das Verfahren genau so auf Einspruch, Ab¬ 
mahnung und böse Prophezeiungen, wie später die Dampf¬ 
wagen und das lenkbare Luftschiff in seinen Anfängen. 
Wenigstens für die Ozeandampfschiffahrt. Das alte Lied des 
Horaz Illi robur et aes triplex in neuer Aufmachung. Man 
sagte, wie die Hamburg-Amerika Linie in ihrer Festschrift von 
1907 erinnert, daß die gütige Vorsehung niemals erlauben 
würde, daß Fahrzeuge gegen Wind und Flut getrieben würden. 
Hervorragende Gelehrte wiesen auf die Hindernisse hin, die 
dem Schiffe infolge der physikalischen Eigenschaften des 
Meeres entgegentreten würden. Diese müßten, wie sie sagten, 
auf jedes durch Dampf fortbewegte Schiff einwirken, und es 
könne ihnen kein solches Schiff unversehrt entgehen, selbst 
wenn die Angst und Ermüdung der Feuerleute und Maschi¬ 
nisten nicht schon lange, bevor die Reise beendet sei, eine 
Weiterfahrt unmöglich gemacht hätten. Es war deshalb auch 


nicht zu verwundern, daß, als das erste Schiff, ausgerüstet mit 
Dampfmaschine und Schaufelrädern, 1819 zur Abfahrt gelangte, 
es trotz der schönen Kammern vollständig leer blieb. Die 
„Savannah" nahm ihre Räder an Deck und machte größten¬ 
teils nur Gebrauch von den Segeln. Vom Savannahhafen bis 
Liverpool gebrauchte sie etwa 26 Tage. Ungefähr zwanzig 

Jahre nach diesem 
ersten Versuche 
veranstalteten der 
„Sirius" und der 
„Great Western" 
eineWettfahrt über 
den Ozean. Das 
Publikum hatte 
inzwischen den 
Dampfer-Fahrten 
gegenüber eine 
ganz andere Stel¬ 
lung genommen 
und verfolgte nun 
mit Spannung die 
Fortschritte dieses 
Verkehrs-Mittels, 
ohne zu ahnen, 
welcher gewalti¬ 
gen Entwicklung 
es bis ins fol- 
gendeJahrhundert 
hinein fähig sein 
würde. Kam es da¬ 
mals doch immer 
noch vor, daß ein 
nach den besten 
Erfahrungen erbauter Segler einen Dampfer in der Schnelligkeit 
schlug. — Als im Jahre 1812 in Europa der Dampf für die 
Schiffahrt zuerst nutzbar gemacht wurde, ging, wie später auf 
dem Gebiete der Eisenbahnen, auch hier England bahnbrechend 
vor, wenigstens für den Seeverkehr, während seine Flu߬ 
dampfschiffahrt schon wegen der Bedeutungslosigkeit seiner 
binnenländischen Wasserläufe weniger in Betracht kam. In 
dieser Hinsicht liefen ihm die „batavischen Wasserratten", 
unsere holländischen Nachbarn, an den Rheinmündungen mit 
ihren Kanälen den Rang ab. Die deutsche Ozean-Dampfschiff¬ 
fahrt machte ihre ersten schüchternen Versuche im Jahre 1841 
von Bremen aus. Es war die Zeit, in der das Schaufelrad 
noch als Triebmittel herrschte. Die geplante regelmäßige 
Linie Bremen — New York kam aber nicht zustande, weil die 
Bremer Hafenanlagen für die Dampfer mit den breiten Rad¬ 
kasten nicht ausreichten. Eine 1845 gegründete Gesellschaft 
zum Betriebe einer direkten Dampferverbindung zwischen 
Bremen und New York war glücklicher; sie erhielt amerikanische 
Staatsbeihilfe und hatte deshalb, trotz stärkerer Beteiligung 
deutschen Kapitals, ihren Sitz in New York. Im Jahre 1847 
traf der erste Dampfer dieser Gesellschaft von New York in 



Köln: Lortzing-PlatZ (Zum vorstehenden Artikel) 












Nr. 14 DEUTSCHLAND 687 


Bremen ein. Aber das Glück hatte nur kurzen Bestand; nach 
sechs Jahren begann die Liquidation der Gesellschaft und 
nach weiteren vier Jahren folgte die Betriebseinstellung. 
Der Bremer Unternehmungsgeist war damit aber nicht ein¬ 
geschlafen; neue Unternehmen entstanden gleichsam als 
Vorbereitung für jene Gesellschaft, die als Norddeutscher 
Lloyd den Weltruf der Bremer Reederei begründete. Der Lloyd 
trat 1857 ins Leben. Zehn Jahre früher war bereits die 
Hamburg-Amerika Linie in der Elbestadt begründet worden, 
um nicht, wie der Lloyd, sofort mit Dampferfahrten zu be¬ 
ginnen, sondern mit Klipperschiffen, schnell fahrenden Seglern, 
die „moderne" Einrichtungen für Reisende führten. Diese 
Schiffe gebrauchten 19 Tage von New 7ork nach Hamburg 


und 29 Tage in umgekehrter Richtung. 1854 wurde dann 
von der Gesellschaft der Dampf als Betriebskraft eingeführt, 
wonach bald schon die Schraube das Schaufelrad ablöste. 

In der Flußschiffahrt hat das Schaufelrad für die Personen¬ 
schiffahrt in Europa die Herrschaft behauptet, ebenso auf 
den Binnenseen und auf kurzen Seestrecken, wie in der 
Küstenfahrt, während es in der Fahrt zwischen dem Fest¬ 
lande und England mehr und mehr zurückgedrängt wird. 
Besonders an englischen Themse- und Küstendampfern erregen 
noch heute die Riesenmaße der Räder Staunen. In Amerika 
spielt das Schaufelrad, das dort zum ersten Male auftrat, 
noch heute eine fast ausschließliche Rolle im Binnenlande, 
stellenweise auch als Einrad am Heck, statt paarweise auf- 



Maschine zu Beils „Comet" 

Victoria ar\d Albert Museum, Kensington - London) 



































688 DEUTSCHLAND Nr. 14 


tretend, und zwar dort, wo auf den unregulierten Flußläufen 
noch eine Art Urzustand herrscht. Berücksichtigte man nicht 
die Größe und die so verschiedenen politischen und Kultur- 
Verhältnisse der Neuen Welt, so müßte man den letzt¬ 
erwähnten Umstand als ein fast unbegreifliches Widerspiel 
der Tatsache bezeichnen, daß derselbe Kontinent der Welt 
den Schöpfer des Dampfschiffs und Begründer der Dampf¬ 
schiffahrt geschenkt hat: Robert Fulton. Aber Europa hätte 
ihn an sich fesseln und die ersten Früchte seiner Erfindung 
ernten können, wenn es damals nicht durch die Schuld der 
neuen Geißel, Napoleons, mehr an den Krieg denn an Werke 
des Friedens hätte denken müssen. So verlief Fultons erster 
Versuch auf der Seine ohne Sang und Klang, und erst das 
Heimatland des Erfinders würdigte dessen Bemühen. Vor 
vier Jahren, 1907, beging man das hundertjährige Gedächtnis 
der ersten Fahrt des „Clermont", Fultons Dampfers, von 
New York nach Albany am Hudson, eines Ereignisses, zu 
dem Naivität und abergläubische Furcht ebenso unvergeßliche 
Begleiterscheinungen zeitigten, wie es selbst unvergeßlich ist. 
Die Schiffsmaschine war von Boulton und Watt in England 
geliefert worden, und Englands Ehrgeiz hatte nun in dem Er¬ 
folge des Amerikaners einen 
Sporn zur Nachahmung und 
Ueberholung, der sich auch 
schnell als wirksam erwies, 
in Gegensatz zu den früher 
im eigenen Lande durch 
Miller und Symington emp¬ 
fangenen Anregungen (1788). 

Nordamerika hielt frei¬ 
lich anfangs noch den Vor¬ 
sprung fest. Fünf Jahre nach 
der Fahrt des „Clermont" 
zählte man drüben bereits 
über fünfzig Binnendampf¬ 
schiffe. Dem ersten Dampfer, 
der 1812 auf dem Mississippi 
erschien, folgten bis 1820 
mehr als siebzig. Bereits 
im Jahre 1819 wagte sich 
der schon erwähnte amerika¬ 
nische Dampfer „Savannah" 
als erster über den Ozean; 
allerdings, wie gesagt, im ge¬ 
mischten Betrieb, während die 
erste reine Dampferfahrt erst 1833 von dem kanadischen 
Dampfer „Royal William" über den Ozean zurückgelegt wurde. 

Fünf Jahre nach Fulton nahm man sich in England des 
Dampferwesens tatkräftig an. Henry Bell baute damals 
ganz selbständig seinen Dampfer „Komet" — ein Name, der 
eine Zeitlang für Dampfer typisch wurde und auch auf dem 
Rheine vorkam — und machte mit ihm Fahrten auf dem Clyde. 
Eine sehr einfache Maschine mit Zahnradübertragung trieb 
auf beiden Seiten des Schiffes je ein Paar Räder mit je vier 
Schaufeln, eine Anordnung von schroffstem Gegensatz zu 
dem alsbald jahrzehntelang herrschenden Brauche, die Räder 
groß und reich an Schaufeln zu machen. Ende des Jahr¬ 
hunderts versuchte man das gleiche einmal mit einem 
Schleppdampfer auf dem Rhein, kam aber bald wieder davon 
ab. Bald sah man auf dem Clyde noch weitere Versuche mit 
Dampfern: 1814 wurde von Robertson die „Caledonia" ge¬ 
baut, die sich als erstes europäisches Dampfschiff auf die 
See — Nordsee — wagte, und zwar zu einer Fahrt nach 
Holland und den preußischen Rheinlauf hinauf. Doch hier¬ 
von später. Das in demselben Jahre gebaute Dampfschiff 
„Margery" unternahm vom Clyde aus im Jahre 1816 eine 
Fahrt über den Kanal nach Havre und hierauf bis Paris, 
ein größeres Wagnis als dasjenige der „Caledonia". Um 


diese Zeit besaßen England und Schottland etwa zwanzig^ 
Dampfschiffe, deren Eigentümer schon weitgreifende Pläne 
schmiedeten und unter anderen auch in Deutschland jedem 
konkurrierenden Unternehmungsgeist zuvorzukommen suchten. 
1815 ließ sich der Engländer Humphrey in Preußen ein 
Patent auf eine Verbesserung an Dampfschiffen erteilen; T8T6 
sandten Engländer den Dampfer „The lady of the lake" nach 
der unteren Elbe, wo dieses Schiff alsbald einen regelmäßigren 
Verkehr zwischen Cuxhaven und Hamburg einrichtete — das 
erste Verkehrsunternehmen dieser Art in Deutschland —, 
das überdies auch im Gegensatz zu einigen baldigen Nach*- 
folgern von längerem Bestände war. Freilich ging auch ihm 
mit dem Zuspruch des Publikums nach einem Jahre der 
Atem aus. 

Auf eigene Füße mit dem Dampfbootbau stellten sich die 
Deutschen 1816 dadurch, daß in Spandau der Kiel zu einem 
Dampfer gelegt wurde. Das Triebrad lag innen in der Mitte 
des Schiffskörpers. Dieses Schiff, die „Prinzessin Charlotte", 
wie auch die bald nach ihr in Dienst gestellten Dampfer 
„Kurier" und „Fürst Blücher" gehörten der preußischen Post¬ 
verwaltung; sie sollten den Verkehr zwischen Berlin und 

Potsdam, Berlin, Magdeburg* 
und Hamburg unterhalten. 
Zwar waren die Schiffs¬ 
körper deutsch, doch mußte 
man die Maschinen noch aus 
England beziehen. Immer¬ 
hin erhielten preußische In¬ 
genieure den Auftrag, genaue 
Zeichnungen danach anzu¬ 
fertigen, um bei fernerem 
Bedarf die Maschinen selbst 
bauen zu können. Aber da¬ 
mit hatte es noch gute Zeit, 
denn der Bedarf stellte sich 
sobald nicht ein, vielmehr 
sah sich die Postverwaltung* 
veranlaßt, wegen ganz unge¬ 
nügenden Verkehrs den Be¬ 
trieb der Schiffe einzustellen. 
Der Satz, wonach Verkehrs¬ 
erleichterungen eine Hebung 
des Verkehrs hervorrufen, be¬ 
stätigte sich damals nicht; 
daß dieses aber doch nur 
ausnahmsweise der Fall war, zeigt sofort der Blick auf 
die Zeitgeschichte: der schwer heimgesuchte Volkskörper 
bedurfte der Erholung und gewann erst nach und nach 
die Spannkraft für den Aufschwung, für die Handhabung 
des neuen Verkehrshebels. 

Selbstverständlich richteten die Engländer nicht zuletzt 
ihr Augenmerk auf den mächtigsten der kontinentalen Ströme 
in ihrem Bereich, den Rhein. Zu welchem Zeitpunkte das 
erste Dampfschiff auf dem Rheine erschienen ist und welches 
dieses Dampfschiff war, darüber besteht noch keine volle 
Klarheit. Ein Zeitungsbericht aus dem Juni 1816 berichtet 
von der Ankunft eines Personendampfers am 12. genannten 
Monats in Köln; der Name wird nicht genannt. Als Unter¬ 
nehmer werden zwei Engländer genannt: der Erbauer des 
„Komet", Bell, und Benitheversen, von denen gesagt wird, daß 
sie ein Dampfschiffahrtsmonopol von Preußen verlangten. 
Man vermutet, daß dieses Dampfschiff die „Defiance" gewesen 
sei. Das Schiff soll für Frankfurt a. M. bestimmt gewesen 
sein, gelangte aber nicht bis dorthin. Im folgenden Jahr, 
1817, brachten die englischen Unternehmer Wäger und Watt 
jeder einen Dampfer den Rhein hinauf, den „Prinzen von 
Oranien" und die „Caledonia" — wohl die von Robertson 
gebaute — welche beide über Köln hinaus fuhren; das eine 








Nf. 14DEUTSCHLAND 689 


S<!Mfr bis Cöblöi^i. Diese Vt?r$uchsföhrten hatten auf eibe 
Reihe von Jahren keine weitere Folge. 

InzVvischen nahmen a«ch die Niederländer sidi der 
DärnhlsehilTi^hn lehhaher an; zuerst in ihrem n^chsteO;^ 
eigenen Bereich, doch wurde schön anfangs der zwnndger 
Jfahre der Plan einer D«tnpfc-rverbindung von Antwerpen und 
Rotterdam rheinaofwörts gefaßt» Eine Äntwerpen^r Geseli-- 
«chöft baute «Die Hoffnung von Änlwerpen^r dpdi genügte 
das Schiff den Anforderungen nicht. Dimn hatte eine Rotter- 
damer Firma, aus der bald die Niederländische Dampfschiff- 
Cahrt-Gesellschait hetvorgehep sollte^ mit ihrem Oacnpter 
,;NiodeTlander" mehr Erfolg, zumal sich auch Kölner 
Hondelskreise sehr dafür erwärmten \md Beilrege zeichneten. 
So kam eine „ Forschuugsfahrt'' zustande^, die der neue 
Dampfer der Gesellschaft der ,,SeeTänder'f (Zec-uw), im 
Oktober 1824 bis nach Cfiob unternahm, helf Hochwvisser 
und Slirnn^ also unter sehr ungünstigen Umstanden. Es 
Hegen von Äogenteugen upd Mitfahrern eihgehefnde und 
fe^elnde Berichte über dfe^: Rbefedarnpfer-Possagier^ 

führt vor^ die sow'ohl: die - wie auch die 

ästhetische und kulturgesdhichtliche vollauf würdigen. Un»* 
ztihlige Zuschauer längs des; Rheines isetgten 5lch nicht 
weniger begdstert ob der neben Erscheinung, als die Teil¬ 
nehmer urv def' Fahrt selbst j ihnen allen war aus der Seele 
gesprochen, was elf Jahre nach dem Ereignis Ludolf Camp»* 
hausen in seiner Schrib für die Eisenhohn Antw*eTpenrrKöJn 
niederlegter „Das Dninpfschüf ist der Delphin, das Wasser- 
roß, der Adler des Meeres. Wen nvöchtä der erste Anblick 
des mystischen Geschöpfes nicht überraschen, hinreißeh, ver- 
yitT^h? Wer ^um erstefunal -sähe, wie die ehernen Flossen 
die bestürzten Wellen anseinandettreiben, wie in wildem 
Laufe die stedze Brust sich mit w^eißem Sdjaum bededet^ wie 
ein ein^igeT Schlag des kaum sichtbarc-n Sdvw'i»iies den 
herutnwhh^ wie bei seiner Afmöhenmg'die Wogen om Strönde 
sich rÄusehend brechen, wie er mit verw'egenepi Fluge dem 
Hafen entgegenschie^r, die dicken Mouern zu durchbohren 
droht und sich sanft und ruhig an das Oier legt; wer 
dieses Schauspiel zum erMenmöl genossen,. Von dem dtirlle 
es kairm befremden, wenn er aüsfieffi< .Bist du kein geistiges 


Wesen, fürivahr, so btit du das schönste Tier 4er Schöpfung!^ 
Doch es ist kein lebendiger Geisb es ist das tote Element, 
belebt durch den Geist des Menschen/ Der moderne,, nüch¬ 
terne. Alltagsmensch muß sich schon einen inneren Ruck 
geben, um in dem, was ihm ailtaglich ist, wiederum die Poesie 
zu erfassen, welche den ersten Zetjgen der Erscheirrung des 
DampfschilTs dieses neue Ereignis bedeutete. Sie ahnfen ln 
ihm das WeUbewegende/Und diese Ahnung ergriff sie Bef 
'irri'Gemüt-.- 

Vit-T Tage hötte der „Seelander" gebraoeht,, uin^ 
Rötterdarn bis hach Köln zu gelängen r—. im Vetgiejeh Zü 
der hevtiigcn Damplergeschwindigkeit ein Schnehkengaug, ZU 
den SegeIboot(Jacht)führten mit Pfetdezug jedoch eine sehr 
ansehnliche Beschleunigung. Uebrigens fuhr man ouf dieser 
„Forschungsfahrt'" natürlich nur am Tage und röstete zuerst 
nach eilstündiger Fahrt in Nymwegen, dann am folgenden 
Abend bei Orsoy, am dritten Abend vor Zofis. Die reine 
Fahrzeit von Rotterdam bis Köln dinierte nmd 38 Stunden, 
Am Niederrhein, dort, wo auch heute noch dreimal so viel 
Segler verkehren als oberhalb und die Strömung langsamer 
ist, spielte sich ein merkwiirdigör Kampf nlj zwischen der 
neuen und der alten Betriebsart. Noch heote kann man am 
Niederrhein, der in den Anfängen der Dämpfschiffahrt viel 
mehr Rheinreisenden bekannt wurde, als in unseren Tagen, 
öfter ein Segeiboot mit der Kraft des Windes rhelnaufwarts 
fahren Domais nahm es ein Schiffer von Lobith öus 

mit dc^m „Seelander" auff indem er einen AufenfbBtt des 
Dämpfens aiisnulzte. Dieser aber holte den Segler doch 
hold der denn auch noch vom Winde verlassen wurde ^ 
eine kleine Szene, die das Vorspiel für' eine Zukunft hart- 
näcktgen, aber doch hoffnungslosen Kampfes bildete. 

Der „Seeländet" wurde durch zwei Schaufelräder von 
zwölf Fuß Durchmesser mit fünfzehn Schaufeln getrieben, 
wie denn cbo älteren RlloJndöfnpfer alle große Räder führten 
bei iangsaTnerur Arbeit der Maschine als hüuttr. Dömals 
hatte die Schiffsmosefune eine wesentlich andere Gestalt, sie 
war umständlkher gebaut denn jetzt, hatte viel größere 
Zylinder, in denen der Dömpf unter viel geringerem Druck 
arbeitete sechs*:* biir Vi«er‘iiör3 schwächer als heule. Man 

fürriitete sich längere Zeit, 
höhen DnKJt tm Schifrskoasel 
unzuWeiiden, nöinenUith da 
von Ameriko Lfnglückspösien 
Tiber \lngiucksposiehemHefert 
von Dampfern, die in die Luft 
gezogen waren. Die leiztent 
RKeinrPersonendampfer, die 
noch ähnlHih große Röder be- 
woFcn die „Loreley*' 
\md die ,^Gfertnania*"; Glich die 
jetzt ä^szureihenden beiden 
Schnei l Döm p fer von 1871 
Wilhelm" und. „Deutsch^ 
Ktiiset*^ vyeisen hoch gfößerc 
Mäße an ihren Rädern aüfi 
Diese Schnell - Dampfer 
stellten mit ihren beiden 
V*öFgängern aus 186Ö eine 
Aus- und Weiierbüdiing der 
äußeren Gestoft der Dampfe 
.schiffe der, die gegen die an¬ 
fängliche Form ganz bedeu¬ 
tend abstach, nicht weniger 
ö uch «]$ ifife Schnelligkeit 
gegen di^fenige der ersten 
Dampfer Im we-sentHchen 
wiesen diese noch ein giafies 
Dedc auft doch besaß der 



Altes ÖBrliner Doropfschjif 







DEUTSCHLAND 


Nr. 14 



pMüihias Stinnes 1' 


,,Seeländer'^ schon einen etwas über Deck erhöhten Pavillon^ 
das Urbild des späteren Salons, für 20 Personen. Dazu kam 
eine Kajüte für 60 Personen im hinteren Schiffsraum. Hierin hat 
man einen gewissen Maßstab zum Vergleich des damaligen 
mit den heutigen Schiffsausmessungen. Im Vorderschiff be¬ 
fand sich eine für 40 Personen reichende Kajüte, und in den 
langen Radkasten waren bereits wie heute Wirtschaftsräume, 
Küche, Schlafraum für einen Angestellten untergebracht. 

Von der Schnelligkeit, welche der „Seeländer'' aufwärts 
erreichte, war schon die Rede; erscheint sie auch gering, so 
war sie doch derjenigen des ersten als „Defiance" bezeichneten 
Dampfers weit überlegen, die noch unter der Geschwindigkeit 
der Jachten geblieben sein soll. Nach einem Zeitungsbericht 
legte dieses Schiff nämlich in 24 Stunden 25 Wegstunden 
auf der Fahrt von Rotterdam nach Köln zurück, also in der 
Stunde kaum mehr als fünf Kilometer. Dies wird sich wohl 
mit zeitweiligem Versagen der Maschine erklären, wobei 
dann das am Schlot befestigte Segel Hilfsdienste leisten mußte. 
Die „Wasserdiligence", mit Pferdezug und Segel betriebene 
Jacht, zwischen Köln und Mainz gebrauchte damals (1Ö26) 
rheinaufwärts für die Strecke 2 V 2 Tag, -abwärts zwei Tage. 
Während der „Seeländer" auf seiner Bergfahrt nach Köln 
von Rotterdam 38 Stunden gebraucht hatte, machte er die 
Talfahrt in weniger als der Hälfte: in nur 16 Stunden 
34 Minuten; von Caub bis Köln war die Fahrt in 7 Stunden 
2 Minuten abgemacht worden. Im September 1825 wurde 
von holländischer Seite, aber auf deutsche Anregung, mit 
dem Dampfer „Rhein" (später in Kölner Besitz „Friedrich 
Wilhelm") eine „Forschungsfahrt" bis nach Kehl—Stra߬ 
burg hinauf unternommen, die aufwärts eine reine Fahr¬ 
zeit von 74 Stunden 15 Minuten, abwärts nur 27 Stunden 
2 Minuten beanspruchte; von Coblenz bis Bonn wurde dabei 
großmütig die „Wasserdiligence" ins Schlepptau genommen — 
ein freundlicheres Seitenstück zu der vorjährigen Szene bei 
Lobith. Die Strecke von Coblenz nach Cöln legte der „Rhein" 
in 5 V 4 Stunden zurück. 

Mitte 1825 bestand auf dem Niederrhein schon eine 
regelmäßige, von den Holländern eingerichtete Dampfer¬ 


verbindung, und zwar eine wöchentliche Passagier- und 
Paketfahrt zwischen Rotterdam und Köln mit Verbindung 
nach Antwerpen. In den sechs ersten Fahrten von Köln nach 
Rotterdam wurden 550 Personen befördert — ein ganz an¬ 
sehnlicher Zuspruch; in der sechsten Fahrt allein 126 Per¬ 
sonen. Und wie viele benutzen heute auf dieser Strecke das 
Dampfboot? 1826 brachte eine Nymwegener Gesellschaft 
neben der Rolterdamer mit Dampf betriebene Fahrzeuge auf 
den Rhein, und 1827 am 1. Mai eröffnete schon die Preußisch- 
Rheinische Dampfschiffahrts-Gesellschaft ihren Betrieb von 
Köln rheinaufwärts. Sie war ins Leben gerufen von denselben 
Persönlichkeiten, die schon vorher einen so lebhaften Anteil 
an der Entwicklung des Rotterdamer Unternehmens gezeigt 
hatten, und sie unterhielt deshalb auch mit diesem, anfänglich 
wenigstens, ein Kartellverhältnis. Den Holländern wurde der 
Betrieb abwärts von Köln, den Kölnern derjenige aufwärts 
Vorbehalten. Für den Anfang machte die Kölner Gesellschaft 
mit ihren beiden Schiffen wöchentlich zwei Fahrten nach 
Mainz und zurück; schon im Jahre vorher unterhielten die 
Rotterdamer während der günstigen Reisemonate Mai bis 
August vier wöchentliche Talfahrten Köln — Düsseldorf — 
Rotterdam, doch war diese häufige Einrichtung nicht von 
Dauer für die nächsten Jahre. In ihrem ersten Betriebs¬ 
jahre beförderte die Kölner Gesellschaft 7393 Passagiere 
aufwärts, 11231 talwärts; im folgenden Jahre betrugen die 
Zahlen schon 14108 und 19244. 

Dem anfänglichen Schwanken, der Unregelmäßigkeit des 
Betriebs entsprach auch das tastende Festsetzen der Fahr¬ 
preise, die für den Beginn recht hoch waren. So setzten die 
Holländer für die Fahrt von Köln nach Düsseldorf je nach 
Benutzung der Vorkajüte, der großen Kajüte und des 
Pavillons 3.20 Mk., 4.80 Mk. und 6.40 Mk. an; für die Fahrt 
von Köln nach Rotterdam 19.20 Mk., 28.80 Mk. und 38.40 Mk. 
Die Kölner Dampfer hatten vier Klassen: Matrosenkajüte, große 
Kajüte, mittlere Kajüte und Pavillon. Die Preise waren für die 
Fahrt von Köln nach Coblenz 4 Mk., 8 Mk., 10.50 Mk., 15 Mk.; 
Köln-Mainz 8.50 Mk., 17 Mk., 22.30 Mk., 31 Mk. Von 
Mainz nach Coblenz 5.20 Mk., 10.50 Mk., 13.50 Mk., 19 Mk.; 













i 


Nr. 14 DEUTSCHLAND 6Q1 


von Mainz nach Köln 10 Mk., 19.50 Mk., 26.50 Mk; 38 Mk. 
Die Talfahrt war teurer als die Berg-fahrt wegen ihrer größeren 
Schnelligkeit — wie heute; doch wurden die Preise für beide 
alsbald gleichgesetzt und ermäßigt. Diese schwankten noch 
lange, namentlich als mit 1838 die Dampfschiffahrts-Gesell- 
Schaft für den Nieder- und Mittelrhein als Wettbewerberin 
auftrat und 15 Jahre lang, bis zur Vereinigung beider Gesell¬ 
schaften, ein Schnelligkeits- und Tarifkampf geführt wurde. 

Die Düsseldorfer Gesellschaft wollte, um den Kampf mit 
Erfolg aufnehmen zu können, gleich von vornherein mit der¬ 
selben Anzahl Dampfer auf dem Rhein erscheinen, wie die 
Kölner. Widrige Umstände hinderten sie daran. Zunächst 
zeigte es sich, daß der an sich schöne Plan, die nationale 
Industrie zu unterstützen, verfehlt war. Köln hatte im Aus¬ 
land bauen lassen, Düsseldorf gab ein Schiff nebst Maschine 
in Duisburg in Bau, das aber so ungenügend ausfiel, daß 
nicht, wie geplant, der Betrieb schon 1837 aufgenommen 
werden konnte; bald darauf wandte sich Düsseldorf not¬ 
gedrungen ausländischen Werften zu, was ihm später im 
Konkurrenzkämpfe als Beweis des Mangels an nationaler 
Gesinnung vorgeworfen wurde. In Betracht kamen damals die 
Gewerkschaft Gute Hoffnungshütte, Jacobi, Haniel & Huyssen, 
Westphal, Strack & Lanz in Duisburg-Ruhrort, sowie Harkort 
in Wetter. Die Firmen mußten ein mehr als zehnjähriges 
Lehrgeld geben, ehe es gelang, erfolgreich gegen die aus¬ 
ländischen Erzeugnisse aufzutreten. Das gelang im Jahre 
1840 mit einem Kölner Dampfer, den die Firma Jacobi, 
Haniel & Huyssen gebaut und für den die Gute Hoffnungs¬ 
hütte die Maschine geliefert hatte. 

Dieses Jahr 1840 ist für den Wettkampf der Gesell¬ 
schaften besonders wichtig. Hatten früher die Holländer und 
Kölner sich den Rheinstrom geteilt, so waren ihnen 1838 die 


Düsseldorfer ins Gehege gedrungen, indem sie sowohl rhein- 
aufwärts wie rheinabwärts fuhren; allerdings begegneten sie 
dabei in holländischem Fahrwasser manchen Hindernissen. 
Der Eindringling sollte bald das gute Verhältnis zwischen der 
Kölner und Rotterdamer Gesellschaft stören, denn die gereizten 
Kölner drangen nun bald, 1840, in die Stromdomäne der 
Holländer ein, indem sie abwärts bis Düsseldorf fuhren. 
Das betrachteten die Holländer als Vertragsbruch und Feind¬ 
seligkeit, und nun sah man drei sich bekämpfende Dampfer¬ 
gesellschaften. Ihrer Kampflust gaben die Holländer einen 
eigenartigen Ausdruck, wozu sie ein besonderes Ereignis 
veranlaßte: der erste Untergang eines Dampfers auf dem 
Rhein, und zwar der „Stad Keulen", die ihnen gehörte. Die 
Ursache war ein Zusammenstoß mit dem der Düsseldorfer 
Gesellschaft gehörigen „Komet". An dieses Ereignis knüpfte 
sich ein in Preußen und Holland spielender, lange sich hin¬ 
ziehender Prozeß, der schließlich den Düsseldorfer Kapitän 
von aller Schuld befreite. Aber es lag doch wie ein Ver¬ 
hängnis über diesem „Komet". Es war das Schiff, in dem 
die Düsseldorfer ein nationales Werk zu schaffen suchten, 
doch stellte sich schon bei den Probefahrten heraus, daß 
Kessel und Maschine nicht genügten und abgeändert werden 
mußten. Auch das half nichts; dann brach die Maschine, 
und man mußte wieder zu England seine Zuflucht nehmen. 
Kaum wieder in Betrieb, bohrte es, wie schon erzählt, im 
Jahre 1840 die „Stad Keulen" bei Millingen in den Grund. 
Dieses Unglück und der Zorn, den die Holländer nun auch 
noch auf die in ihren Bereich eingedrungenen und mit den 
Düsseldorfern in ein zeitweiliges Vertragsverhältnis getretenen 
Kölner hatten, regte in jenen große Entschlüsse an, die 
freilich ganz aussichtslos waren, aber einen kräftigen und 
bezeichnenden Ausdruck in der Erneuerung eines historischen 





Adolph, Herzog zu Nassau" auf der Talfahrt St. Goarshausen passierend 



























692 DEUTSCHLAND Nr. 14 


Scherzes fanden, mit dem einmal ein holländischer Admiral 
jm Kanal gegen die Engländer bösen Ernst gemacht: sie 
pflanzten auf die Spitze der Maste ihrer Dampfer einen Besen, 
so ihren Willen andeutend, den Rhein vom deutschen Wett¬ 
bewerb reinzufegen, sie die Ausländer im fremden Landei 
Ein Bericht von damals führt Beschwerde über den „Trotz 
der Rotterdamer Schiffe, die aller Proteste ungeachtet fort¬ 
fuhren, ihren Besen unmittelbar über die preußische Flagge 
aufzustecken, was zu manchen sehr verdrießlichen Szenen 
führte"; mehr aber noch darüber, daß man sich „in 
gewohnter Milde" von amtlicher preußischer Seite darauf 
beschränkte, der niederländischen Direktion kundzutun. 


daß man die Verhöhnung ferner nicht dulden werde. ,rln 
Holland würde man bei ähnlichem Verfahren unserseits 
ohne Zweifel kräftig eingeschritten sein". Schließlich ver« 
schwand der Besen mit dem aussichtslosen Zorn. Der 
„Komet" aber, der nicht ohne Schaden aus dem Zusammen¬ 
stoß hervorgegangen war, wurde darauf nochmals umgebaut 
und auch umgetauft. Als „Stadt Bonn" stand der ehemalig'e 
Irrstem jetzt unter einem glücklicheren Stern. Das Modell 
dieses Schiffes, vom eigenen Kapitän (Visser) gebaut, bildet 
heute den „Grundstein" zum Rheinschiffahrtsmuseum, 
das in Körper und Bild eine reiche Geschichte verewigen soll, 
aus der hier mit schlichten Worten ein Abschnitt erzählt wurde. 


Pflege und Erhaltung nationaler Güter. 

(Schluß.) Von Gustav Adolf Erdmann (Weißenfels a. S.). 


Das köstlichste Gut einer jeden Nation ist offenbar 
ihre Sprache. ,,Muttersprache, Mutterlaut, wie so 
wonnesam, so traut!“ verherrlicht der Dichter sie mit 
tiefem. Wahrem Empfinden. Ein Volk mag im Laufe der 
geschichtlichen Entwicklung aus irgend einem Grunde 
seine nationale Selbständigkeit verlieren; es wird zwar, 
wenn es ein echtes Nationalempfinden besitzt, stets von 
der Wiedergewinnung derselben träumen, sich aber doch 
den neuen politischen Verhältnissen anbequemen; den 
Kampf um die eigene Sprache aber wird es mit ver¬ 
zweifelter Erbitterung führen, denn es weiß, daß es mit 
der Sprache den besten Teil seines Wesens verlieren, 
das Anrecht einbüßen würde, eine eigene Kultur zu 
besitzen. Seine Sprache zu verleugnen oder herab¬ 
zusetzen, ist Verrat am Nationalgefühl. Geradezu un¬ 
verständlich aber Wird eine solche Mißachtung der Mutter¬ 
sprache, wenn es sich um eine hochentwickelte Kultur¬ 
sprache handelt, die in der Weltliteratur eine führende 
Stellung einnimmt und von Millionen Menschen gesprochen 
Wird, Wie die deutsche Sprache. Die Gestaltungskraft 
der deutschen Sprache steht hinter keiner anderen zurück, 
die feinsten, zartesten Regungen des Gemütes Weiß 
derjenige, der sie zu meistern versteht, zum Ausdruck 
zu bringen, ihre Skala ist unerschöpflich, lieber die 
Klangschönheit einer jeden Sprache läßt sich streiten; 
es kommt eben darauf an, wie man eine Sprache spricht. 
Die deutsche Sprache kann so mißhandelt werden, daß 
sie dem Ohr verletzend klingt, sie kann aber auch den 
höchsten Wohllaut, die edelste Klangfarbe annehmen. 
Jedenfalls braucht sie vor der Schönheit der englischen 
nicht die Segel zu streichen. In deutscher Sprache 
wurden unsterbliche Dichtungen verfaßt, in der wissen¬ 
schaftlichen Literatur hat sie die Führung. Man sollte 
annehmen, daß jeder Deutsche im Auslande nicht nur 
eine nationale Pflicht, sondern eine Ehre darin erblicken 
würde, sich seiner Muttersprache zu bedienen, soweit 
dies nur irgend angängig ist, und angängig ist dies in 
viel weiterem Maße, als es auf den ersten Blick 
manchem erscheinen mag. Statt dessen ist es eine leidige 
Tatsache, daß der Deutsche im Auslande sich mit Vor¬ 
liebe fremder Sprachen, in erster Linie der englischen, 
bedient, selbst dort, wo Englisch nicht Landessprache ist. 
Bedarf es der Beispiele als Beweis? Erst kürzlich Wurden 
die Namen von hervorragenden Deutschen publiziert, die 
in Japan sich in Hotelbücher in englischer Sprache und 
als aus Germany kommend, eingetragen hatten — wir 
wollen diese Namen hier nicht Wiederholen — in Japan, 
das Deutschland so gut kennt, und wo auch die deutsche 
Sprache nicht unbekannt ist. Eine im Auslande an¬ 
sässige deutsche Firma machte, laut Zeitungsmeldung, 


dem japanischen Kriegsministerium eine Offerte in eng¬ 
lischer Sprache, und als dieses verwundert anfragte, Warum 
sie sich nicht der deutschen Sprache bediene, antwortete 
sie wieder englisch, daß es bei ihr geschäftsüblich sei, 
englisch zu korrespondieren. Selbst deutsche Konsuln 
im Auslande vernachlässigen ihre Landessprache und ver¬ 
öffentlichen Bekanntmachungen zwar in verschiedenen 
anderen Sprachen gleichzeitig, ignorieren die deutsche 
aber dabei. Selbst wenn in jenen Gegenden tatsächlich 
niemand Deutsch verstehen sollte, wenn kein einziger 
Deutscher dort ansässig Wäre, erforderte es das Ansehen 
der Nation, daß bei allen amtlichen Veröffentlichungen 
an erster Stelle die Landessprache zu stehen hätte. Leider 
bedienen sich auch Deutsche im Auslande im Privat¬ 
verkehr untereinander häufig einer fremden Sprache, 
besonders der englischen, und es kommt vor, daß man 
in deutschen Klubs alle anderen Sprachen, nur nicht die 
deutsche, hört. Von durchaus glaubwürdiger Seite ist 
berichtet Worden, daß z. B. junge Deutsche, die nur 
wenige Jahre im fernen, unter britischem Einfluß stehenden 
Auslande weilten, erklärten, sich der englischen Sprache 
zu bedienen, weil sie diese besser zu gebrauchen wüßten 
als die deutsche! Mutter Germania, verhülle dein Haupt! 
Das tiefempfundene Lied von der Muttersprache ist für 
diese ihre Verächter umsonst gesungen, ein hohes, herr¬ 
liches Gut des deutschen Volkes, der kostbarste Edelstein 
deutschen Wesens, wird durch Eitelkeit, Gedankenlosig¬ 
keit, Unverstand und falsch angebrachtes Entgegenkommen 
in den Staub getreten. Gewiß soll und muß der Deutsche 
auch fremde Sprachen beherrschen, gewiß soll er sich in 
ihnen üben und vervollkommnen, aber alles dies muß seine 
Grenzen haben und darf nicht zu einer Unterordnung, ja 
nicht selten sogar zu einer durchaus unverdienten Gering¬ 
schätzung der deutschen Sprache führen. Auch hier 
können wir uns ein Beispiel an dem Engländer nehmen, 
für den es nur eine Sprache, die englische, gibt. Er 
hat die Welt gezwungen, sie zu kennen, zu achten. 
Die deutsche Sprache wird nie die Stellung 
in der Welt einnehmen, die sie einnehmen 
könnte, wenn der Deutsche sie im Auslande 
leichtherzig preis gibt. Es ist dies eine Erscheinung 
der bekannten Vorliebe des Deutschen für alles Fremde, 
in dem er einen höheren Wert zu besitzen glaubt, als im 
eigenen. Es ist, wie bereits gesagt, der Ausfluß von 
Eitelkeit, Gedankenlosigkeit, Unverstand und verkehrter 
Höflichkeit, die von dem selbstbewußten Briten als Ver¬ 
ächtlich angesehen wird, es ist — leider muß es gesagt 
werden — zum großen Teil die Schuld falscher Schul¬ 
erziehung, durch die eine falsche Bewertung der fremden 
Sprachen Vorschub erhält. Wir können uns über dieses 




Nr. 14 DEUTSCHLAND 693 


letztere Thema nicht ausführlich äußern, wie dies nötig 
Wäre, Wir möchten nur eindringlich darauf hinweisen, daß 
es eine wichtigere nationale Aufgabe ist, die Jugend in 
den Geist, in die Tiefen, in die kostbaren Schätze unserer 
Muttersprache einzuführen und diese ihr dadurch lieb 
und wert, ja zu einem Heiligtum zu machen, als sie mit 
fremdem Geiste erfüllen. Hier tut Abhilfe dringend not. 
Im Auslande aber sollen diejenigen deutschen Familien, 
die in tiefer Erkenntnis des Wertes der Muttersprache 
diese hochhalten und pflegen, nicht müde werden, ihren 
erzieherischen Einfluß in dieser Richtung aufzubieten und 
nicht erlahmen, wenn nicht gleich der Erfolg sichtbar wird. 
Beim rechten Appell an das Nationalgefühl, dem schließlich 
doch jeder Deutsche zugänglich ist, mag er auch noch 
so sehr mit fremdem Wesen kokettieren, wird das Ziel 
schließlich doch erreicht. Die Auslands-Flottenvereine 
und der Verein für das Deutschtum im Auslande sind die 
gegebenen Zentralpunkte solcher erziehlichen Einwirkung. 
In ihnen sollte nur das deutsche Wort eine Heimstatt 
und fortgesetzte Pflege finden. 

Wir möchten fast behaupten, daß das treue, unent¬ 
wegte Festhalten an einem wichtigen nationalen Gute 
ohne weiteres die Pflege und Erhaltung anderer Güter 
nach sich zieht. So ist deutsche Sitte ohne deutsche 
Sprache doch ein Unding. Selbstverständlich ist deutsche 
Sitte für zersprengt im fernen Auslande lebende Deutsche 
sehr cum grano salis zu verstehen. Man kann z. B. von 
ihnen nicht erwarten, daß sie dort in jeder Beziehung wie 
in Deutschland leben und arbeiten, das verbietet sich in 
sehr vielen Fällen durch die Macht der Verhältnisse. Die 
Lebensweise wird durch das Klima, durch die Arbeitszeit 
und dergleichen vorgeschrieben. Aber es gibt andere 
Faktoren, die den Begriff „deutsche Sitte“ ausfüllen. Der 
Deutsche ist von Kindesbeinen an mit gewissen Volks¬ 
festen und charakteristischen Gebräuchen verwachsen, 
ohne die er einem seiner Blüten beraubten Rosenstrauch 
gleicht. Was ist der Deutsche ohne sein Weihnachts- 
Oster- und Pfingstfest! Welcher echte Deutsche hat nicht 
das Bedürfnis, den Geburtstag seines Landesherrn zu 
feiern. Welcher ackerbautreibende Deutsche möchte sein 
Erntefest missen! Heimische Sitte, die dem Deutschen 
auch ins fremde Land folgt, die auch hier von ihm gepflegt 
werden kann und soll, wenn er sein Deutschtum sich 
erhalten will. Deutsche Ansiedler aber, die in größeren 
Massen beisammenwohnen, haben es verhältnismäßig leicht, 
auch in der Fremde sich die Erinnerung an die ferne 
Heimat lebendig zu erhalten, ja sich diese Heimat dort 
neu zu schaffen. A. Marshall berichtet u. a. in der 
„Daily Mail“ vom 11. April 1910 über eine deutsche 
Ansiedlung in Südaustralien, deren Mitglieder — leider 
— alle britische Untertanen geworden sind, wie sie trotz 
ihrer Anpassung an die australischen Verhältnisse sich 
doch einen großen Teil ihrer heimischen Sitten bewahrt 
haben, und aus anderen deutschen Siedelungen wissen 
wir dasselbe. 

Eng mit Sprache und Sitte verbunden sind die 
nationalen Charaktereigenschaften, deren Er¬ 
haltung bei der nahen Berührung mit fremden Nationen 
nur zu leicht bedroht ist. Nun wäre es eine lächerliche 
Selbsttäuschung, wollte man dem deutschen Volke nur 
gute Charaktereigenschaften nachrühmen. Im Gegenteil: 
wir müssen uns bewußt werden, daß unser Volkscharakter 
neben zahlreichen vortrefflichen Eigenschaften auch eine 
recht ansehnliche Menge solcher besitzt, die er lieber 
heute als morgen ablegen sollte zum allgemeinen Besten 
des Volkes. Denn unzweifelhaft steht fest, daß die 
allgemeinen deutschen Interessen, an denen auch die 
Ausländsdeutschen in hervorragendem Maße beteiligt sind. 


unter derartigen Eigenschaften leiden. Zu ihnen gehört Vor 
allem die sprichwörtliche leidige deutsche Uneinigkeit, 
der oft zu stark ausgeprägte Konkurrenzneid, der sich 
intensiver gegen den Volksgenossen als gegen den 
Angehörigen einer fremden Nation richtet, und das 
zu geringe nationale Selbstbewußtsein. Es ließen 
sich hierzu reichlich Beispiele anführen, aus Raummangel 
mögen nur einige hier Platz finden. In einem Artikel 
„Abessinier und Deutsche“ im Berliner Tageblatt vom 
25. 7. 11 schreibt der Berichterstatter: „Daß die hier 
anwesenden Deutschen sich gegenseitig anfeinden und 
intrigieren, ist selbstverständlich. Wer kann von Aus¬ 
ländsdeutschen, zumal in einem so neuen Lande Wie 
Abessinien, leider anderes erwarten! Traurig ist es nur, 
wenn man hier sieht, wie die anderen Nationen schaden¬ 
froh auf das Treiben der Deutschen sehen und dabei 
die Geschäfte machen, die wir in unserem Zank uns aus 
den Händen nehmen lassen!“ Der scharfe Beobachter 
Professor Dr. Bernhard Harms in Kiel, dem man 
wahrlich keine Animosität gegen die Ausländsdeutschen 
nachsagen kann, schreibt in seiner vortrefflichen Broschüre: 
„Weltwirtschaftliche Aufgaben der deutschen 
Verwaltungs-Politik“ (Jena, Verlag von Gustav 
Fischer, 1911) über seine Beobachtungen inBritisch-Indien: 
,,Man erlebt hier oft die wunderlichsten Dinge. Nicht 
selten verfrachten deutsche Kaufleute bloß deshalb mit 
fremden Dampfern, weil der Vertreter der betreffenden 
deutschen Linie ein Konkurrent ist, dem Art und Umfang 
des eigenen Exports verborgen bleiben soll.“ Betreffs 
des deutschen Nationalbewußtseins aber glaubt der Eng¬ 
länder Norman Angell in seinem vielbesprochenen 
Buche: „Die große Täuschung“ (Leipzig, Dieterich’sche 
Verlagsbuchhandlung, 1910) schreiben zu dürfen: „Es ist 
natürlich wahr, daß die Deutschen (in den Vereinigten 
Staaten) nicht unter ihrer Flagge leben, aber es ist auch 
Wahr, daß sie es nicht bedauern, sondern sich darüber 
freuen! .... Die Tatsache, daß sie, indem sie die 
Vereinigten Staaten als ihr Heimatland anerkannten, etwas 
von der deutschen Weise aufgegeben und einen neuen 
nationalen Typus geschaffen haben, der teilweise englisch, 
teilweise deutsch ist, ist im ganzen mehr zu ihrem Vorteil 
— und dadurch auch zu unserem“ (dem englischen!). 
Derartige völkische Charaktereigenschaften, die zum Teil 
aus der geschichtlichen Entwicklung des deutschen Volkes 
zu erklären, deshalb aber noch nicht zu entschuldigen sind, 
gehören natürlich nicht zu den wertvollen Nationalgütern, 
sondern zu den Untugenden, die bekämpft Werden müssen 
und besiegt werden können, wenn das deutsche Volk sich 
erst zu dem Standpunkt durchgerungen hat, den das 
britische schon lange einnimmt, und der klar aus der 
früher zitierten Rede Balfours spricht. Gott sei Dank 
aber überwiegen die vortrefflichen nationalen Charakter¬ 
eigenschaften bei weitem die üblen. Deutsche Gewissen¬ 
haftigkeit und Gründlichkeit, Sauberkeit und 
Pünktlichkeit, deutsche Redlichkeit, Zähigkeit 
und Treue haben noch überall in der Welt ein hohes An¬ 
sehen und werden auch dort geschätzt, wo man im all¬ 
gemeinen dem Deutschen sonst keine besondere Sympathie 
entgegenbringt. Diese und andere vortreffliche Charakter¬ 
eigenschaften gilt es auch im fernen Auslande zu erhalten, 
falls das Wort: „An deutschem Wesen soll einst die 
Welt genesen“ überhaupt Sinn haben soll. Das aber ist 
nur möglich, wenn der Deutsche im Auslande sein Volks¬ 
tum möglichst rein, möglichst frei von Vermischung zu 
halten sucht. Das ist zweifellos nicht immer leicht, zu¬ 
weilen sogar wohl ganz unmöglich; aber es ist ein Ziel, 
das im Interesse des Deutschtums mit allen Mitteln 
angestrebt werden muß und zum Teil auch bereits an- 



6Q4 DEUTSCHLAND Nr. 14 


gestrebt AVird. Sehr beherzigens^vert sind in dieser 
Beziehung die Worte, die kürzlich in einem Aufsatz über 
die deutschen Siedelungsgebiete imUrwalde von Paragua}? 
in der Zeitschrift ,,Süd-und Mittelamerika“ (Nr.5 von 1911) 
standen: „Ob das Deutschtum in Paraguay sich rein 
erhalten AVird? Dem Deutschen imponiert alles Fremd¬ 
ländische, und nur zu gern paßt er sich im Auslande dem 
Eingeborenen an. Unchristlich, heißt es da, ist es, auf 
den Schwarzen herabzusehen. Wenn der Bauer auch Weiß, 
daß hierzulande deutsch sein und tüchtig sein eins ist, 
er weiß nicht, daß sich die guten Rassen-Eigen- 
schaften bei Kreuzungen sofort verlieren und 
sieht deshalb ruhig zu, wenn seine Kinder Eingeborene 
heiraten. Wann wird jeder hier einwandernde 
Deutsche als heiligsten Glauben den Glauben 
an sein Volkstum mitbringen, dies tausend¬ 
jährige Vermächtnis der Vorfahren, das fort¬ 
zuwerfen die wahreSünde wider den Heiligen 
Geist ist“. Auch hier ist fraglos ein Punkt berührt, 
der an die nationale Erziehung in der Heimat eine ernste 
Forderung stellt, der sie sich nicht entziehen kann und darf. 

Aber ist in der großen Zahl Wertvoller nationaler 
Güter nicht das Vaterland selbst das höchste, das 
kostbarste? Unzweifelhaft! Auch der Deutsche betrachtet 
es als sein höchstes Gut, für das er freudig sein Leben 
einsetzt. Wenn der Engländer Mr. Aflalo am 19. Juli 1910 
in der „World“ die Behauptung ausspricht, daß der Deutsche 
im Auslande viel weniger an Heimweh leide, als jede andere 
Nation und dies mit seiner Freude, dem heimischen Militär¬ 
dienst entgangen zu sein, begründet, so ist dies, gelinde 
ausgedrückt, eine Unwahrheit, wenigstens wenn in dieser 
Form verallgemeinert wird. Nicht in Abrede zu stellen 
ist die unerfreuliche Tatsache, daß früher die Mehrzahl 
der ins Ausland gehenden Deutschen ihre deutsche Staats¬ 
angehörigkeit und damit die enge Verbindung mit dem 
Vaterlande aufgab, um das fremde Land als Vaterland 
anzuerkennen, und daß dies auch jetzt noch bei einem 
viel zu hohen Prozentsatz geschieht. Es ist darum be¬ 
greiflich, wenn der Engländer diese Erscheinung auf eine 
geringere Heimatliebe des Deutschen zurückführt. 

In Wirklichkeit ist die beklagenswerte Erscheinung 
der Hauptsache nach auf andere Ursachen zuriickzuführen; 
denn auch militärscheu ist der Deutsche keineswegs, wie 
der Engländer glauben machen möchte, wenn auch ver¬ 
einzelt derartige Fälle Vorkommen werden. Der Schlüssel 
für die Erscheinung ist, wie schon erwähnt, in un¬ 
praktischen Gesetzen über den Verlust der 
Staatsangehörigkeit für Ausländsdeutsche zu suchen, 
in Gesetzen, die schon längst gründlichst umgestaltet sein 
sollten, da sie in der gegenwärtigen Form keinen Nutzen, 
sondern nur Nachteile bringen. Im Rahmen dieser Betrach¬ 
tung können wir nicht näher auf dasjenige eingehen, was 
von einem so wichtigen Gesetz gefordert werden muß; es 
möge dies einer späteren Betrachtung Vorbehalten bleiben. 
Es sei nur darauf hingewiesen, daß der Entwurf eines neuen 
Gesetzes, das dem Bundesrat bereits vorlag, fertiggestellt, 
bedauerlicherweise dem Reichstage jedoch noch nicht 
unterbreitet worden ist. Es würde gewiß von allen 
Auslandsdeutschen mit freudigerGenugtuung 
begrüßt werden, wennman ihren berechtigten 
Wünschen etwas schneller entgegenkäme. 


Und nicht nur unpraktische Gesetze sind es gewesen, 
die manchen Deutschen zum Aufgeben der deutschen 
Staatsangehörigkeit zwangen; es kamen noch andere 
Faktoren von Bedeutung hinzu, die unter Umständen 
zu diesem oft mit großem Widerstreben vollzogenen 
Schritt geradezu zwangen, Verhältnisse, die oft genug 
öffentlich besprochen wurden. Wir nennen nur: un¬ 
zureichender Flaggenschutz und nicht selten 
ungeeignete amtliche Vertretung. Auch hierauf 
wollen wir an dieser Stelle nicht näher eingehen, können 
aber nicht umhin, zu betonen, daß die hier bezeichneten 
Verhältnisse Wenigstens in der neueren Zeit wohl den 
größten Teil der Schuld daran tragen, wenn Deutsche im 
Auslande ihre Staatsangehörigkeit aufgeben. 

Aber ist die Staatsangehörigkeit ein wertvolles 
Nationalgut? Mancher wird geneigt sein, dies zu ver¬ 
neinen und behaupten, man könne sein Volkstum ebenso 
treu bewahren, wenn man äußerlich zu einer anderen 
Nation übertrete. 

Dieser Auffassung können wir nicht beitreten. Viel¬ 
leicht hat man den Willen dazu, aber die Verhältnisse 
sind stärker als dieser Wille. Mit dem Auf geben 
der Staatsangehörigkeit hat zweifellos eine 
Loslösung vom Vaterlande stattgefunden; mit 
dem Eintritt in einen anderen Staatsverband hat man 
neue Pflichten übernommen, die unter Umständen den 
Pflichten gegen das ursprüngliche Vaterland direkt zu¬ 
widerlaufen. Es ist unausbleiblich, daß sich mit dem 
Abstreifen der früheren Pflichten ganz allmählich auch 
die engeren Beziehungen zum alten Vaterlande lockern, 
um schließlich Wohl nur noch dem Gefühl eines gewissen 
lauwarmen Wohlwollens Platz zu gönnen. Der Psychologe 
wird sogar nicht selten einen völligen Umschlag in dem 
Gemütsverhältnis konstatieren und auch begründen können. 
Schillers Wort, das an dem Eingang dieser Betrachtung 
gesetzt Wurde, ist keine dichterische Phrase, es ist Wahr¬ 
heit, tiefe Erkenntnis. Der Mann, der seinen Namen 
wechselt, tritt aus seiner bisherigen Familie heraus, gehört 
nicht mehr zu ihr und hat keinen Anteil mehr an ihrem 
Wohl und Wehe. Wer seine Staatsangehörigkeit 
aufgibt, entzieht seinem Volkstum eine 
wichtige äußere und innerliche Stütze. Die 
Staatsangehörigkeit ist darum so gewiß ein wertvolles, 
nationales Gut, wie jedes andere, das hier genannt Wurde, 
die Erhaltung desselben eine wichtige nationale Pflicht, 
die vom Vaterlande in jeder Weise erleichtert, von den 
Ausländsdeutschen aber selbst unter zeitweiligen Un¬ 
annehmlichkeiten hochgehalten werden sollte. Sie ehren 
in den Augen des Auslandes nicht nur ihr Vaterland 
dadurch, sie ehren in noch höherem Maße sich selbst. 

Von der Pflege der realen Güter der Nation 
möge ein andermal gesprochen werden. 

Nationale Güter, Welcher Art sie auch sein mögen, 
können eine gedeihliche Pflege und Entwicklung nur 
dann finden, wenn diejenigen, die zu ihrer Pflege berufen 
sind, fest Zusammenhalten. Und Wie wir diese Betrachtung 
mit einem Worte Attinghausens einleiteten, so möge 
auch an den Schluß die eindringliche Mahnung dieses 
begeisterten und begeisternden Vaterlandsfreundes für 
alle, die es angeht, gestellt sein: 

„Seid einig! einig! einig!“ 








Nr.l4 DEUTSCHLAND 695 


Durchs T^ittelmeer zum Kaukasus. 


Eine Reise mit dem Norddeutschen Lloyd von Dr. Paul Grabein. 


Der deutsche Reiseverkehr hat durch die Veranstaltung 
von Vergnügungsfahrten zur See, wie sie seit einer 
Reihe von Jahren unsere großen Schiffahrtsgesellschaften, 
besonders auch der Norddeutsche Lloyd in Bremen, in 
ihr Programm aufgenommen haben, eine bedeutsame An¬ 
regung und Förde¬ 
rung erfahren. Ein¬ 
mal werden ständig 
eine große Zahl von 
Ausländern dadurch 
nach Deutschland 
gezogen. Denn wer 
zum Beispiel von 
New York nach 
Bremen kommt, um 
von dort aus eine 
Nordlandsreise oder 
via Bremen—Genua 
die Mittelmeerfahrt 
zu machen, der be¬ 
nützt natürlich diese 
Gelegenheit, um 
sich einmal auch in 
Deutschland umzu¬ 
sehen. Und gerade 
der Rhein oder die 
deutschen Mittel¬ 
gebirge, Schwarz¬ 
wald und Bayern, 
sind da ein Haupt¬ 
ziel fremdländischer 
Touristen, welche 
nicht selten dann 
ein andermal zu 
einem längeren Auf¬ 
enthalt an einen 
liebgewonnenen Ort 
zurückkehren. 

Kommen so schon 
diese deutschenSee- 
fahrten dem deut¬ 
schen Binnenlande 
direkt zustatten, so 
bedeuten sie für 
die Entwicklung 
der deutschen Tou¬ 
ristik aber auch 
noch anderweitige 
Vorteile. Beson¬ 
ders unsere eigenen 
Landsleute, welche 
auf diese Weise 
in fremde Länder 
kommen, erhalten 
dadurch Gelegen¬ 
heit zu lehrreichen Vergleichen. Anregungen werden heim¬ 
gebracht, die unser blühend aufstrebendes Verkehrswesen 
sich klug zu eigen macht, oder aber man kehrt auch wieder 
mit der Ueberzeugung, daß man in mancher Hinsicht doch 
nirgends besser aufgehoben ist als daheim. Und mancher 
schon, der als ein Nörgler und Lobsänger der Fremde 
auszog, kam bekehrt wieder und freute sich fortab der 
Schönheit unserer vaterländischen Gaue, des behaglichen 
Komforts in deutschen Hotels, wo man ihn sofort ohne 


zungenbrecherische Versuche verstand. — All diesen 
Unannehmlichkeiten geht freilich aus dem Wege, wer 
auf einem deutschen Schiff, also in einem erstklassigen 
schwimmenden Hotel, solche Fahrt in ferne Lande an- 
tritt, wie z. B. die Mittelmeerfahrt des Norddeutschen 

Lloyds nach dem 
Kaukasus. DerLeser 
dürfte mir daher 
mit Interesse auf 
dieser Reise folgen. 

ln Genua ging es 
an Bord. Es War 
der mit allem er¬ 
denklichen Komfort 
ausgestatteteLloyd- 
dampfer „Schles¬ 
wig“, der uns auf¬ 
nahm und nun vier 
Wochen als Gäste 
beherbergen sollte. 
Gen Süden ging 
dann die Fahrt, 
hinunter nach der 
Küste Afrikas, wo 
wir Tunis einen Be¬ 
such abstatteten. 
Weiß flimmernd lag 
die Stadt am sonnen¬ 
gedörrten Sand- 
strande da, nach 
der Wüste zu von 
einem fernen Ge¬ 
birgsrücken abge¬ 
schlossen; die alte 
Stadt, die Nachbarin 
Karthagos, die einst 
im Weiten Golf 
draußen die Flotten 
der Römer und Van¬ 
dalen, der Byzan¬ 
tiner und Araber, 
der Franzosen und 
Deutschen unter 
Karl V. hat ankern 
sehen. Und ein Tag 
unseresLandaufent- 
haltes hier war denn 
auch dem Besuchder 
Ruinen Karthagos 
gewidmet, dessen 
Trümmerfeld noch 
heute von dem ver¬ 
sunkenen Glanze 
und der Macht jener 
Stadt zeugt, die 
einst den unvergeßlichen Kampf um die Weltherrschaft 
mit dem glücklicheren Rom geführt hat. 

Dann führte uns unser Schiff weiter dahin auf dem 
blauen, spiegelglatten Meere; hin gen Malta. Aus dem 
Meere wächst sie empor, diese steinerne Krone des 
britischen Reiches, die ihr die Herrschaft im Mittelmeer 
sichert. Ein Wunder dieses Malta, in der Tat. Nicht 
nur die gewaltigen Bastionen, die den Hafen schützen, 
sondern auch die Stadt selber, die treppauf, treppab in 



Gogry: Vegetationsbild 



Wladikawkos, im Vordergrund der Terck-Fluß 







696 DEUTSCHLAND Nr. 14 


den Felsenrücken der Insel hineingearbeitet ist. Keinen 
Strauch, keinen grünen Grashalm erspäht das Auge 
bei der ersten Schau auf diesem sonnengebleichten 
Felsen. Man fragt sich verwundert, wovon all die vielen 
Ziegen ihr Leben fristen, die neben dem Malteser Kreuz 
auf allen Stickereien, Spitzen und sonstigen Reise¬ 
andenken das eigentliche Wahrzeichen Maltas sind. 
Diese Ziegen haben eine große volkswirtschaftliche Be¬ 
deutung für die Stadt. Sie sind Wandelnde „Milchbureaus“, 
um diesen schönen Berliner Ausdruck zu gebrauchen. 
Der Besitzer steigt nämlich mit ihnen in den hohen 
Häusern, riesigen Mietskasernen, empor bis zum fünften 
Stock, und an der Wohnungstür melkt sich die Hausfrau 
so viel Milch ab, wie sie gerade bedarf. 

Von Malta ging es nach Athen. Was weckt der 
Name nicht alles auf in einem Herzen, das einst in jugend¬ 
licher Begeisterung erglühte für die Herrlichkeiten der 
antiken Welt! Ich las kürzlich in einer großen deutschen 
Zeitung eine Polemik gegen die Reisen, die neuerdings 
Schüler der oberen Qymnasialklassen unter Führung 
ihres Professors nach Athen machen. Aber mein Besuch 
dort hat mich zu einer anderen Meinung kommen lassen. 
Es tut doch nicht gut, als reifer Mann mit allzu kritischen 
Augen nach Athen zu gehen. Die Stadt, das ganze 
Griechenland, wie sie sich heute dem Beschauer dar¬ 
bieten, stehen doch in einem zu schneidenden traurigen 
Gegensätze zu den Vorstellungen, die sich an jene uns 
so heiligen Stätten der Vergangenheit knüpfen. 

Das Athen von heute ist etwa der Typ einer süd¬ 
französischen Provinzialstadt mit einem leichten Auftrag 
von Pariser Kulturlack hier und da, der aber um so 
peinlicher kontrastiert zu dem Anblick, den die Bevölke¬ 
rung in ihrer großen Masse darbietet. Die Athener von 
heutzutage tragen den Stempel einer traurigen Degene¬ 
ration an sich. Mit Schmerz muß man es feststellen. 


Das sollen nun die Nachkommen der Helden von Salamis 
sein, das Wir noch da draußen vorm Eingang zum Pyräus 
wie ehedem liegen sehen! Dieser trübselige, verkommene 
Völkerbrei, der durcheinandergekreuzte Niederschlag aller 
der Rassen, die im Laufe der Jahrtausende Griechenland 
überzogen haben. Schwer nur kann man angesichts 
dieses entarteten Geschlechts die flammende Begeisterung 
verstehen, die einst zur Zeit Byrons auch in Deutschland 
so weite Kreise beherrschte. 

Kaum konnte uns dies eindringlicher zum Bewußtsein 
kommen, als bei einem Besuche des großen Kirchhofes, 
wo gerade ein Leichenbegängnis stattfand. Dieser Fried¬ 
hof scheint die beliebteste Stätte der Volksbelustigungen 
für die modernen Athener zu sein. Zu Tausenden standen 
und hockten sie dort im Schatten der Zypressen am 
Nachmittag umher, offenbar auf das Schauspiel eines 
solchen Trauerzuges wartend. Nach der dortigen Sitte, 
die noch aus den Zeiten der Türkenherrschaft stammt, 
wo manchmal im verschlossenen Sarge von den Griechen 
Waffen eingeschmuggelt Wurden, muß nämlich jede 
Leiche im offenen Sarge durch die Stadt zum Kirchhof 
befördert werden. Dieses nach unseren Begriffen Wenig 
erfreuliche Schauspiel bot sich auch uns dar. Doch war 
der Anblick, dem wir nicht entgehen konnten, nicht so 
schrecklich wie man es sich wohl gedacht hätte. Denn 
die Tote War ein junges Mädchen, dessen stilles Antlitz 
mit seiner feinen, ernsten Schönheit blaßgelb aus einem 
überreichen Flor duftender Blumen hervorblickte. Ein 
Mitreisender suchte unauffällig seinen Kodak auf den 
Leichenwagen zu richten; aber schon war er von dem 
Trauergefolge bemerkt worden. Doch fühlte sich dieses 
nicht im mindesten gestört, vielmehr gaben sie dem 
Amateurphotographen ein Zeichen und ließen den Leichen¬ 
transport halten, um ihm die Aufnahme zu erleichtern, von 
der sie sich nur nachher auch ein Bild erbaten. Denn 

bei diesen Begräb¬ 
nissen spielen Ehr¬ 
geiz und Eitelkeit 
eine große Rolle. 
Man sucht sich 
durch Schaustel¬ 
lungenmöglichster 
Blumenpracht und 
sonstiger Dekora¬ 
tionen gegenseitig 
zu überbieten und 
der neugierig zu- 
schauendenMenge 
ein Schauspiel zu 
bieten. Eine wider¬ 
wärtige Szene bot 
sich nachher dar, 
als der Sarg in die 
Leichenhalle ein¬ 
gestellt worden 
war; eine Art 
Schuppenam Ende 
des kleinen Hofes, 
der mit tausen¬ 
den wirr durchein¬ 
ander geworfener 
Holzkisten, aus¬ 
gegrabenen alten 
Särgen, vollge¬ 
stapelt war. Hier 
herein drängte sich 
nun eine vielhun- 
dertköpfigeMenge 



Konstantinopel: Schiffe und Sommersitz der Deutschen Gesandtschaft 





Nr. 14 DEUTSCHLAND Ö97 



lärmend, schimpfend und sich stoßend, um durch das 
Schlüsselloch einen Blick auf die drinnen mit ihren 
Blumen aufgebarte Tote zu erhaschen. Das Volksschau¬ 
spiel der modernen Athener! 

Aber dennoch. Wenn man droben einmal auf der 
Akropolis gestanden — allein, abseits vom Schwarme — 
und durch die feierlichen Säulengänge des edelsten aller 
Tempel, des Parthenon, das tiefe Blau des ewigen 
Meeres, den Fernenduft der Berge Griechenlands hat 
schimmern sehen, so fällt all das niedere Getriebe dort 
unten in der heutigen Stadt von einem ab, und die 
Seele begreift den Geist antiker Schönheit, der einst 
hier seinen Hochaltar gehabt hat. Aus dem Kamillen¬ 
geruch im Marmorschutt rings auf der Akropolis, über 
den der rote Mohn seinen Purpurschein breitet, steigt 
es auf, übergewaltig, und prägt sich einem in die Seele 
ein für alle Zeiten. 

Und dann der Abschied von Athen. Unser Schiff 
gleitet über das erdämmernde Meer hin, über dem ein 
violetter, dunkler Bronzeglanz liegt. Tief hangen am 
Firmament die Wolken herab wie ein schwerer Vorhang. 
Doch unter ihm zeigt sich uns im letzten Schein des 
Abends das Haupt des alten Hymettos, von dunklem 
Gewölk düster umschwebt. „Und des Donnrers Wolken 
hangen schwer herab auf Ilion“. Da packt es einem in 
tiefem Weh an die Seele, daß so viel Schönheit und 
Herrlichkeit des Menschengeistes versinken, daß ein so 
stolzes Volk so traurig vergehen mußte, das der Mensch¬ 
heit für alle Zeiten unermeßliche Güter geschenkt hat 1 
Und ein großes Mitleid mit den entarteten Nachfahren 
der Helden von Salamis kommt über einen. Zeigen sie 
uns nicht an ihrem Lose ein Stück Menschheitsjammer, 
dem da kein Volk der Erde entgehen wird? 

Eine Nacht und ein Tag auf den blauen Südlands¬ 
fluten, und die kleinasiatische Küste taucht vor uns auf. 
Vor der Einfahrt 
in die Dardanellen 


passieren wir die 
Insel Tenedos, die 
nach Homer die 
Grabmäler Achills 
undPatroklostrug. 

Dann wird Troja 
seibersichtbar,das 
heißt durch das 
Fernglas gewahrt 
man am Berges¬ 
hang das gelbliche 
Schuttfeld, in dem 
Schliemann seine 
Ausgrabungen ge¬ 
macht hat, die 
Mündung des Ska- 
manders erscheint, 
der Anker - Platz 
der griechischen 
Flotte —geweihter 
Boden, wohin man 
blickt. Europa und 
Asien grüßen sich, 
nur durch einen 
schmalen Meeres¬ 
streifen getrennt, 
den einst Xerxes 
sowie Alexander 
der Große über¬ 
schritten auf Ihren 

Eroberungszügen, Station Kasbeck mit den Touren-Automobilen 


den Leander überschwamm und der die Scharen der 
Kreuzfahrer hat übersetzen sehen. 

Der Bosporus ist passiert, durchs Schwarze Meer 
pflügt unser Schiff in zweitägiger Fahrt der fernen Ost¬ 
küste zu, wie einst die Argo zum sagenhaften Kolchis hin. 

Mit dem Augenblick, wo wir dann in Batum am 
Schwarzen Meere russischen Boden betraten und damit 
dem eigentlichen Ziel unserer Reise nahe gekommen 
waren, boten sich uns Eindrücke dar, die wohl einem 
jeden unvergeßlich bleiben werden. Namentlich in Gagry, 
dem einzig schönen, neu entstandenen Kurort an der 
kaukasischen Riviera, wo die grünen, schattenspendenden 
Waldberge dicht bis ans blaue Meer treten, wo Menschen¬ 
kunst wunderbare Kurparks und Promenaden geschaffen, 
wo die Natur einen Wahrhaft verschwenderischen Blüten¬ 
flor ausgestreut hat — ganze Haine von süßduftenden 
Azaleen und Rhododendren entzücken das Auge. Und 
dazu das bunte Völkergemisch des Kaukasus, besonders 
die ritterlichen Erscheinungen der schlanken, hochge¬ 
wachsenen Grusinier und ihrer schönheitsberühmten Frauen! 

Unsere Reise ging dann mit der Bahn weiter nach 
Tiflis, der Hauptstadt des Kaukasus. Sehr interessant 
war auch dieser Ort, eine seltsame Mischung von bunt¬ 
geflickter asiatischer Dürftigkeit und pariserischer Eleganz 
wie sie sich auf dem Boulevard der Stadt in den Nach¬ 
mittags- und Abendstunden zeigte. Die dort in den 
eleganten Toiletten korsofahrenden und promenierenden 
Damen von schickster Erscheinung ließen kaum den 
Gedanken wahrscheinlich Vorkommen, daß wir uns hier 
an der Grenze Asiens befanden. Dann ging es Weiter. 
Der Glanzpunkt unserer Reise stand bevor: Die Fahrt 
über die Grusinische Heerstraße, die wir im Auto 
zurücklegten. 

Diese Fahrt gewährt einen Einblick in die wunder¬ 
bare, wilde Schönheit des kaukasischen Hochgebirges, 






60a DEUTSCHLAND Nr. T4 


dss $icb im EllmiS :te 2 Vj eirbiül^i, : Dk 

%ra^3ö. ■■•:vV;>i^^i';' i\c)^, ^ y;■.' ^ ^-uiiärti 
Äircji frui’htljäm biaHi^^?d^jii süÜ iluh^ndeti 

■■■ÖU^il>a«men■'. '■ ^;itt-'' 'die. ■• He:^\meü ■■.Tlccb'- 

gei>jr;^es, Die TKiVv^^iiiJidi? nlttoi wetUs^ß 

sciiroffi^r und k£^h?., . ii^nd, i^?ic kjebeu q\x 

isciiiwlndtdiiden Oräto Aide (At^sit"dkfns|^d,i ä 
■.;5;irtiÄi.n.i^eheTii .^Bef'^tew-o^n^r;. '. da-hL -' 


und Asteiis* hängen geblieben sind. U^ber 
Slänifne der yefscbied^dsten Art aäblt tiühb. 

heute im KuukaÄii^i, Die Straße Klebt sich ^i\ti ^mmer, 
wettef. toUib^ hfe sie Wiadika%/kas ermchtv . 4 *^; „Herr- 
bubJihfi d£5 Kaukasus‘\ die eiiist bekstigi^; HaUfrt«:tadt 
• des^'/Ter.^kgebiet^!^. ■ 

Vi&i Schönes und Sehenswertes bekamen wir such 
f<^rn^r uhclx ^u ^häucdi^ i^ol der W^tterreise nir Kr i m< 


afe- sie :i^6 S^hlttK .beRddßß^^; Der Siidajinhatig der Krim ii^cb dem Schwarrett Meere 

und Wetter dieser unwht^fcbei^^^^ An jene ZeHeji^ ru^: die sagend rnssisehc RKieräy fet ja 4ner^ 

Wo Wer Perser und iraU^f^n plurWerud -Zwar fehlt fbr dte grandiose wilde 

Gebirge die Tdkr binadf gezogen ednnbn aile^nt- Schwül heit des kaukasiscbfen ■ Ürgebirgeis, dfta iiocb an 

liatben / dk ieUt v^rfalieuejv Wachtttärnie : olrerhiath de^^ v'^rg^mgene S^h^pfimgsperiodea: der ^ Oie 

: i ■-y bewaideten BergtV/fef :Krmr ^ mehr den.'Eindruck 

„y-, ■■' kJiiumt. sdie ','S'try-JÜe/ .^^m{.Kjr■ i.n k:iihhen des- Lieb!Icb'e^r • .Die ■ .fetüt'■'dort kt. .'-em«) harm'ibnEÄche 

Kur.v^nv ■ l^ngs-'Oft Sieht'es- V,erl>mdu'Ji+^ der A^mud'''deufe]?e'r Watdgebirge und .der 
an ',.dieÄe.U'. .■S■t^ä•iie■hfe^:feb^:.;nl.S; ’' %^oM\ uns-m' dumpf AkgetatlousflfUe der itafieiiischeii Rf^^iera^• 

ratterndem m den Himih^] Wneiuf^ihri^m 0t>n Huurdreiz dkses herrUchen Küstensidches, 

den 
dc^L ^ 

.__ 

Wucht int sich Net ikm Auge.’ fekheu und Buchen erimlkuy bis bin Sew^^sfopoL 

^ Stf^^Se ftllirt 

hoch am föerges“ 

. bang immer 




s eh&u re r K ? z ^oi> 

Schheebc'rgeu, gc^ 
wWtigen, tnjt^iigeu 
. Bergri^serr. tJiKt ^l^ 
beulen' Settßfj der 
FufustrafSe Üegi der 
Sicbuec ■ mKii. ■in 
ruv^ditlgca AVWleiu 
stunde'hWi:% 4 bf;^ 

5 Mf.dery hotbsg^^ 
achi i\) trl^ SiV Hhre n 
Wir ibireji;, die er- 
1 iabMK?, S t^Vre h i n n 
:sa.mktni deis ■Mi>ch- 
•geldt.ge^.' d'aiü'h, ■ bk ■ 

' ^rkft ■ ■y’ibuU' d.riiben' 
die :Sti-i#;Öi^ v wkcler 

■VfUc'";'Mer ':-i'd>-: ';'be- 
fK^rrsebt. dk''ge.wu.i‘ 

tig'dih^ttbmWe.ties ' ■" 

Ka^bekCTt^^Metc!) ■, ■■■■',. ■-.■ ^' ' ' . ^ :■/^■^ v '' ■•. '■,■ ' 

Ulk Thf-rm.^-.U^tJr.hti^ 

geu'C(kts^cb:e'ni:.um.l /■ • ■ 

Fir^n Ä t^nd^ Opw.wd^Hleorsin^^^^^^ 

scStLdt^bilJ; . Ali war der Si^ge ' tuith tdj|i(fe ertiebt us sich vveitl.^ctiimmerndy 

ProM^etbet}!?^ ^mgesebmiedttt Dje Heersimße Ädd ,skh and Spiken wie 

Vüu jtitzf uh bjuikr den Ttkett Sie Mt mr . geguu rfer^ Hiutergrurul des Meeres ebz^^khuet; je^beß 

mhjtsam in den üiebaueu, der ^ierbi^ngtrSKr iruk Hirebp dk aut ilner ® 

Ueriroht oder .5ebrt>!L ^um Uimimd aufstcigh Wdbtcud iyrde riii hen ^ NunientlicL 

er nach .unten steiä ?ibftTht .zaiuJ, Herg^trames h'm fti'W und tUmsui'l nut ihrerii Pmpitr^^cheici über- 

mit-^cbmiiEieudtun gur.äJ&Wi"U^u PiuiTO.; gSutei '. urid dürm scbAVeigeiid;''im' -tmerincß.^ 

;/ Öaau:y; weugerr- chk - T#.: :.zu -ei'ndm:.. buigen ■V'effiuUL ygetukti^ das eiikA:'Ahblic|<- 

dtfstere.ji; dt^r Duri»lySchlucbi I>k- Fels^ kiCTbcher GrUtie, y 

vvätfife ■ ;''b in -mft>r.w;irt^[r 'V\^ildueti \ast \)h zu ;.':'; ■■^hfö^i' -.ilf.■ .wiuu'ierbdreA;.. eu;..; ■.varWnßtep^ 

: ÜfXKJ;-' Metetuy^kenkreebt .empHxr,.. mid'■.■iii 'wibieir Kmuf'akien' 'wie Uur ■Ui'ittlirilcliy:it5tv?rr¥Väie^StädtebMdet'Ak)h' Se^ 

d^^r EWf,iF V<>b eUu:^r ^ und die trau folgteu, Euiea volfen, störUetv Ton 

urd>aT'tbi'fpr/ä'gb;iv ' Sphrt^f-Jhei'i,' ■.biuij-. diCÄt--. s^l-Jirrt^n. Fe'lseir- ■ ■'sttdug dn,^(??geu. wieder' K.n n^f ^tii tna.pe ly-uii; vri’il. ^eiaer 
maia^JU, Die ScIVhfebt geuifWmt m i nfe niOi yDns ; ge wbU igtut Edlie t atidsc häftUeher S<;-höbiteb uiytl buutesten 

Tal. det^ v^rd/uuTöEi^n--Seeibu kd^ hier ,^ein'. . y ' . . Vtut.c .hier' äus.'".lnrt' tluiiu y drr 

äliersber dieser düstere Engpaß den Rel';eode Wfoifer df^n AusGiJub .itn tlfiseuröpaiücheBahn- 

NWmen Tor Unll an diel net^y wemi er es lucbt Vürzfebi, auxh dun RilckWeg 

Zeiteü der Vdtkerwa«^^^^ grirmÄuisebe Wi>.der auf dem Schifte uiuutretejOi fi^^ch GeiiiuS zurück, 

yStamin Von der gly^h^ü \fotker'FUttWbfle, liiii^fingeworkm wu die „Scldcj^wig^" zurzeit b^hduiatet i^i und der 

Wurde hl diesefoafo^irtlfoher^ in deuen ja Noritdeihsche dtiiienid «sfine ySduffs- 

btuite Fetzen all^r mfenidteilen .Europas Station unterhtllt Mittelmeßr' und priehtfEhrten. 


Meere entlang mit 
einem tincergieidi' 

I [ehe n Äusbl ick über- 
die dunkelgrünen 
Watdiudlen uftd das 
[iclugUinietic 
Meer tief nten, 

vväti'reu'd".' mt-., Reeh.- 
tefi ein dölothfen- 
äiibJtfäigLf . Qefejfgs^ 
zug >eine Schroffen 
und Zirmen iix den 
tiefblaim Äeter 
hinaufreckt, Airf 
hnibem Wege Hegt 
hier das Baidafior^ 
tnvT seinem unver- 
sfofohSfohen^ ^liok 
aut dfo gneciitech^ 
katHplische yWalfo 
fäbrtskirdieiv Auf 
Schwindel rider FeJS' 






DEUTSCHLAND a eeeeeeeeeooeeooe e eeeeo t xxxxi a 699 


Nr. 14 i 



Deutscher Verkehr. 

Von Dr. Seyfert (Leipzig), Geschäftsführer des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine. 


In einem früheren Artikel über deutsche Fremdenverkehrs¬ 
politik war auf die einigenden Bestrebungen der deutschen 
Eisenbahnverwaltungen und des Bundes Deutscher Ver¬ 
kehrs- Ve reine hingewiesen worden, besonders im Hinblick 
auf deutsche Auskunftsstellen im Auslande. Es ist 
der Mühe wert, einen Blick auf dies wertvolle Propagandamittel 
zur Heranziehung des iTilernationalen Frenidenstromes in unser 
Vaterland zu lenken. Fremde Staaten, wie vor allem die Schweiz, 
Oesterreich, Holland, die nordischen Lander ii. a. besassen der¬ 
artige Auskunftsstcllen im Auslande weit früher als Deutschland. 
Es ist dieser Vorgang dem veiständlich, w'elchtr weiss, dass 
alle Organisation des Fremdenverkehrs dort entstanden ist, wo 
besonders hervorragende landschaftliche Schönheiten, b -rühmle 
Heilquellen und Luftkurorte an und für sich schon eincii grösseren 
Fremdenstrom heranzogen. Nach und nacn eibt erkannte man 
anderswo, dass eine sachgemässe Organisation der Fremden¬ 
verkehrspolitik auch dort einen lebhaften Veikehr zu erzeugen 
imstande sei, wo die breite Masse der Reisc-nden achtlos vor¬ 
beizog. Mit der fortschreitenden Erkenntnis von der hohen 
volkswirtschaftlichen Bedeutung des FrenwienVerkehrs wurJj 
aoeh für Oesterreich der Ertrag aus dem internationalen Fremden¬ 
verkehr auf 63 Millionen Kronen pro Jahr berechnet - regten 
sich auch in Deutschland weitblickende Männer, die übendl in 
deutschen Gauen Verkehrs-Vereine und territoriale Verkehrs- 
Verbände ins Leben riefen, die sich sodann zürn Bund Deut- 
scher Verkehrs-Vereine zusammenschlossen. Un^er 
deutscher Verkehrsbund wurde im Jahre 1902 errichtet und hat 
sich heule eine achtenswerte Steilung auf dem Gebiete der 
deutschen Veikehrsfragen errungen. In den älteren Reiseländern 
haben die Regierungen seither schon die Fremdenverkehrs- 
Progaganda kräftig unterstützt in Tirol hat man z. B. statistisch 
die Einwirkung des Fremdenverkehrs auf die Steigerung der 
Einkommen und der Steuerkrait der Bevölkerung erfasst und 
haben seit langer Zeit hohe fmanzielle Aufwen'lungen zur Hebung 
des Freiudenverkehrs unternommen. So \sv ndet liie Schweiz 
für Propaganda ini Auslande jährlich 330000 Fr. auf, Oester¬ 
reich 680 oco Kr., V- Staaten uiitv i ba.tc.i seiDständige Auj- 

kunftsstellen im Auslai.de. V/as un cr Varerland anbetriflt, so 
hatte der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine den Werl aus¬ 
ländischer Auskunftsbürea.iis zeitig erkannt. Mit Hilfe dos Aus¬ 
wärtigen Amtes f/.eiar.g er- i:.ni, im Auslände Dineaus zu errichten, 
welche Uber deutscho Verkehrswesen, über Eisenbahnver¬ 
bindungen, Kurorte, S«»nimerir«schen, Bäder, über deutsche 
Kulturstätten usw. Auslainit eiteden und Führer, Pro'^pekte ur’d 
Karten an d'is i’ubhkuin zur Vtilciliing bringe;!. Auf 
Weise wird da-j Ausland ai.f die Schüi hciten u:*d Sthcoswünii:»- 
keiten unseres Vr.teilanues aiitmriksaiii gemacht. Dt*r Bund 
besitzt zurzeit 37 .solcher Auskunrustcllen in allen Weltterkn. 
Die Bureai *. sind in der Hauptsaehe ber grossen VerKthrs- 
gesell.schalten und Reüseburtjaus untcr.jcbruc.it Dies.: sind selbst 
daran inieressiert, geriiigendes A.i. k nftsm..leria' zur Vei‘ü-urTj 


zu haben; sie haben ferner zum grossen Teile Interesse daran, 
wenn sich möglichst viele Menschen auf die Reise nach Deutsch¬ 
land begeben. Infolgedessen arbeiten die deutschen Auskunfts¬ 
stellen ganz befriedigend. Der Bund Deutscher Verkehrs -Vereine, 
welcher darüber unterrichtet ist, w'elches Drucksachenmaterial und 
in welcher Sprache dasselbe an den einzelnen Plätzen verlangt 
wird, versorgt die Bureaus mit den Drucksachen der sämt¬ 
lichen dem Bunde angeschlossenen Verkehrs-Vereine und 
-Verbände. Hierdurch gelangt das richtige Führermaterial an 
die richtige Stelle und eine Verschleuderung wird vermieden. 
Aeusserlich sind die Auskunftsstellen gekennzeichnet durch ein 
schwarz-weiss-rotes Bundesschild mit der Aufschrift: Bund 
Deutscher Verkehrs-Vereine ~ Auskunftsstelle— und mit einer 
entsprechenden fremdsprachigen Aufschrift. In neuester Zeit 
haben sich die deutschen Staatseisenbahn-Verwaltungen mit dem 
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine zu einer einheitlichen, g^oss- 
zügigen Verkehrspropjgan Ja vereinigt, über deren Ergebnisse 
voraussichtlich bald Günstiges berichtet werden kann. Wir 
wollen hierbei nicht vergessen, dass vrir bereits einmal ein 
ofriziche.> Auftkunftsbureau mit eigenen Beamten besessen haben; 
das war während der Dauer de»* Brüsseler Weltausstellung im 
Jahre 1910. Dort hatten der Bund Deutscher Verkehrs- 
Vereine und die Preussisch-HessischeEisenbahn- 
verwaltung in Gemeinschaft einen schmucken Pavillon 
errichtet, wo Beamte der Eisenbahnverwaltung an das Publikum 
Fah:karten nach deutschen Stationen verkauften und Auskunft 
in E'.senbahnangelcgcnheiten erteilten, während die Beamten 
de.s Bundes die Prospekte der deutschen Verkehrs-Vereine, der 
Kur- und Badeverwaltungen verabreichten und sachgemässe 
Au.skunft erleilien. Dies gemeinsame Vorgehen hat sich glänzend 
bewährt. Dem Bunde wurde von der deutschen Regierung 
hohe Anerkennung gezollt; .sowohl die Preussisch-Hessische 
Eisenbahnverwaitung wie der Bund Deutscher Verkehrs-Vereine 
und unsere Bundeszeitschrift „Deutschland“ erhielten von der 
Ausstellungs-Leitung den „Grand prix“ zuerkannt. Es sei hier 
in aller Kürze beleuchtet, welche Arbeit dieses Bureau während 
dei Dauer der Weltausstellung geleistet hat. Die Zahl der 
täglichen Auskünfte schwankte zwischen 51 und 174; das Bureau 
verleiht insgesamt ca. 20000 Prospekte, F'ührer und Karten. 
Mit dieser Propagandatätigkeit wurde ein bedeutender Anteil 
des internationalen Fre.nden.stroms in unser schönes Vaterland 
gelenkt, und es wäie recht erstrebenswert, dass in Zukunft der 
Bund Deutscher Verkehrs-Vereine in Gemeinschaft mit den 
deutschen Eisenbahn - Verwaltungen solche offizielle Aus- 
kunfts.sielien in den grossen internationalen Verkchrszentren, 
wie Paris, Londo'i. Petersburg, Stockholm, New York u. a. 
unterhielte. Die aufzuweridenden Kosten erscheinen winzig, 
wenn man bedenkt, dass die durch den internationalen 
Fremdenverkehr erzeugten Werte für unsere Zahlung.sbilanz 
dieselbe Bedeutung haben wie die durch den Export von 
W.oen h uvorgebrachlen. 


Bund Deutscher Verkehrs-Vereine 

(e. V.) Geschäftsstelle: Leipzig, Naschm.irkt, HarideNhof. 

(riuMiJgellüi lie Ausküiillr über s VtuM.elii sv, »‘••(mi und 

t'.elogciiliciliMi, .\hg:ilic v<»ii l'uliuuii und Prii'-ptS.lrii ii!»cr deiiKi l>r 
Kur- und l.adcorte. W inU-r.^portphii/c .Shi'll»- und K-.iid.'> Iiallen. 1 

Bericht über die r itzung 
der Kommission für .^remd-anverkehrs-Stcttistik 

Sonnabend, den 3. Fe b r u u r 1912, v o 1 m i 11 a g s Uhr, 
in der Ge.schäfisstelle des» Bundes Dr ut'.cher Verkehrs - Vereine. 

Ar.v/eseud w.-ireii »int Herren; ln Eichelmann, Sirassburg; 
DirektorW’oigel, Leipzi*:; ObcrMSchv.'eningcr, München; Conslrüiv, 
Berlin; G.-ntialiuajo; Gadcgcsl; D;. .ieyfeil. 

Ta g e s o r d n u n g ; i. 13 cricht des Geschäftsführers Dr. Seyfert 
übei die bisu 'i’jcn Arbeiten des liui des; 2. Bericht de; 
Herrn Direkte». Weigel; 3. Verschieden es. 

Nachdem Dr. Seyterx Bericht erstatlct hatte, clei darin 
gipfelte, da iS «s naraenUic:i gelle, die Zahl der Auterdhall.st^ige 
de Fremden zu e aiiilolo undi -len slrengeii An- und Ab'nelde- 
iv/ang zur Diircli.» ih. ur g zu billigen, gab Herr Dircldor 
V/eigel einen B.-iichl über seine Nachior.^chungen über die 
G :neigtheit des I\/liz»naintcs der Stadt Leipzig und des Sächsi¬ 


schen Statistischen Laiidcsamles wegen strenger Durchführung 
des An- und Abmeldezwanges der Fremden. 

Beim Poiizeiamt der Stadt Leipzig würde es sich nur um 
eine Kostnnirage handeln, da zur Bearbeitung des Materials zwei 
Beamt.: arigestellt werden müssten. Das Sächsische Landesamt 
tiab: sich für unsere Bestrebungen interessiert. Das Ministerium 
des Innern dü.-fte jedoch nach der Ansicht des Landesamtes 
v/eni.c Neigung für die Durchführung des An- und Abmelde- 
zwangr.s haben. 

H'jir Diicktor Weisel würde im Falle einer Durchführung 
des Zw.iiii.e-J der An- und Abmeldung einen Meldebogen emp¬ 
fehlen. wie er nach der Meldeordnung in Leipzig vorgeschrieben 
1 h jetzt äu.sserst unzuverlässig ausgcfüllt wird. 

Herr Oberst S cb w e 11 i 11 g e r hielt ein Vorwärtskommen 
ebenfalls nur für möglicn, wenn durch oberpolizeiliche Verord¬ 
nung der All- und Abmeldciwang vorgeschricben würde. Es 
handele .sich aber auch darum, die Hotels für eine solche 
Frcmdensiatislik zu irjlcressieren und eine Form der An- und 
Abrneldung zu finden, die sowohl die Hotelbeoitzei wie die 
Fremden möglichst wenig belästige und für das kleine wie auch 
besonders für das grössie Hotel passe. Namentlich das letztere 
sei seiner Ansicht nach eine Aufgabe des Bundes. Es {jcl*e, 
von seiten des Bundes ein einheitliches Formular autzustelleri 








DEUTSCHLAND 



und sodann später die Resultate des deutschen Fremdenver¬ 
kehres zusammenzustellen. 

Herr Dr. Bichelmann war der Meinung, das es am besten 
sei, wenn der Bund an das Kaiserliche statistische Amt des 
Deutschen Reiches heranträte und es dafür interessiere, eine 
Fremdenstatistik für das Deutsche Reich in die Wege zu leiten. 
Der Bund sollte sich bereit erklären, praktische Vorschläge für 
die Durchführung zu machen. Dies wurde beschlossen. 

Es soll bei der Eingabe auf die Beschlüsse des Verbandes 
cteutscher Städtestatistiker Bezug genommen werden, namentlich 
auf den dort abgelehnten Punkt 4 (die Interessierung des Kaiserl. 
Statistischen Amtes und der Landesämter wegen Einführung 
einer Fremdenverkehrsstatistik für das Reich beziehungsweise 
für die einzelnen Länder). 

Als besondere Aufgabe des Kaiserl. Statistischen Amtes wird 
betrachtet, die Formen für die Vergleichbarkeit der Statistik in 
den einzelnen Orten bezw. Ländern aufzustellen. 

Herr Oberst Schweningcr stimmte dem Beschluss zu, regte 
jedoch an, auch in den einzelnen Gemeinden und Ländern für 
die Durchführung einer Fremdenverkehrsstatistik zu wirken, damit 
man praktische Beispiele für die Durchführung bekäme. Dem 
wurde allgemein zugestimmt. 

Herr Dr. Eichelm ann übernahm es, praktische Vorschläge 
auszuarbeiten, um solche bei einer Rückfrage des Kaiserl. 
Statistischen Amtes bereit zu haben. Diese Vorschläge werden 
vervielfältigt und den Kommissionsmitgliedern unterbreitet. 

Herr Direktor Weigel und Herr Dr. Eichelmann wurden 
gebeten, ihre weiteren praktischen Erfahrungen über die Fremden¬ 
verkehrsstatistik in Leipzig bzw. Strassburg dem Bund mit¬ 
zuteilen. — Schluss der Sitzung i Uhr mitags. 

Bericht über die Sitzung des Gesamtvorstandes 

Sonnabend, den 3. Februar 19x2, nachmittags 6 Uhr, 
im Handelshof in Leipzig. 

Anwesend waren die Herren: Professor Dr. Roth, Leipzig 
(geschäftsführender Ausschuss), Otto Hirschfeld, Leipzig (Sächsi¬ 
scher Verkehrs-Verband), Franz Pfeiffer, Weimar (Verkehrs¬ 
und Verschönerungs-Verein), Wilh. Wolf, Breslau (Schlesischer 
Verkehrs-Verband), Dr. Jur. Kuckuck, Dortmund (Verband der 
Verkehrs-Vereine Westfalens und angrenzender Gebiete), Karl 
Miller, Magdeburg (Verband mitteldeutscher Verkehrs-Vereine), 
Robert Ostertag, Karlsruhe (Badischer Landesverband zur Hebung 
des Fremdenverkehrs), Mann, Berlin (Verband deutscher Ostsee¬ 
bäder), Zarnke, Ostseebad Cranz (Verkehrs-Verband Westpreussen 
und Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs in Ostpreussen), 
Krone, Hannover (Verband niedersächsischer Verkehrs-Vereine), 
Kabisch, Leipzig (Erzgebirgs-Verein), Oberjustizrat H. Gilbert, 
Schnceberg (Erzgebirgs-Verein), Behrens, Dresden (Verein zur 
Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs), Weber, Cassel 
(Fremdenverkehrs-Verein), Chr. Herbst, Worms a. Rh. (Verkehrs- 
Verein), Thelemann, Stettin (Verkehrs-Verein und Verkehrs- 
Verband für Pommern und die Insel Rügen), Hoyer, Köln 
(Internationaler Hotelbesitzer-Verein und Rheinischer Verkehrs- 
Verein), Schellen, Köln (Kölner Verkehrs-Verein), Eidlitz, Berlin 
(Internationales öffentliches Verkehisbureau), C. Schweninger, 
München (Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs in München 
und im bayerischen Hochlande), A. Sattler, Braunschweig (Ver¬ 
kehrs-Verein), Caesar Ehlers, Hamburg (Verein zur Förderung 
des Fremdenverkehrs), Schumacher, Düsseldorf (VerkehrsVerein 
und Zeitschrift „Deutschland“), Conström, Berlin, und Kelp, 
Zeitz (geschäftsführender Ausschuss), Direktor Otto Winkler, 
Leipzig (geschäftsführender Ausschuss), Friedrich Gontard, 
Leipzig (geschäftsführender Ausschuss), Rechtsanwalt Lebrecht, 
Leipzig (geschäftsführender Ausschuss), Viktor Hugo Mueller, 
Direktor des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands, Leipzig 
(geschäftsfUhrender Ausschuss), Generalmajor Gadegast, Leipzig 
(geschäftsführender Ausschuss), Dr. Seyfert, Leipzig (geschäfts¬ 
fUhrender Ausschuss). 

Tagesordnung: i. Mitteilungen des geschäftsführenden Aus¬ 
schusses; 2. Die Finanzfrage des Bundes. 

Es wurde zunächst beschlossen, Punkt 2 zuerst zu erledigen. 

Zu Punkt 2 berichtete Herr Direktor Mueller an Hand 
der gedruckt vorliegenden Vorschläge. 

Herr Rechtsanwalt Lebrecht ging im einzelnen auf den 
Finanzvorschlag des geschäftsführenden Ausschusses ein. Die 
sogenannten mittelbaren Bundes-Mitglieder (Mitglieder von Ver¬ 
kehrs-Verbänden) seien danach erst vom Bund und den Ver¬ 
bänden für den Bund zu werben. Es könne keine Rede davon 
sein, dass, wie in verschiedenen Zuschriften an den geschäfts- 
fUhrenden Ausschuss angenommen wurde, man diese Verbands¬ 
mitglieder zwingen wolle, dem Bund direkt beizutreten. Er 
wies den Vorschlag zurück, dass der Bund auch solche Auf¬ 
gaben, die sich nicht auf die Propaganda im Auslande beziehen, 
vorwiegend mit staatlichen Mitteln erledigen soll. Hierdurch 
würde eine Abhängigkeit des Bundes von den Regierungen 


geschaffen, welche die Tätigkeit des Bundes lähmen 'wfih:di4& 
Gegenüber dem Vorschläge eines Verkehrs- Verbandes, von der 
Rcichsregierung Geldmittel für Bundeszwecke zu fordern, wies 
er auf die bisherigen Schritte des Bundes in dieser lUchtxing 
hin und hielt solche Bemühungen für aussichtslos» In Sachen 
des Propagandaausschusses erklärte er sich zu 'jeder Auf¬ 
klärung bereit. 

Herr Gontard gab ztir Kenntnis, dass der geschälls- 
führende Ausschuss beabsichtigt hatte, das Programm des Pro^ 
pagandaausschusses in der Vorstandssitzung zur Besprechung 
zu bringen. Da diese Sitzung aber aus verschiedenen Gründen 
(Reichstagswahl) später anberaumt werden musste, als ursprüng¬ 
lich beabsichtigt war, so müsse das Programm dem Gesamt¬ 
vorstand schriftlich unterbreitet werden, da Milte Februar die 
Sitzung des Propagandaauschusses bevorstehe und die Vor^ 
Schläge eingereicht werden müssten. 

Herr Miller, Magdeburg, kritisierte die Zusammensetzung 
des Propagandaausschusses. Der Bund sei mit einem Abge¬ 
ordneten darin zu gering vertreten. Dagegen erscheine es ihm 
fraglich, ob es richtig sei, dass ein Vertreter der Bundeszext- 
schrift und des Norddeutschen Lloyd am Platze seien. Er be¬ 
mängelte, dass die Gründung und die Zusammensetzung des 
Propagandaausschusses zu geheim gehalten worden wäre. 

Herr Rechtsanwalt L e b r e ch t gab hierauf an der Hand 
der Akten Aufschluss über das Zustandekommen und die Zu¬ 
sammensetzung des Propagandaausschusses und wies darauf 
hin, dass der Vertreter der Bundeszeitschrift „Deutschland** und 
des Internationalen öffentlichen Verkehrsbureaus (nicht des Nord¬ 
deutschen Lloyd) von den Eisenbahnverwaltungen als Sachver¬ 
ständige zugezogen worden seien; sie seien nicht vom Bunde 
vorgeschlagen worden, seien aber sehr schätzenswerte Mitarbeiter 
im Interesse der Bundesbestrebungen. Er gab sodann die für 
das Geschäftsjahr 1911/13 für die einzelnen Punkte der Tätigkeit 
des Propagandaausschusses beantragten Summen bekannt. 

Hierauf trat Herr Stadtrat Ostertag dafür ein, dass der 
Bund sich eine grössere Summe für seine Verwaltungsarbeiten 
aus dem Propagandafonds bewilligen lasse. Vor allen Dingen 
seien offizielle Auskunftstellen im Auslande mit eigenen Beamten 
zu erstreben. Der Bund müsste sich seiner Ansicht nach auf 
die Verbände stützen, nicht auf die Einzelvereine. 

Herr Hi r sch fei d hielt die von den Regierungen zur Ver¬ 
fügung gestellten Mittel für nicht hoch genug Er trat ebenfalls 
dafür ein, dass der Bund auf den Verbänden aufgebaut sein sollte. 

Herr Herbst, Worms, gab bekannt, dass die hessischen 
Verkehrs-Vereine beschlossen haben, direkte Mitglieder des Bundes 
zu bleiben, da der hessische Verband nur 25 Mk. an den Bund 
hätte zahlen können. 

Hierauf beantragte Herr Zarnke, die Bundesleitung zu 
beauftragen, dafür einzutreten, dass der Propagandaausschuss 
eine Aenderung erfahre. Es müssten die Verkehrs-Verbände 
darin vertreten sein. Er sei ebenfalls, wie der geschäftsführende 
Ausschuss zu der Ueberzeugung gekommen, dass vom Reiche 
keine Mittel für Bundeszwecke zu erhalten sind, sondern nur 
von den Bundesstaaten. 

Herr Hofrat B ehr e n s, Dresden, schloss sich den Finanz¬ 
vorschlägen des geschäftsfUhrenden Ausschusses an. 

Herr Rechtsanwalt L e b r e ch t stellte fest, dass allgemein 
Treue zum Bund und die Ueberzeugung von seiner Notwendig¬ 
keit zum Ausdruck gekommen sei. Er machte jedoch auf die 
Schwierigkeit aufmerksam, die sich daraus ergeben hat, dass 
die Verbände bisher dem Bund nicht dis nötigen Mittel' zur 
Verfügung stellen und anderseits ein Herantreten des Bundes 
an die den Verbänden angeschlossenen Vereine nicht wünschen. 
Redner wies den von dem Vertreter eines Verbandes gemachten 
Vorwurf zurück, dass die Bundesleitung den Eisenbahnverwal- 
tungen gegenüber nicht genug Festigkeit gezeigt habe. 

Herr Miller, Magdeburg, regte u. a. an, einen weiteren, für 
den Aussendienst bestimmten Geschäftsführer zur Gewinnung 
noch aussenstehender Verkehrsinteressenten zu berufen. 

Nachdem Herr Wolf, Breslau, die Besteuerung der Ver¬ 
bände mit 5^/0 ihrer Einnahme angeregt halte, stellte Herr Bürger¬ 
meister Kelp folgenden Antrag: 

I. Für das Geschäftsjahr 1912/13 zahlen sämtliche Mitglieder 
eine Sonderumlage in Höhe ihres doppelten Jahresbeitrages; 
2. Wegen endgültiger Regelung der Finanzfrage des Bundes wird 
ein Ausschuss von ii Mitgliedern des Gesamtvorstandes ge¬ 
wählt, der seine Vorschläge bis zur nächsten Hauptversammlung 
vorlegen soll. 

Hierauf gab der Vorsitzende die folgenden Anträge bekannt: 

a) Antrag Thelemann, Stettin: 

I. Verkehrs-Verbände zahlen 5^0 Mitgliederbeiträge und 
der Unterstützungen; 2. Verkehrs-Vereine zahlen 2®/^ ihrer Mit¬ 
gliederbeiträge und der Unterstützungen; 3. Treten Verkehrs- 
Vereine aus dem Bunde aus, um sich ihren Verkehrs-Ver¬ 
bänden anzuschliessen, so wird der Beitrag des Verba&4M. 






Nr.i4 @ 0QQQQQ(XKa0QOQQ0QQ908QQ 83ai DEUTSCHLAND B iPoeocoeeeoeeooo e eeeeoee€?ee gM690b 


um 50^/0 des Vereinsbeitrages des ausgetretenen Vereins erhöht. 

b) Antrag Ostertag, Karlsruhe: 

z. Von der bewilligten Staatssubvention wird der Betrag 
von 6000 Mk. für Verwaltungsaufwand abgetrenn.t 2. Jeder Ver¬ 
band führt mindestens 5 % der von seinen Verbandsmitgliedern 
satzungsgemäss ihm zufliessenden Verbandsbeiträge an die Kasse 
des Bundes ab. Der Prozentsatz kann nach Bedarf durch die 
Hauptversammlung erhöht werden. 3. Für den Vertrieb des 
Propagandamaterials in den Auskunftstellen wird ein ange¬ 
messener Beitrag erhoben. 4. Der Beitrag der nicht in Ver¬ 
bänden organisierten Einzelmitglieder wird entsprechend erhöht 

c) Antrag Zarnke, Cranz: 

Die Bundesleitung möge an zuständiger Stelle beantragen, 
dass ausser den 7 dem Ausschuss zur Förderung des Reise¬ 
verkehrs auf den deutschen Bahnen bisher angehörenden be¬ 
ratenden Mitgliedern dieser Ausschuss durch Hinzuwahl solcher 
Vertreter ergänzt wird, welche die allgemeinen Interessen ver¬ 
treten und das Vertrauen der Allgemeinheit besitzen, und zwar: 
5 Vertreter der grossen Verkehrs-Verbände (Mitglieder 
des Bundes), i Vertreter des Vereins Deutscher Presse, 
I Vertreter des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins, i Ver¬ 
treter des deutschen Handelstages. 

Herr Oberst Schweninger meinte, es handle sich um 
folgendes: Die organisatorische und damit finanzielle Grund¬ 
lage des Bundes bilden: 

1. die Verkehrs-Verbände, von denen in erster Linie 
das Verständnis und Interesse für die Tätigkeit des Bundes 
vorausgesetzt werden kann und muss; hierzu kommen: 

2. Vereine, Stadt- und Landgemeinden und sonstige 
Verwaltungen und Bäder, Kur- und Fremdenorte, die keinem 
Verband angehören oder unbeschadet solcher Zugehörigkeit 
direkte Mitglieder des Bundes sein können und wollen — 
die am Verkehr überhaupt und an dem durch den Bund ge¬ 
förderten internationalen Fremdenverkehr ein besonderesinteresse 
haben, dieses durch eine entsprechende Beitragsleistung be¬ 
kunden und zu dieser Mehrleistung auch befähigt sind. 

An diesen direkt interessierten Hauptstock der Mitglied¬ 
schaft des Bundes gliedern sich: 

3. diejenigen Körpers chaften und Binz elmitglieder, 
Sportvereinigungen, kaufmännischen, gewerblichen und anderen 
Verbände, Verkehrsgesellschaften usw., welche ein allgemeines 
Interesse am Verkehr überhaupt und am Fremdenverkehr dazu 
veranlasst, die Tätigkeit des Bundes durch ihre Mitgliedschaft 
und entsprechende Beiträge zu fördern. 

Er entwickelte dann seine von ihm vorher eingereichten 
Schlussfolgerungen: 

1. „Mittelpunkt und Repräsentant aller verkehrsfördernden 
Körperschaften in Deutschland“ kann der Bund nur 
werden, wenn er sein ganzes Streben in der inneren Organi¬ 
sation des Bundes darauf richtet, als Körperschaften in 
der Hauptsache nur Verbände unter sich zu haben, die 
gleichviel ob territorial oder nach abgetrennten Fremden¬ 
verkehrsgebieten gebildet, ganz bestimmte Gebiete im Bunde 
vertreten. — Je mehr dies gelingt, desto mehr wird der Bund 
von den Ansprüchen der Vereine mit kleinen und kleinsten 
Beiträgen unabhängig und für seine grossen Aufgaben freier sein ; 
— nur dann wird der Bund eine grosszügige Institution werden. 

2. Neben den Verbänden sind Vereine und Verwaltungen 
von Städten, Gemeinden, insbesondere aber von Bädern und 
Kurorten (siehe oben Nr. 2) als stimmberechtigte Mitglieder 
aufzunehmen, wenn sie einen ihrem Interesse am Verkehr 
überhaupt und am Fremdenverkehr insbesondere entsprechenden 
Beitrag (Minimalbeitrag 50 Mk.) leisten. 

3. Für die Entscheidung der Frage ist das Ergebnis der 
internen Statistik abzuwarten, die mit grösster Beschleunigung 
zu bearbeiten ist. 

4. Sobald das Ergebnis dieser Statistik vorliegt, hat eine 
Kommission neue Grundsätze für die „M i t g 1 i e d s ch a f t“ 
und die „Beitrage leistung“ aufzustellen und die hierfür 
notwendige Aenderung der Satzungen, speziell § 2,4, wahr¬ 
scheinlich auch § 5 und 12 festzulegen, damit sie demnächst 
geschäftsordnungsgemäss behandelt werden können. 

Den Antrag des Bundes hielt der Referent im Interesse 
des Bundes nicht für annehmbar. Er trat für einen höheren 
Beitrag für den Bund aus dem Propagandafonds ein. 

Nachdem Herr Oberst Thelemann seinen Antrag be¬ 
gründet und Herr Dr. Kuckuck gegen ein Herantreten an die 
den Verbänden angeschlossenen Mitglieder gesprochen hatte, 
modifizierte der geschäftsfUhrende Ausschuss seinen Standpunkt 
auf den des Herrn Thelemann, wodurch sich der Antrag erledigte. 
Herr Bürgermeister Kelp zog seinen Antrag zugunsten des 
Antrages Thelemann zurück. 

Es wurde sodann zunächst über die verschiedenen Punkte 
des AntragesThelemann abgestimmt. Punkt z und 2 wurden 
angenommen, Puzikt 3 abgelehnt. 


Hierauf wurde über die einzelnen Punkte des Antrages 
Ostertag abgestimmt. Die Punktei und3 wurden angenommen; 
2 und 4 als erledigt erklärt. 

Die leider aus Mangel an Zeit nicht mit der nötigen Aus¬ 
führlichkeit zur Debatte gekommenen Vorschläge des Herrn 
Oberst Schweninger erledigten sich hierdurch. 

Herr Zarnke sprach hiernach zu seinem Antrag betr. 
Aenderung der Zusammensetzung des Propagandaausschusses. 

Herr Rechtsanwalt L e b r e ch t hielt entgegen, dass möglichen¬ 
falls hierdurch Eigeninteressen einzelner Landesteile vertreten 
werden könnten und dass der Einfluss des Bundes durch die 
Aenderung nicht notwendigerweise verstärkt, sondern geschwächt 
werde, wenn nämlich die Vertreter des Bundes im Ausschüsse 
nicht einheitliche, sondern verschiedene Meinungen verträten. 

Herr Oberst Schweninger hielt den Antrag für bedeu¬ 
tungslos. 

Herr Direktor Schumacher, Düsseldorf, hielt es für be¬ 
denklich, nach so kurzem Bestehen des Propagandaausschusses 
seine Zusammensetzung zu ändern. 

Hierauf wurde nach nochmaligen Darlegungen des Herrn 
Rechtsanwalt Lebrecht und des Herrn Zarnke über den An t ra g 
Zarnke abgestimmt; derselbe wurde mit 13 gegen 12 Stimmen 
abgelehnt. Sodann wurde auf Vorschlag des Herrn Rechtsanwalt 
Lebrecht einstij;nmig beschlossen, dem Propagandaausschuss 
mündlich befürwortend vorzutragen, dass im Gesamtvorstand 
des Bundes eine stärkere Vertretung des Bundes darin gewünscht 
wird, und zwar durch Hinzuziehung von Mitgliedern von Verkehrs- 
Verbänden innerhalb des Bundes. 

Zum Schluss wurde beschlossen, über den Termin der Haupt¬ 
versammlung eine schriftliche Umfrage zu veranstalten. 

Schluss der Sitzung 11^/2 Uhr. 

Sitzung 

Sonntag, den 4. Februar, vormittags 10 Uhr, 
in der Geschäftsstelle des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine. 

Diese Sitzung war zunächst als Besprechung des geschäfts¬ 
führenden Ausschusses mit dem Präsidenten des Internationalen 
Hotelbesitzer-Vereins, Herrn Hoyer, Köln, betreffs des Hotel¬ 
wesens einberufen. Da sich jedoch auch eine Anzahl der Herren 
Vorstandsm.tglieder einfanden, so wurden noch mehrere andere 
Punkte besprochen. 

Anwesend waren die Herren: Gontard, Professor Dr. Roth, 
Rechtsanwalt Lebrecht, Direktor Eidlitz, Direktor Mann, Ver¬ 
kehrsinspektor Weber, Hofrat Behrens, Generalmajor Gadegast, 
Hoyer, Oberst Schweninger, Direktor Winkler, Baurat Schellen, 
Conström, Direktor Mueller, Dr. Seyfert. 

Herr Gontard führte aus, dass der Bund das Hotelwesen 
nur vom Standpunkte des deutschen Fremdenverkehrs betrachten 
werde, unter Ausschluss von Fragen spezieller Fachkreise. Das 
grosse Hotel sei gut, dagegen sei dies vielleicht nicht immer 
zutreffend bei den abseits der grossen Fremden-Verkehrsstrassen 
gelegenen mittleren und kleineren Betrieben. 

Herr Hoyer wies darauf hin, dass das Hotelwesen in 
Deutschland mustergültig sei. Der Vorsitzende des Bundes 
habe insofern recht, dass z. B. in der Schweiz die mittleren 
und kleineren Hotelbetriebe ebenfalls wie die grossen muster¬ 
gültig seien, in Deutschland dagegen nicht immer. Die Arbeiten 
für die Verbesserung der Verhältnisse in diesen mittleren und 
kleineren Hotels solle der Bund seiner Ansicht nach den ört¬ 
lichen Verkehrs-Vereinen überlassen. Redner begrüsste den von 
Herrn Direktor Schumacher geplanten „Hotel führ er“. 

Herr Oberst Schweninger sprach den Wunsch aus, dass 
die Hotelbesitzer mehr mit dem Bund Zusammenarbeiten müssten 
als bisher. 

Herr Baurat S ch e 11 e n hatte Bedenken gegen die augen¬ 
blickliche Herausgabe des „Hotelführers“. Er beantragte, die 
Herausgabe ein Jahr hinauszuschisben. Es wurde demgemäss 
beschlossen. 

Weiterhin wurde der Beschluss gefasst, dass der Bund den 
Verbänden und Vereinen die Anregung zur Mitwirkung bei 
der Besserung der Verhältnisse in den mittleren und kleineren 
Hotels geben soll. 

Entsprechend dem Anträge des Herrn Direktor Eidlitz 
wurde beschlossen, in Sachen der Vorschläge für die Arbeits¬ 
ordnung des Propagandaausschusses für 1912/13 nochmals ein 
Rundschreiben an die Vorstandsmitglieder unter Einzeichnung 
der für die einzelnen Posten geforderten Summen zu erlassen. 

Weiterhin wurde beschlossen, die Ausstellung der durch 
den Wettbewerb für künstlerische Photographien eingegangenen 
Bilder im Herbst dieses Jahres zu veranstalten; dieselbe soll 
womöglich zuerst in Leipzig stattflnden, da hier voraussichtlich 
im deutschen Buchgewerbehaus geeignete Räumlichkeiten zur 
Verfügung gestellt werden können. 

Schluss der Sitzung 12 Uhr mittags. 




700 i OQQQQQQQQOQOaOQOQOQQQQOQQQa a DEUTSCHLAND Blie c e 0 e 0 € 30 eC 00 C 0 C»IX) 0 GC 000 M Nr. 14 


Aus den Bundes-Vereinen. 

Verband der Verkehrs-Vereine Westfalens 
und angrenzender Gebiete. 

Der Vorstand hielt am 13. Januar unter dem Vorsitz des 
Herrn Oberbürgermeister Dr. Eickhoff eine Sitzung ab. Dem 
Verbände sind beigetreten: die Städte Schwerte, Schwelm, 
Dülmen und Frankenberg in Hessen, der Verkehrs-Verein Hörde, 
der Verein für Handel und Gewerbe Unna, die Gewerkschaft 
Trier und die Gewerkschaft Victor-Rauxel. Damit ist die Zahl 
der Verbandsmitglieder von 117 auf 125 gestiegen. - Ein 
Schreiben des Landeshauptmanns unserer Provinz gelangte zur 
Verlesung, aus dem zu entnehmen ist, dass am Ende des 
Rechnungsjahres auf die beantragte Zuwendung aus Mitteln der 
Provinz zurUckgekommen werden soll. Auf der Städtebau- 
Ausstellung in Düsseldorf soll eine Abteilung eingerichtet 
werden, die der Verkehrs-Propaganda des deutschen Westens 
dienen wird. Die Beteiligung daran wurde vom Vorstände 
einstimmig beschlossen. • Eine längere Beratung knüpfte sich an 
Organisationsbestrebungen des Bundes Deutscher Verkehrs- 
Vereine. Sodann kamen Eisenbahn-Verkehrsangelegenheiten, 
an denen neben dem Industriebezirk fast alle Bezirke der Provinz 
beteiligt waren, zur Beratung und Beschlussfassung. Der Vor¬ 
sitzende des Sauerländischen Gebirgs-Vereins, Herr Stadtrat 
Perker (Hagen) sagte für die im Interesse des S. G.-V. liegenden 
Angelegenheiten volle Unterstützung zu, auch soll die West¬ 
deutsche Verkehrskommission über die sie interessierenden 
Sachen in Kenntnis gesetzt werden. Mit Interesse wurden die 
Mitteilungen des Eisenbahnministers entgegengenommen, die 
eine Prüfung der bezüglich der Ferien-Sonderzüge vorgebrachten 
Wünsche zusagten und sie nachMöglichkeit zu erfüllen versprechen. 

Der Fremden-Verkehrs-Verein München 

hielt am 20. Januar seine ordentliche Hauptversammlung ab, die 
von Mitgliedern stark besucht war. Der Vorsitzende Professor 
Dr. Rothpletz begrUsste die Vertreter der staatlichen und 
städtischen Behörden. Direktor Fischer verwies bei Erstattung 
des Jahresberichtes auf das gedruckt vorliegende Material, 
besonders auf jenes, das sich mit dem Austritt der Mitglieder des 
Münchener Hotelierverbandes beschäftigt. Kommerzienrat 
Rosa gab eine Erklärung der Vorslandschatt des Vereins bekannt 
und wandte sich gegen eine von den Angestelltenverbänden 
des Hoteliergewerbes gefasste Resolution. G.-B. Kommerzien¬ 
rat S ch ö n brzeichnete die vom Magistrat eingeleitcte Aktion 
als nicht glücklich und nicht für München vorteilhaft. Der 
gerichtliche Entscheid beweise, dass der Magistrat zu weit ge¬ 
gangen sei. Der Magistrat hätte erst abwarten mü.ssen, welche 
Antwort auf das vorliegende Material von den Hoteliers gegeben 
wird. Rechtsanwalt Dr. Kl einh er g er gab der Versammlung eine 
Erklärung des Hotelierverbandes bekannt, derzufolge dieser gegen 
„die irreführende Darstellung des Streites zwischen ihm und dem 
Fremden-Verkehrs-Verein in dem Geschäftsbericht des letzteren 
protestiert und es ablehnt, vor dem Forum der Generalversammlung 
des Fremden-Verkehrs-Vereins seinen Standpunkt zu vertreten, 
weil die Versammlung nicht eine neutrale Instanz, sondern in 
diesem Streite selbst Partei sei und weil auch eine weitere Bewegung 
anderer hiesiger Kreise ausserhalb des Hotelierslandes im Gange 
sei gegen das Anfrage.system des Fremden-Verkehrs-Vereins“. 
Vorsitzender Prof. Dr. Rothpletz wies entschieden die 
Behauptung zurück, dass der Fremden-Verkehrs-Verein die 
Hoteliers denunziert habe. Die Auskunftbügen seien niemand 
ausserhalb der Vorstandschaft bekannt gegeben worden. Zum 
Beweise verlas Redner eine Erklärung des Oberbürgermeisters 
Dr. V. Borscht, wonach dies und weiter bestätigt wurde, dass der 
Fremden-Verkehrs-Verein an dem Erlass der ortspolizeilichen 
Vorschrift über das Anschlägen der Zimmerpreise in den Hotels 
nicht beteiligt gewesen sei. R.-R. Dr. Kühles hob hervor, dass 
er als städtischer Verkehrsreferont sich von Amts wegen mit 
den Fremdenverkehrsfragen zu beschäftigen habe und dass der 
Fremden-Verkehrs-Verein berufen sei, Schädigungen des 
Fremdenverkehrs hintanzuhalten. Die besagten Vorkommnisse 
hätten auch dem Verkehrsminister im Landtage Anlass zu einer 
Mahnung an die Münchener Hoteliers gegeben. Gegenüber 
die .er Gefahr und mit Rücksicht auf die hohen wirtschaftlichen 
Weilt*, die in Betracht kamen, sei es die Pflicht und Schuldig¬ 
keit der Stadtgemeinde gewesen, einzugreifen. (Beifall.) Weiter 
konstatierte Redner, dass das Vorgehen des Magistrats ein 
Vorgehen von Amts wegen und aus amtlicher Initiative heraus 
war. Er sei ermächtigt, das in aller Form zu erklären. (Hört!) 
Nach weiteren Erörterungen wurde dann mit allseitigem Bei¬ 
falle sein Vorschlag auf genommen, dass ein Schiedsgericht 
diese Streitfrage zwischen dem Verein und den Hoteliers aus¬ 
tragen solle. Damit erklärte sich auch der Vertreter des Hotelier¬ 
verbandes einverstanden. Zu Ehrenmitgliedern des Vereins 


wurden Ministerialdirektor v. Meinel und Ministerialrat Ruck- 
deschel ernannt. In den Fremdenverkehrsrat wurden ▼om 
Verein 21 Mitglieder delegiert. 


Eine Ehrung des Münchener Verkehrs-Vereins. 

Das Ministerium des Königlichen Hauses und des Aenasern 
hat an den Vorstand des Vereins zur Förderung des 
Fremdenverkehrs in München und im bayerischen Hoch¬ 
land, z. H. des I. Vorsitzenden, Herrn Universitätsprofessors 
Dr. Rothpletz, folgendes Schreiben gerichtet: „Den Verein 
beglückwünsche ich mit lebhafter Freude zu den Aller¬ 
höchsten Auszeichnungen, die den Vorstandsmitgliedern« 
Herrn Oberst Schweninger und Herrn Direktor Fischer« 
dann dem Sekretär Herrn Krauss zuteil geworden sind. Zu¬ 
gleich nehme ich gerne Anlass, der Vorstandschaft des Vereine 
für ihr e r s p r i e s s 1 i ch e s W i r k e n im Interesse des Fremden¬ 
verkehrs den Dank der Königlichen Staatsreg^erung zum Ausdruck 
zu bringen. Insbesondere spreche ich auch im Namen dee 
Herrn Staatsministers des Innern und des Herrn Staatsministere 
für Verkehrsangelegenheiten dem i. und 2. Vorsitzenden des 
Vereins, Herrn Universitätsprofessor Dr. Rothpletz und Herrn 
Kommerzienrat Rosa, sowie dem Vorstandsmitglied Herrn 
Rechtsrat Dr. Kühles die vollste Anerkennung aus für 
ihre hingebende Arbeit, ihr umsichtiges Wirken und ihre 
uneigennützigen, dem Gemeinwohl förderlichen Bestrebungen 
zur Hebung des Fremdenverkehrs. Wie die Tätigkeit des 
Fremdenverkehrs-Vereins in weiten Kreisen Münchens 
und des bayerischen Hochlands Würdigung und Unterstützung^ 
findet, so wird auch die Königliche Staatsregierung, soweit es 
ihr im Rahmen der vorgezeichneten Grenzen möglich ist, bereit¬ 
willig für die Interessen des Vereins eintreten und zur Er¬ 
reichung seiner Zwecke beitragen. Die Königliche Staatsregierung 
kann nur lebhaft wünschen, dass die bewährten leitenden Kräfte 
dem Fremdenverkehrs-Verein lange erhalten bleiben. In wor- 
züglicher Hochachtung Staatsminister gez. Podewils.** 

Welzheimer- und Schurwald-Verkehrsverband. 

Zum Zweck der Gründung eines Verkehrsverbandes für das 
Gebiet des Murrhardter-, Welzheimer- und Schurwaldes hatte die 
Würtl.-Hohenz. Vereinigung für Fremdenverkehr auf Samstag, 
den 6. Januar, zu einer Versammlung in Schorndorf eingeladen. 
Die stattliche Versammlung, die von über 150 Personen besucht 
war, bewies, dass die Gründung eines solchen Verbandes von 
den Interessenten des genannten Gebietes als ein dringendes 
Bedürfnis anerkannt wurde. Der Vorsitzende der Württ.- 
Hohenz. Vereinigung für Fremdenverkehr, Herr Gemeinderat Adolf 
Stübler (Stuttgart), begrüsste die Versammlung und wies auf 
die dringende Notwendigkeit der Pflege und Förderung des 
Fremdenverkehrs in Württemberg und auf die umfassende 
Reklametätigkeit der Vereinigung auf diesem Gebiete hin. Herr 
Stadtschultheiss Raible (Schorndorf) begrUsste die Anwesenden 
im Namen der Stadt Schorndorf und wünschte den Bestrebungen 
zur Erschliessung des Welzheimer- und Schurwaldgebiets den 
besten Erfolg. Der Vorsitzende richtete hierauf die dringende 
Mahnung an die Anwesenden, die Kräfte nicht zu zersplittern, 
sondern sich der WUrtt.-Hohenz. Vereinigung anzuschliessen, 
die in grosszügiger Weise für ganz Württemberg Reklame 
mache und damit schon grosse Erfolge erzielt habe. Der 
Sekretär der Vereinigung, Kalkulator Zillhardt (Stuttgart), 
erstattete hierauf einen Bericht über die Entwicklung und die 
seitherige Tätigkeit der Vereinigung, der mit grossem Interesse 
entgegengenommen wurde. Schliesslich wurde beschlossen, 
den zu gründenden Verband, der das Gebiet von Rumstal, 
vom Welzheimer-, Murrhardter- und Schurwald umfasst, den 
Namen „Welzheimer- und Schurwald-Verkehrsverband zu 
geben. Der Vorsitzende erklärte hierauf den Verband für 
gegründet, worauf die einzelnen Plätze je einen Vertreter er¬ 
nannten und zum i. Verbandsvorsitzenden Herr Stadtschultheiss 
Raible (Schorndorf), zum 2. Vorsitzenden Herr Stadtschultheiss 
Müller (Welzheim) und zum Schriftführer Herr Franz Haog^ 
(Elisabethenberg) gewählt wurde. Herr Hofbuchhändler Wild t 
(Stuttgart), der Leiter der Auskunftstelle des Stuttgarter Vereins 
für Fremdenverkehr, die zugleich auch Auskunftstelle der Ver¬ 
einigung ist, bat den neuen Verband, Führer, Prospekte usw. 
regelmässig an die Auskunftstelle einzusenden, wo das Reklame¬ 
material in zweckmässigster Weise verwendet werde. Hierauf 
berichtete Herr Gemeinderat Stübler über die Schwäb. Landes¬ 
ausstellung iür Reise- und Fremdenverkehr und forderte den 
neuen Verkehrsverband auf, sich durch Ausstellung von schönen 
Bildern, Modellen usw. und eines Dioramas zu beteiligen. 
Die Versammlung beschloss, sich an der Schwäb. Landea- 
ausstellung gemeinschaftlich zu beteiligen und die Beratung 
aller weiteren Einzelheiten einer in Bälde einzuberufenden Ver¬ 
sammlung der Vertreter der Verbandsmitglieder zu ttberlazeen 






f. 








Nr, 14 ^&&&xooooüßüüü o^ DEUTSCHLAND B K)eeeeeeeeeoe 0 eeee 0 eeoooeooqi 70i 


Der Verkehrs-Verein Braunschweig 

hielt am 24. Januar seine Hauptversammlung im „Parkhotel** ab. 
Der Vorsitzende, Herr Schulinspektor Sattler, hob einleitend 
hervor, dass die Arbeiten des Vereins in stetem Wachsen 
begriffen seien', ein Zeichen, wie notwendig das Bestehen eines 
Verkehrs-Vereins für Braunschweig sei und wie seine Tätigkeit 
allseitig, namentlich auch von den Behörden, anerkannt werde. 
Mit der Zeit müsse man aber daran denken, ein neuzeitlich 
eingerichtetes Verkehrsbureau in der Nähe des Bahnhofes 
einzurichten, in dem eine bezahlte Kraft tätig sei — vielleicht 
liesse sich -ein solches mit dem Neubau des Bahnhofes 
(siehe auch die Isesondere Notiz „Die Bahnhofsfrage in Braun¬ 
schweig**), der ja nun, Gott sei Dank, nahe bevorstehe, verbinden. 
Aus dem Jahresberichte ist hervorzuheben, dass Aende- 
rungen im Vorstande im verflossenen Jahre nicht vor¬ 
gekommen sind. Für das neue Vereinsjahr wurde der bisherige 
Vorstand wiedergewählt. An die Stelle des i. Kassierers, Herrn 
Breithaupt, der wegen überhäufter eigener Arbeiten eine 
Wiederwahl abgelehnt hatte, trat der bisherige 2. Kassierer, Herr 
Direktor K ö rb er; sein Stellvertreter wurde Herr Direktor Halms. 
Der .vom 23.—25. September 1911 veranstaltete Schaufenster- 
Wettbewerb, verbunden mit Verkehrstagen hat einen 
glänzenden Verlauf genommen. Die Veranstaltung kann als 
mustergültig bezeichnet werden; entschieden war sie eine aus¬ 
gezeichnete Reklame für die hiesige Geschäftswelt. Die Stadt 
Braunschweig stiftete für die Veranstaltungen 1000 Mk. und 
ausserdem 300 Mk. für Ehrenpreise. Insgesamt standen fast 
3000 Mk. für Ehrenpreise und Diplome zur Verfügung. Es 
beteiligten sich 132 Firmen, Eine hübsch illustrierte Festschrift 
„Braunschweiger Verkehr** wurde in fast 6000 Exemplaren ver¬ 
breitet. Auch an der „Internationalen Ausstellung 
für Reise - und Fremdenverkehr** in Berlin beteiligte 
sich der Verein. Die dort aufgcstellten prächtigen 
Dioramen werden in Verbindung mit dem „Vaterländischen 
Museum** sicher eine neue Sehenswürdigkeit für Braunschweig 
werden. Der Harzklub, Zweigverein Braunschweig, 
stellte dem Verkehrs-Verein 500 Mk. für die Ausstellung zur 
Verfügung. Ausser der Hauptversammlung am 25. Januar 
vorigen Jahres wurden 8, meistens gut besuchte Vorstands¬ 
sitzungen und 18 Kommissionssitzungen abgehalten. 
Ausserdem beteiligte sich der Vorstand an einer zwang¬ 
losen, unverbindlichen Besprechung von Verkehrs¬ 
wünschen in Magdeburg, die von den Eisenbahndircktionen 
Magdeburg, Hannover, Halle und Cassel veranstaltet wurde 
und alljährlich im Herbst wiederholt werden soll, ferner an 
den Hauptversammlungen des Bundes in Berlin und 
Worms, an zwei Vorstandssitzungen in Leipzig, an einer Sitzung 
des „Harzer Verkehrs-Verbandes“ in Osterode am Harz 
und an zwei Sitzungen des „Niedersächsischen Verkehrs- 
Verbandes in Hannover. Es fanden im verflossenen Jahre 
in Braunschweig 12 grosse Kongresse statt, denen der 
Verein mit Rat und Tat zur Hand ging; für das kommende 
Jahr sind schon jetzt wieder 4 grosse Kongresse angemeldet. 
Der „Grosse Führer durch Braunschweig“ erschien in 
dritter Auflage in 10 000 Exemplaren, der „Kleine Führer** 
in deutscher Sprache ist augenblicklich im Druck(5000 Exemplare), 
die englische Uebersetzung desselben ist gleichfalls fertiggestellt. 
Die Stadt Braunschweig bewilligte für die Herausgabe dieser 
Führer 3500 Mk. neben dem alljährlich für die Aufgaben des 
Vereins bewilligten Stadtzuschuss von 1500 Mk. Die Heraus¬ 
gabe einer Wanderkarte für Braunschweig und Um¬ 
gebung (mit Text) ist in Vorbereitung und die Herausgabe 
eines Büchleins über „Braunschweig als Hochschulstadt** 
wird dank der Unterstützung der Technischen Hoch¬ 
schule in kürzester Zeit erfolgen können. Für Lichtbilder¬ 
vorträge wurde eine Sammlung von Diapositiven in 
Angriff genommen und gute Photographien von Braun- 
s ch w e i g wurden zur Anfertigung von Diapositiven nach 
verschiedenen Städten des In- und Auslandes versandt. Durch 
eine beträchtliche Anzahl von Eingaben und privaten 
Besprechungen mit den zuständigen Stellen hat der Verein 
sich bemüht, das Verkehrswesen in der Stadt und gemeinnützige 
Einrichtungen zu fördern und auch zumeist ein freundliches 
Entgegenkommen gefunden. Er wird nicht müde werden, auf 
diesem Wege fortzufahren. Aus dem Kassenbericht ging 
hervor, dass die Einnahmen und Ausgaben des Vereins (vom 
Schaufenster-Wettbewerb abgesehen) im Jahre 1911 mit 5122 Mk. 
balancierten. Die Zahl der Einzelmitglieder beläuft sich auf 
595, korporative Mitglieder besitzt der Verein 5. Die Wünsche 
des Verkehrs-Vereins erstrecken sich auf elektrische 
Beleuchtung der Plätze auf Kosten der Stadt, Ver¬ 
besserung des Abfuh rWesens, Schaffung einer 
grossstädtischen Badehalle und einer Ausstellungs¬ 
halle und Einlegung einer grösseren Zahl durch- 
gehenderZttge, namentlich für den Nord-SUd-Verkehr. Andere 


Wünsche des Vereins werden vermutlich in diesem Jahre erfüllt 
werden, u. a. ist die Erbauung einer Feuerbestattungs¬ 
stelle seitens der städtischen Behörden jetzt beschlossen. 

Danziger Verkehrs-Zentrale. 

Der Voranschlag der Verkehrs-Zentrale für 1912 weist 
in Einnahme und Ausgabe Mittel von 12500 Mk. nach. Die 
Zahl der Mitglieder ist auf 871 angewachsen, so dass Aussicht 
vorhanden ist, 1912 die Zahl 1000 zu erreichen. Die Plak atfrage 
ist gefördert worden. Herr Professor Pfuhle hat einen Entwurf 
eines Danziger Plakats gefertigt, der in kurzem dem Ausschüsse 
vorgelegt werden soll. Ausserdem sind von der Danziger Ver¬ 
kehrs-Zentrale je 4 Danziger Bilder zu einem Bilde vereinigt 
und geschmackvoll gerahmt worden. 25 solcher Bilder sollen 
in Hotels und Gasthöfen als erster Versuch ausgehängt und 
demnächst über die Beschaffung weiterer Bilder Beschluss gefasst 
werden. An der Ausschmückung der Eisenbahnwagen mit 
Bildern wird sich die Verkehrszentrale durch Lieferung von 
zwei Bildern (Langermarkt mit Artushof und Rathaus und lange 
Brücke mit Krantor) beteiligen. Eine umfassende Aussprache 
knüpfte sich in der Sitzung des Ausschusses an die in jüngster 
Zeit im Vordergründe des Interesses stehenden Danziger Ver- 
kehrswUnsche. Am Schlüsse der Sitzung überreichte der Vor¬ 
sitzende der Verfcchrszentrale eine Sammlung der im Handel 
befindlichen DanzigerAnsichtspostkarten zum Geschenk. 
Die Karten sind in einem Album nach den einzelnen Objekten 
angeordnet. Die Sammlung umfasst etwa 700 Karten und zeigt, 
dass wir in Danzig eine Uber Erwarten grosse Zahl ausgezeichnet 
künstlerischer Postkarten, daneben in geringem Umfange aber 
auch „Schund** haben. Dem Wunsche des Schenkers ent¬ 
sprechend, wird die Verkehrs-Zentrale die Kartenhändler, Photo¬ 
graphen und Verleger bitten, vor Herstellung neuer Karten das 
Album einzusehen, damit der Kreis der Objekte erweitert wird 
und damit die besten vorhandenen Karten als Muster für neue 
genommen werden. — 

Neuregelung der Ferien. 

Die vom Bund Deutscher Verkehrs-Vereine angeregte Neu¬ 
regelung der Ferien hat in weiten Kreisen Beachtung gefunden 
und einen lebhaften Meinungsaustausch veranlasst. Inzwischen 
ist die Bekanntgabe der Schulferien in der Rhein¬ 
provinz und in Westfalen bereits erfolgt. Für die 
höheren Schulen in diesen beiden Provinzen sind die Ferien 
des kommenden Schuljahrs wie folgt festgesetzt worden: Der 
Schluss des alten Schuljahrs ist am Freitag, den 29. März (nicht, 
wie bisher bestimmt war, am 30. März). Der Wiederbeginn 
des Unterrichts erfolgt am Dienstag, den 16. April. Die Pfingst- 
ferien dauern vom 24. Mai bis 4. Juni; die Herbstferien 
vom 7. August bis 12. September, sind also verkürzt worden. 
Dagegen sind die Weihnachtsferien etwas verlängert; sie 
dauern vom 20. Dezember bis 8. Januar. Der Schluss des 
Schuljahres erfolgt am 19. März 1913. 


Deutscher Skiverband. Nach den neuesten Feststellungen 
umfasst der Deutsche Skiverba nd, Sitz Karlsruhe i. B., insgesamt 
21000 Mitglieder, die sich auf n Unterverbände verteilen. Die 
höchste Mitgliederzahl hat der Skiklub Schwarzwald aufzuweisen, 
nämlich über 4000. Ihm am nächsten steht der Thüringer 
Wintersportverband mit über 3000 Mitgliedern; dann folgen an 
dritter Stelle der Schwäbische Schneeschuhbund mit nahezu 
3000 Mitgliedern und an vierter Stelle der Oberharzer Skiklub 
mit etwa 2950 Mitgliedern. Die weitaus grösste Anzahl Orts¬ 
gruppen besitzt der Schwäbische Schneeschuhbund, nämlich 50. 
Es folgen mit 39 Ortsgruppen der Skiverband Sachsen, sodann 
mit je 31 Ortsgruppen der Skiklub Schwarzwald und der Thüringer 
Wintersportverband. Die Zahl der Ortsgruppen, die dem Deutschen 
Skiverbande angehören, übersteigt nunmehr 250. 

Der Jahresbericht des Kur- und Verkehrs- 
Vereins Konstanz für 1911 bespricht des näheren den 
Fremdenverkehr in Konstanz im Laufe des letzten Jahres. Er 
ist der Auffassung, dass der heisse Sommer die Fremden nicht 
sesshaft gemacht habe. An dem Rückgang des Fremden¬ 
verkehrs, der eine Frequenz im Jahre 1911 von 82434 Personen 
aufwies, sei auch die Tatsache schuld, dass eine grosse Anzahl 
der Sommerreisenden nicht Ruhe, sondern Vergnügen suchte. 
Die lästige Zollbehandlung bringet den Reisenden öfter unan¬ 
genehme Auspackereien aller ihrer Koffer bis auf den Grund, 
dies besonders wegen des oft übergrossen Saccharinschmuggels. 
— Die Mitgliederzahl stieg von 629 auf 678. 

Ein städtisches Verkehrs-Bureau wird am x. April 
in Wiesbaden errichtet. Als Leiter ist der bisherige Leiter 
des Baden-Badener Verkehrs-Bureaus, Herr Kesselring, ein 
geborener Schweizer, angestellt worden. Das Reklame- und 
Propagandawesen der Kurstadt soll von dem Bureau in gross¬ 
zügiger Weise betrieben werden« 




702 IB O e OOO e OQQOa a öQQQ QCaOQOQOOOCMa DEUTSCHLAND 


Nr. 14 


Oeffentliche Verkehrs-Versammlung in Werni- 
g e r o d e. Auf Veranlassung der städt. Verkehrs- und Kur¬ 
kommission fand am 30. Januar im Saale des Alten Schtttzenhauses 
eine öffentliche Versammlung statt, welcher auch der Kgl. Landrat, 
Geheimrat Siegert, der Präsident der FUrstl. Kammer, Geh. Ober¬ 
regierungsrat Lohmann, I. Bürgermeister Bbeling sowie die 
Vorsteher des Reichspostamtes und der Staatsbahn beiwohnten. 
In astündigem, vorzüglich durchgearbeitetem Vortrage behandelte 
Verkehrsamtleiter Schultze die Entwickelung und Bedeutung 
des Fremdenverkehrs für Wernigerode, die Tätigkeit des Ver¬ 
kehrsamtes und die Reklame. Im Vorjahre sind 9776 Mk. dafür 
aufgewendet worden, wovon 6885 Mk. die Bürgerschaft freiwillig 
aufgebracht hat. Die verschiedenen Druckschriften, welche das 
Verkehrsamt herausgegeben, fanden grossen Anklang. Die 
Anfragen über Wernigerode als Kurort und Touristenstand¬ 
quartier stiegen infolge der grösseren Zeitungsreklame sehr, wie 
die Zahl der Postausgänge (6871) zeigt. Der gleichfalls gewachsene 
Fremdenbesuch (9342 Kurgäste und 28075 Fremde mit Aufenthalt 
bis zu 5 Tagen) wies 233866 Logiernächte auf, was bei einer 
auf 6 Mk. geschätzten Tagesausgabe des Fremden für unsere 
Stadt einen Geldumsatz von lYo Millionen Mk. bedeutet. Nicht 
gerechnet sind dabei die Tausende von Tagesbesuchern! — 
Redner zollte sodann der Königl. Eisen b^a hn-Direktion 
Magdeburg anerkennende Worte, dass sie dem gesteigerten 
Verkehr nach hier durch neue Züge, bessere Anschlüsse, Kurs¬ 
wagen, Sonderzüge usw. ein so grosses Interesse entgegenbringe. 
Vorgelegt wurde u. a. der Entwurf eines Plakates, welches die 
bunte Stadt treffend zu charakterisieren berufen ist. Zum Schluss 
betonte der Redner die Bedeutung der Zeitschrift „D e u t s ch - 
land“ für die Verkehrs- und Städtepropaganda, bei der das 
Harzgebiet in Wort und Bild eingehend gewürdigt worden sei. 
In der dem Vortrage folgenden Aussprache herrschten nur 
Stimmen vollster Anerkennung über die Tätigkeit des Verkehrs¬ 
amtes und seines Leiters. 

Berlin als Fremdenstadt. Die Anziehungskraft, 
welche die Reichsmetropole mit ihren mannigfachen Ver¬ 
gnügungen, Anregungen und Belehrungen auf die Fremden 
ausUbt, ist in ständigem raschem Steigen begriffen. Nach den 
Mitteilungen der Zentralstelle für die Interessen des Berliner 
Fremdenverkehrs vermehrte sich die Zahl der Berlin besuchenden 
Fremden in dem Jahrfünft 1906 bis 1910 von 1029 461 auf 
1278608 oder um 24,2 Prozent. Dabei stieg die Zahl der aus 
dem Aus lande kommenden Fremden weit rascher, nämlich 
von 178 420 auf 253 838 oder um 24,3 Prozent, als die der aus 
Deutschland selbst kommenden Besucher, die sich von 851033 
auf 1024 771 oder nur um 20,4 Prozent vermehrte. Machten 
1906 die Ausländer erst 17,3 Prozent aller Besucher aus, so 1910 
19,8 Prozent. Wie sich der Fremdenverkehr Berlins auf die 
wichtigsten Länder verteilt, ist aus folgender Tabelle ersichtlich; 


Deutschland. 

1906 

851 033 

1910 

1024 771 

Zunahme 
1906—1910 
20,4 Prox. 

Russland. 

04 623 


!)7 683 

51,1 „ 

Oesterreich. 

30 243 


39 555 

30,8 „ 

England. 

11 759 


16 600 

41,2 „ 

Schweden. 

10 333 


13 721 

■ 32,8 „ 

Dänemark. 

9 455 


11 176 

18,2 „ 

Frankreich. 

7 981 


11070 

38,7 „ 

Holland. 

6 235 


7 611 

22,1 „ 

Schweiz. 

1183 


5 048 

20,7 „ 

Belgien. 

2 821 


3 736 

32,4 „ 

Italien. 

2 011 


3 682 

83,9 „ 

Norwegen. 

2 634 


3 595 

36,5 „ 

Andere europäische Staaten . 

4 547 


6 50 S 

43,1 „ 

Amerika. 

19 545 


30 550 

56,3 „ 

Asien. 

902 


1 595 

76,8 „ 

Afrika. 

877 


1 129 

28,7 „ 

Australien. 

279 


579 

107,5 „ 

Von allen Ländern stellt 

Russland 

bei 

weitem 

das grösste 

Kontingent der Fremden Berlins: mehr 

als 

der dritte Teil aller 

Besucher kommt aus dem Zarenreiche. 

Dann folgt Oesterreich, 

dann England. Auffallend ist 

auch die 

hohe Besuchsziffer der 

skandinavischen Länder, die 

diejenige 

Frankreichs 

bedeutend 


überflügelt. 

Der Wiener Fremdenverkehr im Jähe 1912. 
Nach den Aufzeichnungen des Wiener Vereins für Stadt¬ 
interessen und Fremdenverkehr (Sektion Wien des Landes¬ 
verbandes) sind im Jahre 19x1 in den Wiener Hotels insgesamt 
606235 Fremde, um 2351 mehr als im Jahre 1910, ein- 
getroffen. Davon entfallen auf Oesterreich 364805 (-|- 8066), 
auf Ungarn ui 100 (-|- 1063) und auf Bosnien 2339 (-f- 64) Per¬ 
sonen. Auf das Ausland entfielen 127 391 (— 6842). Der Auslands¬ 
verkehr setzt sich wie folgt zusammen: Deutschland 46945 
(— 6848), Russland 26 j6x (-j- 1308), Rumänien 9659 (-(- 295), 


Amerika 8477 (— nyi), Frankreich 6342 (— 395 )f England 5163 
(— 403), Türkei 3895 (+ 93), Italien 3852 (— 385),'- ^erbien 
3674 (-|- 624), Bulgarien 3342 (-|- 16), Schweiz 2726 4—1x76), 
Belgien 1325 (— 50), Asien 1071 (— 24), Holland 943 
Schweden und Norwegen 728 (— 159)1 Afrika 722’ 

Australien i2X (-|- 20). 

Die Zunahme des Pariser Fremd.enverlck^TS 
behandelt Dr. Jacques Bertillon im „Journal" und zeigt dalsei, 
wie gerade in den letzten zehn Jahren der Zufluss fi^nider 
Gäste nach Paris einen gewaltigen Aufschwung zu verzeichnen 
hat. Noch im Jahre X872 beschränkte sich die Zahl der Fremden, 
die Paris besuchten, auf 96 000 Ausländer und 262 000 Franzosen 
aus der Provinz. Bereits im Jahre 1876 ist die Zahl der Aus¬ 
länder auf 118000 und die der Franzosen auf 292000 .an¬ 
gewachsen. Und nun beginnt ein ununterbrochenes Steigen 
des Fremdenverkehrs, das sich in folgenden Zahlen überze'bgt 
ausprägt. x88i werden verzeichnet: X92528 Ausländer und 
535 342 Franzosen; x886: X73738 Ausländer und 532560 Franzosen. 

Für X891 lauten die entsprechenden Zahlen 223 929 und 557937, 
für 1896: 272293 und 631022, für 190X: 289890 und 631227. Nun 
beschleunigt sich das Tempo der Zunahme in bemerVenaiverter 
Weise. Bereits im Jahre X906 weist der Fremdenverkehr von' 
Paris nicht weniger als 453 215 Ausländer und 740 404 Franzosen 
aus der Provinz auf. Für X908 lauten dann die Zahlen 460709 
Ausländer und 748805 Franzosen, so dass in diesem Jahre, 
dem letzten, von dem heute genaue amtliche Ziffern zu er-^ 
langen sind, nicht weniger als x209 514 Fremde die Haupts^dt 
Frankreichs besucht haben. So hat sich in den letzten vier* 
Jahrzehnten der Besuch von Ausländern nahezu verfflnffacht 
und der von Franzosen aus der Provinz beinahe verdreifaclit. 
ln den oben genannten Zahlen sind die Ausstellungsjahfe forbt 
gelassen worden, weil ihre Verhältnisse nicht als normal 
gelten können. Aber auch die verschiedenen Jahre der Pariser 
Weltausstellungen zeigen ein ähnliches Wachsen des Fremden¬ 
zuflusses. Die Weltausstellung von 1878 lockte rund 250 009 
Ausländer nach Paris, die Ausstellung von 1889 39x073, und 
die Ausstellung von 1900 bereits mehr als eine halbe MUBoxx^ 
genau 545252 Ausländer. Es ist interessant zu untersuchen, in 
welchen Monaten in Paris die meisten Fremden weilen. Hier 
zeigt sich eine deutliche Spaltung zwischen Ausländern und“ 
Franzosen aus der Provinz. Die französischen Fremden stollon 
in den Monaten März und Oktober das grösste Kontingent, 
was sich zum Teil auch dadurch erklärt, dass zu diesen Zeit¬ 
punkten zahllose Geschäftsleute nach Paris kommen, um ihre 
Vorbereitungen zur Sommer- bezw. zur Wintersaison zu treffen, -i 
Die meisten Ausländer aber weilen in Paris im Spätsommer, 
und zwar im August und September, also eigentlich zu Zeiten, 
in denen die Pariser Gesellschaft fern von der Hauptstadt in, 
den Badeorten weilt. Im Jahre X908 zählte man im August in 
Paris 51983 Ausländer und im September 55 718. Die weit¬ 
aus niedrigsten Zahlen für den Ausländerverkehr weisen die 
Monate Januar und Februar auf, in denen das gesellschalb- 
liche Leben von Paris in seiner höchsten Blüte steht. 

Billiger Tarif im überseeischen Telegraphen¬ 
verkehr. Eine für weitere Kreise wichtige Neuerung ist im 
überseeischen Telegraphenverkehr mit dem neuen Jahre ver¬ 
wirklicht worden. Benutzten bisher Privatleute nur in selteneii 
Fällen die überseeische Kabel-Telegraphie, da sie nicht in der 
Lage waren, durch Verwendung von Depeschenkürzern (Codes, 
Telegrammschlüssel) viel in wenigen Worten zu sagen und 
80 für sich die Kosten herabzusetzen, so ist jetzt von der 
Deutsch-Atlantischen Kabelgesellschaft durch Herabsetzung der 
Gebühren selbst für Privat-Telegramme in offener Sprachie 
dafür gesorgt, dass gelegentliche Kabeldepeschen den Mitteln 
eines jeden weit erreichbarer geworden sind. Der Preis Idt 
auf die Hälfte der gewöhnlichen bisherigen Gebühr ermässigt 
worden, also z. B. zwischen Deutschland und New York auf 
52Y2 Pfennig pro Wort bei 7935 Kilometer unter dem Ozean her. 
Diese durchgreifende Verkehrserleichterung hat bereits während 
der beiden ersten Jahreswochen zu einer wesentlichen Vermehrung • - 
der unterseeischen Drahtübermittelungen nach Amerika und den - 
verschiedensten Orten Deutschlands geführt. 

Die Bahnhofsfrage in Braunschweig ' geht Jetst 
endlich ihrer Erledigung entgegen. Seitens des Preussischen 
Eisenbahn-Ministeriums sind die beiden Pläne für den Fern-' 
bahnhof (das preussische Projekt, das den Bahnhof etwA 
x8oo m hinauslegen will) und für das Menadier-Qebeng- 
lebensche Projekt (das den Bahnhof 600 m näher an jdXe 
Stadt heranlegt) nebst den Kostenanschlägen hier eingesandt. 
Der Magistrat hat sich für das nähere Projekt entscUeden, 
das einen stadtseitigen Zuschuss von etwa i Ys Millionen Mark 
erfordert. Leider wird dadurch der herrliche Bürgerpafk durch¬ 
schnitten; doch hofft man durch geeignete gesohmäokvolle 
Anlagen diese Durchquerung so wenig auffallend Und die 




















Nr. 14 iB aQQQQQQ3908Q00Q0QQQQQQQQ gi DEUTSCHLAND iBe e e eseeeeeeeeeeeoeeocdooeea i 703 


Schönheiten des Parks störend wie irgend möglich machen 
zu können. Mit dem Neubau des Bahnhofes treten wieder die 
schon lange gehegten Wünsche der Stadt in den Vordergrund, 
durch eine Reihe von durchgehenden Linien wieder in 
den grossen Eisenbahnverkehr hineingezogen zu werden. Dazu 
ist unbedingt nötig, dass für den Ost-West-Verkehr die 
Linie Schandeloh — Oebisfelde für den Schnellzugs¬ 
verkehr eingerichtet wird. Für den Nord-SUd-Verkehr 
muss die Linie Uelzen — Braun schweig als Vollbahn aus¬ 
gebaut und die Linie Braunschweig — Harzburg Uber 
Harzburg und Braunlage nach Nordhausen hin verlängert werden. 


Eisenbahnwesen. 

Eine direkte Linie Aachen — Löwen. Die lang¬ 
jährigen Bemühungen und Vorbereitungsarbeiten zugunsten der 
Verbesserung des rheinisch-belgischen Eisenbahnverkehrs scheinen 
endlich mit Erfolg gekrönt werden zu sollen. Das ist zum guten 
Teil sicher dem Eintreten der Stadtverwaltungen und Handels¬ 
kammern Westdeutschlands für den Bau einer direkten Linie 
von Aachen über Bleyberg—Vise nach Löwen zu 
verdanken, welche die Verbindung nach Brüssel oder Ostende 
sowie nach England um ein bis zwei Fahrtstunden abkürzen 
wird. Wie die „Kölnische Volkszeitung** mitteilt, standen der 
Verwirklichung dieses Gedankens auf preussischer Seite sowohl 
finanzwirtschaftliche wie technische Bedenken entgegen, die 
nunmehr aber nahezu beseitigt oder aufgegeben zu sein scheinen. 
Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Projekt in Belgien 
selbst auch sehr starkem Widerstand begegnet ist, und zwar in 
der Provinz Lüttich, wo die Städte L ü 11 i ch und Verviers 
sich nach wie vor dagegen wehren, dass die direkte internationale 
Linie sie nicht berührt. Dieser Widerstand kann aber doch 
nicht die endliche Befriedigung eines schon so lange empfundenen 
internationalen Verkehrsbedürfnisses, wie sie die genannte Strecke 
darstellt, hintanhalten. Zudem ist bereits und wird auch weiter 
für den Verkehr der genannten Städte mit Brüssel, worauf es 
ihnen ja am meisten ankommt, ausreichend gesorgt. Uober die 
Anlage der neuen Strecke bis Aachen und die Fortschritte der 
Vorbereitungen zum Bau bringt Dr. Otto Dresemann in Nr. 4 
des „Tag“ (Verkehrsrundschau) neue Angaben; Belgien büsst 
bei dem Bau dieser den allgemeinen internationalen Verkehrs¬ 
interessen so dienlichen Strecke weit mehr an Tarifkilometern 
ein als Preussen; man kann wohl sagen, das Dreifache; es 
bringt also im Verkehrsinteresse das dreifache Opfer, und zwar 
dauernd — von den Baukosten ganz abgesehen, die Belgien 
zum überwiegenden Teile zufallen. Würde der Verlauf der schon 
bestehenden Strecke zwischen Bleyberg und Aachen unverändert 
bleiben, so hiesse das die Erreichung des Ziels: grössere 
Schnelligkeit und bedeutend kürzere Fahrzeit nach Brüssel, 
merklich beeinträchtigen. Der jetzige Tunnel unter dem Drei¬ 
länderpunkt bei Aachen liegt hoch, in seiner Nähe muss in 
geringerer Höhe über Meer ein Basistunnel von grösserer Aus¬ 
dehnung gebaut werden, damit von Aachen wie von Bleyberg 
aus der Gebirgsdurchstich mit geringster Neigung, vielleicht 
mit i; 100—120, also mit kaum beeinträchtigter Zuggeschwindig¬ 
keit erreicht werden kann. Die geologische Beschaffenheit des 
Bodens ist dort kaum verschieden von derjenigen, die eine 
halbe Stunde südöstlich davon bei dem Versuche des neuen 
Tunnelbaues gefunden worden ist und die Preisgabe des Ver¬ 
suches entschieden hat. Preussen ist deshalb ebensowenig hier 
wie dort geneigt, an einen Tunnelbau heranzugehen, der nach 
seiner Auffassung ebenfalls einen zu grossen Kostenaufwand 
erfordern würde. Es hat also den Belgiern nahegelegen, diesen 
für „ihre** Bahn und deren praktische Nutzbarkeit unerlässlichen 
Tunnel, der zum Teil auf prcussischem Gebiet läge, auch noch 
auf eigene Kosten zu bauen. Vor technischen Schwierigkeiten 
schrecken die Belgier nicht zurück; des Schwimmsandes würden 
sie in der horizontalen Röhre ebenso Herr werden, wie es 
schon lange mittels des Gefrierverfahrens in den senkrechten 
Schächten der Bergwerke geschieht. Ist nun Belgien auch 
noch zu diesem letzten, bedeutenden Opfer bereit, selbst den 
preussischen Teil des Tunnels für die, wie gesagt, durchaus 
nicht im einseitig belgischen Interesse liegende Bahn zu bauen, 
so wäre damit wohl das Aeusserste erreicht, was man Belgien 
zumuten könnte, und man sollte von der Forderung der Frachten¬ 
kompensationen endgültig Abstand nehmen, da ihre Aufrecht¬ 
erhaltung nach einem solchen Entgegenkommen dem allzu 
straffen Spannen des Bogens gliche. Ein neuer Basistunnel 
zwischen Aachen und Gemmenich würde zudem die einfachste 
Streckenzuführung von Aachen - Hauptbahnhof und die volle 
Wahrung der landschaftlichen und baulichen Interessen der 
alten Kaiserstadt mit sich bringen. 

Ein neues D-Zug-Paar Köln — Berlin. Wie die 
Berliner Blätter melden, ist vom i. Mai an ein neues D-Zug- 
Paar zwischen Köln und Berlin beabsichtigt. Der eine der 


neuen Züge soll von Köln 8.45 Uhr früh abgehen, so dass er 
an Bahnhof Friedrichstrasse 5.15 Uhr nachmittags eintrifift. Der 
Gegenzug soll von Bahnhof Friedrichstrasse 12.16 Uhr mittags 
abgehen und in Köln 8.40 Uhr eintreffen. Der neue Zug wird 
auch die Verbindung Paris—Berlin verbessern; denn der Pariser 
Nachtschnellzug trifft morgens 8 Uhr ein und geht Über Magde¬ 
burg nach dem Potsdamer Bahnhof Berlin (6 Uhr x Minute 
nachmittags). Wird man in Köln aber auf den neuen Zug 
übergehen, so trifft man künftig kurz nach 5 Uhr auf der 
Berliner Stadtbahn ein. 

Zur Vermehrung des Wagenparks der preussisch- 
hessischen Staatseisenbahnen werden im Eisenbahn¬ 
anleihegesetz 112 Millionen Mark gefordert werden; es sind 
dies 30 Millionen Mark mehr als in den letzten Kreditvorlagen. 
Auch im Eisenbahnhaushalt werden die Mittel zur Erhaltung der 
Eisenbahnfahrzeuge um über 14 Millionen Mark erhöht werden. 

Badische Eisenbahn-Einnahmen. Die Einnahmen 
der badischen Staatsbahnen im Dezember 1911 betragen nach der 
amtlichen Schätzung aus dem Personenverkehr 2246000 
Mark, aus dem Güterverkehr 5475000 Mark, aus sonstigen 
Quellen 1085 000 Mark, im ganzen 8,8 Millionen Mark, für das 
Jahr igii insgesamt na 512 000 Mark, also (d. h. wie in der bei¬ 
gegebenen Erläuterung näher ausgefUhrt wird, nach der zunächst 
oberflächlichen Schätzung) 7,1 Millionen Mark mehr als 
im Jahre 1910. Infolge der Witterungs Verhältnisse war der 
Wintersportverkehr ganz unbedeutend, der sonstige Ausflug¬ 
verkehr ebenfalls beeinträchtigt. Die geschätzten Einnahmen 
aus dem Personenverkehr waren im Dezember um 174650 
Mark, im ganzen Jahr 19x1 um 1533820 Mark höher als in der 
gleichen Zeit des Vorjahres. 

Die Fahrkartensteuer hatte bekanntlich zur Folge, 
dass die Benutzung der höheren Klassen abnahm und dafür 
namentlich eine verstärkte Benutzung der 4. Wagenklasse ein¬ 
trat. Diese Bewegung ist jetzt zum Stillstand gelangt; sowohl 
auf den preussischen, als auch auf den anderen deutschen 
Staatsbahnen ist die Benutzung der 2. und 3. Wagenklasse 
gestiegen, die der 4. Klasse erheblich zurückgegangen. 


Schnellzugverbindungen 
zwischen Leipzig und Stuttgart 

mit Anschlüssen über Schaffhausen nach und von der 
Schweiz und Italien 

(Zusammengestellt von der General-Direktion der 
Sächsischen Staatsbahnen in Dresden). 


12i> 

4 J 2 

745 

941 

1145 


901 1-2301 


1265 

B 56 


346 : 

806 


630:1112:, 


IlOH 

301 

über 


—:N 6 rdlin(feii 

b3a'l25i! 1006 


t|> ab Leipzig Bayr.Bf. an>^ 

^365 

816 

3*4 

au Hof . . . ab 

104 

508 

1236 

„ NürnbergHbf. „ 

847 

102 

915 

„ Crailsheim . „ 

619 

Ober 

NOrdilngen 

744 

y an StuttgartHbf.ab j 

|360 

839 

600 


440 

1156 

10*1 

815 


84^ f ab Leipzig Bayer. Bf. an A 8^ 
150 I an Hof.ab 1 618 


1150 

240 

453 

7 w 


an Hof 
„ Bamberg . . 

„ Würzburg Hbf. 
,, Heilbronn Hbf. 


826 an Stuttgart Hbf. 


ab I 618 

357 

140 
1120 
ab in 10*4 


315 

1018 e 

ab Leipzig Tbtir. Bf. 

an > 

710 

306 

514 

über 1 

ZeiU 

an Jena . 

ab 

Uber 
Zeitz . 

125 

603 

1242 j 

„ Saalfeld (Thür.) 

5) 

440 

1241 

926 

407 1 

„ Nürnberg Hbf. . 


1265 

9I6 

111* 

1 über 

i Nürdlingen 

„ Crailsheim ... 

11 

Uber 

Mördlingen 

744 

12M 

1006 y 

an Stuttgart Hbf. . 

ab 1 

1 822 

600 


935 I ^ab Leipzig Thür. Bf. an^^ 

921 :12i2 I an Erfurt.ab 


1221 1212 I an Erfurt 

227 212 I „ Meiningen . . 

453 4*4 I „ Würzburg Hbf. 

724 654 Heilbronn Hbf. 

8*6 752 yan Stuttgart Hbf. 

3 * 1112 ^; 802 ^ab Stuttgart Hbf. 

720! 4^,1136 ' an Singen 


7^1 51011201 


910; 

12^i 

610 

li^ 

6^ 

1050 

412 

“iiö 

6w 

12oo| 


625 
932 
126 ^ 
9’Ö8 
■ 238 
’6^ 
1246 


1122 

650 

1200 


108 I 
■412 i 
722 
315! 

1025 


915 

314 


Schaffhaui 

Zürich 

Bern 

Genf 

Luzern 

Mailand 


6*6 

626>^an Neapel 


Genua 
Nizza . 
Florenz 
Rom 


723 
616 
n , 323 

,, ' 12M 
„; 1018 
abii 917 


7 M 

aber 

Zeit« 

448 

1156 

10*1 

815 


Berl. Bf. 1919 
aber Helle / — 

6*7 
418 

140 

11*0 

10*4 


. an> 

. 213 

643 

9O6 

646 

. ab 

1016 

100 

456 

112 

• 11 

937 

12*5 

424 

1221 

■ 

826 

1059 

320 

1122 

ff 

600 

650 

1046 

8*7 

V 

100 

— 

715 

6*3 

• ff 

550 

915 

107 

948 

_ff 

1130 

— 

7*6 

400 

* ff 

740 

— 

~236 

iiöö 

• ff 1 

l1107 

— 

513 

1163 

• H 

246 

— 

liw 

6*0 

. ab|j| 1222 

— 

615 

140 

1146 

6M 

















704 i DQQocaxooQOQQQOQQoocxiQQQQo gi DEUTSCHLAND B weoeeceoeeeeeeeeooc i oooe e M Nr; T4 


Internationaler direkter Zugverkehr nach Ant¬ 
werpen. Zwischen Deutschland, Belgien und Holland 
schweben gegenwärtig Verhandlungen zur Einstellung täglicher 
internationaler direkter Züge zwischen Antwerpen und Glad- 
bach, Düsseldorf, Elberfeld, Hamm, Hannover und 
Berlin. Auf belgischem Gebiet ist das Gleis bereits verdoppelt 
und die bestehenden Gleisanlagen sind verbessert und verstärkt 
worden. Gleiche Arbeiten sind auf holländischem und deutschem 
Gebiete vorgenommen worden. Die neuen Züge sollen mit 
hundert Kilometer Schnelligkeit laufen und schon dieses Jahr 
in Betrieb gesetzt werden. Demnächst finden Konferenzen statt, 
um den Fahrplan festzulegen. 

Beförderung von Reisegepäck. Der preussische 
Eisenbahnminister Exzellenz von Breitenbach hat dem Bundesrat 
den Entwurf eines internationalen U e b c r e i nk ommens 
über die Beförderung von Personen und Reisegepäck, wie es 
von der im Mai vorigen Jahres in Bern abgehaltenen inter¬ 
nationalen Konferenz beschlossen worden ist, nebst einer 
Denkschrift überreicht. Dem neuen Uebereinkommen liegt fast 
überall der deutsche Entwurf zugrunde, der seinerseits 
sich möglichst eng an die Eisenbahnverkehrsordnung anschliesst. 
Soweit das Wesen des internationalen Verkehrs eine besondere 


Regelung erfordert, ist diese hauptsächlich nach den Grna^ 
Sätzen des Frachtübereinkommens erfolgt. Der deutsche 
Wurf wurde vom Reichseisenbahnamt aufgestellt. Nach\ 
dem die meistbeteiligten Bundesregierungen und die berufenen 
Vertretungen der deutschen Verkehrsinteressenten den Entwurf 
des Reichseisenbahnamtes als eine geeignete Grundlage für die 
internationalen Verhandlungen erkannt hatten und auch den 
Wünschen nach Aenderung einiger Vorschriften Rechnung 
getragen war, fanden noch Besprechungen zwischen Vertretern 
Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns statt, wobei sich eben¬ 
falls über alle wichtigen Bestimmungen des Entwurfs ein er¬ 
freuliches Einverständnis ergab. Die Frage, ob das neue 
Uebereinkommen als Nachtrag zum Frachtübereinkommen be¬ 
schlossen werden solle, wurde allseitig verneint, zwecks Er¬ 
zielung der notwendigen Bewegungsfreiheit vielmehr die Form 
eines besonderen Uebereinkommens gewählt. In der Berner 
Konferenz wurde aber auf Anregung der deutschen Vertreter 
als wünschenswert bezeichet, demnächst beide Uebereinkommen 
zu verschmelzen und gleichzeitig auch das Frachtrecht einer 
umfassenden Durchsicht zu unterziehen. Bei diesem Anlass 
soll der Versuch gemacht werden, auch für das Frachtrecht die 
Verbesserungen zu erreichen, die in der deutschen Eisenbahn- 


Lloyd- und Riviera-Expreßzüge. 

(Mitgeteilt von der Kgl. Kiseiibahndirektion Cöln.) 

1. Vom 1. Dezember 1011 ab werden die Lloyd- und Riviera-Kxpreßzüge in nacbst(?hender Weise zusammengeschlossen: 








103 ab 

Altona 


au 

55'» 


Bio ab 


Amsterdam 

an 2 Ö 0 ] 

M 






C'l 

Dl „ 

Hambni 



5*0 

« 1 - 

h- M 



Haag 

„ 8 K 

u 






.ß 

068 
“ » 

Bremen 



850 

•'« X 



Utrecht 

„ 2»8 

K 


306 ab 

Berlin an 

B*5 

< 


5*^ 

Münster 


126 

» ^ 

bi5 „ 


Emmerich 

„ 12 « 



512 

Halle 

121 


o 

ÖM „ 

Essen Hl)f. 


1207 


(H 8 


Wesel 

„ 121 » 




Erfurt „ 

1135 



Tfo an 

Düsseldorf 

ab 1106 


7ü „ 


Oberhausen 

11 » 

S 

15 

„ 

8 il „ 

Bebra „ 

1000 

to 







> 

745 an 


Düsseldorf 

ab HOB 



»22 „ 

Elm „ 

840 





756 ab 


Düsseldorf 

an 1104] 





1112 „ 

Frankfurt (Main) H]>f. „ 

706 

cc 




835 


Cöln 



10*2 




fo 

l'iM „ 

Mannheim 

546 

p 



cn 

9» >5 


Bonn 



949 

- 




, 123H au 

Ludwigsbafen ab 

539 





959 ’’ 


Coblenz 



853 

CT* 











1130 „ 


Wiesbaden 


722 

5' 










o 

1112 „ 


Mainz 



706 

cc 

0 










> 

1241 an 

Ludwigshafen (Rhein) ab 

602 





(12^ ab Ludwigshafon an o^M 

V. 1. 12. bis 28. 1. j 2^ ,, Straßburg (Eis.) „ j v. B. 12. bis BO. 4. 
I 4^an Mülhausen (Eis.) ab 2ü> ) 


iH^ab 

ßül „ 

an 
lOM „ 
1109 ,, 
IDO 
HM 

410 „ 


Mülhausen 

Basel 

Luzern 

Bellinzona 

Lugano 

Oliiasso 

Como 

Mailand 

Genua 


an li>9l V. B. 12. 
ab l-H»! bis BO. 4. 

n 1120 ) 


754 

IB 

()^ 

(i^o 

526 

200 


V. 2. 12. 
bis 20. 4. 


434 ab 
4;^ an 
10*1 
B02 „ 
bio „ 

704 „ 

7 i 
800 „ 


Mülhausen 

Beifort 

Lyon Brett. 

Marseille 

Cannes 

Nizza 

Beaulieu 

Monaco 

Monte Carlo 

Menton 

Voiitimiglia 


an IM) V. B. 12. 
ab 1200/ bis 30. 4. 


14S 

1035 

1000 

J)41 

0*0 

0 ** 

8-17 


V. 2. 12. 
bis 20. 4. 


Von Berlin sowohl wie von Altona und Amsterdam laufen direkte Wagen nach Ventimiglia und Genua, wie auch 
umgekehrt direkte Wagen von Genua und Ventimiglia nach Berlin, Altona und .‘Vmsterdam verkehren. 

11. Diese Züge kimneii nur mit Fahrkarten I. Klasse, die zu Schnellzügen gelten, und gegen Entrichtung d.er 
in einem hesoiideron Tarif festgesetzten Preiszuschläge heiiutzt werden. 

Die Zuschlaggebühren werden, sofern die Plätze nicht vorausbestellt sind, im Zuge erhoben. Bei Vorausbestellungen 
von Plätzen wird außerdem noch zugunsten der Schlafwagengesellschafi eine Bestollgehühr erhoben, die 

a) für Reisende, die im Inland vor])leiben, 1.00 Mk. für den Platz, 

b) für Reisende nach dem Ausland . . . 2.50 „ ., ,, „ beträgt. 

Auf den deutschen, niederländischen und sebweizerisebon, j(*docli nicht auf den französischen und italienischen 
Bahnstrecken ist es zulässig, Heisenden, die nur mit einer Fahrkarte versehen sind, gegen Erhebung von Zuschlagtaxen 

zw ei Betten zu überlassen, sofern dadurch die Mitnahme und die Bo«|ueinlichkeit anderer Reisenden nicht behindert wird. 
Für Kinder gelten besondere Bestimmungen. 



Cannes. ^ _ _^ 

Mannheim, Marseille, Mentone, Monte Carlo, Nizza, Straßburg (Eis ) und Wiesbaden. 

IV. Das zu den Lloyd- und Riviora-Expreßzügen aufgtdiefortt^ Reisege])äck wird durch die Eisen bahn dieuststellen 
nach den Tarifen dos gewöbnliclien Verkehrs abgofertigt. Die Abfertigung ist nur dann zuhLssig, wenn der Eigentümer 
selbst den Expreßzug benutzt. 

Die Sühlafwageiigosellschnft erhebt für das nach dem Ausland bestimnito (Gepäck zu ihren Gunsten eine Zoll- 
behan cl 1 un gs g ebu h r von je 0.8 > Mk. 1 Frc. oder Lire für jede (ü e p ä ckse n d u ii g und Zollgrenze, als Ersatz 
der Kosten, die ihr durch Erledigung der Zollformalitäten entstehen. Die Erhebung der Zollbehandlungsgebühr erfolgt 
durch die Gepäckaufgabestation. 

V. Hunde, die Reisende der ExpreßzUge mit sich führen, werden befördert, insoweit die Beförderung nach den 
Tarifen des gewöhnlichen Verkehrs und den gesetzlichen Vorschriften gefordert werden kann. 

Außer der auf der Abgangsstation zu entrichtenden bahnseitigen Beförderungsgebühr wird noch ein 20 prozentiger 
Zuschlag hiervon durch den Zugführer der Schlafwagengesellschaft im Zuge erhoben. 







Nr. 14 ^ QQO9Q0Q03QOQQQ83QOQQO 899gB DEUTSCHLAND liB O06Oeeig3OGGOOC3OCOOOOO€?CCOOG gi 705 


Verkehrsordnung bereits durchgefUhrt sind. Ueber alle technischen 
Fragen ist eine Einigung sustande gekommen, nur über einen 
deutschen Antrag steht die Entscheidung noch aus. Die 
deutschen Vertreter auf der Konferenz hatten beantragt, zur 
Vermeidung späterer Unzuträglichkeiten in das Schlussprotokoll 
eine Bestimmung aufzunehmen, welche die Gleichberechti¬ 
gung der deutschenmit der französischen Sprache 
sicherstellen sollte. Diese Forderung war um so berechtigter, 
als auch in dem Schlussprotokoll zum Frachtübereinkommen 
eine gleiche Bestimmung vorgesehen ist. Die Berner Konferenz 
hat nach längerer Erwägung, ohne zur Sache selbst Stellung 
zu nehmen, beschlossen, die Entscheidung hierüber der in 
Aussicht genommenen diplomatischen Konferenz zu überlassen. 

Die grösste elektrische Eisenbahn: Magdeburg 
—Halle—Leipzig. Die Vorarbeiten für die elektrische Aus¬ 
rüstung der Staatsbahn von Magdeburg nach Halle und Leipzig 
sind so weit gediehen, dass die Eröffnung des Betriebes auf der 
ganzen Strecke schon bis zum Ende des Jahres igia zu erwarten 
ist. Die Staatsbahnverwaltung hat zwischen Dessau und Bitter¬ 
feld einen Versuchsbetrieb eingerichtet, der die besten Resultate 
gezeitigt hat. Das zur Verfügung stehende Kraftwerk und 
andere Anlagen haben jedoch mehr die Art einer vorläufigen 
Anlage. Der preussische Landtag hat bekanntlich die Mittel 
zum Ausbau zweier Strecken mit vollständigem elektrischen 
Betrieb bewillig^. Die eine kann als Typus einer Linie in der 
Ebene angesehen werden. Es ist dies die genannte Linie von 
Magdeburg nach Leipzig und Halle. Die andere stellt eine 
Linie im Gebirge dar und nimmt ihren Ausgang von Lauban. 
Sie wird etwas später zur Vollendung gelangen. Für die Aus¬ 
rüstung der Strecke im Westen sind jetzt die Arbeiten zum 
grössten Teil vergeben, so dass die Ausführung nicht lange auf 
sich warten lassen wird. Die Rücksicht auf den gesamten 
Betrieb der Staatsbahn hat dazu geführt, Lokomotiven einzu¬ 
führen. Es können so nicht bloss die Güterzüge auf den 
elektrisch betriebenen Teil der Staatsbahnen übergehen, sondern 
auch die Personenzüge. So ist beabsichtigt, die Berliner D-Züge 
von Bitterfeld an elektrisch nach Leipzig und zurück zu befördern. 
Ebenso werden die D-Züge, die sonst mit Lokomotiven befördert 
werden, zwischen Magdeburg und Leipzig elektrisch gefahren 
werden. Innerhalb gewisser Aufgaben ist den einzelnen beteiligten 
Firmen die Ausführung der Einzelheiten überlassen. Dieser 
erste elektrische Voll- und Fernbahnbetrieb der Staatsbahn wird 
der grösste seiner Art auf der Welt sein. Elektrische Anlagen 
dieser Art in Amerika haben alle einen weit kleineren Umfang. 

Eisenbahnen im Meer. In jüngster Zeit ist im 
fernen Amerika eine sonderbare technische Anlage erstanden, 
von der die „Technischen Monatshefte“ (Stuttgart, Franckhsche 
Verlagshandlung) berichten. Die nördliche Hälfte der soge¬ 
nannten Floridastrasse, welche die Halbinsel Florida von Kuba 
trennt, wird von einem Schwarm kleiner Inselchen ausgefUllt, 
die aus einem recht flachen, nirgends über 8 Meter tiefen 
Meeresgrund emporragen und die Florida Keys bilden. Die 
südlichste, landfernste dieser Inseln ist das berühmte Key West, 
das entzückende Luxusbad der New Yorker Multimillionäre 
und Börsenkönige. Um Key West recht leicht und schnell 
von New York aus erreichbar zu machen, hat man neuerdings 
eine Eisenbahn mitten durchs Meer, über die Kette der Florida 
Keys hinweg, gebaut, die vom Miami auf Florida bis Key 
West aio Kilometer lang ist, und von der nur 165 Kilometer 
auf festem Boden verlaufen. Der Rest von 45 Kilometer ver¬ 
läuft zwischen den einzelnen Inseln über Meeresarme hinweg. 
Der längste von den vorhandenen einzelnen Viadukten ist der 
von Long Key, der 1174 Kilometer lang ist und aus 186 im 
Korallengestein des Meeresbodens verankerten Pfeilern besteht. 
In der Mitte dieses grossen Viadukts verliert man das Land 
auf beiden Seiten vollständig aus den Augen, man befindet sich 
in der Eisenbahn mitten auf dem Meer ! — Der Bau der Key 
West-Bahn wurde im Oktober 1904 begonnen, 1908 war sie bis 
Knights Key fertig, es fehlten noch etwa 75 Kilometer. Der 
furchtbare Wirbelsturm vom ii. Oktober 1909, der Key West 
grösstenteils zerstörte, hat jedoch auch den Bahnbau hart mit¬ 
genommen, so dass die Bahn bis heute noch nicht fertig- 
gestellt worden ist Wegen der in den dortigen Meeresteilen 
trotz dem seichten Wasser oft ausserordentlich hohen Wellen 
mussten die Gleise volle 10 Meter hoch über den Meeresspiegel 
gelegt werden, wodurch der Bau natürlich sehr erheblich ver¬ 
teuert worden ist. Schon vor den Orkanschäden vom Oktober 
1909 hatte das Unternehmen 15 Millionen Dollar, also 60 Mülionen 
Mark verschlungen! 

Schiffahrt. 

Rhein — Maas-Kanal-Projekt. Die Kölner Handels¬ 
kammer beschloss, in geheimer Sitzung mit der Regierung in 
Aachen zur Prüfung eines Rhein — Maas-Kanal-Projektes in 


Fühlung zu treten. Der Vorsitzende der Aachener Handels¬ 
kammer, Geheimrat Delius, wird bei seiner Anwesenheit in 
Berlin als Herrenhausmitglied bei der preussischen Regierung 
auf das vorliegende Kanalprojekt hinweisen. Es handelt sich 
um einen Kanal, der südlich von Köln ausgehen, die Rhein¬ 
provinz in der Richtung auf Aachen durchschneiden und einer¬ 
seits eine Verbindung mit dem holländischen Kanalsystem 
und anderseits eine Kanalverbindung mit dem belgischen 
Kohlenzentrum herstellen soll. 

Ein neuer Dampfer der Holland — Amerika 
Linie. Wie aus Rotterdam mitgeteüt wird, hat die Holland— 
Amerika Linie bei der Schiffswerft von Harland & Wolf in 
Belfast einen Dampfer in Auftrag gegeben von über 32000 
Tonnengehalt. Der Dampfer ist 225 m lang, 26 m breit und 
14,50 m tief und wird von drei Schrauben angetrieben; er be¬ 
fördert 700 Passagiere i. Klasse, 600 Passagiere 2. Klasse und 
2300 Passagiere 3. Klasse. 

Automobilwesen. 

Vom Mitteleuropäischen Motorwage n-Verein 
geht uns die folgende Mitteilung zu: Um einen Ausweis über 
die Berechtigungzum Führenvon Kraftfahrzeugen 
zu erhalten, bedarf es bekanntlich u. a. auch der Beibringung 
eines ärztlichen Zeugnisses über die körperliche Tauglichkeit 
des Bewerbers. Zu diesen ärztlichen Zeugnissen wurden Stempel 
zu Mk. 3.— kassiert. Auf Vorstellung seitens des Mittel¬ 
europäischen Motorwagenvereins verfügte der Herr Finanz¬ 
minister unter dem 24. Juni 1911 die Rückerstattung des Stempel¬ 
betrages zu denjenigen amtsärztlichen Zeugnissen, welche zwecks 
Austausches eines Führerscheines nach den früheren Vorschriften 
gegen einen solchen nach den neuen Vorschriften vorgeleg^ 
worden waren. Die Rückzahlung erfolgte auch anstandslos in 
Tausenden von Fällen, als plötzlich die Oberzolldirektion Berlin 
dieselbe verweigerte, weil auf den ärztlichen Zeugnissen sich 
nicht der Vermerk befand, für welchen Zweck diese ausgestellt 
worden waren. Wenn auch die Berechtigung dieser Forderung 
nach dem Wortlaut des Gesetzes nicht in Abrede gestellt werden 
konnte, so erschien dieselbe doch im vorliegenden Falle sehr 
hart, da es schliesslich nicht Schuld der Chauffeure war, wenn 
jener Vermerk auf den Zeugnissen nicht steht bezw. nicht im 
voraus die Amtsärzte mit einer diesbezüglichen Weisung ver¬ 
sehen worden waren. Der Mitteleuropäische Motor wagen verein 
wurde in diesem Sinne sofort vorstellig beim Herrn Finanz¬ 
minister und hat darauf soeben als Bescheidung abschrifüich 
eine Verfügung des Herrn Ministers an die Oberzolldirektionen 
vom 31. Januar d. J. erhalten, wonach dieselben neuerdings an¬ 
gewiesen werden, die qu. Stempelbeträge auf Antrag unbean¬ 
standet zurückzuerstatten. Der Herr Minister erkennt ebenfalls 
die Berechtigung der Auffassung der Oberzolldirektion Berlin 
an, ebenso aber, dass es eine besondere Härte bedeuten würde, 
wenn die Antragsteller mit Stempelabgaben infolge der ent¬ 
schuldbaren Unkenntnis der Aerzte belastet würden. Der Herr 
Minister beabsichtigt deshalb, den gnadenweisen Erlass dieser 
Zeugnisstempel aus Billigkeitsgründen an Allerhöchster Stelle zu 
erbitten, die Erstattung der Stempel soll aber schon jetzt erfolgen. 


Luftschiffahrt. 

Ein Preis des Kaisers. Der Kaiser hat an das Reichs¬ 
amt des Innern nachstehende Order gerichtet: „Zur Förderung 
des deutschen Flugwesens will ich einen Geldpreis von 
50000 Mark aus meiner Schatulle stiften, den ich für den 
besten deutschen Flugzeugmotor an meinem nächst¬ 
jährigen Geburtstag verleihen werde. Zum Erlass des Preis¬ 
ausschreibens sowie zur Prüfung und Begutachtung der ein¬ 
gehenden Meldungen ist ein Ausschuss zu bilden, der aus 
Mitgliedern des Kaiserl. Automobil - Klubs, des Kaiserl. Aero¬ 
klubs, des Vereins der Deutschen Motor-Fahrzeug-Industriellen 
sowie je eines Vertreters des Reichsamts des Innern, des Reichs- 
Marineamts, des Kriegsministeriums, des Ministeriums der geist¬ 
lichen usw. Angelegenheiten und der Technischen Hochschule 
Berlin bestehen soll. Ich ersuche Sie, mir über den Fortgang 
der Sache zu berichten, und bis Anfang Januar k. J. den Vor¬ 
schlag des zu bildenden Preisgerichts für die Zuerteilung des 
Preises einzureichen. Berlin, den 27. Januar 1912. Wilhelm I. R.“ 

Für das Gordon-Bennett-Rennen der Freiballons, 
das am 27. Oktober von Stuttgart aus beginnt, wurden 
26 deutsche Meldungen abgegeben, obwohl nur Führer melde¬ 
berechtigt waren, die schon 30 Fahrten selbständig geleitet 
haben. Bei dieser stattlichen Zahl von Bewerbern wurde es 
notwendig, zwei Ausscheidungs-Rennen festzttsetzen, 
von denen das eine von Leipzig, das andere von Dresden 
aus beginnen wird. Von bekannteren Führern haben gemeldet: 
Dr. Bröckelmann, Dr. Elias, Oberleutnant Ernst, Hiedemann, 


706 DEUTSCHLAND 


Schubert, Frhr. v. Pohl, Major von Abercron, Oberleutnant 
Stach von Golzheim, Assessor Sticker. Die Ausscheidungs¬ 
fahrten werden am 28. April stattfinden. Nach dem Ergebnis 
dieser Vorrennen werden dann die Fahrer bestimmt werden, 
die an einer Stichfahrt teilnehmen, die Pfingsten von Breslau 
aus stattfinden soll. Im ganzen kommen von den 26 Bewerbern 
für das Hauptrennen nur zwei in Frage, da Ingenieur Hans Gehricke 
als vorjähriger Sieger ohne weiteres dazu ausersehen wurde, 
die deutschen Farben wieder im Bennett-Rennen zu vertreten 
und da von jedem Dande nur drei Bewerber benannt werden 
dürfen. — Der Französische Aeroklub hat für das Haupt¬ 
rennen 3 Ballons gemeldet. 

Prinz-Heinrich-Preis der Lüfte. Prinz Heinrich 
von Preussen, der Protektor des diesjährigen Zuverlässigkeits¬ 
fluges am Oberrhein, hat jetzt den ersten Ehrenpreis für diesen 
Wettbewerb gestiftet, der dem Sieger zufallen soll. Der Preis 
ist als Wanderpreis gedacht und muss zweimal von demselben 
Bewerber gewonnen werden, bevor er in dessen endgültigen 
Besitz übergeht. Die Trophäe wird nach eigenen Angaben des 
Prinzen Heinrich von Bildhauer Korschmann ausgeführt, der 
auch seinerzeit die Prinz-Heinrich-Preise herstellte. Das Präsi¬ 
dium über den Zuverlässigkeitsflug am Oberrhein haben Geheim¬ 
rat Hergesell (Strassburg), Gcheimrat Andrae (Frankfurt am Main) 
und Exzellenz Gaede (Freiburg i. Breisgau) übernommen. Ehren¬ 
vorsitzender des Arbeitsausschusses ist Prinz Wilhelm von 
Sachsen-Weimar. 

Ein neuer A e r o p 1 a n - D a u e r w e 1 1 r e k o r d mit drei 
Passagieren wurde von dem Piloten der Harlan-Werke, 
Ingenieur Gruhlig, der erst kürzlich den Dauerweltrekord mit 
zwei Passagieren in einer Flugzeit von 2 Stunden, 2 Minuten, 
45 Sekunden an sich brachte, aufgestellt. Gruhlig stieg am 
25. Januar nachmittags 12.34 Uhr auf dem Flugplatz Johannistal 
auf und landete nach i Stunde 45 Minuten um 2.19 Uhr glatt. 
Der bisherige Weltrekord betrug 45 Minuten, 46 Sekunden. 


Wintersportliche Veranstaltungen. 

Der Kronprinz und der Wintersport. Dass der 
Kronprinz ein Freund und Förderer des Wintersportes ist, weisa 
man aus seinen Fahrten in Schreiberhau und Oberhof, wo er 
sich eifrig im Bobsport betätigte. Er hat bekanntlich auch zur 
Deutschen Bobmeisterschaft einen Wanderpreis gestiftet. Nach 
Danzig hat er zwei grosse Bobs sowie einige Rodel und Skier 
mitgebracht, ein Zeichen, dass er auch an seinem jetzigen 
Aufenthaltsort dem Wintersport zu huldigen gedenkt. 

Winter Saison in München und im bayerischen 
Hochland 1912. Der Verein zur Förderung des Fremden¬ 
verkehrs in München und im bayerischen Hochland hat für 
sein Verkehrsgebiet eine erschöpfende Zusammenstellung der 
gesellschaftlichen Ereignisse der Saison und aller Veranstaltungen 
auf dem Gebiete des Wintersportes, der Kunst und Wissen¬ 
schaft herausgegeben. Diese Uebersicht kann von der Amtlichen 
Auskunftstelle der Königl. Bayerischen Staatseisenbahnen im 
Internationalen öffentlichen VerUelirsbureau in Berlin, Unter 
den Linden i^, kostenlos bezogen werden. 

Wintersport in Triberg. Am Sonntag, 18. Februar, 
wird die Ro de Im e i s t e r s ch a f t von Baden auf der Hof- 
waldroddbahn zum Austrag gebracht. Am Abend desselben 
Tages (Fastnachtsoniitag) gibt der Wintersportverein einen 
Maskenball ,,Tirolcr Volksfest“ und am Fastnachtmontag 
wird der jedes Jahr eine grosse Anziehungskraft ausübende 
kostümierte Rodelkorso abgehalten. Den Besuchern 
Tribergs sind dadurch eine ganze Reihe sportlicher und ver¬ 
gnüglicher Veranstaltungen geboten. Spezial - Programm der 
einzelnen Veranstaltungen sind vom Verkehrsbureau unentgelt¬ 
lich zu haben. 

Wintersport im Sauerland. Am 4. Februar fand 
in Winterberg unter ungeheurem Andrange des Publikums 
das internationale Bobsleigh- und Rodelrennen 
des Sauerländischen Bo b s 1 e i g h k 1 u b s für Westfalen 
Rheinland und Hessen - Nassau statt. Die gesamten Ver¬ 
anstaltungen nahmen den besten Verlauf. Herrlicher Winter¬ 
sonnenschein lag über den endlosen Sehne eflächen, die überall 
von zahlreichen Schneeschuhläufern und -Läuferinnen belebt 
waren. Der Laubwald zeigte wu c derbare Rauhreifbildungen. 
Im landschaftlich unvergleichlich schön gelegenen Klub¬ 
hause staute sich der Verkehr o^t derart, dass sich niemand 
mehr vom Platze rühren konnte. In Winterberg waren 
mehrere lausend Fremde anwesend. Die Rennen hatten 
folgende Ergebnisse: I. Bobsleighrennen (Bahnlänge 2000 Meter). 

1. Preis: Bob Favorit (Lenker Dicke, Barmen), Zeit i Minute 
53V4 Sek., Ehrenpreis des Fürsten Wittgenstein (Berleburg). 

2. Preis: Bob Namenlos (Lenker Hagedorn, Barmen), Zeit 
I Minute 55 Sek., Silberner Pokal. 3. Preis: Bob Vesalia, 
(Lenker Vollrath, Duisburg), Zeit i Minute 59 Sek., Medaille. 



II. Rodelrennen (Bahnl^ge xooo Meter), x. Preis: &diui^ 4 ^> 

Tedden (Marburg), Zeit i Minute 4 Sek. 2. Preis: Giseyjüp ^. 

(Barmen), Zeit i Minute 5 Sek. 3. Preis: Bruno Genst (S'tsSnaJ 
hella), Zeit i Minute 6 Sek. 4. Preis: A. Dunkel (Barmen);'J'^. \ 

Zeit I Minute 10 Sek. — Winterberg wird immer mehr sim*, /■ 

St. Moritz Nordwestdeutschlands. Gr. _ ‘ \ 


Sachsen im Winter. Die 3. Auflage der im Verlag des. 
Sächsischen Verkehrs-V erbendes herausgegebenen Schrift 
,,Sachsen im Win,ter“ ist in bedeutend erweiterter und ver^. 
änderter Form erschienen. Der Text, von Pfarrer Löscher. 
(Zwönitz) geschrieben, schildert mit begeisterten Worten die 
in winterlicher Pracht teilweise märchenhaft schöne sächsische 
Landschaft, und erweckt die Lust, in die klare Winterluft, au 
gehen; sei es um den Rodel- oder Skisport auszuttben, oder, 
eine Wanderung durch die mit Rauhreif und Schnee bedeckten 
sächsischen Gebiete zu unternehmen. Der 2. Teil gibt über die 
einzelnen in Frage kommenden Plätze und die dortigen Unter¬ 
kunftsmöglichkeiten genaue Auskunft. Zur Zweckmässigkeit der- 
Schrift tragen auch die von der Königl. Sächs. General- 
direktion zusammengestellten Eisenbahnverbindungen nach 
den sächsischen Wintersportplätzen bei, die im Buch mit ab¬ 
gedruckt sind. Der Preis des Führers beträgt einschliesslich 
Porto 45 Pfg. Er wird von der Geschäftsstelle des Sächsischen Ver¬ 
kehrs-Verbandes, Leipzig, Handelshof — Naschmarkt versandt. 




■ 

■ 


« • ,. s ^ 

, ■ ni 


Theater, festliche und sportliche 
Veranstaltungen, Kongresse etc. 

Das Düsseldorfer Stadttheater brachte im Januar eine xxi 
allen Teilen wohlgelungene Aufführung des Nibelungenringes 
heraus, dessen einzelne Abende nur kurze Zwischenräume 
aufwiesen und dadurch den Genuss des Dramas als geschlossenes - 
Ganzes ermöglichten. Diese Ringaufführung, deren Leistungen 
auf einer beachtenswerten Höhe standen, zeig^ so deutlich das 
wachsende Interesse für die Kunst des Bayreuther Meisters; die 
vier Abende wurden vor ausverkauftem Theater gespielt Die 
Darbietungen des ausgezeichneten Orchesters unter Fr ö hlichs 
trefflicher Leitung, wie auch die Leistungen der Solisten und 
besonders der sich durch klangvolle, frische Stimme und 
hervorragende dramatische Gestaltungskraft auszeichnenden 
Brünhilde (Olga Bieselly) fanden lebhafte Anerkennung. 

Die Kieler Woche 1912. 

Die Segelregatten der diesjährigen Kieler Woche werden 
die Veranstaltungen der letzten Jahre an Bedeutung bei weitem 
übertreffen, denn es sind drei grosse Ereignisse, die den dies¬ 
jährigen Regatten eine besondere Anziehungskraft verleihen. 
Zunächst gehen die internationalen Kämpfe um den 
französischen Eintonnerpokal, die Coupe Internationale 
du Cercle de la Voile de Paris, der engeren Kieler Woche 
voraus. Der Norddeutsche Regattaverein, vertreten durch 
seinen Seniorsegler Friedrich Kirsten, brachte diesen Pok^ 
1907 nach Deutschland, wo er gegen ausgezeichnete Auslands¬ 
konkurrenz erfolgreich bis 1910 verteidigt wurde, dann jedoch 
von einem schwachen „Windspiel“ an Schweden verloren ging.'' 
Kirsten gewann ihn im Vorjahr vor Gotenburg in den damals 
so sensationell verlaufenen Kämpfen gegen Frankreich, England, 
Norwegen, Dänemark und Schweden zurück und wird ihn in 
diesem Jahre voraussichtlich wieder gegen einen noch stärkeren 
Ansturm des Auslandes verteidigen. Die Regatten um diese - 
internationale Segeltrophäe beginnen am 10. Juni und werden 
so lange f o rtgeführt, bis eine der sich darum bewerbenden 
Jachten d'® erforderlichen drei Siege errungen haben wird. 
Die engere Kieler Woche beginnt dann, wie das „Berliner 
Tageblatt“ mitteilt, am 20. Juni in der üblichen Weise mit der . 
ersten Binnenwettfahrt und der Sonderklassen¬ 
regatta. Am darauffolgenden Tage ist die Jubiläums¬ 
regatta desKaiserlichen Jachtklubs, der vor 25Jahren 
von Marineoffizieren als Marinejachtklub in Kiel gegründet 
wurde und drei Jahre später, als der Kaiser Kommodore des 
Klubs wurde, seinen jetzigen Namen erhielt. An diesem Tage, 
gelangen Kämpfe der sämtlichen A- und R-Klassen, sowie der 
Sonderklasse zur Entscheidung. Der Sonntag bringt dann dio'^ 
Regatta des Norddeutschen Regatta Vereins, die übrigens mit ' 
dem deutschen Derby in Horn zusammenfälltj in ihrem 
historischen Rahmen. Der Montag bringt dann wieder alle 
Jachten unter Segel. Die grossen Jachten der A-Klasse starten 
morgens 8 Uhr für ein Handikap, die übrigen R-Klassen eine 
Stunde später bis zur Acht-Meter-Klasse herunter für eine''/ 
Seeregatta, während die Fünf- und Sieben-Meter-Boote 
9 Uhr auf dem Binnenhafen ihre Preise zum Austrag bringen". 
und die Sonderklasse mittags 12 Uhr in der Strander 
starten wird. Diesen Regatten folgen dann am Mittwoch, de^i>. 
26. Juni, und Donnerstag, den 27. Juni, die Wetjdahrton-'dm.^^' 












Nr. 14 iB 999QQQOQQQQQQQ ocaooQQ QQ e9ffli DEUTSCHLAND igB eooeocDeGocooooooogxjooeeo eeei 707 


Europameisterschaften. Die Regatten sind für alle A- und 
internationalen R-Klassen nach den Bestimmungen der Inter¬ 
national Yacht-Racing-Union und des Deutschen Seglerverbandes 
ausgeschrieben. Der Meldeschluss ist am 30. Mai, abends 
8 Uhr, im Kaiserlichen Jachtklub in Kiel. Dieser engeren 
Kieler Woche folgt dann die Fortsetzung in Travemünde, 
wo die Segler am Freitag in aller Frühe starten und wohin 
der Kaiserliche Jachtklub für seine Mitglieder auch eine interne 
Motorbootfahrt veranstalten wird. Ueber Warnemünde 
wird sich dann ein Teil der Jachten nach Nysnäs in Schweden 
begeben, wo die internationalen Wettfahrten der olympischen 
Spiele zum Austrag gelangen und wo um diese Zeit auch die 
um den Internationalen Pokal und den Deutsch-schwedischen 
Pokal startenden Motorjachten eintreffen, die von Zoppot aus 
starten. Aber nicht nur der äussere Rahmen des Programms 
ist bedeutender geworden, auch die Beteiligung wird sich nach 
den letzten schwachen Jahren erheblich steigern, da einzelne 
Länder, wie Spanien, England und Frankreich mit einer kleinen 
Flotte von Jachten auf dem Plan erscheinen werden, und man 
vermutet nicht ohne Wahrscheinlichkeit, dass auch der König 
von Spanien am Steuer seiner Jachten erscheinen wird, wie er 
im letzten Jahre in England in der Europawoche startete. 

Die Motorbootrennen in Monaco. Die Vorbe¬ 
reitungen für das Internationale Motorboot-Meeting von Monaco 
werden jetzt in den verschiedenen interessierten Ländern eifrig 
betrieben. Es scheint nach den bisher bekannt gewordenen 
Neubauten für Monaco auch in diesem Jahr wieder eine starke 
internationale Beteiligung zustande zu kommen. Besonders 
eifrig rüstet man in Frankreich, das ja stets das Haupt¬ 
kontingent der Teilnehmer stellt. Auch in England ist ein 
Gleitboot für Monaco in Bau, das mit einem Vierzylinder-Motor 
von 120 mm Bohrung und 250 mm Hub eine Geschwindigkeit 
von annähernd 70 km erreichen soll. Deutscherseits werden 
mehrere Boote nach dem Mittelmeer gehen. Schon vor längerer 
Zeit hat bekanntlich Rudolf Herzog auf der Jacht-Werft von 
Engelbrecht-Zeuten einen Rennkreuzer der dritten Klasse in 
Auftrag gegeben, der mit einem 70-PK-Dürkopp-Motor ausge¬ 
stattet werden soll. Ferner soll ein grosser deutscher Racer 
im Bau sein, der eine besonders starke Maschinenanlage er¬ 
halten soll, und zwar spricht man von vier Argus-Luftschiff¬ 
motoren, die zusammen 400 PK ergeben würden. Auch in 
Amerika rüstet man diesmal wieder zu einer Expedition. 


Ausstellungen. 

Die Wintersportausstellung in Karlsruhe wird 
nach Mitteilung der amtlichen Auskunftstelle der Grossh. 
Badischen Staatseisenbahnen bis Ende Februar geöffnet bleiben. 
Die Ausstellung soll dem sporttreibenden Publikum zeigen, wie 
leistungsfähig und durchaus ebenbürtig den ausländischen Erzeug¬ 
nissen die badische Sportartikelindustrie sich entwickelt hat. 

Grosse Internationale Kunstausstellung zu 
München. Die nächste der alle vier Jahre im Königl. Glas¬ 
palast zu München stattündenden Grossen Internationalen Kunst¬ 
ausstellungen findet im Jahre 1913 statt und wird, wie bisher, 
gemeinschaftlich von der Münchener Künstler - Genossenschaft 
und der Münchener Sezession durebgeführt. 

Graphische Ausstellung 1914 in Leipzig. Die 
Zweite Kammer des sächsischen Landtages verhandelte in der 
Sitzung vom 22. Januar über das Königliche Dekret betreffend 
die Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik in 
Leipzig 1914, in dem die Summe von 200000 Mk. aus Staats¬ 
mitteln zum Garantiefonds gefordert wird, um diesen auf die 
erforderliche Summe von einer Million Mark zu bringen. 
600 000 Mk. sind bereits aus Privatkreisen und 200 000 Mk. von 
der Stadtgemeinde Leipzig gezeichnet. Das Dekret wurde vom 
Staatsminister Grafen Vitzthum von Eckstädt ausführlich 
begründet und aus dem Hause heraus unter anderen von dem 
Abgeordneten Stadtrat Schwager (Zittau) mit Wärme befür¬ 
wortet. Die Kammer stimmte schliesslich nach nur kurzer 
Debatte dem Dekret einstimmig zu. Dieses Ergebnis ist für die 
gesamten graphischen Gewerbe hocherfreulich. Die verfügbaren 
Mittel geben schon jetzt die Gewissheit, dass die Ausstellung 
in einer der Stadt Leipzig wie der graphischen Industrien und 
Gewerbe würdigen Weise durchgefUhrt worden wird. 

Ständige Ausstellungs-Kommission für die 
deutsche Industrie. Der preussische Minister für 
Handel und Gewerbe hat — wie dies bereits seitens des 
Auswärtigen Amtes und des Reichsamtes des Innern geschehen 
ist — in die „Ständige Ausstellungs-Kommission für die deutsche 
Industrie** einen ständigen Vertreter abgeordnet, und zwar den 
Vortragenden Rat, Geheimen Regierungsrat Fischer. 


Die Badische Jubiläums-Ausstellung für Industrie, 
Handwerk und Kunst in Karlsruhe 1915. 

Jubelfeiern zu veranstalten ist in unserer Zeit nicht nur bei 
Privatpersonen und Vereinen ein gern, oft im Uebermass 
geübter Brauch geworden, auch Staaten und Städte lassen 
es sich nicht nehmen, die Tage und Jahre der Wiederkehr 
wichtiger Ereignisse ihrer Geschichte durch festliche Ver¬ 
anstaltungen zu betonen. So hat vor wenig Jahren die stolz 
emporgeblühte Handels- und Industriemetropole unseres Landes, 
Mannheim, durch glänzende und würdige Veranstaltungen ihr 
4oojährige8 Stad^ubiläum gefeiert, und so schickt sich nun 
auch die noch viel jugendlichere Residenzstadt Karlsruhe an, 
das Jahr 1915, in dem sich das zweite Jahrhundert ihrer Geschichte 
vollendet, zu einem festlichen zu gestalten. 

Es ist uns keine zweite Stadt in deutschen Landen bekannt, 
deren Gründung eine verhältnismässig so kurze Zeitspanne 
zurückliegt. Karlsruhe ist ja nicht etwa eine alte ländliche 
Ansiedlung, die vor 200 Jahren zur Stadt erhoben wurde; 
vielmehr war an der Stelle, die heute die „Altstadt** Karlsruhe 
bedeckt, vor 200 Jahren keinerlei menschliche Wohnstätte zu 
treffen. Mitten im Wald und Feld Hess ihr Gründer, der tat¬ 
kräftige Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach, 
sein Schloss und die ihm nach dem bekannten Kreis- und 
Radienplan angefügte Stadt erbauen. Heute freilich ist sie an 
die alten ihr benachbarten Ansiedlungen herangewachsen und 
hat eine Reihe solcher in sich aufgenommen, so das ehe¬ 
malige Kloster, spätere Schloss Gottesaue und die ehemals ihm 
angehörigen Dörfer Rintheim, Rüppurr und Beiertheim; ferner 
die frühere Rheinstation Daxlanden und die alte Stadt Mühl¬ 
burg; endlich GrUnwinkel, das wie Karlsruhe der neueren Zeit 
entstammt. Dadurch erst hat die Residenz die Möglichkeit 
grossstädtischer Erweiterung erlangt und ihr Gebiet bis zum 
Rhein ausdehnen können, mit dem es sich bekanntlich vor 
IO Jahren durch die Anlage eines in erfreulichem Verkehrs¬ 
aufschwung befindlichen Hafens aufs engste verbunden hat. 

Wenn nach Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs Ende 1913 
endlich auch noch die lästigen Fesseln gesprengt sein werden, 
welche der Stadt die sie im Süden und Westen schneidenden 
und einschnürenden Eisenbahnlinien bisher angelegt haben, und 
wenn dann bis 1915 auch die dadurch gebotenen und ermöglichten 
neuen Verkehrseinrichtungen und sonstigen Verbesserungen 
bestehender Zustände durchgeführt sein werden, so hofft sich 
die Residenz in ihrem Jubeljahr mit Erfolg in einem fest¬ 
lichen Gewände präsentieren zu können. 

Unter den besonderen Veranstaltungen, die für das Stadt- 
Jubiläum in Karlsruhe geplant sind, dürfte die grösste Bedeutung 
der „Badischen Jubiläumsausstellung für Industrie, Handwerk 
und Kunst** zukommen. Es ist lange her, seitdem das Badische 
Land Gelegenheit hatte, seine hochentwickelte Industrie und 
die modernen Leistungen seines Handwerks in einem gemein¬ 
samen Rahmen zur Darstellung zu bringen. Seit der Industrie- 
und Kunstausstellung, die aus Anlass des 25jährigen Regierungs¬ 
jubiläums des Grossherzogs Friedrich i. im Jahre 1877 
Karlsruhe veranstaltet wurde, ist etwas Aehnliches im Badener 
Lande nicht wieder unternommen worden. Es ist daher er¬ 
klärlich, dass angesichts der zahlreichen Vorbilder für solche 
Ausstellungen, die uns andere deutsche Bundesstaaten von 
Jahr zu Jahr vorführen, seit längerer Zeit in den Kreisen der 
Badischen Gewerbetreibenden der Gedanke Wurzel gefasst hat, 
es müsse auch dem Badischen Gewerbe endlich einmal er¬ 
möglicht werden, die gewaltigen Fortschritte, die seine Ent¬ 
wickelung im letzten Menschenalter genommen, vor aller Welt 
auszustellen. 

So hatte der Badische Landesverband der Gewerbe- und 
Handwerkervereine bereits für das Jahr i9n die Ver¬ 
anstaltung einer Badischen Gewerbeausstellung in bestimmte 
Aussicht genommen. Wenn sich diese grosse Organisation, 
die wohl weitaus die Mehrzahl der Badischen Handwerks¬ 
meister umfasst, nunmehr freudig damit einverstanden erklärt 
hat, das Unternehmen auf das Jahr 1915 zu verschieben und 
es durch Heranziehung auch der Industrie und der Kunst des 
Badischen Landes zur „Badischen Jubiläums-Ausstellung Karls¬ 
ruhe 1915** zu erweitern, so gebührt ihr in jedem Falle das 
Verdienst der ersten Anregung der Ausstellung. Hierzu werden 
sich bei dem rühmlichen Eifer, mit dem sich die Angehörigen 
des Verbandes, insbesondere seine Leitung, auch um die Aus¬ 
führung des Gedankens bemühen, sicherlich nicht minder grosse 
Verdienste um das gute Gelingen gesellen. 

Sehr erfreulicher Weise ist aber auch in den Kreisen der 
Badischen Industrie, die heute ein so ausserordentlich kraft¬ 
voller Faktor im wirtschaftlichen Leben unseres Landes 
geworden ist, der Gedanke einer solchen Landes-Ausstellung 
in freundlichster Weise aufgenommen worden. 

Und neben der Industrie und dem Handwerk die Kunst! 
Die bildende Kunst soll in mehrfacher Funktion die Aus- 


i, 



I 


I 



DEUTSCHLAND 



Nf.l4 


Stellung schmücken: Vor allem wird den Schöpfungen der 
freien Kunst — der Malerei und Bildhauerei — eine eigene 
Abteilung zu Gebote stehen, in der auserlesene Werke badischer 
Künstler eine würdige Stätte finden sollen. Es ist zu hoffen, 
dass die seit Jahren geplante neue Ausstellungshalle der Stadt 
Karlsruhe zu diesem Zwecke fertiggestellt wird und durch die 
Kunstausstellung 1915 ihre Weihe erhält. Auch das Kunst¬ 
gewerbe oder besser die Gewerbekunst soll zu ihrer 
wohlverdienten Geltung kommen. 

Bisher hat das gesamte Unternehmen bei der Gross¬ 
herzoglichen Regierung weitgehendes Interesse gefunden. Von 
der Anschauung ausgehend, dass eine gut angelegte und 
organisierte Ausstellung der gewerblichen und künstlerischen 
Leistungen des badischen Landes deren weiterem Gedeihen in 
hohem Masse förderlich sein werde, wird die Grossherzogliche 
Regierung der Ausstellung lebhafte und wirksame Förderung 
angedeihen lassen, wie denn auch bestimmte Aussicht dafür 
besteht, dass der Grossherzog das Protektorat über die Aus¬ 
stellung übernehmen wird. 

Internationale Gas-Ausstellung Amsterdam 1912. 
Aus Anlass der in diesem Jahre geplanten Eröffnung des dritten 
Gaswerkes veranstaltet, wie das Kaiserlich Deutsche Generalkon¬ 
sulat für die Niederlande an die „Ständige Ausstellungskommission 
für die deutsche Industrie“ bekanntgibt, die Amsterdamer Stadt¬ 
verwaltung vom 14. September bis 6. Oktober d. J. — unter 
Vorbehalt einwöchentlicher Verlängerung — in Amsterdam im 
Paleis voor Volksvlijt (Industriepalast) eine „Internationale Gas- 
Ausstellung“. Die Veranstaltung soll die mannigfaltigen Ver¬ 
wendungsarten des Gases und die zahlreichen dazu dienenden 
Apparate propagieren. Dieser Zweck soll noch durch eine Reihe 
einschlägiger Vorträge gefördert werden. An Platzmiete sollen 
je nach Lage der Stände 5 bis 25 Gulden pro Quadratmeter 
erhoben werden. Das von den Ausstellern benötigte Gas sowie 
die erforderlichen Zuleitungen bis an die Stände werden unent¬ 
geltlich geliefert. Gegen eine Beteiligung deutscher Firmen an der 
vertrauenswerten Veranstaltung bestehen keinerlei Bedenken. 

1912; In Oberhausen Westdeutsche Gewerbe- und Industrie- 
Ausstellung. 

1912: In Berlin Konsumgenossenschaftliche Ausstellung, geplant 
vom Zentralverband deutscher Konsum-Vereine. 

1912: In F r e i b e r g i. S. Erzgebirgische Ausstellung für Gewerbe, 
Industrie, Bergbau und Landwirtschaft. 

Februar 1912: In D a n z i g Graphische Arbeiten moderner Künstler. 
März 1912: Hand Webereien, verbunden mit Vorführungen der 
Technik. 

I.— 21. April 1912: In Danzig Internationale Ausstellung für 
Amateurphotographen, veranstaltet von der Photographischen 
Gesellschaft in Danzig. 

3.—14. April 1912: In Berlin Aviatische Ausstellung, veranstaltet 
vom Kaiserlichen Automobilklub, vom Kaiserlichen Aeroklub 
und vom Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller. 

9. April bis 10. Juni 1912: In Barcelona Fach-Ausstellung für 
Schulhygiene in Verbindung mit dem Ersten Spanischen 
Kongress für Schulhygiene. 

9.— II. Juni 1912: In Harzburg Landwirtschaftliche Wander- 
Ausstellung. 

Juli 1912: In Düsseldorf Städtebau-Ausstellung im Kunstpalast. 
5. Oktober 1912 bis 5. Januar 1913; In Paris Exposition de la 
Locomotion Aörienne und Exposition de TAutomobile 
et du Cycle. 

Bäder und Sommerfrischen. 

Verpachtung preussischer Badebetriebe. Es ist 
beabsichtigt, den bisher von der preussischen Regierung aus¬ 
geübten Bade- und Brunnenbetrieb in Schlangenbad und Langen- 
schwalbach zu verpachten, wobei die Voraussetzung ist, dass 
die Kurhäuser und Badehäuser in Schlangenbad von dem Pächter 
neu aufgeführt bezw. umgebaut werden. Der Baukostenbedarf 
wird auf etwa eine Million Mark geschätzt, von welcher Summe 
der Fiskus etwa 800000 M. übernehmen würde. Ebenso besteht 
die Absicht, den Badebetrieb auf Norderney, den gegenwärtig 
die Regierung in eigene Regie genommen hat, zu verpachten. 
Bisher hat sich eine Einigung zwischen Interessenten und dem 
Fiskus noch nicht erzielen lassen. Die bisher verpachteten fis¬ 
kalischen Logierhäuser in Schlangenbad sind seit einiger Zeit 
in Selbstwirtschaft übernommen worden, haben jedoch einen 
nennenswerten Betrag wegen ihrer Baufälligkeit und veralteten 
Einrichtung nicht erzielt. Am rentabelsten hat sich bisher der 
von der Regierung selbständig durchgeführte Mineralbrunnen- 
und Badebetrieb in Ems gestaltet, der von Jahr zu Jahr eine 
Steigerung erfuhr. Ausser Ems, Langensch walbach und Schlangen¬ 
bad werden zurzeit noch die Bäder Nenndorf, Rehburg sowie 
Norderney von der Regierung, besonders von der Domänen¬ 
verwaltung bewirtschaftet. 


Bad Kösen.' Das neue Kurmittelhaus wurd6 ^Ati^ang 
Januar auf Einladung der städtischen Kurdirektioii iriik ii^er 
grösseren Anzahl Herren und Damen im BetriebU bbsihh^gt. 
Die Gäste versammelten sich in den ebenso vomähilt 
behaglich eingerichteten Empfang- und Lesträumen und.^tUfdüti 
punkt 4 Uhr von Bürgermeister Kretschmar begrüsst, der 'dann 
im Verein mit den andern Magistratsmitgliederh die Fügung 
Übernahm. Alle Anlagen wurden durchwandert. 6is in 
die obersten Räume des gewaltigen Daches kletterten ^rren 
und Damen, entlang an den halbmeterdicken Lidtrohil'e&4 in 
denen die Luft von und nach den grossen Reinigungafiltdm 
gesaugt wird. Hier erläuterte der leitende Ingenieur Walther 
Loebel aus Leipzig, der für die Körtingwerke die ttciiniache 
Leitung der Anlage ausgeübt hatte, sachgemäss die matfchinellen 
Anlagen der Filter, zu denen je ein Motor gehört; a^^ natür¬ 
lich elektrisch, so dass im ganzen Hause keine TranhdalMion 
nötig ist. Nicht nur die den Räumen von aussen zugefUhrte 
Luft ist gereinigt, sondern auch — was besonders bemerkt au 
werden verdient — die verbrauchte Luft wird, ehe sie wieder 
ins Freie gelangt, filtriert und im Wasser von Unreinigkeit, 
Bazillen usw. befreit. Der Umgang in den überall belettöhteten, 
wohlig durchwärmten, von Sauberkeit blitzenden Räumen e§ly 
eine Vorstellung davon, zu welcher Vollkommenheit die 
nischen Einrichtungen in unserer Zeit gestiegen sald. 0 «^^ 
Kösener Kurmiitelhaus ist eine Anlage, die dem Bade.KQeÖ'. 
keine geringen Opfer auferlegt hat. Aber sie ist dafür siiäl' , 
auf der Höhe; es ist, wenn es nur bekannt wird, eine bedntt^- 
same Ergänzung und Erweiterung der Kuranlagen, die dOV' 
Wert des Bades Kösen ganz besonders steigert, die A.a»- 
nutzung seiner neuen starken „Bleyschlagquelle“ richtig gestattet 
und vor allen Dingen die Möglichkeit gibt, dass Kösen auch aUi 
Winterkurort den Wettbewerb voll und ganz aufnehmeü kann. 

Deutschland und das Ausland. 

Der Bruder des Präsidenten Taft, Charles P. Taft, hat 
nach einer Meldung aus New York die Mitgliedschaft des 
Ehrenausschusses für die Fahrt amerikanischer Lehrer 
nach Deutschland angenommen. 

Ein deutsch-argentinisches Fest „auf deutschem 
Bode n“. Ein ebenso stimmungsvolles wie eigenartiges Pest 
veranstaltete letzthin der „Deutsche Frauenverein von Buenos 
Aires“ zugunsten seiner sozialen Hilfsarbeit. Die Hamburg- 
Amerika Linie hatte dem Verein in entgegenkommender Weise 
den gerade im Hafen befindlichen stolzen Dampfer „Kaiser 
Wilhelm II.“ zu einem Bordfest zur Verfügung gestellt und 
ihm dadurch die Möglichkeit gegeben, ein deutsches Fest „auf 
deutschem Boden“ zu feiern. Das herrlich geschmückte Schiff 
hatte die ganze deutsche Kolonie angelockt. Unter den An¬ 
wesenden befanden sich nach den Mitteilungen des Vereins 
für das Deutschtum im Auslande der Kaiserlich Deutsche Gesandte 
nebst Gemahlin, die Herren des Generalkonsulats, mehrere 
deutsche Offiziere und die Mitglieder der gerade in Buenos 
Aires sich sammelnden deutschen antarktischen Expedition. Bj^e 
gewaltige Menschenmenge drängte sich in regem Leben und 
Treiben um die mannigfaltigen Verkaufsstellen, deren Einnahmen 
für die deutsche Hilfsarbeit infolgedessen erfreulich hohe Ziffern 
aufwiesen. Der Kapitän des Dampfers hatte sein Personal und 
die Bordkapelle in den Dienst des Festes gestellt, das in seiner 
besonderen Eigenart sicher in hohem Masse dazu beigeträgen 
hat, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen in der 
Fremde und ihren Stolz auf die gewaltige Entwicklung der 
deutschen Seefahrt und deren mustergültige Vertretung durch 
die stolzen. Schiffe der Hamburg-Amerika Linie zu steigern. 

Ein französisches Urteil über die deutscho 
Reichspost. Der bekannte französische Publizist JulesHuret 
hat soeben in einer französischen Postzeitung die Ergebnigpe 
seiner Studien der postalischen Verhältnisse in Deutschland ver¬ 
öffentlicht, die für unsere Postverwaltung ausserordentlich 
schmeichelhaft sind. Sein Urteil gipfelt in dem Satz: „Die 
deutsche Post- und Telegraphenverwaltung iet 
in bezug auf die in ihrem Betriebe herrschende Ordnung und 
Pünktlichkeit und nach der Vielseitigkeit ihrer Leistungen gegen¬ 
über dem Verkehr die erste der ganzen Welt.“' Huret' 
rühmt besonders unseren Paketpostdienst mit seiner weiten 
Gewichtsgrenze, der grossen Zahl der Annahmestellen und det 
zweimaligen Paketbestellung. Auch die Einrichtung der Privat¬ 
briefkasten in grossen Geschäftshäusern und ihre Leerung nach, 
den besonderen Wünschen der Inhaber findet seinen voUan* 
Beifall. Weiter schildert er die grossen Leistungen der Poät 
im Interesse der sozialen Gesetzgebung und die Vereinfachungfäh 
im Verfahren der Giro-, Ein- und Auszahlungen vchi- 
Weisungsbeträgen, wodurch für den kaufmännischen 
wertvolle Zeitersparnis erreicht würde. ' 










'M-'' 




Nr. 14 Wd G(^düüQüüGGo&dGüe^ DEUTSCHLAND B DOco ee oeeoeeeeeeeee c eeeoeeeg B 709 


Ein Denkmal für drei Deutsche in Amerika. 
In St. Louis in den Vereinigten Staaten soll ein gemeinsames 
Denkmal für die deutschen Journalisten und Staatsmänner 
Karl Schurz, Emil Pretorius und Karl Daenzer errichtet 
werden, der beste Beweis dafür, wie deutsches Wesen und 
deutscher Wert in Amerika anerkannt und geachtet werden. 
Für das Monument hat der Brauereibesitzer Busch in St. Louis 
80000 Mk. gestiftet, während weitere 60000 Mk. durch Samm¬ 
lungen aufjgebracht werden sollen. Zur Erlangung von Entwürfen 
beabsichtigt man, einen internationalen Wettbewerb zu veran¬ 
stalten und hofft namentlich auf die Beteiligung deutscher Künstler 

Der Deutsche Verein in Liviand. 

Der 5. Tätigkeitsbericht des deutschen Vereins in Livland 
über das Jahr 1910 gewährt ein anschauliches Bild erfolgreicher 
und zielbewusster nationaler Vereinsarbeit. Der Verein verfügt 
über zg Ortsgruppen mit zusammen 17579 Mitgliedern, wobei 
nur diejenigen gezählt sind, die den laufenden Jahresbeitrag 
bereits voll entrichtet hatten. Wenn man erwägt, dass die 
Gesamtzahl der in Livland lebenden Deutschen auf höchstens 
130000 einzuschätzen ist, so zeigt die Tatsache, dass jeder Achte 
dieser Deutschen, Frauen und Kinder einbegriffen, Mitglied des 
deutschen Vereins ist, in welchem Umfang das livländische 
Deutschtum nationales Pflichtbewusstsein betätigt. Die Haupt¬ 
arbeit des Vereins lieg^ nach wie vor auf dem Gebiete des 
deutschen Sch ulwesen s. Er unterhielt nach den Mit¬ 
teilungen des Vereins für das Deutschtum im Aus¬ 
land im Berichtsjahre ly Vereinsschulen, die er selbst gegründet 
hatte, 4 weitere, die er aus Privatgründungen übernahm und 
unterstützte, ausserdem noch xo andere deutsche Schulanstalten. 
Diese Anstalten wurden zusammen von 3046 Kindern besucht. 
Eine weitere wichtige von ihm gemeinsam mit dem Verein der 
Deutschen in Kurland unterhaltene Einrichtung ist das Lehrer¬ 
seminar in Mitau, das gegenwärtig in einer Präparandenklasse 
und 3 Seminarklassen 23 Zöglinge umfasst. Zu den schönsten 
Hoffnungen berechtigen die deutschen Handwerkerlehrlingsheime 
in Dorpat und Riga; die von der Ortsgruppe Dorpat gegründete 
Spar- und Leibkasse hat einen überraschenden Aufschwung 
genommen. An Neugründungen und Veranstaltungen des Ver¬ 
eins im verflossenen Jahre sind zu nennen: Das deutsche Schur¬ 
museum, die Vereinigung für Heimatkunde und die .Familien¬ 
abende in Riga. 

Der Jahresbericht des Deutschen Vereins in 
Estland. Das estländische Deutschtum ist von den drei 
baltisch-deutschen Bruderstämmen der wirtschaftlich ärmste und 
ziffernmässig schwächste Teil. Mit um so grösserer Hoch¬ 
achtung wird man das Mass an Arbeit und Opfern betrachten 
müssen, das gerade von ihm geleistet wird. Der jüngste Bericht 
des Deutschen Vereins in Estland gibt davon ein anschauliches 
Bild. Der Verein umfasst nach den Mitteilungen des 
Vereins für das Deutschtum im Ausland gegenwärtig 
4640 Mitglieder, das ist ein volles Viertel aller in Estland an¬ 
sässigen Deutschen, Frauen und Kinder eingerechnet. Von 
diesen 4640 Mitgliedern wohnen nur 284 ausserhalb Estlands. 
Die Gesamtsumme der laufenden Mitgliederbeiträge betrug 
24272 Rubel, also rund 50000 Mk., was einem Durchschnitts¬ 
beitrage von 13 Mark (!) entspricht; eine Ziffer, die gegenüber 
reichsdeutschen Beiträgen für nationale Vereine um so beredter 
ist, als weit über die Hälfte der Mitglieder Frauen sind. Aus 
seinen Mitteln unterhält der Verein zurzeit 12 deutsche Schulen 
mit rund 1500 Schulkindern, 4 Kinderhorte und 7 verschiedene 
praktische Kurse für junge Mädchen in Reval, die von 125 Teil¬ 


nehmerinnen besucht waren. Für mittellose deutsche Schüler 
wurden im Berichtsjahre 333 Halbjahrsstipendien in der Gesamt¬ 
höhe von 3633,50 Rubel aus dem Stipendienfonds des Vereins 
bewilligt. Mit welch mannhaft deutscher Gesinnung dieser ent¬ 
legene Zweig deutschen Volkstums erfüllt ist, klingt am besten 
aus den Worten hervor, die sein Vorsitzender, Baron Ed, von 
Stackeiberg, anlässlich der 200jährigen Gedenkfeier des An¬ 
schlusses Estlands an Russland sprach: 

„Ich nannte als unser bestes Besitztum die pflichtbewusste 
Treue und die Hoffnung, ohne deren Flügelschlag kein Hinweg, 
kein Vorwärts, kein Empor möglich wäre. Möge diese Hoffnung 
uns nie dauernd verlassen! Wir wissen, was ihr Leben und 
Erneuerung verheisst: unser Glaube an den Wert unserer 
deutschen Gesinnung. So lange wir noch einen Funken vom 
heiligen Feuer in uns tragen, das im bürgerlichen, praktischen 
Leben als Zuverlässigkeit, Tüchtigkeit, Ehrlichkeit, Arbeitsamkeit, 
Genauigkeit, Bildungsstreben und FamUiensinn in Erscheinung 
tritt, so lange diese Treue im Grossen wie im Kleinen als 
Kennzeichen unserer Zugehörigkeit zur deutschen Rasse vor¬ 
handen ist, — so lange werden wir brauchbare, ja unentbehr¬ 
liche Bürger des Staates, der Stadt, der Provinz sein und als 
solche auch zur Geltung kommen. Darauf ruht unsere Hoffnung ^ 
Diese Treue der deutschen Gesinnung in unseren 
Schulen der Jugend einzuprägen, diese Hoffnung 
unseres Stammes ho ch zuhalten ist Aufgabe un¬ 
seres Deuts chen Vereins!“ 

Ein deutscher Schulverein in den 
Vereinigten Staaten. 

Die unleugbare umfangreiche Erweckungs- und Sammlungs¬ 
bewegung unter den Deutschen in den Vereinigten Staaten 
wird um so mehr Bürgschaften für die Nachhaltigkeit ihrer 
Wirkungen bieten, je mehr sie aus dem Stadium der Kongresse, 
Resolutionen und Petitionen herauswächst zu positiver, frucht¬ 
barer Arbeit, je mehr sie das Wort durch die Tat ergänzt und 
ersetzt. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Bericht freudig zu 
begrüssen, den der im Juni 1911 gegründete „Deutsch- 
Amerikanische Schulverein“ soeben erstattet hat. Die 
Mitteilungen des Vereins für das Deuts ch tum im 
Ausland entnehmen ihm folgende von schlichter aber tat¬ 
kräftiger und erfolgreicher Arbeit zeugende Stelle: „Die vier 
Schulen des Vereins arbeiten an dem edlen Werke der Erzie¬ 
hung des deutschen Nachwuchses still und ohne Aufsehen 
rüstig weiter. 473 Kinder: aoi Knaben und 272 Mädchen ge¬ 
messen dadurch wieder die Wohltat der Erlernung der deutschen 
Sprache, und zwar unentgeltlich. Leider * musste eine grosse 
Anzahl Namen auf der Warteliste bleiben. Es wird darauf 
aufmerksam gemacht, dass jeder deutsche Mann und jede 
deutsche Frau herzlich willkommen und eingeladen sind, dem 
Deutsch - Amerikanischen Schulvereine mit einem beliebigen 
Jahresbeiträge beizutreten.“ 

Der Deutsche durch englische Brille gesehen. 

Ein in Dresden lebender Engländer schildert in dom 
„Daily Chronicle“ in interessanter Weise das deutsche Volk, 
wie er es sah oder sieht. Er hat, wie er sag^, es nicht ganz leicht 
gefunden, die verschiedenartigen Auffassungen des deutschen 
Grafen, des sozialdemokratischen Parteiführers, des Geschäfts¬ 
reisenden und des Arbeiters unter einen Hut zu bringen, aber 
eins hat er aus allen Aeusserungen herausgefühlt, nämlich einen 
gewaltigen Tätigkeitsdrang. „Deutschlands Puls schlägt 
von Lebensenergie“. In dem „traumhaft schönen Dresden“ 


BERLIli HRMBÜRfl 

HOTEL ESPLAHADE 

Das Vollendetste auf dem Qebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens. 


V 






710 DEUTS CH LA NB ggeeea^ eee eeee oec^aooega^^ 


Voii^Ä «üLfg&falleri . Die halden Worte 
Pflicht mcit^er J^nsicht mch diie gtöaste, ktad 

E'Eg'jeosciiait di^cs Voifceit wieder ^ > , Maji hat tj'je) .dttni' 

iiochfaüt:*hdep Stojre der Deaiscbem geredet* Oewiuv 
stols, aber icinesweg» immer hüchnnJitiu, Wetiö Ii4fttl 
zwJacberi ihnen bewegt so findet man Än&kht nn^ 

einen Mehlen Stolz^ ötn hervorragendes Selböfvettratietii :^#iet 
«sintjf die eine g^rosse A^iigÄb* iQ :^r Well **o4 

■jciinj; ■ ist •'■ ÄT5 t ■ :!Eü r ■ Erfüll Ü ng,- .t^e^er' ■ Ati^gaahe- :■> < . + • ■ Wi® 

id er. titlie 3 d. \ via Histh^nd ä'. Süjav*^. äo .fttdüiitift. 

ayeti dfltütach^.-feb^her Ätj -. ado ft-uC i«m' 

der M.McüitJKltUiä^ d^^ftlbeti öDler den 
iy ö jei^v, ' . Soweit idi e De üia ct hähftv sc heih^ aae» 

miü' 'eäher e.kroj^äiflEb.eiir der .aJte bltitS'* ^ntd 

kptjaiibvcfWjindi Äind, atia^iofdeDtlicb' Ä'hnhch ^ 1^ 

Stöli uhd ihftrvri SelbJdveriranen ^nd in ihT«W 
tiiipÄ Wdianlgöbe atöd aifr nsss scJbat eri^autili^ 

.-Wiiriäd'b.it.'.kh.n -Ahfif die. lebend*-Kraft Detiiiieb.lÄXsi^ »i^fit.- 
■ bei ..ieid"fr-*-: tvdl lti?rafi ifci tUt j^hr iii.h dtrk .Sod isiöd' 

’tj.vi’d' 'bei' "■ «.Jrrii«:!; stets' . WachSit^üden' • .■' Enefgie ö.bd' - 

■■■.ä-%^ die Bremen des ■ ' Wir 

• Wir' 'h^^beii E.netiibQ'^efSEaüih fÜt: .thtsthir®' 
sieihr rjcht*^cr urs^ b«h«tÄ^giS!itÄ^ 
Wö(l<£rr Mr ÖJbb^ 4 ,'oUte ■uw dafür so^jg^a, d#a!ia 

btjs :■■■’ Efig^n^'■'. iö ‘ ZüLi'-b • '. ite in e Schwibä|jichen ... ; masiht ii?e?cits 
m r. H '. ^.JEUi&b■.^' .%öüeii.tiöd oh w 

■'■^•^^ 'hAfcft'ci- .lidrnsi^i ; ■ ,'^ 

dnd di* Schwr-i*. Ala'ei'h aradnuensaasr 
yjeUraitigJwiit 

in ’Bl5^JftcM■-■^' de» Veieto» 
Deibvfi^hw^a? . ua AusrUß.d vor Uutsem na<^ der 
itj-iib efeV , .■ irci ■':. .: ■' YfliÄ •. baüeh, • daaw 

^.* .^1 A Ei ■ iiVK"-a -*'-£■ ' -Ä ft :.. W Jü ' f ■ e n- a,w . .difr , ScltW®i* 

-.üV-d' ::^ “ Äeie.^fe. 'tnEb.t ^1^ d o p p e 11 fcü «lAth ■ Imt 

vijjtjt ijtfr yiid l^tatvkteicht lyicd jetüt dsTxnf 

■4':n»s- vm Geft^mtbesiieh der Ajpg«hhng:eo 

deÄ> HpreU^ ’ötnd Gabtwmschattet» der 

19'b'■^6.3''fy aas ,0eütachltt.hd,. da- 


aeigt öith iiicdit etwa die Schdnbeit des Verfalles^ vtit iip alten 
StäÄMin StÄbeti^f möderne Schönheil, Dabev 

die Stftdf ' ^OG Fftlhilceini und dass sie dabei trotzdem 
peiioJicb ^eih kantig daa bnügi den En^lähde't irp einer 

für ^dg^iahd ksine^wegs ghturtigBEi VergieiezheDdeu ß^irac&tdn^- 
Dae :dii.f: iuduside hal fuebt den hi&sbchert EifiüiJas 

auf die U r^n geh Udg^ den es ih BögiaT) d a lisü b t. „ K s ^ b h fi&' * ^ 
^ sagt der Schreiber, »..iet Lriverptool Ertglands^ , 
isa roir Hamburg ala «ine fiiue Ätohsf Sfidi 

in Erinntrüng, als eisi FÄradie^ iiü Ver^ii^cb 4 in dem sehrecltü^i^en 
^cfemüize Liverpools,. Selbe m ubej ^Iherfeid nruij in 

Ini^usirieatadien wie e rp u11 f in Sad^5eR, ßndet mab nicht 

die schreckliche HäsaltSih'keh; t3n4: da£: üfE^brämte BU-dd >, ^■'j''■!.■ 
v6ä Städten wie DidhbhJ. und B^ekbiifii ;r^>-^v.Dte .'Ee^vnfV.f^ 
aelb&b raafi noch ^üe jätfb; Uägi die Iragfacbe Hasslvcbkai^ 
ihres Eis^jds nicht biferiT^i^^h. 2 . Ich habe <U^ der. 
In Basen beim Bpsef trugen fi^ute Schuhe und 

Kleidetr IbTe Gcaic^f gewaschen, nnd ibrcAugth 

waren grdöklich, Wn di« klein^fi scbmmiigen, ithgC' 

inägefteh Ge&ichlctjcE», diö S^Usse, die Fctfen und Lump^rii 

die in engtiache;* ,»^Hebluieri marnen? . , . Icb 
habe dia ' Arbeiter lia^l''dtr:f .Fabriken ' kbuimen seh^wv-;; ■'.B^ik''.' 
echbUrig. .mit geradcifi ,m.?t 

Kietdera. kommen Kie twsfiisi. sW 'dkh öip'^n' i!tbgä ' 

dea; Mfiones., der mi Afböi* 

iet u-n d das Leben ■. hebi^-.' '■■is^'k'- Wenn 

. d i:4 H ah .df we nn mäth. nitie:'; F ^ ^ sfe3 hy. '...^fi.htie.U'-’■ 'an-;. e- ;• ■ 

i'ähjlj kind -sie dtich^ilfo^: öffi.eif.Ttf'ifis^^^^ 

dieherls^ih : e.der tnechhflj^C'Ü:" ‘ he^i-ir.seh.- ■ Mcht; lÜe^' '-ebrglciÄb" 
Leie h%keU' ■ des fraui ödst it ett ■' V.*3Lli er,... ■• ^ deu'.'; 

Humbfi - der., m . Jtliejct-: ;effiiten 
■.fi.ed.en ■ aber,, in.. .nüchteFnefC?'-. tm4''..,5sJidft:r'eV‘’’ 
a (ti W'as- 'd^t: l ’;1 be-i" d;et.>t|-?nÄ 

sajgt,- ÖÄS ist itfo on vöjn^ 

das« ea hier .nicht. nöoSinatptsi iViederj;;cg:«-be^f fU ..>v^fdün';bifiiiP^bV 
■Di«' tiaehn^taheA-dta- Wci:te. ''l!iiJt!h4ietii aber höVffTr.tT:^ch 
wfinSfchet'jswerte Ber^cJjttari^. Mr» Qlbbä^ nio '}.beifd .■ 
. sagt .TjÄmlicIi: S'Ci.äl''^än-d 

■der Deiitsche em et'^^Fas rüh^?r:.Gesellt' vbii ■'ty^briaffiTh''M 

.bnd: 'raaber'-Sjtratihe &e}/ Mif iui d.-iifiajj.eb 'rtrtetT* 

ehieada■ .HB»11chkeii '■ dte dü ^ :■ tTiv u adJiihkeir'. 4 


AufgtiliioniiTien iiijf 


Photographie 


mi 

Winter 

sind üneiritl>ebfHch': 


Photoartikel 


Für ^Vii|terluii(l!se!i«fteii: 

ChroiTio- tSfllÄlP‘‘-PiflUen rn(i Qratisgelbfiiter, 


F A r W i it tci'!>»|»o r t - A ii f ii a h tu eit 

,,Agfa“-Pigdeii txtfä-i^pjd v Extra 
,,Agfa^Chrö>m;»‘vpj[8tten rapid 

,4sorapid:‘Sf^ttefl-.^; : i j :'3^ 
t,Chromo-lsorapid‘‘*Piattef ' t ie/!?'' Sch 

Verlangeß Sie vor llii’ein Händler gratis die .aiißerordefitlich (nstrnUtiveji, reich mit Kttnstphotographlen 
jllustrierteh &rb?«;hüfen des beksnnieh PhotcjcliemiHefs PK M, Andresen: „Ober tiebihonreie »nd farbea* 

empfSndliche Ptauen*'tiwd t,Über Magnesfutrt'üliuHchr*. 


Agfa*Pr(>spükte“* lösteiitgKi!Iüstriefl 
gffltfei duirh PliQtöhandieri:. 



























Nr. 14 »8989 88 899988^60999998998^1 DEUTSCHLAND eeeeeeee SSEgS e ee e e O OQOOO OOegB 711 


gegen nur i 4 , 3 ®/o Frankreich stammten. Von den Winter¬ 
sportbesuchern igio/ii waren a3,6”/o aus dem Deutschen Reiche, 
5,8 ®/o aus Frankreich. Die Frequenz der Reichsdeutschen in 
der Schweiz übersteigt die aller anderen Nationen erheblich. 

Die deutsche Kolonie in Brüssel eröffnete am 
13. Januar mit deutschen Aerzten die deutsche Poliklinik, 
die sich später zu einem deutschen Hospital auswachsen soll. 

Lied der Deutschen im Ausland.*) 

Alle wir in fernen Landen 
Denken an ein heilig Gut: 

Land, wo unsre Wiegen standen. 

Unsrer Väter Asche ruht, 

Land der Eichen, Land der Linden, 

Voller Heldenkämpfe du. 

Wie die Flagge in den Winden 
Rauscht Dir unsre Seele zu! 

Unter Zedern, unter Palmen, 

Hoch im Eis, am Steppensaum 
Träumt der Deutsche, wie auf Almen, 

Leuchtend blüht der Apfelbaum, 

Lauscht den heirgen Sturmesschmerzen, 

Eichen ihr, an Bismarcks Gruft, 

Fromm bewahrend sich im Herzen 
Eines Chriatbaums Tannenduft! . . . 

Manchem lebt ein liebes Mädchen 
Treu behütet ihm Gemüt, 

Der sein blondes Nachbargretchen 
Noch im Alter vor sich sieht. 

Mancher, den des Schicksals Schmiede 
Hart zu Stahl gehämmert hat. 

Hält bei einem Heimatliede 
Weinend kaum sein Notenblatt! . . . 

Vaterland, wie eine Eiche 
Wächst du in der Welt empor. 

Als wenn Gott zu seinem Reiche 
Dich zum Fundament erkor, 

Deutsches Blut muss erdwärts tropfen. 

Bis die Welt gelangt zur Ruh, 

In gebräunten Körpern klopfen 
Dir auch unsre Herzen zu! 

Wer aus deutschem Blut geboren, 

Schliess den Schwur in sein Gebet, 

Dass er nimmermehr verloren 
Seinem Vaterlande geht. 

Teure Heimat, auf den Schwingen 
Des Gesangs vernimm den Schwur: 

Wo wir wandern auch, wir singen: 

Deutsch und bteiben Deutsche nur! 

Max Bewer. 

•' L’m die lUMits- Iien icn Auslände durch ein sangbares Liedzusammen- 
zuschliessen, veröfTentlichen wir dies des bekannten bismarckschrift- 
stellers, lür das sich gewiss auch ein Komponist (mdet, dem vielleicht eine 
allgeinein-volkstümiiche Verloniing gedingt; es könnte vorläufig auch 
nach der Melodie; ,Deuts« hiaiid, Uenlschland über alles‘‘ oder .Strömt 
iierbei, ihr Völkerscharen“ gesungen werden, Hed. 

Ein amerikanisches Urteil Uber Deutschland. Immer 
mehr erweist sich der stetig wachsende amerikanische Reiseverkehr 
nach Deutschland als ein wichtiger kulturpolitischer Faktor. Die 
Mehrzahl dieser Reisenden, welche mit ganz verkehrten Ansichten 
die Reise antraten und sonst nur mit Geringschätzung von 
Deutschland sprachen, haben „drüben“ entdecken müssen, dass 
Deutschland doch ganz anders ist, als wie sie es sich vorstellten, 
und wie es ihnen geschildert worden war von Leuten, die es 
auch nur vom Hörensagen kannten! Die Deutschlandfahrer 
sind von Deutschland ganz begeistert, und das Bedeutsamste 
ist, dass sie nach ihrer Rückkehr ihrer Begeisterung und ihrem 
Erstaunen Uber deutsche Einrichtungen rückhaltlos Ausdruck 
verleihen. Die typischen schiefen Urteile über Deutschland aus 
früherer Zeit sind fast ganz aus der Presse verschwunden. Immer 
mehr tritt Deutschland jetzt in die Rolle eines Landes, von dem 
Amerika viel lernen kann. Wenn nun noch, wie es in dom 
letzten Jahre so häufig geschah, auch die bedeutendsten Männer 
der amerikanischen Hochfinanz und des öffentlichen Lebens 
sich in schmeichelhaftester Weise über Deutschland auslassen, 
dann kann eine günstige Rückwirkung auf die Urteilsbildung des 
grossen Volkes nicht ausbleiben. Den jüngsten Verehrer findet 
Deutschland in dem Präsidenten der New York Zentral¬ 
bahn-Linien William C. Brown, der soeben von einer aus¬ 
gedehnten Automobiltour durch Europa zurückkehrte und, wie 
der Dresdner Anz. meldet, auf dieser Tour eingehende Beob¬ 
achtungen angestellt hat. Dem ihn empfangenden Heere von 
Berichterstattern sagte Herr Brown: „Passen Sie auf Deutsch¬ 


land auf, Deutschland schreitet in ganz wunderbarer Weise vor¬ 
wärts. Das Land prosperiert in ganz bemerkenswerter Weise. 
Deutschland überflügelt die anderen Länder und wird die Führung 
von ganz Europa übernehmen. Deutschland war früher im 
Hintertreffen, weil es ihm an Kraft für Industrie fehlte. Jetzt 
entwickelt es seine Wasserkraft, eine natürliche Kraft, in glän¬ 
zender Weise, und die Industrie steht in Blüte.“ Unter Anspie¬ 
lung auf die amerikanische Antitrustpolitik bemerkte er lächelnd, 
dass europäische Regierungen nur auf eine Weise in die Industrie 
eing^eifen, und zwar, indem sie ihr helfen: drüben fördere die 
Regierung Industrien aller Art. 


Verschiedenes. 

Die Prüfung der Frage, ob eine Reklamevorrichtung 
dasOrts- oder Landschaftsbild verunstaltet, steht 
der Verwaltungsbehörde, nicht dem Gerichtezu. 

Entscheidung des Bayerischen Obersten Landesgerichts. 

Rev. Reg. 488. 

(Nachdr., auch im Auszug, verb.) Nach Art 22h Polizei- 
Str. G. B. wird bestraft, wer den ober-, Distrikts- oder orts¬ 
polizeilichen Vorschriften zuwiderhandelt, die zum Schutze 
von Orts- und Landschaftsbildern gegen verun¬ 
staltende Reklame erlassen sind. Eine ortspolizeiliche 
Vorschrift des Stadtmagistrats Nürnberg vom i. Oktober igog 
bestimmt: „Gegenstände oder Einrichtungen, welche dem Zwecke 
geschäftlicher Anpreisung (Reklame) dienen und von einer 
öffentlichen Strasse aus sichtbar sind, müssen entfernt oder 
abgeändert werden, wenn oder insoweit dies zum Schutze des 
Orts- oder Landschaftsbildes gegen Verunstaltung verlangt 
werden muss. Als Gegenstände und Einrichtungen der vor- 
bezeichneten Art sind beispielsweise anzusehen: Aufschriften, 
Firmentafeln, Schaukästen, Beleuchtungsvorrich- 
t u n g e n.“ Am 5. Oktober igio forderte der Polizeisenat des 
Stadtmagistrats Nürnberg einen Zigarrenhändler 
auf, von seinen zahlreichen Reklameschildern neun im Interesse 
des Schutzes des Strassenbildcs innerhalb drei Wochen zu ent¬ 
fernen und eine Firmentafel in Grösse, Schrift und Farbe abzu¬ 
ändern. Der Zigarrenhändler entfernte sieben Schilder und er¬ 
suchte den Stadtmagistrat um Genehmigung zur Belassung zweier 
Glasschilder mit Rücksicht auf deren hohe Kosten (310 Mk.) 
und die hübsche Ausführung dieser beiden Glasplakate, die das 
Strassenbild in keiner Weise nachteilig beeinflussten. Der 
Polizeisenat wies dieses und ein weiteres Gesuch ab, und 
leitete, da die Entfernung der Tafeln nicht erfolgte, gegen den 
Säumigen das Strafverfahren ein. Das Schöffengericht erkannte 
auf 5 Mk. Strafe, das Landgericht lehnte als Berufungsinstanz 
die beantragte Vornahme eines richterlichen Augenscheines ab, 
und auch das Oberste Landesgericht, das als Revisionsgericht 
endgültig zu entscheiden hatte, erklärte, dass die ordentlichen 
Gerichte mit der Sache nichts zu tun hätten. Der Straf¬ 
senat verwarf die Revision des Angeklagten und sprach 
sich in diesem prinzipiellen Falle u. a. wie folgt aus: Die 
Scheidung der Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden und der 
Strafgerichte für die Entscheidung der Frage, ob die Voraus¬ 
setzungen für die Anwendbarkeit einer Polizeivorschrift gegeben 


Die 

Leipziin Vormeue. 

lu der HuMger and HusterkolleKtlonen 

von Porzellan u. .anderen keramischen Waren, Glas-, 
Metall-» Leder-, Holz-, Korb-, Papier-, Japan- und 
China-Waren, Puppen und Spielsaohen, Musik¬ 
instrumenten, Schmucksachen, Seifen, Parfüme¬ 
rien, Sport- und Luxusartikeln, Haus- und Wirt¬ 
schaftsgeräten aller Art, sowie verwandten Waren aller 
Gattungen auBgestelltflworden, beginnt 

Montag, den 4. März 1912. 

Die meisten Ausstellungen sind'von da an nur eine 
Woche geöffnet, obwohl es zwei Wochen gestattet ist. 

Meflwohnungen vermittelt die Geschäftsstelle des Ver¬ 
kehrs-Vereins, Leipzig, Handelshof. 

Leipzig, am 3 . Januar 1912 . 

Der Rat der Stadt Leipzig. 



DEUTSCHLAND 


Nr. 14 


seien» wird wesentlich durch den Inhalt der letzteren bestimmt. 
Eröffnet das Gesetz» dass die Ermächtigung zur Aufstellung 
einer Polizeivorschrift erteilt» den Polizeibehörden die Möglich¬ 
keit zu bestimmen» dass sie selbst über das Vorhandensein 
jener Voraussetzungen zu befinden haben» so können» sofern 
nur die Polizeibehörden von ihrer endgültigen Entscheidung den 
Beteiligten ein rechtliches Gehör eröffnet haben» die G e r i ch t e 
nicht das Recht zur Nachprüfung jener Vorfrage be¬ 
anspruchen und haben sie lediglich darüber zu entscheiden, ob 
die übrigen Veraussetzungen der Strafbarkeit wegen einer Zu¬ 
widerhandlung gegen die Polizeivorschrift vorliegen. Zu einem 
so grundlegenden Eingreifen liegt für die Verwaltungsbehörden 
besonders dann ein Anlass vor» wenn bei der Entscheidung 
der erwähnten Vorfrage auch Erwägringen der Zweckmässigkeit 
mitzusprechen haben und wenn zur Sicherung einer einheitlichen 
Durchführung einer Massregel der Gesetzgebung deren Leitung 
durch die Zentralbehörden, und wäre dies auch nur auf dem 
Wege der Oberaufsicht» als unentbehrlich erscheint. Alles 
dieses trifft im vorliegenden Falle zu. Die Entscheidung darüber, 
was im einzelnen Falle zum Schutze des Orts- oder Landschafts¬ 
bildes gegen Verunstaltung erforderlich ist» hängt jeweils von 
den verschiedensten Umständen ab, ganz abgesehen davon» 
dass auch die Verschiedenheit der Geschmacksrichtung 
bei voller Selbständigkeit der entscheidenden Stellen natur- 
gemäss oft grosse Verschiedenheiten mit sich bringen kann. 
Es eignet sich darum die Entscheidung Uber die Verunstaltungs¬ 
frage ihrer ganzen Natur nach nicht sowohl für die Gerichte 
als vielmehr für die Verwaltungsbehörden. Wenn der Ange¬ 
klagte von seinem Beschwerderechte keinen Gebrauch gemacht 
und sich lediglich auf Vorstellungen gegenüber dem Stadt¬ 
magistrat beschränkt hat, so hat er sich damit stillschweigend 
dessen Entscheidung unterworfen und auf die Anrufung der 
Aufsichtsbehörden verzichtet. Da hiernach „rechtskräftig'', für 
den Angeklagten verbindlich feststeht, dass die Reklametafeln 
zum Schutze des Ortsbildes gegen Verunstaltung entfernt werden 
müssen, bildet die Nichtbefolgung der Entfernungsaufträge eine 
strafbare Verfehlung gegen die ortspolizeiliche Vorschrift. 

Amerika wirbt um Touristen. Aus New York wird 
der Frankfurter Zeitung geschrieben; Nun soll auch der europä¬ 
ischen Fremden-lndustrie von der „amerikanischen Invasion'* 


Gefahr drohen. Die Regierung in Washington hat schon lange 
mit Schmerz gesehen» dass Europa so sehr viel Geld von der 
amerikanischen Hochflut zieht» die sich alljährlich im Sommer 
über die Alte Welt ergiesst» während die Zahl der Amerika be^ 
suchenden Europäer immer noch verschwindend gering ist. Man 
hat nun den Plan gefasst» einen „bekannten Regierungsbeamten^* 
(so sagt die „Associated Press**) nach Europa zu schicken» wo 
er in allen grösseren Städten Vorlesungen mit Lichtbildern Uber 
amerikanische Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten halten 
soll. Dadurch hofft die Regierung, mehr Europäer für Amerika 
zu interessieren und in nicht ferner Zukunft einen guten Teil jener 
500 Millionen Dollars, die angeblich jedes Jahr von Amerikanern In. 
Europa ausgegeben werden, wieder nach der Union zurückzuleitesu 


Industrielle Entwicklung der Südeifel. Am 
19. Januar fand im Hotel Ezcelsior in Köln unter dem Vorsita 
des Regierungspräsidenten Dr. Baltz (Trier) im Beisein des- 
Landeshauptmanns Dr. v. Renvers eine Vorstandssitzung des 
Vereins zur industriellen Entwicklung der Süd¬ 
eifel statt. Es wurde beraten, in welcher Weise einerseits die 
Geschäftstelle in Bitburg entlastet und für andere Aufgaben 
verfügbar gemacht» und anderseits, wie die Tätigkeit des Vereins 
auf einer breiteren Grundlage auf- und ausgebaut werden aollts» 
Zu diesem Zwecke ist die Anstellung eines Reise-Ingenieurs 
geplant, der die Industriegebiete bereisen und Fühlung mit 
Industriellen aller Art nehmen soll, um sie auf das Vereins¬ 
gebiet aufmerksam zu machen und ihre Niederlassung in der 
Eifel zu bewerkstelligen. Weiterhin soll ein neuer Aufruf 
erlassen werden zur Werbung weiterer und besonders zahlungs¬ 
fähiger Mitglieder; alsdann soll aus der Zahl der Mitglieder« 
die einen Jahresbeitrag von 300 Mk. und mehr zeichnen, ein 
besonderer Ausschuss von 30 — 40 Personen gewählt werden^ 
der in enger Fühlung mit dem Vorstande die Geschäfte des 
Vereins und besonders zustande zu bringende Unternehmen 
bearbeiten und fördern soll. Die Zahl der Mitglieder beträgt 
zurzeit 265 mit 13200 Mk. Beiträgen. Hierzu gab der Vorsitzende 
bekannt, dass der Provinzialausschuss dem Verein auf drei 
Jahre einen Beitrag von je 2000 Mk. bewUligt und Herr 
Ingenieur Rexroth (Saarbrücken) dem Verein in dankens¬ 
werter Weise den Betrag von 10000 Mk. geschenkt habe. Es 
wurde ferner mitgeteilt, dass sich die Hausindustrie-Kamelhaar- 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□aDDaDDaDD 

□ □ 

S An die g 

□ □ 

I Verkehrs'Vereine Deutschlands und des Auslandes! 1 


Im Mai ds. Jahres erscheint in III. Prachtausgabe in unserem Verlage der 


g mit Sonderanhang von: London, Paris, Brüssel, Wien und g 

g Petersburg, Bäder und Kurorte und internationale liotelliste. g 

□ D 

g Derselbe bietet jedem Reisenden und Gebildeten» wie auch staatlichen und städtischen g 

a Behörden» Verkehrs-Vereinen, Klubs etc. an der Hand der in dem Werk enthaltenen Pharus- a 

□ Stadtplänen der bedeutendsten Städte Deutschlands und der des Auslandes jederzeit Gelegenheit, q 

g sich nicht allein über alle möglichen Verkehrsfragen, sondern auch über die Lage und Ausdehnung g 

□ einzelner Gressstädte Deutschlands und des Auslandes zu orientieren.— Der Sonderanhang Bader □ 

□ und Kurorte gibt Aufschluss über unsere bedeutendsten Bäder und Kurorte, die Internationale p 

g Hotelliste über erstklassige Wohn- und Unterkunfts-Verhältnisse Deutschlands und des Auslandes. g 

g In allererster Linie bietet sich in unserem Pracht werke aber auch den Verkehrs-Vereinen g 

a Gelegenheit, durch eine Schönheitsbeschreibung jeder einzelnen in Frage kommenden Stadt sich □ 

□ desselben weitgehendst zu bedienen. Die internationale Verbreitung des Werkes, wie auch p 

g die nur alle 6 Jahre neu erscheinende Ausgabe bürgen in jeder Weise für eine wirk- g 

□ same Propaganda, wie solche wohl kaum ein zweites Werk zu bieten in der Lage ist. □ 

p p 

□ Prospekte sowie alle sonstige Aufklärungsschriften über die Herausgabe vorgenannten O 
p Prachtwerkes werden kostenlos allen Interessenten von Unterzeichneter Gesellschaft zugesandt. p 

I Deutsche Verlap-Gesellschaft m. b. H.. Hamburg, Bieberhaus. | 






Nr. 14 § Q0 9 0000COQQ9QQQ8^5QQga30 Q99SI DEUTSCHLAND B6 e 6OOO6e888 e 0€36G 66O O606GÖe ^ 713 


Schuhnäherei in Speicher eingeführt habe, und dass für den 
1, April erhebliche Erweiterungen dieses Betriebes in Aussicht 
genommen seien. 

Wiederherstellung des Münsters 2U Freiburg i. Br. 
Der Münsterbau-Verein in Freiburg hat eine Sachverständigen¬ 
kommission 2ur Beratung aller wichtigen Münsterbaufragen ein¬ 
gesetzt. Ihr gehören an der MUnsterbaumeister Knauth in Strass¬ 
burg, Geh. Oberbaurat Kircher und Prof. Ostendorf in Karlsruhe, 
Prof. Wingenroth und erzbischöflicher Oberbauinspektor Jeblinger 
in Freiburg. Der grösste Teil der Wiederherstellungskosten, die 
mehrere Millionen betragen, ist bereits gesammelt. 

Das Nordseebad Westerland auf Sylt ist im 
vergangenen Jahre nach einer überaus glänzenden Saison von 
schwerem Missgeschick betroffen worden. Gegen Schluss 
der Hauptsaison legte eine Feuersbrunst die nördlich der 
Plattform gelegenen Strandhalle-Restaurationen in Schutt 
und Asche, und was das Feuer verschonte, das fegte ein 
fürchterlicher Sturm am 6. November 1911 in die See. Alle 
Strandeinrichtungen, Musikpavillon, Plattform, Wandelbahn, alle 
Strandübergänge und Strandhalle sind verschwunden und von 
der unersättlichen See verschlungen. Die auf den Dünen 
liegenden Logierhäuser Miramar und Baur-Breitenfeld waren 
schwer gefährdet, so dass sich umfangreiche Schutzarbeiten als 
notwendig erwiesen. Es ist nun geplant, ein grosses massives 
Bollwerk zu bauen, das nach menschlichem Ermessen befähigt 
ist, diesen sich alljährlich wiederholenden Zerstörungen und Ab¬ 
bröckelungen Einhalt zu bieten. Dieses Bollwerk wird so angelegt, 
dass es zugleich als Wandelbahn dient und den wie seither in 
die See hinausgebauten Musikpavillon trägt. An der östlichen 
Seite (nach der Stadt zu) ist eine grosse Wandelhalle geplant, 
die selbst bei schlechtem Wetter den Hauch der reinen Seeluft 
und die Aussicht auf das Meer ermöglichen wird. Die Strand¬ 
hallen werden auf den Dünen errichtet, wo sie einen unbegrenzten 
Blick auf die stets bewegte See, aber auch auf das Leben und 
Treiben des Kurlebens auf der Wandelbahn und am Strande 
bieten. Auf den Trümmern der elementaren Schäden wird das 
zähe, in dem Kampfe mit der wilden See erprobte Friesenvolk 
ein schöneres Westerland aufbauen. Die Arbeiten werden so 
energisch gefördert, dass zu Beginn der diesjährigen Saison 
alles zum Empfang der neuen Gäste gerüstet ist. 

Eine neue Thermalquelle in Baden. In 
Krozingen bei Freiburg im Breisgau sind anlässlich von 
Bohrungen heisse Quellen zu Tage getreten, die wegen der hohen 
Temperatur von 41 Grad Celsius und der grossen kohlensäure- 
haltigen Wassermengen immer grösseres Interesse finden. Seit 
etwa 2 Monaten entströmen gewaltige Wasserstrudel schäumend 
und dampfend aus etwa 800 Meter Tiefe der Erde. Zur weiteren 
Erschliessung und Verwertung der Quelle hat sich eine Gesell¬ 
schaft gebildet, die eine eingehende Untersuchung des Wassers 
veranlasate und besonders heilkräftige Wirkungen feststellte. 
Nach Ablauf von weiteren 3 Monaten soll eine Nachprüfung 
der Analyse stattfinden und hiernach die Entscheidung für die 
Zukunft getroffen werden. Die vielseitige Annahme, dass das 
Auffinden der heissen Quelle mit den stattgehabten Erdbeben 
im Zusammenhang stehe, soll nicht zutreffen. 

Eine Kurhessische Gesellschaft für Kunst und 
Wissenschaft. Nach längeren Vorbereitungen ist in Cassel 
die Gründung einer Kurhessischen Gesellschaft für Kunst 
und Wissenschaft beschlossen worden, die sich die systematische 
Förderung der geistigen und künstlerischen Kultur unserer 
engeren Heimat zum Ziele gesetzt hat. An der ersten vor¬ 
bereitenden Sitzung hatten u. a. teilgenommen der Kultusminister 
V. Trott zu Solz und der Oberpräsident der Provinz Hessen- 
Nassau, Hengstenberg. Der Museumsdirektor Dr, Boehlau 
(Cassel) berichtete im Zusammenhang mit den Plänen der 
Gesellschaft über die Ziele des neuen, hier im Bau begriffenen 
Hessischen Landesmuseums, der Direktor der Murhardschen 
Bibliothek, Dr. Steinhausen, legte dar, dass es die erste und 


vornehmste Aufgabe der Kurhessischen Gesellschaft für Kunst 
und Wissenschaft sein werde, durch dauernde Einrichtung 
regelmässiger wissenschaftlicher Vorlesungen 
und Vorträge die höheren geistigen Interessen in der 
engeren Heimat über die dem einzelnen zu Gebote stehenden 
Möglichkeiten hinaus zu pflegen, insbesondere dem weitverbreiteten 
Drange nach stärkerer Fühlung mit den Ergebnissen und Fort¬ 
schritten der Wissenschaften entgegenzukommen. Es ist gelungen, 
für den Plan zunächst die Staatsreg^erung und den Kommunal¬ 
verband zu interessieren, von denen ansehnliche finanzielle Bei¬ 
hilfen in Aussicht gestellt worden sind. Die Vorlesungen werden 
systematisch nach grosszügigem Plane geregelt werden und sich 
zunächst auf folgende Gebiete erstrecken: Staatswissenschaften, 
Geschichte, Kulturgeschichte, Literatur- und Kunstgeschichte, 
Philosophie, die Naturwissenschaften nebst Geographie. 

Die Westfälische Kommission für Heimat- 
schutz in Münster, die vor etwa zwei Jahren ihre Tätigkeit 
begonnen hat, hat unter der zielbewussten Leitung des Freiherrn 
von Kerckerinck-Borg schon sehr segensreich gewirkt. 
Auf Veranlassung der Regierung in Münster wurde die Kom¬ 
mission beim Erlass von Ortsstatuten und der Aufstellung von 
Bebauungsplänen regelmässig gehört. In zahlreichen Fällen 
wurden Massnahmen zum Schutze gefährdeter Natur- und 
Kunstdenkmäler getroffen. Nachdem der Provinzialausschuss 
der Kommission mmhafte Geldmittel zur Verfügung gestellt 
hatte, wurde eine amtliche Baub er atu ngsstelle gegründet, 
die in enger Beziehung zu dem Westfälischen Verein zur 
Förderung des Kleinwohnungswesens steht. Die Landes¬ 
versicherungsanstalt hat der Bauberatungsstelle in ihrem Dienst¬ 
gebäude die nötigen Räume zur Verfügung gestellt. Den grössten 
Teil ihrer Tätigkeit nahm die Prüfung, Begutachtung und Ab¬ 
änderung eingereichter Bauentwürfe ein. Ihre Erfolge sind 
nicht zum wenigsten dem tatkräftigen Eingreifen der Aufsichts¬ 
und Baupolizeibehörden zu verdanken, die in der Erkenntnis 
der kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung der Tätigkeit der 
Bauberatungsstelle ihr halfen, das Arbeitsfeld auszudehnen, in¬ 
dem sie die Baulustigen auf die bestehenden Einrichtungen 
hinwiesen und die Gewährung von Dispensen von einer den 
besonderen Verhältnissen entsprechenden Grundrisslösung und 
einer ästhetisch genügenden äusseren Durchbildung abhängig 
machten. Die Kommission beabsichtigt, ein Werk Über 
heimische Bauweise herauszugeben. Die Inventarisations¬ 
arbeiten dazu haben begonnen, und es sind schon 200 Aufnahmen 
gemacht worden. 

Für das Preisaussch reiben der Deuts chen 
Heimatspiele auf dem Potsdamer Naturtheater 
sind 79 Arbeiten eingegangen. Die Preisrichter Max Dreyer, 
Rudolf Herzog, Alfred Halm, Ferdinand Gregori und Heinrich 
Sohnrey haben fünf Werke für preiswürdig und weitere fünf 
Spiele für beachtenswert erkannt. Den ersten Preis erhielt: 
Richard Hiecke, Dresden (1000 Mk. und Ehrenmedaille der 
Residenz Potsdam) für das Heimatspiel „Im Morgenrot der 
Freiheit“, den zweiten die Schriftstellerin von Winterfeld-Wamow 
(600 Mk. und Medaille) für „Der Schimmelreiter“,, den dritten 
Wilhelm FJadt in Freiburg i. Br. (400 Mk. und Medaille) für 
das Spiel „Freiheit“. Der vierte und fünfte Preis, je ein 
silberner Ehrenbecher, fielen Dr. Otto Weddigen („1812 und 1813“) 
und Paul Kapp in Heiligenbeil („Als die Würfel fielen“) zu. 

Die Förderung des Motorboot-Sports. Der All¬ 
gemeine Deutsche Automobil-Klub (Sitz München), die frühere 
D. M. V., der in seinem Arbeitsprogramm auch den Motorboot¬ 
sport mit aufgenomman hat, wird im Jahre 19x2 Preis-Aus- 
schreiben für die Schaffung kleiner, preiswerter Motorboote 
erlassen. Das erste Preisausschreiben, das im Januar zur Ver¬ 
öffentlichung kommt, wird Motorboote im Preise von 1000 Mk. 
umfassen. Die auf Grund des Wettbewerbes hergestellten Boote 
werden Gelegenheit haben, ihre Leistungsfähigkeit in den bereits 
für dieses Jahr festgeleg^en drei Motorboot - Konkurrenzen des 
A. D. A. C. zu zeigen. Es kommen nachstehende Regatten für 



Photo - Papiere 



allseits bestens empfohlen. 


Grand-Prix 
auf der Welt- 
Ausstellung 
Turin 1911. 


Chemische Fabrik anf Aktien (vorm. F. Scherings) 

PhotogFaphlsche Abtellungr. Cbarlottenbnrg. Tegreler Weg 28/88. 






7U i§E3 0 oot x a Q C8 9EXsDc^^ DEUTSCHLAND «ceeeeee ooecooooooo 


kleine Mötorböie jfum ; den Mai^ Ätif 

Üer Hövel, attü Sonmag, den 34 JuidV öiif der 

des A3l^em«iJti<;D Deuinchc^ AateJtnkjL^bil^Tö^ei» liad 

a^'dfitn' Stardbefgei See> , .;■ ^ 

Diie Zsbl der Roisestjpeniief* föf die 

iti Ländern fran^daiaciier Zunge V^der tö E^jg:liind d^ erföfder- 
UeJie Ueifiijin^ tna müfidliöben ötbr^ncb det f'äremti*pf4daj&4ij 
erwofbeii bafaca, solJ um weher» sech* im DiirciisdbjiitwbetrBgfr 
v6n isöu Mk; erhöht w-erden/ Ija werd^JE dann ;jo äqitcher 
Stipesnälcn yorhanden sein. 

Ein c B f r^Tise Isjsher auf der rechten 

Rheinteite zwischen Rilde^eiind viW ^tÄübach, Ihr Eau ist; 
seit längerer Zeit geptaoti d^tt ist hejat^büs^phtigtj $ie yoö 

Wellmich^ ünterhalb 9iL Gökr^hah*e,hj: nicht Ria ei o > 

den küriÄTen W*g übeif die flohen iü fübr^^ sitn Icicih 
diese hbgeteg®aeh Oe^itänd^rt ah ; dth V anrüsebheasen. 

Eine Vere^itil ung Vöh Vet tf nft d er bei^li gteh Gem^j riden ^ 
der: D^&inänerivefWBkuhg^ 4®^ Regierting tind de« FnrstfitükuÄ 
fijpraeh sfth m däesehh Sihöe aus. Dhtn wird vh^^^^?gee*tzt, 
daei i hd ön m fed es teil# *1 0 p ri tte| d pr Ba uko öten tr agen 

ühä den Baden nhentgeltlich smr Verfügung stellen*, 

H ef u e V i Henk o i i> ti i e i c ö aö ^ St g * 1, a n g f u h Die 
Grsmeiirinüiyige Baugenossenschaft lu DanEig h^i itn Vbr^^rt 
l^ ö D g: f d h r „ de m: aügeri hl icbJkhe n W ohn si t * des Krc» npriöf en, 
40 ©ö6. jijni g r dB sÄs • Ge J ä nde e rw orbeo, d sy f br y- 
aijlgescMn werden so^l, Hs ist 
zweigt ;/v6-fh.'Gut. HQchsimfts- weitere Parjellriö’...*ki:4- ft^r ■:'4ie ’ 
Zttkwft ■ g;*#ich^snH 0as BangeJ ätidt liegt Am Jä&chköhtatlet 

Walde, der ^iLnhge vß^ii ts tiegi Mhierh^lb dsr Hishns- 

baak, einem beliebten Auwlthtspunkt des genannten SUdtwaldca, 
der eiiien wchrn Blick über den angrenjcnden bewaldkieh Höhen 
rttck^ itüd 41 * Füsse gelegenen beliebten Oitseebader ÖHvSj, 
Glöttk^u, Zoppot nnd AdJerehorst sowie eine prächligt Weitiieht, 
libera Meer bis nach 4er Malbineei HeU gextaiieb Dsa Prbjeki 
h^t irr der paneiger Bürgerschaft grossen Anktähg |gefnn4e% 
da hierdurch dem Mangel an Wnhngelegcnbeitea in j^hfathilien- 
häUBcrn abgehoHen wird. Für neuzuziehehde Personen bie^.t 
sieb 4a,dürsh fafctiüitb. GeJe^eabeit ^ür AtiaUdelüne in ideaj- 
schöhtT Wge^ Toten der dtösfiatudt* 

Iti re m ü rl o jtiAlc * h f f ® ^ ^ ^e rke b r h*’ ^ u r « »ü 

'in Berlin ; P i e;' ;p;t je d.4; ä l öch-h;eiSr.«ische-n'8t.sotsftieen' 
b k h h e n si n 4 ■ ^ hrtili ehr: thbnfd"ll& de m I ntc rn aUon *}e n Ö ffent-^ 
Jjcheh Vfcf5fehrs>Bu^t;i&dy jj^ Beriin, Unter den Linden 14 ^ hei|:etfeteh 
hod haben einen Bearnten in doaselbe abgeordnet. Im öfTenVlicheo 
Verkehrs^Bureau, das bekahnilich kein ErWerbsunternehmen istj 
aoßdern ausscJbhesBllch der Hebung, Forderung ünd Belebung; 
d®s Reiseverkehrs dSenb sind nunruehr sämtbche deuiacho 
Staattfoabtien und dre Schweis ofüzien yertreten. Eis wird dbrf 
durch pec^mte der verschiedenen Verwaltungen kostenlos mün4~ 
lieh und achtiitliCh Auskuntl Über alle Verkehrsangetegenbeiten 
söwle übyf VvrpflegungT.^poH paw. Pi’ö»p?;ktC| 

FlihjT^t Brcßchtiren : öew, :ünd FröpfigiitdÄmitetial 

äfbd, .ebenfailk-kosWQfrw trh’^UhthV •'.; i-'-.v- 

Bll ii, g e y ■■;' •■ :;M , i’ t.k ■^' g ^ t i'i.ch: ^ % m. $P *1 • 4. C W h .g'h p.■ '■, -■ .Ei n e 
i^ttiisyphF m dep . fr^n^daisif^eh nach der 

GrosS“ > 44 ? EWührtuilr vbii Mittag. i tLhi Abend- 

*s4fm >h-■ smerh'-'-biÜlgey.iijn','i^rbtse.;:■ :' Anfajig;■ Fehnfsr .ist,'sie 

Äuf vieUn Strecken ift> von Frankrekb getroffen worden, 

4ic badpi^^hh^h t^r . den Keisöndo jn Beimcht kommen 

^olb ; Matv erhüfti jfspFcin kogen- zweites Frühijtück, das tinserem 
Mittagesa&h t?nt'^prvebh asiib- Prdfse- voli a ^^ Franken tind ein 
AbepdeöstjiT 4 um' Pyeijse yiWrt 3 ’ /r. FfÄhken. Üaneban btcibS das 
: sebhn ge b ötepd teichll cb e M «tag * jün d A bcud e es eh f lU 
4 5 bciStehen, Das Essen landet man jeut 

vdV «ÖVftt; j&üf der Streik* in dort Speisewagen 

awischfra,' kfnrt (Mai n ) uni tis. f®ei' s r-K4ibr:sa — 

Lujt* ih b h f Tf i er und C obUiuEh eh 150 fihütfc d jä ny ue 

Bimlchttifig *?fut der Rpretke :x^?s*fchen Avfieo^ltt bi>i 
: Wag 5^h ■ rtach : und v op SU d d^Utstlhl ä h 4j dyA^^iiM.chen. - #n 
■PiUiB ■ uri'd . Peaeh 


Patenfttmu Mit ' Abblldutigeß. Vetlmg von H-. Oldftntwtir^if 
Münzen hi? d Beri Der Titel dl^ees nta^festeh Gtsethöhttcit <w 
• wird th. w«ilftct Kfoiaeh .der Ä.- Fra^g®' 

Aüslöetnt ^Giht ä* aoth SpuTua des dt«: i«)» 

dhdt daae ihnen meht fltehoö einer der aaMlofteh Öoetfvefiir»dti«r 
geföl^ lyireyi^ tfad demjoeh äat »« deih YeKTfaaker giltätiifeit, 
dem ^ytmrhsckl j chutert der Men acheja*^ ilne aeub 3*4* ^Bjwijga- 
wrttneö^ Mt b'tshef in ab Behllessender Fdrm n^efe nleh< ipcyrüi^^ 
dijgi v^urde. Der IhhMt de» Aigenardgen Buichea bildet 
überaus: Wertvolle Erigän^tjng d«r Ifehhmis der F^iy^ünÜebk^it 
des Bichterfüreteii» eine DitraieHtmg der rtdehea luid vieleelltgfes 
BwehUhgen, in de^en dietief »eit seühef früheetön Jogrend. bi« 
KJ den letzten T^ifen ^eth4» ^s^ghoten Pabcoe «ti d«tJ i 
d li k ii V e n W i »e n e ch a I f «a . ti n d d e r « h pr^t.li;t(e cta.« f 
Ah wend h rif geetao d e n ln der Äuffnte^hog 

gr0f4»ei> Menge uberwiegt der dichten^clae Kuhm Goethe» ih mo 
httbem MjtS3c> dius es für viele eine ÜeberrAschang bildete wenn 
sie yor die Tatsache gesteUt Werden> das« Jenef crfblgrdldi «t# 
Vorsitzen der der Sachsen-Woimftr^cben BargböU-t WÄfi4erb»u- 
nnd Wegebau-Kommiasibh gewirkt hat, da^ tä«r jKftndfg« 
bahtechniachc Berater seia«& fürisöiohea Fr^undesi Auguat 
geweüeo und dass er «iJs obfireter LAüdf; der ifSf*ßanrii«il 
un m ine Lbare h A hht.alien fdr Wisaenscbalt Ruftikb miäi deo 

Grebieten der Chetnie> der Physik^ de® gewerbUcheh Uof6fri<xhta 
mit fast überVn e-nschli ch ci ^yua*feht eiu« TiUcSh^lt atlageübl 
hat,. 'die we it.,. ü b fe r;, d it ■ ’ üben ftr;.'.-' 4® r ,.■■ Sa ehsftn - elm »rachdiz 
Lande hltraasfitrahRe, Zweifeilos bilden d^e T,^ut|eg:eneh Spuretl 
Goethes^^ eihe hoch biaebiepiäwerte Ertcbcin(ing auf deoa weiten 
Gebieie. detV Gvethclibt^furV/ 

,, ' .des : t44i»kti;<>nbltkii ■ Teile** •' 

■ -1 - i L L I J I ^ k ^ 1 ■ . , .ü f fl .*Wt ' Jjp f t i . i ,‘. ii i| j. 1 ■. ULJU ;Li ai H. ji i jul Jfjm itT B l 

■ wcfer'jftJ. 3 *^? ^Äir 4 iit'w(>iHi,hca Ift-t.dito.ilik^iu^.T^iJ i J 4 a»t äe(iiiwÄeh.ee 

ia fJtisReMot-f ; fJHf iteJüi yinKcfaÄfiiiLÜair uad TiU iter ;Äfiade#^ 

Mtbtlcbteftj; Di ili» DittWjber 

»tr * j is^ ia ifti |pii$ ^ föT jä eh Aiü ftige Btä S r li a n g ö r k ii 0 [iaa*l)Serf, 
ilraek ftM Sfartisefc ttMA-it Ju-O- 


jHplllHI :; <Setfe M»t:!Samäi ift tiie tillctn f ^§Hß 

f äW fl- Seär-- 



fflr nervöse und ErhohniuäiedOFRye. 


O»» iEftnzf!' 4^Ätir * 


Äerzrth Leitühi^ ■ 
Dr- Ttteüi Staetay^ 


RaufmUnu, Daitnog: 

Dirülctor Butlii* 


Büchersehauv 


■ . -,^ A ü f i n k W eT r B i h 1Utiter dicserri 'Titel lat e?n Uiust^iefter 
piShicr lih Ver^ge vpü F. Balke, Erfurt 4^ iTschienin iind aheii. 
svhlche difc Fei^e -dieses Talfra kühnen ierfien Whlien hnd im 
Sbntmef tinin Aufenlhait it^ri «nchen ddir eiue WÄndetuhg 
iinter n ehmtm w ollen, :äJa e ciimuck o r, :jhiV er Ikstigef BigSei itt 
Aufa beste su ^mpfeblen. Das BüchJeio wwt! gegyh tSius^öüüßg 
y^n do Pfennig von obengeäSihOtftm Vtirihge jiij^sleUt 
.•.■•'• E n 13. e- g ® ■ S p r e h 0 d t-tis,- er.'*■•;■; es Beaiehungea 

iftt, 4(er MAihe?rci^ P^y^ik^ Chemie und ku dereh AnwtödtJdf 
in der Teebnikj suiö fechnwcbehi UAtoiricht und 4 tüm Patehi^ 
: i#e 9 en. .. 3 ]«rgeleft von Ma* KMip^rif 



Triberg. 


Schw«rzwalii«*H 4 Stel» 

t. uumltteUb iVfllnj d, Rod^lbiihii. 

i»0 Sk iirehLu J e. N^ne B, pr ungh üg^lanlag»,, iüwle ^atiÄhoöja.. 

fiFHtrUiil« E«ft»lliaksltl|b1iAhk* T«jBph SS, 

iliipatfyPeospakte aitf TörlftBgtm. ^ Bod^lj Sfkl 






















Kau£afu 5 « 

t)om 28.2lpril bt$ 29. IHol (9^ mit beut 
DoppebSc^vaubenbampfet (b 1 e$n)i 

nach bem öjtltcben Ulittelmeer, bem Scbtoarsen Uleer unb bem Kaufafu$ 
Beginn nnb (Enbe ber $abtt in (5enna 

greife v^u 2natf( SOO*— an 

nusfunft erteilen 

tfd^e V Cloy^ ^iviitcn 

un^ feine Vertretungen. 



Haffauer Ifof • U)^e$bo^ett 


gegenüber bem Kurbous 
unb Königl. Ifoftbeoter 


= IDeltbefonntes = 
^otel unb Bobbaus 


gegenüber bent Kurbaus 
unb Kbnigl. Qoftbeater 

V^V^AA^/WwVVw^^.^AAl/WsA/^/vW^vWvV^VVWl✓ 


n)obnungen 

mit 

eigenem Bob, 

2 grobe Bab= 
böufer, 

bireftcr ^ulaiif 
aus bcu 
IPtesbabener 
iEl]ermen, 

niebi 3 in. Bober 

unb 

beilgbmnoftifeb. 

3nftitut 



Durch feine 

SObloge 

and? für 

U)inter!nren 

befonbers 

geeignet. 


Bornebmftes 

gamilienbons. 

3tn tDinter 

ermäßigte 

Preife; man Der= 
lange Profpeft. 












Badnerland imWInkr 

Wintersporcplätie ersten Ranges 


w ^ 

Skiivettrennen. Rodclrcnmn. €islaul. Illustrierte Broschüre vom 


Sremden=Verkehrs=Verban(l Karlsruhe. 

/i 1 w 


l^arlsruhe 

JL Badens schöne Residenz 


Kunst-, Theater-, Konzert-, Schul- 
- ^ und Garten-Stadt == 

Blühende Industrie, leistungsfähiger Handels- und Ge¬ 
werbestand. Stützpunkt für Ausflüge in den Schwarz¬ 
wald, die Pfälzer Berge und die Vogesen. Ftlhrer und 
Auskunft kostenfrei dureh den Verkehrs-Verein. 


Triberg 

Badische Sehwarzwaldbahn 


700—1000 m ü. d. M. 

Wintersportplatz 
: Winterkurort: 

1. Rang:eH 

Weithin aasgedehntes Skigebiet. Grosse Sprungschanze. 

EisplOtze.=Schönste Rodelbahn des Schwnrzvnldes 

Kunstbobsleighbahn — deutsohiands — 

Zahlreiche Wintersportveranstaltungen. 

Jllnstrierte Prosp. gratis durch die Stadt. Kurverwaltung. 


|j , Soliwarzwald-Hotel, Wehrle (Ochsen), 

nOLClS • laöwen-Nationalp Sonne, Post. 



Eine schöne IStadt, schaell u. kraftvoll zur GroOstadt emporgeblüht, 
die durch großartige Bauten, Anlagen, Denkmäler usw. außerordentlich 
viel für ihre Verschönerung tut, eine Stätte bürgerlichen Qewerbeüeißes 
u. Wohlstandes, ein Sitz weitreichenden Handels u. blühender Industrie, 
wo aber neben der Förderung aller praktischen Lebensinteressen auch 
Kunst und Geisteskultur eine nachdrückliche und sehr beachtenswerte 
Pflege finden liii Winter: Gesundes Klima, Eisfeste auf mehreren 
künstl. u.natürl. Eisbahnen. Vorzügl. Konzerte u sonst. Verunstaltungen 
Große Maskenbälle. — Auskunft durch den Verkehrs-Verein Mannheim. 


Maus Ifunilseck 

(900 Dieter) 

zwischen Bad Hohe und Hornisgrinde 




Bekannter Wintersportplatz des nördl. Sehwarz- 
waldes. — Uebungsfeld und genaue Anleitung für 
Anfänger. Tourenzentrum. Sprunghalde des S. C. S. 
Hotel, Pension, Restauration mit spezieller Winter- 
sportküehe. — Eigene Kellerei. — Alle modernen 
Einrichtungen und Verkehrsmittel. — Stationen: 
Bühl i. B., Oberthal, Baden-Baden. — Prospekte. 

Hammer & Maushart, Eigentümer. 


□'□DD □□DDlDIDD DO □ □ □ □ □ □ □ 


— Berchtesgaden. —| 

Pension Geiger, Bischofswiesen. 

Bevorzugte, herrliche, freie Lage, reizender Aufenthalt 
für das ganze Jahr, besonders auch für den Winter 
geeignet. Besitzer: F. Geiger. 


...... Berchtesgaden -- 

Hotel und Pension Krone 

Telephon 18 Gut bürgerliches Haus Telephon 18 
Parier fran^.ais Garage 

- Herrliche Lage. - 



liclirniclier: Handelswissonschaften, Volkswirtschaftslehre, Versicherungswesen, Rechtswissenschaft, Sprach¬ 
wissenschaft, Naturwissenschaften, Wirtschaftsgeographie, Technik und Waronkunclo, Allgemeine 
wissenschaftliche Ausbildung, Gewerbliche Einzelvortrilge. 

Ihas Vorl esiingsverzeioliiiis kann unentgeltlich vom Sekretariat bezogen werden. Dieses erteilt auch 

Auskuntt auf Anfragen. 

Keginii ties SoniiiicrHcnicstcrs: Ende April; Kcgiiin tio.s Wintorsemesters: Endo Oktober. 
Aiiiiieldiingen sind an das Sekretariat der Ilandels-Hochscluile zu Mannheim oder an die akademische 
Quilstiir der Universität Heidelberg zu richten. 



illjiMi 




700 m 

tt. i1. M. 


700 m 
tt. d. n. 


Höhenluftkurort mit städtischem Solbad. — Ilen fi:anzen Winter im lletrieb. — Elektrische Bäder. 
Inhalationen. Medizinal-Bäder jeder Art. Herrliehe Waldungen mit schön gepflegten Spazierwegen. Residenz 
des Fürsten zu Fürstenberg. Prachtvolle Parkanlagen. Fürstliche Bibliothek, Gemälde- und Kupferstich- 
Sammlung. Fürstl. Fürstenb. Brauerei. Angenehmer Kur- und Niederlassungsort für Private und Pensionäre. 


Knrhans Schfltien Hotel Lamm 

J. Buri I Dullciikopf 


Hotel Adler 

Soltonrcich 


Balmliof-Hotel Oasthof Sternen Oasthof .Bflren Rest. Zeppelin Rest. Anerhahn Bahnhof-Restanrant 

Schallor ' Biedorman | Ganthor | lloiaor | Klett | Henuy 


Auskünfte nnd Prospekte durch den Verkehrs-Verein« 


□□□□□□□□□□□□□□□□□ □ □ np □ □ □ □ □ □□□□□□ □□□□□□□□□□□□'□□ □ □ □ □ □□□□□□□□□□□□□ □□□□□□ □ □ □ 




























































Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll^ 


DÜSSELDORF, g 

Postfach 444. = 


wolle man die illustrierte Verkehrs-Zeitschrift „Deutsch- M 

land“, Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen, M 

vermerken, besonders für alle Ankündigungen der Ver- g 

kehrs- und Städte-Propaganda, des Kur- und Bäderwesens, J 

der Hotel-Industrie etc. — M 

Die Zeitschrift „Deutschland“, das amtliche Organ des g 

Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine, besitzt heute schon g 

Mit insertions-Tarif, Ent- ein© weitvorzweigte Verbreitung im In- und Auslande, g 

würfen undProbenummern, sie findet Beachtung bis in die höchsten Kreise. - 1 

Ausarbeitung: vollständigrer ° = 

wir gern zu Diensten. ^ Verlag der Illustrierten Verkebrs-Zeltsdirlft „Deutstliland". | 

iillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllir^ 




Krummhöbel, Riesengebirge 


650 bis 700 m fi. d. IR., am Fu^e der Sdineekoppe 

Erstklossiser (i)^nte^Ku^unll Sportplatz 

- Profpekte gratis. ■ ■ 




(DinienportliiilinHernisilorf-iKynasO-Agneteiiilorl-Petei'liautle. 

Bahnstation: Hermsdorf. 

Schönste Bahnen zur Ausübung jeglichen Wintersports. Hörner- und Rodelschlitten. 
Herrliches Skigelände und Eisplätze. Auskunft durch: 

Hermsdorf-Kynast : Tietze’s Hotel, Fernsprecher Nr. 15 
Agnetendorf: Beyer’s Hotel, Fernsprecher Nr. 14 

Peterbaude: Auf dem Hochgebirgskamm, Anruf Peterbaude. 

Arrangements für Schlittenfahrten werden von obigen Häusern übernommen. 

- Vorausbestellung dringend anzuempfehlen. — Sportgeräte leihweise. - 


BKsimi 


HOTEL KRONPRINZ HOTEIi ÖC NORD 


Ql KAIM 11 unmittelbar am Hauptbahnhof. 1908 erilliitt gegenüber Hauptbahnhof, 5 Minuten vom lir|^\||l|l 
Vornehm eingerichtete Zimmer von M. 3 — 5 , Zentrum der Stadt. fllV* Hall 1. Bangas *118 

zweibettige M. 5 —8. Elektr. Licht, Zentralheizung, Lift, Bäder. Priaa Kleha. — Zimmer mit Bad in allen Etagen. 59 S 55 SSS 55 













o e 




= »111 =: 

lllieiii 


die bedeutendste und schönste Stadt Westdeutschlands mit 615(JOU Einwohnern, größte Provinziaistadt Preußen>, 
zu beiden Seiten des von bemerkenswerten Brücken überspannten herrlichen Rheinstroms, Sitz eines Kardinal- 
Erzbischofs und hoher Reichs- und Staatsbehörden, bedeutende Festungs- und Garnisonstadt, mit interessanten 
Bauresten aus der Römerzeit, hervorragenden Bauwerken aus dem Mittelalter und der Neuzeit, großzügig 
angelegtem Straßennetz der Alt- und Neustadt, ausgestattet mit hervorragenden sanitären Anlagen und 
bevorzugt mit einem gesunden, milden Klima, beliebt als dauernder Aufenthalt für Rentner und Pensionäre 

VorzüQliclie Bildumsaiistaltefl. Niedrioer Steuersatz. Anienetimes Leben. Reirher bliibender Mittelpunlrt der Rheinlande. 

Internationaler Treffpunkt der Reisenden und Knotenpunkt der wichtigsten kontinentalen Eisenbahnverbindungen. 
Durchgangsverkehr nach allen Ländern mittels Lloyd-Expreß. Elektrische Straßen- und Vorortbahnen. — 
II aiidelHinetropole Westdeutschlands mit bedeutendem Güter- und Umschlags-Verkehr zu Wasser und zu 
Laude; große Häfen auf beiden Stromufern; Handelskammer, Börse, weltumfassende gewerbliche und kommerzielle 
Unternehmungen; beste und ausgedehnteste Ansiedlungsmöglichkeit für jegliche Industrie in besonderen Industrie¬ 
quartieren mit Wasser- und Bahnanschluß. — Ausgangs- und Endpunkt der HlieiiidaiiipfMoliifre ; herrliche 
Rheinfahrten auf behaglich ausgestatteten Dampfern zum Siebengebirge (Bonn, Köuigswinter, Rolaiulseck), einer 
der schönsten Gegenden der Welt. Lohnende Wanderungen in das waldreiche Eifelgebiet, das liebliche Ahrtal 
und auf der rechten Rheinseite ins Bergische Land. — Durchaus modern eiitnioUeltcs twcineinwesen. 
Neuzeitlich eingerichtete komfortable Gasthöfe, Cafes, Restaurants und Geschäfte, öffentliche Anlagen von 
bedeutendem Umfange (Stadtwald, Parks, Zoologischer Garten, Flora, Botanischer Garten). Vornehm ein¬ 
gerichtete Villenkolonien in nächster Nähe des Rheines und des Stadtwaldes. — Profane und kirchliche llanten, 
Meisterwerke der romanischen, gotischen und neuzeitlichen Baukunst geben einen lehrreichen Überblick über 
die Entwickelung aller Baustile bis in die neueste Zeit. Der Kölner Dom mit den himmelanstrebenden 160 m 
hohen Türmen ist das größte und schönste Gotteshaus der Welt; sehenswürdig daneben St. Gereon, St. Maria 
im Kapitol, St. Martin, St. Aposteln, St. Maria Himmelfahrt u. a. m. — mit kostbaren Kunstschätzen, 

Bildwerken der holländischen, vlämisohen, spanischen, der altkölnischen Schule und moderner Meister. Reiche 
Sammlungen römischer Gläser, Gefäße, Bronzen, Architekturen. Historisches, prähistorisches und Diözesan- 
Museum, Museum für Völkerkunde, kunstgewerbliche Sammlungen (Sammlung Schnütgen). — l>eiiliiiiHler 
sehenswerter Art im Innern der Stadt und auf den Ringstraßen. — Theater I. Itaiig^es: Opernhaus, 
Schauspielhaus, Deutsches Theater, Metropol-Theater, Darstellungen mit ersten Kräften. Theaterfestspiele im 
Monat Juni mit auserlesenen ersten Künstlern. Varietes und Kinemas. — kleben auf künstlerisch 

höchster Stufe, Musikschule, Rheinische Musikfeste, weltberühmte Konzei te des Gürzenich-Orchesters und 
Gürzenich-Chores, wie des Kölner Männergesangvereins. — Seluileii für Elementar-, Real- und Gymnasial¬ 
bildung, Priosterseminar, Handelshochschule, Maschinenbau- und Baugewerkschule, Kunst- und Handwerker- 
Fortbildungsschulen, städtische höhere Mädchenschulen, Archiv, Stadtbibliothek. — Große, neue städtische 
liraiikoiiaiiMtaltoii, Akademie für praktische Medizin. Vorzügliche Wasserversorgung; vorbildliche Ent¬ 
wässerungsanlagen. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung ist vortrefflich; geringe Sterblichkeit. — Geselliges 
Leben in vornehmer Art, altberüliuitor Karneval mit dem KoNeiiiiiontag:NKiij;e, Maskenbälle 
— Sportliebe VeraiiHtaltiiiigeii von bedeutendem internationalem Charakter, erstklassige Pferderennen, 
weltbekannte Radrennen, Schießplatz, Ruder-, Segel-, Motors])ort, Luftballon-Freifahrten, Luftschiffhafen und 
Luftschiff halle für drei lenkbare Ballons, Passagierfahrten. Hockey, Golf, Lawn-Tennis, Fußballspiele. Rodel- 
nnd Schigelände in unmittelbarer Nähe. — Infolge seiner Größe, zentralen Lage, seiner unvergleichlichen 
Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen, die den Aufenthalt überaus angenehm gestalten, und seines rege 

Köln »lle Metropole RlieliilaiKls. 

Kostenlose Auskunft über die Stadt, ihre bedeutenden Sehenswürdigkeiten und Einrichtungen usw., Versand von 
Prospekten über Köln (Kölner Woche in vier Sprachen), Führer durch Köln (140 Seiten sl ark) mit Stadtplan, etc. durch 

Ulargarctbeiikloi^ter 11 - 

gegenüber dem Hauptportale des Domes. 


Kölner Verkehrs-Verein E. V., 

_ 


nnnnnnDDDDDDDDDDDDDDnGDaDDDDGDaGDDDDDDaDODGaaGaDDDDaDGDDaDaDDaDDnannnnnnnQnQgQgQQgQQQQQQngQQQQQQQnQnnnQnnnnnnnngQnQQ 


























Zeitschrift für Helmotkunde und Helmntliebe 
Orsnn für die deutschen Verkehrs-Interessen 



Das Rathaus zu Aachen 


SONDER-NUMMER AACHEN, 


herausgegeben unter Mitwirkung der Städtischen 
Kurdirektion und des Aachener Verkehrs-Vereins 









































London 

\ Doi^er ' ' —- 

V yCäläiS 

Folkestone""'-^^ \ 
ßoulogne 



Frankfurt (Main) Hbf. ab 

Mainz .„ 

Coblenz.„ 

Bonn.„ 

Cöln.„ 

Aachen Hbf.au 


2l05f|l^ H30l5la'330| 

1 41 213 320 246 S) 427 (;m 
1308 414 1106 4381 842 

S 403 ' 501 ) 12151532® 722 9 ^ 
34411000 142|013| 7^11(145 

35^732 boo|7245 9^11206 


Fraukfan (Maiu> Hbf. ab 
Wiesbaden . . . . 
^^iederlahnstein . . „ 

Cöln.„ 

Aachen Hbf.an 


-yuo it)0i 218 ö 
858 1056 316 2) 

1040 1-J31 441^ 
142 31*012.; 

309 425 7245 


a) über Calais 


London Cliur. Cr/ 
Dover* 

Calais Hafen* 
Brüssel Nord* 
Lüttich* 
Herbesthal § . 
Aachen Hbf. . 


<00 3 

9'>^5 

ll06ü 

11053 

1253.2 

1250® 

500| 

?"l 1 


659« 

927 ^ 

927^ 

hüal 

948^ 


2 ^o£ I 900 ^ - 

O ' C3 

I V,1125-55 

707 *i iiooe 
Ll^S 545 =t 

1244? 7^^| 
945 ^ S 

415 w IQOI^;^ 


l^ondon — Aachen 

b) über Ostende 


London Cnar.Cr.* ab 'joo 

Dover* . . . . „ 1_ 

Ostende Quai* . „ 4i>5a ^ g3^c 

Mecheln* . . . „ 552b 

Brüssel Nord* . „ —I , txo522^ 

Liuticli* . . . . „ 72i2|j7l2j,„l 
Horbesthal § . . „ 1)48»« 3907 ®® 3^-f. | 
Aachen Hbf. . . an IU 0750 


405 aaga^öc 811= 342 ' 

552 tco ^-bß"!! _ -2 _ 1 

«j o cs 4> « 4 

— I .ho 522 ^ö 11 ^^. 545 ^ 


Antwerpen Hbf., 
Mecheln* . . . , 
Brüssel Nord* . , 


a g3^ö c 8iiß 342i Antwerpen Hbf. „ 8^5^1246?. 

552 ^) 3^*5 —I — I Mecheln* . . . „ | f 

— 1 , txo522^ ö 11 545 - Brüssel Nord* . „ ? lOio-j — ^ 

7^2| h7i 32-5[ 7^8^ Lüttich* . . . „ 11505 336< 

348»® 3907 ®® 3 ^:^ 945 ^ Herbesthal § . . „ 2*5^ Goo^. 

! ab FÖlkestönTlVorab BÖuiö‘gne''coo. I Aachen Hbf. . . anllU075S =9^55 ■IHä lOO^s Aachen Hbf. . an 24>- QiJs 

Die Dampfer verkehren täglieh. die Uber Antwerpen nur Werktags. — Zeitwechsel in Herbesthal: Westeiirop. Zeit (W. E. Z.) l Stunde nach gegen Mitteleurop. 
Zeit(M. E. Z.). — Züllabferiigung von England: in Herbesthal. Direkt eingeschriebenes Oep.ick von England nach Deutschland wird in Belgien nicht revidiert. 


220 3 i OOx 

43 O 0 * 1100 = 


8aari»rücken ab 6‘*5 12241 3 ^ 
Metz ... ab 626 1202 
Luxemburg „ T®* 124i^ 6£0 

Trier .... ab 836 155 7 ^ 
Gerolstein . „ lü06 310 9 ^ 
Aachen Hbf. an 2^6 525 1226 

(•) ül»er Antwerpen 


LondonLiverp.Str.*ab Hi2 ^ 
Harwich* ..... lOi» o 


„ 948»®‘ 3907 ®® 9^5^. Herbesthal § . 

an lU2l5o ^9^5o 415^ 1064^ Aachen Hbf. . 


Ostende —Brüssel—An tweipen —Aachen 


Ostende* . . ab 
Brüssel Nord* . „ 
Antwerpen Hbf.* „ 
Mecheln* . . . „ 
Lüttich* . . . „ 
Herboslhal § . . „ 
Aachen Hbf. . . an 


342 ® o. 

633-3 

- ^ 


loioj 

1064 1 

507 « 0 

854 (S 

1004 5 

550 

931 « 

Xi 

— 

7*8 S-j 

1150“ 

1239 ä' 

9-15^ 5 

2*5S 

249^ 

1004^1 

2<>|: 

308^ 


.♦ 332 ®|^ 405 .^ 


jV440® 4841 ® 
638S U24g 


7 i 36 b| 7 ^bi >5 

921^15 918^1 948^. 1024^ 

9485 J 9375 110075 104 . 6 ^ 


ab Antwerpen Süd. ♦ ab Ostende Quai 


Berlin—Aachen 


Berlin Friedr, Str. ab 

Magdeburg. 

Braunschweig . . „ 

Hannover . . . . „ 

Essen.„ 

Düsseldorf . . . . „ 

Aachen Hbf. . . .an 


8005 

859 

11515 

•100.2 

•925 

9251 


— ® 

_ 

— ® 

259^ 

1124 

- 

— 5 S) 

P2 

X 

— 

0Q 

X 

4 * 7 “ 

12M 



1132^ 

1246 

346« 

♦ 1 « 

JM 

924 

307 

314 ^ 

426 

741^ 

1 « 

544 

615 

641«^^ 

352^ 

5 I 6 

835 S 

1 ? 

; 644 

704 

727 h:? 

536^ 

706 

19205 

♦12005 

838 

♦909 

♦920 


1216 Sä 

♦ 


827 1 

1023 5 1 


• ab Potsd. Bf. ♦ über Cöln. ♦ über Halberstadt— Hildesheini—Soest. 
J über Halberstadt— Soest—Elberfeld. 


ab i 626^ a| 9481 254 ^ 


Amsterdam — Rotterdam—Haag- 
Aachen 


Haagt . 626 u a 948 254i 

Rotterdam Maast . „ ®. 2 ^ 747 «.^ 952 258 ; 

Amsterdam C. S.f „ 6^5^® 10^5 303 J 

Utrechtt.„ 7io^| 1105 404- 

Arnbeimt . . . . „ ^2 909^^^ 1207 52 I 1 

Mastrichtf . . . . „ . 03 1248:? a 4i7 8 ^’ 

Aachen Hbf.§ 


®.2^747^.^ 


645 ^® 100 


12071 521 ti 
417 8 ^^ 


2385 ^ 605110395 


Zollabfertigung findet statt: belgischerseits in Erquelinnes, deutscherseits 
in Herbesthal; jedoch wird bei Schnellzügen zollfreies Handgepäck in den 
Wagenabtellen abgefertigt und ist geöffnet bereit zu halten. Das aus Frank¬ 
reich nach Deutschland eingeschriebene Geplick wird in Belgien nicht revidiert. 
— Zeitwechsel in Verviers: Mitteleuropäische Zeit (.M. E. Z.) gegen West- 
eiiropllische Zeit (W. E. Z.) 1 Stunde vor; in Jenraont: Westeuropäische Zeit 
(W. E. Z.) gegen Pariser Zeit (Par. Z.) 5 Minuten vor. 


Bresden— Leipzig— Aaclien 


Dresden Hbf. .ab 3ji 800 1035 400 "^lo"« 
Leipzig B. Bf. . „ • 7 ioll 036 1 259 946 ® 

Magdeburg . . „ ^1 1243 059 1124 12i6^ 

Hannover . . . „ | 346 ♦ | IM ♦ | tö 

Düsseldorf . . „ 6 I 6 835 j 644 827^. 

Aachen Hbf. . an 705 l(j29 1006 838 10235 

• ab Leipzig Thür. Bf. ♦ über Erfurt—Cassel— 
Hagen, t über Halberstadt—Hildesheim— 
Soest —Cöln. ♦ über Halberstadt—Soest. 
Par it4—Aachen 


Paris Nord^ 
.leumont* . 
Lüttich* 
Herbesihal § 
Aachen Hbf. 


. . ab 

760 

810 

145 

84011000 

)) 

1030 

1103 

421 

I 21 I 1 100 

• • 1 ) 

1239 

150 

6 M 

U>-403 

* • )) 

249 

420 

9*7 

6*7 

. . an 

3 O 8 

439 

948 

646 


304 Alle Züge fuhren 
310 direkte Wagen 
82ä ab Paris. 

841 


DRESDEN 0 HOTEL BELLEVUE 

unter persönlicher Leitung des Direktors R. Roniiefeld 

Weltbekanntes vornehmes Haus in unvergleichlich herrlicher Lage mit neuesten Einrichtungen versehen. 

= ■=■■■ : Winter 1910/11 umgebaut. -- -■ -■ ■ - 






































i 



-6 % 
6 ü 

U« C/3 

CTS ^ 

CO Ci- 


Qi§ 
















DER SONDER-NUMMER 

AACHEN 

ALS GELEITWORT 

von Oberbürgermeister Veltman. 

□ Aachens Bedeutung beruhte im Mittelalter darauf, 
dafz es als Lieblings-Residenz und Grabstätte Karls 
des Grofzen jahrhundertelang die Krönungsstadt der 
deutschen Kaiser war. In neuerer Zeit konnte sich die 
Stadt einer solchen überragenden politischen Stellung 
nicht mehr erfreuen. Dafz sie sich trotzdem zur an¬ 
gesehenen und wirtschaftlich bedeutungsvollen Grofz- 
stadt zu entwickeln vermochte, verdankt sie dem Ge¬ 
meinsinn und rastlos schaffenden Gewerbefleifz ihrer 
Bürgerschaft, der reizvollen waldreichen Umgebung, den 
heilkräftigen Thermen und nicht zuletzt dem Umstande, 
dafz sie Sitz einer technischen Hochschule und damit 
ein Mittelpunkt der wissenschaftlichen Technik wurde, 
a Ich erblicke die hauptsächlichste Aufgabe der Ver¬ 
waltung der Stadt darin, dem tatkräftigen Gewerbefleifz 
die Grundlagen zur weiteren Entwickelung zu schaffen, 
dabei aber immer darauf Bedacht zu nehmen, dafz 
die Spuren der grofzen Vergangenheit erhalten werden 
und Aachen eine schöne Stadt sowie ein angenehmer 
D und gesunder Aufenthaltsort bleibt. o 


: 
t 

• 

: 

: 

• 
• 

: 
: 
: 


































DEUTSCHLAND 

Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe 


Organ für die deutschen Verkehrs-Interessen □ Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher 
Verkehrs-Vereine o Mitbegründet durch den Internationalen Hotelbesitzer-Verein e. V., Köln 


♦ ♦ 

X Bezugspreis für Deutschland J 
X und Oesterreich-Ungarn 6 M., X 
X vierteljährlich 1.50 M., für das X 
X Ausland TO M. pro Jahr zuzügl. X 
X Poslbestellgebühr — Erscheint X 
X Mitte eines jeden Monats (im X 
X April, Mai und Juni je zweimal) ♦ 
« ♦ 


Amtliches Organ des Rheinischen Verkehrs-Vereins, 
des Sächsischen Verkehrs-Verbandes, 
des Verbandes Bergischer Verkehrs-Vereine 
und des Verbandes der Verkehrs-Vereine Westfalens. 

Druck und Verlag: Düsseldorfer Verlags - Anstalt A.-G. 


X Anzeigen - Preis 60 Pfennig X 
i die viergespaltene Kolonelzeile X 
X - ■ - Reklamen 2.00 M. X 

X - die doppelte Breite - X 

X Auf der Umschlagseite erhöhte J 

• Preise — Bei Wiederholungen X 
X eine entsprechende Ermälzigung X 

♦ ♦ 
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 


Nr. 15 


Düsseldorf • März 1912 


II. Jahrg. 


Aus Aachens Vergangenheit. 

Von Dr. W. Brüning. 


Wie haben Natur, Geschichte und Kunst das schöne 
Rheinland ausgezeichnet und beglückt! So kann es in 
Wahrheit als kostbarster Edelstein in der deutschen 
Krone gelten. Und wer den Blick rückwärts lenkt in 
zweitausendjährige Vergangenheit, der gedenkt zunächst 
der „alten Kaiserstadt"; denn sie gehört zu den ersten be- 
deutungsvollenSchau- 
plätzen derMenschen- 
Geschichte auf ger¬ 
manischer Erde. Hier 
dröhnte der Marsch¬ 
tritt der Legionen, mit 
denen Cäsar den wil¬ 
den Keltenstamm der 
Eburonen vernichtete 
und die zugleich die 
Boten einer wertvol¬ 
len Kultur wurden. 

Diese Soldaten ent¬ 
falteten damals eine 
dorf- und städtegrün¬ 
dende Tätigkeit, ähnlich wie im frühen Mittelalter für 
ganz Deutschland die Benediktinermönche. Die Aquae 
Granni sind nicht bloß ein Badeort, sondern auch ein 
Handelsplatz gewesen, dessen Bedeutung die zahlreichen 
Römerfunde beweisen. Auch hier hat eine Kultur ge¬ 
blüht, die Freude fand an behaglicher und schöner 
Gestaltung des äußern Daseins: Wasserleitungen wurden 
angelegt. Bauten aufgeführt mit Wandmalereien und 
Mosaikböden, stilvolle Möbel und Geräte schmückten 
die Räumlichkeiten, Blumen und Ziersträucher aus fernen 
Landen umgaben das Haus, in einer Gegend, deren 
Bewohner bisher noch nicht gelernt hatten, an solchen 
Dingen Gefallen zu finden. Die Regierung einer Anzahl 
trefflicher Kaiser aus den Familien der Flavier und 
Antonine brachten den hier angesiedelten Ubiern Friede 
und Gedeihen, bis um die Mitte des 5. Jahrhunderts die 
Ripuarier dem Römertum ein Ende bereiteten. Auch 
in Aachen setzten sie sich fest, denn sie wandten sich 
stets dahin, wo die Wohlhabenheit der Bewohner gute 
Beute versprach. 


Die ersten Germanen, die mit den Römern kämpften, 
hatten eine städtezerstörende Tendenz. Sie vernichteten 
sie als „Bollwerke der Unterdrückung". „Vor Städten," 
sagt Ammianus Marcellinus, „hatten sie ein Grauen, 
wie vor Löchern, die mit Netzen umstellt". Die Franken 
gingen schon in anderer Weise vor. Sie richteten sich 

darauf ein, in dem 
eroberten Lande zu 
bleiben und benutzten 
die römischen Städte 
und Kastelle als Stütz¬ 
punkte. So werden 
denn die Ripuarier 
auch das römische 
Aachen nicht zerstört 
haben. Ein Städtevolk 
waren sie aber trotz¬ 
dem nicht, sie be¬ 
gnügten sich mit Sie- 
(lelung und Ackerbau 
im freien Lande. Sie 
fanden hier nicht nur überall fruchtbaren Ackerboden, 
sondern auch schon reich angebaute Distrikte. Ihre 
Siedelungsweise war die echt germanische der Einzel¬ 
höfe, auf die das Wort des Tacitus paßt: „Colunt discreti 
ac diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit". Wir 
können uns von den Zuständen dieser rein agrarischen 
Epoche wohl ein ziemlich anschauliches Bild entwerfen, 
aber von Aachen als Ort wissen wir während derselben 
nichts. Die Merowinger, die keine Meister in der Archi¬ 
tektur waren, haben sich wohl mit den Römerbauten 
begnügt, die sie an der Stelle des heutigen Rathauses 
und auf dem Chorusplatz vorfanden. Aus dem jahr¬ 
hundertelangen Dunkel taucht Aachen erst 765 hervor, 
in welchem Jahre Pipin der Kleine hier die Feier des 
Weihnachtsfestes beging. Man kann daraus schließen, 
daß ein der Zeit angemessener, nicht unbedeutender 
Palast- und Kirchenbau hier vorhanden gewesen ist. 
Mit der Feier der hohen Kirchenfeste, die in offizieller 
Oeffentlichkeit sich vollzogen, waren große Hoftage 
und Empfang fremder Gesandtschaften verbunden. Die 
































































716 DEUTSCHLAND Nr. 15 


Ursachen der Aufrichtung einer Pfalz in Aachen bildeten 
die warmen Quellen, die klimatisch geschützte Lage 
in dem stillen Tal und der Wildreichtum der nahen 
Waldberge, der Ausläufer des Jagdreviers der Ardennen, 
die als solches neben Odenwald und Spessart für die 
fürstlichen Waidmänner des Mittelalters eine Haupt¬ 
anziehungskraft besaßen. Für den Sohn Pipins des 
Kleinen wird aber wohl noch ein 
andrer Grund bestimmend gewesen 
sein, seine Residenz nicht in Paris 
oder Metz oder Trier, sondern in 
Aachen zu nehmen. Dies gewährte 
ihm eine leichteVerbindung mit dem 
Wiegenlande seines Geschlechts an 
der mittleren Maas, 
und außerdem hatte 
Aachen in bezug auf 
den Verbreitungs¬ 
kreis seiner wichtig¬ 
sten Kriegsunter¬ 
nehmungen, welche 
er von vornherein 
voraussehen konnte, 
eine zentrale Lage: 
er war hier den Mün¬ 
dungen der Ruhr und 
Lippe nahe, die ihm 
als Einbruchsstation 
in das Innere von 
Sachsen dienten; 
dem Rheintal, das 
ihn nach Süd¬ 
deutschland, und der 
Sambre - Maaslinie, 
die ihn nach Frank¬ 
reich führte. 

Das Baugenie 
Karls des Großen, 
dessen Auge sich an 
denMonumenten auf 
italienischem Boden 
erfreut und gebildet 
hatte, schuf auf 
zum Teil römischen 
Fundamenten und 
im Mittelpunkt des 
ehemaligen Römer- 
kastellsdie neuePfalz 
mit ihren Neben¬ 
bauten und das Münster. Staunend berichten uns die Zeit¬ 
genossen von diesen Werken, von denen das Oktogon 
des Doms auch auf den heutigen Beschauer noch 
einen wahrhaft großen und ehrwürdigen Eindruck macht. 
„Der christlichen Religion, zu der er von Jugend auf 
angeleitet worden, war Karl mit Ehrfurcht und frommer 
Liebe zugetan", sagt Einhard von seinem kaiserlichen 
Herrn und Freund. „Darum erbaute er auch das herr¬ 
liche Gotteshaus zu Aachen und schmückte es mit 
Gold und Silber, und mit Leuchtern und mit ehernen 
Gittern und Türen. Da er die Säulen und den Marmor 
für die Kirche anderswoher nicht bekommen konnte, 
ließ er sie aus Rom und Ravenna herbeischaffen." 


In dieser seiner Lieblingskirche weilte Karl oft, wenn 
er schlachtenmüde nach Aachen heimkehrte. Kein 
Heiliger zwar, aber erfüllt von der Sehnsucht nach 
Gottesfriede und deshalb ein wahrhaft frommer Mann, 
fand er in der Religion Trost und Erhebung: Trost für 
manches Lebensleid, das er sich selbst zufügte und von 
anderen zu erdulden hatte, und Erhebung und Kraft zu 
den Taten, die seine Erscheinung zur 
bewunderungswürdigsten der deut- 
schenGeschichtemachen. Erkonnte 
sich zu dieser Vollkommenheit 
emporringen, weil seinem Wesen 
eine sonst nie erreichte Harmonie 
eignete, eine in ihrer Innigkeit nur 
selten gestörte Ver- 
bindungvon höchster 
Vernunft und uner- 
schütterlicherSeelen- 
größe. Mit förmlich 
mystischem Ver¬ 
senken in seine 
Persönlichkeit hat 
die mittelalterliche 
Menschheit Karl den 
Großen zu erfassen 
versucht. Sein Name 
verlieh Aachen für 
die Zeit des Mittel¬ 
alters eine ideale 
Bedeutung und ein 
Ansehen, die sie 
über jede Stadt des 
Abendlandes außer 
Rom weit hinaus¬ 
hoben. So konnte 
Friedrich Barbarossa 
bekunden: „ Aquis- 

granum omnes pro- 
vincias et civitates 
dignitatis et honoris 
prerogati va precellit." 
(Dipl. Frid. I. Imp.) 

Aachen wurde 
auch der Mittelpunkt 
des, wie Wattenbach 
sagt, großartigen 
Umschwungs, den 
Karls Bemühungen 
in der wissenschaft¬ 
lichen Bildung des Abendlandes bewirkten. Wir brauchen 
nur an drei Mitglieder seines wissenschaftlichen Freundes¬ 
kreises zu erinnern, an Alkuin, Paulus Diaconus und 
Einhard. Der letztere war nicht nur der gelehrteste Mann 
seiner Zeit, der als solcher das beliebteste und gelesenste 
Buch des ganzen Mittelalters, Kaiser Karls Leben, schrieb, 
sondern auch der umsichtige Minister der öffentlichen 
Arbeiten; er hatte die Bauten, die der Kaiser unter¬ 
nahm, auszuführen und zu leiten, auch die in Aachen. 
Von der Größe des Palastes gibt die Erwägung eine 
Vorstellung, daß nicht nur der Kaiser nebst allem, was 
zu dessen Hof gehörte, in ihm wohnte, sondern daß auch 
die Mitglieder der vielen Gesandtschaften, alle fürst- 



Aachen: Marschiertor 
















Nr. 15 DEUTSCHLAND 717 


liehen Personen, die Bischöfe und vornehmeren Diener 
der Kirche und des Staates, die fortwährend in großer 
Anzahl aus ihren nahen und fernen Provinzen nach 
Aachen berufen wurden, Raum darin fanden. Und ein 
reicher wirtschaftlicher Segen breitete sich über die 
Lande aus, die Karls sieghaftes Schwert errungen hatte. 
So wurde er der Schöpfer deutscher Kultur, ein Segen¬ 
spender für viele Jahrhunderte. 

Wie klagte und trauerte die Menschheit, als er, 
zu früh trotz seiner 72 Jahre, am 28. Januar 814 ins 
Grab sank. Aber dieses Kaisergrab erhob Aachen zu 
der politischen Bedeutung, die es als Krönungsstätte 
der deutschen Könige in der Geschichte des Mittel¬ 
alters besitzt. In der Kirche, deren Steingewölbe den 
Leichnam des großen Kaisers umschloß, mußte der 
vom deutschen Volk gekürte Mann die „Sedes regia" 
auf dem Hochmünster, wo sie schon zu Karls Zeit 
gestanden, besteigen, bevor er seine Königsrechte aus¬ 
zuüben vermochte. Wem Aachen, wie Otto IV. und 
Ruprecht von der Pfalz, den Zutritt zu der sedes regia 
verwehrte, der war nur dem Namen nach König. Als 
Hüterin dieses Königsstuhles und der Reichskleinodien, 
die das Krönungsstift in Verwahrsam hatte, war Aachen 
die bevorzugteste Stadt im Reich, und die Könige 
wetteiferten mit einander, sie mit großen Rechten und 
Freiheiten auszustatten. Aachen wurde durch die 
Krönungen nicht bloß die Stätte, wo sich der für das 
alte Reich wichtigste staatsrechtliche Akt vollzog, den 
jedermann mit gespanntem Interesse verfolgte und 


gleichsam wie ein allgemeines Reichsfest feierte, sondern 
auch der Ort, der die glänzendsten Versammlungen 
der Notabilitäten aller Länder in seinen Mauern sah. 
Begeistert erzählen uns die Chronisten, wie den König 
auf seiner letzten Wegstrecke von Düren bis Aachen 
jedesmal eine so große Menge Volkes umwogte, daß 
man sie nicht zählen konnte. Tag und Nacht wurden 
dann die Straßen nicht leer von Reitern und Fu߬ 
gängern. Auch die Schar der eigentlichen Begleiter 
des Königs, der Kurfürsten, Bischöfe, Aebte und 
anderen Prälaten, der Herzöge, Grafen, Freiherren, 
Ritter und Knechte und der Vertreter der Städte wurde 
auf den letzten Tagesmärschen noch immer vermehrt, 
so daß es stets ein überaus stattlicher und farben¬ 
prächtiger Zug war, dem sich die Tore der Krönungs¬ 
stadt öffneten. Auch hervorragende Persönlichkeiten 
des Auslandes, besonders Frankreichs und Englands, 
pflegten an derFeier teilzunehmen. Sinnvolle Gebräuche, 
Spiele und Gaben an das Volk machten die Krönung 
auch zu einem Fest für die gesamte Bürgerschaft 
Aachens und die Menge des fahrenden Volkes. 

Otto der Große war nach Ludwig dem Frommen 
der erste deutsche König, der die sedes regia be¬ 
stieg. Die Ottonen zeigten überhaupt eine große Vor¬ 
liebe für die Stadt Aachen und sie hoben sein Ansehen 
sehr, zumal Kaiser Otto III., der auch im Münster 
seine Ruhestätte fand. Im ganzen beläuft sich die 
Zahl der in Aachen gekrönten Könige von Ludwig 
bis auf Ferdinand I., also von 813 bis 1531, auf 32. 





Aachener Münster; Südseite (Nach einer mehrfarbigen Lithographie von K. J. Gollrad) 
















































718 DEUTSCHLAND Nr. 15 




In erster Reihe verdankte Aachen seiner Eigenschaft 
als „Sedes regni principalis" und ,,Prima regum curia" 
die Entwicklung zur verhältnismäßig großen und an¬ 
gesehenen freien Reichsstadt. Von Westen her, vom 
frühreifen Belgien, kam der 
Anstoß zur Entwicklung als 
Industriestadt. Und so trat 
auch hier das Element ins 
Leben, auf dem die ganze 
neue Zeit sich aufbaut, das 
Element allgemeinen Fort¬ 
schritts, das Bürgertum. Es 
schuf den Reichtum, mit 
dem im 14. Jahrhundert auf 
der Stätte der verfallenen 
Pfalz das mächtige Rathaus 
errichtet wurde. Auch der 
Bau des vielbewunderten 
Münsterchors gehört diesem 
ruhmwürdigsten Jahrhun¬ 
dert reichsstädtischer Ver¬ 
gangenheit an. Aachen 
hatte sich damals erheblich 
erweitert, und es war um 
die im Jahre 1175 befestigte 
Mittelstadt eine förmliche 
Außenstadt entstanden, die 
gleichfalls in dieser Periode 
nie mehr übertroffener Bau¬ 
tätigkeit mit Mauern und 
Torburgen umgeben wurde, von denen das Pont- und 
Marschiertor als stattliche Reste sich erhalten haben. 
Die Einwohnerzahl des mittelalterlichen Aachen erreichte 
damals gleichfalls ihren Höhepunkt. Das 14. Jahrhundert 
war eben eine nach allen Richtungen hin lobenswerte 
Periode. Und wie hatte das Bürgertum zu kämpfen, 
um zu dieser Blüte zu gelangen! Aber es brachte 
fertig, was es wollte. Nicht zuletzt deshalb, weil es 
stets wußte, was 
es wollte. Es war 
tatkräftig und stolz, 
mutig und klug 
und voraussichtig. 

Es sah Jahrhun¬ 
derte weit. Aeußere 
Gegnerwurden mit 
bewaffneter Faust 
niedergerungen 
oder durch diplo¬ 
matische Gewandt¬ 
heit unschädlich 
gemacht. Im Innern 
gabesauchKämpfe 
genug; aber sie 
stählten gleichfalls 
nur die Intensität 
der Kraft. Wie jene 
Zeit, so waren auch 
ihre Männer. Ich 
nenne zwei von 
ihnen : den Ritter 
Gerhard Chorus, 


dessen Name nächst jenem Karls des Großen bis heute 
in Aachen der volkstümlichste geblieben ist, und Johann 
von Punt, der in den Jahren 1372 bis 1385 sechsmal 
an der Spitze der reichsstädtischen Verwaltung stand, 

der streitbarste undkampfes- 
mutigste unter den Bürger¬ 
meistern Alt-Aachens. Enea 
Silvio de' Piccolmini, als 
Pius II. einer der gelehr¬ 
testen und einflußreichsten 
Päpste, staunte auf seiner 
Reise durch Deutschland, 
die ihn im Jahre 1435 auch 
nach Aachen führte, über die 
großzügige Anlage und die 
architektonische Schönheit 
der Städte, obwohl sein 
Auge durch die Pracht der 
italienischen Weltstädte wie 
Rom, Venedig und Florenz 
gewiß verwöhnt war. „Wo 
ist ein deutsches Gasthaus", 
ruft Piccolmini aus, „wo man 
nicht auf Silber äße, wo eine 
bürgerliche Frau, die nicht 
vom Golde schimmerte?" 

Im 16. und 17. Jahrhun¬ 
dert wurde die Stadt von 
schweren, durch unaufhör¬ 
liche Kriegsdrangsale noch 
verschärften Schicksalsschlägen getroffen, die sie aber 
dank der unerschütterlichen Heimatsliebe und zähen 
Ausdauer ihrer Bürgerschaft überwand. Und immer 
blieb Aachen für die abendländische Menschheit das 
Ziel frommer Sehnsucht, die in den Heiligtumsfahrten oft 
mit überwältigender Großartigkeit zum Ausdruck kam. 
Geistige Anregung sowie materielle Wohlfahrt ging in 
Fülle aus dem Zusammenfluß der Völker am Aachener 

Münster hervor. 
Auch bewahrte die 
Stadt trotz aller 
Not der Zeit stets 
eine nicht zu unter¬ 
schätzende Bedeu¬ 
tung, und zwar als 
Kongreß-undBade- 
ort. Hier wurde 
i.J.1668 der Friede 
zwischen Frank¬ 
reich und Spanien 
abgeschlossen und 
80 Jahre später 
fand der weit über 
Aachens Grenzen 
berühmte Kongreß 
zur Wiederherstel¬ 
lung der Eintracht 
zwischen Oester¬ 
reich, Frankreich, 
England und den 
General - Staaten 
statt. Für die vor- 


Aachen: Die Kurie Richards von Cornwallis, 
das älteste Rathaus der Stadt — heute städtisches Archiv 


Der Frankenberg in Aachen (l^hot.: Otto Petermann, Aachen) 
















Nr. 15 DEUTSCHLAND 719 



ffäter- 


W''.V-. 


^-‘■r -:- -.V 


Blick auf Aachen vom Elleterberg- (Federzeichnung- von K. J. Gollrad) 


nehme Welt ganz Europas, die häufig durch fürstliche 
Persönlichkeiten vertreten wurde, war Aachen ganz 
besonders im 18. Jahrhundert der Sammelpunkt, so daß 
das hiesige Bad alle andern an Glanz und Bedeutung 
übertraf, auch noch im IQ. Jahrhundert; und die Heil¬ 
kraft der hiesigen Thermalquellen ist bisher von keinem 
Bade übertroffen worden. 

Die Fremdherrschaft, welche von 17Q4 bis 1814 
währte, bereitete der partikularistischen Abgeschlossen¬ 
heit Aachens, die besonders während der letzten Jahre 
ihres Bestehens destruktive Tendenzen aufkommen sah, 
das wohlverdiente Ende. Napoleon schuf im Rheinlande 
als Gesetzgeber und Organisator gesunde Zustände^ 
außerdem hob er die Industrie und verschaffte ihr 
ein großes Absatzgebiet. Aber seine ewigen Kriege 
beraubten Stadt und Land beständig der Jungmannschaft 
und ließen deshalb keinen dauernden Segen aufkommen- 
An dem Entscheidungskampfe gegen ihn hat das Rhein¬ 
land rühmlichen Anteil genommen. Als der letzte 
Adler des Kriegsfürsten, vor dem ganz Europa hatte 
zittern müssen, auf dem Felde von Waterloo in den 
Schmutz sank, begann wieder eine neue Zeit. Und sie 
brachte unter dem Schutze des Hohenzollernzepters 
dem ganzen Rheinlande eine wirtschaftliche Entwicklung, 
die in der Weltgeschichte einzig dasteht. 

Der beste Maßstab für das Wachsen und Gedeihen 
einer Stadt ist die Entwicklung ihrer Bevölkerungs¬ 
verhältnisse. Beim Beginn der preußischen Herrschaft 
hatte Aachen 30000 Einwohner, eine Zahl, die auch 
zur Zeit der höchsten mittelalterlichen Blüte kaum erreicht. 


geschweige denn überschritten worden war. Und heute ist 
Aachen eine opulente Großstadt von 157000 Einwohnern. 

In neuer Schöne sind die monumentalen Zeugen 
mittelalterlicher Macht und Kultur, vor allem das einer 
stolzen Königsburg gleichende Rathaus, erstanden, und 
sie grüßten an jenem sonnenfrohen Junitage des Jahres 
1Q02 den glanzvollen Vertreter des neuen Imperiums, 
unsern geliebten Landesvater Wilhelm II., der wie nur je 
einer seiner erhabenen Vorfahren ein Mehrer des Reiches 
gewesen ist, „nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern 
an den Gütern und Gaben des Friedens, auf dem 
Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung". 

Unvergeßlich bleiben jedem Aachener die Worte, die 
Wilhelm II. damals im Kaisersaale des Rathauses sprach: 

„Wer sollte nicht an die Fügung des Himmels 
denken, wenn er die Geschichte der Jahrhunderte 
überblickt, die unser Vaterland durchgemacht hat in 
der Verbindung mit Aachen? Aachen ist die Wiege 
des deutschen Kaisertums; denn hier richtete der 
große Karl seine Macht auf, und von seinem Glanze 
gewann auch die Stadt Aachen einen Widerschein." 

Und mit Stolz und Genugtuung mußten uns die 
Schlußworte jener denkwürdigen Rede erfüllen: 

„Ich trinke auf das Wohl der Stadt Aachen in 
der festen Ueberzeugung, daß die Worte, die ich 
gesprochen, in ihr einen guten Boden finden, wie es 
mich ja auch, was ich heute von der Bürgerschaft 
dieser Stadt, alt und jung, gesehen habe, sicher macht, 
daß auch in der Zukunft in ihren Mauern unser Haus 
und unser Thron eine feste Stütze finden wirdi" 


Die Aachener Landschaft. 

Von Hermann Ritter. 


Kaiserstadt am Waldesrande — der Name will mir als 
treffendste Bezeichnung Aachens erscheinen. Eine Stadt der 
Bäder, der Fakriken, dürfte ebenfalls die alte Siedlung heißen. 
Doch käme eine solche Benennung nur als Untertitel in Frage, 
denn Geschichte und Umgebung haben dem Angesichte der 
Stadt die charakteristischen, unverwischbaren Züge verliehen. 


die dem Fremden sofort erkennbar werden, wenn er den Ort 
auch nur flüchtig berührt. Natur und Geschichte schaffen 
und erhalten Aachen trotz aller modernen Entwicklung jenen 
Zauber, jene köstliche Eigenart, welche die Stadt vor allen 
rheinischen Großstädten auszeichnet. Keine rheinische Gro߬ 
stadt erscheint so verwachsen mit ihrer landschaftlichen 






















?2e N?^ 13 


Um^bting wie Äacbsri. • Abgeseberi von - den GTößstädf.eri. im Nerdeh der Sladt, der höchste von drei Ei^ebungen* die 

öTt <]et VetkeHY5Streß«r leUrt keirie mi! so «n*’: Hjat der Kreidj^eU 

iflutö(ib^i :i m I-1 fJek 0 ^nf i h f e Ltjnds c; h tjft d i e Sd pst^ v ipi nfen 3 ni?>FtficKe _t ehdfike - 

v^ers I«rtdj t<Hk ^i% f,ifn d jda<!i N^ft Ufr 1 bk e i t dv rer J:!itsiti&h u r^g- im d A11 e d rei v^i n Hg r 1 w^t ff« 9h Siid’&sl str^^ieKi^ndei) HügeJriiaken 

ihres '^CvacbsUiTti^v Diese jjjg.en^d frische N^^irurljt:hk<?U^ j^irv bfets?^n herrliche die fOrdea Sesucbar ,ein 

zwäiigjcjses^ Aufgeheo mid Hirremlelje'ni irt die g^'getjen^^h lohdsc)ifti>Jjrb^,Ö^njie%ns^: d6rsielb>A^^ tmiere der 

Pofrnen ßhier xum Städteha« 11 nd sJÄdtis ch er BatdtIüng Wiagett'^beschi feßt rnil p ra^h ii gen AtiI4^*^ irt\terer 

gesdrüffenen Land^thürt bßiben die Rtnxe ^rhab^ Teü d^^» Geböude des Mariohilf ähh die 

dW ^^ndeitTi r4r(?hdfedic-h^ %md^ scbfjttJgen Pronienadehstrüßen^ die m e^ner; 'von 

Sc Kd n t r eit üi \ d Po rrs m t erv e ins t M cto W i hf er ml A ^ Kji e met^r vi>m K ^4 s e-Tpl uiz bi s rti J e g 

KörolKiger ^i;v däh HiJgel in Talmaldef ab dem in der cfe äußeren StödtgrSberi bezeichnen 

Vortreir dm R^mer Uire Bädier erhfi^ V^or ahmn Ibg -E^bnim^a ond Rluinonbeden ein hes<>n(5ers 

dos r>f)ebe^ TrboMbare Lai>d, üict Ktirb wd der Badestöd^ siKnK mif 

A biftr h K vt^T i \ m s\ legr de r U' ti! d anf, der rb^ si g e Ber|r for^ i rj u rcJi ei a v i n. o Bsie btbs < zur 

1 h? r A njebnenj m de m si b ih bij 1 \rr a j d^ bV^4 H dhe ' Qb^rv^iionbmtfj J^y 4^sv-Be -r 

VVddmabhyu^t üUijirb^^K^ kminU'n; ;2 :ü tWbi e<: da Prnnkenhyrt !f<e;hairer 

ilundikh tttid deK ln r^zvjg, W^idesro11 nd Wejrl^ d n;sici 1 ib^bjr 

tnonnslust Tt'^stdleh hier den örü!S*m l^arli l.mßeh iitn in bc'sHtzbr dv:n mit 

- . . - . - . . - - - ve^j^^mieden i^eferttitba 

A^idu nnr Stadi^^inen: Bmch^himn haH 

AmHtert: die fKuiptsUidt des Abendlamles nrtW:i>h?ai dbri in AhilrücK^fb eiMrungen aMyt Weniger^ 

j^iitmürd^chmi^ Brnpiindenr nicht, aas BrWögubgeri^ uddif Spc‘?:ie?i Ptionzfi'n ^rntJ etwa 5000 Insekte^ gefbnddi 

















722 DEUTSCHLAND Nr. 15 


plateaus. Sie wurde von Tranchot 1804 zur Bewahrung der 
von ihm gemachten Ortsbestimmungen erbaut. Von hier aus 
hat man die beste Aussicht, einen Blick, wie ihn nur wenige 
Städte in ihrer Nähe bieten können. 

In ihrer ganzen Ausdehnung liegt drunten die Stadt 
mit dem schiefergau geschuppten, leichtgewellten Riesen¬ 
rücken ihrer Dächer. Kirchturmspitzen ragen hier und da 
und dort aus der großen Häusermasse auf. Hüben und drüben 
quillt Baumgrün aus dem Schiefergrau hervor. Gleich den 
Bauten einer geweihten Insel schauen das Rathaus mit seinen 
beiden hohen Schiefertürmen und das Münster über das 
dichtgedrängte Heer der Gebäude. Industriebauten, indu¬ 
strielles Leben machen sich wenig bemerkbar in der um 
Rathaus und Dom gescharten Stadt. Nach Norden und 
Nordosten hin im ebenen Lande und auf den zur Ebene 
übergehenden Hügelwellen drängen sich ferne Schlote enger 
zusammen, Wahrzeichen großer Werke und der Zechen des 
Wurmrevieres, deren Rauch von dem fast stets wehenden 
Westwinde ostwärts weggeführt wird und die Stadt nicht 
berührt. Aber auch in ihren Anlagen erscheinen diese Industrien 
keinen Einfluß auf die Stadt und das Landschaftsbild aus¬ 
zuüben. Weite Wiesenflächen, Teiche, Aecker und Gärten 
füllen das nach Norden und zum Industriegebiete hinziehende, 
breite Sörser Tal. Frisches Grün zieht in breiten, mit Ge¬ 
bäuden besetzten, von Gärten durchbrochenen Bändern neben 
gewerblichen Anlagen her. Nach Südosten schneidet schnur¬ 
gerade die 1807 vollendete Trierer Landstraße den Hang der 
Brander Höhe in der Richtung nach Cornelimünster, der 
anmutigen Klostersiedelung aus den Tagen Ludwigs des 
Frommen. Die Höhen ziehen weiter her hinter den die 
Doppelstadt überragenden Türmen von Burtscheid, sie ver¬ 
stärken sich in aufsteigendem Zuge zu Waldbergen, welche 
die große Stadt von Südosten nach Südwesten umfassen in 
gewaltigem Bogen als hochragender, laubgrüner Rand des 


bunten Beckens, in dem die Stadt ruht gleich einer großen, 
kostbaren Perle in schimmernder Muschel. 

Villen und kleine Gartenreiche steigen von der Stadt auf¬ 
wärts bis zum Rande des Bergwaldes, zu dem Wege, Prome¬ 
naden und die Linien elektrischer Bahnen hinführen. Ein 
geschlossenes Waldgebiet von über 8 Kilometer Länge und 
3 Kilometer Breite ist dieser Aachener Stadtforst, der die große 
Mulde zu seinen Füßen gegen die Hochfläche des Limburger 
Wiesenlandes und rauhere Winde der Höhe absperrt und 
Aachen sein mildes, selten gleichmäßiges Klima erhält. Die 
Stadt hat dieses Gelände der waldigen Bergkuppen und ver¬ 
schwiegenen Waldwiesentäler in einen großen geschlossenen 
Waldpark verwandelt, indem sie es nach allen Richtungen 
mit breiten, schönen Wegen und Fußpfaden durchzog und 
entsprechend beforstete. Die Berge des Aachener Waldes, 
die bis 352 Meter aufsteigen, wechseln im äußersten Höhen¬ 
unterschiede von 170 Meter rasch ab mit mannigfaltig 
gestalteten Talschluchten, von denen sich manche dem Wan¬ 
derer mit entzückendem Ausblick auf ein Stückchen der unten 
eingebetteten Kaiserstadt öffnen. Auf den hohen sandigen 
Bergköpfen breiten Kiefern ihre dunkelgrünen Nadelbüschel 
über hochragendes, lachsfarbiges Geäste. Sie lugen hervor 
über das dichte Gezweige des Laubwaldes, über die Gipfel 
knorriger Eichen, die von längst vergangenen Tagen erzählen, 
unter deren Vorfahren noch das Jagdhorn Karls des Großen 
erklang. Breite, wohlgepflegte Fahrwege durchziehen den 
Wald der Länge und Breite nach und ermöglichen bequemstes 
Erreichen seiner Aussichtspunkte und der an bevorzugten 
Stellen schmuck erbauten Restaurationsgebäude. Fußpfade, auf 
denen der Wanderer unter hohem Waldesdome voller Finken¬ 
schmettern die Nahe der Großstadt vergißt, schlängeln sich 
über die Höhen und durch die blumengetupften Waldwiesen. 

Der höchste Punkt des Waldes, der sogen. „Steinknipp", 
wird von einem in mittelalterlichem Stile gehaltenen Aus- 



Städtisches Waldhotel im Aachener Stadtwalde 

















Nr.l5 S^0088e8^^^^^^00^^^g| DEUTSCHLAND 723 


sichtsturme gekrönt, den man von allen Seiten hoch über 
den Wipfeln hervorblicken sieht und von dessen Höhe man 
einen großartigen Rundblick über die Stadt nordwärts ins 
Jülicher Land und nach Süden hin bis zum Hohen Venn 
genießt. Westwärts an der nahen Landesgrenze birgt der 
Forst auch eine geographische Merkwürdigkeit, den sogen. 
Dreiländerblick, die Stelle, an der die Königreiche Preußen, 
Belgien und Holland Zusammenstößen. Wen's gelüstet, von 
hier einmal seine Schritte ins Ausland zu lenken, der pilgert 
in der Regel hinunter zu dem schmucken Vaals, dem ersten 
holländischen Städtchen, das übrigens auch von Aachen aus 
auf direktemWege 
mit der elektri¬ 
schen Bahn in 
V 2 Stunde erreicht 
werden kann. 

Der Aachener 
Wald ist das große 
Reservoir, aus dem 
der Stadtbevölke¬ 
rung in unversieg¬ 
barer Fülle Natur¬ 
freude und Lust am 
Wandern zufließt. 

Er lockt nicht nur 
in seine grünen 
Hallen, er lockt 
überhaupt hinaus 
in die Natur, ins 
Gebirge, dem er 
vorgelagert ist. An 
seine breite, grüne 
Borde schließt das 
von Hecken durch¬ 
zogene Land der 
Weiden mit den 
in grünem Plane 
zerstreuten Ort¬ 
schaften. Hinter 
ihm winkt das 
Venn mit weiten, 
melancholischen 
Heiden und sturm¬ 
zerzausten Wäl¬ 
dern, mit tiefen 
Talschluchten, in 
denen sich male¬ 
rische Städtlein 
wie Montjoie und 
Malmedy bergen, 
an dessen Fuß sich 
drüben in Belgien 
das heitere, milde 
Spa schmiegt, ln 
der Nähe ist das 
Rurtal mit wildromantischem Berglande, in dem sich der große 
Seespiegel der Urfltalsperre versteckt, wo die Ruinen von 
Heimbach und Nideggen in ungebärdig rauschendes Berg¬ 
wasser blicken. Bahnlinien und gute Straßen rücken dies 
ganze Bergland in die Nähe der Stadt, ebenso wie das 
holländische Nachbargebiet mit dem anmutigen Hügellande 
an Geul und Maas und dem einzigen romantischen Bergneste 
der Niederlande, dem Burgorte Valkenberg. 

Der wanderfrohe Großstädter, der Beine und Lungen von 
Kindheit an in Freistunden im Aachener Walde stählte, 
benutzt alle diese hinauslaufenden Wege, Bahnen und Klein¬ 
bahnen nur strekenweise bei seinen weiteren Ausflügen. 
Bald verläßt er hier, bald dort den Wagen und dringt mit 


Wanderstab und Rucksack seitwärts in das Land ein. Und 
schön ist überall das Land, einerlei, ob der Wanderpfad 
vorbeiführt an verträumten Dorfidyllen, an grasenden Herden 
und leise im Winde singenden Heckenbuchen, an murmelnder 
Bachflut, an alten Burgen, schroffen Schieferhängen oder durch 
menschenleere, insektendurchsummte Heiden, Bergwälder und 
tannenumstellte Wiesenschluchten voll stiller Blumenwunder. 

In früheren Jahrzehnten war dieses Durchwandern des 
so abwechslungreichen Hinterlandes von Aachen erschwert 
wegen mangelnder Verkehrsgelegenheiten. Es lag über¬ 
haupt weniger im Blute einer Bevölkerung, die, wie die Vor¬ 
fahren, sich vollauf 
genügen ließ an 
den reichen Schön¬ 
heiten in nächster 
Nähe der Stadt. 
Auf die Erhaltung 
dieser an die Stadt 
anschließenden 
Anlagen und Pro¬ 
menaden war denn 
auch die Verwal¬ 
tung von jeher und 
schon allein in 
Rücksicht auf den 
Kur-Betrieb be¬ 
dacht. Mit ihrer ge- 
waltigenVergröße- 
rungerwuchsender 
Stadt hinsichtlich 
ihrer Promenaden 
neue Aufgaben. Es 
galt, nicht nur alte 
Naturschönheiten 
zu erhalten, son¬ 
dern sie erweiternd 
mit dem Gelände 
neu erwachsener 
Villen-Viertel zu 
verbinden. In welch 
geschickter Weise 
derartige Verbin¬ 
dungen von Park¬ 
gebiet mit ele¬ 
ganten Außen- 
Straßen zustande 
gekommen sind, 
lehrt recht an¬ 
schaulich derLous- 
berg. Zwischen 
die an seinem 
sonnigenSüdhange 
in der Umgebung 
der Nizza-Straße 
abgegrenzten Ge¬ 
bäude- und Gartengrundstücke schiebt sich streifenweise und 
bis zum Straßenrande der Rasenteppich und die Vegetation, 
die den Hang des Berges deckt, und zieht so um die einzelnen 
Besitzungen einen Rahmen, der sie harmonisch in Farben und 
Vegetationsformen ihrem Hintergründe anpaßt. 

Eine größere Aufgabe dieser Art ist an der Südseite der 
Stadt gelöst worden. Hier galt es nicht, einzelne Gebäude 
und Straßen in Verbindung mit geschlossenen Baumbeständen 
und freier Natur zu bringen, sondern von dem städtischen 
Weichbilde eine Anlagenbrücke zum Aachener Walde zu 
schlagen. Die etwa 3 Kilometer betragende Strecke zwischen 
Stadtstraßen und Waldrand war zwar leicht dank der elektri¬ 
schen Bahnlinien zu überwinden, jedoch bedeutete es jedenfalls 



Rodelbahn im Aachener Stadtwald 










724 DEUTSCHLAND Nr. 15 





PP^’ 





Blick auf den Aachener Stadtwald (Federzeichnung- von K. J. Gollrad) 


für Einheimische und Kurfremde eine große Annehmlichkeit, 
wenn sie den Weg bis zum Waldreiche großenteils zu Fuß 
durch schöne Alleen und Anlagen zurücklegen konnten. 
Diese erwünschte Brücke zum Walde ist nun geschaffen 
worden mit dem Kaiser-Friedrich-Park. In geschmackvoller 
Weise sind dabei die gegebenen Verhältnisse ausgenutzt 
worden. Der große Hangeweiher, ein für die Aachener Tuch- 
fabrikülion wichtiges Sammelbecken, war hier mit schilfigem 
Uferland maßgebend für Ausgestaltung und Bepflanzung 
des Geländes. Den schönen Wasserspiegel faßte man in eine 
malerische Uferlandschaft, über der sich an der einen Seite 
breit ausladende Terrassenstufen aus buntblühenden Stauden 
und vor dem Hintergründe dunkeier Kastanienbäume erheben. 
Entzückend ist von dieser Terrasse der Blick über die Wasser¬ 
fläche, reizend sind auch die kleineren Szenerien der Park¬ 


landschaft, die unmerklich aus rein gärtnerischen Anlagen 
zu der fast unberührten Waldesnatur übergehen. Fern von 
sonnigen Straßen, wo Autos sausen, kann man hier durch 
ein blumiges, schattiges Reich wandern, wo alle Wege 
schließlich hinüberleiten zu den Wäldern. Der Stadt und 
Aachener Wald verbindende Park besitzt außerdem Anlagen 
für Schwimm-, Luft- und Sonnenbäder, er bietet Gelegenheit zum 
Kahnfahren, Eisläufen und zur Veranstaltung aller Turnspiele. 

So hat die Landschaft dem glücklichen Aachen ermög¬ 
licht, zu einer bedeutenden Stätte deutschen Gewerbefleißes 
auszuwachsen und sich dabei jene Fröhlichkeit und Frische zu 
erhalten, die dem Fremden angenehm an seiner Bevölkerung 
auffällt, die er selbst in den Straßen der Altstadt zu spüren 
glaubt und die nur aus dem Zusammenleben und Verwachsen¬ 
sein der Stadt mit der vielgestaltigen, großen Natur sich erklärt. 


Der Kurort Aachen und seine Thermen. 

Von Kurdirektor Hey'l. 


G es chi ch 11 i ch e s. 

Wohl wenige Kurorte dürften auf eine so lange und 
ruhmvolle Vergangenheit zurückblicken können wie die Bade¬ 
stadt Aachen. Karl der Große gilt nach der Volksüberlieferung 
nicht nur als der Begründer der „Stadt", sondern auch als der 
Entdecker der heißen 
Quellen, welche von 
ihm durch großartige 
Bodeanlagen der all¬ 
gemeinen Benutzung 
zugänglich gemacht 
wurden. Langejedoch 
vor der wellumgestal- 
tenden Wirksamkeit 
des in Aachen mit so 
unvergänglicher Be¬ 
geisterung gefeierten 
Kaisers Karl, ja bis 
in die dunkle Vorzeit 
hinein sind die im 
Aachener Talkessel 
vorbrechenden Ther¬ 
men von den um¬ 
wohnenden Stämmen 
der Kellen und Ger¬ 
manen gekannt und 


benutzt worden. Manche Ortsnamen und einzelne Funde 
deuten auf keltische Ureinwohner hin. Daß die Römer hier 
gleich wie in Wiesbaden ein Kastell und eine ziemlich be¬ 
deutende Ansiedlung hatten, ist durch die bei Ausgrabungen 
zutage getretenen zahlreichen Baureste und durch die aufge¬ 
fundenen Römerbäder 
hinreichend bewiesen. 
Jedenfalls dürfen wir 
nach der geschicht¬ 
lichen Ueberlieferung 
Karl den Großen 
als ersten wirklichen 
„Badegast" ansehen. 
Allerdings scheint er 
die wormenBädermehr 
zur Erfrischung und 
Belustigung, denn als 
wirklicheHeilbäder an¬ 
gewandt zu haben. 
Das Baden geschah, 
so viel wir wissen, zur 
Zeit Karls in großen 
Schwimmteichen, zum 
Teil unter freiem 
Himmel, zum Teil auch 
unterStrohbedachung. 



Detail aus dem Aachener Kaiser-Friedrich-Park 













Nr. DEUTSCHLAND 725 



Lange Zeit hindurch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts 
waren und blieben diese gemeinsamen Bäder üblich, und die 
Bäder, die im Anfänge des 18. Jahrhunderts in den sechs 
damaligen Aachener Badehäusern bestanden, konnten noch 
bequem 25 Personen zugleich fassen. Mit dem wechselnden 
Schicksale der Stadt Aachen ging auch das des Bades 
Aachen Hand in Hand. 

Trotz dem schattenvollen politischen Wechsel der Zeiten, 
trotz der großen Epidemien des Mittelalters, trotz Kriegs« 
Unruhen und Feuersnot hat das Bad Aachen seinen Ruf als 
hervorragender Badeort durch die vergangenen Jahrhunderte 
stets voll und ganz erhalten, ja in langen Perioden stand es 
als solches an der Spitze Europas. Nach den Zeiten eines 
infolge der unaufhörlichen Kriegsunruhen des 17. Jahr« 
hunderts und durch den gewaltigen Stadtbrand des Jahres 
1656 verursachten Niederganges des Aachener Badeverkehrs 
dürfte das Auftreten des berühmten Badearztes Dr. Franz 


Badezelle im städtischen Kaiserbad in Aachen 

Blondel, der um 1671 die Trinkkur mit Aachener Thermal¬ 
wasser einführte und ihre heilkräftige Wirkung zur allge« 
meinen Anerkennung brachte, epochemachend für die Aachener 
Bäder gewirkt haben. Der Besuch des Bades, das mehr und 
mehr den Charakter eines wirklichen Heilbades annahm, hob 
sich zusehends, und im Anfänge des 18. Jahrhunderts, wo 
noch eine verhältnismäßig geringe Zahl besuchter Badeorte 
in Deutschland bestand und wo die Reisegelegenheiten noch 
außerordentlich schwierig waren, hatte Aachen meist nicht 
nur ein großes, sondern auch ein sehr vornehmes Bade« 
Publikum, vielfach aus regierenden Fürstenhäusern. Nachdem 
die Stadt vom Jahre 1794 bis 1814 unter französischer 
Herrschaft gestanden, während welcher Zeit Napoleon I. 
viel für die Verschönerung der Bäder getan, gab nach der 
Wiedervereinigung Aachens mit dem deutschen Vaterlande 
König Friedrich Wilhelm III. im Jahre 1818 der Stadt die 
Quellen und die Bäder als ihr Eigentum zurück. Seit jener 
Zeit war die Verwaltung der Stadt bestrebt, die Bade« und 


Wandelhalle im städtischen Corneliusbad in Aachen 

beliebte Unterhaltung der Kurgäste dienen, Eier im Thermal¬ 
wasser hart zu kochen, was innerhalb fünf Minuten gelingt. 

Es seien im folgenden nur die hauptsächlichst benutzten 
Quellen und die von ihnen versorgten Badehäuser genannt: 

Die Kaiserquelle, 55‘’C., mit 26,39 gr Kochsalz 
und 0,1109 gr Schwefelnatrium in 10 1 versorgt außer dem 
Kaiserbade noch das Badehaus zur Königin von Ungarn und 
das Neubad, sowie durch eine Rohrleitung die Trinkstellen 
in der Rotunde des Elisenbrunnens, im Elisengarten und auf 
dem Friedrich«Wilhelm«Platze. 

Die dreiQuellen des Quirinusbades, die wärmste 
Hauptquelle mit einer Temperatur von 50° C. und 26,25 gr 
Kochsalz in 10 1, versorgen dos Quirinusbad. 

Die Rosenquelle in einem großen unterirdischen 
Reservoir, 47 °C., 23,2 bis 25 gr Kochsalz und 0,1035 gr 
Schwefelnatrium in 101; aus ihr werden das Rosenbad, das 
Comphausbad und teilweise das Comeliusbad versorgt. Das 
Corneliusbad besitzt außerdem zwei eigene Quellen, eine mit 


Kureinrichtungen Aachens stets zu vervollkommnen, so daß das 
Bad bei der vorzüglichen Heilwirkung seiner Thermalwässer 
eine fortdauernde Blüte seines Badewesens erwarten darf. 

□ □ 
Die Thermalquellen. 

Das heiße, schwefelhaltige Kochsalzwasser der Aachener 
Thermalquellen tritt aus *zwei oberdevonischen Kalkzügen, 
die das Gebiet der Stadt in gleichlaufender Richtung von 
SW nach NO durchziehen, an zahlreichen Stellen zutage. 
Seine Menge beträgt über 5000 bis 6000 cbm in 24 Stunden^ 
sie ist somit bei weitem zu groß, um durch die Badezwecke 
erschöpft zu werden. Die Temperatur der einzelnen Quellen 
an ihren verschiedenen Vorbruchstellen liegt zwischen 
37,2° und 73,4° C. Die letztere Quellentemperatur ist 
somit die heißeste von Mitteleuropa und übertrifft die 
Temperatur des Karlsbader Sprudels (72,5 °C.). Als Beweis 
für die hohe Temperatur dieses Wassers mag die früher 






726 DEUTSCHLAND Nr. 15 




halbwarmem Thermalwasser. Sämtliche vorgenannten Bade« 
häuser sind Eigentum der Stadt Aachen und von ihr verpachtet. 

Auf dem südlich gelegenen (Burtscheider) Kalkzuge 
befinden sich 18 benutzte Quellen, darunter das große 
Reservoir der Landes-Versicherungs-Anstalt, welches acht 
Quellenvorbrüche umfaßt mit 
72,4 bis 75 ^ C., 29,18 gr Koch¬ 
salz in 10 1. Aus dem Ver¬ 
teilungsbecken dieses Reser¬ 
voirs erhalten Thermalwasser: 
das Schwertbad, das Gold¬ 
mühlenbad, das Prinzenbad 
und die unmittelbar am Koch¬ 
brunnen liegenden Badehäuser 
Neubad und Krebsbad. 

Eigene Quellen haben das 
Michaelsbad (55,8® C. und 
26 gr Kochsalz in 10 1); drei 
eigene Quellen (64 ® bis 69® C.) 
das Rosenbad, zwei Quellen 
das Karlsbad (44® C., 27,8 gr 
Kochsalz in 10 1). 

Zu den wesentlichen 
Bestandteilen des Aachener 
Thermalwassers gehört das 
Kochsalz, bekanntlich ein 
zum Leben unentbehrliches 
Gewürz unserer Nahrung; 
daneben ist in nicht unbe¬ 
deutender Menge kohlensaures 
Natron und schwefelsaures Kali 
in schwach abführender Dosis 
vorhanden. Das Aachener 
Thermalwasser ist vollständig 
frei von schwefelsaurem Kalk. 

Die Schwefelverbindungen 
sind teils Schwefelnatrium, 
teils Schwefelwasserstoff; sie 
kommen in hinreichender 
Menge vor, um die dem 
Schwefel eigene Heilkraft bei 
Metall vergil t ungen,Hautkrank- 
heiten und Unterleibsleiden zu 
entfalten. Der Schwefelwasser¬ 
stoff verleiht dem Thermal¬ 
wasser den ihm eigenen 
Geruch, an den man sich bald 
beim Genüsse des Thermal¬ 
wassers gewöhnt. 

□ □ 

Heilanzeigen. 

Die Krankheiten, für die 
eine Kur in Aachen besonders 
zu empfehlen ist, sind folgende : 

I. Rheumatismus und 
Gich t, bei denen die Aachener 
Kur und namentlich die 
Duschen eine fast spezifische 
Wirkung entfalten; 2. Läh¬ 
mungen und Muskelschwund, 
dann Folgezustände von Ent¬ 
zündungen, Quetschungen und 
Verletzungen, Gelenksteifigkeilen, Kontrakturen; 3. Krank¬ 
hafte Störungen nach Quecksilberkiiren, nach Blei- und 
Arsenvergiftungen; 4. Skrofulöse; 5. Hautkrankheiten, ins¬ 
besondere: Ekzem, Akne, Furunculosis, Psoriasis, Prurigo, 
Pruritus cutaneus und Unterschenkelgeschwüre; 6. Torpide 
Zustände der Leber, Milz, des Magens und des Darmes. 


Badekur. 

Das Aachener Thermalwasser kommt zumeist in Form 
einer vereinigten Bade- und Trinkkur zur Anwendung. Zur 
Badekur dienen Voll-, Dusche- und Dampfbäder. 

Das Vollbad (Einzelbad) wird in einem versenkten 

Steinbassin genommen, dessen 
Wände mit Marmor oder 
Fayenzeplatten bekleidet sind 
und in welches man auf be¬ 
quemen Stufen hinabsteigt. 
Die Bäder fassen je 0,75 bis 
1,25 cbm Wasser, worin 4,5 kg* 
Salze gelöst sind. 

Das Bad kann zu jeder vom 
Arzte verordneten Temperatur 
gegeben werden. Da die 
Badehäuser auf dem heißen 
Vorbruchgestein der Thermen 
erbaut sind, so sind auch 
die Badebassins in den von 
heißem Thermalwasser durch 
strömten Boden eingelassen. 
Die Badezellen bestehen aus 
zwei getrennten Teilen, dem 
eigentlichen Bade- und dem 
Toiletteraum. 

Das Duschebad. Diese 
fast in keinem Badeorte, auch 
nicht in Aix-les-Bains, gleich 
vollkommen ausgeübte Bade¬ 
form besteht in der Anwendung 
eines 5 — 7—9 mm dicken 
Wasserstrahles, dessen Tem¬ 
peratur in einem sinnreich 
eingerichteten Mischkasten be¬ 
liebig geregelt werden kann 
und dessen Stärke durch zu¬ 
führende Hähne dem Bedürf¬ 
nisse angepaßt wird. Während 
5 bis 20 Minuten wird der 
Thermalwasserstrahl auf den 
Rücken und die Gliedmaßen 
des Badenden, auf die kranken 
Teile mit der gebotenen Scho¬ 
nung, unter gleichzeitiger An¬ 
wendung von Reiben, milden 
Knetungen und Streckungen 
angewendet. Während in 
Aix-les-Bains diese Dusche- 
Massage außerhalb des Bades 
in einem besonderen Raume 
vorgenommen wird, steigt in 
Aachen der Duscheur oder die 
Duscheuse mit dem Badenden 
in das geräumige Badebassin 
und dieser verweilt dann nach 
Verabfolgung der Dusche in 
dem gefüllten Bade ; er hat 
somit nicht nötig, den Dusche¬ 
raum zu verlassen, um das Bad 
aufzusuchen, wie in so vielen 
anderen Badeorten. Der ther¬ 
mische und mechanische Reiz, der sich in einer starken Haut¬ 
röte des Badenden kund tut, und die oft ergiebige Transpiration 
wird somit bei der in Aachen üblichen Methode in keiner Weise 
nach der Dusche unterbrochen. Das Duschebad ist, wenn 
es von der kundigen Hand der staatlich geprüften Aachener 
Duscheure geregelt wird, eine sehr angenehme und außer- 


Das Aachener Kurhaus in der Comphausbadstraße 


Ballsaal im Aachener Kurhaus 













Der Elisenbrunnen in Aachen (von Schinckel erbaut) 



Großer Konzertsaal im Aachener Kurhaus 
























728 DEUTSCHLAND Nr. 15 


ordentlich wirksame Badeform. Brause*- und Regenduschen mit 
kaltem Wasser sind ebenfalls fast in allen Badezellen vorhanden, 
in einzelnen abwechselnd kalte und warme Duschen (schot¬ 
tische Duschen), durch die ein großer Einfluß auf das Nerven¬ 
system erzielt werden kann. Kalte Fächer- und Strahlduschen 
sind in einzelnen Bädern eines jeden Badehauses angebracht. 

Das Dampfbad wird in Form des Dampfkastens oder 
eines mit den heißen Dämpfen der Thermen durchströmten 
Dampfbettes angewendet. In einem solchen Bade sitzt oder 
liegt der Badende mit Ausschluß des Kopfes, und während 
er somit reine, kühlere Luft atmet, wird der übrige Körper, 
je nach Vorschrift des Arztes, 38® bis 60® C. heißen Wasser¬ 
dämpfen und den Quellen entsteigenden Gasen ausgesetzt. 

□ □ 
Trinkkur. 

Zum Trinken versammeln sich die Kurgäste am Elisen- 
Brunnen (53® C.) in Aachen oder am Viktoriabrunnen in 
Aachen - Burtscheid (55 ®C.), in deren Gärten mittags und 


nachmittags bezw. abends die städtische Kurkapelle spielt. 
Heißes Thermalwasser entströmt noch in manchem Lauf¬ 
brunnen dem Boden, so vor dem Schwertbade auf dem Burt- 
scheider Markte und hinter dem Schloßbade. Diese werden 
weniger von den Kurgästen als von den Ortsangesessenen 
benutzt, die sich dort in bequemer Weise heißes Wasser für 
den Haushalt beschaffen. Das Thermalwasser wird in Mengen 
bis zu einem Liter aus Viertellitergläsern getrunken, meistens 
am frühen Morgen; man pflegt sich zwischen dem Genüsse 
der einzelnen Gläser und ebenso nach dem Trinken durch 
Umherwandeln eine mäßige Bewegung zu machen. Das 
Aachener Thermalwasser besitzt eine große, die Verdauung 
fördernde Wirkung und entwickelt durch seinen großen Gehalt 
an Kochsalz und kohlensauren Alkalien einen nicht gering 
anzuschlagenden Einfluß auf die Säurebildung im Magen und 
im ganzen Organismus. Dasselbe hat eine sehr beachtens¬ 
werte lösende Kraft gegenüber der Harnsäure und dürfte 


dem Vichy- und Fachingerwasser darin keineswegs nach¬ 
stehen. Daher eignet es sich in ganz hervorragender Weise 
zur Förderung der Ausscheidung und Lösung der durch die 
Bäder vermehrten Mengen der Endprodukte des Stoffwechsels. 
Auch sein Gehalt an Schwefelwasserstoff und Schwefelnatrium 
ist von großem Einflüsse auf Hautleiden und Metallver¬ 
giftungen und bekundet sich deutlich durch eine vermehrte 
Schwefelsäureausscheidung im Harne. 

□ □ 
Sonstige Kurmittel. 

Infolge der Bedeutung, die den physikalischen Heil¬ 
methoden, insbesondere der Mediko-Mechanik von Jahr 
zu Jahr mehr gezollt wird, hat die Stadt Aachen eine 
mediko-mechanische Zander-Anstalt errichtet, 
welches Institut nicht nur allen hygienischen Anforderungen 
in weitem Maße Rechnung trägt, sondern auch durch die 
praktische Anordnung der Räumlichkeiten und die Voll¬ 
ständigkeit der Apparate zu den besten und vollkommen¬ 
sten Deutschlands ge¬ 
zählt werden muß. ln 
dem Hauptsaal, der über 
300 qm Grundfläche hat, 
sind alle von Dr. Zander 
(Stockholm) konstruierten 
Apparate untergebracht. 

Inhalationen mit 
dem Wasser der Kaiser¬ 
quelle werden in dem 
großen Inhalations-Saale 
im Aachener Kaiserbade 
gemacht. Hier finden sich 
zahlreiche Apparate zur 
lokalen Anwendung des 
Wassers auf Nase und 
Rachen, auch ein allge¬ 
meiner Zerstäuber, der 
den Raum mit fein ver¬ 
teiltem Wasserstaube er¬ 
füllt und Gelegenheit zur 
Einatmung der Quellgase, 
namentlich des Schwefel¬ 
wasserstoffes, bietet. 

In den einzelnen Bade¬ 
häusern : R u s s i s ch e 
Schwefeldampfstube; 
Kohlensäure-, Sol¬ 
bäder; Fango-Appli¬ 
kationen; elektri¬ 
sche Glühlichtbäder; 
Bogenlicht-Reflek- 
tor für örtliche Be¬ 
strahlung, Elektrotherapie, Vibrationsmassage, 
Lichtbehandlung, Institut für phys.-diätet. Heil¬ 
weise, Milchkuranstalt, Röntgen-Laboratorium. 

Die von der Kurdirektion eingerichtete Trinkhalle im 
Elisengarten verabreicht die bekannten, natürlichen fremden 
Mineralbrunnen in stets frischer Füllung. Auch werden dort 
Molken und Kefir verabfolgt. — Im Herbst ist den Kurgästen 
Gelegenheit zu einer „Trauben-Kuri" gegeben. Täglich 
frisch ankommende Trauben aus Meran, Italien und vom 
Rheine werden in dem Kurlokale am Elisenbrunnen den 
Gästen verabfolgt. Auch ist frischer, aus den Kurtrauben durch 
kleine Pressen gewonnener Traubensaft daselbst erhältlich. 

□ □ 
Kurzei t. 

Es muß besonders hervorgehoben werden, daß in Aachen 
sowohl Trink- als Badekuren das ganze Jahr hindurch mit 
Erfolg angewendet werden. 



Aachener städtische Schwimmanstalt: Männerschwimmholle 














Nr, DßUTSCHtiV'JNi Ö' 729 


Schön sejT deift Jötire Ufel ist diie WinWrltjir in Aöcherv 
ein^efuhrt. Si^ erfreü i sicTi; wegen der z wt*cJtmäBigers H iy\^ 
fichtiin^ der BodeKäu^ier und dti? müden Winterkli^üs vor 
A ndrer eii>e.S W \^usp]räch.'S< Die Giinge der 

BadehausgT eherf tnlt ihren Badeholief^ in 1111 lurer 

Vetblddimg, so da£t v^kle Rüunfe dutch die im Bßfden liegen*^ 
den beiBen Wasserrohre und Kanäle einem stais 
und uRgenehmeri Grad 
der Erwürmurig erhalten. 

^5ie Bade|i(a|ieri i^erdeti 
größten teils dur^h das 
TI 1 erm a i was se r er wärm t, 
das in gemauerten Kanälen 
dufehfließt. so da ä . e 
.seihst im Winler- eine 
gl e i ch m ä tl ige WYpn 
2? “ C* be s i t 2 !en. 

Es ist somit den 
Krai^keft m manch an ge"" 
rätrnügen fri^und*^ 

IS^h^ Badelv^il^etn* iin^^ 
abhängig;^ von der Jahres- 
xei^G^lfeigi?)fdieit geboten, 
die Kur au: gtjbtauchan, 

W irtte^rkdir : delisr 

besonders iü:mpfehJen.f 
' wenn '■■;\df]e"-:Krfr "^dringend 
notwendig 

: 'Mangc-T'bh’ 'i!:eiLt' tjSTv-' sivT.’ 



ßntdecj^iCftg dt^r Aat^Heuer Quellen durch römische Kriegfir 
IGeroaide Von Pfp t A H B^HJ t i m Aachener Kath q us) 


während der eigentlichen Saison nicht erlaubt. Viele, schone 
AV/jnteflngc^ in Aathpp werden den Kranken semen Bni^ 
schiviB nicht bereiiep iüssen. 

ö ■•■ :■■'. ■• • ^ ^ . P 

:- Wussef -“Verband. - 

Das A^eixK^iw TMrmdlwa&ser wunde schon im TÜ. und 
17. J ah ^’hundert versandt und fern Von der Quelle mU Vorteil 

gebr^^uchi. Der Versend 
erfolgt in Äwei Formm^ 
und zvr ar> In mih ■ naiti 
1 ich#!? Föpui f adaf nbga'-, 
kuhii und ^nrtit^ 
s ä irre vef sy.t 2 t^ in wl ch er 
Form als Tnfclwas^r 
eiiien; Weltruf 
Das: in berden f pnni^m 
:ium Versahd, gelähgende 
A a ch enei Th e r mahya s 
wird ihst auj^scbUoSlich 
der Kab^üellö ent- 
nommeh uhd erfolgt in 
diesem Falle ; durch die 
Aachen^ Tbeönn I Wasser- 
AG: ♦,Kaise r - B mnnert^V 
de r dir sie 1 heiTtii # yet- 
pachtet xnL D|c Ab- 
Tü Ij ung erfolgt u n ter -sa ch ^ 
varstän d |ger Kphtroll <b d 
StadtvCffWöItungi 


Aachens heutige wirtschaftliche Bedeutung und Aachens 

IndustTie und Handel- 

Von Dc^ M. M en d eis on, Öirükipr des statistischiyt^s^Aj^tbs der Stadt Aachen. 


.Als.am TJ5. 0ktpht.'.tri. •das, ivach..der; 

Emhdihirtg .^Itehnvürdii^pfi... 

Kaisersnehi des Se. der K^siser 

pd et ol ien Ka isefsi^df A ■ und ■ ib j r'^uep 3ü fge r^c ft 

ein ür^imal iges th u f mii h i jech te, jsji tüfciv et: äen Wuns ch e u S f 
■ ■ - .^Mdge huch uf i^dtuntt dde h renheil- 

k T H f t i g e n Q u e H e H und s jpho n aP B u r g w p 1;de r rcr 
mü ihren m nuMg laHven Iridustf ien und jhfffm \irn^ 
fe n g reich e rr H a t\ ß e 1 Wdt: hscfa hiß 1 ipn u u ft g^d # ih en 1'^ 

Dh:?sä gnädigro W'Orte öuK /VlIethPchs Mvmde eniludten 
eme XJrhgn ante ünd t refJfehdo Konh?elchnung- der heu: 
wLrtscböftlUd^yia;,Bedeut^^^ Ao.cbvns-. ; ' 

• Öitr Ketur-'iiciiuhk^eÜ.lnh .die; warnten Quy^.d. gleicli"... 

zeitig die Wuldtelcbe utid darum; fßii£volIe UnigebTmg.. 

B eides ■ \v ah tS'che i idir.h • -sth pn.- in. .■ ^Uer Z ei i .. d.iO ■ '.Riimeh '•. 

d Q ff 0. ■ u b et.. a utU .Ket.t ■ ■ ^ en,'. öu> . uh d- b#j «fcs ■' ist' ■ nbch.' 

helft#' dt^ ■■ ■'hir'-''v.i?elb LetUe^; Anchen ..■(s'uwähT' 

4ls' ftliOh ;2n:iiy.. druit'rnft&n.'.-. Aufenih.aJ^t ' 
ivöhletc.•■■•'■'p'ns''Kvj;r-. ..jbrid-'bild-vl •iftl'ft;Gr^mdlögtf für- ■ 

, die'. wfritsyhoft iighe- süm?'. .eiue^y^i.e.hi; lupftrhch.hcheri^.T^ 

der .;Aaclve'Hy'f Bftrgetsd>aift tmd .ftiö'.Z.alf|''tier d 

. ''dii^' S-f .Ihh^r ArurehtnhpH'kc'kep; ' ■:s.u'fu..'Wo'hnorit. wiihleti. ■. ■ 

••Um .ffl^f. Rentn<lr.-und'ft‘*erjskmEhc». Iftij'r' ihl&T-ebien;-. i£u.:'..gi^hiö.ßeft’.--. 
uKd bpsrKiiyßen/r Lst nidu ge^ , 

• Aber SP hoch rnsn nuch die Bedeutuurr dur Tlmrnieh imd 
der, h ön en li mgo bu ng. ycr^mchl og en mng / sie nl k in h n 11 # n 

i?^'^ohi; ritcht ermöglicht^ döÖ Auchag s^ldi ifu Laufe, der 
let^E’te^'l hundert johte von eioeir >^cä:dg; fuehl 7^0 (X)0 Ein¬ 

wohner ^tilhküderi Klei nsmdt ^rur rtngi?seht*t>eu Grobs ladt m i i 
fu s t 1 tjl) ÖÖO Bin w Phn.er cpl wie k ein k oirh te. Dies e rege Hn t- 
widcfelong verdat kl es in hohem Mai^o seiner Induis^tTm luid 
yidnem fiftuddi ^ in der ^ftcu Kaiserstüdl m^ncheflei 
gimsTrga BntwkkelüngsbedlhguTieren vörfönderi- ; ' 


Apch^^n Hegt im Mittdpunkt e^es:Bezirks, der qri Kohten>:<, 
schärzeu und Er'?en jeder Arl reTch isL Uumittelbür m seiiW 
Nöh^v . hp W^mx-^ und Intfei'eyierj. liegen 3f«'lukohleulager vöti 
uhgefeutfet Muchtigke^^^^ notb für Jabthimdert« ; od#r 

yielbicht spgßr Tuir JfthnftuSpude abbauwiirdig sein werdetj. 
In- uömiiiftU'a rer Nachbörschflft davon beenden sich Braun¬ 
kohl forßcr BnnTJieisamieinj. Galm^si, Zinkblende und 

Blc^glcthÄ^. Schw#feisr Tö nkohlenund Rassny J sen^ein. Diese: 
j^linerahgn sfüd die Grundlage einiger beijohtsatner Er?berg- 
y üJ R i f;f tiehm tx n g e d e Xi m\ &ich elhj& u rrifar gr ei ch e H u 11 e n '■ 

fnduijtrie: axv^ch ließ tv Denebtm ist; der Boden des Aaclien er 
ÖeHrks . fiäb^ von den südlich von Auchen 

■ hucluha r und hfldet die Grundl 
bia hitrEide^v Landwi ri achai't unft T i^rzb chL Da 2U körümtj ft 
A&ch#r^ ^ w eun ö tfcU n 1S ÄU r WöStJu gohÖfig V O tU M i S t h 

p^mklcf de^c gesemten deutacheu Vofe^wischgft- ciW^iS^ 

^rscheintr doch durch d ie. wichtIge Inietnatlonftl# 
Verkei k r^itUte f^ir&Utirg ^B#rl in -^Dtisseldörf'^Ko.ln-v Auchen 
- Pa ri s ^ M a driß^^Li ss ab 6n an. den al Igemei neu We 11 ve rk^ebt 
üngesvhio.ssen ist- Ai^chen ist die eistc deuische Gtohsigdb 
die d#r von A^adrsd^Pai^is komtnende ßeisende «rreichL ünd 
rrtuß somit ah ein whdtttgbr Pvinfct für den allgenvyMen 
biütnvetkvhr betrsfthtet wyrdöm 

•■'.■* 

Die Ais che net IndustncÄWtdgosmdÄufti Teil uralt* Dies 
gilt namuntlidt Von der Ttiphinduslnh tjjid der Nndehndusirie,. 
tii tu T 6tl n uvh y on der Kött pni pd US Ir Du n eben ß nd en -%l c h 
eftftgo er^t In nOtvfgyE Zuit ^d gr^ßyr^r B^di^utung gekommene 
Gewerbe^weigei zc. B, die h“?äiächmeninftu5:(tnief der Eiseubohn" 
WGgien- und Auteunohilbau, die Zlgänenindustricj die Hol^- 
indusinev die. Splegeigieslndustrjej. BüehdTUcfeer&h Leder- 
industriy* die Schukoloden^' uad die pFinienhe^rst^&ilprigy Sräfan- 
fa b t i k n T i Q ri u n rl C !>c m i sch e 1 n ft us irie ^ n ehe n den i n du H el 1 e n 




Nr. 15 DEUTSCHLAND 731 


Erde geben, wo nicht Aachener Nadeln verbraucht werden 
und alljährlich in größeren Mengen zur Einfuhr gelangen. 

Die Hüttenindustrie ist in Aachen durch das bekannte, 
unlängst in den Besitz der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien- 
Gesellschaft übergegangene Hüttenwerk Rothe Erde vertreten. 
Mit seinen fast 4000 Arbeitern und seinen ausgedehnten, ein 
Bessemer« und ein Siemens»-Martin“Stahlwerk, ein Walzwerk 
mit mehreren Block« und zahlreichen Fertig-Straßen, sowie 
viele andere Werkstätten umfassenden Anlagen bildet es ein 
höchst beachtenswertes Unternehmen des Eisen« und Stahl« 
gewerbes, dessen rauchende Schlote aber in keiner Weise das 
schöne Aachener Städtebild verunzieren, da das Werk an der 
Peripherie im Osten der Stadt liegt und die herrschenden süd« 
westlichen Winde den Rauch von der Stadt fernhalten. Die 
Silber«, Zink« und Bleihütten des Aachener Bezirks liegen nicht 
in der Stadt selbst, sondern in der weiteren Umgebung. 

Der Aachener Maschinenbau hat sich aus größeren 
mechanischen Werkstätten, die schon im 18. Jahrhundert 
Wasserräder, Getriebe, Pumpwerke und Apparate für Tuch« 
und Nadelindustrie herstellten, entwickelt. Durch die Ein« 
führung der Dampfkraft auf den umliegenden Bergwerken 
und in den anderen Gewerbezweigen erhielten diese mechani« 
sehen Werkstätten große Anregungen, die sie veranlaßten, 
sich in größere Maschinenbauanstalten umzuwandeln. Hierbei 
war von wesentlichem Einfluß die von Napoleon I. gegen 
England gerichtete Kontinentalsperre. Vor dieser einschnei« 
denden wirtschaftspolitischen Maßnahme bezog man auch 
im Aachener Bezirk viele Maschinen und Gerätschaften aus 
England. Jetzt war man auf die eigene Industrie angewiesen, 
und es gelang damals den Aachener Maschinenfabrikanten, 
in ganz Deutschland und darüber hinaus auf dem Kontinent 
sich Absatz zu verschaffen. 

Die Entwicklung des Aachener Maschinenbaues hat sich 
dann im Laufe des 19. Jahrhunderts unter gewissen Schwierig« 
keiten vollzogen. Die Lage an der äußersten Westgrenze 
des Deutschen Reiches erschwerte etwas den Geschäfts« 
verkehr nach dem Inlande, während das benachbarte Ausland 
als Absatzgebiet immer weniger in Frage kam, weil dort 


(insbesondere in Belgien) sich eine eigene leistungsfähige 
Maschinen «Industrie ausbildete. Trotzdem gelang es den 
Aachener Maschinenfabriken, sich weiter eine beachtenswerte 
Stellung zu behaupten. Sie erreichten das namentlich da« 
durch, daß sie sich nur auf bestimmte Spezialitäten ver« 
legten und durch hervorragende Leistungen die Ungunst der 
Verkehrslage auszugleichen versuchten. 

Heute werden im Aachener Bezirk u. a. Maschinen und 
Apparate folgender Art hergestellt: Dampfkessel, Spezial« 
maschinen für Bergbau« und Hüttenwesen, für Tuch« und 
Nadelfabriken, für Treibriemenfabriken, für Zuckerfabriken und 
chemische Industrie, für Feuerlöschwesen, für Buchdruckerei; 
ferner Maschinenmesser, sowie Apparate und Geräte für 
Signal« und Weichenbau, Zentralheizungen, Eisenkonstruktionen 
und namentlich auch elektrische Maschinen. 

Besonders hervorzuheben unter den Fabriken von Textil« 
maschinen ist die Kratzenindustrie, die sich mit der 
Herstellung von Kratzenbeschlägen befaßt. Unter Kratzen« 
beschlägen versteht man bürstenartige Blätter oder Bandstreifen 
aus Leder oder anderem Stoffe, in welche Drahtzähne in 
bestimmter Ordnung eingesetzt sind. Derartige Kratzen« 
beschläge werden namentlich in der Spinnerei in großen 
Mengen verwertet, und zwar für das Krempeln der Wolle. 
Das letztere hat den Zweck, die Textilstoff«Fasern zu ent« 
wirren, zu strecken und gerade zu richten. In Aachen hat 
sich die Kratzenherstellung in ähnlicher Weise wie die Nadel« 
Industrie konzentriert, so daß heute der Aachener Bezirk als 
Hauptsitz der deutschen Kratzenindustrie angesehen werden 
kann. Ihre Erzeugnisse gehen zum großen Teil ins Ausland. 

Zur Maschinenindustrie im weiteren Sinne sind auch zu 
rechnen die Herstellung von Wagen, sowohl Luxus« 
wagen wie Eisenbahnwagen. Diese Industrie ist in Aachen 
durch mehrere größere Betriebe von ansehnlicher Bedeutung 
vertreten. Sehr erfreulich entwickelt hat sich in jüngster Zeit 
die Herstellung von Automobilen aller Art, namentlich 
auch solcher, die zur Beförderung von Lasten bestimmt sind. 

Der zur Verfügung stehende Raum gestattet leider nicht, 
auf die sonstigen oben erwähnten Aachener Industriezweige 



Ansicht einer Aachener Maschinenfabrik (Deutsche Elektrizitätswerke Garbe, Lahmeyer & Co.) 


















732 DEUTSCHLAND Nr. 15 


ausführlicher einzugehen, obwohl sich 
mancherlei Interessantes von ihren 
Leistungen und Erzeugnissen berichten 
ließe. Nur die neben den industriellen 
Unternehmungen vorhandenen, dem 
Bankwesen sowie dem Versiehe- 
rungsgewerbe angehörigen be¬ 
deutsamen Unternehmungen seien 
noch kurz gestreift. 

Aachen ist der Sitz der Rheinisch- 
Westfälischen Disconto - Gesellschaft. 

Dieses Unternehmen ist im Jahre 1872 
gegründet worden und hat sich im 
Laufe der Jahre aus verhältnismäßig 
kleinen Anfängen zur großen Provinzial¬ 
bank mit 95 Millionen Mark Aktien¬ 
kapital aufgeschwungen, die in vielen 
Städten Rheinlands und Westfalens 
Filialen unterhält oder an anderen 
Bank - Unternehmungen beteiligt ist. 

Neben der Rheinisch-Westfälischen 
Disconto - Gesellschaft bestehen in Aachen noch eine Filiale 
der Bergisch Märkischen Bank, der Bank für Handel und 
Gewerbe, sowie mehrere kleinere Bankgeschäfte. 

In Aachen sind außerdem ansässig die Aachener und 
Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft, die Aachener 
Rückversicherungs-Gesellschaft, sowie die Aachen-Leipziger 
Versicherungs-Aktien-Gesellschaft. 

Weit bekannt undangesehen ist die 
Aachen-MünchenerGesellschaft. Sie 
ist nicht nur deshalb bemerkens¬ 
wert, weil sie ein äußerst kapital¬ 
kräftiges, zahlreichen Angestellten 
Nahrung und Erwerb gebendes wirt¬ 
schaftliches Unternehmen darstellt. 

Für die Stadt ist sie auch deshalb 
von der größten Bedeutung, weil 
sie ihre reichen Mittel in großem 
Umfange in den Dienst der Wohl¬ 
fahrtspflege stellt. Hierüber wie 
über den in ähnlicher Weise so¬ 
wohl als Bankinstitut sowie als 
Wohlfahrtseinrichtung bedeutungs¬ 
vollen Aachener Verein zur Be¬ 
förderung der Arbeitsamkeit findet 
der Leser noch eingehendere Mit¬ 
teilungen in den nachfolgenden Ausführungen des Herrn 
Professor Kaehler über Aachener Wohlfahrtspflege, 

Nicht unerwähnt mag noch bleiben, daß Aachen einen 
ausgezeichnet organisierten Kleinhandel besitzt. Hervorragend 
ausgestattete Ladengeschäfte sind in großer Zahl vorhanden 
und befriedigen die verwöhntesten Ansprüche der Käufer. Sehr 
gut entwickelt hat sich in neuester Zeit auch der Buch- und 
Kunsthandel. Der letztere veranstaltet von Zeit zu Zeit 
größere Versteigerungen von Gemälden und kunstgewerblichen 


Gegenständen. Diese Kunstauktionen 
pflegen von zahlreichen auswärtigen 
Käufern besucht zu werden. 

Der vorstehende Ueberblick über 
das heutige wirtschaftliche Leben der 
Stadt Aachen kann naturgemäß im 
Hinblick auf die ihm aus Raum*' 
rücksichten gesteckten Grenzen nur 
ein flüchtiger sein. Er läßt aber doch 
wohl in deutlicher Weise ersehen, 
daß sich Aachens wirtschaftliche 
Verhältnisse durch eine außer¬ 
ordentliche Vielgestaltigkeit aus¬ 
zeichnen. Neben die Kur- und Bade¬ 
stadt und die Stadt der Rentner und 
Pensionäre tritt die Industrie- und 
Handelsstadt. Dazu kommt noch die 
an anderer Stelle dieser Schrift ge¬ 
kennzeichnete Bedeutung Aachens als 
Schulstadt. Es sind somit mannig¬ 
fache und reiche Grundlagen, auf 
denen sich das wirtschaftliche Leben aulbaut. Dabei ist be¬ 
sonders charakteristisch, daß die Industriestadt sich nicht 
bloß auf einen Gewerbezweig gründet. Die verschieden¬ 
artigsten Gewerbe- und Handelszweige bestehen neben¬ 
einander und bewirken, daß das Wohlergehen der gesamten 
Stadt nicht nur von einer einzigen Industrie abhängt. 

AachensBevölkerung zeichnet sich 
in großem Umfange durch Wohl¬ 
habenheit, teilweise sogar durch 
Reichtum aus. 120 Aachener Steuer¬ 
zahler versteuern heute einVermögen 
von mehr als 1 Million Mark, 278 ein 
solches von mehr als V 2 Million 
und 1316 ein solches von mehr als 
100 000 Mk. Diese Ziffern sind 
verhältnismäßig viel höher als in 
den meisten anderen deutschen 
Großstädten, und ähnlich günstig 
sind die Einkommensverhältnisse. 
54 Steuerzahler versteuern ein jähr¬ 
liches Einkommen von mehr als 
100 000 und 474 ein solches von 
mehr als 20000 Mk. 

Auf eine stetige Entwicklung 
kann Aachen im letzten Menschen¬ 
alter zurückblicken. Rund 99 000 Einwohner wohnten auf 
dem heutigen Gebiete der Stadt im Jahre 1880, 121 500 im 
Jahre 1890, 141600 im Jahre 1900 und 156143 im 
Jahre 1910. Eine weitere Entwicklung steht sicherlich noch 
bevor, vielleicht sogar in schnellerer Weise als bisher, 
wenn es gelingen sollte, die kühnen Pläne zu verwirklichen, 
die augenblicklich erörtert werden, um Aachen durch 
einen Rhein - Maas - Kanal den Anschluß an das Wasser¬ 
straßennetz zu verschaffen. 



Kronleuchter im Amtszimmer des 
Oberbürgermeisters im Aachener Rathause 



Kronleuchter im Stadtverordnetensitzungssaale 
im Aachener Rathause 


Die städtischen Museen. 

Von Museumsdirektor Dr. H. S ch we i t z e r. 


A. Das städtische Suermondt-Museum. 

Das städtische Suermondt-Museum enthält Gemälde, 
Skulpturen, eine graphische Sammlung und die 3500 
Katalognummern umfassende, auf alle Gebiete der 
bildenden Kunst sich erstreckende Bibliothek. Es trägt 
seinen Namen nach dem berühmten Aachener Sammler 


Barthold Suermondt, der 1882 dem schon seit 1877 
bestehenden Museums-Vereine 104 Gemälde aus seiner 
Galerie schenkte und testamentarisch 1887 nochmals 
76 Gemälde überwies. Die sonst noch recht be¬ 
scheidenen Sammlungen des Museums-Vereins wurden 
nach der ersten Schenkung von Barthold Suermondt in 
städtische Verwaltung übernommen und eine Reihe hoch- 














Nr. 15 DEUTSCHLAND 733 


herziger Gönner vermehrten diese durch Stiftungen. So 
kamen die Kupferstichsammlung Schiffers-Krauthausen, 
die Gemäldesammlung Weber-van Houtem und Dr. Portz, 
die prähistorische Sammlung Dr. Ignaz Beissel, die kunst¬ 
gewerbliche Sammlung Dr. Peter Wings, der Nachlaß 
des bekannten Kunstgelehrten und Sammlers Dr. Franz 
Bock und eine kleinere kunstgewerbliche Sammlung von 
Philipp Berger hinzu. 

Unter Oberbürgermeister Veltman wurde 1898 das 
ehern. Cassalettesche Palais in der Wilhelmstraße er¬ 
worben und durch einen zweigeschossigen Anbau mit 
Oberlichtsälen zu dem neuen Zwecke hergerichtet. Im 
November 1901 wurde dasneue Museumsgebäude eröffnet. 

Der geographischen Lage der Stadt entsprechend 
besteht die Gemäldegalerie hauptsächlich aus rheinischen 
und niederländischen Bildern des 15. bis 18. Jahrhunderts. 
Die niederrheinische Malerei des 15. und beginnenden 
16. Jahrhunderts ist in einer ganzen Reihe von Ge¬ 
mälden vertreten, an denen man eine charakteristische 
Mischung Kölner Kunst mit den Einflüssen, die von den 
Werken niederländischer Meister herrühren, gewahren 
kann. Nur wenige der Bilder, die in dem roten Ober¬ 
lichtsaale vereinigt sind, können allerdings einem be¬ 
stimmten Meister zugeschrieben werden, wie z. B. der 
„Judaskuß" dem älteren Sippenmeister oder das schöne 
Triptychon mit dem Ecce homo zwischen Maria und 
Johannes in der Mitte und dem heiligen Andreas und 
Katharina auf den Flügeln, das ein Werk der beiden 
Dünwegge ist. Von 
den nicht sehr 
zahlreichen,frühen 
oberdeutschen 
Bildern verdienen 
eineBeschneidung 
von dem Nürn¬ 
berger Meister des 
Tucheraltares aus 
der Mitte des 15. 

Jahrhunderts und 
ein allegorisches 
Gemälde, das die 
Erlösung durch die 
Kirche darstellt, 
aus der Schule des 
Matthias Grüne¬ 
wald besondere 
Beachtung. 

Im Verhältnis 
istdieGaleriereich 
an interessanten, 
frühen Niederlän¬ 
dern, wie einer 
Maria mit dem 
Kinde von dem 
Brügger Meister 
derllrsulalegende, 
zwei Flügeln mit 
Heiligen und einer Verkündigung vom Meister der 
Virgo inter virgines und dem fein durchgeführten Bilde 
„Noli me tangere" vom Meister des Todes der Maria. 
Ein kleines Bildchen mit Maria Magdalena und Johannes 
dem Täufer ist eines der besten Werke des Leidener 


Malers Cornelis Engelbrechtsen, und Jacob Cornelisz 
von Amsterdam ist sogar mit zwei Bildern, einer Ruhe 
auf der Flucht und einer großen farbenprächtigen Ver¬ 
suchung Christi vertreten. 

Die flämischen Bilder gruppieren sich um zwei 
hervorragende Werke von P. P. Rubens, den „Sturz der 
Verdammten" und den „Hahn und das Juwel", zu 
welchem Jan van Wildens die Landschaft gemalt hat. 

Den breitesten Raum nehmen in der Galerie die 
Werke der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts 
ein und geben ihr das charakteristische Gepräge. 
Bauernbild und Landschaft, Porträt und Tierstück, Still¬ 
leben und Marinen sind in durchaus typischen Bei¬ 
spielen da, so daß keine der wichtigeren Schulen und 
Richtungen vermißt wird. — Von der Kunst der roma¬ 
nischen Länder hat das Museum nur Einzelbeispiele, 
einen zusammenhängenden Ueberblick über die Ent¬ 
wicklung der italienischen, spanischen und französischen 
Malerei wird der Besucher auch wohl kaum erwarten. 
Er wird aber überrascht sein über unsere guten spanischen 
Gemälde, unter denen auch ein kreuztragender Christus 
von Domenico Theotocokopuli gen. el Greco, zwei Werke 
von Francesco Zurbaran, ein Ecce homo von Louis 
Morales und ein St. Sebastian des van Dyck-Schülers 
Pedro da Moya hervorgehoben werden müssen. 

Die moderne Malerei wird eingeleitet durch eine stim¬ 
mungsvolle, goldtönige Landschaft von J. Constable. 
Im übrigen ist der Schwerpunkt auf die heimatliche 

Kunst gelegt, vor 
allem sind Ge¬ 
mälde, Studien 
und Zeichnungen 
von Deutschlands 
größtemHistorien- 
maler des 19. Jahr¬ 
hunderts, Alfred 
Rethel (geb. 1816 
zu Aachen, gest. 
1856 zu Düssel¬ 
dorf) gesammelt 
worden, dessen 
weltbekannteFres- 
ken den Aachener 
Kaisersaal zieren. 
Von anderen in 
der Stadt Aachen 
geborenenMalern, 
wie K. Scheuren, 
Georg Oeder, Pet. 
Bücken, Eugen 
und Arthur Kampf, 
sind gute, charak¬ 
teristische Werke 
vorhanden. 

In dem Museum 
veranstaltet der 
Museums - Verein 
monatlich wechselnde Ausstellungen moderner Gemälde, 
Skulpturen und graphischer Werke, so daß dadurch der 
Mangel einer größeren modernen Galerie ersetzt wird. 

Die Skulpturensammlung des Museums über¬ 
trifft an allgemeiner wissenschaftlicher Bedeutung noch 














734 DEUTSCHLAND Nr. 15 


die Gemäldegalerie. Sind hier doch in teilweise ganz 
hervorragenden Figuren und Gruppen alle wichtigeren 
deutschen Schulen, mit Ausnahme des Nordostens, zu 
sehen, so daß von der romanischen Epoche bis zum 
Empire die Entwicklung der deutschen Bildnerei in bei¬ 
nahe lückenloser Folge studiert werden kann. 

Die Sammlung ist in einer Flucht kapellenartiger 
Räume so aufgestellt, daß jede Schule für sich ein 
geschlossenes Ganze bildet und so auch der Laie sich 
die Stileigentümlichkeiten der einzelnen Gebiete klar 
machen kann. Die niederrheinischen und westfälischen 
Skulpturen überwiegen natürlich auch hier. Ein großer 
Schnitzaltar, ein Werk des Jan van Haldem, des Meisters 
der Predellareliefs am Kalkarer Hochaltäre, ist ein 
treffendes Beispiel für den Kompositionsunterschied der 
Kalkarer Schule von der flämischen. Während die 
flämischen und vor allem die Antwerpener Meister 
ihre Altäre streng architektonisch einteilen und auf¬ 
bauen, komponieren die Kalkarer Bildschnitzer sehr viel 
malerischer. In sechs Darstellungen gibt unser dem 


heiligen Petrus geweihter Altar die merkwürdigsten 
Begebenheiten aus dem Leben des Apostelfürsten. Um 
diesen Altar gruppieren sich die übrigen Werke der 
Kalkarer Schule, von denen nur eine schöne, leider 
fragmentierte Kreuzabnahme von Heinrich Douvermann, 
zwei Engel mit Leidenswerkzeugen vom Meister des 
Johannesaltares und eine besonders feine Gruppe 
„Christus und die Samariterin am Brunnen" hervor¬ 
gehoben seien. 

Aus der Kölner Bildhauerschule, die im 14. und 
15. Jahrhundert den ganzen Niederrhein im Wetteifer 
mit Antwerpen mit figurenreichen Altären und Einzel¬ 
statuen und Gruppen versehen hat, sind charakteristische, 
teilweise noch in der alten Fassung erhaltene Marien- 
figuren, Apostel- und Prophetenstatuen, andere Heiligen¬ 
figuren und Kopfreliquiare vorhanden. Eine weibliche 
Heilige (14. Jahrhundert), ein höchst ergreifend dar¬ 
gestellter Ecce homo und die großzügigen Maria- und 
Johannesstatuen von einer Kreuzigungsgruppe in Corneli- 
münster dürfen sicher als Werke Aachener Meister 



Der Koisersaal im Aachener Rathaus 

















Nr. 15 DEUTSCHLAND 735 


angesprochen werden. Unter den ebenfalls zu einer 
einheitlichen Gruppe zusammengestellten Bildwerken 
aus Westfalen fallen eine heilige Ursula mit ihren Jung¬ 
frauen und eine Maria mit Kind durch ihren Liebreiz 
und die elegante Durchführung besonders auf, es sind 


Plastiken von der Eigenart der Kunst der Iberischen 
Halbinsel uns unterrichten, sie zeigen nur deren Vor¬ 
liebe für reichgemusterte Fassung der Schnitzbilder. 

Die Plastik Englands ist allein durch einige Alabaster¬ 
reliefs und kleine Madonnenfiguren der Schule von 



Aufstellung der schwäbischen Skulpturen mit dem Flügelaltar aus Almens 
in der Skulpturen-Sammlung des Aachener städtischen Suermondt-Museums 


Arbeiten eines anonymen, vielleicht Osnabrücker Meisters 
aus der Zeit um 1520. 

Die Bildwerke flämischer und französischer Herkunft 
sind in nächster Nähe der niederrheinischen aufgestellt, 
damit man an ihnen die oft sehr nahe künstlerische 
Verwandtschaft ersehen kann. Eine Perle unserer Samm¬ 
lung ist ein Hausaltärchen mit der Anbetung der heiligen 
drei Könige, das zu den besten Schöpfungen der Ant- 
werpener Bildschnitzerei gehört. 

Von den Werken der oberdeutschen Schulen sind 
die schwäbischen am zahlreichsten, auch sie haben 
einen prachtvollen Mittelpunkt in einem typischen 
schwäbischen Flügelaltare, dessen Figuren und Reliefs 
noch vollständig in der alten Bemalung und Vergoldung 
erstrahlen. 

Unter den fränkischen und bayerischen Skulpturen 
sind ebenfalls einige ganz hervorragende Stücke, wie 
die heilige Elisabeth, die dem Veit Stoß zugeschrieben 
wird, und die wundervoll elastische, vornehme Figur 
des Mohrenkönigs Balthasar, die wohl sicher ein Werk 
des Münchener Meisters Erasmus Graser ist. 

Wie bei der Gemäldegalerie überwiegen auch in 
der Skulpturensammlung die Bildwerke des Nordens. 
Von dem Formenadel und der monumentalen Größe 
der italienischen Plastik können unsere wenigen Stücke 
keinen Begriff geben, ebensowenig die sechs spanischen 


Nottingham vertreten, jene im Ausgange des 14. und im 
15. Jahrhundert auch für den Export arbeitende Lokal¬ 
schule, die nach dem Kontinente zahlreiche Arbeiten 
geliefert hat. 

Zwei kleine Sonderausstellungen bilden den Schluß 
der Skulpturensammlung; die eine gibt die Entwicklung 
des Madonnentypus, des Christkindes und des Kruzifixes 
in zeitlicher Reihenfolge, die andere ist der Plastik des 
18. Jahrhunderts gewidmet. 

Dieser kurze Ueberblick rechtfertigt wohl die Be¬ 
hauptung, daß das städtische Suermondt-Museum durch 
seinen reichen Besitz an Gemälden und Skulpturen eine 
über die Grenzen der Provinz hinausgehende Bedeutung 
beanspruchen darf. 

B. Das städtische historische Museum. 

In dem wiederhergestellten Ponttore, einer der beiden 
noch erhaltenen Torburgen, ist seit 190Q ein kleines 
historisches Museum eingerichtet. Es enthält die be¬ 
scheidene Antikensammlung, die aber doch gute Proben 
griechischer Keramik aus allen Entwicklungsphasen aut- 
weist; auch einige feine, kleinplastische Werke aus Ton 
und eine schöne Spiegelkapsel aus Bronze mit dem Raube 
der Europa in Relief dürfen nicht vergessen werden. 

Die römischen Funde aus Aachen und Umgebung 
sind nicht sehr zahlreich, sie beschränken sich auf 

































M 


Dem heilig-en Petrus geweihter Calcorer Schnitzaltar von Jan van Haldem 
in der Skulpturen-Sammlung des Aachener städtischen Suermondt-Museums 












































































Nr. 15 DEUTSCHLAND 737 


Ziegel mit Stempeln der 6., 10. und 30. Legion, einige 
Reste von Grabdenkmälern und Votivaltären, Schüsseln, 
Tellern und Näpfen aus Terra sigillata mit verschiedenen 
Stempeln, Terra nigra und mit Barbotineverzierung und 
kleinere Glasgefäße. In Stolberg in 
einem Garten wurde ein sehr hübsches 
Bronzegefäß in Form einer Satyr¬ 
büste gefunden. Eine kleine Samm¬ 
lung von Millefiorischerben stammt 
aus Alexandrien. — Um ein unge¬ 
fähres Bild der antiken Kunst und 
Kultur zu geben, werden die Samm¬ 
lungen durch Abgüsse, galvanoplas¬ 
tische Nachbildungen und Photo¬ 
graphien ergänzt, so sind zum Bei¬ 
spiel die mykenischen Goldfunde und 
der Hildesheimer Silberfund, die Aus¬ 
rüstung eines romanischen Legionärs, 
römische Feldzeichen und fränkische 
Waffen in sehr guten Nachbildungen 
vorhanden. 

Dr. Ignaz Beissel schenkte seiner¬ 
zeit eine kleine Sammlung prähisto¬ 
rischer Gegenstände, beinahe aus¬ 
schließlich aus der älteren und der 
jüngeren Steinzeit, die in den Höhlen 
von Spienne und anderen Gegenden gefunden wurden. 
Es sind Beile, Messer, Schaber, Lanzen- und Pfeilspitzen, 
zumeist aus Feuerstein, Scherben von Tongefäßen und 
eine größere Anzahl teilweise bearbeiteter Geweihstücke 
von Renntieren. Auch diese Abteilung ist in letzter 
Zeit durch charakteristische Proben von Feuerstein¬ 
werkzeugen und Waffen aus den verschiedenen paläo- 
lithischen Stationen Frankreichs ergänzt worden. Mit 
Hilfe einer Stiftung des Vereins der Aachener Nadel¬ 
fabrikanten konnte außerdem noch eine hübsche 
Sammlung prähistorischer und römischer Gebrauchs¬ 
nadeln, Schmucknadeln und Fibeln erworben werden. 


Ziemlich spärlich sind auch die Funde aus der 
merowingischen und karolingischen Epoche, sie stammen 
der Mehrzahl nach von einem Gräberfelde im Nord¬ 
westen von Aachen am sog. langen Turme und bestehen 
aus Lang- und Kurzschwertern, Dolch¬ 
messern, Kriegsbeilen, Speer- und 
Pfeilspitzen, Teilen von Helmen und 
Schilden, Rundfibeln, Schmuckperlen 
und Tongefäßen verschiedener Größe. 

Gemälde, Aquarelle, Kupferstiche, 
Holzschnitte, Lithographien und 
Photographien nach Bauten aus Alt- 
Aachen, Modelle alter Gebäude oder 
Teile von solchen, Darstellungen von 
wichtigen geschichtlichen Begeben¬ 
heiten, darunter viele auf die Heilig¬ 
tumsfahrt bezügliche Blätter und 
Gegenstände, Bildnisse hervorragen¬ 
der Aachener Männer und Frauen, 
Zunft-Altertümer, Folter-Werkzeuge, 
Abgüsse nach den bedeutendsten 
Werken des Domschatzes, Siegel¬ 
abgüsse, Maße und Gewichte und 
eine kleine Waffensammlung bilden 
die lokalgeschichtliche Abteilung. 
Hierzu kommt noch die Sammlung 
von Münzen und Medaillen, die sich aus drei Kollek¬ 
tionen zusammensetzt, von denen die ziemlich voll¬ 
ständige Sammlung Aachener Münzen und Medaillen 
die wichtigste ist. 

C. Das städtische Kunstgewerbe-Museum. 

Dieses Museum wird im Laufe des Jahres 1912 
eröffnet werden. Der große Zuwachs an Sammlungs¬ 
gegenständen, namentlich der Umbau der Skulpturen¬ 
sammlung, machte die Trennung der einzelnen Samm¬ 
lungen nötig, und so wurde das wieder freigewordene 
Gebäude Pontstraße Nr. 13, das längere Jahre dem 

Polizei - Präsidium 
als Heim gedient 
hatte, wiederher¬ 
gestellt und als 
Museum einge¬ 
richtet. — Auch 
bei den kunstge- 
werblichenSamm- 
lungen überwiegl 
der lokale Cha¬ 
rakter, vor allem 
bei den Möbeln, 
denMetallarbeiten 
und der Keramik. 
Die Möbel und 
eine über 400 
Nummern um¬ 
fassende Kollek¬ 
tion von Schnitze¬ 
reien, Füllungen 
mitMaßwerk,Roll- 
werk,Wappen und 
Reliefs, Friesen, 
Stützen, freien 



Schatz des Aachener Münsters: Marienschrein, 13. Jahrhundert (silber-vergoldet) 



Schatz des Aachener Münsters: 
Karlsbüste, 14. Jahrh., auf dem Haupte 
die deutsche Königskrone, 13. Jahrh. 

























□ □ □ 


^Sturz der Verdammten", Gemälde von P. P. Rubens 
:: im Aachener städtischen Suermondt-Museum :: 


□ □ □ 
□ 


□ □ □ 
□ 


































Nr.l5 DEUTSCHLAND 739 


Endigungen und anderen Details, die eine gute lieber- 
sicht über die in Holz üblichen Verzierungen von der 
Gotik bis zum Empire erlauben, sind zum größten 
Teile niederrheinischer, westfälischer und niederlän¬ 
discher Herkunft. 

Eine stattliche Anzahl von Kirchenmöbeln muß vor 
allem genannt werden: so ist die zierliche Kanzel aus 
Golkerad bei Erkelenz mit Füllungen im Fischblasen¬ 
stile und Wappen der Grafen Moers-Saarwerden wohl 
eine der schönsten, die aus dem 15. Jahrhundert auf 
uns gekommen sind. Eine reiche Barockkanzel stammt 
aus Kalterherberg in der Eifel, ein malerischer Rokoko- 
Altaraufsatz aus der Kirche St. Kreuz in Aachen. Ein 
besonderes Prachtstück ist der in Lyon für Kurfürst 
Klemens-August von Köln hergestellte Thronsessel 
aus vergoldetem Lindenholz mit Polsterbezügen in 
Relief- Stickerei, den 
Napoleon I. in Köln 
wegnehmen ließ und 
ihn dem von ihm 
eingesetzten Bischof 
Berdolet von Aachen 
schenkte. — Von den 
in Eichenholz ge¬ 
arbeiteten Aachener 
Möbeln des 18. Jahr¬ 
hunderts besitzt das 
Museum eine reiche 
Auswahl. Dieselben 
sind in den Formen 
ruhiger gehalten als 
die bekannten Lüt¬ 
ticher Möbel, auch 
maßvoller in der Ver¬ 
zierung. Nur die Ge¬ 
simse sind reicher 
gestaltet und daher 
auch die Vorliebe für 
Verkröpfungen. 

In dem ähnlichen 
Verhältnisse wie die 
Aachener Möbel zu 
denen von Lüttich 
steht auch die Metall¬ 
industrie zu der des 
Maastales, so daß 
ihre Erzeugnisse, Kupfer, Messing- und Bronzegefäße 
und -Geräte, oft nur schwer von einander zu unter¬ 
scheiden sind. Bei den Bronzemörsern des 15. bis 
17. Jahrhunderts geben nur die Inschriften ein Unter¬ 
scheidungsmerkmal. 

Im Saale der Eisenarbeiten fallen die schönen 
Schmiedearbeiten der Barockzeit auf, feine, zierlich 
gearbeitete Gitter, Gittertore, Oberlichter, Fensterkörbe 
und Brüstungen, Balkongitter und andere Arbeiten. 
Wohl das schönste Stück ist das vergoldete Balkon¬ 
gitter vom Hause Comphausbadstraße 15. 

Eine ganz erlesene Sammlung, die sechs große 
Pultvitrinen füllt, ist die große Kollektion von Speise¬ 
geräten, Messern, Gabeln und Löffeln, die Dr. Franz 
Bock dem Museum vermacht hat. In seltener Voll¬ 
ständigkeit zeigt diese Sammlung alle möglichen Formen 


und Verzierungsweisen, so daß man neben den Stil¬ 
wandlungen und Techniken vom 15. bis 18. Jahrhundert 
auch die Ausstattung der Griffe in edlem und unedlem 
Metall mit Holz, Buchsbaum, Bein, Perlmutter, Schild¬ 
patt, Elfenbein, Halbedelsteinen, Bernstein, Bergkristall, 
Korallen, Porzellan, Zellen- und Maleremail und Perl¬ 
stickerei sehen kann. 

Die Arbeiten aus Edelmetall beschränken sich der 
Hauptsache nach auf Werke der kirchlichen Kunst, 
Kelche, Ziborien, Monstranzen, Reliquiare, Leuchter, 
Rauchfässer, Stand- und Vortragkreuze, Weihwasser- 
kesselchen und Ewigelichtampeln. 

Eine gute Sammlung rheinischen Steinzeuges ist 
die dritte bodenständige Abteilung. Raeren und Aachen, 
Köln, Frechen, Siegburg und Westerwald sind mit typi¬ 
schen Exemplaren so vertreten, daß unsere Kollektion 

zu den hervorragen¬ 
deren ihrer Art ge¬ 
rechnet werden muß. 

Porzellan undGläser 
hat das Museum noch 
nicht viel, dagegen 
eine recht hübsche 
Sammlung von Glas¬ 
gemälden und Teilen 
von solchen, darunter 
eine Anzahl Stücke, 
wie sie in den deut¬ 
schen Sammlungen 
selten zu treffen sind, 
so zum Beispiel fünf 
große spanische Glas¬ 
gemälde mit Apostel- 
figuren, welche durch 
die Eigenart ihrer 
Farbenzusammenstel¬ 
lung besonders inter¬ 
essant sind. 

Die Textilienabtei¬ 
lung, die durch eine 
schöne Kollektion von 
über 100 koptischen 
Stücken aus dem 4. 
bis 8. Jahrhundert 
eingeleitet wird, ent¬ 
hielt viele frühmittel¬ 
alterliche Stoffproben, namentlich einige wertvolle 
byzantinische und sassanidische Muster. Die diese 
Abteilung schließende Spitzensammlung enthält zwar 
nur wenige Paradestücke, dafür aber in typischen Bei¬ 
spielen beinahe alle Arten von Spitzen. 

Zum Schlüsse sei noch eine hübsche Sammlung 
von Feuerwaffen, eine Stiftung des Herrn Dr. Eduard 
Springsfeld, erwähnt, die sehr fein gearbeitete, reich 
eingelegte Luntenflinten, Radschloßgewehre und Pistolen 
aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufzuweisen hat. 

Die Museen hatten sich bisher immer der beson¬ 
deren Fürsorge des Stadtoberhauptes, Oberbürger¬ 
meisters Veltman, zu erfreuen, so daß die Hoffnung 
nicht unberechtigt ist, daß auch dieses Museum seiner 
Kunstliebe und Tatkraft bald die Mittel zu einem 
systematischen Ausbau verdanken wird. 









740 DEUTSCHLAND Nr. 15 


AlaT mi Oche än si Plattl 

Der schör\nste Klangk vor jedderenge Ich ben jewandert en de Röngde 

Op Joddes Eäde witt än ronk, An wor bedrövt als Ocher Jong 

Es wat vür hüre, spreiche, senge Wenn feär va Frau än Kenk än Fronde 

Als Kenger kleng us Modd'remonk. Jeä Mensch mi Ocher Platt verstong. 

Deä Klangk deä blievt os vor et Leäve Doch wor deä Meßmot jliech jebrauche, 

Än mänich jölde Elderewo't TroT ich 'nen Ocher op ming Fa'ht: 

Dat steäht os deip en't Hatz jeschreäve, Dann wo't wier hatzlich Platt jesprauche 

Än wö'te v'r hondert Jahr ouch o't. Än onverfälscht wie opne Ma't. 

Futt met die Quante, die sich schäme 
Vor dat, wat hön de Beiß jeliehrtl 
Wo recht je Ocher send zesame, 

Moß Ochesch weäde tespetiert. 

Dröm roff ich, datt de Mu re beäve, 

Än mü't versenken ouch os Stadt: 

„Ala'f, mi Oche, du salls leäve I 
AlaT ouch du, min Ocher Platt P 

Johannes Classen. 

De Ongerschreff. „Modd ühr Leähm han?I'' 

En effe BuTemännche vajne Scheäd, „Modd ühr Leähm han?!" röfft et Micke 

Deä leiß e Stock Terräng verkoufe wou, Än der Ku'bes schörgt de KaT. 

Ko'm dobei ärig e Verläjenheäd „Leiv Madämmche, vor de Klütte 

Wie heä der Akt nu ongerschrieve sou. Lewere vür de schönnste WaT." 

Heä hau et Schrieve nämlich net jeliert — „Leähm met Klüttejreß jemengelt 

Doch der Noteär deä trü'stet häm met Laache Brennt doch beister wie deä Schlamm — 

Än saht, heä sou da mär janz onscheniert Vor de Klenge lodd verdenge 

A Plaatsch va singe Nam drei Krüzjere maache. Os e Jröschelche, MadammI" 

Jetz kräeg os BuTemännche rechtig Mot; „Sövve StömpchTe, schwatz va Honger, 

Doch wäje datt heä en et Huchdütsch schwaach, Wa de heäm op MuT än VaT" — — 

Frogt heä der Heär: „Sadd es dat jrad esu jot, „Modd ühr Leähm han?I röfft et Micke 

Wenn ich die Krüzjere op Plattdütsch maach?" Än der Ku'bes schörgt de KaT. 

Johannes Glossen. Johannes Classen. 

De Destel 

De lejvste Blömmchere do stönt Alleng de Destel — pielreätop — 

Wal en de schönnste Klüre, Steät stief än stupp än trotzig, — 

Wie sej su nett jewaaße sönd, Sej dreägt su huech dä deke Kopp 

Än hant son fing Maniere. Än es doch su nüsnotzigl 

Wie fröndlich laache sej os an, Könt Enge mär ze noe die Feäg, 

Wenn vür hön jönt besökel Da kratzt se än da stecht se. — 

Än Jeddermann hat Freud doran, Dröm jeät hör Alles us der Weäg 

Jeät jeär die Blömmcher plöke — Än Jenge könt än brecht se. 

Su stong de Destel lang zer Stroef 
Omdat sej net jedoeht hat; 

Bes endlich et sich doch bejoef, 

Dat Enge se jeploeht hat. — 

Mär wat vör Enge, dat dat wor, 

Dat bruuch ich net ze melde — 

Et woT ne Eäsel, dat es klorl 
Son Eäsle sönd net seldel 

Heinr. Jonssen. 




Nr. 15 DEUTSCHLAND 741 



Das Aachener Münster: Nordfront 


Aachens Baudenkmäler. 

Von Stadtbaurat, Königlicher Baurat Laurent. 


In Aachen, der Stadt mit der reichen geschichtlichen Ver¬ 
gangenheit, von welcher der Chronist sagt, sie sei „ein haubt 
aller Steden in Gallia und Allemanien", vermutet der Fremde 
allenthalben auf die Zeugen der einstigen Größe und der Ver¬ 
gangenheit zu stoßen. 

Dem ist nicht so. Die 
Stadt macht einen vorherr¬ 
schend neuzeitlichen Ein¬ 
druck. Große breite Straßen 
mit reichem Grünschmuck 
durchziehen sie, und größere 
Plätze sorgen reichlich für 
Luft und Licht. Und doch 
verleugnen die Straßen der 
Altstadt mit ihren schönen 
geschwungenen Linien, ihren 
wohlverstandenen Vor- und 
Rücksprüngen und kleinen 
platzartigen Erweiterungen 
nicht die mittelalterliche Her¬ 
kunft, wenn auch manche 
Feinheiten der Forderung des 
Verkehrs zum Teil haben 
weichen müssen oder einer 
nunmehr überwundenen Be¬ 
gradigungssucht zum Opfer 
gefallen sind. 

Auch mehrere große 
Brände, besonders der Stadt¬ 
brand im Jahre 1656, der V« 
der Häuser in Mitleidenschaft 
zog, haben vieles zerstört. 

Das römische Aquisgranum ist fast nur unter der 
Erdoberfläche zu finden. Jedoch beweisen die aufgefundenen 
Reste weitverzweigter Bauten mit geräumigen Bäderanlagen, 
namentlich unter dem Münster und seiner Umgebung, die 


Bedeutung der römischen Niederlassung. Ein Rest eines Römer- 
Bades mit Piscine, Einzelbad und Hypokaustum, kann im Keller 
des Badehauses zur Königin von Ungarn besichtigt werden. 
— Erst aus der Zeit Karls des Großen, dem die Stadt ihre 

Bedeutung verdankt, sind 
noch ganze Gebäude und 
größere Gebäudereste vor¬ 
handen. Darunter behauptet 
die erste Stelle das hervor¬ 
ragendste und zugleich das 
vornehmste Denkmal der 
Stadt „die Pfalzkapelle 
Karls", das Münster. 

Trotz all der Stürme und 
Brände, die dieses historisch 
wie architektonisch gleich 
bedeutsame Bauwerk Über¬ 
stunden hat, ist das Oktogon 
mit seinen Umgängen, ob¬ 
gleich seines ursprünglichen 
Schmuckes beraubt, in un¬ 
veränderter Form erhalten 
bis auf das Dach und den 
Dachstuhl, die mehrmals 
durch Brand, zuletzt 1656, 
zerstört wurden. Der mittlere 
Teil, im Achteck erbaut 
und mit einer Kuppel abge¬ 
schlossen, ruht auf acht 
kräftigen, schweren Pfeilern. 
Die das Achteck umgeben¬ 
den Umgänge endigen im 
Sechszehneck. Sie sind zweigeschossig und enthalten eine 
Unter- und Oberkirche. In der letztem, dem Hochmünster, 
steht gegenüber dem Chor der Krönungsstuhl, auf dem die 
Könige nach der Krönung dem Gottesdienste beiwohnten. 



Schatz des AachenerMünsters: Anastasius- 
Reliquiar, byzantinisch (12 .Jahrh. n. Chr.) 

































































0 EUTSCHLÄND ©©^te^seeeseeeeee^ieeeeee^it Nr* 15 


Das iniuctre ic'hmüeltt-eJne «t> ttwjrtajfVstt ^ Kett« 

ein Geschenk llstfe 

Vv^jfoldeJ.e:^ Klopfe 

nVit dßHi'. himmUsche ji'räsaiejp;^ r ^ ; 

,..: iwife- C^:lt3w piü kpKnc^r; 

Wurf<§iinift2^i m Suftbep^Ot’-i'n inid iib^'rprölßed^ 
g-myl^len . iifftsrhuuicktesp M^itiw^'fkf^nsj^m ^ 

wurde in der ^wet(i?rv lialflö de& üii SteUc: 

dcr k 1 f’ i u^b kö?ölit\gls£l\en Die im 14. tmd: 

15i JührKumlprl ^ttgefdgt^n 
Anb^uU^a >lnd, wie 

gübge, Des^ ; ^ 

bu Nordtnt e:etegeneB ^ f; ^ 

kapeUe srIilielWn Äirh ön die | 

Ä. T. mit jjpätgüiisds^ifi N4Hi£~ V 

gewolben überdeckien, ein ' 

Qutidtum bildendun Ktöui^ ff Äh i S^^öSi»' 

Bei&Tmdeiy WwoK^ - - ^ ' 1^ /-' 

-nebswert ist die vc'ift Pb,l%j> ! WdHBHII^SS? 

• van. i-f>cb‘W4^ben. im ^ 

Arme der fij |HS| fj 

bnetiev in felcK entwickeitern* ■ ■: • 1? . ? /; jj: -188?M 

rnmimisdVem Stile. ; ^r ' j jj ^ 

•sieUte : ; ,. ifj-:' Wt j 

•smvie der, Bittgun^-■ in.-■ die- 1’; |HE > ||^Bj^l| 

K fe . ej j;i ■ der ■ K5 t>ster- f- * iJ 'ff'^' 

g^nsse,’ däft kieine Drachen^ ■.; h ■ i/M -V'. 

lücJa Dfee Idr den. -vöj-:.. ' . ■’ . £ %.i jWäi^. 


(I t J; ^ ^ erbiiut wurde; Df^dßigmäi} 

I ; BiP iil \ käntite du? Stindi die^ 

: HK |: l " hoben Feste feiern* das 

I^bI i le'MietRal bei. d^?r Kronunff 

r j Kl Vif •. J^fe’ Ferdinands 

Bef Saal wdrd >jurr*h vier 
hBbmL-J^KJ^ mflsSive PlöMr in ÄeKhJeNfbe 

i^eMh, die mit inäcbti^en^ 
f HB/^ r^ ’- t^oii schw^ri?a Trippen g:<frlrä- 

^ sBr st ^ f?ehen Krm iwtiB>«?rv iiii>ep^ 

[■ffff ji spnna^ sind;. Ufsprürngüdv 

hatte die goO&ithe D-^^^ 
vF bekiäu hangÄeiteiA Feirat^r. 
r NicKi TO Nutzen des Baib^ 

^ wericä, sii\ti ^ie an der Söd- 

JT ^ ^^ite für die Wähdgemäld« 

vertnHii^rT wördUn, 

'V - OieSii^ Krikj$^ü%nmalde^ 

BHKMILi^ IP AllVed Rediel^ emear 

> jw der Stadl; i m Jah r^ 1Ö4Ö-’ 51 

arfrekcp gemalt* stellen her-; 
! im vbrruk^^JHle Töten Karls^ des 

■5 ;: Gründers der Pta !ä^ dar, Sift 

11 ^ S l ?iind möPidmehtg 1 e ^erk 

d I tJE dm allseitig itts d^r 

I ffl ’ /■ 

1« ;; j; anerkarmt w^irdeür^u^ 

Altchen tM sttdr daraut sk 
'f T^'T ' i- i ^ti hesit^om bednueitnist. 
^ 18H8 h dalt der gr^ril^e Künstler durch 
^k 1 mit Verhinderi wurde p 
* s fim tÜc h e iidd^r auü^ijfuVireR * 

" •'l', ' ' P.^ •vler m .de-r, 

IlliliilllilWiiilii l*““^^ .sistl :teils;..rta(-h: seäMn 

- «ife- ««ch 

suihea. 4^^ den 

ls>ch (t...aongr /«», Ki-W«« hei^P^vtellt. 

Vioilnche Brümk' h<?dii5n /tr vt'ic'derKoiten Mrden dös Re£"' 
h J\\m sei per Tkrune nrnil n e s D ncii £^ heraiib ä ber seine 

Cie y/^til}>p si fid ta rfhtprafide^^nr örtn y c bJieb€t'. ;: Wßch dem 
llrutid ypii dpi ^eiÄfttirte und nur ein 

A i-h 1 ü 1 vtf r^ 1 hlel t; :djyi$.. th>itT 8 0 a r:h ^ind Tü 

mt Sulp der SparTirhab^fl^^ in itu^r Art gro^ßarti^ upd 

innnumenial wirkten. Wenn sm d^m gousch6tV 

Untcrbim wprkigpr paC>t;&iv; sp beherr^tiifon sie das '^^eichhtld 
der Stadt und hp^bni ön d ttfrh thre.; hlDhe und Ala^^e ßTegefp- 
über der hmggp-girdvkTivu Fropt die Vertikale^ Mit 


godeuken, dm . Autbö- .' ’ -|f :1 •!rz‘:::^^ W»r.Tt^M T 

W&KrO-n d^v. t&itweh^n von _S - .<( 8 S^®a£S^ 

Köri dem Großen gesamt 'S 1 -/^ 3 ^; ^ 

nmkeft iI rgtumer dien-;■ E 

8e^pn4<!''h'i •hp.r^"t%f Ti uh eFei i ■. ' ''■ i<-' 

ai n d e i i> F ri < je dds 115.,.] fth r ^ f 

11 u u.j fp «f Sch Teihr i 1 v* B 

10 weioH^ü-• 'die Gebe ine 

des,, .großen Röisor^; von.' 

Frit'drtdK ih 121 *5 hirudo' 

: i;hpfii'e-'.nocl»' rghen., : ■? 

urtii .dt'r dem t^* ^ 

11 P^eh prP rid e M un en^ c! ^ f eip. BQml:'; ) 

AIb^' S.ch.r[tz.kan'iOieT' dKu'U-dlp. ' BBW|jB. ! i 

o n der e ] rn n.r ck^V BB lB Hff ^ ^7 ' 

stilij uusjge.fiil irtp iJngönsic li e HHHI' T " i d / 

Seil mditr tWrio Öl) *1 ah ret v. 
wird l'ortwaiirend üit der ‘ ~ 

Wiederhenslelttuig des fnr 
die Kunstgesdiichie vo wPrt- 
voilTO B:rf>ulOTifeftmts irwif' . 

bi'tid Oiink df'T «-itriiferi . , ,, ._ r , 

aa Kuibverdi« AaLlicaer Mtmster: Das D^rf. 

^tnd äuch 4iP Mij L&l für 4-^1} inuerpn, ArJ^^l nii b^sclVörtü; Dm 
monifmantöTo Ausri^iilihüskudg mit sebehen Mji^tVTiürsorJöo und 
Mo-^uiik ist 'ium gi&ßUrr.Töd 

Düs ^:W 7 dte bftth;;Vffprvdö IVp 0 P rk;;^ ijer karo 1 i t \g'isctji 11 n 
Zü i t, J öfi o'c ti o u r ;■: tlfekws^ ■ k^'thü li ivn ^ 1 ' 4 j e V. f 0 G. Kor ? s 

de h G r Q ße n, n uj: derlp n Tir^ mmiTo d tj s ]^t t ijg e : R a th öus i n vie r 
eGtep Hälfe - .dds 14; JoJirhuodi^itis^ prbiJtbt Wurfe Tfe 
R'ii. llr n :fel' körrd.fnj^i^d^pn turndiiifmntfe 

Ks .'iimvj^'f.''llin'di!i;lV;J^ i^ein.es GriäÖdrHsös.'fes di© gteichö 

A f. w-Ar; der hin u p 1 h ßu di^ r -Koi^serpful?. ;■' .N *h':\ i ii e u t'hiTt, 





























Nr. 15 DEUTSCHLAND 743 




Münsterkirche Aachen: Pala d'oro auf dem Hochaltar, Goldrelief 10. Jahrh., 
Umrahmung* hergestellt 1872 durch Ayg. Witte, Hofgoldschmied, Aachen 


Schrecken und tiefem Leid sah die Bürgerschaft bei dem 
Stadtbrande von 1883 auch diese Wahrzeichen in Rauch und 
Flammen verschwinden. Bei der Wiederherstellung sah man 
davon ab, die Türme in der ursprünglichen gotischen Ge¬ 
stalt aufzubauen, von 
der zudem nur wenig 
gute und unzuverläs¬ 
sige Bilder Kenntnis 
geben. In richtiger 
Würdigung der Volks- 
Stimmung bewahrte 
man vielmehr das lieb¬ 
gewonnene Bild und 
führte wiederum zwei 
gleichwertige, aber go¬ 
tisch gestaltete Türme 
aus. Bei dieser Ge¬ 
legenheit wurde das 
ganze Gebäude im 
Innern und Aeußern 
von Grund aus er¬ 
neuert, die Vorderfront 
mit Figuren,Reliefs und 
Wappen in reichster 
Weise geschmückt und 
die Hinterfront durch 
Anbau einer Arkaden¬ 
galerie, welche sich 
zwischenStrebepfeilern 
spannt, verstärkt. Auch ein Anbau an den Granusturm 
längs der Krämerstraße wurde errichtet und so ein abge¬ 
schlossenes Bild am Katschhof erzielt. 

Da das Rathaus hauptsächlich nur repräsentativen Zwecken 
dient und nur wenigen Amtszimmern Raum bietet, errichtete 
man an der andern Seite des Katschhofes ein neues, ge¬ 
räumiges Gebäude zur Aufnahme sämtlicher Zweige der 
städtischen Verwaltung, das neue Rathaus. 

Der Neubau, in spätgotischer Stilsprache ausgeführt, 
bildet für sich eine eigene Baugruppe, wenn er auch mit 
dem Rathause durch 
eine Brücke am Markt¬ 
turm verbunden ist. 

Er ordnet sich seinem 
Zweck gemäß dem Rat¬ 
hause nach und findet 
seine Höhenentwick¬ 
lung erst in der Ritter 
Chorusstraße, an der 
sich ein mächtiger 
Uhrturm aus der Bau¬ 
masse entwickelt. 

Der Katschhof — 
einerseits begrenzt von 
derBaugruppe des alten 
und neuen Rathauses, 
anderseits demMünster 
mit dem recht glücklich 
wieder hergestellten 
karolingischen Gange 
— bildet ein Stadtbild 
von überraschender 
Schönheit und einer so 
großen geschichtlichen 
Bedeutung, daß ihm 
sicher wenige Plätze in 
andern Städten gegen¬ 
übergestellt werden 
können. 


Das Aachener Münster: Die Armseelenkapelle 


Zu den Bauwerken aus karolingischer Zeit ist auch die 
Salvatorkirche zu rechnen. Sie wurde durch Ludwig 
den Frommen errichtet und nach deren Verfall von Otto III. 
wieder aufgebaut. Die vollständig zur Ruine gewordene Kirche, 

von der nur Teile des 
Mittelschiffes und die 
beiden unteren Turm¬ 
geschosse bestanden, 
wurde unter engem 
Anschluß an die auf¬ 
gefundenen Reste auf 
den alten Fundamenten 
von der Stadt 1885 
wieder hergestellt. 

Aus der romanischen 
Bauperiode finden wir 
nur wenige Ueberreste. 
Zu diesen gehören 
der letzte Rest der 
Stiftsgeistlichen-Woh- 
nungen ander Kloster¬ 
gasse, deren ursprüng¬ 
liche Gliederungen 
durch den alles ver¬ 
deckenden Mörtel und 
durch modernisierte 
Fenster leider entstellt 
nur mehr an einigen 
wenigen gekuppelten 
romanischen Fenstern erkennbar sind, sowie die Bauwerke 
Philipps von Schwaben, die vorgenannte Armseelenkapelle 
mit der darüber gelegenen Archivhalle und der Eingang zur 
Kreuzkapelle. 

Aus der Uebergangszeit stammt das am Fischmarkt ge¬ 
legene, von Richard von Corn wallis erbaute älteste Rathaus 
der Stadt, das erst nach Fertigstellung des Rathauses auf 
dem Markte verlassen wurde. Von da ab hat es zu den ver¬ 
schiedensten Zwecken, zuletzt als Gefängnis, gedient, bis es 
zur Ruine geworden, dem gänzlichen Verfall nahe war. 

Gegenwärtig ist dieses 
hochinteressante Bau¬ 
werk wieder hergestellt 
und birgt in seinen 
Mauern das städtische 
Archiv und die Stadt¬ 
bibliothek. 

Die Stadt hatte zwei 
befestigte Mauer¬ 
ringe. Der erste folgte 
den Straßen, welche 
noch heute mit dem 
Namen Graben be¬ 
zeichnet werden. Er 
wurde auf Befehl Fried¬ 
rich Barbarossas 1172 
begonnen. Friedrich 
ließ die Bürger gegen 
Verleihung mancher 
Vorrechte schwören, 
die Stadt in einem Zeit¬ 
räume von vier Jahren 
mit Mauern, Toren und 
Türmen zu umgeben. 
Von dieser ersten Be¬ 
festigungsind nurmehr 
einzelne Reste vor¬ 
handen. Aeltere Stadt¬ 
pläne zeigen die Mauer 



































































744 DEUTSCHLAND Nr. 15 



mit zehn Toren und zehn Türmen. Auch nach Errichten der 
zweiten blieben die Tore der ersteren noch mehrere Jahr¬ 
hunderte bestehen. Eine Anzahl wurde Mitte des 18. Jahr¬ 
hunderts und der Rest in der französischen Zeit abgebrochen. 
Die Stellen, wo diese Tore einst standen, werden heute noch 
im Volksmund als Mitteltore bezeichnet, z. B. Pontmitteltor 
am Templergraben, Kölnmitteltor am Seilgraben usw. 

Die zweite Umwallung wurde Ende des 13. und Anfang 
des 14. Jahrhunderts errichtet. Bereits 1320 werden die Haupt¬ 
tore urkundlich erwähnt. Diese zählte 11 Tore und 22 Türme, 
die ebenfalls größtenteils der französischen Herrschaft zum 
Opfer fielen. Von ihnen sollen das Kölntor das zierlichste, 
das Burtscheider Tor das stärkste und das Sandkaultor an 
Mauerwerk das höchste gewesen sein. Gegenwärtig besitzt 
die Stadt nur mehr zwei Torburgen, das Ponttor und das 
Marschiertor. 

Das Marschiertor, ein für die mittelalterliche Be¬ 
festigungskunst höchst lehrreicher, im Innern noch vollständig 
erhaltener Bau, wurde vor wenigen Jahren mit neuem Dach 
versehen und im Aeußern, soweit erforderlich, ergänzt; im 
Ponttor dagegen fehlte der innere Ausbau gänzlich. Es 
wurde wiederhergestellt und als Museum für Aquensien ein¬ 
gerichtet. Von den Türmen sind noch erhalten: der Marien¬ 
turm, der lange Turm, der Lavenstein und der Pfaffenturm. 

Was die Stadt an Gebäuden aus dem 13., 14. und 
15. Jahrhundert besitzt, ist teilweise schon bei den vorbe¬ 
schriebenen Bauten erwähnt. Zum Vervollständigen bedarf 
es noch der Nennung einiger Kirchen. Zunächst sind 
es die Nikolauskirche, 
eine frühere Franziskaner¬ 
kirche,und diePaulskirche, 
eine frühere Dominikaner¬ 
kirche. Beide Kirchen 
sind offene schöne Hallen¬ 
kirchen, deren Gewölbe 
von schlankenSäulen ohne 
Dienste getragen werden. 

Bei beiden schließen die 
Seitenschiffe gerade und 
das Mittelschiff polygonal 
ab. Die Nikolaus- 
k i r ch e ist vor wenigen 
Jahren gut restauriert und 
mit einem neuen Kreuz¬ 
gang an Stelle des alten 
zerfallenen geschmückt 
worden. Die im Innern 
schon seit mehrerenJahren 
wieder hergestellte und 
mit reichen Altären und 
wertvollen Glasmalereien 
versehene P a u 1 s k i r ch e 
wurde in den letztenJahren 
auch im Aeußern erneuert. 

Weiter ist die Foilans- 
kirche zu erwähnen, die 
älteste Pfarrkirche der 
Stadt, jetzt ein gotischer 
basilikaler Bau mit einem 
reich entwickelten, in den 
letztenJahren aufgebauten 
Turm, welcher im Weich¬ 
bild der Stadt im Verein 
mit dem nebengelegenen 
Münster vorzüglich wirkt. 

Dem 17. Jahrhundert ge¬ 
hören d e Jesuitenkirche 
und die Gymnasialkirche 


an. Die Jesuitenkirche, eine basilikale Anlage mit zwei¬ 
geschossigen Seitenschiffen, wurde T6I8 eingeweiht. Die 
reiche Front an der Jesuitenstraße, in schönen Formen der 
Spätrenaissance gehalten, ist 1890 erneuert worden. Den 
Hochaltar schmückt ein berühmtes Gemälde Gerhards von 
Honthorst, die Kreuzabnahme. 

Profanbauten aus dem Mittelalter sind überhaupt nicht 
mehr vorhanden, oder so umgebaut, daß von dem Alten 
wenig mehr zu erkennen ist. Die älteren stammen mit 
geringen Ausnahmen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahr¬ 
hunderts. Die wenigen, die der Brand von 1656 verschonte, 
verschwinden immer mehr. Im Museum wird eine hübsche 
Sammlung dieser wenigen Bauten im Bilde aufbewahrt. Lehr¬ 
reiche Beispiele der damaligen Bauweise in Ziegelsteinen in 
Verbindung mit Hausteinen bieten das Haus „Im Ackermann" 
in der Jakobstraße, das kürzlich gut erneuert wurde, und das 
1657 an den Granusturm angebaute kleine Haus. Neben 
letzterem fällt die dann am Rathause noch übrig bleibende 
Ecke, ein höchst origineller Barockbau auf, den der Volks¬ 
mund „Postwagen" nennt. Er umfaßt nur 15 Quadratmeter 
und mißt, obgleich zweigeschossig, vom Bürgersteig bis zum 
Hauptgesims nur 4,60 Meter. Der untere Teil ist im Fach¬ 
werk errichtet, die Fenster haben Klappläden. Das obere 
Geschoß, etwas gegen den Untersatz ausgekragt, besteht aus 
Holz und hat zwischen den Fenstern gewundene Säulen mit 
gut geschnitzten Kapitälen. 

Die nach 1656 entstandenen Gebäude tragen verständlich 
den Stempel der Dürftigkeit und Armut. Es hat lange ge- 


Das Aachener Stadttheater und das Denkmal Kaiser Wilhelms I. 






























Nr. 15 DEUTSCHLAND 745 


dauert, bis die Stadt sich von den Folgen dieses Brandunglücks 
erholt hatte. Zählte sie doch gegen Ende des 18. Jahrhunderts 
nicht einmal so viel Häuser, als der Brand zerstörte. Erst 
nach dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts läßt sich in 
der Bautätigkeit wieder ein Aufschwung erkennen, der vor¬ 
zugsweise in den von Johann Joseph Couven und Jakob 
Couven, Vater und Sohn, errichteten Bauten zum Ausdruck 
kommt. Beide haben einen großen und fruchtbaren Einfluß 
auf die Bauten ihrer Zeit ausgeübt. 

Unter den Kirchen, die Couven baute, verdienen die Abtei¬ 
kirche und Michaelskirche in Aachen-B. und die innere Aus¬ 
stattung der Theresienkirche, 
sowie die evangelische Anna- 
kirche erwähnt zu werden. 

In diese Zeit fällt auch 
der Umbau des Rathauses, 
das man vollständig seiner 
gotischen Fassade teraubte 
und dem man eine solche im 
Stile der Zeit vorsetzte. Noch 
erhalten ist die damalige Aus¬ 
schmückung der Erdgescho߬ 
räume mit reichem Stückwerk 
und feingeschnitzten Ver¬ 
täfelungen. 

Das im Jahre 1785 er¬ 
baute Kurhaus ist einWerk 
des jüngeren Couven. Den 
Hauptraum des Gebäudes 
bildet der fast überreich aus¬ 
gestattete Saal, im Ober¬ 
geschoß der Ballsaal, der 
sich von der Vorder- bis 
zur Hinterfront erstreckt und 
durch zwei Etagen reicht. 

Durch die ruhige Pilaster¬ 
stellung im unteren Teile und 
die mit Stickkappen reizvoll 
unterbrochene Deckenvoute 
wirkt er anregend und feier¬ 
lich. Das alte Kurhaus wurde 
1903 um einen großen Anbau 
im Charakter und Sinne des 
ersten Erbauers erweitert. 

Der Anbau erstreckt sich bis 
100 Meter in die Couven- 
straße hinein. Zum Aus¬ 
schmücken der Decken und 
Wände der inVerbindung mit 
dem Ballsaale neuerbauten 
Säle dienten die Decke des 
großen Saales aus dem 
Wespienhause sowie die 
schönen Stuckverzierungen 
aus der alten Redoute, dem 
spätem Museum, das infolge Anlage der Couvenstraße 
niedergelegt werden mußte. Eine große Anzahl Privat¬ 
bauten beider Couven bestehen noch, unter denen die um 
einen Ehrenhof errichteten Gebäude Seilgraben 34 und 
Jakobstraße 35 sowie der Eckenberg in Aachen-Burtscheid 
sich auszeichnen. 

Diesen Bauten folgen diejenigen von Schinkel und die im 
Geiste Schinkels hergestellten. 

Von ihm selbst ist entworfen die 85 Meter lange Trink¬ 
halle am Friedrich-Wilhelm-Platz, die zu Ehren der Gemahlin 
Friedrich Wilhelms IV. den Namen Elisenbrunnen trägt. 
Den mittleren Teil des Gebäudes bildet eine Rotunde von 
20,50 Meter Durchmesser, die von 7,60 Meter hohen dorischen 


Säulen getragen wird. Zu beiden Seiten der Rotunde schließen 
sich niedrigere offene Kolonnaden an, die in geschlossenen 
Pavillons endigen. Der Blick vom Theaterplatz auf den 
Friedrich-Wilhelm-Platz ist überraschend schön und einer 
Großstadt würdig. Auch das Stadttheater verdankt dieser 
Zeit seine Entstehung. Wenn auch dem Bau, wie den meisten 
der damaligen Gebäuden, eine gewisse Monumentalität nicht 
abzusprechen war, so konnte er als Theater den heutigen 
Ansprüchen nicht gerecht werden. Im Jahre 1901 wurde 
das Gebäude so durchgreifend umgebaut und erweitert, daß 
allein die Säulenhalle mit dem Tympanon an der Vorderfront 

an den alten Bau erinnert. 

An Kirchenbauten 
gehören der zweiten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts und 
Anfang des 20. Jahrhunderts 
an: die Marienkirche, die 
Alphonskirche, die Jakobs¬ 
kirche und die Adalberts¬ 
kirche, der Turm des Domes, 
der Turm der Foilanskirche 
und der Turm der Michaels¬ 
kirche in Aachen-Burtscheid, 
die Josephskirche, die Kreuz¬ 
kirche und die Kirche des Gre- 
goriushauses, die Elisabeth¬ 
kirche, die Herz-Jesu-Kirche, 
letztere nur teilweise fertigge¬ 
stellt; ferner an evangelischen 
Kirchen: die Christuskirche 
und die Dreifaltigkeitskirche. 

Während früher die Stadt 
eine turmarme war, bietet sie 
heute dem Beschauer eine 
große Anzahl hoher Türme 
der verschiedensten Stilarten 
dar, von der frühromanischen 
Bischofshaube bis zur neu¬ 
zeitlichen Formensprache. 

Aber auch die Profan¬ 
bauten, öffentliche sowohl 
wie private, haben in gleicher 
Weise Schritt gehalten, und 
ebenso hat der Straßenbau 
und der Städtebau einen zeit¬ 
gemäßen Aufschwung zu 
verzeichnen. 

Neue luftige und ruhige 
Wohnviertel, teils mit villen¬ 
artiger, offener Bebauung, 
entstehen ringsum. Man ist 
bemüht, den herrlichen Wald 
der Stadt immer näher zu 
bringen. Dabei sorgt die 
Stadtverwaltung durch eine 
verständig betriebene Bodenpolitik und durch Aufschluß 
neuer Straßen für billige, gute und gesunde Wohnverhältnisse. 

Zum Bilde „Die Sarazenenschlacht"*). 

Von Joseph Laurent. 

Wer die gewaltige gotische Halle des Aachener Rathauses, 
den Kaisersaal, betritt, den umfängt jedesmal wieder der 
Zauber seiner Fresken, die den unsterblichen Ruhm ihres 
Schöpfers, unsers Alfred Rethel, verkünden. 

Diese Bilder im Verein mit der geschichtlichen Bedeutung 
des Raumes bilden einen Akkord, der uns in die alte Kaiser¬ 
zeit, in die denkwürdige Zeit des römischen Reiches deutscher 

*1 Siehe farbipe Kunstbeilage zu dieser Nummer. 



Tür am Hause Klappergasse T in Aachen 
(Phot.: Dr. Erwin Quedenfeldt, DüsseldorO 
























746 DEUTSCHLAND Nr. 15 


Nation versetzt. Beziehen sie sich doch alle auf seinen 
Gründer, den g-roßen Karl. 

Rethel verewigte sieben seiner Großtaten und stellt im 
achten Bilde die Auffindung der Leiche Karls dar. Nur vier 
dieser monumentalen Darstellungen waren ihm vergönnt mit 
eigener Hand der Nachwelt zu überliefern, bevor ihn das 
Schicksal zwang, die weitere Ausführung seiner Entwürfe 
einem andern zu überlassen. — Jedem fallen die wirklichen 
Rethels sofort auf. Diese trotz der bewegten Handlung ruhig, 
flächig, wie ein Gobelin wirkend, jene in konventioneller Mal- 
weise weniger ruhig und aus der Fläche tretend. 

Welchem seiner letzten Bilder die Palme gebührt, ob der 
Sarazenenschlacht oder dem Einzuge in Pavia, ist schwierig 
zu entscheiden und abhängig von individueller Anschauung. 
Sehr richtig sagt J. Ponten: „Wer von heldenhaftstürmender 
Unaufhaltsamkeit und Todesverachtung die größte Wirkung 
erfährt, wird die spanische Schlacht für das größte Bild 
der Karlsreihe halten, wem das Fühlen der Menschenseele 
und ihre Gestaltung das Höchste ist, wird seine Liebe beim 
Einzug in Pavia beteiligen." 

Indem wir das Bild der Sarazenenschlacht veröffentlichen, 
stimmen wir der Ansicht Max Schmids zu, der sie „eine 


malerische Leistung ersten Ranges und koloristisch wohl die 
hervorragendste Partie der ganzen Freskenreihe" nennt. 

In der Mitte stürmt der Kaiser an der Spitze seiner 
Getreuen mit hochgeschwungenem Schwert auf schwerem 
Schlachtroß heran, dem die Augen zum Schutz gegen die feind¬ 
lichen Schreckgebilde verbunden sind. Er erfaßt mit mutigfer 
Hand die feindliche Türkenfahne und reißt sie von dem Wagen, 
dessen viergespannte, weiße Stiere sich schon in toller Flucht 
befinden. Vergeblich sucht man sie zu bändigen und aufzu¬ 
halten. Auf der rechten Seite eine heillose Verwirrung; die 
Mauren sind einem solch kühnen Ansturm nicht gewachsen. 
Auf der linken Seite kämpft, geführt vom Bischof Turpin, 
das siegreiche Karlsheer, alles vor sich her vernichtend. 

Fragt man sich, wodurch das Bild so anregend und 
überwältigend wirkt? offenbar durch das Hervorheben der 
wenigen handelnden Figuren. Nur die majestätische, kämpfende 
und gleichzeitig gebietende Gestalt des Kaisers und der 
stierbespannte Wagen mit seinen Fahnenträgern sprechen. 
Alles übrige ist mehr oder weniger als Beiwerk behandelt. 
Und dennoch führt es uns in ein wildes Schlachtgetümmel 
überall Tod und Schrecken. 

Es läßt dem Beschauer zu denken übrig. 


Aachener Denkmal-Plastik. 

Von Prof. Dr. Max Schmid, Geh. Reg.-Rat. 



Aus Aachens Vergangenheit ist, wie im Profanbau, 
so auch in der profanen Denkmalkunst nicht vieles 
erhalten. Verschwunden 
ist jenes Reiterbild des 
gewaltigen Ostgoten 
Theoderich, des edlen 
Dietrich von Bern, das 
einst Karl der Große 
im Hofe seiner Pfalz er¬ 
richten ließ. Und von 
Karl dem Großen selber 
kündet uns nur jenes 
Brünnlein auf dem Rat¬ 
haus-Platze, das des 
großen Kaisers Stand¬ 
bild trägt. Bescheiden 
ist es nach seinem 
äußern Umfang, und 
viele tadeln es, weil 
es nicht ganz im Ver¬ 
hältnis zur historischen 
Größe des erhabenen 
Kaisers zu stehen 
scheint. Unsere Alt¬ 
vorderen waren darin 
wohl bescheidener als 
wir. Sie schätzten noch 
nicht die Bedeutung 
eines Mannes nach der 
Quantität von Stein und 
Bronze, die ihm ge¬ 
widmet sind. In einer 
Stadt, die an und für 
sich eine einzige große 
Erinnerung an jenen 
Helden bildet, ver¬ 
zichtete man gerne 


darauf, sein leiblich Bildnis zu zeigen. Aber auch 
ohne geschichtliche Beziehungen wird das Brünnlein 

die Freude jedes Be¬ 
schauers bilden, der 
ein offenes Auge für 
Schönheiten im Stadt¬ 
bilde hat. Auf dem 
etwas unregelmäßigen, 
dreieckigen Platze ist 
es an der günstigsten 
Stelle errichtet. Mehr 
nach der Breite als nach 
der Höhe entwickelt, 
fügt es sich glücklich 
in die Fläche ein. Auch 
merkt man es ihm 
nicht an, daß es zu 
verschiedenen Zeiten 
und von verschiedenen 
Meistern allmählich zu¬ 
sammengesetzt wurde. 
Das Hauptstück des 
Werkes ist die prächtige 
weite Bronzeschale, um 
deren Saum ein zier¬ 
liches Ornamentband 
mit Wappen und Namen 
der Stifter sich hinzieht, 
darunter die Inschrift: 
„Durch das Feuer bin 
ich geflossen, Franz 
von Trier, Peter von 
Trier und Daniel Laner 
haben mich gegossen 
A. D. 1620". Damit ist 
das Jahr bestimmt, in 
dem an Stelle einer 


Tür am Hause Annastraße 35 in Aachen 
(Phot.: Dr. Erwin Quedenieldt, Düsseldorf) 




















Nr. 15 DEUTSCHLAND 


747 



gotischen Spitzsäule, 
die bisher den Markt¬ 
bewohnern Wasser ge¬ 
spendet, der Renais¬ 
sance - Brunnen trat. 

Aus einem polygonen 
Becken erhob sich seit¬ 
dem auf einem Sockel 
die gegossene Schale 
und darüber die Erzge¬ 
stalt Karls des Großen 
in jener naiven Auf¬ 
fassung, wie die ganze 
Renaissance den ritter¬ 
lichen Kaiser darzu¬ 
stellen pflegte: imEisen- 
panzer, mit einer an¬ 
sehnlichen Krone auf 
dem bärtigen Haupt, mit 
Reichsapfel und Zepter 
in Händen. Nicht gerade 
monumental, aber lustig 
und volkstümlich. 1734 
muß dieser Brunnen 
stark inVerfall gewesen 
sein, denn der damalige 
Stadtarchitekt Johann 
Joseph Couven ließ das 
alte polygone Becken 
abbrechen und ersetzte 
es durch einen läng¬ 
lichen, anmutig ge¬ 
schweiften Steinnapf, 
in dem der alte Sockel 
mit Bronzeschale und 
Kaiserbildnis wiederum 
aufgestellt wurde, doch 
so, daß Kaiser Karl nun 
zum Rathaus blickte. 

Acht Jahre spätersetzte 
man zwei bronzene Del¬ 
phine in das Becken hinein, die lustig kleine Wasser¬ 
strahlen entsenden. So plätschert und rauscht es um 
die alte Kaiserfigur. Und wer etwa zu nächtlicher 
Stunde den einsamen Platz überschreitet, freut sich des 
traulichen und anmutigen Bildes aus alter poetischer, 
anspruchsloser Zeit. 

Die Herrlichkeit des Barock und Rokoko war ver¬ 
rauscht. Kaiser Karl war von seinem Brunnensockel 
herabgeholt worden, nach Paris gefahren und wieder 
nach Aachen zurückgekehrt. Der biedere Klassizismus 
hatte in dem inzwischen französisch gewordenen Aachen 
seinen Einzug gehalten und hinterließ in dem neuauf- 
blühenden Stadtteile, in der Alexanderstraße und Peter¬ 
straße, Zeugnisse seiner schlichten, aber gesunden Bau¬ 
weise. Da fand man es angemessen, auch auf dem 
kleinen Platzdreieck, auf das die volkreiche Sandkaul- 
straße einmündet und das im Volksmunde seit alters 
„auf dem Hauptmann" hieß, das dort vorhandene 
Brünnlein zu „modernisieren". Jetzt diktierten Aegypten, 
Etrurien und Alt-Rom die Kunstgesetze. Auf dem 
Lousberg wurde ein Obelisk errichtet (1807) und 1825 


erhob sich auch „auf 
dem Hauptmann" ein 
stämmiger Obelisk, an 
dessen vier Flächen 
vier antik gewandete 
Jungfrauen in starkem 
Hochrelief sich gleich¬ 
sam im Reigen anein¬ 
anderschließen. Indem 
sie sich die Hände 
reichen, fassen sie zu¬ 
gleich die Kannen, 
aus denen das kühle 
Naß in die Becken spru¬ 
deln soll. Trotz seines 
Klassizismus ist dieser 
Brunnen volkstümlich 
geworden unter der 
lustigen Bezeichnung 
,HottmannspieP (Haupt¬ 
mannspfeife [-Röhre]). 

Wie man sieht, waren 
unsere Väter sparsam in 
der Schaffung vonDenk- 
malen. Selbst die hoch¬ 
berühmte freie Reichs¬ 
stadt Aachen glaubte 
das ihre getan zu haben, 
wenn sie alle 100 Jahre 
ein Brünnlein schuf 
oder auch nur eins um¬ 
baute. Erst im letzten 
Drittel des XIX. Jahr¬ 
hunderts fand auch 
Aachen — wie alle 
deutsche Städte —, daß 
es gleichsam denkmals¬ 
nackt sei und dieser 
Nacktheit sich schämen 
müsse. Da war es denn 
schon ein Vorzeichen 
dieser Wandlung, daß man kaum 10 Jahre nach Er¬ 
richtung der Hottmannspief bereits 1836 bis 1844 das 
große Ereignis des im Jahre 1818 zu Aachen abge¬ 
haltenen Monarchen-Kongresses durch Errichtung einer 
kleinen tabernakelartigen Marmor-Kapelle feierte, die 
Ortskundige heute noch im Garten des jetzigen Justiz¬ 
gebäudes zu entdecken vermögen. Sie zeichnet sich 
mehr durch Schlichtheit als durch andere Vorzüge aus. 

Dann forderten die großen Kämpfe von 1864, 1866, 
1870 den wohlberechtigten Tribut der Dankbarkeit in 
Gestalt jenes Kriegerdenkmals, das heute noch auf dem 
Bahnhofplatze sich erhebt. Der bescheidene Sinn und 
die bescheidenen Mittel jener Tage erlaubten nur ein 
kleines Bronzedenkmal, für das man in treu-konservativer 
Gesinnung einen der Letzten aus der klassizistischen 
Schule, den Berliner Rauch-Schüler Drake (1805—1882), 
gewann. Der Siebenundsechzigjährige vermochte wohl 
nicht ganz dem großen Schwünge jener Jahre zu folgen. 
Aber er stellte rührend und sinnig einen sterbenden 
Krieger dar, dem ein Genius den Siegeskranz reicht. 
Leider erhielt das Denkmal, das einst bescheiden 


Die Christuskirche (Archiieki G. Frentzen) 











746 DEUTSCMLÄND Nr. 15 


^twischen Büschen nofgestellt war, heme* nfu:h üer 
nionumentdien Umgestöhuj\g des Bahnhßlplou^is* eJm^ 
äürii exponierte Stellung. Weder nach seinef künst¬ 
lerischen Art, noch nach seinen Abmessungen wiU es 
hierhee^ passen. Möchten doch alle, dte dem ^art- 
empfunderven Denkmal wohl wollen, daran milwirken, 
ihm in kleiner und geschlossener Umgebung den ge¬ 
eigneten Standort 2 ti schaffen. 

Denkmale pflegen dem Zuge der Zeit/ dem Ervt- 
wicklungsbeiJürtnis der Stadl zu lolgcn. So lenkte die 
Ausgest^lliing der prächtigen Aachener Alleen an Stelle 
des ehemaligen Be resfigungsgürtets die V ersehen er 
freucie der Aachener Bürger auf dieses öebiet. Es 
entstand am Schluß der /sichtiger Jtihre der Koiscf- 
brtinnen (1670). der, wie der bunacivbarte kleinere 
Stelfensbrunrien^ keffven AnspriiC'h auf künstiedsche 
Würdigung macKi, aber als ein das Srndthfid freundlich 
belebendes Biement dem Wafidcrer wtUkommen ist. 

Dem Stiftef: jenes 
brunnens, dem der Stadt 
Aachen so vcohl verdienleh 
C. Uehrn zu Ehren entsfand 
gant in der Nidie der Iveluu- 
platz. Auf diesem ettjchiele 
Aachens Stadtbaitmeistiyrr Jos, 

Löorent dus erste größere reli¬ 
giöse Denkmah die stattliche 
•i’ r wMeter liohe Mariensiiule, 
von wefcher die iiher > Meier 
hohe Madonnenfigur seil dom 
3. Juni 1657 auf ihre getreue 
Stadt Aachen hetabschtuu. Der 
ver^töfbenü Bildhauer W. Pohl 
ist der Meister dicrset SltUuCj, 
siiwie der vier oHegorischen 
Oestolteri am Sockel. 

Nicht gax\z ohne Staunen 
sieht man, daß in einer so 
reiigiosan Stadt wie Aachen. 
öb^^Heheu- vielleicht von der 
PassRms-^ Gruppe auf dem 
Jäkobs-plciiye (gestiüel von 
Beissel), keine nKmumentalen 
und künstlerisch hedeutsarner^ 

Andachtsgrupperv sich er tjcbcu 
auf ulte deitfs'che Stmlte, wie 
gerade durch dies'C Verbindung rehgioser und künsl 
lerischer OfdeHrcudigkeit ^om üliendichc^n Schmuck 
und itir thmtlichen Efbötning bmgetragen haben. Es 
sei nur an Adam Kraflis Stationen lu Nürnberg erinnert, 

Freilich hat Aac.he?\ die gleiche Zurückhaltung auch 
seinen verdienten Mübrugerp gegenüber gewahrt. Nur 
eine^ .Mannes ist dutch ein fiffentliche-s Dcnkmol gedachr, 
der rugieich Vertreter jener Ge>^ellsc:haften war, die. als 
höcfnvichuge Kfaftader der Stndt betrachtet werden 
müsfen, der Aachener und Münchener Feuerversiche^ 
rungs-GeselUchah und des Vereins zur BefördeTung -der 
Arbeitsamkeif/ David tiansemanns (I7Ö0-^18Ö4) kernige 
Gestalt mit eien geislvotJen^ inleiligentert Zügen ^teht. da 
an der ölten Kölleporz, a«n heutigen „Hansemanti" auf 
schlichtem Sacke], ar\spruthsIo$ liod dogh eöi Symbo] 
•unserer modernen Zelt, iir der mit Recht nicht nur 



BoköiiJi-Biunnca am Bu» hr! A-rrhen 

Dabei lehit uns ein Bbck 
viel unsere AUvordertv 


Fürsten imd Adeligen^ sondern auch dem neue Werte 
schalfenden Bürger Denkmale gesetzt werden und 
Vielleicht noch im größeren Umfange gesetzt werden 
dürften. Die Figur wurde von dem Berliner Bildhauer 
Meinz Moffmeisler gönz lebensvo!) modelliert und fand 
an einem der belebtesten Punkte der Stadt, dabei doch 
etwas abseits stehend, eine vortieilhafte Aufstellung. 

Die auÖerordendicbe Steigerung des nationalen 
Wohlstandes wird auch ln Aachen dadurch erkennbar, 
daß im ersten Jahrzehnt des tieuen Jahrhunderts eine 
gonz außerordentliche Steigerung der Denkmalstätigkeit 
sowohl noch Menge als Wert der Denkmale feinsetzt. 
DivmU verband steh zugleich eine Stärkung des lokol- 
geschichilichcn Sinnes, wie er ja auch in der wieder- 
etwöchenden Begeisterung für die kIang\'olIe Alt-Aachener 
Sprache sich oiTenbad. Die alte Sage vom Bakauf, 
von jenem flhgeheuerj das den nächtiiehen, aber nicht 
michlernen Wanderer erschreckt, Iond KX)5 durch 

einen Bfvmneri auf dem Büchel 
ihre Verewigung. Der einst in 
Aachen so beliebte und mit 
Bürget Schaft so innig ver¬ 
wachsene Meister des Werkes, 
Kml Krauß,. Kat mit gutem 
Humor die abenteuerliche 
Gestalt des Bakauf geschil¬ 
dert. das durch sein plötz¬ 
liches Erscheioan zwar keinen 
Trunkenen, wohl aber einen 
wasser5chöpfet>den Knaben er- 
srhrfecki/ Da Ist ein popu¬ 
läres, ftber doch nicht banales 
Motiv tiufgegriffen und mit 
jener Drostik tmd gewissen- 
hoftiU^Naturdarstellungwieder- 
gegeiiejs die ln der Epoche 
des ReaUsmus beliebt war. 

Wer dann ober den Markt 
über>;c:hreitend die Jokohstraße 
lünaufgehi, steht bald vor 

einem, gleichfalls der Aachener^ 

Lökalüherliercrunggewidmeten 
Brunnen, deü Karl Burger, der 
hochbegabte Lehrer an der 
Stadljschen KunsfGewerbeschule, 7909 geschalfen hat. 
Ilun wurde die schöne utul dankb/ite Aulgöhe, den 
heldervhxifte.n Bürger, den Schmied v'on Aachen, zu ver¬ 
ewigen, der feinst ^eine V^nterstadt mit Storker Hand von 
<lem lifeinuückiscb erngedrubgenen Grafen von JüHch 
und seiT\en Söhtifeh befreite. Da durfte Burger so recht 
aus voller Kföftnotur heraus den mviskelstarken Schmied 
wifeflergoben, tjer külvf; \tml .fufcMlos, den Hommer In 
nerviger Faust, den l'eiruJ erwaitet. Und indem er 
von öUem überflüssigen Beiwerk, wie von allem theatra- 
Hschen Gliederspreizen Abstand nahm, hat er ein 
streng geschlossenes, aber doch lebendiges und aus¬ 
drucksvolles \X’erk dorthin gestellt- 

Cntllich brachte noch der Ausgang des .Jahres 1911 
jenes entzückende kleine BuinAlein auf dem Fischtnarkt^ ? 
dus nicht ganz oliuo Wideivptutlv nufgenommen wui^de, 
aber luitzdem bald das volkstümlichste Aachener 
Denknrud wird, obw^rdif esi nath seinem Umfang- 















































































750 DEUTSCHLAND Nr. 15 




hinter allen anderen zurücksteht. Hugo Lederer hat 
da, mit glücklichem Griffe, an den Namen des Platzes 
anknüpfend, ein Büblein geschildert, das ernsthaft und 
fest zupackend zwei Fische im Arme trägt, die lustig 
Wasser in ein Becken sprudeln lassen, wie denn auch 
am Sockel aus Fischköpfen zierliche Wasserstrahlen 
springen. Da ist Figur und Unterbau ganz aus einem 
Gusse. Schmal genug, um auf dem kleinen Raume 
nicht zu hindern, groß genug, 
um gegen den ehrwürdigen 
Hintergrund der Tauf-Kapelle 
Stand zu halten, von deren altem 
Gemäuer sich die matte Bronze 
so köstlich abhebt. In der Ge¬ 
stalt des drallen Buben liegt so 
viel Drolliges, aber auch so 
viel Festes und Gesundes, daß 
Kinderfreunde wieKunstfreunde 
wohl mit gleichem Entzücken 
diese Belebung des Aachener 
Straßenbildes dankbar ent¬ 
gegennehmen. 

Noch am Schlüsse des 
scheidenden Jahrhunderts ge¬ 
dachte die Stadt Aachen auch 
jener großen Ehrenpflicht, dem 
Schöpfer des neuen deutschen 
Reiches, Kaiser Wilhelm I., 
ein Erinnerungsmal in ihren 
Mauern zu setzen. Wie hätte 
auch die erste der deutschen 
Kaiserstädte nicht des neu ge¬ 
wonnenen Kaisertums sich freuen sollen. Im Herzen 
der Stadt, vor dem von Cremer im Schinkelstil ent¬ 
worfenen Theater und von dessen stolzer Säulenreihe 
in streng axialem Aufbau sich abhebend, stellte Fritz 
Schaper das schlicht und naturgetreu modellierte Reiter¬ 
denkmal auf hohem Sockel und fügte beiderseits be¬ 
ziehungsreiche Gruppen hinzu. Das Ganze ist durch die 
Anordnung zweier Wasserbecken malerisch erweitert. 

Genau zehn 
Jahrespäter(I911) 
durfte Aachen das 
Denkmal Kaiser 
Friedrichs III. ent¬ 
hüllen und damit 
die schnelle Ent¬ 
wicklung unserer 
modernen Bild¬ 
hauerei beobach¬ 
ten. Hatte Schaper 
noch im Sinne des 
absterbenden Rea¬ 
lismus in höchster 
Naturtreue viele, 
ja vielleicht allzu 
viele Einzelheiten 
dargestellt, male¬ 
risch, vielleicht 
auch allzu male¬ 
risch die Gestalten 
an dem Sockel 


geordnet und bewegt, so trat nun mit Lederers 
Friedrich-Denkmal die Beruhigung ein. Man erkennt 
das Streben, alles Beiwerk abzulehnen, die Reiter¬ 
gestalt aber um so wuchtiger und eindrucksvoller zur 
Geltung zu bringen. Am 18. Oktober 1911 wurde das 
Denkmal in Gegenwart des Kaisers enthüllt Der 
weiche Glanz der Oktobersonne überströmte die macht¬ 
volle Reiterfigur, durchleuchtete alle Feinheiten der matt¬ 
grün patinierten Bronzegestalt, 
strahlte zurück von dem ver¬ 
goldeten Panzer. Der erste 
Eindruck war überwältigend 
und hält heute noch an. 
Auf schlichtem, nur durch In¬ 
schriften belebten und nicht 
allzu hohem Sockel reitet 
Kaiser Friedrich daher. Aeußer- 
lich ist dem naiven Empfinden 
dadurch Rechnung getragen, 

daß, wenn auch stilisiert, doch 
Kürassier-Uniform und Reiter¬ 
stiefeln erkennbar sind. Den 
künstlerischen Wünschen ent¬ 
sprach es, daß die wunder¬ 

volle Anatomie dieses Körpers 
durch Rock, Hose, Lederstiefel, 
ja selbst durch den Panzer hin¬ 
durch sich fühlen, das Muskel¬ 
spiel sich erraten läßt. Vor 
allem wurde der Kopf nicht 
durch einen lastenden und ent¬ 
stellenden Helm um seinen 
künstlerischen Ausdruck gebracht. An seine Stelle 

trat ein vergoldeter Lorbeerkranz. Straff sitzt der 

Reiter im Sattel, stemmt die Rechte mit dem Feld¬ 
herrenstab in die Hüfte und faßt mit der Linken locker 
die Zügel. Das Pferd ist weder reine Idealgestalt noch 
realistisches Rassetier. Unmittelbar nach dem Modell 
geschaffen, zeigt es doch überall die bessernde Hand 
des Meisters, der die Formen verstärkt, wo es der er¬ 
höhte Standpunkt 
oder die Kon- 
trastierung gegen 
die helle Luft 
fordern. 

Dankbar emp¬ 
findet man die 
großen Vorzüge 
dieser in ihrer 
Einfachheit so im¬ 
posanten Arbeit, 
das glückliche Ver¬ 
hältnis zwischen 
dem etwa 4,5Meter 
hohen Reiter und 
dem etwa gleich 
hohen Sockel, die 
schöne Silhouette, 
die von verschie¬ 
denen Ansichten 
her sich ergibt. 
Sehr sympathisch 


Denkmal des wehrhaften Schmiedes 
in der Jakobstraße zu Aachen (Bildhauer: Burger) 


Fischbrünnchen in Aachen^von Professor Hugo Lederer 










Nr. 15 DEUTSCHLAND 751 


ist auch die farbige Wirkung. Der aus silbergrauem, 
schlesischem Marmor hergestellte Sockel vermittelt ange¬ 
nehm zwischen der dunklen Bronze und den harten Tönen 
des Granitunterbaues. Endlich klingt in den beiden, trotz 
aller Stilisierung doch sehr lebensvollen Löwen der Hoch¬ 
bau des Denkmals leise in die Breite aus. Mit wahrem 
Genüsse gleitet das Auge über diese wenigen großen 
und ausdrucksvollen Motive hin, um so mehr als der üb¬ 
liche Allegorienkram deutscher Denkmalsockel hier fort¬ 


gelassen und einer bewußten Klarheit und Ruhe gewichen 
ist. Wohl keine Stadt von der Größe Aachens besitzt ein 
Reiterdenkmal, das, so wie dieses, in gleichem Maße 
die verehrungswürdige Gestalt eines Helden den Zeit¬ 
genossen wahrheitsgetreu in Erinnerung bringt und doch 
auch das Idealbild eines schönen und kühnen Reiters 
auf stolzem Rosse veranschaulicht. Es ist ein Denkmal 
im besten Sinne des Wortes, Schmuck- und Erinnerungs¬ 
mal zugleich, die Krone der Aachener Denkmalkunst. 


Reiffmuseum der Kgl. Technischen Hochschule Aachen. 


Neben den umfassenden städtischen Kunstsamm¬ 
lungen erscheint das obengenannte Museum bescheiden 
nach Umfang und Besitz. Es dient in erster Linie 
dem kunstgeschichtlichen Unterricht an der Königlichen 
Technischen Hochschule, ist aber, dem Wunsche des 
Begründers entsprechend, auch der Allgemeinheit zu¬ 
gänglich gemacht. 

Die Sammlungen des Museums beruhen auf einer 
Stiftung des 1902 verstorbenen Historienmalers Professor 
Erz. R e i f f, Lehrers 
der Malerei an der 
Kgl. Techn. Hoch¬ 
schule zu Aachen. 

Reiff hinterließ eine 
Sammlung von un¬ 
gefähr 60 Original¬ 
werken der Düssel¬ 
dorfer und Mün¬ 
chener Schule, da¬ 
runter Gemälde von 
Osw. und Andr. 

Achenbach, 

Vautier,Munthe, 

Wilh. Sohn, Karl 
Geerts, Petersen- 
Angeln, Bockel- 
mann, Harburger, Gabriel Max, Lindenschmidt 
u. a. m. Dazu kommen etwa 200 Kopien nach Ge¬ 
mälden aller Schulen, besonders der Venetianer und 
Holländer, darunter Raffaels Sixtinische Madonna, 
Franz Hals Haarlemer Regentenstück, Porträts von 
van Dyck, Rembrandt u. a. 

Der derzeitige Leiter der Sammlung, Geheimrat Prof. 
Dr. M. Schmid von der Königlichen Technischen Hoch¬ 
schule zu Aachen, hat diese Kopiensammlung ergänzt 
durch eine Reihe von Gipsabgüssen nach Werken der 
Antike, der Renaissance und vor allem moderner Künstler, 
wie Bartholome, Lederer, Maison u. a. Dazu kommt 
eine umfassende Sammlung, die einen Ueberblick über 
die Technik der bildenden Künste geben soll und neben 


Kopien und Abgüssen Instrumente, Platten, Prägeformen 
und Rohmaterial aller Art umfaßt. Besonders ausführlich 
ist die Technik der Goldschmiedekunst und des Email 
dargestellt. Neben den vorzüglichen Kopien alter Gold¬ 
schmiedearbeiten des Düsseldorfer Meisters Beumers 
finden wir instruktive Darstellungen der verschiedenen 
Stadien der Herstellung als Geschenk des Aachener Gold¬ 
schmieds Witte. Ebenso sind die graphischen Künste, 
Keramik, Lacktechnik usw. dargestellt. Die Baukunst 

und die Innendeko¬ 
ration werden durch 
eine historischeBau- 
materialiensamm- 
lung, durch Ori¬ 
ginale und Gipsab¬ 
güsse von Portalen, 
Fenster - Rahmen, 
Schlußsteinen, Ka- 
minen,Möbeln usw. 

veranschaulicht. 
Dazu kommen wert¬ 
volle Originalfunde 
aus römischen und 
fränkischen Aus¬ 
grabungen,Modelle 
der ausgegrabenen 
Bauten zu Aachen, Cornelimünster und andern Orten. 

Das Ganze stellt einen noch neuen Museumstypus 
dar. Es ist ein Lehrmuseum, das den besonderen Be¬ 
dürfnissen der Studierenden Technischer Hochschulen 
Entgegenkommen soll, aber auch den Schulen und allen 
Lernbegierigen nutzen möchte. Dazu dienen auch monat¬ 
lich wechselnde Ausstellungen, die im Anschluß an die 
Vorlesungen bald die Werke lebender Künstler in Sonder¬ 
ausstellungen vorführen, bald bestimmte Unterrichts¬ 
gebiete, z. B. die moderne Buchausstattung, moderne 
Möbelkunst u. dgl. behandeln. Das Museum ist verbunden 
mit dem Kunstgeschichtlichen Institut, bei dessen Aus¬ 
gestaltung insbesondere alle Fortschritte der modernen 
Projektionstechnik berücksichtigt wurden. M. Schmid. 



Aachener Volksschule in der Reumontstraße 


Aachen als Schulstadt. 

Von Professor Dr. W. K a e h 1 e r. 


Von den Höhen des Lousbergs sieht man über das 
reizvolle Aachener Stadtbild hinüber in zwei fremde 
Sprachgebiete: wenige Meilen von Aachen zieht die 
holländische und französische Sprachgrenze, und damit 
beginnt auch eine andere geistige Kultur. Um so 


bedeutsamer ist die reiche Ausstattung Aachens mit 
Schulen aller Art, die deutscher Geistesbildung in ihren 
verschieden ausgeprägten Richtungen an der Westmark 
eine feste Heimstatt bereiten. Von den Höhen des 
Lousbergs erblickt das Auge des kundigen Beobachters 


















752 DEUTSCHLAND Nr. 15 


jetzt überall zwischen den Kirchtürmen und Fabrik¬ 
schloten im Stadtbild auch die ragenden Dächer und 
Fronten der zahlreichen Schulbauten. In alter Zeit, 
in den ersten Anfängen Aachens und beim Beginn 
bodenständiger deutscher Kultur war hier der Hof Karls 
des Großen mit seiner berühmten Schule eine Pflanz¬ 
stätte deutschen Geisteslebens, deren Wirkungen nach 
Osten strebten; nach tausendjährigem Wachsen und 
Werden deutscher Kultur hat der westwärts vordringende 
Hohenzollernstaat dem alten Kulturlande die Segnungen 
eines weit ausschauenden und straff durchgeführten 
„Schulstaates" neu erweckt: in der Grenzstadt Aachen 
ist durch die Stadtverwaltung unter eigenartiger Unter¬ 
stützung durch einheimische Körperschaften und den 
Staat eine Reihe von Schulen entstanden, die man selten 
in solcher Reichhaltigkeit an einem Ort, am wenigsten 
unmittelbar an der Landesgrenze vereinigt finden wird. 
Eine feste Stütze deutschen Wesens, ist die Schule 
aber auch ein Pionier deutscher Geistesarbeit im 
Ausland, indem sie die Brücke schlägt über die 
Grenzen von Sprache und Geistesleben, wenn sie die 
Angehörigen der Nachbarländer herüberzieht auf die 
deutsche Schulbank. 

Es ist ein alter Ruhm, aber auch eine schwere Last, 
die die deutschen Städte mit ihrem sicher und breit 
ausgebauten Netz von Volksschulen tragen. Jede 
wachsende Stadt muß mit einer stets wachsenden Zahl 
volksschulpflichtiger Kinder rechnen, und neue Volks¬ 
schulen mit den von der Neuzeit verlangten Einrich¬ 
tungen: Turnhallen, Badegelegenheiten, Schulküchen 
gehören zu dem Bilde der neuen Stadtteile. Und daß 
sie nicht wie Kasernen aussehen, sondern in gefälliger 
Form zur Zierde des Stadtbildes werden, ist eine er¬ 
freuliche Folge wachsender Ansprüche an die öffentliche 
Bauweise. Der Ausbau der Volksschule zur Bildungs¬ 
stätte für Geist und Körper der breitesten Schichten 
der Bevölkerung geht schrittweise vorwärts, nicht ohne 
Bedenken, daß Vielgeschäftigkeit und Schematismus 
den Eltern wichtige Aufgaben abnehmen und die Ver¬ 
antwortlichkeit der Familie schwächen. Aber was man 
in einer alten und stadtständigen Industriearbeiteischaft 
zur Weckung geistiger Regsamkeit und körperlicher 
Ertüchtigung machen kann, muß geschehen, um die 
Zukunft des Vaterlandes zu sichern. Schulärzte über¬ 
wachen die Schüler; Hilfsschulen nehmen sich der 
körperlichen und geistigen Schwächlinge an; Wande¬ 
rungen, die in den Ferien die Kinder in die köstliche 
Umgebung hinausführen, Spielplätze, auf denen Schul¬ 
kinder und Erwachsene sich in Bewegungsspielen tum¬ 
meln, ergänzen den Turnunterricht in den geschlossenen 
Hallen. Vier Mittelschulen bestehen neben den Volks¬ 
schulen, um durch Pflege einer Fremdsprache, des 
Französischen, der Eigenart Aachens als Grenzstadt 
besonders Rechnung zu tragen. 

Der Unterricht und die Fortbildung der schul¬ 
entlassenen Jugend ist in der üblichen Weise nach 
neuzeitlichen Grundsätzen eingerichtet: freiwillige Fort¬ 
bildungsschulen und Pflichtfortbildungsschulen stehen 
zur Verfügung, letztere den Abendunterricht meidend, 
in folgerechter Durchführung des Grundsatzes, daß nur 
am Tage volle Frische der Aufnahmefähigkeit vorhanden 
ist und damit stramme Zucht des Geistes und Willens 


bei den jungen Leuten verlangt werden kann. Eine 
Besonderheit bildet die gewerbliche Tagesschule, die, 
an den Volksschulunterricht anknüpfend, zwei Jahre die 
Schüler für künftige praktische Berufsarbeit vorbilden will. 
Eine Kunstgewerbeschule mit praktischem Werkstatt¬ 
unterricht dient vor allem dem Kunslhandwerk im Bau¬ 
gewerbe und der Kunstschlosserei. 

Der weiblichen Jugend, die zumeist von dem Fort¬ 
bildungsunterricht ausgeschlossen, unter der Aachener 
Arbeiterschaft aber zahlreich vertreten ist, nehmen sich 
die Näh- und Kochschulen des „Aachener Vereins für 
Volkswohlfahrt" an, denen die Stadt durch Bereitstellung 
der Räume und Lehrkräfte weitgehende Hilfe leistet. 

Das höhere Unterrichtswesen ist mit allen Arten von 
Knabenschulen vertreten. Das städtische Kaiser-Karl- 
Gymnasium, heute in seinem stattlichen Neubau, war 
die erste höhere Bildungsstätte, die Aachen erhielt, 
als man in den Räumen des ehemaligen Augustiner¬ 
klosters die 1601 gegründete Jesuitenschule neu belebte. 
Ein zweites, staatliches Gymnasium, das Kaiser-Wilhelm- 
Gymnasium, wurde 1886 eröffnet. Ein Spiegelbild der 
Entwicklung im Realschulwesen sind die heute besteher\- 
den städtischen Realanstalten: Das Realgymnasium 
hat in seinen drei obersten Jahrgängen Parallelzöten, 
in deren einem der übliche Unterrichtsgang stattfindet, 
während in dem anderen —der höheren Handelsschule — 
eine eigenartige und gediegene höhere Bildung für den 
kaufmännischen Beruf geboten wird, deren durch die 
Reifeprüfung gebildeten Abschluß leider immer noch 
die obrigkeitliche Zuerkennung der „Berechtigungen" 
fehlt. Die Oberrealschule war früher mit der Provinzial¬ 
gewerbeschule verbunden und übernahm später deren 
Erbschaft in den Maschinenbau-Fachklassen, ist heute 
aber lediglich allgemein bildende Anstalt, an welche ein 
Reformrealgymnasium angegliedert ist. Ein Beweis dafür, 
wie das Ringen und Streben nach neuen Formen und 
Inhalten im höheren Schulwesen auch in Aachen stets 
praktische Wirkungen fand. 

Der weiblichen Bildung dienen drei höhere Mädchen¬ 
schulen, die nach den neuen Plänen umgeordnet sind, 
und eine mit einer Mittelschule verbundene Lehrerinnen- 
Bildungsanstalt für das höhere und Volksschul-Lehrfach. 
Dazu bestehen eine Haushaltungsschule und dasFröbel- 
seminar des „Aachener Vereins zur Beförderung der 
Arbeitsamkeit", die (freiwillige) kaufmännische Fort¬ 
bildungsschule für Mädchen für die schulentlassene 
weibliche Jugend. 

Als Provinzialanstalt hat in Aachen ihren Sitz die 
Taubstummenanstalt mit dem Lehrziel der Volksschule 
für diese unglücklichen Kinder beiderlei Geschlechts. 
Eine ganz eigenartige Anstalt ist das geistliche Gregorius- 
Haus zur Ausbildung von Organisten, Chordirigenten 
und Küstern für den katholischen Gottesdienst. 

lieber dem allgemeinen Bildungswesen baut sich 
heute das Fachschulwesen mit seinen überall ver¬ 
tretenen Schularten und den die besonderen Bedürfnisse 
der Gegend befriedigenden Spezialschulen auf. Zu 
ersteren sind die Königliche Baugewerkschule und die 
Königliche höhere Maschinenbauschule zu rechnen, die 
dem Zusammenwirken von Stadt und Staat ihre neuen 
prächtigen Gebäude und ihre den allgemeinen Regeln 
entsprechende Organisation verdanken. Ihre Wurzeln 
























































754 DEUTSCHLAND Nr. 15 


gehen zur Provinzialgewerbeschule zurück, aus der sie 
sich als Diener der neusten Entwicklung des Erwerbs¬ 
lebens entwickelt haben. Als Besonderheit hat die 
Aachener Tuchindustrie die glänzend ausgestattete 
höhere Fachschule für Textilindustrie entwickelt, die 
seit 1883 besteht. Der durch den Webeschulverein 
gegebenen Anregung entstammend, ist sie durch das 
Zusammenwirken von Stadt, Staat, Industrie und gemein¬ 
nütziger Institute lebensfähig gemacht und erhalten. 
In einem neuen, schön und zweckmäßig ausgestatteten 
Heim ist die Bergschule untergebracht, die, finanziell 
von den Bergbauunternehmern getragen, die Gruben¬ 
betriebsbeamten für den Kohlenbergbau im Wurmrevier 
in zwei- und dreijähri¬ 
gem Kursus ausbildet. 

Die eigenartigste 
Organisation des Un¬ 
terrichtswesens ist die 
Königliche Technische 
Hochschule, die seit 
1870 in Aachen be¬ 
steht und wie das 
übrige Schulwesen der 
Rührigkeit Aachener 
Bürger in Verbindung 
mit dem preußischen 
Staat ihre Entstehung 
verdankt. Wenn auch 
der Unterhaltungslast 
einer solchen Hoch¬ 
schule heute keine 
anderen Schultern als 
die des Staates ge¬ 
wachsen sind, so sind 
doch die Stadt Aachen 
wie die „Aachener 
und Münchener 
Feuer-Versicherungs - 
Gesellschaft", und der 
„Aachener Verein zur 
Beförderung der Ar¬ 
beitsamkeit", die In¬ 
dustriellen der Stadt 
und der rheinischen 
Montan - Industrie an 
deren Gründung und 
Entwicklung hervor¬ 
ragend beteiligt ge¬ 
wesen. Zunächst für 
die üblichen Fach¬ 
richtungen der Architektur, des Bauingenieurwesens, 
des Maschinenbaus einschließlich der Elektrotechnik 
und der Chemie eingerichtet, hat die Hochschule all¬ 
mählich den besonderen Bedürfnissen Westdeutschlands 
sich anpassend, den Bergbau und das Hüttenwesen als 
besondere Gebiete ihrer Tätigkeit entfaltet. Als äußerer 
Beweis dessen sind neben den auf dem alten Hoch¬ 
schulgelände errichteten alten und neueren Bauten 
große eigene Gebäude für den Bergbau und für das 
Hüttenwesen erstanden, und insbesondere das letztere 
ist durch diesen 1909 in Benutzung genommenen 
Neubau zu einer Leistungsfähigkeit gebracht, die es 


zu einem der ersten wissenschaftlich-technischen Fach- 
Unterrichts-Institute der Welt macht. Weit über den 
Bereich der beiden preußischen West-Provinzen, 
denen sie in erster Linie dienen soll, weit auch über 
die persönlichen und geschäftlichen Beziehungen zu 
den holländischen und luxemburgischen Nachbarn 
hinaus hat die Aachener Hochschule durch ihre Lehrer, 
ihre Unterrichtseinrichtungen und die Erfolge ihrer 
Schüler Bedeutung gewonnen. Stets bereit, den eigen¬ 
artigen Anforderungen der Zeit auf breitester Grund¬ 
lage und daneben ihrer nächsten Umgebung nach 
Kräften zu dienen, hat sie in dem Reiffmuseum, den 
Volkstümlichen Hochschulkursen, der Pflege mannig¬ 
faltiger wissenschaft- 
licherVereine, der be¬ 
sonderen Berücksichti¬ 
gung wirtschaftlicher 
Fächer im Unterrichts¬ 
plan der Ingenieure, 
in Fortbildungskursen 
für Architekten und 
Baubeamte, sowie in 
der Ausbildung von 
Feuer - Versicherungs- 
Ingenieuren bedeut¬ 
same Eigenart ent¬ 
faltet. Ihre mächtig 
wachsenden, auf dem 
großen Gelände des 
ehemaligen Templer¬ 
bend-Bahnhofs bald 
wieder zu erweiternden 
mannigfaltigen Bau¬ 
lichkeiten verleihen 
dem nördlichen Stadt¬ 
bild eine besondere 
Prägung, so wie das 
Leben und Treiben 
der studierenden 
Jugend dem Aachener 
Straßenleben einen 
besonderen Einschlag 
verleiht. 

Die Stadt Aachen hat 
unter ihren 157 OOO 
Einwohnern gegen¬ 
wärtig rund900Lehrer 
aller Stufen und Grade 
und vielleicht 34 OOO 
Schüler, also so viel 
wie Aachen im Jahre 1820 überhaupt Einwohner hatte! 
Man sieht, daß man heute mit gutem Recht von 
einer Schulstadt Aachen sprechen kann. Welche 
Opfer das die Beteiligten, in erster Linie Stadt und 
Staat gekostet hat und kostet, läßt sich daran er¬ 
messen, daß jährlich erheblich mehr als drei Millionen 
Mark in Aachen nur für Schulzwecke aufgewendet 
werden, darunter allein über dreiviertel Millionen 
Mark für die Königliche Technische Hochschule. Dazu 
kommen dann die in manchem Jahr auch an eine 
Million heranragenden außergewöhnlichen Ausgaben 
für Neubauten. 



Schmelz-Laboratorium im Hüttenmännischen Institut 
nach einem Gemälde von Professor A. von Baudis 



Nr. 15 DEUTSCHLAND 755 



Aachener Wohlfahrtspflege. 

Von Professor Dr. W. Kaehler. 


Jede Zeit und jede Gegend hat ihre Art und Unart 
in den Fürsorgeeinrichtungen für allerlei Not. Unsere 
Zeit hat etwas Gleichmacherisches, die örtlichen Unter¬ 
schiede Verwischendes mit ihren großen Zwangsein¬ 
richtungen der sozialen Gesetzgebung, mit ihren großen 
deutschen Vereinen und Kongressen, die einzelne 
Gebiete durcharbeiten und weittragende Anregungen 
geben, mit ihren Schlagworten und Modebestrebungen 
auch in der Wohlfahrtspflege. Nicht überall ist man 
sich freilich darüber klar, wie groß diese organisierte 
zwangsweise Arbeit ist und wievielMittel dadurch in einer 
modernen industriellen Großstadt für die arbeitenden 
Kreise aufgewendet werden, um unmittelbar Hilfe zu 
leisten, ehe die Not kommt, und um entstehende Not zu 
bekämpfen. Aus 
der Arbeiterver¬ 
sicherung,bei der 
die Arbeitgeber 
nicht ganz die 
Hälfte der Bei¬ 
träge zahlen, 
fließen in einer 
Stadt wie Aachen 
den Versicherten 
etwa 2 Millionen 
Mark jährlich an 
Unterstützungen 
zu; in der Armen¬ 
pflege der Stadt¬ 
verwaltung kom¬ 
men alles in 
allem etwa ®/4 Mil¬ 
lionen Mark zur 
Auszahlung. Und 
daneben steht 
dann die freiwil¬ 
lige Arbeit, die 
sich in Kommis¬ 
sionen und Ver¬ 
einen, in ernster 
stiller Tätigkeit 
und in rauschen¬ 
den Wohltätig¬ 
keitsfesten voll¬ 
zieht. So liebt 
es zum Beispiel 
der Aachener,bei 
den Festen toll¬ 
ster Karnevals¬ 
lust sich in dem 
Gefühl des Wohl¬ 
täters zu er¬ 
gehen, der auch 
der Armen nicht 
vergißt, wenn er 
die Goldstücke 
für Kostüm und 
Sekt undBier und 


Wein rollen läßt und dabei seinen Nickel auf den 
Teller der Armensammlung legt. Kein Zweig neuzeit¬ 
licher Fürsorgearbeit wäre wohl zu nennen, der in 
Aachen nicht vertreten wäre, von den neuzeitlichen 
Krankenhausbauten und Genesungsheimen, Kinder¬ 
bewahranstalten und Waisenhäusern bis zu den Trinker¬ 
und Säuglingsfürsorge-Einrichtungen, die allgemeiner 
Not durch die gleichen Mittel wie überall entgegen¬ 
treten wollen. Aber neben alle dem, was man auch an 
anderen Orten findet, steht in Aachen auch mancherlei, 
was aus alter Zeit überkommen, in die neuen Ver¬ 
hältnisse als treugehütetes Vermächtnis ragt, die Arbeit 
und den Segen der Altvorderen auch noch einer späten 
Zukunft dankbarer Nachkommen zugute kommen läßt. 

Der kirchliche 
Sinn der alten 
Aachener hat 
eine große Fülle 
von Stiftungen 
geschaffen, die 
teils in der Hand 
derStädt.Armen- 
Verwaltung, teils 
selbständig in 
kleinen zersplit¬ 
terten Beträgen 
und in großen 
eindrücklichen 
Summen bald der 
Armut schlecht¬ 
hin oder ver¬ 
schämten Armen 
dienen sollen, 
bald zu beson¬ 
deren Zwecken, 
namentlich der 
Ausbildung 
armer Kinder zu 
tüchtigen Men¬ 
schen verschrie¬ 
bensind.— Ganz 
in den Bahnen 
der alten Wohl¬ 
tätigkeit sich be¬ 
wegend, aber 
durch die be¬ 
sonderen Schick¬ 
sale der Stifterin 
hervorragend ist 
die von Hars- 
kampsche Stif¬ 
tung. Eine ein¬ 
fache Aachener 
Bürgers-Tochter, 
Isabella Brunelle, 
wurde wegen 
ihrer Schönheit 
und Eigenart aus 


Aachener Königliche Baugewerkschule: Portal 





































































756 DEUTSCHLAND Nr. 15 


dienender Stellung von dem in österreichischen Diensten 
stehenden Grafen Pontian von Harskamp geheiratet; 
sie mußte als dessen Gattin den Schmerz erleben, ihre 
drei Kinder vor sich vom Tode dahingerafft zu sehen, 
und vermachte bei ihrem Tode 1805 ihrer Vaterstadt 
eine Stiftung, die verschiedenen Bestimmungen etwa 
24 000 Mk. jährlich zuführt. 

Völlig neue Bahnen der Wohlfahrtspflege schlug 
dagegen ein Mann ein, dem Aachen auch auf anderen 
Gebieten, wie bei der Einführung der Eisenbahn, grund¬ 
legende Bedingungen seiner ganzen heutigen Existenz 
verdankt, der frühere AachenerWollhändlerundHandels- 
kammerpräsident, spätere preußische Finanzminister und 
Bankpräsident David Hansemann (17Q0—1864). Weit 
über den örtlichen Bereich ihres Stammsitzes ist die 
„Aachener und Münchener Feuerversicherungs-Gesell¬ 
schaft" bekannt, eine der größten deutschen Unter¬ 
nehmungen im Gebiet des Versicherungswesens; aber 
weniger bekannt ist neben ihrem ausgedehnten und 
gediegenen Geschäftsbetrieb die Tatsache, daß Hanse¬ 
mann bei ihrer Gründung im Jahre 1824 sich von 
dem Gedanken leiten ließ, eine „wohltätige" Feuer¬ 
versicherungs-Gesellschaft zu schaffen, wohltätig nicht 
in dem Sinn, wie alle Feuerversicherung für den vom 
Brand Geschädigten wohltätig ist, indem sie ihm den 
Schaden ersetzt, sondern wohltätig dadurch, daß der 
durch den Geschäftsbetrieb erzielte Gewinn zwischen 
den Aktionären und dem gemeinnützigen Fonds ge¬ 
teilt werden sollte; in Aachen und in dem weit aus¬ 
gedehnten Tätigkeitsgebiet außerhalb werden auch 
heute noch alljährlich große Summen für gemein¬ 
nützige Zwecke von der Gesellschaft verteilt. Längst 
ist Hansemann gestorben, aber sein Geist hatte doch 
so nachhaltig in dieser Gesellschaft und ihrem festen 
Aktionärstamm Wurzel geschlagen, daß bei ihrer 
Reorganisation nach fünfzigjährigem Bestehen die An¬ 
träge auf Abschaffung dieser Tradition abgelehnt wurden. 
So sind annähernd 36 Millionen Mark während des 
Bestehens der Gesellschaft aus ihrem Gewinn für die ver¬ 
schiedensten Zwecke und Gegenden abgegeben worden. 
Um aber auch in diesen wohltätigen Verwendungen, die 
mit wachsendem Geschäftsumfang von selbst wachsen 
mußten, ein klares großes Ziel verfolgen zu können, 
schuf Hansemann mit seiner Feuerversicherung gleich¬ 
zeitig eine Organisation, welche die bestmögliche Ver¬ 
waltung der gemeinnützigen Gelder übernehmen sollte, 
den „Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsam¬ 
keit". 1834 fand die erste Zahlung von 35 000 Talern 
an den Verein statt, bis 1875 hat er 3,16 Millionen Mark 
von der „Aachen - Münchener" überwiesen erhalten. 
Seit dieser Zeit ist der Verein angewiesen auf die 
Zinsen des ihm dadurch übermachten Vermögens und 
seine eigenen Ueberschüsse. Der Not der hand¬ 
arbeitenden Klasse abzuhelfen, nicht durch Almosen 
und schnell verfliegende Maßnahmen, sondern durch 


eine Verbesserung von Grund auf, war sein Plan. „Eine 
kleine Verbesserung des Zustandes oder der Moralität 
der Menschen, wenn diese Verbesserung des Zustandes 
auf eine große Anzahl sich ausdehnt, wirkt im ganzen 
weit mehr als eine in Anstalten besorgte große Ver¬ 
besserung einzelner Menschen." Die Arbeitsamkeit soll 
reizvoller gestaltet werden dadurch, daß die Sparsamkeit 
befördert und da, wo das Sparen einen besonderen 
Grad von Fleiß, Ordnung und gutem Betragen voraus¬ 
setzt, mittels besonders hoher Zinsen belohnt wird. 
So entsteht ein System von Sparkassen, das in ver¬ 
schiedener Richtung eigenartig ausgestaltet ist: der 
ganze Regierungsbezirk Aachen wird mit einem Netz 
von Sparstellen überzogen und überall wird neben dem 
gewöhnlichen Sparbetrieb die „Prämienkasse" eingeführt, 
die den handarbeitenden Klassen auf ihre kleinen 
mühsamen Ersparnisse eine besonders hohe Verzinsung 
gewährt. Die Mittel dafür ergeben sich aus jenen 
Ueberweisungen der Aachen-Münchener und den Ueber- 
schüssen der gewöhnlichen Sparkasse. Bis 18Q5 war der 
Verein die einzige Sparkasse im Regierungsbezirk Aachen. 
DasVorgehen fandeinstmals vielBeachtung;dieZeitungen 
schrieben in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts über 
diese neue Einrichtung, so wie man heute etwa über die 
Gartenstadt oder ähnliche sozialreformerische Ma߬ 
nahmen allgemein verhandelt. Und das Ergebnis? 1875 
kamen in Preußen auf ein Sparbuch 503 Mk. Spar¬ 
guthaben, im Regierungsbezirk Aachen 803 Mk., und 
noch heute ist Aachen mit 933 Mk. auf einem Guthaben 
dem Gesamtdurchschnilt um 122 Mk. voraus. In der 
Prämienkasse stehen heute 40 Millionen Mark, in der 
Sparkasse des „Aachener Vereins" 120 Millionen Mark für 
170000 Sparer eingetragen. Von sämtlichen Spar¬ 
guthaben im Regierungsbezirk Aachen hat auch heute 
noch der „Aachener Verein'" zwei Drittel in seiner Ver¬ 
waltung. Neben dieser ungewöhnlich erfolgreichen und 
frühzeitigen Pflege des Sparsinns nahm der „Aachener Ver¬ 
ein zur Beförderung der Arbeitsamkeit" noch mancherlei 
andere für Stadt und Regierungsbezirk nützliche Arbeiten 
auf: die Fürsorge für die nichtschulpflichtigen Kinder 
in Bewahranstalten, die Handarbeits- und Fortbildungs¬ 
schulen für die heranwachsende Fabrikjugend, die 
Unterstützung des Bildungswesens, soweit es nicht die 
Elementarschulen umfaßt, insbesondere die der Fach¬ 
bildung dienende Schulanstalten aller Stufen, von der 
Webeschule bis zur Technischen Hochschule hat er 
mit reichlichen Mitteln gefördert; insbesondere hat er 
in Gemeinschaft mit der Aachen-Münchener Feuer-, 
Versicherungs-Gesellschaft der Technischen Hochschule 
von der Gründung an bei allen wichtigen Erweiterungen 
reichliche Mittel zufließen lassen. So sind 28 Millionen 
Mark aus den Mitteln des „Aachener Vereins" den 
gemeinnützigen Verwendungen zugeflossen. Darin wirkt 
eine selbständige Tat eines gemeinnützigen und weit¬ 
blickenden Bürgers noch für späteste Generationen. 


Die Musikpflege in Aachen. 

Von Städtischen Musikdirektor Prof. S chw icke rot h. 


Wenn Aachen als Musikstadt einen hervorragenden 
Namen hat, so muß das nicht zum kleinsten Teile dem 
Umstand zugeschrieben werden, daß die öffentliche 
Musikpflege fast ausschließlich in den Händen der 
städtischen Verwaltung liegt. Aachen besitzt schon 
seit 1852 ein städtisches Orchester; andere rheinische 
Städte folgten mit der Bildung eines solchen erst 
geraume Zeit später. 


Die städtische Verwaltung veranstaltet zurzeit 
folgende Konzerte : 

I. Sechs Abonnementskonzerte großen Stils 
unter Hinzuziehung bedeutender Solisten. Zur Auf¬ 
führung gelangen große und kleine Chorwerke, Werke 
für Orchester, sowie Instrumental- und Gesangssoli. 

II. Sechs Symphoniekonzerte, die in Ergänzung* 
der Programme der Abonnementskonzerte wesentlich 





Nr. 15 DEUTSCHLAND 757 


der klassischen und modernen Orchesterliteratur ge¬ 
widmet sind. Daneben werden aber auch bedeutende 
Solisten herangezogen. 

III. Vier Kammermusikkonzerte aus den 
Zinsen der Stiftung des verstorbenen Amtsgerichtsrats 
Paul Waldthausen. Nach den Bestimmungen der 
Stiftung werden zu zwei Konzerten hervorragende aus¬ 
wärtige Streichquartette zugezogen, in den zwei anderen 
Konzerten sollen Kammermusikwerke mit Klavier von 
dem städtischen Musikdirektor und den ersten Streichern 
des Orchesters ausgeführt werden. Auch muß zu 
den letztgenannten Aufführungen ein hervorragender 
Sänger oder eine Sängerin verpflichtet werden. 

IV. Volks- und Symphoniekonzerte aus Zinsen 
der Stiftung der Eheleute Jakob RichardBlees. Dem 
Arbeiterstand angehörige, sowie gering besoldete Beamte 
und Angestellte zahlen bei diesen Konzerten 30 Pfg. 

Alle vorgenannten Konzerte stehen unter Leitung 
des städtischen Musikdirektors. 

Im Sommer veranstaltet die Städtische Kur¬ 
direktion täglich Unterhaltungskonzerte, sowie eine 
Anzahl „philharmonischer" Konzerte mit Solisten. Diese 
Konzerte stehen unter der Leitung des Städt. Kapell¬ 
meisters, der im Winter als erster Konzertmeister tätig ist. 

Die Chorwerke werden in den Abonnements¬ 
konzerten durch den Städtischen Gesangverein 
ausgeführt, der in den letzten Jahren durchschnittlich 


300 Mitglieder (Damen und Herren) zählte. Es darf 
an dieser Stelle wohl ausgesprochen werden, daß der 
Verein sich in Deutschland und darüber hinaus eines 
außergewöhnlichen Rufes erfreut. Ganz besonders hat 
er auf dem Gebiet des A cappella-Gesangs nicht nur in 
Aachen, sondern auch auswärts, so in Berlin (März 1909) 
große Erfolge errungen. 

Das Niederrheinische Musikfest wird in 
Aachen seit 1825 alle drei Jahre gefeiert, bekanntlich 
abwechselnd mit Köln und Düsseldorf. 

Außer den städtischen Konzerten müssen hier noch 
die Aufführungen des seit 1844 bestehenden Instru¬ 
mental-Vereins erwähnt werden, der in der langen 
Zeit seines Bestehens für die Popularisierung klassischer 
Musik eifrigst tätig war. Er erwirbt sich auch dadurch 
ein Verdienst, daß er Dilettanten zu den Orchester- 
Aufführungen zuzieht. 

Es ist nicht zu leugnen, daß die Aachener Bevölke¬ 
rung eine besondere Veranlagung zum Gesang besitzt. Die 
Leistungen der Männer-Gesangvereine sind des¬ 
halb auch im allgemeinen sehr gute. Als die größten und 
ältesten Vereine seien hiergenannt: Aachener Liedertafel, 
Concordia,Harmonia,Hilaria,Männerquartett und Orphea. 
Alle haben auf deutschen und außerdeutschen Wett¬ 
streiten wiederholt hohe Preise errungen. Die Concordia 
wurde auf jedem der bisher veranstalteten drei Wettstreite 
um den Kaiserpreis mit einem Preise ausgezeichnet. 



Landschaft von J. Constable im Aachener städtischen Suermondt-Museum 



Zur Geographie von Aachen. 

Eine Skizze von Josef Ponten. 


Der kleine Aufsatz, der sich mit Vorbedacht eine Skizze 
nennt, erstrebt nichts weiter, als dem denkenden Wanderer 
in Aachens Landschaft, der sich nach dem Woher und 
Warum der Landschaflsformen fragt, ein allgemein ge¬ 
zeichnetes Bild von der Entstehung der Züge im Gesichte 
des schönen Landes zu erwecken. — Wir haben es 
nicht nur mit einem im landläufigen Begriffe schönen, 
d. i. romantischen, abwechslungsreichen, formenstarken 
Lande zu tun, sondern auch mit einem wissenschaftlich 
sehr interessanten Gebiete. Das fällt zunächst auf Rech¬ 
nung des Bergbaus, der die Gründe der Erde bis in grosse 
Tiefen aufgeschlossen hat; ausserdem aber bietet die Land¬ 
schaft ein Schulbeispiel für den Aufbau des deutschen 
Landes überhaupt. Das architektonische Grundprinzip von 
Deutschlands Bau ist: über einem gefalteten älteren 
Gebirge (Grundgebirge) liegt ein eben geschichtetes 
jüngeres Deckgebirge (Tafelland). 

Wir wollen südwärts auf den höchsten Punkt unseres 
Gebietes, auf das hier etwa 500 Meter Hohe Venn, mit der 
Eifelbahn steigen und nun nordwärts und im ganzen 
abwärts das in Schlingen durchfahrene Land geradlinig 
durchwandern. Auf dem Hohen Venn stehen wir auf 
einem der ältesten Flecke Deutschlands, der Erde über¬ 
haupt. Die Erdgeschichte teilt sich bekanntlich ähnlich 
der Menschheitsgeschichte in drei grosse Räume: Altertum, 
Mittelalter, Neuzeit. Wir haben Altertum unter unseren 
Füssen. Der Grund besteht aus hartem Quarzgestein, 
das gewissermassen das Skelett des Gebirgskörpers 
bildet, welches, sozusagen von Fleisch, umgeben ist 
von lehmigen und tonigen, wasserundurchlässigen Ver¬ 
witterungsresten uralten Schiefers. Darauf entstehen 
in Mulden die nassen Moore. So erklärt sich die Merk¬ 
würdigkeit, dass wir Moore auf der Höhe eines Berges 
finden, die wir sonst nur auf Ebenen und in Talungen 
anzutreffen gewohnt sind. 

Wandern wir nun, etwa auf einer der beiden schnur¬ 
geraden Strassen, die von Rötgen nach Wahlheim oder 
nach Raeren führen, durch dichten Wald vom Kambrium 
des Hohen Venns abwärts, so übersehen wir, wenn der 
Wald sich plötzlich öffnet, ein weites Land. Wir stehen 
auf einem durch Schiefer, Sandsteine und Konglomerate 
gebildeten Boden. Die Wissenschaft nennt die Stufe 
Devon. Die Schiefer, besonders die Konglomerate zeigen, 
dass wir es mit einer im flachen Meere oder an Küsten 
abgesetzten Bodenart zu tun haben, ln schmalen Streifen 
ziehen sich die Schichten von Südwesten nach Nord¬ 
osten, das ist die Streichrichtung des Venngebirges 
und überhaupt der einen Hälfte der Gebirge Deutsch¬ 
lands, des Rheinischen Schiefergebirges, des Harzes des 
Erzgebirges; man bezeichnet diese gewaltige, untertage 
zusammenhängende Strukturlinic als „varistisch“. Mit 
ihr kreuzt sich rechtwinklig im Aufbau Deutschlandseine 
zweite grosse, südost-nordwestlich gerichtete Architektur¬ 
linie, die „herzynische“, an Gebirgen im Zuge des Böhmer¬ 
waldes, hauptsächlich aber am Laufe der grossen Ströme 
— am Rhein, an der Weser und Elbe, stückweise an der 
Oder und Weichsel — zu erkennen. Auch von unserem 
hohen Standpunkte aus stellen wir diese Südost-Nord¬ 
westlinie fest, und zwar an den das weile Gebiet ent¬ 
wässernden Flüssen, vorzugsweise im Laufe der Geul und 
der Wurm, stellenweise auch an den unmittelbar zu 
unseren Füssen fliessenden Bächen, der Vicht, der Wahl- 
heimer und Raerener Inde, die zwar, einer allgemeinen 
Neigung unseres Gebietes nach Nordosten folgend, nord¬ 
östlich fliessen, in kurzen Strecken aber nordwestliche 
Richtung haben. Sie benutzen bei der Laufänderung 
herzynische Bruchlinien; die ganze Landscholle ist 
herzynisch zerbrochen nach einem Prinzip, das sich 
wie ein aus ziemlich rechteckigen Figuren gebildetes 
Netz an den Gebirgsfuss anlehnt. — Bei unserer Wanderung 
nach Norden sehen wir, dass die Schichten nach Nord¬ 


westen einfallen. Gelegentlich tauchen sie in entgegen¬ 
gesetzter Richtung vor uns auf und verschwinden wieder 
in der bekannten; wir gehen über gefaltetes Land. 
Ursprünglich lagen die Schichten eben. Sie sind meist 
Meeresabsätze, der „Blaustein“ oder Kohlenkalk ist tiefem 
Meere entstiegen. Nach der fernen Zeit, in welcher an der 
Küste eines Meeres aus einer ungeheuren Sumpfpflanzen¬ 
welt die jetzigen Steinkohlenlager unseres Gebietes zum 
Niederschlage gekommen sind, wurde ganz Mitteleuropa 
von einer südosl-nordwestlich, herzynisch gerichteten 
Kraft zusammengestaut und gefaltet, „wie wenn man mit 
flachen Händen ein Tischtuch auf der Platte zusammen¬ 
drückt“, so dass die entstandenen Falten, mit ihren Mulden 
und Sätteln rechtwinklig dagegen, südwest-nordöstlich, 
varistisch, streichen. Die Sättel wurden später abgetragen, 
ob durch die gewöhnliche Tätigkeit von Wasser und Wind 
oder durch die Brandungsarbeit („Abrasion“) eines Meeres, 
soll hier nicht untersucht werden. 

Wir stehen am Fusse des Aachener Waldes. Wir 
haben ein Gebiet durchwandert, das durch seine sanft¬ 
bewegte, wellige Oberfläche, durch seinen „Blaustein“, seine 
grünen Wiesenlande, nicht zum geringsten durch seinen 
stolzen und freimütigen Menschenschlag charalcterisiert 
ist; die nahen Städte beziehen von dort Milch, Käse 
und Butter und nennen es „das Butterländchen“. Ich 
habe früher versucht, es in „Siebenquellen“ ästhetisch 
zu schildern. Dort beschrieb ich die Eifel als eine „herbe, 
derbknochige Bauerndirne“. „An ihrem Nordrande, als 
ihr Gesicht, liegt Aachen; die Aachener Waldberge hat 
sie wie die Arme um ihren Kopf gelegt und streckt sie 
in die niederrheinische Ebene hinein. Gleich einer Flut 
aufgelöster Haare über die Arme, so wogt über den 
Bergen der weite, liefe Wald der Tausend Morgen.“ Wenn 
in dieser Beschreibung das Aachener Waldgebirge als 
Extremität, als Ausläufer der Eifel erscheint, so mag das 
dichterisch richtig und erlaubt sein, wissenschaftlich aber 
ist es grundfalsch. Der Aachener Wald hat mit dem Venn und 
der Eifel nichts zu tun. An irgend einer ofTenen Grube der 
,,Aachener Heide“ zwischen Eynalten und Aachen wollen 
wir uns davon überzeugen. Wir finden Sand, und die 
Schichten liegen einander parallel, organisch („konkor¬ 
dant“) und horizontal, zu den Schichten des gefalteten 
Untergrundes nicht parallel, unorganisch („diskordant“). 
Es sind Absätze des Mittelalters der Erde, der Kreidezeit, 
und zwar, hauptsächlich nach oben hin, eines Meeres, 
das in diesen Gegenden geflutet hat, nachdem der Unter¬ 
grund durch den beschriebenen kosmischen Druck gefaltet 
war. Wir ersehen aus der ebenen, ungestörten Lagerung 
der neuen Schichten, dass seil der Kreidezeit ein ähnlicher 
Druck nicht mehr wirksam gewesen ist. Im Aufsteigen, 
wozu uns die neuen übergelagerten Schichten zum ersten 
Male zwingen, bemerken wir an günstigen Stellen, dass 
auf den Sand des Gebirgsfusses Schichten von tonigem 
Mergel, zu oberst weite Lager von Feuersteinschotter 
folgen. Mit diesen Stoffen hatte das Kreidemeer, von den 
Niederlanden her unser Gebiet in einer riesigen Bucht, 
die sich bis zum Venn in das damalige Festland er¬ 
streckte, überflutend, das gefaltete Grundgebirge bedeckt. 
Nach dem Rücktritt des Wassers war der ehemalige 
Meeresboden durch ungeheure Zeiträume des jüngsten 
Millelallers und der älteren Neuzeit den in Sonne, Wind 
und Wasser tätigen Kräften der Zerstörung und Abtragung 
ausgesetzt, als deren Rest, als herausmodelliertes Pro¬ 
dukt, uns das Aachener Waldgebirge heute erscheint. 
Die Abtragung des Gebietes wurde von vier Seiten aus 
in AngrilT genommen: Südöstlich führten die dem Inde- 
Rursystem zugehörigen Bäche, Vicht und beide Inden, 
das leichte Material des Kreidemeeres im Laufe der 
Jahrhundertlauscnde fort, südwestlich tat das gleiche das 
Geulsystem mit seinem Lonlzener und Hauseter Arme; 
im Nordoslen arbeitete im Gebiete der heutigen Stadt 



Nr.l5 DEUTSCHLAND 759 


Aachen das Wurm System in seinen verschiedenen Wurzeln, 
dem Wildbach der Sörs, dem Nirmbach des Eilendorfer 
Gebietes, den Aachener Stadtbächen, dem Pau- und Ponell- 
bach der Hangeweihergegend, dem Kannegiesserbach der 
Grundhausmulde, dem Johannisbach des Hahnbruchertales, 
dem Beverbach der Forslergegend; im Nordwesten war 
die Flut des zur Geul und Maas entwässernden Tales 
„Vallis“, des heutigen holländischen Vaals, tätig. An den 
Stellen, wo beiderseitig, dem Strömen der Wasser ent¬ 
gegen, die stärkste Abtragung erfolgte, schuf die „rück¬ 
schreitende Erosion“ die von den heutigen Landstrassen 
und Eisenbahnen benutzten Pässe: zwischen Wurm und 
Hauseter Geul den der Raerener und Eupener Landstrasse 
bei Lichtenbusch und Linzenshäuschen, zwischen den 
Abtragungsgebieten des Ronheiderbaches und dem ins 
Neutrale gehenden Baclie des Tales „am Bildchen“ den 
Hauptpass der Lütticher Landstrasse. Wenn wir nun be¬ 
denken, dass die festeren, der Abtragung mehr Widerstand 
leistenden Schichten des Mergels und der Feuersteinlager 
oben, die Sandschichten aber unten sich befinden und 
uns klar machen, dass im Falle einer umgekehrten Lage¬ 
rung ohne Frage das Aachener Waldgebirge niedriger 
und formenärmer wäre, so erkennen wir, warum, etwa 
von Aachen aus betrachtet, das Waldgebirge so und nicht 
anders aussieht. 

Eine kleinere Sandinsel, auch Ueberrest der Ab¬ 
tragung, liegt zwischen Eynatten und Eupen und heisst 
„Walhornerheide“. Heide wird hierzulande gleich Wald 
gebraucht — man erinnere sich der „Aachenerheide“ — 
und wir finden in der Tat die Erosionsinsel bei Walhorn 
mit Wald bedeckt. Sehr auffällig hebt sich aus dem 
grünen Wiesenlande die Waldinsel hervor; der Kenner 
kann schon aus der Ferne aus der Vegetation auf den 
Stoff des Bodens schliessen. Fast die ganzen, der Kreide 
angehörigen Landesteile sind mit Wald bestanden, welcher 
der vorwiegend sandigen und steinigen Beschaffenheit 
des Grundes angepasst ist. Auch der berühmte Lousberg, 
der sich entsprechend der südlich des Waldgebirges ge¬ 
legenen Erosionsinsel Walhornerheide nördlich findet, 
ist mit Wald bepQanzt. Der Berg besieht aus denselben 
Schichten wie der Aachener Wald, wenn es auch wahr¬ 
scheinlich ist, dass seine Isolierung vom Waldgebirge 
nicht allein durch die Kräfte der Abtragung und Aus¬ 
räumung des Kreidcmeergrundes, sondern auch durch 
Absinken des trennenden (iebietes, durch eine „Graben¬ 
bildung“, herbeigeführt wurde. Eine kreisförmige Graben¬ 
bildung scheint das ganze Aachener Tal zu sein, das 
beckenartig vertieft mit dem in der Mitte gleich einem 
getriebenen Buckel in einer Prunkschüssel sich erhebenden 
Lousberge Aachens nächste und eigenste Landschaft bildet. 
Aachen selbst liegt grösstenteils auf dem entblössten Grund¬ 
gebirge. Eine oberdevonische Schicht streicht hier aus, in 
der die warmen Quellen zutage treten. Es ist anscheinend 
dieselbe Schicht, die bei Wahlheim und Raeren am Venn- 
fusse einfällt. Aus der bis etwa 70 Grad betragenden 
Quellentemperatur schliesst man unter Berücksichtigung 
der Tatsache, dass die Temperatur der Erde auf je 
100 Meter Tiefe um 3 Grad zunimmt, auf ein Einfallen 
der Schicht bis über 2000 Meter Tiefe, wenn die Voraus¬ 
setzung richtig ist, dass das Wasser der Aachener Thermen 
in der Wahlheim-Raerener Gegend als natürliches Wasser 
in den Boden dringt und auf einem wa.sserundurch- 
lässigen Horizonte dem Schichtstreichen folgt. 

Schreiten wir in dem Aachener Kessellale nach Norden 
auf der Roermonder Landstrasse weiter, so müssen wir 
bald die Höhe einer Ebene ersteigen, die sich meilenweit 


nach Norden erstreckt. Auch sie ist nicht ohne Gliederung; 
von ihrem höheren Rande aus, bei Laurensberg oder 
Berensberg, können wir drei flache Talungen erkennen, 
in welchen der Schönauer, der Richtericher und der 
HorbacherBach, der allgemeinen Neigung unseres Gebietes 
folgend, einander parallel nach Nordosten fliessen. Merk¬ 
würdigerweise aber halten sie diese Richtung nicht bei, 
sie stürzen nicht in die Wurm, sondern vereinigen sich 
vor Kohlscheid, fliessen der Wurm parallel und münden 
erst weit nördlich bei dem holländischen Eygelshofen in 
die grosse Entwässerungsader des Gebietes. Warum der 
merkwürdige Lauf? Wenn wir, bevor wir die neue Ebene 
ersteigen, in der Sörs nahe dem Talrande entlang wandern, 
so entdecken wir, dass der sich aufwölbende Kesselrand 
den Faltungen des Karbongebirges und dem allgemeinen 
südwest-nordöstlich gerichteten Faltenstrcichen angehört. 
Treten wir aber in das Wurmtal ein, so stellen wir auch 
eine südost-nordwestlich, also rechtwinklig zu der be¬ 
obachteten verlaufende Auffaltung fest, in die sich die 
Wurm eingegraben hat. Die das Richtericher Land ent¬ 
wässernden Bäche haben keinen Durchbruch durch diese 
Aufwölbung finden oder schaffen können und folgen der 
Falle so weil nach Norden, bis das Steinkohlengebirge 
in der vom Venn aus abwärts geneigten Ebene des Falten¬ 
gebirges, in der Gegend von Herzogenrath, unter ihre 
Sohle getaucht ist. Nun finden sie ihre Bestimmung in 
der Wurm. 

Das Wurmflüsschen verdient geographisch ein beson¬ 
deres Interesse. Wenn wir bei einer Wanderung im Wurm¬ 
tale die beiden Talhänge an entblössten Stellen studieren, so 
sehen wir, dass die Schichten des linken Ufers gegen den 
Fluss hin ansleigen, die des rechten von ihm abfallen, 
mit andern Worten: der Fluss hat sich sein Bett in den 
Sattel, in die höchste Erhebung der Falte, hineingegraben. 
Warum hat der Fluss nicht etwa die Richtericher Gegend 
aufgesucht, in der das unterlagernde Grundgebirge, hier 
das Karbon, bedeutend tiefer sich findet? Wir haben es 
anscheinend mit einer „epigenetischen Talbildung“ zu 
tun. Der F'lusslauf ist älter als die seinen Ufern an¬ 
liegenden Lösse und Lehme des Diluvium. In einer Zeit, 
wo das Land des heutigen Bergbaureviers von hohen 
Schichten ül)erdeckl war, lag das Bett des Flusses, in 
diese eingeschnilten, senkrecht über dem heutigen Tale. 
Noch während seine Ufer aus jenen Schichten bestanden, 
traf seine immer mehr sich einnagende Sohle zufällig die 
Aufwölbung des Grundgebirges und war genötigt, sich in 
diese hineinzuarbeilen, da die Strömung seitlich nicht 
ausweichen konnte. Erleichtert wurde die Arbeit durch 
die Lockerung, welche die Grundschichten gerade auf 
dem Sattelkopfe durch die Faltung schon ei fahren hatten. 
Immer tiefer sank der Fluss in den Sattel des Grund¬ 
gebirges ein, während seine ehemaligen Ufer mit den 
das Grundgebirge überdeckenden Schichten von dannen 
geführt wurden. 

Die Ebenen rechts und links der Wurm sind in der 
Hauptsache bedeckt mit dem Löss des Diluvium, das sind 
durch Staubstürme zur Ablagerung gekommene kalk¬ 
haltige, tVuehtbare Schichten einer, geologisch gesprochen, 
gestrigen Zeit, in der in Deutschland ein Steppenklima 
herrschte. Hier wird fast ausschliesslich Ackerwirtschaft 
betrieben. — In den Getreidefeldern machen wir mit 
unserer Wanderung hall, die uns durch Gebiete führte, 
in welchen der Mensch in Moorkultur, Wiesenwirlschaft, 
Forstbetrieb und Ackerbau der natürlichen Kräfte des 
Bodens Herr zu werden versuchte, indem er sich ihnen 
dienend anpasste. 



; Zum Schluß unserer Sondernummer ,,AACHEN** drängt es uns, dem Herrn Oberbürgermeister der Stadt Aachen, 

■ unseren Mitarbeitern den Herren: Dr. W. Brüning; Johannes Classen; Kurdirektor He/1; Heinr. Janssen; 
S Prof. Dr. W. Kaehler; Stadtbaurat, Kgl. Baurat J. Laurent; Direktor des statistischen Amtes der Stadt Aachen 
; Dr. M. Mendelson; Josef Ponten; Hermann Ritter; Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Max Schmid; Museumsdirektor 

■ Dr. H. Sch weitzer; Städtischer Musikdirektor Prof. Schwickerath; wie besonders auch der Städtischen Kur- 
S direktion, dem Vorstand des Aachener Verkehrs-Vereins und dem Statistischen Amt der Stadt Aachen für die 
: freundliche Unterstützung bei Herausgabe der vorliegenden Nummer unseren verbindlichsten Dank auszusprechen. 



Die Redaktion der Zeitschrift ,,Deutschland**. 












Töo DEUTSCHLAND NiiiS 


Der Luftkurort Eupen beL ^che^^ 

Vor\ ^^iiii/Sc:hR>[df^r^CJ4:«ß; ■ — 

Sjscb s^hri Kil öfi^eij^r s^!ii:h vt^ Aiwhm U^'|^i tlie ^^wc^rb- febioiTk^r .Stjeiniäf^rölb Auf der 

Kfj^fj'r Ur>d in clpppelleT Hübe-über A'Jitreri Kiefer^p^cbr^U dose 

Vf!fbindijn^', feisenbabn ur4 Rotwild imd w^yKU dit* " 'fe hierr d^rt; 

g'^ mh fes^i&ny h^X di>£^r Habplort pdb tiinbtrr(Terr W anderer en aV )i Wstgj?m Pfbd^ • etöti^ frr^eser Lk:W 

L n ndes ytiü j '-t dem alt e^ro \m d mibrbti^ rfb Rira leri von ei ns a m ef HöK^; V i e eHi& aOTät^'r. ;Sc;h^hbÄEi; uJn 4; ■ 

ßrÖß^4 

Hltltab ;: V 

■ } Ätif&üeg^e _ 

Hob^ ^VifeAnv 4ß^ z wöl ' 

' ;,^(Q4emeÄ;:' ' 

; d^^t^cKi&n Roiriifbns '■rr ; Ctöm 

:-;'yi^ ft'b^:4bd H'öiVbyLft icbftr »idi.t ■' 

' ^ uatU^t ^«fbraebb wd 
'..'Vß.ri ixi^M t • ^•ör;iT^iijsbt, -. ■ -b^beov, 
vefM; 

■ e. i n .dl$ . :■ 

.^iji:h. ^^:rr;:rAb'e^ :;M'tiH^..', 

i \}w«^Tidiebi^’ (tegl >in ^reltTb^fft^ 
Ndbif das tialgiscfe bdtid 

peil he^Lqlieri W atd unge. tt^- 
?ieihen betri^^b^ijimÄi^örfeTTi 
und SlUdteb^n; b^Ti m d«r 
G r e n i n : fej d lenivo I s 

Wfitdinl der 

Gileppe- S^C\ iUiB^:’ /“Sperre üe-'i K<?ntinent:s. 

Ipmiilejv nb um .Ftui^bcue ftuF 

dßr 'Sollte eT ^W.t m'ft,. ib^^ Spfopdfden 
Wttb et ei e n ^} Tis: Htitiit d I:; ijvT ¥? tir i^peb Hö U «; p d ie TJ e^f i^ieb ms 

r ! rbtii lA’. rt fc<? ■.■)^^T?-Ii^ -i!' jtbi.j:^ . Vn'.TiT4.drjkijii An (-ii JEferMj^l icv-Jib # 


über Sftlb^taridvg.kc^il 

und irewalirt^. sü 

daii ^^ry: wenn m eug^i 
N ü i eb d ^ ^ u $ d f>ii^ 

R büiep V 0 b A a(.r hiüi 5 • tb 
^büji^ öik HwafS ÖeBOTvtkfr^?#- 
■h^'ra ü^xiiktri lä l-^n-- ;’ist / •' 

. / ttnd ^AH- 

Ixt'14 ()(.*()■ -v- Hft4: 

SV oh r) vob b j d en 'i^ q b ^} i >- 

,4i^ 

G^^Ä^Kti^hde-, iiftis;p(iiVpiv., : 

sdiffiifiridij^ ., ehtwickt’lr jifnd 
^riüd f tbb. rit>d^ itsVjtfl ^ ■ W>:4it^'r' ' 

bättm- sidi hiG‘ idV - 

: T aia ;d(?r Vi>£4Vä 
ui ^l\f\ eil ^^r AldhiiJrt?? 4ph 
i t rn h ifit de r Bl i r Xil^r;|i^ 

■begr^i.iVdei; :;■ÜTHL^^d^e:■;^^ 
i^b^s^dild^rd iiTp JjHihrliddd^rt, zU W ohl sti^hd,. \\ti. Riidcb^ 
Ihm ettipdtpji^didiri'b ,yo^ \Uun hcHUe; diie, iahb&rirfe^ 

stü Ulichen .-.iind. ^üVt^L^'iLdi»3benv tffe-h^riiÄitjS^^rrr ;!?/!;red 
gebeov in ^üldeJit'-d heri^rbteV Ein Chrdfd^iv. S 

rjiüsir ^floU^ i.ondon 

Litid. Kti vV V > v ■ 

öfe mdijerrve; dwir ki^-^' tdf'"f^ d^r 

Gro ßind iI*i.!ria' ■ i»t. .-der •' Girem^^^t ti4% icht ■ ••'soTVdpd ‘.\i ü 

Zwtir {UMti> d^?r ^■V‘Iv^)»jJl 1 ivid 

d er Fadej^p tji hd w diVf .iil (en l Inüsi ndsist ide erd st and»?n 

hücii iu^ 

nehe, rw:.' i gy , , n Eier der re ich g ■ ’ :;; , ■ 

Sii? e !\ d es LI ne j It Ö t ti? ti A (i t?« c h 'iVtJnf' , ■ ,■' ' ■ : : 

der •iabirö- |^t.- niir s]>iirl ith 

Q df 4ie?: fs t »4 \ iiC'd e rger i üsel L. 

■Seltr'-'.K u12en" 'ihries .re izv o 11 jen ^ 
fV^i ii ed Xohiisclm ft bi 14 1 

- ^ön.v^V*^’beri. lii^r dlq' iri^nidp 
L'iär*d 5t't'■' ■tjdie r . jt.lGfs s Gi d ii e n, 

vom Ei^ifiW&re id dßrsil 1 1 r:H b ^ e i «liine t e n 
Wrindeti^rsid tlüherködiinU dffm brtdtei 
^.id 1, Vpr E:ufpen tli^r hefllitrje S ti m nie t 
T ep p sch i ni wu i \ ri ei v ol iptr ( j t i f n, ni du 
nirr en. Somtner t kigexx , neib; fa •> t d o^ 
g nn j:c .fahr hhid (rrc|f:v kvHUidb^^^ \X0'(^ 
i rti ■ W'^Dh iig;. • niiF- ■ übd.v-'Cu^wid t-^b'' Ge^ 

Itinile- ' .Abfl.t'.' - dii^r ' niec.ki' 

ßisbrftid unch, ihn Vi^rhiden jiier lldliL'r- 
die \X-eidilieii dc^; &icKs>heT: Wahle:^ 
rs< t; Briiutti L^d jjvt^ ^<r [i n ad 

die iM reicihen 1 lecke n w<j rd ep Kf lU r- 
njfer i?nd sprödf^r. Bupen iWgi öid 
der S^hwdlf*- sum i Indien^, 

mm(an i\hc \' nnch o bwche n H ö hön 

Ve)fm> dessen käKies ;M ü ii [ii dihchdg : 
tjnd Lh?aü fij^b Blji# ^en Süden be-g:rinrjtl 



Hup e 1 1 ’. An si 1 1»t; v o nsr Sc Korb erg; a u I die t Iniiif si t 


eiitUirin^ 2Mr 

v/i[i dessen KüfilV ftiÜjS. ko^Uierhe Ausssciiftir 

ist iihi^r diesets^®^; njici Uticdi SO emsig: 

St Ki^ilernden. tnviirrn Stsi:dii<ril: \X’«r :übei;:deh daneben ragerfd^rv 
An1s^w;bl^^Uü^n den Ij^ihpr eis^L.-pTachtiger Rundfal^;ic 

viWf. döÄ-fe'iTp'e .^esegrsete Lisnbürg-er 

: ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ bi ^ ■ iM den fern e n Hüben d 

^y'''-,4' ■ ^ Afl'feuAirAVüideii^ aus dessen dnBigG:ir 

■ ^ ’i r i Ui Uia 5 ich :;y der Ei hger Ck> U es“ -:- edeir 

\ ; A ^)fch yi Awkskhts Ur r rti i p s G - 

:bUj.i i*-mpöri^':qkr''-. 

% die prüchtige/ 

■'Uisebß^;.. der . frieds'efn^ 

nrid doch heitern 
htAdt 7;wr GriSüh v^pn .K^icper üpid 
■'•.Giibd., Sn luif sie 

h? p f jq 1 ne $ Lu f t k n ro rtes H^ia h^^Spfnmer^ 
insclü5?, vv^ie sie der iilü^ftarte ^Führer" 
des rührigen VerkekfKdJistörü^ tm- 
j «dcrmnirns N ut zen tm4 hütstigf^ 

l^eschrcihl*)- Nicht minder aber: legt 
i-i\ ne cTii sige Vr.uwoHu/ig ,XV44 Wf die 
Th r ichUl hg Vü A Bi{d4^dlTeb für 
tl US h etänwuclisendj ; so 
piUst□ ndeh jin Ie!a:teu JöbtS-'^eh tili döS 
Mü4cheApensi 6naI auf deh^ Hefdbe^g, 
di e : g h werbl i che u n d kau fmli bir iS eh e 
i' lieh s ch ule mit H fttiSiK ntl un ^rs- ■“: Sebp Ib,; 
H^ih^lörbei t sr^ lind • 

■ ■■ y’- ■' ■'■■■ -L b':-: •:;■'■: > . -tr --■:’•■;■■ -i ■: '-■ har — ■ ,eine .• ;,.''ci<i^^;'..': Q^hi- 

^uptn,. .asser.u im ,, a Kei>irherz\enrats RoLe:(:t■,' Aip'öta^at ^ 

und alwchhefli. \ ibuäf 4ii:s Sfa.iiiisiiJuä Kbijbtu\pimsionaJ iin AhsGblüSlsfö' atv 



Sbifidsche ProgV'hAasium, di^HijeA Ausbau ; 

VOM der S.lodt besrJdosson ist. So hat Hufieh 
vornelimsien Fhrenfitel nnch guI seine W 

der Grenze der Westniork tlattert: GerTTLhiSia 
*) Der ge.^^'hMüoft.vW jün'iiim kuitrust- nemt^sjyt^pebiüA vom Stiidt^’V'erkühr^iiu&sclHip «Jfnfd venv dieso|fi k'yAYiwhyia^Ü^^^I* 


Abet die Wege, die 7.uin düste.rn ITochntocr Innhu?^ mul 
hiheuf füh ren^ siirid v ofl von Vint6r4b rler; fetol^ yerschw-iegcner 
Ro m an U kc Vier T ül er s in d j. v i er F l i i ^ G e b trgs ki h d er, 
rttsciv stürmisch imd u^ild. Die rMustben ^nd bratUieH iih 







Nr. 15 DEUTSCHLAND 761 



WIRTSCHAFTLICHER TEIL 



Bund Deutscher Verkehrs-Vereine 


(e. V.) Geschäftsstelle: Leipzigs, Naschmarkt, Handelshof. 

«l’nenigeltlirhe Ausküiifle über deulsehes VerKclirswoscn und Iioi.seiiii- 
gele;;enhcilen. Abgabe von FiihTcni uiul iTo.speKten über deuisebe 
Kur- und liadeorle. SUuile und Laiiil.siharien.) 

Dem Bund traten als Mitglieder bei: 

Der Magistrat der Stadt Naumburg, 

Der Stadtrat der Stadt Johanngeorgenstadt, 

Verkehrs-Verein Friedrichroda-Reinhardsbrunn, 

Fremden-Verkehrs-Verein Finsterbergen, 

Verkehrs-Verein Velbert, 

Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs in Eberswaldc 
und Umgegend, 

Pyrmonter Kurverein. 

Auf Anregung des Verkehrs-Verbandes Westpreussen unter¬ 
stützte der geschäftstührende Ausschuss eine Eingabe des 
Vereins der Ost- und Westpreussen in Strassburg i. E., betr. 
Gewährung von Fahrpreisermässigungen ab Berlin 
nach den Ostprovinzen im Anschluss an die Ferien¬ 
sonderzüge zu ermässigten Preisen, die von Elsass-Lothringen 
nach Berlin abgefertigt werden. 

Weiterhin ging auf Anregung aus dem Mitgliederkreise des 
Sächsischen Verkehrs-Verbandes eine Eingabe an den sächsischen 
Landtag wegen Fortführung der von Oesterreich geplanten 
Durchgangslinie Karlsbad Joachimstal Weipert bis 
nach Chemnitz als Vollbahn. Es wird mit diesem Projekt 
eine neue grosse Durchgangslinie von Oesterreich nach Nord- 
und Nordwest-Deutschland, nach Holland, Belgien und England 
angeregt. 

Die Geschätlsfünrung gab ei'.e Uebersichtskarte der dem 
Bund angcschlossencii Mitglieder nebst einem Mitglieder¬ 
verzeichnis heraus. 

Der Deutsche Weltsprache-Bund, e. V., Berlin- 
CharlottenbuTg, Wiciandstrasse 7 (Mitglied des Bundes), besitzt 
eine Serie von etwa 50 Diapositiven über die Entwicklung der 
Weltsprache, die derselbe n-it tinem dazu ausgearbeitelen Vor¬ 
trage den Bunde-^iuiigliedein kostenfrei zur Verfügung stellt; 
desgleichen eine reichhaltige als Wanderausstellung eingerichtete 
Sammlung von Werken der Weltspracheliteratur. 

Aus den Bundes-Vereinen. 

Der Verkehrs-Verein Leipzig (e. V.) 

hielt am ii. Februar d. J. im Zoologischen Garten unter dem 
Vorsitz des Herrn Direktors Otto Winkler seine Jahreshaupt¬ 
versammlung ab. Herr Eugen Strobel erstattete als Schrift¬ 
führer des Vereins den Jahresbericht. Herr Oberrealschul¬ 
lehrer Dr. Paul Roth hielt sodann einen Vortrag über: „Das 
deutsche Zeitungswesen im 19. und 20. Jahrhundert 
und seine Beziehungen zum Verkehr-wesen“, d-i 
sich als eine gediegene historische Studie über die Entwicklung 
des Zeitungswesens erwies und viel Beifall fand. Der Schatz¬ 
meister des Vereins, Herr Otto Hirschfeld, erstattete hierauf 
den Kassenbericht. Leider überschritten die Ausgaben des ver¬ 
gangenen Jahres die Einnahmen um 1682 Mk. In dem mit 
15130.58 Mk. abschliessenden Haushaltsplan für 1912 sind wesent¬ 
liche Posten: der Neudruck des Fünrers duich Leipzig, der nun¬ 
mehr auch in französischer und englischer Sprache 
erscheinen soll, und die Einrichtung der F il i a 1 a u s k u n f t- 
stelle im Hauptbahnhof. Der Kassenbericht fand ein¬ 
stimmige Annahme. Bei der Ergänzurigswahl für die sechs 
satzungsgemäss ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden die 
Herren Direktor Stremmel, Gäitnereibesitzer Moosdorf, Hof¬ 
lieferant W. A. Pölich, Kaufmann Jul. Strobel und Redaktions¬ 
sekretär P. Kabisch einstimmig wiedergewählt. An Stelle des 
Herrn von Biedermann wurde Herr Kaufmann und Stadt¬ 
verordneter Richard Heinze neugewählt. 

Der Verband der Kurorte und Sommerfrischen 
der Grafschaft Glatz 

hielt in Glatz seine ordentliche HauptveiSammlung ab. Der 
Verbandsvorsit/ende, Bürgermeister Ludwig, erstattete den 
Geschäftsbericht. Nach diesem gehören dem Verbände 41 ordent¬ 
liche und 33 ausserordentliche Mitglieder an. Der Verband hat 
im Berichtsjahie eine sehr eifrige Tätigkeit entfaltet, in der 


Hauptsache für Ausstellungszwecke, namentlich für die inter¬ 
nationale Ausstellung für Fremdenverkehr in Berlin, die Aus¬ 
stellung in Posen und die Hygiene-Ausstellung in Dresden. 
Auf der Berliner Ausstellung wurden 3000 Werbebüchlein ver¬ 
teilt. Auch die dort regelmässig abgehaltenen Lichtbilder¬ 
vorträge, die im ,.Kaufhause des Westens“ wiederholt wurden, 
waren geeignet, für die Grafschaft Propaganda zu machen. 
Durch die Beteiligung an der Berliner Ausstellung hat der 
Verband einen grossen Schritt in die Oeffentlichkeit unter¬ 
nommen und gezeigt, dass er selbständig zu arbeiten imstande 
ist. Der Verband hat 2000 grosse Reklameplakate anfertigen 
Lssen, die auf Bahnhöfen der Eisenbahndirektionsbezirke Posen, 
Breslau und Kattowitz, sowie in 250 grösseren Hotels des 
Ostens aushängen. An Werbebüchlein sind im Berichtsjahre 
10 000 Stück zur Verteilung gelangt. Den Kassenbericht er¬ 
stattete Fabrikbesitzer Hünerfeld, Glatz. Es betrugen 1910/11 
die Einnahmen 6072.39 Mk., die Ausgaben 3650.75 Mk. Im 
Geschäftsjahr 1911 12, das erst Ende März abschliesst, wird die 
Verbandskasse voraussichtlich mit einem Bestände von 800 Mk. 
abschliessen. Der Voranschlag für 1912 13 wurde in Einnahme 
und Ausgabe auf 4350 Mk. festgesetzt. In den Vorstand wurden 
wiedergewählt: Bürgermeister L u d w i g, Glatz, als Vorsitzender; 
Dr. Herrmann, Landeck, als stellvertretender Vorsitzender; 
Landrichter S ch n e i d e r , Glatz, als Schriftführer ; Bürgermeister 
Geisler, Habelschwerdt, als stellvertretender Schriftführer; 
Fabrikbesitzer H ü n e r fe Id , Glatz, als Schatz.neister ; Dr. Herr¬ 
mann, Kudowa, und Kurdirektor Berlit, Altheide, als Bei¬ 
sitzer. Als Ausschussmitglieder neugewählt wurden die Stadt- 
genieinden Neurode, Reichenstein, Wartha und Mittelwalde. 
Dr. Herrn.ann, Landeck, zollte dem Verbandsvorsitzenden, 
Bürgermeister Ludwig, für seine überaus rührige, von Erfolgen 
begleitete Tätigkeit im Interesse des Verbandes Dank und 
Anerkennung. 

Oer Pfälzische Verkehrs-Verband 

hielt am 2. März e:ne gut besuchte Ausschuss-Sitzung ab. Der 
Vorsitzende, Herr Rech'srat Dr. Müller, konnte wieder eine 
Anzahl von Vereinen und Hotels der Pfalz als neue Mitglieder 
melden. Ferner erstattete er Bericht über die Sitzung im 
Pfälzischen Fremdenverkehrsrat, die sich im besondere.n be¬ 
schäftigte mit dem Bayerischen Verkehrsbuch und dessen 
Sonderabdruck ,,Pfalz“, einem staatlichen Verwaltungskosten- 
zuscliuss für die pfälzische Verkebrstäiigkeit, der bayerischen 
GeA'eibeschau in Miinchcn und anderem. Die Verhandlungen 
dreliten sich dann weiter um die Anfertigung und Ausleihung 
von Klischees und Lichtbilderserien, eine Sammelannonce für 
die Pfalz für 1912 und einen Kunstkalender für die Pfalz. Um 
die Pfalz auf dem Deutschen Bundesschiessen in Frankfurt, 
das eine ganz hervorragende Rcklamegelegenheit bietet, würdig 
zu veit'Cten. hat sich der Verkehrs-Verband mit dem Pfälzischen 
Sch itzenbund und dem Zentralausschuss des Bundesschiessens 
in Frankfjit ins Benehmen gesetzt. 

Der Badische Landesverband zur Hebung des 
Fremdenverkehrs 

hielt kürzlich im Rathaussaale zu Pforzheim unter Leitung des 
Vorsitzenden Herrn Stadlrat Robert Ostertag, Karlsruhe, eine 
gut besuchte A u ss ch us s s i t z u n g ab. Das langjährige Aus¬ 
schussmitglied Herr Gasthofbesitzer Leicht begrüsstel die 
erstmals in Pforzheim versammelten Delegierten namens der 
Stadtverwaltung auf das herzlichste. Der Verbandsausschuss 
befasste sich mit der Ausgestaltung des „Badischen Ver¬ 
kehr s b u ch es“, das im Laufe des Monats Mai herausgegeben 
wird, mit dem Voranschlag für 1912, der einen Umsatz von 
5ooooMk., ohne die erheblichen Aufwendungen für das 
Sammeiinserat, aiifwei.^t. Allgemein begrüsst wurde die Ent¬ 
sendung des Herrn Vorsitzenden in den Eisenbahnrat und 
hierbei der Hoffnung Ausdruck gegeben, das> die Wünsche, 
die der Verbandsausschuss hegt, in Erfüllung gehen mögen. 

Der Verkehrs-Verein für Ostpreussen 

hielt in Königsberg unter dem Vorsitz des Landesrats Küsel 
seine 1 lauptveisammlung ab. Nach dem Jahresbericht sind 
dem Verband im letzten Jahre 181 Mitglieder neu beigetreten, 
darunter als korporative Mitglieder der Veikehrs-Verein Pillau, 
der Ostpreussische Verein für Lutischitfah.t, der Verein Alt- 
Wandervogel (Königsberg), der Verein de- Ostpreussen in 











762 DEUTSCHLAND l«^ ^j0OeoeoO6)eeC)CIOC l C)OOOOOOO i Nr. 15 


Halle a. S., Hausbesitzerbank, Polytechn. und Gewerbe verein, 
Sportvereinigung Prussia (Samland), Kaufm.Verein der weiblichen 
Angestellten, die Magistrate Bischofsburg, Creuzburg, Orteisburg, 
Pr.-Holland, Memel und Rössel, die Gemeinde Rauschen, die 
Badeverwaltungen Neukuhren und Schwarzort, die Villenkolonicn 
Georgenswalde und Mctgethen, so dass die Zahl der Mitglieder 
am Jahresschluss 1251 betrug. Auch im laufenden Jahre sind 
bereits wieder 63 neue Mitglieder beigetreten. Viele Werbe¬ 
schriften und Drucksachen wurden verteilt, Vorträge mit Licht¬ 
bildern gehalten, die auch nach Städten ausserhalb der Provinz 
(Düsseldorf, Guben, Halle a. S.) verliehen wurden. Auf eine 
vom Verein lebhaft unterstützte Massenpetition ostpreussischer 
Magistrate um Ausgabe von Sonntagsfahrkarlen ist einer kleinen 
Anzahl von Städten (Tapiau, Wormditt, Darkebmen, Mohrungen, 
Goldap, Osterode) die Ausgabe solcher Sonntagsfahrkarten zu 
ermässigten Preisen mit eintägiger Gültigkeit in Aussicht gestellt 
worden. Der Verein hat jetzt 18 Studenten- und Schülerherbergen 
in Ostpreussen eingerichtet. Der Voranschlag für 1912 wurde mit 
Qioo Mk. genehmigt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, 
Landrat a. D. von Batocki (Bledau), Landrat Geheimrat Cranz 
(Memel), Justizrat Hennig, Professor Dr. Hoffmann, StadtverorJ- 
netenvorsteher Geheimrat Krohne, Landesrat Küsel, Kaufmann 
Karl Kühn und Oberlehrer Dr. Schumacher aus Königsberg, 
wurden wieder-, Amtsvorsteher Zainke (Cranz) neugewählt. 

Württ.-Hohenz. Vereinigung für Fremden-Verkehr. 

In der Sitzung des Landesausschusses in Stuttgart be¬ 
richtete der Vorsitzende, Gemeinderat Stübler, über die Vor¬ 
bereitungen zur Schwäbi.'-chen Landesausstellung für Reise- und 
Fremdenverkehr. Danach ist die Beteiligung der Gemeinden, 
Verkehrs- und Verschönerungs-Vereine, Kur- und Badver- 
waltungcn, sowie der Reise- und Sportindustrie eine so leb¬ 
hafte, dass es notwendig wurde, auch den ersten Stock des 
Ausstellungsgebäudes für die Ausstellung zu belegen. Mit der 
Ausstellung soll feiner die tägliche Veranstaltung von L i ch l- 
bildervorträgen und kine matographischen Vor- 
führungen über den Rodel- und Schneeschuhsport,Volksfeste, Luft¬ 
schiffahrten, Reit- und Fussbalbsport u. a. m. verbunden werden, 
wozu die nötigen Einleitungen schon gelroften sind, sowie eine 
A u s k u n f 181 e 11 e mit Lese- und Schreibzimmer, in 
der Führer, Prospekte usw. des ganzen Landes aufliegen werden 
und Auskunft in Verkehrsangelcgcr^hcitcn aller Art erteilt werden 
wird. Wie in Berlin bei der Internationalen Ausstellung für 
Reise- und Frenuienveikehr wird auch hier wieder die 
S ch w ä b i sch e Weinstube und die S ch w a r z w ä 1 d e r 
Kaffccstube in einem im Vorgarten des Ausstellungs¬ 
gebäudes zu erstellenden Anbau untergebracht und wesentlich 
vergrössert werden. Für die W i n t e r s p o r t - R e k 1 a m e wurde 
die Herstellung von 5000 Sonderabdrücken des in der 
Ve I k e h r s .T e 11 ö ch r i f l ,,D e u t s ch 1 a n d'‘ erschienenen Auf¬ 
satzes von P. Diiikelacker, Stuttgart: ,,Vom Winter in Schwaben“ 
beschlossen, die für die Reklame 1912 13 werden verwendet werdea. 
Für die Schritt ,,Schwäbische Kurorte, Soinmerfrischen, 
Sportplätze“, bearbeitet von Kan/leirat Ströhmfcld, die 
nunmehr feitiggestellt und demnächst ausgegeben werden wird, 
wurde ein Verkaufspreis von 25 Plg. festgesetzt. Für Reklame¬ 
zwecke wurde ferner die Herstellung von Postkartenserien und 
Abreisskalendtrn mit Ansichten aus dem Schwabenland m 
Aussicht genommen. 

Gründung eines Verkehrs-Verbandes für Hessen 
und Waldeck. 

Im Rathaus zu Cassel fand am 26. Februar unter dem 
Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Müller eine Versammlung 
von Interessenten statt, die von 38 Vertretern von Magistraten, 
Verkehrs-Vereinen, Kurverwaltungen und dergleichen besucht 
war. Herr Oberbürgermeister Müller, Cassel, leitete die Ver¬ 
handlungen ein durch Ausführungen über die Notwendigkeit 
des Verbandes, der eine auffallende Lücke in der Organisation 
der Bestrebungen zur Hebung des deut^chen Fremdenverkehrs 
ausfüllcn müsse. In weitesten Kreisen des In- und Auslandes 
seien die landschaftlichen Schönheiten des hessischen Berg¬ 
landes und die Kunstschätze seiner Städte noch nicht genügend 
bekannt, da es bis jetzt an einer zielbewussten Werbetätigkeit 
der in Frage kommenden Stellen gefehlt habe. Den Grund¬ 
lagen und Voraussetzungen des Fremdenverkehrs müsse im 
Verbandsgebiet fortgesetzte Aufmerks.imkeit zugewendet werden 
durch Ausbau der Verkehrsmittel und Verbesserung der Hnler- 
kunfts- und Verpflegungsverhältnisse. Herr Verkehrsinspektor 
Weber, Vorstand des Stadtverkehrsamtes in Cassel, berichtete 
über die Organisation des Fremdenverkehrs in 
Deutschland und führte dabei im wesentlichen folgendes 
aus: Stadt und Land müsse in dem Bestreben, Fremdenverkehr 
heranzuziehen, Zusammenwirken, da beide in gleicher Weise 
interessiert seien, das Land durch vermehrten Absatz in land- 
wiilschaftlichen Erzeugnissen, die Stadt durch grösseren Umsatz 


in den verschiedensten Erwerbszweigen; so bilde der Fremden¬ 
verkehr gewissermassen ein Bindeglied zwischen Stadt nnd 
Land, die sich in wirtschaftlichen und kulturellen Fragen leider 
zu oft und mit Unrecht feindlich gegenUberstehen. Eine 
Zusammenfassung der verschiedenartig, aber doch in gleicher 
Richtung arbeitenden Organisationen sei etwa vor 10 Jahren 
im Bunde Deuts cherVerkehrs-Vereine erreicht worden, 
dessen seitherige Wirksamkeit und künftige Aufgaben der 
Redner kurz beleuchtete. Dem Bunde sei es nach langjährigen 
Bemühungen auch gelungen, die an einer Zunahme des 
deutschen Reiseverkehrs besonders interessierten Eisenbahn¬ 
verwaltungen zu namhaften Beitragsleistungen namentlich 
für die Propaganda im Auslande heranzuziehen. Hinsichtlich 
der künftigen Aufgaben des Verkehrs-Verbandes für HessMi 
und Waldeck verwies Redner sodann auf einen gelegentlich 
des Hessischen Städtetages in Gutensberg gehaltenen Vortrag 
und auf die der Gründungsversammlung vorgeleg^e Denkschrift 
hin. Aus den Richtlinien sei hervorzuheben, dass zunächst 
eine im flotten Feuilletonstil ge^:chriebene, künstlerisch aus¬ 
gestattete und in mehrere Sprachen übersetzte Beschreibung 
des Verbandsgebietes im In- und Auslande verbreitet 
werden solle. Da bisher nur einzelne grössere Städte und 
Badeverwaltungen eine wirksame Zeitungsreklame entfalten 
konnten, müsse auch auf Hessen und Waldeck durch sogenannte 
Sammelanzeigen in Zeitungen und Zeitschriften hin¬ 
gewiesen werden. Hand in Hand damit sollten Aufsätze über 
das Verbaiidsgebiet, wenn möglich mit Abbildungen, veröffentlicht 
werden. Durch Herausgabe von Sommerfrischen- und Gast- 
hausverzeichiiissen, Wanderkarten und Plakaten, 
Ansichtskarten und dergleichen könne das hessische Seeland 
immer mehr bekannt gemacht werden. Sämtliche an der Debatte 
beteiligten Redner erklärten ihre Zustimmung zu den vor¬ 
getragenen Gesichtspunkten und stellten den Beitritt der von 
innen vertretenen Verwaltungen und Vereine in Aussicht. Der 
von Herrn Stadtrat Dr. Saran, Cassel, vorgetragene Satzungs- 
entwurf wurde nach eingehender Aussprache angenommen, 
womit die Gründung des Verbandes beschlossen war. In den 
Vorstand wurden gewählt die Herren: Oberbürgermeister 
Müller und Stadtrat Stippich, Cassel, als Vorsitzender beziehungs¬ 
weise Stellvertreter; Verkehrsinspektor Weber und Kurdirektor 
Prestieri, Bad Sooden-Werra, als Schriftführer; Bankier Schirmer 
und Stadtrat Dr. Saran als Schatzmeister. Den Ausschuss 
bilden Vertreter von Stadtgemeinden, Kurverwaltungen und 
Wandervereinen aus Cassel, Fulda, Marburg, Hersfeld, Rotenburg, 
Arolsen, Evschwege, Münden, Bad Wildungen und Niederaula. 

Verschönerungs- und Kurverein Auerbach. 

ln der Hauptversammlung bezeichnete der Vorsitzende, Herr 
Sieben, das letzte Vereinsjahr als ein sehr lebhaftes und 
arbeits-eiches. Wenn auch der Verein nicht den mehr zeit- 
gemässen Titel „Verkehrs - Verein“ führt, so erfüllt er doch 
neben der Tätigkeit als Verschönerungs- und Kurvorein durch 
seine Presse-Kommission reichlich die Aufgaben, dio sich die 
überall in neuester Zeit entstehenden Verkehrs-Vereine gestellt 
haben. Gerade im modernen Verkehrswesen gibt es nun eine 
Menge grosser und grosszügiger Aufgaben und Fragen, zu 
deren Lösung ein kleiner lokaler Verein mit seinen bescheidenen 
Mitteln nicht in der Lage ist. Aus diesem Grunde ist der enge 
Anschluss an den Verkehrsausschuss der Bergstrasse für den 
Verein von grösster Wichtigkeit und Bedeutung, und, wie 
die Erfahrung der letzten zwei Jahre gelehrt hat, auch sehr 
segensreich. In Verbindung mit dem Verkehrsausschuss hat 
der Verein im letzten Jahr verschiedene Fragen lösen können, 
z. B. die Beschaffung und Verbreitung des Propagandamaterials. 
Von dein in einer Auflage von 20000 Stück im Werte von 
etwa 3000 Mk. hergesielllen „Panorama der Bergstrasse“ 
entfielen auf den Verein als diesjähriger Anteil 1000 Stück, von 
denen über 800 Stück verbreitet wurden. Von der in einer 
Auflage von 20000 Stück hergestellten Empfehlungskarte von 
Auerbach hat der Verein bis jetzt inkl. anderer Drucksachen 
13 000 Stück verbreitet, und zwar hiervon allein auf der Inter¬ 
nationalen Ausstellung für Reise und Verkehr Berlin 191X 7300 Stück. 
Der Führer „Rund um Auerbach“ hat der Verein in diesem 
Jahre in zweiter Auflage in Höhe von 5000 Stück, und zwar 
in einer ganz mustergültigen Art und Weise, herstellen lassen. 
Ks liegen darüber äusserst schmeichelhafte Besprechungen 
grosser Zeitungen vor. Der Führer wird vielfach von auswärts 
verlangt und dürfte einen wesentlichen Faktor zur Hebung des 
Fremden - Verkehrs bilden. In den in etwa 16 Zeitungen, 
Wochenschriften und Reiseführern erschienenen Kollekliv- 
Annoacen des Verkehrsausschusses ist Auerbach gebührend 
erwähnt und sind daraufhin eine grosse Anzahl Anfragen ein¬ 
gelaufen, die vom Verein unter Beifügung des Propagandt- 
materials in der entgegenkommendsten und promptesten Weise 
beantwortet wurden. Bei den durch den Verkehrsausschuss 
erledigten Anfragen wurde stets das gesamte Propagandamaterial 



Nr. 15 




von Auerbach beigefügt. Auch im neuen Jahr stehen weitere 
und grössere Massnahmen zur Hebung des Fremdenverkehrs 
der Bergstrasse und Auerbachs bevor, so u. a. die Vorbereitung 
einer Sondernummer der illusrierten Zeitschrift „Deutschland** 
für die Bergstrasse. 

Fremdenverkehrs-Verein Karlsruhe. 

Unter der Leitung des a. Vorsitzenden, Herrn Rentners 
Ludwig Paar, fand am 28. Februar er. im kleinen Rathaussaale 
eine Ausschusssitzung des Verkehrs-Vereins statt. — Der 
Hauptversammlung des badischen Landesverbandes 
zur Hebung des Fremdenverkehrs am 5. November v. J. wohnten 
zwei Ausschuss - Mitglieder bei. Sie gaben eine Reihe von 
beachtlichen Anregungen hinsichtlich der Ausgestaltung des 
Fahrplans der Staatseisenbahnen, für die Verbesserung der 
Reklame der Eisenbahnverwaltung, für den Ausbau der Pro¬ 
paganda des Landesverbands u. a. m. — Für das Jahr 1915, in 
welchem Karlsruhe sein aoojähriges Gründungsjubiläum feiert 
und voraussichtlich zahlreiche andere Kongresse und Verbände 
ihre Versammlungen hier abhalten werden, haben sie den 
Landesverband zur Tagung dahier eingeladen. Es besteht Aus¬ 
sicht, dass dieser Einladung entsprochen wird. — In verschiedenen 
Tagesblättern des ln- und Auslandes und in Verkehrs- und 
Reise-Zeitschriften hat der Verein in den letzten Monaten wieder 
Veröffentlichungen über Karlsruhe einrücken lassen, 
die geeignet sind, der Stadt neue Besucher zuzuführen. Beson¬ 
deren Beifall fand ein in der Bundeszeitschrift „Deutschland** 
erschienener illustrierter Artikel über „Karlsruhe im Winter**. — 
Die Lichtbilder von Karlsruhe befinden sich stetig auf Reisen 
und werden überall mit Interesse aufgenommen. — Die Ver¬ 
handlungen mit den namhaftesten Reisebureaus zwecks 
Aufnahme der Stadt Karlsruhe in ihre alljährlichen Reisepläne 
haben zu einem befriedigenden Ergebnis geführt. — Die Be¬ 
strebungen des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine nach mög¬ 
lichster Dezentralisation der Sommerferien in den 
preussischen Provinzen zur Vermeidung der Ueberfüllung der 
deutschen Kur- und Badeorte in den Hochsommermonaten hat 
der Verein unterstützt. Wegen Ausgestaltung des Eisen¬ 
bahnverkehrs mit Karlsruhe steht der Verein in regem 
Verkehr mit der Grossherzoglichen Eisenbahnverwaltung. — An 
die Grossherzogliche Regierung hatte der Verein das Ersuchen 
gerichtet, mit Rücksicht auf die geplante Erstellung eines 
Landesmuseums dahier die Frage zu prüfen, ob es sich im 
Interesse einer Konzentration und einer grösseren Wirkung der 
Ausstellungen nicht empfehle, einzelne der hiesigen Sehenswürdig¬ 
keiten, wie z. B. das Grossherzogliche Kunstgewerbemuseum und 
die Sammlungen für Altertums- und Völkerkunde, die in ihrem 
Charakter grosse Verwandtschaft zeigen, zusammenzulegen. Das 
Grossherzogliche Ministerium des Kultus und Unterrichts hat 
darauf erwidert, dass die Frage der Errichtung eines Gebäudes 
für ein Landesmuseum auf dem Messplatze zurzeit geprüft 
werde, jedoch könne die Ausführung des Planes nicht schon 
für die nächsten Jahre vorgesehen werden. Bei der endgültigen 
Entscheidung würde man auf die Anregungen des Vereins 
zurückkommen. — Die Wintersportausstellung, die in 
den Monaten Dezember, Januar und Februar im Grossherzog¬ 
lichen Landesgewerbeamt veranstaltet und vom Verein propa¬ 
gandistisch gefördert wurde, war von etwa 23 000 Personen 
besucht und hat in weiten Kreisen grosses Interesse gefunden. 
Der Verein ist dem Grossherzoglichen Landesgewerbeamt für 
die Einrichtung und Durchführung der Ausstellung, die gezeigt 
hat, wie leistungsfähig und den ausländischen Erzeugnissen 
durchaus ebenbürtig die badische Sportartikel - Industrie ist, 
dankbar. — Die in Vorbereitung begriffene Wanderaus¬ 
stellung von Erzeugnissen der Schwarzwälder Volks¬ 
kunst, die sich auf dem Gebiete der Holzschnitzerei, Gold¬ 
stickerei, Strohflechterei, Uhrenschnitzerei und -Malerei, Keramik 
und Schachtelmacherei erstrecken soll, wird vorraussichtlich im 
Jahre 1913 auch nach Karlsruhe kommen. — Im Monat Mai 
wird dahier die diesjährige Hauptversammlung des über 
250000 Mitglieder zählenden Verbandes der deutschen 
Beamtenvereine stattfinden, für welche der Verein jetzt 
schon tätig ist. — Der Jahresbericht für die Vereinsjahre 1910/11 
ist im Druck erschienen und soll den Mitgliedern und sonstigen 
Interessenten zugestcllt werden. Er wird u. a. zum ersten Male 
ein Verzeichnis der Mitglieder des Vereins, nach 
Geschäftszweigen (Bezugsquellen) geordnet, bringen. 
Der Ausschuss hat beschlossen, Sonderabdrücke dieses Ver¬ 
zeichnisses mit den übrigen Reklameschriften des Vereins den 
Fremden mit der Aufforderung zu behändigen, bei ihren Ein¬ 
käufen die angegebenen Geschäfte in erster Reihe zu berück¬ 
sichtigen, um so den Vereinsmitgliedern einen unmittelbaren 
Vorteil von ihrer Zugehörigkeit zum Verein zu verschaffen. Es 
ist zu hoffen, dass infolgedessen zahlreiche weitere Geschäfts¬ 
inhaber, die noch nicht Mitglied des Vereins sind, sich alsbald 


zum Beitritt anmelden. — Das Rechnungsjahr 1911 hat, 
wie aus dem Bericht des Schrift- und Geschäftsführers, Oberstadt¬ 
sekretärs L a ch e r, hervorg^ing, trotz einer erheblichen Zunahme 
der Mitgliederzahl leider wenig günstig abgeschlossen, da 
für die Herstellung von Propagandamaterial ziemlich bedeutende 
Ausgaben zu machen waren. Der Voranschlag für 1912 
schliesst in den Einnahmen mit 6217 Mk., in den Ausgaben 
mit 6292 Mk., also mit einer Unzulänglichkeit von 75 Mk. ab. 
Der Ausschuss beschloss, nach der am 2. April d. Js. (im 
grossen Rathaussaale) stattflndenden Generalversammlung in eine 
intensive Mitgliederwerbung einzutreten, um den Finanzen des 
Vereins wieder aufzuhelfen. Er glaubt überdies, dass sich, wie 
in anderen Städten, auch hier einsichtige Bürger Anden werden, 
die, die gemeinnützige und vielseitige Arbeit des Vereins 
würdigend, ihm freiwillige Spenden zuwenden. Denn eine 
finanziell sichere Grundlage ist die erste Vorbedingung für eine 
weitere gedeihliche Entwicklnng des Vereins. 

Die Danziger Verkehrszentrale 

hielt am 29. Januar in der Ressource „Concordia** ihre 5. Jahres¬ 
versammlung ab, die von dem Vorsitzenden mit Worten der 
Begrüssung und einem Ueberblick über die Arbeiten des Vereins 
während seines 5jährigen Bestehens eröffnet wurde. Der Mitglieder¬ 
bestand ist von 130 auf 871 angewachsen und die Summe der 
in diesem Zeitraum eingegangenen und im Interesse des 
Danziger Verkehrs verausgabten Zuwendungen von Behörden, 
Korporationen und Einzclmitgliedern beläuft sich auf etwa 
50000 Mk. Des weiteren ist aus dem Jahresbericht zu ent¬ 
nehmen, dass die Broschüre „Danzig als Wohnstadt** im 
April ds. Js. in dritter erweiterter und verbesserter Auflage und 
„Danzig als Kongressstadt** in 2. Auflage erscheinen wird. An 
neuen Broschüren sollen zur selben Zeit herausgegeben werden: 
„Danzig als Handels- und Industriestadt** und „Sommer in 
Danzig**. Der vom Magistrat herausgegebene Führer durch 
Danzig, die Broschüre „Danzig als Hochschulstadt**, die 
Propagandapostkarten, sowie der alljährlich erscheinende Konzert¬ 
führer wurden wie in den Vorjahren lebhaft begehrt. Ein von 
Professor Pfuhle entworfenes Plakat „Danzig** wird im Laufe 
dieses Jahres zur Verbreitung gelangen. Die Jahresrechnung 
für 1911 schliesst mit 13612.04 Mk. in Einnahmen und Ausgaben. 
Der Voranschlag für 1912 wurde auf 12500 Mk. festgesetzt. 
Aus der Reihe der Versammelten wurden folgende Anregungen 
gegeben: i. Späterlegang des Abendzuges Danzig—Berlin 10.14 Uhr 
abe ds ab Danzig um etwa eine Stunde. Damit würde der 
Zug gleichzeitig als Theaterzug von den Besuchern aus der 
Provinz benutzt werden können und eine bessere Ausnutzung 
des S hlafwagens Danzig—Berlin gegeben sein. 2. Verbindung 
Breslau—Dirschau —Königsberg. Es wird direkter Anschluss 
an diesen Zug von Dirschau nach Danzig bezw. Zoppot 
gewünscht. 3. Früherlegung des D-Zuges Danzig—Stettin— 
Berlin, um den Anschluss an die durchgehenden Routen nach 
dem Rhein zu erreichen und somit die Reise von dem Osten 
nach dem Westen in einem Tage zurücklegen zu können. 
4. Kenntlichmachung der öffentlichen Gebäudö durch künst¬ 
lerisch ausgeführte Tafeln, die namentlich den Fremden eine 
leichtere Orientierung ermöglichen sollen. 

Generalversammlung des Eifel-Vereins. 

Der Eifel-Verein, dessen Bestrebungen darauf gerichtet sind, 
die eigenartigen Naturschönheiten der Eifel mehr und mehr dem 
Fremdenverkehr zu erschliessen und zu Wanderungen in diesem 
bislang von der grossen Heerstrasse versteckt gelegenen Teil 
unseres Vaterlandes anzuregen, hielt seine Hauptvorstands¬ 
sitzung unter zahlreicher Beteiligung seiner Ortsgruppen in 
Düsseldorf ab. Die Versammlung erregte noch besondere.s 
Interesse dadurch, dass ihr der Ehrenvorsitzende, Exzellenz 
Oberpräsident Staatsminister Freiherr von Rheinbaben, Herr 
Regierungspräsident Dr. Kruse und Herr Landeshauptmann 
Dr. von Renvers beiwohnten. Dass die Bestrebungen des 
Vereins auch an höchster Stelle gewürdigt werden, geht daraus 
hervor, dass unser Kaiser vor kurzem erst dem Eifel-Verein 
zur Förderung der ihm sehr sympathischen Bestrebungen auf 
dem Gebiete der Schüler- und Studentenherbergen eine Summe 
von 2oooMk. aus seiner Schatulle überreichen liess. Zunächst 
hiess der Vorsitzende, Herr Landrat Kaufmann, Euskirchen, 
die Ehrengäste und die vertretenen Ortsgruppen herzlich will¬ 
kommen. Dann dankte er dem Herrn Oberpräsidenten und 
Ehrenvorsitzenden Freiherrn von Rheinbaben für sein erfolg¬ 
reiches Wirken für die Bestrebungen des Vereins beim Kaiser. 
Es sei wertvoll, dass nunmehr auch der Kaiser die Ziele des 
Vereins würdige und als sichtbares Zeichen seiner Teilnahme 
eine Summe ausgeworfen habe zur Unterstützung der Jugend¬ 
pflege; dafür könne der Verein dem Kaiser nur dankbar sein. 
Aufgabe des Vereins sei es, diese Jugendpflege, die er schon 
vor Erlass der Ministerialbehörden in die Hand genommen 


764 ßl^^88880^8808908^0889090® DEUTSCHLAND 


Nr. 15 


habe, weiter auszubauen. Der Verein begeht im nächsten Jahr 
sein 25jähriges Jubelfest. Er hat sich deshalb mit der 
Bundeszeitschrift „D e u t s ch 1 a n d“ in Düsseldorf in Ver¬ 
bindung gesetzt. Der Verlag will eine Nummer als Sonder- 
Nummer zum Jubiläum des Vereins im nächsten Jahre heraus¬ 
geben und schon im Laufe dieses Jahres das Material für diese 
Nummer sammeln. Der Vorsitzende bat die Vertreter der 
Ortsgruppen, den Verlag in jeder Weise zu unterstützen. Der 
Verein hat einen Aufruf zugunsten der Schülerherbergen 
in der Eifel erlassen, auf den 7450 Mk. eingegangen sind. 
Nach Abzug der Unkosten verbleiben 6500 Mk., die reserviert 
werden und deren Zinsen den SchUlerherbergen zugefühit 
werden. Der Vorsitzende sprach den Gebern den Dank der 
Versammlung aus. Gegenwärtig schweben in der organisierten 
Kaufmannschaft Projekte zur Errichtung von Er¬ 
holungsheimen. Der Verein beabsichtigt nun, an diese 
Korporationen, sowie an die grossen Werke, wie Friedr. Krupp, 
Elbertelder Farbenfabriken usw., heranzutreten und ihnen die 
Errichtung von Erholungsheimen in der Eifel mit be¬ 
sonderer Berücksichtigung der klimatischen und Bodenverhältnisse 
vorzuschlagen. In der Südeifel hat sich vor kurzem ein Verein 
zur industriellen Entwicklung der Südeifel gebildet, 
der an den Eifel-Verein herangetreten ist und seinen Beitritt 
wünscht. Wie der Vorsitzende des neuen Vereins, Herr 
Regierungspräsident Dr. Baltz, Trier, hierzu bemerkte, beab¬ 
sichtige der Verein keineswegs die Industrialisierung der Eifel, 
dass, ähnlich wie im Ruhrrevier, überall die ,,Kamine rauchten“, 
sondern er will die Natur in ihrer bisherigen Gestalt erhalten. 
Durch Nutzbarmachung der vorhandenen Wr.sserki äfte und 
durch Errichtung von Elektrizitätswerken sollen Werte geschaffen 
werden. Im übrigen aber sei der neue Verein als eine Ergänzung 
des Eifel-Vereins anzusehen. Die Versammlung beschloss den 
Beitritt mit einem Jahresbeitrag von 30 Mk. 

Verkehrs-Verein Dortmund. 

Die diesjährige Generalversammlung des Verkehrs- 
Vereins, die am 6. März in den Gesellschaftssälen des „Union-Bräu“ 
statlfand, wurde vom Vorsitzenden, Herrn Fabrikant Su h r m an n , 
um 9 Uhr eröffnet. Dieser dankte den ziemlich zahlreich 
anwesenden Mitgliedern und Gästen für ihr Erscheinen und 
forderte sie auf, sich an der Aussprache der Mitglieder lebhaft 
zu beteiligen, denn nur in diesem Falle wäre der Vorstand in 
der Lage zu wissen, auf welche Verbesserungen er sein Aug«*n- 
merk zu richten hat. An und für sich wäre der Vorstand 
bereit, alle ihm vorgetragenen Wünsche nach Kiäften zu ver¬ 
treten. Sodann erstattete der langjährige Schriftführer des 
Vereins, Herr Dr. jur. Kuckuck, in längeren, interessanten Aus¬ 
führungen den Jahresbericht. (Ueber die Tätigkeit des 
Vereins ist in dieser Zeitschrift wiederholt berichtet worden.) 
Ueber den Stand des Veimögens berichtete der Schatzmeister, 
Herr Direktor Dr. Prigge, dass die Einnahmen und Aus¬ 
gaben mit 19 465 08 Mk. balancierten. Aus den Einnahmen ist 
zu bemerken, dass an Beiträgen 3439 Mk. und an Einnahmen 
aus dem Verkehrsbureau 4516 Mk. eingingen. Dagegen kostete 
das Verkehrsbureau am Markt 6642 Mk. und das im Haupt¬ 
bahnhof 2463 Mk. Die Kassenrevisoren haben die Kasse in 
Ordnung gefunden und erteilten dem Schatzmeister und daraufhin 
die Erschienenen dem ganzen Vorstande Entlastung. Von den 
zehn turnusgemäss aus dem Vorstände ausscheidenden Herren 
wurden sieben wiedergewählt; neu gewählt wurden die Herren 
Ziegeleibesitzer Coers, Zahnarzt Bodenstein und Justizrat Doepner. 
An Stelle des Herrn Bodenstein wurde Herr Kaufmann Hermann 
Auerbach zum Kassenrevisor bestimmt. Die Frage, ob der 
Verein eingetragen werden sollte, wurde einstimmig bejaht, 
dagegen knüpfte sich an die für diese Eintragung notwendige 
Aenderung der Satzungen eine längere Besprechung. Die gemäss 
der Tagesordnung vorgesehene Aussprache seitens der Mit¬ 
glieder und Gäste über Verkehrsverbesserungen war sehr lebhaft; 
jedoch wurden für den Vorstand neue Verhandlungsgegenstände 
sehr wenig vorgebracht. Mit dem Versprechen, dass alle 

Wünsche Gegenstand einer Besprechung in der nächsten Vor¬ 
standssitzung sein würden, sxhloss der Vorsitzende mit dem 
Dank für die tätige Mitarbeit der Erschienenen die anregend 
verlaufene Sitzung. 

Der Verkehrs-Verein 
für den Stadt- und Landkreis Essen 

hielt am 29. Februar im Städtischen Saalbau seine diesjährige 
ordentliche Generalversammlung ab. Bei den vorge¬ 
nommenen Ersatz- und Neuwahlen zum Ausschuss wurden 
zunächst die ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt und die 
Herren v. Gemmern, Geschäftsführer Silier und Bankdirektor 
Brandi neugewählt. Die Abnahme der Jahresrechnung gab zu 
Erinnerungen keinen Anlass, die Entlastung wurde erteilt. Aus 
dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, dass die Gesamt- 


mitgliederzabl gegenwärtig 400 beträgt mit einem Getamtjahres- 
beitrag von etwa 17000 Mk. gegen 16000 Mk. im vorigen Jahre. 
Die Einnahmen im Rechnungsjahr 1911 betrugen insgesamt 
44490 Mk. während sich die Ausgaben auf 36 678 Mk. stellten, 
so dass ein Ueberschuss verbleibt von 7812 Mk. Der Jahres¬ 
voranschlag für 1912 schliesst in Einnahme und Ausgabe mit 
40 500 Mk., doch werden dem Verein im Laufe dieses Jahres 
mehrere bedeutende Ausgaben erwachsen, die durch Neubau 
des Droschkenpavillone sowie durch Verlegung der Geschäfts¬ 
räume des Verkehrs-Vereins in den neuen Handelshof bedingt 
werden. Der Verkehr in der Droschkenzentrale hat ausser¬ 
ordentlich zugenommen; die Anzahldertelephonischen Droschken¬ 
bestellungen stieg von 15700 im Jahre 1910 auf 25100 im Jahre xgzz. 
Der Verein hat sich im verflossenen Jahre an der Ausstellung 
für Reise- und Fremdenverkehr beteiligt und auch an den Vor¬ 
arbeiten für die Essener Baukunstausstellung teilgenommen. 
Aus dem Arbeitsprogramm für 1912 ist besonders hervorzuheben: 
I.eitung der Hamburger Züge Uber Essen; Schaffung einer 
direkten Eisenbahnverbindung von Essen nach Buer—Gladbeck 
und Borbeck; Spätverbindnng nach Köln; Vermehrung der 
Eilzüge auf der Linie Essen -Kettwig —Düsseldorf; Verbesserung 
der Anschlüsse an die D-Züge Emmerich—Süddeutschland; 
Schaffung einer direkten Verbindung Über Soest —Altenbeken 
nach dem Harz und weiter nach Halle—Leipzig und Ver¬ 
mehrung der Sonntagskarten nach der Umgebung Essens. — 
Im Anschluss an die Generalversammlung hielt der Beigeordnete 
der Stadt Essen, Schmidt, einen Lichtbildervortrag über die 
bauliche Entwicklung Essens im letzten Jahrzehnt, der lebhaften 
Beifall fand. 

31. Hauptversammlung 
des Vereins Berliner Hotelbesitzer. 

Diese Versammlung hat unter Leitung des i. Vorsitzenden, 
Herrn Barth, am 7. Februar im Hotel Adlon getagt. Aus den 
Verhandlungen sei hervorgehoben: Die unrichtigen Angaben, 
die in verschiedenen Zeitschriften neuerdings über die Fremden¬ 
führung in Berlin erscheinen, sollen der Zentralstelle für 
Fremdenverkehr als Material überwiesen werden. Auf Antrag 
des Vereinsvorstandes wurde beschlossen, dem Union-Klub für 
die Rennbahn Grunewald einen Zuschuss von jährlich 1000 Mark 
für die Dauer von drei Jahren zu bewilligen. Es handelt sich, 
dabei um einen Beitrag für den neuen Grossen Preis von 
100000 Mark, den der Union-Klub schaffen will. Die Herren 
Lorenz Adlon und E. Metzger wurden in Anerkennung ihrer 
Verdienste zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt. Die Mit¬ 
glieder des Vercinsvorstandes: Herr Barth als i. Vorsitzender, 
Herr Reissig als 2. Vorsitzender und Herr Stöckel als 
Schatzmeister wurden einstimmig wiedergewählt. Als Schrift¬ 
führer wurde Herr B r ü d er 1 i n und als Vereins-Syndikus Herr 
Rechtsanwalt Dr. K i r s ch b au m dunh Akklamation wiederge¬ 
wählt. In den Beirat des Vereins wurde an Stelle des aus 
Gesundheitsrücksichten ausscheidenden Herrn Friedrich Herr 
Direktor Rülhnik gewählt. Im übrigen erfolgte die Wieder¬ 
wahl des Beirats. 

Der Stettiner Verkehrs-Verein 

übersendet un.s seinen Jahresbericht für das Vereinsjahr igii. 
Der Stettiner Bericht dürfte in mehrfacher Hinsicht besondere 
Beachtung verdienen. Zunächst weicht die Ausstattung von 
der sonst allgemein üblichen Drucklegung der Jahresberichte 
in vorteilhafter Weise ab. Die überaus gefällige Druckform 
ist durch einfachen, aber künstlerischen Buchschmuck und 
Strichzeichnungen belebt, die auf dem rauhen Werkdruck¬ 
papier vorteilhaft wirken. Auch inhaltlich ist der Stettiner 
Jahresbericht von einer namentlich die Verkehrspolitiker an¬ 
genehm berührenden Frische. Als Einleitung enthält der Bericht 
eine treffliche Plauderei von L. Rosenberg, die una 
einen kurzen Besuch aut dem Stettiner Verkehrsbureau und dessen 
Tätigkeit in launiger Weise schildert. — Aus dem Jahresbericht 
ist zu erwähnen, dass als Nachfolger des Herrn Regierungs¬ 
baumeisters Wechselmann, der den Verein mit begründet 
und vier Jahre geleitet hat, Herr Oberst z. D. The lemann 
den Vorsitz übernommen hat. Die Mitgliederzahl beträgt 1084 
(gegen 901 im Vorjahr) eine für Stettin (246000 Einwohner) 
verhältnismässig hohe Zahl. Der Verein veranstaltete im 
letzten Jahre eine sehr umfangreiche Reklame, zu welchem 
Zwecke ihm von der Stadt ein besonderer Zuschuss von 
2000 Mk. bewilligt wurde. Unter den Propagandaarbeiten 
erwähnt der Bericht an erster Stelle die Sondernummer 
Stettin der Bundeszeiischrift „Deutschland“, wie auch die für 
Stettin und die 0 :>tseebäder geleistete Propaganda in der 
A m e r i k a - N u m m e r und in der Ostsee-Nummer der 
„Deutschland“. Ausserdem wurde eine ausgedehnte Reklame 
durch die Herausgabe von Führern, Prospekten mit Plänen des 
Industriegeländes, Lichibilderserien usw. entfaltet. — In hervor¬ 
ragendem Masse war der Stettiner Verkehrs-Verein auch sn 









der Gründung des Verkehrs-Verbandes für Pommern 
und die Insel Rügen beteiligt, dessen Leitung Stettin über¬ 
nommen hat. Die Einnahmen beliefen sich einschliesslich des 
Zuschusses der Stadt auf 12953 Mk. Der Bestand betrug am 
31. Dezember 4507 Mk. 

Am 29. Februar fand die diesjährige Hauptversamm¬ 
lung des Verkehrs-Vereins statt, die der Vorsitzende, Herr 
Oberst z. D. Thelemann, eröffnele. Vor Eintritt in die 
Tagesordnung wurden die vom Verein zu Reklamezwecken an¬ 
geschafften Lichtbilder vorgeführt, die grossen Beifall 
fanden. Der Jahresbericht — dessen .geschmackvolle Ausstattung 
vorstehend von uns besonders erwähnt wird — und der Kassen¬ 
bericht wurden genehmigt und dem Vorstande Entlastung erteilt. 
Der Vorsitzende wies noch darauf hin, dass im Jahresbericht 
irrtümlich der Fremdenverkehr Stettins mit 76 144 statt 82 144 P.2r- 
sonen angegeben ist. Die Zunahme des Fremdenverkehrs gegen 
das Vorjahr erklärt sich durch mehrere grosse Kongresse sowie 
durch die Kaiserparade im August vorigen Jahres. Die aus dem 
Verwaltungsausschuss ausscheidenden Herren wurden bis aut 
Herrn Gustav Lüth, der aus Gesundheitsrücksichten auf eine 
Wiederwahl verzichtet hatte, einstimmig wiedergewählt. Zum 
Schluss machte der Vorsitzende die Mitteilung, dass der Mitglieder¬ 
bestand seit Druck des Jahresberichts um etwa 50 Personen 
gewachsen ist. Der Vorschlag, jedem Mitgliede mit dem 
Jahresbericht zwei Werbekarten zuzusenden, hat dieses 
erfreuliche Ergebnis gezeitigt. Der Vorsitzende schloss die 
Versammlung mit dem Wunsche, dass alle Mitglieder dem 
Beispiel der wenigen, die bisher eifrige Werbearbeit geleistet 
haben, folgen möchten. 


DerFremden-VerkehrsvereinMünchen hat bisher 
von der Stadtgemeinde einen Zuschuss von 3700 Mk. erhalten. 
Der Bitte des Vereins entsprechend, wurde der Zuschuss vom 
Magistrat auf 6000 Mk erhöht, wovon 5000 Mk. aus dem ordent¬ 
lichen Etat und 1000 Mk. aus der Reserve genommen werden. 

Der Verein zur Förderung Dresdens und des 
Fremdenverkehrs hatte kürzlich im Künstlerhause einen 
Vortragsabend mit Lichtbildern veranstaltet, der sich eines 
starken Besuches erfreuen konnte. An Stelle des verhinderten 
Vorsitzenden Hofrat Behrens begrüsste Hoflieferant Müller die 
Versammlung. Lehrer Bernhard Milde hielt dann den Vortrag 
über das westliche Erzgebirge, Vogtland und die Lausitz und 
Wanderungen durch das östliche Erzgebirge. Die Lichtbilder, 
die den Vortrag illustrierten, stammten aus dem Wettbewerb, 
der für die vorjährige Reiseausstellung in Berlin veranstaltet 
worden war und eine Fülle von Bildern ergeben hatte, die in 
künstlerischer Beziehung weit über den Durchschnitt des sonst 
bei ähnlichen Veranstaltungen Gebotenen hinausragten. 

Der Verkehrs-Verein Bochum hat beschlossen, einen 
eigenen Sekretär anzustellen und hatDr.Deilmann dafür gewonnen. 

In der Budgetkommission desReichstages teilte 
Minister Exzellenz vonBreitenbach mit, die Einnahmen der 
Eisenbahnen im Jahre 1911 würden voraussichtlich 10 Millionen 
Mark mehr, insgesamt 37 Millionen Mark Ueberschuss 
bringen, als der Etat vorsehe. 

Förderung des Reiseverkehrs. Die Preussisch- 
Hessischen Staatseisenbahnen sind nunmehr ebenfalls 
dem Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau 


ZoamineDsMug det Sdinellzipldiiip zwisdniD Breslou und Ulen (lidaped). 

Xacli dem F.'ihrj)Ian vom 1. Oktober IHll. Zusammengestellt von der Ivoiiigl. Hiseiibaliiidirektioii 


dres/oL 


Wilden - 
^jCn\/\/err. 


/^/'//p/*v o/d(* 


ßr u nn 
0 - 



Op^e/n 

b ^onc/rzjn 

ö Rotfbor 
h OderSer^ 


rS/ //r/n 

6 /^uf/e/r 


Can srr/tc/or^ 


Wien d 


Ab Od( rberg Persouenzug. i? 

b) über iiilatx. 


0 o/on fo 


a) über Otlerbc^rÄ. 


Budapest 

l-{uda])e.st Odor borg -Rre^ 
V lOittek Odorberg 


Brcfslau Hbf. 

ab 

fjlU 

212 

430 

l(l*)0 

) 208 

Brieg. 


052 

•jöd» 

517 


1 

0})peln . 


735 

.82*5 

561 

in*) 

PLi 

Kaudrzin. 

„ 

ri3«J 

.pio 

848 

1147 

150 

Hatibor. 


1)13 

434 

727 

1-_I5 

218 

Oderborg. 

an 

<)37 


765 

1230 

2^ 

. 

ab 

loo« 

520 


118 

827 

Prerau . 


121» 

706 

1112 

.800 

511 

Wioii Ndbf. 

an 

:;2ü 

9^ 

5 (»2 

820 

810 

()derberg. 

an 

937 

• 1.55 


1 231» 

210 

. 

ab 

952 

■*•540 

— 

120 

817 

Silleiii . 


PJ20 

925 

- 

861 

.511 

(Ruttek). 


— 


— 


(;2o 

(ialaiila . 


B51 

2*)i 


712 

— 

BndapeNt. 

an 


910 


940 

1260 

Bndapc^Mt . 

ab 

ijSÜ» ■ 

705 

1220 

800 

850 

(ialanta. 



9')5 

251 


917 

Ruttek. 


— 


-- 

yj)^ 

— 

Sillein. 


()27 

•;-220 

814 

1 

12|W 

Oderborg. 

an 

920 

4.57 , 

S^O 

1240 i 

2^ 

. 

ab 

953 

1 




BroMlau Hbf. 

an 

216 

1 

1 




Wien Ndbf. 

ab 

740 

1206 

;.>;)5 

' Ti6 

9W 

Prerau. 

,, 

1033 

835 

8M 

lOM 

120 

Odorborg .... 

au 

120*5 

527 

8Ü i 

i 12^ 

2^ 

. 

ab 

1220 

*010 

900 

105 1 

820 

Ratibor. 


1263 

()62 

920 

1 1 

8^ 

Kaudrzin. 

n 

12-1 

752 

1001 

IM 1 

4 ^ 

Op})elii. 


200 

Hil 

1030 

! 

4M 

Brieg. 

M 

230 


1111 

; 

520 

Brest an Hbf. 

an 

810 

1030 

1148 

8^ 

568 

[^ersoiienzug. f Silloiii 

-Od( 

3rberg Per 

souei 

iZUg. 



Breslau Hbf. 

. ab 

IdOl 


Wien Stsbf. . 

. ab 

715 

Streblvn 


lOO.") 


Brünn . . 

• M 

I(|2i) 

('amenz .... 

. „ 

1113 


\Vild('ns(di wert 

• 

I 248 

(Hatz Ill)f. . . 

. 

1140 


Mittelwaldc . . 

. an 

144 

Miltolwaldo . . 

. an 

1230 


Mittelwnbb* . . 

. al) 

200 

Mittcdwalde . . 

. ab 

1241* 


(Hatz Hbf. . . 

, „ 

248 

W'ibb'iiscliwert 


‘211 


PailKMlZ . . . 

• t' 

811 

Brünn .... 

V 

410 


Strelilen . . . 

• 

8-17 

Wien Stsbf 

an 

710 


Breslan Hbf. 

. an 

420 


Porsonenzug. 

Fahrpreise für Scliiiellzüge. 

I , IJ 111 

Breslau — Wien über Oderbcu'g 44.70 M. 28.— M. 17.80 M. 
„ „ „ Mittcdwalde 40.20 „ 25.20 „ 15.1)0 „ 

Breslau-- Huda])est.41 ).80 ,, öo.bo „*17.10 ,, 

* Aul' <U‘n länifiii der Ki?!. l'ngarischea Stautsbahnen Personenzug. 
































NT !■• 




-,■, -; -- -- r.. ,yi.- .K | | i HJ, ^ ^| l I -r.. - ■ r' 


766 DEUTSCHLAND nE^^^seeeceoe e e ecoeeoe e e ea Nr. 15 


in Berlin, Unter den Linden 14, beigetreten und haben einen 
Beamten in dasselbe abgeordnet. Im öffentlichen Verkehrs¬ 
bureau, das bekanntlich kein Erwerbsunternehmen ist, sondern 
ausschliesslich der Hebung, Förderung und Belebung des 
Reiseverkehrs dient, sind nunmehr sämtliche deutschen 
Staatsbahnen und die Schweiz offiziell vertreten. Es 
wird daselbst durch Beamte der verschiedenen Verwaltungen 
kostenlos mündlich und schriftlich Auskunft über alle Verkehrs¬ 
angelegenheiten sowie über Unterkunft, Verpflegung, Sport usw. 
erteilt. Prospekte, Führer, Broschüren usw. und sonstiges 
Propagandamaterial sind ebenfalls kostenfrei erhältlich. ~ (Die 
Verkehrs-Vereine in dem Gebiete der Preussisch-Hessischen 
Staatseisenbahnen machen wir auf diese günstige Propaganda¬ 
gelegenbeit der Reichshauptstadt besonders aufmerksam. Die Red.) 

Die Hamburg-Amerika Linie gibt die Zahl der 
Fremden bekannt, die im Jahre ign beim Besuche Hamburgs 
auch das eine oder andere ihrer grossen und prächtigen Ozean¬ 
schiffe besichtigt haben. Es geht aus dieser Zahl, die 
sich auf 113539 Personen beläuft, hervor, wie lebhaft das 
Interesse an der deutschen Seeschiffahrt geworden ist. Im 
Jahre igoo zählte die Hamburg-Amerika Linie erst 4g6gg Be¬ 
sucher ihrer Schiffe im Hamburger Hafen. Die Zahl hat sich 
also mehr als verdoppelt. Unter den Besuchern befanden sich 
zahlreiche Vereine, Korporationen und Reisegesellschaften, zu 
deren Hamburger Programm eine Besichtigung von Hapag- 
schiffen zu gehören pflegt. 


Eisenbahnwesen. 

Die Eisenbahnverbindung im und mit dem Harz 
wird am i. Mai erheblich verbessert. FUr das Inkrafttreten des 
Sommerfahrplans ist die Eröffnung der neuen direkten Specke 
von Harzburg nach Ocker in Aussicht genommen. Man braucht 
dann nicht mehr den Umweg über Vienenburg zu machen. 
Der neue Weg wird auch für die Verbesserung der Fernver¬ 
bindungen nach dem Harz benutzt werden. So wird u. a. ein 
neuer Eilzug von Seesen nach Harzburg und zurück eingerichtet. 
Es wird dadurch eine neue ausgezeichnete Verbindung von 
Cassel nach Harzburg hergestellt, die Vienenburg nicht benihrt. 
Man kommt nach Harzburg gegen 10 Uhr vormittags und fährt 
von dort nach 9 Uhr abends wieder ab. Ueber die neue Strecke 
sollen ferner auch die Züge Goslar — Wernigerode gefülirt 
werden, die zum Teil bis Halberstadt durchgeführt werden. 
Endlich wird eine durchgehende Schnellzugverbindung von 
Köln nach Harzburg eingerichtet. Es werden dazu die über 
den Harz laufenden Berliner D-ZÜge über Kreiensen benutzt. 
Von den beiden Zügen geht der eine von Köln 8.36 Uhr, 
während der andere dort 10.14 Uhr abends ankommt. Es werden 
durchlaufende D-Zugwagen aller drei Klassen Köln—Harzburg 
eingestellt. 

Berlin — London in neunzehn Stunden. Der neue 
Sommerfahrplan, der am i. Mai in Gültigkeit tritt, wird im 
Eisenbahnverkehr Berlin —London auf der Route via Hoek van 


Durchgehende Zugverbindungen zwischen Berlin u.B^arf8elia.ii* 

(Zusammengestellt von der Königl. Eisenbahndirektion Posen.) 



Berlin—Warschau. 


Berlin Friedr. 

ab 

3ü6 

715 

1124 

ßerliu Friedr. . 

ab 


732 

942 

226 11 on 

Berlin Friedr. . 

ab 

1160 

8S6 

Berlin Friedr. . 

ab 


TT06 

Schneidemühl 

» 

711 

1106 

322 

Frankfurt(Oder) „ 


<)03 

1107 

368|l232 

Frankfurt(Oder) „ 

no 

1007 

Frankfurf (Oder),, 

110» 

128* 

Bromberg . . 

n 

822 

1220 

448 

Posen .... 

an 


1127 

151 

6^ 

30 J 

Sagan .... 

an 

253 

1149 

Posen .... 

an 


301 

Thorn . . . 

an 

952 

102 

534 


ab 

toi 132 

150 

70a 

300 

„ .... 

ab 

300 

1166 


ab 

16« 

380 

M ... 

ab 

1002 

112 

566 

Hohensalza 

ab 

« 

— 

336 

844 

451 

Lissa (Posen) . 


430 

147 

Jarotsohin . . 


so“ 

466 

Alexandrowo 

au 

L043 


616 

Thorn .... 

an 


129 

404 

913 

628 

Krotoschin 


587 

351 

Ostrowo . . . 

an 


567 


ab 

1161 

.SM 

751 


ab 


135 

420 

1002 

666 

Ostrowo . . . 

an 

604 

417 


ab 

48* 

eio 

Warschauwien.Bf.*an 

616 

706 

1221 

Alexandrowo 

an 

3 

162 

463 

1013 

615 


ab 

610 

42s 

Skalmierzyce 


44« 

6«3 






7J 

ab 


232 

666 

1161 

751 

Skalmierzyce . 


633 

445 

Kalisch . . . 

an 

46« 

648 






Warschauwion.Bf. 

*an 


613 

1126 

61'i 

1221 

Kaliscb . . . 

an 

643 

465 

... 

ab 

606 

808 











1 


1? ... 

ab 

808 

606 

Lodz .... 

ab 

986 

1087 










1 



Lodz ... 

ab 

1037 

Ank. 

WarschauIEäTBf. 

*an 

— 

118 










1 



•Warschau Kai. Bf.^ 

* an 

118 

926 






Warschau—Berlin. 









Nur Sonnabds. 

Warschau Kai. Bf.« 

ab 

_ 

246 

Warschau Kal. Bf, 

*ab 

245 

— 

Warschauwien Bf.*ab 

831 

411 

10 ^ 

WarSChaUWien.Bf. 

ab 

641 

1121 

411 

Lodz .... 


731 

649 

Lodz . . . 


649 

781 

Alexandrowo 

an 

231 

851 

3^ 

Alerandrowo 

an 

1036 

800 

861 

Kalisch . . . 

an 

1046 

809 

Kaliscb . . . 

an 

809 

10*6 


ab 

350 

1016 

410 


abiisi 

349 

1016 


ab 

1163 

9^ 


ab 

989 

116S 

Thorn . . . 

an 

512 

um 

487 

Thorn .... 

an 

1166 

413 

lOH 

Skalmierzyce 

an 

1208 

939 

Skalmierzyce 

an 

939 

1203 

„ .... 

ab 

635 

1134 

521 

M .... 

ab 

1238 

4.46 

11 00 


ab 

1248 

10»4 


ab 

10*4 

12« 

Bromberg 


631 

1236 

617 

Hohensalza 


126 

— 

1216 

Ostrowo . . . 

an 

106 

1042 

Ostrowo . . . 

an 

1042 

106 

Schneidemühl 


806 

210 

736 

Posen .... 

an 

312 

648 

168 

„ 

ab 

110 

1048 

„ 

ab 

1100 

116 

Berlin Friedr. 

an 

1207 

616 

1126 

,, . . 

ab 

3*0 

6^ 

206 

Krotoschin 


146 

1125 

Jarotschin . . 


1210 

169 






Frankfurt (Oder) ,, 

607 

930 

439 

Lissa (Posen) . 

an 

340 

1224 

Posen . . . 

an 

11! 

259 






Berlin Friedr. 

au 

727 

lOM 

606 


ab 

402 

1229 

.... 

ab 

206 

3*0 











Sagan .... 

an 

6W 

166 

Frankfurt (Oder) „ 

438 

607 











,, .... 

ab 

68« 

204 

Berlin Friedr, 

an 

606 

7*7 











Frankfurt (Oder) „ 

709 

863 















Berlin Friedr. 

an 

884 

• 626 






*) Mitteleuropäische Zeit. 













Nr. 15 DEUTSCHLAND 767 


Holland eine grosse Beschleunigung bringen, deren Zeitersparnis 
sich auf eine Stunde und 25 Minuten beläuft. Reisende, die den 
Bahnhof Friedrichstrasse um i Uhr 5 Min. mittags verlassen, 
treffen schon um 8 Uhr morgens am nächsten Tage auf der 
Londoner Liverpool-Street-Station ein. Der Turbinendampfer 
verlässt Hoek van Holland um 11 Uhr 20 Min. nachts, so dass 
die Kanalpassage gute Schlafgelegerheit an Bord bietet, während 
das Frühstück auf der Strecke Parkeston—London bequem 
eingenommen werden kann. Auch für Hamburg, das der 
Anschlusszug an den Kanaldampfer um 2 Uhr 28 Min. nach¬ 
mittags verlässt, wird der neue Fahrplan ebenso wie für die 
Rückreise London —Berlin eine sehr beschleunigte Verbindung 
bedeuten. 

Verbesserung des Verkehrs nach den Mecklen- 
burger Ostseebädern. In der Zeit vom i. Juli bis zum 
20. August soll ein neues Eilzußpaar auf der Strecke Leipzig 
— Halle — Magdeburg— Wittenberge — Ludwigslust — 
Warnemünde und Doberan verkehren. Abfahrt von Leipzig 
8.15 vorm., an Warnemünde 2.52 und Doberan 3.16 nachm.; 
Rückfahrt von Doberan 9.50, von Warnemünde 10.05 vorm., an. 
Leipzig 5.01 nachm. - 

Unterhaltsame amtliche Eisenbahnlektüre. 
Ueber die probeweise Auslegung unserer Zeitschrift „Deuts ch- 
1 a n d“ in D-Zügen schreibt die „K öl n. Volkszeitung“: „Ver¬ 
suchsweise ist in den D-Zügen, die zwischen Berlin und Köln 
sowie zwischen Berlin und Dresden verkehren, zur Benutzung 
durch die Reisenden die Bundeszeitschrift „Deutschland“ des 
Bundes Deuts ch er Verkehrs-Vereine in ent¬ 
sprechenden Mappen aufgelegt worden. Die beiden Strecken 
sind augenscheinlich zunächst gewählt worden, weil auf ihnen 
auch ein starker internationaler Verkehr herrscht — man denke 
nur an die Vorliebe der Engländer und Amerikaner (siehe 
Roosevelts Jugend!) für Dresden, von dem westöstlich und 
umgekehrt flutenden Fremdenstrom nicht zu reden. So kommt 
die Bedeutung der Zeitschrift .»Deutschland“ als Werbeschrift 
zu erweiterter Geltung bei deutschen und ausländischen Fahr¬ 
gästen, auf die sie durch die Allseitigkeit ihres sachlichen Teils 
wie auch durch ihre gediegene und künstlerische Ausstattung 
fesselnd wirken muss. Das Interesse der preussischen Eisen¬ 
bahnverwaltung für dieses Unternehmen ist in der Erkenntnis 
begründet, dass die neuerdings von ihrer Seite eingeleitete 
systematische Reisepropaganda in der Zeitschrift der Verkehrs- 
Vereine eine der stärksten Stützen hat. Da nicht zu bezweifeln 
ist, dass sich die Aufmerksamkeit der Reisenden dem jetzt 
gemachten Versuch in starkem Masse zuwenden wird, dürfte 
der Versuch bald auch auf weitere Strecken ausgedehnt werden, 
wie Köln—Basel, Berlin—München und Köln—München. 

Schiffahrt. 

*^Die volkswirtschaftliche Bedeutung eines modernen 
Dampfers. Der Verwaltungsrat des Oesterreichischen Lloyd, 
Abgeordneter Leopold Frhr. v. Chlumecky, hat im Herbst des 
vorigen Jahres eine Reise nach Deutschland unternommen, auf 
welcher er die Schiffahrtsverhältnisse Deutschlands studierte. 
In der von ihm herausgegebenen „Oesterreichischen Rund¬ 
schau“ veröffentlicht er nun einen Aufsatz über die Hamburg- 
Amerika Linie und schildert u. a. die neuen Riesendampfer 
der Hapag, die demnächst fertiggestellt werden sollen. Er 
sagt über sie: „Sie sind ein typischer Hinweis auf die kolossalen 
Werte, welche durch die Schiffahrt und den Schiffbau geschaffen 
und umgesetzt werden. Interessant wäre es, den 90 Millionen 
zu folgen, welche die Hamburg-Amerika Linie dem Vulkan und 
der Werft von Blohm und Voss für die drei Dampfer zu 
zahlen hat; festzustellen, durch welch weitverzweigte Kanäle 
diese Gelder fluten, wieviel weitab vom Meere liegende Gebiete 
von ihnen befruchtet werden, wieviel tausend Arbeiter, die noch 
nie das Brausen des Meeres vernommen haben, durch diesen 
Drang nach Beherrschung des Weltmeeres zur Arbeit und Ver¬ 
dienst gelangen. Noch ist diese Art der volkswirtschaftlichen 
Bedeutung der Marine nicht gewürdigt, noch ist die National¬ 
ökonomie der Seeschiffahrt nicht geschrieben worden. Und 
doch sollte es die Phantasie reizen, all den Zusammenhängen 
nachzuforschen, die ungezählten Erwerbsgelegenheiten festzu¬ 
stellen, die das Binnenland, die Industrie, Bergwerke, Bahnen 
und Kanäle, landwirtschaftliche und gewerbliche Betriebe und 
viele, viel mehr der Handelsschiffahrt verdanken. Dabei ist 
noch gar nicht an die grosse Zahl jener gedacht, welche durch 
direkte Verwendung bei den Schiffrihrtsunternehmungen ihren 
Verdienst finden. Die Hapag allein beschäftigte im Anfang 
des Jahres 1911 23500 Beamte, Seeleute und Arbeiter, sowie 
etwa 5500 Passage- und Frachtagenten. Und welche Summen 
durch diesen Betrieb ins Rollen kommen, das kann man er¬ 
messen, wenn man erfährt, dass im Jahre 1910 154500 Waggons 
Kohle zu einem Preis von 26 Millionen Mk. verfeuert, dass im 
selben Jahre an Bord der Hapagschiffe, um nur einige Ziffern 


herauszugreifen, 11,8 Millionen Pfd. Erdäpfel, 7,5 Millionen Pfd. 
Fleisch, 7,1 Millionen Pfd. Mehl, 4,5 Millionen Stück Eier und 
1,5 Milionen Liter Bier konsumiert wurden. Wenn wir uns 
dann daran erinnern, dass die Hapag in den letzten 25 Jahren 
über 76 Millionen Kubikmeter Güter und 4,7 Millionen Menschen 
befördert, dass sie im Verein mit dem Bremer Lloyd dem 
Deutschen Reiche die Einkaufs- und Absatzmärkte der ganzen 
Welt erschlossen hat, dann werden wir uns sagen müssen, 
dass ein Unternehmen wie dieses längst aus der privatwirt¬ 
schaftlichen Bedeutung herausgewachsen und zu einem volks¬ 
wirtschaftlichen Faktor geworden ist.“ 

Vom Schnelldampferverkehr des Norddeutschen 
Lloyd. Seit die Epoche der neuen Schnelldampfer des Nord¬ 
deutschen Lloyd durch den „Kaiser Wilhelm der Grosse“ im 
Jahre 1897 eingeleitet worden ist, hat die stattliche Flotte dieser 
vier Dampfer einen steigenden Personenverkehr aufzuweisen. 
Unausgesetzt ist der Norddeutsche Lloyd bemüht gewesen, diese* 
Schiffe nicht nur durch tadellose Instandhaltung, sondern auch 
durch zeitgemässe Neuerungen ganz auf der Höhe der Ansprüche 
zu erhallen. Naturgemäss waren Industrie und Technik im 
Erbauungsjahr des „Kaiser Wilhelm der Grosse“ noch nicht 
so weit vorgeschritten wie zehn Jahre später beim Bau der 
„Kronprinzessin Cecilie“ und so sind fortgesetzt grössere oder 
kleinere Aenderungen vorgenommen worden, die dazu angetan 
sind, nicht nur das Stammpublikum den Schiffen zu erhalten, 
sondern noch jährlich neues zu gewinnen. Hatte schon das 
letzte Jahr dem „Kaiser Wilhelm II.“ und der „Kronprinzessin 
Cecilie“ eine sehr erwünschte Annehmlichkeit durch den Ein¬ 
bau von Schiebefenstern an der Aussenseile des oberen Pro¬ 
menadendecks sowie eine grosse Bequemlichkeit durch die 
Herstellung von Personenaufzügen durch die verschiedenen 
Decks gebracht, so ist auch in diesem letzten Winter ein grosser 
Fortschritt in der Entwicklung eingetreten dadurch, dass die 
Einrichtungen für die Passagiere I. Klasse einer umfassenden 
Modernisierung unterzogen worden sind. Es handelte sich in 
der Hauptsache um die Schaffung grosser Kammern, deren 
Ausstattung dem Geschmack und den Anforderungen der Neuzeit 
entspricht. Dies wurde erzielt durch die Abschaffung der Unter- 
und Oberkojen, an deren Stelle hochmoderne Metallbetten 
Verwendung finden. Die Grösse der Kammern erlaubt es trotzdem 
in den meisten Fällen, auf das beliebte Sofabett nicht verzichten 
zu müssen. Besonderer Wert wurde auch gelegt auf die 
Schaffung grosser bequemer Kleiderschränke. Selbstverständlich 
fehlt am Kopfende des Bettes die beliebte Leselampe nicht. 
Ein den ganzen Boden bedeckender Teppich, moderne Zug¬ 
vorhänge und Gardinen vor den Fenstern, Betten und Türen 
erhöhen den vornehmen Eindruck und die behagliche Eleganz 
solcher prachtvollen Wohnung und geben der gesamten 
Kabinenausstattung das Gepräge eines ganz neuen Schiffes. 
Die Schnelldampferlinie Bremen—New York stellt nach wie vor 
die schnellste Verbindung zwischen Deutschland und den Ver¬ 
einigten Staaten dar. Drei Wochen genügen vollauf zur Hin- 
und Rückfahrt bei achttägigem Aufenthalt in New York oder in 
den von dort mit der Eisenbahn leicht erreichbaren Städten 
der Union. Die Regelmässigkeit und die Pünktlichkeit dieses 
Dampferdienstes sind es in erster Linie, die neben allem Komfort, 
den die Dampfer bieten, und nicht zuletzt auch im Zusammen¬ 
wirken mit der als hervorragend anerkannten Verpflegung der 
Schnelldampferlinie des Norddeutschen Lloyd die grössten 
Sympathien sowohl bei VergnUgungs- als auch bei Geschäfts¬ 
reisenden eingetragen und dauernd befestigt haben. Der regel¬ 
mässige achttägige Verkehr der vier Schnelldampfer des Nord¬ 
deutschen Lloyd, „Kaiser Wilhelm der Grosse“, „Kronprinz 
Wilhelm“, „Kaiser Wilhelm II.“ und „Kronprinzessin Cecelie“ 
wird in diesem Jahre am 16. April durch den „Kaiser Wilhelm II., 
eröffnet werden. 

Neue Kanaldampfer zwischen Ostende und Dover. 
Die belgische Regierung hat bei der Cockerillwerft in Hoboken 
bei Antwerpen wieder zwei Postdampfer für die Linie Ostende — 
Dover in Auftrag gegeben. Es werden, wie die neuen Vor¬ 
gänger, Turbinendampfer sein. Auch diese Dampfer werden wie 
alle anderen dieser Linie mit Anstalten für drahtlose Telegraphie 
versehen. Ihre innere Einrichtung stimmt mit denjenigen des 
„Jan Breydel“ und „Pieter de Coninck“ überein, nur sind sie 
ein wenig kürzer (300 Fuss). Um die Passagiere möglichst 
gegen die Seekrankheit zu schützen, werden in die neuen 
Turbinendampfer Apparate gegen das Rollen nach dem System 
Frahn eingebaut. Das ist auf den sämtlichen Linien, welche 
England mit dem Festlande verbinden, der erste Versuch dieser 
Art, der nach den damit gemachten Erfahrungen einen ent¬ 
schiedenen Vorteil für die Reisenden darstellt. Die Dampfkessel 
sind vom System Babcox-Willcox. Die Maschinen werden den 
Schiffen eine Geschwindigkeit von 24 Knoten geben und also 
die Strecke zwischen Ostende und Dover in 2^2 Stunden bequem 
überfahren. 


rmM 


D^MTSCH LA N D Nr. ts 




D iV iK an aJ v e r k 6 b r i W ischfn ton Feaifei ü^irt ^ iinis; i sh ^ 
twäCJt^T ß atya« V P^V ■ J^br '■iW: ■ l^h.li ':iifeßf' y erkthysiii^trri■ 
;jf*eir Scb^iTe' ; hesvEijitib.^'üff(^'bi:. ’^iiV ■'^indcrTf^S' ';:EiiXii ■ 

.'JfTJim si 1 Ch eitj ^iirni; fßx: deb ■ ;; 

i Sii: G Ji bife jfrÄi; i b it. H b äbti E^T(ijy4!:;i d y bii; 

. .'ietTT F.^t i j n .1 e - -' -., w.te< >ift .; -}ä' i . i*r> ':Sbj^;-.-.-vbn'' - 

:« 3 en laDU-feiTiifjfpij'rt j. Invji-Sii'onfj t i-UHii■ , sEets■ bnU^plt 
■ W I^fiä / • ■ Si? ; --S^ IJrd??. •. d f^rS'^r M:eh>cbe«aUsUviJö^b' s^^t; b Mi Ü) & -. i u 

tn ■■ ■ w'H fM:' ':'’eiü f ‘; ■'Hi(ta■iti;]^■b 4 ^^.■ ‘ iich 

.El 

■■ni.: 

*> 

■m^j:\m. ,.. . .,. ,... . 

MiVärk ■iSrLis^i^^'iet W«l^- 

. y iK ::;ß.-::'F:i ii 'ij 13 t -r • tv. p: j. ■ / A, -.a -Öt?. ,e^ . ^ii.. . Di* -..^ 1 u tl tisv hiaj t: 

,,D^üiistli3An^' ■ ^ .die Hr a 1«4^ r Kt I d e bei 

Äa’p-üfri: ii^^s ^ fi''-'JU' Mititiett.. Mit-, der- Ge^tjeiude 

.it>' ■d'^pTtsi’- ye;tblind.:jri!£e.l«ni5pft. 

Ö ji4f. '■ bl'Ä>c Ü- ■ ■ ;m ti ■. Or li (i'fMUc.ü;/. .4^^^..'0 ^ tbTiie 

iUi A-^iitU?cb 

r dn^J:.■. iy^ Vim- . F-\b?j;'-?r(>d^e-n- '■ tt.n^ ■ 

.^Vürio''e:tv?ra 6 ü. 71 :/A^miidv-. . werdfe?! -.«-pjrcn., ■ JJte- 

J' 4 iijt;'; ö'cmcbipd ^ d^jr;.: tfi^.pbbfi' ■ ib ■ JAsi?h| • Jer 

.Vöri^ite.'/fü.if.'i. #>,:■; 

btii:Xlj*Si.-5ienr. •■ ■- ■ ■■ 

'■:■. '■• • N p.T pk\ e V r-is « b- R u-^k d- i ?-b ■g:^ ; 

- J-tit.iibd'vi'ff ■ ■■. 

^'jitiii^er-. e’ hä . ■ :^n ■. ditt-. Vtf.Teirv& f • Uib-c.: död:'H;füc--.- 

j^?? 4 idrv; fj;,;;, ji:• stüK* t< t n, d li* b *■ f ^ -V »c'ri -T * ^ ii' >id.>';-- M d;-^. 

J w es^;ied »^u' (liefern B^wec^sit iäed:'_ 



■so-Ci ctfcrti: Sir^cker-ieä»'üe^bf OliJ «en b « r sc 

.das- ■ • ji.mWTeisi-.--.-•; -ui (d O *? r( b i ii fk,: .- ■■ eirie. . 

■ y ydtÄ'^^dbt 17 Ul, ■- ria.^^7 .M^i n firt^br- - i^-. ■ W>, • ■ G c:t- '^9 ^, 

;;'i|lil>r1 vöii Miii’f.^tier lir.-fj jVJtA.cien-imd 75 ntji V 

b£v eb; 'iJidfeif''' ■■ a n i:lü:rj.<. i ri ■. 1 ^r>* u f^e i . 5 :.. ■ ’P??' ' -Uj ii . 

i.s« p h b c; ck i . yr>b':.-'iyp diSeb■ eib ^ ■'}Z - 
dJif, j'FT^litfre TA'Ji^rh U^tmbur^! iv^iri^r In 

A d et ^ ,^ t b'-CJ'i-1-f n D ü;^' '14 ü r f Ui d'aü b*b4. 

■yieiteil'ii^e-.Tiyr 'd#- ' ä:'n?i ferdgit^.Mebb' 

Vddi i.' ;■ i>ti '■•,iy’:'iAdi^JV' '■ W d d fit. a 

■ d e 4-:Lu bcr-^---- i j Vji’k;i?- t.i' ii:-. d- t-kJ?.fta:-?t. sf.i«' ■ t- 7 ^t ||sfturi 

, stfli'KJ jii if<S ^ , in ' ü dwr,11dAf’-*. ^41 -, 

. -D' 4ysi■}^^‘■ -Pf^A:-.. MineiiK.,, d.'itf •■bi¥fjtrfnvTti.t 

• .Urtj d; -ft ASt ät 5 i 3 [d^ d AS: F1 ü ^w esffiJ••■ - 4 d ■ Dp Ln.Sf+.f]!-li 3 t^i\t' ■'•ir-U ■ .t H f .d^T'bi ■ 

whi^ !fäei;’*n!»fCfvb-'*' Einrkbidd^" ■ b>b^U;i-;ÜA>f^ 3 i.v 'd'ürTf€fo, 

di«= cf-o* .bi Le^^ä■rr .^i;*^ i>.l «*5 d^u ■ 

. ,^D-».<4 tiij if- b 4^ D s flTt r d'-4/> k'^ d^ir bi dieseci. Ta-ftirtx’ bis ViPjfr.kia^ , 

rjeiibk-iijrjr'ivbTijR-- Der Vere^^’deu ■'^‘Wfrc^.y 


für die in Ausübung ihres Berufs tätigen und ru Scltmdca 
kommen de b detitschen. Flieger m äargeil und bei '!r€>desfiilier£)i 
die Hinterbliebenen zu unterstÜtienv fn eraier L.mje Sollet]» die 
Flieger herüekaichtigt werden, die nicht um des Erwerb® willen 
fticgen, also die Herrenfileger* Dem Verein gehört; ti-r«^f 

Zeppelin Ars. Die ordeiuliche :MitgÜfcdscfaaft : wird beworben 
dürch Ueberweiaung des Jahresbemages von rd^ Mk/»ul; (C«nta 
,,peiti*schef FUeg^rdajtJk“ 9,0: die p^ut^hhÄ Bank;, Berlin^ Depot- 
s i t& Cf iKiäse A t Di’S. pÖn?ift nng iu t Zahl u ü g /or^u fendnr 

Jshresbett.fäge disrcfe: eimnetigs Zahlung: ven is^a ^k. 

S t ■ ■ ^ :' .-MitglLe d er ■ gelten ’ die ■: Speadi fcf 

■ • •■ ■'- '■ jetS^sr . Ar t:- «tteiit beteh.^.' 

,,D©htsc^eni FliegierdanV* V’.)- , 
. s^ö. • Wü Ali ersd bt f-e ^.f.£n.v- -N ^ssauis che • Strasse ' ■ 

Theaterji festliche und sportliche 
Vefan stai tuitgen, Kongresse etc. 

01 ympisch* Ste 1 e i» Leipzig* Eine aJigemeihtf* ^om 
Senat der UniVecsitat einbe^^ athdehtenVftcBattiiÄiiung 

unter dem räe^ Cbi.m sprach sieb eiÄstfeniie; 

Abb^nüpg akademischer OlympisCber Spiele 
in der iEihweihun g des Völker »chlaeht^ 

d t n k Jp ^1 @ ^ITS O fe t oh®f TQi T3. Vor aussi chlb ch fin det di« Fei er 
«lötet äti r L^d Ulfg döi- Un^sVersita x aUf einem der Universität 

der -Mähe des Denkmal® etaii.' 

. ■’d’Jh .'■ ÖesCbJü.'s^ ■' äp^^e n omm eri ^ i o- d er di e ,Üöiverad^ä-t®^ ’ 

wetden, Mittel' 

die: Dürchnihtüdg ditsef Fesrfeier der jgeSami«il d^tsChen 
•SJUijtf>tehst:h^f¥ .zfi- hC^chaff^iO^.;;' • '.-■ ■■^ 

: P f e rd e re Hi p e n t n Bad c hv (Milgetejlt Voe der Amt- 
1 icheA Aüsk ü nftstr Ite 4«r Df<i slsh.; BäiS; l aeben S Caatseisenb gh neu 
im Ipt^irnAUoiiilen VerkChrsbuieaa tn Berlm, Unter 

den Lindin 14 i, 1 m JAbte jfihd^b i4^ ^phen, sUtl r 
M :U n n h e i m j 7. Ufid la. Mali K htl tjr dhei; te* und 19. Mai ; 
B 9 d y n w e 11 e 'iSh : J uit^ Bade ii - B a d e ii; (brosse Woche) 
3 .'; 55 -, , 37,^. ^: 5 .y' ; 5 i-yV ' .hn d x ,- Septem her. A n Preia e a g:«» 

tyngep geßeiv ' ^ Milbetzur Vertcilungr wovon der 
. gr : Tvut. f. iB a dco-r Üf dd.«n en t f^Ut. 

D e r D e c t ^ ch ** i ^ A d h r © r - B u n d e s t a g I 0 B r a ti n - 
ch w e i g. h iin diesem Jahi© werden ve rs chieden e K ongreg s q 
iirt unserer ^^esktc^ii: abgehAUcn. durch die eine grosse Zahl 
w.i^t;tj^^'C O'ästc -.hiaj hti ■ g^-führi w(*rde0i- , Ei-oe de^■f g.rb sä ten 
. V-ffHT 7 ge n ‘ de-r ■ /■' HundA^ti^’/ 4 i^ß 

■ Ho d 1 j h re-7 ihi A f-.ki,, üiA H m d^rr Z et t 'V ö m..- 4y ; .is^ia ■• F,. ■ A.ychttl 

-PCn? Tiiönt^e^ic:|i Hadfahi-eTbund ■gi^höfeby'tttWii^.AÄ-ti'!^ 

1: h^ - ■ Rudfa htcsf ■■■ il^.V^i: Tcniö! d u d KiT-rz pW ah re-r i v aß ♦: ■ • ■■ i Sbr^' 

Mch-t Z ijäÄfiini;eAk!;] a| te. lu: den prun k vol l steh «pörüicben V«r- 
-iiirhplieni,^xu:.'dftAen, ’ uach Tä.u*efttov':i;,^>. di 9 

■ d teh ' 'übd ■ föä.414^1^,?;^ ■ e u^üfii m enstrbtD eh:'' Das' dihsj Jjhri g e 

Rad ir er - B sith auch mt de t ©i nei au«» er - 

oi lile ti U ► < h f biiihe ^ u e "tr©u an habe xi, D s s P r otekio r at 

übift den Hiiud^iri;;tg dct. Heraog-fi^^eiiv übernommen, 

iL Ajwtl .bfA Mati, Hv KtHstia jFerienkursus)^ ver- 

ani*rahet SHidi^uhüns tDautache® Institut für 

AUiälandri L -; UcLiteh Stell;. : Dtutach0 Sprachkiirse; 

z, VorJe^^JAgCi^i dmittjchc Literatur, Philosoph] eif. 

Bfld.ongA-•'''■üÄ 4 '-:-''KrziehungsgeBt'uichteT deutsch© An ün 4 
iEiwJichiuugen ,u^w.:-;; ;i.. Lttte- "und Redeübungen ; .4, BcsiiChti.^ 
gyügen umi AuÄdilgt; 5- Veran^jtaltung©« zur Pflegt dwx 


BERUM 


HRMBÜRQ 



Das Vollendetste auf dem Gebiete der modernen 
Hoteltechnik und des feinen Restaurantwesens, 



























Nr. 15 DEUTSCHLAND 769 


7. - 8. April: In Berlin Verbandstag des Deutschen Schwimm- 
Verbandes. 

X6.-20. Mai: In Danzig Deutscher Verein für Volkshygiene. 
5.-8. Juni: In Leipzig findet die Hauptversammlung des 
Verbandes Deutscher Elektrotechniker statt. 

20. Juni: In Danzig ist ein „Kinderhilfstag“ geplant. Die 
Vorarbeiten hat ein Arbeitsausschuss unter Vorsitz des 
Oberbürgermeisters übernommen. 

25.-28. Juli: In Leipzig Deutscher Führer- und Aerztetag 
der freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz. 

33. Balneologen-Kongress. 

Auf dem am n. März in B e r 1 i n stattgefundenen Balneologen- 
Kongress sprach Dr. Meyer, Kissingen, 

über den Wert der Schülerwanderungen 
hauptsächlich auf Grund der Untersuchungen von Dr. Röder, 
Berlin. Diese Wanderungen von Kindern um die Pubertäts¬ 
jahre herum wirkten ausserordentlich heilsam: sechstägige 
Wanderungen von durchschnittlich 15 Kilometer für die Mädchen, 
20 Kilometer für die Knaben gaben bei in ihrem Ernährungs¬ 
zustand zurückgebliebenen, chlorotischen, mit den Residuen 
alter Rachitis behafteten Kindern einen kolossalen Entwicklungs- 
anstoss. Es wurden ebensolche, in manchen Fällen noch 
bessere Resultate erzielt, als durch mehrwöchentlichen Aufent¬ 
halt in Ferienkolonien. Es handelt sich um eine direkte 
funktionelle Theraphie, von der noch besonders wichtig ist, 
dass ihre Wirkung auf Entwicklung und Gewichtszunahme noch 
mehrere Monate weiter stetig blieb, im Gegensatz zu den 
stationär gehaltenen Kindern, bei denen die Gewichtskurve 
während der Erholungszeit stark anstieg, um sehr kurze Zeit 
darauf wieder abzufallen. Es handelt sich bei den Gewichts¬ 
zunahmen der Wanderkinder, wie auch in der Diskussion betont 
wurde, wohl nicht um einfache Fettmästung, sondern um Zu¬ 
nahme der Muskulatur. Genauere Stoffwechseluntersuchungen 
über diesen Punkt wären jedoch noch erwünscht. — Dr. Bur¬ 
winkel sprach kurz über 

Seekrankheit, 

die er gemäss der einen der vielen Theorien auf eine Blutleere 
des Gehirns zurückführt. Gemäss dieser Theorie gibt er Medi¬ 
kamente, welche die Blutgefässe erweitern und hat mit Nitro¬ 
glyzerin und noch besser mit Amylnitrit ganz eklatante Erfolge 


beobachtet. In der Diskussion wurden noch verschiedene Mittel 
empfohlen, teils gefässerweiternde, teils andere, wie z. B. 
Resorcin, das in Mengen von 0,15 Gramm in Oblaten erst eine 
Stunde vor Abfahrt und dann eine Stunde nach Abfahrt des 
Schiffes, den Ausbruch der Seekrankheit hintanhalten soll. Sehr 
originell ist das Verfahren von Lach mann, Landeck, bei 
bereits ausgebrochener Seekrankheit, das er auf manchen Reisen 
als Schiffsarzt erprobt hat. Er nimmt gewissermassen eine 
Magenspülung vor, indem er den Patienten eine grössere 
Wassermenge trinken lässt. Das Wasser wird ebenso wie 
alles andere ausgebrochen, der Magen aber dadurch so weit 
gereinigt, dass man nun dazu übergehen kann, dem Kranken 
kleine Mengen kalter, ganz trockener Speisen, ohne jedwede 
Flüssigkeit zu geben. Diese werden alsdann fast ausnahmslos 
behalten und die Besserung macht rasche Fortschritte. — Im 
nächsten Jahre wird der Kongress ebenfalls in Berlin als 
selbständige Abteilung des internationalen Kongresses 
für P hysio-Therapie tagen. 

Bäder und Sommerfrischen. 

Bad Elster, das bekannte Sächsische Moor- und Mineralbad^ 
hatte sich in den letzten Jahren eines derart guten Besuches 
zu erfreuen gehabt, dass seine Frequenz, stetig wachsend, von 
8757 im Jahre 1903 auf 16738 im vergangenen Jahre gestiegen 
ist, sich also innerhalb acht Jahren fast verdoppelt hat. Infolge¬ 
dessen hat daher die Bautätigkeit in dem idyllisch gelegenen 
Staatsbade nie ausgeselzt. Auch im vergangenen Jahre sind 
mehrere, mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattete Logis¬ 
häuser gebaut worden, so dass jetzt gegen 2600 Zimmer mit 
über 4000 Belten für die Aufnahme von Fremden zur Ver¬ 
fügung stehen. 

Ausstellungen. 

Fr ühj ahrs ausstellu n g Düsseldorfer Künstler 
Düsseldorf 1912. Zum ersten Male veranstaltet die Düssel¬ 
dorfer Künstlerschaft eine gemeinsame Frühjahrsausstellung im 
Städtischen Kunstpalast, die vom 3. März bis 14. April dauert. In 
dieser Ausstellung bringen die Künstler das Ergebnis der Arbeit 
des Herbstes und Winters zur Ausstellung, gewissermassen die 


JLmnd.U.SVXfMO ist seit Jahrhunderten in Aachen einheimisch. 

Aachen, die Residenz Karls des Großen, die Krönungsstätte deutscher Könige, hatte bereits zur Karolinger Zeit bedeutenden 
Handel. Das Xadelhandwerk ist früln* sclion hi(‘r nachgewiesen. Die Zunft der Nadler liiolt strenge auf den guten Ruf ihrer 
Erz(*ugnis.se, die auf in- und ausländischen Märkten und Messen vertrieben wurden; in diesem bestreben wurde sie nach- 
drücklichst auch von der Obrigkeit d(*r freien Reichsstadt unterstützt. Durch ein ausgebildetes Markenrecht sollte die Qualität der 
Aachener Nadeln besonders gewährleistet werden, denn iKjben der Marke des einzidnen Vertreibers wurde des „Rats Stamp“, der 
Aachener Adler, der Verpackung aufgedruckt. Aachem‘r Na<leln sind heute noch als die besten auf den Weltmärkten geschätzt. 

Der altern Fabrikation: Nähnadeln, später auch Nähniaschinennadeln, sind die jüngsten Zweige durchaus ebenbürtig. 
Ein V(Tdienst der seit Mitte der HOer Jahre des vorigen Jahrhunderts bestehenden Firma J. II. Xobis & Tliinsen. G. m. b. H., 
ist es, von ihren Sonderartikeln: Stahlsteckinuleln, Häkelnadeln, Stahlsicherheitsnadeln, letztere als neue Fabrikationsartikel, 
in Aachen eingeführt zu haben. — Durch n<*uartige, teils selbst kon.struierte Maschinen konnte sie die Herstellung ihrer 
erstklassigen Erzeugnisse sehr vereinfachen. Sie beschäftigt über 300 Arbeiter. Ihre Fabrikmarke — Biene im sechseckigen 


und neben d(*rsolben ihre Wortmarken „Perfecta“ und „Apis“ für Sicherheitsnadeln, Fastrada, Freya, 


Lola, Preci osa für Haarnadeln, sind allerwärts oingeführt. Ihre geschmackvollen Packungen finden dabei uneingeschränktes 
Lob. Auf den von ihr beschickten Ausstellungen: Chicago 1^03, Antwerpen 1894, Paris 1900, Santiago (Chile; 1901, Düssel¬ 
dorf 1902 und zuletzt auf der Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911 erhielt sie erste Preise und Anerkennungen. 

Karl Kolbach, der Verfas.ser des Werkes „Der deutscln» Fleiß“, sagt in seinem Artikel: „Das Nadelgroßgewerbe von 
Aachen“ von einer der Firma J. H. Nobis & Thi.ssen patentierten Maschine: „Eine Maschine aber überragt an wunderbarer 
Zusammensetzung und Geschicklichkeit alle andern. Sie dient zur selbsttätigen Her>tollung von Sicherheitsnadeln“ und 
schließt: „Im Funkenstrom der kroiseinien Steine, im harten Geklapj>er der fallenden Hämmer, im bunten Getriebe rastloser 
Maschinen zeigt sich uns ein so packend(‘S Bild der Gegenwart, daß davor selbst die eindringlichsten Momente der Ver¬ 
gangenheit erblassen.“ 

Nachstehend verzeichnen wir einige der bekanntesten Orig^inoliiiarken 




Stahl= 


fiiji/li Locken-Haarnadel 

lM0Rl% 'IW/S mifabgebogenenKopfund. 
OlgJ unverhieglichenS^erLl^ln, 




der Firma 


J. H. Nobis & Thissen, Q. m. b. H., Nadelfabrik, Aachen. 























Nr. 15 


Ernte der Studienreisen des vorigen Jahres. Den einzelnen 
Gruppen sind Säle angewiesen worden, in denen sie gemeinsam 
ausstellen, so dass diese FrUhjahrsschau einen Ueberblick Uber 
das Kunstschaffen in der rheinischen Künstlerstadt gewährt. 
Die ausstellenden Gruppen sind: Freie Vereinigung Düsseldorfer 
Künstler, Künstlervereinigung 1899, Ausstellerverband, Künstler¬ 
vereinigung 1904, Niederrhein, Bildhauergruppe und Architekten¬ 
gruppe des Vereins zur Veranstaltung von Kunstausstellungen, 
sowie Künstler, die keiner der vorgenannten Gruppen angehören. 
Im ganzen bringt die Ausstellung etwa 500 Werke, die, wie die 
KUnstlerschaft hofft, den Kunstfreunden des Westens zeigen 
soll, dass man in Düsseldorf nicht auf alten Lorbeeren ruht, 
sondern frisch und rüstig vorwärts strebt, und keiner gesunden 
und berechtigten fortschrittlichen Tendenz abhold ist. — Die 
Ausstellung, an deren Spitze wiederum Herr Prof. Emil Pohle 
steht, erfreut sich eines regen Besuches. 

Neue Ausstellungen. Eine grosse Ausstellung des 
deutschen Handwerks, verbunden mit einer Maschinen- 
ausstellung, wird 1914 in Dresden veranstaltet. Der Vor¬ 
stand der Ständigen Ausstellungskommission für die deutsche 
Industrie in Berlin hat sich bereit erklärt, die Ausstellung zu 
fördern. — Ferner wird berichtet, dass das Deutsche Museum 
in Hagen, um das Interesse an der deutschen Arbeit im 
Auslande zu fördern, eine Ausstellung vom gesamten 
deutschen Kunstgewerbe zusammengebracht hat, die im 
kommenden Sommer in den Museen mehrerer nordameri¬ 
kanischer Städte gezeigt werden soll. So wird die Aus¬ 
stellung in New York, Pittsburg, Detroit, St. Louis, 
Chicago und Indianapolis zu sehen sein. Sie umfasst 
der „Werkstatt der Kunst“ zufolge: Moderne Architektur, 
Graphik, Reklamedrucksachen, Künstlerschriften, Bücher, Leder¬ 
arbeiten, Tapeten, Linoleum, Textilien, Keramik, Glas, Metall, 
Elfenbein, Holz und Spielzeug. 

Sonderbund -Ausstellung Cöln 1912. Die Aus¬ 
stellung wird am 26, Mai, dem ersten Pfingsttage, eröffnet und 
bis Ende Oktober dauern. Von Museen und Privatsammlern 
sind bereits eine grosse Reihe bedeutender Werke des Greco, 
von Cczanne, Gauguin und van Gogh für die Ausstellung zu¬ 
gesagt. Dazu kommen Kollektivausstellungen der Sonderbund¬ 
ehrenmitglieder Liebermann und Te Peerdt, ferner von Munch, 
Henri Matisse und Picasso. Von Düsseldorfer Künstlern sind 
eingeladen ausser den Sonderbundgründern Bretz, Clarenbach, 
Deusser, Ophey, Kerschkamp, Kukuk, Jungheim und Carli Sohn, 
von westdeutschen Bildhauern Haller, Kniebe, Hoetger und 
Lehmbruck. Es hat sich unter Vorsitz des Bürgermeisters 
Laue ein Arbeitsausschuss gebildet, der in Verbindung mit der 
Vereinigung „Die Gilde“ die Leitung der kunstgewerblichen 
Abteilung übernimmt. 

Ausstellung von Städte-Plakaten. 

Im Mai d. J. wird in Karlsruhe eine Ausstellung stattfinden, 
die sowohl wegen ihres eigenartigen Charakters als wegen ihres 
aktuellen Interesses auf die besondere Aufmerksamkeit des Publi¬ 
kums rechnen darf. Der Karlsruher Verkehrs-Verein be¬ 
absichtigt, ein neues Plakat anfertigen zu lassen, das im Entwurf 
und in der Ausführung allen Ansprüchen an eine vornehme 
künstlerische Empfehlung der Stadt und ihrer Sehenswürdig¬ 
keiten entsprechen soll. Aus diesem Anlass wird in der städtischen 
Ausstellungshalle eine Ausstellung von Städte-Plakaten ver¬ 
anstaltet werden, die eine möglichst reiche Uebersicht über das 
geben soll, was auf diesem Gebiet heutzutage geliefert wird. 


Bekanntlich ist die Plakatzeichnung in neuerer Zeit auf eine 
hohe Stufe künstlerischer Vollendung gelang^. In allen modernen 
Kulturstaaten haben sich bedeutende künstlerische Kräfte in den 
Dienst dieser Aufgabe gestellt. Gerade die Karlsruher Künstler¬ 
schaft hat an der Hebung der modernen Plakatkunst hervor¬ 
ragenden Anteil genommen, so dass die Ausstellung auch noch 
eine besondere Beziehung zum Karlsruher Kunstleben bekommen 
wird. Ueber 70 Kur- und V er k ehr s-V e reine, Bade¬ 
direktionen und Stadtverwaltungen haben jetat schon 
ihre Beteiligung zugesagt. Eine Künstlerkommission wird für 
das Arrangement der eingesandten Plakate Sorge tragen. So 
verspricht die Ausstellung in jeder Hinsicht eine anregende und „ 
nicht nur vom praktischen, sondern auch vom künstlerischen. 
Standpunkt interessante Veranstaltung zu werden. — Dem , 
gebnis dieser Ausstellung wird man mit Spannung entgegensehen,- 
namentlich in den Kreisen der Verkehrs-Vereine. Ist man 
doch noch vielfach sehr geteilter Meinung über den Wert der. 
Plakat-Reklame. Ein wirklich gutes und auffallendes 
Plakat hat zweifelsohne seinen Wert, aber unter der Fülle von 
Plakaten, die man namentlich an den Bahnhöfen sieht, befinden- 
sich selten besonders auffallende Plakate. Um so mehr vrürde ~ 
es zu begrüssen sein, wenn die Karlsruher Ausstellung neue 
Fingerzeige zur wirkungsvollen Ausgestaltung des Plakatwesens 
bringen würde. 

1912: ln Oberhausen Westdeutsche Gewerbe- und Industrie- 
Ausstellung. 

1912: In Berlin Konsumgenossenschaftliche Ausstellung, geplant 
vom Zentralverband deutscher Konsum-Vereine. 

1912: In F r e i b e r g i. S. Erzgebirgische Ausstellung für Gewerbe, 
Industrie, Bergbau und Landwirtschaft, 
i.—21. April 1912: In Danzig Internationale Ausstellung für 
Amateurphotographen, veranstaltet von der Photographischen 
Gesellschaft in Danzig. 

1. April bis 15. Juni: ln Stuttgart Schwäbische Landes¬ 
ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr, unter dem 
Protektorate des Königs von Württemberg. Veranstalter 
ist die WÜrttembergisch-Hohenzollernsche Vereinigung für 
Fremdenverkehr. 

3.—14. April 1912: In Berlin Aviatische Ausstellung, veranstaltet 
vom Kaiserlichen Automobilklub, vom Kaiserlichen Aeroklub 
und vom Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller. 

9. April bis 10. Juni 1912: In Barcelona Fach-Ausstellung für 
Schulhygiene in Verbindung mit dem Ersten Spanischen 
Kongress für Schulhygiene, 

27. April bis 29. September: In Berlin Grosse Berliner Kunst¬ 
ausstellung. 

Anfang Mai: In Danzig veranstaltet die dortige Malerinnung 
aus Anlass ihres 300jährigen Bestehens eine „Internationale 
Ausstellung bemalter Wohnräume“. 

Ab 6. Juni: Elektrotechnische Ausstellung Leipzig für Haua, 
Gewerbe und Handel. Veranstalter ist die Elektrotechnische 
Vereinigung in Leipzig. Die Dauer der Ausstellung ist auf 
mindestens 4 Wochen berechnet. 

9.-II. Juni 1912: In Harz burg Landwirtschaftliche Wander- 
Ausstellung. 

Juli bis 15. Oktober 1912: In Düsseldorf Städtebau-Ausstellung 
im Kunstpalast. 

5. Oktober 1912 bis 5. Januar 1913: In Paris Exposition de la 
Locomotion A^rienne und Exposition de l'Automobile 
et du Cycle. 


% . e /» «I O/v« tt} tU) »i/i/v/l ii /v/1 §t 4IIII S 




^ ’ /iSW- 

I CLoL^mmr 




Nr. 15 i B o g8 ^p 0o a oa3 « 3 aQ 3 ( ^ pSUTSCHLAND j pa^ j g^^ i ^s^eeaB^j ge eee eo e sm 771 


VA.yVV> 


Einband- Decken 

fiir den L Jahrgang der 
Zeitschrift >,t!^eatMbiahd“^ 

ln Kalikö mit yleif^rarbJgem Äa^dtuck sind mm 

Preise von JIki I 2$ Ffgf^ifür Ver- 

Sand* vo^imsei^v ßeschäftssiölie m be^lelien - 
(Bei portofreier Bltisendtiftg der sÄintliehen 
des JährgÄOges aiJernahmeü wir 
Ätieti das Eiotiioden, Preis for Binbatiddeekö 
und Ehi bio(loh J?Iif ;^Ä^*^0i snzBg'llcli Pof to4 
Bas ausfOhrltni^e Int^ltKTerxel^litilt^ 
zdin i.: Jabrgangr wird K ostön los nach- 
e:eltefen- F a.h 1« nd o d m m. e r k des 1.Jato- 
^aßges werdooT ^^owett der Vorrat reieht^ 
ZVJn Preise yoÜ 40 zuzöglteji Porto, 

; naeJigrellefert, VoHständtgreJahrgängo fertig' 
eingebunden sind tü.m Preis© von 3tK^ i!i,54i, 
^uztigllcth 50 Pfg. fiXv Tmip^ m beadehan* 

OÖSSELDORP 

pgatfeb 444 


ypD, BrÜÄiUl aiis werdett Äüraeit dctitatibe Fliroen für e-iße 
h 4 ^ r^i iiitvdd al« Au, E Sie H'u ijg: von Eiq- und Aus- 
f U:h.r t od IJ i: teh*'’igewörbeu, di« Dcjetub^r igrJf. bis Märji 1913 
io ^driifrlpfiiE.Ataltüuden aoll. Auf Gfund Eesr- 

erÄthtet die \^Ständige AuGSteÜUrigskGrrimisssiön fUr 
die deutsche laduetrio'* Ü ck ha 1 tu n jgc b ote n, 

Deutschlatid und dasi Ausland. 

D e u t ö ch - A m e r I k a tii s ch er N a t i o oii 1 b und. Aua dem 
Bureiätr des Deutsch-Amenkaniscfaed Natiötidtbuiides teilt maTi 
una miii dass dieGe^chSlftasteU^ des Bundes allen Bon des vereinen 
wnd Mitgliedern den Il«ug: unserer Zeiiscbri/t ,,Deutscbl and*^ 
/UT Pöegt vpn Heimatkunde Uad Heimatlkbe acigelegentlitfe 
empfuhleti hkij ^idetiu dlö liDVutachland'^ sei nicht A ur ein e 
Zi e r d e Y'ü r j e4 h Fa tu i: j i e n - und V er eri ti 1i's cti > 
spsid«rn 25 ie bi^ie 4 hch ei.up Füll6 voti Rei tnf d 1S<«ti^an 
Tin d ^Ti V*r) äsaigeiu 1 pf p tma tiouen f ö r E cif s* u :6%ti£i 
und i n De ütsdhia n Gielchaeitig empfiehlt dag Sur&aü dos 
DeutEch - Atperl tatiischen Nati p na 1 b un de a a n eü Inte res ae n ten ip 
Deyi^cMand den Beiug seiu&jt; l&u ndescrr^aus jjM i 11 e j 1 u n g e n*', 
das ä] len Zweigen uöd UPdern i^ani Kostenp^eise 2 ugeht, und 

fÜT das in absehbarer Zed ^ifts Be*ügJ&etelle in Deutschland selbst 
eimtLfichteti beahsiciiiigt wirdi Die .^Mitteilungen*' dea Dedtscli- 
Amerft?anischenH^ööÄibünd^öderVorejtjig:teTi Stasttcn ersehe men 
mp tiaiUcii, seit Anfa ög tgis i n ve rgi ^sj^er tatn F orm at und tnh alt; 
u. a. eulhalten sie eine Eiste aller Beamten usWt- 
Zweige aller Staaten^ denen Über goon Veteine mit ÜbfT 
^wei Millionen Mitgliedern angehöfan. Bia auf weit^ios Wetdou 
die Mitteilungen*^ von dem Burtau de« Deutsch-A men kt wischen 
Hationalbupdes^ 419 WaJnut PbüadeIpbfA piS-r Ü* 


gegen Bitiafendttug Voh ,3 Mfc. afüJÜgUch Porto venattndt. Aach 
das PrntplEoll des letsten NationaJkonvents des BundCT In 
WsshÜngtoti, D. C;. Vom S. bis n. Oktober igti (300 PruefcspifÄn) 
wird von :dw«elbeti Stella gegen EbiSeudUttg von 4 Mk. yentsndti 

:Erfo 1 gfe det dentpoh-belgiacheu Bewegunig^ Dia 
haberi in itirem Kampf um die und 

prfliktiscbe Gleiohsieilutig ihrer Sprache neben dem Fr^na^^siachea 
TiVd FJ ämischcit In den Jet* ten Jahnen ^wei fiehr heeftarkeniWJ^te 
Erfolge ert'ungonH Das neue belgische Mtlicäfgaset^ vPm jiiht e 
fgpg bestimmt, dasÄ Boldaien iii unbestimmtem: Üri&T^h äntlÄ&Bcö 
werden könner, -sobald J^jajswei Dnttel ihrer Ditüstaseit tadellos 
ebledigi und eine Prüfung .fiir den Gr^d eines Gefirlidiep odet 

emee WachiTueistei-a bestan den hAbertv Auf AjttrÄfe 

der Abgeordneten der. Wahlkreise Atel und, VefVier,. die , 
wiegend deutsch “bei gische Eey^karung habbaT ?f?vrd.e ln das 
Ge&etÄ die Bestimmung auflgenpniTneh, dass diea^ Prüfümg in 
rr^ii3fÖM^^her^ flämischer odei doutsebet Sprache Abgelegt werden 
. Afft im Jahre 1910 ein Geseu aingebmeh^ 
deh Emtrttt ln di« OniVe^sititt: für Fl^unen dme Pfürütig in 
. äprochci für Wallopen .ein e ftp lebe, in , fian^Ösiiscber 

lerfdjrdöt Hob; sein sohte, erhoben ‘die dehi^ch eh V Aral 

und Wolkcpraedt hiergegcG tnorgisebao Einspruch, tuid auf den 
Antrag Ahgeordnefep. von Arel^ du. de WiamajEfg -W^rdc 
mlt gr0MehrbMt iu der beIgi^schen Kü-mtatir besicälpssen, 
dass di« Dtutsch-Belgier di* heif. Pt lif ü a g ih ddu tSrtli e f 
Sprache ablegen körtneo. . 

Eme deutsche Jübelf'emr ih SrüsseL ; 
deutiitbe WphlfStigiieits-Gesellschaft Schiller- 
V « rflS.id. fererte■ das■.-Fe^t ilues 5 o jähr*gen Bestehens 
durch «ine feife^tä^he Genetalversamm die im Hochseitssaalc 

■.dea- lföieV'dei -Vd^^ abgehaltcu wurde, im gleichen 

Saal/ in. die Gesellschaft gEgründet wurde. 

13 ! i f' S it itip g ,'w oh n t e?i attfescr dem de 0 tKChen Ge san dtc a vo n 
■■■PlptoW:'' dSr' der Goovemeuj der Provina 

Bcababt uud der Bürgermeister der Siadt Brllaseh. sowie die 
Pfasidettteu der engl isch eu, fr an aösiechen, ostertea bcA» its - 

iie(jisch«n> holiändischezT, achw eiaerischeu ussd luntembürgfscheu 
Wöliitädgkttttaanstatten von Brüssel u^d pelogl^fitj 4 ?cf: 
WobhäUgkeiissnstaUeii Von Paris, Autwerpettl, Lhrtith vmd Geut 
bftiv per B^irgennetster von Srü^sel begrüssto deh SfehUieiyereiji 
iiG 4 b^gJi^fcWünscbte Ihn äu seiueii Erfolgen>,\: Er &agtä u 
( len Bi-foigcD, die der Verein während fteinof ^öiäbrigeh Tätigkm 
eteieU habe, dokumeotieneu : sich dib Vörteü* der i^erfnaulr 
^ctiESG' l^Ässe. 

Ein englischer GrossirtdustrfeÜer übBr 
DeutschlantJs B!üte. 

D«J- b^katmte englische Gjoesibdusificne Si r Po hö r t 
Hadfieldf ilor.ftiihet« Präsident des Eisen- und Stshliuatitute^, 
hat in ©tuem Interview mit 1?‘, W. Wile, dem Körroäpottdanteh 
det Lüiidaner „Daily eintge hn Mund« eines emfluss'^ 

reichen Engländers bedeutsame Erklärungen tlh^r daK ,^Waa 
D^tschlaud braucht'* gemacht. Sir Robert Hadheld ist ^ährend 
seineft Aufenthattoa in Deutschland auch der Oftftt des Kaisers 
gewesen, hat mit führenden PcrsünUchUelteri. des Reg.lecung, 
der Wlssenachaft und der Industrie Fühluog geooromeUr Trnd 
welchen Wert man EeibeTj Beobaubiungeo beilegt acigt «lebt 
darin, dass das bisher nicht besötidera deutsch-freUndUefeft 

LOHddijer Blatt sieiiie AiLi^fÜhtüngen an leitender Stelle wiedet^Jbt- 
„Kein Englai^dej; dfer jei^t nach Dearacbland kommt**, erkMn 
Hadfleid, „kann lange darüber fm Zweifel bleibeo, dass Englsarfd 




s 


K-O-SC' 



E-rv 


GENERAL-VERTRIEB 

der la. Industrie'Kohlen Von Zeciie „Laura Und Vereenij^iag“, 

^ der la. Anthradl'Mager-Kohlen für Hausbrand von Zeche „Carl Friedrich“, 
la. Öraunkohlen-Brlkets. — la. Zechenkoks. 

PAUL THYSSEN, AACHEN 


Büieaii; 

Rütseherstr- 20 


Kohfen-öroßhandlung 

Telephon Nt, 7i7. 


Bahnhof 4ateb 00 *West 











772 


DEUTSCHLAND 1068^^^^^^^60068666666® Nr. 15 


hier in einem schlechten Gerüche steht. Das wird vergehen. 
Aber was bleiben wird, solange nicht wirklich Abhilfe eintritt. 
ist die Ueberzeugung, dass England sich hartnäckig und breit¬ 
spurig Deutschland in den Weg stellt, um seine Aufwärts¬ 
bewegung und seinen Fortschritt zu hemmen. Und dieser Glaube 
wird durch keine englischen Gegenerklärungen beseitigt, keine 
Freundschaftskomitees werden helfen, sondern nur „positive 
Taten“. Und ich sage ohne Zögern, dass eine schwierige 
Lage kommen muss, wenn England nicht die Berechtigung der 
Ansprüche Neudeutschlands anerkennt.“ Sir Robert Hadfield 
übt dann eine herbe Kritik an der bisherigen englischen Politik, 
die in jeder deutschen Unternehmung im Ausland, sei sie nun 
politischer oder industrieller Natur, eine Gefahr für England 
wittert. „Deutschland kann und will nicht ewig in den politischen 
und territorialen Kinderschuhen stecken bleiben, und je eher 
das bei uns anerkannt wird, desto besser ist das tür den Frieden 
der Welt. Fast alle Deutschen, die ich kennen lernte, be¬ 
anspruchen im Grunde ihres Wesens als cnglandtreundlich 
betrachtet zu werden. Und viele glauben mit mir, dass die 
Zukunft, die Entwicklung und das Schicksal der Welt zum 
grossen Teile in den Händen Englands, Deutschlands und 
Amerikas liegt — und da.ss diese drei Nationen Hand in 
Hand miteinander arbeiten sollten, um die Zukunft des Handels, 
der Kultur und der Zivilisation zu sichern. Allein die Ent¬ 
wicklung Chinas, das eine unerschöpfliche Quelle der von Amerika, 
England und Deutschland benötigten RohvStoffe bildet, sollte 
genügen, um die drei Mächte zusammenzuführen.“ Sir Robert 
Hadfield ist auch ein scharfer Gegner jener englischen Wünsche, 
die von Deutschland verlangen, es möge seine KriegsschifT- 
bauten einstellen; die Frage sei nicht nur politischer, sondern 
ökonomischer Natur. „Ich weiss nicht, wie Deutschland sein 
Schiffsbauprogramm aulhallen könnte, ohne einen ökonomischen 
Zusammenbruch herbeizuführen. Gewaltige Kapitalien sind in den 
grossen Werften angelegt, und wenn England von Deutschland 
verlangen würde, seine Werften zu schliessen, so wäre dies 
eine Aufforderung zum industriellen Selbstmord. Deutschlands 
Fortschritt in der Industrie ist etwas wirklich Verwirrendes. Als 
ich das riesige chemisch-physikalische Laboratorim bei Krupp 
sah, das mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen Mark 
errichtet wurde - mitten in einer Fabrik ein wissenschaftliches 
Forschungsin.stitut, wie keine Universität der Welt es besitzt, 
da erkannte ich von neuem, mit welcher Tatkraft Deutschland 
die Wissenschaft in den Dienst der Industrie stellt. Und meine 
Bewunderung wuchs noch, als ich die neue R e i ch s a n s t a 1 1 
in Berlin besichtigte, die allein tür Gehälter vom Staate 
600000 Mk. bezieht, und das Königliche Prüfungsamt in 
Gross-Lichterfelde: beides Institute, die technischen und 
analytischen Versuchen und Forschungen dienen, beides Stätten, 
wo die härtesten Nüsse der Industrie geknackt werden. Es ist 
in diesen Anstalten, den Laboratorien von Essen, Berlin 
und Gross-Lichterfelde, wo Deutschlands II a nd e Is s i e g e 
erkämpft werden. Es ist in dem Geiste der deutschen 
Universitäten und T e ch n i s ch e n H o ch s ch 11 1 e n , wo 
Deuts chlands Stellung auf dem Weltmärkte ge- 
sch affen wir d.“ 

Deutschland und England. Der Vorstand der d e u ts ch- 
britischen Vereinigung in Berlin hat von dem Herzog 
von Argyll, dem Oheim des Königs von England, ein Hand¬ 
schreiben erhalten, in welchem der Herzog lebhaft bedauert, an 
der letzten Generalversammlung der deutsch-britischen Ver¬ 
einigung infolge Verhinderung nicht habe teilnehmen zu können. 
Der Herzog schreibt u. a.: ,,Ich liebe Deutschland nächst meinem 
eigenen Valcrlande am meisten, und die Missverständnisse, 
welche duich die Presse gegangen sind, haben alle diejenigen 
ausserordentlich peinlich berührt, welche ein herzliches Zusammen¬ 
arbeiten beider Nationen wünschen. Dass jede Nation nach 
ihrem eigenen Dafürhalten den Handel, welcher durch die 
Energie ihrer Bürger geschaffen worden ist, in der Weise 
schützen muss, wie sie es für das beste hält, ist eine so offen¬ 


kundige Wahrheit, dass es sehr nutzlos und zum mindesten 
kindisch erscheint, dass irgendein Hader über den Zuwachs 
der Rüstungen, die von jedem Reich als notwendig er¬ 
achtet werden, bestehen soll.“ 


Verschiedenes. 

Die Dampfschiffahrts-Gesellschaft für den 
Nieder- und Mittelrhein hat durch den Tod ihres 
Direktors August Krauss einen schweren Verlust erlitten. Herr 
Krauss hat den Direktorposten lange Jahre bekleidet und wenn 
auch an erster Stelle für die Hebung seiner Gesellschaft ge¬ 
arbeitet, doch auch mit weitem Blick und grosser Sachkunde 
die Hebung des gesamten rheinischen Schiffahrtswesens fördern 
helfen, wozu ihm seine Stellung in der Rheinstrom-Kommission, 
dem Verein zur Wahrung der Rheinschiffahrtsinteressen und 
in der Binnenschiffahrtsgenossenschaft reichliche Gelegenheit 
bot. Auch an der Entwicklung der Verkehrs-Vereine hat Herr 
Krauss lebhaften Anteil genommen. 

Dem Major von Abercron beim Stab des Infanterie- 
Regiments Nr. 16 in Mülheim am Rhein hat die philosophische 
Fakultät der Universität Marburg die Würde eines Dr. phil. 
honoris causa unter dem 5. März verliehen. Herr von Abercron 
ist einer der erfolgreichsten Ballonführer Deutschlands. Er ist 
Mitbegründer und Erster Vorsitzender des Niederrheinischen 
Vereins für Lufischiffahrt. Seinem organisatorischen Talent 
und seiner grossen kauf.nannischen Veranlagung verdankt der 
Verein eine geradezu glänzende Entwicklungsgeschichte. Aber 
weder die^e Verdienste noch seine militärischen Eigenschaften 
und Kenntnisse, die durch eine vierjährige Vorpatentierung 
jüngst eist anerkannt worden sind, haben die Marburger 
philosophische Fakultät zu der so seltenen Auszeichnung be¬ 
wogen, sondern Herrn von Abercrons Verdienste um die wissen¬ 
schaftliche Nutzung der Freiballonfahrten. Major Dr. von Abercron 
hat in Abhandlungen und Vorträgen immer die Idee vertreten, 
dass die Ballonfahrten nicht nur als Sport angesehen werden 
dürften, sondern neben militärischen insbesondere zu wissen¬ 
schaftlichen Zwecken verwandt werden müssten. 

Akademie für kommunale Verwaltung. Zum 
Studiendirektor der Akademie für kommunale Verwaltung in 
Düsseldorf ist der ausserordentliche Professor des öffent¬ 
lichen Rechts an der Universität Greifswald Dr. Edler von 
H o f f ni a n n , ferner zum Professor der Nationalökonomie an 
gleicher Hochschule und Studiendirektor der Akademischen 
Kurse für allgemeine Fortbildung und Wirtschaftswissenschaften 
der ordentliche Professor an der Technischen Hochschule in Han¬ 
nover Dr. V. Wiese berufen. Das Verzeichnis der Voilesungen, 
Uebungen und Besichtigungen der Akademie tür das Sommer¬ 
semester 1912, d IS am 18. April beginnt und am i8. Juli endigt, ist jetzt 
ei schienen. Das Programm ist eingeteilt in rechts wissenschaft¬ 
liche Vorlesungen, staatswissenschaftliche, verwaltungstechnische 
und andere Vorlesungen ; ferner sind vorgesehen vier Einzel¬ 
vorträge und eine Reihe von Besichtigungen. Das Verzeichnis 
des Lehrkörpers weist 23 Dozenten auf. Die Vorlesungen finden 
im Studiengebäude, Bilkerallee 129 (städtischer Floragarten), statt. 
Das Honorar für sämtliche Vorlesungen, Uebungen und Besichti¬ 
gungen des Semesters als Voll- und Gasthörer beträgt 100 Mk.; 
tür einzelne Vorlesungen als Gasthörer pro Wochenstunde und 
Semester 8 Mk.; für die Einzelvorträge je i Mk. Anmeldungen sind 
möglichst frühzeitig, spätestens jedoch bis zum 15. April xgia zu 
bewirken. Adresse: Geschäftsstelle der Akademie für kommunale 
Verwaltung, Düsseldorf, Rathaus. In d-n Tagen vom a8. Mai 
bis I. Juni wird ein Fortbildungskursus (Kommunal¬ 
woche) stattünden, über den besondere Programme ausgegeben 
werden. Zur Ergänzung der Fach-Vorlesungen an der Aka¬ 
demie für kommunale Verwaltung dienen die gleichzeitig statt¬ 
findenden Vorlesungen der Akademischen Kurse für 
Allgemeine Fortbildung und W i r t s ch a f t s Wissen¬ 
schaften (Studiendirektor: Professor Dr. von Wiese.) 


Photo - Papiere 

allseits bestens enipiblilen. 

ClieiniHclie Fabrik auf* Aktien ( vorm. F. ^^cberiiig;) 

Photographische Abteilung. Clkarlottcnbiiri;. Tegeler Weg 28/38. 


Grand-Prix 
auf der Welt- 
Ausstellung 
Turin 1911. 









Nr. 15 DEUTSCHLAND 773 


Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde. Im 
Isabellensaal des Gürzenichs zu Köln hielt die Gesellschaft für 
Rheinische Geschichtskunde ihre Jahresversammlung ab. 
Voraus ging ih** ein fesselnder und geistvoller Vortrag des 
Bonner Professors der Rechte Dr. Landsberg über das 
französische Recht und die wissenschaftlichen Strömungen. In 
dem vom Vorsitzenden Professor Hansen verlesenen Jahres¬ 
bericht wurde des Ablebens des um die Gestaltung des Histori¬ 
schen Atlas der Rheinprovinz hochverdienten Bonner Professors 
Nissen gedacht; an Mitgliedern verlor die Gesellschaft die 
Professoren Varrentrapp und Schömbach; ferner Direktor 
P. Eschbach und E. Pauls. Von neu eingetretenen Patronen 
der Gesellschaft nennen wir Professor Oeder aus Düsseldorf. 
Der vom Schatzmeister Dr. v. Mallin ckrodt erstattete Jahres¬ 
bericht zeigte eine sehr günstige Vermögenslage der Gesellschaft, 
die freilich auch einen sehr erheblichen Etat zu bewältigen hat. 
Als neues Vorstandsmitglied wurde Geh. Rat Dr. v. Krüger 
zu Eller gewählt. 

Städtische Handels-Hochschule Köln. Das Vor¬ 
lesungsverzeichnis der Handels-Hochschule für das Sommer- 
Semester 1912 ist soeben erschienen. Wie auch in früheren 
Semestern, ist sein Lehrplan auf das reichhaltigste ausgestattet; 
er umfasst im ganzen 166 verschiedene Vorlesungen und 
Uebungen in wöchentlich 291 Stunden. Fast alle Wissens¬ 
gebiete sind hierbei vertreten, an erster Stelle natürlich die 
Hauptdisziplinen: Volkswirtschaftslehre, Privatwirtschaftslehre 
und Rechtslehre. Auf erstere entfallen 30 Vorlesungen in 
50 Stunden, auf die Privatwirtschaftslehre mit den Unter¬ 
abteilungen : Allgemeine Handrlstechnik, Handelstechnik der 
Fabrikbetriebe, der Warenhandelsgeschäfte und der Banken 
20 in 35 Stunden und auf die Rechtslehre 18 in 31 Stunden. 
Aber auch die anderen Disziplinen sind wieder zahlreich 
mit Vorlesungen und Uebungen bedacht worden, so die 
Versicherungswissenschaft und das Genossenschaftswesen mit 
6 Vorlesungen in 8 Stunden, die Geographie, Naturwissen¬ 
schaften und Technik mit 21 in 46 Stunden, der fremd¬ 
sprachliche Unterricht mit 48 in 94, das pädagogisch-didak¬ 
tische Seminar mit 8 in ii Stunden und endlich die all¬ 
gemeinen Geisteswissenschaften mit 15 in 16 Stunden. Die 


fremden Sprachen sind in dem kommenden Semester noch in 
2 Kursen, also auf 15 verschiedene (einschl. Deutsch) erweitert 
worden. So finden wir u. a. chinesische, arabische, persische, 
türkische, neugriechische und indische (spez. hindustani) Sprach¬ 
kurse. Die abendlichen, öffentlichen Vorlesungen bieten allen 
Kreisen der Bevölkerung willkommene Gelegenheit, ihre All¬ 
gemeinbildung zu erweitern und wissenschaftlich zu vertiefen. 
Die Vorlesungen und Uebungen beginnen am 18. April. 

Die industrielle Entwicklung der SUdeifel macht 
gute Fortschritte, Die Schuhfabrikation in Speicher, die 
mit zwanzig Leuten angefangen wurde, hat sich so bewährt 
und die persönliche Geschicklichkeit der Arbeiter beiderlei Ge¬ 
schlechts so schlagend bewiesen, dass dieser Betrieb nunmehr 
zur Vergrösserung schreitet und weitere vierzig bis fünfzig 
heimische Kräfte einstellt. Ferner ist in Bit bürg Grund und 
Boden für die von langer Hand geplante Eifeier Strumpf¬ 
warenfabrik angekauft worden. Nach Mitteilung der orts¬ 
anwesenden Interessenten des neuen Unternehmens aus Köln, 
Chemnitz usw. wird der Fabrikbau baldigst in Angriff genommen 
und dann in Shedstil nach Plänen eines bekannten Kölner 
Spezial-Ingenieurs so rasch durchgefiihrt werden, dass im Juni 
die Betriebseröffnung gedacht ist. Zunächst werden achtzig bis 
hundert männliche und weibliche Arbeiter eingestellt; eine 
Erweiterung ist vorgesehen. Die anfänglich bezweifelte Ver¬ 
anlagung und Neigung des Eifelarbeiters für industrielle Be¬ 
schäftigung ist bereits praktisch bewiesen und der Andrang 
arbeitswilliger Leute lehrt, dass die Urheber der industriellen 
Entwicklung die Situation richtig erfasst haben, wenn sie der 
brachliegenden Menschenkraft Ver wertungsm öglichkeiten 
schaffen und den Fabrikanten diese zahlreichen willigen Kräfte 
nachweisen, 

Propaganda für Industrie-AnsieJlung in Mann¬ 
heim. Ein eindrucksvoller Hinweis auf die Stadt Mannheim 
ist in künstlerischer Ausführung vor kurzem in mehreren führen¬ 
den deutschen Tageszeitungen erschienen. Zum Teil wurde 
hierbei das Rotations-Tiefdruckverfahren angewandt, das auch 
dem Zeitungsdruck die Wiedergabe feiner und feinster Tonwerte 
künstlerischer Entwürfe gestattet. Die wohlgelungene bildliche 
Vorlage zu dieser ganzseitigen Empfehlung, in der das Bürger- 


'tfautafus' 

DOm 2$. BPfH 

mü dem Doppelfc^raubendompfer 

na<^ dem dftHc^'entnütelmeer, 
dem €<f)moc3en meer und 
KauFofus *:• ❖ ❖ 

beginn und <Fnde der in Oenua 

preife pon illotF 800 .- on 

^udPunfi erteilen 

Bremen 

und feine Vertretungen 


Der Harz 

dos schönste SebliSe norddeutschlondsl 

Die ill.Hroßchiirc „Eint Reist dnrch den Harz** kostenfrei von der 
GeBChärtsstelle des Harzer Verkehrs-Verbandes in Wernigerode. 
Sonder-Prospokte von nachstelienden Mitgliedern: 


Alexisbad: Kurveroin 
Altenau: Magistrat 
Altenbrak: Ilarzkliib 
♦Bad Ilarzburg: Herzogliches 
Badekommissariat 
Bad Lauterberg: Badeverw. 
Bad Sachsa: Magistrat 
Bad Thale: Kurverwaltung 
Ballenstedt: Magistrat 
Benneckensteiii: Magistrat 


Grund: Kurkommission 
Hahnenklee-Bockswiese Ge¬ 
meindeverwaltung 
Halberstadt: Magistrat 
Harzgerode: Magistrat 
Herzborg: Verkehrsverein 
♦Hildesheim: Verein z. Hebung 
des Fremdenverkehrs 
Hohegeiss: Gemeindevorw. 

JIsenburg: Kurverwaltung 


Berlin: Zentral-Verwaltung f.. .Jungborn:Verk.-Vor.Eckertal 


Sekundärbahnen 
Bernburg: Magistrat 
Blankenburg; Magistrat 

„ Direktion der 

Halberst. - Blankenburger 
Eisenbahn-Gesellschaft 
Bleicherodo; Magistrat 
Braunlage: Kurverwaltung 
Braunschwoig: Verk. - Verein 
„ Büssing Kraft¬ 

wagenbetrieb G. m. b. 11. 
Brocken: Wintersport-Verein 
Buntenbock; Gemeindeverw. 
Clausthal: Magistrat 
Dreiannen - Hohne: Wintor- 
sport-Veroin 
Elbingerode: Magistrat 
Elend; Harzklub 
Frankenhausen: Verk.-Ver. 
Friedrichsbrunn: Harzklub 
Gernrode: Mngistr.at 
Gnslar: Magistrat 

In Berlin: 


Lautentlial: Magistrat 
it Lerbach: Gemeindeverw. 

strat Nordhausen: Magistrat 

ktion der Nöschenrode: Gemeindeverw. 
kenburger Okertal: Verkehrs-Verein 
Ischaft Romkerhalle 

trat Osterode/Harz; Magistrat 

waltung Quedlinburg; Versch.-Verein 
'k.-Verein Kübeland: Gemeindeverw. 
ing Kraft- Schierke: Kurverwaltung 
. m. b. 11. Seesen: Magistrat 
ort-Verein St. Androasberg; Magistrat 
lindeverw. Stolberg; Verkehrs-Verein 
,t Sudorode: Harzklub 

Winter- Trautmisteiii: Harzklub 

Walkenried: Gemeindeverw. 
itrat Wernigerode: Verkehrsamt 

„ Direktion der 

irk.-Ver. Nordhausen-Wernigeroder 

arzklub Eisenbahn-Gesellschaft 

t Wieda; Gemeindeverw. 

, Zellerfeld: Magistrat 
Harzer Auskunftei in der Gsellius'schen 
Buchhandlung, Mohrenstr.52. — Ausgabe¬ 


stelle d. kostenfr. Broschüre vom Harz u. d. Sonderprospekte. 
Die mit* versoh. Verwaltungen haben in dieser Nummer Soliderinserate. 










774 


DBUTSCHLAND a sieeceDoscoe€«eeeoco^ 


0)3«tisteraJtjt üod V« kehrö -V erein üüf die .B d e ü. t u ri g* 

^aimhtfims für ifltSiislrieile Aneiedlürugfefl ^ufmerk- 
tflÄciietjH Jöftt Luctätit Beiiib^td gcscfc^ffenj d&r htirvflrragecidc 
plakJlk^ris^I^, 0 ^ Btld jBjTflboIisi^rt in pÄckeodei 
WüisÄ die beiden HaUptfAltoreti, deocn Manriheini seine» wtrt* 
v^rdaibklp den Umschlag voo Schiff zü 



S tt fth li g f Ü f die S ch h I h trb e rg:^ n lis d 
Nach ^Iner Mitteilüng Öea ! 

B n T* g a d o r f f Poeosgeia 

ihjeo yeT^tcKrbTen^ Vhter, 
alteb Eifeibttimat atftts mit grössttr ^^icbe ÄUg^nm l!Wj 
EbrenvcJEÄitzetiden li^^s E-ifeUVerfelhfe Heri'ij 




Blshn, ynd die IndnatHeniederlassung in gUnaiigcr Verk*hralagc, reiherrh pon Rhelflkf^henf di?t ^ iJö® 


Bin mächtiger LÄdekran Hckt »eirjep . kraftVflUen Arm weit io 

dit Bild fläch« hirieifi| Äfn Ufer ha^en Eia enbäho wagen, die ihre 
Ltäd^flg cmpfÄflgen häbeh. Data^ben wird ein grossem Rheins 
jütbiff seiner Fracht «fleichtertv Oer impt^sdnte Eindiuck dieses 
Ftachtdampieis wird 4 i 3 reh den Gegensau eine* den H^ifenarm 
die re hk re übenden Schleppers wlrkting^;^.!! gesteigert; im Hinter- 
|Tflnd geben rauchende Fa^ik^^hl^te itundc srdh einer regen 
ttrid rticheolwickelte, ti Den untern Absclüuss 

der wtElc^amen DdTsteÜung bildet sin kuwi'Testti der in wenigen 
MaEinheiiTJSi nir Indus^jHe-'Ansl^^jllungen 
^ N &Vöd nnn auch BdklÄfüftt 

P Q ä t k^rte b herausgegeben WofdaA, die vem Verk’ehrSvV'erfiih 
»n Firmen und Private uhentgdthch verähreithr werdtOi 
Kärt*i wekhc dazru .bie3iimn>t ist, Fropaganda für Rh^sin- 
Neckara thdt nii-d für 1 ndusXrieairsÄedlung: ^tl«chernF ist iin htagn'- 

Ai^tvtypied.Tiick faerge^iKiJt wnirdeti nach der ri^mUijhcn 
die zu t^biger aindrucksvuller 
f!ä^ ® * r ö F rtj p a g ä n diSi Verwendet wurde. Durch den Versand 
Kilfte dankenswerte* WBdie Mannheimer Firmen 

uftd PrivÄvkreiiie anch pjrimiiterhär dajsn bei+ Mannheims indu' 
Empört^fet^en hni! anine glitislijg;* VerkehrAlage in 
Weitestem BahWd,-bekannt‘iu .rttach^ 


Vereins 3000 Mk, lör Vetfüguäg gesteht,: 


Vom S ie be ogebltge, Bin Ungjithriger 
SiebengebirgsfreuQde ist erfOTUr die Adsstebt m4f ^ipie^m 

des D n h T b e r.g e-s Jst frei gelegt, ■ Herr ' Guiahe^jeet 

Miilhens, durch die vielen Wegebau^ und AhsslchtaaüaiajiftiL.t^'^^Ö^^^ 
Siebengebirge bekkntib hat: die betreffenden Waddpanjertr 
die Aussicht vcirdtbktenr ahiibUen lassen,: Nun üriril «s ^ohe' 
dBS VetäCbÖfierungs-VereriiS aein+ dflui lingat verfadlencfl kleitira 
Aussichtstum wiedcfherateilen 3ti Issstn dtid dätuit 
wiedergewöbtiftnen Zwecke voo neuem hwtfbar xu m#c 34 <^ 


Die DBulschc Ges^eilacfesft für 
E ? H o I iä n g ii h e i m e hat in ihrer letzten Pfemai;öiJiLtrtja.g die 
Brrjchthng yoti »wei weiteren Heköent heschJbsi^D,. däven eiire 
Äfi der, Q Si t s e e un d eins im T a 14 n ua. Auch gehen Uii' 
gesÄt umfangreiche Btirtubg^d ütid 




V e tili h a t ii a n n g d e r Ejji n d«dh a d .^rch R e kX-4 m e -:. 

sniätldef, Eine sehr erriebiirche hat* tvfe: die 

,^,K Ö-l-tt: ■ " -b.e-r ichl^t,. ■ der■ ■ RegictiUV^t^pJ.■S^'id*pi •.-''AriiE^berg., 

.gßg eA die Vei'iiG.s.t’fUung .Rekiam «•- :■ 

ich i 1 d c t g c troff en, « h d?™- er die Ah fff ^41 c heb an 

4e h Eisen h ü*. h h 1 ln i • BCät^dfirii r ffjn d Kre üzvjijili ^ 

Erqdtebrilck ihnechalb einer Zn ne Wj?j 3** Steter Buhiv 

.kdTper verboten und die aeaeiügmig dtfr darin bisher 
varhari denen Rck 1 Attics ^.hi\d er ygrgesi^r U bc n ha u Hbiöffthcb; 
wei: den derartige A n ord uüti g eo IS>; rtfcht ;V i^e B W-. 

.tinaerm Vaterland gtlrüffoff -übd es'.d^r durch 

• u,hn Q-tigen und hä&äUchen' A u wiichtj-■ des Rekiivtrie 'befririi: 


.. ^ ■ E i fl'tf.;.;;^J:is u e Z n f a h r t e t _' .p G.- ö t t h s r d, • Öio 

]^fjri^>iiwung der Ran d e n b R ti h^ pdte SfithtS bessere ZtH'shrt yan 
hher. S xum Gbr-tthurd' 

seh^ffei^asio^iT macht rasche Fbrt^bhmUrii Fiir die U^bCTn&hmtt 
; dW: 0 hljg^<¥benisapha 3 ^ im Mälli&äoti Wftknk 

h^t. ffejfijtö. ein BaDkenkonsonium eine Offerte Eia 

SubveptWnsstktieiikapital von 3 MiUiönett soll nöchstena aufige- 
bracht werdep . Er^t hach erf ütgter Finagxiefhng will das lmtiziiv- 
.-kctmit^ie badiBchen Regierung in VerbandJ angen tTeten^ 




D ’u s. S t V o h d: a c. b' i ti d e f . E-i f €: L Dhf ■ Obeip^^siitierd'' der• 
•R^inp.r;n-vXn-^.r -Freihcr-r Rhßhih-nffthi. -öiti sich/saul Gi-uhd-'.'-einer 

Ein-eabe de^ EiteX-V^ereifts. -. il[*r..;vrr-', - 

iiaefcrteu ■ Zu?■:,byrae-uk; n^[ ■ 

jieü'cn Eiüd die |yr ,,dk Rchff>hpfhvtrxr^ 

• er-süi'ht,;, ^d der-’ V^Age- .itv, '■. 


O fe r e r s t €) Zug n a cb d r nx' j ff n g f r rt u J o ch. Ara 
it^ Febfiisr, eine Stunde nach d*m DutebsebJagj fuhr d^Eictrozag 
UiÄcb JungrtffiQnch bis KlioineteT 3 ,Sq* 0er Ttiaocd war 

vhriki&mffjjfth; :b iiUt die letztes 500 Meter bici jitlT 

■•.E.h^5^Ätihh-'--’beii.uttlec Ausbaues* Öer- letzte. BchtiB« 

liir^r^rtah' Durch ein meteTgTnsseh Eoch ,^7: 

kroeWrt ^ d^e Mmeure und gHi^teh den 

.' :•■ • ’ D.hs ■' Fano ram a war ’ w au dervioff, -,: die 

der JinigfrauHfp, weitef iQi&.dÜOh: 

■ ■der riAUtöcbgiete^ WalUser Alpep a)e ’ AbächlttM, 

■Um ^ Uhr ifüh . er weitert uad ejn kleines Ptatoau 

■ he-rauigt:schlä]4fi<^V-;:.sö.;.''^^^ 13 Peraoueta' dl« Ausotcbt 

hewuiu^rhri-k■':••■■■ D war schön-’ wie . selten. Bi« 

- 3 ntm-:Rhöti: 6 mP w:iar... de-t F«<Jtbhck offen. 


m 'C 

^Ä^0frM nt 










(P«M 


.. .... 

, ♦•■|**++****f» B (,**♦**«»**«##»! 

*1 



5 jb ff ^ ä; 

■;; d öl ■■ i^ih-< 4 -t) ■ V o-r k e b tä;. 

! 11 n »i, f fi r;; ^ ^ it 

i' hhd Bll X'pct]^41 j>an i ä, || 

*1 JiilLtiioh Ifj Kiihifffürri in \l 
H reiüijfsr, . +i 


lt:i 


inflötiioVdhgn : 


..n 


Tt 


ll Dtf* Ghfl Ftte 11 e < I e j jj 

. '..'• .iXijlgkffdotf., *; 

;J PöStrfLch Nr* 444 , *J 

iJ ortofft knstijiil OB Aub-^ ;| 

H| kn [i rthf 1 d yiibt P ru- ;i 

2* apokte tlüvitHEblT 
ij tmd llllclen 1; 


li 


i 4 > ^ ^ 

J*** i * 4*#* 



Nährsalz- 


mmMi 




CHOCOLADE & 


leichrverdaulich. nahrhaft und 

': tja^er q| nj besonders Für mageft* 

schwache Personen geeignek 


Allein. Fabrik. HEWEL&VEITHEN, Cöln u.Wien 

Kaiserl. König!. HofIteFeranl-en. 



j.Äi 

-‘ / 

























Nr .15 ^ 00099 ^^ 00009981 ^^:^ 0806 ^ DEUTSCHLAND ^^Se 6 e^ 8 ae 8 ^i^^€ee 8 ^^ 0800 i] 775 


1^.*;£Ä^':Ä-:i'.i-’p «:il^-^d d a ü- iÖ. o 'ii/f s iJi teij - M u.Ä e-ti m a .i.« 
M ix Xi . Ffe' dift v&tii peutst:h«a fAus^jtin bagrün^iet« ReV«*- 

LcJwTW^tnit^äiUÄ JtiWn .«iDe Reise nAch 
Mljn.i?&«ti Vuriä 'däis «iß'gftiiEttde' SÄuaeiims' 

XU ^od ^ürswt berftita 53 SU^j?nd^^(^^ Äi Mkiv 

al xj4 oo- Mk^ ge -.-. '■ ■. ■ 

B a d i a eh e S 1 s g e 1 m a r k .Biegetfnarkeh baäiacher 

^tidte^ Bäder uud Kursxie atud in Tet^t^r Ttt EiannigiFälliger 
Freib arg i* Breisgäu «ßigt In lexn er 


h^tte, däsa aEf^ärtigfiL und E^tdere |ü 

Eiaenacb odftf Sirfuf t batteti Wöbbca tölisafthiwaU aib i|^, QoO^ 
kei ne pa^eJi d e • ti jfi f^ti Üea i A uf 7 Ä iirögi 3 ini|f dea 

Hijnehg» ^urde: daher die SithlosaboteL A-nO- gegründet; dereo 
Nt?iib 3 i 3 auch ?äturth .ihn'Fäthii^r des 
Hoielsi ’ eines :Th,^6ihij^<jh. ■^^^ndÄl^inbÄy^ ■ 'ikt' Herr Sefatrü dl, früher 
:Hotel ' Bristol 


. -^ ü dl ft: i n e b 1 b 1 i s ch e "V e r k ü n d lg u n g. i ts d et schlesisch e n. 
ö^inelhde tt!rwar jüngst^ wie der „Bote ans dem Riesetjgebirge^^ 
berichtet^ etwas an der Kiichenbdeüchtung nicht m Ordnungv 
^veshaJb man sieb bei einer auswärtieen InalalValtöasftrma d^h 
Monteur «rbst, der sdnerzeit die Anlagen eingerichitet 
Da dieser nicht gleich ka-TH, wurde der Gern ein dt y^ra fand un- 
j^ßdüldig und vertatigte sofortjgE Sutaehdutig des Helfera au« dOi 
pife Firma hbyi lieVs sich dürch die befSiige RcklaThatiOih 
jaitht im g&rlügste« schrecken: sie schrieb nitbt etwa ßibÄb 
lungen E&l^hul4igu.ngybdef, aondern depesi?h|exte einfach i; 
•j^P-T 0^ y i u s?..i ß i g e s an ;g:ti u ch,' 'Vi e d i a V e r « :' Der ■ Oe7 

meindevöfatund huUe die pibeJ hervur^ »chiug nach uctd fan^ 
die fptgtHXd^ ' 

„ £f r d EI uh' bald- •. trseheln en ; ' '*' ' ^- ■ ■ ■ ’ ^ ^ ■■“ ■^■ 

,V, ih Weitieu 

kaaot : 

ferrig, 

'siete sein gewärtig, ’7 : 

ia f; f s i >ch o-n a U f d er B a h n,' * 

Und We dritrAUf erschien 4er Monteur und hr^chtfr alles 

: p i e CS fr h u r i e i n e s £ r d e n b li r g e r s I in Ki s e ü h a h 
w 4jj^y öi, ^*^hr schwißfige ist durch die Geburt 

em es |t£m frut&tan d a u, d e EU liitr M utter a ii: f d e r F 4 h r t; fr p u 

& 14 u h y t:h w e i g uueh der kleine n Stadt Balder da* L^ben 
scirbUk^T Dih Hiedsfltunfr, sobreibt juati dfr£ ^^Frahkf- ZEg."* 
auii Btaunschweig, erfolgte so p)öti9licbf dase die Frau nicht 
im geringsten froii^riitet war. Das Kind wUrde ih Decken und 
ih i p öXho; W daO. in eu fe S cM-O^yhOtäP/Tücher gehUIft und kam giÜckitch itii Vaterhaiise an. Dor 

giervtihh . ^^ verd^ukt seine Eptstchuug di^ dIrefctöh Vater wollte rrtm; den "tieuen Stsiütabürgor für daä Standes* 

des £i4bard> der k® 4ir^^Tföch phihlictjL .oftifi.f.uuiieta rcgister anmeldeu. Der Standfrshtfamte weigerte sich mdessen 


Aüs^bnung erschien eu. 

Reliefptagung die Konturen der BfcifrgäupÄJfl^ . mit ditsfU herr- 
Uchen MUngter. Besonderes lotereisse; diitften .dXe Sifrgolmhrkipn 
der beim grosseiti Brande 19 cS ' beithgee^uclityn Siadt 

DonAüfrBchingen ündeu. Duixauesch^ngeu i&t Jfrbl als rofajifoRft 
Gurtenstadl wieder neu erstanden und würde wiederholt durcii 
4^ Besuch dCfS Kflisers aasgezelchtifrC Als Motiv für die 
Marke wurde die votii Brande verschont gebliebene Stadt- 
kirche mi.t anschliessendern Pärk des Fürsten zu Fürsten her g 
^Tewühlf tutercssenlen erhajten eine Adswahl obiger MarkeD 
4iif Wunsch kostenlos zugesaudt durch 416 AmlUciie AuskurFft- 
stelle der GrossheringJich Badischen Staateeischbübnen ,■ iiin 
fnierriaü'bnÄten qffentlicbeQ VerkebrsbureaU in BciJinr Ünter 
den pihdeu 14 * 

Mit de 


^ e itetntoUung 
die Presse ätterc 
bcachaftigl üu 4 mancheilei Vorteile davon versprochen. 

Infolge frersClik'iener Aureguogen. wird die Angetegenheii dem-r 
näi^hsii umiHch erüschieden. Bs handelt sich hierbei um die 
Kinfü hl üng äet 3 hd fg e Ü nt ei lu n g in den F a b r p I a n e u. 

4 s ^ i H i ,E T is a 110u Ä ie u Ve tk e h r s und die Her beifühiu r g 
^eiuhejtlieheti. Begelütig^ Das preussische Elacnbahn- 

hilnisteriLtm hat su dierrieT entgege^tk^minaude 

kthltung eiftgenömmerJ^ £a Vst aber sugleich als uötwcndjg 
yiÄcht et w ord en , dass aür fi tu ^ nd er e n Ve r kehra eigen, wie 
inrh Ppöt-4 Telegjjipheu? tihd im. Schiffahrlsverkehr* dfo gleiche 
MÄ^suahme ÄüT; Dürchf ülii^uiag käme. 


Actien - Gesellschaft für Anilin •Fabrikation, Berlin S. Ö; 36, „Agfa 


ßellchiting: ViiHio' SeUuiide 
' '^ mit 


pjß.,hi^rv.o.Fragcn.d illustrierte, sehr iiiierössäiit 
geschriebetie Broschüre von Dr, M., Ati 4 feileni 

„Heber Magnesium-Blitzlicht“ 

gi*ttti»: dtircli Photbh'asidler oder auf Wünsch franko 
'ab'Fäbfiki. , 


:: Prospekte gratis :: 
diireti Photohäudler, 


(D. R. G. M. angem.) 



























Nr. 15 


hartnäckig, die Anmeldung einzutragen, bis einwandfrei fest¬ 
gestellt sei, wo das Kind geboren sei. Man will daher die 
Bahnbeamten vernehmen, um festzustellen, an welchem Punkt 
der Bahnlinie die Geburt erfolgte. Das dürfte indessen sehr 
schwer sein, da das Kind auf der Fahrt zwischen zwei Stationen 
das Licht der Welt erblickte und schwerlich einer der Bahn¬ 
beamten, der von der Geburt wusste, sich vergewisserte, wo 
man in diesem Momente sei. Ob sich, wie bei Homer und 
Columbus, die in Frage kommenden Orte um die Ehre streiten 
werden, der Geburtsort des Kindes zu sein? 

Bücherschau. 

„Wernigerode (Harz) als Wohnstadt“ betitelt sich 
ein vom Verkehrsamt der städtischen Kur-Verwaltung heraus¬ 
gegebenes Büchlein, welches auf 56 Seiten in vornehmer Ausstattung 
genauen Aufschluss über die Wohnungsverhältnisse in der,.bunten 
Stadt“ gibt. Im Texte zerstreut finden sich 42 Ansichten von 
öffentlichen Plätzen und Gebäuden, reizenden Landschaften und 
Wohnhäusern des beliebten Harzer Kurortes. Der von Jahr zu 
Jahr sich erheblich steigernde Fremdenverkehr (rgii: 32376 Gäste) 
bezeugt das grosse Interesse, welches den Sehenswürdigkeiten 
und der herrlichen Lage dieser schlossgekrönten Stadt von 
In- und Ausländern entgegengebracht wird. - Das schmucke 
Büchlein dürfte allen, die sich einen Dauerwohnsitz wählen 
können, ein willkommener Ratgeber sein. Welch reger Zuspruch 
in Wernigerode zu verzeichnen ist, ergibt die Zahl der Neu¬ 
bauten ; in den letzten zwei Jahren wurden 56 Häuser, darunter 
31 Villen erbaut. 

Kleiner Wegweiser durch das Schwabenland. 
Ein Büchlein zum Lust- und Plänemachen nennt sich im Unter¬ 
titel dieser mit prächtigen Farbenphotographien ausgestattete 
Wegweiser. Er wird unentgeltlich abgegeben und zugesandt 
durch die Amtliche Auskunftstelle der Königl. Württembeigischen 
Staatsbahnen im Internationalen öffentlichen Vei kehrsbureau in 
Berlin W. 8, Unter den Linden 14, wo auch das reich illustrierte 
Werkchen „Das Schwabenland in Wort und Bild“ za 
40 Pfg. (durch die Post gegen 50 Pig.) eihältlich ist. 

Wichtige Neuerscheinungen von Eisenbahn¬ 
karten. In dem geographischen Verlag von J. J. Arnd, 
Leipzig, sind drei neue Eisenbahnkarten erschienen, die für 
Handel, Industrie und Verkehr von ausserordentlicher Bedeutung 
sind. Bearbeitet sind die Kaiten von C. Opitz, dem bekannten 
Herausgeber des Koch-Opitzschen Verkehrsatlas von Europa. 
Es liegen fertig vor: Kontor-Eisenbahn-Wandkarte des deutschen 
Reiches, Massstab i : 800.00. Preis aut Leinwand aufgezogen 


Made in Germany. Unter dem Titel „Das Englische 
Eisenbahnwesen“ ist Ende vorigen Jahres ein Werk er¬ 
schienen von dem inzwischen allzufrüh verstorbenen Reg^erungs- 
und Baurat J. Fr ahm, der vorher zwei Jahre technischer 
Botschafts-Attache bei der Deutschen Botschaft in London war. 
(Verlag Julius Springer, Berlin.) Die angesehene englische 
Fachzeitschrift „The Railway Gazette“ Nr. 3 vom ig. Januar igxa 
widmet diesem Werke eine ausserordentlich günstige Kritik 
und schreibt am Schlüsse derselben: „In der Vorrede wird 
bemerkt, dass die Veröffentlichung dieses Werkes hauptsächlich 
der Unterstützung des preussischen Ministers der öffentlichen 
Arbeiten zu verdanken ist. Und gewiss ist Platz für ein solches 
Werk vorhanden, das alle Bücher, die jemals ein Engländer 
über fremde Eisenbahnen geschrieben hat, weil übertrifft. In 
der Tat, es ist keine Uebertreibung, wenn wir sagen, dass eine 
so vollständige Darstellung der Verwaltung, des Betriebes und 
der Praxis der englischen Eisenbahnen bisher niemals weder 
von einem Engländer, noch von dem Angehörigen eines anderen 
Landes geschrieben worden ist. Es lassen sich mehr als eine 
Nutzanwendung daraus ziehen, dass, wenn wir eine klare und 
knappe Darstellung des englischen Eisenbahnwesens haben 
wollen, wir zurückgreifen müssen auf eine Darstellung 
,made in Germany*.“ 

Schluss des redaktionellen Teiles. 

Soliriftleitor und verantwortlich fUr den allgem. Teil: Josef Schuoiaeher 
in Diisseldurf; für den wirtHchaftiichen und amtlichen Teil der Bundea- 
nachrichten: Dr Seyfert, Geschäftsführer des Bundes Deutscher Verkehra- 
vereine in Leipzig; für den Anzeigenteil: Bruno Korb in Düsseldorf. 
Druck und Verlag der Düsseldorfer Verlagsanstalt A.-G. in Düsseldorf. 


Nenbenb fc^önen Seillt, luetge^ fammetroet(f)e ^aut, ein 
jorte«, reine« üüefil^t unb toftge«, iugenbfrifc^e« 

. erhält man bei tögti^en l^ebrauc^ ber adein eilten 

Stecketpferil • CilieHffli icb • Sei f e 

ä<St. 50 ^fg. Über. jut)aben 


IO Mk., unaufgezogen mit Stäben 5.50 Mk. Konlor-Eisenbahn- 
wandkarte von Ocsterreich-Ungarn, Massstab i : 900.000. Preis 
auf Leinwand aufgezogen 13.50 Mk., unaufgezogen 8 Mk. Kontor- 
Eisenbahnkarle von Russland, Massstab i : 2.500.000. Pieis auf¬ 
gezogen 20 Mk. Die Karten sind in sieben Farben gedruckt 
und enthalten sämtliche Bahnlinien, auch die im Bau befind¬ 
lichen; ferner alle Eisenbahnstationen, Damptschittstationen an 
Flüssen und Seen usw. 


NOm Bund Deutscher Verkehrs-Vereine i«*. V.* \\ inl 

ein auf dem Gebiete des Fremden-Verkehrs 
- erfahrener Herr 

(erste Kraft) zur Einriclitung uml zum Aii.-.lniu «l*'s 
Auskinirt<sti‘li<'n\vi\«^«‘iis im Ausland«* sowi«* zu sonstig«*!’ 
organisatorischer Tätigkeit ))«‘s«>n«l«*rs im Ani.w*ndi«‘nst 
gesucht. K«*nntni.s tr(*in(l(‘r Spracln*!! un«i j«)nrn:il stis«‘)i(* 
Heniliignng sind ii(‘dingiing. (»«‘nillig«* (>rri*r(«‘n mit (Jt'lnillH- 
xnsprücli»*!!, Angal)«*!! üImt liisliorig«* T;!tigk«*il und Zongnis- 
ahsclirilt«*!! an di«i (l«*s(*liärt<>t«‘ll«‘ 'I.,«*ipzig, iIan«i(*l.'^liol'' 
«*rl)ot(Mi. INTfiönli«*!!«* N’orstcllimg znnä«*lihl niriit nötig. 


in Lag«* Kiviaclioii Cobleiiz und soii«l«‘s. 

vorn«*linu'R Hans mit grossen, lnltig«.*n l{änm«*ii, T<‘rra.'>'S«‘. \ «*ran«la. 
oi«*l\tris<*li«‘m I.iclit, \Va.->s«*ri(*itiing, grossmn, >chattig«‘m /i«*r- 
gflrt«»n, (Lmiiüs«.*- nn«l ()l)stg;lrt«‘n, grossem (iUrtn«*rlians nn«i Tr«*il) 
liaus, Stallung, Autngarage, nnt«*r s«‘lir giiiistig«‘n H(‘«lingnng(‘n 
KU vd*kttuf*eii. Oriert«*!! imt«*r 7:11 «lureli «ien V«*rlag «lieser 
Zoit.sclirift crbetüii. ln d«*n n;lc.liRt«‘n .laiir<*n ist G«Iegenli«*it 
zur Paehtung p«*lir gnt«*r Hirsch- uml Kelijag«!. 


If-ylaiieihiiilandallioiliisliil 

rar Hergöse und ErholungsbedDrftige. 

- Ilas Jahr g;eOII]iet. - 

.\*‘r/tl. L«*itiing: Kaufmänn. Leitung: 

Dp. med. Staehly. Direktor Butin. 



Rhenser Mineralbrunnen 


am Königssiuhl zu Rhens 


Jahres- 

FUllung: 

9000000 


l)i«*s(*r Nnmim'r li«'gt «*in l*rospokt l>«*tn»frend Achs* 
„U«‘klain«‘ für F r «* m «1 o n v c r k e h r s-11 0 1 r i 0 b e“ 
liei, auf «len wir lK*son«l«‘rH hinweis«‘n. 






















o 


DEimCIIlMD 

(GERNAny) 

Organ of tbe German Intercommunication-Interests ^ Official Journal of the 
Union of German Societles for the Promotion of Internationol intercourse 



Monument of Emperor William 11 on the Hohenzollern-Bridge in Cologne. 

(By Prof. Tuaillon, Berlin. — Phot. A. Lang, Düsseldorf.) 

American Travellers’ Edition 1911. 


5 «-i n rkn ck 1 Ki ^ 51 I X7c in Ci r> m €» n 










How can one travcl most pleasantly and 

comfortably 

from America to Germany? 

From New York 

via Bremen or Genoa 

by the large twin screw, express 
and mail steamers of the 


North Oerman lloyd 

Bremen ~ 

all fitted np in the most comfortable manner. 

From Baltimore or Galveston via Bremen with mail-steamers 

of the North German Lloyd, 


Leaving: 

New York for Bremen: 

Express steamers: Tuesdays. 

Saloon mail steamers: Thursdays. 

New York for Genoa: Saturdays. 

Baltimore for Bremen: Wednesdays, see time-table 

From Bremen or Genoa excellent railway Services to all parts of Germany« 

Sale of railway tickets on board of the express steamers "Kronprinzessin 
Cecilie", "Kaiser Wilhelm ü.", "Kronprinz Wilhelm", "Kaiser Wilhelm der 
Grosse", as well as on board the Saloon steamers "George Washington" and 

"Prinz Friedrich Wilhelm". 

Baggage is forwarded direct from Bremerhaven to every direction in Germany. 

All information gratis in the tourist-office on board from special officials. ;; 

The extreme of comfort. :: Catering unexcelled. 

North German Lloyd 

Bremen. 









































American Travellers’ Edition. 




This number of the periodical "Deutsch¬ 
land“ is intended to afford the inhabitants 
of America a distinct picture of the natural 
beauties and the art treasures of our German 
fatherland. We trust that by its means a 
new incentive to a visit to our lovely home 
will be offered and that this American Number 
will also contribute to a greater intimacy in 
the political and economical relations between 
the two great nations. 

The Editor. 


Düsseldorf, March 1911. 




Information as to German traffic and German towns 

is given by the various societies for promoting international 
intercourse (Verkehrs-Vereine) and at the office of the periodical 
"Deutschland“, Düsseldorf. 




Emperor William II and his first grandchild. 

(PhoL by Seile & Kuntze Id Potsdam for the Verein für Wohlfahrlsmarkeu E.V., 
Copyright by the Neue Photogr. Gesellschaft. Steglitz) 
















DEUTSCHIAND 

Organ of the German Intercommunication-Interests 
Official Journal of the Union of German Societies for the Promotion 

of International Intercourse 

Founded with the co-operation of the International Society of Hotel-Proprietors, Cologne 

Official Organ of the Rhenish Society for the Promotion of International Intercourse, 
as well as of the Saxon, Bergish and Westphalian Intercommunication Unions 

Düsseldorf American Travellers’ Edition 1911 


Germany and America. 

By Dr. R. W. Drechsler, Amerika-Institut, Berlin. 


What's in a name? But there must needs be a tremen- 
dous symbolical force in the fact that the New World 
received its name, that famous fascinating name which 
has sounded like a Jubilant flourish of trumpets, like a 
mighty stirring bell through the minds of the peoples 
of the earth, at the humble hands of a mediaeval German 
Scholar. The German cosmographer Martin Waldsee¬ 
müller, a native of Freiburg, in bis "Cosmographiae 
Introductio", published in 1507, baptized the newly 
discovered continent with the following solemn formula: 
"But now that those parts have been more widely explor- 
ed and another fourth part has been discovered by 
Americus Vesputius (as will appear in what follows), 
I do not see why any one may justly forbid it to be 
named after Americus, its discoverer, a man of saga- 
cious mind, Amerige, that is the land of Americus, or 
America, since both Europe and Asia derived their 
names from women." The connection thus established 
has never since been severed, but has grown more 
intimate in every age. 

What a far-reaching, intense development from the 
days of the ancient geographer, brooding over the charts 
and maps of the young continent, enlightening his 
countrymen and the scholars about what little there 
was to be known, down to the present-day traveler and 
tourist with his exhaustive guide-books and exact plans! 
What a still greater gulf is fixed between Tyrker, the 
first German visitor to set foot on American shores, 
v/ho landed with Leif Ericson's Icelandic expedition to 
Vineland about 1000 A. D., and his up-to-date descen- 
dant who, with a throbbing heart, greets the fantastic 
sky-line of mysterious New York from the deck of a 
Hamburg or Bremen linerl A thousand different forces 
have been incessantly at work to effect such miracles 
of reciprocal relations, the momentous results of which 
are now and then concentrated as in a focus in publi- 
cations such as the present number of an organ for 
the Promotion of international intercourse, or in far- 
echoing speeches on important occasions of international 
significance. The greatest event of this kind in the 
recent history of German-American relations has un- 
doubtedly been the ceremony of unveiling the glorious 
monument erected by the United States Government 


to the memory of Baron Friedrich Wilhelm Freiherr 
von Steuben in Washington in December 1910. The 
Speeches of President Taft, of the German Ambassador 
and of Senator Bartholdt constituted a land-mark in the 
relations of the two countries. They one and all reflected 
the spirit of the fine epitaph on Steuben's memorial 
tablet in the German-Lutheran Church on Nassau Street, 
New York: "Esteemed, respected and supported by 
Washington, He gave military skill and discipline To 
the Citizen Soldiers, who, Fulfilling the decree of Heaven, 
Achieved the Independence of the United States." 

By some stränge workings of fate the lessons which 
the great drill-master taught the militia-men of the 
Revolutionary war were partly perpetuated in the 
experience of another German officer for the benefit 
of his native country. When Gneisenau, as a young 
lieutenant in the ranks of the army of Ansbach-Bay¬ 
reuth, came to America in 1782, he must have derived 
many a Suggestion as to the newly developed tactics 
and strategy of the American army, so successfully 
established by Steuben. Though he only stayed a year 
in the States and never took an active share in any of 
the encounters, Gneisenau certainly brought home ideas 
and practical hints for the task that awaited him in the 
reorganization of the Prussian army for the Wars of 
Liberation. Thus Frederick the Greafs war-craft, modified 
and perfected by passing through the American medium, 
after having served its noble purpose in assisting the 
young republic, returned from the Atlantic shores to 
break the Napoleonic spell — what a mighly current 
of reciprocity 1 

This great process of exchange in every conceiv- 
able department of human activity and existence was 
of course initiated on the German side, and it was very 
much later that the Americans as such responded. For 
those promenading on deck of a swift seven-days boat 
öf the North German Lloyd or the Hamburg-American 
Line, it may be not without interest to remember that 
the first vessel to bring the first complete shipload of 
Germans to Pennsylvania left Gravesend July 24^^, 1683, 
and arrived in Philadelphia October 6*\ 1683. This 
date marked the beginning of that marvelous history of 
Immigration which has kept both shores in closesl 





2 DEUTSCHLAND 


igil 


relationship ever since. And these earliest settlers in 
Germantown or "Armentown", as it was called with a 
touch of sarcastic humour, came from the very regions 
of Germany which the modern American visitor is most 
bent on seeing during his trip to the fatherland: they 
were mostly weavers and winegrowers from the Rhine, 
Crefeld, the queen of silk industries, supplying the 
majority of these pathfinders, "whose hardships and 
trials were great, only equalled by their Christian 
endurance and indefatigable industry." When the Ame¬ 
rican tourist goes up the Rhine, enjoying the finest 
display of Germany's 
romance in vineclad 
hills and craggy castles 
with all the eagerness 
and briskness of his 
receptive and ever in- 
quisitive mind, in pas- 
sing Bacharach, Mann¬ 
heim, immortal Heidel¬ 
berg, he is all the time 
viewinga vicinity from 
which his country in 
early times drew fresh 
supplies of human ma¬ 
terial. Territories like 
the Palatinate which 
he cannot traverse 
without a feeling ot 
kinship and congenial 
relations, sent thou- 
sands of their "gar- 
deners, butchers, ma- 
sons, sugar bakers, 
bread bakers, shoe- 
makers, silversmiths, 
leatherdressers,tobac- 
conists, pastry cooks, 
and some a little ac- 
quainted with waiting 
on families as well as 
farming and tending 
horses" to New York 
state at the beginning 
of the eighteenth Cen¬ 
tury. New Jersey and 
Maryland, Virginia, the 
Carolinas,Georgia and 
New England all re 
ceived their share of the German immigration up to 
the memorable times of the Revolution, and each of 
these profited amply by the sterling qualities of these 
settlers from German provinces. The German colonists 
embraced the cause of liberation with all the patriotic 
fervor and steadiness of their souls. Peter Mühlenberg 
and Christopher Ludwig, Steuben, John Kalb und George 
Herkimer cemented the bonds with their blood and their 
brains. The German share in the great Westward Hol 
movement was no less. Accustomed to the hardships 
of pioneering and animated by an invincible desire for 
a permanent home, that deep-rooted instinct in the 
German heart, they pressed patiently and irresistibly 


along the frontier-line: by way of Kentucky and Tennessee, 
and later on through the Ohio Valley, the German 
hunters and missionaries, workmen and traders, side by 
side in peaceful rivalry with the settlers of British and 
other origins, penetrated into the Indian territories. 
Theodore Roosevelt has vividly narrated the stirring 
alarums and adventures of the great "Winning of the 
West," and has not left unnoticed the role the German 
colonists played in this drama. Perhaps it is not loo 
fanciful to suggest that from these associations of 
their kin with the days of the backwoodsmen the Ger¬ 
man youth has derived 
some of his predilec- 
tions for the Cooper 
lype of Stories; and 
Professor C. Alphonso 
Smith, this yeaKs 
Roosevelt Exchange 
Professor in the Uni- 
versity of Berlin, in 
his stimulating inau- 
gural address, Struck 
the right note when 
he remarked that "it 
would be wellnigh im- 
possible for the Ame- 
ricans to think of hosti- 
lities with a nation 
that is so familiär with 
the" Leatherstocking 
Tales." This familiar- 
ity, then, is not merely 
literary, but of much 
deeper root: it is one 
of active participation 
by the German race in 
the conquest of the 
terra incognita of the 
great North American 
continent. Far from 
ebbing away after 
these first waves of 
inundation, the stream 
of German settlers 
grew steadily in the 
nineteenth Century, 
when Wisconsin and 
Minnesota, Texas, 
Kansas, Nebraska and 
California were opened up, and the strongest ties of 
German-American relationship were knit. Charles Seals- 
field (Karl Postl), the first great German writer on Ame¬ 
rican soil, has dealt with the vicissitudes and episodes of 
this period in some of his strangely interesting novels. 
But the greatest novel of all was written by American 
history itself in that second great war that fused North 
and South and all the disparate elements into the glorious 
Union, which at about the same time was the ideal of the 
German people at home, there to be realized only a few 
years after the dose of the War of the Secession: again an 
almost symbolical evidence of the predestined intimacy 
of relations between America and the fatherland. 



Prince Henry of Prussia (Phot. E. ßieber Berlin.) 





3 


1911 iä^0099009^^0^^8^^^a DEUTSCHLAND 


When two countries can claim a man like Carl 
Schurz, statesman and general, author and orator, as 
belonging to both of them and representing their best 
qualities and national traits, nothing but sympathy and 
the gentle spirit of understanding can reign betweenthem. 
The ideal biending of such a national dualism into one 
supreme unit has never been better realized than in 
this greatest German-American, who was so good an 
American because he was so good a German. When 
he came to his new permanent home in 1852, it 
required a sail of twenty-eight days: yet he was filled 
with that bright and buoyant determination "to look 
at everything from the brightest side, and not to permit 
myself to be discouraged by any disappointment/" a 
Sentiment which ought 
to be the principle and 
golden rule of all travelers 
and visitors in foreign 
countries. Except Schurz, 
no one has expressed this 
truly American state ol 
mind better than the great 
American poet traveler, 
past master in the art 
of sentimental journeys, 

Washington Irving, in the 
preface to his immortal 
book of Spanish travels, 
the "Alhambra"; "above 
all we laid in an ample 
Store of good humour, 
and a genuine disposition 
to be pleased . . . taking 
things as we found them, 
rough or smooth." Every 
traveler, in his great o; 
small way, is a repre- 
sentative of the country 
from which he comes: 
good will to learn to com- 
prehend his host's nature 
and character, even his 
very preferences and idio- 
cyncrasies, his way of 
doing things and leading 
his life, a cheerful rea- 
diness to make the best 
of the opportunities, are 
the best credentials. But 
apart from the continual exchange of private individual 
travelers who are moving like a living chain in incessant 
rotation between the two countries on this and the other 
side of the "great pond", Germany and America have 
also been most fortunate in the choice of their official 
representatives. Hardly any other foreign power has 
delegated to us such men of exceptional qualities, excel- 
ling equally in character and broad culture, business 
capacity and scholarship. Men like George Bancroft, 
Bayard Taylor, Andrew D. White, and last but not least, 
most esteemed because still among us, David J. Hill, 
could not but impress the German people most highly 
with the genius of the great nation from which they 


come. And it has been another proof of that fine 
equilibrium of exchange established between America 
and Germany that the German envoys of the type of 
von Holleben, von Sternburg and Graf Bernstorff have 
been no less distinguished delegates. 

Fortunately enough there has never been a lack 
of corresponding agencies and means to assist the diplo- 
matic relations and strengthen the German-American 
ties. Of paramount importance in this respect has been 
the tremendous development of ocean-travel during the 
last decades, as most instructively demonstrated in the 
interesting history of the two great German lines, the 
Hamburg-American Line and the North German Lloyd. 
The statistics of these gigantic enterprises, as given in 

the official publications in 
celebration of their fiftieth 
anniversaries, show better 
than any lengthy State¬ 
ments and treaties the 
vitality and growth of the 
relations between Ger¬ 
many and the United 
States in all branches of 
international intercourse. 
Here may be feit the very 
pulse of these evolutions, 
throbbing in mighty 
rhythms of engine and 
Propeller, here is laid 
bare the working of the 
shuttle that helps to weave 
the bonds of brother- 
hood. Bewildering figures 
of tonnage and displace- 
ment, of knots and horse- 
powers, names of lines 
and ports, of boats and 
docks form an aggregate 
sum - total to produce 
adequate impressions of 
the bigness and scope of 
these two proud German 
Companies which have 
spanned the globe, but 
still above all serve 
the German - American 
entente. 

Today the German 
ocean - greyhounds with 
their wellknown buff and black, and ochre funnels race 
across the Atlantic, and American traveling in Germany 
has increased and has inspired many a good observation 
and acute interpretation of the German national and 
individual traits. Among recent books are R. M. Berry's 
"Germany of the Germans" dealing with our country 
from the view-point of objective description, Ray 
Stannard Baker's "Seen in Germany" which offers 
shrewd sketches of some striking technical and social 
aspects of life in the fatherland, and H. Schauffler's 
charming "Romantic Germany" which dwells lovingly 
on the romance of picturesque Germany. All of these 
and many others are so many links in the chain of 



von Bethmann Hollweg, Imperial Chancellor of Germany and 
Prussian Premier (Phot. E. Bieber, Berlin.) 











4 DEUTSCHLAND me&^s^^&eseB^^&eee^^s^M tqh 


reciprocity. Germany has become accustomed to reckon 
with American travelers who deal out the salutary lessons 
of "As Otheri See us" which German critics have so 
abundantly offered to the United States, and even if an 
American critic of Germany of the rank of de Tocque- 
ville has not yet appeared, many promising preliminary 
efforts have been made in that direction of under- 
standing by study and travel. 

The merchant fleet of the two great Hamburg and 
Bremen establishments handles the greater part of the 
commercial and trade relations, which have assumed 
undreamt of proportions. 

With a value of imports 
into the United States 
for the year ending June 
30, IQOQ ot 143525828 
dollais, and of exports 
from the United States 
ot 235 324140 dollars, 

Germany is only excelled 
by Great Britain as a 
seller and buyer of mer- 
chandise in America. The 
establishment of "The 
American Association of 
Commerce and Trade" in 
the German metropolis 
bears striking witness to 
these extensive commer¬ 
cial Connections. At the 
recent annual dinner 
of the Association, the 
director of the "Deutsche 
Bank" feit justified in 
making the Statement that 
German dealings in Ame¬ 
rican Securities had now 
reached a volume equal 
to the German-American 
trade movement. The 
intense consular activity 
in the various cities and 
towns is another ample 
proof of the vital ties 
between the countries. — 

The epithel "American", 
in general and in particular, has become synonymous 
in modern German business practice with concise 
efficiency and successful methods. American inven- 
tiveness and American pluck have fertilized German 
industry and business, and partly repaid their indeb- 
tedness to German impulses and achievements in the 
pioneering days. Germany, first of all, has been most 
eager and ready to accept American achievements and 
learn from them. Among all other nations, Germany 
would be most willing to acknowledge the five great 
coniributions which America has made to civilization, 
according to Charles W. Eliot, the retired Harvard 
President: "the advance made in the United States, not 
in theory only, but in practice, toward the abandonment 
of war as the means of settling disputes between nations; 
the great principle of religious toleration; the safe deve¬ 


lopment of a manhood suffrage really universal; the 
demonstration that people belonging to a great variety 
of races or nations are, under favorable circumstances, 
fit for political freedom; and finally, the diffusion of 
material well-being among the population." Nor has 
the fatherland been slow to learn the golden lesson of 
"Richesse oblige" that has so effectively been taught 
by great American benefactors whose names in Ger¬ 
many have become proverbial watchwords for public- 
spirited munificence. The "Gospel of Wealth" which 
they have preached has stimulated the German men 

of wealth also, who are 
now responding to the 
call of this higher civic 
virtue and duty. And it 
is not without deepest 
significance that the Prin¬ 
cipal American repräsen¬ 
tative of this broad-mind- 
ed public generosity has 
very recently, by placing 
1 250 000 dollars at the 
disposal of the German 
Emperor for the endow- 
ment of a "Carnegie Foun¬ 
dation for Life-saver in 
Germany", madethe latest 
great contribution towards 
strengthening the Ger¬ 
man-American policy of 
good understanding, a 
contribution that opens 
wide vistas of interna¬ 
tional possibilities. In his 
introductory letter to the 
German translation of 
his stimulating manifesto 
"The Gospel of Wealth", 
Andrew Carnegie wrote 
on September 24^^, 1904, 
what might be proclaimed 
as the perpetual bright 
motto of the friendly rela- 
tions between Germany 
and America: 

"We should never for- 
get how your Emperor (stirring ruler) recalled, 
upon a memorable occasion, that our English 
speaking race, (British and American) are like the 
German, Ti'utonic: let us therefore stand together." 

In this ideal union Germany could assume the part 
which America in another respect has played so long 
in the eyes and thoughts of Europe. Germany too has 
all the qualifications to appeal to the American mind as 
a "country of unlimited possibilities" with her unique 
national characteristics and solid cultural values. She 
is not only the land of the present, but the land of the 
future for all Americans who are desirous of broadening 
and deepening the great soul of their country. There 
can never be a Stagnation in this soul as long as 
Germa^iy does not cease to be the Mecca of American 
pilgrimage. 








1911 6^^8^8 QQ 8e 9Q0(^QQQQQQ«3 ai DEUTSCHLAND i B eooooooooocooG^88ee8eeee8gi 5 


The Amerika4nstitut in Berlin 


Harvard Exchange Professor at the University of Berlin: Director of the Amerika-Institut. 


By Hugo Münsterberg, 

The beautiful quarters of the new Amerika-Institut 
were ofticially opened at the beginning of this year. 
As this announcement is made here in a magazine devoted 
to the Americans who are to cross the ocean, it had better 
be protected from the Start against misunderstanding. 
It is not meant as a more or less cordial invitation to 
visit the Institut as a new 
sight in the gay German 
Capital, or to consider 
its halls as headquarters 
where fellow-countrymen 
may be met, or perhaps 
as an Information bureau 
where timetables and 
hotel guides are waiting 
for the visiting Ameri¬ 
cans. The Institut has no 
such aims and the sight- 
seers would only disturb 
the busy life of the 
working staff in the six 
rooms of the Institut. 

Most of my readers 
may then jump to the 
conclusion that the Ame¬ 
rika-Institut is probably a 
teaching Institution like 
the American Colleges 
in the Orient, or perhaps 
a home for American 
students, or something 
similar. Indeed it is 
nothing of that kind, no¬ 
thing which can simply 
be classified under the 
routine schemesof public 
institutions. The Ame¬ 
rika-Institut in Berlin is 
the realization of an en- 
tirely new plan; in the 
history of civilization it 
is the first undertaking 
of its kind. But we hope 
sincerely that it will be only the first of a long line of 
successors. The aim of the Institut is exclusively to 
further and strengthen the cultural relations between 
Germany and the United States, and thus to provide in 
the non-commercial and non-political field that Order and 
Organization of international interests which politics and 
commerce have enjoyed at all times. 

In the cultural regions everything has so far been left 
to haphazard influences and the result has accordingly 
been chaotic. There has certainly been no lack of efforts 
on German soil to become acquainted with American 
life and to further the social relations for which ten 
million German-Americans have been the natural media- 
tors. And still less has there been lack of American 
efforts to study German methods and to become familiär 


with German ideas. Thousands of students have brought 
the spirit of German universities over the ocean, and 
hundreds of thousands of travelers have become acquaint¬ 
ed with the fatherland. Yet ultimately the two great, 
most progressive nations know little of each other, and 
are by far too little aware how much they can learn from 

each other and how much 
more each could enjoy 
what the other offers. 
Take a chance Illustra¬ 
tion I The most super¬ 
ficial survey of the trans- 
lations of literature shows 
that many of the best 
German books have never 
been translated into Eng- 
lish, while an abundance 
of unworthy volumes 
have reappeared in Eng- 
lish costume. Corres- 
pondingly the Germans 
have been made acquaint¬ 
ed with many insigni- 
ficant parts of the Amer¬ 
ican literature, while 
many of the finest Amer¬ 
ican books have never 
been translated into Ger¬ 
man. To stick to this 
trivial illustration,it is one 
of the thoi sand functions 
of the Amerika-Institut to 
take care that this dis- 
order cease and that the 
most worthy and most 
characteristic books of 
either literature make 
theirreappearance on the 
other side of the ocean. 
This does not mean that 
the Staff of the Institut 
itself will translate the 
Works and publish them 
on its own account. The Institut will only, with the help 
of committees of specialists, select the most fit books 
and will negotiate with publishers, translators and authors 
to stimulate them to publication. And this stimulating 
and helping activity is typical of the whole Programme 
of the Amerika-Institut. It is to regulate and to organize, 
to strengthen the useful and to suppress the harmful; 
in short to perform administrative work. 

The field to which the administrative work is devoted 
is practically unlimited. The whole life of education and 
scholarship, of art and literature, of theatre and music, 
of research and technique, of law and social welfare, 
of public opinion and international undertakings, belongs 
to it. The mere fact that uncounted students cross the 
ocean with a vague desire for instruction in Germany 



Count von Bernstorff, German Ambassador in Washington 
(Phot. Harris & Ewing, Washington) 





6 IB 9Q6QQ»3Q^3eOQQ3QOOQ(X>QOQQQ g| DEUTSCHLAND 


1911 




vz-i 


is not enough to secure the best results. Our Institut 
has Started to make Statistical inquiries and to gather 
material as to the personal satisfaction and dissatisfaction 
ol every American Student inGermany in Order to improve 
the opportunities: and above all it is ready to provide 
everyone with scholarly advice and to give to every 
visiting American scholar the helpful contact with libra- 
ries and museums, laboratories and archives, universities 
and schools, municipal and governmental institutions. 
Of course the same aid is offered to the Germans who 
visit America with any interest in research and study. 

The Amerika-Institut now handles on the German side 
the entire exchange of printed matter between Germany 
and the United States in 
the same way as the 
Smithsonian Institute in 
Washington does on the 
other side. An average of 
twelve hundred packages 
of books every week 
passes through this chan- 
nel without expense for 
the Sender or the receiver. 

In the meantime the In¬ 
stitut Library on Ame¬ 
rican topics is growing 
rapidly. So far its special 
strength lies in economic 
and political, social and 
educational aspects. We 
are to add an extensive 
historical and legal lib- 
rary. Every day brings 
its new tasks, and the 
Staff of ten persons is 
hard at work in Order to 
live up to the abundant 
opportunities. 

The particular strength 
of the new Institut lies in 
the fact that it cannot 
have any possible rival; 
it cannot be a rival to any 
present or future Organi¬ 
zation. The hundreds of 
existing agencies which 
further the relations be¬ 
tween the two countries 
are not only welcome 
aids to our work, hut 
to stimulate and to strengthen them is our chief aim 
and purpose. Just as a chamber of commerce can 
never be conceived as a rival of a particular business 
firm, the Amerika-Institut can never be in any conflict 
with those numberless societies and associations, 
bureaus and agencies, private and public enterprises 
which aim to strengthen the ties between the two 
lands. Our hope is that more and more of such 
establishments will arise, with or without our direct help. 
We are to throw out the seed, and are glad if others 
will gather the fruit. The more German information 
bureaus and libraries and Germanistic museums and 


D. J. Hill, Americun Ambassador in Berlin 
(Phot. Harris & Ewing, Washington) 


Germanistic houses are built in America through societies 
or universities, through Harvard or Columbia or other 
repräsentative institutions, and the more American socie¬ 
ties and clubs and libraries and information bureaus are 
established in Germany, the better we shall be satisfied. 
No one can possibly be a competitor to our Government¬ 
al Institut which is only to organize and systematically 
to further these thousandfold efforts. Our hope is that 
finally the American Government too will create such 
an organizing Institution which will stand above all those 
particular Creations of the special universities and socie¬ 
ties and so on. Yes: we trust that the future will see 
the day when such organizing infiuences will have been 

built up in every country, 
not for the intercourse 
of two nations only, but 
for the cultural relations 
of the country to all 
foreign lands. A whole 
network of international 
cultural Institutes would 
then give to the non- 
political and non-com- 
mercial life of the world 
the same organized cor- 
relation which diplomacy 
gives to politics. 

In other words we 
want a protective policy 
in the cultural field, but 
not in contrast to free- 
dom, in contrast only to 
chaos and accident. In the 
world of commerce free 
trade linds its regulation 
through the personal 
interests which secure 
progress and initiative. 
In the world of culture,. 
the absence of protec¬ 
tion means handing over 
the most momentous 
decisions to the lower 
instincts, to laziness, to 
prejudice, in short to 
everything which work^ 
against real progress. 
Moreover in the world of 
commerce a protective 
policy may have its 
disadvantages together with its advantages. It canno^ 
strengthen one dass without somewhat weakening an- 
other; it cannot protect one nation without interfering 
with the interests of another. But in the world of 
culture, the gain of one is the gain of the other. New 
Works of Science or art, of social welfare or technique, 
new methods of education or Instruction, new in- 
stitutes and museums and libraries, new books and 
congresses and expeditions serve the cause of humanity 
without interfering with anybody's interest. Protection 
of cultural interests is by its very nature international. 
It fills nobody's pocket, but it enriches the cultural storo- 










1911 B»Q0QQQcgiQCKX300Q0QQ000000qD DEUTSCHLAND ■ oceoeeo 0 e 00 oo 0 eeooc) 0 coeeoct« 7 


houses of mankind and creates a mutual Interest and 
mutual sympathy which is of incalculable ideal value. 

Can there be any doubt that this mutual sympathy 
and Interest is at the same time the most favorable 
condition for the settling of all political and commercial 
difficulties? There cannot be any conflict which would 
not yield to good will, as soon as the mutual feelings 
are those of sympathy and friendship. The work of 


the Amerika-Institut, which aims systematically to further 
the cultural relations between America and Germany is 
therefore finally an indirect effort for undisturbed poli¬ 
tical and commercial exchange. It is a work of peace the 
influence of which will be feit more strongly from year 
to year, but which is already a most significant and most 
promising pledge of the cordial feelings which the father- 
land extends to the great sister nation beyond the sea. 


The United States and Germany. 

By Hermann Ridder, New York. 


Any move which tends to stimulate international 
intercourse is conducive to universal welfare. For upon 
the shaping of the relations 
obtaining between the civi- 
lized nations of the earth 
depend its future destinies, 
and these relations are sel- 
dom strained, but, almost 
unexceptionally, improved 
by mutual acquaintance. Let 
the people — mind you, the 
real people, and not the 
fortuitous exponents of their 
dispositions or customs or 
policies — the people of 
two nations, like the United 
States and Germany, once 
grow to know and understand 
one another thoroughly, and 
they will be apt to rule the 
world. Not as allied con- 
querors by the strength of 
arms, but as joint leaders 
in the material and intellec- 
tual development of the 
human race. There would 
then be no need of a formal 
alliance secured by Conven¬ 
tion or treaty, for as soon 
as either nation becomes 
convinced that there is no 
elementary antagonism of 
interests, and that, on the 
contrary, their interests are 
reciprocal, a co-Operation 
along the whole line of 
human development will be 
the perfectly natural result. This is, in the case of Ger¬ 
many and the United States, no idle vision of a desirable 
future Status. For there exists between the American 
and German peoples a closer community of interests, 
a truer identity of national endeavor and a nearer 
relationship of national consciousness than may be 
obvious to the casual observer. 

When more than fifty per cent of the population 
of the United States have German blood in them — 


a fact established by the Federal Census returns — 
the German influence upon the forming of the character of 

the American nation cannot 
be ignored. True, the Ger¬ 
man vein current within the 
national American body is 
less pretentious than those 
inoculated by the Puritan or 
the Scot or the Celt, but 
when we analyze the product 
of the mixture and weigh its 
component values we find 
some of its best qualities 
traceable to German origin : 
thoroughness, endurance, 
reliability in the pursuit of 
live tasks; aspiration for 
ideals, artistic sentiment and 
the zest for mind-culture. 

Many of the great in- 
ventions which have in the 
last Century revolutionized 
the world, have been rooted 
in German inventive spirit, 
while American pluck and 
enterprise have perfected 
them. On the other hand, 
Americans engaged in gigan- 
tic financial, commercial or 
industrial operations are 
wont to look to Germany 
for methods to give them 
economic strength. 

The interdependence of 
the two nations is well under- 
stood and appreciated by all 
thoughtful and instructed 
men. With so much in common in the past and so many 
ties in the present, an earnest collaboration in the 
work of civilization, education and training, to quote 
the words of a prominent American: "Germany and 
America may well move forward in harmony, each main- 
taining all its independence of method and thought and 
action, yet both gaining strength from a better under- 
standing and mutual self-help by which each may 
Supplement the needs of the other." 











8 


DEUTSCHLAND iQii 


Germany for the American Tourist. 

By Ernst von Hesse-Warteg'g. 


Many Americans who probably get an opportunity 
of visiting Europe but once in their lives, may be 
quite right in taking in as mach as possible of the old 
World. They are "doing Europe on the American plan" 
as the expression goes, devoting as much time to the 
entire Continent, as a visit to Paris, London or Berlin 
alone would require. But they get a kaleidoscopic 
smatter of it all, which to 
them is far more inter- 
esting and satisfactory, 
than the more intimate 
acquaintance with one 
country alone. 

Thereare many thou- 
sands of others who cross 
and recross the Atlantic 
year after year in Order 
to spend a few months in 
England or France, never 
thinking of going further 
east than Paris, or further 
South than the Riviera. 

They would do well in 
extending their travels 
across the German fron- 
tier. English is now 
spoken and understood 
in the fatherland to a 
much greater extent than 
in France, and the traveler 
will nowhere encounter 
any difficulty on account 
of the language. Amer¬ 
icans are decidedly 
populär in Germany and 
many thousands of them 
have found their tempo- 
rary or even permanent 
home in Berlin, Dresden, 

Leipsic, Munich, Düssel¬ 
dorf, Cologne, Stuttgart 
and other cities. There 
are American clubs, 

American churches, consular offices, agencies of all 
sorts to bring American tourists in relation with their 
compatriots, and in nearly every city a Verkehrs- 
Verein (Tourists Office) will assist the stranger upon 
application free of Charge, reply to any communication, 
Forward descriptive pamphlets, attend to his mail and 
make out his route of travel. Travelling in Germany has 
indeed been made easy, and the stranger does not 
travel, he "is being travelled'^ if he cares to. All he 
has to do is to say where and how he wishes to go 
and what he wishes to see. To quote a single instance: 
Last year's passion-plays at Oberammergau attracted 
thousands of foreigners, not speaking a word of German; 
yet they all found their way to the idyllic village in the 
Bavarian Alps and back again without any difficulty 


and without paying a penny more than anybody eise. The 
much abused police regulations in Germany may appear 
obnoxious at times, but they have established absolute 
Order, safety and protection. Young ladies without the 
knowledge of German may travel alone all over the 
Empire without trouble, which cannot be said of other 
countries. — Travelling in Germany is far less expensive 

than elsewhere in Europe. 
The first dass hotels offer 
the same luxurious com¬ 
fort as any in England or 
France and the rates are 
correspondingly high. But 
while American travelers,. 
notably in the French 
provinces are bound to 
resort to them, hostelries 
of lesser rank being quite 
out of question, all the 
German cities, almost 
without exception offer to 
tourists with more limited 
means other hotels per- 
fectly clean and com- 
fortable and fumished 
with all modern improve- 
ments. The saving thus 
effected is very con- 
siderable, amounting to 
a dollar or two per diem. 

The German Empire 
possesses the most exten¬ 
sive railway System of 
Europe, and there is 
hardly any town which 
cannot be reached by 
fast express trains, with 
corresponding saving of 
time and fatigue, as com- 
pared to France andltaly. 
Moreover the number 
of trains per day is far 
greater, enabling tourists 
to undertake excursions, which in other countries on 
account of lack of trains would probably necessitate 
double the amount of time. Railway traffic is kept up 
with astonishing punctuality, delays of even a few 
minutes being exceptional. Connections with other 
trains are rarely missed, the whole System working like 
clockwork. 

Railway rates in first, second and third dass are 
about the same all over Europe. Yet a great saving can 
be effected in Germany by taking second dass tickets. 
In France or Italy travelling in any other way than 
first dass is hardly possible. In Germany however 
second dass carriages differ very little from first dass, 
even sleeping cars possessing as good accommodation 
for second dass passengers, and consequently first 





Andrew Carneg-ie 











IQll 


DEUTSCHLAND ([j^^^8^^^^8 «)öe0 0e eeeoöö $ii 9 




dass cars are very little patronised. People with limit¬ 
ed means even travel third dass without sacrificing 
much comfort, for the introduction of fourth dass cars 
on many lines have drawn off the working people and 
peasants from the third. The saving accruing from 
Iravelling in second 
or third dass is 
very considerable. 

A family, going 
for instance from 
Hamburg to Ober¬ 
ammergau in this 
manner, saves e- 
nough to defray all 
expenses for living 
and attending the 
passion-plays. 

In France and 
Italy, the countries 
most patronised by 
American tourists 
on the Continent, 
travelling is limit¬ 
ed to spring and 
autumn. The heat 
during the summer- 
months is often 




quite unbearable, 
while the want of heating appliances during the cold 
season makes travelling in winter very disagreeable. 
Exception of course must be made of the Riviera and 
southernmost Italy. Many hotels, museums, art collec- 
tions, libraries etc. are consequently in many cities only 
open in spring and 
autumn. In Ger- 
many on the con- 
trary tourists' travel 
is not limited to 
any particular sea¬ 
son, a very impor¬ 
tant item with our 
American cousins, 
who cannot always 
cross and recross 
the ocean to suit 
the seasons. Ger¬ 
man hotels except 
in pronounced 
Summer resorts,are 
open all the yeai 
round, museums, 
castles, libraries are 
well heated,and ex¬ 
press train Service 
is kept up year in, 
year out. Summer 

heat is rarely so oppressive as to mar the pleasure of 
excursions and out door life, while city lite and the 
much developed snow und ice sports all over the 
Empire offer many inducements during the winter. — 
The advantages Germany offers to tourists in 
general, and to Americans in particular are to a great 


A Study in the Amerika-Institut 


extent due to its natural, political and social conditions. 
Travelers who have seen a great deal of our globe, con- 
sider the country between the Danube, Elbe and Rhine 
one of the most beautiful and fascinating of all. The 
valleys of these powerful rivers and their tributaries 

with their ancient, 
of late rapidly deve- 
loping cities and 
their great steamer- 
traffic, the green 
slopes covered 
with vineyards and 
orchards,mediaeval 
villages and mod¬ 
ern country seats 
between them, the 
well wooded hills 
crowned with state- 
ly Chateaus or 
Stern castles, are 
full of romantic 
charm. — Between 
these rivers rise the 
mountain Systems 
of the Black Forest, 
Thuringia and the 
Hartz, the Saxon 
Erzgebirge and the 


Fichtel, while along the Southern boundary of the 
Empire the Bavarian Alps with their snow and ice 
covered giants are of grandeur and wild beauty similar 
to those of the neighbouring Tyrol or Switzerland and 
these mountainous districts were opened up many 

years ago. There 
are scarcely more 
beautiful or better 
managed pine and 
oak-forests to be 
found anywhere,the 
underbrush cleared 
away, almost every 
tree attended to 
with care, wellkept 
cariage roads and 
shady foot paths 
traversing them in 
all directions. Ho- 
and Sanato¬ 
riums have been 
opened on almost 
every beautiful spot 
or mountain top, 
probably with in- 
clined railways lead 
ing up. Many of 
these mountain re- 
sorts are well patronised summer and winter, and 
indeed, one may be in doubt whether they are not far 
more attractive during the cold season, with snow 
hanging heavily on the trees, crowds of merrymakers 
amusing themselves with bobsleighing, snowshoeing, 
Curling and other sports, whilst further away the mystic 


of the Amerika-Institut 






























10 


DEUTSCHLAND iB e 00 0 G€ ^ ^eee80 0 e6 0 6 0 €) ee00 ^ iQii 


stillness is broken by the reports of the hunter's gun 
or the axe of the wood cutter. 

All this picturesque country is within a few hours 
from the capitals and no special expense or outfitting 
is required. ""Roughing it'' as in mountains and forests 
of the new world does not exist. There is no tent-life 
as in the Adirondocks or Alleghanies — not to speak 
of the ''Rockies'', which it takes several days of railway 
travel to reach. The same glacier-parties and moun- 
taineering, which necessitate there such extensive prepar- 
ations, can be carried out in the Bavarian Alps so to 
speak, over night. One night's travel brings the tourist 
from the plains of Northern Germany to the foot of 
the Alps. 

Indeed, all the scenic marvels which the North- 
American continent offers, spread out over its vast area 
of about twenty million square kilometers and to 
admire which takes many days of railway travel, is to 
be found on a smaller scale in Germany within as 
many hours. The whole Empire covers but the thirty- 
fourth part of North America, something like the 
territory of New York, Pennsylvania, New England and a 
portion of Virginia. Montana by itself is larger than 
the kingdom of Prussia, and the whole Empire together 
with Switzerland can be easily put within the boundaries 
of Texas! On the other hand the population of Germany 
is about two thirds of that of the United States, and 
its density is about a dozen times as great. In conse- 
quence, the Empire contains a larger number of big cities 
(with more than one hundred thousand inhabitants) 
than any other country, besides hundreds of smaller 
ones not of recent clate, like those of the far west for in- 
stance, but many of them founded atthe time of the Romans 
and for that all the more interesting, with many curiosities 
of architecture, picturesque streets, fortification towers 
and artistic treasures, accumulations of many centuries 
— many hills are crowned with mediaeval castles, 
some in perfect state of preservation. Every villagOf 
every acre of ground has its history from the many 
wars, in which ihe meetings of rivers were the princi- 
pal battle fields. All these historic and consequently most 
interesting points, landmarks of the history of the workh 
are very dose to each other, and one may see in 
one day s travel in the German Empire more curious 
sights of this kind than in the new world in one week. 
All this must be taken into consideration in making 
one's plans for a trip to Europe and the corresponding 
expense accounts. In short one gets in Germany a dozen 
times the worth of one's money. 

True; conditions in that respect are also very similar 
in England, France or Italy. Yet there are several points 
in favor of the fatherland. In the former countries ait 
treasures, museums, operatic dramatic artistic institutions 
of every kind, wealth and culture are mostly concen- 
trated in their capitals. In Germany there are beside 
the Capital a score of cities of similar character. 

The former countries count among their provincial 
cities some which in times more or less remote have 
been capitals of kingdoms and principalities, living 
still on their past glory, Germany can boast of 
a score of cities, still capitals and residences of 
kings and sovereign princes, with their palaces and 


Courts, in a smaller degree just as much centres of 
art, culture, Science and refinement as the capitals 
of Empires. Such cannot be found anywhere eise 
except in Germany. These reigning dynasties have 
in no mean degree contributed to the high culture 
for which the Empire is famous. They were the originators 
of the accumulation of art treasures, of picture galleries, 
museums, libraries, of universities, art schools, con- 
servatories, theatres etc. which are to be found all 
over the Empire. England's boast is London, Paris that 
of France, but while next to the English Capital rank the 
commercial and industrial cities Glasgow and Liverpool, 
and next to the French Capital Marseilles and Lyons, 
Germany can pride itself to possess next to Berlin 
such world famous capitals as Munich and Dresden, 
and a number of others quite as interesting in their 
way instead of the monotonous provincial towns 
of other countries. To name only a few: Stuttgart, 
Karlsruhe, Darmstadt, Weimar, Brunswick, Dessau, 
Schwerin etc. not to speak of such centres of refined 
culture as Hanover, Cassel, Düsseldorf, Wiesbaden, 
or the famous university towns Bonn, Göttingen, Heidel¬ 
berg, Jena, or the free cities Hamburg, Lübeck 
and Bremen. The court life in the smaller capitals of 
the Empire gives them a peculiar charm and refined 
character not to be found in other towns of similar, or 
even larger and wealthier population. The stately 
palaces with their throne and audience chambers, 
ball rooms and gorgeous banqueting halls, their crown 
treasures, numerous uniformed attendants, court digni- 
taries, body guards, the military parades and bands, 
court balls and festivities, the sprinkling of diplomats 
and aristocrats in social functions distinguish these 
cities from the monotonous provincial towns, attract 
the traveler and induce him to prolong his stay. Munich, 
Dresden, Stuttgart, Weimar and other residential cities 
are centres of much foreign life, with colonies of French 
and English, Russians, Italians and Americans. 

Another attraction peculiar to Germany is the 
great number of watering places of quite international 
character. The Empire is blessed with curative mineral 
springs as no other country, with many thousands of 
foreign visitors resorting to them from all parts of the 
world every year. There are clusters of them in the 
Black Forest, the Taunus and Hartz mountains, beneficial 
for many ailments, and there are others scatteieJ over 
the whole country. Most of them are so charmingly 
situated amidst woods and hills, possess such excellent 
hotels and offer so much social amusement and out-door 
Sport that the number of summer tourists visiting them 
in many instances is larger than that of the "Kurgäste" 
taking the waters: Wiesbaden for instance had last year 
over sixty thousand of the latter, but double the 
number of ordinary visitors. Within an hour's railway 
ride around Wiesbaden there are such places of inter¬ 
national repiite as Ems, Langenschwalbach, Schlangenbadi- 
Soden, Nauheim and Homburg. Further south there 
is pretty Kissingen, while the Black Forest boasts of 
Baden-Baden, Badenweiler, Triberg, Wildbad and others. 
A round trip through these regions offers far greater 
scenic charms and points of interest than the tour through 
the French Touraine for instance, so populär with 




Berlin: Monument of Frederick the Great 





















































12 


DEUTSCHLAND m^^^e^^^^eeeee^eeeees) iQii 


Americans. The automobile roads are in perfect 
condition, passing through much wooded country, and 
as to castles, three times the number of the Touraine 
castles can be seen; — modern chateaus and pictures- 
que mediaeval castles, residences of the mediatized 
princely families of Germany; also ancient fortified 
towns, like Rothenburg on the Tauber or Schlitz, of 
much the same character as centuries ago. 

There is no other country able to boast of such 
artistic productions and festivals during the summer as 
Germany. Rothenburg for instance offers at times the 
most fascinating spectacle of life, manners and costumes 
of the people as it was several hundred years ago; 


tary spectacles will find none in the world as fascinating 
as the annual manoeuvres of the Imperial army in which 
several army corps with from fifty to one hundred thou- 
sand men take part, under the eyes of the Emperor 
himself accompanied by bis brilliant staff of generals 
and foreign officers. 

Throughout the four seasons one need not encounter 
a dull day, wherever one may be. Even the mono- 
tony of smaller provincial towns and industrial centres 
is relieved by many attractions. Almost every city 
has its park and public gardens with bands giving openair 
concerts; every city has its museums, libraries, cafes 
with many newspapers, series of subscription concerts. 



Berlin: Castle and Emperor William-monumenl (Schloßfreiheit) 


Worms, the City of the Nibelungen, has its festivals; 
Munich and Baireuth arrange Wagner festivals; Munich 
also Mozart festivals; beautiful Düsseldorf produces 
every year Shakespeare and Goethe plays; Cologne 
its festival-plays; Bonn its music-festivals and Rüdes- 
heim this year for the first time its Rhine legend plays; 
Oberammergau attracts immense crowds with its passion 
plays and Schliersee with its peasant plays. Both 
these latter idyllic places are situated in the Bava¬ 
rian Alps, and once there, no traveler fails to make 
the round through the famous fairy castles of King 
Ludwig, quite unique in their gorgeousness. When 
the Summer draws to its end, those interested in mili- 


clubs or Casinos, and above all the town theatre, 
where opera, operetta and plays are given. In the cities 
of the Rhine province, notably at Cologne and Düssel¬ 
dorf, the Winter is moreover enlivened by the Camival, 
celebrated with much of its old gaiety by all classes 
of the Population; there are numerous Carneval concerts 
and social amusements, masque balls costume balls 
and openair festivities, most interesting to witness. 

All this can be taken in with the greatest of ease 
and comfort and comparatively little expense. Hence 
tourists are coming to Germany in ever increasing 
numbers; and it is satisfactory to notice that among them 
Americans are already largely represented. 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□c 




















1911 


DEUTSCHLAND i5 


Berlin ofTo-day. 

By Arthur Rehbein. 


The prodigious development experienced by Germany 
since its unification into an empire is best reflected in the 
outward and in ward development of the imperial Capital — 
Berlin. The soaring impetus of the whole nation, prepared 
and commenced under Kaiser Wilhelm 1 by unheard of 
victories and by a row of quiet, eamest years of peace, rieh 
in labour, has found a mighty accomplishment under the 
peaceful sceptre of Wilhelm ü. In the same way, under 
the grandson of the first Kaiser, the imperial city has g-rown 
with a rapidity and to an extent of which the old world can 


could no long*er be allowed to remnin bcbir*d the time. 
I wandered throug’h the various courts and annexes and was 
obliged to admit that this architecture real ly belong-s to the 
richest epoch of German town existence and is adapied to give 
evidence centuries hence of the glory of the Berlin of to-day. 

As a matter of course, from an artistic point of view 
everything is not so admirable; the furious tempo at which 
the city has been enlarged has resulted in many an instance 
of want of taste, but solid and again solid is almost the 
entire architecture of modern Berlin. 



Charlottenburg: Sarcophagus of Kaiser Wilhelm I in the Mausoleum 
(Published by the New Photographie Company A. G. Steglitz-Berlin) 


show no other example and only a possibility of comparison 
could be found in America. Especially since the turn of the 
Century Berlin has shown a power of expansion that is some- 
limes almost explosive and might frighten the observer, did 
not a thousand Symptoms prove this growih, in spite of all, 
to be a healthy one — healthy principally, if I may venture 
to say so, from a commercial point of view. The exterior 
enlargement is connected with an interior growth of vigour 
or, better said, is a condition of it. 

One proof of this, is the manner in which the Berlin of the 
twentieth Century builds. The rule of stucco and of material 
mendacity is past — almost everything is genuine, solid and 
expansive. I saw recently in the Lindenstrasse an imposing 
front of a building of the seventies or eighties being pulled 
down; behind it, the mighty new building — a colossal in- 
surance Company s palace, running right back to the parallel 
Street — was already finished in still grandeur and the front 


Modern Berlin — yes, around the city of Wilhelm I a 
new Berlin has grown up and this circle of suburbs is greater 
and richer than the old town which it encloses. 

Where a few years ago pine forests dreamed alongside 
the quiet lakes, large villa-colonies have arisen, villages with 
onestoried houses have grown in twenty years into large 
towns. And these new large towns with the old Berlin have 
grown together into a giant city. 

Unfortunately however only for the eye — and for the 
post. No stranger, or. quitting the high-level and Underground 
railway at the Nollendorfplatz, would have an idea that there 
he was no longer in Berlin, but rather just at the junction 
of three other towns — Schöneberg, Wilmersdorf and Char*- 
lottenburg. But the stranger need not trouble himself about 
that, the Berliner himself does not trouble about it at all. 
Only the municipal authorities and the town coimcil look 
with anxiety upon the big daughters of Berolina, who allov 













14 DEUTSCHLAND 19T1 


themselves to be prevented by no considerations of filial 
regard from setiing up their own interests in Opposition to 
those of their old mother. 

The development of modern Berlin is quite apart; on the 
continent at least there is no large city that has expanded 
to such an extent and in such a delightful form. Therefore 
modern Berlin is an object worth seeing for itself alone, well 
worth careful observation and study. 

To refer to figures. Schöneberg, a few years ago a 
modest suburb, is, although still an independent communalty, 
at present a "town-district" of about 178000 inhabiiants 
directly connected with old Berlin without any visible boundary 
line; Wilmersdorf, flourishing under just the same conditions 
and also topographically amalgamated with Berlin, even if it 
is likewise not united with it as communalty, had according 
to the last census nearly 110000 inhabitants. That is the 
district of the "millionaire-peasants"^, lucky small farmers^ 
the sand of whose fields was metamorphosed into gold-dust 
in a single night. 

In what way the "opening up" of the commonland 
occurred by the — as already asserted — on the whole sound 
and healthy building speculation, may be seen at the moment 
and perhaps for some years to come at Schöneberg: 
amidst the remains of ancient forests and wide fields, you 
see a bridge of gorgeous architecture Crossing a shallow 
valley, below there Stands a Station of the Underground 
roilway. And already building-plots are being laid out and 
already the "navvies" areengaged digging out the cellars, whole 
columns of bricklayers following them, asphalt-cars stand 
smouldering in the streets and behold, as if by the labour 


of good fairies, nay, as if by the hands of giant ghosts, the 
houses dart up and form themselves into rows of magnificent 
Streets. 

Charlottenburg has a special character, for there the 
venerable ancient looks direct into the eyes of the vigorous 
youth. Charlottenburg is in this connection to a certain 
extent a little image of modern Berlin, if we dare speak of 
a town with 300000 inhabitants as "little". Not far from 
the old castle from which the whole town takes its name^ 
near the quiet and distinguished park, in the shadow of which 
Queen Louise and her imperial son sleep, there extend ave- 
nues in overwhelming numbers and with an astonishing traffic- 
dose by dreamy-looking, I might almost say, dusty villas 
of the eighteenth Century, there appear the bulwarks of the 
mighty homes of commerce, the gigantic and at the same 
time elegant hotels and the imposing palaces of the merchant 
princes. 

There is one corner in this town of millionaires, which 
illustrates the past and the present just like a picture. That 
is the vicinity of the Lietzen lake. A narrow girdle of woods 
round the long extended pond retains together with it, like 
a natural museum, the recollection of the time not so long- 
past when there could still be seen here a piece of genuine 
country life with woods and fields — the Witzleben farm —, 
but on this narrow frame there rise already the roofs of 
comfortable tenement-houses. 

ßehind the Western rows of houses the verdant tops of 
the Grunewald trees are visible. But for how long? Already 
the great Capital in its lust for conquest is sending out its 
advanced guard into the pine-forests. Certainly she tries to 



Berlin: Cathedral, on the left ihe Old Museni 






















1911 


® DEUTSCHLAND 


15 


circumvent the enemy by showing him only amiable and 
pleasant patrols. The old wood thinks; "Hm, if the city is 
so beautiful" — and sacrifices one tree after the other. 

Not only in the west — in every direction the spider 
Berlin enlarges its stony net. A good example of such 
intermitlent radiation is seen in the south, where 
ihe Community of Tempelhof has purchased 
the Western part of the Tempelhof common, so 
long tramped by millions of military boots and 
horse-shoes, for building purposes. Chidhr, 
the ever-young, does not need to wait 500 
years to find a completely altered picture 
here — for the district behind the Kreuzberg 
it would be sufficient, if he came "riding the 
same way" in five years. He would open 
his eyesl 

Still a few names out of the ring of dwelling- 
places in that great work and pleasure city 
Berlin. Behind Wilmersdorf and Schöneberg, 
but already grown together with them and with 
each other, lies Friedenau-Steglitz to which 
further the carefully planned villa colony 
Dahlem has joined itself, forming a frame of 
houses for the new botanical gardens. In the 
South flourish Gross-Lichterfelde, Lankwitz, 

Südende, Mariendorf and still further oul 
Zehlendorf, all at the cost of the Capital, 

Rixdorf-Brietz in the souih-east and Treplow- 
Rummelsburg in the east live from the super- 
fluity of the metropolis, but even in Grünau 
and Friedrichshagen, to which it is already 
almost a joumey, there live numerous families whose sup- 
porters eam their bread and their caviar in Berlin. In the 
north Reinickendorf, Pankow and Tegel dose the circle. 

But can it be asserted that because such a luxu- 
riant life flourishes round about Berlin that every visitor is 
charmed by it, the Capital itself has lost its value as a city 
worth seeing? By no meansl The old city has above all a 
treasure, of which she imparts nothing to her greedy scions, 
but which she, with the assistance of the crown, the province, 
the government and the empire, constantly enriches — her 
museums. 

Professor Max Dvorak, the professor of the history of 
art at the Vienna university has recently (February 1911) 
published in the "Neuen Freien Presse" an essay on 
"Museums and Libraries" in which he characterises the 
Berlin museums as the most instructive in the 

World. 

But even if they were not so, in any case they contain, 
like the Dresden gallery, the Glyptothek and the Pinakotheken 
at Munich, the Uffizien in Florence, the Hermitage at 
St. Petersburg, the Prado in Madrid, the National Gallery in 
London, the Mauritzhuis in the Hague, the Rijk Museum in 
Amsterdam and some others, artistic gems, which we must 
have seen, if we have the means and the inclination to make 
our own the very highest which the fine arts have produced. 
Upon the "museum island" during the reign of Kaiser 
Wilhelm II there have been established two new homes of 
art of the highest importance — the Kais^ Friedrich and the 
Pergamon museum — in addition to the old and new museums 
and the National Gallery. The Kaiser Friedrich museum 
houses, among other treasures, a great number of the pictures 
by the old masters (Rembrandt, Rubens, Murillo, Raphael, 
Velasquez, Franz Hals, van Dyck, Giorgione etc.) also the 
Tiuch-disputed, wonderfully beautiful Flora bust, according 
to Bode the work of Leonardo da Vinci; the Pergamon 
museum, at present being re-built, contains the most com- 
prehensive monument of Greek plastic art that has come 


down to posterity and secures thereby for Berlin a worthy 
counterpart to the splendour of the London Eigin room. 

The present Kaiser has also enriched and adorned his 
Capital in other ways; in fact he has done it to such an 
extent that it is impossible to do justice to this Maecenas- 


like activity within the space of a cursory description. We 
must content ourselves with a few allusions. 

Wilhelm II is reported to have said: "I will make Berlin 
the most beautiful city in the world." In the pursuance of 
this Programme a few years after ascending the throne (1895) 
he offered his residential city a truly imperial present; on his 
birthday he informed the inhabitants that he would cause to 
be erected in the Siegesallee in the Tiergarten marble-statues 
of all the Sovereigns of the house of Brandenburg. The 
question has indeed been fiercely debated, whether the Sieges¬ 
allee actually constitutes an adornment of Berlin; it has 
almost become the fashion to answer this question by a 
negative gesture, but I doubt whether the foreigner and — 
posterity will endorse this condemnation. In any case, the 
idea is a magnificent one and only the malevolent can deny 
that in the double-row of monuments many a noble work of 
art is to be found. 

The Kaiser has been successful so far, that no other town 
in the world is so rieh in sculptures publicly erected as the 
imperial city on the Spree; the national monument to Wil¬ 
helm I on the castle-grounds, first created for it, will be com- 
pleted by the monuments to the Kaiser's paladins, and also 
the fine arts, literature and Science find their best men hon- 
oured here in marble or in brass. In addition there are 
also here and there, for example in the vicinity of’ luo Nat¬ 
ional Gallery and in the Tiergarten, plastic works erected 
in the open air having no reference to persons and relying 
only on their value as works of art for their effect. It may 
calmly be admitted, that several among the Berlin monuments 
are failures — but what breaches of taste has Paris not 
committed in this respecti And we really prefer, among a 
large number of monuments to have a few a little less good, 
than, like London, to possess as good as no public works of 
plastic art at all. 

To the beautifying of Berlin belongs also the trans- 
formation of the Tiergarten from a wood, offering a place 
of refuge to all loose characters, into an elegant and charm- 



Berlin: National Gallery 

(Published by the Neuen Photographischen Gesellschaft A. G. Steglitz-Berlin) 








16 


DEUTSCHLAND 


1911 




ing- park. And as modern Berlin grows more and more 
around this green space, the Tiergarten becomes more and 
more the central point of the Capital. 

The "Zoo" forms, so lo say, a part of it. The abbrev- 
iation "Zoo" means more than a saving of time, it is a 


Berlin, Zoological Garden: Elephant House 

token of love and intimacy like the familiär abbreviations of 
personal names. The Berliner loves his Zoo and is proud 
of it. And justly so, for this park of natural Science and 
sociability is perhaps the most magnificent establishment of 
its kind in the world. Over 1400 
different species of mammalia and birds 
live in the peculiar dwellings, in them- 
selves worlh seeing, overshadowed by 
splendid trees. And on the terraces 
with 10000 seats in the open air, in | 
the concert halls with 9000 sheltered 
places, the residents and their guests ^ 
assemble gladly round a faithful tribe 
of regulär visitors to the Zoo. The 
new exhibition-halls finally, comprising 
12 500 square yards and able to hold 
25 000 persons are the biggest halls of 
modern Berlin. 

The allerations in the architectural 
condilions in old Berlin since the turn 
of the Century are considerable and 
fjTOve that the prodigious progress of 
the suburbs has been accompanied by 
no retrograde movement of the mother 
city. Not only numerous splendid 
private and business houses, hotels 
banks, etc. have sprung up, but also 
the municipal, government and imperial 
buildings have all been considerabl> 
enlarged and rejuvenated. There may 
be named the three houses of parlin- 
ment — Reichstag, Landtag and Herren¬ 
haus —, the imperial stables, the patent-office, the imperial 
hygienic department, the new municipal offices, etc. Berlin may 
be particularly proud of the many most excellently planned and 
exemplarily fitted up new erections devoted to the education 


of youth and of the poorer classes, that have arisen in recent 
years; also a strong tower of Science is the technical 
highschool at Charlottenburg. And not far from it rises 
the stately building of the high school for music and the 
plastic arts, the new home of the Royal Library and of the 
Archives is half ready and in use; the 
other half is growing up "Unter den 
Linden", the Märkische Museum is a 
mostexcellent exampleof modern archi- 
tecture resting on the best traditions 
of the ancient — in short every where 
in old Berlin a new life is blooming. 

Here we may well find room for 
a remark which the Roosevelt ex- 
change professor made to a reporter 
at the recent Washington celebration 
in the American embassy at Berlin. 
Mr. Smith said (according to the 
Berliner Lokalanzeiger): "The Amer¬ 
ican colony fortunately recognises 
more and more what enormous possi- 
bilities Berlin offers it; here it finds 
just what it seeks and makes use of, 
better than anywhere eise in Europe. 
For the American colony does not 
consist of business men but of artists 
who are at home in Berlin." 

The number of theatres has also 
enormously increased. It is asto- 
nishing how many temples Thalia 
and Melpomene possess in this city. 
And nevertheless zealous sacrifice 
is made to the Muses in them all. 

That brings me to a special trait in the character of 
modern Berlin; scarcely anywhere can people work more 
intensively than in this largest city of Germany, but on the 


Potsdam: Pleasure Garden and Town Castle 
(.Published by the Neuen Photographischen Gesellschaft A. G. Steglitz-Berlin> 

Other hand scarcely anywhere is the life more intensely "fast". 
A glance from the Warschauer bridge towards evening when 
the factories and offices are emplying, or a walk across the 
Potsdamer Platz an hour or two after midnight — what a 



















1911 DEUTSCHLAND 17 




contrast and yet what a unison in the life-tempo I — Through 
its pleasure resorts, from the Royal theatre and the Court 
Opera down to the dancing rooms in the Friedrichstadt, Berlin 
first became a resort for foreigners. In Berlin there is no 
boredom, least of all for him who following the advice of 
Cassius has "put money in his purse". 

How many strangers annually visit the instructive and 
entertaining town 
of course can not 
even be estimated. 

Düring the last five 
years an average 
per year of one 
and one half mil- 
lion visitors has 
been reported to 
the police, among 
them being more 
than30 OOOAmer- 
icans, and from 
these numbers 
are omitted all 
those staying with 
friends or relat¬ 
ives. It is cer- 
tainly a matter of 
course, but may 
nevertheless be 
expressly men- 
tioned here, that 
the development 
of the hotel ac- 
commodation has 
kept pace with this 
increase in the 
number of visitors. 

It is very im¬ 
portant for the 
provincial and 
ioreign visitors to 
notice one remark- 
able characteristic 
of Berlin soc- 
iety which will 
ccrtainly be look- 
ed upon by them 
as an advantage; 

I mean ihe toler- 
ance ol our Sa¬ 
lons, the trifling 
degree of exclu- 
siveness practised 
by our ” upper 
ten". Here again 
a foreigner may 
serve as witness 
for my assertion. 

Hermann Bahr, 
the gifted Vienna 
poet remarked to 
a questioner some 
weeks ago as to 
the social difference between Vienna and Berlin: "Here in 
Berlin the society has something grand and free, something 
liberal, it brings the heterogeneous elements together. With 
US in Vienna cliques rule and the people of individual 
professions who associate with one another, subdivide 
themselves again into cliques". 


Certainly large-hearted liberality has its disadvantages 
but in no case for the strangers. 

When speaking of Berlin society one phaenomenon must 
be remarked upon, which is unmistakably obvious to the un- 
prejudiced but sharp-sighted observer; the Berlin life shows 
constantly more and more cultivation. I do not mean 
snobbism, but actual social and esthetic cultivation. That 

is less easy to 
prove than to feel. 
And I will also 
willingly admit, 
that this satisfac- 
tory development 
is still frequently 
in the germ. But 
there it is, un¬ 
mistakably. 

It would in- 
deed be stränge if 
it were otherwise. 
There is first the 
effect of the 

numerous artists 
and literary peo¬ 
ple who, after the 
French fashion, 
are more and 

more attracled by 
the metropolis, 
and then comes 
the influence of 
the Court. All 

the World knows, 
1 would almost 
say, that Kaiser 
Wilhelm loves to 
break through the 
iron ring which, in 
accordance with 
the old Prussian 
tradi i ions, isolates 
the Court of Berlin 
socially. Men of 
the worlds of in- 
dustry and high 

finance have often 
obtained the ear 
of the monarch 
and certainly not 
to the injury of 
the general well- 
being. Also citi- 
zens of the 
American union, 
whose names are 
not to be found 
in "Gotha", have 
had tho gates of 
the Castle at Ber¬ 
lin opened to them 
on many an oc- 
casion. Iscarcely 
need to refer to the American voyage of Prince Heinrich to 
substantiate the Statement that his imperial brother under- 
stands how to value the forces which have raised free 
America to her present greatness. 

This trait of the German emperor, so singulariy 
connected with an obvious tendency to the romantic, 


Potsdam-Sanssouci: Great Terrace in front of the Castle 
(Published by the Neuen Photographischen Gesellschaft A. G. Steglitz-Berlin) 


Potsdam-Sanssouci: View in the Sicilian Garden 
(Published by the Neuen Photographischen Gesellschaft A. G. Steglitz-Berlini 




















18 DEUTSCHLAND 


Bs} 1911 


known to all the world I termed modemity: I believe the same 
predicate might also be applied to the already discussed 
characteristics of the "Berlin of to-day". 

On the other hand, it is by no means world-wide know- 
ledge and not even known to many Germans, that the imperial 
Capital city which attracts us by so many charms, can show 
in its environs landscape attractions of a quite peculiar nature. 
A g-reat Service is rendered to the visitor in Berlin when he 
is advised to make himself acquainted with the melancholy 
beauties of the Havelland pine forests, with the charms of 
the lakes in the Spree wood, with the unpretentious grace 
of the Märkisch brick architecture. If you say, how does 
this come in under the title "Berlin of to«day"? Well, 
because although centuries old, it is really a discovery of 
the last decades. The pens of a Fontane and a Trinius, the 
pencil of a Leistikow were the finger-posts indicating these 
hidden treasures. The convents Lehnin and Chorin, the 
Castles of Rheinsberg, Königswusterhausen, etc., the deer- 
haunted forests round the Werbellin lake, the cheerful 
splendour of the Märkisch Switzerland — all offering ex- 
cursions well worth the trouble! 

Berlin has still indeed its best in its nearest vicinity, 

Potsdam, 

embowered in green, lighted up by sparkling waves, the 
summer-seat of the Kaiser. The two residences are connected 
with each other by one single gigantic park. And in this park, 
blue lakes wind a Serpentine course—Wannsee, Schlachten¬ 
see, Nikolasee, etc. Lines of gleaming white or coloured villas, 
all Creations of this young Century. Potsdam itself is one 


large garden in which the castles and castle-parks of the 
Hohenzollerns — Neues Palais, Sanssouci, Babelsberg, Marmor¬ 
palais, Glienicke, Charlottenhof — only represent especially 
well-kept parts. For Potsdam all the Hohenzollerns have 
done so much that there remained little more to do for the 
reigning scions of the proud house to-day. The spirit of the 
Great Elector and of the great king may still be observed, 
the picture of the military king lives before us in the Lustgarden, 
exercising his giant recruits; Friedrich Wilhelm III and queen 
Louisa with their unfortunate and their fortunate son — all 
these figures have left their traces behind them in Potsdam. 
The clearest of all are certainly those of the "Alte Fritz", his 
Sanssouci alone would make Potsdam the most populär resort 
of excursionists out of the imperial Capital. 

But William 11 has also done his share towards the 
splendour of Potsdam and particularly by adopting the place 
as the true home of himself and his family and by allowing 
a part of the court and military life of his reign to be enacted 
there. The manner in which the Kaiser and his family live 
in their Havel residence has something about it of the con- 
fidential character which in the smaller princely courts binds 
rulers and citizens together. 

Potsdam—Berlin: in these two names we have a picture 
of the Brandenburg—Prussian—German historyl Truly, we 
cannot better come to a comprehension of the peculiar 
development of the new Germany than by motoring over from 
the peaceful terraced garden of the "Marquis of Brandenburg-" 
into the luxurious activity of the splendid quarter, which under 
the grandson of the conqueror at Sedan has risen flourishing 
as if by enchantment out of the Märkisch sand. 


Leipsic as a Commercial City and its Fairs 


In the last decades the town of Leipsic has exhibited 
an unexpectedly rapid development in all directions and 
deserves with perfect right to be looked upon as a modern 
town of progress. According to the number of inhabitants 
— in the year 1910 the census was 585743 in contrast to 
90967 in the year 1867 — it Stands as one of the leading 
cities of the German empire. Of much greater importance 
however than this exterior token of its greatness is the present 
eminent importance of the modern Leipsic in commerce 
and manufactures as 
well as in Science and 
the fine arts. In the 
general picture of the 
town as well as in 
its architecture the 
characteristic feature of 
Leipsic, its modern de¬ 
velopment, everywhere 
comes plainly to percep- 
tion; the requirements 
of modern traffic, of con- 
venience and of hygiene 
have caused the dis- 
appearance of many an 
old building, especially 
in the interior of the 
town. The constant and 
rapiclly increasing sym- 
pathy with the internat¬ 
ional intercourse move¬ 
ment sufficiently proves 
that Leipsic now-a-days 
is indeed a city of foreign 
intercommunication. 


In the province of Science Leipsic, as is well known, 
owes its renown to its old and celebrated university, in the 
celebration of the 500 years’ jubilee of which the whole 
scientific world at home and abroad took part. Through the 
Supreme Court of the Empire it has become the seat 
of the highest German court of justice. As a musical 
city Leipsic also occupies an eminent position. The two 
cradles of the art of music in it, the Royal Conser- 
vatorium and the Gewandhaus have always exercised a 

very powerful attraction 
on students at home and 
abroad. But Leipsic is 
n tower of strength not 
only for Science and 
music but for other arts 
as well. The two town 
theatres, which from the 
year 1912 will be under 
private management, are 
of very high artistic 
renown. Five municipal 
m u s e u m s, the Mu¬ 
seum of the Plastic arts 
in the Augustusplatz, 
the Ethnological and 
Geographicul Museums, 
which as well as the 
Applied Art Museum 
have found accommo- 
dation in the Grassi- 
Museum, and finally the 
Town Historical Museum 
in the old Town Hall, oll 
contain art treasures of 



Leipsic: New Town Hall 


















1911 DEUTSCHLAND 19 


the very highest value, among’ them being the most im¬ 
portant Creations of Klinger, Böcklin, Leibi, Segantini etc.; 
the town library also wilh its precious articles and rare 
Works is well worth seeing. The promenades and parklike 
gardens beautified by numerous fine works of plastic art are 
called the pride of Leipsic, although perhaps even above 


of the Graphic Arts is likewise planned. The town also 
intends at last to avail itself of the so-called Elster meadows 
in the suburbs, in Order to form a great water basin or lake, 
somelhi.ng like the Hamburg Binnen-Alster. 

The main importance of Leipsic, as is the case with 
every great modern city, lies in the province of economy and 



Leipsic: Augustusplace with the Meude Fountain, the New Theatre and the General Post-office 


them stand the glorious town woods which extend right into 
the city itself and in the cultivation of which the highest 
emphasis has been laid upon the preservation of the landscape 
scenery in all its beauty. The south municipal cemetery with 
its newly erected crematorium, a really eminent architectural 
Creation, has also the character of a public park or garden. 
Leipsic can also point to original and distinctive ancient 
architectural monuments, for example the Renaissance build- 
ing of the old Town Hali, recently re-built, renovated and 
beautified. In the last decades however, numerous new monu¬ 
mental edifices have also arisen, of which here, the Supreme 
Court of the Empire and the newTownHall with the 
administrative Offices may be specially indicated. 

Nor must we omit to mention that the new Central 
Railway Station at Leipsic is rapidly approaching com- 
pletion. The opening of this Station will be a highly important 
occurrence for the entire commercial and traffic conditions 
of the city; in the matter of space alone, the new buildings 
will surpass those of any other railway Station on the con- 
tinent of Europe. The completion of the National-Battle 
(1813) Monument (Völkerschlachtdenkmal) is expeted in 
the year 1913 and will be, it is said, in its imposing grandeur 
and artistic treatment one of the most eminent Creations 
of monumental art ever seen. — Leipsic also enjoys a 
constantly Increasing amount of consideration as a city of 
Exhibitions and Congresses. In the year 1913 a great inter¬ 
national Exhibition of Architeclure (Baufach-Ausstellung), as 
well as the 12th German Gymnastic Festival, will be held 
within its waüs, For the year 1914 an international Exhibition 


it will be the object of the following article to delineate in 
broad outlines a general picture of Leipsic as a manu- 
facturing, a commercial and a "fair" city. 

The transition to manufacturing on a large scale in 
Leipsic has been rapidly accomplished along the entire front 
of the industrial life. 

The entire picture of the industrial dsvelcpmerit staiids out 
in bold relief on contrasting the numbers of factories and of 
factory hands in the years 1882,1895 and 1907. In Leipsic the 

number of principal number of persons 
works amounted to: employed in them 

amounted to: 

in the year 1882 9940 42 359 

„ „ „ 1895 17 508 96081 

„ „ „ 1907 20355 146506 

In every large city, in addition to those branches of 
manufacture chiefly occupied in ministering to local require- 
ments, there are usually a number of others taking into 
their plan of operations the entire European continent, and 
some few whose market is the whole world. 

Among the industrial branches of Leipsic it is customary 
— and justly so — to name as highest on the list the 
graphic arts with their numerous special ramifications, 
for example book-printing, photogravure, lithographic-copper- 
plate and music-engraving, type-founding, brass-rule and 
type-making, lithographic, chromo-lithographic-, xylogp-aphic, 
galvanoplastic- and graphic-institutes, coloured and fancy- 
paper manufacture etc. All these branches stand in direct 
relation to the Leipsic book-trade and owe to it their origin 
and their great expansion, of course also reacting on it witho 



















20 DEUTSCHLAND 1911 


favourable results. Bookbinding’ as well is closely 
allied with the poligraphic arls. With the extension of the 
Publishing trade in general and especially with the only 
recently increasing demand in Germany for bound books, such 
as have for many years been the fashion in England, France 
and America, the number 
and size of bookbinding 
establishments has also 
naturally increased. In 
Leipsic, according to the 
latest census, there are 
276 large bookbinding 
Works employing 7263 
persons; 9 of these 

Works employed between 
201 and 1000 people. — 

Engineering works 
also form a prominent 
feature in the industrial 
life of Leipsic with their 
various special or closely 
connected branches such 
as iron-founding, agri¬ 
cultural machine manu- 
facture, electric works, 
the building of trans- 
mission plants, steam- 
machines, molors, cot- 
ton-spinning and other 
machines for the textile 
industry, printing ma¬ 
chines, paper and woodworking and toolmaking machines, wire- 
cable lines, armature and fitting works, bicycle manufacture, 
clock and watch manufacture etc. — The productions of the 
Leipsic musical Instrument makers are celebrated 
throughout the world and not only the pianoforte, organ, 
haiTnonium and orchestrion works but also those for automatic 
musical and speaking apparatus; the latter are distributed 
on a most extensive scale both ihrough Germany and abroad 
by means of the Leipsic fairs. 

The textile-industry has attained a high degree 
of development in Leipsic; the city boasts of wool-carding 
works, wool and worsted spinning-mills, cotton-mills, canvas 
weaving-mills, jute spinning and weaving-mills, as well as 
knitting-works, embroidery, lace and ruche or quilling-makers. 
According to the census of the year 1907 the textile-industry 
comprised Ö2Ö principal works employing 11838 persons; 
4 works alone employ more than 1000 people each and in 
8 mills there work between 201 and 1000 persons in each. 
Further branches 
of industry in 
Leipsic worthy of 
mention are: The 
metal and mach¬ 
ine manufacture: 
carriage-building; 
tinwaregoodsman- 
ufacture; iron-safe 
and depot buil¬ 
ding; Chemical 
works; paper man¬ 
ufacture: paste- 
board and mill- 
board works; india-rubber works; the wood-trade: the 
furniture manufacture, the picture-frame etc. works; the 
Provision ard articles of enjoyment trade: beer-brewing; 
cocoa and chocolate manufacture; coffee-roasting; preserves 
manufacture; mineral-water, lioueur and cssence making; also 


the whole tobacco-industry; the clothing-industry: the manu¬ 
facture of ready-made clothes and linen, the preparation of 
artificial flowers and ornamental feathers, furrier's work and 
shoe manufacture. 

Among the firms carrying on business here are 

quite a large number 
that enjoy a worldwide 
reputation. 

The economic life 
of Leipsic receives its 
typical stamp from its 
comprehensive and high- 
ly developed Whole¬ 
sale intermediary 
trade. And just as in 
the manufacturing in¬ 
dustry of Leipsic the 
highest rank belongs by 
right to the graphic 
arts, so in the trading 
life, the book-trade, 
which Stands in imme- 
diate relationship with 
ihem, undoubtedly as- 
sumes the first Po¬ 
sition. The book-trade 

in Leipsic has attained a 
height and an expansion, 
which entitles the town 
to the unchallenged title 
of the Capital of the 
German book-market, the sphere of interest of which, as is 
well-known, extends far over the frontiers of the empire. The 
present renown of Leipsic as the high tower of the German 
book-trade is based partly upon the brilliant representation 
of the book-publishing trade and partly upon the 
Commission business, forming the principal support 
of the entire book-trade, which has developed itself most 

rapidly to a high degree of efficiency. Almost every firm 

in the German book-trade has at present its commission 
agent in Leipsic. Of course, in addition to the publishing- 
houses and the commission-booksellers there are also all the 
other branches of the trade to be found at Leipsic, for 
instance the ready money retail booksellers, the ordinary 
retail booksellers, the second-hand booksellers, the fine art 
dealers and the music sellers. 

The Leipsic für or peltry trade has raised itself to 
a positively international importance. The Wholesale furrier 
firms at present established in Leipsic are the greatest and 

most important in 
the entire trade 
and are looked 
upon as the sup- 
porters of the 
trade of the world 
in their branch. 

Every year 
three peltry fairs 
are held at Leip¬ 
sic. The new- 
year’s fair opens 
the für season; 
at it transactions 
lake place especially in American and Russian goods. 
Then, after the Leipsic dealers have provided them- 
selves at foreign fairs or auctions with Stocks of all 
kinds of fürs the Easter fair, the most important of all 
the für or peltry fairs, takes place at Leipsic. Every 





Leipsic: Town Trading Hall 



Leipsic: Central Railway Station, to be opened 1913—1914 



















1911 


DEUTSCHLAND 


21 


foreig^n land is represented airiong' the buyers at this fair. 
The third für fair occurring“ in Leipsic at Michaelmas is 
chiefly attended by German purchasers. 

In Order to complete the entire picture of the Leipsic 
trade, the following branches of the Wholesale business must 
be emphasised as especially worthy of remark: the Whole¬ 
sale wool trade, the cloth trade, worsted trade, manufactured- 
goods trade, leather trade, bristle-trade, hide and skin trade, 
the trade in agricultural raw produce and manufactures, 
the Products of the mining and engineering Industries, 
the Wholesale trade in clocks, watches and appurtenances, 
in colours, Chemicals, drugs etc. Also the export agency 
business has acquired a firm footing in Leipsic and is 
represented by a number of respectable houses. 

An important share in the expansion of the trade and 
manufactures of Leipsic must also be ascribed to the highly 
developed banking and 
forwarding businesses. 

The history of the town 
of Leipsic is most closely 
connected with the Leipsic 
fairs. One characteristic ot 
the development of the latter 
is observable in the fact that 
about the middle of the 
nineteenth Century the old 
merchandise fairs for a great 
number of articles '.vere 
gradually transformed into 
sample fairs, which at present 
almost exclusively rule the 
traffic at the fairs. The 
goods themselves are no 
longer exhibited there, but 
only samples of them, ac- 
cording to which the Orders 
are given and taken. In 
this manner the Leipsic fairs 
deal at present especially with the productions of the 
ceramic art, with glass, metal, wood, haberdashery, paper, 
leather, india - rubber, basket - wares, fancy goods, toys, 
musical Instruments and with a number of other allied 
branches of industry. This modern sample trade at the fairs, 
which exclusively serves the Wholesale trade, evinces an 
unexpectedly rapid development and has become an arrange- 
ment which not only interposes powerfully in all phases 
of the national economic life, but has also aroused an 
active interest and a constantly increasing participation 
by all foreign countries. The Leipsic fairs have assumed 
a perfectly international character, more clearly 
imprinted upon them from one fair to the other. They take 
place now twice a year, in spring and in autumn and each 
lasts a week. The Michaelmas fair of 1911 will commence 
on the August, the next Easter early fair on the 

4th March 1912. 

The number of exhibitors amounted to: 

at the Easter early fair at the Michaelmas fair 


in 

the 

year 

1900 

2317 

2453 

n 

ff 

„ 

1901 

2634 

2537 




1902 

2659 

2780 

n 



1903 

2658 

2776 


ff 

fT 

1904 

2779 

2880 

n 

ff 

n 

1905 

2930 

3101 

n 

ff 

n 

1906 

3159 

3275 

„ 

ff 

n 

1907 

8358 

3365 

rr 

ff 

n 

1908 

3501 

3438 

n 

ff 

rr 

1909 

3444 

3606 


ff 

rr 

1910 

3682 

3741 


The number of purchasing firms at the sample Stores, 
as far as was ascertained (of whom also the great majority 
attend both fairs) amounted 


in 

ihe 

year 

1900 

to 

4808 

rr 

rr 

rr 

1901 

ff 

5595 

rr 

rr 

TT 

1902 

ff 

6 401 

n 

rr 

rr 

1903 

ff 

7 534 

TT 

rr 

TT 

1901 

ff 

8332 

TT 

rr 

TT 

1905 

ff 

9105 

rr 

rr 

TT 

1906 

ff 

9886 

rr 

TT 

TT 

1907 

ff 

10618 

rr 

TT 

„ 

1908 

ff 

11054 

„ 

rr 

„ 

1909 

ff 

11722 

„ 

rr 

„ 

1910 

ff 

12 359 


Of the ascertained 12 359 purchasers in 1910 there fall to 
the German empire, according to their nationality 9367 and 

to foreign countries 2992 
apportioned as follows: Bo- 
hemia 547, the rest of Austria 
537, Hungary 168, Holland 
and Luxemburg 277, Great 
Britain and Ireland 232, 
Russia (including 23 from 
Finland) 221, Denmark 194, 
Switzerland 173, France 172, 
Belgium 108, Sweden 88, 
Italy 70, the Balkan peninsula 
54, Norway 40, Spain and 
Portugal 8, North America 73, 
Central and SouthAmerica 22, 
Asia, Africa and Australia 8. 
Considered absolutely, the 
number of purchasers from 
abroad may seem triffling in 
comparison with those from 
Germany itself. As however 
the Orders given by the foreign 
purchasers are regularly very 
extensive ones, we can admit that the share taken by foreign 
countries in the Leipsic fairs is very considerable indeed. 

The Principal work of preparation for the fairs is done 
by the exhibitors themselves in the preparation and arrange- 
ment of the sample collections. A large measure of the 
success of the fair for the exhibitors is dependent upon this 
work. Great care is taken for the suitable exhibition of the 
samples, not only in the municipal fair-palaces especially 
erected for that purpose but also in similar private buildings 
and other available halls. In the possession of the town there 
are two of these great fair-palaces, the Town Sale- 
rooms (Städtisches Kaufhaus) and the newly erected 
Town TradingHall (Städtischer Handelshof). All these 
fair-palaces are situated quite dose together, the entire fair 
traffic being concentrated within very narrow limits. The 
exhibitor himself takes some of the necessary steps to advise 
the body of purchasers that he is represented at the Leipsic 
fair, but this is mainly effected by the fair-committee of the 
Leipsic chamber of commerce in Publishing the "Official 
Directory to the Leipsic Fair". This work as a book of re- 
ference for the purchasers at the fair and the "Index of Pur¬ 
chasers frequenting the Leipsic Fairs" also published annually 
by the fair committee of the Leipsic chamber of commerce, 
represent the main connecting links of the traffic belween 
"■exhibitors and buyers. Seventeen thousand copies of the 
"Official Directory to the Leipsic Fair" were published in the 
last issue. 

ln the constantly increasing numbers of the purchasers 
as well as of the exhibitors from home and abroad, the urgent 
conviction of the importance of the Leipsic fairs for buying 



Leipsic: Old Town Hall 








22 DEUTSCHLAND 


1911 


and selling- ßnds its numerical expression in ever widening- 
circles. The advantages both for buyers and sellers 
of regularly attending these fairs are manifold. For the 
exhibitor who meets at the fair a large number of pur« 
chasers simultaneously, sending in to Leipsic represents an 
excellent means of disposing of bis goods and relieves him 
entirely or in part from other expansive processes, such as 
the sending out of travellers. To the purchaser the 
Stocks of samples at the fair offer, in their discriminating 
arrangement, the best opportunity of informing hiroself rapidly 
as to the entire position of the branch of industry interesting 
to him with its specialities and novelties and at the same 
time of forming a judgment as to the efficiency of the indi¬ 
vidual manufacturers. The immediate personal relations 
between manufacturer and buyer at the Leipsic fair are for 
both parties of inestimable value and can be cherished and 


promoted through no other institution in the world to the 
same extent as through the periodical meetings at the 
Leipsic sample fairs. 

The many hundred years existence of the Leipsic fairs 
offers a certain security for their permanence. However^ it 
is not alone on the preservation of the Leipsic fairs but on 
their further extension that all concemed, in Germany as 
well as abroad, have the greatest interest. The politic-eco- 
nomical problem here offered for solution is of extraordinary 
significance and affords a wide field of many sided activity 
and responsibility; the question affects a very valuable in- 
heritance which the present generation has entered upon and 
which it should hand down to posterity in the same vital 
and flourishing form. The Town Council of the City 
of Leipsic and the Fair Committee of theLeipsic 
Chamber of Commerce share in this task. 


The International Hygiene Exhibition Dresden^, 1911. 


Health is the greatest treasure on earth, health for the 
individual and for the race is the end after which all true 
philanthropists yeam and strive, has been the ardent wish 
of all past times. In history, in the legends and fairy tales 
of fountains of health, of healing waters and miraculous 
drinks, of enchanted gardens, castles and mills, in which the 
old became fresh and young again, in all these we encounter 
the passionate longing of mankind for health and beauty, 
the hope that there may be a secret power in the world, 
able to heal the sick and the 
infirm, to make the ugly, old 
and deformed young and well« 
shaped and to guide mankind 
into a cheerful and harmonious 
existence. 

Something of this yearning 
hope, of this beatific faith has 
also filled those who have con« 
ceived the idea of a World 
Exhibition ofUnitedHy« 
gienics in our days. Hundreds 
of men met together, statesmen, 
administrative officials,doctors, 
pedagogues and philanthro« 
pists, to assist in realising this 
tremendous thought. Every« 
thing that hitherto in the great 
wide world had been invented 
and tested for the protection of human health, everything 
that anywhere, even in the remotest corner of the earth, had 
been imagined to preserve mankind from sickness and suffering, 
every arrangement and every measure tending to the improve« 
ment of the circumstances of life, to the increase of bodily 
vigour and pleasure in existence, to security against dangers, 
all these things were to be brought together in one town in 
one single great show, out of which should grow blessing and 
healing for all mankind. The invitation went out to all nations 
to co«operate in this great work of cultivation, in this act of 
peace, and one nation after another reported itself promptly 
and gladly as willing to participate. 

For years the work grew quietly under the hands of 
3000 of the most important hygienists and more and more 
the material increased. As if of itself the Organisation resulted 
in a division into five great sections. 

In a populär section which appeals to the public at 
large and comprises the entire district of hygienics for the 
individual man, it is intended to make clear to the visitor 


how the human body is created and how its Organs exercise 
their functions. It is hoped in that way to incite people to 
consider to what injury they have unknowingly daily hitherto 
exposed themselves, in what an utterly unsuitable way they 
have often lived and nourished themselves and how they 
may do better in future. All the exhibits will be intelligible 
to the merest layman. The comprehension of the visitor 
will not be troubled by things which do not interest him 
and for which he has not had the necessary instruction. 

In particular the need to 
know: "how can we nourish 
ourselves rationally?" will be 
replied to in the most explicit 
and detailedmanner. Provisions 
will be shown in hundreds of 
examples not only in their 
composition and their nutritive 
value but also with their prices 
attached, as in truth with the 
majority of mankind the latter 
is the deciding point in the 
consideration whether pro¬ 
visions are suitable or not. 

The scientific section 
will provide the material which 
interests principally the expert. 
Where doctors, hygienists, Pro¬ 
fessional men and administra¬ 
tive officials go to pursue their studies, exhibits have been 
provided for, which assume a perfect understanding ol the 
subject and exclude everything superfluous which the expert 
already knows. 

The historical section will represent the history of 
hygienics from the earliest antiquity up to our own times and 
will excite special interest on account of it being the first time 
that the history of hygienics has ever been related connectedly, 

To Sport, as an important factor in matters of health, 
specially large space has been allotted in this exhibition. 
Besides a special section, sport is also represe^'^ed by a 
number of first-class sporting organisations in which the 
Champions from all parts of the world and the most impor¬ 
tant home and foreign-sport associations will take part. 
In a sport laboratory, here for the first time shown in action, 
the Operation of sport on the human organism will be tested 
in all directions. 

The manufacturing industry has evinced special 
interest in this exhibition. It wished specially to show the 



The International Hygiene Exhibition Dresden: 
Principal Entrance with Offices and Reception Building 
















1911 II^aeQQQ QQ C aQQOQQOQ QQ QQQQQQ ag DEUTSCHLAND 


23 


public just once that the ever increasing’ necessity for healthier 
conditions of life has left its traces on industry also and that 
the Tuanufacturers have understood in the production of their 
articles how to satisfy all hygienic requirements. The manu- 
facturing industry therefore, which is classified in fifteen sub- 


Exhibition. The imperial govemment, the govemments of 
the confederated States, the town authorities and communities 
all act energetically together to help to bring the great work 
to completion and the foreign States France, Austria, Russia, 
Brazil, Japan, China and Switzerland have reported their 



Dresden: Principal Place of the Exhibition, left the Reception Building, right the Offices 


sections in the exhibition programme, has taken the opportunity 
to show itself as extensively and completely as possible in all 
its branches, so that the visitor to the exhibition will be able 
to see entire works and working plants in Operation before him. 

Never has any exhibition laid claim to the interest of the 
entire world to such an extent as the International Hygiene 


extensive participation and have had their own palaces, 
mostly in the architectural style of their country, erected in 
the magnificent Hercules Avenue which, with a con- 
siderable part of the Royed Gardens, has been placed at the 
disposal of the exhibition by the King of Saxony; the resull 
will be a "Rue des Nations" of rare grandeur. 



View of Dresden with Friedrich August Bridge, Roman Catholic Court Church, 
left the House of Parliament, right the Royal Picture Gallery 

























24 DEUTSCHLAND 1911 


If we glance through the plans of the buildings intended 
to accommodate the International Hygiene Exhibition, we re** 
cognise at once one grand common characteristic pervading the 
entire exhibition. The palaces, designed by twenty**one different 
architects, show a unity of style, creating a most brilliant 
effect. Nowhere is ostentation or overloading observable, 
nowhere too conspicuous colouring which could cause the 
eyes to wander. All the buildings show a monumental sim- 


many, Dresden has attained a renown as a resort for 
strangers and foreigners which perhaps scarcely any 
other German city has acquired. This year however, throug'K 
the International Hygiene Exhibition, Dresden will form the 
centre of interest for the whole civilised world. More than 
300 congresses and meetings of home and foreign associa- 
tions will hold their sittings in Dresden on account of the 
international exhibition, visits on a great scale and of every 



The International Hygiene Exhibition Dresden: Inner Room of the Hall for Settlement and Dwelling 


plicity and repose, a sort of classic purity, which affect the 
spectator like a solemn admonition and make the hygiene 
exhibition one of the mostarchitecturallybeautiful 
exhibitions the world has yet seen. 

Dresden was and is the town which sees every year 
a great stream of distinguished and cultivated foreigners of 
all nationalities within its walls. Celebrated through the 
whole world for the beauty of its adjacent scenery and for 
its rieh artistic life, favoured by its central position in Ger¬ 


description have been already arranged and no stranger when 
travelling about will omit to go to see this largest and most 
important of all exhibitions. An international life will he 
developed there, such as few towns have ever seen and the 
ideas that will be carried out into the world from the 
Hygiene Exhibition will bear glorious fruit. Dresden itself 
however has taken all necessary preparatory measures to 
confirm anew its renown so well preserved for centuries 
and to equip itself for the reception of its guests. M. H. 


Chemnitz. 


Out of times remote, when still the old Erzgebirg smithy 
romances lived, out of those times is derived the graceful 
legend of the journeyman smith, whom many in the land 
blamed as rough and sooty, but those who knew him better 
liked him well; they knew that under the leather apron there 
beat a heart of gold and that the horny hand understood 
also how to handle precious jeweis; they saw that the mossy 
wood sent its greetings down into the dark smithy and that 
the gracious sun wove a luminous glimmer round the head 
of the swinger of the hammer. This legend suits Chem¬ 
nitz to a hair. 

The name of that city awakens in many people perfectly 
one-sided ideas. He who is not initialed into the true char- 
acter of the metropolis of the Erzgebirge, who thinks only 
of the rough sooty "Saxon Manchester", he who hears the 
echo of resonant blows of the hammer, of whizzing mnehines. 


has visions of steaming boilers, revolving wheels and restless, 
harassed men. But of the many beauties, the intimate charms 
of the city, he knows nothing. 

Many strangers stand astounded before the evidence of 
the almost unexampled development of a town, the population 
of which has increased in three decades from 95 000 to in 
round numbers 300000. The narrow boundaries are burst, 
flourishing suburbs extend far and wide, although, in the old 
town, splendid modern erections arise on the foundations of 
the old ones. Imposing architecture, stately public buildings, 
private palaces, lines of animated streets captivate the senses. 

The traveller receives of course his first Impression at 
the railway Station, a gigantic hall of simple but imposing 
form of expression. The experts declare unanimously that 
this Station, in respect to practical arrangement, must rank 
as the ideal one. The way down the Karolastrasse leads us 





















1911 DEUTSCHLAND 2d 


past richly coloured flower beds and there a stately lown 
picture is unfolded to our view — ihe Konig-splatz en- 
circled by magnificent buildings. On the right rises the Petri 
church with its elegant Gothic brick structure; those going 
nearer lo it stand directly opposite the graceful fa<;:ade of 
the new town theatre, which is connected with the König Albert 
Museum, forming the left side of the square, by an effective 
arrangement of gate and viaduct communication. The "Kunst¬ 
hütte" Society, very successful in artistic Organisation, has its 
home here. 

The visitor must contemplate this Königsplatz, which is 
adorned by the celebrated "Four Seasons" sculptured from 
Schilling's Originals, most attentively, in order to be able fully 
to absorb the Impression of these monumental buildings. 

On the right the Schillerplatz runs into it, over the roofs of 
which the old massive building of the Spinning Mills Company 
is visible, while the Royal Technical States Academy, a 
mental arena for zealous students, confers a characteristic 
background on the east side of the Platz. Passing the unassum- 
ing monument to the Electoral Prince "Father August" we 
wander down the Königsstrasse between fine modern houses 
with beautiful shops to where, at the end of a line of streets 
continued diagonally, the new, proudly towering Town Hall 
for ms a commanding and picturesque prospect. The historical 
arboured alleys, reminding us of their prototypes in Padua 
and Bologna, are no more, but yet are finely brought out in 
the new gardens again. The Town Hall with its picturesque 
Renaissance gables forms a harmonious ensemble of houses 
of various periods — an ensemble the grand outline of which 
astonishes us on the one hand, while the more closely 
examining eye is gladdened by the many lovingly carried out 
ideas of a playful fancy. Three monuments hold watch and 
ward here, one of Kaiser Wilhelm I and one of each of his 
paladins Bismarck and Moltke. Behind the Town-hall Stands 
the venerable Jakobi church with an interesting Gothic choir; 
the tower is, in the fashion of the Italien Campanile, built 
almost separate from the body of the church. 


The present article being intended only to fumish a gener¬ 
al view of the city, it is impossible to do more than point 
out in a summary manner all the costly architectural trea- 
sures of smaller compass, the old porticos, the monuments, 
the splashing fountains and many other things. Only the 
beautiful Saxonia fountain with its allegorical figures "Smithy 
and Spinning Mill" (the Ornament of the Horse Market) and 
the "Monument to Victory" in front of the old town theatre 
may be specially mentioned. 

Much might also be added of the noble ecclesiastical 
edifices in the Gothic and Romanesque styles, of numerous 
palatial official and school buildings, of imposing business 
establishments, of the fashionable quarter of Kassberg, of the 
Crematorium, a vaulted building of classic dignity — but we 
must content ourselves with this sketch, simply indicating 
how much the sights of Chemnitz always fructify the interest 
anew. We must not overlook the Castle lake with its eme- 
rald island full of palms and aviaries, while high above it, 
on a green eminence, Stands the Castle church with the 
splendid sculptures of its portico and a celebrated "group of 
hostages." 

The Küchwald, a shady forest park, spreads afar its leafy 
green arches. The town park with charming bits of landscape 
offers relaxation chiefly to the inhabitants of the south- 
western quarter of the city, while on the other hand the 
Zeisig wood greets the serrated shapes of the city from afar. 

Several regiments are garrisoned in Chemnitz and diver- 
sify still more the many coloured life of the city. The s p o r t 
also, which is here followed up with zeal, brings a quite 
unusual brilliancy into the social picture and may be pursued 
even in winter, owing to the exciting proximity of the snow- 
clad mountains. Wherever we may tum our eyes we find 
vigorous activity and cheerful enjoyment in healthy alter- 
nation. And everyone feels happy among these frank and 
open-hearted people, who go about their business here and 
at the same time retain a genuine feeling for all that is 
beautiful. 




































26 DEUTSCHLAND 1911 


The East of Germany. 

By Josef Buchhorn, Berlin. 



A Flemish "Volkslied" of the middle ages sings: "To the 
Eastland will we ride, to the Eastland will we go", and sings 
it so enthusiastically out into the wide world as to give 
expression to a yearning of the German people who at that 
time spread their pinions over the Oder and the Weichsel. 
This yearning led the German Orders under Hermann von 
Salza in T226 into the field against the heathen Pruzzen 
and in his foot-steps colonists of every description settled 
on the two great waterways; — at present that pass-word 
seems to have lost its rallying power. The official who is 
transferred from the west to the east, the man of a free 
profession who is constrained by better conditions of work 
and payment to exchange his residence in the south for one 
somewhere in the east — they all unwillingly and with anxious 
hearts "ride to the east", they feel as if they were banished 
and must go mourning all their days far from all cultivation 
and pleasure in life. 7et if we meet the same men two or 
three years later and ask about their impression, we find 
them all full of enthusiasm and unwilling to leave the east 


German soil again, neither the man from the west nor the 
man from the south. 

Certainly, the proud Rhine with its high - climbing 
adjacent hills and its luxuriantly overgrown ruins of 
Castles does not easily find its equal. Sunshine and 
hilarity are his special notes. But the gloomy breadth 
of the Weichsel, on whose banks the old brown brick castles 
and churches of the Order look out menacingly like defiant 
sentinels on the enemy's frontier, have also their particular 
beauty and are in their own way as peculiar and as charming 
as the rapid water of the proud Rhine. The summits of the 
Giant Mountains need not be ashamed beside the highlands of 
the Black Forest. The wonders of the Swabian lake, the 
Lake of Constance, in their closeness and fulness affect us 
really confusedly. The coasts of east and west Prussia with 
the fully loaded Steamers and sailing-ships which they send 
out into the distance, carry our fancy out of narrow limits 
into a wider horizon, and foreign lands with foreign people 
and a foreign cultivation hover above the senses of those 
who lie dreaming among the downs of 
the Frische or Kurische Nehrung and 
watch the giant ships plunging into the 
blue mist of the horizon. The beauties 
and peculiarities on which the landscapes 
in the heart of Germany, in its south 
and west pride themselves, can easily 
find a counterpart in the entire east as 
it extends from Memel and Königsberg 
via Elbing and Dantzig, Bromberg and 
Posen to Breslau and Brieg and even 
down to Kattowitz. The one points to 
the Rhenish-Westphalian manufacturing 
district and asks proudly and conscious 
of victory where there is in all Germany 
a Strip of land representing a similar 
fulness of economic value? The Silesian 
indicates the Gleiwitz works which built 
the first coke blasting furnaces in Prussia, 
points to Tarnowitz where at the lead- 
works of Friedrichgrube the first steam- 
engine in Germany was put up, mentions 
names like Beuthen and Königshütte 
and smiles up at the giant chimneys 
which there and elsewhere are visible 
evidence of the struggles uf hib country 
people to gain the treasures of the 
earth. Where in the east can we find 
such a cosy peaceful corner as the 
domesticity of the Berg-Land? Whoever 
has once trodden the maidenly-austere 
district of the KassubianS witzerland 
westward from Dantzig and penetrated 
into its ecclesiastically exalted forest 
peace, has wandered through its silent 
lake scenery is not afraid to reply. 
Down on the Rhine the Germania mightily 
proclaims from the Niederwald the last 
Step on the road leading to German 
unity and from the banks of the Nogat 
the proud Marienburg preaches 
of the commencement of the glories of 
our race, preaches of a hot tough 
struggle which conquered the soil only 


Königsberg: Kaiser Wilhelm Place wiih Royal Castle 
















1911 DEUTSCHLAND 27 



foot by foot, the soil over which to-day flutters the banner of 
the empire welded together by long fighting. It preaches also 
of the victory and death of the German glories of chivalry, 
both accepted with the same stoicism, preaches of victories 
like that of Rudau who under Winrich von Kniprode brought 
ihe Opposition of the Lithuaninns to an abrupt end, preaches 
of defeats like that of Tannenberg where with the Grand¬ 
master Ulrich von Jungingen the decisive breach in the over- 
reaching power of the German knights was made. 

* * 

♦ 

The province of eastPrussiais narrowly connected 
with the history of the Prussian State, its prosperity and its 
adversity. In 

Königsberg 

fhe third residence city of the Hohenzollems, the first Prussian 
king in the year 170T put the golden crown iipon his head 
and in T86T in the same town homage was paid to the sovereign 
who in three victorious campaigns 
proclaimed Prussia’s glory to the 
Stars and as the first emperor took 
into his firm hands the sceptre so 
fortunate for North and South 
Germany. Other pictures emerge 
out of the darkness of the past when 
the names Memel and Tilsit are 
heard; to Memel, the most northerly 
city of our fatherland, fled the 
Prussian king Friedrich Wilhelm III 
and queen Louise in those unhappy 
years 1806 and 1807, when the 
hosts of the first Napoleon overran 
the Prussian provinces and that 
horrible peace was concluded in 
Tilsit which at the end of that 
unlucky war deprived Prussia of the 
half of all its provinces. 

But the names of some east 
Prussian towns blaze brightly out 
of the darkness of those days like 
illuminated fingerposts: Heils¬ 
berg, where Prussian and Rus- 
sian troops maintained themselves 
successfully against the generally 
victorious marshals of the emperor, 

Soult and Murat, and Prussian- 
Eylau where the Prussian corps 
under L'Estocq decided the cele- 
brated February fights in favour of 
the Allies. 

East Prussia is a district showing 
marvels to the tourists from the 
South and west of the German 
empire which are accompanied by 
a certain joy of discovery, marvels 
such as, for example, are enclosed 
in the green forests twilight 
of theMazovian lakes, marvels 
unveiled by the Nehrung-surf, where 
the soft sea-voices of the Haff coast 
are overpowered by the stronger 
groundtones of the driving Baltic. 

Even more than in the east 
Prussian lands the stream of visitors 
crowds into the west Prussian 
dis tri cts. Kranz on the Kurische 
Nehrung is indeed a watering-place 
which mny correspond to Kahl¬ 


berg on the Frische Nehrung, but both must give way before 
the charms of Zoppot, another watering-place in theDantzig 
bay. And it is certain that on the entire Baltic coast no 
competition can make head against this singularly beautiful 
spot of earth, neither Swinemünde nor Warnemünde nor 
whatever each of the summer-residences of the German bathing 
guests may all be called. In Zoppot the forest runs down to 
the sea and its idyllic landscapes make frames for the spurs 
of the Ural-Baitic highlands. And dose beside the worldly life 
of this comer of the earth Stands the Maria church of 
Dantzig and the slender Silhouette of its Town Hall; dose 
beside the "carpe diem" sounds the reflective "quondam erat". 

Dantzig 

is indebted for a part of its attractions to Zoppot and 
the latter is mainly frequented because a culture and art- 
historical trip can be made from it through a town which, 
except Nuremberg, is the only one in all Germany which 


Dantzig: Frauengasse with Maria Church 
































28 DEUTSCHLAND 1911 




in respect to its history and its buildings, the former being 
connected with the Orders, the Poles, the Pope and the 
Hansa and the latter through having associated the north 
Gothic Italian renaissance with a peculiar baroque. But in 
this past there resound, as also opposite in Elbing, the 
hammers which forge the giant ships in the building yards, 
ships which afterwards at sea will show to country men and 
foreigner alike the German war- 

banner and prove the most certain - — ' 

protection to German commerce. 

Dantzig was once a sort of 
granary for all countries and a 
characteristic fact confirms its 
importance in this connection; the 
same Dantzig people who let Luther 
send them the magister Hänlein as 
reformer were addressed by the 
Pope as "his good friends", for his 
ecclesiastical state would have had 
to suffer hunger without their corn. 

Not far from Elbing, a name which 
the Schichau ship^building 
yards alone have made known in 
the markets of the world, our Ger¬ 
man imperial pair passes every 
Summer a considerable number of 
weeks on their estate Cadinen, 
on their own ground and land in 
the quiet stillness of the country and 
among the circle of their farming hands. The Kaiserin is busy 
in kitchen and in cellar as well as in the housekeeping rooms of 
the individual families, the Kaiser in the potteries and brick and 
tile Works, the productions of which have already attained a very 
good reputation for their excellence and for their choice artistic 
taste. The Kaiser also oversees the stables, cow-sheds etc. 
for he, as a clever landlord and careful reckoner, knows well 
ihat constant supervision of cattle and other live stock plays 
a great part in the balancing of his faim budget. In general 
the Kaiser devotes his very particular attention to the weal 
and woe of his eastern provinces, amoner which West Prussia 


occupies by no means the lowest place. The recent assign¬ 
ment of the Crown Prince to the west Prussian 
army-corps as commander of the first Hussar regiment 
(the death's head Hussars, as their populär name goes) sub- 
stantiates this Statement in the most obvious manner. 

The restoration of the ancient Order castle of the German 
knights, the Marienburg, is also due to the initiative of the 


Marienwerder: View from the Lowlands 


Dantzig: Complete View of the Bishop's Hill 

Kaiser. Nearly every year he visits their refectory and then 
the high halls of this castle resound with the steps of the 
Prussian soldiers who, as long as the emperor remains in 
the former stronghold, keep faithful watch in the costume of 
the troopers of the Order. 

Wherever a journey through West Prussia may lead us 
we are always reminded of the German knights, the first 
colonists of this country; the castle ruins in Mewe and 
Rheden, the high-lying Culm and the castle in Marien¬ 
werder all speak of them. InGraudenz the Prussian General 
Courbiere defended himself bravely and confidently in the unlucky 
year 1807 and in the casemates of the 
same place there languished, as a sacri- 
fice to the Prussian reaction, Germany’s 
greatest dialect poet Fritz Reuter. 

Whoever enters the fortress of 
T h o r n, still surrounded by the old 
walls of the Order and almost on the 
Russian frontiers, finds himself in the 
town which produced a Copemicus 
and in which Polish insolence once 
beheaded ten respected citizens, öfter 
a tumult arising from religious grounds, 
without ony reason whatever, an action 
which has been entered in the books 
of history under the name the blood- 
both of Thorn. 

Dantzig, Elbing and Marienburg 
are the three points of a triangle, 
enclosing the most fruitful district of 
West Prussia, the so called W er der, 
marshlands with immeasurable riches 
in pasture and an inexhaustible fertility. 
We think ourselves transported to 
Holland, when we see in these latitudes 
the countless herds of black and white 
cattle grazing before us and when 
Cottages and farmhouses are lost in 
the profusion of the golden grain. 











1911 DEUTSCHLAND 29 




In the Southwest of the province the solitudes of the 
Tucheier heath attract the stranger; its wealth of timber 
had however been almost decimated by the Polish starosts 
when the country came to Prussia under Frederic the Great. 
One road in this solitude leading from Tuchei via Gross- 


Memel : The Present 1 own Hall in which King Frederick III and Queen 
Louisa of Prussia resided in 1Ö07—1808 

Schiewitz and Schloga to Marienwerder is called "kings road". 
iMorc than one monument in marble or in brass proclaims 
the never resting care which the "old Fritz" displayed 
lowards this, the newest country of his young kingdom. 

Moors were drained, the Schwarzwasser and the Prussina were 
made navigable for rafts and Brandenburg tar distillers 

brought to the heath to settle there. 

* ♦ 

* 

Like West Prussia (without Dantzig and Thom) the so 
callcd Netze district (which at present belongs to the 
province Posen) came also to Prussia in the first division 
of Poland in the year 1772. 

The Netze district, just the 
same as the others, experienced 
the paternal and protecting love 
of the great king and almost 
all his successors have also 
shown their inclination for this 
central point of the Ost¬ 
mark. In the heart of this 
Ostmark in 


Without doubt such an idea is strengthened by buildingS like 
the above mentioned residence casde erected by Schwechten 
and others like the Academy and the new theatre built by 
Professor Littmann of Munich. Such an idea is further 
strengthened by parks like the Sch illerpark near the 
residence castle and the Goethepark near 
the theatre. The Academy is a sort of 
German university, making only less demand 
upon the preparatory education of the students 
than our own universities. To describe it 
precisely, it is a kind of people's university, 
a meeting point of the intellectual and 
cultivated life of Posen, in fact of the entire 
Ostmark. This universal aim of cultivation 
is also served by the town theatre, the Kaiser 
Friedrich museum and the Kaiser Wilhelm 
library. The museum contains collections of 
natural Science, antiquities and paintings of 
the most varied masters and the library an 
ample collection of scientific and entertaining 
works. As the government favours this focus 
of all the culture of the Ostmark 
with its never wearying attention in every 
particular, the municipal administration 
in like manner cares for the welfare of its 
citizens. To mention only one point: the 
town milk kitchen shows a brilliant excmple 
of the zeel with which a modern thinking 
town administration goes about its work. 
Its arrangements are directed to placing 
perfectly immaculate milk at the disposal of the populace and 
thereby avoiding injury to their health andaheavy rate ol infantile 
mortality. The results attained in this way are to be envied. 

Whoever will make the acquaintance of the ancient Posen 
must study its churches and its palaces, must remain Standing 
before the old Town Hall, a characteristic Renaissance edifice 
of the sixteenth Century, bury himself in the rieh treasures of 
the States archives and admire the ancient market-place, that 
shows even to-day the type of a medieval Colchian town. 

This year the name of Posen will be particularly clearly 
heard in German countries, for within its walls will be lield from 


Posen, 

there rises to-day proud and 
self-confident an imperial palace 
— the residence castle, erected 
at a cost of over five million 
marks and where it is hoped one 
day a Prussian prince will plant 
his Standard above its walls. 

Posen is, to devote a mo- 
ment to it, a pregnant examplc 
of the recruiting power of the 
German race; although among 
its 157 000 inhabitants 577(. 
speak Polish as their native 
language it makes on the whole 
a good German Impression. 


Marienburg: Castle of the Order 








































30 


DEUTSCHLAND © 


1911 


the beg-inning- of May to the end of September the "East 
German Exhibition of Manufactures, Trade and 
Ag-riculture", which will bear witness to the spirit of 
enterprise and the efficiency of the citizens of Posen and of 
the inhabitants of the east German provinces, not omitting* 
those of Silesia. 

* * 

* 

West Prussia and Posen were g'ained for the State of 
Prussia by the diplomatic ability of Frederick the Great but 

Silesia 

he won by the sword, in three seif«sacrificing wars, 
the third of which lasted for seven years, seven years of 
hopes and disappointments, of alternating defeats and 


the powerful sentences of the proclamation of Frederick 
William III, "To my Peop 1 e"I Here the compulsory militia 
Service was established and here the Iron Cross Order 
was founded. Here the first "free-shooters" assembled and 
from here went out the first warriors against foreign oppression 
with the highest courage and at the battle of theKatzbach 
on August 26, 1813 the deliverance of Prussia from the 
supremacy of the first Napoleon was commenced with a 
clean sweep of the French soldiers out of Silesia, part of 
them being drowned in the high waters of the Neisse and 
the rest being scattered to every point of the compass. 
And just as Breslau stood then in the centre of great 
deeds, so it Stands to«day in the centre of Silesian life and 
Silesian culture. To its ancient university a technical 





Posen: Royal Residential Castle. Principal View 





siS 




fr ^ 4 

hf ^ 




ifpi 

n 




victories; victories which penetrated into the remotest lands 
and defeats which often brought the Prussian state to the 
end of its powers of existence. So many names of towns as 
Silesia can number, just as many names of battles can it 
broadly boast of before all the world; to mention only a 
few: M o 11 w i t z from the first and Hohenfriedberg from 
the sccond Silesian war;Leuthen, Neisse, Kose 1, Landes¬ 
hut, Liegnitz, Bunzelwitz, Burkersdorf etc. from 
the seven years war. Need it be spec’ally emphasised that 
a land, on account of which so muc . Prussian blood has 
been shed, should be quite especially sacred to the Germans 
and is really so sacred I The same land from the Capital of which 
the re-establishment of the Prussian state officially issuedl 
In Breslau, which had seen Poles and Bohemians, Hussites 
and Hungarians in and before its walls, resounded first 


College has been added in recent years, and now these 
two homes of cultivation work together, Scattering blessing-s 
far and near, the new technical College following the example 
long set by the older university and working as we hope 
with profit to the Silesian industry. ln such directions Works 
also the cultivation of a pure German national feeling“, in 
such directions also — partly instructive and partly enter^ 
taining — work the Diocesan museum of ecclesiastical art, 
the Silesian Museum of Applied Art and Antiquities and tlie 
Silesian Museum of the Plastic Arts, the latter containing- 
among other objects of interest valuable works of Arnold 
BÖcklin. In the direction above mentioned work also tlie 
four large theatres, which in a carefully selected variety 
represent old and well-tested pieces in alternation with gfood 
ones of the modern school. The art amateur will be attracted 






























IQII DEUTSCHLAND 


au 31 


by the old Gothic churches and by ihe fine architecture 
of the Town Hall, situated in the middle of the admirable 
and g^andly planned town g-ardens of the thirteenth Century. 
The lover of nature sees with delight the g-irdle of prom- 
enades, reminding one of Münster in Westphalia, along 
the Oder and the ancient town moat encircling the old 
town. Not far from Breslau lies the Royal Saxon pleasure 
castle Sybillenort and also the estate of Oels, be- 
longing to the Crown Prince of Germany. In general, the 
province of Silesia is rieh in jeweis of castles (Fürsten¬ 
stein and K a m e n t z) and in ruins, of which the K y n s- 
b u r g above the romantic Schlesiertale is perhaps the most 
imposing. 

From Kynsburg it is not far to Schweidnitz, where one 
dass of visitors may find delight in the ancient Friedens 
church and the other in the "Schweidnitzer Schöps" a very 
palatable drink. Near it lies Creisau, in which the great 
and silent Moltke awaited the last great call. Another 
great Prussian warrior besides Moltke rests also in Silesian 
soil. At Krieblowitz near Kanth (not far from Breslau) 
the everstormy Marshai Forwards (Blücher) was commanded 
an eternal "Halt"I An imposing ruin lies not far from 
Reichenbach, the forsaken mountain fcstness Silberberg, 
the "Silesian Gibraltar", built by Frederick the Great and 
which, like Graudenz, once confined the unfortunate German 
poet Fritz Reuter. Of the old mountain fastnesses there 
is still to be named that which hangs above the fortress 
Glatz on high steep rocks. Whoever has once taken a 
glance round from the watch-tower of this fortress over 
the district towards Prussia and towards Bohemia, has 
exchanged friendly greetings with the snow mountains of 
Glatz and with the "Hohen Eule" and has discovered the 
singulär beauty of this land in the sun illuminated valleys. 

He will never forget the stony and disrupted table land with the 
well-known village Friedrichswarthe, which belong to this 
district as well as the basaltic plains of Landeck, which have 
been justly named the jewelcase of the whole country of Glatz. 

Of the manufacturing district of Upper Silesia as well 
as of the ridges of the Giant mountains, the only German 



Posen: Town Hall 


medium sized mountains of Alpine character with snowy 
peaks and the highest land in Germany north of the Danube 
(5000 feet) we have spoken at the commencement. In this 
Connection we may still refer to the multifarious medicinal 
sp rings, which hasten down from the high rocks overgrown 
sparingly with verdure into the valleys beneath, beauteous 
with flowers and rustling with forest trees. 
These bathing places, are generally, sur- 
rounded by with landscape beauty, provid- 
ed with every imaginable convenience of 
a modern town house and have been 
enlarged by comfortable annexes to 
fulfil all the requirements of modern 
medicinal Science. Here we may parti- 
cularly mention: Flinsberg in the Iser 
mountains, Warmbrunn in the Giant 
mountains, Salzbrunn in the Walden¬ 
burg mountains, Kudowa, whose healing 
springs, the Oberbrunnen and the Eugen 
:.pring, whose mud baths and whose dark 
pine woods on the Southern slope of the 
Heuscher ränge annually bestow relief 
from sufferings of all descriptions on 
many thousands of patients. Al the ick, 
R e i n e r z and the already named L a n d- 
c ck in the Glatz mountains. Silesia is also 
inore than amply supplied with health 
resorts: Schreiberhau and Krumm¬ 
hübel-Brückenberg in the Giant 
mountains. Wölfeisgrün in the Glatz 
basin, and also the first Sanatorium for 
lung diseases to be opened in the world, 
Gröbersdorf in the Waldenburg moun¬ 
tains. In Summer the Silesian mountain 
ridges and deep valleys attract the wander- 



Breslau: lown Holl 





32 


DEUTSCHLAND 




ing tourist lover of nature; in winter the snow shoe and 
the bobsied call the friend of sport up to the level 
snow surfaces in the heights. The Giant mountains 
are the home 
of the horn 
sied; it rushes 
down into the 
Valleys, along a 
long and ex- 
cellently kept 
track and the 
steadily steered 
rodel imitates 
it exactly. 

This journey 
began in East 
Prussia, contin- 
uing then via 
West Prussia 
to Posen and 
ending now in 
Silesia. As a 
matter of course, 
within the lim- 
its allotted to 
this essay space 
could be found 
only for short 
"impressionist" 

observations and thoughts; one of an historical and 
the next of an economical character; sometimes the 


foreground is occupied by the landscape and then agam 
by the political interest. On the whole, however, this 
cursory exploration of the East of Germany may have 

afforded this 
one conclusion 
that it is not 
only worthy of 
Standing beside 
the other prov- 
inces of the 
great German 
Fatherland and 
of being known 
and recognised 
as they are, but 
that in reference 
to its character- 
istics of scenery 
and of history 
it can exhibit 
such a fulness 
ofindividualities 
that now to-day, 
just as at the 
time when the 
Flemish Volks¬ 
lied was com- 
posed, the word 
might run: 

„To the Eastland will we ride, 

To the Eastland will we go." 


Fhe North German '^Waterkant" (Coast Line). 

By Leonore Niessen-Deiters. 


If I were a painter or a sculptor and received the Com¬ 
mission to devise a personification of the North German 
Waterkant — say of the land right and left of green Schleswig- 
Holstein — 1 believe I should never hit upon a female figure. 
Even the Hammonia, as the personification of the mighty 


sea harbour of Hamburg I don't like; it seems to me always 
a little hermaphroditic; those who know Hamburg would much 
sooner think of a gigantic Roland as its embodiment as his 
statues stood on the market places of German towns in the 
middle ages as tokens of the city's freedom and power 













1911 DEUTSCHLAND 


33 



or as One is now represented in the enormous Bismarck 
monument at Hamburg. But it is not alone the immense 
working power personified in this town which awakes this 
impression. To give a contrary example; in the whole 
German empire there is nowhere more work accomplished 
than in Westphalia and the Rhineland and yet these two 
provinces appear to us like a vigorous woman and a smart 
girl, both of whom work hard by day and one, the latter, 
can still dance unweariedly by night. 

But this straight lined grand land on the coast line is mas- 
culine, masculine in its entire character. There are no mountains, 
behind which — perhaps ? — some fairylike, gay advcnture 
could be concealed; the eye sweeps over land and sea far 
and unhindered under a clear, cool sky which is much more 
conducive to wise and quiet consideration, to tough un« 
remitting energy than 
to any playful illusions. 

It is also masculine in 
its beauties. From the 
reserved and eamest 
heath district between 
Bremen and Hamburg, 
across the greenhedges 
of Schleswig-Holstein 
as far as the glorious 
beech woods of Meck¬ 
lenburg the whole land 
is of an almost bashful 
austerity and even 
behind its most friendly 
laugh there lurks a 
formal, sober gravity. 

From a landscape 
point of view the 
Waterkant has been 
for a long time just 
as much misjudged as 
that silent country 
between Bremen and 
Hamburg the Lüne¬ 
burger Heath. The 
Lüneburger Heath was 
considered for scores 
of years as the most 
Godforsaken piece of 
earth imaginable, until 
a few painters dis- 
covered how much intimate splendour lay in this wonderful 
World full of the humming of bees and fragrance of 
flowers. And the Waterkant with its lavish riches in 
delightful sea bathing and watering places has long enough 
with many Germans had to take a back seat behind the 
dreary Dutch or Belgian coast. Now however in the rapidly 
increasing concourse at these bathing places, among the 
stream of hurrying business peoplc which the great maritime 
cities concentrate in themselves, mixes more and more the 
contemplative pleasure tourist, making beauties populär 
which were perhaps not supposed to be there because 
they — are found in North Germany and not in Italy. 
I think for example only of the architcctural splendours 
of Lübeck, with their complement in the (for a long time 
Swedish) Wismar, of the grandeur of modern Hamburg 
erections, of the — certainly celebrated of old — delightful 
Marktplatz of Bremen. 

Bremen 

(on the Weser the most westerly of the great maritime 
rommercial cities) ’s the second of the three free Imperial 


and Hansa towns, Hamburg—Bremen—Lübeck, three towns 
able to trace back their rights and Privileges deep into 
the middle ages, to the time of the Hansa, an offensive and 
defensive league of German towns lasting over centuries 
in which all three played their parts. And it is that 
which gives its relief to the market place of Bremen; this 
Town Hall (in the main a Gothic brick building with a beautiful 
Renaissance faqade) looks back upon a history of 500 years, 
this Roland, the gigantic stone hero with the drawn sword in 
his hand, is not only a monument, an artistic Ornament, it is 
in truth an emblem and a token of the freedom and Juris¬ 
diction for centuries of this town, of this oldest of the 
German maritime cities, whose beginnings reach back into 
the eighth Century, for in 789 Charlemagne appointed the 
place "Bremun"^ a bishoprici*) 


Bremen: Town Hall 

The name of Bremen will certainly awaken other as- 
sociations in the mind of the modern globe trotter. I would bet 
ten to one that he does not think of the ancient bishopric, 
but rather something in this way: "Bremen? Ahal North 
German Lloyds I" And that is for the modern Bremen, 
for the Bremen that in Bremerhaven possesses one of the 
most important North Sea harbours, the most thoroughly 
natural. (Bremerhaven is the seaport, the city itself lies 
90 miles further inland on the river.) The Bremen shipowners 
have at their disposal a fleet of about 550 vessels; the North 
German Lloyd's — of course the second largest steamship 
Company in the world — numbers alone 81 ocean steamers 

*) Bremen is unique in its beauty and the impressions received 
from a visit of this city can not be forgotten. Briefly mentioned the 
rincipal sights are the following: The Rathaus, with its famous Rots¬ 
eller immortalizcd by the Poet Wilhelm Hauffs "Phantasias", the Sl. 
Petri Cathodral, with the Bleikeller, the Stadthaus, the Chamber of 
Commerce, the Exchange, the Rotscafe and the old Bremer Haus, 
called "Essighaus", farther on within easy reach the Geworbehaus and 
the Kunsthalle, the latter of which contains the famous painting of 
Washington Crossing the Delaware, not to speak of the majestic building 
of the North German Lloyd's Head Office, and the Städtisches Museum, 
which when shortly opened wdll be one of the most inmortant Museum^ 
in Europe. Any Information about Bremen to the Fremdenverkehr* 
verein, Bremen. 










1911 


3 4 DEUTSCHLAND m 



of together Ö03 553 register tons, 49 Steamers of the 
Indo Chinese coasting trade with 71725 register tons and 
63 river steamers and launches of 6380 register tons. 
This gigantic Company employs in its own works about 
22000 personsl (See also the special article "North 
German Lloyd's".) 

Certainly — Bremen, the quietly distinguished city, with 
its admirable antique buildings and its beautiful, welLknown 
Bürgerpark has the appearance of a garden city, which 
smilingly invites 
every stranger to 
a stay of a longer 
or shorter period. 

Hamburg 

is the youngest 
of the three towns 
and in proportion 
to its present 
greatness it has 
preserved little 
of its antique 
character; sweep- 
ing architectural 
alterations and 
great fires have 
cleared Old Ham¬ 
burg pretty effec- 
tively out of the 
way. On the 
other hand it has 
become after Ber¬ 
lin the largest city 
in the German 
Empire and after 
London and New 
York the greatest 
commercial town 
in the world. 

Hamburg also 
lies inland pretty 
distant from the 
open sea. But the 
deep and broad 
Elbe permits ships 
up to twenty-eight 
feet draught of 
water to enter the 
docks of the town 
itself, — theso 
enormous docks 
accommodating 

nearly 7000 ships at once and when we steam through them 
charming us always like an individual, immense, roaring, 
overpowering Symphony ofWork. Immense and overpowering, 
but never confusingl Nowhere in the world can we, in the 
middle of such a deafening tumult, have such a feeling of the 
clearest Organisation, of the most painful order, of the most 
exact co-operation of all the forces set in motion as we 
have in the gigantic business of the Hamburg docks. It is 
simply the characteristic note of this world harbour; this 
consciousness of absolute order and sovereignty, even 
in the centre of the ear-splitting noise, of the most 
confusing coming and going; this feeling, that is so strong 
that in the middle of the reek of a thousand chimneys 
we preserve the Sensation of cleanliness; so exactly and 
painfully correctly runs even the smallest wheel of this 
enormous machinery. 


Hamburg: Bismarck Monument 


To give in brief an approximate picture of the grandeur 
of this world of shipping Companies, ship-building docks, 
loading docks etc. (for of course volumes would be required 
to contain the details) we need only to quote some figures 
of the greatest of the many Companies domiciled in Hamburg, the 
Hapag (Hamburg American Paketfahrt Aktiengesellschaft). 
This single Company, the largest in the world, has at present 
at its disposal a fleet of 387 vessels with a total of 
1021000 register tons, composed of 155 ocean steamers in 

Service, 15 ocean 
steamers building 
(among them a 
giant of not less 
than 50000regis¬ 
ter tons) and 217 
river steamers, 
steam tugs and 
lighter vessels. 
The warehouses 
of the Company 
occupy an area 
of about 155 000 
square yards; it 
carried for exam- 
ple in the year 
1909: 320122 

passengers and 
5 749000 cubic 
metres measure- 
ment of goods and 
in addition to 
5300 freight and 
passenger agents 
it employs about 
22700 clerks,sail- 
ors and workmenl 
We shouldhow- 
ever wrong Ham¬ 
burg if we spoke 
exclusively of her 
docks, however 
commanding and 
overpowering an 
Impression they 
may make. A dif¬ 
ferent picture is 
afforded by the 
rieh treasures of 
its museums, an- 
other yet by its 
proudly magni- 
ficent buildings — 
these palaces of labour, and yet another by the elegant 
society on the Jungfernstieg, the celebrated promenade 
flanking the Alster basin with a breadth of 150 feet. All 
nations of the earth make a rendezvous here and watch from 
the Alster Pavilion — certainly one of the best-known cafes 
in the whole world — the life and movement on the Alster, in 
the Summer especially an animated and variegated picture 
when this beautiful water reaching right into the heart of the 
town swarms with sailingyachts and pleasureboats. 

One original and remarkable sight of Hamburg does not 
properly belong to Hamburg at all. But the visitors generally 
make Hamburg their starting place for it, allhough it lies on 
Prussian ground in Stellingen. 

That is the "Paradise" — the Zoological Parkof Carl 
H a g e n b e ck. This remarkable man, who as a boy bought a box 
of exotic beetles from a cabinboy in order to seil them singly. 























Kiel: Strand Promenade 

























































36 DEUTSCHLAND 


to-clay provides the 
entire world with wild 
and tarne animals and 
has his ag-ents over 
the whole earth who 
provide him with the 
living material. The 
entire gigantic Zoo¬ 
logical Park together 
with its extensive ac- 
climatising garden 
represents one single 
animal Business, in 
which every species 
of living creature is 
to be had, from the 
tenderest insect up to 
the greatest elephant. 

But the animals — 
partly caught wild 
partly born in capti- 
vity — are not only 
bought and sold, they are also treated in the most individual 
manner. Not only that the most astonishing results are attained 
in the way of acclimatisation, (in Stellingen for example African 
ostriches live in the open air and lions and tigers house in 
a rocky nook only separated from the public by an enormous 
ditch) in the so-called "beast of prey nursery"* little lions 
tigers, pigs, bears, 
monkeys, dogs etc. 
all tumble about in 
Paradisaical harmony 
and any talent shown 
by these young folks 
is cultivated anddeve- 
loped in the training 
halls, so that its 
possessor may after- 
wards wander as a full 
fledged artist into the 
circuses and music 
halls of all countries. 

If the Hanseatic 
Homburg on the 
North Sea "Kant" 

Stands quite under 
the flag of commerce 
and traffic, the Prus- 
sian town of 

Kiel 

on the Baltic coast 
on the far side of 
Schleswig-Holstein 
Stands just as emphat- 
ically under the flag 
of navy and fleet. 

It would be diffi- 
cult to imagine a 
better natural harbour 
than that of Kiel — 
a narrow bay cutting 
deep into the land 
Magnificent harbour 
fortifications have 
transformed it into 
a model harbour for 
ships of battle. That 


Kiel at the same 
time is the seat of 
the Commander of the 
navy in the Baltic and 
of the Marine Aca¬ 
demy strengthens the 
warlike impression it 
makes; but as it is 
also a university 
town, its marine 
warlike character de- 
generates in no way 
into a monotonous 
barracklike one. 
Moreover Kiel offers 
to strangers who have 
an eye for techrdcal 
marvels, much that 
is interesting in its 
grand ship-building* 
yards and docks (the 
yards and docks of 
the Imperial navy are open to inspection but not the 
Germania yards of Krupp) quite apart from the Kaiser 
Wilhelm canal which itself is a striking example of modern 
technique and of modern hydraulic engineering. Built at a cost 
of 156 million marks it connects the Baltic with the North 
Sea by a cutting 67 metres wide and 9 metres deep and 

113 English miles 
long Crossing Schles¬ 
wig-Holstein and so 
dispensing with the 
distant and above 
all very dangerous 
voyage round Jütland 
and the Skagerack. 

Every year in June 
the bay of Kiel alters 
its appearance. Then 
the green forests 
ashore bow to a dif¬ 
ferent forest of slen- 
der masts on the 
water, then the white 
sails glide over the 
bay, like giant swans, 
then the stately Im¬ 
perial yacht anchors 
Outside, hovered 
round by a retinue 
of princely and priv¬ 
ate steam and saii- 
ing yachts, all attract- 
ed by the great 
sporting event of 
the year — the inter¬ 
national sailing re- 
gatta of the Kiel week 
which fills the entire 
Stretch of coäst with 
a varied and elegant 
life. For these impor¬ 
tant regattas are by 
no means confined to 
Kiel, although that is 
the focus of the entire 
Organisation; starting 
from Hamburg they 



H^mburp*: C«rl HaP'enbeck's Tieroark 



Lübeck: Staircase at ihe Town Hall 
• Published by the New Photographie Company A. G. Steglitz-Berlin) 


















IQH DEUTSCHLAND 


37 


f^o via Kiel as far as Travemünde near Lübeck, followed by 
a swarm of foreigners and friends of sport; the whole country 
is in excitcment, whether for example the American "West¬ 
ward will beat the Imperial "Meteor" or the victorious 
"Hamburg" on a breeze as she has already done in the calm I 
Going up the Trave from Travemünde we come to 

Lübeck, 

the third of the three Hansa-towns. 

To Lübeck applies most strongly what I observed at the 
commencement of this little article, that the increasing stream 
of pleasure tourists would make known beauties which hitherto 
had been proportionately little visited. Lübeck is nowadays 
the smallest of the Hansa towns, but in the middle ages it was, 
as centre of the mighty Hansa, the queen of the whole North 
and when a Lübeck poet sings: 

"The Father high in Hall 
A head for empty crowns did choose," — 

that is not poetical license but really characterises the 
political Position of this city at a time when Hamburg was 
still quite small and America not even discovered. The 
present Lübeck is no longer so powerful and rieh, but it has 
all its "crown insignia", its mighty and interesting architectural 
monuments, so faithfully preserved into the modern times 
that it mirrors in them a comprehensive survey of an entire 
culture epoch of a marked local colouring: in its massive 
cathedral, in the rieh Maria church, (which has become the 


Prototype of the whole so-called Baltic group) in the highly 
individual hospital of the Holy Spirit, in the well-preserved 
Gate towers. Moreover the town offers in her general 
appearance a most picturesque and effective image. Out 
of the prevailing red of lower German brick architecture 
there emerge high and slender the pointed steeples of th© 
churches in the most brilliant light green; they are all — 
a proof of the well-to-do times in which they were built — 
sheathed with copper, the wonderful patina of which, especially 
in the evening light, revels in true coloristic triumphs. And 
if the entrance into the Trave harbour cannot be compared 
in grandeur with that into Hamburg or into Kiel, it Stands 
yet far above them in picturesque beauty. 

The three Hansa towns are, as already observed, fre© 
Imperial cities. That is to say, they have their own govem- 
ment and are, in the middle of the Prussian, the Mecklenburg 
or the Oldenburg districts, still independent forms of States 
in themselves. The Prussian Kiel is predominantly a war 
harbour. The most important Prussian commercial harbour 
on the other hand is 

Stettin 

at the mouth of the Oder, a town with a quarter of a million 
inhabitants. Stettin is — apart from its very considerabl© 
maritime commerce, which is equally important for the Baltic 
and for the Oder trade and, after completion of the great 
navigable canal now building, for the direct shipping com- 
munication with Berlin — a very considerable manufacturing 
town with great cement and Chemical factories, sugarboiling 



Stettin: Interior of the Jacob Church 














38 


DEUTSCHLAND löH 


Works, engineering“ works and ship-building yards; the cele« 
brated Vulcan works, among others, are domiciled in Stettin. 
A perfectly model municipal administration prevents the town 
meeting the fate of so many large manufacturing places, 
which lose in beauty in proportion as they gain in richcs, 
and the erectior 
of modern artistic 
buildings fills up 
the gaps which 
several heavy 

bombardments 
had made in the 
ancient Stettin. 

The entire 

Mecklenburg 

and 

Pomeranian 
coast between 
Stettin and Lü¬ 
beck, including the 
island of Rügen 
Stretching in front 
of it and also the 
bay of Lübeck, is 
especially bless- 
ed with charming 
wateringplac- 
e s which, as 
already observed, besides the places enormously populär with 
the Berlin public in the neighbourhood of Stettin and the 
Island of Rügen, the "pearl of the Baltic'", show a number 
of visitors constantly increasing from year to year. And with 
good reason, for they are little Paradises. I should like to 
know where eise in the world such a splendid sandy beach 
cxists, which is in addition directly connected with the most 


glorious umbrageous beech woods, some times so directly 
connected that we can actually lie on the beach and in the shade 
of the lovely leafy woods at the same time I And all these beach 
nestssurroundedby therustlingbeechtreesare distinguished 
by that wonderful clear,strong austerity character** 

istic of the 
entire W at er*- 
k a n t. Masculine 
must be the beau¬ 
ty of this dis- 
trict, I said at the 
commencement. 
Perhaps we can 
say with the same 
reason, it would 
now be "modern". 
Perhaps a rococo 
soul distorted by 
flourishes would 
feel oppressed by 
the roaring work¬ 
ing powerof these 
sea towns, by the 
clear straight lines 
of this austere 
nature. Perhaps 
the romanticist 
would miss the 
traditional temple ruins and the waterfalls. But we moderns 
who feel well in bright airy spaces, amidst practical furniture 
of honest material, we, as it seems to me, must welcome to- 
our hearts the clear fresh beauty of the Waterkant. Sea-air 
blows over it and it is nothing for tender weaklings. But in its 
cities lies courage and pride and in their strong, austere natures 
is rooted the firmness which has made these cities great I 



Lübeck: The Holsten Gate from the Exterior 
(Published by the New Photographie Company A. G. Steglitz-Berlin) 



Rügen: The Chalk Cliffs of the Stubbenkammer 


(Phot. Bönki, Sassnitz) 


























1911 


i DEUTSCHLAND m 


m 39 


Hanover 

By A. Kiepert. 


The residential lown of Hanover, with 300000 inhabitants, 
the centre of Niedersachsen, is situated on the last spur of 
the "middle chain of German mounlains" from which the 
"north German plain" Stretches to the sea-coast. The town 
owes its name (formerly Honovere) to the high banks of the 
"Leine", on which river it is situated. 

It is the junction of the most frequented railway-lines, 
being crossed by the line: Hamburg — Hanover — Frankfort 
o. M.—Bale-Geneva, which connects the North sea with 
the Mediterranean, and the line: St. Petersburg — Berlin— 
Hanover—Cologne—Paris - Madrid. 

Hanover is one of the finest, pleasantest and healthiest 
towns of Germany. It comprises in itself all the principal 
features of a Capital town: numerous artistic and first dass 
enjoyments, fresh life pulsating through the flourishing pro*- 
fessiop.s and trades, Business brisk and a highly developed 
industry; with the varied excitements which Student life, a 
strong garrison and the never ceasing coming and going of 
visitors bring in their train. 

The most attractive features, however, which Hanover 
possesses, are the beautiful wood, the meadows and famed 
parks, which closely surround the town. 

The Streets of the old town with their interesting old 
churches, their high gabled dwelling houses and towers, siill 
bear a few traces of the middle ages, although they are inter- 
sected by newly designed broad streets of the most up**to*- 
date style. The new parls of the town with their splendid 
buildings, fine shops, broad tree-lined streets, monuments and 
squares profuse with Flowers, bear a modern character and 


witness to the fact, that Hanover has possessed and still 
possesses excellent architects, some of whom have a Europ¬ 
ean reputation. 

The centre of the town is formed by the "Theaterplatz" 
situated on George Street, where the elegant world is to 
be seen when, four days a week, military bands are playing 
from the terrace of the Opera House. 

The royal Opera House is one of the finest theatres in 
Germany. It receives a yearly grant of M. 525000 from 
the private purse of the Emperor and is thus able to main- 
tain its position in the foremost place among other theatres. 
— The "Residenz"- and "Deutsche Theater" are splendidly 
managed, the "Mellini" is a superior variety theatre, so that 
the taste of every visitor is catered for. — Music is especially 
highly cultivated in Hanover. 

Different museums and picture galleries, public libraries 
and archives supply inexhaustible material for study and 
mental Stimulation. 

Hanover is celebrated for the good and pure German 
that is spoken there, it is also called a "town of schools" 
having -the most excellent educational establishments of 
every kind. 

The royal Technical University which is one of the most 
important in Germany, is in the "Guelph-Palace", a magni- 
ficent edifice built in the middle of the Herrenhausen Allee 
from 1857—1866 as a residence of King George V of Hanover- 
The fine entrance hall is adorned by the well known '"Edda" 
frieze by Prof. Engelhard. In front of the castle Stands the 
miich admired "Sachsenross" (the crest of the province of 


















40 DEUTSCHLAND 1911 


Hanover). The richly endowed royal veterinary Unversity 
consists of one principal and 18 smaller buildings anid ma 
be considered the best veterinary educational establishment 
in existence. 

With regard to military education, there are the "Kriegs¬ 
schule" and the "Militair-Reitinstitut" (T48 officers and four 
surgeons), where officers from all cavalry regiments, except 
those of Bavaria, are sent. 

Excellent opportunities for sport and exercise are offered 
by the delightful riding driving and cycling roads in the 
Eilenriede and the parks of Herrenhausen, by the boating on 
the Leine and Ihme, the skating on the Masch park, and the 
large gymnasium and play grounds. 

Hanover takes a foremost place among German towns, as 
regards its horse races, which are held annually in the season. 

But after oll, the chief attractions of the town are its 
beautiful surroundings. The Herrenhausen Allee, a perfectly 
straight grove of beautiful old lime-trees, leads to the well 
known Herrenhausen grounds and so connects the town with 
the Herrenhausen Palace, the former residence of King 
George V. To the right of the Allee is the "Welfengarten" 
to the left the "Georgengarten", laid out in the style of an 
English park, and behind the Palace is the "Large Garden" 
which was laid out from designs by Lenotre, the famous 
landscape gardener of Louis XIV. With the exception of the 
Versailles and Schönbrunn gardens, this is the finest example 
of its kind. 

In front of the Palace are large lawns with lovely flower- 
beds, fountains, cascades and statues, the large fountain 
being known for its waters rising to 2T0 feet, so surpassing 


by its height any fountain of the continent. A garden theatre 
sheltered by high, beautiful old trees deserves particular 
attention and bears witness of the gay court life of past 
centuries. Opposite to the large Garden is the "Berggarten" 
with its famous Palmhouse and the "Mausoleum" whicK 
contains the beautiful recumbent marble statues of King Ernest- 
Augustus and Queen Frederika, both masterpieces by Rauch. 

To the South of the town, the grounds about the Friedrichs¬ 
wall form part of the Masch Park. Here the new "Rathaus" 
(Town Hall) has been erected at a cost of nearly TO million 
marks. Its gigantic golden cupola dominates all other build¬ 
ings and from afar greets the stranger and shows him the 
way to its beautiful town. 

Close to the Rathaus the imposing edifice of the "Pro- 
vinzial-Museum" is situated. 

In the east of the town, the Eilenriede, a beautiful forest 
of fine old oak beech and pine trees, 1700 acres in extent,. is 
a great attraction and source of pleasure. 

Just beyond is the "Tiergarten", 250 acres, which is remark- 
able for its fine old trees and its herd of deer (120 head). 

One of the principal attractions is the Zoological Garden 
which, with its fine park of animals is very interesting to 
naturalists. 

As Hanover is advantageously singled out from among* 
other large towns on account of the moderate rents and 
taxes and the low charges for the necessaries of life, it is 
especially suitable as a place of residence for people with 
independent but limited incomes, retired officials and officers, 
and foreigners who intend to leam the German language, 
give it the preference before other places. 





Hanover: View near the Museum 















ign DEUTSCHLAND S 


41 




Cassel «Wilhelmshöhe. 


Cassel-Wilhelmshöhe I What 
a plenitude of agreeable recol- 
lections are connected with 
every passing- or longer stay in 
the Capital and residence city 
of Cassel in the lovely Fulda 
valleyl If we ask ourselves 
after a visit to other points of 
attraction to travellers, why the 
place in question has left an 
Impression behind it more than 
superficial, the reply often 
occasions really great difficulty. 

The recollection of a sojoum in 
Cassel is permanent, because 
the consciousness is associated 
with it, that in scarcely any 
other town are art and nature 
in the same way harmoniously 
combined. 

In the first place the picture 
gallery deserves to be mentioned; 
it contains among about 1000 
paintings many important Cre¬ 
ations of the Netherlands' school. 

From the loggia of the gallery 
an incomparable view into the far distance may be enjoyed 
and if that has not already been done, the visitor may here 
certainlv realise the advantages of Cassel as a home of art 


Cassel: New Town Hall 


Cassel-Wilhelmshöhe: Castle Wilhelmshöhe 

and as the centre of a most delightful landscape. On the 
ground floor of the imposing building modern works of art 
with others from medieval times are lodged. 

The extensive Friedrichsplatz is surrounded by a 
number of stately erections. The interior of the Royal 
Palace is well worth seeing. The F r e d e r i c i a nu m 
museum contains rieh collections of pre-historic and 
antique rarities. On the first floor of the museum building 
is the Land Library with the largest library hall in 
Germany, more than 250 feet long. Further, scientific 
and literary interests are catered for by the municipal 
Murhard Library situated in a park and by various 
reading halls. Cassel boasts also of a pre-eminent 
home of art in the Marble Bath, which as well as the 
Kaupert Museum arranged in the Orangery Castle 
doubly repays a visit to the beautiful Karlsaue. 

Art and Nature! This association of ideas occurs 
again to us when we see the new abode of the Royal 
Academy of Fine Art gleaming through the giant 
trees of the Aue. Repeatedly, considerations of this 
kind force themselves again upon the wanderen Waves 
of the Fulda diverted from their own bed, flow through 
the park and break on the Island "Siebenbergen", a 
fairy creation, which enchants the eye by its wonderful 
Collection of home and exotic floweis. Tuming round 
towards the town, we enjoy the view of the splendid 
buildings on the Weinberg. Here, and particularly in 
the newly-erected Royal Court Theatre, the 
difficulties of the building site have been surmounted in 
the most masterly manner. A large number of buildings 
of real artistic value have arisen in the last few years. 
Above all, the new Town Hall is worthy of mention, 
which in its exterior impressive appearance gives 
evidence of the power and dignity of the citizens and 
in its interior arrangements and adomment inspires 
complete admiration. Shortly, on the adjacent Wilhelms¬ 
höher Platz, there will arise the Hessian Landesmuseum. 
On the Platz just named the glance of the spectator tarries 
long as if under a spell. Before him, as if he rould 

























42 ( g)QQ0OQ9CO3Q090(^ 99e8^09e9ggl DEUTSCHLAND 


1911 



touch it, but yet an hour's walk distant lies the celebrated 
Wilhelmshöhe; avenue, castle and Hercules all harmoni- 
ously arranged in one line. On both sides magnificent woods 
join them. Even the trip in the electric car, which reaches 
ihe castle in twenty minutes, renders a continuous enjoyment 


of the scenery possible. — With every lover of nature and 
of art the delight awakened already in the town and 
the Karlsaue is here raised into pure enthusiasm. Here 
on the eastem slope of the Habichtswald (hawks' wood) Kindly 
nature has given the landscape gardener a lesson such 

as no Imagination could 
have better dreamt. 

Lush lawns altemate 
with native and foreig’n 
groups of trees. Wild 
waterfalls connect peace- 
ful ponds with one 
another. Defiant blocks 
of rock are annexed to 
artificial grottoes. A giant 
octagon supporting“ the 
Farnese Hercules crowns 
the whole park. 

Whoever has once 
allowed the charm of 
Wilhelmshöhe to work 
upon him will not be sur- 
prised that the imperial 
Family regularly passes a 
part of the summer here. 
However the landscape 
scenery and the hyg’ienic 
advantages of Cassel 
and Wilhelmshöhe also 
exercise a mighty power 
of attraction over wider 


Cassel: View in the Carlsaue 


circles at home and 
abroad. 


Hildesheim. 

By Professor Dr. O. Rubensohn. 


The express train conveying travellers from London and 
Paris via Cologne to Berlin rushes through the wide sunken 
plains of Lower Germany, then suddenly Start up the first 
friendly highlands, wooded mountains, summits become visible 
below which there gleam gold and green and dark grey slate- 
coloured towers and cupolas between red-tiled gable roofs. 
That is Hildesheim, the ancient bishop’s city, the proud land¬ 
mark of German citizenship grown great out of its innate 
power, the splendid bloom in the wonder garden of German art. 

In the year 1915 Hildesheim will celebrate the eleven 
hundredth anniversary of its existence. In the year öl5 Louis 
the Pious founded the bishopric here in the place of the rose 
tree woven round for thousand years by ancient sagas. The 
history of the town, extending back over more than ten centuries, 
is distinguished by venerable boundary stones of art, for no art- 
epoch has passed over in Germany without leaving its traces 
in the walls of this northern Nuremberg and while in other 
places the levelling tendencies of modern times have cleared 
away the monuments of bye-gone days without mercy, here 
the tough Lower Saxon spirit, which cleaves to what is ancient 
without underestimating what is modern, has wisely preserved 
the Works of our forefathers. The visitor therefore comes 
across the most valuable treasures everywhere in the churches, 
on the altars and in the sacristies, and the walls of the houses 
in the picturesqiie lines of streets and on the fme-toned open 
places speak the ancient language to him still. 

The towering church buildings of Hildesheim stand proudly 
erect among the architectural monuments of Germany. The 
artistic hand of Bernward, the wise statesman and witty art- 


loving bishop (992 — 1022) rested on them. His sublimest edifice 
is St. M i ch a e r s, a wonderfully arranged ecclesiastical 
structure. A refined artistic charm emanates from the Varia¬ 
tion of the columns and pillars. from the Romanesque and 
Early Gothic capitals, the finely thought out angel choir has 
a most picturesque effect and the whole is crowned by the 
raftered ceiling of the nave with its widely celebrated roof 
paintings. And besides St. Michaels, on the edge of the 
suburbs of the town, there is S t. G o d e h a rd's (1133—1172), 
This basilica with its three aisles and double choirs, with its 
very effective and quiet construction, its clear and sharply 
outlined form, its beautifully grouped chapels on the eastem 
side of the choir is a perfect jewel of Romanesque architecture. 

The Cathedral, the oldest and most often metamorphosed 
monument in Hildesheim, lies interestingly placed in the 
Cathedral Close in an elegant circle of canons' houses. From 
the earliest times it sheltered in its apse a costly gern of 
Romanesque architecture, the churchyard of St. Anne with 
the two-sided cloisters surrounding it. In the peace of this 
churchyard rest the bodies of Hildesheim's canons, here rises 
the elegant Gothic chapel of St. Anne and here blooms the 
thousand year old rose tree, connected in a beautiful old 
Story with the Foundation of the bishopric. In the lofty nave 
of the Cathedral itself we stand before the Creations of Bishop 
Bernward's own hands, above all before the fifteen feet high 
bronze doors (cast here in 1015). In illustrations pro- 
foiindly symbolic they exhibit to us scenes from the Old and 
from the New Testament. Cast out of a single piece, these 
double doors with their bold projecting high relief are of 






















1911 DEUTSCHLAND 


43 


truly astounding perfection ai d perhaps still more wonderful 
in their power of artistic coa iguration. A further evidence 
öf the consummate plastic art of the great bishop is the 
Bernward's Column (1022). In the centre of the cathe- 
dral is suspended the great circular candelabra of 
Bishop Hezilos (1054—1079), incomparable for the splendid 
harmony of its Romanesque omamentation; the baptismal 
font (1230) adomed with rieh and copious reliefs teils a 
similar artistic story and another is related by the costly 
ireasures of the cathedral in which are included, be- 
sides its g*ems of Romanesque and Gothic applied art, some 
further splendid specimens from Bemward’s own workshops. 

The other churches in Hildesheim are also really inexhaus- 
tible mines of treasures which enchain and delight the art 
critic as well as the art amateur, but they represent only 
one side of the interest which detains the visitor there. With 


astonishment his eyes remain fixed on the rieh wood-carving 
of the timber frame houses with their projecting upper stories, 
of which the town has preserved over seven hundred, entire and 
perfect in their ancient beauty and wealth of colour, thereby 
making a record in all Germany. A really genuine relic of 
the middle ages is the Andreas Platz overlooked by the 
mighty structure of the Gothic Andreas Church. The 
Andreas place is surrounded by a circle of charming houses, 
among them the Trinitatis Hospital with the splendid 
pointed arch Windows in the Gothic substructure and the 
fine wood carvings in the upper building added at a later 
date, as well as the characteristically ornamented mercers 
guildhall, all of which worthily and effectively represent the 
style of architecture in the earliest times. Not many cities can 
boast of such an equally homogeneous and harmonious central 
point as the Hildesheim market place with its Roland's 



liildesheim: Knochenhuuer Amtshaus (Butchers' Guildhall) 




































44 DEUTSCHLAND ILll 


fountain in the middle. On the east side it is enclosed by 
ihc front of the Town Hall with its much divided gables, 
its leafy walks and picturesqiie comer tower. The entire 
depth of the upper story of this hug^e building is occupied 
by the high-arched principal hall of the Town Hall, which is 
decorated by the frescoes of Prell on subjects from the 
history of Hildesheim. Next to the Town Hall there rise 
fantastically the quaint architectiiral forms of the Gothic 
T e m p 1 a r house with its fine Windows distributed in the 
facade, and dose beside that house Stands the Wedekind 
house, a brilliant 
example of the 
Hildesheim timber 
frame houses of 
the end of the 
sixteenth Century. 

But all these build- 
ings are of small 
account in com- 
parison with the 
most distinguish- 
ed omament of 
the place, the 
proudest house 
that Hildesheim 
possesses, the 
Knochenhauer 
Mansionhouse. 

In that is seen the 
model of the tim¬ 
ber frame house in 
its highest per- 
fection. V/herever 
the glance of the 
spectatormay fall, 
it is arrested by 
rieh ornamenta- 
tion, adornment 
wonderfully 
thought out, and 
executed in mas- 
terly style and in- 
genious phrases. 

And whoever may 
wander farther 
than the market 
place and glance 
down the pic- 
turesque Os t er¬ 
st r a s s e, into 
the animated Ho¬ 
henweg, the Brühl, the Langenhagen and the 
Kreuzstrasse, will meet at every turn such exquisite 
timber houses. 

Brilliant practical proof of the self-saci ificing communal 
sense has bcen shown, and even in recent times, in the art 


institutions of the town and in the museums. The Hildesheirn 
Roemer Museum is famed throughout the world; it is an 
endowment of the Roemer family with rieh collections oi 
objects of natural history and applied art, and beside it this 
year a new museum will open its doors, the P e 1 i z a e u s 
Museum, the endowment of a generous son of Hildesheim 
with fine collections of Egyptian and Greco-Roman antiquities. 
This is a foundation made by a private Citizen, such as we 
are usually accustomed to only in America as the work of 
one of its multi millionaires. For we actually find in this 

Collection such 
choice articles as 
the life-size bronze 
headofRamses II, 
numerous statues 
of the time of the 
ancient empire 
and, besides a 
gallery of Greek 
andRoman marble 
busts, a splendid 
terra-cotta Col¬ 
lection, a large 
assortment of ear¬ 
ly Roman glasses, 
Attic vases and 

— last not least 

— the antique 
plaster models 
from M emp h i s 
of the third Cen¬ 
tury B. C. which 
became so sucl- 
denly celebrated. 
models for gold 
and silver Utensils 
with the finesl 
metaphorical and 
ornamental embel- 
lishments, the 
most important 
artistic parallel to 
the valuable s i 1 - 
ver treasure 
t r o V e of the Ro¬ 
man times, which 
came to light 
at Hildesheim 
about fifty years 
ago. Hildesheim 
is therefore for 

everyone with artistic sensibilities a source of high enjoy¬ 
ment, and the natural scenery outside the city with its 
lovely mountains and valleys, its magnificent woods and 
its wide views, is more than on a pnr with the fine art in 
the town. 



Brunswick. 

By A. Sattler, Brunswick. 


ln t’'.e mi Idle ol the old Saxon land near the border, where 
the central German mountainous or hilly country subsides 
into the far-reaching h e a t h, lies B r u n s w i ck the town of the 
Brunonen now more than a thousand years old, once the resi- 
dential city of the mighty Duke of Guelph, Henry the Lion, 
afterwards a prosperous trading and Hansa town and now the 
Capital and residential city of the duchy bearing the same namo. 


The town is indebted for its present prosperity (it con- 
tains now 144 000 inhabitants) to its active trade (two 
annual fairs) and to its many-sided highly developed manu- 
f a c t u r i ng life. 

The Position of the city in a pleasant and fertile 
plain, interrupted by wooded Stretches of rising ground, on 
both sides of the Oker coming from the adjacent Hartz 


































1911 DEUTSCHLAND 45 


mountains, is an uncommonly diversified and charming- 
one! Beautifully wooded chains of heig-hts, the Elm, the 
Asse, the Lichtenberg and the Oder, but above all 
things the long-extended ridge of the Hartz with its high 
towering Brocken, form the limits of the horizon on the 
south and east. 

Among the medieval cities of Germany the residential 
lown of Brunswick Stands unquestionably in the first 
rank in respect to its beauty and its eminently peculiar 
charm; it possesses so many treasures out of its brilliant 
past, that it may without hesitation be placed at the side 
even of Nuremberg. Besides a rare number of medieval 
buildings the town also possesses numerous strikingly 
beautiful modern erections and this admixture of the 
middle ages with the cleverly added modemity, imparts to 
the town its extraordinary charm and offers to the spectator 
such attractive pictures as are to be found in no other cities^ 

The venerable timber or frame houses richly orna« 
mented with carvings 
have, as a common 
characteristic, the stair 
or ladder shaped pro- 
jection of the higher 
floors. Consoles of 
various descriptions Sup¬ 
port these projections. 

The beams and joists 
aremostly, as well as the 
staircase, ornamented 
with arabesques, foliage, 
figurative representa- 
tions and with mottoes 
or carvings often of a 
rather coarse humour, 
and all painted in gay 
colours. 

A pearl of this kind 
is the G i 1 d e h a u s 
(the former Huneborstel 
house erected in 1573) 
on the Lurgplatz, as well 
as the AlteWage on 
the Wollmarket dating 
from 1534. 

Very conspicuous is 
also the large number of 
former patrician houses which lie scattered over all parts 
of the town and give ample evidence of the wealth prevailing 
in Brunswick even in the middleages. Among these buildings 
the Dannenbaum house in the Auguststrasse, Stegers 
Mummen brewery at the Bäckerklinte with the Till Eulen¬ 
spiegelbrunnen before it, the Eighth Lower Bürgerschool on 
the SüdkÜnte, the First Middle Bürger Girls' School 
in the Wilhelmstrasse, the Bierbaum house in the Fallers¬ 
leberstrasse, the house Nr. 3 in the Steinstrasse with the 
Luderziehen, the Witt ekop house on the Bankplatz 
dating from the year 1592, the Apothecary’s on the 
Hagenmarket and several houses in theReichsstrasse 
take the highest places. 

The churches ofthe town date for the most part 
from the middle ages and are master works of Gothic and 
Romanesque architecture. The church histoiically most inter- 
esting is perhaps the Cathedral erected by Henry the Lion, 
with beautiful and elegant Gothic belfry built into the two 
towers. Most magnificent is the extremely tastefully restored 
interior mostly with the old paintings and containing also the 
graves of Henry the Lion and of his consort Mathilda, 
the grave of the Kaiser Otto IV. The crypt under tho 


high choir holding in 48 coffins the mortal remains of most 
of the Guelph princes of the Bevern line. 

The Andreas Church with its tower 300 feet high is 
likewise a beautiful building. On the Hagen market the 
Katharine Church, with the Heinrichbrunnen before it, 
forms a magnificent background and the mighty halls of the 
Brüdern Church have an uncommonly picturesque effect. 

Among the secular buildings the spectator will 
probably feel the greatest interest in the Burg Dank- 
warderode restored in the Romanesque style, the palace 
of Henry the Lion with a wonderful banqueting hall. The 
Lions Column erected by Henry the Lion before the 
castle, the Emblem of the town, the Cathedral, the Gilde¬ 
haus and the other houses surrounding it, impart to the Burg 
Place an extremely solemn appearance. The back of the 
Burg with the monument to Duke Wilhelm before it and the 
castle moat is very fine. 

The most remarkable Renaissance work in Brunswick is 


[i 

m£iti 


the Gewandhaus, now allotted to the Chamber of Commercu 
with its wonderful high towering c''.st gable erected in 1590. 
Quite dose to it lies the Old Town Market (Altstadt¬ 
markt) with the magnificent Old Town Hall built in the 
Gothic style, the elegant Gothic fountains and the 
Martini Church indisputably the most beautiful square in 
the town. 

Among the modern buildings the first place is 
undoubtedly taken by the Ducal Residential Castle 
erected in Grecian Renaissance style with Rietschel's 
incomparable Quadriga and the equestrian statues 
of the Dukes Carl Wilhelm Ferdinand and Friedrich Wilhelm 
before it. The castle is one of the first German princely 
seats. But also the New Town Hall with its high soaring 
tower, the Ducal Court Theatre, the Technical 
University, the Treasury Buildings, the new Mini- 
sterial Building, the Courts of Justice, the Police 
Administration, the Ducal Museum, the Town 
Museum, both with rieh collections, are eminently magni¬ 
ficent erections, fitting in to the old town picture most 
advantageously. That picture is further animated by numer¬ 
ous imposing fountains and monuments, of which 













































DEUTSCHLAND 1911 


we will here only mention the Lessing Monument, 
the Monument to Victory, the Gauß Monument, 
the Abt Monument and the Obelisk on the splendid 
Löwenwalle. 

The mighty walls formerly surrounding the city have 
been transformed into splendid promenades interspersed 


with lovely villas, which encompass the whole town and in 
common with the broad arms of the Oker impart to the 
place a charming Ornament by their glorious avenues and 
charming lawns. 


Moreover quite dose to the town great and splendid 
parks have been laid out, with mountainlike heights and 
ponds animated by all kinds of waterfowl, with extensive 
playgrounds and pretty restaurants which invite all to 
recreation and refreshment. 

Beautiful also are the villa auarters of the remote 

suburbs, broad, avenue- 
like Streets and pretty 
front gardens of which 
impart to Brunswick 
truly the character of 
a garden city. 

Brunswick is the most 
populär point of depar- 
ture for the glorious 
Hartz mountains, e x- 
tensive forest lands 
round about it inviting- 
US to beautiful walks 
rieh in lovely views. 

The intellectual 
and social life in 
Brunswick is very active. 
Excellent theatres, lec- 
tures and concerts,muse- 
ums, scientific collections 
of every kind and well« 
filled libraries provide 
further for mental stim« 
ulation; neither is there 
in Brunswick any want 
of organisations for 
Sport. 

The schoolsystem 
is thoroughly well organised. The schools, at the head of 
them the Technica 1 University, are quite preeminent. The 
entire life and work in Brunswick is comfortable and homelike 
for which reason the town is always frequented by foreigners. 


Brunswick: Burgplatz with View of the Town Hall 


The Hartz. 

By F. Günther, Clausthal. 


Among the mountain woodlands of 
Germany which exercise their powers 
of attractions upon strangers and 
foreigners seeking relaxation amidthe 
beauties of nature, the Hartz assumes 
a peculiar position. No other inoun- 
tain ränge has been so much 
described by authors and so much sung by poets; even 
our prince of poets Goethe has erected an imperishable 
monument to it in Faust. And it deserves such marks of 
Histinction. What a fulness of landscape pictures, all different 
from one another and yet each of a peculiar beauty, crowd 
together in a proportionately narrow space. Here the Bode 
lushes foaming between granite walls more than 600 feet 
high and there the Selke winds calmly through a graceful 
hilly country. Here wildly romantic mountains tower one over 
the other and from the heights wonderful rock formations look 
far out into the open country with its green pastures; there 
Stretches, as far as the borders of the horizon, the wide 
immeasurable plateau encircled by mountains and with glitter- 
ing lakes; the healing woodland peace softly throws its arms 
around us, makes our hearts beat more quietly and smoothes 
out the wrinkles which work and life have imprinted on us and 
in the mysterious rustling of the dark fir**trees the chime of 
distant bells mixes harmoniously. 


And how many important historical recollections are 
associated with the Hartz! Did it not once stand in the 
glorious time of the Saxon and Frankish emperors as the 
central point of the German imperial history, its kaiser 
towns and royal palaces telling the story to this day. Almost 
innumerable is the multitude of castles the ruins of which 
are preserved as picturesque monuments; the splendid 
princely castles Wernigerode, Blankenburg, Ballenstedt, Stol« 
berg etc. Standing out prominently above all. 

Whoever hastens to the Hartz from the north usually 
breaks his journey in the old bishop's city of H ildesheim*) 
or in the glorious ducal city of Brunswick*). The great 
sights of Hildesheim are the market-place with the quite 
original Town Hall, the charming pointed-gable architecture 
of the Knochenhauer Amtshaus and the cathedral, which 
reflects all styles from the old Roman onwards, with its 
cloisters and thousand year rose tree. ln Brunswick we are 
especially attracted by the castle Dankwarderode of Henry 
the Lion, the old Gothic Town Hall and the clothworker's hall 
splendid in the Renaissance style, the new buildings of 
the Grand Ducal Museum, the residential castle and the theatre. 

Arriving at the border of the Hartz we make a longer 
stay in Goslar, the old Kaiser and Hansa-town. Situated 
just at the foot of the Rammeis mountain, rieh in silver and 

•) See the special articles on Hildesheim and Brunswick. 




































p. 

b! 


The Hartz 

T. Castle Falkenstein. 2. Gero Church, Gernrode. 3. Castle Regenstein. 4. Brocken. 5. Witches' Dancing- Place. 
6. The Radau Falls near Bath Harzburg-. 7. Castle Wernig-erode. 8. Castle Quedlinburg. 9. Castle Ballenstedt. 

10. Valley of the Ilse. 




















































































48 DEUTSCHLAND @^^^^^^^^^^^80668^886® 1911 


rising- nearly two ihousand feet higher still, this town with its 
mighty gates and imposing church towers, presents itself to 
our view grave and characteristic; in the interior besides the 
Gothic Town Hall it shelters the richly decorated '^Kaiser- 
worth'^ the ''Brusttuch'^ the churches and many another 
jewel of Lower Saxon architecture. But the pride of the old 
imperial city is glorious ^"Kaiserhaus^^ as the oldest preserved 
secular edifice a unique phenomenon of art history. From 
Goslar we ascend to the populär health resort Hahnenklee- 
Bocks wiese surrounded by woods and charmingly situated 
on small lakes or ponds, upon which the wooden church 
built in the northem style looks down. We have there 
attained the high plateau of Clausthal, a landscape that 
Stands alone in the Hartz in its astonishing singularity; 
lighted up by an illuminating cleamess, it breathes out 
freshness and health. Among the buildings of the town 
Clausthal, the seat of the chief mining board, are specially 
to be noticed the newly erected (1907) Mining Academy, with 
its rieh collections of models, minerals and allied objects. 


and the Market Church, worth seeing as the largest of all 
wooden churches, the church roofed with copper in the 
adjoining Zellerfeld and the Bergapotheke (mining chemist's) 
a house ornamented with carvings etc. by genuine artists. 

In the innermost valley, to which the railway ascends, 
there lie the two mining towns of Lautenthal and Wilde¬ 
mann pleasantly situated between steep wooded mountains 
and, separated from them by the mountain ridge, on the 
border of the Hartz the cheerful summer resort Seesen, 
on the way to it the ruins of Schildberg and not far distant 
the ruins of Woldenstein and Staufenburg. From here we turn 
to another summer resort Grund embedded between sheltering 
mountains; with the Iberg towering over it and rising 
beside the Hübichenstein possesses as sights so-calied glacier 
pots and a cave with stalactites. Charmingly situated on the 
Söse, dose on the Upper Hartz lies Osterode with its 
castle ruins called by Heinrich Heine the Mossrose of the 
Hartz. In a long extending valley between steep mountains 
is the health resort Lerbach from which via the Kuckholz- 
klippe, a beautiful point of observation, we reach Bunten¬ 
bock, rivalling Hahnenklee as a summer resort, and at the 


same time the level of the plateau again. The chain of hills 
on the South east called Acker and Bruchberg, has a number 
of grand outlooks, the mighty Seilerklippe, the picturesque 
Hanskühnenburg, the Hammersteinsklippe and the Wolfs¬ 
warte (three thousand feet). Below these places there lies 
on the Oker the Kur-bath Altenau, an oasis in the green 
ocean of woods. We follow the blustering Oker downwards 
over Romkerhalle, where the Romker plunges from the rocks in 
three falls two hundred feet high; defiantly and in fantastic 
shapes the granite rocks spring out of the mighty mountain 
walls gloomy with fir-trees; in majestic beauty the Okertal 
can only be compared with the Bodetal. Passing the natural 
architecture of the grotto and the ''mouse trap" we wander 
on to the oldest saline bath in the Hartz, the very populär 
and elegant health resort Harzburg. Situated between the 
highest border mountains, one of which bears the ruins of the 
celebrated Kaiserburg, it unites beauty with a certain severity. 
As Harzburg lies at the egress of the Radau, the beautiful 
11 s e n b u r g lies at that of the ^Trincess Ilse^ the hurrying* 

Brocken child, whose 
valley above the Ilse 
stone attains a haughty 
grandeur. The princely 
castle comprises, in 
addition to a modern 
building, also the 
remains of a Roman 
convent. 

Among the most 
beautiful towns in the 
Ha rtz belongs Wernige¬ 
rode on the Holtemme 
with its surroundings 
here lovely and there 
grand, its variegated 
woods and its delightful 
views. Besides the Town 
Hall, correct in style, 
many a citizen's house 
has also been preserved 
out of the middle ages. 
The castle of the princely 
Stolberg family, that 
rises with towers and 
battlements three hun¬ 
dred and seventy feet 
above the town, is 
equalled in beauty by few mountain castles. One piece of the 
high mountain chain forms the ""Steinerne Renne"", a narrow 
wood ravine in which the foaming water dashes wildly in 
cascades over granite terraces into the valley. The adjoining 
village of Nöschenrode with its idyllic valleys also possesses 
a charming character. 

Between llsenburg and Wernigerode the B r o ck e n, thirty 
five hundred feet high, pushes its foot forward up to the border 
of the mountain ränge and rising nearly three thousand feet 
above the level of the plain affords from this side an imposing 
view. Beside the ""head"" of the Brocken stand its two 
""shoulders"" the Königsberg and the Heinrichshöhe. These 
other heights and mountain ridges together with the mighty 
cliffs of the tangled primeval forest and, in the west, the 
high plateau of the moor Brockenfeld on which the northem 
dwarf birch (Betula nana) still grows all are connected 
with the Brocken and issue from it. It is the only mountain 
north of the Alps with a world-wide reputation, even if 
perhaps, here and there, it is only known as the ""Blocks¬ 
berg"", as the meeting place of the ""witches' sabbaths"", The 
circular view from its summit, on which is erected a tower 



Bath Harzburg: Ravens' Cliff with View of the Brocken. 





















The Hartz 

1. Mining- Academy Clausthal. 2. Josephs' Hill. 3. Kaiserhouse Goslar. 4. Oker Valley. 

5. Kyffhäuser. 6. Rübeländer Stalactite Cavern. 7. Roland at Nordhausen. 8. Convent Ruin Walkenried. 
9. Wissmann Monument at Bath Lauterberg-. 10. Town Hall at Halberstadt. 
























































































50 


DEUTSCHLAND 


1911 


sixty feet high, ranges over more ihan the two hundredth part 
of Europa and between the extreme points, one hundred and 
fifty-six English miles distant from each other, can be 
recognised eighty-nine towns and six hundred and sixty-eight 
villages. But still more interesting than the distant view 
is the relief of the Brocken ränge which is obtained from 
above, the view over the rolling ocean of mist and fog or 
into a thunderstorm raging round it; Good footpaths lead 
up to it from all sides and the railway which ascends it 
from Wernigerode has opened up new beauties. To build a 
boarding house at the Station Dreiannen-Hohne, near 
the wild disruptured Hohne cliffs, would be a happy thought. 

The Brocken village Schierke on the Kalten Bode has, 
through its wonderful cliffs and the granite blocks strewn 
over the whole vicinity, quite the character of an Alpine 
district and has become a health resort of the highest dass. 
Its suburb Elend shares in its development and the Kur-bath 
Braunlage on the Warmen Bode, favoured by magnificent 
environs, also flourishes perceptibly. Where the two spring 
sources join, the ruins of the imperial palace Bodfeld are 
to be seen. From here by the railway we reach the Bode 
again via Elbingerode, an idyllic summer resort, and 
Rübeland with its three celebrated stalactite caves of which 
the Hermannshöhle is the finest in Germany. 

In the valley of the Rappbode among beautiful surround- 
ings with the brilliant prospects of Ebersberg and Grosser 
Ehrenberg, lie the flourishing Kur-places Benneckenstein, 
from which the fresh woodland Hohegeiss the highest 
village in the Hartz (about two thousand feet) is not far 
distant, and Trautenstein, and further, on the united 
Bode, peaceful and homely between lovely leafy woods 
Wendefurth and Al tenbrak. Below Treseborg, where 
the Bode begins to break through the granite of the Ram- 
berg, the beauty of the scenery increases, the cliffs become 
more adventurous and wilder, on both sides is a luxuriant 
tree growth, the river rushes raging between the ruins and 
falls foaming into the "cauldron'“, then to hasten between 
perpendicular granite walls to the Bodentor, the pillars of 
which are formed by the six hundred feet high "Rosstrappe" 
and the still higher "Hexentanzplatz". Thale, with the sahne 
bath Hubertusbad and the Hartz Bergtheater, Germany's first 
natural stage, is a summer resort of the highest dass. 

The fragrance of history hovers over Quedlinburg, 
the celebrated garden town; the royal castle glances down 
over the luxuriant country from steep sandstone rocks where 
it Stands beside the celebrated foundation church under 
which King Heinrich I rests. A little farther back from the 
edge of the mountain ränge Stands the proud bishop's city 
Halberstadt which in its romanesque Liebfrauen Church, 
its majestic cathedral and its interesting Town Hall exhibits 
brilliantarchitecturalmonuments; fit tobe placed besideQued« 
linburg’s Klopstockhouse is also Halberstadt's Gleimhouse. 

The town of Blankenburg nestles picturesquely on 
the mountain declivity which Supports the glorious Ducal 
Castle and has almost a southerly character. Among the neigh- 
bouring rocky formations is the Regenstein which once bore 
a castle partly hewn out of the rock itself, and the jagged 
ridge of the Teufelsmauer. The Selke, a river parallel to the 
Bode offers as its chief attraction rocks emerging out of the 
luxurious Vegetation between the A 1 e x i s b a d surrounded 
by a beautiful woodland park and the little village Mügde*^ 
Sprung with its legendary "Mädchentrappe". A branch of 
the tramway takes us to Harzgerode lying on the open 
plateau, the old castle of which treasures a valuable 
Collection of minerals. And via the mountain Kurbath 
Friedrichsbrunn, encircled by woods, we ascend to the 
Victoria hill, the observatory of the Ramberg, the highest 
point of the Lower Hartz. 


The Selke railway will now bring us from Mägdesprung 
to the watering places Gernrode and Suderode con¬ 
nected in sisterly fashion. The first has in its thousand 
year old "Cyriaci Church", in which the Markgraf Gero, its 
builder, rests, a prominent monument of art, while the 
Stubenberg and the Georgshöhe present views of picturesque 
charm. Over the pleasant summer resort Ballenstedt 
surrounded by a wonderfully beautiful park, rises the 
Ducal residential castle beneath which, in a grave hewn out 
of the solid rock, the Markgraf Albrecht the Bear has found 
his last resting-place. A trip from here into the Lower Selke 
Valley is well worth making; there are the ruins of the ancestral 
castle Anhalt and the perfectly well preserved castle Falken¬ 
stein, the only one of its kind in the entire Hartzland. 

We now travel by the railway to Aschersleben and 
Bernburg. In the former town we visit first of all the Gothic 
Stephany Church and the beautiful Town Hall; in Bemburg, 
whose Saline bath is one of the strongest in Germany, we 
are attracted by the charming view over the woodland 
district of the Saale and especially by the magnificent 
castle of the sixteenth Century. 

By rail we come between the Luther towns Mansfeld and 
Eisleben to the Southern border of the Hartz. From 
the fertile "Goldenen Aue" (near the saline-bath Franken¬ 
hausen, and the Barbarossa cavern which shows beautifiil 
alabaster formations), rises nearly one thousand feet the 
"Kyffhöuser" celebrated in story, from the Kaiser Ruins of 
which the most perfect and artistic national monument is 
visible. Passing the ruins of the Rothenburg we come to 
the Tyra valley which we follow upwards to the little town 
ofStolberg, an untouched piece of medievalism wedged 
into the narrow valley. Its show sights are the high towering 
princely residential castle and the Joseph's hill with the 
giant iron cross. A visit to the "Hohnstein" the largest castle 
ruin in the Hartz also affords great satisfaction. By way of the 
old kaiser and imperial town Nordhausen, the medieval 
fortifications of which are just as effective as the Renaissance 
architecture of its Town Hall and its Gothic cathedral, we 
make an excursion to the charmingly situated little town of 
Bleicherode at the foot of the finely wooded Bleicheröder 
mountain, re-entering the Hartz at Walkenried with its 
celebrated convent church ruins; we then ascend the "Stöber¬ 
hai" by way of the lovely Wieda nestling in the valley and 
after enjoying the fine view from the Stöberhai pass through 
Both Sachsen distinguished for its beautiful woods and 
come to Ravensberg, the Brocken of the Southern Hartz. Via 
the idyllic Wiesenbecker pond we arrive at Bath Lauter¬ 
berg one of the most populär of watering places with charming 
environs and then take the train to the mountain town in 
the Upper Hartz Sanct Andreasberg, an excursion well 
worth the trouble, as the neighbourhood offers lovely walks 
of which that to the Oderteich deserves especial mention. 
Making our way towards Herzberg we visit the celebrated 
"Einhornhöhle" (unicorn's cave), the stone church of the time 
of Bonifacius and the ruins of the Felsenburg Scharzfels. 
Wonderfully beautiful and sheltered is the appearance of Herz¬ 
berg lying at the foot of the ancient Guelph castle, the ancestral 
home of the Kings of England of the house of Hanover. 

The Hartz is encircled by main lines of railway, from 
which branch lines and narrow gauge lines radiate into the 
mountains or cross the district from north to south and from 
east to west in manifold variations. And if the railway net has 
left a vacuum anywhere, the connection is made good by the 
Büssing-Kraftwagen lines. — In the winter, when the Hartz has 
its beauties to display as well as in the summer and offers 
something remarkable in the way of winter festivals, ski-ing 
and tobogganing, sleds are to be found everywhere at the 
disposal of visitors. 






























52 DEUTSCHLAND 1911 


Magdeburg. 


Situaled in a lovely position on the left bank of the Elbe 
Magdeburg, a large city containing 280000 inhabitants and 
making rapid progress, offers in its rare many sidedness 
something to satisfy the expectations of every visitor. The 
fine art amateur and lover of antiquities is astonished by the 
beauty of the old town with its famous main-street, the Breite 
Weg, with a very ancient and splendid cathedral from the Gothic 
times with romanesque cloisters, with its Gothic churches, 
its Town Hall and patrician houses dating from the seventeenth 
and eighteenth centuries. The visitor finds museums both 


the most fashionable in Germany; the swimmers of Magdeburg 
make international records, and both town and citizens make 
sacrifices in the support of physical exercise. Its numerous 
and excellent schools, its applied art, building and artisans' 
academies, its hospitals etc. have had to be created by 
Magdeburg in a few decades only, as it has been twice 
completely ruined, first in 1631 at the destruction in the 
""Thirty Years War" and again between 1806 and 1813 
in the time of the French. Only since the middle of the 
nineteenth Century has it worked itself in a rapidly pro- 







ilTT'ki 








1 . 


r L-^ 1 





Magdeburg: View from the Cathedral Tower (Published by W. Klautzsch, Magdeburg) 


of nature and of art: the Kaiser Friedrich Museum conlains 
valuable collections relaling to the history of cultivation and 
also a modern gallery. In proportion to its size Magdeburg 
possesses the most extensive parks of all German cities- 
Three of these parks Stretch along the Elbe in a beautiful 
Situation; they were mostly laid out a hundred years ago. 
Every practical provision has also been made for rocing on 
the Herrenkrug meadows and in a most splendid manner for 
every other sport; the motor car and racing clubs are among 


In the Heart 

By A. T 

Theland ofThuringia has from ancient times been 
celebrated as the "green heart of Germany". Not alone on 
account of its geographical position in the centre of the 
other States. Rather perhaps because from the green wooded 
mountain ranges of that country the wild brooks run down, 
to three great German rivers — the Rhine, the Weser and the 


gressing movement up to its present commercial and 
industrial height, as one of the most important business 
towns in Germany. Its numerous factories, banks, docks, 
insurance offices and railways are in continual process 
of extension. The social provision for the poor has 
recently borne wonderful fruits, especially in respect to the 
erection of small dwellings; before the gates of the town 
have arisen a number of trades Union and industrial garden 
towns. Dr. Schmidt. 


of Germany. 

i n i u s. 

Elbe, fertilising the land on theirway; because in that country 
people sing and rejoice, every peculiarity of the German 
character is here, as it were, rapt in an atmosphere of poetry, 
thought and dreams; because the mightiest shocks which 
prostrated the soul of the German people and again led it 
up to heaven are connected with the history of Thuringia. 












1911 DEUTSCHLAND 53 




Thuringia's soil saw the two periods of classical poetry, the 
Wartburg“ having been a sanctuary of the first Minnesingers 
and Weimar the place where the most brilliant spirits of 
the time fixed their rendezvous, Goethe and Schiller being 
the first. The poetry of chivalry and legends of the cloister 


Weimar: Goethe Schiller Monument 

join hands here; here Saint Elizabeth walked her way and 
here a Martin Luther lived and laboured. The horrible 
peasant wars raged through the land and at Jena and Auer« 
Stadt the defeat of Prussia was consummated under the 
World conqueror Napoleon. In Thuringia the grand old 
master of the fugue, Johann Sebastian Bach, was born and 
besides bim a large number of other great musicians. Led 
by poetry and music almost all the other arts have celebrated 
their triumphs 
here and, however 
otherwise we may 
think of the in- 
describable politi« 
cal divisions of 
Thuringia, the 
residence of their 
princes brought 
these little States 
glory in the world, 
make them now, 
year in, year out, 
the resort of 
thousands of pil- 
grims who wander 
with exalted ideas 
through the friend- 
ly garden«towns, 

Iracing in the 
buildings, monu- 
ments etc. rem« 
embrances of the 
fluttering of the 
wings of long past 
times and at 
the same time 
enjoying all that 
the pushing mo« 
dem spirit can 


offer the art loving visitor. For Thuringia as the heart of 
Germany also lies right in the middle of the modern traffic. 
The railway lines cut through it from all four sides. Those 
Corning from Frankfort, Cassel, Hanover and Ham« 
burg«Bremen meet in Bebra, then to rush on the 
Thuringia line slanting across the country, 
while from the east (Berlin—Leipsic) on 
the other hand the land is reached by the 
Thuringian line, and I now propose to 
conduct the reader through the little capitals 
of the country. Weimar, Erfurt, Gotha, 
Eisenach all lie on the main lines. From 
Eisenach the train takes us via Meiningen 
to Coburg, from whence it follows the 
direction further to Nuremberg—Munich. 

W eimar 

is classical or consecrated ground not alone 
for the educated German. All cultivated 
nations join here in adoration. On that day, 
the yth of November 1775, when first the 
son of the Frankfort patrician, Johann Wolf« 
gang Goethe, twenty«six years of age, trod 
the soil of Weimar in Werther costume, 
the bright star whose splendour can never 
be extinguished rose above the little 
residential city. The greatest poetical 
genius of Germany in union with that 
aspiring son of Jupiter, Schiller, and other 
eminent writers gave Weimar the highest 
consecration. The world voluntarily honoured it with the 
title 'Tlm«Athen" and when on 22 ^^ March 1832 the sun 
of Goethe for ever set, a brilliant after«glow was left 
behind which will illuminate the centuries yet to come. For 
this poet«hero has himself prophetically sung the words of 
the expiring Faust: 

"The traces of my earlhly days 
Can not in eons perish". 


Erfurt: Monument to Reichart, Founder of the Erfurt Horticulture 

























54 DEUTSCHLAND 1911 



Should the poets return to-day they would not recog^nise 
their Weimar again. Out of the poor little country place 
a smart residential town of about 32 000 inhabitants has 
grown up. A splendid Street leads to the inner old town 
round which a circle of new districts has been drawn. The 
Ilm still whispers its way through the poetical park which 
can yet show Goethe's often sung garden-house. Tiefurt, 
Belvedere and Ettersberg still form the objects of favourite 
excursions awakening great memories. But in Weimar itself 
we wander, not without melancholy, through the modest rooms 
of Schiller’s house or through the residence of Goethe now 
transformed into a richly fitted-up museum. From the streets 
and market we are greeted by the brass statues of Karl 
August, the princely friend of poets, of Goethe and Schiller, 
Wieland and Herder. The park still possesses memories of 
that glorious and brilliant time and in the prince's mausoleum 


Eisenach: Wartburghof 

rest the poet and his sovereign peacably together. What 
an exalting effect a walk through the cemetery of Old« 
Weimar hasi Through the quiet streets, past the memorable 
buildingsl How much that is beautiful, stately and novel 
has the modern time not created within this town in the last 
decades I There is only one Weimar I What once came 
and went here, the high and immortal memories forever 
connected with this Thuringian residential town«to him who 
has ears to hear, it is re«echoed from the stones, the waves 
of the Ilm whisper it to him the trees of the park rustle it 
into his ears. 

Erfurt! 

"How differently this token me affects" I This town at 
present so mightily aspiring has always been the central 
point of Thuringia, and its natural Capital, ln the middle 
ages one of the wealthiest and proudest of the German 
imperial cities, its trade and traffic afterwards decreased. 
Truly dramatic and affecting are the individual chapters in 


the history of this town; German emperors preferred to 
make their triumphal entrance here, Rome erected dozens of 
splendid churches, convents and other consecrated buildings. 
Erfurts university was famous. The industry of its business- 
like citizens made it a golden city. Then its Star sank 
again. When the town was tightly encircled by a narrow 
girdle of fortresses, it became quieter and quieter in the 
streets and markets. Now walls, towers and ramparts have 
fallen and, as if under a fertilising rain, a town numbering over 
120000 inhabitants is flourishing to-day. Erfurt Rightly 
calls itself always a city of flowers. Its market-gardens 
surpass any in the world and cover broad fields round about 
the town with flowers and vegetables. But what other rieh 
industries have flourished since light and air were allowed to 
enter the townl Magnificent town districts with lovely parks 
and gardens have grown up to make the garden-city worthy 

of its name. But 
on the east and on 
the north now rises 
a forest of chimneys, 
in the streets and 
markets pulsates 
the active hurrying 
life of a modern 
city. Whoever visits 
Erfurt to-day con- 
siders with respect 
the number of the 
splendid secular 
buildings, plunges 
into the crowd in 
the narrow lanes to 
snatch a vanishing 
breath of the middle 
ages and then turns 
in the direction 
of the Steigerwald 
commanding the 
town from the 
heights, between 
which and the old 
town the New Er¬ 
furt so charming 
in effect has arisen 
with its garden 
streets, its public 
parks and its 
views of the old 
city sprinkled with 
towers. 

It cannot be my task here to enumerate in detail the old 
and beautiful churches nor to estimate their treasures. We 
need only to step out cn the Friedrich Wilhelm Place 
at once to stand as if under a spell. In the centre of the 
town the cathedrol and the St. Severin church greet the 
visitor from the heights up which flights of outside Steps 
lead, and as the sub soil for the extended building of 
the cathedral was wanting, the magnificent choir has been 
supported on mighty stone basement walls. There above 
we must stand and let our glance wander over the sea of 
roofs of the former imperial city. We turn to the Martin 
foundation, built in a neighbourly manner by the former 
Augustin convent, in a cell of which the monk Luther struggled 
through to his God. We go slowly past the former 
university where the great reformer also went in and out 
as Student. We are delighted with the splendid, new, Gothic 
Town Hall and with the stately renaissance houses rising in 
its vicinity. We stop before the government buildings and 










1911 


I«] DEUTSCHLAND 


55 


reflect on the history of the place. What a number of great 
and celebrated men rise up before usl Here Napoleon, the 
conqueror of the world, once seated himself firmly. Here a 
heap of crowned heads paid court to the wild Corsican, 
in the first rank unfortunately, the Germans. Here the great 
French actor Talma played before a "circle of Emperors and 
Kings", here Napoleon received Goethe and astonished at 
the appearance of the glorious man, exclaimed: "Behold, a 
man" I Where shall we commence, where shall we end with 
memories in this town, here, where the world's history always 
once more knocks at the gate with an iron fist, the pictures of 
the past gain a brilliant colouring in the course of centuries, 
which cannot quite fade again even in the midst of the 


and worth seeing, including the celebrated library. In one 
of the towers there is a little court stage, a relic of former 
days when it was the first classic stage in Germany. On it 
have played Eckhoff, Iffland and other great actors. In the 
depths of the castle park, which forms a charming setting 
to the princely building, can be seen the ornamental edifice 
of the museum. North of the castle rises the statue of its 
builder, Duke Ernst the Pious, that mild and warmhearted 
Prince, who first brought Order and healthy life again into 
bis sorely tried land after the troubles of the Thirty Years 
War and raised the educational conditions in his country to a 
height which caused it to be looked upon as a model up to 
our own days. Splendid fountains and flower-gardens bring 



Eisenach: View of the Wartburg from the Kur Park 


roaring life of to-day. And when we have paid our homage 
to the historical Erfurt, then we go out into the flourishing 
n.odem Erfurt. A little way into the fertile lowlands of the 
Gera, the land of the three springs, between the Klingen (a name 
for little ditches holding water) the celebrated cauliflowers are 
grown and in the ditches themselves the equally famous water- 
cresses. Then however we turn into the Steigerwald, the leafy 
highland woods. From there Erfurt may be seen in all its 
proud beauty; the glance roves over billowy hills and fruitful 
plain to the Thuringian Forestin the blue distance. 

When we leave the train in 

Gotha, 

the forest has come considerably nearer to us. Turning 
towards the railway-station is seen the high-lying giant 
structure of the castle Friedenstein, the residence of the 
Duke of Coburg and Gotha, a mighty building with two 
ponderous towers, containing however much that is valuable 


US down into the old town which is built in a deep hollow 
and can still show many old houses of the Renaissance period. 
Gotha has also experienced a fresh impetus and numbers 
now over 40000 inhabitants. Few German towns, especially 
of its Population, can boast of many institutes and establish- 
ments for benevolent purposes. ln Gotha originated the idea 
of most of the Insurance Companies which now inundate the 
World; Gotha may also call its own the world-encompassing 
geographical Institute of Justus Perthes, the foreign collaborator 
of all world-travellers and explorers. Gotha in its liberal way 
of thinking established the first cremation establishment in 
Germany. In many other directions this agreeable residential 
city has much to show that is interesting and attractive. 

And now let me salute you 

Eisenach, 

town of Luther and of Sebastian Bach, glorious entrance 
gate into the rustling green Thuringian forest, above 





DEUTSCHLAND 


1911 


whose roofs and towers the Palladium of Thuringia, the 
tower of light, the Queen of all German castles — the Wart¬ 
burg — is enthroned. Indeed now on the far side of the 
railway-station roars a modern factory life, near the cemetery 
where the great German dialect humorist, Fritz Reuter, rests 
beside bis Luise. Yet on the other side, where round about 
the old town on the mountain slopes, another new Eisenach 
with country houses and hotels, a proud Kur-bath has been 
built in the delightful valleys, there surges from spring tili 
autumn an international bustle and traffic, German Wanderers 
come and go, songs resound and the deep woods nod to the 
people from every side. We must observe Eisenach once in 
some quiet hour from one of the heights hemming in the 
delightfully rock adorned Mariental, in order to recognise 
that if only a broad river wound its way below, Eisenach 
would be far higher estimated in point of beauty than 
Heidelberg. The effect of these forest heights, dotted with 
villas, in the depth 
of the town is 
something quite 
unique, in the 
distance rise new 
mountains and at 
the side the former 
Seat of Venus, the 
Hörselberg, into 
the interior of 
which Tannhäuser 
once made his 
entrance,to dream 
away a year far 
from the earlh in 
the white arms of 
thebeautifulwitch. 

Eisenach cannot 
boast of too many 
secular buildings 
preserved from 
ancient times. But 
we know and feel 
again and again, that through these lanes the Student Luther 
wandered, that he, become a man and a fighter, again resided 
here. His bronze statue salutes us as well as that of the 
Maestro Bach. Here too Stands the statue of the Grand 
Duke Carl Alexander, the restorer the Wartburg, who by 
this restoration made a royal gift to the German people. 
How charming now is the ascent to the Wartburg. And 
then a stroll round through the singularly beautiful and 
interesting rooms, in which the figures, which in the course 
of more than ÖOO years have shown themselves in these 
places, seem again to acquire flesh and blood. The Counts, 
celebrated in legend and song, the Minnesingers, Elizabeth, 
Luther, the commencement of the free German Student life, 
the restoration of wise counsel and of action which later 
occurred in the shelter of this holy castlel We must then sit 
on the wall and glance over the leafy valleys when the sun 
is sinking behind the mountains of the old country of Hesse 
opposite. Then that dream overtakes us that all poets 
celebrate again and again. Then hovers round us filling our 
soul with a heartfelt glow — the charm of Wartburg — the 
poetry of Wartburg I 

The train from Eisenach brings us to 

Meiningen 

in an hour, through a part of the romantic Werra volley. 
Here if we send in our cards at the quiet refined residence 
of the venerable Duke George 11, we do it perhaps less 
on account of the so-called sights which Meiningen can offer 


to somewhat jaded strangers, than to be able to visit a place 
which has been so rieh a blessing for artistic life. Meiningen 
which numbers over 17000 inhabitants lies charmingly 
situated on the Werra, embedded between magnificently 
wooded mountain chains. Its romantic town church, several 
picturesque timber houses in ancient style, the castle rieh in 
art treasures, the English garden with its monuments, all 
these offer much that is attractive. With admiration also 
we greet the new court theatre opened in December 190Q. 
The destruction by fire of the old court theatre a year 
before, had put the whole artistic world into mouming. From 
that building the gifted Duke had sent out his Meiningen 
troop into all lands to proclaim the new birth of the art of 
acting and of stage management in Germany. The conquer- 
ing journeys of this troop carried them even across the 
"herringpond". This deed of the prince is enrolled in the 
history of the stage. And when his artists retumed home 

again, their task 
was fulfilled. They 
had supplied the 
model and given 
the incitement,and 
now the dramatic 
art could develop 
itself in the direc- 
tion pointed out. 
But in Meiningen 
people did not 
stand still. Now 
music had its 
turn. The Mei¬ 
ninger court Or¬ 
chestra under the 
direction of Stein¬ 
bach first raised 
the little known 
Brahms into a high 
Position. After 
Steinbach Wil¬ 
helm Berger, an 
American by birth, assumed the conductor's baton of which 
unfortunately death has deprived him this winter. The travelling 
poet Rudolf Baumbach resided here tili death released him 
from his sufferings. Meiningen can also teil of Schiller, Jean 
Paul, von Bodenstedt and other German poets. This adds to 
its wonderful charm. 

Then from Meiningen further past towers and castles, 
pleasant villages and antique little towns until the beautiful 
residence city 

Coburg 

emerges, high overlooked by its fortress. It lies between 
blooming gardens on the Itz, and its broad environs possess 
a charm that is specially observable when we make a tour 
round the walls of the fortress, the "Fränkischen Leuchte". 
The adjacent castles Kallenberg and Rosenau, the little 
village of Neusess, with its pleasant remembrances of the 
poet Friedrich Rückert, heighten still more the attractions of 
Coburg. The town has a population of over 23000 but 
possesses comparatively few manufactories. Franconia and 
Thuringia meet here dose on the Bavarian frontier and 
from that good neighbour they have learned to love the 
Juice of the barley. The magnificent Castle Platz forms the 
central point of the town. Here rises the Ehrenburg, the 
residential castle, also the court theatre and a few smaller 
palaces. By a splendid outside flight of Steps we ascend 
past the equestrian monument of the great Duke Ernst ü, 
to the fine gardens of the castle hill, the summit of which 



Coburg 




1911 DEUTSCHLAND 


m 57 


bears the fortress of Coburgf. That is now undergoing 
complete rebuilding in accordance with the newly discovered 
plans of its former configuration. Its collections and works 
of art will soon be visited more than at present. Rooms 
will also be provided for the ducal household, The history 
of this most ancient fortress in highly interesting. What it 
survived in the Thirty Years War, often reads like a chapter 
out of a romance. Here on the height Dr. Martin Luther 
is said to have once been detained for a couple cf months 


and is said to have then composed the Protestant battle 
hymn: "Ein feste Burg ist unser Gottl" In his romance- 
cycle "Die Ahnen" Gustav Freytag has repeatedly brought 
the fortress on to his stage, at the commencement as 
Idisburg and at the conclusion as the Coburg itself. Whoever 
visits Coburg must wander up to the castle hill and let his 
eyes ränge down over this paradise, a rare landscape-picture 
enframing the heights of the Thuringian forest, the Fichtel 
mountains, the Main highlands and also the hills of Rhön. 


North Western Germany. 

By Dr. Otto Dresemann, Cologne. 


The travcller arriving from the sca, where the two great 
German harbours Hamburg and Bremen serve as landing 
places for the important shipping Companies, is carried on 
his way to Westphalia and the Rhine through a wide heath, 
the prairie of Northern Germany. In spite of its seeming 
monotony it contains treasures, which reveal themselves on 
closer Observation. If you have seen it in brilliant sunshine 
or shrouded in mist in the pale light of the moon, you 
fully appreciate its secret charms. Those who desire to 
make themselves more acquainted with its romance, are 
recommended to read the works of the Westphalian poetess 
Annette von Droste-Hülshoff. 

The distance from Bremen to Osnabrück 
is about the same as from Hamburg to 
Bremen, but the express trains running on 
this line cover the 122 kilometres without 
a stop, which would be impossible in more 
densely populated districts, where the jealousy 
of the towns on the line would forbid what 
the Frenchman calls "bruler une Station". 

The old town of 

Osnabrück 

may be called a monument to Charlemagne. 

It marks the place where the great ruler 
put a definite end to the independence of 
the Saxon people (in A. D. 783) by beating 
their hero Wittekind decisively, compelling 
him to bow his head and accept Christianity. 

Feelings of awe inspired by an immemorial 
past will overcome every visitor to the old 
grey churches of Osnabrück, when he ad- 
mires those large arched halls so imposing 
in their majestic simplicity Generations of 
a millennium have prayed and sung here, 
and you are conscious of a more austere 
and pious faith. The Gothic times have 
passed by without leaving remarkable trace 
in these overwhelming edifices. The spirit 
which speaks to us so truly out of the works 
of the poet Friedrich Wilhelm Weber seems 
to come to life again under these remnants 
of long bygone ages. 

Osnabrück belongs to Hanover and, 
therefore, is politically separated from the 
neighbouring province of Westphalia. But 
nationality knows of no limit here. Old 
Saxon manners in house and life, are the 
same here as in Westphalia and the speech 
is preserved unaltered by the sons of that 
soil, whence the ancestors of those who now 
live in the British Isles emigrated. Let us 
hope that their distant relatives and their 
native soil are often remembered by the 


descendants of those emigrants, that this memory may 
induce them to visit now and then the places so dear to their 
forefathers and to breathe the air filled with a language 
even now closely related to theirs; a language, in which 
the English "hawk" is still a "hafk" and which is so rieh in 
similer documents of kinship. Generally speaking, this 
kinship reaches from Mecklenburg and even more eastward 
to the west over Hanover, Westphalia, Friesland, the Nether- 
lands and even further to French Flanders. All over this 
country carts of the same construction will be met as a 
witness of the same origin. 



Münster in Westphalia: Principal Market with the Lambertus Church 























58 DEUTSCHLAND 


Wh;le wö: ar<? Tne-diif^tvt^ over thE paM etJmtJ“ 

ühe tjÄjiv .cärriö^ us acr<is^s tlu; TnoviRtoin^ 
v Ethöi^ öf tha jE^ürest madfc irumUriai i>y ih^ bfiti!(? 

'; .batwc.e.n ■■■*b^'';;T.e^ri Rouriau Raca>'. ;•; 

It Tvaa pr y- Th* exact y^Hera Üte 

Libaraibr Äügrtislus* iS «veu uqw a 

m a! ter öf Dispute i^uiöiigf sßv ßT\i s; bür itic 'fetj t uhurj^: p<i r&s r^ 
th 0i> k ^: t<> 1 hfi teiso mpTiy^ q f Tü ci tn wi 11 d evtT te d*j i t iv:^d p f 
k$ gior^^ ar;id ihe vi^tür &f tp-day will sf^eTitnuß^ ijt* 


i*f itsf proniinbüT^^^^ 





mm 


. irf -. 


';'}ü ,;'tt#. '-fexwiV- l'äaii 


lülb A>! Ch^^suüJi drt 

i3 0 m e' ciF^ c*■ ■ io fivp l/i? ^ l'.fetüpbBJj i ty.ltix’ .X.l,■ 


Münster 


the tii^i itjpdlJ*'D,. 1t.:yinc;^. -ri<h •. i:;; irdri,■• 

:aj\d c;oHi+ ■wli.iö'TCi tbr/ .;üj;^| ■wriit^tc?- 

lon^'dy iüruts: suxrpxMibx) Wit.K 6 ;ü ör*: tö /bc ö 

b u^ e*j t indusiry « r\d ti h on uu.vje-'fl; Hf ü 1 hi ^ . ’XVi: a ^ 
amonj^ ö .paoplc whk?i,. Äticbrcfe'^ ibcv pr>i'^T hü^ 
abundftnL'* ijf w-elt soundu'tgf hisl w'ktviiwü 

. pithiaes» Bi-'id- reuöwncd' für Ut , ffMhfr'fbiud'’ 

sö jhöuy Irreal .TDETi äi\d btM'-c»' Ww-rf^jrs^f ^ .psjopl^, ..whlt-K 
teJkes lil'e siantiü.sl'y.; huX is: T>üy#'':'. 
pf i]K^ diHkc^ icflf dfalüft. aD«i Mufistfer caruiVa 1 , whieb 

uii.y’ 10 mp^Lü <'? w iih. vKür l p C^xlo^u e > p rw* s thüT i b e 
• .,] S ün; Is D.rfit; .45 td. ’■' I i'(ie X :) p y^ül •„•^.idti.- ■. 

■•'■■■' • ■ i^S i P .Tc-diLt öbtü’^- ■ Pf Pst. .vry. .d^^^cr^d i o ' th e ■ 'M üniü.t-r-■: 

l«nd,. thiit larj^b ftÄU^iüiv far Oldcrvburgi, 

c ik* iioTD inaif^ci 1- y ü bäs!i<>i> Ar-ttl i> u w c t c i usi qV ti cal fy 

önd 't5c^g ufDira 1 ty unH ed wiih ti iP h,iÄ.hdj>'£ t üw a of r e^idoucc 
M lLd jtt cT Tl t\ s Cd micrti un i s dütf i b b rtqu I tu ra. wb i eh ’is 

tmftÄiDs pi :iIybäifiiJof 1 ta thp pbpüJiiiida ax au d d hl ct. 
Xp^tufrurE!'/'i5'/:cQn5ErvEti\^ ■•;)3.n.aly‘. to • .UäJitiCi.n* 


t h s i u rü fDHD ^ l pj'k • ■ jivh ich 

cherm and fp^.'whlcK. tjie cities — c^eölTOrts üf 

iporef reci^ix#d: ;^^ö;d^rn tftn.e^ m .itiu t h i^nvy dt, 

Out^iÄ» fh^ TÄÖufiy ^Wtrptn: pf: the trayeHcr is : 

ftt otiCü ol :y^^no^abf^■: 

tr^f?.s which eitoctly vdi*r«. the ; 

r Ql D p a f- pf ;f^r^StV- ;-R> b e found. Ac rms iipsi , 

proiDf=*nf\dti! whkh TavdXißä Uik f rüveiler to bj^atüifuf .Wölk^^^ 
eit oüce ifo down tp the cerure ol ihe toWn, ihe^ P.dD^ip^ 

^ , : niü^kts sürrottudexl by h^5^^pric : 

W llh ^3 bi Et)': aisd 

whh arcßdei^ Uky tkps6 whirlt -örn^i.W 
be ihürtd m Si ra^bü^f ahd ötÖi ' 

pla cas üf hi stu ri cal inl Pmdi ; 
rehMTsspn^* is ■ döirupjant m :" 

bif?d Tpp l; hoxi^es. - 

The riVü&L iDipoftapt büHdin^ öp 
rhe Frin^i pHlfTißtltf U the Ciothic wh 
witfi Ifs limited 
t0^!i dbesi bot ^ufbee fb f moderri 
reqü^mep^Sv so ih&t quite & new 
.^truii^iure Wirb lower bf ncK «rchw 
tect^/r<s: häi:i tp er^^ci^d &t l^s side* 

Thp tübsi■ itii.yrbs^In^ pütf of the pld 
buiidipgE: is ihe höU of ^b^caikd' : 
üiier ih^ pi^üce oF:W wasf T 

sicoüifarieotr$ly tqnyjüdo^ii^ir;^ iit 
Oi^n (äib riicik tü; (i! ffü t ü ; ypid i o -thai ' 
Tliirty years War 5*^ iUil c4' hörförs. 

O a Lp D li i n Q$:^ i itixipüF _i4 

TParktt vom eye 

by ihe b.ign and WQhdecJiil pii^rced 
(Jt! th i<x:! ü Wer of i Ke fefÜ C-hu roht ' 

A iipiifidrtf dF 

is conoapied mth ihH tow^rrtad caHed 
böC^k .iö rpUj^^O^T 

rbftt ^l\\ la bo seeu her^ir: 

Ut:' ic tKe ' 4 bo die^- bf 

the ßfit*h*puW Johsijm van LeideD, 
Kt^ipp^f dcjning- and i\ryehiihif■.wer^^' eyhib? t *tl in A. D- T - v 
Avlip^. iÜfex hnvjDjr iioeu pükK«?<i WJjdi w&re . 

to iFh? top ot Tdis^r; Wiiefd iK^ - * ^ 

Ul iKe .:fe These gtp the ouFy. ■ 

V biib b? t ok>Wi i df ih sri p eTi od oF r«! iifi op^ Fabado % wiio *1 foV ;;-y^ J 
a shiTfE. of had usurpjcd the in tJhe hUU&p"^ 

rcsidtnee #ud ö^v^if öd lo e.( e^ a pew ^ipp by ä combiriaiiop v.;’ 'A 
'. 15 f M Xrörhrh^KifepY; They KeJd bld: 

padef ü fettf.Kil ri>iüa- ot biaf+d ivbich atief b hard srafn^^’iii'Til 

'.ib-ü ü-o Tüj^?i.-ii^ariul, 




Frortai t.W Primi pfiUDörkx 0 Few ^stEps. wit! bring fj5 
fFc? y: oiüpl y tls^ o ae sj d *> af wiu c\i is ß6 miiYä ted,: ty 
Cütbj&drfib ■■ The' 


r y: r QÜa b 

is iür(her rajsed aftef iK* iAspeeuon t>f. Tnär yy^ürla^^^ ,. : . ■ 

of d i ffe rei 1 1 li [neiü I n si4 e ih e chu reh t He re. ü1 so rb ^ RoiTi<the3 qü« yi 
chiir^^’^ter cUüDiüHies, as Veil ns jh (he fhidg^Rrf Church ö ; J ^ 
h ttle furtiier jd Ludf^rssirdss-üp 0 Arf in the (>W Stifts Chvifth of y']l-/^ 
Sti: M riüm in the sü b ur h of ihis na me, fbv ibe ■ Voy frb m ^ ^ V y: 
t he C@ tb^drxd t o the cß s M e y au pn ss by 1 h* hi e bfrau eiV Chxttcb ’ 
tieherwfiss^^r, a goofl Gothic ystrnclure which 

■ rt rTi T'l ** y-n-tci Dil-ir •■«r I ti InLlt^wf'' i.lTjfc.lH; ' p-;^Xi!iL''l'- ^^.-iijj^r’! 


in ue.oarw m sey, ü 

öHention awlrig to iKe eharmaus-TDei?s of the blunt; toVetj 
W 05 Oa ih* plüHorni cif this tower tbrtt the ennnoDS 
' a hö h ü p ti st s Piice dom i pot ed i b * en v \ m n% hd d d efl ed : thejjy||J2 


V herians iö tbjts i ry qui £: k p opülifjlipEü .mir^d öheri cK^ i; i er besiegt ng ^^r1 ay o f t h c bUl»o p ^ Q n J e a v ing t h 0 o 14 t o i : i 

and lünd^jCfipe. 

Ihe -önticDt tdYvp of Mühtstef - hö^: n i^r§'e ^>hArfi tu the . T^^CtÄ^y1^.<J.f tUis Uuihimg &hpws the aTchiteclure of timt. 


rnnmienüßCi^ ui uhl möhDurs and ireditioA . find not .ro , 


. rlisodyünf/jtxre,. as the preservAftap pj' Us ürcidbKrtTt'-^lV-’^s xh. 


m i(:i icDÜh. 
®üüstbHdnd t^yp. th^ir 


T.be coHrr^ yOf : 
Wwh martütonst 


■ ib'ö;'- 

. e IIV. :^häVx 'aM'p '.’ •■ jsöthV'. 









1911 DEUTSCHLAND 59 




architecture. The old Academy of Münster which possessed 
only a faculty of theolog-y and philosophy was raised to the 
rank of a university in 1902. Besides it, there are still some 
other notable buildings, especially the Provincial Museum 
and the Episcopal Museum of Christian Art. Those interested 
in natural Science, will find a walk through the Zoological 
Gardens and the Westphalian Provincial Museum for Natural 
Science of much interest. 

The industrial life of Münster has been 
much promoted by its communication with 
the Ems Canal, called after the name of a 
small river which passes at a little distance 
from the town supplying it with the necessary 
water. This river forms the natural conti- 
nuation of the canal and through its Com¬ 
munications with the Rhine according to a 
certain plan is destined to be a new mouth 
of the latter. 

The Dortmund — Ems Canal 
on its way from Münster to Dortmund has 
to overcome a certain ascent, and not far 
from Dortmund at Henrichenburg this is done 
in a singulär manner by lifting machinery. 

Meanwhile the railroad carries us by a 
circuitous route to Hamm, the industrial 
importance of which is made clear to the 
traveller by numerous smoking chimneys. —^—-^ 

Dortmund 

the old free Imperial and Hanseatic town, like all other in¬ 
dustrial cities of Westphalia has enormously developed in 
recent times. This has caused so many alterations in its 
exterior that — apart from the historical ecclesiastical and 
civil buildings, — the old character of the town has nearly 
vanished. The title of Imperial and Hanseatic City proves 
that Dortmund looks back upon an ancient history of which 
it may well be proud, as its citizens have not only been 
successful in trade, but also in handling their weapons. The 


down to 1803 the central seat of the vehmic court. Düring 
centuries the famous vehmic linden, the old emblem of Dort¬ 
mund, stood here in flower like the vehmic court itself, but 
the tree became rotten and decayed and was for years only 
kept erect by means of ropes and hoops. Forgotten now is 
the institution which it symbolised, which in the fifteenth Century 
was at the height of its importance and covered the whole 


Essen-Ruhr: Town Banqueting Hall 

old town was surrounded by ramparts which have lost their 
original character and are now used as roads. Outside the 
ramparts, northwards, where now the large railway Station 
(a new structure calculated to cope with an enormous 
traffic) was rected not long ago, was in the middle ages 


Dortmund: Town Theatre 

country with its influence. The most notable buildings of 
Dortmund are its churches and first among them the Reinoldi 
Church. It derives its origin from the Roman esque time and was 
reconstructed some time afterwards. Later it received a beau- 
tiful Gothic choir. The Protestant Service is now held there, 
but the church still retains in its interior valuable reminis- 
cences of the Catholic time, such as pictures and statues. 
The oldest church is the Marien Church, which, as well as the 
Petri Church also contains valuable artistic treasures. Both are 
also devoted to the Protestant Service. 
The Propstei Church belonging to the 
Catholics, is a simple but pleasing 
structure of the late Gothic style with 
treasures of art also worth being seen. 

Among the civic buildings the most 
prominent are the Town Hall and the 
Guild Hall. The former, long neglected, 
has been recently restored with much skill, 
the artist having taken care to preserve 
the old lines as much as possible. The 
adjacent museum holds a lot of treasures 
relating to the city and many valuable 
objects of ancient and modern times. The 
Guild Hall has been secured in its existence 
by the fact that it is now made serviceable 
for purposes that have to subordinate 
themselves to the preservation of this 
venerable token of the Dortmund of the 
middle ages. But the city is noted for 
something eise, namely its beer. Although 
not so renowned as the famous Munich, 
it has a wide-spread fame for the pro- 
duction of a beer of excellent quality 
which is asked for even many miles 
distant from the place of its production. Otherwise than 
Munich, Dortmund brews a beer of a clear, transparent colour 
resembling that of amber. The beverage being much liked 
in the industrial districts, one brewery after another came 
into existence in Dortmund. The Union Brewery, Germania 




















60 DEUTSCHLAND 


1911 




Brewery and others are for Dortmund, what the Anhäuser, 
Busch and Papst are to Milwaukee and St. Louis. Dortmund 
like Munich has a specially composed spring-water which is 
the clue to the popularity of the beer it produces. 

We now arrive at 

Essen 

after Crossing an industrial district full of life. Coal mines 
as far as the eye can see, towering chimneys and pit mouths 
that are crowned with turning wheels and 
surrounded with trellis work are to be seen 
everywhere. But coal is not merely brought 
to the surface here, it is transformed into coke 
on the spot, so as to supply the blast furnaces 
and foundries in the industrial district of 
Westphalia as well as others in Luxemburg, 

Lorraine, Belgium and France with the necessary 
fuel. While in the past the gases liberated in 
the production of coke were only partially 
utilised for boiler heating, the excess (like the 
natural gas in Pennsylvania) being burnt in the 
open air, modern engineering has succeeded 
in gathering and conducting them in lines of 
pipe many miles long to distant towns. 

In the district south of Münster, the Capital 
of the province of Westphalia, the landscape, 
which tili then has been essentially of on 
agricultural character, begins to change. A few 
miles further the eye recognises right and left 
of the railway line at the shortest intervals 
coal pits, ironworks, workmen's colonies and 
villages that have become cities. The visitor 
is travelling through the empire of iron and 
of coal. At Essen he finds himself in its proper Capital, 
in the heart of this industrial district. Whoever is disposed 
to carry oway with him more than a superficial picture of 
it, such as he might form from the window of a railway 
carriage, should take our advice and stay several days in Essen. 

While yet on the train steaming into 
the central Station at Essen, he will see 
on the right the great rolling-mills of 
Schiilze-Knaudt and on the left at the 
further side of the cemetery, in which 
the graves of the Krupp family are found, 
lies as on outward and visible proof that 
we are here in the heart of the coal 
district, the building of the Rhenish-West- 
phalian coal syndicote, in which 1909 
pits with a total output of 80 288393 
tons coal have been enrolled, whereof 
14 247 914 tons employing 51 459 work« 
men or more than one sixth of the en« 
tire output feil to the shore of Essen and 
its suburbs. The economic interests of 
the whole mining works in the coal district 
are combined in the Society for Mining 
Interests in the Chief Mining Board 
District of Dortmund (Verein für. die 
bergbaulichen Interessen im Oberberg« 
bouamtsbezirk Dortmund), which also has 
its Seat in Essen (in the Friedrichstrosse, 
see illustration). If the traveller then steps out of the 
Principal entrance of the Essen railway Station, he has first 
presented to him o view typical of this industrial district — 
the view of the traffic having outgrown the frame offered 
for its business development by the narrow streets of a town, 
which not a lang time ago was but a small provincial one. 
No wonder that here in Essen the bed for the infant giant 
has become everywhere too small. The town has actually 


increased from a popuIation of 51513 inhabitants in the 
year 1871 to 294 691 inhabitants in 1910, according to 
the census taken on December Ist of that year. This is 
a development such as no other town in the whole manu- 
facturing district can boast of. It is however not only the 
typical picture of alterations called into being by the enorm- 
ous industrial development, such as the great Street traffic, 
the mixture of old Bergland houses with modern business 


Essen«Ruhr: Building of the Mining Association 

premises, which appeals to the stranger who looking attentively 
about him wanders along the track of the Street railways 
through the Kettwigerstrasse. He finds himself interested 
also by a number of points of attraction of a historical and 
artistic nature. For instance, the municipal theatre, the 


Essen«Ruhr: On the Bernewäldchen 

Burgplatz with the venerable old Johannes Church and the 
monument to Kaiser Wilhelm. As the visitor goes on to the 
Town Hall, past the monument to the founder of Krupp's 
Steelworks, Alfred Krupp, and the Markt Church into the 
Limbeckerstrasse, a pure business Street, he observes to the 
left on the Limbecker Platz the monument to Friedrich Alfred 
Krupp and the Essener Hof, the hotel of the firm Krupp, both 
near the entrance to the manufacturing city, the Krupp's 
















1911 DEUTSCHLAND öl 


cast steel-works, through which name Essen has attained its 
world^wide celebrity. Whoever wishes to carry away with 
him at least an external Impression of the imposing grandeur 
of this armoury workshop of Germany, which forms only a 
part, although certainly the principal part, of the entire 
undertakings of the Krupp firm in Germany, is urgently 
recommended to take a drive through Krupp’s factory grounds 
up the Frohnhauserstrasse, through the Margarethen and 
Altendorferstrassen back to the Limbecker Platz. The Steel- 
Works of Krupp employ, according to a report made on 
May Ist 1910, 37 848 clerks and workmen, while in the year 
1840 only 99 workmen were occupied there. The pictures 
and the farther informations in the article "Induslry and 
Beauty" illustrate the extraordinary development of this 
undertaking, from the proceeds of which in Essen about 
170000 people live. Whoever wishes to be instructed 
as to the conditions of residence of a great part of Krupp's 
workmen is recommended, after the before mentioned 
drive through the factory grounds, to inspect Krupp's 
workmen's colonies of Kronenberg, Alfredshof Friedrichshof 
and Altenhof, the last the home of 
the old pensioners of Krupp. He will 
then at the same time receive an Im¬ 
pression of the development of the 
thoughtful Provision for dwellings in 
Krupps enterprises from the aesthetic 
point of view also. A visit to the 
"Margarethe Krupp Foundation", the 
object of which is in general the 
providing of healthy dwellings for the 
poorer classes of the population, is 
also highly advisable. With that visit, 
an inspection of the really model new 
municipal hospital buildings may be 
combined. Here however the visitor 
finds himself already in the south, 
with which quarter the residential part 
of Essen identifies itself more and 
more. For Essen is distinguished from 
other manufacturing towns of the 
district not only by its development 
having been the quiekest, but, above/ 
all, also by its being able to render a 
Separation between the residential and 
the business quarters of the town 
possible to an extent that scarcely 
any other town can accomplish. The 
line of Separation is marked by the line of the Bergisch- 
Märkisch railway. Essen as a residential city has developed 
south of this line to a continually increasing extent, to 
which the municipal building policy of opening up large 
tracts of land for building villas has in a high measure 
contributed. The visitor is recommended to make his way 
through the Bismarckstrasse to the so-called Haumannshob 
to visit the villa quarter Bernewäldchen (see Illustration) 
situated to the south-east, and after that the still growing 
villa quarter of Brünglingshaushof with the just completed 
new building of the Royal Academy of Architeclure. This 
last-named villa district cannot yet present a complete town 
picture, the houses and villas in it having almost all arisen in 
the course of the last and the present year. The building work 
on the Haumannshof also is of more recent date (since 1909). 
The visitor to this villa quarters will carry away with him the 
impression that Essen, in the south, south-east and South¬ 
west affords a healthy residence in a sometimes charmingly 
picturesque neighbourhood and that it has no need to fear 
comparison with other towns, for instance with Düsseldorf. 
The general conditions of health in Essen, thanks to the 


sanitary and social measures taken by the municipality, the 
supply of perfect drinking water and the favourable influence 
which the successful efforts to preserve the woods within the 
Essen town district have exercised upon the health of the 
people, have improved enormously, so that now the average 
rate of mortality in Essen is by far lower than that of all 
the other towns in the industrial district and in fact of the 
majority of towns anywhere, having, with its rateofT2.34 in the 
thousand in the year 1910 made even a better show than 
Wiesbaden. — A little tour through the town woods of about 
fourteen hundred acres, which can very easily be connected with 
the inspection of the colony Altenhof, and then further through 
the Ruhr valley to see the Villa Hügel, is also urgently 
recommended. The stranger will be astonished at being able 
to enjoy here, just before the gates of the coal and Steel 
town Essen, a landscape so full of rest and peace that the 
environs of few other towns can compare with it. Since the 
Community of Rellinghausen was incorporated on April Ist IQIO 
there lies in addition for the most part in the town district 
of Essen tho so-called Schellenberger Wood (800 acres area) 


from which glorious views are had into the Ruhr valley. 
Here lies also the old castle of Schellenberg, near which the 
Miners' Colony of the pit Gottfried Wilhelm of the Essener 
Steinkohlenbergwerke A. G. lies. 

There is also no want of artistic and intellectual attractions 
in Essen, such as a city, which will not only be an industrial 
town but also a residential one, must possess. We need 
only to mention here the Town BanquetingHall (see Illustration) 
with its fashionable concert and chamber music halls (on the 
Huyssensallee), with the adjoining town garden, the already 
mentioned municipal theatre, the Coliseum and the Apollo 
theatre, the many higher schools (three gymnasia [classic 
languages], two oberreal schools [modern languages], higher 
girls' schools, Royal School of Engineering, Royal Mining 
Academy, academic courses for commercial Science, general 
continuation schools etc.). 

The Lower Rhine. 

Düring the railway journey from Essen to the Rhine an 
enormous freight traffic makes itself manifest to the traveller 
who cannot but admire the means used to master it. The 



Elberfeld: Suspension Railway 





The Monument to the Elector John William in Düsseldorf. 

Made by ihe sculptor Gabriel Grupello in the year 1711. One of the most important and 
beautiful equestrian-statues in Germany. Known by the name of the "Jan Wellem^^ monument. 






















64 m 


DEUTSCHLAND 


1911 


of Mendelssohn-Bartholdy, devotes itself principally to the 
Opera. But here the classic drama also finds a place, as 
every year the Rhenish Goethe Society (composed of the 
leading- actors of all the German speaking stag’es) shows 
here its model performances before a public from all parts 
of the World. The time chosen for these performances is 
generally the first half of July. The winter, however, offers 
still other pleasures in the Düsseldorf carnival which, thoug'h 
it has disappeared from the Street, is seen to advantag-e in 
the fancy dress balls arranged by the "Malkasten" that well- 
known society of painters. Those who have ever been present 
at one of these festivals which are among the most prominent 
events of the winter, cannot doubt that they live in a city of art. 
The museums and art collections moreover, prove it sufficiently. 

The stranger, even if his time may be limited will find 
a visit to this town now counting 360000 inhabitants worth 
while. The excellent sanitation and consequently the low 
rate of mortality invite one to make a permament stay. Be- 
sides, the manifold opportunities of instruction, the numerous 
social, artistic and scientific events (the current year will 
bring us one of the famous Lower Rhine Music Festivals) as 
well as extensive populär, scientific and technical libraries, 
are worth mentioning. Opportunity for all sports is given 
(sailing, motor-boating, ballooning, hockey, lawn-tennis, riding, 
skating, toboganning and fencing) and recently harbours for 
racing yachts, race and cycling courses, as well as the airship 
hall for the Zeppelin airship have been provided — and last 


dem times by many beautiful churches, fine broad streets 
with elegant shops and excellent means of traffic, and offers 
a picture of active life in matters of art, Science and music. 
It shows, in the words of Shadwell, an impartial witness, 
signs of joyful success and civic prosperity. The jewel of 
the town, in its very heart, is its beautiful park, the "Hof¬ 
garten", rieh in splendid rows of trees and manifold perspec¬ 
tives. If you cross it from east to west, you arrive at the 
ascent of the powerful bridge which spans the Rhine in 
heavy arches, thus uniting the old part of the city with the 
new. Your gaze wanders towards the North to the wide 
parks skirting the river, on the same place where in 1902 the 
successful exhibition of industry and arts took place. A por- 
tion of it, the Palace of Art, is still preserved for this purpose 
and exhibitions of high value are organised here nearly every 
year. Larger projects are under consideration for this year. 
Quite a new feature in the picture of even this modern city 
is the new airship hall of enormous dimensions. Southwards 
the city shows its magnificent new river front with monumental 
buildings, broad wharves with fine looking terraces and green 
parks. It ends at the harbour which is one of the largest 
inland basins of Europe. From the harbour all around the town, 
the outskirts are occupied by the Industries of Düsseldorf, 
the character of which is expressed by the words "iron and Steel". 
Thus no chimneys disturb the beauty of the internal city. 

Quite near to the town, besides the Zoological and 
People's Gardens which are within its boundaries, are 



Düsseldorf: Fine Art Gallery 


but not least — there is a surrounding landscape which offers 
more charms than is generally supposed. 

Once the seat of a ducal residence, the city owes many 
of its characteristic parts to its former rulers; broad avenues, 
flourishing gardens, large ornamental lakes and noble struc- 
lures devoted to art. The city has been embellished in mo- 


also the Municipal Woods to the northeast and a magni¬ 
ficent forest to the southeast which give every opportunity 
for recreation and walks. Far reaching woods, lovely valleys 
and undulating hills affording beautiful views, are easily to 
be attained by means of electric tramways. A hilly district, 
called the "Bergische Land" with deep, narrow valleys and 










1911 DEUTSCHLAND 65 


green wooded slopes, homely, many coloured cottages with 
happy and industrious inmates lies within the space of an 
afternoon excursion. And we have also the open country 
of the Lower Rhine, the quiet beauty of which is beginning 
to be understood to-day; this, too, invites us to many a de- 
lightful day or afternoon excursion. 

An electric railway which was specially built to provide 
a shorter and more con- 
venient route permits us to __ . 

pay at very little loss of 
time, a visit to the town of 
silk and velvet 

Crefeld. 

Surrounded by beautiful 
avenues, this town is built 
on uniform lines which 
remind one of American 
towns, with one exception, 
namely that, es is also the 
case in Düsseldorf, the 
poorer houses show the 
traveller that the price of 
land has not attained the 
same level as in America. 

The school for the instruc- 
(ion of workmen provides 



Crefeld: Kaiser Wilhelm Museum 


Blanche) and a collection of modern sculptures (of Hildebrand, 
Stuck, Meunier, Bartholome, Rodin); finally several collections 
of applied art: old furniture and carved work of the lover 
Rhine, old China etc. There is a library of art and collection 
of etching, changing exhibitions of new pictures and sculptures. 
The interior of the Town Hall is decorated with historical wall 
paintings by the Düsseldorf painter Janssen, Wilhelm the 

Composer of the famous 
song "The Watch on the 
Rhine" was a native of this 
town and it has honoured 
^ 4 him by a monument. 

As Capital of the hilly 
district, Düsseldorf is ne- 
turally closely related to 
its hilly hinterland, to which 
the important towns of 

Elberfeld ar\d 
Barmen 

belong. Many well-to-do 
natives of these two towns 
have left the smoke of 
their factories in order to 
settle down in the chief 
town of their district. 
Hlberfeld also worked hand 


Bath Cleve on the Lower Rhine 



a flow of skilled labourers. The Kaiser Wilhelm Museum, built 
in 1897 in memory of the late Emperor William I, contains 
ihe collections of art in possession of the town. Amongst 
these the most remarkable is the collection of works of Italien 
Renaissance (masterpieces of Donatello, Luca and Andrea 
della Robbia, Sansovino); a gallery of new pictures (works of 
Achenbach, Lenbach, Thoma, v. Kalckreuth, Monet, La Touche, 


in hand with Düsseldorf, when it was decided to call into 
existence a line of passenger steamers for the middle and 
lower Rhine. The first West German railway to be opened 
ran between Düsseldorf and Elberfeld. 

On the journey from Düsseldorf to Elberfeld the traveller 
will meet with a curious feat of engineering, which at the 
time when railways were first constructed was thought to be 















66 DEUTSCHLAND 


IQl 1 




indispensable, because it was not 
supposed to be possible that a 
locomotive would, of its own power, 
be able to pull even a lig-ht train 
up any gradient. Between Erkrath 
and Hochdahl, there is a sloping 
plain, where by means of a wire 
rope, a descending- engine pulls up 
the ascending- train. After leaving- 
Vohwinkel the train Grosses the 
river Wupper and enters into the 
Wupper valley. Here the towns 
of Elberfeld and Barmen Stretch 
without any visible dividing- line 
to a distance which equals the 
diameter of London from east to 
west. The river Wupper with its 
many coloured dirty water flows 
underneath the railway bridge 
over which we pass. It is the 
artery of these two manufacturing 
towns, however, no more for 
obtaining power, as the size of the 
numerous factories makes it neces- 
sary for them to use steam. 

The dye-works pour their 
manv-coloured streams of waste 
Products, as well as the superfluous 
acids into this useful channel, and 
even on reaching the Rhine, the 
Wupper has lost nothing of its 

Contents, deadly to all life. In recent times, the Wupper 
has come to a further use, namely as a means of transport. 
A railway of special design has been built over its course. 
Guided by the System of cable railways, which, however, 
because of their light and winding construction, do not fit 


‘ themselves for passengfer 

traffic, the engineers thougrht 
out a more solid System. 
They placed a large number 
of Steel Supports on either 
side of the river with the 
upper ends joined tog'ether 
over it and the whole made 
firm with trellis-work, then 
on the top of this rails 
were placed. Along these 
rails wheels, to which 
hanging cars are fixed, 
were made to run. In this 
manner was the now world- 
famed hanging railway of 
theWupper-valley construc- 
ted. As one approaches 
the main railway Station of 
Elberfeld, these hanging- 
trains driven by electricity 
will be readily perceived 
running to and fro. From 
the height at which the 
railway-line is [constructed 
a splendid view is obtained 
of the continuous row of 
Works running the length of 
the valley, which becomes 
somewhat broader at the 
centre of Elberfeld and then 
once more narrows itself where the town of Barmen begins 
and Stretches over several miles. 

The strong feeling of independence, and the growth of both 
towns are symbolized by the imposing town halls and the 
splendid edifices devoted to art, their museums and theatres 

to which the earnest and 
hard working population 
never gave a thought a few 
decades ago. The natives 
of the valley belong* to 
the Calvinist and Lutheran 
laith; some of their churches 
are bare plain structures, 
some new edifices of 
noteworihy architecture- 
Patriotism displays itself 
in imposing monuments. 
The surrounding hills are 
crowned with tower monu¬ 
ments and offer delightful 
walks. 

A railway goes up to 
the Tolle Tower and has 
its continuation in an 
electric railway which ends 
in Remscheid, a town, which 
can also be reached by 
means of the State Railways* 


Tower on Town Wall at Zons 


Remscheid 

lies on an elevation dominat- 
ing the neighbourhood, with 
the valley of the Wupper 
and several little tributaries 
near by. A dyke regulating 
the amount of water flowing 
Neuss: St. Quirinus Church iri the river has been 


























ß JT ß S ß . 



Kaiser Wilhelm Bridg-e near Müngsten 


































öö DEUTSCHLAND 1911 


constructed here, and a little lake has thus been formed 
which contributes to the beauty of the scenery. The Steel 
goods of Remscheid successfully compete with those of its 
dose rival Solingen which is separated from the former by 
the deep valley of the Wupper. This valley is bridged over 
by the famous Kaiser Wilhelm Bridge, whose arch spans the 
river in a broad bow of more than a hundred metres. From 
there you follow the 
river and reach by 
beautiful paths the 
little village of Burg, 
called thus aftcr a 
"bürg" or castle once 
belonging to the 
counts of Berg, before 
they removed to Düs¬ 
seldorf. The oldcostle 
has been restored and 
painted by the hand 
of a famous artist, 
after which it became 
a much visited place 
devoted to the me- 
mory of local history. 

Neuss 

is another little town 
to be easily reached 
from Düsseldorf. The 
latter is, compared 
with Neuss, of quite 
recent times, as Neus 
was already a fortified camp in the time of the Romans, ln its 
vicinity we find many reminiscences of this great military 
nation. Neuss has a certain importance as a market of grain. 
It has made strenuous efforts to develop its trade by creating 
a modern harbour of large size, so as to minimise the bad 
effects of its exclusion from the Rhine. The town, moreover. 


contains a precious treasure of architecture, namely its Quirin 
Cathedral, the blunt tower and dorne of which dominate the 
entire town by the heaviness of its mass. 

The Rhenish metropolis 

Cologne 

is quickly reached from Neuss. The visitor arriving here is 

astounded at the 
enormous dimensions 
of its railway Station. 

We are now wiihin 
the city of the Eau- 
de-Cologne, already 
appreciated by Na¬ 
poleon I and to-day 
produced by many 
firms who sell their 
Products in numerous 
shops near the rail¬ 
way Station, the city 
of the camival which 
is more longlived 
here than in Venice 
or Rome, the city 
which according to 
the words of the poet 
Heine has a hundred 
churches and chapels 
and is, therefore, 
often called the Ger¬ 
man Rome. Themost 
majestic of these 
hundred, however, is the Cathedral which proudly reflects its 
double tower in the waves of the Rhine. No doubt the first 
visit of the stranger is devoted to the admiration of this sublime 
house of God of which he has read and heard so much. 

Cologne is a city of strangers "par excellence". The 
truth of this becomes at once obvious to the traveller, when 



Castle Burg on the Wupper 



Steamer of the Prussian-Rhenish Steam-Navigation Company Cologne 


























DEUTSCHLAND B B€ ^)e 0 eee€)eeeeee € ) 60 e 0 ee 60 oeoM öq 


he looks round on the open space in front of the Cathedral 
and sees one large hotel at the side of another. 

The old Hanseatic city lies with its main front to the 
Rhine, which was and still is the source of its riches. The 
front of many miles length has been transformed at heavy 
cost into a modern wharf which, owing to its extension, may 
be considered as a harbour. Downwards from Rodenkirchen 
the roads and avenues skirt the river to Mülheim and every** 
where you can see active life along the stream, steamers 
discharging, passengers landing, long rows of vessels being 
tugged up the river and little boats gliding swiftly across 
the water. The new Steel Rhine bridge first arrests the eye. 
Its heavy towers on both banks are adomed with equestrian 
statues of King Frederick William IV and the three Emperors 
of the new German Empire. The old floating bridge dose 
by will soon disappear and be replaced by another Steel 
bridge. Purther up the river a railway bridge crosses the Rhine. 

The best view of Cologne is to be had from Deutz on 
the other side of the river. 

Looking from this point of vantage you find that the 
Cathedral does not exactly mark the centre of the city, though 
dominating it entirely. To the right, down the river, we see 


recent years, which even outstrips Paris. Around the city 
inside the ramparts, an outer circle of broad, modern avenues 
with picturesque cottages and noble buildings grows uncea“ 
singly. 

If we follow the ring Street until it once more reaches 
the Rhine, we see before us the equestrian statue of the 
Emperor Friedrich IIl. We are also quite dose to the well« 
stocked Zoological Gardens and the beautiful conservatories 
of the Flora filled with magnificent palms. 

Let US now tum our steps towards the interior of the 
town and give our attention to the old churches of the middle 
ages. For example. St. Gereons Church in Gereon Street 
and St. Ursula in the neighbourhood of the Eigelstein Gate^ 
with the "Golden Room" which contains very costly treasures 
of art. The Apostles Church with its graceful choir and rieh 
mosaics in the interior lies near the New Market. St. Maria 
in the Capitol; which commands the Hay Market contains 
attractive decorations. Near the Cathedral is to be found 
the church of St. Maria's Ascension which was built in 
mixed style by the Jesuits. St. Andreas's Church contains 
the grave of the great philosopher Albertus Magnus, the 
teacher of Thomas von Aquin. Another church built at the 





Cologne on Rhine: The new Hohenzollem Bridge 


the Kunibert Church behind which the blunt tower of the 
Agnes Church is plainly visible. Towards the middle, the 
massive tower of the Martins Church overlooks small houses, 
the roofs of which remind one of the teeth of a saw. At its 
side, we discover the tower of the Town Hall. The general 
view presents a bewildering entanglement of points and 
dents. The Severins Church in the Romanesque style 
constitutes the last pillar in the picturesque scenery of 
the old town up the river. But Cologne has long ago grown 
beyond this pillar, enormous warehouses, happily constructed 
in the local style, prolong the river front and give you an 
idea of the city's trade, when you witness the numerous 
river and sea steamers loading and discharging their 
manifold cargoes. In the midst of this busy trade, the Com« 
mercial High School seems to have its correct place. 

Like a watchman of olden times, the Bayenturm Stands 
here amidst the bustle of modern life. In the Commercial 
High School, we find the modern Commercial Museum, in 
the Bayenturm the Prehistoric Collection, contrasts that are 
only possible in a Community with so many«sided interests. 

It will be interesting to know the circumference of Cologne. 
This has its difficulties owing to the large development of 


time when these men lived, is the Gothic Minorites Church, 
which is connected with the town museum. It contains the 
graves of the philosopher Duns Scotus and of Kolping, the 
founder of Young Men's Catholic Clubs which are now 
spread all over Germany. There is also a statue of him in 
front of this church. 

The church of St. Peter in Sternen Street is worth 
visiting in Order to see the famous picture of Christ being 
taken from the cross which was painted by Rubens. Parallel to 
the last mentioned church and quite near it is the oldest 
church of Cologne, namely the church of Cecilia. As further 
witnesses of past ages, we would mention the churches of 
St. George on the Waid Market, of St. Marys in Lyskirchen 
on the Rhine, as well as the Columba Church which is quite 
near the Minorites Church. All the Protestant churches in 
Cologne belong to recent times, with the exception of one in 
the Schilder Street, which was formerly a monastery chapel. 

Tuming our attention now to other classes of buildings, we 
would mention the Town Hall first, the tower of which commands 
the Old Market. The front of this building is however on 
the other side, where a splendid portal marks its entrance. 
This is the finest example of the Italien Renaissance 















70 


m DEUTSCHLAND 1911 


Style which is to be found North of the Alps. Near by 
is the Gürzenich, an old merchant's building which is worth 
visitingf on account of its large hall embellished with fine 
wood carvings and artistic paintings, which is used for 
public and private functions of all sorts, especially the 
musical festivals of the Lower Rhine, while the yearly "Fest¬ 
spiele" take place in the splendid opera house on the Ring. 
Among the many festivities we would especially mention the 
"Flower Plays" a kind of poetical competition which takes 
place every year on the first Sunday in May in the Gürzenich 
Hall. The courts of justice on the Apellhof Place are of 
noteworthy size, and even more the new courts in the 
new city and the Chief Customs Office. |Passing on 
Unter Sachsenhausen Street — also called the Street of the 
millions — we find, besides many other large banks, the imposing 
edifice of the Imperial Bank with its gabled roof. The Central 
Post Office also lies in the same block of buildings. 

Science and art are both warmly patronized in Cologne. 
Generous donors whose statues are placed in front of the 
building, have endowed the Wallraf-Richartz Museum, the 
Museum of Applied Art has also to a great extent to thank 
the town for generous gifts. Close to this building is the 
Church Historical Museum which was recently presented to 
the town by Schnütgen, and near the Cathedral is the 


Archepiscopal Diocesan Museum. By far the largest statue 
is the equestrian figure of the King Frederick William UI, on 
the Hay Market. The monument of Bismarck is in the 
Augustiner Place and on the Laurenz Place is a statue of 
Moltke. 

The legends and myths of Cologne are represented by 
the Heinzelmännchen Fountain near the Cathedral and the 
Hermann Joseph Fountain on the Waid Market. Nor must 
we forget to mention the Cologne Choral Society which is 
the most famous of its kind in Germany. 

The fact that Cologne is a great international railway 
junction, is proved by its being the starting point of the 
first international railway in Western Germany, that which 
enters Belgium via Düren and Aix-la-Chapelle. 

Aix-la-Chapelle 

— Aachen in German — Charlemagne's Capital, the place 
where the German emperors used to be crowned, is noted 
on account of its health-giving waters. The manufacture of 
cloth and of needles has long since established the commer« 
cial importance of Aachen. We are reminded of the magni- 
ficence of Aachen in the middle ages by the important 
buildings which lie in the middle of the town. The chief of 
these are the Cathedral and the Town Hall which, although 



Cologne: The Cathedral 









































1911 


DEUTSCHLAND 


71 


they have been restored and added to in the course of 
time, still remain true to their old historical character. The 
old est part of the former is the dorne, the base of which is 
in the form of an octag'on. Here the great ruler Carolus 
Magnus was buried sitting in a stone chair, as, during bis 
life-time, he gave preference to the city with the warm 
Springs. Aachen holds sacred the memory of the strong 
emperorand the great promoter 
of culture. In the cathedral, 
the coronation festivities of 
the German emperors used to 
take place, and if Aachen 
closed its gates to anyone, he 
did not possess the full dignity 
of a ruler. Besides the precious 
relics of this kaiser, the Cathe¬ 
dral preserves jealously many 
other priceless treasures which 
form the goal for a great pilgri- 
mage every seven years. 

The Palatium was connec¬ 
ted with the palatine chapel 
by various buildings, and even 
to-day, this row is to be seen, 
only broken by a small gap, 
and is composed of edifices 
which have been restored in 
the same style as the main 
structures. The former palace 
is now used as the Town Hall 
and both sides produce a very 
fine effect, especially since the 
clever completion of the twin 
towers. On the first floor of 
the Rathaus is the famous 
Emperor's Hall adorned by 
historical frescoes relating to 
the legends around the person 
of Charlemagne. 

From the market place we 
descend to the place where 
the hot springs are situated 
which are made use of in 
numerous public baths and 
hotels, some being the property 
of the town. They offer that 
convenience which is acquired by long dealing with visitors. 
At the Elisen Spring which is enclosed in a classically designed 
circular temple of the famous architect Schinkel, one of these 
warm springs rises in the heart of the town. In front of this 
building, a fine promenade has been made, behind it are 
the gardens which have been laid out for the benefit of the 
guests. 

The theatre is in the same Street and in front of it the 
monument to the Emperor William I. Behind lies one of the 
finest roads in the town. Amüsements and high dass concerts 
are amply provided for the guests in the Kursaal which is 
situated in the Camphausbad Street. 

The older part of Aachen is to be seen in other 
churches besides the cathedral, as for instance in the 
Adalbert Church which rises above the streets on the top of 
a cliff. It adjoins the old walls which in some parts remain 
intact, especially in two characteristic gates, the Marschier¬ 
er Burtscheider-Tor in the South and the Pont-Tor in the 
North. Besides this several of the small towers which formed 
part of the walls are still to be seen. A steep road from 
the Marschier-Tor leads us to the suburb Burtscheid which 
enjoys the benefit of even warmer springs than does Aachen 


itself, and is to-day a bathing place with all the necessary 
adjuncts. In the neighbourhood of the Pont-Tor, the Rhenish 
Polytechnical High School with its various buildings makes 
an imposing picture. From the other side of this gate, one 
ascends to a height which offers a view with which few 
other towns can compete. All around are many places 
to which one can make pleasant excursions, and these 


are patronized not only by the guests, but also by the 
inhabitants of Aachen itself. One of the most interesting 
of these places is the so-called "Three-Lands-Point" a hill 
to the west of the town where Prussia, Holland and Belgium 
meet. We would also mention the gold mines near 
Malmedy which have only recently been reopened. Up 
to the present, the production has been very limited, a cir- 
cumstance which explains the reason why earlier attempts to 
extract the gold have been given up. 

There are many means by which the traveller from 
Cologne to 

Bonn 

may reach his destination. This is accounted for by the fact 
that the inhabitants of the larger town are fond of making 
excursions, especially on Sundays, to Bonn and even further 
as far as the Seven Mountains the outline of which are 
visible in fine weather even from Cologne. 

The State Railway runs both on the left and right bank 
of the Rhine and the so-called Promontory (Vorgebirgs-) 
Railway passes through the "Vegetable Garden" of Cologne 
and through a district where brown-coal is to be found in 



Aix-la-Chapelle: View of the Chatedral (North side) 







72 DEUTSCHLAND meeeßs^eee^eeeeeeee&^^ee^ I9ii 


abundance. An electric railway provides the third means of 
communication, but if one wishes to enjoy the real Rhenish 
life and is not too much pressed for time, one should certainly 
take the Steamer. The united Cologne-Düsseldorf Steamer 
Companies have a fleet of 
more than thirty boats at 
their disposal which, in 
the Summer months, are 
all engaged in making 
trips between Cologne and 
Mayence. Between Düssel¬ 
dorf and Cologne, there is 
one Steamer daily in each 
direction. 

These steamers may 
justly be called the finest 
river-boats of the continent. 

Whether one travels by the 
ordinary boats or with the 
saloon and fast steamers, 
there is always the pleasing 
sen ice, the handsome Att¬ 
ings, the comfort and — 
last but not least — the 
excellent cuisine. All these 
points unite with the mag- 
nificent beauty of the 
scenery and the happy 
disposition of the population to caus a feeling of goodwill 
and fraternity in the travellers of many nations. 

We quickly approach Bonn Far reaching and light in 
structure, a splendid, arched bridge over the Rhine appears 
before our eyes. Can it be possible that the length of this 
arch is thirty metres more than the span of the bridge opposite 
the Cologne Cathedral? The importance of Bonn rests on 
the same base as that of Heidelberg, namely that they are 
both university towns, for which the Anglo-Saxon race has 
always had a special liking. It is a matter of dispute 
whether the charming Neckar or the majestic Rhine has the 
most attraction, but that is surely a matter of taste. It is, 
however, certain that the Rhine makes the struggle between 
concentration of the mind upon study and the desire to 
enjoy life in the lovely world around a very difficult one. 
And so it was with justice that the royal poetess Carmen 
Sylva, queen of Roumania, sang: 

"Rhine it is thy fault that I must often 
idle". Herseif, a child of Rhineland, 
even in far Roumania, she can never 
forget the majestic stream and in the 
same song she praises that old "Zoll" 
the splendid watch-tower on the bank 
of the Rhine at Bonn. 

With the exception of that part 
which marks the place where the old 
town lies, Bonn as seen from the 
Rhine, gives one the impression that 
it is a lovely garden city composed 
of one Villa after another. Among 
these is the former home of the emperor 
and his sons at the time when they 
studied law at Bonn. 

It is no wonder that this town 
has always a large influx of new 
residents desirous of passing the 
remainder of their lives in the Company of so many distin- 
guished men and women of all callings, some retired and some 
still active. These latter, especially as professors in the 
university, also draw large numbers of students to listen to 


them in the spacious halls of the many Colleges. The wide 
front of the University buildings, once a palace of the 
Elector-Prince of Cologne, makes a very imposing picture 
when seen from the Hofgarden. It faces the old anatomy 

building (to-day a museuro 
of art) a structure dating 
from the time of modest 
leaming which, when com- 
pared with the numerous 
large and scattered modern 
buildings of the medical 
faculty in the town itself 
and its vicinity, shows us 
very forcibly the extension 
of this branch of Science 
during the last three 
quarters of a Century. 

Upon leaving the Hof¬ 
garden, one reaches the 
Protestant church and to 
the right the monument to 
Emperor William I is to be 
seen quite near to the 
university buildings. A few 
Steps further and you stand 
before the large and many- 
owered edifice of the 
romanesque church of 
St. Martin, the most important building of its dass in Bonn. 

The wide Münster Place lies by the side of this church, 
and there is a monument to Bonn's famous son Ludwig von 
Beethoven. The house in which this great composer was 
bom is in Bonn Street. The remembrance of Beethoven is 
preserved most sacredly in this town. The largest hall of 
entertainment bears his name, and great musical festivals 
also named after him are continually being given, for 
instance on Ascension Day this year. The finest promenade 
in Bonn is the "Poppelsdorfer Allee" which leads to the former 
Elector Prince's Palace which is now used as an Agricultural 
Academy. The old cemetery is also worth a visit. Here lie 
the wife and son of the poet Schiller as well as the composer 
Robert Schumann and the poet Simrock to whom a monu¬ 
ment has been erected in the Hofgarden, in remembrance of 
his Services to the romantic poetry of Rhineland. The pa- 
triotic poet and professor Arndt is 
also buried here and his statue looks 
down from the old "Zoll" between 
two cannons. 

In the provincial museum, there 
are also many reminders of the 
Romans and their stay in the Rhenish 
Province. 

The chief excursion which is to be 
made from Bonn is to the 

Seven Mountains, 

which we have already mentioned 
above. These can be reached by two 
lines of the State Railway, a light 
railway and the Steamer. To get a 
good view of this beautiful group of 
mountains, of volcanic origin, with 
their wooded sides, it is best to ascend 
the Venus or the Cassel hill near Bonn. 
Perhaps the traveller will also be tempted to take the road 
which leads to the beautiful bathing place and garden town 
of Godesberg with the overlooking ruins of the so-called 
Cologne castle. He will then continue on foot to Mehlem 



Aix-la-Chapelle: Ponttor, Gateway 



Bonn: House where Beethoven was bom 




































74 


[«] DEUTSCHLAND ^ 


1911 


which town is the favourite centre for strolls into the Seven 
Mountains. Opposite, on the right bank of the Rhine, lies 
Königswinter. No steamer leaves Bonn without taking many 
of its citizens to this favourite vicinity, a sign that they 
always have enough spare time and indeed upon alighting in 
Königswinter, one has the impression that it is always Sunday 
in this town. But on real Sundays and especially at Whitsun- 
tide, great hosts of people stream into this place, the hosts 
about which Peters sings in his famous Rhine song. 

The Seven Mountains — the group really consists of 
more than seven — are chiefly formed of basalt and trachyte, 
as are the neighbouring hills. The material necessary for 
building the embankments along the Rhine has long been 
taken from here, and the stone required for the erection of 
the Cologne Cathedral was obtained from the Drachenfels, 
which is nearest to the Rhine. This height is most visited 
because the best view of all the hills, the swiftly moving 
stream and the well cultivated and populous district around 
can be had from it. To the Drachenfels as well as to the 
Petersberg, whence fine scenery is also visible, funicular 
railways run. From these heights we can see Godesberg 
and Bonn in the distance, as well as the Cathedral towers 
of Cologne surrounded by mist. At our feet lies Mehlem, 


behind which the crater of the "old volcano" is visible, 
beside it we see Rhöndorf and in the extended hollow is 
Honnef, the Nice of Rhineland, which is visited on account 
of its mild air. At this place, we find the carbonic springs, 
called the Drachenquelle, a further sign of the volcanic 
nature of this district. Opposite Honnef, the two islands of 
Grafenwert and Nonnenwert rise out of the Rhine. The 
more the Seven Mountains are visited, the more urgent 
appears the necessity of preserving the landscape in its 
natural beauty, and successful attempts have been made by 
buying private property, to make a great national park of 
them. Now only neighbouring hills are used as quarries for 
the basalt which in some places gives one the impression 
of the pipes of a giant organ. 

The finest panorama can be viewed from the highest point 
of the Seven Mountains, the Oelberg, which lies furthest inland. 
The bends of the Rhine can be followed far up and down 
stream. The best way of terminating an excursion in the 
Seven Mountains which once moved Byron to ecstasies, is 
to visit either Heisterbach with its ruined monastery or 
Rolandseck where the eye is met on every hand by the 
beauties of God’s creation and the soul filled with the charm 
of nature's poetry. 


The Romantic Rhine. 

By Hermann Ritter. 


With rapid wing my fancy bears me away over the land¬ 
scape 1 am to depict in a few words. Below me gleams the 
river Rhine. Glittering in all its glory, its ribbon winds 
between mountain summits and rocky slopes, set with such 
jeweis as are nowhere eise in the wide world discoverable, 
with wonderful pearls of landscape, innumerable glorious 
homes of art, of history, of mythology and of delicious 
wine. The towers of old cathedrals appear suddenly below 
me, the chimes of old bells sound faintly out of the depths. 
Steamers plough their way upon the stream and upon the 
banks resound the fiddles. 

A land full of cheery, busy, many-sided human life and 
of infinite natural beauties, an overfilled treasure-chamber 
of nature and of history lies before my mental visioni To 
the Rhine, on the left and on the right, flow the silver threads 
of his tributary streams, through side-valleys, each of which 
is graced with some special charm. TTieir rocky valleys 


separate mighty mountains and highlands, hills on which 
great woods rustle round hidden ruins, forests in the broad 
and deep hollows of which the stag gives his cry, in which 
the springs secretly whisper of the long vanished days of the 
nixies and fairies, of the sacrificial fires once kindled in holy 
places by the old German brotherhoods. 

O, my Rhineland I As thy son how rieh and gifted I feeh 
while the glories of thy valleys and heights, of thy towns, 
villages, castles and woods pass in rapid succession before 
my mind’s eye. I feel it when the memory revives number- 
less delightful hours of excursions, of clinking of the wine- 
cup, just as the sunbeam revives the sparkle in the jewel 
which it kissesl 

In all the places of thy realm of beauty I should gladly 
linger, enjoying and describing, giving thanks for them all, 
grateful for hours in the past or for glorious times in the 
present, l should gladlysing thy praises. But in this magazine 



Godesberg 



















where, it is a question of describing* the splendours of our 
whole Fatherland by pencil and by pen, I must be moderate, 
and satisfied in a few words only to depict, or rather to 
Iiint at, thy manysided charms. 

Of Eulog-istic Speeches indeed thou hast no need, my 


Remagen wiih the Apollinaris Church 

golden native landl I see thee laughing in the glittering 
sunshine, in the Rhineland air and humour and I join in the 
laugh. Whoever sees thee and thy infinite charms, must lie 
in thy bonds; he knows once for all, that nothing in the 
World equals thee, my beloved, proud and eternally beautiful 
Rhineland. — For the traveller up 
stream the wonder world of landscape 
which preserves for the Rhine its 
unique rank and fame among all rivers 
in the world. From Rolandseck we 
can believe we are looking back into 
a Paradise begins with the Seven 
Mountains. In sublime outlines and 
shapes the chain rises up out of the 
stream and creates with its forest- 
clothed summits and hills the incom- 
porable background and frame of a 
superb picture. Two islands, covered 
densely with trees, divide the green 
river into three arms. The convent of 
Nonnenwert looks out over the tops 
of the trees and reminds us of the 
golden haired Hildegrund, who took 
the veil there in the belief that her 
beloved, Roland, the Count Palatine 
of Charlemagne, had fallen by a hostile 
sword in distant lands. Opposite the 
Island lie the ruins of the castle, 
erected by the warrior on his return 
in Order to be near his beloved, lost 
to him for ever, and in which he 
lived in inexpressible grief, until death 
released him from the pangs of 

disappointed love. The tops of the trees rustle now-a-days 
as in those romantic vanished times, the trees blossom in 
equal splendour, the waves of the Rhine flow onward far 
from the world, as in the days long past, of which the 
legend is related, hut the landscape is no longer the same. 


Never-resting traffic exists on both banks of the stream, here 
widening out like a lake, and on the waves over which 
heavy cargo steamers and gaily ornamented saloon-boats 
move up and down. We will also journey further upwords 
into the Rhenish world of wonders by boat. 

On the left emerges Unkel at 
the foot of its vine-clad slope, where 
Freiligrath found happiness and the 
songs of love. On the right Re¬ 
magen appears with the elegant 
Apollinaris Church, from the top of 
which an incomparable view of the 
river and the Seven Mountains again 
is to be had. Opposite lies the 
ancient Linz, the friendly appearance 
of which from afar has unfortunately 
ben disfigured by a railway viaduct. A 
little further inland is Sinzig, a small 
town of venerable antiquity, raised by 
the Emperor Redbeard to the dignity 
of being his temporary residence. 

Sinzig and Remagen are the door 
posts of the Ahr valley, which opens 
out with broad and fertile meadows 
towards the Rhine and gives no idea 
of the romantic land to which it is 
transformed further up the country. 
In the '"golden mile" farther up in 
the breadth of the valley appears 
Neuenahr, the Carlsbad of the 
Rhine, to the curative springs of which thousands flock 
annually for healing. Then comes the cheerful and pleasant 
Ahrweiler surrounded by old town walls. With it the 
proper district of the red and fiery Ahrwine commences and 
the more romantic rocky slopes. Passing Walporzheim 


The Ahr Valley: Bunte Kuh (Spotted Cow) 

and Saint Peters hotel, in which according to the legend the 
keeper of the keys of heaven once drank his evening bottle 
of red wine, we go on through the deep ravine along the 
rushing river to Altenahr encircled by mighty masses 
of rock. 





Burg“ and Lake of Ulmen 

(Original Picture in Possession of ihe Minister of Agriculture Baron von Schorlemer-Lieser) 


76 DEUTSCHLAND @ 


a) iQii 


The upper part of the Ahr leads direct into the heart 
of the Eifel. At the foot of the ruins of Blankenheim and 
of the storm-flooded highlands, this lively child of the moun« 
tains commences its course. It takes its way westward, while 
other cold streams curl downwards from the heights into 
the deep clefts of the valley in other directions. The Urft 
filling at Gemünd the largest dam or fresh-water reservoir in 
Germany, the Olef, the living artery of the Schleidener 
valley, the Rur rushing through the incomparably romantic 
Mountjoie, all run northwards. To the west the Marche 
winds down to the head of the German Wallon land, to 
Malmedy, to the south the Prüm, so-called after the most 
ancient and renowned abbey of that name, and the Kyll 
runs down to the Moselle in a long course via G e r o 1 s t e i n 


and Kyllburg, between rocks and leafy woods. All 
these landscapes in the Eifel have a charming character 
quite their own. But the Ahr district has the double ad- 
vantage of including the grand and rugged Eifel landscape 
with its own fruitful wine country. 

Near Adenau the highest mountains of the Eifel ränge 
are found, the Hohe A ch t and Nürburg, from the summits 
of which most picturesque scenery is unveiled to the visitor. 

In the Rhine valley one place succeeds another in rapid 
succession and every one seems to have some special attrao 
tion in the way of landscape beauty or economic value. On 
the high hills ruins are enthroned, woven round, as has often 
been said, by the magic of legendary lore. Rheineck castle 
rises from its rocky height and on the right bank the Hammer- 
























1911 DEUTSCHLAND 77 



stein pushes forward its dark, defiant mass, the 
castle which once offered Heinrich FV and his son 
Heinrich V a safe place of concealment for the crown 
jeweis. On the left bank also, before the mouth of 
the Brohl valley, rieh in tuff, is the village Brohl 
and on the right bank appears Rheinbrohl, in 
the vicinity of which once ended the Roman 
boundary wall commencing at the Danube. The 
small town of Andernach with towers, churches 
and walls offers one of the most magnificent town 
pictures of the middle ages on the Rhine. Neuwied 
lying nearly opposite is a foundation of recent times, 
dose to the castle of the princes of Wied and in 
the broad, clean streets of which comfort and 
cosiness is to be found. 

A little level ground opens to the visitor near 
Neuwied, the basin of a lake of the prehistoric 
age. On the right bank the green mountains of the 
Westerwald encircle the wide extent of this plain, 
on the left those of the volcanic Eifel. The whole 
soil of the plain teils of volcanoes. Masses of 
volcanic sand have once rained from the volcanoes 
of the Eifel into the vanished Rhine lake, the floods 
of which they smoothed into regularly lying strata. 

The stock of sand here is now applied to the 
manufacture of pumice-stone. The principal crater 
of the volcanic Eifel was the opening now filled up 
by the Laach er lake. A wonderful landscape 
full of quiet melancholy surrounds this Laacher 
lake near Andernach and the lonely convent on its 
banks. But to the landscape of the other small 
crater lakes of the Eifel, the so-called "maare", a 
similar delightful charm is also peculiar, a character 
which ensures for it a position quite its own among 
German landscapes. 

Passing Vallendar concealed by an Island, the 
gate of the rieh trading "pottery or Kannenbäcker 
district"^ once Nassau's, the steamer goes on to the 
smiling 

Loblence 

at the junction of the Moselle and the Rhine where 
in imposing form the monument to the Emperor Wilhelm 1 
rises. This town so favourably situated on the valleys of 
two rivers and on two high roads has been a fortress since 
the time of the Romans, a bulwark defending the Rhine 
against every enemy. In a picturesque ascent its strongest 
Works Crown the rocks of Ehrenbreitstein, commanding 
the broad and splendid land of mountain and valley, the 
central point of which is the beautiful city. But the gravity 
of the fortifications is lost in the smiling beauty of the 
landscape, in the merriment the sounds of which meet the 
visitor out of long rows of brilliant hotels and restaurants 
and from the splendid gardens along the stream. One of the 
brightest gleaming jeweis in the diadem presented by the 
Rhineland to mother Germania is the city at the meeting 
of the waters of the Moselle and the Rhine. One of the 
most beautiful districts of the Rhineland, everywhere so rieh 
in loveliness, has given it an incomparable frame. A far 
too narrow girdle of fortifications long prevented the town 
from developing freely and joyfully, its Situation exercising 
a too powerful constraint upon it. Now the walls have fallen, 
and Coblence expands in beautiful, broad rows of streets, 
in the level triangle formed by the Rhine and Moselle and 
the last spurs of the Hunsrücken mountains. From early times 
the town was a favourite resort for strangers, affording them 
here an incredible number of charming and convenient tours 
into the Rhine, Moselle and Lahn valleys as well as into 
the mountains on both sides. The often mentioned and 


An/^c'rnarh! Thp Round Tower 

magnificent Rhine gardens and promenades, called into 
existence by the Empress Augusta, alone woi Id invite all 
strangers to a longer rest. After the modern rebuilding of the 
town, the importance of Coblence as a place for foreigners 
has naturally increased and the Rhenish Verkehrsverein has 
also taken up its domicile in this Capital city of the beautiful 
province so favoured by nature. 

A hidden kingdom of peculiar charm, a country of legend 
and fairy-tales, of happy, restful towns and villages opens at 
Coblence with the gate of the often-praised 

Moselle. 

In Serpentine windings the river flows out of Lorraine, near 
Metz, through the hilly country of the Rhine, passing innumer- 
able vineyards with well-known names. Above at T r e v e s , 
a Roman town and celebrated for wine more than 2000 years 
old, rieh in monuments, in a wonderfully lovely landscape, the 
grape district of the Saar and Ruwer adjoins its sister wine land. 
Treves must be enjoyed, just as a bottle of noble and aromatic 
wine out of the vicinity must be enjoyed, that is to say, 
slowly, deliberately, with a due regard for its fragrance and 
other qualities. A quite peculiar charm dwells on the ground 
of the old Treveris, spun round as it is by history, fiction 
and fairy tales, a charm which enchains the heart and draws 
it back continually to the town of clinking glasses and 
chiming bells. Besides Treves, the staple and principal dealing 
place for the aromatic Moselle wine, there are Ber nca s t e ’, 













78 DEUTSCHLAND lon 


Traben-Trarbach and Cochem. Numerous castles on 
the mountain heights rise near the winding- Moselle, Standing 
like figures out of long vanished times in the adjoining valleys. 
The most beautiful of them, the most valuable jewel among 
all the many picturesque castles in Germany is Burg Eltz. 
Like a fairy picture, it rises with its towers and battlements, 
completely preserved in its medieval form, out of the 
sea of waving 
woods. Similar- 
ly hidden in 
the fairy-like 
beauty of the 
woodofanother 
side valley of 
the Moselle, 
the charming 
watering place 
Bertrich smiles 
a welcome to 
the traveller. A 
World renowned 
watering place 
is also found 
in the Lahn 
valley, which 
opens out into 
theRhine valley 
between Ober 
and Nieder¬ 
lahnstein. On 

the edge of the gleaming river, at the foot of the wooded 
mountains, the charming city of Ems emerges between 
gardens and parks with fashionable hotels and villas. 
The adjoining landscape allures us to press further onwards 
into the valley of the Lahn towards Nassau, the birthplace 
of the Baron von Stein, to Diez and to the old Limburg 
with its high cathedral. It is glorious wandering in this 


at Ehrenbreitstein and his ^most wonderful“*" wife, in those 
happy times when he believed "never to have seen such 
cheerful momings and spent such glorious evenings". He 
has looked down from Burg Lahne ck into the sunny and 
glorious country on the Rhine and on the Lahn. He has also 
tasted the wine across the river and sat in Capellen, over 
which the Castle of Stolzenfels rises to-day, erected 

on the old ruins 
by the architect 
Schinkel for 
King Frederick 
Wilhelm IV. 

Fast Coblence 
the mountains 
draw nearer to 
theRhine, dose 
on the river 
with steep wine- 
terraces, rocks 
and woods, with 
castles, towns 
and villages, 
nestling at the 
foot of the 
hills. Through 
a secluded king- 
dom of rom- 
ance the Rhine 
flows down 
from Bingen to 
Coblence. The Marksburg looks down upon Braubach, 
the only one ot all the Rhine castles preserved tili to-day in 
its old configuration. It has indeed been once a heap of ruins, 
during the Thirty /ears' War, but was soon rebuilt and has 
remained since untouched by the ravages of war. At present, 
the castle is the property of the '"Society for the Protection 
of Old Castles". — On the other side the "Bopparder Hamm'' 



Coblence: Junction of Rhine and Moselle with Kaiser Wilhelm Monument 









Ehrenbreitstein 


valley, of which Goethe writes: "My eye feasts in the 
contemplation of the near and the far, the wooded rocks, the 
sunny tree-tops, the mossy ground, the towering castles and 
the mountain summits enticing us from afar." 

On the Rhine also we can follow the traces of Goethe. 
Here also he has wandered on sunny days which he passed 
as a visitor in the house of the Privy Councillor De la Roche 


with its rieh vineyards borders the stream, which then turns 
in a sharp curve towards the charming Boppard hidden 
among blossoming trees and called the Godesberg of the middle 
Rhine. Fields and slopes, blessed with plenty, surround the 
town of villas Stretching along the banks, opposite where 
Camp lies hidden within the thick wreath of its cherry trees, 
and the ruins of the "hostile brothers" look down upon the 










1 


ts 

)ll 

Ü 

saij 

k 

s 

c 

ü 

! 

I 

I 

l 

! 

B 

k 

B 

B 

k 

k 

* 

? 

r 

■ 

n 

il 

ck. 

fi 

K 

b 

d 

lii 

B* 


ui’ 

pon ' 


1911 DEUTSCHLAND 79 


convent Bornhofen. St. Goar now appears with the great 
ruins of Rheinfels, once the most important fortress on the 
whole Rhine. Just opposite to it lies St. Goarshausen 
overlooked by the castle Katz, reminding us of the happy 
and holy man whose wine-cask refilled itself always anew. 


Now comes the basalt throne of Rhenish poetry, the 
Loreley rock, upon which a lucky tourist may still see 
the Virgin with the golden hair sitting in the moonlight, if 
he only opens his heart to the enchantment of the hour and 
has a goblet of golden Rhine wine dose to his hand. Then 
follow on the rock-bounded stream Oberwesel, an inex- 
haustible mine of treasures for German painters, the old C a u b, 
where Marshall Forwards (Blücher) Stands as a brass statue 
on the Rhine, pointing 
with commanding gesture 
to the opposite bank, just 
as he did in the New 
Year's night of 1814 when 
he crossed the Rhine here 
with his victorious Prus- 
sian host. On a rocky 
island the former Cus- 
toms' tower named the 
Pfalz with its strong, de- 
fiant looking walls seems 
to grow up out of the 
stream. We now approach 
B a ch a r a ch, many-tower- 
ed and medieval, the 
impressive scene of many 
an old and gloomy legend. Bacharach was once the most 
celebrated wine town on the whole river, chiefly on account 
of its large wine-trade, which made it the ware-housing and 
export place for the splendid products of the Rhinegau. 
Opposite, at Lorch, this royal district of German wines 
commences, and there ends the so-called "Landgebück", 


which formerly in times of war, afforded a safe refuge to 
the Rhinegau treasures. As already said, mountains "woven 
round with legendary lore" look down upon the stream from 
both banks. On the Falkenburg still lives the story of the 
ghost of the wanton Erlinde, on S o o n e ck, H o h e n e ck and 

Fürstenberg rest 
other wonderfui 
legends. Atthefoot 
of castle Rhein- 
stein, belonging 
to Prince Henry of 
Prussia, lies the 
Clemens' chapel on 
which once the 
Kaiser Rudolph of 
Habsburg held a 
criminal court to 
judge the robber 
barons of theRhine- 
gau. Opposite lies 
concealed in a side 
valleyAssmanns- 
hausen, the home 
of the excellent red 
wines. 

On its downward 
course through its 
rocky bed the river 
opposes itself with 
ever increasing 
force to the as- 
cending Steamer. 
The Binger Loch, 
the once so danger- 
ous rapids, full of 
rocks, approaches, 
formerly only nav- 
igable for little vessels, before it was widened by blasting. 
On a narrow island the Mouse tower emerges, in which once 
according to the story, the cruel archbishop Hatto was 
devoured alive by mice. Behind the Mouse tower a glorious 
picture presents itself to the eye, in the foreground of which 
on the broadened, sunny stream 

Bingen and Bingerbrück 

appear in a delightful 
frame formed by the 
vineyards ofthe Nieder¬ 
wald and the hills on 
the Hessian bank. The 
numerous ships lying at 
the wharves and the lofty 
warehouses teil a tale of 
the cheerful Bingen and 
its municipal and com- 
mercial importance, while 
the bows of our Steamer 
are turned across towards 
Rüdesheim, a town 
renowned in times long 
past for its wine and 
now, like Assmannshausen, 
become a favourite starting point for excursions to the Nieder¬ 
wald and the national monument. 

A land sacred to every German is trodden by the feet 
of the visitor on the mountain height which rises command- 
ingly out of the endless hosts of vineyards. Here above 
Mot her Germania speaks gravely and inspiringly to her 




The Pfalz at Caub 






















80 DEUTSCHLAND 


children of the great 
days of heroes in which 
the unity of the German 
empire was attained by 
blood and iron, of the 
bygone days of the 
faithful and the brave, 
and theoakwoods, round 
about admonish the 
people to take firm 
root in the German 
soil, constantly to draw 
new Courage and new 
strength out of the ori¬ 
ginal roots of German- 
ism. The landscape, over 
which we gaze from this 
sacred height, is over- 
poweringly beautiful, it 
fills the heart with burn- 
ing love and enthusiasm 
for one's country. The 
stream flows on in wider 
curves to the rocky 
gate of the Binger Loch, 
through the smiling 
country covered with 
populous villages and 
encircled by the armies 
of vine-stakes as if by 
a merry "Wacht am 
Rhein". In faint blue 
outlines the wooded 
mountains of the Huns¬ 
rück and of the land 
o f Hesse are seen in 
the distance. Between 
them in the broad valley gleams the silver band of the 
Nahe, uniting near Bingen with the greater stream. We can 
see from the Niederwald into the vine-grown valley of 


the Nahe including in its upper 
part as its pearls of beauty the 
watering places Kreuznach and 
Münster o. Stein, towns that are 
celebrated over the whole world for 
the curative powers of their saline 
springs and the charm of their 
landscape, blessed in its wine • 
culture. 

The whole district along the , 
banks here and the slopes of the ■ 
Taunus are consecrated to thcj 
god of wine, the broadened Rhine . 
flowing past them in gleaming* 
brilliancy. Princely seats of the 
noblest of the sons of Bacchus 
succeed one another. There appear 
the vineyards of Geisenheim and 
Ingelheim, of Oestrich,Winkel, Hatten¬ 
heim, the most favoured spots, where 
the marks of Johannisberg, Marko¬ 
brunn, Eberbach, Rauental and other 
delicious vintages ripen. The ancient ‘ 
Eltville the chief town of the Rhine- 
gau, whose stately tower is mirrored 
in the river, affords again an interest- 
ing town picture. Then follows , 
Biebrich in the luxuriantly green 
framework of its avenues, with the 
castle in which formerly the Dukes 
of Nassau spent the lovely summer 
months, and the villa Annika, in 
which Richard Wagner composed his 
"Meistersinger". In the neighbour- 
ing Schierstein, near which the 
Höllberger grows, Stands the singulär 
monument erected by five hundred 
Germans of the name of Christian in honour of the brave 
Boer leader Christian de Wett. 

From Biebrich the roads and railway turn off to 



Mayence: Wooden tower of Tussen 



Mayence: Schiller Platz 


Wiesbaden, 

the world-renowned watering place,, 
the lovely Queen of the Taunus. The 
Romans even valued the curative 
properties of the Wiesbaden and 
other waters in the shades of the 
Taunus woods, and especially those 
of Sch langenbad and Langen- 
schwalbach. More than one hundred 
thousand strangers now annually seek 
relaxation and recovery in the beautiful 
Wiesbaden and its mild climate, and 
numerous happy ones, who can afford 
it, select the town as a fashionable 
and pleasant resting place after the 
cares of a laborious life. 

The „golden" 

Mayence, 

towards which our steamer is now 
steering, Stands in a powerful contrast 
to the villa-built city of Wiesbaden 
with its many gardens. It owes its 
characteristic features to bustling 
activity, trade and traffic. But in 
respect to its position on the glorious 
river Rhine opposite the mouth of 



























lon DEUTSCHLAND 81 


the Maine, it may venture a comparison with the most 
beautiful cities in Germany. "Uniquely beautiful" Goethe 
called the Situation of the town of Mayence and its romantic 
surrounding-s, as he let his eyes wander from the terrace 
of the town-park over the stream sown with ships, the sea 
of houses overlooked by proud towers and the Taunus 
ränge bordering the horizon. The city itself is no less 
beautiful or charming. Since the strangling fetters of the 


above all the magnificent Kaiser Strasse through which a 
double avenue passes. — The streets and lanes of the old 
town, with their imposing buildings and artistic monuments, 
present a great deal that is interesting. First of all the 
mighty cathedral, originally a model work of the later 
Romanesque style, enchains our eyes. Not far distant from 
it we perceive the statue of Gutenberg, the greatest son of 
Mayence, modelied by Thorwaldsen and opposite to it the 



Eltz Castle on ihe Moselle 


girdle of fortifications have fallen, a stirring activity in 
building operations has been displayed and Mayence affords 
the appearance of a steadily aspiring community. A modern 
city has united itself harmoniously to the ancient Mayence; 
on the ground, where until the "seventies^' in the last Century, 
mighty fortifications stood, extend now long and broad streets. 


recently rebuilt town theatre with its finely conceived fayade 
And a large number more of ancient and modern monuments 
and buildings claim our attention. The museums of Mayence 
(Roman-Germanic Central Museum, the Museum of Antiquities 
and of Natural History), as well as its picture-galleries are 
important and worth visiting. In the domain of music. 






















82 DEUTSCHLAND IQII 



Old Wied in tlie Wied Valley 



The Loreley Rocks on the Rhine 



Rüdesheim with the National Niederwald Monuineiit 


Mayence also Stands in a pre-eminent 
Position. The broad Maine incites us 
to a trip farther up to the city of 

Frankfort, 

rieh in museums as in specie and one 
of the finest and largest towns in Ger- 
many. Frankfort loves to hear itself 
called the "Kaiser" town and is entitled 
to ihat proud desig^nation. Charlemagrie 
himself has lived in it. Afterwards 
the Roman-German emperors have 
had ihemselves crowned in Frankfort 
and in 1871 the peace was concluded 
here which laid the foundation of the 
new German empire. Frankfort is also 
the city of Goethe; in the Grossen 
Hirschg-raben the old house still Stands 
in which the prince of poets first saw 
the ligrht of this world. The events 
of the year 1866 robbed the proud 
commercial city on the Maine of its 
character as a free imperial town, 
but not of its healthy native vital 
power, which has rendered possible 
its really too dazzling development 
duringf the decades of universal 
progress in the modern Geiman 
empire. In respect to schools, public 
institutions, provision for the people 
etc. the wealthy Frankfort assumes 
the first place among all German 
towns. 

Simpler and less attractive are the 
banks of the Rhine higher up than 
Mayence, in Hesse, the Capital of which 
is the artloving Darmstadt, overlooked 
by the mountains above the fertile 
"Bergstrasse". But here the life 
and traffic on the river affords ample 
variety to the tourist. For on no river 
in the world is there such varied activity 
as on the Rhine. Historical memories 
and heroic figures out of the Nibelungen 
Lied are awakened by the ancient 
Worms with its cathedral. 

The manufacturing and shipping* 
city of 

Mannheim 

which has simultaneously developed 
into a prominent city of art (founded by 
the electoral princes of the Palatinate 
and to-day a mainjunction ofSouthGer¬ 
man commerce and the Rhine shipping* 
traffic, which for the greater pari 
ends here and consequently forms a 
collecting point for goods of every 
description) embodies modern times 
and modern commercial and industrial 
life. Long chains of barges in tow trav- 
erse the waters, conveying enormous 
quantities of English and Ruhr coal 
up the river, taking the produce of 
Swedish, Russian and American forests 
to their industrial destination, deep- 
bellied tank boats, from which the 
rock-oil drilled in America is pumped 
into the extensive tank plants, and whole 











IS 







i 


i 

l 

k 

¥ 

K 

I£ 

IS 

tk 

fic 

(k 

sd 

lä 

jsjt 

Df 

77’ 

DE 


ff 


r 


DEUTSCHLAND 83 



Mannheim: The Town Art Gallery 


flotillas of vessels from Holland, Belg-ium and other countries, 
carrying- the products of all parts of the world from the seaports 
to the inland places. 

The aspect which awaits the traveller arrivinj^ by boat 
in the extensive harbour works of Mannheim is mag-nificent, 
where the Neckar river mixes its dark waters with the green 
waves of the Rhine, where broad harbour basins open out 
into the river, where gigantic industrial plants reach out into 
it and on the other side enormous dockyards, granaries and 
large mills, all giving an idea of the great Mannheim trade. 

Not only dominant, but also characteristic is the triple 
spire of the Jesuit's Church and the Electoral Castle in the 
baroque style glistening in the sun in its massive red sandstone. 

And now to Mannheim's business life, along the stately 
residential buildings ♦he imposing business houses 


splendid shops into the heart of the city. Here we find the 
Kaufhaus, the centre of the city, since recently containing the 
Municipal Governmental Offices, w’ith its imposing tower, 
which has been a witness of the flourishing times of Mannheim 
under the Palatian Electorate. 

The life of a metropolis flows through the broad thorough- 
fare the "Planken", through which we pass. Beyond the "Ring" 
which with its Boulevards encircles the old city, there rises up 
towards the sky the imposing water tower, the feature of New 
Mannheim, looking over the monumental Friedrichsplatz 
surrounded by arcades and having for its neighbours the 



Mannheim: Military execution of the Emperor Maximilian. 

Original by Ed. Manet to be found at the Art Gallery 



Mannheim: View in the Docks (After a picture by Philipp Klein) 






















DEUTSCHLAND m 


1911 




cupola crowned Art Gallery 
and the municipal festival and 
concert hall the "Roseng‘arten"\ 
In these two edifices a great part 
ofthe intellectual and artistic life 
of the city, which has developed 
during the last decades with such 
unheard of rapidity, is concen- 
trated^ as far as it is not 
centered in the old famous 
Court and National Thoatre on 
the ''Schillerplatz'". 

The Friedrichsplatz with its 
surroundings and no less the 
adjoining suburb of 
residential cottages 
enclosed by extensive 
parks bear testimony 
to the weulth founded 
on successful work 
and of the distinct 
endcavour of the 
authorities and the 
Population, to devote 
the ample means 
obtained to ideal 
purposes. 

Mannheim has 
spent much towards 
beautifying its sur¬ 
roundings and 
rendering them 
accessible for 
purposes of re- 
creation. The 
Wanderer will 


The Bridge Houses in Kreuznach 


Bacharach on the Rhine 


most glorious seats in Old 
Heidelberg "the fine", the 
town of which Scheffel sings: 
"Am Neckar und am Rheine 
Kein andre kommt dir gleich I" 
The traveller on the Rhine 
who arrives at the Neckar filled 
with the pictures of his joumeys, 
is met by one of the most 
wonderful landscapes of the 
whole of Germany. Here lies 


Heidelberg 

just where the Odenwald moun- 
tains open like a door 
to the lowlands of 
the Rhine, in order 
to allow the Neckar, 
so sluggish up to 
this point, tomake its 
way to the Rhine. 
Heidelberg lies half 
shut in bet ween wood- 
ed slopes, but its new 
suburbs Stretch out 
far into the plain. 
For tourists, the 
world-renowned Old 
Heidelberg is the 
most attractive part. 
Low houses are 
reflected in the 
waters of the 
Neckar; rising 
above are seen 
steep old church 
towers and be- 
hind are blos- 
soming gardens 
with friendly vil- 
las, and dominat- 
ing all are the 
ruins of the ven- 
erable castle, the 
" German Alham¬ 
bra", the largest 
ruins of its kind 
in the empire. 
From theheights 
of the mountains 
to the West one 
can obtain fairy- 
like glimpses 
into the wide 
plain of the Rhine 
surrounded by 
the Haardt moun¬ 
tains and to the 
East into the 
romantic Neckar 
valley. The visi- 
tor to Heidelberg 
will always find 
new attractions 
on his walks, 
among which 
we mention the 
lovely Ziegel - 
hausen with its 


meet many on 
attractive scene 
on the banks of 
the Rhine and the 
Neckar; many a 
cosy Corner under 
the shadow of the 
park immediately 
adjoining the 
periphery of the 
town invites him 
to rcst. Excellent 
roilway Connec¬ 
tions from Mann¬ 
heim afford great 
facilities to the 
tourist visiting 
the Neckar valley 
to see the be- 
autiful quoint 
town of Heidel¬ 
berg, the Oden¬ 
wald, the Berg¬ 
strasse, the Pfäl¬ 
zerwald and the 
vineyards of the 
fertile Haardt 
mountains. 

The romance 
of the Rhine 
district has found 
once more, not 
far from Mann¬ 
heim, one of its 



Wiesbaden: The Kur House 










' V . nF 


Strasburg 

















cir:'. 

ioTr 


d ■. 

5 ■- 


Ä r 


^ sr 

L*yd 




[0E2 
Elf: 
thff? 

si-: 
Ä 2 r 
Ieu- 
s c 
e :-'- 



Worms: The Luther Monument (Court Photogr. Herbst, worms) 



Castle Bürresheim in the Nette Valley (Phot. Ocschw. Sinemus) 

















































86 DEUTSCHLAND 1911 



old monastery Neuburg’ Neckargemünd, the romantic Neckar¬ 
steinach so rieh in old castles and a number of other noteworthy 
churches, charming towns and idyllic villaeres. 

But Alsace alsc 
beckons flattering by 
out of the distance, 
promising innumer- 
able beauties. It 
speaks of 


Strasburg 


the wonderful city, 
of cathedral, rising 
in its splendour 
over the high-gabled 
roofs of old Stras¬ 
burg, of the mag- 
nificent modern city 
with its Kaiser Pa¬ 
lace, of the merry 
students, sturdy 
soldiers and roguish 
Alsatian maidens. It 
speaks furthermore 
of beautiful wines 
without number, of 
charming cities at 
the foot of moun- 
tains and hidden 
valleys, of the delightful remoteness of its highlands and 
of the castles looking down upon the glorious country of the 


Ireves: Palace of Roman Emperors 


Upper Rhine. Nor will Lorraine be left behind but 
points to its vine-encircled Metz, the powerful and imposing 
bulwark of the modern German empire, to the battlefields round 

about it, in which 
the brave soldiers 
on both sides fought 
desperately for the 
victory in TÖ70. 
Lorraine teils old 
and new stories of 
interest and paints 
alluring pictures of 
its landscapes. 

Wherever the eye 
turns, in whatever 
direction the fancy 
may fly from the 
castle of Old Heidel¬ 
berg , everywhere 
open out new king- 
doms of beauty, 
landscapes, the glor- 
ies of which are just 
as difficult to des- 
cribe in a few words 
ast he foregoing or 
fully to comprehend 
in a flying visit; they 
must be sought out, 
conquered and enjoyed; then they will invite us to along stay, as 
do all the places on the banks of the wonderful German Rhine. 



The Nahe Valley: Rheingrafenstein 


Strasburg: Portico of the Cathedral 









































- 


1911 DEUTSCHLAND 87 


'‘•kl, 

n 

«t 

«t 

k 

r: 

r 


I 

OL 


!?.! 


Badenia. 

By Chefredakteur Günther, Karlsruhe. 




ancient castles which look down from the red sandstone rocks 
to the fertile valley below. And then the numerous little 
towns, ravishing in their architecture which reflect the middle 


Mannheim: Grand Ducal Court and National Theatre, Schillerplatz and Jesuits Church 


One of the choicest flowers in the wreath of German 
countries is the Grand Duchy of Baden. A proud, but also 
a true word, the truth of which is not to be proved in a few 
sentences, just as little as the beauty of 
this country can be described by common« 
place expressions. And beautiful it is, 
this country which extends along the 
right side of the Rhine from the lake of 
Constance to the river Main. There is 
no other country in the empire that 
shows, in a comparatively limited area, 
such peculiar charms and variety in 
its nature. Its strongest features are the 
romantic love-liness of the Main and 
Neckar valleys, the dark beauty of the 
Black Forest and the brilliant splendour 
of the Swabian Sea — the lake of 
Constance. 

It is the loveliness of the Main and 
Neckar valleys that first excites the ad- 
miration of the tourist coming from the 
North. Schumann once so poetically said 
about it: "If 1 compare the Rhine with 
its mountains to the male beauty, the 
Neckar valley must no doubt be the 
female; the former shows in its strong 
chains the old German chords, whereas 
the latter expresses itself in mild singing 
tunes." All that is harsh, savage and 
bold is extingfuished in this landscape 
which is saturated with fragrance and 
light. Rippling flows the Neckar down 
through the coloured sandstone banks of 
the Odenwald; the rocks shine with 
a red light, and the green woods rise 
higher and higher on the steep sides of 
the mountains. On the bottom of the 
valley, there is scarcely room for a small Strip of meadow, 
the roads and the railway track, which often enough are 
compelled to squeeze across the hills. There is also hardly 
room left for the little towns and villages which skirt the river 
to the right and to the left. But a peculiar romantic charm 
is given to the land by the numerous moss-clad ruins of 


ages in such a true, genuine and untouched manner. Similar 
to the Neckar valley is that of the Main. Only here the river 
runs more calmly in its broader bed, the red of the rocks is 
even more brilliant and darker, the colour of the woods consisting 
chiefly of black«green firs, more imposing still are the 
remnants of the age of chivalry, the moss**grown ruins. 

All these beauties of the 
Main and Neckar, as well as 
those of the famous mountain 
road unite with perfect harmony 
in Old Heidelberg, that 
romantic place favoured above 
all other German towns. The 
old "town of jolly fellows" is 
even to«day the warden of a 
romance which is closely con¬ 
nected with its name. The 
view enjoyed from the broad 
terrace of the famous Heidelberg 
castle down into the river« 
crossed Badner Land is unique 
and gives one the impression 
as if all the splendour of the 
Neckar valley flowed into one 
here, greeting the castle joyfully. 
Old Heidelberg*) with its gigan« 
tic castle, this powerful ""epic 
of stone" is shrouded in a touch 
of true German Poetry that holds 
everybody in its grip who has 
once abode within its walls. 

A few miles distant from the 
town of the Muses, the largest 
industrial and commercial city of 
the upper Rhine, Mannheim*), 
is to be found. The South« 
German commercial centre with 
its extensive docks and quays, 
the largest inland harbour of 
Europe, has developed marvel« 


Heidelberg: Inferior of Castle 


*) See also the special article '^The 
Romantic Rhine'^ 











88 DEUTSCHLAND IQll 


lously in the course of the last few decades, and has become 
a beautifub busy and fashionable town. 

The ancient renown as an art city enjoyed by Mannheim 
since the brilliant days of the Palatine Electoral Princes and 
since the most flourishing- period of its theatre, has brought 
it again in our days to 
renewed honours. It is well 
known that the dramatic 
ans in the Grand Ducal 
Court and National theatre 
are cultivated to a high 
degree. From the funds of 
the municipality not less 
than a round half million 
of marks are contributed 
every year for theatrical 
purposes. The intensely 
liberal support accorded 
there also to all branches 
of the musical world is 
welFknown, too. In art-life 
Mannheim has recently 
conquered for itself the 
highest regard by creating a 
Collection of pictures in her 
monumental Town Kunst¬ 
halle, which this year has 
been remarkably extended 
by the addition of a cabinet 
of the graphic arts and an 
Institute for Science and arts. After the romantic Old 
Heidelberg and the valley of the Neckar, a glimpse into 
bygone times, the tourist would well pay a short visit to the 
beautiful park of Schwetzingen and the castle of Bruchsal. 
Both are true features of that happy time when they were 
first called into existence and they hardly have an equal 
in Germany. 

The Capital of Baden, Karlsruhe looks back uponbut a 
short history, in spite of which, however, it offers more of 


Arts, where, besides others, famous masters like Schönleber, 
Trübner, Hans Thoma instruct large numbers of students. 
This town also boasts of a well managed theatre which is 
to a great extent subventioned by the Grand Duke, and 
where many of the finest actors are to be seen at their best. 

The collections of the town, 
the picture gallery, the 
museum of applied art hold 
many of the finest tre- 
asures of Baden. The well- 
kept town garden with its 
herds of animals must be 
numbered among the finest 
parks of South Germany. 

To the South ofKarls« 
ruhe we are greeted by 
the sight of the first row 
of mountains belonging to 
the B1 a ck F o r e s t. If the 
land of Baden is one of the 
most beautiful blossoms in 
the wreath of the German 
empire, then the Black 
Forest is the most beautiful 
of the German mountain 
chains. So much has been 
said and sung by quali- 
fied and famous people 
in its praise, that it will 
hardly be possible for us 
to add anything to its glory. Wherev'er the explorer of 
nature, the tourist, the painter and the poet come from, 
they all become passionate lovers of the Black Forest, if 
they inhale its charms with open eyes and heart. Can 
anything be more beautiful than a stroll through this region? 
Through darkgreen meadows flow clear and lively streams 
which by their waters drive merrily the saw-mills along their 
banks. Clean, straw-roofed houses lie amidst large and 
many-coloured flowergardcns. Soon the woods cover us 



Badcnweiler (Baden) 



GJ 




Karlsruhe: Residential Castle 




(5)ra 


interest and has more for the sight-seer than many an older 
town. Karlsruhe has the stamp of an unusual and ari- 
stocratic city on account of its large and clean streets, its 
numerous open places and parks, its simple yet imposing 
buildings amongst which we would specially mention the 
Palace of the Grand Duke, the handsome market place and 
the whole fan-like arrangement of its building plan. Art and 
Science have found an abode here. As examples we would 
give the Technical High School and the Academy of Plastic 


beneath the cool shade of the fir-trees. Yout feet move 
softly over the carpet of fir-needles. The mountain stream 
comes rushing and bubbling from the heights down into the 
valley, with its water splashing and foaming against the moss- 
covered rocks. Over bridges and stairs we climb up to the 
heights and lie down in the thick and blossoming heather^ 
with our eyes wandering over the wooded slopes, far away 
where the peaks of the Vosges and the silver streak of the 
Rhine appear. 


















































Mannheim: Friedrichsplace with the Town Festival and Concert Fiall "Rosengarten'^ 



Baden-Baden: Kur Fiouse 










90 


DEUTSCHLAND 1911 



Every year during the holiday time, enormous crowds 
make their way into the much praised Badner Land and into 
the Black Forest, but how few of them really learn to know 
it in its entirely and how few take the trouble to understand its 
bewitching" charms. 

W. Jensen, the uni- 
que poet of the 
Black Forest once 
wrote so beautifuly 
of it: 

"The BlackForest 
is no much ac- 
claimed beauty, 
to be admired 
from thehig-h road 
like the star of a 
theatre Standing* 
in the g-lare of 
thefootlig-hts. Far 
away in solitude 
and quiet, it re- 
veals the wonder- 
ful picture of its 
hidden beauty. 

But there it g-azes 
into your face 
with the eyes of a 
fairy, anddreamy 
whispers float 
throug*h the air." 

And those who, 
like the poet, wish 
to learn to know 
the Black Forest in 
its innermost soul, 
must not go to see the „sig^hts" but must wander throug’h 
the shady woods of fir-trees with an open mind. If he allows 
the bewitching- charm of the hills and valleys to take pos- 
session of him, then he will really beg’in to understand the 
healthy effect of the Black Forest upon both his body and 


soul. It is impossible to describe here all the varied and 
numerous wonders of this reg'ion. As a matter of fact, 
every part of this mountainous district has its own particular 
charm, the northern hills, as well as the central and southem. 

Many of its princi- 
pal attractions are 
so well known, that 
they enjoy a world- 
famed renown. It is 
sufficient to mention 
but a few, for exam- 
ple among- others, 
the splendid and 
fashionable town of 
Baden-Baden,one 
of the most eleg-ant,, 
crowded and favour- 
ite bathing* places 
in the world, A11 e^- 
heilig•en,T^ibe^g* 
with its imposing” 
waterfalls, Hom¬ 
berg-, Donau- 
esching-en, the 
university town of 
Freiburg- with its 
fine minster and 
the health resort 
Badenweiler the 
favourite summer- 
residence of the 
present Grand Duke 
and many others. 
Splendid funiculars, 
as for instance the 
Black Forest railway, the Hell Valley Railway and others 
open out the landscape to the traveller; an excellent tourist’s 
road reaching- from Pforzheim to Basel over the mountains 
shows the beauty of hill and valley to the Wanderer without 
becoming- tiring-. And a word of special mention should be 


Bridesmaids, called "Schcppele Mädle" in St. Georgen in the Black Forest (Baden) 



Triberg in the Black Forest 


Freiburg in Breisgau (Baden) 









1911 DEUTSCHLAND 91 


given to the excellent food and accomodation which is to be 
had in every part of the Black Forest. It would not be easy 
to find in any other mountainous district such good board 
and lodging in remote villages far from the railway. No 
reasonable wish in this respect will be left unfulfilled; from 
the fashionable first dass hotels in the well known bathing 
places and large towns down to the modest, but clean peasant 
inns, every taste will be suited, and nov/here are more friendly 
and obliging landlords to be found. 

Right to the South of Baden sparkle the waters ofLake 
Constance, the headquarters of the airships built by Count 
Zeppelin. The proud and venerable city of Constance reflects 


the towers of its cathedral in the clear lake. All around 
its banks, are towns grey with age, small fishing villages and 
quiet comers, and everywhere nature can be fully enjoyed. 
The delightful spots are easily to be reached by means of a 
charming steamer trip or by smaller boats. One of the 
nicest places to which an excursion can be made, is Mainau, 
with its beautiful gardens which remind one of Southern 
Europe, as lemons and oranges actually grow here in the 
open air. Rustling pines and sweet smelling myrtle and 
laurel surround the idyllic castle of the Grand Duke, once 
the favourite residence of the late Frederick I of Baden, and 
it was here that he passed to his rest. 


Suabia and its i^etropolis, 

By Dr. Arthur Höher. 


Who knows the Suabian land? Who has wandered through 
it, following the Neckar and the Danube, passinQ- through 
the Odenwald down to the lake of Constance, through the 
Rauhe Alb, the Black Forest and Schönbuch? Lucky are 
ihose who have done so; they have rnet with such an 
abundance of beauty in 
nature that they can 
never feel quite unhappy 
again. 

The number of trav- 
ellers who know this 
jewel among German 
lands well is of course 
even smaller abroad 
than in the empire. 

The majority of tourists 
neglect it altogether, if 
they pay a visit to it, 
it is only during a short 
interruption of the raih 
way travel, so as to 
see something of Heil¬ 
bronn, Stut tga rt, 

Ulm and Friedrichs¬ 
hafen. But those who 
take the time to cross it 
calmly and with open 
eyes, become acquainted 
with one of the most 
charming regions of 
Germany; their heart 
opens at the sight of so 
much beauty and they 
are for ever the ardent 
admirers of this lovely 
land and will never cease 
to praise its beauty. 

And indeed, con- 
sidering the limited area 
there is no other district 
in the empire upon which nature has so richly bestowed 
her wonders, thus making it a real treasure among Ger¬ 
man lands. 

Nature created Suabia — or Württemberg as it is better 
known abroad — as a country rising in terraces which owing 
to their geological peculiarity, cause much variety in lands- 
cape. Its area extends from the Northern base of the Alps 
and the lake of Constance to the Southern slopes of the 
Odenwald, bordered on the right and the left by Bavaria and 
Baden respectively. 

In the West rise the broad, green masses of the Black 
Forest, the Eastern slopes of which only belong to Suabia. In 
its peaceful, quiet valleys, its wooded hills and idyllic 
meadows with clear brooklets and wells, the Black Forest 
shows here too all its charms which have founded the glory 
cf this mountain chain, renowned also for its wonderfuly pure 
and heaithy air. Across Suabia, from South West to North 
East, runs like a gigantic rampart the Suabian Alb or Rauhe 
Alb, a part of the Frankish Jura. Its summits are, in con- 
trasi to the Black Forest, crowned by trees, with a few 
exceptions where they have a rocky character. A stroll 
along the border of the Suabian Alb in spring or autumn 
shows US the beech woods in their full beauty. Between 
Alb and Black Forest we find a number of elevated plains, 
for example the Schönbuch, the Filder Plain, the Obere Gäu 


and the Strohgäu, which are divided from each other by 
mountain chains, generally of little altitude. In the North 
there are still some more important chains, the Schurwald, 
the Welzheimer Wald etc. adjoining the Hohenlohe Plain 
and the Taubergrund, where we reach the frontier of Suabia. 


South from the Alb, the Upper Suabian Plain extends as far 
as the Allgäu and is crossed in its entire breadth by the 
Danube. On its way through Württemberg and the little Hohen- 
zollern land this river collects all water south from the Alb 
with the exceptions of some little streams which find their 
way to the Lake of Constance and are, therefore, to be 
considered as affluents of the Rhine. North from the Alb, 
all those countless brooks and streams unite in the Neckar 
which crosses the land in winding lines, now flowing between 
steep rocks along castles and ruins, now in a broad bed 
through blossoming meadows and waving corn-fields. 

While the landscape itself offers many attractions to 
the seeker of beauty, his eye is again and again arrested 
by lovely castles, villages and small towns which are scat- 
tered around in so much variety and are so beautifully 
placed that one could believe nature itself had allotted to 
ihem their right place in Order to avoid the destruction 
of the harmony of the land by mankind. 

Down from the rocky, steep cliffs look the ruins of an 
old castle, bold and defiant, destroyed perhaps by the en- 
raged citizens of the neighbouring town who put an end 
to the long tolerated power of a robber-knight. Beneath it 
within a blossoming meadow we see a hamlet with a bubb- 
ling brook, its last huts lying at the edge of a forest where 
the poor inhabitants earn their scanly bread as woodsmen. 















DEUTSCHLAND 




1911 



Ulm: The Minster 


Furlher down the brook where it has become much broader 
a whole busy villag-e is to be found surrounded by blossoming* 
fruiMrees and sweet smelling- vineyards. Amidst the plain 
— as a meetingf place for all surrounding- human Settle¬ 
ments — rises a larg-e and industrious town with all its 
modern constructions, factories, workshops and extensive 
public buildings. Here lies Stuttgart, right in the center of 
the country as its suits a metropolis, with lovely vineyards 


and wooded hills around. Whoever has once looked down 
from the panoramic railway or the steep wine path and the 
Bopser on the town beneath with its bluish glittering roofs, 
its numerous towers, its monumental buildings and castles 
and its suburbs with lovely cottages and villas, will never 
forget this splendid city surrounded by an atmosphere of 
blissful and refined quiet, even if he has seen Florence and 
all other marvels of the world. 

We will mention but a few sights of the town. There 
is the old and the new castle, the monastery church and 
the hospital church with its exterior and interior riches. 
There are also numerous museums and collections containing* 
all that the country has ever produced and possesses of 
Works of art and valuable antiquities. The history of the 
city — closely connected with that of the country and its 
dynasty — is an old and interesting one. Manifold are its 
relations to art and Science which have always had an 
abode here and found zealous and careful promotion. 

But talking of Stuttgart, the name of the „poet of the 
Germans" must not be forgotten. Here he began his career. 
It was in the Stuttgart "Academy" in 1777 that he secretly 
composed his "Robbers". On the height of the Bopser 
Forest, he read it first to his admiring Iriends. His native 
town of Marbach on ihe Neckar is not far away. The house 
of his birth has been mainiained in its old state; a magni- 
ficent Schiller Museum has been erected there, where all 
reminiscences of him are carefully preserved. But Suabia 
may also call many another famous poet its own; names 
like Schwab, Uhland, Mörike are known everywhere. 

A metropolis offering so many beautiful and interesting" 
things does not make it easy for the other towns of the 
country to surpass it in honours. And siill, there are a lot of 
more or less important Suabian towns and villages which 
all have a peculiar note for themselves, and we must restrain 
ourselves, enumerating only the most noteworthy. In the 
viciniiy of Stuttgart there are the suburbs Kannstatt an old 
Roman Settlement and later a bathing place, and Unter¬ 
türkheim, famous for its wine; between these two rises the 
Württemberg which was once the ancestral castle of the 
dynasty and has given its name to the whole country. A 
little farther, we find Ludwigsburg, the second residence of 
the king with a splendid castle. Close by the antique 
village of Markgröningen (which enjoys a certain renown 
for its populär fetes and running matches of shepherds) 
rises the Hohenasperg, in the dungeon of which the un- 
happy poet Schubert once suffered. And further we find 
Heilbronn with its splendid Kilians Church, a town that 
has won fame through the poem of Kleist "Kätchen von 
Heilbronn", Weinsberg with its Weibertreu and the house 
of the poet Justinus von Kerner, Neckarsulm, Lauffen,. 
Bietigheim, Maulbronn with its well preserved Cistercian 
Convent, Knittlingen where Dr. Faustus is said to have 
been born, and to the South a long row of lovely Black 
Forest bathing places and health resorts, among which we 
mention N eu enbu rg, Herrenalb, Wildbad, Hirsau, Calw, 
Teinach, Nagold, Rippoldsau, Freudenstadt, some of 
them glorified by songs and legends like Wildbad and Hirsau. 
Tübingen with the university of the country and a medieval 



Würlt. Black Forest: Convent Ruins Hirsau Swabian Albs; Castle Hohcnzolleni 



























löofeii, 

fenäfn 

mii 

i 

it 

1 ; 

sr 


£ 

e 

5C 

h' 

c 

E 

BI' 

s: 

kr 

ss: 

fli: 

STv; 

QSß 

EX 

irff 

if: 

if: 

on: 

iß'^ 

jC- 

5r 

tflir 

fiiic'' 

o.a 

0 

\u 

0- 


1011 DEUTSCHLAND 93 


castle, Babenhausen inthe Schönbuch, once a inonastery,now 
a hunting" castle, Herrenberg' and Hohenentringen, Horb 
and Rottenburg with the Wurmlingen Chapel known by the 
poem of llhland. On our way to the old town of Reutlingen, 
in medieval times a free Imperial 
City, we come to the Achalm and 
further to the ancient castle ofLichten- 
stein, the scene of Hauffs famous 
romance of the same name. Some 
other old towns of the Schönbuch, 
as for instance Böblingen — Sind¬ 
lingen are worth mentioning, also 
Döffingen, where in 1388 Eberhard 
der Greiner vanquished his enemies. 

Another old town rieh in history and 
interesting buildings is Esslingen, 
formerly also an Imperial city. The 
antagonism between the Guelphs and 
the Ghibellines (the Welfen and 
Waiblinger in German) is brought to 
memory again by the little town of 
Waiblingen. Then leaving the 
lovely Convent of Lorch, we come to 
the "joyful" town of the goldsmiths, 
to Gmünd and over the Rechberg 
lo Hohenstaufen, the ancestral 
castle of the ancient Staufen Dynasty, 
once a brilliant residence of emperors, 
but gone into ruins after the death 
of the last of their name. A large 
number of other ruins are to be 
met here, for example the Helfen¬ 
stein near Geislingen on the Steig, 
the Hohenneuffen, Teck and Hohen- 
urach ruins, the latter in the vicinitv 
of the well known Urach waterfall. 

On a high summit in imposing 
majesty and visible from a great 
distance rises the ancestral castle of 
our present dynasty of emperors, 
the Hohenzollern-Burg near 


Hechingen. It has been excellently restored in medieval style. 
Selecting a few other sights out of the abundance of those 
which still remain, we might mention Schwäbisch Hall, the 
ancient town of the socalled Salt-Counts, the extremely old 
Benedictine Monastery Ellwangen, 
Mergentheim, on the Tauber, and 
Ulm on the Danube with its 
minster, crowned by the highest 
tower in the world, a cathedral which 
counts among the most famous in 
existence, Blaubeuren, Biberach 
and Ravensberg. Then we make 
a last stay at Friedrichshafen, 
which has won fame again in recent 
times by the aerial exploits of Count 
Zeppelin. From here one enjoys a 
superb view over the Lake of 
Constance and the panorama 
around it with the Swiss Alps in 
the background. 

As many towns and villages of 
Suabia we mention, so many points 
of interest they represent. Not 
only for the lover of nature, but 
also for the historian, the con- 
noisseur of art and literature, as well 
as for those interested in modern 
engineering and industry. A journey 
to Suabia can, therefore, be warmly 
recommended to all those who seek 
recreation and intellectual Stimu¬ 
lation. They will find a land rieh in 
nature and art, a people which loves 
its country and welcomes the stranger 
with sincere heartiness. Their 
old greeting ^'Grüss Gott^^ — God 
bless you — sounding doubly nice 
from the lips of its maidens, will 
ring in the ear of the tourists 
long after they have left blissful 
Suabia. 



Swabian Peasants' Costume 


Munich and the Bavarian Highlands. 

By Ant. Roitsch, Munich. 


Wherever the traveller sets his foot over the Bavarian 
frontier he comes at every Step upon remarkable spots, either 
upon one over which mother Nature with lavish extravagance 
has shaken out the good gifts in her cornucopia or upon 


one where the hand of some gifted man in artistic Inspiration 
has created works of many-sided beauty, which growing to- 
gether with the nature surrounding them result in a charming 
picture such as is elsewhere seldom found in perfection. It 



Würzburg 













94 DEUTSCHLAND 1911 




Munich: Liebfrauen cluirch 


can therefore cause no wonder that Bavaria is the promised 
land for pleasure tours and relaxation holidays for travellers 
from both sides of the great ocean. 

Who can joiirney heedlessly past Würz bürg-, the town 
of St. Kilian and of ihe Prince-bishop Julius Echter v. Mespel- 
brunn to whom it is indebted for its alma maler Julia three 
hundred years old? The picture which imprints itself in« 
effaceably upon the eye, as soon as the lovely valley basin 
on the Maine opens out, entices us to remain in this jewel 
of the Frankenland, blessed with wine, among- ihese glorious 
churches and secular buildings, above all in the venerable 
old cathedral, the new minster and ihe noble princely castle, 
where the glory of ihe baroque time, the digniiy of the 
renaissance and the romance of the Gothic epoch are allied 
with the animated rococo. 

Who would wish to be excluded from the living breath 
of the past which breathes over Rothenburg ob der 
Tauber? Like the enchanted king's daughter in the legend, 
sunk in a slumber lasting many hundreds of years, the old 
imperial town rearing itself boldly above the quiet Tauber 
valley, has remained in its outward aspect true to the cha« 
racter of ils glorious past. The quiet district on the borders of 
the Frankish and Swabian provinces, lying aside from the 
great highways, can still point to many a similar jewel out 
of long-vanished centuries; we need only to be reminded of 
the former free imperial towns of Dinkelsbühl, Nörd- 
lingen and Donauwörth which absorbed in dreams, with 
their gray old towers and weatherbeaten gates, with their 
winding lanes and and pointed gable houses reflect sadly on 
their brilliant and active past. 

A peculiar charm arises from the amalgamation of gray 
antiquiiy wiih the famous middle ages and with the bustling, 
pushitAg modern times, which has imprinted its stamp upon 
Augsburg. The dashing courage of the conquerors of the 
World, who founded*the old Roman Municipium Augusta 
Vindelicorum, was perpetuated in the citizens of the later 
free imperial town, who appropriated in the early middle ages 
the entire German, Italian and Levantine commerce. The old 
town, with ils antiquaied Street pictures of astonishingly 
charming beauty, extols as laudator temporis acti the j)almy 
days of the town; gorgeous old churches with rieh treasures 
of art, characteristic old citizens’ houses, picturesque gates, 
ramparts and towers (as for instance the Peilach tower dating 
from the tenth Century) all combining with great modern lines 
of Streets to form a most variegaied spectacle. 

The renown of the health inspirif'g springs of the bath 
Kissingen has penetrated far over the ocean, it having ben 


the refuge of the infirm and of those seeking health for eleven 
centuries. Its renown as a universal bath is based on the 
extraordinary success of its curative springs, its sheltered 
Position, its mild climate and the rieh beauty of its woods. 

Bamberg, the pearl of the Frankenland and the ever 
green garden of Germany, the ancient ancestral seat of the 


Neuschwanstein 


famous race of the Babenberger with its landmark the Alten- 
burg looking back upon nearly twelve hundred years, the 
gorgeous camp of the Prince bishop, reminding us with its 
venerable architectural monuments of times long past. 

'Mf we want any one to know 
Germany and to love it, we name 
Nuremberg to him, replete with 
noble art. Yet never hast thou 
become old-fashioned, thou faithful 
and diligent town, where once the 
powers of Dürer swayed and where 
Sachs has sung'M So sang another 
German poet, Max v. Schenkendorf, 
and the far-travelled Italian humanist 
Aeneas Tylorus, afterwards Pope 
Pius II, enlogised the beauty of the 
Streets and houses: "Truly the kings 
of Scotland would deem themselves 
fortunate if they could live like the 
burghers of Nuremberg. Nothing 
more magnificent, nothing better 
worth seeing is to be found in the 
whole of Europe." Dr. Luther de- 
clared also in glorification of it: 
"In all Germany Nuremberg shines 
like the sun among the moon and 
Stars," and Philipp Melanchton prais- 
ed it as the "German Florence". In 
such ways the "treasure-casket of the 
German empire" has been extra- 
vagantly eulogised for its beauties 
through all the centuries up to the 
present day and it deserves the 
praise in the füllest measure. 

Another town-picture on the 
banks of the blue Danube extends 
again far back into gray antiquity. 
When the Roman legions in the 
year 14 B C. invaded the land of 
Rhaelia, they destroyed the ancient 
Radasbona and built upon its ruins 
in Support of their power the fortified 









1911 DEUTSCHLAND 95 




the spacious streets, then every visitor to Munich is sensible 
of ihe peculiar charm of this aromatic, powertul and pure air, 
which in passing over the region of eternal snow and ice 
becomes, so to say, filtered and purified of every impurity. 
It evokes also the wonderful light effects in the sky, the 
glorious evenings of the Bavarian Highlands^ just as often 
immortalised by the hand of ihe painter as the Alpine glow 
on the mountains. 

Owing to its climate, its air and to the life's work of the 
grand old master of hygienics Pettenkofer, Munich belongs 
to the most healthy cities in the world. 

Munich is however also one of the most beautiful cities 
in the world. "I will make out of Munich a town, so that 
nobody can dare to say he knows Germany if he does not 
know Munich." — Those were the words of King Louis L 
who in his sunny days of yonth had drunk in with enthusiasm 
the splendour and the beauty of Italy, to revive them in 
Munich through his intelligent architect Leo v. Klenze. This 
Munich of Louis 1 was planted like a noble shoot into the 
old Munich, which already snowed, under the helping hands 
of the former art-loving Wittelsbachers, in every nook and 
Corner the influence of an old artistic culture of a high 
Standard; such as from the earliest centuries has found its 
way across the Alps. The city then offers a large number of 
graceful and variegated pictures;confined between the old gates, 
reconstructed according to the plans of the original builder, the 
old town lies with its innumerable living witnesses of the me- 
dieval art of town building: the old patrician houses with their 
stately and characteristic gables, the artistic window frames and 
doors, the leafy old Munich courtyards, their characteristic 
arbours, balustrades and open galleries, the rieh porticoes and 
ihe lavibh ornamentation with all sorts of decorations of 
wrought iron and bronze Castings. In olci Munich, valuable 
to the history of culture in general, we can especially admire 
the art of the medieval architects. 

To this friendly old Munich which had already been in 
the grandest style enlarged by the first King of Bavaria 
Max I (Josef) after the demolition of the ramparts and walls 
around it, his son Louis I annexed his classical Munich 
with its harmonious transitions. Large open squares or 
places, broad streets, palaces, pillared halls, these are the 
characteristic tokens of the building time of Louis 1. Not 
only the straight, broad streets but also the laying-out 
of the squares and places in the town-extension works of 
Louis I, as for example the strict circular form of the Caro¬ 
linen Place and the spacious quadrangle of the König Place, 
correspond to the straight, sober and simple classical build- 
ings and to the geometrical forms finding expression in the 
antiquated Creations of Klenz. The dose of this Königsplatz, 
reminding us of an Italian piazza by its artistic surroundings, 
is formed on its west side by the masterpiece of this era 


Bayreuth: Festival Theatre 


military town Castra Regina. For full four centuries the Roman 
stronghold dominaled the valleys of the Naab, the Regen and 
the Danube, until vigorous Buvarian fists reduced it lo ruins 
and rubbish. So Regensburg became the residential town 
of the Bavarian ancestral dukes. Upon the yard-high dustheaps 
of the old Roman city there bloomed a flourishing town life. 
Churches and secular buildings in every possible style denote, 
beginning from the well preserved porta praetoria of the 
Roman times, the individual periods during which the constantly 
developing and more powerful Regensburg became at length 
the riebest and most flourishing city of the middle ages. 

Two monumental buildings of a more recent period, out 
of the era of the enthusiastic art amaieur King Louis I draw 




Partenkirrhen: Florian's Place 


the attention also to the neighbourhood of Regensburg; be¬ 
tween Kelheim and the very ancient Benedictine convent 
Wellenburg there rises upon St. Michaels' mount the circular 
building of the Hall of Independence, crowned with 
a cupola; down the Danube however, near the market 
Donaustauf and lighted by the last rays from the Bavarian 
woods Stands the white gleaming "temple of German honour" 
surrounded by rustling oak trees, the Doris Walhalla 
ropied from the Parthenon, with a lovely view into the 
distant country as far as the remote Alpine chains. 

The Queen of the Danube is Passau, the ancient 
Roman Castra Batava, one of the most beautifully situated 
cities in the German empire. The lands- 
cape round the town is of enchanting 
beauty, encircled by wooded mountains 
and washed by three rivers which unite 
at its feet, the greenish white foaming 
Inn, the blue Danube and the blackish- 
brown Hz, the defiant daughter of the 
Bavarian forests. 

But what are all these precious 
pearls in comparison with the dazzling 
jeweis in the gleaming diadem of the 
Wittelsbacherl 

Munichl An enchanting sound 
to everyone who has had the good 
fortune to pass some time within 
the walls of the Bavarian Capital 
and residential city, the most 
distinguished centre of art and its 
disciples in German lands. Its healthy 
climate, the pure, invigorating air, the 
treasures of art scattered with lavish 
fulness, the collections of objects of 
ort and of art-history of inestimable 
value and its native characteristic 
architecture, all exercise an irres'ible 
charm on every stranger. The air of 
Munich is a special air entirely. Let 
the wild South wind (Foehn) roar over 
the Upper Bavarian Highlands, let on 
the hot summer-days, elsewhere insup- 
portably sultry, a fresh breath of wind, 
cooled by the majestic glaciers and 
the eternal snows of the adjacent Alps, 
blow refreshing and reviving througli 
















DEUTSCHLAND 


in. süch c* stöne pre^achas 

I. i ÖD.'"'. ■ öf ":if ■ ih. ;iV.y ^ ■ ■■_itbo-ic^aD d ardts ts bour' ^ n d 

to prevaU, ' The 

li^e in ^^uidch has 'sp^sclül aote \4 unconstraihed goad 
loWidiip;: old ß^yairiÄd pivhy h uttiptfr önd ed-i^sü«: afijdyment 
makj^.. tiö b Jid tu re, i n lyhk'b an ^ hiTn^^tt at 

- ^ piciür^ ödrDii of e 


df Mycöl tiyTi : ehe Hi on d rntf nt d.I h» ild ikg pf ' thje 
Ffä:p^en//'^ 0ödd' Wbrk pf art itfith it^ piUnted d.erltrijl 
biiii0Dk=' ky tWti pphderpus rij^ht-öngkd iow^rj5>::-tlfx«? 

ÖfyptdiK% }cio^ng off P tfie plpca tir^d 

eijünferpnfi to soiTih*: dW bnÜdirvg pf 1 jre Vi he Ar4 
^oTi/ deceJya : oür P yes i hid baJia.vin^: ib dt a • pidcd öf <iia 
-sTJi nny He 1 to nd^ «pott p« r bld' 8 ay ad ö d gr ö tm iT. . ::; 


gi öitc^., V tnt ö ' i he pe dö rmatices of 

i h^ b’; i nt ers; tlKa thealri tal 

repreSi^tftdPft^ ^ level wi ih 

diTiCt,?;a In th4: ■ - ^eates t cit ies in the 
, ivbrid l; . T Ba v ö ris Part bas b een 

: i’^njnrgdd ;a i 
with ifpDCriopis tuassive halls, in 
ä t preseii 't (h e gr^at 8 p v arian Industn »I 
qt alreedy 

pdsSar^-' ■ ■ ■■ •^ 

■'; ■■ Sbii'irtln it' dt. Pf the töWp. ja^ ■ ■, 

4 ped^Piiyi cbPjh d>f ydW« 

I* , ..0dd‘ OJ.riii _ thmygb'-. ih^i 

5 : tama rdip : vali ey^; yp' iq th^ 

^...-. ■/■>'bdbks. ypf th.^''';.Statnb^rgdf■ ■ tdk€i. ■ 'öri© 
^■■' -qf die tn^si Wau iifb 15 p %e: ßevp ri an 
J;.. • ■.Lpwer-: Äips - distrktr^. hy^^ 

|| .p i Q turesque shb jpf Am ©r 

^ The oriD^t cplQnk'^ pf Hei'r^bjdng »ndt 
g‘: D f e$Si eh find t ha ibdhe tn bpasieryr 

g; ■. ■■.■ öl A.udiL;.rb..ha^^. Stöxd-r 

ß barg; PöS>enliövtfn; Fddafeg^ 

P Seesli^iupt, Leoni >4 ali tb^se jerta de-^r 

m and inli m a t e n am ^ ÄT cb e fö6i pi- 
p:: - - the H er ipgüt a hd öhd ibe Be ne dfe ti ne 

' wöll t wo cL^^Th earna.st 

sh ine ont; Lokb Widöbien^ öhd Liflfce 
’ ; : Kocliel Soiitb öf 

■ hfiT vel3cy knocks -äit:.my‘;;igflL^^^ 
cUt ekilJt u S;Wit'K.pkTqTesque 
lertdVcäp^y tö the ' 

fnoDDtöin^ fTöiy xvhich mithin g dvör 

% D bl n i:{ lij'.'si ipi a i fi e öl 1 ey, -: -On t b o l 

^ möüniain, tdff Bad 

j . 'föifl;; ;,end•L-^Tj;ü:'öri>s 'ätiej -dirae stgtiöns* : 

i Ti \er iöy e?t f S dl It er. la tbe jji aeefü \ 

§ ■ pesi'l s' pr tbk’ 8© va^.ad;.', 

5 >- ith]e wti . of which ihe 

^ minüT thomsdy^s bördared 

g by wöötk öäid iö ö visth etid 

g ihe Chi^;m h^k^, tbe ^Bavari^iiit 

p wiib idylfe /.PfDueri"' 

n örih enetjt kd by niis-t^nq 
g' ■ wt i-H'hiA:, .pLl, ^lk'’.|iti t ""^ fi 0fy; • 

1 !Arith the poinpQUS gatOSi 

S Td\TW öt;'LoDJs U;': 

P xhe i'ö-iry-bke mtfgnk 

; heenee wfudt the cssile of 

||l. ■ ■ ■■V*ctMf3h’'2i Tiitäf-. Iidiind iTv 
ä . 1% Mtk öre -calkd by the 

g : Ureomp^Vridd^ yiVTpl^ At 

»■ w ''^.■.ttc^i+id: KTeyth. ^nd • 

if ' 1 ipsf'.^ bös? fi'U ffer 1^ t g' h om' irHeJit di seasier.Ä 
are '^urtuh h.cj^bn^f' .bubhle v|* 

^ • ■' lu K öKlj>rub, %s bbry (in . 

® ■■ :■ ■ :’,'l'ü’k; ■ and 'K ■■itnody'TbreThöS't ; 

..■■ ■.amonii. ■■fkn ' ^kntoöd 

^ , vyd^^idD'ff-^ pW',^.' TW 'pövv^xr^ 

H o f': ,J,hf. •.■ 'fe. i: n h 4 90 ^ ; 

p ; t -■ <>f ■■■ ■ 

Ropyiny? p^ror^g^.^^ 

Vi}i ^\xnöijcr dtt iht.’; etjy t ihe^ni h 5(x t ^&u 
tib ii£y?'-^ d D$ftb t'i r i ^ 
li ^{*r ivö’ife tm d ; \ he hrin**. i äiRi m. . ‘‘ß.t& tkihit S n^-ix ö 

^ tt'j (d ■ fn 0 ro i h ön f Khi y.^'-sb^, } thi^r o '.; 

b^i^4g;r e^iptkitje . möi:mtrtin! ^ D ' No. konäcr tbai , thotsft: 

s-petyi^ äiRfibh öui’r>r' 
"nd. im>4v hl ^ i^^orSd-f^nowni?'^ 

is ;d> rtvb^r, by ib*;, maje^Üc^ 
.FTKxDtqami'. jfA cEtkareopK 

Aip^I -lUatet^h^rvr^ rjiyaimried in The rai-v^je^ 

J!^p0 !kH;h=jTpuir#r> rfKrs 
f I rö ] h^l y. t ot/n d tbo brV a ri<>y'^ t d. , yvhk tv \ t i eif A \ j>i h ö 

nuii^'siics Uxtti TheiV WiTj-ni rri^ttdly Mde^r.: " TK^pr 
wDod^y nnd Atj:utttr päi=iiitrq--hrtD;ly form fjci effi^ctive 

Tor ÜiD kiydy pkMit«. dme 

Tr:j tin^ iitjiac,r:'Di iv onv ol .vndiünbtig hcnviiy 

Lh rri Iigh t"#JT X Dn i ^ V tJka Dlff h ’ g ^ — T \\^ ä b n.i 




Biit h i vC') i" ht?y J ikIL Tlui m Ln ko 

IVlft i efl'>M y i n prt? d iye r ^ \ fed thdh t f vdes of t s d l- u I Dt: 
.bh i Id ini? ^ T f* ^ hö < >1 1 h gloTkd i is cb m d f r h e ent h <?ticid: 
'’■' jiu Ün.-^er^r, ;h c b^n V Fr at* ^ ? fe •. orip pH • i hYj:-:m e’^t ■ : 

<;bprc.he^ in .CTe'^hvahy dnd bt tptiG'hT 

^.i^rfyUcUy:; sb^ /"Pfatkwyttn^ (Vi^feiwTv'^ towjersL whli ibfe 
l^;b^is^Di^Tadl!^df . öf Hppiijr. üt^' Innd- 

VM fjT !■ Wt ^ 'I b ir i hjt‘ M rT n i \^ bb \ chg r üi br-ea'T ^bo 

iriXbvi\Ti<trm=iin l»;; i lUt' T1i ao tiDt,?r ,C k-^hx\ Ch 
5iS;'jii .f^y.v'' i öÄVVJ>tt, Tb^r lunx ' ö,rr a4?l ■ 

dbtöHiirvi? fr^rTDÄ r(t ibe b^rofjoft, which iS ovch tnon? htrooirly 
repr^i'si^p’fed m di-» Joti.flnneA. Chit'rcb by thj^,- 

bas * bö p S b Bord'b it'.e t. ■ rH‘ all t' ü'pI p i '^/^o r v ' tIrs n vx.\u it 

old^CbrisdaA hJi-sdk’äih. s*.y3ü 'imd Pari.s'^ Chnri^i in 

%i ün-irh^ ■ tbe fette’ ,Cb w K^r, sho wä h ’Cirj tbM •'^bt ktr-t^'r-tu t 

iipön a £ümar#,Sit^bl'f^btidilCÖr 






1911 DEUTSCHLAND 97 


öÄiönr^ 



■fli/o^ 

kiaselff 

^lii 

Inas I 
heatr^ 
’efi: 
in ä* 

> k 
ii% 

tfOQ 

ssi 

DC? 

r.» 

■k 

ii 


(B 

irz 

i 

l& 

c 

sar 

eE> 

tn 

iÖE 

KS: 

B- 

sr. 

lU 

!c: 

; oi: 
ns: 

HD ■ 
!>?' 
)r* 

IV 
stst 
ß^' 
iajr 
hki. 

»Tr 

isi-' 

fe 

CC :2: 

ery 

IS ^ 
>(25 

n^' 

SSli 

by: 
s- 

)b>- 

rbr^: 
7^" ■ 

jer 


pa3' 



-orr^ 

>ix:^ 

xiu' 

.hö: 

3Z^' 
•f ;• 

>2r 

iT- 

e?^ 



precipices of the Unterberg and of the Latten ränge, 
showing themselves here from their rugged side threaten 
the Wanderer all round in Hallthurm, and gradually the 
look of cramping side-scenes recedes until, all at once, 
a picture of wonderful splendour replaces it, revealing the 
Hochkalter, the Watzmann, the ^hohe Gott'' and the "hohes 
Brett'^ armoured in brass, border the prospect to protect 
"Frau Perchtas Garten", a body- 

guard quite unparalleled. The —---- 

wildly disruptured, silver-gray 
gleaming giants of the calcareous 
Alps, above all the pre-eminent 
Watzmann glorified in legend, 
form a delightful contrast to the 
indescribable grace of the flower 
planted high valleys in the 
recesses of which the Berchtes¬ 
gaden lands are housed. The 
most valuable jewel in all this 
Alpine splendour is the emerald 
green Königs Lake with the 
peaceful St. Bartholomew's, bor- 
dered round about by horrible 
rocky precipices, trodden only 
by the bold chamois. 

Another picture is unrolled 
before the delighted eye in the 
domain of the karwendel group. 

A most Superior mountain Com¬ 
munity press around the quiet 
World-forsaken Mittelwald, in 
the most flourishing time of the 
world-wide commerce of Augs¬ 
burg an important warehousing 
place on the old commercial 
highway from Venice via Inns¬ 
bruck to Augsburg. Here the 
entire wildness and demoniacal 
size of the giant calcareous Alps are 


world. The quiet, solitary and dreamy Graswang valley again 
awakens sorrowful memories of Louis II, who in that wood¬ 
land seclusion, retired from the world, erected the hunting- 
lodge Linderhof in the style of Louis XV, overflowing with 
gold, in the interior of royal splendour, with splendid gardens 
and waterworks, the blue grotto, the Moorish kiosk and the 
Hundings cottage. Not far from the old Roman Settlement 


Berchtesgaden : Way to the Marxen Hill with the New Home for Invalies 


revealed. Farther 
westward, the stiff limestone walls of the Wetterstein group 
tower into the region of eternal ice, bordered by woods 
odoriferous with resin and by gleaming Alpine meadows, 
which seen from the valley soften their wild horrors. In 
this valley lie picturesquely scattered Garmish and Parten¬ 
kirchen. Plunged into the frightful precipices of the Zugspitze, 
the queen of German mountains, gleam the Bader lake and the 
anfathomable Eib lake. 

A milder picture is afforded by the adjacent Ober- 
ammergau, embedded picturesquely in a graceful high valley 
Surround^d by mountains. The Oberammergau wood carvings 
and its Passion play performances are known throughout the 


Füssen on the stormy Lech, towers on high the fairy castle 
"Neuschwanstein" the noblest castle of modern times hom 
the steep Tegel rocks. Tannhäuser, Parzifal and Lohengrin 
come to life again in this rieh romanesque edifice. Finally 
must Lindau also be mentioned, that delightful Island town 
in the Swabian Sea, which is in spring resplendent in its fairy 
garment of gleaming blossoms. 

That is the glorious country, so richly gifted by nature 
with lovely charms and majestic beauty that the eye has 
power to appreciate its splendour, but not the mouth to 
describe it. And as with the land so with the people. A bold, 
proud breed of men, wresting with tough vigour Irom nature 
in the lofty mountains the sparing gifts she is able to offer. 


The above desenptions of German bathing places, health-resorts and scenery have 
taken up so much space that it has been Impossible to treat some other important matters, 
such as German Art, Applied Art, German Universities and High Schools etc. within the 
scope of a single edition. These subjects will, therefore, be dealt with in a second foreign 
ediiio'T of the ''Deutschland”. jhe Editor. 


Traffic and Travelling in Germany. 

By Dr. A. v. d. Leyen. 


The American, travelling by one of the great German 
Steamers of the North German Lloyd or of the Hamburg- 
American Line to Germany for the first time and making 
a considerable stay there, is at once striick by a great 
fundamental difference between the treatment of the 
traffic institutions in his native country and in the German 
empire. In America all institutions relating to traffic, 
with the exception of the post, are private undertakings. 
The railways, the telegraphs, the telephones are all the 
property of great joint-stock Companies, and over theire 
administration and Operation (the state exercises quite 
a trifling influence). The post alone is a federal Institution, 
but it forwards exclusively letters and objects similar 
to letters, the forwarding of packets and of parcels of 


greater value being on the other hand effected by private 
contractors. In Germany the great traffic Communications 
are in the hands of the state. The post and telegraph 
institutions belong to the empire, the overwhelming majority 
of the railways to the individual States; only a few private 
lines and the branch lines and Street railways appointed 
for the local traffic of the towns and their suburbs aru 
operated by contractors. The navigation on the inland 
water-ways and on the lakes is in both countries a free 
branch of industry, although in isolated cases siibject to 
taxes. 

The American, with his strongly pronounced indivi- 
dualistic perceptions, looks upon the government traffic 
System with a certain distrust. He considers it illiberal, 







98 DEUTSCHLAND IQH 


stiff, behind the times and with little tendency towards 
improvements or progress in the traffic System. Whoever 
makes a long stay with us here and considers the facts 
dispassionately, 'Will certainly soon convince himself Ihat 
such Views, now-a-days at least, are no longer to be 
justified. But perhaps it may nevertheless be not quite 
superfluous, if we here give our friends across the ocean 
a picture in Condensed form of the present features of 
the traffic System in Germany and, above all, show them 
how We are accustomed now-a-days to do our railway 
travelling in this country. 

Only a few remarks as to the postal and telegraphic 
Communications. The postal rate for the ordinary letter 
over the whole of Germany amounts to 10 pfennige, the 
local rate in the towns and iheir environs to 5 pfennige. The 
despatch of packets and money, especially by post-office 
Orders, and also the telegraph and telephone charges are 
considerably cheaper in Germany than in the United States. 
That all this communication business is administered in a 
perfectly model manner, both for the purposes of the laigest 
merchant as Well as for Ihose of the smallest dient, is 
universally admitted. In the year 1909 there were in the 
German Empire: 405(36 post-offices which in the year 
1908/1909 despatched in round numbers öVs thousand 
millions of letters; packets of vaUie to the amount of 
nearly 21 thousand millions of marks (574 thousand millions 
of dollars); post-office Orders for 12 thousand millions and 
700 million marks (3175000000 dollars). The telegraph 
and telephone lines had a length of 211700 kilometres 
(132310 miles), the length of the wires amounting to 
1550000 kilos (968750 miles), there were telephone 
stations at 33441 places. The network of telephones is 
also widely extended over the level open country. 

The traffic on the water-ways passes along the great 
rivers, the Rhine, the Weser, the Elbe, the Oder, the 
Vistula and in the south also the Danube. Along all 
these streams, which are in parts improved by the govern- 
ment at considerable expense, an active freight traffic 
takes place. Moreover on the Rhine, on single Stretches 
of the Elbe, Oder and Weser as well as on the many 
beautifully situated Inland lakes there prevails a lively 
passenger traffic. This passenger traffic is particularly 
well developed in the communication between the coast 
of Germany and the islands of the North Sea (Heligoland, 
Norderney, Borkum, Sylt etc.) and between the Baltic 
islands (particularly Rügen) with the Continental mainland. 
Steam navigation Companies, large and small, carry on this 
traffic principally in the summer months when the above 
islands are visited by many bathers and by people 
of all kinds needing relaxation and recreation. At all 
the more important traffic junctions in the interior through- 
tickets for rail and boat are issued for the islands, and 
during the holidays special trains at excursion prices 
are run. 

But this traffic sinks into insignificance when com- 
pared with the travelling statistics of the German railways. 
The German railways had on April 1, 1909 an extent of 
surface of 57125 kilometres (35703 miles). Of this extent 
52272 kilometres (32670 miles) were government railways 
or private lines under government administration and 
4263 kilos (2664 miles) were private lines seif administered, 
of which a part has, in the meantime, been absorbed 
into the state possession. To the foregoing must be added 
9275 kilometres (5797 miles) of local or brauch lines and 
3898 kilometres (2436 miles) of Street railways. The 
greatest government railway system is the United Prussian- 
Hessian, which will have a surface extent of 37938 kilo¬ 
metres (23711 miles) on April 1, 1911. The government 
railway system comprises besides these the kingdoms of 
Bavaria, Saxony and Würtemberg, the grand-duchies of 
Baden, Mecklenburg - Schwerin and Oldenburg and the 
Imperial provinces of Alsace and Lorraine, the railroads 
in which are the property of the Empire. The German 
middle and minor States are for the most part traversed 
by the Prussian state-lines. The private Hnes comprise 


only few Systems of importance which lie scattered inside 
the limits of the government lines and are not in a position 
to carry out an independent traffic policy. Considering 
the preponderating extent of the Prussian - Hessian 
system in combinafion with that of the Imperial provinces, 
it lies in the interest of the remaining state railroads to 
keep in dose touch with the Prussian system. Agreements 
have therefore been entered into as to the arrangement 
of the traffic, the common use of freightcars (German 
States-railway freightcar association) and a uniform Organi¬ 
sation of the tariffs for passengers, baggage, living animals 
and freight. We cannot here enter into a description of 
the splendid performances of the German railroads in the 
forwarding of freight. Some Information as to the 
arrangements made on the German railroads for the con- 
veyance of passengers and their baggage will however be 
welcome to the reader of this article. 

These arrangements are uniform for the entire German 
empire. Passengers are conveyedinfourclassesof carriages 
at the prices per head and per kilometre (8 kilos equal 
to 5 Engl, miles) of 7 pfennige in the 1®S 4,5 in the 2“^, 
3 pfg. in the 3^"^ and 2 pf j. in the 4^'^ (which dass is 
called in Bavaria and Baden 3^). To these prices must 
be added for the three highest classes the tax on railway- 
tickets imposed by the empire. For the use of express 
trains fixed extra taxes amounting to, at most, one mark 
for the third dass and two marks for the first and second 
classes have to be paid. Most of the passenger trains 
consist only of Waggons for the 2°«^, 3‘‘^ and 4^^ dass, 
the quick and express trains sometimes of those for 1®*^, 
2“*^ and 3**^^ and sometimes only for 1®^ and 2"^ classes. 
Express-trains consisting only of 1®^ and 2*^‘i dass carriages 
are however only few in number. The international 
saloon-trains (L Luxus trains), belonging to the Inter¬ 
national Sleeping-car Company of Brussels and Paris, 
which run also over the German lines, consist only of 
1®‘ dass. A special additional price has to be paid for the 
use of them. The 1®^ and 2^^ dass carriages have cushioned 
seats, the 3^"^ dass wooden benches, while the 4^^ dass 
carriages have benches for a part of the travellers only 
and for the rest standing-rooms. This method of Classi¬ 
fication is frequently somewhat surprising for an American. 
It has been developed in Germany and most other European 
countries in conformity with the requirements of the traffic 
and the social customs of the people. Only through a 
Classification of that kind has it been rendered possible 
to convey the less well-to-do masses of the population 
and especially the workmen at such cheap prices as those 
existing for the 4^^^ dass. A uniform price of this dass 
of 2 Pfennige per kilometre corresponds with a uniform 
price of 0.78 cts. per person and mile. Even the half of 
this price only, that is 0.39 cts. is charged for the regulär 
workmen’s traffic between their homes and their places 
of Work. In the United States of America on the other 
hand the average price per mile and person amounts 
to about 2 cts. It is wellknown what an Opposition some 
of the railroads there have made to charging this rate 
as the minimum price for the ordinary traffic. 

The institution of one uniform class would be im- 
possible with us here, if only for the reason that, in that 
case very extensive circles of the population would have 
to renounce travelling by railway altogether. Moreover, 
there exists in the United States also, in addition to the 
regulär, a more expensive class for the great through- 
trains and on several lines a cheaper class also, which 
however, as far as is known, is only instituted for 
immigrants. 

Most of the German carriages of the three higher classes 
are made with separate compartments. In the express 
trains however the carriages are principally through- 
carriages (D trains Vestibüle-trains), combining the 
comfort of a separate compartment with the possibility of 
free movement in the carriage and in the train. In 
Germany more and more value is always being attached to 
the improvement of these carriages. They are generally 




IQH DEUTSCHLAND Q9 


constructed with four axles, are fitted.up with clean and connection with one another With as little delay as 

convenient lavatories and retiring-rooms (separate for possible. Thus there are express trains which bind together 

women and men), sometimes lighted by incandescent lamps, all the capitals of Europe, for example Berlin—Vienna, 

partly by electricity, and most excellently heated in the Berlin—Paris, Berlin—Rome, Berlin—London, Berlin- 

Winter months. The D or vestibule-trains contain dining- St. Petersburg, Paris—Berlin—St. Petersburg, Hamburg — 

cars, in which the passengers can eat and drink well at Basle —Genoa, Paris —Strasburg —Stuttgart —Munich — 

moderate prices; in the more important night-trains Vienna—Constantinople etc. A number of quick—tra- 

sleeping-cars are run which are now as a rule built with six velling trains run also between Berlin and Hamburg, Kiel, 

axles. It can hardly be doubted that now-a-days the Bremen, Cologne, Frankfort, Strasburg, Munich, Dresden, 

German sleeping-car arrangements deserve the preference Breslau, Königsberg etc. Recently several trains were 

over the American. But the effort to render the stay also put on to travel the longer sections without any 

in the train as agreeable as possible and constantly to stop, ln addition, for some years the local traffic has 

improve the carriages is not limited to the two highest been carried on by the introduction of so-called driving 
classes of carriages. ln the construction and in the carriages, perhaps better named “pendulum carriages“ 

equipment of the and 4^^ dass carriages material im- for they are not propelled by steam but by benzine or 

provements have also been made, which — by the way — something similar and oscillate constantly between their 

have resulted in a large proportion of even the well-to- one stopping place and the other. The time-tables are 

do people travelling willingly by the 5^^ dass and eVen further so arranged that good railroad Communications 

by the 4^^ dass, for short journeys at least. also exist for the medium sized and smaller provincial towns 

Special payment is made for the conveyance of lying at some distance from the great highways; they 

passengers’ baggage on the German lines. For baggage are not, as is more or less the case in the United States, 

carried up to the weightof 50 pounds the Charge isatrifling based alone upon the traffic of the great Capital cities 

one (the highest amount for the whole empire being with one another. All these arrangements have aided to 

1 mark 1 quarter). Moreover the German carriages promote the development of a very active passenger traffic. 
are so arranged that the traveller can take much more The report recently laid before the Prussian Chambers as to 

hand-baggage with him than is possible in the American the working results of the year 1909 (April 1, 1909 to 

carriages and the railway is also responsible for all injury March 31, 1910) contains statistics worthy of attention, 

incurred by the passenger through the loss, damage or some of which may well find a place here. There were 

delayed delivery of his luggage. conveyed on the Prussian-Hessian government lines in the 

I am far from wishing to disparage the American year 1909 1039657611 passengers who travelled over 

traffic arrangements. They certainly also have their more than 24 thousand millions passenger-kilometres and 

advantages, especially in being adapted to the customs of (inclusive of their luggage) brought in receipts of more 

the country, but in America so many people — even than 580 millions of marks (145 million dollars). This 

those who have been in Europe — shrug their shoulders traffic was divided between the individual classes of 

over our travelling arrangements that it appears at any carriages in round numbers as follows: 

rate reasonable, just in this place, for once to insist upon Passengers Passenger-Kllometres Receipts in Marks 

the merits of our German institutions. 1®^ dass 1.6 millions 214 millions 16 millions 

For the traveller it is not only a question of being 2“"* „ 99 „ 2645 „ 104 „ 

conveyed comfortably and at a moderate price, but also 3'’^* „ 456 „ 9380 „ 230 „ 

of how often and how quickly he can get from one 4“' ,, 470 „ 10793 „ 197 „ 

place to another, that is to say how the time-table is It Will be seen what an important part the traffic in 

made up. In Germany for the passenger traffic a dis- the 3'’<^ and 4^^ classes plays in contrast with that in the 

tinction is made between the ordinary or stopping-trains two higher classes. The conditions of traffic on the 

(principally serving for the traffic to small and medium other German railroads are exactly similar to those in 

sized places), the quick trains and the express trains. For Prussia. 

business men and for travellers on pleasure the quick But let that suffice for details. ln this article it 

trains and the express trains are the most important and was only a question of setting clearly before the readers 

of these there is no scarcity. The time-tables, especially of this American number a few characteristic features of 

those for the great Mid-European traffic, are deliberated the travelling life in the German empire. If with us 

upon at a Mid-European Time-table Conference which is much is different from what prevails in the great American 

convened once in every year. At every one of these Republic, the Americans will nevertheless, we hope, be 

Conferences some improvements are introduced. Particular able to convince themselves that our governments also 

value is attached to having the time-tables of the through- have taken in hand the fostering care of the traffic and 

trains fitt one into another, so that the trains find travelling with success. 


North German 

From the earliest times the Hansa towns have 
been distinguished in all their undertakings by the 
steadily persistent pursuit of their object which even 
then occasioned an extraordinary advance in trade and 
traffic. The over-sea traffic with the United States 
of America Was first opened up by a Hansa town, by 
Bremen. Very soon after the Declaration of Independence 
by the United States, in the year 1776 when the attention 
of the whole of Europe was suddenly drawn to the young 
nation developing itself so freely and powerfully in the 
New World, there commenced a lively intercourse be¬ 
tween the Hansa towns and the United States, which 
steadily increased, the more the use of steam in navigation 
w s btcome prevalent. 


Lloyd;. Bremen. 

So long as the over-sea traffic was exclusively carried 
on by sailing vessels it remained within comparativeiy 
modest limits, at least according to our modern ideas. 
When however, in the course of the nineteenth Century, 
the competition of the constantly increasing steam-navi- 
gation became too powerful for the sailing ships, the traffic 
gained astonishingly in extent and in importance. Just 
as in the middle ages individual merchants sent out their 
vessels to distant countries until they finally all joined 
the great Hansa Union for the promotion of their general 
economic Interests, so at first, Hanseatic merchants from 
Bremen and Hamburg undertook the steam traffic With 
distant lands, until in that direction also the concentration 
set in which, about the middle of the last Century found 




ite most irciportant expression iß' the forrnatiö»'ot 
great Qfttfnap stesni'Ravigation coinpaßteSv 
. : iXlit; N at Er;emeri; is m-;. 

detitejxfpr ;it$, r!i^;;ta ;petaöps^ :l»j 

wiiöfli, fro^.. th^ cnfiitPencefttftiit of live bui* 

Ines« Was pntrusled *“ Cri44?5^!Jnaaa and 
the Jaiter ef-whöm,' With öf. thfee-sfnail 

shvpjping firntS ön the .W#^ änd pne; inSütance fco^patij!, 
taid the föuodptidps 'öf ttie present iVorUI rtMOWned trade- 
of (he .North Ositnan \ 

At ■■ tifat time tt tö.{|>e toreSeeh ^ tS ; what 

a cpnimere'iöl giaiii tbe pfeW ufidertätvtng Wönld dev;elöp 
irt a -sliöfi: ypi*-. At preseftt höwexjei'vihe who beholdf 
the tnagfiificßiit LSoyd döcUs at Bremer.halfen, the enorm*: 
Olts Llöyd: btiilding; tn Bremen. Whlth , ferins: llie central 
poiitt oJ the great whoie, from Wtdcb Hie wide rarm*: 
fttatiöns of tlireads ^ spreäij throügfe' ihy entire. Worid, 
niay get an tdea of the magnitöde. df cpinpany. 

flto fhrycl malntain the': foltow Hnes tu the 
United, Sffitfc.: BreiTiAre iö Ne'w Ydr-k,. B.femeii 
H . PliJ'i.'a.<lriphia, ■ tP Ballimofe and. 

firemerii.fo' 'CiaNf:s,toti, -ol 'which )he Ui3e.s;gchng 
diraci Iß .f^ew York are th^ mpsf .nnpöftap^ tirtd cpnse' 
qöehtiy fmvkt the tiuickesf and .stdanter^ ^ 
itf Ihptn h\' the i,.i.ovd cpidpanvc. aS: ifdr ckami5ta..'i^t^ 


“ivfötliprinzess-in Cect]:ie'^‘, and “Kaiser Wti- 
helm li*\ “Kronprinz ; Wilhelm“ ai!d“Kaiser 
W i 1 h# im afefsG cosie“., all of whici) csn tnake. the 
pdssöge früra thd old tö ihfe. fliew wpr In shgut äV« dags. 

hl tti& modern ifttdth#lpnm:intijrcourae fti wWchr more 
tJia« eeer, thh expressionI b vogue,. 
the "üceaii greyhdäJKis“ httve become the möst im- 
poitahti 'Wd e»eo «ay> t.he rapst indi^ensabte iheatts 
of cemiSntnicatiöB and havifi Ihfe same significahce at ee». 
as the e^pressdi'aiBs haYe; OB iafti}, fög the regularitg of 
theif;: passages,;, «s weil, as thrbugh' the; cornfbri. and 
sefety of their arratigements, they offer ad^sfitagH tuhicb 
:c9n be; those who Knöw-thfe’thglily 

:dßi^e)opeei.;resp'ress-ateamer traffic öi fhe’häfirlh^erBiaa 
Uoyd froiiH thetr bwn ffxperienEe, Wühm tbree .weehs 
Wß; esiivftOW wilir i^sefänd cciiiifort undertake a löiirnfey 
:fröm Earopö. to Ife States ar Oicp: itäfsäi' 

Tiit exprt’sä ktpamfirs es well, as the tWiiV'ScreW mail 
sieanitTS such'ais.t'hö!''‘'Cjeorgö Washfjigtrm“ and the “Prinx 
Hrtedrs.cfi Wiillejiy‘';?ctty ar:e provided . with e'dery' modern 
'technica! appiianee:apd;'w^^ aE the liiiest iiitvprovemenfs. 
'1';:be'.thjjmgtv.b.n. th.eSfe^magpifiU‘kt': Vessejs^.^^'^^ their at-? 
tractive intertihtfotiai. social life, ..their ctihGerts and hallS;: 
is a journey*öf relasation a'nd recreaticm in iYvhich We 
are not depriVed bf ahy coneenience to which we are' 




Nt'tv uf ih^' Ntifif*ü-ßermftn nl. Brennen 

; (PttH -ir 


fVfiin s V c t j ot».' riJ Bvt' l ^ i t ^ L l4> yf4 ^ iy; 

'W ■’^ ^ ^ ta’' 


,ü'i nf?r 
























DEUTSCHLAND 


101 


accustomed on land. The cooking is equal to that in a 
first-class hotel and well-trained Stewards and stewardesses 
do their best to anticipate every wish of the passengers. 
Düring the entire passage the telegraph brings on board 
the most important occurrences in all the World and the 
passengers are made acquainted with them by an “Ocean 
Gazette“ appearing every day. The most diversified 
amusement is provided in the cosy smoking-rooms, the 
elegant Vienna cafes, the gymnastic rooms, the ship’s 
library etc. 

The number of travellers for pleasure conveyed by 
the North German Lloyd from America to the old World 
increases every year. Express trains give good Service 
from Bremen to Berlin, to the Hartz mountains, to 
the Rhine etc., so that the opportunity is offered to the 
traveller of making acquaintance with the most beautiful 
parts of Germany in the shortest possible time. The 
following circular tour may also be taken by the American 
traveller, if he avails himself of the line New York to 
Bremen for the journey to Europe and of the line 
Genoa to New York for the return passage: From New 
York with express or m:iil-steamer to Bremen, thence via 
Manöver, Frankfort, Munich or through Switzerland to 
Upper Italy and with one of the large Lloyd steamers 
of the line Genoa to New York (the so-called Mediter- 
ranean line) via Naples, Palermo and Gibraltar back to 
America, or of course the reverse journey can be made. 
How extremely populär travelling on the steamers of 
the North German Lloyd has become is evidenced 
by the con^^antly increasing number of passengers. In 


the year 1910 the sea-going vessels of the North 
German Lloyd carried a total of 562 608 passengers, 
by far the greater part of whom travelled on the North 
American Lines. 

On all the steamers of the North German Lloyd 
we are at once Struck by the manner in which every- 
where the beautiful Stands in harmony with the practical. 
A gradual development extending over many years has 
been necessary for the formation of these magnificent 
palaces of the modern twin-screw steamer out of the simple, 
primitive liners. Progressing from step to step, watch- 
fully availing itself of every novelty, the Lloyd made 
every resource of modern technique its own, satisfied 
every Claim of modern life. It took over no ready-made 
culture, but rather produced one for itself by restless 
striving after progress. Therefore in the Lloyd operations 
there is always something sterling, something certain, 
the character of one which has proved itself. 

As the Hansa did in the middle ages, the Lloyd 
now in our days discharges a great educational task. 
In addition to the travellers for pleasure, its vessels 
convey every year thousands of disseminators of cultivation 
into distantlands, colonists,missionaries,merchants, learned 
men who open up stränge countries to civilisation and to 
traffic with the great World outside them. The oceans, 
which formerly separated different countries and rendered 
difficult the intercourse of the World, have now-a-days 
become great highways connecting the lands one with 
another and the proud steamships cross them, carrying 
men and goods into every corner of the earth. 



:: nexi to E. Schulte's Picture-Oallery corner of U. d. Linden :: 

Rooms with 1 Bed 3 Mark and with Bath &c, 7 Mark 


Hotel (HliltelioiBe 


Berlin, 


Krausenstraße 1, 
Mauerstraße 6 —7 
most central get quiete position 
Every Comfort — Moderate 
charges — Patronised by 
english and american Society. 












102 DEUTSCHLAND 11 


1911 



Germany at Sea 


At ^vhat size of vessel will the modern Science of 
ship-building ever make a halt? We have often thought» 
we had gone so far; but a few years have always shown 
again that still langer vessels could be built in the place 
cf the langest and they were built. For a mighty impulse 
Stands behind the 
great modern 
shipowning Com¬ 
panies to which 
the shipbuilders 
owe their Orders; 
namely, the ren- 
tability of the 
giant Steamers to 
the navigation 
Companies and 
thecharms of the 
same Steamers to 
the passengers, 
for the langer the 
vessels employ- 
ed on any par- 
ticular line of 
route so much 
the more eco- 
nomical becomes 
the working in 
Proportion and 


so much the more splendid can the interior arrangements 
for the passengers be made. 

The great German shipping Companies and the German 
shipbuilders have for some decades stood in the foremost 
rank with respect to the creation of the finest and fastest 

steam vessels in 
the World. Ships 
likethe Deutsch¬ 
land, the Kaiserin 
AugusteVictoria, 
Amerika, Cleve¬ 
land and Cincin¬ 
nati, Kaiser Wil¬ 
helm II,Kronprin¬ 
zessin Cecilie, 
Kaiser Wilhelm 
der Grosse, and 
however all the 
rest of the lead- 
ing giants of 
the Hamburg- 
American and the 
North German 
Lloyd lines may 
be named, give 
ample proof of 
this. But neither 
engineers nor 


Corner of the Ladies' Saloon in the first Cabin of the Giant Steamer 



Hotel Rose 


First dass. <♦ First Class. 

Kochbrunnen Badhaus. 



The Hotel Rose haz partial central of the principal Spring—the "Kochbrunneii”, 

:: the water of which is supplied direct into the Hotel. :: 

Magnificent New Construction in select and healthy position, facing the Kochbrunnen 
Gardens and close to the Kurhaus and the Royal Theatres. ===^= 

200 Salons and Bed Rooms 

:: Completely Refurnished :: 

— 60 Bath Rooms - 

Apartments and Single Bed Rooms with "Kochbrunnen” or fresh Water Baths. Lavabos 
= with hot and cold water in the Bed Rooms. Up to Date Sanitary arrangements. = 

:: Rooms with one Bed from Mk. 4, two Beds from Mk. 8, Pension froin Mk. II. 

Large Bathing Establishment 

ln the Hotel: Kochbrunnen Baths, high pressure Douches. Carbonic Acid., Electric, 
^ ■ — Mud, and alternating current Baths. - — 

Magnificent Public Rooms. Two Concerts Daily. Garage. 

Special arrangements. Open all the year. Prospectus on application. 

Golf Links. H. Haeffner, Prbprietor. 



























, wBrt »n row 


1911 DEUTSCHLAND 103 



? The Giant Steamer (50000 tons) ot the Hamburg-America Line now building, shown in comparison with 

r the Rhinefall at Schaffhausen. 


I 

I 

I 

l 

\ 

I 

l 

l 

l 

l 

l 

l 


i 

I 

I 


AMSLERäRUTMARDT 

KCL MOFKUNSrnANDLER. 

BERUNW-8- ^ 

9A^ 



ART ANTIQUITIES. 
DÜRER, REMBRANDT 
OSTADE, VAN DYCK 
EDELINCK, DREVET 
NANTEUIL, MASSON 
MODERN 6RAPHIC 
:: PHOTOGRAPHS ;: 
FROMALLMUSEUMS 
VIEWS OF ALLi^ 
COUNTRIES. M 




f)0M-H0TEL Berlin NW 

Newly erected. Mittelstrasse 7—H Newly erected. 
In the centre of the town. ln dose proximity to the Royal 
Castles, the Cathedral, Tnter den Linden and Central Kailway- 
Station, Frie<lrichstrasse. Fitted iip with every comfort of 
modern times. Electric light. Central heating. Baths. Lilt. 
Kooms from M. 2,50. Proprietor: Richard Schade. 



TlieKilsertiol,bnpsic 

Rooms with running water — Apartments with bath. 

— - Auto-Garage. - - .. -: 

Proprietor, R. Börner, Royal court purveyor. 


□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 
□ □ 


Hotel Fürstenliof 


□ 


□ 

□ □ 

□ Wiesbaden, Sonnenbergstrasse. B 

□ □ 

^ Finest Position, opposite Park and Kur-hoiise. üp-to- ^ 

□ date comtorts. Excellent Cuisine Thermal Caths on □ 

□ overy Floor Moderate Tarif! James Frei, Prop. □ 

□ □ 










































































104 de UT S G HLAND is>;s-^^s;3^^^=ä^eee8e8e^ee8gi 


shipi?iifg haVt‘ fei arn^wä the bomidary. The 

^il Um h liT g -Ä cTif r i ca n L> fi e Ii 3 s rece nt1y ot derL^i sbip 
frorn H^if^bürg vvhfClvwrU ht; 

very coösid<?rsbty länger tMfi älj[ tJie äbdVt^-naniecl ste^niL^f^ 
aqd Ulan airb^tbefto^^ m^Ure^ iong; 

high hom keel U> 

th« be the tümensien^ of i\m nesw floi^Ung 

giaptr Äfcä haVt; a gross tonna^e of 50C®) regtsrer 
iom ääit three times tim tonnpge of tbs P«ut^cb- 

land:SiiiJÄüMi£:that of the Kfilserih Auguste Victoria. Ewen 
tliC MiUifetania mcäisMrjf^ö 

to'li.s, ;■ 

VtT^sei, .t)f ^^^kich öt pr<^ 5 Pnt r>ijti y J tm 
do^JibteU?^ whlth ii man caa co^^Vepm^lUy 

st ^ n d i* I f n gMv b bi^en c6j ji]d e i eük vi? i i I cp ni pfHe e;! ey c^ri i r i es 
(.vkfl'oörÄ aodv besldps Bn;cäfcnTi :’give. •öycom,- 
. mmtaUcürt |o-:perkotisdntife>äiR5^'crtH\?:. ■■■■Tff'»^ rräthe^ 
betwc.efj tlui fijäny Wlil he cafned on by meäife 

pf ttiree ^iftaircase^ m -afldiUoii Ip ^Jinwd passek|er4b'i&i 
apd t he f arg es t of• ’ t h ro't ;. ii; ■' p *^ ■ • '■ ^ ■'. i rj - 

of a castle by Tts hre^dth iYppeamfite:. Oh 
■ppe u pper . deck-, • t he - -:snc!,al >.pr^di Ol' ■. b.i. I^he 


c^bln w?jlj Ite adjäcetit to one anoiher rn 

aOisiTiglij^ ^ metres in lem^tli; accprdmg to the 

pre?ebi .plans they Will toniprise a ladles' röOfp, 

a i^mOkjbg^^.oon, a Rit^^’Carttoti restaufarit ahd a com- 
särVMpYy or Mnfer'gafdeh, the: itt?p in 

äireci cOfrmibmcRbpni and 4 hät^ or vesfibuie Which ihpoi^^ 
HeigM ahows an assemhjy room such^ never 

heen -^een.. before. On the tnain proinennde d^ck little 
ärboÜFs fpr ten pr coffee-drinking wdi he erected and 
he Fouind ob the tie^ shii> tör ia sWimmib^- 
%^tri ■ yj^th bygJenic b j UiSv fooms: fdr massige äti d a 
fah ipr mna st ic pu rpo$e^v li is :scarhet f tiecessa ry 

li? add Ural the paS'^onger cäbjh$ ^ o dasses, 

-fif cobrsfe :tbe’'saroofU.t.ah m -.the 

togdk^t'brst cabin^. witf pröfit hy the erifarged spaCe 
’t^v.. jiie-'.sbJpi-. ■•■■: ■.'■ ;.-.^.-.:--.- 

repres^ht b enrner of tbe ladies^draWmg- 
rooisn in the first uabin and s \/iVW contrasting the sfiip 
with tiie Rhine at ScliaffTiadS^ v^^hoe^er has 

5l oofi thöri d n the hord of t he b road. stre^m of the. Hhiipe, 

Avili: he iible to p'ictitre to bimStOk the mefr^ 
tonglb of t hH ; ähip mdly ^ 


The Channel and other Services between England 

and the Continent, 


Thf* c0mTn]afii4UT.tioi>> wlth nd/&■ iis. Ofj-r>3fiiiiiiy' 

\s voricemed, rsrr b_v i l*j:iU .tJj^ree-: Üueii.-‘ the’ ■ io’rft■ 
norUrt-ni whf^h iS ^i^bYnAdch-^irni:^ 

of HoiHnd, the ^ouUmrn rons Ortende, Urpu'i; 

and iiet^vv-'cir theise. twc’ is Xb^ 

(%re.efjb;qmugh ihses Hre-ak'-'k^tigArk 

tbmf tiviit:. .Wjddk .KiiRS- m, ßü gh>t^d:- 

:Äfp ydiitmehf .ktTÄ :oidde r 

;'.d{;.;iryhig fö •.o.btrdft,-.t;he- :mo?iopofy i>trdh^»' traßic-'betWG^.kn 
•Edgfdnd iuid th SAyd^erTiiibT' itf hy'ky'■ 
of tite SimpfeO'Tuhr>td itvoidipg ternnvry. 


A.s; . H..ii'r'w5y’ h .ft-ßd- i ii^ -ft’ö-pk 

p.f '.ffü i.!;^ od.i.Ä.-. uf.-;UYO- ■di;y.idSi..;Of - ibe "Q rea t;-'E’a-^'l%y Ti 
■■■U' H 'possible' tö' mi^ke - the: larMi. im’d.vi^.ea 
i.ovu-.dt^y;i an^^tk^r Wi 'i^'.niost.copvetutfbt munktit'. 

TbH ;’H ■ beHÜ; Ah' .s'ylo pi^?-kt- ' öf-: t fic • btn d tfic 

ip. kv .of :indns. the coritin^nt, 

lOo i iM, Fafid',-: aiitü:. ^erVicb ■■ k^b^e ■•.keen:.. ni:vde to- fi i:' well 

A^ä^U . ö.fh^r,;.o.vvi!Vg ■■ the.. bus^bes^i-ike;. mafuigeni ent 
Ffom the May thh serVjce 
vs/vii iiccek-nited by 5 bpar^ on the miiie to 

Berliif mid H Lökdotj, The iriiVeUer from 


l 2 iiiiie ici^niovnlH liy ”|jifi vaiis*^ 

Are you f^^ohig’ to reniöv^ your Houseböld üoods? 

!'■ KS SK'.r;iEü^ iitiiej' [i-iLi.l[r-tiiar?;. i'l rin*; i?, i-'nirl^ f’hu Tuwn .t■^^ tti'F N', S, A-H-ttf * pjo-Rn 

^-lO' P^irks'nl D 11 ^'i rTi.>^t‘y .^i.t r[',!^r[’H,. luD^.'J-;■ jLi'i' ii itb^riiied'oTuI M'hiis{V>n^d Dtüfrs bflföra 

rfVf'Jri'.t'-. *ivi.:n'j to Kiir^ii'p^rT;, - '\1 .Kitt 'viiH \\<r dfft Wt'- '^lU J^elj. 

■-! V ;r jt.Tr>G<^>1E1 M'iih "Ell'i V;i’-iH;'' 'Vhif (ljG i;Vr'' Hc v. sy.’i.y fä^r' ^fr ’j»’ rparni)iii^■ 4tl|- 

Ivf'- 1i.^--.dttf.(i. i-.iii ('*JtrnGi^ Vjf ji'.v TVVE;r.fiVt> '.iifi j' i*'- l'irtiHi ün •i^i- Jf-Lru^rt H-Kfi 

AY<'> rniifijj ■itij.fiit*' tvitI m^h< l!l^itillll^l^lH4^^E i.K^ tti' tne Vitjjii . Kf> 

tU.it!.;.V!rjj if!S l)fü.|iij^i( lt> Tbv dfj>.>^- ü:B^!iuir.l.\t^.'ru.J.JiT- x.ft . 

AVrit^ fqr iiiiistp^ted ösitatö^l^ö. 

jrf^^^irifiiiMi,|.,|n ^ y.'' tesUmoniais'and 


By speelal ^ippointtrii^nt 
to Hts Majesty the C&rmao Emperpr. 










DEUTSCHLAND m 


@ 105 


lliC latter city leaving Liverpool Street Station at 8,3"^ 
in the evening will be in Berlin by 5 20 P. M. instead of 
0,51, as hilherto, and in Hamburg, by 2,47 P. M instead 
of 5,04. ln this manner the joiirney lo Berlin is shortcned 
by 172 hours and to Hamburg even by 2^U hours. As 
was formerly the case to Berlin, there will also be direct 
carriages through to H imburg. This acceleration is with- 
out aiiy effect upon the time of departure from London, 
and the traveller is, therefore, able to enjoy a full night’s 
rest as hitherto. The time gained is made up in Holland 
and Prussia. It has also been decided to shorten the 
route to Leipsic, Dresden etc. by 2 hours at a later date 
The consideration taken by the management for the 
night’s rest of passengers on the steamers has prevented 
them from shortening the sea journey which would easily 
be possible by means of the neW turbine boats. L, 
however, at a later date it be found desirable to ex- 
pedite the departure and consequently to accelerate the 
Steamer Service, this matter will be treated with careful 
consideration. 

The Steamship Company Zeeland wiiich pro- 
vides the Service hetween Flushing and Queen¬ 
bor ough, also has fine new twinscrew steamers and 


has shorten ed the route by changing the English port of 
departure for its night Service to Folkestone. ln this 
manner, the journey from London to Hamburg and Berlin 
will be shortened by 2 V 2 and 2 hours respectively, and 
t::e Connection with the South of Germany by about 
17< hours. It is also possible to reach Salzburg and 
Trieste about 2 hours earlier by means of the direct 
carriages running on this route. The traveller to Thüringen 
via Cassel also saves a considerable amount of time 
It is natural that the Dutch Government should have a 
large interest in this route which is to be seen from the 
agreements entered into With the Company in question 
for the expedition of the niails. It was these agreements 
which led to the building of the new steamships. Not 
only the Dutch but also the international post is conveyed 
by this Company, as for example the North and South 
German, the Austrian and Hungarian and Russian and 
Scandinavian. This has been the case for 30 years now 
and it Will be interesting to note that the Emperor 
William always uses Flushing as the point of departure 
on his journeys to England. There are three steamers 
each for both the day and night Service and three more 
in reserve. For the safety and comfort of the passengers 


JlförtA öea ißaths Westerland 


and Wenningstedt en the Island 



äglt. 

000000000000 ^ 000^0 

Finest dash of the waves 
on the whole west coast. 


NEWLY ERECTED WARM-BATHING-HOUSE with inhalatorium. Warm baths 
with iresh and sea-water, carbonic acid baths with every medical addition. — 
Vapour baths. — Massage. — Open all the year round. :: 

Puiest sea-climate. — Splendid bathing beach. -- Family bathing. — Separate 
baths for ladies and gentlemen. — Water-supply. — Main Drainage. — Electric 
light. — Tours on the island on foot, by carriage or by rail. — Magnificent down 
landscapes. — Seal hunting. — Shooting. - Reunions. — Lawn-Tennis. — Kur 
:: concerts. — Solo-artist concerts. — Theatre. — Museum. :: 

JOURNEY BY LAND; From Hamburg through Sclüeswig-Holstein to Hoyer- 
schleuse, from there an hour and a half’s trip across the quiet Watten sea or flats 
by the saloon-steamers of the Sylt Steam Navigation Co. BY SEA: From Hamburg 
via Heligoland to Sylt bv the fine saloon-steamers of the Hamburg-America line 
or from BRE:\IEN (BREMERHAVEN) and also from WILHELMSHAVEN via 
:: Heligoland by the saloon-steamers of the North German Lloyds. :: 

Illustrated and detailed prospectus to be had gratis from the Prospectus department 
:: of the Association of German North Sea Baths or from the :: 


Bürgermeisteramt Westerland-Sylt. 






leading and most populär 
periodical for the pro- 
motion of the interests of 
German health resorts, 
towns and railways :: :: 
15 numbers annually, 
richly and artistically 
illustrated :: :: :: :: 


The Office of the‘•Deutsch¬ 
land“, Düsseldorf, Post¬ 
fach 444, gives, free of 
Charge, any informatioii 
i*eqaired and distributes 
jU'ospectuses of the Ger¬ 
man health lesorts and 
watering plnces. 

<>♦♦♦♦♦♦♦<►♦♦♦♦♦♦♦ 


















DEUTSCHLAND IQll 


wireless telegraphy and submerged Signal bells have been 
fitted on all the boats since 19^6. 

The route Ostende-Dover is served by the mail 
Steamers of the Belgian State Railways. Whereas 
the most nonhern line runs one steamer daily and the 
Southern two, this route is served by three boats daily 
in both directions and has the further advantage that the 
Crossing only takes three hours. It is of course not 
possible to keep Within this time as exactly as a railway 
train, but te introduction of turbine steamers of high 
speed makes this niore possible than hitherto. Düring 
last year (the year of the Brussels Exhibition) two new 
turbine boats, the Jan Breydel and Pieter de Konink 
were put into Service having the effect of very 
materially increasing the number of passengers sailing by 
this line. As all the Belgian mail steamers are fitted 
with the Marconi System of wireless telegraphy, the 


traveller is able, if he desires, to communicate with both 
coasts. This line of steamers is connected with important 
international trains in Ostende. Among these we would 
mention the two trains de luxe, the North Express and 
the Express Ostend-Vienna, both of which run via Cologne- 
This excellent communication oWes not a little to the 
fact that the International Sleeping Car Company has its 
home in Belgium (Liege). This Company arranges the 
Service of the fast saloon trains Which are so populär 
and it is due to the fact that it is a Belgian Company 
that there are many local trains which run beautiful saloon 
carriages. Another populär train is the corridor Express 
Ostend-Munich which has recently been accelerated, as 
well as the Ostend-Bale Express. The connection be- 
tween Ostend and the Rhine Will also be considerably 
shortened as soon as the long proposed plan of construct- 
ing a new line from Aachen to LouVain is carried into effect. 


The German Societies for the Promotion of International Intercourse 

and their Union. 


In the last few decades a powerful movement has set in 
in Germany in favour of the promotion of international 
intercourse. In all the cities, eure resorts and Watering 
places visited by foreigners, societies have been forined, 
under the names of Verkehrs-V<^reine, Verschönerungs¬ 
vereine etc, with the object of making the stay of the 
strangor in the particular place as agreeable as possible 
andof furnishing him freeofeost with unbiassed inforination 
and advice. ln the larger towns these societies keep 
open special Offices and in other places persons appointed 
by the Society impart all Information reqnired. Usually 
however, sufficient directions can be obtained on arrival 


at the railway Station. — These Verkehrs-Vereine have 
furthermore formed themselves into confederations for 
larger districts and finally united themselves closely into the 
— to a certain extent — mutual and all-comprehensive 
Union of German Societies for the Promotion of Inter¬ 
national Intercourse (Bund deutscher Verkehrs-Vereine). 
This Union is appointed above all to promote 
intercourse with foreign countries. It has its seat 
in Leipsic (Naschmarkt, Handelshof) and furnishes gratis 
prospectuses, guides and other printed matter besides 
imparting free of cost every sort of inforination as to 
German traffic and travelling. 



m Royal m 

eMs 

GERMANY 


WORLD RENOWNED SPA 

for the Cure of all Throat Troubles, Catarrhs of the 
Respiratory and Digestive Organs, of the Abdominal 
Organs. Rheumatism, Gout, Asthma and the Consc- 
quences of Influenza. 

Also a delightful Resort for Repose. Unique location on 
the river Lahn, walled in by steep densely wooded hills. 

A Paradise for nervous and overworked people. 

All kinds of sport, Boating, Fishing, Tennis. 

Grand Concerts, etc. 

Season May l^t to October ist* 

Ems Mineral Water, Pastilles and Salt are known 
the World over. 


Route via Cologne—Frankfort. 


For illustrated Booklets apply to the Kurkommission, Bad Ems. 
















1Q11 M 


|ü| DEUTSCHLAND 107 


Special Arrangements in Germany for 1911 


Festive Perfonr.ances at Wiesbaden. 

In the Wiesbaden Court Theatre from May tili 
in the presence of the German Emperor, various select per- 
formances will be held, of which we g^ive below the program: 
May 10**»: ^The White Lady“, comic opera by Boieldieu 
(Georg-e Brown: Kammersänger Hermann Jadlowker). May 11**»: 
“Der Eisenzahn“ (The Iron Tooth), historic drama by Josef 
Lauff. May 12**»: "Masaniello", opera by Auber (Kammer¬ 
sängerin Frieda Hempel in the role of Elvira, Hermann 
Jadlowker as Masaniello). May 13**»: “Oberon“, romantic 
opera by Carl Maria von Weber, in the well-known Wiesbaden 
scenic effects. 

Cologne Festival Plays in June 1911. 

The Cologne Festival Plays Society has, for a number of years, 
arranged various special performances of bolh old and modern 
operas and musical plays in the New Cologne Opera House 
with quite extraordinary success. The plays up to the pre¬ 
sent proved themselves to be model performances, as it was 
always possible for the society to procure actors from the 
ranks of the most prominent German and foreign theatres for 
the special roles in which they excelled. And besides, they 
obtained not only first dass soloists but also splendid orchestral 
results, as the actors and musicians were bound to attend 
very thorough and numerous rehearsals, and conductors of 
world-fame as well as first dass actor-managers took the lead. 
Naturally this year's program would not have been complete 
without the “Rosenkavalier“ of Richard Strauss. This latest 
musical comedy will be given twice, on the 25**» and 27**» of 


June, and probably will be conducted the first time by Strauss 
himself and the second time by Otto Lohse, who naturally 
knows the Cologne Municipal Orchestra best. Of the older 
Works, the “Master Singers“ and “Tristan and Isolde“ will 
be given, and further “Carmen“, which will be specially at- 
tractive, as a French Company is being composed for this 
performance. Lastly the classical operetta “Fledermaus“ is 
on the program and will be given in true Vienna style with 
the best actors of the large operetta stage of Vienna. Nego- 
ciations with the best actors and conductors are being held. 
Without doubt, the Cologne Festival plays will also maintain 
during this season the place which they have so deservedly 
won; they will be a source of pleasure to numerous travellers 
who visit the Rhine and will give them a welcome opportunity 
of seeing the most famous products of the German stage. 
For further details, we would refer the reader to the adver- 
tisement in our Journal. 

The Select Performances 
of the Rhenish Goethe Society at Düsseldorf. 

Among the special events which are got up in order to 
promote the interests of the German modern and classic 
drama, the Select Performances of the Rhenish Goethe Society 
occupy one of the first places. They are held every year 
in the Rhenish Garden City of Düsseldorf and have, since 
they first came into existence, taken a firm hold upon the 
theatre loving public, not only in the West of Germany, but 
also in foreign countries. The continual success and the 


Black Forest 

: Odenwald : _ 

Prospectus from the VERKEHRS-VERBAND KARLSRUHE (Baden) gratis. 


THE BADEN LAND 


The Rhine 
The Neckar 


KARLSRUHE. 


The beautifui residential city of Baden. The art, theatre, school and concert-town. Modern architectural 
monuments. Splendid parks and gardens, bathing-establishments, sanatoria. Starting-point for excursions into 
the Black Forest, the mountains of the Palatinate and the Vosges. Particulars from the VERKEHRS-VEREIN. 


PFORZHEIM. 


The gate of the Black Forest. The most important jewel-casket of a town in all the world. Starting point for the 
Höhenweg (high lying route) Pforzheim—Bale, Pforzheim—Waldshut,Pforzheim—Tuttlingen—Schaffhausen. Tourists’ 
reserve and supporting point for all tours in the Black Forest. Glorious surroundings with wildly romantic valleys. 
Further particulars from the VEREIN ZUR HEBUNG DES FREMDEN-VERKEHRS. 


• • 


Air-cure. 
Drink-cure. 
Bathing-cure. 
Summer resort. 
Mountain 
wanderings. 


i In the Black Forest, 1 

the most beautifui wooded highlands in Ger¬ 
many with summits more than 4500 feet high. 

• All Information with Guide gratis from the • 

I Verein Schwarzwälder Gasthofbesitzer, j 

A H0RNBER6. A 


Excellent opportun- 
ities for tourists. 
Splendid carriage, 
motor-cars 
and bicycle tours. 
Winter-Sport. 










108 DEUTSCHLAND m 


IQll 


increasing- reputation which they enjoy is the best proof of 
their high artistic value. 

It was love lor the immortal works of the German classics 
and the desire to overcome the changing taste of the ordinary 
public, which brought about the formation of the Rhenish 
Goethe Society by a number of high-lhinking and art-loving 
men. Amongst these was Freiherr von Rheinbaben, now the 
Ober-President of the Rhine Province, who to-day is President 
of the society. We would also mention at the same time, 
that the society is under the patronage of the German Crown 
Prince, who has already been present at the perfomances on 
several occasions. 

The artistic management, ever since the foundation of 
these plays, has been in the hands of the former first manager 
of the Royal Dramatic Theatre in Berlin and present director 
of the füinous Meiningen Court Theatre, Geh. Hofrat Max 
Grube. With his long experience, sound judgment and refined 
and unerring taste, he has made the Goethe Select Performances 
a source of pure pleasure and rieh enjoyment. 

What marks the real difference between these perfor¬ 
mances and the ordii -i.y classical plays of the German 
Stage, is the high stanu .rd of the acting, which is far above 
the averngc. 

The leading actors of all the most famous stages in 
Germany come to Düsseldorf and count it an honour to be 
able to participate in these performances, so that they even 
agree to take inferior roles in Order to act together with the 
other leaders of the German stage. This is to be found 
nowhere eise. The gala character is further increased by the 
scenic effects; large is the number of first dass scenes painted 
by the famous artist Hacker who has devoied years to finish 
some of them. 


ßelow we give the program for this year: June 24, 25, 26: 
King Richard III; June 28, 29, July 1: Much Ado about 
Nothing; July 2, 3, 4: King Lear; July 7,8, 9: Love's Labour's 
Lost; July 11: The Merry Wives of Windsor. 

Information fumished by the Secretary of the Rhenish 
Goethe Society, Rathaus, Düsseldorf. 

Musical Festivals. 

Besides the Cologne Festival Plays, there are 
other noteworthy musical events signalising this year, for 
example the famous Bayreuth Performances and the 
Munich Festivals, which exercise every year a strong 
power of attraction upon the international tourist traffic. 

BONN offers during 1911, among other attractions, a 
Beethoven-Festival to be held on a large scale 
(10'ü Chamber-Music Festival). It will be arranged by the 
Beethovenhaus-Club at Bonn from May 21st tili 25^^. The 
so-called chamber-music festivals have for many years 
enjoyed a well-merited repute and are visited in an ever-in- 
creasing measure by music-lovers from all parts of the world. 

The 87^1^ Lower Rhine Music Festival which ac- 
cording to a fixed plan arranged between the cities of Aix- 
la-Chapelle, Cologne and Düsseldorf will be held in the latter 
town this year June 4^^^, 5^*' and and js to be conducted 
for the first time by Professor Panzner, the new Musical 
Director of Düsseldorf. This festival is looked forward to with 
much expectation and the interest is even increased by the 
character of the program. It is published in our advertising 
columns and shows that the "Messiah'" by Händel will be given 
the first dav, whereas the remainder of the program is made up 



World renowned 

THERMAL SPRINHS 

Cure for 

Rheiiuijitisiu and 
Catarrlis 

of the re8j)iratory 

Organs 

Uiirivalled Ratliiiig 
Eslnblislimciits 

Drinking Cure 

New Inlialatorinni, 
unitpie in Eiirope 

Fi liest Pi ne Forest s 
Urape and Milk Cure 


Queen of the JBlach Forest. 


The Zeppelin Airship in Baden-Baden returninjJ trom an excursion. 


Most delightful Resort 

freqiiented by the best 
American, English 
and Frencli society. 

GOLF LINKS,TENNIS, 
RIDING, SIIOOTING, 
TROUT FISHING, 
FENCING, 

ALTO EXCURSIONS 

FIRST ZEPPELIN 
AIRSHIP STATION 

with regulär 
Passenger Trips. 
Great World renowned 
Horse Races. 


Hotel Terminus, 


?\unicipal inquiry office, Baden-Baden. 

Holland-Hotel j'iüORoomsfrom 4 marks, Breakfast l,50marks,Dinner 5 marks,Full board &c.from 12marks. 

HH ^ ^ ^ ^ im tlie Ivtir lioii'-io, 200 Rooms from 4 marks, Brcakfiist 1,50 marks. Dinner 5 marks 

* ■ I IWI w99lll Full Board from 12 marks. 

Hotol Rooms from 2.n0 marks, Rreakfast 1,20 marks, Dinner 8 marks. Full board from 7 marks* 

H.') Rooms from 2.5L) marks, Breakfa.st 1,20 marks, Dinnor 2,50/8,00 marks. Full board &c. 
from 7,00 marks. 











1911 


DEUTSCHLAND 


lil09 




by Works of Bach^ Beethoven, Brahms, Mozart, Reger, Schubert, 
Schumann and Strauss. 

RÜDESHEIM will see this year for the first time a cycle 
of festivals glorifying the Rhine legends. The leading roles are 
entrusted to first dass artists, besides whom citizens of Rüdes- 
heim will act in inferior parts. The performances will take 
place in the garden of the Brömser Castle, on the same 
spot, where the legends are supposed to have their origin. 

Exhibitions. 

EXHIBITIONS of ART. Important exhibitions of art 
will take place this summer at Berlin, Dresden, Munich, 
Düsseldorf and Baden-Bad.en. We would also mention 
in this Connection the exhibilion of projects for the National 
Bismarck Monument which may be inspected in May next 
at Wiesbaden. 

DRESDEN plans a number of festiveand important 
sporting events for this year in connection with its Ex¬ 
hibition of Hygiene, events, which make that city the 
centre of this year's travelling season. Up to now, about 
three hundred congresses and meeting of all sorts have been 
arranged to take place during the time of the exhibition, 
among which there are leading international societies. We 
lack space to enumerate all the festivities to be held there; 
particulars may be had through the Secretary of the Exhibition. 

Among other important exhibitions we would 
mention: 

The International Exhibition for Foreign 
Trarfic and Travel at Berlin (near the Zoological 


Garden) to be held from April tili June 20**^. It will 
give an interesting glimpse of the development of travelling 
and of the sights of the Continental places most visited 
by tourists. 

The East-German Exhibition of Industry, 
Trade and Agriculture at Posen from May 14^11 tili 
October (under the patronage of the German Crown-Prince.) 

The Lower Rhine Exhibition ofTrade, Industry 
and Art at Crefeld from the end of May tili October. 


LEIPSIC. Below we give the program of the city of L e i p s i c 
for 1911 (further particulars by the Verkehrs-Verein L e i p s i c, 
Handelshof,Naschmarkt): May 14th tili 25 ^^: Exhibition-markets 
for retailers, Messplatz. May 29*^ and 30^^': Concours Hippique 
of the Leipsic Racing Club and the Leipsic Garrison Racing 
Society. May Ist tili August Ist *. Exhibition of the Leipsic 
Artist's Society and the Artist's Union. May 7th, llth^ ISth; 
May Festival in the New Municipal Theatre. May 20^^^ tili 
21 st: Second Bach-Festival. May 20ti' tili 29t^': Circuit through 
Saxony for Aviators. May 25tt' (Ascension Day): Horse-races 
on the Race Course. May 2Öth: Horse-races on the Racc 
Course (Prise of the Saxon Government). June 25th: Horse- 
races on the Race Course (Germania Hunting Races). July 
30th: Cycle Race on the Sporting Field (Races for prises of 
honour). September 17^^ tili 27^*': Michel's Exhibition» market 
on the Messplatz. September 2n<i tiU 27'*^; MicheFs Exhibition- 
Market for Wholesale-Merchants. September 13^1»: Leather 
Market. 


SS 


I 




••••••••••••••••••••••••••••••••••• 


Black Forest 
: Odenwald : 


THE BADEN LAND 


The Rhine 
The Neckar 


Prospectus from the VERKEHRS-VERBAND KARLSRUHE (Baden) gratis. 


H0RNBER6 , Black Forest line. 

The Stretch Offenburg—Triberg—Constance—Lake of Constance. 1200 to 3000 feet above sea-level. 
Hppllth Rp^nrt sltuated in the middle of far extended pine forests. Glorious surroundings. 

lOQlllI fxooUl l About 25 English miles of well-kept woodland walks. Good inns and hotels. 


All Information gratis with prospectus, lists of lodgings and prices from the KUR- AND VERKEHRS-VEREIN. 


••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••( 


TRIBER6 

Summer and winterstation 


2000 to 3(XX) feet above sea-level. Central cIgSS hioh SitUGtSCl 

point of the Badish Black Forest railway. _ , , 

Numberofvisitorsseason 1910:15500without ilGGltn TGSOrt. = 

trippers. In a beautifui, entirely sheltered Situation amid far extended fir-woods. 

Splendid mountain-landscapes. Largest waterfalls in 6ermany. 


Numerous convenient promenades, magnificent excursions, views worth visiting. Swimming-, air- and sun-baths, • 
physical-diatetic therapy; tennisi exhibition of manufactures and trade. • 

_ Prospectuses and price-lists from the TOWN KUR-ADMINISTRATION gratis. =. ■== ■ | 

»•••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• 

- - 2200 feet above sea-level. ——:-: \/|| I IIVI I • 

Mountain Health resort VILLINÖEN.I 

• 

Interesting antique town with population of over 10000. Important collectlons and archives. Very populär mountaln health resort. Shady S 
prrk walks between the town and the town-parks, on the borders of which are a number of kur houses fitted up with every modern comfort. • 
TrkXA/n xAinorlc rxT 10 000 intersected in every direction by level park-llke walks, are completely free of l 

I n0 IOWn“WOOUo OT IUUUU auruo, togs. —Station onthehioh-lylngroad from PtorzhelmtoSchatfliausen. • 
Entrance to the high road Pforzheim to Waldshut through the town-woods. — Opportunities for Winter-sport. — Villa colony near the • 
woods, where building plots owned by the town can be had on very favourable conditions. * 

Information from the MAYOR’S OFFICE and from the FREMDENVERKEHRS-VEREIN. ! 












110 


[äi DEUTSCHLAND m 


1911 


AERONAUTICS and AVIATICS will brinor us soiae remar- 
kable exploits this year. The program for 1911 will excite 
the interest of the international tourist's world. To select 
a few of the events, we would mention the passeng'er trips 
on the Zeppelin airships at Düsseldorf and Baden- 
Baden and the important German overland flight, 
a Circuit starting from Berlin and following the route 
Magdeburg, Hamburg, Kiel, Schwerin, Hanover, 
Münster, Düsseldorf, Co 1 ogne, Dortmund, Nord- 
hausen, Berlin. 

The Kiel Week. 

KIEL is to have this year, from June 18’^' tili 23*'d^ an 
international aviatic week under the patronage of Prince 
Henry of Prussia. Furthermoore, the 39*l' meeting of the 
Federal Rifle Union attended by riflemen from all parts of 
Germany and other countries will be held there. As is the 
case every year, the so-called Kiel Week will be commenced 
hy the regattas of the Flensburg Sailing Club, the Elbe 
Regatta and the Regatta of the North German Club, as well 
as the Sea Regatta Glücksburg — Kiel. The regattas of the 
Flensburg Sailing Club will take place on June 17**' and 
June The Elbe Regatta which is open to the yachts 

of the international racing classes from six to nineteen metres 
in length, will be held on June 18‘l'. It is followed on June 
TQtii by the Sea Regatta Glücksburg—Kiel, which is arranged 
by the Imperial Yacht Club and the Flensburg Sailing Club. 
On the same day will be held the first American-German 
regatta of special dass boats. On June 20^*' the Lower 
Elbe Regatta is to take place with numerous prizes and on 
the same day at Kiel the second race of the American- 


German special dass boats. On June 21^*, the true Kiel 
Week begins and is commenced by the first special dass 
boat regatta for the Samoa Cup, a club race of the Imperial 
Yacht Club having already been held the day before in 
Kiel Harbour. 

The RACING WORLD has arranged some high-dass 
races for this year at Berlin-Grunewald, Hoppegarten, Baden- 
Baden, Frankfort o. M., Hamburg, Magdeburg, Dresden, 
Dortmund, Cologne and Strasburg, most of which enjoy 
already a long international repute. 

Notice. 

We also refer to the numerous advertisements of the 
German towns Verkehrs-Vereine, administrations of health 
and watering places, hotels etc. in this number of the 
"Deutschland", the editor of which will always be pleased 
to give any Information which may be required. 

Our Special Number American Traveller's Edition may 
be had from the editor direct and through the Branch Office 
of the Bund Deutscher Verkehrs-Vereine at New York (Head 
Office at Leipsic) as well as through the agencies of the 
North German Lloyd, the Hamburg America Line and the 
Dorland Agency 389, Avenue in New York, and further 
through our British repräsentatives Ernest Martin & Co., 
Imperial Buildings, London, EC. Ludgate Circus. 


I .(lilor-in-chicr aiul rcs|)ün.s I) e for tlie general deparlnient: Josef 
S I h u in ac h e r. Düsseldorl ; loi llie a(l\er lisemenl departnicnl: liruno 
Korb, Düsseldorf. Printed and pnlrlished by Ihe Düsseldorfer 
Ver 1 ags a n s l a 11 A.-G. in Düsseldorf. JCnglish Translation by K Hugh 
tones, Düsseldorf, and Miss Lora P. Wilkins, .AineriUa-lnsülul,Berlin.) 


^ ----^ 

IC 11 fl fl W R Bath for Heart Diseases 

(Silesia). 1200 feet above sea-level. 


Most powerfu. 

arisciiic and 
iron springM 

in Germany 
for the eure of 

HeRrt 

diseases and diseases 
of the blood, nervous 
complaints and 
diseases of women 


Kur-hotel 

^‘Fürstenhof^S 

first-class. 


120 hotels and 
boarding-houses. 

19 physicians« 


Baths taken: 

137,467. 



• ' 4 

>1 

^ ^.A| 


l l -Jx * T T 

1 





Powerful 

lithinni sprin^s, 

containing radium, 
for the eure of 

Gont, 

kidney and bladder 
diseases. 


4 bathing-establish- 
ments. 

Medioo - mechan. 

Institut. 

Rön tgencabinet. 
TVater supply from 
high lying springs. 
Electrioity. 
Drainage. 

Number of visitors 

1910: 

14 591 persons» 


Theatre, concerts, 
: thinions, sport. 


JV^atural carbonic-acld and nind-bath$!». 




Prospectuses and particulars sent willingly from all tourist-offices and the Bath administration. 

— 



































1911 DEUTSCHLAND 111 


Fares for express-trains between the places mentioned below. 

(Compiled by the Royal Prussian Railway Administration at Cologiie on the Rliiiie.) 




from Berlin 



from Bremen 



from Hamborg 


To: 




















I. Kl. 

11. Kl. 

III. Kl. 

I. Kl. 

II. Kl. 

III. KI. 

I. Kl. 

II. Kl. 

III. Kl. 


cJC 

4 

4 

4 

^ 1 

4 


4 


4 


rd) 

■A ! 

rS) 


'df 


4 

Aix la Chapelle . . . 

50 

80 

31 

10 

20 

_ 

30 

70 

19 

70 

12 

70 

40 

20 

25 

50 

16 

30 

Augsburg. 

50 

40 

30 

90 

19 

90 

56 

20 

36 

20 

22 

50 

62 

70 

37 

70 

24 

20 

Baden-Baden . 

60 

70 

36 

50 

23 

50 

53 

50 

32 

90 

21 

20 

57 

40 

35 

90 

23 

— 

Basle. 

72 

40 

45 

— 

28 

60 

68 

90 

41 

80 

27 

10 

71 

90 

43 

70 

28 

30 

Bayreuth. 

33 

40 

21 

40 

13 

80 

45 

60 

28 

90 

18 

60 

50 

— 

30 

60 

19 

70 

Berlin. 







28 

30 

18 

20 

11 

70 

24 

70 

16 

90 

9 

90 

Bonn. 

50 

10 

30 

70 

19 

70 

30 

20 

19 

40 

12 

50 

39 

70 

25 

20 

16 

10 

Brunswick. 

17 

50 

12 

— 

7 

60 

16 

50 

10 

70 

6 

80 

18 

60 

12 

— 

7 

60 

Bremen. 

28 

30 

18 

20 

11 

70 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

10 

20 

6 

80 

4 

20 

Bremerhaven . 

33 

10 

21 

30 

13 

70 

5 

30 

3 

50 

2 

20 

— 

— 

6 

90 

4 

35 

Breslau . . . 

27 

60 

17 

70 

11 

20 

54 

40 

34 

— 

21 

80 

50 

90 

31 

20 

20 

10 

Cassel. 

30 

10 

19 

30 

12 

40 

24 

70 

15 

90 

9 

90 

28 

60 

18 

40 

11 

80 

Coblence. 

50 

60 

31 

— 

19 

90 

34 

30 

22 

10 

14 

30 

43 

80 

27 

80 

17 

80 

Cologne. 

47 

80 

29 

20 

18 

80 

27 

90 

17 

90 

11 

50 

41 

30 

26 

20 

16 

70 

Crefeld. 

1 43 

40 

27 

50 

17 

60 

24 

90 

16 

— 

10 

— 

33 

10 

21 

30 

13 

70 

Cuxhaven . 

1 32 

— 

20 

60 

13 

30 

18 

20 

11 

80 

7 

50 

10 

20 

6 

80 

4 

20 

Darmstadt ........ 

i 45 

30 

28 

80 

18 

50 

41 

— 

26 

— 

16 

60 

44 

90 

28 

60 

18 

30 

Dantzig.. 

1 38 

30 

24 

20 

15 

40 

C6 

50 

40 

20 

26 

90 

63 

— 

37 

90 

24 

30 

Dresden. 

16 

20 

10 

50 

6 

60 

41 

— 

26 

— 

16 

60 

38 

50 

24 

40 

15 

50 

Düsseldorf. 

43 

70 

27 

70 

17 

70 

25 

10 

16 

10 

10 

10 

33 

40 

21 

50 

13 

90 

Eisenach. 

27 

50 

17 

70 

11 

10 

31 

4'i 

20 

90 

13 

10 

37 

60 

23 

80 

15 

10 

Elberfeld . 

41 

30 

26 

20 

16 

70 

23 

50 

15 

60 

9 

70 

32 

50 

20 

90 

13 

60 

Essen.. 

40 

60 

25 

70 

16 

40 

21 

60 

14 

40 

8 

90 

30 

60 

19 

70 

12 

70 

Frankfort o. M. . ..... 

43 

40 

27 

50 

17 

60 

39 

10 

24 

80 

15 

80 

43 

— 

27 

20 

17 

40 

Hamburg.. 

24 

i 70 

15 

90 

9 

90 

10 

20 

6 

80 

4 

20 







Hanover. 

21 

70 

14 

50 

9 

— 

10 

20 

6 

80 

4 

20 

16 

60 

10 

80 

6 

80 

Heidelberg. 

51 

1 50 

31 

70 

20 

,60 

45 

30 

28 

80 

18 

50 

51 

— 

31 

20 

20 

10 

Karlsruhe .. 

55 

j 60 

34 

90 

22 

50 

51 

— 

31 

20 

20 

10 

54 

80 

34 

30 

22 

00 

Kiel. 

30 

1 40 

19 

60 

12 

60 

19 

50 

13 

10 

8 

10 

9 

50 

6 

20 

3 

90 

Königsberg. 

40 

1 20 

30 

10 

19 

40 

75 

60 

IG 

90 

29 

80 

72 

10 

43 

80 

28 

30 

Leipsic .. 

15 

' 10 

9 

80 

6 

10 

31 

50 

20 

'30 

13 

10 

30 

50 

19 

60 

12 

60 

Magdeburg. 

12 

80 

8 

80 

5 

•10 

22 

60 

15 

— 

9 

30 

21 

50 

14 

30 

8 

90 

Mayence .... . 

47 

80 

29 

20 

18 

80 

11 

70 

26 

40 

16 

90 

15 

60 

28 

90 

18 

60 

Mannheim . . . 

51 

!50 

31 

70 

20 

50 

44 

80 

28 

40 

18 

20 

50 

40 

30 

90 

19 

90 

Munich. 

53 

•10 

32 

*80 

21 

20 

63 

- 

37 

90 

24 

40 

67 

— 

40 

40 

26 

— 

Münster. 

3(; 

50 

22 

170 

14 

70; 

15 

80 

10 

20 

6 

40 

24 

80 

15 

90 

10 

— 

Nuremberg . 

39 

— 

24 

70 

15 

80 

48 

30 

29 

50 

18 

90 

52 

20 

32 

— 

20 

60 

Posen . 

21 

90 

14 

60 

9 

10 

52 

30 

32 

10 

20 

70 

44 

20 

28 

— 

18 

— 

Stettin. 

12 

30 

8 

50 

5 

20 

39 

— 

24 

70 

15 

70 

34 

20 

22 

— 

14 

20 

Strasburg . 

65 

60 

38 

80 

25 

10 

56 

40 

3*> 

40 

:3 

80 

63 

80 

38 

50 

24 

90 

Stuttgart. 

55 

40 

34 

70 

22 

20 1 

55 

40 

34 

170 

23 

20 

61 

80 

37 

10 

23 

80 

Wiesbaden . 

48 

10 

29 

40 

18 

90 

42 

— 

26 

!60 

17 

— 

47 

70 

29 

10 

18 

70 


The fares arc only for single journeys (thore or back). For Luxus-trains and sleeping-cars an extra-price is charged. 



From 

weather permitting. short 

Pnssenger-Trips ..e Zeppelin-Airship 
“Deutschland“, 

generally lasting frora one to two hours are arranged, to 
carry passengers over the adjacent industrial districts and the 
charming scenery of the “Berg land“. 

- Exeursions are planned daily at 9 ^ 1 ^ am. and 3 pm. — 
The fare for these attractive tours will he M. 200 each person. 

In view of the anticipated great demand for seats, it is highly 
advisable to secure same well in advance. Applications should 
be addressed to the: 

Haiiibiirg-Aiiierika 

Airship-Depaptment, 

Düi^Meldorf., Willielmplatz lO. Telephone: 748H. 

Telegrams: Hapag, Düsseldorf. 


































































































































































This book should be returned to 
tb© Library on or before th© last dat© 
8tamp©d b©low. 

A fin© of üv© c©nts a day is incurr©d 
by r©taiiiing it b©yond th© sp©cifi©d 
tim©. 

Pl©as© r©turn promptly. 































































































































HDWID